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Lieber ... ! Friede sei mit Dir!

Danke für den Brief; ich hatte schon angefangen, mir viele Sorgen
um Dich zu machen. Leider lastet Deine Vergangenheit schwer auf
Dir, aber ich bin froh, daß Du das wenigstens einsiehst, und ich
verurteile Dich deswegen auch nicht. Der Mensch ist so schwach
und die Sünde in Seele und Körper so stark (und die Dämonen
verbeißen sich derart in den, der ihrer Gewalt zu entrinnen
versucht), daß Rückfälle und bisweilen gar eine Rückkehr ins
frühere Leben unvermeidlich sind. Laß Dich dadurch weder beirren
noch entmutigen – alles braucht seine Zeit. Ins Reich Gottes geht
man, wie Du weißt, mit Leiden, Kämpfen und großer
Kraftanstrengung ein. Du hast im Evangelium gelesen, das
Himmelreich sei einem Sauerteig gleich, das mit Mehl vermengt
wird, bis es versäuert. So wird auch die Seele nicht augenblicklich
vom neuen Sauerteig des Evangeliums durchsäuert. Manchmal
läuft dieser Prozeß rasch ab, und bisweilen verlangsamt er sich: Du
weißt schon, wovon ich spreche. Laß Dich deshalb nicht beirren,
wenn Du keine Besserung feststellen kannst. Bemühe Dich, nach
den Geboten des Evangeliums zu leben, widerstehe jeder Sünde in
Taten, in Worten oder in Gedanken, und gib nicht freiwillig Deinen
schlechten Neigungen nach.
Hast Du es dennoch getan, bereue es vor dem Herrn, bitte ihn um
Vergebung und nimm den Kampf gleich wieder auf. Halte es so bis
zum Tode. Denke daran, daß Du allein nicht gewinnen kannst - rufe
bei jeder Versuchung unseren Herrn Jesus Christus um Hilfe an.
Dann wird Dein guter Wille von Gottes Kraft unterstützt werden,
die jede Sünde und jedes dämonische Wirken zunichte machen
kann. Wenn es Dir gelingt, ein sündiges Verlangen zu überwinden,
so schreibe dies nicht Dir, nicht Deiner Kraft zu, sondern dem
Herrn, und danke ihm für seinen Beistand. Schreibst Du es
hingegen Dir zu, verfällst Du wieder der gleichen Sünde.
Rufe öfters den Namen Gottes an. Du hast ungefähr begriffen, was
gut und was böse ist - jetzt erwartet der Herr von Dir, daß Du Dich
ihm und seinen heiligen Geboten anschließest und Dein Leben nach
ihnen und nicht nach den Einflößungen der Dämonen oder nach
Deiner gefallenen, sündigen Natur ausrichtest. Du bist frei in der
Wahl: Der Herr beobachtet, wohin Dein Wille Dich führt. Das
Erdenleben ist uns ja dafür gegeben, dass wir hier frei zwischen
Gott und dem Teufel wählen.
Und das künftige Leben hängt deshalb vom irdischen ab.
Wer sein ganzes Leben der Sünde frönt und dem Teufel dient, wird
auch nach dem Tod in seiner Gesellschaft bleiben. Wer aber im
Leben zu Gott strebt, geht, auch wenn er bisweilen gestürzt ist,
nach dem Tod mit Gott in die ewige Glückseligkeit ein.
Der Herr hat Dir Deine Krankheit nicht umsonst herabgesandt -
nicht so sehr für begangene Sünden, obwohl Verderben
preisgeben, sondern die ewigen Qualen abwenden. Habe doch
Mitleid mit Dir und mit ... Du hast sie doch früher geliebt, und
vielleicht auch jetzt noch. Tut es Dir denn wirklich nicht leid, sie zu
quälen? Bitte sie um Verzeihung, wenn Du sie kränkst, auf daß der
Herr auch Dir verzeihe. Wenn Du selbst mit Deinen Nächsten in
Unfrieden lebst, wie wirst Du Dich mit Gott versöhnen können?
Was immer Du auch tun magst:
Verzweifle nicht. Bete in einem klaren Augenblick zu Gott, und er
wird Dir helfen und Dir verzeihen. Besinne Dich! Komm zu uns, hier
kannst Du beichten, kommunizieren und geistliche Bücher lesen ...
... Ich bin ein sündiger Mensch und bemitleide Dich aus ganzem
Herzen. Der Herr aber bemitleidet jeden Sünder tausendmal mehr
und wartet nur auf dessen Umkehr, um ihm alle Sünden und
Abscheulichkeiten zu vergeben und ihn zu erlösen. Wende Dich im
Gebet zum Herrn, bereue Deine Sünden und meide schlechte
Menschen. Hör auf zu trinken, richte Dich nicht zugrunde.
Wendest Du Dich nicht in Reue und Demut zum Herrn, erwartet
Dich noch hienieden großes Leid und nach dem Tod Heulen und
Zähneknirschen, der unersättliche Wurm und das unauslöschliche
Höllenfeuer; eine ewige, schaurige und unvorstellbare Qual.
So schwer es auch sei, alles Irdische nimmt ein Ende. Nach dem
Tod aber bricht die Ewigkeit an, die Ewigkeit in unsäglicher
Glückseligkeit oder in grauenhafter Qual.
Die Entscheidung liegt in unseren Händen. Der Herr wünscht allen
Menschen das ewige Glück, aber er zwingt niemanden dazu. Wenn
Du nicht mit ihm im Licht und in der Freude sein willst, kommst Du
zum Teufel in die ewige Finsternis und Qual.
Alles, was ich Dir hier geschrieben habe, ist die unzweifelhafte
Wahrheit. Hab Mitleid mit Dir und sei barmherzig zu Dir.
http://www.scribd.com/doc/27159986/Briefe-Eines-Russischen-Starzen-an-
Seine-Geistlichen-Kinder