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Fundamenta Psychiatrica

© F. K. Schattauer Verlagsgesellschaft mbH (1993) Originalarbeit


U. Kobbe Zur Dialektik
Aus dem Westfälischen Zentrum
für Forensische Psychiatrie Lippstadt operationaler Diagnostik
(Leiter: Dr. med. H. Duncker)
Antithesen aus der forensischen Psychiatrie*
Wissenschaftliche Begriffe haben ... Schlüsselwörter
eine eigene Entstehungsgeschichte, die in Operationale Diagnostik, Postmoderne, forensische Psychiatrie, wissenschaft-
den gesellschaftlichen Prozeß eingebet- licher Diskurs
tet ist. Foucault hat dies für die Psychia-
Zusammenfassung
trie, die medizinische Klinik, die Sexual-
Anhand der Einführung des DSM in der forensischen Psychiatrie werden kriti-
wissenschaft gezeigt« (70, S. 85).
sche Aspekte der postmodernen Implantierung und Anwendung operationaler
Diagnosesysteme exemplifiziert. Die generierten Antithesen beziehen sich auf
das mutierte Bild vom psychisch kranken Rechtsbrecher im Maßregelvollzug,
Vorbemerkung das evakuierte (tiefen)psychologische Verständnis, auf die scheinbar gebannte
Infektionsgefahr des Bösen sowie auf unzureichende therapeutische Handlungs-
Der Ton der Direktheit ermöglicht,
anweisungen. Der Einfluß formaler Entscheidungsbäume bewirkt eine proble-
pointierte Fragen zu stellen, die der ob-
matische Entmachtung des bisherigen wissenschatlichen Diskurses, d. h. algo-
jektivierende wissenschaftliche Diskurs
rithmische Veränderungen diagnostischer Begriffe bzw. therapeutischer Aussa-
nicht mehr zuläßt: So wird im folgenden
gen. Hinsichtlich des Patienten werden mystifizierende Auswirkungen auf des-
die Position des >advocatus diuboli«
sen Selbstbild wie therapeutische Notwendigkeiten der Entpathologisierung de-
eingenommen, um den >horror vacui<
struktiver Attribuierungen beschrieben. Insgesamt wird ein postmoderner Trend
postmoderner Diagnostik am Beispiel
zu diagnostischen Simulakren angenommen, die - analog der Kritik von Finzen -
der forensischen Psychiatrie zu konter-
den Blick auf den Zusammenhang von Medizin und Justiz, von Diagnose und
karieren, in der sich einzelne Probleme
Urteil verstellen.
akzentuierter aufzeigen lassen. Insofern
zielt die Arbeit nicht auf die Aufhebung
Keywords
von Antinomien durch Synthese ab,
Operational diagnosis, postmodernism, forensic psychiatry, scientific discourse
sondern es wird versucht, die Thematik
provokant für neue Antworten offenzu- Summary
halten. »Nichts ist gefährlicher als das The author outlines postmodernistic introduction and application of DSM-diagno-
Dogma (die Synthese), denn es ver- ses in institutions of forensic psychiatry to exemplify critical aspects of operatio-
sperrt jeden Weg«, haben doch These nal diagnostic Systems. He demonstrates by antitheses the mutated idea of
und Antithese »auf beiden Seiten der mentally ill delinquents in mandatory commitment, the evacuated psychodyna-
Grenze Geltung« (5, S. 21). mic comprehension, the appearingly banned infectious danger of the evil äs well
äs the insufficient therapeutic instruction by operational diagnostic. He describes
the problematical algorithmic influence on the scientific discourse which results
in changed diagnostic and therapeutic significations. Patients experience
sustains defensive delineations and becomes mutilated by mystificationing dia-
Überarbeiteter Vortrag auf der 6. Forensi- gnoses which require therapeutic demystifications of destructive attributations.
schen Herbsttagung am 25726. 11. 91 in Altogether a postmodernistic trend toward diagnostic simulacrums can be sup-
München.
Lyotard schreibt eine Anmerkung Freuds
posed: these »illusions of Solutions« bar - in analogy to Finzens critique of post-
(15, S. 64) wie folgt um: »Man kann sich modern psychiatry (15) - the regard on the context of medicine and justice, of dia-
doch einem Gedanken hingeben3 [ge- gnosis and judgment.
braucht in den Wendungen: sich Vergnü-
gungen oder Ausschweifungen hingeben],
ihn verfolgen, soweit er führt, nur aus wis-
senschaftlicher Neugierde6 [die Gier (desir) Einleitung sierende Diagnose-, Dokumentations-
nach Neuem und Neuigkeiten] oder, wenn und Klassifikationssysteme, so das
man will, als advocatus diaboli, der sich In den letzten Jahren etablierten sich DSM-III-R (68); kritische Ausnahmen
doch nicht dem Teufel selbst verschreibt«
parallel zur herkömmlichen psychiatri- sind u. a. Rösler (53), Glatzel (17),
(36, S. 74).
a im Original deutsch: Hinzufügungen in [] schen Diagnosestellung mit ICD-Stan- insbesondere Kraus (30). Nunmehr
von Lyotard. dards fast undiskutiert operationali- schwappen diese Ansätze des DSM wie
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Originalarbeit
des Forensisch-Psychiatrischen Doku- nis, die Notwendigkeit dieses in der ständnis vorbeugen, welches sich in der
mentationssystems FPDS (18, 43, 44, Übercodierung begründeten Verhält- Logik der Methode so einseitig orien-
53) aus den Bereichen epidemiologi- nisses verweisen die Bezeichnungen auf tiert, daß es für nichtlogische Methoden
scher Forschung und Begutachtung das Beliebige (oder aber sie lassen diese blind wird oder sie entstellt oder gar
auch in die forensische Psychiatrie über. als fortdauernde Bausteine des alten verbietet«: zweitens müsse »man einem
»Vorweg muß jedoch daran erinnert Systems bestehen).« Verständnis der wissenschaftlichen Re-
werden, daß der Terminus >Diagnose< Es finde sich ein »Imperialismus des volution vorbeugen, welches die revolu-
einen ganz besonderen Sinn hat. Wie sei- Signifikanten«, der gerade in der foren- tionären F-A-Ketten auf algorithmi-
ne Etymologie zeigt, hat (er) nicht nur sischen Psychiatrie der despotischen sche Prozesse reduziert« (22, S. 120).
den Sinn von »bezeichnen« oder >identi- Ordnung des Gesetzes entspricht und Gemeinsam mit formal-algorithmi-
fizieren<, sondern ganz spezifisch den mit ihr Teil hat »an derselben bald offe- schen Entscheidungsbäumen und der
von > entscheiden, 'unterscheiden', >dif- nen, bald versperrten Frage, an der hierdurch bewirkten Vervielfältigung
ferenzieren< ( . . . ) . Daraus folgt, daß fortgeführten Abstraktion, dieser Ver- des Aufmerksamkeitsfokus greifen die
der Ausdruck >Differentialdiagnose< drängungsmaschinerie, die uns stets neuen Signifikanten als Mutationslinien
ein Pleonasmus ist« (10, S. 277 ff.). von den Wunschmaschinen entfernt« und Vektoren auf eine Art und Weise
Angesichts verobjektivierender dif- (7, S. 174). Insofern verstellen derartige in das medicojuristische Feld therapeu-
ferentialdiagnostischer Systeme auch Diagnosesysteme als postmoderne Si- tischer Dispositive, repressiver Kräfte,
im Umgang mit psychisch kranken mulakren2 den Blick auf den rhizomor- intra- wie interindividueller Widerstän-
Rechtsbrechern gewinnt die Forderung phen3 Zusammenhang von Medizin und de und kollektiver Prozesse ein, die den
Kaminskis (25, S. 5) Aktualität, »jede Justiz, von Diagnose und Urteil. Auf Wert eines diagnostischen Begriffes
Psychologie müßte sich mindestens diese Tendenz der bedenkenlosen Um- oder einer therapeutischen Aussage
auch dieses fragen: ob ihr homo psycho- etikettierung, die als »Scheinlösungen verändern muß (6, 52).
logicus lebensfähig wäre, ob er Gesell- postmodernen Denkens (...) die Per-
schaft entwickeln könnte, ob er Psycho- spektiven verstellen«, wies bereits Fin-
logie hervorzubringen und anzuwenden zen (13, S. 40) hin. Diagnostische »Behandlungen«
imstande wäre«.
Was nun bewirken diese differentiel-
len Diagnosen und ihre Komplexität in
Wissenschaften der Institution des Maßregelvollzugs
Neue (Signifikations-) in der Postmoderne und beim betroffenen Patienten? Fou-
Verhältnisse coult (14) beschreibt die Tatsache, daß
Mithin erfolgt nach Meinung des im Zuge der Schaffung neuer Strafsy-
»Ich werde auch das Ganze: der Spra- Verfassers innerhalb der wissenschaftli- steme die sogenannten »peinlichen
che und der Tätigkeiten, mit denen sie chen Sprachspiele keineswegs eine Strafen«, die »Leibesmarter« und so
verwoben ist, das >Sprachspiel< nennen neue Argumentation, sondern vielmehr auch »der gemarterte, zerstückelte, ver-
(69, S. 101). - »Es gibt viele >Sprach- die Mutation des Spiels durch die Erfin- stümmelte, ... gebrandmarkte, lebendig
spiele< - ich ziehe es vor, >Diskursgen- dung neuer (algorithmischer) Regeln oder tot ausgestellte, zum Spektakel
res< zu sagen« (38. S. 158). (36, S. 128). Algorithmen beinhalten dargebotene Körper« verschwanden.
Phänomenologisch fällt zunächst auf, Frage-Antwort-(F-A-)Spiele, für die Änliches beschreibt Jetter (23) für die
daß DSM-Kategorien (angloamerikani- die Oberflächengrammatik des Fragens Ablösung körperlicher Behandlungs-
sche) konstative Neologismen etablie- irrelevant geworden ist: Sie operieren methoden durch ein >traitement moral
ren, neue Signifikanten schaffen (»hi- mit »Satzradikalen« (22, 69), die den et philosophique< (Pinel): An die Stelle
strionische Persönlichkeit«, »Major De- diagnostischen Frageraum neu konsti- des Körpers als Ziel staatlicher Repres-
pression« usw.). Hierzu skizziert Witt- tuieren und so den bisherigen wissen- sion tritt bei Mördern wie Narren die
genstein (69), daß »Benennen« und schaftlichen Diskurs entmachten. Jäger Seele, die Gefängnis des Körpers ist
»Beschreiben« nicht »auf einer Ebene« (22, S. 116) führt in diesem Zusammen- und auf deren Manipulation die Strafe
stehen: das reine Benennen durch neue hang das Thema der Vergewaltigung nunmehr abzielt. »Letztlich ging es
Signifikanten sei »noch gar kein Zug im des (Untersuchungs-)Gegenstandes nicht um den allzu veralteten oder allzu
Sprachspiel, - so wenig wie das Auf- durch die Modifizierung der Methoden aseptischen, allzu kargen oder allzu per-
stellen einer Schachfigur ein Zug im ein: Man müsse »einem Methodenver- fektionierten Rahmen des Gefängnis-
Schachspiel. Man kann sagen: Mit dem ses, sondern um ... jene ganze Techno-
Benennen eines Dings ist noch nichts logie der Macht über den Körper, die
Simulakrum = Trugbild, Blendwerk, Fassa-
getan« (69, S. 128). Insofern erscheint de, Schein; von lat. simulacrum: Bild, Abbild,
von der >Technologie der Seele< ... we-
die Erfindung neuer Begriffe, anderer Bildnis, Nachbildung, Gebilde, Statue, der maskiert noch kompensiert werden
Signifikanten eher als Zeichen einer Götterbild, Bildsäule, Traumbild, Schatten, kann, da sie ja nur eines ihrer Instru-
Krise der Wissenschaft (17). Immerhin Gespenst (3) mente ist« (14, S. 43).
Rhizom = System von »Wurzeln«, die sich
merken Deleuze und Guattari (7. von einer Hauptwurzel unabhängig supple-
In diesem Kontext also kommt eine
S. 275) an, »die Zerstörung des alten mentär und »chaotisch« verästeln, ausbrei- wissenschaftliche Diagnostik und Klas-
Codes, das neue Signifikationsverhält- ten, verdichten (8) sifikation auf, die sich unter dem
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Kobbe: Zur Dialektik operationaler Diagnostik
Aspekt der Hilfe eben dieser kranken ger wird, können doch forensisch-
Verbrecherseele zergliedernd an- Behandlung der Diagnosen psychiatrische Patienten die gutachter-
nimmt, insofern die Mißhandlung der lichen Äußerungen häufig genug nur als
Gliedmaßen quasi psychochirurgisch Was machen Therapeuten im weiteren Schuldvorwurf, als zusätzliche
und anscheinend schmerzfrei substitu- Maßregelvollzug mit diesem Syndrom- Pathologisierung erleben.
iert. katalog und seinen Etiketten? Stierlin Darüber hinaus entwerfen auch noch
Der diagnostische Blick »ist ein Zere- (64) beschreibt unter Bezugnahme auf so neutral-deskriptiv gemeinte, letztlich
moniell der Kontrolle, der Kontrolle des Laing (33) drei Abwehrmechanismen, aber eben zugleich utilitaristische dia-
Geistes, des Körpers und des Betragens, die affektiv und kognitiv hemmend auf gnostische Systeme ein Bild vom Men-
und immer ist es neben allem anderen jede Therapie Einfluß nehmen: Patien- schen, hier vom psychisch kranken
eine Kontrolle um der bloßen Kontrolle ten erfahren diagnostische Zuschrei- Rechtsbrecher in der forensischen
willen, der verstärkten, perfekten, totalen bungen von Schwäche oder Schlechtig- Psychiatrie, als entfremdetem »ab-
Kontrolle willen ... Wir werden nicht keit/Bösartigkeit, die Shapiro als »de- strakt-isoliert-menschlichem Individu-
mehr gefesselt, gefoltert, zerfetzt und fensive delineations«, als Abstempelun- um« (39), so daß sich unweigerlich die
in Stücke gerissen. Wir werden geistig gen mit Abwehrcharakter kennzeichnet Frage nach dem Verbleib, dem Schick-
zerlegt« (34, S. 49). (62); zweitens erfolge eine Invalidie- sal des konkreten Individuums stellt.
Und nicht nur das - zugleich verse- rung, die auf die Disqualifikation der »Löst man die psychologischen Tat-
hen die differentiellen Diagnostiker Äußerungen des abhängigen (foren- sachen vom Individuum ab, ... bleibt
»ausdrücklich« (55) das ohnehin zwei- sisch-)psychiatrischen Patienten ab- (man) befangen in Betrachtungen, die
fach als bös-krank und kriminell zielt, und drittens werde eine Induzie- oberhalb oder unterhalb des besonderen
stigmatisierte Individuum durch »meh- rung von Abwehr vorgenommen. Individuums ansetzen« (48, S. 82; 53, S.
rere Diagnosen für Persönlichkeits- Durch die Attribuierung von Schwäche 178). Und: »Die Algorithmentheorie be-
störungen bzw. Persönlichkeitszüge« und Bösartigkeit sowie durch die Invali- faßt sich - philosophisch gesehen - nicht
(55, S. 23; 56, S. 152) zum Teil mit dierung der (Selbst-)Wahrnehmungen mit der Erkenntnis, sondern mit Anwei-
zusätzlichen und diskriminierenden versucht der Diagnostiker auch, Ko- sungen zum Handeln, zur Umgestaltung
pathologischen Unarten. Es kommt operation, d. h. »eine Bereitschaft, sich der Weh. Jede Tätigkeit, die algorith-
analog der angstauslösenden, un- ummodeln und versklaven zu lassen« misch beschrieben werden kann, hört
auslöschlichen Einschreibung des (64, S. 169). zu erzwingen; dies meist auf, schöpferische geistige Tätigkeit zu
Urteils/der Diagnose als symbo- mit dem gegenteiligen Effekt der Indu- sein und wird zur schematischen Arbeit«
lische Wunde in den Körper/die zierung eines Widerstandes gegen jede (26, S. 51).
Seele des Delinquenten zu Eintragun- Veränderung. »Folge all dieser Strate-
gen aus dem Über-Ich (2, S. 140), gien sind die Verhinderung der Indivi-
zur quasi kafkaesken Verstümmelung duation, der Entwicklung von Identität Diagnosen: l'art pour l'art?
des Selbstbildes des Patienten, die sowie die Verzerrung der Kommunika-
die bereits existenten »Strafopera- tion und der kognitiven Schemata« In der Tat stellt sich Therapeuten die
tionen« komplettiert (24). Die vor- (63, S. 247). Frage, was ihnen die differenzierten
genommene diagnostische Mehrfach- Autoren wie Simon und Stierlin (63, Diagnosen an die Hand geben für die
etikettierung »bestraft, wenn jemand S. 246 ff.) oder Wurmser (71, S. 366 ff.) Entwicklung von therapeutischen und
die soziale Rückkehr versucht. Es bezeichnen dies in Anlehnung an Laing prophylaktischen Handlungsanweisun-
entsteht ein Wechselspiel von Diskrimi- (33) und Marx (40, S. 426 ff.; 57) als My- gen (58, S. 15), hier speziell von Be-
nierung (Stigmatisierung) und Selbst- stifizierungen: Es müsse für den Psy- handlungszielen und -planen nach den
stigmatisierung« (12, S. 143), an dem chotherapeuten darum gehen, das Sym- Forderungen des Maßregelvollzugsge-
gerade additive diagnostische Modelle ptom zu entpathologisieren, d. h. de- setzes (§ 14 MRVG-NW). So beklagt
fatalen Anteil haben. Ein Betrag struktive Zuschreibungen zu entmysti- selbst Helmchen (21, S. 22) den »ziem-
folglich zur Festschreibung der Aus- fizieren, invalidierte Selbstbilder und lich kleinen« Einfluß derartig elaborier-
gliederung des Individuums, für das Aussagen zu validieren und induzierten ter Diagnosesysteme auf die Behand-
hingegen das Gesetz (16) Eingliede- schuldhaften/passiv-schicksalhaften/ lungsplanung, da sie »gegenwärtig ... in
rungspläne vorsieht (§ 14 MRVG-NW). gebundenen Reaktionsweisen bzw. der Psychiatrie von diesem Ziel noch
So könnte verständlich werden, wie Widerständen entgegenzuwirken 4 . Eine weit entfernt« seien.
sich auf Beachtung der Individualität Vorgehensweise, die nunmehr ange- Auch Schulte und Wittchen kommen
ausgerichtete Diagnostik in der foren- sichts der Explosion des diagnostischen in ihrer Bestandsaufnahme des Nutzens
sischen Psychiatrie in ihr Gegenteil Diskurses mit ausdifferenzierten klassifikatorischer Diagnostik für die
verkehrt, zum Instrument der Unter- diagnosenmultiplizierenden Zuschrei- Psychotherapie (61) über den Hinweis
werfung wird, hierbei »gleichwohl bungsmechanismen ungleich schwieri- auf die Verbesserung des idiographi-
auf Gewaltsamkeit verzichtet« und schen Prozesses der »target-Auswahl«
dabei »kalkuliert, organisiert, tech- mit Hilfe des DSM nicht hinaus, da
nisch durchdacht, subtil ... und gleich- Eine Anregung zu diesen Ausführungen
»heute keine überzeugenden Daten
wohl physischer Natur sein« kann verdanke ich meiner Kollegin Marlene vorliegen, nach denen die (derzeitige)
(14, S. 37). Remiasch. nosologische Diagnostik ein geeignetes
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Originalarbeit
Indikationskriterium wäre, ihr also eine Humanwissenschaften sind beispiels- wissenschaftlicher Perspektive zu ei-
Treatment-Validität zugesprochen wer- weise in weiten Bereichen zu einem nem funktionalen Verhältnis von Herr
den könnte«! Zweig der Physik geworden. Der Geist, und Knecht (20, S. 150 ff.), das keine
Therapeutische Konsequenzlosig- ja selbst die Seele werden erforscht, als Widerspiegelung zuläßt (35) und einen
keit jedoch bedeutet die »Konstitu- ob sie Interfaces in physikalischen progressiven Rückfall in überwundene
ierung des >Anderen<, des Patienten, als Prozessen wären. Daher kommt es, daß medizinische Deutungsmacht impliziert
Objekt beliebiger Verfügbarkeit« und Computer anfangen, Simulakren von (31) - dies nicht zuletzt auch, weil dies
ist insofern keineswegs die wenigstens einigen mentalen Operationen zu lie- durch die Art der Diagnostik verstellt
neutrale Haltung, die objektiv(ierend)e fern« (38, S. 163). und unkenntlich wird (45, 70).
Diagnostik zunächst suggeriert (70, Charakterisiert also Strasser die Ent- Diese Kritik betrifft um so mehr das
S. 91 f.). wicklung des Gefährlichkeitsbegriffs Computerprogramm zum DSM, das
und der Ideologie vom kranken Delin- erst recht als ich-fernes, von jeder In-
quenten als gesellschaftlich-norma- tuition, Gegenübertragung (9) und son-
S(k)epsis litätswissenschaftliches Manöver, so stigem mitmenschlichen Gefühl
stellt sich auch hinsichtlich der differen- gereinigtes Rechenprogramm über
Greift man diese Kritik noch einmal tialdiagnostischen Methodologie die Normalität und Pathologie mitentschei-
von anderer Seite her auf, so folgen Frage, inwieweit sie ebenfalls auf unbe- det (30), damit valide Daten negiert,
Verfahren objektivierender Diagnostik wußte defensive Art und Weise »als »die wesentlich über die sogenannten
der Leitidee nach Separierbarkeit von angstbetäubendes Manöver« eingesetzt objektiven, quantitativ erfaßten und
Item- und Personparametern sowie wird ... Immerhin haftet nicht nur statistisch gesicherten Zusammenhänge
populationsunabhängigen Ergebnissen dem bös-kranken Delinquenten etwas hinausgehen« (59, S. 126). Wem wird
(49; 11, S. 219 ff.; 19, S. 118 ff.). Der Le- Angsterregendes an, sondern auch dem dieser computergestützte Zuordnungs-
bensinhalt des Patienten wird folglich diagnostisch-prognostischen Handeln algorithmus (56) gerecht in seiner
nunmehr mit Hilfe elaborierter diagno- (27, 51). sprachlosen, quasi aseptischen Produk-
stischer Instrumente und Verfahren »Bedauerlicherweise« sei es - so De- tion klinisch-rationaler Entscheidungs-
von jeder Infektionsgefahr des Bösen vereux (9, S. 127) - »in manchen Fällen bäume, in die wesentliche interaktio-
gereinigt, seinem individuellen Sinn gerade die offenkundige Nützlichkeit ge- nelle, am Primärprozeß orientierte
entledigt. Schließlich wird bereits psy- wisser wissenschaftlicher Verfahrens- Beziehungsanteile, die Störung der
chischer Krankheit unter Umständen weisen, die die Verdunkelung ihrer Ab- reziproken Patient-Therapeut-Wahr-
ein ansteckender Charakter zugeschrie- wehrfunktionen erleichtert. Das führt nehmung nicht mehr eingehen, sondern
ben (10, S. 267), so daß die bös-kranken dazu, daß gültige Techniken in erster Li- vielmehr in ihrer subjektiven (angster-
Individuen doppelt »infektiös« erschei- nie zum Zweck der Abwehr mißbraucht regenden?) Qualität objektivierend
nen müssen. werden, die sich jedoch hinter der Maske eliminiert bzw. verhindert/verschwie-
Devereux (9, S. 124) bestätigt ein- objektiver und nüchterner >Wissen- gen werden? Denn »Sprachlosigkeit
drucksvoll, daß »ein Vorgehen, das schaftlichkeit< verbergen.« (absence de la parole) manifestiert sich
die Angst am effektivsten und dauer- hier in den stereotypen Formeln eines
haftesten reduziert,« beim Umgang Diskurses, in denen das Subjekt sozusa-
mit angsterregendem Material »gute Technische Distanzierungen gen eher gesprochen wird als spricht«
Methodologie« sei. Und Strasser (65, (32, S. 121). Wie in anderen Bereichen
S. 149 f.) wiederum beschreibt, wie das Mittlerweile werden über das der Medizin auch nimmt so »die Ent-
rationalisierende Konzept (29) der Ge- DSM - zugestandenermaßen verführe- fremdung zwischen Behandelnden und
fährlichkeit die Archaik des Bösen kei- rische - Hilfsmittel eingeführt, so Behandelten... buchstäblich zu: Die
neswegs bannen konnte, sondern viel- zunächst die Münchner Diagnosen- Maschinen schieben sich zwischen Ärz-
mehr »in der Weise, wie es die Empirie Checkliste MDCL. Ihr entfremdend te und Patienten« (45, S. 21).
des Verbrechens a priori organisierte, formal-algorithmisches Vorgehen aller- Nach wie vor fehlt die für das revi-
die alten Evidenzen des Mythos« des dings kann die Aufgabe, »die Tat zu dierte DSM angekündigte sechste Ach-
Bösen so transportierte, »daß die persi- verstehen« (1) und im Rahmen einer se, mit der »psychodynamische Parame-
stente, wenn auch nunmehr stille (psychodynamisch orientierten) Dia- ter, z. B. das Niveau der Abwehrmecha-
Archaik im Blick auf den Verbrecher gnostik das Verständnis der Biogra- nismen, abgebildet werden sollen« (54,
weiterhin durch die >Empirie< esote- phie, der (tiefen)psychologischen Funk- S. 195). Dieses Manko bleibt Indiz für
risch Bestätigung erfahren konnte«. tionen des Patienten, seiner Bezie- die wissenschafts-/systemimmanenten
Daß sie angsterzeugend persistiert hungsdynamik (60) zu entwickeln wie Konflikte, die »psychiatrischen Diagno-
beschrieb unter anderem Rasch in sei- eine Behandlungsindikation zu konkre- sesysteme so zu ergänzen, daß auch psy-
nem Aufsatz über die »Angst vor der tisieren, nicht leisten. Anders ausge- chodynamische Aspekte berücksichtigt
Abartigkeit« (50). drückt: operationalisierende Check-up- werden können«.
»Es besteht nun aber eine enge Ver- Diagnostik weiß mit dem Begriff »Be- »Wichtiger als das beobachtbare Ver-
wandtschaft zwischen dem Rationalisie- ziehung« nichts anzufangen und hat ihn halten werden die dahinter vermuteten
ren des Gegebenen und dem Neutrali- schlicht evakuiert. Vielmehr gerinnt der Bedeutungen, die biographisch entstan-
sieren der Zukunft. Die sogenannten diagnostische (Kont-)Akt aus geistes- den sind und durch bestimmte Abwehr-
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Kobbe: Zur Dialektik operationaler Diagnostik
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In: Schriften I. Lacan J (Hrsg). Frankfurt a.
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