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INTELLIGENZ

DES

HERZENS

INTELLIGENZ DES HERZENS Bhagwan Shree Rajneesh

Bhagwan Shree Rajneesh

Wie im Herbst, wenn die Blätter leise von den Bäumen fallen, so ist die Seligkeit, die sich immer ringsumher ergießt so leise, so lautlos. Alles ist vollkommen. Alles ist Gnade. Nur ihr seid nicht bewußt hier.

INTELLIGENZ

DES

HERZENS

Bhagwan Shree

Rajneesh

INTELLIGENZ DES HERZENS Bhagwan Shree Rajneesh KI - BUCH

KI - BUCH

Deutsche Erstausgabe KI-BUCH VERLAG, Berlin 3. Auflage Dezember 1980

Copyright © 1979

Copyright © 1979

Fotocopyright

Herausgeber:

Zusammenstellung

und Übersetzung:

Fotos:

Lay-Out:

Composersatz:

Repros und Druck:

by Rajneesh Foundation 17, Koregaon Park, Poona, India

411001

der deutschen Rechte by Ki-Buch Verlag, Brigitte Maier und Urbanstr. 64, D-1000 Berlin 61

by Rajneesh Foundation

Ma Prem Aradhana

Ma Hari Chetana Rajneesh Foundation Swami Anand Niyama Satzbetrieb Theo Spiza, Berlin-West MovimentoDruck, Berlin-West

Lieben Dank an Ma Deva Gayatri, Swami Gurudas, Swami Veet Nito, Swami Prem Virochan, das Vihan Center in Berlin, den Shree Rajneesh Ashram in Poona und nicht zuletzt das liebe Universum.

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und fotomechanische Wiedergabe, auch auszugs- weise nur bei schriftlicher Genehmigung durch die Herausgeber.

Printed in Berlin-West

INTELLIGENZ

DES

HERZENS

EIN BILDBAND ÜBER DIE KOMMUNE VON POONA

Siebzehn Fragen über Gott und die Welt

von Journalisten u. Hausfrauen, Übeltätern und Heiligen, Jüngern, Japanern und zornigen jungen Männern

Siebzehn spontane Antworten von

Bhagwan Shree Rajneesh

dem Meister von Poona

INHALT

EINLEITUNG Seite 3 LEGENDE UND KURZE BIOGRAFIE Seite 15 DER GESEGNETE Bhagwan über seinen Namen Seite 29 ICH BIN FÜR ALLES über die Lehre vom ganzheitlichen Menschen Seite 39 INTELLIGENZ DES HERZENS über den Unterschied zwischen Intellekt und Intelligenz Seite 53 HEISSHUNGER NACH WAHRHEIT über Gurus und Geld Seite 67 FÜR EINEN AUGENBLICK DIE HELLE SONNE SEHEN über Sexualität Seite 75 DAS EINZIG LOHNENSWERTE über Liebe Seite 87 FLUCHT IN DIE REALITÄT über Politik Seite 99 GEBT MIR EURE EGOS was ein Meister von seinen Jüngern verlangt Seite 109 „WAS WILL ICH DENN BLOSS NOCH" über Selbstmord und die richtige Art, ihn zu begehen Seite 119 „ZEHN LOSGEWORDEN" Sannyas ablegen Seite 131

SAMEN EINER REVOLUTION SÄEN über Erziehung Seite 141 LASS DIESEN KELCH NICHT AN MIR VORÜBERGEHEN über Schmerzerfahrung Seite 159 WENN MAN AUF EINEM VULKAN TANZT über Encountergruppen Seite 167 WIEDER HEIL UND GANZ WERDEN Psychotherapie — und was dann? Seite 177 DIE KUNST ZU STERBEN über den Tod Seite 189 GEH GOTT NICHT AUF DIE NERVEN über Meditation und Gebet Seite 203 LEICHT UND SCHWERELOS über Bhagwans Arbeit Seite 213

GEH GOTT NICHT AUF DIE NERVEN über Meditation und Gebet Seite 203 LEICHT UND SCHWERELOS über

Vergiß mich. Geh nach innen. Und eines Tages stehst du da in deiner absoluten Herrlichkeit, im Glanz deines inneren Wesens, im Licht der inneren Welt — dort wirst du mich finden. Nicht als ein getrenntes Wesen, nicht als ein Objekt, sondern als tiefsten Kern deines eigenen Seins.

EIN BERICHT ÜBER DIE KOMMUNE VON POONA

DIE KOMMUNE DER RAJNEESH ASHRAM DAS BUDDHA-FELD

Poona, Indien, Mai 1979

DER RAJNEESH ASHRAM DAS BUDDHA-FELD Poona, Indien, Mai 1979 ier Uhr Nachmittags, 43 Grad im Schatten.

ier Uhr Nachmittags, 43 Grad im Schatten. Vor meinem Fenster bersten die Bananen aus ihren Nähten. Der Himmel ist blau und reines Sein ge-

nügt, aber ich soll dieses sogenannte Vorwort schreiben, auch wenn sich der Kugelschreiber schlaff um meine Finger wickelt und das ganze Buch an sich schon eine Einleitung ist, oder besser, eine einleitende Aufforderung zum Quantensprung. Draußen gießt Dipta tropischen Farnen und sich selbst Wasser über den Kopf. Dipta ist aus Deutschland und seit drei Jahren Gärtnerin im Ashram. Walkürenhaft groß, eine Statue ohne Moos, weil hier niemand zur Ruhe kommt, bevor er nicht wirklich zur Ruhe kommt, was einem Zustand höch- ster Erleuchtung gleichzusetzen wäre. Der Ashram ist ein Wirbelwind. Hin- ten hämmert's, weil neue Dunkelkammern gebaut werden, vorne brüllt

Ruhe!" Das ist die Leela-Gruppe, die aus ästhetischen

Gründen und Mangel an schalldichten Therapieräumen in einem licht- durchfluteten Wohnzimmer im Jesus-Haus stattfindet. Zum Leidwesen der unschuldigen Einwohner. Aber hier hat man Verständnis für alles und wenn nicht, darf man sich auf die Erde werfen und laut schreien oder sich stun- denlang im Badezimmer einschließen und heulen, um die Grenzen der Ver- ständnisfähigkeit der anderen zu erweitern. Raummangel überall. Auf zweieinhalb Hektar Land leben 250 Menschen in 8 Häusern, oft zu zweit und zu dritt in einem Zimmer. Etwa 800 kochen, drucken, tischlern, malen, tanzen, tippen, sägen und telefonieren ohne ei- nen Pfennig Geld dafür zu bekommen, aus schierem Überschwang, jeden Tag, auch Sonntags. Zwei- bis dreitausend meditieren und nehmen an den Gruppen teil, jeden Monat. Wir haben sogar eine Postbotin — natürlich mit Universitätsausbildung, wie die meisten hier — die man nur an den kleinen Hermesflügeln an ihren Gummilatschen erkennt, ansonsten ist sie immer schon ganz woanders. Sie wirft mir mit leichtem Lächeln einen Brief vom Einwohnermeldeamt in Hamburg auf den Tisch: „Bitte melden Sie sich umgehend total ab." Gern. Wenn schon im Irrenhaus leben, dann doch lie- ber in einem, wo du so sein darfst, wie du bist und die Doktoren dich nicht ernst nehmen.

jemand: ,,

Vielleicht sollte ich dem Einwohnermeldeamt schreiben, daß hier der neue Mensch geboren wird, einer, der an beiden Enden gleichzeitig lebt, der wirkliche Mensch, der lachen und weinen kann und herumtanzen und schreien und lieben und hassen, und zwar immer genau in dem Moment, in dem es ihm passiert und nicht erst Jahre später. Ein Mensch mit einem Loch in der Schädeldecke, wo die Kinder eine weiche Stelle haben, durch die man Sendungen von oben empfängt. Den sollte ich anmelden. Jetzt fällt der Ventilator aus; die Stromversorgung ist mal wieder zusam- mengebrochen. Ein Wunder, daß sie überhaupt funktioniert, denn trotz zweier Extra-Generatoren ist eine kleine Stadt mit Siebdruckereien, Tisch- lereien, Büros, Pressebüros, Übersetzungsbüros, Boutique, Goldschmiede, Meditationshalle und Therapieräumen zu versorgen. Außerdem gibt es ein Fotolabor, eine Werkstätte für die Erfindung und Reparatur elektronischer Geräte, unseren hauseigenen Buchversand, da Bhagwan dank unserer Be- mühungen zwei Bücher im Monat von sich gibt, die in alle Welt geschickt werden, ein Musikstudio zur Anfertigung plattenreifer Demo-Tapes, eine kleine Seifen- und Shampoofabrikation — ach, es hört nicht auf. Jedesmal, wenn jemand sich hier niederläßt und ein besonderes Talent oder eine neue Idee hat, entsteht eine neue Abteilung. Aber auch darauf kann man sich nicht regelmäßig verlassen. Da es um die Zerstörung der sogenannten mit- gebrachten Persönlichkeit geht, darf man sich nicht wundern, warum so viele Professoren, Fotomodelle und Doktoren die Toiletten schrubben, wenigstens solange, bis sie keine feste Vorstellung mehr haben, wer sie nun eigentlich sind. Dann beginnt Bhagwans Arbeit, Phase 2. Phase 1 ist kno- chentiefe Reinigung; das kann Jahre dauern, je nachdem, wie starr die Maske von Wissen aus zweiter Hand und diplomatischer Unaufrichtigkeit ist. Phase 2: Nähren und Pflegen der durchsichtigen Unwissenheit, flüssig werden, locker, leicht, und Phase 3 ist gar nicht abzusehen, da sie bei jedem einzelnen anders aussehen wird. Der eine fällt vielleicht ganz still und unbemerkt zurück, in den Urquell seines Seins, wie der Tropfen in den Ozean. Ein anderer hebt ab und zerspringt am Himmel wie ein leuchtendes Feuerrad, so daß alle „Aaahhh" sagen, bevor er sich in Rauch auflöst. Vielleicht kann man auch ganz normal sein Ego im Büro ablegen und eins mit der Buchhaltung werden, mit dem Kaffee am Morgen und dem Pfeif- chen am Abend. Ich weiß es nicht. Werde es aber herausfinden. Ein rosaroter Fleck tanzt vor meiner Gardine auf und ab und sagt: „Hier ist der herzensgute Satyananda." Satyananda, ex — Jörg Andrees Elten, Stern-Reporter, schreibt ein Buch über seine Erfahrungen im Rajneesh Ashram. ,,Du, ich hab den Titel für mein Buch gefunden: Das kosmische

Irrenhaus. Untertitel: Protokoll einer Gehirnwäsche." Gehirnwäsche? Ich bin befremdet, überlege es mir aber dann im Sinne von Reinigungsmilch, Pflegen und Nähren und finde es sehr brillant. Mal sehen, was Bhagwan dazu sagt. Bhagwan wohnt gleich nebenan, drei Schritte weiter im Lao Tzu-Haus. Er hat allen Häusern im Ashram Namen von erleuchteten Männern und Frauen gegeben. Ich wohne im Magdalen-Haus. Magdalena, die Hure, die Bhagwan irgendwann einmal als die einzige Person bezeichnete, die Jesus wirklich erkannt hat und die später selbst erleuchtet wurde. Da wohnt er also, der kleine alte Mann, der „Buddha des 20. Jahrhun- derts", dessen Bedeutung erst spätere Generationen erkennen werden, in zwei mittelkleinen Zimmern einer 15 Zimmer Villa, in der 26 Leute leben. Da inzwischen ca. 10.000 Menschen aus aller Welt gern das Zimmer mit ihm teilen würden, oder sich zumindest so oft wie möglich in seiner Gegenwart aufhalten möchten, darf man ihn nicht mehr besuchen. Noch vor sechs Jah- ren, als ich ihn in Bombay kennenlernte, war das ganz einfach. Gespräch unter vier Augen, Tee trinken mit Bhagwan. Er empfing jeden, aber auch jeden. Jetzt muß man warten, meditieren, einen „Darshan" buchen. „Dar- shan" heißt „Vision" oder „Sehen" und ist der indische Begriff für das, was sich wünschenswerterweise im Inneren eines Wahrheitssuchers abspielt, wenn ihm in der Gegenwart eines Menschen, der sich selbst erkannt hat, die Augen aufgehen. Dashan in unserem Fall bedeutet, Bhagwan sehen und sprechen und seine Energie trinken. Darauf wird jetzt immer mehr Wert gelegt, denn im Laufe der letzten 5 Jahre, in denen er tagein tagaus einen Monat in englisch und einen Monat in Hindi, seiner Muttersprache, zu Abertausenden gesprochen hat, ist alles gesagt worden, was gesagt werden kann. Jetzt geht es darum, das zu hören, was nicht gesagt werden kann, das Unnennbare hinter den Worten, sein Sein, sein Vorhandensein als ein Wesen frei von der Illusion des Getrenntseins, frei vom „Ich". Seinen Duft einzu- atmen, den Duft der Unschuld, die nur durch messerscharfes Zuende- Denken erlangt wird und sich selbst zu vergessen — oder zu erinnern, was auf dasselbe herauskommt. Ich bin durstig und mache mich auf den Weg in die Vrindavan Juice Bar, wo ein 52-jähriger Millionär aus Massachusetts im Zuge des Egovernich- tungsprozesses an der Kasse sitzt und 30 Pfennig für eine Cola, 15 Pfennig für einen süßen indischen Tee erhält. Der „Saftladen" wird von einer feu- rigen Italienerin organisiert und ist nur oberflächlich als vegetarisches Restaurant getarnt. In Wirklichkeit werden dort Egos zertrümmert. Ein Maler aus Paris, der dort als Mädchen für alles arbeitet, erzählte mir neulich:

„Den einen Tag kommt Deeksha (die feurige Italienerin) vorbei, als ich ge- rade die Tische decke, dreht einen Löffel um und sagt entsetzt: „Was ist denn das?! Der Löffel muß stets rechts neben der Tasse liegen!" Also lege ich die Löffel rechts neben die Tassen. Am nächsten Tag kommt sie vorbei und faucht mich an: „Ich habe dir doch schon tausendmal gesagt, daß der Löffel links neben der Tasse liegen soll!" Also lege ich ihn links hin, ob- wohl ich eine Wahnsinnswut auf sie habe. Und so geht es tagelang weiter, links, rechts, vorwärts, seitwärts, rückwärts; nach ein paar Schreikrämpfen schmeiße ich die Löffel einfach sonstwohin, wo's grade paßt, weil mir egal ist, was irgendwer meint. Da kommt sie vorbei, nickt mir zu, blinzelt und sagt: „So, jetzt hast du's wohl mitgekriegt." Wie Bhagwan immer sagt: Der Weg Darüberhinaus führt nicht daran vor- bei, sondern hindurch. Das gilt für alles. Das ist auch das Prinzip der En- counter Therapiegruppe, die sich jetzt überall in den Hauptstädten des Westens durchsetzt. Hart ist es manchmal und schwer zu durchblicken. Wo sind die Grenzen? Wieviel lasse ich mir gefallen, um etwas über mich selbst zu erfahren und von wem? Kann ich meinem eigenen Einschätzungsvermö- gen trauen, soweit, daß ich mich sogar zurückstellen kann, um etwas Nie- gekanntes möglich zu machen? Wie immer gibt es keine Regeln. Im Ashram, als auch im Leben. Was heute richtig ist, ist morgen schon wieder ganz fehl am Platz. Das einzig Konstante ist ein ewiger Wechsel von einem Gefühl ins andere, bis sich et- was herauskristallisiert, das in der Mitte des Wirbelwindes ruhig bleibt. Die stille Mitte, in der man schon immer zu Hause war. Halb acht Uhr abends. Überall auf den Dächern sitzen Gestalten im Schneidersitz. Ein lauwarmer Wind weht von der Buddha-Halle herüber, wo Bhgawan morgens spricht. Jetzt werden dort die Instrumente gestimmt und die ersten Tänzer raffen ihre Roben. Bald werden es fünfhundert sein. Noch einmal 500 sitzen wach mit geschlossenen Augen in ihren Zimmern, auf den Dächern oder vor den Pforten von Lao Tzu-Haus, wo Bhagwan etwa 100 Leuten Darshan gibt. Einige werden in Sannyas eingeweiht, be- kommen einen neuen Namen — heutzutage, da der Vorrat an geflügelten Sanskrit Wörtern erschöpft ist, oft einfach den alten, nur mit Vorspann. Z. B., Swami, was „Herr über sich selbst" bedeutet, für die Herren, und Ma — Mutter, für die Damen, und dazu ein Beiwort, wie Anand — Seligkeit oder Prem — Liebe oder Veet — Jenseits. Wir haben schon viel über Swami Veet Otto gelacht, „Herr über sich selbst, jenseits von Otto" — und den Lufthansa Psychologen Peter, der gerne einen neuen Namen gehabt hätte, weil ihm die alte Identität zum Halse heraushing, den Bhagwan schlicht

Swami Anand Peter nannte. Sind Namen auch Schall und Rauch, man geht durch einiges. Schön ist es allerdings, wenn Bhagwan die Bedeutung des Na- mens erklärt, während man im Darshan vor ihm auf dem Boden hockt. Ich habe ihm jahrelang zugeschaut und bin immer noch erstaunt und gerührt, daß er jedem mit absoluter Intensität — einer Art von völlig entspannter, inbrünstiger Liebe, wie man sie in den seltenen Momenten des Schaffens- rausches bei großen Künstlern sieht — jedem einzelnen von Tausenden von Sannyasis in die Augen schaut und langsam die Bedeutung ihres Namens entfaltet oder ihre Probleme betrachtet, als seien es seltene Blumen, die bei ihrer Entfaltung verschwinden. Denn er löst keine Probleme und beantwor- tet keine Fragen. Er beleuchtet sie in solchen Tiefen, daß sie in einem völlig anderen Licht erscheinen und plötzlich in neuem Zusammenhang betrach- tet, gar nicht mehr als solche vorhanden sind. So, ja, Darshan, da hocken sie, vor ihm, neben ihm und auf den Dächern ringsumher und inzwischen ist die Musik hundert Meter weiter in der Buddha-Halle in voller Fahrt, 200 Kehlen, 300 Tänzer, jeden Abend Oper, bei der keiner zuschauen kann, denn gleich geht das Licht aus und im Stockfinstern wird getanzt und gesungen, bis alle Gedanken aus dem Kopf verschwinden, oder meditiert, bis es kein Außen und kein Innen mehr gibt. Konzentrierte Ego-Auflösungsaktion, denn Bhagwan gibt Energie- Darshan auf der Veranda von Lao Tzu und daran nehmen alle, ob fern oder nah, auf mysteriöse Weise teil. In London ist es jetzt halb vier Uhr nachmit- tags — und da sitzen sie ebenfalls und meditieren. „Hebt die Arme, schließt eure Augen, summt und wiegt den Körper hin und her", sagt Bhagwan zur versammelten Gemeinde. Ein Sannyasin kniet seitwärts vor ihm auf dem Boden, das Gesicht Ma Vivek zugewandt, die als „Medium", als reines Gefäß für Bhagwans Energie funktioniert und hält ihre Hände. Hinter ihm knien drei weitere „Medien" in burgunderroten Roben. Im Kreis um ihn herum sitzen sechs weitere, denn die „Medien" sind Vehikel, hohle Bambusflöten, die Bhagwans Ener- gie im süßen Echo widerhallen. Bhagwan legt seinen Zeigefinger auf die Stirn des Sannyasins, dort, wo bei Sehern das dritte Auge sitzt, und drückt zu. Minutenlang. Alles ist dunkel, 214 Hände schweben in der Luft hin und her, 107 Köpfe strecken sich summend mit geschlossenen Augen der Decke entgegen, Tamboura und Gitarre weben ein schaukelndes Muster auf dem eine Flöte im Einklang mit der Seele spiralförmig den Berg erklimmt, um jenseits der Gipfel jubelnd auf und nieder zu hüpfen. „STOP", sagt Bhagwan, die Musik hört auf und alle müssen totenstill in der Position verharren, in der sie sich gerade befinden. Vergleichbar dem

Achterbahn fahren, bloß ohne Achterbahn, sondern mit einem goldenen Drachen, auf dessen feurigen Atem man ins All gepustet wird, um in voller Fahrt plötzlich zum Stillstand zu kommen. Dann geht die aufgenommene Energie nach innen und nach oben. Da bleibt ihr nichts anderes übrig. Nachdem sieben Männer und Frauen (manchmal auch Kinder) auf diese Weise auf Bhagwans Energie einmal ins Reich der inneren Welten und zu- rückgeritten sind, geht das Licht im Ashram wieder an. In der Buddha- Halle singen und tanzen sie weiter:

All beings are from the very beginning Buddhas — Buddhas. Not knowing it is near, they seek it afar — what a pity.

Etwa: Alle Wesen sind von Anbeginn an Buddhas. Nicht wissend, daß es nah ist, suchen sie es in der Ferne — wie schade. Vor dem Tor werden die Darshan Besucher von denen, die draußen meditiert haben, in Empfang genommen. Viel Herzen und Küssen, Weinen und Lachen. Abend für Abend. Manche sind sehr still und in sich gekehrt und stehen regungslos stumm in kleinen Gruppen, Wange an Wange an Wange, zur weiteren Übertragung der Energie. Andere können gar nicht mehr aufhören zu lachen, bis die Tränen kullern und tiefer Schmerz hervor- bricht. Ich kenne das. Nachdem ich Bhagwan zum erstenmal gesehen hatte, weinte ich drei Stunden lang laut, weil ich nicht fassen konnte, daß ich nun den gefunden hatte, den ich in tausend grauen Jahren gesucht hatte. Ich setze mich vor das große Holztor, den Eingang zum Ashram und be- trachte die orange und rosafarbene Welt. Da nur ca. 250 Leute direkt im Ashram wohnen, gehen jetzt viele nach Hause, in Hotels, zur Untermiete, in ihre Zelte und Hütten am Fluß. Asutosh, der Bäcker, schlendert vorbei. Früher hat er einmal Jura in Frankfurt studiert, Staatsexamen. Jetzt backt er kerniges deutsches Voll- kornbrot für die erstaunten „Ausländer" im Ashram, die nur lappriges Weißbrot gewohnt sind. Ein persischer Akupunkteur, ein praktischer Arzt aus England und eine japanische Masseuse kringeln sich vor Lachen über jemanden, der heute im Medical-Center des Ashrams, Bhagwan zitierend auftauchte und erklärte, erleuchtet zu sein. Nicht, daß das nicht möglich wäre, nur braucht man dann nicht mehr zitieren; die Seligkeit, nicht mehr

getrennt vom All zu existieren, spricht für sich. Leise und lieblich zwar, doch wen kümmert es dann noch, ob andere glauben, man sei erleuchtet? Chaitanya Hari, der ehemalige Georg Deuter, Musiker und Flöte im Dar- shan, kommt vorbeigelaufen. „Hast du mal ein Stück Papier? Mir ist gerade was eingefallen." Ich habe keins, aber irgendjemand produziert nach eini- gem Suchen Papier und Bleistift aus der Hosentasche. Hari kritzelt was und reicht es mir:

Aus der Stille trete ich heraus und singe, Aus der Leere trete ich heraus und bin, Aus der Stille trete ich heraus und schaffe Und alles, was ich bin und mache, Drängt wieder nur zur Stille hin.

Ja, so ist das. Bei uns allen.

Um sechs Uhr morgens werde ich vom Getöse der Dynamischen Medi- tation geweckt. In der Buddha-Halle atmen jetzt ca. 300 Leute rasselnd schnell ein und aus. In der nächsten Phase, bei der man eigentlich aufgestau- ten Gefühlsausbrüchen Ausdruck geben darf, wird lautlos nach innen ge- schrien, wegen der Nachbarn. Nach einer halben Stunde sind sie beim Hu Hu Schreien angelangt, springen mit ihren letzten Energiereserven auf und ab, um sich gleich darauf in totaler Erschöpfung entspannen zu können. Wieder das gleiche Prinzip: „STOP", ruft Bhagwans Stimme vom Ton- band und die Energie, die vorher nach außen ging, wird ruckartig nach innen und nach oben gezogen, ohne daß man dafür etwas tun muß. Ich krieche verschlafen unter meinem Moskitonetz hervor und koche mir einen Kaffee, während Ma Ambu aus Kolumbien, die Perle der Südsee, schon frisch gewaschen und gebügelt mit Schaumstoffkissen durch den Garten zur Buddha-Halle wandert, um sich in die Schlange einzureihen, die sich jeden Morgen zwischen sechs und acht bildet, denn alle wollen Bhagwan bei seinem Vortrag so nahe wie möglich sein. Heute ist der letzte Tag der englischen Serie über den indischen Mystiker Kabir und Bhagwan beantwortet wieder Fragen, die am Tag zuvor auf Zetteln eingereicht wur- den. Um fünf Minuten vor acht haben sich 2000 Leute im Schneidersitz niedergelassen und warten auf Bhagwan. Ein flammendes oranges Schwei- gen. Mir fällt Buddha ein, der vor 2500 Jahren oftmals zu zehntausend oran- genen Jüngern gesprochen hat, dessen schlichte Worte Könige und berühmte

Philosophen veranlaßte, sich mit ihrem gesamten Hofstaat ihm zu Füßen zu werfen und ein neues Leben zu beginnen. Ich stelle mir die gesamte CDU- Fraktion vor, wie sie sich Bhagwan zu Füßen wirft und ein neues Leben Damals gab es keine Verstärker und Mikrofone, und so mußten die ersten Reihen jeden Satz, den Buddha sprach, an die nächsthinteren weitergeben, und die wieder an die nächsten und so weiter, bis ganz nach

hinten. Ein flammendes oranges Gemurmel. Bhagwan wird in einem gelben Wagen vorgefahren, obwohl der Weg vom Lao Tzu-Haus zur Buddha-Halle gemütlich in zwei Minuten zu Fuß zurück- gelegt werden könnte, und diese Strecke ist die einzige, die er seit fünf Jah- ren auf Erden hin und zurücklegt. Aber das gelbe Auto leistet Erstaun- liches und ist viel mehr als nur ein Auto: laut Bhagwan hat es schon Tau- sende abgeschreckt, denn das gelbe Auto ist ein Mercedes und da ein Weiser nackt in einer Höhle sitzt oder, die Freuden der Entsagung predigend, im Lendentuch von Dorf zu Dorf pilgert, kann es sich hier nur um einen aus- beuterischen Lüstling handeln. Journalisten, reiche Hindus, orthodoxe Christen usw. sehen das gelbe Auto und verschwinden alleswissend auf Nimmerwiedersehen und die Kommune atmet auf. Bhagwan im langen weißen Hemd, die Hände zum Gruß aneinanderge- legt, betritt die Halle. 4000 Hände werden aneinandergelegt und grüßen zurück. Sein Gang ist leicht, fast zögernd, er geht wie einer, der zum ersten- mal den Boden eines unberührten Planeten betritt, kostbar und unwieder- holbar neu ist jeder Moment, jede Berührung mit der Erde. So geht er, so trinkt er seinen Tee, so spricht und atmet er. Nach vier Stufen steht er auf dem kleinen Marmorpodest, das ein Spanier ihm vor kurzem gebaut hat, damit man ihn auch ganz hinten noch sehen kann, grüßt noch einmal in einer langsamen Halbmondbewegung und setzt

sich in seinen Sessel. „Die erste

Jetzt ist sich jeder selbst überlassen. Hört man ihm zu, ohne innerlich den eigenen Senf dazu abzugeben, schweigend, wach und kommentarlos? Oder träumt man, pflichtet bei, kritisiert, denkt, während er spricht? Das eine ist Meditation und das andere normal. Aber darum geht es: ein bißchen normaler als normal zu werden. Offen und unvoreingenommen jedem neuen Moment zu begegnen, ohne vorge- faßte Meinung, die man im Kopf wiederholt. Während Bhagwan spricht, schlafen viele ein und träumen. Viele wachen für kurze Momente auf, aus einem tieferen Schlaf, der auch tagsüber sämt- liche Handlungen beeinflußt. Er spricht druckreif, ohne vorbereiteten Text. Das einzige, was er getreulich abliest, sind die Witze, denn die sind das ein-

."

zige, was er ernst nimmt, wie er selbst sagt. Viel witziger als die meisten Witze finde ich allerdings die Art und Weise, wie er sie vorträgt. Bei man- chen Pointen zieht er die Augenbrauen ganz hoch und blickt erstaunt um sich, als könnte er es selbst nicht glauben. Wir können es auf keinen Fall und rollen manchmal minutenlang am Boden vor Lachen über den erstaun- lichen Effekt, den es hat, wenn diese Lilie auf dem Felde plötzlich eine Pellkartoffel aus der Tasche zieht und sie dampfend in die Menge wirft. Hätte er nicht am Rad des Weltgeschehens zu drehen, er wäre ein glän- zender Komödiant geworden. Er erzählt die Geschichte von den drei Zen-Mönchen, die in Wirklichkeit erleuchtete Meister waren und in Japan von Dorf zu Dorf zogen, sich auf den Marktplatz stellten und anstatt zu reden, anfingen zu lachen. Tief aus dem Bauch und voller aberwitzigen Vergnügens, wahrscheinlich über die Tatsache, daß wir schon längst das sind, wonach wir suchen, und so anstek- kend, daß bald die gesamte Bevölkerung mit Kind und Kegel auf dem Marktplatz stand und lachte. Ein indischer Yogi, der vor acht Jahren Bhagwans Schüler wurde, fragte einmal; „Bhagwan, oft bezeichnest du das Leben als reines Vergnügen. Trotzdem scheinst du die Dinge manchmal sehr, sehr ernst zu nehmen." Bhagwan: „Auch das ist ein reines Vergnügen."

Ma Hari

Chetana

LEGENDE UND KURZE BIOGRAFIE

DIE LEGENDE ERZÄHLT: m Ende eines langen Lebens begann ein bedeutender Bodhisattva eine Fastenzeit, die

DIE LEGENDE ERZÄHLT:

m Ende eines langen Lebens begann ein bedeutender Bodhisattva eine Fastenzeit, die einundzwanzig Tage dauern sollte, in dem Wissen, daß sie zur letzten und höchsten Erleuchtung führen würde. Er war einhundertundsechs Jahre alt und hatte viele Jünger um sich ge- schart, wie zu einer großen Familie. Und seine Liebe für sie war so groß, daß er ihnen das Versprechen gab, noch einmal auf die Erde zurückzukehren, um ihnen den Weg aus der Dunkelheit zu weisen. Die unvermeidliche Folge seines Fastens wäre aber die höchste Erleuch- tung gewesen, und von dem Gipfel solcher Bewußtheit gibt es keine Wieder- geburt. So sann er in seiner Liebe und seinem grenzenlosen Mitgefühl auf einen Am achtzehnten Tag seiner Meditation wurde der alte Weise umgebracht — drei Tage vor seiner höchsten Vollendung.

Siebenhundert Jahre vergingen. Dann war die Zeit gekommen, sein Versprechen einzulösen.

Er wurde in Indien wiedergeboren, und die drei fehlenden Tage wurden in dreimal sieben Jahren vollendet. Im Alter von einundzwanzig Jahren er- fuhr er die allerhöchste Erleuchtung, und der Meister war bereit.

Allmählich fanden sich auch die ehemaligen Jünger wieder bei ihm ein. Der Weise rief seine Familie zu sich, wie ein Fischer seine Netze langsam auswirft. In allen Teilen der Erde vernahmen sie den Ruf der Mitte und schlossen sich wieder der Kommune an, die entstehen sollte. Viele Leben hatten sie gelebt, seitdem die Familie zum letztenmal ver- eint war, und Freude und Schmerzen auf unzähligen Wegen erfahren. Sie hatten viel Karma angehäuft, aber auch viele neue Freunde gewonnen. Sie hörten den Ruf des Meisters und kamen, weil sie sich an das Verspre- chen erinnerten — irgendwo in der Tiefe ihres Wesens. Diese Familie ist wie keine andere auf der Welt, denn eine Konzentra-

tion solcher Kräfte kann Gott wieder in unser Leben rufen; kann Schwin- gungen im All erzeugen, Schwingungen des menschlichen Bewußtseins in ungeahnten Höhen der Erkenntnis und Seligkeit.

gungen im All erzeugen, Schwingungen des menschlichen Bewußtseins in ungeahnten Höhen der Erkenntnis und Seligkeit. 16

DER MEISTER Eine kurze Biografie

Sie sagen: ,,Was? Dieser ungezogene Bengel soll ein Bhagwan sein?"

D ie meisten der älteren Einwohner seines Dorfes haben guten Grund, sich an das unfromme Benehmen des mutwilligen und sonderbaren

Jungen Rajneesh Chandra Mohan zu erinnern.

Am elften Dezember 1931 wurde er in einem kleinen Dorf in Mittel- indien, als ältester Sohn in eine Familie von fünf Schwestern und sieben Brüdern geboren. Seine frühe Kindheit verbrachte er bei seinen Großeltern, die wohlha- bend genug waren, ihn wie einen Prinzen großzuziehen. Er entwickelte eine tiefe Liebe zu seinem Großvater und hatte seine erste bedeutende Erkennt- nis, als er im Alter von sieben Jahren mitansehen mußte, wie sein Großvater erkrankte, das Bewußtsein verlor und langsam starb, während sie unterwegs zum nächsten Arzt waren, um Hilfe zu suchen. Die Beobachtung des Todes aus solcher Nähe in einem so frühen Alter, wobei Liebe und Tod innig mit- einander verflochten waren, veränderte das Leben des Jungen übernacht. Er betete flehentlich, auch sterben zu dürfen und stellte bei seinem Er- wachen in den frühen Morgenstunden fest, daß sein Körper tatsächlich wie tot war. Die Augen öffneten sich nicht, und kein Atem schien sich zu regen. Hier entfaltete sich zum erstenmal der „unbeteiligte geistige Beobachter" in seinem Inneren, und von dieser Zeit an umgab ihn immer eine gewisse Aura von Abgeschiedenheit, Alleinsein und Selbstgenügsamkeit, auch wenn er sich sonst nicht viel anders als jedes fröhliche Kind seines Alters verhielt. Sein offensichtliches Vertieftsein in das Erlebnis des Todes war allerdings häufig eine Quelle der Bestürzung für seine Familie. Schon als kleines Kind war er immer fasziniert von Leichenzügen und folgte ihnen mit dem glei- chen Eifer wie andere Kinder vielleicht einem Zirkus. Einmal entsetzte er die ganze Gemeinde, als er bei der Verbrennung eines Mannes, den er kannte und der so etwas wie ein Weiser gewesen war, in schallendes Gelächter ausbrach. Er erinnerte sich, daß er das Vergnügen

und Lachen des alten Mannes gefühlt hatte, das dieser dabei empfand, seinen Körper zu verlassen.

und Lachen des alten Mannes gefühlt hatte, das dieser dabei empfand, seinen Körper zu verlassen. Dieses Lachen hatte ihn angesteckt, wenngleich die Trauernden schockiert und mit düsteren Mienen dastanden — was den Witz nur noch erhöhte. Ein anderes Mal wurde er jedoch zutiefst vom Tode einer Schwester betrübt und verweigerte für lange Zeit das Essen.

Eines Tages begegnete er einem Jaina-Mönch im traditionellen Lenden- tuch mit einer Bettelschale in der Hand. Die Einfachheit dieser Lebens- weise beeindruckte ihn, und er bestand darauf, fortan das gleiche Gewand zu tragen. Sein Essen nahm er nur noch aus einer ähnlichen Bettelschale zu sich, nachdem er dafür gebettelt hatte. Es wird erzählt, daß Rajneesh den Fluß in all seinen Stimmungen liebte und sich in der Regenzeit die tiefsten und gefährlichsten Strudel aussuchte, um hineinzuspringen. Er überließ sich ganz der Kraft des Strudels, der ihn in sein Zentrum hinabsog und stromabwärts wieder ausstieß, ohne daß er den geringsten Schaden dabei erlitt. In einer noch aufsässigeren Laune befreite er alle Esel des Dorfes von ihrem Dienst, indem er sie in die Nacht hinausritt. Und er war es auch, der die Dorfjungen dazu verführte, von einer gefährlich hohen Eisenbahnbrücke in die Stromschnellen des Flusses darunter zu springen. Nicht viel von dem, was er tat, machte ihn bei den

angesehenen und sorgsamen Eltern seines Dorfes beliebt.

Und doch war bekannt, daß er schon als Kind Kräuter und andere Heil- mittel an die Kranken verteilte, die in den Laden kamen, wo er aushalf, und viele von ihnen sprachen darauf von wunderbaren Heilungen. Als ein geborener Außenseiter verbrachte er einmal drei Tage in einem verlassenen Tempel, wartete auf den Tod und ließ die giftigen Schlangen der Gegend über seinen reglosen Körper gleiten. Damals war er vierzehn Jahre alt.

Später, als Heranwachsender, wurde er womöglich noch exzentrischer, und sein Verhalten war voller Widersprüche. Er schien einerseits außer- ordentlich faul und teilnahmslos zu sein; ein pflichtvergessener ältester Sohn, der innerhalb der Familie so unbrauchbar war, daß seine Mutter immer vergaß, ihn mit häuslichen Aufgaben zu beauftragen, selbst wenn er direkt vor ihren Augen saß. Eine andere Seite zeigte sich jedoch während einer besonders kritischen Phase seiner Entwicklung: Über ein Jahr lang lief er bis zu 16 Meilen am Tag, um den Kontakt mit seinem Körper nicht zu verlieren. Er arbeitete auf sich allein gestellt, ohne einen Meister, und mußte mit seltsamen und furchterregenden Bewußtseinszuständen fertig werden. Als er anfing, den Kontakt sowohl mit seinem Körper als auch mit seinem Verstand völlig zu verlieren und auf eine tiefe Leere zuging, in der es weder Wunsch noch Beweggrund gab, verfiel der Heranwachsende oft auf bizarre Methoden, um bewußt oder auch nur am Leben zu bleiben. Jedes Verlan- gen nach Essen und Trinken war verschwunden, und es fiel ihm schwer, im Körper zu bleiben. So zwang er sich dazu, etwas zu essen und schlug seinen Kopf immer wieder gegen die Wand, um die Verbindung mit den Sinnen zu spüren. Während dieser Zeit lag er oft auf dem Bett, starrte zur Decke und zählte unentwegt von eins bis hundert und wieder zurück, um sein Gehirn irgendwie zu beschäftigen, denn ohne diese Tätigkeit war niemand mehr da, der „Ich" sagen konnte. Als sich sein Zustand verschlimmerte, befand sich die Familie in wachsender Sorge und suchte bei vielen Ärzten Hilfe, obwohl Rajneesh darauf bestand, daß Medizin ihm wohl kaum helfen würde. Glück- licherweise brachte man ihn schließlich zu einem Vaidya, einem ayurvedi- schen Arzt, der ein Wahrheitssucher und ein Mann von einiger Weisheit war. Dieser Mann erkannte seinen Zustand sofort als eine Stufe spiritueller Entwicklung, aber seine Eltern blieben skeptisch und waren nicht zu über- zeugen. Daraufhin nahm er Zuckertabletten, um seine Familie zu beruhi-

gen, während der Vaidya ihm anvertraute: „Du bist wahrhaftig ein Begna- deter. Was dir geschieht,

gen, während der Vaidya ihm anvertraute: „Du bist wahrhaftig ein Begna- deter. Was dir geschieht, habe ich mein Leben lang gesucht und nicht ge- funden. Du bist auf dem Weg zurück nach Hause."

Und ganz allmählich erwachte in ihm eine neue Sichtweise der Welt, eine neue Wahrnehmung etablierte sich, und schließlich wurde er am 21. März 1953, im Alter von 21 Jahren erleuchtet.

An der Universität hatte man ihn längst als leicht versponnenen Außen- seiter akzeptiert, daher verlief seine Wandlung so gut wie unbemerkt, und er konnte seine Doktorarbeit im Jahre 1957 beenden. Er hatte einen Lehr- stuhl für Philosophie im Sanskrit College von Raipur und lehrte später an der Universität von Jabalpur. Zu dieser Zeit wählte er den intellektuellen, analytischen Weg, um zu vermitteln, was ihm widerfahren war. Dreizehn Jahre lang reiste er fast ununterbrochen durch ganz Indien und hielt um- strittene Reden von schonungsloser Offenheit. Sein Ruf als geistiger Rebell verbreitete sich mit größter Geschwindigkeit, und nicht ohne Grund, denn seine freimütig geäußerten Ansichten über Politik, Religion und sexuelles Verhalten führten zu starken Spannungen mit der Regierung und den tra- ditionellen religiösen Organisationen.

Das waren die rebellischen Jahre, und seine leidenschaftlich entflammte Redekunst und sein lebhafter Sinn für bissigen Humor zogen Tausende von

Anhängern und Bewunderer zu ihm hin. Er war Der Acharya, Der Lehrer, und wo auch

Anhängern und Bewunderer zu ihm hin. Er war Der Acharya, Der Lehrer, und wo auch immer er auftauchte, war er Mittelpunkt heftiger Auseinandersetzungen. Im Sommer 1964 leitete er dann seinen ersten zehntägigen Meditations- kurs in den Bergen Rajasthans, da er sich in seiner Arbeitsweise immer mehr von der Theorie entfernte und auf experimenteller Basis mit Einzel- nen zu arbeiten begann. Im Jahre 1966 legte er seine Professur nieder und widmete sich zwei Jahre lang ganz dem Reisen und öffentlichen Reden. Diese Jahre nannte er selbst später die Jahre des Aufrufs. Nachdem er seine Leute auf diese Weise zu sich gerufen hatte, hörte er vollständig auf zu reisen und ließ sich in Bombay nieder, mit einer kleinen Schar von Jüngern, die den Kern seiner späteren Kommune bildeten. Seine Anhängerschaft wuchs zusehends, und in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren trafen auch die ersten Jünger aus dem Westen ein. Der Titel Acharya wurde fallengelassen, denn jetzt nannte man ihn Bhagwan — den Gesegneten — einen, der sich selbst als Gott erkannt hat. Dazu bemerkte er:

,,Das ist für ein paar Jahre lang gut und dann können wir es fallenlassen. Früher oder später müßt ihr alle erwachsen werden und verstehen, worum es eigentlich geht. Wenn eure Anwesenheit hier eine neue Art von Schwin- gungen geschaffen hat, höre ich auf, mich Bhagwan zu nennen — das ist dann nicht mehr notwendig.

Die ganze Atmosphäre wird mit Göttlichkeit vibrieren. Es wird auf die Leute, die hierherkommen, herabregnen und ihre Herzen durchdringen. Dann gibt es keinen Grund mehr, mir irgendeinen Namen zu geben — dann wißt ihr Bescheid."

Zu dieser Zeit begann er, viele Jünger in Neo-Sannyas einzuweihen, eine revolutionäre Form des traditionellen Hindu-Sannyas. Während die her- kömmliche Form eine Entsagung von der Welt bedeutet, war die neue lebensbejahend, ein uneingeschränktes Annehmen des Lebens in dieser Welt, ohne jedoch von dieser Welt zu sein.

Sannyas ist das Verbindungsglied, das den Meister mit dem Jünger ver- bindet und verlangt absolute Hingabe von Seiten des Jüngers. Äußeres Zei- chen dieser Hingabe ist das Tragen von orangefarbener Kleidung und der Mala, einer Kette mit dem Bild des Meisters. Bhagwan hielt noch immer Vorträge vor riesigen Zuhörerschaften in Bombay und leitete eine Reihe von Meditationsprogrammen an verschie- denen Orten in Indien, doch allmählich zog er sich aus dem öffentlichen Leben zurück und widmete den größten Teil seiner Energie den neuen Sannyasins und der Arbeit, die vor ihm lag.

Die neue Phase seiner Arbeit begann mit seinem Umzug nach Poona im Jahre 1974. Die kleine Gruppe von Jüngern, die mit ihm in Bombay gelebt hatte, bildete den Kern seines Ashrams, der mit großer Geschwindigkeit um den Meister herum entstand. Sein früheres feurig-aktives Öffentlichkeitsbild legte er übernacht ab. Sein Haar ergraute und sein Körper schien entrückt, ja fast durchsichtig. Er war — wie er es nannte — in die Mondphase eingetreten.

, Jetzt kommen die Leute zu mir und fragen, warum ich nicht länger mit der gleichen feurigen Sprache spreche, bei der ihnen immer fast das Herz stehenblieb. Damals war Feuer in meinen Worten. Dieses Feuer war nicht meines. Es kam aus der Rajas Guna. Es muß in seiner vollen Wildheit bren- nen, so daß es schnell zu Asche werden kann. Dieses Feuer ist jetzt erloschen. So wie die Sonne ihre Strahlen zurück- zieht, wenn es Abend wird und ein Fischer seine Netze einholt, so ziehe ich mich jetzt langsam zurück. Aber es ist nicht richtig, zu sagen, daß „Ich" mich zurückziehe. Es geschieht ganz automatisch, weil die dritte Phase — die des Sattya Guna — des Prinzips des Losgelöstheit, der Ruhe und

Weisheit für mich begonnen hat. Aus diesem Grund könnt ihr meinen all- mählichen Rückzug von

Weisheit für mich begonnen hat. Aus diesem Grund könnt ihr meinen all- mählichen Rückzug von allen Aktivitäten beobachten."

Die Zeit des nahen körperlichen Kontakts mit seinen Jüngern war been- det, als die Zerbrechlichkeit seines Körpers immer deutlicher wurde. Er sprach nicht mehr vor großen Menschenmassen und verließ sein Zim- mer nur noch selten, abgesehen von seinen morgendlichen Vorträgen und dem Darshan, der Zwiesprache im kleinen Kreis am Abend.

Während er selbst sich immer mehr aus dem aktiven öffentlichen Leben zurückzog, explodierte der Ashram, der um ihn herum entstanden war, mit überschäumendem Leben. Mehr und mehr Sannyasins aus allen Teilen des Ostens und des Westens kamen wie eine orangefarbene Flutwelle, um sich bei ihrem Meister niederzulassen.

Er sagte vor einiger Zeit, daß die Arbeit der Vorbereitung in Poona nun vollendet ist, und ein neues Stück Land, abgelegen von der Welt, für die nächste Stufe seiner Arbeit notwendig wird:

Für eine Kommune, Gott ins Leben zu rufen.

Das Versprechen wird eingelöst.

.

.

Das erste, was man über das Ego wissen muß, ist, daß es nicht existiert. Kein Mensch existiert getrennt für sich. Ihr seid genauso eins mit dem Universum wie ich, wie Buddha, wie Jesus. Ich weiß es, und ihr wißt es nicht; das ist der einzige Unterschied: diese Erkenntnis. Auf existentieller Ebene gibt es überhaupt keinen Unterschied. Also müßt ihr diese schwachsinnige Vorstellung, daß ihr getrennt existiert, einmal genauer betrachten

DER

GESEGNETE

Bhagwan,

da du dich selbst ,,Gott" nennst, möchte ich dich fragen, was dieses Wort tatsächlich bedeutet. Gibt es mehrere ,,Götter"? Und wo sind sie?

I ch bin Gott, weil ich nicht bin. Und in dem Augenblick, in dem du nicht

mehr bist, bist auch du ein Gott. Gott ist nichts Besonderes. Gott ist unser Wesenskern, Gott ist unser Sein. Wenn ich sage, daß ich Gott bin, sage ich einfach: Ich existiere. Existenz und Gott sind in meiner Sprache gleichbedeutende Worte. Ich sage auch von Bäumen, daß sie Gott sind, und Steine sind ebensosehr Gott wie du. Du kennst deine Göttlichkeit vielleicht nicht. Aber ich kenne sie. Und in dem Augenblick, in dem ich mir meiner Göttlichkeit bewußt wurde, wußte ich, daß jeder göttlich ist. Deshalb kann ich dir nicht sagen, wieviele Götter es gibt. Es gibt unendlich viele. Alle Wesen sind Götter auf verschiedenen Stufen der Erkenntnis, der Verwirklichung, der Bewußtheit. Aber ich verstehe dein Problem. Leute, die aus dem Westen kommen, können manche Dinge nicht begreifen, weil sie nur die begrenzte Gottes- Vorstellung des Christentums kennen, und das ist ein sehr enges Konzept. In Indien gibt es drei Wörter für Gott. Keine andere Sprache hat einen solchen Reichtum. Und das liegt daran, daß wir die inneren Welten seit Jahrhunderten erforscht haben. Tausende von Jahren wurden dieser Arbeit gewidmet, und daher ist es nur natürlich, daß wir sämtliche Erscheinungs- formen Gottes ergründet haben. Man kann es mit den Eskimos vergleichen, die zum Beispiel neun Namen für Schnee haben. Keine andere Sprache hat neun Ausdrücke für Schnee, weil die Leute nicht so viele Arten von Schnee kennen. Dagegen hat der Westen die gesamte Sprache der Wissenschaft entwickelt. Im Osten müssen wir diese Terminologie erst prägen. Aber was Religion angeht, wird sich die ganze Welt an den Osten halten müssen, denn wir haben uns von jeher

mit dem tiefsten Wesen des Menschen beschäftigt. Wir haben drei Ausdrücke für Gott. Der erste

mit dem tiefsten Wesen des Menschen beschäftigt. Wir haben drei Ausdrücke für Gott. Der erste ist Brahma. Das bedeutet der Eine, der Ungeteilte. Das ist der Zustand, wo der Schöpfer und seine Schöpfung noch ineinander ruhen. Die Christen haben kein Wort dafür. Im Christentum heißt es, daß Gott die Welt erschaffen hat. Eines Tages — es muß ein Montag gewesen sein, gerade als die Arbeitswoche begann — hat Gott die Welt erschaffen, und am Sonntag ruhte er sich aus. Die Theo- logen haben sogar versucht, das genaue Datum herauszufinden, und sie haben es geschafft: 4004 Jahre vor Christus, an einem gewissen Montag, hat Gott die Welt erschaffen

. Aber wo war die Welt vor diesem Zeitpunkt? Und wer war Gott vorher, denn er hatte noch nichts erschaffen, war also kein Schöpfer. Gott heißt, „der Schöpfer", aber kann es einen Schöpfer vor der Schöpfung geben? Die Schöpfung war nur als eine verborgene Möglichkeit im Schöpfer vorhanden. Die Schöpfung und der Schöpfer waren zusammen, eins. Im Christentum gibt es keinen Ausdruck dafür, aber in Indien nennen wir es Brahma.

Das ist der Zustand, wo der Tänzer noch nicht begonnen hat zu tanzen. Der Tanz und der Tänzer sind eins. Wenn der Tänzer angefangen hat zu tanzen, gibt es eine Teilung. Bevor ein Sänger anfängt zu singen, ruht das Lied tief in seinem Innern. In dem Augenblick, in dem er singt, ist die Tren- nung da. Ein Maler ist in dem Moment, in dem er anfängt zu malen, von seiner Malerei getrennt. Der zweite Ausdruck der Inder für Gott ist Ishwar. Ishwar heißt der Schöpfer, und mit dem Schöpfer ist die Einheit in zwei gespalten, eine Dualität ist entstanden. Damit ist die Welt vom Schöpfer getrennt; Brahma, der Eine, Absolute, ist zu Zweien geworden. Der dritte Ausdruck ist Bhagwan. Das ist die Bezeichnung für einen Menschen, der die Einheit wiedererkannt hat — die Einheit des Tänzers mit dem Tanz, des Malers mit dem Gemälde, des Dichters mit der Dichtung. Die Einheit des Schöpfers mit der Schöpfung. Ein Mensch, der die Einheit wieder gesehen hat, der sie wieder in seinem ganzen Wesen erlebt hat, wird Bhagwan genannt. Wörtlich übersetzt bedeutet Bhagwan der „Gesegnete". Es bedeutet nicht wirklich Gott. Das Problem entsteht nur, weil die Sprachen des We- stens so arm sind. Man muß Brahma mit Gott übersetzen, man muß Ishwar mit Gott über- setzen und ebenso Bhagwan. Das ist nichts anderes als sprachliche Armut, sonst gar nichts. Bhagwan bedeutet wörtlich der „Gesegnete". Aber wer ist ein Gesegneter? Wir nennen jeden Menschen, der die ursprüngliche Einheit wiedererlebt hat, der zum Ursprung des Seins zurückgekehrt ist, Bhagwan — darum wurden auch Krishna und Buddha Bhagwan genannt. Und ihr werdet lachen: Buddha hat nicht einmal an Gott, eine Schöp- fung oder einen Schöpfer geglaubt. Trotzdem nennen die Buddhisten ihn Bhagwan, den Gesegneten, weil er die Wahrheit erkannt hat. Man kann es Gott, den Schöpfer, die Wahrheit, Nirvana, Erleuchtung nennen — darauf kommt es nicht an. Er erkannte, und dadurch war er gesegnet. In diesem Erkennen war er tausendfach gesegnet. Er wurde zu Bhagwan, dem Ge- segneten. Jetzt wird das natürlich zu einem ständigen Problem: Ich behaupte auch, daß ich ein „Gesegneter" bin. Ich habe die Einheit erkannt. Diese Seligkeit ist auch mir widerfahren. Aber wenn ich mich „Bhagwan" nenne, behaupte ich damit nicht, daß ich die Welt erschaffen habe. Nein, dafür übernehme ich nicht die Verantwortung! Ich will damit nur sagen, daß ich von der ganzen Existenz gesegnet wurde, daß die Gnade auf mich herab-

geflossen ist. Ich habe den Ursprung erkannt. Und in dem Augenblick des Erkennens löst man sich auf, man ist nicht mehr als ein Ego vorhanden. Ein Gesegneter ist einer, der nicht mehr ist. Ich bin nicht, nur Gott ist:

das ist die Erfahrung, die einen zum Gesegneten macht. Dieses Paradox muß man verstehen: Der Mensch begegnet Gott nie, der Mensch kann sich nur auflösen, verschwinden, und dann ist Gott. In deiner Abwesenheit erscheint Gottes Gegenwart in dir. Das ganze Bemühen der Religion besteht nur darin, dem Menschen zu helfen, als ein Ego zu verschwinden. In dem Moment, wo du in dein Inneres schaust und kein „Ich", kein Ego mehr findest, nur völlige Ruhe, unendliche Leere, ist es passiert: du bist Gott. Du bist nicht im Vergleich zu anderen ein Gott — es ist nicht so, daß andere Menschen nicht Gott sind, und nur du Gott bist — du bist Gott, weil es dann nur noch Gott allein gibt. Ich sage also nicht, daß ich Gott bin und ihr nicht. Wenn ich erkläre, göttlich zu sein, behaupte ich dasselb«

Ich sage also nicht, daß ich Gott bin und ihr nicht. Wenn ich erkläre, göttlich zu

auch von euch. Und nicht nur von euch; die Tiere, die Bäume, die Steine, die ganze Existenz besteht aus Gott — und nur aus Gott. Ich sage nicht, daß ich heiliger bin als ihr; ich behaupte nicht etwas Besonderes zu sein. Ich sage nur, daß ich mich aufgelöst habe, und daß in dieser Auflösung Gnade in mich hineingeflossen ist, Ekstase hat mich ergriffen. Ich bin voll- kommen und für immer verschwunden. Und in dem Raum, der zurück- bleibt, gibt es nur noch Gott. Wenn du sagst „Ich bin", sagst du in Wirk- lichkeit etwas Falsches, weil es dich gar nicht gibt. Wenn du sagst „Ich bin", trennst du dich vom Ganzen und das ist eine existentielle Lüge. Du bist nicht vom Ganzen getrennt; du kannst nicht einen Augenblick getrennt vom Ganzen existieren. Niemand ist eine Insel. Wenn du das erkennst, ver- schwindet die Trennung, und plötzlich bist du eins mit den Bäumen und den Sternen. Und in diesem Augenblick bist du gesegnet. Du bist nach Hause gekommen.

Das ist alles, was gemeint ist, wenn man „Bhagwan" sagt; das Wort bedeutet einfach „der Gesegnete".

Wenn ich Gott bin, wie kommt es dann, daß ich jeden Morgen diesem Körper aufwache?

Bhagwan:

Für einen Gott ist alles möglich.

ICH BIN FUR ALLES

Bhagwan, kannst du mir eine Botschaft an die westliche Welt mitgeben, so daß die Leute im Westen eine Möglichkeit haben, dich und deine Anhänger zu verstehen?

M eine Botschaft ist sehr einfach. Darum ist sie so schwer zu verstehen.

Ich lehre das Offensichtliche. Es ist überhaupt nicht kompliziert, und deshalb gibt es auch nicht viel daran zu verstehen. Es muß gelebt, es muß erfahren werden. Meine Botschaft ist nicht verbal, nicht logisch und nicht rational; sie ist existentiell. Alle, die meine Botschaft auf intellektuellem Wege zu verstehen suchen, können mich nur mißverstehen. Aber es gibt einige Grundzüge, die ich gerne erläutern möchte. Erstens, der Mensch hat bisher nur halbherzig gelebt. Im Osten wie im Westen ist der Mensch einseitig geblieben. Weder der östliche noch der westliche Mensch hat ganzheitlich gelebt. Der Westen hat den Körper der Seele vorgezogen und ist körperorientiert; der Osten hat die Seele dem Körper vorgezogen und ist seelisch orientiert. Aber der Mensch ist beides, eine umfassende Harmonie von Körper und Seele, und zugleich die Trans- zendenz von beidem. Weder im Osten noch im Westen ist der Mensch vollkommen akzeptiert worden. Wir haben es bisher noch nicht gewagt, den Menschen in seiner Totalität anzuerkennen. Das ist einer der wirklich fundamentalen Aspekte, die jeder in Bezug auf meine Lehre verstehen sollte.

Ich lehre den ganzheitlichen Menschen. Die Vorstellung einer Trennung in Ost und West ist Unsinn und entstammt dem althergebrachten Konzept einer Zweiteilung aller Dinge. Aber alle Trennungen müssen verschwinden. Darum lehre ich eine ganzheitliche Welt. Ost und West müssen verschwin- den; beide sind schizophren.

Der Westen ist rechtshändig orientiert, aktiv, extrovertiert; der Osten ist linkshändig orientiert, passiv und introvertiert. Aber der Mensch ist beides und jenseits von beidem. Um total zu sein, muß man die Fähigkeit haben, sowohl nach außen, als auch nach innen zu gehen. Ein Mensch, der total ist, muß einatmen und ausatmen können. Ausatmung und Einatmung sind in Wirklichkeit nicht zwei verschiedene Dinge, sondern ein einziger Vorgang, und das eine ist genauso wichtig wie das andere. Der Westen hat sich für die äußere Welt, die Materie entschieden; er wandte sich der Wissenschaft zu und schuf eine großartige Technologie. Aber der Mensch fühlt sich von dieser Technologie erdrückt, denn er ist nicht im gleichen Maße innerlich gewachsen. Er ist weit hinter der Wissen- schaft zurückgeblieben, und die Wissenschaft, die der Mensch geschaffen hat, zerstört nun den Menschen selbst. Die innere Welt des Menschen ist im Westen arm geblieben. Der Mensch ist im Westen spirituell verkümmert. Und das andere Extrem hat sich im Osten ereignet: der Mensch hat seinen Körper, seine Umwelt, völlig ver- neint. Der Osten hat beharrlich alles verneint, was außen ist, er hat der manifestierten Welt entsagt und ist nur nach innen gegangen, um von allem zurückgezogen im Zentrum zu leben. Der Osten ist in spiritueller Hinsicht reich, aber materiell gesehen vollkommen verarmt. Ost und West haben gleichermaßen gelitten. Meine Botschaft ist nun, daß es an der Zeit ist, diese Trennung zwischen dem Äußeren und dem Inneren, dem Niederen und dem Höheren, dem Linkshändigen und dem Rechtshändigen aufzuheben. Wir müssen mit dieser Teilung in „männlich" und „weiblich", in „östlich" und „westlich" aufhören. Wir haben vielmehr einen ganzheitlichen Menschen zu schaffen, der fähig ist, beides und mehr zu sein. Das ist einer der Gründe, weshalb ich weiterhin überall mißverstanden werde. Der östlich-religiöse Mensch ist verärgert, weil er glaubt, ich lehre Materialismus. Und der westlich-rational denkende Mensch ist genauso verärgert, weil er glaubt, ich lehre irgendeinen spirituellen Hokus-Pokus. Alle sind mir böse. Und das ist nur natürlich, ich kann es verstehen. Ich lehre den ganzheitlichen Menschen — von der niedrigsten bis zur höchsten Sprosse der Leiter, vom Sex zum Samadhi (dem Zustand des All-Eins-Seins), vom Körper zur Seele, von der Materie zu Gott. Mein Ver- trauen ist total. Der Mensch hat bis jetzt noch kein Vertrauen in das Dasein gehabt, selbst im Osten nicht. Im Osten wurde die Welt angezweifelt, daher bezeich-

net man sie dort als illusorisch, als Maya. Im Westen wurden das Göttliche und die Existenz der Seele in Frage gestellt; man betrachtet diese Dinge einfach als Halluzinationen, als pathologische Erscheinungen. Dem typisch westlichen Verstand erscheint Jesus als Neurotiker, als Geisteskranker, als ein Mensch, der psychiatrische Behandlung braucht. Dem Osten hingegen kommt die westliche Maxime: ,,Iß, trink und genieße das Leben", anima- lisch vor. Das Image des Westens hat für den Osten eine fast tierische Sinn- lichkeit angenommen, und diese Lebensauffassung erscheint als die einzige Philosophie des Westens. Der Westen hat die innere Welt angezweifelt und der Osten die äußere Welt. Beide haben im Zweifel gelebt und kein Ver- trauen in die Gesamtheit des Lebens gehabt. Mein Vertrauen ist total. Ich vertraue auf das Innere sowohl als auf das Äußere, weil das Äußere und das Innere zusammengehören. Man kann es nicht trennen. Es gibt keinen Gott außerhalb dieser Welt, und es gibt keine Welt außerhalb von Gott. Gott ist der innerste Kern der Welt. Die Lebens- säfte, die in den Bäumen fließen, sind Gott; das Blut, das in deinem Körper zirkuliert, ist Gott. Gott und die Welt sind miteinander verbunden wie ein Tänzer mit seinem Tanz: sie können nicht voneinander getrennt werden, sie sind untrennbar. Darum sage ich nicht, daß diese Welt Illusion sei, das ist Unsinn! Die Welt ist so real wie das Bewußtsein. Ebensowenig sage ich, die innere Welt sei nur Neurose, Wahnsinn oder eine Halluzination; sie ist keine Illusion, son- dern die eigentliche Grundlage der Realität.

Ich lehre den ganzheitlichen Menschen. Ich bin weder Materialist noch Spiritualist, denn meine Haltung ist ganzheitlich. Und nur der ,heile'Mensch kann heilig sein. In diesem Punkt wird man mich oft falsch verstehen, und jedermann kann daran herumkritisieren und Fehler an mir finden — das ist ganz einfach. Der Spiritualist kann mich einen Epikuräer, kann mich einen Hedonisten nennen. Und er hat damit nicht absolut Unrecht, denn ein Teil von mir ist epikuräisch. Ich liebe Epikur, denn er lehrt die Freuden

Und die sinnliche Erfahrung unseres

und die Beschwingtheit des

Körpers löst tatsächlich Beschwingtheit und Freude aus. Wenn man diese Erfahrung des Körperlichen verneint, wird man ernst und traurig. Darum sehen die Heiligen des Ostens so traurig aus. Sie empfinden keine wirkliche Freude. Sie reden von Glückseligkeit, aber sie drückt sich nicht in ihren Gesichtern aus. Sie wirken elend und tot, weil sie vor der Außenwelt Angst haben, und ein Mensch der sich vor der Außenwelt fürchtet, fürchtet sich auch vor der Liebe, denn Liebe ist eine Hinwendung, die nach außen

führt. Liebe bedeutet „der andere", Liebe bedeutet: sich auf den anderen beziehen. Liebe bedeutet Kommunikation mit dem anderen. Liebe bedeu- tet die Beziehung zwischen ,Ich' und ,Du'. Der Osten ist gegen die Liebe, weil er den „anderen" verleugnet. Und wenn man gegen die Liebe ist, verliert man seine Leichtigkeit und Verspielt- heit. Wenn Liebe nicht zugelassen wird, werden dem Leben auch Tanz, Gesang und Poesie genommen. Dann wird alles stumpfsinnig und mühselig. Man kann auch ohne Liebe leben, aber dann hat das Leben nur ein Mini- mum an Ausdruckskraft und wird zum bloßen Dahinvegetieren. Und genau das hat sich im „spirituellen" Osten ereignet. Geht und schaut euch in den Klöstern und Ashrams um! Mein Ashram bietet ein völlig anderes Bild. Hier tanzen die Leute, sie singen, halten sich an den Händen und umarmen sich voller Liebe und Ausgelassenheit. Das entspricht nicht dem östlichen Konzept eines Ashrams. Ein Ashram hat absolut freudlos zu sein und sollte eher einem Friedhof, als einem Garten der Lebensfreude gleichen. Sowie man aufhört zu lieben, hält man den Strom seiner inneren Energien an und stagniert. Und solange man nicht geliebt hat, hat man auch nicht wirklich gelebt. Darum wird man meinen Ashram mißverstehen, denn er sieht aus wie der Lustgarten eines Hedonisten oder der Garten eines Epikur. Der westliche Mensch hat geliebt, gelacht, getanzt und gesungen, aber jegliche Vorstellung verloren, wer er eigentlich ist. Er hat die Suche nach größerer Bewußtheit aufgegeben und lebt unbewußt. Er ist zunehmend mechanisch geworden, denn er verleugnet sein Innenleben. Sein Lachen kann nicht aus der Tiefe kommen, weil er seine eigene Tiefe nicht kennt. Die Wesenstiefe wird vom westlichen Menschen nicht als Möglichkeit er- kannt und gelebt. So lebt der Westen in seichtem Gelächter und der Osten in tiefer Traurig- keit. Das ist das Elend und die Qual, in der sich die Menschheit befindet. Meine Botschaft ist, daß der Mensch jetzt die nötige Reife hat, diese engstirnigen, einseitigen Muster hinter sich zu lassen. Diese Programme müs- sen abgelegt werden! Man muß sowohl das Äußere als auch das Innere akzeptieren, und zwar total, ohne irgendwelche Vorbehalte. Daraus ent- stehen eine Bewußtheit und eine Liebe, die nicht mehr unvereinbar sind, sondern sich ergänzen. Die Liebe schenkt euch Freude, und die Bewußtheit erzeugt eine kristallklare Schärfe der Wahrnehmung in eurem Inneren. Durch Bewußtheit werdet ihr gewahr, wer ihr seid; und durch Liebe er- kennt ihr, was diese Welt ist. Und zwischen diesen beiden Ufern fließt der Strom des Lebens.

Ich lehre den ganzheitlichen Menschen. Dies ist eines von den grundlegenden Dingen, die verstanden werden müssen; dann wird euch alles andere leicht fallen, dann wird alles ganz ein- fach. Das ist der Ausgangspunkt. Ich lehre die Welt, und ich lehre Gott, und ich lehre sie in einem Atem- zug. Ich möchte Epikur und Buddha so eng wie möglich miteinander ver- binden. Buddha sitzt im Lotussitz unter einem Baum; man kann sich einen Buddha nicht tanzend vorstellen. Epikur tanzt in seinem Lustgarten; man kann sich nicht vorstellen, daß Epikur still unter einem Baum sitzt und meditiert. Ich möchte, daß Epikur und Buddha eins werden. Das Leben sollte sich in einem Rhythmus zwischen Tanz und Stille, zwischen Musik und Schweigen bewegen. Das Leben sollte sich in einem Rhythmus zwischen äußerster Extraversion und äußerster Introversion bewegen, denn Gott ist beides. Dann siehst du Gott mit geschlossenen Augen, und du siehst ihn, wenn du sie wieder öffnest, denn Gott ist alles, was existiert.

du Gott mit geschlossenen Augen, und du siehst ihn, wenn du sie wieder öffnest, denn Gott

Du fragst mich; „Kannst du mir eine Botschaft an die westliche Welt mitgeben, so daß die Leute im Westen die Möglichkeit haben, dich und deine Anhänger zu verstehen?

Die Leute, die bei mir sind, sind nicht meine Anhänger. Sie sind meine Geliebten, meine Freunde, meine Jünger, aber nicht meine Anhänger. Und was ist der Unterschied zwischen einem Jünger und einem Anhän- ger? Ein Anhänger glaubt, was immer man ihm sagt, und macht ein Dogma daraus. Aber ein Jünger hört zu, lernt und experimentiert selbst, und so- lange er die Wahrheit nicht selbst gefunden hat, bleibt er offen. Ich gebe meinen Freunden, meinen Sannyasins, kein Dogma. Ich bemühe mich hier nur darum, ihnen zu helfen, zu sich selbst zu finden. Ich helfe

ihnen nur, sie selbst zu sein. Ein Anhänger ist ein Nachahmer — ein Christ muß Christus imitieren, und ein Buddhist muß Buddha imitieren — aber alle

Ich möchte, daß meine Freunde authen-

Nachahmer sind unecht, pseudo tisch sind.

In einem Rhythmus zwischen Bewegung und Ruhe, zwischen Musik und Stille.

Wie solltet ihr mir auch folgen? Ich bin ganz anders als ihr, und ihr seid ganz anders als ich. Jeder ist vollkommen einzigartig. Es hat nie jemanden gegeben und es wird nie jemanden geben, der mit dir vergleichbar wäre. Gott erschafft einen Menschen nur ein einziges Mal. Er macht alles neu. Er wiederholt sich nie. Er erschafft den Menschen nicht in Serienproduktion, wie einen Fiat oder Ford. Es gibt tausende und abertausende von Autos, die sich absolut gleichen, aber Gott kreiert immer nur das Einzigartige. Geh in den Garten und sieh: du findest keine zwei Grashalme, die ein- ander gleichen. Sogar eineiige Zwillinge unterscheiden sich voneinander. Wie könntet ihr also irgendjemandem folgen? Jede Gefolgschaft ist unecht. Daher ist meine zweite Botschaft diese: Der Mensch soll nieman- dem folgen. Natürlich soll man versuchen zu verstehen; man muß viele Dinge lernen, man muß zuhören können und offen bleiben, aber man muß seiner eigenen inneren Spontaneität folgen. Folge deinem eigenen Wesen. Ich helfe den Leuten hier, sie selbst zu sein, so wie ich die Rosen in mei- nem Garten Rosen sein lasse und die Lotusblumen Lotusblumen. Ich ver- suche nicht, den Lotus in eine Rose zu verwandeln. Die Welt ist reich, weil sie so mannigfaltig ist. Wenn es nur Rosen und keine anderen Blumen gäbe, wäre die Welt häßlich und grau. Tausend verschiedene Blumen blühen und gedeihen, deshalb ist die Welt so schön. Jeder Mensch muß authentisch, muß völlig er selbst sein. Darum sind die Sannyasins, die hier bei mir sind, nicht meine Anhän- ger. Sie lieben mich, und ihre Liebe hat sie hierhergebracht. Aus Liebe haben sie meine Nähe gesucht. Ihre Liebe hat mich hierher- gebracht, und ihre Liebe hat sie hergebracht. Nur der Liebe wegen sind wir hier beisammen. Aber ich bin nicht ihr Führer, und sie sind nicht meine Anhänger. Ich schaffe keinen Kult und gründe keine Kirche. Die Sannya- sins sind eine Lebensgemeinschaft von Freunden, keine Kirchenmitglieder. Wir haben kein Dogma, an das jeder glauben muß. Es gibt nichts, woran man glauben muß, aber zahllose Möglichkeiten zum Experimentieren. Mein Ashram ist ein Laboratorium. Wir experimentieren auf vielen Ebenen. Wir arbeiten mit Tao, mit Techniken der Sufis, des Jainismus, Hinduismus, Islam, des Christentums, mit Tantra, Yoga und Alchemie. Das Experiment umfaßt alle Möglichkeiten, die das menschliche Bewußtsein bereichern und das menschliche Wesen zu einer Ganzheit machen können. Aber daraus ergeben sich natürlich Schwierigkeiten, denn wenn ein Anhänger des Yoga hierherkommt, kann er nicht verstehen, weshalb man mit Tantra experi- mentieren soll; er ist gegen die tantrische Lebensauffassung. Genauso geht es einem Anhänger des Tantra; er kann nicht einsehen, weshalb man mit

Yoga experimentieren soll; er ist gegen Yoga. Ich bin gegen gar nichts; ich bin für alles. Ich bin entschieden für alles. Ich beanspruche das gesamte menschliche Erbe, und was immer in irgend- einer Tradition wertvoll ist, gehört mir, und was immer den Menschen be- reichern kann, nenne ich mein eigen. Ich gehöre zu keiner Tradition — alle Traditionen gehören mir.

zu keiner Tradition — alle Traditionen gehören mir. Wir machen also ein ganz neues Experiment, das

Wir machen also ein ganz neues Experiment, das nie zuvor in dieser Weise veranstaltet wurde. Dieses Experiment ist die Vereinigung aller religiösen Wege. Ich lehre also eine Synthese, eine Vereinigung. Und nach meinem Empfinden bleibt ein Mensch, der ausschließlich mit Yoga-Tech-

niken experimentiert, auf halbem Wege stecken, er bildet nur Teile von sich aus, wie wenn die eine Hand riesengroß würde, während der restliche Kör- per klein bleibt. Man wird zum Monstrum, es sei denn, man experimentiert auch mit Tantra, denn Tantra ergänzt und vervollständigt Yoga. Denkt daran — dies ist eine meiner grundlegenden Erkenntnisse: Im Leben gibt es keine Widersprüche. Alle Widersprüche sind in Wirklichkeit Ergänzungen. Die Nacht ergänzt den Tag, und genauso ergänzt der Sommer den Winter und der Tod das Leben. Diese Erscheinungen sind nicht gegen- einander gerichtet, denn nichts ist wirklich „gegen" etwas anderes. Es gibt nur eine Energie, einen einzigen Gott. Meine linke und meine rechte Hand stehen nicht im Widerspruch zueinander; sie ergänzen sich. Gegensätze sind wie die zwei Schwingen eines Vogels; er kann nicht nur mit einem Flügel fliegen. Man muß mit Tantra und Yoga gleichermaßen experimentieren, denn Yoga bietet eine tiefe Einsicht in die Disziplin und Tantra in die Spon- tanität. Oberflächlich betrachtet erscheinen sie einander entgegengesetzt, aber solange eure Disziplin nicht spontaner und eure Spontaneität nicht disziplinierter wird, könnt ihr keine ganzen Menschen sein. Yoga bedeutet Kontrolle, Tantra bedeutet ohne jede Kontrolle spontan zu leben, und beides ist notwendig. Ein Mensch muß soweit zur Ordnung fähig sein, so daß er notfalls mit äußerster Disziplin funktionieren kann. Aber Ordnung darf nicht zur Fixierung werden, sonst wird man zum Ro- boter. Ein Mensch muß in der Lage sein, aus der Kontrolle seiner Disziplin herauszuschlüpfen, wenn es angebracht ist, sich gehen zu lassen und spon- tan mit dem Strom des Lebens zu treiben. Dazu gelangt man nur durch Tantra und auf keinem anderen Weg. Ich bringe alle Gegensätze als Ergän- zungen in das Leben meiner Sannyasins hinein. Die Yogis können nicht einsehen, welche Bedeutung Sex und Liebe im Leben eines Suchenden einnehmen und sind darum gegen mich. Sie haben Angst. Sie haben Angst vor ihrer eigenen Sexualität, denn Sex ist der spon- tanste Ausdruck des Lebens. Sie wollen diese Kraft unter Kontrolle halten, denn sie wissen, daß man alles andere auch unter Kontrolle hat, wenn erst einmal der Sex beherrscht wird; darum richtet sich der Hauptangriff gegen den Sex. Tantra wiederum sagt, daß euer ganzes Leben roboterhaft wird, wenn euer Sexualleben nicht spontan gelebt wird. Euer Liebesleben muß frei sein. Und beide haben recht, beide haben gemeinsam recht! Das ist meine Sichtweise. Ich wirke vielleicht absurd, weil meine Haltung sehr unlogisch ist. Die Logik besteht immer darauf, daß entweder der Yogi oder der Tan-

triker recht hat. Aber ich glaube an das Leben und nicht an die Logik, denn das Leben beinhaltet immer beide Seiten.

Der Mensch von heute hat zwei Alternativen: entweder im Chaos zu enden oder zur Maschine zu werden — und beides ist furchtbar. Darum muß ein tieferes Verständnis vom Leben entwickelt werden, denn genau in der Mitte, zwischen dem Chaos und dem Mechanischen liegt der Punkt, zu dem ich meine Sannyasins bringen möchte. Von dieser Mitte aus kann man, wenn es erforderlich ist, zu beiden Extremen gehen und ist gleichzeitig in der Lage, sich von dort auch jederzeit wieder wegzubewegen. Diese Flexibilität, dieses Fließen lehre ich. Ich lehre keine festgelegten Lebensmuster, keine erstarrten Formen. Ich lehre eine Lebenssynthese, ein wachsendes, sich ständig veränderndes Muster und die Fähigkeit, das Gegenteil, den Gegensatz zu umfassen. Dann hat das Leben Schönheit und Fülle. Und man kann die Wahrheit nur erkennen, wenn man die Gegensätze des Lebens zu wechselseitigen Ergänzungen machen kann. Nur dann hat das Leben Symmetrie und Gleichgewicht. Nur dann sind Positives und Nega- tives gleichmäßig ausbalanciert. In diesem Balancieren geht man über beides hinaus; in diesem Gleichgewicht erkennt man das, was jenseits aller Dualität liegt und öffnet sich dieser Dimension. Dann erblüht die goldene Blume.

erkennt man das, was jenseits aller Dualität liegt und öffnet sich dieser Dimension. Dann erblüht die

INTELLIGENZ

DES

HERZENS

Bhagwan, was genau ist Intelligenz? Und in welcher Beziehung steht die Intelligenz des Herzens zu der Intelligenz des Verstandes?

ntelligenz ist die naturgegebene Fähigkeit zu sehen, wahrzunehmen.

Jedes Kind wird intelligent geboren und dann von der Gesellschaft ver- dummt. Wir erziehen unsere Kinder zur Dummheit. Früher oder später promovieren sie in Stumpfsinn. Intelligenz ist eine ganz natürliche Erscheinung, genauso wie das Atmen oder die Sehkraft. Intelligenz ist die innere, intuitive Fähigkeit zu sehen und hat nichts mit dem Intellekt zu tun — vergeßt das nicht. Verwechselt Intelligenz nie mit Intellekt — das sind zwei völlig entgegengesetzte Dinge. Der Intellekt ist im Kopf. Er wird dir von anderen beigebracht, er wird dir aufgezwungen. Du mußt den Intellekt kultivieren; er ist etwas Entliehenes, etwas Fremdes, nichts Angeborenes. Aber Intelligenz ist angeboren, Intelli- genz ist der Kern deines Wesens, deine ureigentliche Natur. Jedes Tier ist intelligent, Tiere sind keine Intellektuellen, das ist wahr, aber sie sind intelligent. Die Bäume sind intelligent, die gesamte Existenz ist intelligent, und jedes Kind kommt als intelligentes Wesen auf die Welt. Seid ihr jemals einem dummen Kind begegnet? Das ist unmöglich! Aber man trifft nur selten einen intelligenten Erwachsenen. Irgendetwas geht in der Zwischenzeit schief. Ich möchte euch folgende schöne Geschichte erzählen. Hört gut zu — vielleicht hilft euch das. Die Geschiohte heißt: „Die Schule der Tiere."

I

Eines Tages versammelten sich ein Kaninchen, ein Vogel, ein Eich- hörnchen, ein Fisch und ein Aal im Wald. Sie beschlossen eine Schule zu gründen und bildeten einen Schulrat. Das Kaninchen forderte, daß Schnellauf in den Lehrplan aufgenommen werden müsse; der Vogel

bestand darauf, daß Fliegen zum Lehrplan gehöre; der Fisch meinte, Schwimmen gehöre dazu; das Eichhörnchen sagte, daß senkrechtes Bäumeklettern ein absolut notwendiger Bestandteil des Lehrplans sei, und der Aal bestand auf „Löcher in die Erde bohren." Sie nahmen alle diese Fächer in den Lehrplan auf und erklärten es zur Regel, daß jedes Tier alle Fächer belegen müsse. Obwohl das Kaninchen eine Eins im Schnellauf bekam, stellte es sich heraus, daß es mit dem „Senkrecht- auf-die-Bäume-klettern" ernsthafte Probleme hatte. Es fiel immer hinten- über. Nach kurzer Zeit war es von den vielen Gehirnerschütterungen geistig nicht mehr auf der Höhe und konnte nicht mehr so schnell laufen. Anstatt einer Eins, bekam es jetzt eine Vier im Laufen und natür- lich nach wie vor eine Sechs im senkrechten Bäumeklettern. Der Vogel war ausgezeichnet im Fliegen, aber wenn es darum ging, Löcher in die Erde zu bohren, war er gar nicht gut, er brach sich immer den Schnabel und die Flügel. Bald bekam er nur noch die Note drei im Fliegen, sowohl als eine Sechs im „Löcher in die Erde bohren", und beim Schwimmen erging es ihm ganz schlecht.

Die Moral von der Geschichte ist, daß der geistig minderbemittelte Aal als Klassenbester hervorging, weil er alles halbwegs richtig machte. Aber die Erzieher waren alle zufrieden, weil ein jeder sämtliche Fächer belegt hatte, und nannten es „Allgemeinbildung".

Wir lachen darüber, aber so sieht es aus. So habt ihr es gemacht. Wir versuchen tatsächlich, jeden Menschen dem anderen gleichzumachen und zerstören damit die Möglichkeit jedes Einzelnen, wirklich er selbst zu sein.

Man tötet seine Intelligenz ab, wenn man andere nachahmt. Wenn man intelligent bleiben will, muß man mit dieser Nachahmerei aufhören. Durch Imitation begeht die Intelligenz Selbstmord. Man wird zu einer schlechten Kopie. In dem Moment, wo du anfängst, darüber nachzudenken, wie du irgendjemand anderes werden kannst, verlierst du deine Intelligenz, du wirst dumm. In dem Augenblick, wo du dich mit einem anderen Menschen vergleichst, verlierst du dein naturgebundenes Potential, ganz du selbst zu sein. Von diesem Moment an wirst du nie mehr glücklich, nie mehr klar und frisch und durchsichtig sein. Du verlierst deine Klarheit, deine Wahr- nehmungsfähigkeit. Du siehst mit geliehenen Augen. Aber wie kannst du durch die Augen eines anderen sehen? Du brauchst deine eigenen Augen. Du brauchst deine eigenen Beine zum Laufen, dein eigenes Herz zum

Fühlen. Die Leute leben alle ein Leben aus zweiter Hand — darum ist es so erstarrt. Diese Erstarrung läßt sie so dumpf und stumpfsinnig erscheinen. Wir brauchen eine völlig neue Art der Erziehung in dieser Welt! Ein gebo- rener Dichter erweist sich als Dummkopf in der Mathematik, und ein Mensch, der ein großer Mathematiker hätte werden können, stopft sich unnötig mit Geschichte voll und fühlt sich dann minderwertig. Alles geht drunter und drüber, weil die Ausbildung nicht euren natürlichen Anlagen entspricht. Unsere Erziehung zollt dem Individuum nicht den geringsten Respekt, sie zwingt alle in ein bestimmtes Muster. Dieses Muster mag zufälligerweise für ein paar Menschen passend sein, aber die Mehrheit geht unter und daran zugrunde. Es ist die größte Qual im Leben, sich dumm, minderwertig und unintelligent zu fühlen. Aber kein Mensch wird unintelligent geboren, keiner kann ohne Intelli- genz zur Welt kommen, denn wir kommen von Gott, und Gott ist die reine Intelligenz. Wir bringen etwas von diesem Duft, diesem Aroma Gottes mit, wenn wir auf die Welt kommen. Aber sofort stürzt sich die Gesellschaft auf euch und fängt an zu manipulieren, euch zu verändern, zu belehren, dies und jenes zu beschneiden, anderes hinzuzufügen, und schon bald habt ihr jede Form verloren. Die Gesellschaft möchte euch zu gehorsamen, ortho- doxen Konformisten machen, und auf diese Weise wird eure Intelligenz zerstört.

Mir geht es darum, euch aus diesem aufgezwungenen Muster herauszu- holen. Ihr lebt in Gefängniszellen — und ihr könnt herauskommen. Aber es ist schwierig, denn diese Verhaltensmuster sind nicht mehr nur wie Zwangsjacken, die ihr tragt — sie sind zu eurer zweiten Haut geworden. Ihr habt derartig lange damit gelebt, daß sie nur schwer abgeworfen werden können, denn sie sind eure gesamte Identität. Aber sie müssen fallengelas- sen werden, wenn ihr euer wahres Wesen zurückgewinnen wollt. Wenn man wirklich intelligent sein will, muß man zum Rebellen werden. Nur ein Mensch der rebelliert, beweist, daß er Intelligenz besitzt. Aber was verstehe ich unter Rebellion? Damit meine ich das Fallenlassen von allem, was euch gegen euren Willen aufgezwungen wurde: die Moral, die Religion, die Politik — was es auch sein mag — werft alles von euch ab, was euch gegen euren Willen aufge- zwungen wurde. Sucht wieder herauszufinden, wer ihr eigentlich seid. Fangt wieder völlig von vorne an. Bedenkt, daß ihr eure Zeit bis jetzt verschwendet habt, weil ihr anderen gefolgt seid.

Kein Mensch ist dem anderen gleich; jeder ist einzigartig. Das ist das Wesen der Intelligenz. Und jeder ist unvergleichlich. Vergleiche dich nie mit irgendeinem anderen Menschen. Wie kannst du irgendwelche Vergleiche anstellen? Du bist du — und der andere ist der andere. Ihr seid euch nicht ähnlich, also ist ein Vergleich unmöglich. Aber man hat uns beigebracht, Vergleiche anzustellen, und wir sind ständig damit beschäftigt, uns direkt oder indirekt, bewußt oder unbewußt, mit anderen zu vergleichen. Aber wenn man sich mit anderen vergleicht, kann man sich selbst niemals respektieren. Irgendjemand sieht immer besser aus als du, ist größer als du, gesünder als du oder sonstwas — irgendjemand hat eine so wohlklingende, musikalische Stimme — und du brichst unter der Bürde deiner Vergleiche immer mehr zusammen. Es gibt Millionen von Menschen! Irgendwann wirst du von deinen Vergleichen einfach erdrückt! Du hattest eine wunder- schöne Seele, ein wunderbares Wesen, das aufblühen wollte, das sich zu einer goldenen Blume entfalten wollte — aber du hast es niemals zuge- lassen.

das aufblühen wollte, das sich zu einer goldenen Blume entfalten wollte — aber du hast es

Wirf alles beiseite, sei unbeschwert! Fordere deine Unschuld zurück, gewinne deine Kindheit wieder. Jesus hatte recht, als er sagte: „Solange ihr nicht neugeboren seid, kommt ihr nicht in das Himmelreich Gottes." Ich sage euch dasselbe: Solange ihr nicht neugeboren seid Laßt euer Dasein als Sannyasins zu einer Neugeburt werden. Werft all den Unrat ab, den man euch aufgebürdet hat. Seid taufrisch und fangt noch einmal von vorne an. Dann werdet ihr euch wundern, wieviel Intelli- genz augenblicklich freigesetzt wird. Du fragst: „Was genau ist Intelligenz ? " Es ist die Fähigkeit zu sehen, die Fähigkeit zu verstehen, die Fähigkeit dein eigenes Leben deiner eigenen Natur entsprechend zu leben. Das ist es, was Intelligenz ist. Und was ist Dummheit? Anderen zu folgen, andere nachzuahmen, ande- ren zu gehorchen, die Welt durch ihre Augen zu betrachten. Zu versuchen, ihr Wissen als dein Wissen auszugeben — das ist Dummheit. Das ist der Grund, warum die Gelehrten fast ausnahmslos dumm sind. Sie sind Papa- geien, die alles nachplappern, Grammophonplatten, die alles getreulich nachsagen können, aber sobald eine neue Situation entsteht, die nicht in ihren Büchern beschrieben wird, sind sie verloren. Diese Leute haben keinen Funken Intelligenz.

Intelligenz ist die Fähigkeit, in jeder Lebenssituation neu und unbe- schwert zu agieren, ohne vorgefaßtes Programm. Nur unintelligente Leute haben ein Programm. Sie sind ängstlich, weil sie wissen, daß sie nicht ge- nügend Intelligenz haben, dem Leben, so wie es ist, gegenüberzutreten. Sie müssen sich vorbereiten, Proben machen. Sie bereiten eine Antwort vor, bevor die Frage überhaupt gestellt wurde, und damit erweisen sie sich als unintelligent, denn die Frage bleibt nie die gleiche. Das Leben stellt immer neue Fragen. Jeder Tag bringt seine eigenen Probleme und stellt seine eigenen An- forderungen. Und jeder Moment erhebt seine eigene Frage. Wenn ihr irgend- welche vorgefertigten Antworten im Kopf habt, seid ihr noch nicht einmal in der Lage, die Frage richtig zu verstehen. Ihr seid so voll von eurer Ant- wort, daß ihr nicht fähig seid, richtig hinzuhören, und alles, was ihr tut, entspricht eurer vorgefertigten Antwort, die irrelevant ist, die nichts mit der Realität, so wie sie ist, zu tun hat. Intelligenz ist, der Realität unvorbereitet zu begegnen. Es hat eine ungeheure Schönheit, dem Leben unvorbereitet ins Auge zu sehen. Dann ist das Leben neu und jung. Dann hat das Leben einen Fluß, eine Frische

und birgt viele Überraschungen. Und wenn das Leben voller Überraschun- gen ist, langweilt man sich nie. Dumme Leute sind immer gelangweilt. Sie langweilen sich, weil sie ihre Antworten von anderen übernommen haben und diese Antworten ständig wiederholen. Sie langweiligen sich, weil ihre Augen vom Verstandeswissen so verklebt sind, daß sie nicht sehen können, was wirklich passiert. Sie wissen zuviel, ohne irgendetwas wirklich zu wissen. Diese Menschen sind nicht weise, sondern nur gelehrt. Wenn sie eine Rose betrachten sehen sie nicht diese Rose. Alle Rosen, über die die Dichter gesprochen haben, alle Rosen, die von irgendwelchen Malern gemalt und von den Philosophen diskutiert wurden, stehen ihnen vor Augen. Eine endlose Kette von Er- innerungen und Informationen. Diese Rose, die jetzt vor ihnen steht, geht in einer Masse von Informationen unter. Sie wird nicht wahrgenommen. Solche Menschen können sie nicht sehen, sie können nur wiederholen:

„die Rose ist schön" — und diese Worte sind ebenfalls nicht ihre eigenen, sie sind nicht wahr, sie sind unaufrichtig. Es ist die Stimme eines anderen — sie lassen nur ein Tonband ablaufen. Dummheit ist Wiederholung: andere einfach zu wiederholen. Das ist billige Ware. Billig, weil man dann selbst nichts lernen muß. Es ist mühsam, etwas zu lernen, dazu gehört Mut. Zu lernen bedeutet demütig zu sein; etwas Neues anzunehmen. Lernen bedeutet, in einer unegoistischen Ver- fassung zu sein. Man kann nie wissen, wohin dieser Lernprozeß führt.

Das Leben eines Menschen, der immer weiter lernt, bleibt unvorhersagbar; es ist nicht vorauszusagen, was ein Lernender tun wird. Er selbst kann nicht vorhersagen, was morgen sein wird, und wo er morgen sein wird. Er bewegt sich in einem Zustand des Nicht-Wissens von einer Handlung zur anderen. Nur wenn man in einem Zustand des Nicht-Wissens, des unauf- hörlichen Nicht-Wissens lebt, lernt man. Deshalb lernen Kinder so leicht. Wenn sie dann älter werden, hören sie allmählich auf zu lernen, weil sich schon eine Menge Wissen in ihren Köpfen angesammelt hat, und es einfach und billig ist, dieses Wissen zu wiederholen. Warum sich anstrengen? Es ist billig und leicht, dem alten Muster zu folgen, im Kreis herumzulaufen. Aber dann überkommt einen die Langeweile. Dummheit und Langeweile gehen Hand in Hand. Ein intelligenter Mensch ist so frisch wie die Tautropfen in der Morgen- sonne; so blank wie die Sterne in der Nacht. Er ist neu, so neu wie eine frische Brise, und jeder kann es fühlen. Intelligenz ist die Fähigkeit, immer

wieder neu geboren zu werden. Intelligenz ist, der Vergangenheit gegen- über zu sterben; in der Gegenwart zu leben. Du hast weiterhin gefragt: ,,In welcher Beziehung steht die Intelligenz des Herzens zu der Intelligenz des Verstandes?" Sie sind einander genau entgegengesetzt. Die Intelligenz des Kopfes ist überhaupt keine Intelligenz, sondern Gelehrtheit. Nur die Intelligenz des

Herzens ist wirkliche Intelligenz und die einzige Intelligenz, die es gibt. Der Kopf ist nichts weiter als ein Speichergerät. Was er aufspeichert, ist immer alt; es ist nie neu, nie originell. Der Kopf ist gut — für bestimmte Zwecke brauchbar — zum Einordnen von Wissen ist er bestens geeignet. Man braucht ihn zum Leben, viele Dinge müssen im Gedächtnis gespeichert werden. Der Verstand, der Kopf, ist ein biologischer Computer. Man kann ungeheure Mengen von Wissen darin aufspeichern und wenn nötig, immer wieder abrufen. Er ist gut für mathematische Kalkulationen, gut für das alltägliche Leben auf dem Marktplatz. Aber wenn du denkst, das sei dein ganzes Leben, bleibst du dumm. Du erfährst nie, wie schön es ist, zu fühlen, du erlebst nie den Segensreichtum des Herzens, und du empfängst die Gnade nie, die nur mit dem Herzen gefühlt werden kann. Du kannst Gott nicht erfahren, und du wirst niemals erleben, was Andacht, was Poesie, was Liebe ist. Die Intelligenz des Herzens bringt Poesie in dein Leben, beflügelt deine Schritte und erfüllt dein Leben mit Festlichkeit und Freude. Sie schenkt dir das Lachen, den Sinn für Humor. Sie gibt dir die Fähigkeit, zu lieben und mit anderen zu teilen, und das ist das wahre Leben. Ein Leben, das vom Kopf bestimmt wird, ist ein mechanisches Leben.

Du wirst zum Roboter, der vielleicht sehr leistungsfähig sein mag

Ro-

boter sind leistungsfähig. Maschinen sind natürlich leistungsfähiger als Menschen. Du kannst durch Kopfarbeit zu viel Geld kommen, aber nicht zu Lebendigkeit. Dann hast du vielleicht einen höheren Lebensstandard, aber du lebst nicht wirklich. Nur das Herz lebt, und das Leben kann sich nur durch das Herz entfal- ten. Das Herz ist der Nährboden, auf dem die Liebe wächst, auf dem das Leben und das Göttliche gedeihen. Alles Schöne, alles wahrhaft Wertvolle, alles, was wichtig und sinnvoll ist, kommt aus dem Herzen. Das Herz ist das Zentrum deines Wesens.

Der Kopf ist nur die Peripherie. Im Kopf zu leben bedeutet, an der Oberfläche leben, ohne die Schönheit und den Reichtum des Zentrums jemals wahrzunehmen. An der Peripherie zu leben, ist reine Dummheit. Du fragst: Was ist Dummheit? — im Kopf leben, das ist Dummheit! Im

Herzen zu leben und den Kopf immer dann zu gebrauchen, wenn es nötig wird, ist Intelligenz. Aber das Zentrum, der innere Meister, sitzt im tiefsten Kern deines Wesens. Der Kopf ist nur ein Diener, der Meister ist das Herz. Das ist Intelligenz. Wenn der Kopf zum Meister wird und das Herz völlig vergessen, ist man dumm. Es ist deine Sache, dich für das eine oder das andere zu entscheiden. Vergiß nicht, daß der Kopf ein ausgezeichneter Diener ist, zu vielem zu ge- brauchen — aber er ist ein sehr gefährlicher Meister. Als dein Meister zer- stört und vergiftet er dein ganzes Leben. Du brauchst dich nur umzuschauen: Das Leben der Menschen ist vergif- tet, vom Kopf vergiftet. Sie fühlen nichts, sie sind völlig unsensibel, sie sind von nichts mehr aufrichtig begeistert. Die Sonne geht auf, aber nichts geht gleichzeitig in ihrem Inneren auf. Sie betrachten den Sonnenaufgang mit leeren Augen. Die Sterne erscheinen am Nachthimmel — ein einziges Wunder, ein Mysterium — aber in ihrem Herzen rührt sich nichts, kein Lied steigt aus ihrem Herzen auf. Die Vögel singen, aber der Mensch hat verges- sen, wie man singt. Die Wolken ziehen am Himmel, und die Pfaue tanzen, aber der Mensch weiß nicht mehr, wie man tanzt. Er ist zum Krüppel ge- worden. Die Bäume stehen in voller Blüte, aber der Mensch denkt — und wenn man kein Gefühl hat, gibt es kein Erblühen. Beobachte, prüfe dich, schau genau hin. Sieh dir dein Leben noch einmal genauer an. Niemand kann dir helfen. Du hast dich lange genug von anderen abhängig gemacht, deshalb bist du so dumm geworden. Jetzt paß ein bißchen mehr auf. Die Verantwortung liegt bei dir. Du bist es dir selbst schuldig, einen wirklich tiefen und durchdringenden Blick darauf zu werfen, was du mit deinem Leben machst. Hast du irgendwelche Poesie im Herzen? Wenn nicht, dann vergeude keinen Augenblick! Hilf deinem Herzen, Poesie in dein Leben zu weben. Gibt es noch irgendwelche Romantik in deinem Le- ben oder nicht? Wenn nicht, dann liegst du schon jetzt im Grab. Komm heraus aus deiner Gruft! Geh wieder auf Entdeckungsreisen. Millionen von Schönheiten und Herrlichkeiten warten auf dich. Du läufst ständig in den Außenbezirken herum und betrittst nie den Tempel des Lebens. Das Herz ist die Tür zu diesem Tempel. Darum sage ich, daß wahre Intelligenz vom Herzen kommt. Intelligenz ist nicht intellek- tuell, sondern emotional; nicht Denken, sondern Fühlen. Nicht Logik, sondern Liebe.

Logik ist das Oberflächlichste und Überflüssigste, das es gibt. Je tiefer man geht, desto mehr Poesie, Mitgefühl und Verständnis von Herz zu Herz tut sich auf. Man gibt sich jede Mühe, den anderen zu verstehen. Wenn man dem Wesen des anderen begegnen will, müssen alle Worte verschwinden. Zwei Wesen verbindet nur gemeinsam empfundene Stille.

HEISSHUNGER

NACH

WAHRHEIT

Bhagwan, bist du nicht eigentlich ein Guru des reichen Mannes?

D as bin ich — denn nur ein reicher Mann kann zu mir kommen.

Aber wenn ich „reicher Mann" sage, meine ich einen, der seine innere Armut erkannt hat. Wenn ich „reicher Mann" sage, meine ich einen, der reich an Intelligenz ist; ich meine einen, der alles hat, was die Welt geben kann und erkannt hat, daß es nutzlos ist. Ja, nur ein reicher Mensch kann religiös werden. Damit will ich nicht sagen, daß ein Armer niemals religiös werden kann; es kommt aber sehr selten vor, es ist eine Ausnahme. Ein armer Mensch hofft weiter. Ein armer Mensch hat noch nicht erfahren, was Reichtum ist und kann daher auch nicht davon frustriert sein. Wie kann er Gut und Geld hinter sich lassen, wenn er noch nicht davon enttäuscht worden ist? Hin und wieder kommt auch mal ein armer Mann zu mir, aber dann will er etwas, das ich ihm nicht geben kann. Er bittet um Erfolg; sein Sohn findet keine Arbeitsstelle, und er bittet mich: „Segne ihn, Bhagwan." Seine Frau ist krank, oder er macht Verluste im Geschäft — das ist typisch für den armen Mann, er ist einer der um weltliche Dinge bittet. Wenn ein Reicher zu mir kommt, dann hat er Geld, er hat einen Beruf, er hat ein Haus und ist gesund — er hat alles, was man haben kann — und irgendwann ist ihm klar geworden, daß ihn nichts davon befriedigt. Dann beginnt die Suche nach Gott. Ja, manchmal kann auch ein Armer religiös werden, aber dazu gehört sehr, sehr viel Intelligenz. Ein Reicher, der nicht religiös ist, ist dumm. Ein Armer, der religiös ist, ist unglaublich intelligent. Einem Armen muß man es verzeihen, wenn er nicht religiös ist, aber wenn ein Reicher nicht reli- giös wird, ist es eine unverzeihliche Sünde.

Ich bin ein Guru des reichen Mannes — das ist absolut richtig. Und laßt

mich euch eines sagen: Nur eurem Gelde habt ihr euer Hiersein zu verdan- ken. Ihr seid hier, weil ihr frustriert seid von eurem Geld. Ihr seid hier, weil ihr von eurem Erfolg frustriert seid. Ihr seid hier, weil ihr frustriert von eurem Leben seid. Ein Bettler kann nicht herkommen, weil er noch nicht frustriert genug ist. Religion ist ein Luxus. Ich nenne Religion den letzten, den äußersten Luxus, weil sie die höchsten Werte darstellt. Ein hungriger Mensch schert sich nicht um Musik, das kann er nicht. Und wenn du anfängst, ihm etwas auf der Sitar vorzuspielen, bringt er dich um. Er sagt: „Du verhöhnst mich — ich bin am Verhungern, und du spielst Sitar — ist das der Augenblick, Sitar zu spielen? Gib mir erstmal was zu essen! Ich habe solchen Hunger, daß ich kein Verständnis für Musik aufbringen kann. Ich sterbe!" Was nützt einem Menschen, der vor Hunger stirbt, ein Gemälde von Van Gogh oder eine Rede von Buddha oder die herrlichen Upanishaden oder Musik? Das ist alles bedeutungslos. Er braucht Brot.

Ein Mensch, der gesund und froh ist, genug zu essen und ein gutes Haus zum Leben hat, fängt an, sich für Musik, Poesie, Literatur, Malerei und Kunst zu interessieren. Ein neuer Hunger entsteht. Die körperlichen Bedürf- nisse sind befriedigt worden, jetzt kommen die seelischen Bedürfnisse an die Reihe. Es gibt eine Rangfolge der Bedürfnisse: die Bedürfnisse des Körpers stehen an erster Stelle. Der Körper ist die Basis, das Erdgeschoß eures Wesens; ohne das Erdgeschoß kann es keinen ersten Stock geben. Sobald die körperlichen Bedürfnisse befriedigt worden sind, erwachen die seelischen. Sobald die seelischen Bedürfnisse befriedigt worden sind, erwachen die geistigen. Wenn ein Mensch alle Musik gehört hat, die es auf der Welt gibt, wenn er sämtliche Schönheiten besichtigt hat und herausge- funden hat, daß alles ein leerer Traum ist, wenn er allen großen Dichtern zugehört und festgestellt hat, daß das nur ein Mittel ist, sich selbst zu vergessen, nur eine Art, sich vorübergehend zu berauschen, ohne daß es irgend- wo hinführt, wenn er sich alle Gemälde und großen Kunstwerke angeschaut hat, sich amüsiert und unterhalten hat — was dann? Dann steht er wieder mit leeren Händen da, mit leereren Händen als je zuvor. Dann sind Musik und Dichtkunst nicht mehr genug. Dann entsteht der Wunsch zu meditie- ren, ein Verlangen nach Gott, ein Heißhunger nach Wahrheit. Eine leiden- schaftliche Sehnsucht packt dich, und du machst dich auf die Suche nach der Wahrheit, denn jetzt weißt du: Solange du das geheime wahre Wesen dieser Existenz nicht ergründet hast, kann dich nichts befriedigen. Du hast alles ausprobiert, und es war vergebens.

Religion ist der größte Luxus. Du mußt entweder sehr reich sein, um an diesen Luxus zu kommen, oder sehr, sehr intelligent. Aber in beiden Fällen bist du reich. Ich habe noch nie einen wirklich armen Menschen gesehen — arm an Intelligenz oder arm an Reichtum — der religiös geworden wäre. Ja, du hast recht: Ich bin der Guru des reichen Mannes.

oder arm an Reichtum — der religiös geworden wäre. Ja, du hast recht: Ich bin der

Bhagwan,

was ist deine Botschaft, mal kurz und bündig?

Bhagwan:

Die Frage ist von Pari Nirvana, im Ashram gemeinhin als "Pari Banana" bekannt, Buddhas letzte Botschaft an seine Jünger war:

"Sei dir selbst ein Licht, das dich leitet." Meine Botschaft, mal kurz und bündig ist: "Sei dir selbst ein Witz, der dich erheitert."

FÜR EINEN AUGENBLICK DIE HELLE SONNE SEHEN

Bhagwan, Du bist überall auf der Welt als Tantra-Meister oder Sex-Guru bekannt, aber in den drei Jahren, die ich in deinem Ashram verbrachte, habe ich nicht nur weniger Sex als je zuvor in meinem Leben gehabt, ich habe auch weniger über Sex nachgedacht und weniger davon reden hören, als je zuvor. Kannst du diesen Widerspruch erklären?

G erade vor ein paar Tagen stieß ich in einer Zeitschrift auf eine Schlag-

zeile — die Leute nennen mich den „Hugh Hefner" der spirituellen Welt! Also, was redest du da? Ja, ich lehre euch, tief in die Liebe hineinzugehen. Und ich lehre euch auch, wie ihr tief in den Sex hineingehen könnt, denn das ist die einzige Möglichkeit, darüber hinauszuwachsen. Hindurchzugehen ist der einzige Weg, darüber hinauszugehen — aber mein Ziel ist es, euch darüber hinaus- zuführen. Nun ist das allerdings ein Problem, und darum wird man mich überall auf der Welt immer wieder mißverstehen. Die Leute haben sich daran gewöhnt zu glauben, daß religiöse Menschen gegen Sex sein müssen: Wie können Leute, die nicht gegen Sex sind, religiös sein? Das sind Ansichten, die zu vollkommen erstarrten, festgefüg- ten Denkschemen geworden sind. Ich werfe alle diese Kategorien über den Haufen, und ich erwarte nicht, daß die Welt diese festgefügten Muster nun auf der Stelle fallenläßt. Daher erwarte ich auch nicht, daß sie mich ver- stehen. Ich verstehe es vollkommen, wenn die Leute mich mißverstehen. Da mache ich mir keine falschen Hoffnungen. Es wird Jahre oder Jahr- hunderte dauern, bis sie mich begreifen können. Aber das ist immer so Ich entwerfe eine neue Lebensanschauung — eine Sicht, die so neuartig ist, daß die Leute keine Kategorie haben, in die sie eingeordnet werden kann, und das macht sie alle wütend. Diese Leute können meine Arbeit nicht begreifen. Sie denken, ich sei

ein Sex-Guru, ich lehre eine übertriebene Sexualität, ich propagiere sexuelle Ausschweifungen. Diese Leute können die Zusammenhänge nicht ver- stehen. Ich werde sowohl von den sogenannten Spiritualisten, als auch von den sogenannten Materialisten mißverstanden. Aber ich sehe ein, daß das mein Schicksal sein muß. Ich kann nur von einer neuen Art von Mensch verstanden werden, von Wesen, die einen Einblick in die Gesamtheit gehabt haben, die erkennen, daß der Mensch beides ist: Körper und Seele, und daß man nur durch Lebenserfahrungen reif wird. Sex kann zu einem Sprungbrett ins Samadhi (dem Zustand des All- Eins-Seins) werden. Wenn ihr die Sexualität zutiefst versteht und erlebt, werdet ihr davon befreit. Aber diese Freiheit hat dann eine völlig andere Qualität! Das ist keine Unterdrückung der Sexualität! Wenn man seine Sexualität unterdrückt hat, lebt sie im Untergrund, im Unbewußten weiter; sie setzt sich fort und hört nicht auf, euer Leben auf die verschiedensten Weisen zu beeinflussen.

Ich habe einmal gehört, daß eine schwerreiche alte Jungfrau, die ihr frommes Leben in Keuschheit wie eine Nonne verbracht hatte, einen Einbrecher beim Durchwühlen ihrer Habe erwischte.

„Kein Sterbenswort, wenn Sie glimpflich davonkommen wollen! Sagen Sie mir nur, wo die Juwelen sind!" Sie sagte: „Die sind nicht hier, sondern im Safe in der Bank." — „Und wo ist das Silber?" „Tut mir leid, aber das ist gerade beim Putzen außer Haus." — „Dann her mit dem Geld!" „Ich habe nie Bargeld bei mir," sagte sie. „Hören Sie gut zu: ich warne Sie! Geben Sie das Geld her oder ich reiße es Ihnen vom Leibe!" Und er begann, sie von oben bis unten abzufühlen. „Ich sagte es bereits," bemerkte die Alte, „ich habe kein Bargeld bei mir, aber wenn Sie das nochmal machen, schreibe ich Ihnen einen Scheck aus."

Ich habe auch noch eine andere Geschichte gehört. Wahrscheinlich vom selben Einbrecher:

Mitten in der Nacht klingelte das Telefon bei der Polizei. Jemand bat

dringend um Hilfe. Die Stimme am anderen Ende sagte verzweifelt:

„Bitte kommen Sie sofort! Ein Einbrecher wird im Zimmer einer alten Frau festgehalten!" Der diensthabende Inspektor antwortete: „Wir sind in 5 Minuten da. Aber mit wem spreche ich?" „Mit dem Einbrecher", sagte die kleinlaute Stimme.

Wenn man etwas unterdrückt, schleppt man die unverheilte Wunde sein Leben lang mit sich herum. Der Weg führt nicht über Unterdrückung. Eine radikale Verwandlung wird durch Verständnis herbeigeführt, und das Ver- ständnis kommt aus der Erfahrung. Darum gebe ich euch die totale Frei- heit, alles zu erleben, was euer Körper und euer Verstand erfahren wollen. Aber mit einer einzigen Bedingung: Seid wach, seid bewußt, beobachtet, was geschieht. Wenn ihr bewußt in den Liebesakt hineingehen könnt, werdet ihr stau- nen. Die Liebe enthält alle Schlüssel zum Samadhi. Wenn ihr tief in die Liebe hineingeht, mit vollem Bewußtsein und wacher Klarheit, seht ihr, daß es nicht die Liebe ist, zu der ihr hingezogen seid, sondern die Tatsache, daß der Verstand in der Explosion des Orgasmus, beim Höhepunkt der Liebe ausgeschaltet wird. Alle Gedanken verschwinden — und das ist der Zustand, in dem dich der Nektar, das höchste Glücksgefühl durchströmt. In Wirklichkeit ist es nicht der Sex, der euch dieses wunderbare Erlebnis verschafft. Der Sex hilft euch nur, auf natürliche Weise zu dem Punkt zu gelangen, an dem sich der Verstand auflöst, wo sich die Gedankenwolken verflüchtigen und man für einen Augenblick die helle Sonne sieht. Aber natürlich nur für einen Augenblick. Dann wird die Sonne wieder von den Wolken verdeckt, und ihr fangt aufs Neue an, vom Sex zu träumen. Wenn ihr dabei unbewußt bleibt, geht ihr immer wieder an dieser gehei- men Tür vorbei. Nicht der Sex hält euch in dieser Welt verstrickt, sondern eure Unbewußtheit! Also stellt sich nicht die Frage, wie man den Sex über- winden kann, sondern wie man diese Unbewußtheit überwindet. Seid be- wußt, und laßt euer natürliches Wesen sich in seiner Gesamtheit entwickeln. Und Sex ist ein naturgegebener Teil der Gesamtheit. Ihr werdet aus der Sexualität heraus geboren. Jede Zelle eures Körpers ist eine Geschlechts- zelle, und Unterdrückung bedeutet, gegen die Natur zu gehen. Aber man kann über den Sex hinausgehen — und das ist etwas völlig anderes. Wenn du im Moment des Orgasmus wach und bewußt bist, siehst du, daß es keine Zeit gibt. Für einen Augenblick verschwindet die Zeit. Es gibt keine Vergangenheit und keine Zukunft; du bist absolut hier und jetzt

— und das ist das Wunderbare. Darum fühlst du soviel Freude, deshalb kommt diese Seligkeit über dich. Also muß man diese beiden Geheimnisse verstehen: daß erstens der Verstand für einen Augenblick stillsteht und zweitens die Zeit für einen Augenblick stillsteht. Und das sind zwei Aspekte desselben Phänomens; der eine Aspekt ist die Zeit, der andere der Verstand. Wenn diese beiden Dinge nicht mehr vorhanden sind, befindet man sich in einem Zustand vollkommener Seligkeit; MAN IST IN GOTT. Und Meditation ist eine Möglichkeit, diese beiden Dinge verschwinden zu lassen, ohne in die Sexu- alität hineinzugehen. Wenn ihr meditiert, werdet ihr diese Wahrheit eines Tages erkennen:

Es geschieht auch in der Meditation — der Verstand verschwindet, und die Zeit verschwindet. Dieser Tag wird ein Tag ungeheurer Erkenntnis sein. An diesem Tag wird euch klar, warum ihr ein so großes Interesse am Sex hattet, und an diesem Tag werdet ihr jegliches Interesse am Sex verlieren. Nicht, daß ihr es durch inneres Ringen fallenlaßt — es verschwindet einfach wie die Tautropfen in der Morgensonne, ohne jede Spur, ohne Wunden zurück- zulassen. Wenn ihr diesen Zustand durch Meditation herbeiführen könnt, wird die Sache viel, viel einfacher, denn ihr könnt es allein tun. Ihr braucht keinen anderen dazu; ihr seid nicht vom anderen abhängig. Und zweitens, wenn ihr die Seligkeit durch Meditation herbeiführen

könnt, verliert ihr keine Energie. Im Gegenteil, ihr werdet vitaler, denn die Energie wird bewahrt. Und drittens, wenn ihr diesen Zustand auf meditativem Wege erreichen könnt, dann könnt ihr solange, wie ihr wollt, darin verweilen. Dann ist es keine momentane Angelegenheit. Allmählich lernt ihr dann, wie ihr 24 Stunden in diesem Zustand bleiben könnt. Ein Buddha lebt tagein, tagaus,

24 Stunden am Tag, im Zustand des Orgasmus. Zwischen dem Tag, an dem

Gautam Buddha erleuchtet wurde und dem Tag, an dem er starb, liegen

42 Jahre. In diesen 42 Jahren befand er sich unaufhörlich in einem Zustand

des absoluten, vollkommenen Höhepunktes. Überlegt euch das einmal die wenigen Momente, die ihr erlebt, sind nichts im Vergleich zu einem

Buddha.

Ich lehre euch eine neue Art der Synthese. Ich bin absolut für diese Transzendenz, die euch zu Buddhas macht, die euch zur Erleuchtung hin- führt, aber es ist eine Transzendenz, ein Darüberhinausgehen, keine Unter- drückung. Durch Unterdrückung hat noch nie jemand etwas transzendiert.

Durch Unterdrückung bewegt man sich ständig wieder im selben ausgefah-

renen Gleis. Wenn ihr den Sex unterdrückt, müßt ihr ihn jeden Tag unter- drücken, und diese fixe Idee wird euch bis zu eurem letzten Atemzug in diesem Leben verfolgen.

und ich möchte, daß ihr

davon loskommt! Aber ich bin nicht gegen den Sex, denn diejenigen, die dagegen sind, kommen nie davon los. Daher das Paradox in meinen Lehren. Aber nur diejenigen, die wirklich reif sind, dieses Paradox zu begreifen, werden mich verstehen. Andernfalls kann ich nur mißverstanden werden. Die Massen werden mich nicht begreifen können. Aber ich erwarte auch nicht, daß sie mich verstehen. Sie tun mir leid, aber andererseits habe ich auch keine Erwartungen, und so fühle ich mich nie gekränkt. Ich weiß, daß die Lehre derartig neu ist, daß Jahrhunderte vergehen wer- den, bis es Maßstäbe gibt, an denen sie beurteilt werden kann. Heute haben wir noch keine Kriterien dafür. Man sagt, das Werk eines wirklich großen Dichters kann zu seinen Leb- zeiten nie verstanden werden, weil es sich von allen herkömmlichen Werken der Dichtkunst unterscheidet. Ein großer Dichter muß sich seine eigenen Maßstäbe schaffen, an denen er seine Dichtung beurteilt. Dasselbe gilt für einen großen Maler. Man kann einen großen Maler nicht an Hand von Bil- dern alter Meister beurteilen. Seine Botschaft ist so neuartig, daß keine alten Werke für eine Beurteilung zu Rate gezogen werden können. Und deshalb muß ein neuer Meister auch neue Werke schaffen. Das braucht seine Zeit. Und wenn das für die Dichtung, die Malerei und Bildhauerei gilt, was soll man dann erst über die Erleuchtung sagen? Das ist die größte aller Künste, die Kunst der Künste. Es dauert Jahrhunderte

Wenn ihr wirklich davon loskommen wollt

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Schuhe und Köpfe bitte vor dem Tor lassen.

DAS

EINZIG

LOHNENSWERTE

Bhagwan, warum tut Liebe so weh?

Bhagwan, warum tut Liebe so weh? iebe tut weh, weil sie den Weg zur Glückseligkeit ebnet.

iebe tut weh, weil sie den Weg zur Glückseligkeit ebnet. Liebe tut weh, weil sie dein Wesen von Grund auf verwandelt; es ist eine Mutation. Jede radikale Wandlung ist schmerzhaft, weil das Alte dem Neuen Platz machen muß. Das Alte ist vertraut, bekannt, sicher, während das Neue vollkommen unbekannt ist. Man begibt sich in unbefahrene Gewässer. Man kann seinen Verstand nicht gebrauchen, wenn man etwas Neuem gegen- übertritt; nur im Umgang mit dem Alten kennt sich der Verstand aus. Der Verstand kann nur im Altbekannten funktionieren; bei allem Neuen ist er absolut unbrauchbar. Darum kommt Angst auf, wenn man die alte, bequeme, sichere Welt, die Welt bürgerlicher Annehmlichkeiten hinter sich läßt; damit beginnt der Schmerz. Den gleichen Schmerz empfindet ein Kind beim Verlassen des Mutterleibes; den gleichen Schmerz empfindet ein Vogel, wenn er aus dem Ei schlüpft. Den gleichen Schmerz empfindet ein Vogel, wenn er zum ersten- mal seine Flügel ausbreiten und das Nest verlassen muß. Die Angst vor dem Unbekannten steht gegen die Sicherheit des Altbe- kannten. Die Unsicherheit, die Unvorhersehbarkeit des Unbekannten macht einem Angst. Und da es bei der Liebe um eine Wandlung vom „Selbst" zu einem Zu- stand der Selbstlosigkeit, der Egolosigkeit geht, ist das Leid ungeheuer groß. Aber man kann Ekstase nicht erfahren, ohne durch tiefstes Leid zu gehen. Wenn Gold geläutert werden soll, muß es im Feuer brennen. Liebe ist Feuer. Millionen von Menschen ziehen ein liebloses Leben vor, weil Liebe mit Schmerzen verbunden ist. Auch sie müssen leiden, aber ihr Leiden ist ver- geblich. Um der Liebe willen zu leiden, ist kein vergebliches Leiden. Aus

Liebe zu leiden ist schöpferisch, denn es führt zu höheren Dimensionen des Bewußtseins. Ohne Liebe zu leiden, ist absolute Energieverschwendung und führt nirgends hin; es hält dich nur weiter im selben Teufelskreis ge- fangen. Ein Mensch ohne Liebe ist abgekapselt, narzistisch. Er kennt nur sich selbst — und inwieweit kann er sich selbst kennen, wenn er den anderen nicht kennengelernt hat? Denn nur der andere kann ihm einen Spiegel vorhalten. Ohne den anderen zu erkennen, kannst du dich niemals selbst erkennen. Liebe ist also eine grundsätzliche Voraussetzung auch für Selbst- erkenntnis. Ein Mensch, der niemals einen anderen in tiefer Liebe, in inten- siver Leidenschaft, in überwältigender Ekstase erfahren hat, kann nicht wissen, wer er selbst ist, weil er keinen Spiegel hat, in den er sein eigenes Bild betrachten kann. Beziehungen sind Spiegel — und je reiner die Liebe, je höher die Ebene, desto getreulicher und klarer die Widerspiegelung. Aber Liebe auf höherer Ebene verlangt deine Offenheit, verlangt, daß du verletzbar bist. Du mußt deinen Schutzpanzer ablegen, und das tut weh. Du darfst nicht ständig auf der Hut sein; du mußt alles berechnende Denken aufgeben und Risiken eingehen. Du mußt gefährlich leben. Der andere kann dir weh tun — das ist die Angst, wenn du deine Verletzlichkeit zeigst. Der andere kann dich zurückweisen — das ist die Angst, die Liebe mit sich bringt. Das Spiegelbild deines eigenen Wesens, das der andere reflektiert, kann häßlich aussehen — das ist die Angst — und so vermeidest du, in den Spiegel zu sehen. Aber indem du einen Bogen um den Spiegel machst, wirst du noch nicht schön; dadurch, daß du die Situation vermeidest, wirst du nicht reifer. Du mußt die Herausforderung annehmen. Man muß sich der Liebe stellen; das ist der erste Schritt in Richtung Gott, und man kommt nicht darum herum. Leute, die versuchen, den Schritt in die Liebe zu vermeiden, gelangen nie zu Gott. Dieser Schritt ist unerläßlich, denn du wirst dir deiner Totalität nur bewußt, wenn du von der Gegenwart des anderen dazu provoziert wirst, wenn dein Wesen vom Wesen des anderen bereichert wird, wenn du dich aus deinem abgeschlosse- nen, selbstgenügsamen Schneckenhaus unter den freien Himmel locken läßt. Liebe ist ein freier Himmel. Lieben bedeutet, die Flügel auszubreiten Aber es ist ganz natürlich, daß der freie Himmel Furcht erregt. Und es ist ungeheuer schmerzhaft, sein Ego aufzugeben, denn man hat uns dazu erzogen, unser Ego so groß und stark wie möglich zu machen. Wir denken, das Ego sei unser größter und einziger Schatz. Wir haben es

behütet, wir haben es verziert, wir haben es unermüdlich aufpoliert — und wenn dann die Liebe an unsere Türen klopft, wird es notwendig, das Ego beiseite zu legen, sonst kann man nicht lieben — das tut natürlich weh. Es ist euer Lebenswerk, in das ihr alles investiert habt — in dieses häßliche Ego, in diese Vorstellung, daß „ich getrennt von der Schöpfung existiere." Diese Vorstellung ist häßlich, weil sie nicht wahr ist.

Es ist eine Täuschung, aber unsere Gesellschaft lebt aus der Vorstellung und baut auf ihr auf, daß jede Person eine einzelne Person ist und für nichts Größeres steht. In Wahrheit gibt es überhaupt keine Personen auf der Welt, sondern nur Vergegenwärtigungen von etwas Größerem. Du bist nicht, dich gibt es nicht als ein „Ich", das getrennt vom Ganzen existiert. Du bist ein Teil des Ganzen. Das Ganze lebt dich, atmet in dir, pulsiert in dir. Das Ganze ist dein Leben. Durch Liebe erfahrt ihr zum erstenmal, was es bedeutet, im Einklang mit etwas anderem als eurem Ego zu sein. Durch Liebe lernt ihr zum erstenmal, daß ihr mit jemandem harmonisch zusammenschwingen könnt, der nie eurem Ego angehört hat. Und wenn ihr in harmonischem Einklang mit einer Frau, einem Mann, mit einem Freund sein könnt, wenn ihr mit eurem Kinde, eurer Mutter in Harmonie sein könnt, warum nicht mit allen menschlichen Wesen? Wenn die Harmonie mit einer einzigen Person euch schon so glücklich macht, wieviel Glück werdet ihr erst erfahren, wenn ihr in Harmonie mit allen menschlichen Wesen lebt? Und wenn ihr in Harmonie mit allen menschlichen Wesen leben könnt, warum nicht auch mit den Tieren, den Vögeln und Bäumen? Dann ergibt sich ein-Schritt aus dem anderen. Liebe ist eine Himmelsleiter, die mit einem einzelnen Menschen beginnt und mit der Gesamtheit endet. Liebe ist der Anfang, Gott ist das Ende. Vor der Liebe Angst zu haben, sich vor den Wachstumsschmerzen der Liebe zu fürchten, bedeutet, sich in einer dunklen Zelle abzuschließen.

Es gibt Probleme, die bedeutungslos sind, die euch nirgends hinführen, die euch nur gefangen halten, die euch einfach in eurer alten Misere belas- sen, und es gibt Probleme, die kreativ sind, weil sie euch zu einem höheren Bewußtsein führen. Liebe schafft Probleme. Ihr könnt sie vermeiden, indem ihr der Liebe aus dem Weg geht, aber diese Probleme haben eine sehr wesentliche Bedeu- tung; man muß ihnen ins Auge sehen, sich ihnen stellen. Man muß sie

durchleben, hindurchgehen und darüber hinausgehen. Und der Weg darüber- hinaus führt nun einmal hindurch. Liebe ist das einzig Lohnenswerte im Leben, alles andere ist nebensächlich. Wenn es der Liebe dient, dann gut — aber alles andere ist nur ein Mittel — die Liebe ist der Zweck. Darum liebt, egal wie weh es tut. Wenn ihr euch nicht auf die Liebe einlaßt — wozu viele Menschen sich entschlossen haben — bleibt ihr stecken. Dann ist euer Leben keine Pilger- fahrt, kein Fluß, der zum Ozean fließt. Dann wird euer Leben zum stehen- den Wasser, zur Pfütze, und bald bleibt nichts als Schmutz und Schlamm übrig. Um sauber, klar zu bleiben, muß man weiterfließen. Ein Fluß bleibt rein, weil er immer weiterfließt. Dieses Fließen ist es, was einen unaufhör- lich jung und unberührt erhält. Ein Liebender bleibt jungfräulich — alle Liebenden sind unberührt. Lieblose Menschen können nicht jungfräulich bleiben, ihr Wesen bleibt verschlossen, stagniert und fault; früher oder später fangen sie an zu stinken — und zwar eher früher als später — weil ihr Weg nirgendwo hinführt, ihr Leben ist abgestorben. An diesem Punkt befindet sich der moderne Mensch. Und deshalb grei- fen alle möglichen Neurosen um sich; Wahnsinn in jeder Form breitet sich aus. Psychische Krankheiten haben epidemische Ausmaße angenommen. Nicht mehr nur Einzelne sind seelisch krank, es ist tatsächlich so, daß die ganze Erde ein einziges Irrenhaus geworden ist. Die gesamte Mensch- heit leidet unter neurotischen Störungen. Du brauchst dich gar nicht mit Gift umzubringen oder von einer Klippe zu springen oder dir eine Kugel durch den Kopf zu jagen — du kannst einen Selbstmord begehen, der sich über lange Zeit erstreckt. Das ist es, was geschieht. Nur wenige Menschen begehen Selbstmord auf die plötzliche Art, die meisten haben sich für die langsame Art entschieden. Ganz allmäh- lich, nach und nach sterben sie ab. Aber die Tendenz, Selbstmord zu be- gehen, ist schon fast zu einer globalen Erscheinung geworden. Das ist keine Art zu leben, und der Grund dafür, der tiefste Beweggrund dafür, ist die Tatsache, daß wir vergessen haben, die Sprache der Liebe zu sprechen. Wir sind nicht mehr mutig genug, uns auf das Abenteuer, das Liebe heißt, einzulassen. Daher das übermäßige Interesse der Leute am Sex, denn beim Sex geht man kein Risiko ein. Es ist eine momentane Angelegenheit, man zeigt keine weitere Anteilnahme'. Liebe bedeutet Anteilnahme, Liebe bedeutet Bin- dung. Liebe ist nicht kurzlebig und flüchtig; wenn sie einmal Wurzeln gefaßt hat, kann sie für immer sein. Sie kann zu einer lebenslangen Bindung wer-

den. Liebe verlangt Vertrautheit, und nur wenn man sich zutiefst mit dem anderen vertraut macht, wird er zum Spiegel. Wenn du einer Frau oder ei- nem Mann auf sexueller Ebene begegnest, seid ihr euch überhaupt nicht begegnet — im Gegenteil, du hast die Seele des anderen vermieden. Du hast nur seinen Körper benutzt und dann die Flucht ergriffen, und der andere hat deinen Körper benutzt und ist davongerannt. Ihr werdet nie so intim miteinander, daß sich eure ursprünglichen Gesichter offenbaren. Liebe ist das größte Zen-Rätsel. Sie verursacht Schmerzen, aber geht ihr deshalb nicht aus dem Weg. Wenn ihr die Liebe umgeht, habt ihr die wichtigste Gelegenheit, seelisch zu wachsen, umgangen. Laßt euch darauf ein, erleidet die Schmerzen der Liebe, denn dadurch erfahrt ihr irgendwann auch die höchste Ekstase. Ja, sie schafft Leiden und Qualen, aber aus diesen Qualen wird Ekstase gebo- ren. Ja, du wirst sterben müssen, sterben als ein Ego, aber wenn du als ein Ego sterben kannst, wirst du als ein Gott, ein Buddha wiedergeboren. Liebe gibt deiner Zunge den ersten Vorgeschmack auf das Tao, auf Sufismus, auf Zen. Liebe beweist dir zum erstenmal, daß Gott ist, daß das Leben nicht sinnlos ist. Menschen, die das Leben sinnlos nennen, sind Menschen, die keine Liebe erfahren haben; damit sagen sie nur, daß sie die Liebe im Leben versäumt haben. Nimm die Schmerzen und den Liebeskummer in Kauf. Geh durch die dunkle Nacht — und du wirst einen herrlichen Sonnenaufgang erleben. Nur aus dem Schoß der dunklen Nacht bricht am Ende die Sonne hervor. Nur nach einer tiefen Nacht kann es Morgen werden. Meine einzige Devise heißt Liebe. Ich lehre die Liebe, und nur die Liebe allein und sonst gar nichts. Ihr könnt Gott völlig vergessen, das ist bloß ein leeres Wort. Ihr könnt eure Gebete vergessen, denn sie sind nichts weiter als Rituale, die euch von anderen beigebracht wurden. Liebe ist ein natürliches Gebet, das kein Mensch euch beigebracht hat, sie ist euch angeboren. Liebe ist der wahre Gott. Nicht der Gott der Theologen, sondern der Gott eines Menschen wie Buddha, wie Jesus, wie Mohammed — der Gott der Sufis. Liebe ist eine tarika, eine Methode, dich als abgespaltenes Einzel- wesen zu töten, so daß du zum Unendlichen wirst; so daß du als ein Tau- tropfen verschwindest und zum Meer wirst. Durch die Tür der Liebe wirst du gehen müssen — und es ist ganz natür- lich, daß es wehtut, wenn man anfängt zu verdunsten, nachdem man so lange Zeit als ein Tautropfen gelebt hat. Es tut weh, weil man immer ge- dacht hat: „Ich bin soundso", und auf einmal löst sich alles auf. Man

Du bist es nicht, der stirbt. Eine Illusion stirbt, Du

hast dich restlos mit dieser Illusion identifiziert, das ist wahr, aber Illusion bleibt Illusion. Nur wenn die Illusion verschwunden ist, kannst du erken- nen, wer du bist, und diese Erkenntnis bringt dich auf den höchsten Gipfel

der Freude, der Seligkeit, der Lebensliebe.

glaubt, man stirbt

diese Erkenntnis bringt dich auf den höchsten Gipfel der Freude, der Seligkeit, der Lebensliebe. glaubt, man

Das Ganze hat keine Grenzen. Wenn du leer bist von Gedanken und Gefühlen, hast du keine Grenzen, und dann wirst du zum Ganzen. Wenn du bist, bist du ein häßliches Ego. Wenn du nicht bist, steht das ganze Ausmaß der Schöpfung deinem Sein offen zu sein.

FLUCHT IN DIE REALITÄT

Bhagwan, als ich meinen Beruf als politischer Reporter aufgab, um nach Poona zu kommen, nannten mich einige meiner Freunde, die sich im Kampf gegen Atomkraft, Kernwaffen, Umweltvernichtung, den Abbau demokratischer Freiheiten und so weiter engagiert haben, einen Realitätsflüchtling. Manchmal frage ich mich, ob sie recht haben. Haben sie recht?

J a damit haben sie recht, aber auf völlig andere Art, als sie meinen. Man kann vor der Realität flüchten. Man kann aber auch in die Realität

flüchten, und letzteres ist bei dir der Fall. Wenn man sich der Meditation zuwendet, der Welt des Sannyas, handelt es sich um eine Flucht in die Realität, nicht vor der Realität, denn das Realste, das Wirklichste im Menschen, ist das Zentrum seines eigenen Wesens. Je weiter man sich von seinem Zentrum entfernt, desto weiter entfernt man sich auch von der Realität. Und deine Freunde können den Kampf gegen „Atomkraft, Um- weltvernichtung, Abbau demokratischer Freiheiten und so weiter", nicht mit ihren Mitteln gewinnen. Das ist unmöglich. Hier wird gegen nichts dergleichen gekämpft, weil wir das Übel mit der Wurzel ausreißen. Diese Leute bekämpfen bloß das Laub, nicht die Wur- zeln — denn woher kommt die Atomkraft, und warum ist sie vorhanden? Wer hat sie in die Welt gesetzt und warum? Woher kommen Kriege und warum? Wer hat die Umwelt vernichtet und warum? Woher kommt all diese Zerstörungswut? Warum gibt es keine Demokratie auf der Welt? Warum gibt es keine Freiheit für den Einzelnen auf der Welt? Wer hat das alles bewirkt? Meinst du, du kannst irgendeine Partei, eine Klasse, eine Gesellschaftsschicht dafür verantwortlich machen? Dann irrst du dich gewaltig. Der menschliche Verstand, unser Denken, ist dafür verantwortlich.

Etwas stimmt nicht mit der Art, wie der menschliche Verstand bis heute

funktioniert hat. Der menschliche Verstand hat bis jetzt noch nicht gelernt, schöpferisch zu wirken — daher die Destruktivität. Und wir werden auch weiterhin zerstörerisch wirken, es sei denn, wir verändern das menschliche Bewußtsein von Grund auf. Es nützt uns nichts, gegen den Krieg zu kämpfen, denn das ist wiederum ein Krieg. Seht euch die Pazifisten und ihre Demonstrationszüge an — wie sie toben und schreien und wie wütend sie sind. Und das sind die Pazifisten! Jede Friedensdemonstration endet mit Gewalt und Vernichtung. Sie fan- gen an, die Läden zu plündern, Autos zu verbrennen und Steine nach den Polizisten zu werfen. Gekommen waren sie, um für den Frieden zu demon- strieren. Das ist eine uralte Dummheit. Alle Kriege werden im Namen des Frie- dens geführt. Sehr ihr denn nicht, worum es eigentlich geht? Der Mensch will kämpfen, und jeder Vorwand ist ihm recht. „Friede" ist ein glänzender Vorwand.

geht? Der Mensch will kämpfen, und jeder Vorwand ist ihm recht. „Friede" ist ein glänzender Vorwand.

Alle Politiker reden vom Frieden und rüsten für den Krieg. Und wenn

man sie nach dem Grund für das Aufrüsten fragt, sagen sie: „Wie sollten wir sonst den Frieden wahren? Wir müssen stark dastehen, sonst ist der Friede gefährdet. Wir müssen für den Krieg rüsten, um eine friedliche Welt zu garantieren." Und wenn lange genug aufgerüstet wurde, sieht man sich

schließlich gezwungen, etwas zu unternehmen, weil es zuviel wird

Druck wird zu groß, und die Spannung muß sich entladen. Selbstverständ- lich — wenn ihr unausgesetzt Waffen und Bomben stapelt — wie lange könnt ihr sie liegen lassen? Eines Tages müßt ihr sie an den Mann bringen. Sie immer weiter anzusammeln ist gefährlich, und so muß am einen oder anderen Ort ein Krieg stattfinden — das wird zur wirtschaftlichen Uner- läßlichkeit. Hin und wieder einmal gibt es einen großen Weltkrieg, und zwischen zwei großen Kriegen finden ständig kleinere statt — mal in Israel, mal in

Korea oder Vietnam; mal in Bangladesch, oder Kaschmir

weiter, denn die Großmächte produzieren Bomben und brauchen einen Absatzmarkt. Also ziehen die dummen Inder und Pakistanis gegeneinander in den Krieg und bilden den Absatzmarkt. Darauf fangen die Israelis und die Araber einen Krieg an und machen sich zum Absatzmarkt Seht doch einfach, worum es sich wirklich dreht! Wenn Israel Waffen von den Amerikanern bezieht, bekommen die Araber Waffen von den Russen — beide Länder brauchen einen Markt. Wenn Indien Waffen aus Rußland erhält, nimmt Pakistan Waffen aus Amerika — beide Staaten müs- sen ihre Waffen loswerden. Mit jedem Tag werden verbesserte Kampfmittel produziert; was soll man mit den veralteten Waffen anfangen? Sie sind nutzlos, du kannst sie einstampfen lassen, ins Meer werfen, aber damit verlierst du alles, was du investiert hast Also verkaufst du sie an unterentwickelte Länder, für die sie Wunder- dinge sind. Für die Russen und Amerikaner sind die Waffen veraltet, nutz- los, aber für Indien und Pakistan sind sie der letzte Schrei. So geht das Spiel immer weiter — wir reden andauernd vom Frieden und führen ständig Kriege. Wir müssen verstehen lernen, wie der menschliche Verstand funktioniert und diesen Verstand von Grund auf umwandeln. Solange der menschliche Verstand ehrgeizig am Konkurrenzdenken festhält, kann es keine Welt ohne Kriege geben. Solange der menschliche Verstand sektiererisch denkt, sich als Christ, Hindu oder Mohammedaner bezeichnet, kann es keinen Frieden geben, denn diese Sekten trennen die Menschen voneinander, und jede Trennung ist der Anfang eines Krieges.

das geht so

Der

Satyananda, du bist nicht vor der Realität geflüchtet, du bist in die Realität geflüchtet. Hier

Satyananda, du bist nicht vor der Realität geflüchtet, du bist in die Realität geflüchtet. Hier wird nicht vom Frieden geredet, sondern die Grundlage dafür geschaffen. Es lohnt sich nicht, über den Frieden zu reden. Wir sind keine Pazifisten, wir marschieren nicht durch die Straßen, machen keine langen Märsche zur Hauptstadt, keine Friedensdemonstrationen mit Parolen und Geschrei. Wir veranstalten keinen solchen Unsinn, denn so

etwas ist zwecklos, es gibt nur ein paar Leuten eine Gelegenheit, ihrer Zer- störungswut in Gefühlsausbrüchen Ausdruck zu geben, das ist alles.

Sie haben Spaß daran

. und brauchen Vorwände für ihr Verhalten.

Hier beschäftigen wir uns überhaupt nicht mit derartigen Dingen, und so müssen diejenigen, die sich mit diesen Sachen herumschlagen, zwangs- läufig den Eindruck gewinnen, daß es sich hier um eine Realitätsflucht handelt, denn ihrer Ansicht nach sind ihre Aktivitäten die Realität. Aber dem ist nicht so.

Selbstverständlich bedeutet es für sie eine Flucht, sich einfach hierher- zusetzen, und in aller Stille zu meditieren; zu tanzen und zu singen, mit geschlossenen Augen buddhistische Atemtechniken zu praktizieren, seinen Atem zu beobachten, zu versuchen, ständig bewußt zu bleiben — ja natür- lich. Es ist auch wirklich eine Flucht, aber in einem anderen Sinne. Du, Satyananda, beschäftigst dich mit der Wurzel aller Krankheiten, und wir bemühen uns, diese Wurzel von Grund auf auszumerzen. Wir ver- suchen, einen neuen Menschen zu schaffen, ein Wesen ohne Ego, ohne Ehrgeiz, ohne jeden Wunsch, in dieser Welt erfolgreich zu sein. Wir ver- suchen, einen Menschen zu schaffen, der tanzen, singen und lieben will, der das Leben zu einem Freudenfest macht. Wir versuchen, ein mensch- liches Bewußtsein zu entwickeln, das schöpferisch ist. Und vergiß nicht, daß nur ein Bewußtsein, das von Verstandesmustern frei ist, schöpferisch sein kann. Wenn der sogenannte „Verstand" oder „Geist" verschwindet und nur die reine Leere, die von keinem Gedanken berührte Leere bleibt, steigt Schöpferkraft aus diesem jungfräulichen Nichts empor. In dieser Leere erblühen Tausende von Blumen. Das ist der Garten, von dem Hakim Sanai, der Sufi-Mystiker spricht:

die Hadiqua, der Paradiesgarten. Diesen Garten versuchen wir zu pflanzen. Wir machen unsere Körper und unseren Verstand zum Nährboden, aus dem die goldene Blume in euch allen erblühen kann. Hier fliehen wir nicht vor der Realität. Wir fliehen in die Realität.

Bhagwan, warum gibst du uns diese religiösen Namen? Die sind doch absurd

Bhagwan:

Ja, das sind sie. Meine ganze Absicht ist, euch so komisch wirken zu lassen, daß alle anderen über euch lachen können — und ihr könnt über euch selbst lachen. Das ist der ganze Trick dabei. Lachen ist so befreiend. Wenn ihr über euch selbst lacht, kann das Ego nicht existieren.

GEBT MIR EURE EGOS

Bhagwan, was wird von mir verlangt, wenn ich dein Schüler werde?

D as, was du nicht hast, aber zu haben glaubst, mußt du mir geben. Da du es jedoch nicht hast, gibst du mir also in Wirklichkeit gar nichts —

nur eine Illusion. Laß es mich noch einmal sagen: Das, was du nicht hast, will ich dir wegnehmen. Und das, was du hast, will ich dir zurückgeben. Ich will dir deine Realität, dein wahres Wesen, zurückgeben, denn du hast es völlig aus den Augen verloren. Und das Irreale, dein falsches Ich, will ich dir wegnehmen.

Ich gebe euch das, was ist, und nehme euch das, was nicht ist.

Und vergeßt nicht, daß ich nichts dabei gewinne, wenn ihr euch hingebt — seid also nicht geizig. Denkt nicht, daß für mich etwas bei eurer Selbst- aufgabe herausspringt, ich habe nichts davon. Wenn ich euch aufwecke, verliert ihr zwar eure Träume, aber ich bekomme sie deshalb nicht. Sonst hätte ich euch nie geraten, mir eure Egos zu geben — ich würde ja unter der ganzen Last zusammenbrechen. Aber ihr gewinnt viel durch eure Selbstaufgabe. Ihr gewinnt eure Wirk- lichkeit, eure Wahrhaftigkeit zurück.

Du mußt eine große Aufnahmebereitschaft mitbringen, die Empfäng- lichkeit einer Frau, um einen Meister zu erkennen. Nur wenn du offen bist und auf einen lebenden Meister triffst, springt plötzlich der Funke über. Von dir aus mußt du nichts dazu tun — du mußt nur einfach da sein. Der Energieaustausch ist von einer solchen Lebendigkeit und Kraft, daß der Funke einfach auf dich überspringt, wenn du empfänglich bist. Und dann hat es dich gepackt. Es ist eine Liebesaffäre. Du kannst keinem ande-

ren beweisen, daß du deinen Meister gefunden hast. Dafür gibt es keine Beweise. Du brauchst es gar nicht erst zu versuchen, jeder kann dir das Gegenteil beweisen. Du hast ihn gefunden, und du weißt es. Du hast etwas Einzigartiges gekostet, und du weißt es. Dieses Wissen ist ein Gefühlswis- sen, ein Wissen des Herzens.

Ein Meister ist schwanger mit göttlicher Energie. Deshalb wird der Guru im Osten Gott genannt. Dem Westen ist das völlig unverständlich, weil die Leute denken, Gott bedeutet „der Schöpfer der Welt". Hierzulande küm- mern wir uns nicht sonderlich um den Schöpfer, wir nennen den Guru Gott. Warum? Weil er vom göttlichen Leben erfüllt ist, schwer wie eine Regenwolke mit göttlicher Energie, bereit, sich zu ergießen. Ihr müßt nur Durst haben, wie ein dürstender Erdboden sein.

Ein Meister hat in Wahrheit nichts gemeistert, er hat keine Ausbildung durchgemacht, er hat keine Schulung hinter sich, es gibt keine Kunst, die er beherrscht — nichts von alledem. Er hat nur das Leben in seiner Totali- tät gelebt; nicht als Disziplin, sondern natürlich und entspannt. Er hat sich zu nichts gezwungen. Er hat sich von den Winden tragen lassen und der Natur erlaubt, ihre eigenen Wege zu gehen. Und durch Tausende von Er- fahrungen, durch Leid, Schmerz, Seligkeit und Freude ist er herangereift; er ist reif geworden. Ein Guru ist eine reife, schwere Frucht, die nur darauf wartet, zur Erde zu fallen. Wenn du bereit bist, ihn zu empfangen, kann er in dich hinein- fallen. Ein Guru ist ein absolut östliches Phänomen, mit dem der Westen bis jetzt noch nicht vertraut ist. Der Westen kann nur schwer nachempfinden, warum jemand zu einem Guru geht und vor ihm auf die Knie fällt. Warum sich ihm zu Füßen werfen — das sieht erniedrigend aus. Aber wenn man etwas aufnehmen will, muß man sich zur Erde beugen. Der Meister ist mit Energie geladen, er kann sie in dich hineingießen, aber dazu mußt du niederknien, sonst kannst du sie nicht empfangen. Wenn ein Jünger in vollkommenem Vertrauen vor dem Meister kniet, geschieht etwas, was man nicht ohne weiteres mit bloßen Augen sehen kann. Eine Energie strömt aus dem Meister und dringt in den Schüler ein. Nur wenn ihr bewußter werdet, könnt ihr es auch sehen: die Aura des Meisters, der Regenbogen seines Lichts, ergießt sich in den Schüler, fällt auf ihn herab; ihr könnt es tatsächlich mit eigenen Augen verfolgen. Der Meister ist erfüllt von göttlicher Energie. Und da ihm unbegrenzte

Energien zur Verfügung stehen, kann er sie auf eine unbegrenzte Zahl von Jüngern übertragen. Ganz auf sich allein gestellt kann er mit Millionen von Jüngern arbeiten, ohne jemals erschöpft zu sein, denn er ist mit der Ge- samtheit verbunden, er hat die Quelle aller Energie erschlossen. Durch den Meister kannst du ebenfalls in diesen Abgrund springen. Sich Gott hinzu- geben ist schwierig, weil du nicht weißt, wo er sich befindet und er hat noch nie jemandem seine Adresse verraten. Aber einen lebenden Meister kannst du finden. Wenn du mich fragst, was ein Guru ist, dann sage ich, ein Guru ist die Adresse Gottes.

Das Selbst ist wie eine Zwiebel. Schicht um Schicht schälst du die Häute ab und was bleibt am Ende? Nichts. Nichtsein zu erreichen bedeutet Alles zu erreichen.

WAS WILL ICH DENN BLOSS NOCH

Bhagwan, bevor ich Sannyas nahm, war ich kurz davor, Selbstmord zu begehen. Jetzt geht es mir so gut, daß ich es kaum in Worte fassen kann, aber ich bin immer noch auf der Suche nach etwas, was ich nicht kenne. Bhagwan, was will ich denn bloß noch? Bitte sag, was.

S annyas ist der wahre Selbstmord. Du sagst: Bevor ich Sannyas nahm, war

Du hast ihn begangen — und

zwar auf tieferer Ebene. Es hätte dir nicht viel genützt, den Körper zu zer- stören; du wärst in einem ähnlich strukturierten Körper wiedergeboren wor- den, weil dein Verstand, dein Geist, unverändert geblieben wäre. Wenn du Selbstmord begehst, wenn du in einen Fluß springst oder ins Meer oder von einem Felsen, kannst du den körperlichen Aspekt deiner selbst zerstören. Aber dein körperlicher Aspekt ist nicht von entscheidender Bedeutung, denn dein geistiger Aspekt ist die Grundlage. Deine geistige Form enthält die Vorlage für die Gestaltung der körperlichen Form. Dein Verstand oder Geist würde in einen neuen Mutterleib eindringen und an- fangen, einen neuen Körper zu formen. Er würde wiedergeboren werden. Selbstmord ist sinnlos. Ich bin gegen Selbstmord, nicht weil es ein Ver- brechen ist — ich bin gegen Selbstmord, weil es sinnlos ist, es ist töricht. Es ist dumm. Wenn ihr wirklich Selbstmord begehen wollt, dann werdet Sannyasins, denn damit vernichtet ihr den Verstand mitsamt seiner tiefliegenden Ge- staltungsvorlage für alle zukünftigen Leben. Das ist es, was Buddha meinte, als er sagte: „Werde ein Shrotapanna, spring in den Strom des Lebens." Anstatt von einer Klippe zu springen, anstatt ins Meer zu gehen und einen körperlichen Tod zu sterben, laß dich in einen Buddha hineinfallen, und stirb einen geistigen Tod. Allein darum geht es bei Sannyas: In mir zu sterben. Sannyas heißt, dein eigenes Kreuz zu tragen.

ich kurz davor, Selbstmord zu

Wenn du dein Leben wirklich satt hast, dann schalte endgültig die Mög- lichkeit aus, daß es sich andauernd wiederholt. Werde ein Shrotapanna (einer, der nicht mehr gegen den Strom des Lebens kämpft). Darauf wirst du zum Skridagamin, dann kommst du noch einmal. Darauf wirst du zum Anagamin, dann kommst du nie mehr. Ein Anagamin ist einer, der den wahren Selbstmord begangen hat. Er kehrt nie zurück. Er ist wirklich fertig mit der Welt, er hat seine Rechnun- gen mit der Welt beglichen. Jetzt hat er viel bessere Möglichkeiten des Daseins gefunden. Er kehrt nicht in dieses Chaos zurück, er steigt nicht mehr in diese Dunkelheit, in diese häßliche Hölle herab. Er erhebt sich höher und höher und fliegt zur eigentlichen Quelle des Lichts.

Du sagst: Bevor ich Sannyas nahm, war ich kurz davor, Selbstmord zu begehen

Es ist tatsächlich so, daß nur ein Mensch, der kurz vorm Selbstmord steht, ein echter Sannyasin sein kann. Wenn du wirklich die Nase voll vom Leben hast, wenn es dich zu Tode langweilt, die lächerliche Absurdität deines Lebens mitanzusehen, diesen Teufelskreis, in dem du herumrennst, ohne jemals irgendwo anzukommen — wenn du erkennst, daß nichts dabei herauskommt, daß du dich sinnlos abquälst — du wirst immer grauer und niedergeschlagener, du kannst nicht mehr fliegen, du wirst immer mehr

wenn du das siehst — daß das Leben

dich umbringt, daß es dir kein wirkliches Leben schenkt — dann öffnen sich zwei Türen: Selbstmord oder Sannyas. Ich muß euch sagen, daß im Osten nur wenige Menschen Selbstmord begehen. Im Westen sind es viel mehr. Die Asiaten meinen, das sei so, weil sie weniger dazu neigen. Die westlichen Psychologen meinen, das sei so, weil die westliche Lebenseinstellung eher dazu neigt. Weder die Leute des

Ostens noch die Psychologen des Westens haben recht. In Wahrheit liegt es daran, daß es im Westen kein Sannyas, keine Abkehr von der Welt mehr gibt, daher bietet sich nur eine Alternative, wenn man das Leben satt hat: Selbstmord. Im Osten bietet sich Sannyas als zweite Alternative neben Selbstmord. Wenn man die Zahl der Sannyasins im Osten mit der Zahl der Leute im Westen, die Selbstmord begehen, vergleicht, sieht man, daß die Ziffern genau übereinstimmen. Sannyas ist eine totale Umwandlung des Lebens. Selbstmord ist eine Flucht vor dem Leben. Auf beiden Wegen läßt man das Leben hinter sich

zum toten Gebrauchsgegenstand

— auf beiden Wegen entledigt man sich dieses sogenannten Lebens. Aber Selbstmord ist nur ein kurzer Aufschub — du kommst wieder auf die Erde zurück, du mußt immer und immer wieder zurückkehren. Wenn du Sannyas nimmst, öffnet sich die Tür — du mußt vielleicht wiederkommen oder, selbst wenn du wiederkommst, dann unter günstige- ren Voraussetzungen, mit größerer Bewußtheit. Selbst wenn du kommst, dann nur, um etwas zu lernen, um reifer zu werden. Im Osten versteht man unter Wachstum, daß man dem Leben in dieser Welt entwächst, daß man darüber hinauswächst. Sannyas ist kreativ — Selbstmord ist destruktiv. Mit Selbstmord begeht ihr einfach eine sinnlose Verzweiflungstat. Mit Sannyas geht ihr ganz be- wußt daran, eure Lebensart, eure Verhaltensweisen zu verändern. In Wirk- lichkeit habt ihr nämlich nicht das Leben satt, sondern eure Lebensweise. Ihr habt nicht vom Leben genug — denn ihr wißt ja gar nicht, was Leben ist — ihr habt genug von der Form, die ihr eurem Leben gegeben habt, von

— denn ihr wißt ja gar nicht, was Leben ist — ihr habt genug von der

der Enge, in die ihr es gepreßt habt, von der tunnelartigen Sackgasse, die ihr daraus gemacht habt; von dem Gefängnis, zu dem ihr euer Leben ge- macht habt. Ihr wißt nicht, was Leben ist, ihr kennt nur diesen Tunnel, der dunkel und schmutzig ist, der euch beschränkt, erdrückt, verkrüppelt, lähmt — und an seinem Ende steht nichts anderes als der Tod. Wozu sich dann ab- quälen? Warum sich nicht gleich umbringen? Warum auf morgen warten, wenn es morgen sowieso passiert? Das ist die Logik des Selbstmords. Diejenigen die Selbstmord begehen, sind tatsächlich intelligenter, als Leute, die nie auf die Idee kommen. Nur Idioten denken nie an Selbstmord, nur Idioten sind nie zu Tode gelangweilt, nur Idioten nehmen die Sinnlosig- keit ihres Lebens nie wahr. Intelligente Menschen kommen zwangsläufig manchmal auf den Gedan- ken: „Wozu das alles? Wohin gehe ich? Und warum? Nichts ist bis jetzt dabei herausgekommen; nichts scheint jemals dabei herauszukommen; alle Hoffnungen zerschlagen sich immer wieder — das Ganze scheint überhaupt hoffnungslos zu sein. Warum also weitermachen?" Die Idee des Selbstmor- des setzt Intelligenz voraus. Daher sage ich, Idioten denken nie über Selbst-

mord nach; intelligente Leute denken an Selbstmord. Aber Leute, die wirklich intelligent sind — nicht nur mittelmäßig intelli- gent, sondern auf der Höhe ihrer Intelligenz — solche Leute kommen auf Sannyas, denn sie denken folgendermaßen: Dieses Ganze existiert — und wenn ich nicht imstande bin, den Sinn darin zu sehen, dann liegt das viel- leicht an meiner Lebensart. Wenn ich nicht glücklich bin, dann liegt das vielleicht daran, daß ich irgendwelche Bedingungen stelle, die mich daran hindern, glücklich zu sein. Vielleicht gibt es noch eine andere Art zu leben." Diese „andere Art zu leben", diese alternative Lebensweise ist Sannyas. „Kann ich nicht ohne Ehrgeiz leben? Mit Ehrgeiz habe ich lange genug gelebt und gesehen, daß es mich unglücklich macht, daß die Qual immer

ich muß leiden, leiden, leiden. Ich habe

größer wird, unerträglich

es mit Ehrgeiz versucht, jetzt will ich ausprobieren, wie es ist, ohne Am- bitionen zu leben. Ich will eine Drehung von hundertachtzig Grad machen, ich will mich umkehren." „Umkehr" oder „Konvertierung" bedeutet eine Drehung um hundert- achtzig Grad, eine Kehrtwendung. „Ich habe es mit Habgier versucht, jetzt will ich es mit Großzügigkeit versuchen. Ich habe es mit Selbstsucht versucht, jetzt versuche ich zu teilen. Ich habe es mit dem Intellekt ver- sucht, jetzt will ich es mit dem Zustand der Gedankenlosigkeit versuchen, mit Meditation. Ich habe es mit Sex versucht, jetzt versuche ich es mit

Liebe und Mitgefühl. Ich habe auf unnatürliche Weise gelebt — so, wie es mir die Gesellschaft beigebracht hat — jetzt probiere ich den natürlichen Weg aus, den Weg des Tao, den Weg der Religion, den Weg des universalen Gesetzes. Ich habe im Konflikt, im Kampf und im Streit gelebt; jetzt laß mich sehen, wie es ist, wenn ich mich ergebe, wenn ich mich einfach loslasse. Ich habe versucht stromaufwärts zu schwimmen, jetzt laß mich sehen, wie es stromabwärts geht, mit dem Fluß, wo immer er auch hinführt." Das ist Sannyas. Also laßt mich wiederholen: die allerdümmsten Leute denken nie an Selbstmord, und natürlich noch nicht einmal im Traum an Sannyas. Sie sind einfach nicht intelligent genug, die Sinnlosigkeit ihres sogenannten „Lebens" zu erkennen. In der Mitte stehen die intelligenten Leute, die sich zwar der Sinnlosigkeit des Lebens bewußt werden, aber nicht intelli- gent genug sind, wahrzunehmen, daß vielleicht nur ihre Lebensweise sinn- los ist und nicht das Leben selbst. Solche Leute denken an Selbstmord und begehen ihn manchmal auch. Und dann gibt es Menschen wie Buddha, Christus, Lao Tse und Zara- thustra — absolute Gipfel der Intelligenz — die sofort erkennen, woran es liegt: „Ich führe ein sinnloses Leben, weil ich mich falsch verhalte". Und dann ändern sie ihr Verhalten. Sie machen sich daran, ihre Lebensweise radikal zu verändern. Diese radikale Umwandlung ist Sannyas.

Ich möchte dir sagen, daß du den wahren Selbstmord schon begangen hast, und auf die richtige Art, die intelligente Art, so wie es gemacht werden sollte. Du bist ein Sannyasin geworden.

Jetzt geht es mir so gut, daß ich es kaum in Worte fassen kann, aber ich bin immer noch auf der Suche nach etwas, was ich nicht kenne. So geht es. Wenn du weltlich eingestellt bist, weißt du, wonach du suchst. Du bist auf der Suche nach Geld, besseren Sex-Objekten, Macht, Ansehen — du hast klare Ziele. Du bist dazu trainiert worden, du bist dazu erzogen worden, du bist darauf abgerichtet worden, diese Dinge zu wollen. Du weißt, was du suchst. Dein Verstandescomputer ist mit diesen Zielen gespeist worden. Wenn du dann eines Tages ein Sannyasin wirst, befindest du dich erst- mal für ein paar Tage in einem Chaos, weil die alten Ziele bedeutungslos geworden sind und das neue Ziel noch nicht feststeht. Aber in Wirklich- keit gibt Sannyas dir kein neues Ziel. Sobald die alten Ziele verschwunden

sind, siehst du auf einmal, daß es gar kein Ziel gibt. Und das Leben muß ohne ein Ziel gelebt werden, erst dann lebt man mit der größten Lebensfreude. Das Leben auf ein Ziel auszurichten, bedeutet, in der Zukunft zu leben. Dann will der Steinhauer zum reichen Mann werden und der reiche Mann zum Kaiser, der Kaiser zur Sonne, und die Sonne will zur Wolke werden, und die Wolke zum Stein, und der Stein will wiederum zum Steinhauer werden. Dann ist das Ganze ein Rad. Wenn du niemand werden willst, wenn du dich einfach so akzeptierst, wie du bist, wenn du alle Ziele fallenläßt, alle Pläne für die Zukunft, alles, was du erreichen könntest, dann läßt du die Zeit fallen, du läßt alle Wün- sche fallen, du läßt dein Denken und Wissen fallen. Dann bist du auf einmal hier, und das ganze Universum steht dir offen, diese gewaltige Ener- gie, die dich umgibt, die um dich herumtanzt und dich einlädt, an ihr teilzuhaben. Sannyas ist kein Ziel; Sannyas ist die Einsicht, daß es keine Ziele gibt. Das Universum erfüllt sich ununterbrochen. Nicht, daß die Erfüllung irgendwann stattfinden muß — sie findet bereits statt.

Das Licht einer einzigen Kerze genügt, um tausende von Flammen zu entzünden.

ZEHN

LOSGEWORDEN

Bhagwan, wie fühlst du dich, wenn jemand Sannyas aufgibt?

D ann fühle ich mich großartig! Denn du kannst Sannyas nicht aufgeben,

es sei denn, ich gebe dich auf. Wenn ich sehe, daß es so gut wie unmög- lich ist, an dir zu arbeiten, daß du mir wenigstens in diesem Leben nicht zugänglich sein kannst, dann ziehe ich mich von dir zurück. Davon merkst du nichts, weil du noch nicht einmal wahrgenommen hast, daß ich mich mit dir beschäftigt habe. Wenn dir meine Arbeit an dir bewußt gewesen wäre, hätte ich keinen Grund gehabt, dich aufzugeben. Ich ziehe mich von dir zurück, weil dieselbe Energie von einem anderen Menschen gebraucht werden kann; weil dieselbe Zeit von einem anderen genutzt werden kann, einem, der eine größere Aufnahmebereitschaft mit- bringt. Du wirst einen anderen Buddha, zu einer anderen Zeit, in einem anderen Leben in Anspruch nehmen müssen. Deine Zeit ist noch nicht ge- kommen; in diesem Leben bist du noch nicht soweit. Aber weil du dir dieser Dinge überhaupt nicht bewußt bist, denkst du eines Tages, daß du Sannyas aufgibst. Doch bevor du mich verläßt, habe ich dich schon verlassen — schon lange zuvor. Es ist ein paarmal vorgekommen, daß jemand, den ich schon längst aufgegeben hatte, erst zwei Jahre darauf Sannyas ablegte. Er brauchte zwei Jahre dazu, weil die Leute immer alles aufschieben und immer wieder hinauszögern. Damit ihr euch nicht schlecht fühlt, lasse ich euch immer in dem Glauben, daß ihr es seid, die Sannyas aufgeben. Ich stoße niemanden aus der Sannyasgemeinschaft aus, jedenfalls nicht direkt. Ich gebe jedem einzelnen immer das Gefühl, daß er von sich aus damit aufhört. Auf diese Weise hat er dann wenigstens das gute Gefühl, irgendetwas selbst vollbracht zu haben. Aber ich fühle mich jedesmal großartig, weil ich mich von einer Last befreit fühle. Wenn jemand steinhart und schwerfällig ist, wird es zu einer

Belastung, ihn mitzuschleppen. Und wenn jemand nicht mitarbeitet, ist es vollkommen sinnlos, sich weiterhin mit ihm abzugeben. Es gibt eine be- stimmte Zeitgrenze, innerhalb derer ich mich bemühe. Ich tue alles, was getan werden kann, aber wenn ich feststelle, daß es sich um einen hoff- nungslosen Fall handelt - und es gibt hoffnungslose Fälle - dann muß er einem anderen Buddha in einem zukünftigen Leben überlassen werden. Es werden mit Sicherheit noch mehr Buddhas kommen, und auch die brau- chen Jünger — ich kann schließlich nicht alle aufbrauchen. Gautama der Buddha hat Rücksicht auf mich genommen, und ich muß Rücksicht auf die kommenden Buddhas nehmen.

Das erinnert mich an die Geschichte mit dem Pfarrer: Eines Sommers vereinbarten die Baptisten und die Methodisten, eine „Woche der Wie- dererweckung zum Evangelium" zu veranstalten. Nach einigem Zögern sagten dann auch die Presbyterianer ihre Teilnahme zu. Am Ende der Bibeltage kamen die Pfarrer zusammen, um das Ergebnis zu besprechen. Der Methodist sagte: „Wir haben vier Mitglieder gewonnen." Der Baptist sagte: „Bei uns ging es noch besser, wir konnten sechs Leute zu unserem Glauben bekehren." Dann wandten sie sich dem Presbyterianer zu und fragten, wie es ihm ergangen war. Der Pfarrer antwortete: „Wir haben das beste Ergebnis von allen erzielt; wir haben niemanden hinzugewon- nen, sind jedoch zehn losgeworden."

Meine Arbeit besteht aus zwei Dingen: Ich muß den Leuten, deren An- lagen und Fähigkeiten ich sehe, helfen, Sannyasins zu werden und das Beste für sie hoffen. Aber wenn ich merke, daß es mit einem Menschen unmöglich ist, daß er immer weniger annimmt, je mehr ich ihm gebe, daß er immer verschlossener wird, je mehr ich mich um ihn bemühe — als ob ich etwas von ihm wollte — wenn dieses Gefühl sich festigt — und ich treffe keine voreiligen Entscheidungen, sondern gebe allen Leuten jede Möglich- keit und jede Gelegenheit — aber wenn es unmöglich ist, dann besteht keine Aussicht, dann ziehe ich mich zurück. Und wenn ich mich einmal gelöst habe, wird er Sannyas früher oder später aufgeben müssen. Es wirkt sich in beiden Richtungen aus. Wenn du Sannyas nimmst, denkst du, daß du es bist, der Sannyas nimmt, aber in den meisten Fällen ist es so, daß ich dich ausgewählt habe, deshalb nimmst du Sannyas. Sonst wärst du gar nicht in der Lage gewesen, ein solches Risiko einzugehen. Und umgekehrt sieht es genauso aus: wenn ihr Sannyas aufgebt, habe ich euch dazu gebracht, und ich helfe euch, wieder davon loszukommen. Auf

euch allein gestellt, verschiebt ihr es womöglich euer Leben lang. Bevor ihr euch dazu entschlossen habt, Sannyas zu nehmen, habt ihr es ebenfalls für lange, lange Zeit hinausgezögert. Ihr könnt einfach nichts sofort tun. Ihr seid nicht in der Lage, den Moment in seiner Totalität zu leben. Außerdem habe ich folgendes bemerkt: wenn ihr Sannyas erst einmal aufgegeben habt, wird es eher möglich, mit einer anderen Haltung zurück- zukommen, denn dann werdet ihr mich vermissen und zum erstenmal be- greifen, welche Gaben auf euch ausgeschüttet wurden. Dann sehnt ihr euch nach der seelischen Nahrung, dem tiefen Kontakt. Wenn ihr diese seelische Nahrung jeden Tag bekommt, fangt ihr an, sie als selbstverständlich hinzu- nehmen. Deshalb ist es manchmal ratsam, den Kontakt abzubrechen, damit ein wirkliches Verlangen, ein wahrer Hunger und Durst in euch geweckt wird und ihr anfangt deutlich wahrzunehmen, was ihr versäumt. Doch wenn ihr das nächste Mal Sannyas nehmen wollt, kann ich es euch nicht mehr so leicht machen. Dann weihe ich euch nicht mehr so ohne wei-

Mal Sannyas nehmen wollt, kann ich es euch nicht mehr so leicht machen. Dann weihe ich

teres ein. Dann müßt ihr es euch verdienen. Habt ihr Sannyas einmal auf- gegeben, ist es schwierig, zurückzukommen, weil ich euch alle möglichen Hindernisse in den Weg lege. Nur wenn ihr diese Hürden überwindet, werdet ihr wieder aufgenommen. Aber auch das mache ich nur, um euch zu helfen, denn es gibt Leute, die nur an schwierigen Dingen Spaß haben. Wenn ihnen etwas einfach und leicht gemacht wird, schätzen sie es nicht hoch genug ein. Sie brauchen ei- nen langen, harten und beschwerlichen Weg. Sannyas ist eine einfache Sache; die grundlegende Einstellung besteht nur darin, sich zu entspannen und im Tao zu leben, nachzugeben und alles Gott zu überlassen. Es kann nur einfach sein, weil es nun einmal einfach ist. Aber dem Verstand fällt es leichter, schwierige Dinge zu verstehen. Wenn du alle möglichen Hindernisse zu überwinden hast, fühlst du dich heraus-

Nachdem Hillary den Gipfel des Everest bezwungen hatte, wurde er ge- fragt: „Warum bist du denn ein solches Risiko eingegangen; was gibt es da

oben eigentlich zu holen? Seit siebzig Jahren haben die Leute versucht, den Gipfel zu besteigen und viele sind dabei umgekommen!" Wißt ihr was Hillary sagte? Er sagte: „Es war eine derartige Herausforderung, allein die Tatsache, daß der Everest unbezwungen war, genügte mir. Irgendjemand mußte ihn erobern. Ich weiß, daß es da oben nichts zu holen gibt, darum

. Unbezwungen? Der Everest steht da in seiner stolzen Un-

geht es nicht

bezwungenheit? Der Mensch mußte den Everest erobern!" So funktioniert der menschliche Verstand. Das nächste Mal, wenn jemand zurückkommen möchte — und viele wol- len nach einiger Zeit wiederkommen — lege ich ihnen alle erdenklichen Hindernisse in den Weg. Auch das nur um euretwillen, um euch zu helfen.

Wenn ihr bei mir seid, seid ihr in Wirklichkeit bei einem Spiegel eures eigenen wahren Wesens.

SAMEN EINER REVOLUTION SÄEN

Bhagwan, was ist deiner Ansicht nach die richtige Erziehung?

D ie Erziehung, die wir bis heute praktiziert haben, war nicht die richtige.

Sie hat der Menschheit nicht gedient — im Gegenteil, sie hat dem In- teresse der Machthaber gedient. Sie hat der Vergangenheit gedient. Bis heute waren Lehrer Mittelsmänner der Vergangenheit. Die Funktion eines Lehrers bestand darin, der neuen Generation die alten Vorstellungen, Glaubensorientierungen und Verhaltensstrukturen zu vermitteln, und damit das neue Bewußtsein, das am Horizont heraufdämmert, zu verkrüppeln und zu vergiften. Deshalb werden Lehrer in jeder Gesellschaft hochgeschätzt: der Lehrer dient der etablierten Gesellschaftsschicht; er reduziert die Menschen zu leistungsfähigen Robotern, er verwandelt sie in arbeitstüchtige Maschinen. Das ist es, was „Erziehung" bis auf den heutigen Tag bedeutet. Und an dieser Erziehung liegt es, daß die Entwicklung des Menschen vom blinden Zufall bestimmt wurde und im Zick-Zackkurs verlief. Aber bis heute gab es keine andere Möglichkeit, und zwar aus folgendem Grund: in der Ver- gangenheit vermehrte sich das Wissen so langsam, daß es über Jahrhunderte hin fast gleich blieb. So konnte der Lehrer seine Aufgabe sehr gründlich erfüllen — was man wußte, galt lange Zeit und nahm nicht ständig zu. Aber jetzt findet eine regelrechte Wissensexplosion statt. Die Dinge ändern sich mit einer solchen Geschwindigkeit, daß unser gesamtes Er- ziehungssystem überholt und veraltet dasteht. Wir müssen uns davon lösen und ein völlig neues Erziehungssystem entwickeln. Erst jetzt liegt das im Bereich des Möglichen. Bis heute war das unmöglich. Ihr müßt wissen, was ich mit „Wissensexplosion" meine. Denkt euch das Zifferblatt einer Uhr mit ihrer Einteilung in sechzig Minuten. Diese sechzig Minuten stellen 3000 Jahre menschlicher Geschichte dar. Oder jede Minute

50 Jahre. Oder jede Sekunde etwa ein Jahr. Bei diesem Maßstab gab es bis vor ungefähr neun Minuten keine wesentlichen Veränderungen in den Medien. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Druckerpresse erfunden. Vor etwa drei Minuten sind Telegrafie, Fotografie und Eisenbahn aufge- taucht. Vor zwei Minuten Telefon, Rotationspresse, Stummfilm, Auto- mobil, Flugzeug und Radio. Vor einer Minute der Tonfilm. In den letzten zehn Sekunden ist das Fernsehen aufgetaucht, in den letzten fünf Sekunden der Computer; und der Funksatellit vor einer Sekunde. Den Laserstrahl gibt es erst seit einem Bruchteil einer Sekunde. Das ist es, was einige Leute die „Wissensexplosion" nennen. Daß sich die Dinge verändern ist nicht neu; neu ist der Grad der Veränderung — und da liegt der ganze Unterschied, denn an einem gewissen Punkt schlagen quan- titative Veränderungen in qualitative Veränderungen um. Wenn man Wasser erhitzt, bleibt es bis zu 99,9 Grad weiterhin Wasser — zwar heiß, aber immer noch Wasser. Noch 0,1 Grad mehr, und das Wasser verdunstet. Es kommt zu einer qualitativen Veränderung. Vor ein paar Sekunden war das Wasser noch sichtbar; jetzt ist es nicht mehr sicht- bar. Vor ein paar Sekunden floß das Wasser noch nach unten; jetzt steigt es nach oben. Es hat die Anziehungskraft der Erde überwunden, es unter- liegt nicht länger dem Gesetz der Schwerkraft. Denkt daran: an einem bestimmten Punkt führt die Veränderung der Menge zu einer Veränderung der Eigenschaften. Und an diesem Punkt befinden wir uns jetzt. Daß sich die Verhältnisse ändern, ist nicht neu, das ist keine Neuigkeit — Veränderungen haben zu allen Zeiten stattgefun- den. Aber die Geschwindigkeit, mit der die Veränderungen vor sich gehen, ist etwas absolut Neues; so etwas hat es noch nicht gegeben. Der Unterschied zwischen einer tödlichen und einer heilsamen Dosis Strichnin liegt allein in der Höhe der Dosis, wie Norbert Wiener sagt. Gift kann in geringen Mengen Medizin sein, aber dieselbe Medizin hat eine töd- liche Wirkung, wenn eine höhere Dosis verabreicht wird. Von einem be- stimmten Punkt an handelt es sich nicht mehr um Medizin, sondern um Gift. Das Ausmaß der Veränderungen ist heute so gewaltig, daß ein Lehrer seine Funktion nicht mehr in der althergebrachten Weise erfüllen kann. Unser Erziehungssystem kann nicht mehr auf die alte Art funktionieren, denn die alte Art bestand darin, das Gedächtnis zu trainieren. Erziehung war bis heute keine Erziehung zur Intelligenz, sondern ein bloßes Gedächt- nistraining, eine Ausbildung des Erinnerungsvermögens. Die ältere Genera- tion gab das angesammelte Wissen an die jüngere Generation weiter und

die jüngere Generation mußte es im Gedächtnis behalten. Und so hielt man Leute, die ein gutes Gedächtnis hatten, für intelligent. Das ist nicht unbedingt richtig. Es gab Genies, deren Gedächtnis gleich Null war — Albert Einstein zum Beispiel hatte kein gutes Gedächtnis. Dann gibt es Leute, deren Gedächtnis ans Wunderbare grenzt, während sie selbst keinen Funken Intelligenz besitzen. Erinnerung ist ein mechanischer Vorgang im Gehirn; Intelligenz ist Bewußtsein. Intelligenz ist ein Teil eures Geistes. Das Gedächtnis gehört dem Körper an, während die Intelligenz euch angehört. Heutzutage muß Intelligenz gelehrt werden, denn alles verändert sich so schnell, daß das Gedächtnis nicht mehr mitkommt. Bis ihr irgendetwas auswendig gelernt habt, ist es schon überholt. Und so geschieht es denn auch: die Erziehung versagt, die Universitäten versagen, weil die Lehrer darauf bestehen, in der alten Weise weiterzumachen. Sie kennen nur den einen Trick: seit 3000 Jahren haben sie es so gemacht, und jetzt ist es ihnen so in Fleisch und Blut übergegangen, daß sie zu nichts anderem mehr fähig sind.

Heutzutage ist es geradezu gefährlich, den Kindern weiterhin alte Infor- mationen zu geben, die sie nicht befähigen, in der Zukunft zu leben, son- dern sie in ihrem Wachstum behindern. Heutzutage brauchen sie Intelli- genz, um mit den rapiden Veränderungen fertigzuwerden. Noch vor hundert Jahren gab es Millionen Menschen, die ihre Heimat- stadt nie verließen oder nie weiter als fünfzig Kilometer aus ihrem Dorf herauskamen. Millionen lebten ihr Leben lang an einem einzigen Ort. In Amerika lebt man heute im Durchschnitt nicht länger als drei Jahre am selben Ort, und die gleiche Zeitgrenze gilt auch für Ehen — drei Jahre. Danach wechselt man die Stadt, den Beruf, die Frau, den Ehemann. Wir leben in einer völlig neuen Welt, und eure Erziehung macht euch zum wandelnden Lexikon, das längst überholt ist. Das ist an sich nichts Neues; neu ist der Grad der Veränderungen. Auf unserem Zifferblatt tauchte vor etwa drei Minuten ein qualitativer Sprung in der Art der Ver- änderung auf: der Wandel selbst hat sich gewandelt. Jetzt müssen wir unsere Kinder zur Intelligenz erziehen, wir müssen ihnen die Fähigkeit vermitteln, mit den neuen Situationen fertig zu werden, vor die sie jeden Tag gestellt werden. Belastet sie nicht mit Dingen, die in der Zukunft völlig nutzlos sind! Die ältere Generation darf nicht lehren, was sie gelernt hat; die ältere Generation muß den Kindern ermöglichen, intelligenter zu werden, so daß sie in der Lage sind, spontan auf die ver-

änderten Umstände zu reagieren, mit denen sie konfrontiert werden. Was diese Umstände sein werden, kann sich die ältere Generation noch nicht einmal im Traum vorstellen. Eure Kinder werden vielleicht auf dem Mond leben — unter völlig ande- ren atmosphärischen Bedingungen. Möglicherweise werden eure Kinder in der Luft leben, weil die Erde übervölkert ist. Vielleicht müssen eure Kinder unter der Erde oder auf dem Meeresgrund leben — kein Mensch kann sagen, wie eure Kinder leben werden. Unter Umständen müssen sie sich von

Tabletten ernähren, von Vitaminpillen

Sie werden in einer vollkommen

anderen Welt leben. Darum hat es keinen Sinn, ihnen weiterhin nur das Lexikon-Wissen der Vergangenheit zu vermitteln. Wir müssen unsere Kinder dazu erziehen, mit den neuen Realitäten fertig- zuwerden. Wir müssen sie in Wachheit, in meditativer Bewußtheit ausbilden, erst das ist wahre Erziehung. Dann steht die Erziehung nicht mehr in den

Diensten des Vergangenen, des Toten; dann dient sie der Zukunft, sie dient den Lebenden.

Erziehung nicht mehr in den Diensten des Vergangenen, des Toten; dann dient sie der Zukunft, sie

Meiner Ansicht nach muß Erziehung umstürzlerisch und rebellisch sein, wenn sie richtig sein soll. Bis jetzt war sie orthodox, bis jetzt war sie ein Teil der herrschenden Verhältnisse. Wahre Erziehung muß Dinge vermitteln, die von keiner anderen Institution vermittelt werden. Sie muß zu einer Anti-Gleichmachungs-Bewegung werden.

Der Staat, das Establishment und alle Institutionen der Gesellschaft verhindern psychisches und geistiges Wachstum, vergeßt das nicht. Warum verhindern sie, daß Menschen seelisch reifer werden? Weil jedes mensch- liche Wachstum ihre Position in Frage stellt. Sie sitzen fest im Sattel — und wer möchte schon aus dem Sattel gehoben werden? Die Leute, die an der Macht sind, möchten nicht, daß irgendetwas Neues geschieht, weil sich dadurch die Machtverhältnisse ändern könnten. Die Machthaber wollen nicht, daß irgendetwas Neues an die Öffentlichkeit dringt, weil das Neue auch neuen Leuten zur Macht verhilft. Jedes neue Wissen setzt neue Kräfte in die Welt, und die ältere Generation will ihre Stellung, ihre Herrschaft nicht verlieren. Erziehung muß der Revolution dienen. Aber normalerweise dient sie der Regierung, dem Priester und der Kirche. Auf fast unmerkliche Weise wer- den Sklaven abgerichtet — Sklaven für den Staat, Sklaven für die Kirche. Aufgabe und wahre Bestimmung der Erziehung sollte es sein, überholte Einstellungen, Ansichten und Verhaltensformen zu untergraben, die nicht mehr dem Menschen und seinem Wachstum dienen, sondern entschieden schädlich, ja selbstmörderisch sind. Ein Reporter fragte Ernest Hemingway einmal: „Gibt es irgendeine wesentliche Zutat, die man Ihrer Meinung nach unbedingt braucht, um ein großer Schriftsteller zu werden?" Hemingway antwortete: „Ja, die gibt es. Um ein großer Schriftsteller zu werden, braucht man ein eingebautes, stoßfestes Kack-Spürgerät."

Genau das stelle ich mir unter wahrer Erziehung vor. Die Kinder müssen auf solche Weise ausgebildet werden, so trainiert werden, daß sie Kacke als solche erkennen können. Ein wahrhaft intelligenter Mensch ist ein Kack- Spürgerät — wenn jemand etwas sagt, weiß er sofort, ob es von Bedeutung ist oder nichts als heiliger Kuhmist. Die Entwicklungsgeschichte des menschlichen Bewußtseins ist nichts anderes, als eine endlos lange Geschichte der Auflehnung gegen die Ver- ehrung von Kacke. Die Menschen hören nicht auf, irgendwelchen Mist zu verehren. Neunundneunzig Prozent ihrer Ansichten sind unmenschlich und

gegen das Leben. Neunundneunzig Prozent ihrer Anschauungen sind so primitiv, so barbarisch und so absolut ignorant, daß es unglaublich ist, wie sie weiterhin daran festhalten können. Die wahre Erziehung muß euch helfen, all den Schwachsinn loszuwerden — wie altehrwürdig und hochgeschätzt er auch sein mag. Wahre Erziehung lehrt das Wirkliche. Sie bringt euch keinen Aberglauben bei, sondern lehrt euch, wie man ein freudvolleres Leben führt. Sie lehrt, das Leben zu be- jahen. Sie lehrt euch Ehrfurcht vor dem Leben und vor nichts sonst. Sie lehrt euch, das Dasein aus ganzem Herzen zu lieben. Die richtige Erziehung ist nicht nur eine Ausbildung des Verstandes, sondern auch eine Ausbil- dung des Herzens. Außerdem muß sie euch dabei helfen, den Zustand jenseits von allem Denken kennenzulernen. Das ist die Dimension, die der Erziehung fehlt. Ihr werdet nur dazu erzogen, euch immer mehr in gedanklichen Konzepten zu verstricken, euch im Denken zu verlieren. Der Kopf ist gut und nützlich, aber er ist nicht alles — ihr habt auch ein Herz, und das ist in Wirklichkeit viel wichtiger als der Verstand. Der Verstand kann zwar die bessere Tech- nologie entwickeln, euch bessere Maschinen, bessere Autobahnen, bessere Häuser bauen, aber er kann keine besseren Menschen aus euch machen. Er kann euch nicht liebevoller, nicht empfindsamer, nicht anmutiger ma- chen. Er kann euch keine Freude, keine Ausgelassenheit im Leben geben. Er kann euch nicht dabei helfen, im Tanz und im Gesang aufzugehen. Die wahre Erziehung muß euch auch den Weg des Herzens weisen. Und wahre Erziehung muß euch schließlich zum Transzendentalen führen. Der Verstand ist für die Wissenschaft zuständig; das Herz für die Kunst, die Poesie und die Musik; und euer transzendentaler Sinn, euer Sinn für das Übersinnliche, ist zuständig für die Religion. Solange die Erziehung nicht alle diese Gebiete umfaßt, ist sie keine wahre Erziehung. Und kein Erziehungssystem hat das bisher getan. Es ist kein Wunder, daß so viele junge Leute aus euren Schulen und Universitäten aussteigen — sie haben erkannt, daß es alles Mist ist, sie sehen, daß ihnen dummes Zeug beigebracht wird. Keine andere Institution als die Erziehung ist in der Lage, das zu ändern. Die Universitäten müssen die Samen einer Revolution säen, sie müssen Keimzellen einer radikalen Bewußtseinsumwandlung werden, denn die Erde braucht einen neuen Menschen. Die ersten Strahlen des neuen Bewußtseins sind schon aufgetaucht. Der neue Mensch rückt mit jedem Tag näher — wir müssen die Erde auf seine Ankunft vorbereiten — und mit dem neuen Menschen eine neue Mensch-

heit, eine neue Welt. Und nur durch die Erziehung können wir den neuen Menschen in Empfang nehmen, den Boden für ihn bereiten. Wenn wir nicht imstande sind, die Erde auf ihn vorzubereiten, sind wir zum Unter- gang verurteilt. Die Experimente, die wir hier durchführen, sind nichts anderes als Bemühungen, diese neue Art von Universität tatsächlich zu schaffen. Die Regierung ist dagegen, die Gesellschaft ist dagegen und die Kirchen — ob hinduistisch, christlich oder mohammedanisch — sind samt und sonders dagegen. Die Priester und Politiker sind alle dagegen. Die Masse, das Her- dendenken ist dagegen. Doch das ist natürlich, man darf sich nicht darüber wundern. Wir tun etwas sehr Umstürzlerisches, wir tun etwas äußerst Rebellisches. Aber es muß getan werden; es muß überall auf der Erde an allen möglichen Orten getan werden. Dieses Experiment muß in jedem Land der Erde durchge- führt werden. Nur Wenige werden die Herausforderung annehmen, aber diese Wenigen werden die Herolde des Neuen sein. Diese Wenigen werden das neue Zeitalter ausrufen, den neuen Menschen, eine neue Menschheit, eine neue Erde: eine schöne neue Welt. Die neue Erziehung, die wahre Erziehung, bringt euch nicht nur Mathe- matik, Geschichte und Geografie bei — sie lehrt euch die wahre Moral:

ästhetisches Empfinden. Ich nenne ästhetisches Empfinden die wahre Moral: die Empfänglichkeit für das Schöne, denn Gott kommt in Form von Schönheit. In einer Rose oder einer Lotusblume, im Sonnenaufgang oder im Sonnenuntergang, in den Sternen, in den Vögeln, die am Morgen singen, in den Tautropfen oder einem Vogel im Flug. Wahre Erziehung muß euch der Natur näherbringen, denn nur indem ihr der Natur näher und näher kommt, nähert ihr euch auch Gott immer mehr. Gott ist nicht von dieser Welt getrennt. Gott ist zur Welt geworden. Ihr habt immer wieder gehört, daß Gott die Welt erschaffen hat. Ich sage euch:

Gott wurde die Weit. Jetzt gibt es keinen anderen Gott als die Welt. Der Schöpfer ist in seinem schöpferischen Ausdruck enthalten. Gott ist nichts weiter, als eine schöpferische Kraft — er ist Kreativität. Laßt die Vorstel- lung von Gott als einem Schöpfer fallen. Betrachtet ihn, meditiert über ihn, als Kreativität an sich. Er ist überall, in allen Dingen. Er ist da, wo zwei Liebende sich begegnen, und er ist da, wo deine Augen Schönheit sehen. Und er ist da, wenn du von der sternenbesäten Nacht einfach überwältigt bist. Wenn du tief in die Augen einer Frau oder eines Mannes schaust, ist er da.

Die wahre Erziehung ist gleichzeitig auch die wahre Religion. Wissen- schaft ist die niedrigste Ausdrücksform des Bewußtseins; Kunst steht höher als Wissenschaft und Religion ist der höchste Gipfel. Religion ist die Philo- sophia Perennis, die ewigwährende Liebe zur Weisheit.

Oh Gottogott, gestern Nacht träumte ich von tausenden von orangenen Elefanten, die alle Halsketten von ihrem weißen Ele- fantenkönig trugen, Was kann das bedeuten?

Bhagwan:

Das beweist nur, daß nicht nur Menschen, sondern auch die Ele- fanten verrückt werden können.

Ein Weiser akzeptiert alles, deshalb kann er sagen, Gott ist Sommer und Winter, Gott ist Frieden und Krieg, Gott ist Böse und Gut — beides. Für einen Weisen verschwindet jegliche Moral, und alle Unterschiede fallen. Alle Dinge sind heilig, und jeder Ort ist geweiht.

LASS DIESEN KELCH NICHT AN MIR VORÜBER GEHEN

Bhagwan, warum ist seelisches Wachstum mit Schmerzen verbunden?

nglücklicherweise hat es bis heute noch keine einzige Gesellschaft auf der Erde gegeben, die den Schmerz nicht unterdrückt hat. Alle Gesell- schaften hängen von der Unterdrückung zweier Dinge ab: das eine ist Schmerz, und das andere ist Freude. Und sie unterdrücken die Freude auch nur wegen der Schmerzen. Ihre Überlegung ist folgende: wenn man nicht allzu glücklich ist, wird man auch nie allzu unglücklich. Wenn die Fähigkeit, froh zu sein, zerstört wird, muß man auch nie allzusehr leiden. Um den Schmerz zu vermeiden, vermeidet man die Freude. Um den Tod zu vermeiden, wird das Leben vermieden. Und so bewegt man sich auf ebenem Boden — man fliegt nie zum Gipfel und stürzt nie in den Abgrund — aber dann ist man lebend schon gestor- ben, dann ist man nicht lebendig. Das Leben existiert zwischen dieser Polarität. Diese Spannung zwischen Freude und Schmerz befähigt den Menschen, gewaltige Harmonien zu er- zeugen. Nur aus dieser Spannung heraus existiert Harmonie. Zerstört die Polarität, und ihr werdet stumpf, ihr stagniert und verstaubt, das Leben verliert seinen Sinn, und ihr werdet nie erfahren, was Herrlichkeit ist. Dann versäumt ihr euer Leben. Ein Mensch, der das Leben erfahren und auskosten will, muß den Tod akzeptieren und freudig willkommen heißen. Leben und Tod gehören zu- sammen. Sie sind zwei Aspekte einer einzigen Erscheinung. Deshalb ist see- lisches Wachstum schmerzhaft: man muß in all die Schmerzen hineingehen, die man immer vermieden hat. Das tut weh. Man muß all die Wunden offenlegen, die man nie zur Kenntnis nehmen wollte. Aber je tiefer man in den Schmerz hineingeht, desto größer wird die Fähigkeit, alle Freuden zu genießen. Wenn man fähig ist, den Schmerz bis zur äußersten Grenze der

wird die Fähigkeit, alle Freuden zu genießen. Wenn man fähig ist, den Schmerz bis zur äußersten

Erträglichkeit zu erfahren, ist man fähig, den höchsten Himmel zu berüh- ren. Um frei von Schmerz zu werden, muß man den Schmerz akzeptieren. Als unvermeidlich und natürlich. Schmerz ist Schmerz — eine einfache schmerzhafte Tatsache. Leiden hingegen ist immer und einzig die Ableh- nung der Schmerzen, der Anspruch, daß das Leben nicht schmerzhaft sein dürfe. Es ist die Ablehnung einer Tatsache, eine Verleugnung des Lebens und der Natur der Dinge. Beobachte diesen Vorgang einmal ganz unbeteiligt, dann wirst du dich

wundern: Du hast Kopfschmerzen

Der Schmerz ist vorhanden, aber

kein Leiden. Das Leiden ist eine sekundäre Erscheinung. Der Schmerz ist primär vorhanden. Der Kopf schmerzt, die Schmerzen sind da — das ist eine simple Tatsache ohne jede Wertung. Du sagst nicht, das ist gut oder schlecht, du gibst keinerlei Werturteil darüber ab. Es ist einfach so.

jede Wertung. Du sagst nicht, das ist gut oder schlecht, du gibst keinerlei Werturteil darüber ab.

Die Rose ist eine Tatsache und ebenso der Dorn. Der Tag ist eine Tat- sache und ebenso die Nacht. Der Kopf ist eine Tatsache und ebenso die Kopfschmerzen. Du registrierst sie einfach. Buddha lehrte seine Schüler zweimal hintereinander „Kopfschmerzen — Kopfschmerzen" zu sagen, wenn sie Kopfschmerzen hatten. Registriert es, aber wertet es nicht. Fragt nicht „Warum? Warum mußte mir das pas- sieren? Es darf nicht sein!" In dem Moment, wo man sagt „es darf nicht sein", bringt man das Leiden mit ins Spiel. Das Leiden wird also durch dich geschaffen, nicht durch die Kopfschmerzen. Das Leiden ist die Folge deiner antagonistischen Deutung, deiner Verleugnung der Gegebenheiten. In dem Moment, wo du sagst, „es darf nicht sein", hast du begonnen, dich davon abzuwenden, du hast angefangen, den Schmerz zu vermeiden. Du möchtest dich mit irgendetwas anderem beschäftigen, so daß du ihn verges- sen kannst; du lenkst dich ab, du zerstreust dich. Damit hast du es ver- säumt, deinen Schmerz als unbeteiligter Beobachter zu betrachten, und auf diese Weise geht der Schmerz in deinen Körper ein. Man muß diesen Wahrheitsschlüssel in seiner ganzen Tiefe verstehen:

wenn man seine Kopfschmerzen vollkommen unbeteiligt beobachten kann, ohne eine ablehnende Haltung einzunehmen, ohne den Schmerz zu vermei- den, ohne davor wegzulaufen, wenn man nur einfach da sein und sie medi- tativ betrachten kann: „Kopfschmerzen — Kopfschmerzen" — wenn man sie einfach anschaut, verschwinden die Schmerzen zu ihrer Zeit. Ich sage nicht, daß ein Wunder geschieht, und daß sie verschwinden, nur weil man sie beobachtet — sie verschwinden zu ihrer Zeit; aber sie vergiften euch nicht, ihr absorbiert sie nicht. Sie sind da, ihr registriert ihr Vorhanden- sein — und sie werden freigesetzt und verschwinden. Wenn ihr einen bestimmten Vorgang in eurem Inneren auf unbeteiligte Weise beobachtet, kann er nicht in euch eindringen. Die Dinge dringen im- mer dann in euch ein, wenn ihr sie vermeidet, wenn ihr vor ihnen weglauft. Nur wenn ihr nicht gegenwärtig seid, können sie Teil eures Wesens werden und euch vergiften. Deine Gegenwärtigkeit genügt, um zu verhindern, daß sie zum Teil eures Wesens werden. Wenn ihr eure Schmerzen jedesmal ein- fach anschaut, sammeln sie sich nicht in eurem Inneren an. Man hat euch nicht den richtigen Kniff beigebracht, darum vermeidet ihr sie immer, und dadurch häuft ihr derartig viele Schmerzen an, daß ihr Angst haben müßt, ihnen ins Auge zu sehen. Ihr wollt sie von vornherein nicht akzeptieren, und so wird Wachstum schmerzhaft. Das liegt an eurer falschen Erziehung; an sich ist seelisches Wachstum nicht schmerzhaft, sondern ein ausgesprochener Genuß.

Warum nicht wie eine Blume sein, die ohne jede Absicht blüht? Und warum nicht wie ein Fluß sein, der ohne jeden Sinn dahinfließt? Und warum nicht wie das wilde Meer sein, das schäumend sein Dasein genießt?

WENN MAN AUF EINEM VULKAN TANZT

Bhagwan wozu braucht man ,,kathartische" Therapien wie Encountergruppen? Ist Einsicht nicht genug? Oder ekstatische Methoden wie Sufi-Tanzen?

E insicht genügt vollauf, aber wie gelangt man zur Einsicht? Die Einsicht wird von allem möglichen Unrat verdeckt. Der Diamant ist zwar vor-

handen, aber er verbirgt sich unter allem möglichen Abfall und Schmutz. Der Schmutz muß aus dem Weg geräumt werden, erst dann tritt der Dia- mant zum Vorschein. Die Gruppen, in denen man durch Gefühlsausbrüche geht, schaufeln das Gröbste beiseite. Wenn man direkt zur Einsicht gelan- gen könnte, wäre die Sache sehr einfach, dann könntet ihr jeden Moment ekstatisch werden. Aber ihr besteht aus unzähligen Schichten von Unter- drückung. Ihr habt eure Angst unterdrückt, ihr habt eure Wut unterdrückt. Ihr habt eure Liebe unterdrückt, ihr habt eure Sexualität unterdrückt — ihr habt alle erdenklichen Gefühle unterdrückt. Die Einsicht ist vorhanden, aber was ihr unterdrückt habt, muß erst Schicht um Schicht herausgewor- fen werden. Dafür sind Encountergruppen da. Sie geben euch keine direkte Einsicht, sondern räumen nur die Hindernisse aus dem Weg, so daß ihr an eure Ein- sicht herankommen könnt. Die Einsicht ist schon vorhanden, sie wohnt jedem Menschen inne — deshalb nennen wir es ja auch ßmsicht. Habt ihr euch diese Worte einmal genauer betrachtet: „Einsicht", „In- tuition", „Instinkt", „Intelligenz"? Sie enthalten alle die Silbe „ein" oder „in". Diese Dinge sind eingebaut, angeboren, aber dicke Staubschichten haben sich auf diesen Fähigkeiten angesammelt. Der Rosenstrauch ist schon vorhanden, aber er wird völlig vom Unkraut überwuchert. Dieses Unkraut muß entwurzelt werden, und zwar mit großer Geschicklichkeit und Sachkenntnis, denn die Gefahr ist groß, daß ihr gleichzeitig den Rosen- strauch dabei herausreißt. Und es gibt eine Menge Unkraut, aber nur einen

Rosenstrauch. Ihr braucht die Hilfe erfahrener Leute. In den Therapiegruppen wird eine Situation hergestellt, in

Rosenstrauch. Ihr braucht die Hilfe erfahrener Leute. In den Therapiegruppen wird eine Situation hergestellt, in der man herausfinden kann, was Unkraut und was Rosen sind. Die Rosen muß man beschützen, und das Unkraut muß man entfernen. Und diese Arbeit muß mit größter Sorgfalt erledigt werden, denn die Wurzeln des Unkrauts sind mit den Wurzeln der Rosen verflochten. Wenn man nicht äußerst vorsichtig ist, kann es sein, daß die Rose ebenfalls zerstört wird. Die Fähigkeit zur Einsicht ist schon vorhanden, muß aber erst freigelegt werden.

Du fragst: Wozu braucht man „kathartische" Therapien „Katharsis" bedeutet nichts weiter, als hinauszuwerfen, was hinaus-

geworfen werden muß; auszustoßen, was nicht im Inneren bleiben darf.

Ihr könnt

eurem Ärger nicht überall und jederzeit Luft machen, das würde andauernd Schwierigkeiten bereiten. Der Preis dafür wäre zu hoch, und außerdem ist es zu gefährlich. Ihr braucht eine spezielle Umgebung, in der ihr eure Wut herauslassen könnt, eine Umgebung, in der euer Verhalten akzeptiert wird. Eine Encountergruppe ist eine künstlich hergestellte Situation, wo alles bereitwillig aufgenommen wird. Wenn du wütend wirst, unterdrückt die Gruppe dich nicht, sondern im Gegenteil, die Gruppe unterstützt dich, provoziert dich dazu, deine gesamte Wut, deine Gewalttätigkeit und Aggres- sionen herauszulassen. Man akzeptiert dein Verhalten, ja, begrüßt es gerade- zu. Die Gruppe bietet dir jede Gelegenheit, deinen unterdrückten Gefühlen Luft zu machen und gibt dir das Selbstvertrauen, daß du sein darfst, wie du wirklich bist, ohne zurückgestoßen zu werden, denn hier werden keinerlei Erwartungen an dich gestellt. Hier verlangt kein Mensch von dir, daß du deine Wut zurückhältst oder was es auch sein mag. Man gibt dir die totale Freiheit zu sein, was auch immer du bist. Eine Gruppe ist eine Situation, die künstlich hergestellt wird, da die Gesellschaft diese Dinge nicht zu- lassen kann. Wenn deine Wut erst einmal richtig aufgestiegen ist, wirst du staunen, wieviel Wut du die ganze Zeit mit dir herumgetragen hast, wieviel Gift sich ständig in deinem System befindet. Nur wenn dieses Gift ausgestoßen worden ist und sich die Rauchwolken verflüchtigt haben, kannst du zur Einsicht gelangen oder ungetrübte Freude bei Methoden wie dem Sufi- Tanz empfinden. Ein ärgerlicher Mensch, der am Sufi-Tanz teilnimmt, drückt nur seinen Ärger im Tanz aus. Beobachtet die Leute, und ihr werdet feststellen, daß ihr Tanz sehr verschiedene Dinge zum Ausdruck bringt. Der Tanz des einen hat etwas Aggressives — seine Wut sickert durch und drückt sich in jeder seiner Gesten aus. Der Tanz eines anderen hat etwas Anmutiges, eine besondere Eleganz — seine Liebe fließt in den Tanz. Wieder ein anderer bringt sein Mitgefühl zum Ausdruck — und der nächste tanzt seine Ekstase. Der Tanz eines anderen ist leblos und fade, er führt nur mechanische Bewegungen aus, ohne selbst darin enthalten zu sein. Beob- achte das einmal — woher kommen diese Unterschiede? Das liegt daran, daß jeder seine eigene Form von Unterdrückung mit sich herumträgt. Wenn du tanzt, tanzt die Wut — wenn es Wut ist, was du unterdrückst. Wo soll sie sonst hingehen? Je ausgelassener du tanzt, desto ausgelassener

Nun ist das im alltäglichen Leben natürlich ein Problem

tanzt die Wut. Wenn du von Liebe erfüllt bist, quillt deine Liebe beim Tanzen über und tanzt um dich herum, sie erfüllt den ganzen Raum. Dein Tanz ist dein Tanz und enthüllt alles, was in dir ist. Wenn du deine Sexuali- tät unterdrückt hast, schleicht sich der Sex in den Tanz ein. Für die Inder ist es ein ernsthaftes Problem, am Sufi-Tanz teilzunehmen. Viele haben mir in Briefen darüber berichtet. Ein indischer Sannyasin — ein sehr ehrlicher Mann — schrieb mir, drei Tage nachdem er den Sufi-Tanz im Ahsram mitgemacht hatte, in einem Brief: „Ich habe furchtbare Gewis- sensbisse, weil ich jedesmal sexuell erregt werde. Wenn ich zum Sufi-Tanzen gehe, werde ich sexuell erregt, und dann fühle ich mich schuldbewußt." Er bat mich um Vergebung — „Bhagwan, bitte verzeih mir" — und bekam solche Angst, daß er nun überhaupt nicht mehr zum Tanzen geht. Aber das liegt nur daran, daß er ein Leben der Unterdrückung gelebt hat. Wahrscheinlich durfte er noch nicht einmal die Hand einer Frau, außer der seiner eigenen halten, und auch das nur nachts, wenn alle anderen schlafen. Wahrscheinlich war er noch nie von der Energie tanzender Männer und Frauen mitgerissen worden. Das ist ganz natürlich; deswegen muß man kein schlechtes Gewissen haben. Das kommt dabei heraus, wenn man sich sein Leben lang unterdrückt hat. Wird nun dieser Mann, der beim Sufi-Tanz sexuell erregt wird, dadurch zu irgendeiner Einsicht gelangen? Er wird ein furchtbar schlechtes Gewissen haben — alles andere als eine spirituelle Erfahrung. Er wird nur sein sexuel- les Verlangen spüren und innerlich aufgewühlt sein. Er wird in völlige Verwirrung gestürzt. Er tanzt auf einem Vulkan. Es kann sein, daß er anfängt, am ganzen Leib zu zittern vor Angst, er könnte seine Phantasien plötzlich in die Tat umsetzen. Darüber schrieb er in seinem Brief: „Ich kann nicht mehr am Sufi-Tanz teilnehmen, es kann nämlich sein, daß ich irgendetwas anstelle. Ich werde derartig erregt, daß ich die Kontrolle verlieren könnte." Das ist ganz unvermeidlich — wenn man seine Sexualität unterdrückt, steigt sie im Tanz an die Oberfläche. Also kann man solche Methoden nicht direkt verwenden; man muß erst einen Reinigungsprozeß durch- machen. Erst dann sind ekstatische Methoden angebracht. Kathartische Gruppen sind eine Erfindung unseres Zeitalters. Zu Buddhas Zeiten brauchte man keine derartigen Methoden, weil die Men- schen einfach nicht so unterdrückt lebten. Die Leute waren natürlich, sie lebten erdnah — ein Leben primitiver, unzivilisierter Spontaneität. Deshalb konnten sie direkt von Buddha in die Methode der Vipassana (Atembeob- achtung) eingeweiht werden. Vipassana bedeutet „Einsicht". Aber ihr Men-

schen von heute könnt nicht sofort mit Vipassana anfangen, und Lehrer, die Vipassana heute noch

schen von heute könnt nicht sofort mit Vipassana anfangen, und Lehrer, die Vipassana heute noch als direkte Methode lehren, gehören nicht diesem Jahrhundert an. Das sind Leute, die zweitausend Jahre hinterherhinken. Mag sein, daß sie einem oder zwei Leuten unter hundert helfen können, aber mehr auch nicht. Ich habe Encountergruppen im Ashram eingeführt, damit wieder abge- baut wird, was die Zivilisation euch zugefügt hat, damit ihr wieder zu primitiven, erdverbundenen Menschen werdet. Aus dieser Primitivität, dieser ursprünglichen Unschuld heraus, wird Einsicht wieder ohne weiteres zugänglich. Erst dann wirken ekstatische Methoden — aber niemals vorher.

Du mußt deine Fenster und Türen öffnen, so daß der Meister in dir fließen kann wie Licht, wie Wind und Regen. So daß der Meister in dich eindringen kann und dich mit seiner Energie erfüllt.

WIEDER HEIL UND GANZ WERDEN

Bhagwan, wann kann eine psychotherapeutische Behandlung als beendet betrachtet werden?

P sychotherapie ist bei einer gespaltenen Persönlichkeit notwendig, bei

einer Persönlichkeit, die in einzelne Teile zerfallen ist. Die Therapie ist beendet, wenn die Person wieder zu einem Ganzen geworden ist, wenn sie wieder heil und ganz ist. Aber keine Therapie, wie man sie heute kennt, macht den Menschen zu einer Ganzheit. Therapie heutzutage ist bestenfalls eine Neuordnung der einzelnen Teile zu einem Arrangement, das vielleicht ein bißchen bequemer ist als vorher, aber der Mensch bleibt in Teile gespal- ten. Dasselbe Mobiliar wird im selben Zimmer umgestellt und vielleicht auf etwas bequemere Weise angeordnet, aber so etwas macht niemanden zu einer Einheit. Wenn ein Mensch in seiner Gesamtheit heil wird, wird sein ganzes Leben zur Andacht, zu einem einzigen Gebet. Andacht ist ein Nebenprodukt von Ganzheit. „Heilsein" macht einen Menschen heilig. Eine Therapie ist erst dann vollständig, wenn sie Andacht in deinem Herzen erweckt. Was du wirklich brauchst, ist Andacht. C. G. Jung soll gesagt haben — und seine Beobachtung ist vollkommen richtig — daß die Hälfte seiner Patienten keine Therapie brauche, sondern Religiosität. Außerdem soll er gesagt haben — und auch hier hat er recht — daß alle seine Patienten über zweiundvierzig keine Therapie brauchten, sondern beten lernen müßten. Das wahre Bedürfnis ist, einen Zusammenhang herzustellen mit dieser unermeßlichen Existenz, dem ganzen Sein anzugehören. Das Ich, das Ego trennt dich ab, aber im Gebet verschwindet das Ich, und du wirst wieder eins mit dem ganzen Sein. Mit der gesamten Existenz eins zu werden bedeu- tet, Seligkeit zu erfahren. Von ihr getrennt zu sein bedeutet, im Konflikt

zu leben. Getrennt zu bleiben heißt, gegen die Existenz anzukämpfen, nicht mit dem Strom des Lebens zu fließen. Vielleicht schwimmst du sogar gegen den Strom, und wenn du gegen den Strom des Lebens schwimmst, kannst du nur unterliegen, du mußt notwendigerweise versagen. Wenn du mit dem Strom fließt, so ganz und gar, daß du dich mit dem Strom vereinigst und Teil von ihm wirst — du hast jetzt keinen eigenen Willen mehr, du hast dich dem Willen des Ganzen überlassen — dann befin- dest du dich im Zustand der Andacht, des Gebets. Und eine therapeutische Behandlung ist dann vollständig und beendet, wenn dieses Beten aus dei- nem Herzen aufsteigt. Aber das Gebet muß wahrhaftig sein. Es darf keine Formsache, kein papageienhaftes Nachplappern sein. Es muß aus den Wurzeln deines Wesens kommen und von allein aufsteigen. Hört euch diesen herrlichen Witz an. Meditiert darüber:

Seit sechs Monaten kauerte die kniende Gestalt jeden Tag im Dunkel der hintersten Reihen der örtlichen katholischen Kirche, hatte die Hände zum Gebet gefaltet und stimmte dasselbe mitleiderregende Lied an:

,,Oh mein Gott, ich weiß, ich bin nur eine arme, einfache Seele — kann mir nicht mal ein Glas Bier am Sonntag nach der Kirche leisten — und ich weiß, ich bin ein großer Sünder vor dem Herrn. Meiner Alten gebe ich ab und zu mal eine Ohrfeige, und auch mit den Kindern werde ich manch- mal handgreiflich, wenn sie mir zuviel werden. Aber lieber Gott, ich bitte nicht um viel, nur um ein bißchen mehr Geld in der Lohntüte — und auch das nicht für mich, nur für den Haushalt, um mir die Alte vom Leib zu halten und für ein paar Süßigkeiten für die Kleinen. Vielleicht auch ab und zu ein kleines Gläschen für mich — ich würde es auf keinen Fall über- treiben! Lieber Gott, kannst du mir nicht helfen? Es würde ja soviel aus- machen, und ich würde auch ganz bestimmt damit zufrieden sein, ganz bestimmt! Gelobet sei dein Name, gegrüßet seist du, Maria, Amen." Plötzlich sprang die Kirchentür auf, und ein modisch gekleideter Neger stolzierte hüftschwingend in die Kirche, stellte sich herausfordernd vor den Altar, hob die geballte Faust und schrie:

„Bist du da, Gott? Dann hörst du mir jetzt zu! Ich bin gerade in dieses Land gekommen und habe überhaupt kein Geld, und die wollen mir hier auch nichts leihen, deshalb komm ich zu dir. Als erstes brauche ich 'ne gaaanz heiße Frau. Dann die notwendigen Pelze und Diamanten, um sie nett herzurichten und einen flotten Wagen, um sie rumzufahren und Geld zum Ausgehen. Also muß ich einen anständigen Gewinn beim Ren-

nen machen und dann 'ne gute Anlage für das Geld finden — und zwar ein bißchen dalli. Laß den Unsinn, und mach dich an die Arbeit! Ich weiß, daß du das kannst! So wahr ich hier stehe, yeah!" Im Hinausgehen sagte er noch mit leidenschaftlicher Begeisterung:

„Ich fahr auf dich ab, Mann! Ich fahr total auf dich ab!" Einige Wochen später, der Katholik kniete noch immer im Dunkeln und flehte in seine gefalteten Hände, sprang plötzlich die Kirchentür wieder auf, und derselbe Farbige rauschte geradeaus zum Altar, seinen Arm um eine üppige Blondine gelegt, und von einem Ohr zum anderen grinsend. „Ich wußte, daß du das kannst, Gott! Oh Yeah! Jetzt hab ich einen Rolls Royce, und mir gehört die ganze Rennbahn. Also, ich mach' ne Menge Geld und hab' die Taschen voll. Sag Dankeschön zum lieben Gott, Baby." „Dankeschön, lieber Gott!" lispelte Baby. Im Hinausgehen fügte er noch hinzu: „Und, Gott, wenn du mal was brauchst, kommst du sofort zu mir, ich fahr nämlich wahnsinnig auf dich ab, Mann!"

„Und, Gott, wenn du mal was brauchst, kommst du sofort zu mir, ich fahr nämlich wahnsinnig

Schockiert und wutentbrannt verfolgte der kleine Ire ihren Abgang. Dann stürzte er zum Altar, warf sich auf die Stufen und schluchzte: „Was hab ich bloß getan, daß du mein Leid und meine Not nicht siehst, oh Gott? Warum erhörst du meine Gebete nicht? Seit Monaten flehe ich und bitte nicht um viel. Der Mann ist Ausländer und hat eine Hautfarbe wie der Teufel. Warum gibst du ihm alles und mir noch nicht einmal eine Antwort? Oh heilige Jungfrau Maria, hab Erbarmen mit mir, und sag mir, was ich falsch mache." Plötzlich wurde es dunkel in der Kirche, und ein fürchterliches Brau- sen hub an, ein kaltes, blaues Licht erschien über dem Altar, und eine Stimme donnerte herunter: „Mann, ich glaub, ich fahr einfach nicht auf dich ab!"

Das Gebet muß aus dem Herzen kommen, dein ganzes Wesen muß davon erfüllt sein und es muß echt sein. Dann, und nur dann, ist etwas Wesent- liches mit dir geschehen. Gott und du, ihr solltet nicht förmlich mitein- ander umgehen. Du mußt wirklich „auf Gott abfahren", dann fährt er auch auf dich ab. Förmlichkeit hat alle Religiosität getötet. Sei ungezwungen, freundlich und entspannt mit Gott. In dem Augenblick, in dem du ent- spannt mit Gott sein kannst, ist die Therapie beendet; du bist in die Welt der Religion eingetaucht. Psychotherapie wird nur deshalb gebraucht, weil die Leute vergessen haben, wie man religiös ist. Zur Zeit Buddhas brauchte man keine Therapie; das ist ein modernes Bedürfnis. Die Menschen verste- hen es einfach nicht mehr, religiös zu sein; sie sind Christen, Hindus, Mo- hammedaner, aber nicht religiös. In meiner Kommune habe ich es zur Bedingung gemacht, daß jeder durch die verschiedensten Therapien gehen muß, denn nur wenn man durch diese Phase hindurchgegangen ist, wird man fähig, sich für die Dimension des Gebets zu öffnen. Diese Therapien sollen euch helfen, all den Unrat loszuwerden, der euch von der Gesellschaft aufgezwungen wurde. Die Therapien helfen euch, all das Gift durch Gefühlsausbrüche loszuwerden, das ihr in eurem Inneren unterdrückt habt. Die Therapien reinigen euch, und nur mit einem reinen, klaren Herzen kann man beten. Wenn Andacht in euch aufsteigt, ist das Wunder gesche- hen. Andacht ist das größte Wunder, das es gibt.

Das Leben ist ein Spiel, eine Leela. Verwandle es nicht in Arbeit, denn dann versäumst du es.

In letzter Zeit habe ich das Gefühl, daß du uns immer mehr auf uns selbst zurückwirfst

Bhagwan:

Wo soll ich euch denn sonst hinwerfen? Da gehört ihr hin!

DIE

KUNST

ZU STERBEN

Bhagwan, manche Leute haben Parallelen zwischen deinem Ashram und Jonestown gezogen. Könnte es auch in deinem Ashram zu einem Massenselbstmord kommen, wie in jenem Dschungeldorf in Guyana? Würdest du von dei- nen Sannyasins verlangen, daß sie symbolische oder tatsächliche Opfer für dich und deinen Glauben bringen?

tatsächliche Opfer für dich und deinen Glauben bringen? uch ich lehre den Tod, aber eine völlig

uch ich lehre den Tod, aber eine völlig andere Art von Tod — einen Tod wie Jesus ihn lehrte. Jesus sagte: „Wer in das Himmelreich Gottes kommen will, muß erst neu geboren werden." Er muß auf einer Ebene sterben, um auf einer anderen zu erwachen. Er muß vom Körper frei wer- den und seine Flügel im offenen Raum des Bewußtseins ausbreiten. Das nenne ich den wahren Tod. Der Körper befindet sich ohnehin in einem ständigen Prozeß des Abster- bens. Er stirbt von selbst. Den Körper töten, hieße etwas töten, was schon tot ist. Was getötet werden muß, ist die geistige Form — dieser Mechanis- mus, der trotz aller Tode immer weiterlebt. Nach jedem körperlichen Tod wird man wiedergeboren. Ich bin für den Tod dieses geistig-psychischen Mechanismus, nicht für den Tod des Körpers. Meine Sannyasins sollen sterben, aber einen Tod auf geistiger Ebene, so daß sie auf der Ebene des reinen Bewußtseins leben können. Sie sollen als Schlamm und Schlacke sterben, so daß sie als Lotusblumen weiterleben können. Seit Menschen- gedenken lehren alle wahren Meister diese Art von Tod. Daher ist es offensichtlich, daß das, was in Jonestown geschah, nicht das Geringste mit Religion zu tun hat. Es war eine Form von Wahnsinn, ein Ausdruck selbstmörderischer Tendenzen. Was dieser Reverend Jones getan hat, beweist, daß er geisteskrank war und alle Leute um ihn herum ebenfalls. Es war ein Klan von Wahnsinnigen, eine Gruppe von zerstö- rungswütigen, selbstzerstörerischen Leuten, die nur nach irgendeiner

Ausrede suchten, um dem Leben zu entrinnen. So etwas könnte in diesem Ashram niemals geschehen, denn wenn ein Mensch hierherkommt und wirklich Sannyas nimmt, hat er den Tod schon willkommen geheißen. Jetzt gibt es für ihn keine andere Art zu sterben mehr, denn jetzt ist er für die Ewigkeit bestimmt. Er ist für zeitlose Selig- keit bestimmt. Sannyas an sich bedeutet, einen Tod zu sterben: den Tod der Persön- lichkeit, den Tod des sogenannten Selbst, den Tod des Egos. Sannyas ist das Ende des „Ich", und wenn das „Ich" nicht mehr existiert — wer sollte dann sterben? Darum sage ich, daß die Leute, die diesen Ashram mit Jonestown vergleichen, weder diesen Ashram noch Jonestown richtig ein- schätzen. Diese Leute verstehen überhaupt nichts; sie würden selbst Jesus mit Reverend Jones vergleichen. Selbst Buddha würden sie mit Reverend Jones vergleichen, denn Buddha sagte ebenfalls: „Stirb in jedem Augen- blick". Und es ist bekannt, wie oft Jesus sagte: „Solange du nicht stirbst, kannst du nicht in Gott eingehen." Was für einen Tod haben Jesus und Buddha gemeint? Sie meinen eine völlig andere Art von Tod, sie sprechen von einem alchemistischen Vorgang im Inneren. Auch ich sage, ihr müßt in jedem Augenblick sterben. Sterbt für die Vergangenheit! Schleppt die Bürde der Vergangenheit nicht mit euch herum. Laßt nicht zu, daß auch nur ein Schatten der Vergangenheit auf eurem Bewußtsein liegen bleibt. Sammelt keinen Staub an. Wischt den Staub immer wieder fort, reinigt euch unablässig wieder davon, klärt euch in jedem Augenblick und erkennt, daß jeder Moment eine Neugeburt ist. Laßt die Vergangenheit sterben und die Zukunft auferstehen. In dieser taufrischen Klarheit seid ihr mit Gott verbunden. Aber ein solcher Tod stirbt sich nicht so leicht. Ein langer Weg des see- lischen Wachstums muß zurückgelegt werden, bis man auf diese Art sterben kann. Den Jonestown-Tod zu sterben, ist sehr einfach; durch Gift zu ster- ben, ist keine Kunst. Durch ein Erwachen im Bewußtsein zu sterben, das ist die wahre Kunst, das wahre Yoga. Wenn du Selbstmord begehst, war dein Leben vergebens — und nicht nur dein Leben, sondern auch dein Tod. Du bist unbewußt, unerweckt gestorben. Und natürlich stirbt nur jemand unbewußt, der auch unbewußt gelebt hat. Wie man stirbt, ist schließlich nur der letzte Ausdruck des Lebens, das man gelebt hat. Ich halte euch dazu an, mit Bewußtsein zu leben. Lebt mit einer solchen Bewußtheit, daß ihr selbst während eures Todes bewußt bleibt; daß ihr selbst im Sterben in Meditation seid; daß ihr auch dann noch wach bleibt, wenn der Tod euch überwältigt. Während ihr euren Körper verlaßt, muß

die Flamme des Bewußtseins brennen bleiben. Nur wenn ihr bewußt ster- ben könnt, müßt ihr nicht wieder geboren werden, noch müßt ihr jemals wieder sterben. Dann gelangt ihr in die Dimension der Ewigkeit. Reverend Jones war kein Meister, sondern ein Mann voller Perversionen. Es kommt vor, daß solche Leute auch zu mir kommen und sagen: „Bhag- wan, wir sind bereit, für dich zu sterben!" Dann sage ich ihnen: „Wenn ihr auf mich hört, dann müßt ihr zuerst einmal bereit sein, für mich zu leben; zu leben, wie ich es lehre." Es ist sehr einfach zu sterben. Wie lange braucht man schon dazu? Aber es ist sehr schwer zu leben. Der Tod kommt in einem kurzen Augenblick; um den Sprung von einer Klippe zu wagen, muß man einen Moment lang Mut haben. Aber um zu leben, muß man siebzig Jahre lang unaufhörlich Mut beweisen — Mut, im Wandel von ungezählten Jahreszeiten zu leben; Mut, durch Tausende von Gedanken- und Gefühlsschwankungen zu gehen. Die Situationen ändern sich unentwegt, man geht durch gute und schlechte Zeiten, erlebt Erfolge und Niederlagen zu Tausenden — und trotzdem wei- terzuleben, ohne das Licht der Liebe, der inneren Andacht aus den Augen zu verlieren — das ist unglaublich schwer. Wenn ich so jemanden auffordere, meinen Lehren entsprechend zu leben, steht er sprachlos vor mir — er wäre lieber gestorben. Unzählige Menschen sind im Namen der Religion gestorben, aber wer hat schon wirklich für die Religion gelebt? Ich lehre euch, für die wahre Religion zu leben. Meine ganze Botschaft ist eine Botschaft der Dankbarkeit dem Leben gegenüber, eine Botschaft, die euch auffordert, zu tanzen und zu singen und das Leben zu feiern. Ich möchte, daß ihr aufblüht wie die Blumen, daß ihr in den Himmel fliegt wie die Vögel, daß ihr von den Sternen und Planeten tanzen lernt und mit den Wasserfällen singt. Ich liebe das Leben. Für mich sind Gott und Leben dasselbe. Das Leben endet nie, es ist ewig. Die Körper werden gewechselt, Gestal- ten und Formen ändern sich. Farben und Namen wechseln, aber das, was in eurem Inneren ist, verändert sich nie.

Was in Jonestown geschah, ist symptomatisch für einen kranken Geist und steht in keiner Beziehung zur Religion. Ja, es ist wahr, viele Greuel- taten werden im Namen der Religion verübt, und Jonestown ist nur eine neue Variante. Reverend Jones muß geistergestört gewesen sein, verrückt wie Adolf Hitler. Er muß unter Wahnvorstellungen gelitten haben, und wenn ein Mensch seine Wahnvorstellungen in die Tat umsetzen will, ist er zu allem fähig. Er war nicht in der Lage, seinen Leuten zu vermitteln, wie

man lebt — und wenn ein Mensch nicht schöpferisch wirken kann, richtet er seine Energie auf die Zerstörung. Wenn ein Mensch nichts aufbauen kann, überkommt ihn die Lust, stattdessen etwas zu zerstören. Denkt daran: einer, der nicht in der Lage ist, etwas zu schaffen, ist jederzeit bereit, etwas zu vernichten. Auf diese Weise verkündet er der Welt, daß er wenig- stens etwas kaputtmachen konnte, wenn er schon nicht fähig war, etwas aufzubauen. Etwas zu zerstören verleiht ein gewisses Gefühl von Macht, man fühlt sich hervorragend. Warum sind die Menschen überall auf der Welt so sehr an Zerstörung interessiert? Weil ihr, selbst wenn ihr nichts erschaffen könnt, doch wenigstens etwas zerstören könnt, und mit dieser Zerstörungskraft kommt ihr euch bedeutend vor, ihr fühlt euch großartig. Es gibt nur zwei Handlungsweisen auf der Welt: Schöpfung und Ver- nichtung. Ein Mensch, der schöpferisch tätig sein kann, hat es nicht nötig, etwas zu zerstören. Nur ein Mensch, der nicht schöpferisch handeln kann, ist an Vernichtung interessiert.

Ein Meister ist ein Mensch, der Leben neu erweckt, der Leben schafft. Ein Meister ist ein Bildhauer — er haucht den Steinen Leben ein und gibt ihnen Form und Gestalt: er gibt Menschen, die häßlich geworden sind, ihre ursprüngliche Schönheit zurück. Er heilt ihre Wunden. Er heilt kranke Geister, indem er von ihnen nimmt, was sie vergiftet. Er enthüllt den Men- schen das Geheimnis der Unsterblichkeit. Wie hätte ein Meister eine solche Wahnsinnstat begehen können? Zu dem einen Wahnsinnigen in Jonestown hatten sich noch viele andere gesellt. Und das geschieht im Westen seit einiger Zeit auf breitester Basis. Warum ist es dazu gekommen? Die traditionelle Religion des Westens ist tot, der traditionelle Gott hat jede Bedeutung verloren. Die Kirchen und Tempel sind leer — erfüllt von Grabesstille. Die Götter sind längst_ausge- zogen, und die Priester und Gelehrten haben ihre Läden eröffnet. Jetzt suchen die Menschen erneut nach Gott; der Geist der Suche hat sie wieder ergriffen, und zwar weil der Westen zum erstenmal in materiellem Wohlstand lebt. Jedesmal, wenn eine Gesellschaft im Überfluß lebt und alle Notwendigkeiten des Alltags erfüllt sind, übt die Suche nach Gott wieder eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus, denn nun gibt es nichts anderes mehr anzustreben. Man hat Reichtum, Macht und Ansehen erlangt und dennoch nichts gefunden. Nun entsteht ein spirituelles Vakuum, und die Menschen gehen durch große Seelenqualen. Der Westen windet sich heute unter diesen Qualen. Die Menschen ma- chen sich auf die Suche — und jedesmal wenn eine solche Suche beginnt,

wird das von Scharlatanen ausgenutzt. Wenn die Menschen verzweifelt im Dunkeln herumtappen, tauchen überall falsche Propheten auf. Alle die unechten Mönche und Scheinheiligen Indiens eilen nach Amerika — sei es Maharishi Mahesh Yogi oder Swami Muktananda oder wer auch immer — weil dort die größte Nachfrage herrscht. Kalifornien ist zu einem spirituel- len Rummelplatz geworden. In Kalifornien gibt es im Moment etwa fünf- tausend verschiedene neue Sekten. Jeder Dummkopf kann dort Anhänger finden, wenn er sich nur lautstark genug bemerkbar macht. Es gibt Leute, die bereit sind, jedem der ankommt, zu folgen. Ich habe mich ganz bewußt dazu entschlossen, nicht in den Westen zu gehen, weil der Westen sich im Namen der Religion in einen Rummelplatz verwandelt hat. Wenn jemand wirklich auf der Suche ist, kann er hierher- kommen. Menschen, die wirklich nach Wahrheit verlangen, sind bereit, Tausende von Meilen weit zu reisen und von sich aus zu kommen. Die sogenannten Meister, die in den Westen fahren, sind auf der Suche nach

weit zu reisen und von sich aus zu kommen. Die sogenannten Meister, die in den Westen

Anhängern; die Anhänger sind nicht auf der Suche nach ihnen. Ein Meister, der von seinen Jüngern gesucht wird, muß nirgends hingehen. Ich sitze in meinem Zimmer. Es ist ein Wunder, wie Menschen aus aller Welt ganz von selbst zu jemandem finden, der sein Zimmer nicht verläßt. Aber sie finden zu mir — unzähligen Schwierigkeiten zum Trotz. Und bevor sie hierherkommen, möchte ich, daß sie erst alle möglichen falschen Gurus kennenlernen, um einen Geschmack davon gehabt zu haben. Die Leute, die hier leben, haben viele solcher Gurus besucht — und danach kann man anfangen, mit ihnen zu arbeiten. Nur ein Mensch, der das Unwesentliche gesehen hat, kann das Wesentliche erkennen. Nur ein Mensch, der das Falsche erlebt hat, kann das Wahre erkennen und sich bewußt darauf zu- bewegen. Wer den Unterschied zwischen dem Falschen und dem Wahren erkennt, hat den ersten Schritt in Richtung Wahrheit getan.

Ich lehre, wie man das Leben genießt, den vielfarbigen Regenbogen des Lebens. Ich bin nicht gegen das Leben. Nein, meine Liebe für das Leben ist unendlich Ein Vorfall wie der von Jonestown ist an diesem Ort einfach undenk- bar! Wenn es irgendeinen Ort auf der Erde gibt, wo so etwas unmöglich ist, dann dieser. Ich mache euch nicht krank und schwach — auch wenn die falschen Gurus genau das versuchen, denn je schwächer ihr werdet, desto dringender werden sie gebraucht. Diese Gurus geben euch das Gefühl, daß ihr arm und hilflos seid; sie machen euch zu Sündern, indem sie euch er- klären, daß ihr welche seid. Und je schwächer ihr werdet, desto stärker fühlen sie sich. Ich erkläre, daß ihr keine Sünder seid; daß niemand ein Sünder ist. Gott lebt in euch in seiner unantastbaren Reinheit. Ihr seid unberührte Götter. Ich erkläre eure absolute Herrlichkeit und euren absoluten Reichtum. Ich gebe euch Kraft und Stärke — ich mache euch mit eurer Seele bekannt — ich trete euch nicht in den Staub. Das ist der Prüfstein — vergeßt das nicht: Wer euch verurteilt, der versucht euch zu beherrschen, und nur Schwache lassen sich beherrschen. Das Ausmaß an Stärke, das ich euch gebe, hat euch noch keiner zugestanden, denn ich sage es ganz ohne jede Einschränkung: Es gibt nichts in eurem Leben, für das ihr euch schuldig zu fühlen braucht; es gibt keine Hölle. Ihr müßt nur aufwachen, und dann werdet ihr feststellen, daß ihr schon längst im Himmel seid.

Du sagst, daß einige Leute meinen Ashram mit Jonestown vergleichen Die Leute, die solche Vergleiche ziehen, sind niemals hiergewesen und ha-

ben mir nie in die Augen gesehen. Sie haben weder an meiner Seite geses- sen, noch jemals meine Hand gehalten. Das sind Leute, die von dem Wein der Kommunion, die zwischen uns hier stattfindet, nie getrunken haben. Von diesem Gasthaus haben sie sich ferngehalten. Ihre Worte haben keiner- lei Gewicht. Du fragst, ob ein Massenmord wie der von Guyana auch hier möglich wäre. Ein Mensch, der hier zum Sannyasin wird, hat schon Selbstmord began- gen, denn Sannyas bedeutet: Ich sterbe als der, der ich war, damit ich so leben kann, wie ich bin, ich lasse meine Masken fallen, ich lege meine Per- sönlichkeit ab, damit mein ursprüngliches Wesen zum Vorschein kommen kann. Sannyas nehmen bedeutet Selbstmord begehen; Selbstmord im wah- ren Sinne, weil das wahre Leben erst dann beginnen kann. Hier ist keine andere Art von Selbstmord möglich, hier gibt es nur diesen einen Weg. Hier wird eine Situation hergestellt, in der vollkommener Friede und völ- lige Stille herrschen kann; und aus diesem Frieden steigt ein seliger Gesang auf, aber dann ist es nicht der Sannyasin, der singt, er läßt nur zu, daß Gott oder das Leben durch ihn singen.

auf, aber dann ist es nicht der Sannyasin, der singt, er läßt nur zu, daß Gott

Du hast außerdem gefragt, ob ich von meinen Sannyasins verlange, daß sie symbolische oder tatsächliche Opfer für mich und meinen Glauben bringen. Ich lehre keinen Glauben. Im Gegenteil, ich lehre Freiheit von jedem Glauben. Ich lehre, wie ihr aus dem Gefängnis allen Wissens ausbrechen könnt. Ich gebe euch kein Wissen, sondern nehme es euch. Was ich euch geben will, ist — Leere. Meditation ist ein anderes Wort für dieses Schweigen, diese Leere. So- lange ihr irgendein Wissen im Kopf habt, könnt ihr nicht meditieren. Erst wenn ihr alles Wissen fallenlaßt, eröffnet sich die Dimension der Medita- tion. Meditation ist der Zustand von Unschuld, in dem auch nicht ein Körn- chen Staub auf dem Spiegel eures Bewußtseins zurückbleibt.

Ich lehre keinen Glauben. Ich verlange keineswegs, daß ihr an Gott glauben sollt. Ich verlange auch nicht, daß ihr an Wiedergeburt glaubt. Ich stehe für keine Form von Glauben. Das einzige, was ich von euch verlange ist, daß ihr wahrnehmt, was hier und jetzt ist. Meine Betonung liegt nicht auf Glauben. Wer Glauben abverlangt — was es auch sei — will euch zu Untertanen machen. Euch zum Glauben verführen hieße, euch in die Lüge führen. Alles, was außerhalb eures eigenen Erfahrungsbereiches liegt, ist eine Lüge. Meine Wahrheit beruht auf meiner eigenen Erfahrung. Eure Erfah- rung wird eines Tages zu eurer Wahrheit. Was ich erfahren habe, kann nie- mals eure Wahrheit sein. Was ich empfunden habe, kann für euch nicht dasselbe sein. Wenn ich Musik höre, habt ihr nicht den Genuß. Wenn ich gegessen habe, wird euer Hunger nicht davon gestillt. Wie kann einer mei- ner Sannyasins also wissen, daß es Gott gibt, nur weil ich ihn erfahren habe? Wenn der Hunger des Körpers schon nicht auf diese Weise gestillt werden kann, wie könnte der Hunger der Seele so gestillt werden? Also denkt daran: In dem Moment, wo einer, der die Wahrheit weiß, sie weitergibt an einen, der sie nicht weiß, wird die Wahrheit zur Lüge. Die Wahrheit eines anderen ist nicht deine Wahrheit. Deshalb lehre ich keine Glaubenssätze. Wenn ich überhaupt etwas vermittle, dann Wahrneh- mungsfähigkeit und Wachheit — und damit erübrigt sich die Frage, ob man Opfer für mich und meinen Glauben bringen muß, von vornherein. Opfer und Entsagung haben keinen Platz in meinem Leben. Ich verlange nicht, daß ihr euch von irgendetwas lossagt; das kann ich gar nicht. Ja, das, was ihr als unecht erkennt, fällt von selbst fort, und das, was von Bedeutung ist, bleibt euch erhalten. Aber das geschieht im innersten Kern eures We-

sens. Ihr werdet es selbst sehen, und die Erkenntnis wird euch allein gehö- ren. Mir gehört ihr nicht. Ich bin bestenfalls ein Freund auf dem Weg. Buddha nannte sich einen „wohlmeinenden Freund." Ich sage dasselbe auch zu euch: Ich bin euer wohlmeinender Freund. Denkt nicht, nur weil ihr meine Jünger seid, daß ich meinerseits irgendeinen Wunsch hege, euer Guru zu sein. Ihr seid Jünger, das ist richtig, denn im Moment befindet ihr euch auf der Suche. Aber was mich angeht, so bin ich weder euer Guru, noch seid ihr meine Jünger. Ich weiß, daß das, wonach ihr sucht, bereits in euch ist. Von mir aus betrachtet bin ich ein Freund, von euch aus be- trachtet ein Guru. Ihr seid unwissend, und aller Glaube eines Unwissenden ist falsch. Und das gilt auch für den Glauben, daß ich euer Guru bin und ihr meine Schüler seid. Wenn das Licht eurer eigenen Lampe brennt, verflüchtigt sich jeder Glaube. Dann seht ihr, daß ich kein Guru bin und daß ihr keine Schüler seid. Dann gibt es kein „Ich" und kein „Du" mehr. Dann bleibt nur noch Gott übrig — kein Meister, kein Schüler. Wenn beide verschwunden sind, findet die erste Begegnung mit der Wahrheit statt.

Bhagwan, was haben wir getan, um dich als unseren Guru, unseren Meister zu verdienen?

Bhagwan:

Was euch betrifft, kann ich überhaupt nichts sagen, aber ich muß ein grausames Karma angehäuft haben, um euch zu verdienen.

GEH GOTT NICHT AUF DIE NERVEN

Bhagwan, ich möchte zu Gott beten. Bitte bring mir bei, wie man das macht.

eh Gott nicht auf die Nerven, er hat seine eigenen Probleme. Siehst du nicht, daß alles, was er ins Leben ruft, gleich wieder stirbt? Behalte deine Probleme für dich. Warum willst du zu Gott beten? Gott kann ohne deine Gebete auskommen. Vielleicht kannst du nicht ohne sie auskommen, aber dann können deine Gebete nicht mehr sein, als in Worte gefaßte Wünsche und Forderungen, die du stellst, Beschwerden, die du einreichst. Das ist es, was die Leute Beten nennen: sie bringen ihre Klagen vor, sie beschweren sich unaufhörlich und sagen: „So sollte es aber nicht sein!" Sie versuchen, Gott ein bißchen Vernunft beizubringen. Nein, eure Gebete werden nicht gebraucht. Was ihr braucht ist Medita- tion. Meditation hat nichts mit Gott zu tun. Durch Meditation werdet ihr selbst verwandelt; Gott wird völlig außer acht gelassen. Und ihr wißt ja ohnehin nicht das Geringste von Gott. Wie wollt ihr zu etwas ganz und gar Unbekanntem, zu einem x-beliebigen Etwas beten? Und in welcher Sprache wollt ihr zu Gott beten? Ihr kennt ihn ja überhaupt nicht. Natürlich gibt es Leute, die sagen: „Wenn du zu Gott betest, lernst du ihn kennen". Aber Beten setzt grundsätzlich voraus, daß Gott irgendwann erfahren wurde — erst dann kannst du beten. Du mußt ihn erlebt haben, erst dann kannst du Liebe für ihn empfinden. Aber wie kannst du einen unbekannten Gott lieben? Daher kann dein Gebet nur förmlich sein, nicht mehr als ein Klischee. Meditation ist eine völlig andere Dimension. Kabir (ein Mystiker des 15. Jahrhunderts) war für Meditation, Buddha war für Meditation, und auch ich bin für Meditation. Meditation ist eine völlig andere Art der An- näherung, ein Weg, der nichts mit Gott zu tun hat. Meditation hat etwas mit dir selbst zu tun, mit deinem eigenen Bewußtsein. Sie erzeugt eine Stille

Gott zu tun hat. Meditation hat etwas mit dir selbst zu tun, mit deinem eigenen Bewußtsein.

in deinem Inneren, eine tiefe Stille. In diesem vollkommenen Schweigen spürst du allmählich die Gegenwart Gottes. Andacht ist eine Folge tiefer Meditation. Nur einer, der meditiert, kann beten, denn nur er hat die existentielle Erfahrung gemacht, nur er fühlt denn Gott ist für ihn nun kein Diskussionsgegenstand mehr und keine logische Folgerung, sondern etwas, das er am eigenen Leib erfahren hat, etwas das er gelebt hat. Und danach ist ein Gebet keine Beschwerde mehr. Dann ist es Hingabe, dann ist es ein Ausdruck der reinsten Liebe, ohne daß irgendwelche Wünsche und Bedingungen damit verknüpft sind. Es ist die reine Dankbarkeit.

Laßt das Gebet nach der Meditation kommen. Zuerst müßt ihr meditie- ren. Dadurch öffnen sich eure Herzen, und ihr werdet innerlich gereinigt von all dem Unsinn, den ihr seit Ewigkeiten, seit vielen Leben in den Köpfen habt. Dadurch wird der Raum geschaffen, in dem die Andacht sich entfaltet. Meditation heißt soviel, wie den Boden für ein Rosenbeet bereiten. Ein Gebet ist wie eine Rose, und der Boden muß erst für sie berei- tet werden. Man muß das Unkraut jäten, die Erde umgraben und alle Steine aus dem Weg räumen. Bereite erst den Boden vor, dann steigt das Gebet von selbst in dir auf. Beten ist etwas, was du nicht von dir aus tun kannst. Aber Meditation ist etwas, was du tun kannst, weil Meditation etwas mit deinem Verstand, deinen Gedanken zu tun hat, und da es schließlich dein Verstand ist, kannst du etwas tun. Beten hat mit Gott zu tun, und Gott ist in weiter Ferne, irgendwo im Jenseits, du weißt nicht wo. An wen sollst du deine Gebete adressieren, wenn du seinen Namen und seine Anschrift nicht kennst? Und so betest du ständig in den luftleeren Raum hinein, während du tief innen die ganze Zeit weißt, daß deine Mühe vergebens ist. Aber vielleicht vielleicht klappt es ja doch — vielleicht auch nicht — aber es kostet dich ja nichts, und so machst du weiter. Erst mußt du dich durch Meditation innerlich vorbereiten. Meditation bedeutet eine Stille ohne jeden Gedanken, eine Bewußtheit, die von allen Gedanken frei ist — Friede. Wenn ein solcher Friede herrscht, bricht das Gebet eines Tages hervor; eine Knospe in deinem Inneren öffnet sich, dein Herz geht auf wie eine Blume, von deren Duft du völlig erfüllt wirst. Dieser Duft ist Andacht. Du fällst auf die Knie, jetzt ist Gott nicht mehr fern, er ist dir ganz nah, durch dein Aufblühen hast du die Brücke zu ihm gefunden. Gebete ohne vorausgehende Meditation sind förmlich und dumm. Ge- bete, die nicht meditativ sind, sind reine Zeit- und Energieverschwendung.

Ich lehre Meditation, denn Beten, innere Andacht, kann nicht durch Lehren vermittelt werden. Wenn ihr

Ich lehre Meditation, denn Beten, innere Andacht, kann nicht durch Lehren vermittelt werden. Wenn ihr Meditation erfahren habt, stoßt ihr eines Tages ganz von selbst auf Andacht. Andacht ist eine Gnade. Medita- tion kann mit Anstrengung verbunden sein, aber Andacht geschieht ganz mühelos. Du kannst Gott und deine Gebete vergessen. Erst mußt du sehr viel an dir selbst arbeiten. Kümmere dich einzig und ausschließlich um das eine:

Wie du aus deinem Kopf herauskommst. Dadurch erledigt sich alles, das ist der Schlüssel zu allem Übrigen. Dann kann sich die Andacht entfalten. An- dacht ist die Belohnung für einen, der meditiert hat. Andacht ist eine Folgeerscheinung.

Darüber sind sich alle Mystiker des Ostens einig: von Patanjali bis Krishnamurti lehren alle Erleuchteten Meditation. Und der Grund ist, daß die Meditation mit dem menschlichen Bewußtsein arbeitet, während Beten ein Dialog mit dem universalen Bewußtsein ist. Warte. Sei geduldig. Werde erst einmal fähig, diesen Dialog zu führen, und dann muß dir nichts mehr beigebracht werden. Wenn du vollkommen still bist, vernimmst du die kleine, leise Stimme in deinem Herzen. Es ist tatsächlich so, daß der Anruf immer von Gott, vom Partner am anderen Ende, kommt. Du kannst das Gespräch nicht von dir aus anfangen, du kannst nur offen und empfänglich sein. An deinem Ende geht es um abso- lute Empfänglichkeit, und in dem Moment, in dem du dazu fähig bist, klingelt es plötzlich, und die Verbindung ist hergestellt. Aber der Anruf kommt von der anderen Seite. Es ist Gott, der Adam ruft: „Wo bist du? Wo versteckst du dich?" Nachdem Adam die Frucht vom Baum der Erkenntnis gegessen hatte, bekam er große Angst vor Gott, weil Gott ihm diese Frucht verboten hatte

vom Baum der Erkenntnis gegessen hatte, bekam er große Angst vor Gott, weil Gott ihm diese

— und nun war er ungehorsam gewesen. Also fühlte er sich schuldig und versteckte sich im Gebüsch, während Gott sich auf die Suche nach ihm machte und überall im Garten Eden herumlief und rief: „Adam, wo bist du?" Seit dem Tag ruft Gott nach euch, und ihr versteckt euch hinter diesem oder jenem Busch. Ihr braucht nicht zu beten, alles, was ihr braucht, ist ein stilles Herz, das Gottes Ruf vernehmen kann. Ihr braucht ihn nicht zu rufen — er ruft euch! Seid einfach nur empfänglich. Darum geht es bei der Meditation. Durch Meditation werdet ihr empfänglich. In dieser Empfänglichkeit be- ginnt ihr allmählich, Gottes Stimme zu hören.

Wahres Beten ist, wenn Gott zu euch spricht. Solange ihr noch zu Gott sprecht, ist es falsch.

Alle geraden Linien sind nur Teile, Fragmente eines unermeßlich großen Kreises.

Alle Bewegung ist kreisförmig. Die Zeit ist ebenfalls eine kreisförmige Bewegung. Wenn du erkennst, daß die Zeit nicht irgendwo hingeht, sondern sich im Kreis bewegt, fällt diese ganze Anspannung des Gehirns, irgendwo hinzugelangen, einfach von dir ab. Und du fängst an, den Augenblick zu genießen.

Rings um dich her existiert der Ozean der Zeit. In deinem Innern existiert Ewigkeit Zeitlosigkeit.

LEICHT

UND

SCHWERELOS

Bhagwan, bist du jemals über uns und deine Arbeit verzweifelt?

I hr tut, was ihr könnt, aber ich bin nie verzweifelt, weil ich nicht verzwei- felt sein kann. Verzweiflung geht mit Erwartung einher. Mich kann

nichts zur Verzweiflung bringen, denn ich erwarte nichts von euch. Wenn

ihr erleuchtet werdet, ist es gut, und wenn ihr nicht erleuchtet werdet, ist es auch gut. Ich habe nicht den Wunsch, daß ihr erleuchtet werdet. Wenn das mein Wunsch wäre und ihr mich immer wieder enttäuscht, würde ich

in Verzweiflung geraten. Aber es ist überhaupt kein Wunsch

Vergnügen, mit euch zu teilen, was mir gegeben wurde. Ich teile es mit euch, weil ich es habe. Wenn ihr es annehmt, ist es in Ordnung; wenn ihr es nicht annehmen wollt, ist es auch in Ordnung, denn Erleuchtung kann grundsätzlich nichts anderes als eure Freiheit bedeuten. Und es ist ein Teil eurer Freiheit, anzunehmen, was ihr annehmen wollt und abzulehnen, was ihr ablehnen wollt. Es ist eure Freiheit, zu tun, was ich euch sage, und genauso eure Frei- heit, es zu lassen. Ich bin hier, um euch zu befreien. Wie könnte ich also irgendetwas von euch erwarten? — denn jede Form von Erwartung wird zu einer Art von Sklaverei, zur Abhängigkeit. Wenn ich von euch erwarte, daß ihr erleuchtet werdet, würde es mich zur Verzweiflung bringen, wenn ihr nicht erleuchtet werdet. Aber wie kann ein Mensch, der selbst verzweifelt ist, euch dabei helfen, erleuchtet zu wer- den? Nein, das ist unmöglich. Ich kann euch nur deshalb helfen, weil ihr mich durch nichts zur Verzweiflung bringen könnt. Ich bleibe glücklich, ganz gleich, ob ihr im Himmel oder in der Hölle seid. Ich bleibe froh, ganz gleich, ob ihr in eurer Ignoranz verharrt oder erleuchtet werdet. Von mir aus betrachtet ist euer Unglück eine Wahl, die ihr selbst trefft. Wenn ihr es so wollt, ist es gut. Wenn es euch so gefällt, gut!

Es ist mein

Das ist eure Entscheidung. Aber was mache ich dann hier? Ich teile nur mit euch, was ich erkannt habe. Es ist mein Vergnügen, mein Glück, das mit euch zu teilen, und es bleibt euer Vergnügen, es anzu- nehmen oder abzulehnen — das spielt für mich keine Rolle. Selbst wenn ihr nicht hier seid, selbst, wenn niemand hier ist und ich allein bin, teile ich mein Glück noch immer mit den Blumen und den Steinen. Aber eigent- lich ist es nicht richtig, zu sagen, daß „ich" teile, was ich habe. Es teilt sich mit. Zu sagen, daß „ich" es teile, ist falsch — als würde ich etwas dazu tun. Nein, es teilt sich mit. Eine Blume ist erblüht, und ihr Duft verbreitet sich ringsumher. Es ist nicht so, daß die Blume ihren Duft verteilt. Die Blume kann nicht anders als duften. Ihr Duft wird fortgetragen und fliegt in weite Fernen. Der Blume ist es ganz gleich, ob irgendjemand in der Lage ist, sich an ihrem Duft zu berauschen. Sie ist aufgeblüht — das ist alles. Die Blume ist glücklich über ihr Erblühen. Die Blume ist glücklich, weil ihr Schicksal in Erfüllung gegangen ist, und Erfülltsein ist wie ein Duft, der sich ringsumher verbreitet. So ist es auch, wenn eine Lampe angezündet wird und sich das Licht verbreitet. Nicht, daß das Licht darauf wartet, daß irgendjemand kommt und sich darüber freut. Ob niemand oder viele kommen, bleibt sich gleich. Ich teile in Wirklichkeit nichts mit euch, sondern ich werde mit euch geteilt. Normalerweise denkt ihr, daß ihr atmet. Wenn ihr eines Tages auf- wacht, werdet ihr sehen, daß ihr geatmet werdet. Ihr atmet nicht. Norma- lerweise denkt ihr, daß es euch gibt; wenn ihr bewußt werdet, stellt ihr fest, daß Gott ist. Und bezeichne es nicht als Arbeit. Ich tue überhaupt nichts. Du kannst es bestenfalls als Spiel bezeichnen, aber nenne es nicht Arbeit. Ich spiele. Wenn irgendetwas Arbeit ist, wird es ernst. Wenn es sich um Arbeit handelt, entsteht der Wunsch, bestimmte Ergebnisse zu erzielen. Sobald es Arbeit ist, hat es etwas Belastendes, etwas von einer Pflicht, die erfüllt werden muß. Sobald es um Arbeit geht, kommt Widerwille auf, und wenn ihr mir nicht folgt, bin ich enttäuscht und gekränkt. Es ist nur ein Spiel. Und zwar eins von der Sorte, bei dem es um keinen Gewinn geht, denn sonst bewegt man sich wieder in Richtung Arbeit. Es ist wie das Spiel von kleinen Kindern. Es hat kein Ziel. Es ist in sich selbst schon das Ziel. Ich liebe es, euch Geschichten zu erzählen und habe dabei nicht im Sinn, irgendein Ergebnis zu erzielen. Wenn ich euch eine schöne Geschichte er-

zählt habe, ist die Sache erledigt. Es war wunderschön. Ich habe es gern getan. Ich habe es genossen. Ob ihr es auch genossen habt oder nicht, liegt bei euch. Ich spreche zu euch — das ist überhaupt keine Arbeit. Für euch vielleicht, aber nicht für mich. Der Tag, an dem es selbst für euch keine Arbeit mehr ist, wird ein Freudentag sein. Wenn es zum reinen Spiel geworden ist und ihr gemeinsam mit mir Spaß habt; wenn ihr alles, was ich zu geben habe, nur genießt und einfach daran teilnehmt. In diesen seltenen Momenten der seelischen Teilnahme werdet ihr eins mit mir. Und damit ist die Arbeit getan. Auf diese Art wird sie nämlich erledigt.

die Arbeit getan. Auf diese Art wird sie nämlich erledigt. Gurdjieffs Leute nannten ihre geistige Disziplin

Gurdjieffs Leute nannten ihre geistige Disziplin ,,The Work" — die Arbeit. Ich nenne meine Disziplin „das Spiel". Gurdjieffs Schüler sind ernste Leute, die bedeutende Arbeit verrichten. Seid bitte nicht ernst hier

bei mir! Ernsthaftigkeit ist eine Krankheit. Gefährlicher als Krebs. Eines Tages wird man ein Heilmittel für Krebs finden, aber Ernsthaftigkeit ist unheilbar.

Seid leicht und schwerelos. Glücklich, hier in diesem Augenblick mit mir zusammenzusein. Nehmt teil, habt Spaß an allem; die Arbeit erledigt sich ganz von allein. Die Arbeit wird nebenbei verrichtet. Ihr spielt, und ganz nebenbei wird auch die Arbeit getan. Meine volle Betonung liegt auf einem spielerischen Verhalten. Wenn ihr spielerisch mit den Dingen umgehen könnt, geschieht alles ganz von selbst. Es ist also keine Arbeit für mich. Ich liebe euch. Ich genieße eure Gegen-

wart. Ich habe einfach Spaß an eurem Dasein. Ich freue mich, daß ihr hier seid. Dieser Augenblick ist das Ziel. In diesem Augenblick erfüllt sich alles. Ich blicke nicht darüber hinaus, denn für mich ist dieser Augenblick ewig.

Dies

Er ist und bleibt für immer. Kein anderer Augenblick kommt je ist der Moment! Er ist in Ewigkeit.

Wenn ihr euch spielerisch verhalten könnt, mit mir und um mich herum, dann habt ihr die Tür geöffnet. Sie öffnet sich ganz automatisch — nicht, daß ihr sie öffnet. Ihr spielt nur einfach, und sie öffnet sich — das ist die Zauberformel, bei der sie aufspringt. Die Tür des Lebens, die Tür der Liebe, die Tür zu Gott — alle Türen öffnen sich, wenn ihr verspielt seid, und schließen sich, wenn ihr ernst werdet, wenn ihr etwas als Arbeit auffaßt. Dann verfehlt ihr Gott. Gott ist Liebesenergie, ein Gesang, ein Tanz. Gott ist kein Gebrauchs- gegenstand. Er ist vollkommen nutzlos. Wozu könnt ihr Gott gebrauchen? Wozu ist er nütze? Er steht jenseits allen Nutzens. Ich bin hier und bin vollkommen nutzlos. Wozu könnt ihr mich schon benutzen? Ihr könnt euch an mir freuen, so wie ihr euch an den Blumen des Morgens erfreut oder an den Wolken, die am Himmel schweben und am Ge- sang der Vögel. Diese Dinge können nicht auf dem Markt gehandelt werden, das sind keine Gebrauchsartikel. Aber sie sind wunderschön. Alles, was ihr in ein Ding verwandelt, das ihr benutzen könnt, wird auf der Stelle niedrig und profan. Alles, was ihr um seiner selbst willen liebt, wird sofort zu etwas Heili- gem, Erhabenem.

Warum ist dieses Leben, das keinen Anfang und kein Ende hat, so mysteriös? Bitte erkläre mir das.

Bhagwan:

Nicht nur, daß ich euch absurde Antworten gebe — jetzt fangt ihr auch noch an, absurde Fragen zu stellen Warum ist dieses Leben so mysteriös? Woher soll ich das wissen? So ist es nun einmal. Ein unerklärliches Mysterium.

Jeder Augenblick ist das Ziel. Jeder Augenblick ist ewig.

Biicher von Bhagwan Shree Rajneesh:

BUDDHA The Discipline of Trancendence The Heart Sutra The Diamond Sutra TAO Tao: The Pathless Path Tao: The Three Treasures When the Shoe Fits The Empty Boat TANTRA The Book of the Secrets The Tantra Vision Tantra: The Supreme Understanding VEDANTA The Ultimate Alchemy Vedanta: Seven Steps to Samadhi The Supreme Doctrine YOGA

Yoga: The Alpha and the Omega

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The

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In den aufgeführten Meditationszentren finden von Bhagwan Shree Rajneesh

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kelte Meditation, sowie zum Teil auch Meditationscamps und Therapiegruppen statt. Bücher von Bhagwan und Tonbandkassetten mit Meditationsmusik und Vorträgen von Bhagwan (englisch) sind in den Zentren erhältlich. Programme werden auf Anfrage zugesandt.

EKSTASE - DIE VERGESSENE SPRACHE Bhagwan Shree Rajneesh Dieses Buch enthält die Vorträge von Bhagwan

EKSTASE -

DIE

VERGESSENE

SPRACHE

Bhagwan Shree Rajneesh

Dieses Buch enthält die Vorträge von Bhagwan vom 11. bis zum 20. Dezem- ber 1976, in denen er abwechselnd je einen Tag über die Gedichte des indi- schen Mystikers Kabir spricht und Fragen von Besuchern und Sannyasins beantwortet.

316 Seiten, 12 Fotos, kartoniert, vierfarb Umschlag, DM 22,80

ISBN 3-922389-05-8

MEIN WEG: DER WEG DER WEISSEN WOLKE

Bhagwan Shree Rajneesh

,,Mein Weg: der Weg der weißen Wol- ke" ist eine aufgezeichnete Sammlung von achtundzwanzig spontanen Ant- worten auf Fragen, die Bhagwan an fünfzehn aufeinanderfolgenden Mor- gen 1974 in Indien gab.

484 Seiten, 3. Auflage, 17 Fotos, kar- toniert, vierfarb Umschlag, DM 24,90

3-922389-03-1

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kar- toniert, vierfarb Umschlag, DM 24,90 3-922389-03-1 ISBN KI-BUCH VERLAG Urbanstr. 64 • D-1000 Berlin 61

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„Das Leben ist ein Spiel, eine Leela. Verwandle es nicht in Arbeit, dann ver- säumst du es. Ein Mißerfolg ist kein Mißerfolg, wenn alles ein Spiel ist. Wenn du irgendwelchen Zielen nach- jagst, verschwendest du dein Leben, denn das Leben hat kein Ziel. Es ist ein absichtsloses Spiel. Es geht nirgendwo hin. Es genießt sich einfach nur selbst. Warum nicht wie eine Blume sein, die ohne jede Absicht blüht? Und warum nicht wie ein Fluß sein, der ohne jeden Sinn dahin fließt? Und warum nicht wie das wilde Meer sein, das schäumend sein Dasein genießt? Das Leben ist kein Streben etwas zu erreichen. Es ist ein Freudenfest. Du leidest, weil du noch immer nicht Teil des kosmischen Spiels geworden bist. Du spielst dein eigenes kleines Privatdrama und willst es weiter- spielen. Gibt auf. Gib dich hin. Werde vollkommen eins mit dem kosmischen Spiel — und du mußt nicht mehr lei- den. Das Leben ist kein Problem, das man lösen muß. Es ist ein Mysterium, das man leben muß. Denn wie kann eine Welle den Ozean lösen? Ja, bedin- gungslos Ja."

Bhagwan Shree Rajneesh

das man leben muß. Denn wie kann eine Welle den Ozean lösen? Ja, bedin- gungslos Ja."
das man leben muß. Denn wie kann eine Welle den Ozean lösen? Ja, bedin- gungslos Ja."
Mit stupendem Gedächtnis zitiert er Je- sus, Buddha, Mahavir, Lao-Tse, Sufis und alte Zen-Meister, interpretiert

Mit stupendem Gedächtnis zitiert er Je- sus, Buddha, Mahavir, Lao-Tse, Sufis und alte Zen-Meister, interpretiert sie mit einer Frische und Direktheit, als sprächen sie heute, als trügen sie Jeans. Er schlägt dabei mühelos Brücken zu Einstein, Sartre, Maslow und Wilhelm Reich, zu Hitler und Breschnjew, zur Atomphysik und zu Vietnam. ,,Die Zeit der lokalen Religio- nen ist vorbei", erklärt er. Er will keine neue schaffen, sondern die im Kern gleiche Botschaft aller Religionsstifter zeigen. Er streut Witze und Einschlaftips in sei- ne Lesungen, läßt sich in Indiens Hitze mit Pelzmütze fotografieren und besitzt Humor genug, sich den 70-Meter-Weg von seiner Zweizimmerwohnung zur Vorlesungshalle im Chevrolet chauffie- ren zu lassen. Ein Phänomen von Mann. Für mich ist er tatsächlich „er- leuchtet".

Heiner Boberg DIE ZEIT 1.9.1978

Phänomen von Mann. Für mich ist er tatsächlich „er- l e u c h t e

„Meine ganze Botschaft ist eine Botschaft der Dankbarkeit dem Leben ge- genüber, eine Botschaft, die euch auffordert, zu tanzen und zu singen und das Leben zu feiern. Ich möchte, daß ihr aufblüht wie die Blumen, daß ihr in den Himmel fliegt wie die Vögel, daß ihr von den Sternen und den Pla- neten tanzen lernt und mit den Wasserfällen singt. Ich liebe das Leben. Für mich sind Gott und das Leben dasselbe." Bhagwan Shree Rajneesh