Sie sind auf Seite 1von 16

DIE HAUSHALTUNG GOTTES

BAND 2
Aufstieg und geistige Blüte des ersten Weltreiches Hanoch

[HGt.02_025,68] ,Gott allein lieben‘ heißt demnach nichts anderes, als in Gott Selbst ein
neues, ewig unsterbliches, unvergängliches Leben beginnen, und zwar dadurch, daß wir alle
unsere Kräfte als lauter Gaben des heiligsten Vaters auf den Altar in unserer eigenen von
Gott errichteten Speisehütte des Geistes legen, dann hernach das heilige Flämmchen mit
dem frischen Holze unserer Demut unterstützen, auf daß da ein Vollbrand wird, der
alsonach alle unsere geopferten Kräfte ergreift, sie verzehrt und uns weltlichermaßen
vernichtet.

[HGt.02_025,69] Aber eben aus dieser Vernichtung geht erst dann ein neues Leben hervor,
ja ein Leben in Gott, unser aller liebevollstem heiligem Vater!

[HGt.02_025,70] Das ist der verordnete größte Speisetopf in der heiligen Hütte der
herrlichen Purista. So darin die Früchte vollends weich gekocht werden, wird der hohe
heilige Gast dann auch kommen und wird daselbst am heiligen Kindertische mit Seinen
Kindern eine neue Mahlzeit halten, eine Mahlzeit der ewigen Liebe, Gnade und Erbarmung,
ja eine Mahlzeit zum ewigen Leben!

[HGt.02_025,71] Sehet, so wir solches tun, so ist das ein rechtes Lob, eine rechte Ehre, ein
wahrer Ruhm, ein für uns höchster Preis und in unserer endlichen Vernichtung im heiligen
Feuer der reinen Liebe in uns die allein wahre Anbetung, da wir da wahrhaft im Staube
unserer vollkommenen Nichtigkeit vor Gott darniederliegen und uns einen in und durch das
uns verzehrende Feuer der Liebe auf dem neuen Opferaltare in unseren Herzen mit Gott,
mit unser aller liebevollstem, allerheiligstem Vater!

[HGt.02_025,72] Wahrlich, wahrlich, liebe Väter, Brüder und Kinder, so jemand nicht sich
selbst ganz opfern wird auf diesem uns allen nun zur Genüge bekannten Altare in der Hütte
der herrlichen Purista in uns und wird sich nicht verzehren lassen zu Staub, Rauch und
Asche, – wer sonach nicht diese wahre Feuerprobe wird bestehen wollen, der wird den
sicheren Tod nicht aus sich bringen, und nie wird ihm eine Ghemela zum Lohne des ewigen
Lebens werden!
25. Kapitel

[HGt.02_025,01] Nach dieser Rede Abedams besah sich der Henoch von innen
und fand in sich bestätigt, was ihm der hohe Abedam bezeugt hatte.

[HGt.02_025,02] Er dachte aber weiter nach über die brutzeitige Fliege und
über den gesunden Apfel und fragte darauf den Abedam:

[HGt.02_025,03] „Heiliger, liebevollster Vater, darf denn der Satan sich auch
Deinem Heiligtume nahen gleichwie die lose Fliege dem gesunden Apfel?

[HGt.02_025,04] Siehe, wahrhaft, solches kommt mir seltsam vor, zu erfahren


im Reiche des Lebens und im Reiche des Lichtes; – was hat da der Geist aller
Finsternis zu schaffen?"

[HGt.02_025,05] Und der Abedam erwiderte ihm: „Henoch, was kümmert


dich das, so Meine Liebe und Erbarmung größer ist, als daß du sie ewig je
fassen und begreifen wirst können?!

[HGt.02_025,06] So sich aber Meine Liebe und Erbarmung sogar bis zum
endlos finstersten Geiste erstrecken mag, wie magst du darum fragen, als
könntest du in Meiner größten Nähe etwa zu kurz kommen?!

[HGt.02_025,07] Siehe, die Sonne der Welt ist ein großes Licht und spendet
ihre Strahlen, und zwar den größten Teil derselben, in die endlos fernsten
Weltenräume! Sollen sich aber darum die Erde und ihre Nachbarn aufhalten,
daß ihre lichte Mutter also verschwenderisch umgeht mit ihren Strahlen?! Und
könnten sie solches tun, würde sie da die lichte Mutter nicht deshalb fragen
können:

[HGt.02_025,08] ,Kinder, was kümmert euch das; halte ich euch darum zu
kurz, und hat von euch nicht ein jedes des Lichtes und der Wärme in gerechter,
überflüssiger Menge?!‘
[HGt.02_025,09] Siehe, geradeso verhält es sich auch bei Mir! Darum
kümmere dich nicht um Meine großen, unerforschlichen Wege, sondern bleibe
unbesorgt auf den kleinen Meiner Liebe zu euch, und lasse unbesprochen die
großen Reiche der Finsternis, so kannst du völlig versichert sein, der noch sehr
starke Fürst des Todes wird mit dir und mit allen Brüdern deiner Liebe gar
wenig zu tun und zu richten haben!

[HGt.02_025,10] Ich sage dir zwar, es würden für dich Ewigkeiten nicht
auslangen, um zu erforschen die Größe seiner Macht und Stärke; aber
dessenungeachtet ist er ein endlich erschaffener Geist, und wo alle seine Macht
für ewig aufhört, fängt erst Meine unendliche an.

[HGt.02_025,11] Darum sei unbesorgt; denn so Du in Meinen Händen bist, ist


doch schon dein leisester Hauch mächtiger denn alle Stärke, Macht und Gewalt
des Satans!

[HGt.02_025,12] Er ist gleich einem hungrigen, brüllenden Löwen, dem es an


der Nahrung gebricht. Wehe dem Tiere, das ihm unterkommt, oder das seine
scharfe Nase irgendwo aufgewittert hat; Ich sage dir, es möchte sogar dem
Mamelhud schlecht ergehen bei diesem Kampfe!

[HGt.02_025,13] Aber so der Löwe auch ergrimmt hungrig brüllt, so beachtet


er aber doch die nicht selten vielen Fliegen nicht, die um seine Ohren summen!

[HGt.02_025,14] Siehe, darin liegt die große Macht des demütigst Kleinen:
eine Fliege wird oft einer ganzen Herde von Löwen zur Last, während eben
diese Löwenherde der Fliege etwas ganz Unkümmerliches ist.

[HGt.02_025,15] Du aber bist schon lange eine Mücke der Demut geworden;
daher lasse den Löwen sein, daß er dir unschädlich ist, und mache dich sonach
ganz unbekümmert an dein frommes Werk! Amen."
[HGt.02_025,16] Und der Henoch dankte dem hohen Abedam für diese große
Befreiung und Stärkung im Herzen auf das inbrünstigste und sprach redlich:
„Amen; Dein heiliger Wille geschehe!

[HGt.02_025,17] Und so vernehmet denn, alle ihr Väter, Brüder und Kinder,
die ihr schon habet ein geöffnetes Ohr:

[HGt.02_025,18] Wir sind hier in der Mitte des Tages des Herrn versammelt
in der allerhöchsten Gegenwart des allerhöchsten, allerheiligsten, liebevollsten
Vaters, welcher da ist Gott, Gott der Gewaltige, der Starke, der allmächtige
Schöpfer Himmels und der Erde.

[HGt.02_025,19] Was sollen wir tun, um diese unendliche Gnade, welcher die
ganze Erde unwürdig ist, wenigstens im Anbetrachte unserer Beschränktheit
soviel als möglich zu würdigen?

[HGt.02_025,20] So wir uns gegenseitig einen Dienst erweisen, da kann der


Bediente dem, der ihm einen guten Dienst verrichtet hatte, einen bevorteilten
Dienst entgegen erweisen.

[HGt.02_025,21] Hat mich jemand hundert Schritte geführt, so führe ich ihn
dafür zweihundert Schritte weiter – hundert Schritte, darum er mit mir den
Weg gemacht hatte, und hundert Schritte, darum er mich geführt hatte –, und
wir sind dann quitt, und niemand ist dem Bruder für einen erwiesenen Dienst
mehr als höchstens den dreifachen Gegendienst schuldig. Will er mehr tun, so
steht solches in seiner freien guten Willkür; aber dann ist ihm auch der Bruder
zu einem Gegenschuldner geworden.

[HGt.02_025,22] Wer mir ein Stück Brot gibt, dem gebe ich drei Stücke
zurück: ein Stück für das Stück, ein Stück für seinen guten Willen und ein Stück
für die Mühe seiner Hand; saget, kann er da mehr von mir verlangen?
[HGt.02_025,23] Ja, wie ich gesagt habe, ein leichtes ist, zu erwidern
tausendfach – wenn es darauf ankäme –, nicht nur zwei- oder dreifach, des
Bruders Dienst, des Bruders Wohltat, – selbst wenn mir jemand mein Leben
gerettet hätte, da er mich behende von einer Felsenwand losrisse, da sie sich
schon zu rühren anfinge, um im nächsten Augenblicke zusammenzustürzen
über meinem Haupte, da ich erschlagen würde und zermalmt unter der großen
Last der Felsentrümmer; ich kann ja doch noch sterben für ihn und ihn auf
meinen Händen tragen mein Leben lang!

[HGt.02_025,24] Aber – was können wir denn hier tun? Was unserem Vater,
unserem Schöpfer, Ihm, dem heiligen Geber aller guten Gaben?! Ihm, der
zuerst uns selbst uns gegeben hat, der uns die herrliche große Erde gab wie zu
eigen für diese Zeit, – die Sonne, dies herrliche, wohltätige Licht, – die Sterne
als zahllose Leuchten der Nacht und so den Mond! Und wer könnte die Schätze
alle zählen, die Er uns gab?!

[HGt.02_025,25] Zu allem dem aber kam Er nun auch Selbst zu uns, um uns
alle noch mit unendlicheren Schätzen des ewigen Lebens für ewig zu bereichern!

[HGt.02_025,26] Zu bereichern durch Seine Liebe, Erbarmung und Gnade, zu


bereichern durch Sein lebendiges Wort, und mehr noch uns zu bereichern durch
die unaussprechlichsten Verheißungen!

[HGt.02_025,27] Höret, höret ihr Väter, Brüder und ihr Kinder alle! Was
können wir denn diesem – Wohltäter dafür tun? – Was Ihm geben, das wir
nicht zahllosfältig früher von Ihm empfangen hätten?!

[HGt.02_025,28] O Väter, Brüder und Kinder, das ist wahrhaft eine der
allergrößten und allerwichtigsten Fragen, – ja, das ist eine Frage und ein also
endlos zu beantwortender Sinn in ihr, daß dazu wohl die ganze Ewigkeit zu
kurz sein dürfte, um nur einen geringen Teil dieser Frage aller Fragen zu
beantworten!
[HGt.02_025,29] So jemand fragen möchte: ,Wieviel Sandkörner groß ist die
Erde, und wieviel Tautröpfchen enthält das ganze, fast endlos große Meer, und
endlich, wie viele Sternsonnen brennen in der ganzen weiten Unendlichkeit?‘, –
sehet, diese Fragen, so endlos groß sie auch zu klingen scheinen, möchte wohl
schon ein nur einigermaßen tiefsinniger Cherub vielleicht zur Genüge
beantworten! Ja, er möchte uns höchstwahrscheinlich den Sand der Erde auf
eine Art vorzählen, daß uns allen dabei das Hören und Sehen verginge, und
möchte uns die Tautröpfchen des Meeres auf eine Art vorführen, daß wir gar
bald gerne alle ausrufen würden: ,Verschone uns mit deiner großen Antwort;
denn wir haben schon mit einem Tröpfchen in die große Genüge!‘

[HGt.02_025,30] Und also auch würde er höchstwahrscheinlich nicht


ermangeln, uns die Zahl der Sternsonnen auf eine Art zu künden, daß darüber
die ganze Erde also erbeben möchte, als wenn ihr unser überheiligster Abedam
– wenn auch ganz leise – ankündigen möchte: ,Höre, du Treulose! Morgen will
Ich dich waschen im Feuer Meines Grimmes!‘

[HGt.02_025,31] O Väter, Brüder und Kinder, groß zwar, ja unerträglich groß


wären diese Antworten, – aber doch nicht unmöglich zu geben, wennschon für
uns Würmer im Staube ungenießbar!

[HGt.02_025,32] Saget und urteilet aber dagegen, welcher allergrößte und


allerweiseste der Urerzengel möchte sich denn an die gültige, ja – vor Gott
gültige Beantwortung der in dieser meiner Rede vorliegenden allerhöchsten
Hauptfrage wagen?!

[HGt.02_025,33] Sehet, das ist jener erhabenste Grund, ja – in dieser Frage


liegt er, über welchen die ganze Ewigkeit und die ganze Unendlichkeit ein
ununterbrochenes allerehrfurchtsvollstes Stillschweigen beachtet!

[HGt.02_025,34] Ja, – hier schweigt der hohe, erhabene Engel und sinkt
zerknirscht hin vor Dem, der ihn für ewig erschuf; denn auch ihm bleibt nichts
anderes zu tun übrig, als nur aus allen Kräften zu lieben und anzubeten den
überheiligen Vater, der ihn schon Ewigkeiten lang vorher geliebt hatte, ehe er
noch wesenhaft ward!
[HGt.02_025,35] Und alle die noch von keinem geschaffenen Engelsgeiste
gezählten Sonnen mit allen ihren großen Feuerbewohnern, was tun sie denn,
oder was können sie tun? – Höret! Unmöglich etwas anderes, als was der größte
Urerzengel tut: sie erfüllen in ihrer erhabenen ehrfurchtsvollsten Stille den
heiligen Willen des großen überguten Vaters; und das ist alles, was sie zu tun
vermögen. Ihr großes Lob kündet jede Sonne noch den endlos fernen
Schöpfungen, und also verkünden sie sich gegenseitig stille durch ihre weiten
Strahlen, daß nur ein Gott es ist und dieser Gott ein und derselbe heilige,
liebevollste Vater, der sie liebend schuf für Liebe, um zu lieben die fernen
dunklen Räume auch und sie zu beleben mit der Liebe des heiligen Vaters.

[HGt.02_025,36] O Väter, Brüder und Kinder, glaubet es mir, es ist die ganze
Erde voll der Liebe des heiligen Vaters; denn wäre sie es nicht, wahrlich, wir
hätten keinen Grund, darauf wir unsere Füße stellen möchten, und lange schon
hätte selbst unsere Leiber der schreckliche Abgrund der ewigen Unendlichkeit
verschlungen!

[HGt.02_025,37] Sehet also die lieberfüllte Erde, sehet die Sonnen, die da sind
voll der mächtigen Liebe des heiligen Vaters, darum sie tragen in weitgedehnten
Kreisen ihre Erden, wie diese uns, und den steten Säugling, den ernstlieblichen
Lehrer der Zeiten, den nächtlich uns leuchtenden Mond!

[HGt.02_025,38] Was ist die belebende Wärme der Sonne denn anderes als
Liebe?! Ja, Liebe des heiligen Vaters, in ihr ist sie! Und ihr Licht, ihr herrliches
Licht! Was ist es denn sonst – als nur der so hehr scheinende Flammenglanz der
heiligen Liebe des überguten, überheiligen Vaters in ihr?!

[HGt.02_025,39] O Väter, Brüder und Kinder, betrachtet, betrachtet doch nur


ein wenig die große Schöpfung um uns her; sie ist überall voll Liebe! Ja, ich sage
mit dem allertüchtigsten Grunde alles Lebens: Was ihr nur immer ansehen
möget – Kleines oder Großes, Nahes oder Fernes –, es strotzet alles zum
Aufspringen vor Liebe des heiligen Vaters.
[HGt.02_025,40] Alles, alles lobt, liebt und betet Ihn unablässig an. Keines
fragt wie wir: ,Was sollen wir tun? Wo sollen wir anfangen und wo enden das
große Lob des heiligen Vaters?‘, sondern in stiller, innerer Wonne erfüllen sie
den Willen des heiligen Vaters, und ferner Welten weite Räume sind noch
reichlich zeugend erfüllt von dem so mild, herrlich stillen Wirken einer
ehrfurchtsvoll still liebend ergebenen Sonne und anderer lieberfüllter Dinge!

[HGt.02_025,41] Nur wir Kinder, – höret! – wir Kinder eben dieses heiligen
Vaters, wir lebendigen Kinder können noch – im wesenhaften Angesichte des
Vaters fragen: ,Was sollen wir tun?‘ Eine Frage, die kein Engel ewig je
beantworten wird!

[HGt.02_025,42] Und doch fragen wir in der Mitte der Wunder der Liebe,
darum sie zerspringen möchten vor lauter Liebe: ,Was sollen denn wir tun?‘

[HGt.02_025,43] Nichts, – nichts können wir tun, als nur lieben Ihn aus allen
den von Ihm uns gegebenen Kräften und dankbar fröhlich genießen jegliche
Gabe der ewigen Liebe aus Ihm!

[HGt.02_025,44] Sonach, geliebteste Väter, Brüder und Kinder, da uns allen


diese Frage ganz völlig unmöglich zu beantworten ist und alle unsere
größtmöglichen Gedanken zu klein sich verhalten zu der Größe unserer Schuld
vor und zum allerheiligsten Vater, bleibt uns nichts anderes übrig, als unsere
Herzen soviel als nur immer möglich zu erweitern, um diesen unseren
überguten, überliebevollsten, überheiligsten Vater zu lieben über alles und, wenn
unsere Liebe den allerhöchsten Brennpunkt erklimmen wird, vor Ihm im Staube
unserer vollsten Nichtigkeit niederzufallen, vor Ihm uns zu demütigen bis auf
das letzte Atom unseres Seins und Ihn dann in dieser unserer völligsten
Zerknirschung mit nahezu stummer Zunge im Geiste der reinsten Liebe und
aller Wahrheit aus ihr anzubeten!

[HGt.02_025,45] Nicht Brandopfer, nicht das Blut der Tiere, nicht der Rauch
von den verbrannten Weizen- und Kornähren, sondern allein die im Geiste und
in der Wahrheit reinen Vollbrandopfer unserer Herzen sind es, daran der
überheilige Vater ein Wohlgefallen hat.
[HGt.02_025,46] Darum wollen wir Ihm auch da, wo es Ihm am allermeisten
wohlgefällt, nicht tote, sondern lebendige Opferaltäre errichten, auf welchen
gleich wie in der neuen Hütte der herrlichen Purista die reine Flamme unserer
Liebe nimmerdar erlöschen soll, sondern nur stets gewaltiger und gewaltiger
auflodern zur alleinigen Ehre Dessen, – der nun überheilig unter uns weilt!

[HGt.02_025,47] Ein jeder tue nach seinen Kräften und nach seinem
Vermögen; denn wie es nicht gibt Blumen einer und derselben Art, sondern ihre
Geschlechter ins also Endlose gehen, daß der Erde letzte Bewohner nicht
einmal alle kennen werden, und es also auch gibt des Grases, der Bäume, der
Tiere und also auch der Sterne am Himmel, – also gibt es auch nach der
allerhöchstweisen Ordnung Jehovas, unseres allerheiligsten Vaters, in jedem
anderen Menschen undenkbar verschiedene Grade von geistigen Kräften aller
guten Arten und also auch verschiedene Vermögen der Seele im Menschen.

[HGt.02_025,48] So jemand da hat ein starkes Herz, der sei auch stark in der
Liebe, auf daß durch die Liebe auch alle seine anderen Kräfte zum Leben
gestärkt werden!

[HGt.02_025,49] Wer da hat ein starkes Gesicht, der leite die Brennpunkte
seiner Sehe in sein Herz, auf daß dadurch sein Dankopfer in ihm die lebendige
Flamme fange, vollauf erbrenne und also sein Geist lebendig erstarke in der
wahren Liebe zu Gott, der da ist unser liebevollster, überheiliger Vater nun
unter uns allen, sichtbar uns allen!

[HGt.02_025,50] Wer da hat ein starkes Gehör, der kann seine Schalltrichter
hinwenden zu den Ohren seines Herzens, damit dadurch alles vernommene
Getöne sich eine im Herzen zu einem wahren, kräftigen, dem Vater
wohlgefälligen Lobgesange vor dem lebendigen Opferaltare der Liebe und alles
wahren Lebens aus ihr in uns!

[HGt.02_025,51] Wer da ist gar stark in seinen Gedanken über allerlei Dinge,
der leite alle diese seine Gedanken zurück ins Herz; ja, in die Tiefe seines
Herzens versenke er alle seine Gedanken, allda der lebendige Opferaltar der
reinen Liebe aufgerichtet ist, lege sie da auf diesen geheiligten Altar und
entzünde sie alle da mit der sonst vielleicht schwächeren Flamme seiner Liebe,
damit dadurch lebhafter diese Flamme werde und Gott wohlgefälliger und er
desto lebendiger durch und durch!

[HGt.02_025,52] Wer da stark ist im Empfinden, auch der leite diese reiche
Ölquelle hin auf den Altar der reinen Liebe im Herzen, damit die Flamme eine
beständige Nahrung habe zur allerschuldigsten Verherrlichung des größten und
allerheiligsten Namens Jehova in uns!

[HGt.02_025,53] Wer da ist stark in Wahrnehmungen aller Art, diese


Wahrnehmungen sind das frische Holz, das da jeder Hungrige und Durstige
nach der Kost des Lebens zur Hütte der Purista als eine Mitopferung bringen
soll.

[HGt.02_025,54] Dieses Holz also leget reichlich auf den Altar des lebendigen
Heiligtums in uns, damit dadurch die Flammen reicher und reicher werden zum
wahren Preise und Lobe Dessen, dem es also wohlgefiel, Sich in unseren
Herzen eine heilige, lebendigste Wohnung zu errichten!

[HGt.02_025,55] Wer da stark ist in der Nächstenliebe, der führe seine Brüder
und Schwestern in diese reine Hütte des Herrn, und versehe sie da reichlichst
mit der Kost des Lebens! Wahrlich, das ist dem liebevollsten, heiligsten Vater
der allerangenehmste Lobgesang, so sich ärmere Brüder und Schwestern
reichlich an der Zahl in unserem Herzen an der heiligen Flamme der reinen
Liebe in uns wärmen und zehren mit dankbarem Gemüte voll Freuden von der
gastlichen Küche der herrlichen Purista in uns!

[HGt.02_025,56] O Väter, Brüder und Kinder! Wahrlich, wahrlich, wahrlich, –


wir können nichts Größeres und dem heiligen Vater nichts Wohlgefälligeres
tun, als so wir mit großer Liebe, Dienstfertigkeit und aller Freigiebigkeit unsere
ärmeren Brüder und Schwestern, wenn sie selbst aus der Tiefe zu uns kämen,
mit großer Freudigkeit und Freigiebigkeit aufnehmen und ihnen den bei weitem
größeren Topf, als der für uns bestimmte es ist, aufsetzen und sie früher sättigen
und tränken denn uns selbst!
[HGt.02_025,57] Überaus wohlgemerkt: ja früher – denn uns selbst! Denn
sonst wird sich der hohe, heilige Gast, der nun auch in uns allen die heilige
Küche der Purista errichtet hat, wohl schwerlich je einfinden, da Speise der
Liebe nehmen und uns segnen mit dem ewigen Leben!

[HGt.02_025,58] Väter, Brüder und Kinder! In was immer alsonach sich sicher
jemand stark fühlt, der denke und glaube es lebendig, daß da jegliche Stärke in
uns ist eine Gnadengabe des überheiligen Vaters!

[HGt.02_025,59] Was wäre demnach ein Mensch, der da hätte irgendeine


Stärke und möchte dieselbe also benützen, als wäre sie pur sein eigen?

[HGt.02_025,60] Ich sage euch, eine größere Eigenliebe könnte es gar nicht
geben!

[HGt.02_025,61] Denn so sich jemand da irgendein Werk seines Bruders


zueignen möchte, der wäre doch sicher auch voll der Eigenliebe; aber da hätte er
es doch nur mit seinem Bruder zu tun und wäre ein arger Dieb gegen seinen
Bruder.

[HGt.02_025,62] Bei der Zueignung einer Gabe Jehovas aber hat er es mit
Gott zu tun, der da ist unser aller liebevollster, heiligster Vater, und dem allein
alle Dinge, wie alle Mächte und Kräfte und Gewalten völlig zu eigen sind.

[HGt.02_025,63] Sehet und höret und verstehet es: da wird ein solcher
Eigenliebler ein Dieb gegen Gott, – welches da ist der Eigenliebe höchster
Grad!

[HGt.02_025,64] Wahrlich, in diesem Falle hört der Mensch auf, ein Kind des
heiligsten Vaters zu sein, so zwar, daß er sich dadurch selbst dem Gerichte
überliefert und wird bloß ein Geschöpf nur, und bessert er sich nicht, ein Kind
der Schlange sogar, ein Kind des Todes, und also auch ein Kind des Zornes und
des Grimmes, ein Kind der Hölle, die da ist ein ewiges Grab voll des Fluches,
voll der Verdammnis und voll des Zorngrimmfeuers aller ewigen Verworfenheit!
[HGt.02_025,65] Daher – wie es schon gesagt wurde, liebe Väter, Brüder und
Kinder! –, wer da von euch was immer für eine überwiegend fühlbare Stärke hat,
der betrachte sie ja nicht als irgendein Eigentum, sondern als ein immerwährend
neues Geschenk vom heiligsten Vater, und gehe mit diesem alsbald in die Hütte
der Purista im eigenen Herzen, lege diese heilige Gabe auf den Opferaltar im
eigenen Heiligtume, trage dann selbst frisches Holz der wahren inneren Demut
zu diesem heiligen Herde, lege es auf die vielleicht schon matte Flamme der
reinen Liebe, damit diese wieder helle auflodere und die geopferte Gabe ergreife
und sie verzehre zum alleinigen Lobe, Ruhme und Preise Dessen, der da ist der
alleinige heilige Geber aller solcher guten Gaben und da heißt Jehova, Gott von
Ewigkeit, unendlich und über alles heilig und allmächtig, unser überheiliger
Vater, voll der höchsten Liebe, Gnade und aller Erbarmung!

[HGt.02_025,66] Denn nur Ihm allein gebührt alle Liebe, alles Lob, alle Ehre,
aller Ruhm, aller Preis und alle Anbetung.

[HGt.02_025,67] Was aber ist die wahre, reine Liebe in uns zu Gott? Sie ist die
innigste Vereinigung unseres gesamten Lebens mit dem Leben alles Lebens in
Gott, aus welchem Leben alles Leben, alles Sein und alle Dinge hervorgegangen
sind!

[HGt.02_025,68] ,Gott allein lieben‘ heißt demnach nichts anderes, als in Gott
Selbst ein neues, ewig unsterbliches, unvergängliches Leben beginnen, und
zwar dadurch, daß wir alle unsere Kräfte als lauter Gaben des heiligsten Vaters
auf den Altar in unserer eigenen von Gott errichteten Speisehütte des Geistes
legen, dann hernach das heilige Flämmchen mit dem frischen Holze unserer
Demut unterstützen, auf daß da ein Vollbrand wird, der alsonach alle unsere
geopferten Kräfte ergreift, sie verzehrt und uns weltlichermaßen vernichtet.

[HGt.02_025,69] Aber eben aus dieser Vernichtung geht erst dann ein neues
Leben hervor, ja ein Leben in Gott, unser aller liebevollstem heiligem Vater!
[HGt.02_025,70] Das ist der verordnete größte Speisetopf in der heiligen
Hütte der herrlichen Purista. So darin die Früchte vollends weich gekocht
werden, wird der hohe heilige Gast dann auch kommen und wird daselbst am
heiligen Kindertische mit Seinen Kindern eine neue Mahlzeit halten, eine
Mahlzeit der ewigen Liebe, Gnade und Erbarmung, ja eine Mahlzeit zum
ewigen Leben!

[HGt.02_025,71] Sehet, so wir solches tun, so ist das ein rechtes Lob, eine
rechte Ehre, ein wahrer Ruhm, ein für uns höchster Preis und in unserer
endlichen Vernichtung im heiligen Feuer der reinen Liebe in uns die allein
wahre Anbetung, da wir da wahrhaft im Staube unserer vollkommenen
Nichtigkeit vor Gott darniederliegen und uns einen in und durch das uns
verzehrende Feuer der Liebe auf dem neuen Opferaltare in unseren Herzen mit
Gott, mit unser aller liebevollstem, allerheiligstem Vater!

[HGt.02_025,72] Wahrlich, wahrlich, liebe Väter, Brüder und Kinder, so


jemand nicht sich selbst ganz opfern wird auf diesem uns allen nun zur Genüge
bekannten Altare in der Hütte der herrlichen Purista in uns und wird sich nicht
verzehren lassen zu Staub, Rauch und Asche, – wer sonach nicht diese wahre
Feuerprobe wird bestehen wollen, der wird den sicheren Tod nicht aus sich
bringen, und nie wird ihm eine Ghemela zum Lohne des ewigen Lebens
werden!

[HGt.02_025,73] Wer da lebt und atmet und empfindet die endlose Wohltat
des Lebens und fühlt die unaussprechliche Süßigkeit desselben, der bedenke
wohl, daß dies irdische Leben nur ein Probeleben ist und ist in allem eine Gabe
des heiligen Vaters.

[HGt.02_025,74] Wer es sich törichterweise wird aneignen wollen, wird es


verlieren auf ewig, wer es aber in allem dem großen, heiligen Geber wieder also,
wie es nun zur Genüge gezeigt wurde, wieder anheimstellen wird, sich selbst
opfernd, der wird es behalten im reinsten Vollbestande für ewig, ewig, ewig in
Gott, unser aller heiligstem, liebevollstem Vater!
[HGt.02_025,75] Da wir aber nun alle vernommen haben, was da jedem von
uns allen not tut vor Gott, so lassen wir es bei dem alleinigen Vernehmen nicht
verbleiben, sondern machen das Vernommene durch Worte im eigenen Herzen
vernehmbar, damit es von da übergehe in das Blut und vom Blute in alle Glieder
unseres Wesens zur lebendigen Tat; denn so jemand das wahre, lebendige Wort
aus Gott Selbst vernommen hat und ist ihm dadurch der Weg gezeigt worden,
ja gezeigt der kürzeste und sicherste Weg, und er wandelt nicht sogleich
vollkommen diesen Weg, der ist doch sicher ein allergrößter Tor, ein
allerträgster Ochse und ein allerdümmster Esel darum, da ihn die Kraft des
lebendigen Wortes ohnehin schon während des alleinigen Vernehmens gestärkt
und wenigstens schon zur Hälfte lebendig erweckt hat, und er es dann überleicht
hätte, durch seines eigenen freien Willens Tätigkeit sich vollends zu beleben.

[HGt.02_025,76] Also, nicht beim alleinigen Vernehmen lasset es bewendet


sein, sondern zur Tat, zur lebendigen Tat trage ein jeder tief in seinem Herzen
diese Worte, so wird er sein ein wahrhaft Weiser in der Ordnung Jehovas,
darum ihm lieber sein wird ein lebendiges Haus von tausend im schönsten
Kreise stehenden schlanksten Zedern denn ein totes von behauenen Tannen, die
da zwar auch in die Erde gesteckt sind, aber da sie selbst tot sind, so verfaulen
sie auch bald in der Erde, und weht dann irgendein Sturm über diese toten
Häuser, da stürzen sie alsbald ein und ertöten ihre Inwohner.

[HGt.02_025,77] Das Haus aus den lebendigen Zedern ist ein sicheres Haus,
indem wir allzeit den rechten Schutz finden darinnen.

[HGt.02_025,78] So wir aber den Samen legen in die Erde, damit wir aus ihm
mit der ehestmöglichen Zeit zu einem lebendigen Hause kommen möchten,
und zwar in dem Kreise wir den Samen gelegt haben, in dem möchten wir auch
schon unser lebendiges Haus erschauen, – müssen wir da aber trotz unserer
großen Begierde zum lebendigen Hause nicht zur nötigen Geduld übergehen
und unterdessen ruhig wohnen in den behauenen toten Hütten, bis das
lebendige Haus völlig dicht und reif dasteht und wir es dann beziehen können?!
Und haben wir es einmal bezogen, wie voll Freuden sind wir da darum, daß wir
ein also festes lebendiges Haus nun haben, das uns wohl decken kann vor
jeglichem Sturme!
[HGt.02_025,79] Aber wie oft läuft der Mensch mehrere Jahre hindurch mit
dem Wasserschlauche um den Bäumchenkreis herum und begießt jegliches
sorgsam, damit sie sich ja recht bald hoch über den Erdboden erheben sollen,
und er die Stämme bald möchte mit den duftenden Zweigen des Myrten-,
Lorbeer- und Balsampalmbaumes einzuflechten anfangen, und die Klüfte
auszustopfen mit dem reichlichen Speick der Schafherdenhöhen, und mit
wohlduftendem Moose, und also auch sonach vom Hauptmittelbaume ein
wohlgeflochtenes Dach aus dem unzerstörbaren Goldstroh zu spannen bis zu
den Seitenwandbäumen!

[HGt.02_025,80] Sehet, solches nennen wir weise; ja, solches ist auch wahrhaft
weise getan! Übertragen wir aber diese weise Handlungsweise auch auf uns
selbst!

[HGt.02_025,81] Der allergesündeste Same ist nun im Übermaße ausgestreut.


Des lebendigsten Wassers haben wir nun auch in der größten Menge. Der
große, heilige, allmächtige Baumeister aller Dinge ist sichtbar unter uns. Wir
sind alle erweckt. Wir sind in der heiligen Mitte des hellsten Tages. Die
Herdealpen spenden schon überherrlich von den wohlduftenden Kräutern reiche
Wohlgerüche zu uns herab. Das Goldstroh ist allenthalben in großer Überfülle
schön geraten vorhanden.

[HGt.02_025,82] Wie wenig alsonach geht uns noch ab, zum Besitze der
lebendigen Häuser im Geiste zu gelangen; o denket, denket doch, wie sehr
wenig!

[HGt.02_025,83] Und so denn ergreifen wir alle lebendigst tätig das lebendige,
heilige Wort, das da ist ein Wort alles Lebens, aller Macht und aller Kraft
unmittelbar aus Gott Selbst, und des Lamechs Lohn, die himmlische Ghemela
oder die sich über alle Begriffe mild und sanft herablassende Liebe des
überheiligen Vaters wird uns nicht entgehen! Ja sie ist schon bei uns; aber nur
ergreifen müssen wir sie lebendigst, so werden wir das Ziel erreichen, das uns
die endlose Güte und Liebe des überheiligen Vaters selbst vorgesteckt hat! Ein
herrliches Ziel, ja ein überherrliches Ziel! Ein Ziel des allervollkommensten,
ewigen Lebens!
[HGt.02_025,84] Wahrlich, wenn das nicht aller unserer geringen
Anstrengungen würdig ist, so soll bei aller meiner mir nun gediegenst
inwohnenden Kraft, Macht und Gewalt aus Gott, – ja ihr zur sicheren Folge soll
die ganze Schöpfung in ihr altes Nichts zurückkehren und wir als Kinder mit
ihr!

[HGt.02_025,85] Einen Eid schwöre ich euch, ein großes Wahrzeichen gebe
ich euch allen in der nun sichtbaren Gegenwart Jehovas, der da war, ist und ewig
sein wird mein steter, mächtiger Zeuge, und sage nun, wie ich bisher jegliches
Wort gesprochen habe, in Seinem Namen:

[HGt.02_025,86] Wahrlich, wahrlich, wahrlich, – die ganze sichtbare


Schöpfung drückt zu Tode ein alter zwiefach harter Fall! Mit alter Sünde ist alle
Welt befleckt; auf uns alle hat sich der Tod vererbt, einmal im Geiste, und
einmal im Fleische.

[HGt.02_025,87] Kann Gott vermöge Seiner allerhöchsten Heiligkeit uns aber


auch das Fleischleben nicht wiedergeben, so aber hat Er Sich doch in Seiner
unendlichen Liebe unseres Geistes erbarmt und hat uns sonach im Geiste
wieder zu Kindern Seiner Gnade, Erbarmung und endlosen Liebe
aufgenommen, damit wir wieder des ewigen Lebens möchten teilhaftig werden.

[HGt.02_025,88] Väter, Brüder und Kinder, jetzt ist es vor uns, das Leben und
der Weg zu Ihm: Liebe das Leben, Demut der Weg! Ergreifen wir es mutig und
tun darnach, so werden wir in dieser großen Nähe des großen Urhebers und
Urborns alles Lebens sicher nicht in den Tod übergehen, sondern nur in das
ewige Leben selbst, welches nun zu uns gekommen ist und sicher auch ewig bei
und in uns verbleiben wird! Amen, Amen, Amen."