Sie sind auf Seite 1von 10
Hintergrund: Flüchtlingskrise und der Mittlere Osten „Viele Menschen werden bleiben!“ Ulrich Wacker & Dr. René
Hintergrund: Flüchtlingskrise und der Mittlere Osten „Viele Menschen werden bleiben!“ Ulrich Wacker & Dr. René
Hintergrund: Flüchtlingskrise und der Mittlere Osten „Viele Menschen werden bleiben!“ Ulrich Wacker & Dr. René

Hintergrund:

Flüchtlingskrise und der Mittlere Osten

Hintergrund: Flüchtlingskrise und der Mittlere Osten „Viele Menschen werden bleiben!“ Ulrich Wacker & Dr. René

„Viele Menschen werden bleiben!“

Ulrich Wacker & Dr. René Klaff

Zusammenfassung Aktuellen Schätzungen zufolge werden im laufenden Jahr 2015 bis zu 800.000 Menschen Asyl in Deutschland beantragen. Ein Großteil davon sind Flüchtlinge aus den Bürgerkriegsgebieten des arabischen Ostens, dem Maschrek, vor allem aus Syrien, aber nach wie vor auch aus dem Irak. Weite Teile dieser Länder sind zer- stört, und ihre traditionellen demographischen und sozialen Strukturen sind es ebenso. Die meisten der aus ihrer Heimat geflohenen Menschen werden nicht ein- fach irgendwann dorthin zurückkehren können; viele werden lange Jahre oder für immer in ihren Aufnahmeländern bleiben müssen oder bleiben wollen. Dies stellt nicht nur Deutschland und seine europäischen Nachbarn, sondern auch und vor allem die Aufnahmeländer im Nahen Osten vor große Herausforderungen. Im Libanon und in Jordanien wie auch in der Türkei erreichen die Flüchtlingszah- len ganz andere Dimensionen als in Europa. Politik und Gesellschaft in den Auf- nahmeländern müssen sich diesen Herausforderungen stellen sowohl den kurz- fristigen, vornehmlich humanitären Aufgaben der ersten Grundversorgung als auch den langfristigen der Integration.

Vor welchen konkreten Herausforderungen stehen der Libanon und Jordanien, wie gehen Politik und Gesellschaft beider Länder mit ihnen um und welche Rück- schlüsse lassen sich daraus für die politische Debatte in Deutschland ziehen?

1. Die Auswirkungen syrischer Flüchtlingsströme auf Jordanien und den Libanon Staat und soziales Gefüge Nach
1. Die Auswirkungen syrischer Flüchtlingsströme auf Jordanien und den Libanon Staat und soziales Gefüge Nach
1. Die Auswirkungen syrischer Flüchtlingsströme auf Jordanien und den Libanon Staat und soziales Gefüge Nach

1. Die Auswirkungen syrischer Flüchtlingsströme auf Jordanien und den Libanon

Staat und soziales Gefüge Nach Schätzungen sind bislang im Zuge des Bürgerkrieges in Syrien 12 bis 13 Mio. Menschen heimat- los geworden. Mehr als die Hälfte davon leben als Binnenflüchtlinge (Internally Displaced Persons, IDP) weiterhin innerhalb der syrischen Grenzen, aber mindestens 4,5 Mio. Syrer haben das Land be- reits verlassen und diese Zahl steigt stetig an. Während gerade im Sommer dieses Jahres der Zu- strom syrischer Flüchtlinge nach Europa ungeahnte Dimensionen annimmt, darf nicht übersehen wer- den, dass die primären Zufluchtsorte der Bürgerkriegsflüchtlinge die Nachbarstaaten Libanon und Jor- danien (und die Türkei) sind. Gegenwärtig leben über 1,4 Millionen Syrer (davon 650.000 registrierte Flüchtlinge) unter knapp sieben Millionen Jordaniern und bis zu zwei Millionen Syrer unter knapp fünf Millionen Libanesen. Die gesellschaftlichen Verwerfungen in beiden Ländern sind erheblich.

Verwerfungen in beiden Ländern sind erheblich. Syrische Flüchtlingskinder in Mar Elias - Bekaa-Tal,

Syrische Flüchtlingskinder in Mar Elias - Bekaa-Tal, Libanon

Auf mittlere Sicht ist in und für Syri- en keine Lösung der Konfliktursa- chen, kein Ende der Kämpfe und schon gar „keine haltbare Wiederher- stellung von Staatlichkeit und inne- rem Frieden zu erwarten“ (V. Perthes, SWP). Die aktuellen Fluchtursachen bleiben deshalb bestehen, die Men- schen müssen in ihren Aufnahmelän- dern verharren. Dort verändern die Flüchtlinge Demographie, Gesell- schaft, staatliche Dienstleistungen, Wohnungsmarkt, Gesundheitswesen, Erziehungssystem und den Arbeits- markt. Steigende Preise und Mieten,

Inflation, Arbeitslosigkeit durch par- tielle Verdrängung der einheimischen Bevölkerung vom Arbeitsmarkt, das ungeregelte Wachstum von Kommunen, enorme zusätzliche Belastungen im Bildungs- und im Gesundheitssystem und, daraus folgend, lokale Spannungen sind zu bewältigen von staatlichen Verwaltungen, die nur begrenzte öffentliche Mittel zur Verfügung haben und schon unter normalen Umständen eine vergleichsweise geringe Planungs- und Implementierungseffizienz aufweisen. Geraten angesichts der Flüchtlingsprob- lematik dieser Tage schon die starken deutschen Institutionen vielfach an die Grenzen ihrer Leistungs- fähigkeit, so sind die schwachen Institutionen Jordaniens und vor allem des Libanon bei der Deckung des zusätzlichen Leistungsbedarfs massiv überfordert.

Die konfessionelle Demokratie des Libanon ist schon durch widerstreitende Interessen der unterschied- lichen ethnisch-religiösen Gemeinschaften und deren internationale Loyalitäten unter Druck; nun be- lastet der Zufluss syrischer Flüchtlinge, die in ihrer großen Mehrheit Muslime sind, das komplizierte, nach einem christlich-muslimischen Proporz gewobene Geflecht der sozialen und politischen Struktu- ren des Landes. Die öffentlichen Einrichtungen sind überfordert. Dies umso mehr, da der Libanon keine Politik der Aufnahme der Syrer in Lagern verfolgt; vielmehr werden die Menschen in zumeist sunniti- schen Dörfern aufgenommen und campieren hier in jeder freien Lücke. Ohne starke staatliche Institu- tionen fallen die Aufgaben der Betreuung und Versorgung der Flüchtlinge geradezu selbstverständlich

internationalen Hilfsorganisationen zu, deren Effizienz aber darunter leidet, dass die koordinierende Hand des Staates
internationalen Hilfsorganisationen zu, deren Effizienz aber darunter leidet, dass die koordinierende Hand des Staates
internationalen Hilfsorganisationen zu, deren Effizienz aber darunter leidet, dass die koordinierende Hand des Staates

internationalen Hilfsorganisationen zu, deren Effizienz aber darunter leidet, dass die koordinierende Hand des Staates fehlt.

In Jordanien steuern demgegenüber die staatlichen Institutionen die Aufnahme und Betreuung. Hier leben 85% der syrischen Flüchtlinge außerhalb der großen Lager in Kommunen, überwiegend städtischen Gebie- ten. Die Spannungen zwischen der einheimi- schen Bevölkerung und den Flüchtlingen sind überall zu spüren, zugleich ist die Aufnahme und Versorgung so vieler Menschen in dem an Ressourcen armen Land bislang erstaun- lich ruhig verlaufen. Aber es gärt, weil die einheimische arme Bevölkerung klagt, dass öffentliche Mittel weniger ihr als vielmehr den Flüchtlingen zu Gute kommen. In Jorda-

nien wie im Libanon lebt der Großteil der Flüchtlinge gerade in den Regionen mit den höchsten Ar- mutsraten, dem jordanischen Norden und der libanesischen Bekaa-Ebene sowie dem Norden des Liba- non. Besonders dort ist der soziale Frieden in den Gemeinden gefährdet.

dort ist der soziale Frieden in den Gemeinden gefährdet. Flüchtlingslager Zaatari – im Norden Jordaniens

Flüchtlingslager Zaatari im Norden Jordaniens

Wirtschaft Die Volkswirtschaften beider Länder waren bereits vor Ausbruch der Flüchtlingskrise belastet. Mit den Instabilitäten des Arabischen Frühlings hatten Auslandsinvestitionen und die Zahl der Touristen abge- nommen, mit der Zuspitzung der Situation in Syrien und Irak gingen schließlich Handelsräume und Märkte verloren. Nun kommen, auch angesichts einer unzulänglichen Infrastruktur und von Versor- gungsengpässen, weitere hohe Belastungen auf die Staatshaushalte zu. Wohlstand und Lebensstan- dard sinken (das GDP des Libanon ist 2014 um 2,9 Prozent zurückgegangen, das Jordaniens um 1 Pro- zent), und die Arbeitslosigkeit unter der einheimischen Bevölkerung steigt: im Libanon um 10 Prozent, in den am stärksten von Flüchtlingen betroffenen Gouvernoraten Jordaniens um 8 Prozent. Dabei trifft die Überlastung der Systeme alle Menschen gleichermaßen.

Sicherheit Neben allen sozioökonomischen Belastungen stellen der Zusammenbruch staatlicher Ordnung in Syri- en (und auch im Irak) sowie die Aufnahme der Flüchtlinge beide Länder auch vor ein Sicherheitsprob- lem. Die US-Regierung stuft die Gefahr politischer Gewalt bis hin zu terroristischen Anschlägen für Jordanien als hoch ein und beschränkt die Freizügigkeit ihrer Mitarbeiter. Libanon gilt als „critical“, es besteht eine Reisewarnung für das ganze Land. Immer wieder werden geplante schwere Anschläge vereitelt.

Die syrischen Flüchtlinge sind zwar zunächst Opfer der unterschiedlichen Konfliktparteien, die ihr Land derzeit verwüsten und die Zivilbevölkerung dabei nicht schonen; aber unter ihnen finden sich auch Akteure des syrischen Konflikts. Die Flüchtlinge haben nicht nur ihre Heimat und ihre Existenz- grundlagen, sondern zumeist auch Familienangehörige und Freunde verloren. Der Hass auf die jeweils verantwortlichen Akteure für Vertreibung, Tod und Elend hört nicht an den Landesgrenzen auf, und so besteht für die Aufnahmeländer durchaus die Gefahr, dass der syrische Bürgerkrieg auf ihrem Boden fortgesetzt wird. In der libanesischen Hafenstadt Tripoli ist es bereits zu bewaffneten Auseinanderset-

Hintergrund: Flüchtlingskrise und der Mittlere Osten Nr. 55 / September 2015

|

3

zungen rivalisierender Gruppen verschiedener Stadtteile gekommen. Auch in den Flüchtlingslagern Jordaniens sind die
zungen rivalisierender Gruppen verschiedener Stadtteile gekommen. Auch in den Flüchtlingslagern Jordaniens sind die
zungen rivalisierender Gruppen verschiedener Stadtteile gekommen. Auch in den Flüchtlingslagern Jordaniens sind die

zungen rivalisierender Gruppen verschiedener Stadtteile gekommen. Auch in den Flüchtlingslagern Jordaniens sind die politischen Akteure Syriens präsent und versuchen, die Lagerbevölkerung politisch zu organisieren. Jordanien ist logisches Anschlagsziel des Islamischen Staates (IS), weil das Land ein wichtiges Mitglied in der internationalen Anti-IS-Koalition ist. In der Vergangenheit gab es offene Versuche der Rekrutierung von Kämpfern im jordanischen Lager Zaatari, der IS soll bereits über Zellen im Land verfügen. Geheimdienst und Sicherheitsbehörden schützen zwar die Unversehrtheit von Bür- gern und Ausländern professionell und bislang zuverlässig, aber es gilt in beiden Ländern, Infiltratio- nen durch Agitatoren des Assad-Regimes oder des IS, der Nusra-Front und ihrer Ableger zu verhin- dern. Dies ist eine zentrale Voraussetzung zur Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit und der Stabi- lität der Aufnahmeländer.

2. Staatliche und kommunale Herausforderungen bei der Eingliederung syrischer Flüchtlinge in Jordanien und im Libanon

Seit Beginn der Krise sind in Jordanien 100.000 und im Libanon 120.000 syrische Kinder geboren wor- den; außerhalb des Landes wächst eine neue Generation von Syrern heran auch in Deutschland. Ein längerer Verbleib der syrischen Flüchtlinge in ihren Aufnahmeländern führt unweigerlich dazu, dass hier Menschen aufwachsen, die vielleicht ihr Leben lang dem Flüchtlingsstatus nicht mehr entkommen ähnlich, wenn auch aus anderen Gründen, den palästinensischen Flüchtlingsgemeinschaften.

Gründen, den palästinensischen Flüchtlingsgemeinschaften. FNF-Bildungsbus - syrische und libanesische Jugend bei einer

FNF-Bildungsbus - syrische und libanesische Jugend bei einer der Schulungen zur Konfliktbewältigung für syrische Flüchtlinge

Jordanien und der Libanon verfolgen derzeit keine Strategien zur Eingliede- rung der syrischen Flüchtlinge, um keine Anreize für deren dauerhaften Verbleib in den beiden Ländern zu schaffen. An- gesichts der politischen Realitäten müs- sen jedoch Konzepte dafür entwickelt werden, denn Syrien auch ein Nach- kriegs-Syrien wird ein politisch insta- bilerer und unsicherer Staat bleiben als Jordanien und selbst der Libanon; viele syrische Flüchtlinge werden deshalb auf absehbare Zeit nicht zurückkehren wol- len. Dies erfordert langfristige Konzepte zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung

der Länder, besonders mit Blick auf die Integrationsfähigkeit in den aufnehmenden Gemeinden. Da die große Mehrheit der Flüchtlinge nicht in Lagern lebt, müssen Entwicklungsinvestitionen für die Gesamtgesellschaften getätigt werden eine Differenzierung in Investitionen für Libanesen bzw. Jordanier auf der einen Seite und Syrer auf der anderen ist schon praktisch gar nicht mehr möglich. Dies schließt die Notwendigkeit zu verstärkten Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft ein, sich am dauerhaften Ausbau von Infrastruktur- und Entwicklungsprojekten zu beteiligen. Besonders in Jordanien arbeiten internationale Hilfsorgani- sationen bereits heute hoch professionell, die Erfassung der Flüchtlinge mittels biometrischer Daten erlaubt die schnelle, elektronische, kostengünstige Zuteilung von Hilfsleistungen und sorgt für verläss- liche, glaubwürdige Daten.

Die zentralen Problemdimensionen lassen sich schlaglichtartig folgendermaßen zusammenfassen: Versorgung mit
Die zentralen Problemdimensionen lassen sich schlaglichtartig folgendermaßen zusammenfassen: Versorgung mit
Die zentralen Problemdimensionen lassen sich schlaglichtartig folgendermaßen zusammenfassen: Versorgung mit

Die zentralen Problemdimensionen lassen sich schlaglichtartig folgendermaßen zusammenfassen:

Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wohnraum und kommunalen Dienstleistungen Besorgniserregend ist, dass die zentralen Hilfswerke UNHCR und World Food Programme (WFP) keine ausreichenden Mittel mehr zur Verfügung haben. Da zwei Drittel der syrischen Flüchtlinge in Armut leben, ist die Aussage des WFP dramatisch, dass ebenfalls zwei Drittel der registrierten syrischen Flüchtlinge in Jordanien (440.000 von 650.000) nicht mehr ausreichend mit Lebensmitteln bzw. Le- bensmittelgutscheinen versorgt werden können. Allein die tägliche Versorgung der 100.000 Lager- flüchtlinge erfordert die tägliche Menge von 20 Tonnen Brot.

erfordert die tägliche Menge von 20 Tonnen Brot. Mahlzeitzubereitung im Lager Mar Elias - Bekaa-Tal, Libanon

Mahlzeitzubereitung im Lager Mar Elias - Bekaa-Tal, Libanon

In Jordanien leben etwa 15% der Syrer in Lagern, 85% (im Libanon 57%) in angemietetem oder er- worbenem, festem, oft nicht fertiggestelltem Wohnraum oder in gewerblichen Gebäuden. Aus den Camps abgewanderte Syrer kehren wieder dorthin zurück, wenn sie die Lebenshaltungskosten in urba- nen Regionen nicht mehr tragen können. Grund- stückspreise haben sich teilweise verdoppelt, das Mietpreisniveau hat sich regional vervierfacht. Syrer konkurrieren mit Jordaniern und Libanesen um Wohnraum, und junge einheimische Paare haben kaum mehr Chancen auf den Erwerb von Eigentum.

So sind etwa im libanesisch-syrischen Grenzort Mar Elies zu 50.000 Libanesen 70.000 Syrer hinzugekommen. Sogar vormalige Legehennen-Batterien wer- den umgebaut, um Flüchtlinge aufzunehmen. Syrische Familien teilen sich Wohnungen, um Ausgaben zu sparen; sie schicken ihre Kinder vielfach nicht in die Schule, sondern zum Arbeiten, um sich das Leben außerhalb der Camps leisten zu können.

Die Wasserversorgung funktioniert vor allem im Sommer nicht mehr ausreichend, pro Kopf ist weniger Wasser vorhanden. Der ungleiche Zugang zu Wasser schürt Spannungen, Syrer wie Einheimi- sche müssen Wasser privat erwerben, die Wasser- qualität sinkt. Die Abwassersysteme sind überlastet und drohen, das Trinkwasser zu verunreinigen. Septische Abwassertanks werden unbehandelt irgendwo ausgeleert. Das Müllaufkommen hat sich teilweise verdoppelt, die Kommunen haben weder Fahrzeuge oder Müllcontainer noch das Personal, um den Müll angemessen zu entsorgen. Straßen

sind überlastet, die Kommunen haben kein Geld, um den erhöhten und verteuerten Strombedarf zu finanzieren. Dies betrifft Jordanien wie den Libanon gleichermaßen.

Dies betrifft Jordanien wie den Libanon gleichermaßen. Syrische Flüchtlingsfrauen bei gegenseitiger Schulung zu

Syrische Flüchtlingsfrauen bei gegenseitiger Schulung zu Fragen

der Gesundheit, Familien-Planung und Gewaltprävention

Zugang zum Gesundheitswesen Der für syrische Flüchtlinge in Jordanien anfangs kostenlose Zugang zum Gesundheitswesen
Zugang zum Gesundheitswesen Der für syrische Flüchtlinge in Jordanien anfangs kostenlose Zugang zum Gesundheitswesen
Zugang zum Gesundheitswesen Der für syrische Flüchtlinge in Jordanien anfangs kostenlose Zugang zum Gesundheitswesen

Zugang zum Gesundheitswesen Der für syrische Flüchtlinge in Jordanien anfangs kostenlose Zugang zum Gesundheitswesen ist schon seit längerem nicht mehr finanzierbar. 26 Mio. Euro sind hierfür seit Ausbruch der Krise aufgewandt worden. Die Qualität der Dienstleistungen sinkt, Wartezeiten steigen, die Spannungen mit und in der einheimischen Bevölkerung damit auch. Eine mit hohen Kosten verbundene Krankheit wie Tuberkulose ist zurückgekehrt. In den Camps steht ein breites Versorgungsangebot der internationalen Organisati- onen bereit außerhalb der Lager jedoch wird es teuer. Die Flüchtlinge, die kaum Einkommen haben, sehen sich dem Verlangen der Krankenhäuser nach einer Vorauszahlung für eine Behandlung gegen- über. Und die Kapazitäten reichen nicht aus: Denn vor allem staatlichen Krankenhäusern fehlt es an Personal, Ausrüstung, Arzneimitteln und Ambulanzfahrzeugen, um die massiv gestiegene Zahl von Patienten zu versorgen. Im Libanon werden syrische Krankenschwestern illegal beschäftigt, und liba- nesische Medizinstudenten werden für Impfkampagnen angeheuert. „Medical Trucks“ internationaler Organisationen fahren über die Dörfer und leisten eine ambulante medizinische Grundversorgung. Zweifellos haben die staatlichen Gesundheitssysteme beider Länder ihre Kapazitätsgrenzen längst erreicht.

Zugang zu den Bildungssystemen Mehr als die Hälfte der syrischen Flüchtlinge in Jordanien ist unter 18 Jahre alt, 220.000 von ihnen sind im Schulalter. Ihnen muss der Zugang zu Bildungsangeboten geschaffen werden, doch für mehr als ein Drittel, derzeit 90.000 Kinder, sind keine Unterrichtsplätze vorhanden, sie bleiben außerhalb des Bildungssystems. Neben der Verbesserung der gegebenen Unterrichtskapazitäten, die Klassen mit bis zu 70 Schülern kennen, sind Angebote für die Kinder wichtig, die in keinen Regelunterricht aufge- nommen werden konnten. Denn hier droht eine verlorene Generation bildungsferner junger Menschen mit geringen Aussichten auf ein adäquates Erwerbsleben heranzuwachsen, die anfällig für Verspre- chungen Radikaler werden und leichter als andere in Delinquenz und Terrorismus abrutschen kann.

als andere in Delinquenz und Terrorismus abrutschen kann. Mohammad und Ahmad in einer libanesischen Schule im

Mohammad und Ahmad in einer libanesischen Schule im Bekaa-Tal

Im Libanon geht weit weniger als die Hälfte der 400.000 syrischen Kinder im Schulalter zur Schu- le in der Bekaa-Ebene, wo mehr als ein Drittel aller Syrer im Libanon konzentriert ist, ist es nur ca. ein Sechstel. Viele syrische Kinder sind Anal- phabeten oder erreichen das Schulniveau ihrer Klassenstufe bei weitem nicht, denn sie haben in den Kriegsjahren keinen Unterricht besuchen können. Dreizehnjährige in der 7. Klasse, die höchstens über das Niveau der 2. oder 3. Klasse verfügen, sind keine Seltenheit. Die Abbrecher- quote ist hoch: Entweder weil die Eltern ihre Kinder zum Betteln schicken oder weil die Kinder

psycho-soziale Probleme haben. Diese liegen auch verbreiteter Gewalttätigkeit in den Schulen zugrunde.

Syrische Studenten finden im Libanon und in Jordanien kaum Studienplätze. Hohe Studiengebühren, fehlende Dokumente (Pass, Aufenthaltsgenehmigung, Leistungsnachweise), fehlende Kompatibilität von studienqualifizierenden Abschlüssen, Studiengängen und -inhalten sind oft unüberwindliche Bar- rieren, jedenfalls erschweren sie den Hochschulzugang. Die Menschen sind ohne solche Dokumente

geflohen, sie können sich als Regimegegner nicht an die syrischen Botschaften in Jordanien und im
geflohen, sie können sich als Regimegegner nicht an die syrischen Botschaften in Jordanien und im
geflohen, sie können sich als Regimegegner nicht an die syrischen Botschaften in Jordanien und im

geflohen, sie können sich als Regimegegner nicht an die syrischen Botschaften in Jordanien und im Libanon wenden, und sie können auch nicht nach Syrien zurück, um ihre Papiere zu vervollständigen.

Zugang zum Arbeitsmarkt Die Arbeitslosenziffern der Bevölkerungen in Jordanien und im Libanon sind zwar nicht wesentlich gestiegen, stehen Verlusten im Verdrängungswettbewerb mit syrischen Zuwanderern doch auch neue Arbeitsplätze durch die Neuansiedlung syrischer Unternehmen gegenüber. Aber Syrer konkurrieren mit Jordaniern und Libanesen um Arbeit, die Syrer akzeptieren in der Regel niedrigere Löhne, selbst unter- halb des Mindestlohnes. Syrer gelten bei ihren Nachbarn als talentierte, gute Arbeiter und als ge- schmeidige und geschickte, freundliche Unternehmer. Die Jahrhunderte alte syrische Handelstradition hat eine Arbeitskultur praktischer Fertigkeiten geschaffen, die etwa in Jordanien so nicht vorhanden ist.

Ohne Arbeitserlaubnis dürfen Syrer in Jorda- nien und dem Libanon allerdings keiner Ar- beit nachgehen. Deren Beantragung scheitert oft an Dokumenten, die auf die Flucht nicht mitgenommen wurden, oder am Beweis, dass kein Einheimischer für die Arbeit besser ge- eignet ist. Auch die Gebühren sind prohibitiv. Jordanien vergibt an 10 Prozent der Flücht- linge eine Arbeitserlaubnis; ein Großteil ar- beitet in der Landwirtschaft, weitere auf dem Bau, als Angestellte in Restaurants und klei- nen Supermärkten, fast alle im informellen Sektor. Viele Syrer, gerade auch Fachkräfte,

arbeiten ohne Arbeitserlaubnis, in der Illegali- tät oder in einfachen Berufen, und in der ständigen Angst, von den jordanischen und libanesischen Behörden aufgegriffen zu werden und im schlimmsten Fall zurück nach Syrien geschickt zu werden. So nehmen syrischen Arbeitnehmer oft widrige Arbeitsbedingungen in Kauf und bleiben am Ende des Tages oft unbezahlt, denn Rechte können sie nicht einklagen.

oft unbezahlt, denn Rechte können sie nicht einklagen. Syrische Flüchtlingsfrauen im Libanon Sinnvoller wäre, sie

Syrische Flüchtlingsfrauen im Libanon

Sinnvoller wäre, sie langfristig mit ihrer vollen Qualifikation in den einheimischen Arbeitsmarkt zu integrieren, der sich ja ausweitet. Aber das wäre ein Schritt der Integration, den weder die libanesi- sche noch die jordanische Regierung wagen. Auch in Deutschland wird ein solcher Eingliederungspro- zess Konkurrenzängsten begegnen und Zeit brauchen, um Qualifikationen zu erwerben und Erfahrun- gen mit Förderung und Eingliederung zu sammeln.

3. Schlussfolgerungen für Politik und Gesellschaft in Deutschland

Allein diese zusammenfassende Darstellung der Problemdimensionen, vor denen der Libanon und Jor- danien gestellt sind, macht deutlich: Die beiden Länder dürfen bei der Bewältigung der Flüchtlings- problematik nicht allein gelassen werden! Ohne internationale Hilfe werden sie nicht in der Lage sein, die anstehenden Aufgaben langfristig und nachhaltig zu erfüllen, sondern selbst Gefahr laufen, in Unruhe und Instabilität abzurutschen. Damit würden die letzten Stabilitätsanker im arabischen Osten verschwinden, der Maschrek würde vollends ins politische Chaos geraten mit allen Folgewirkungen

für Deutschland und Europa. Die gegenwärtigen Flüchtlingsbewegungen wären nur mehr ein Vorge- schmack dessen, was
für Deutschland und Europa. Die gegenwärtigen Flüchtlingsbewegungen wären nur mehr ein Vorge- schmack dessen, was
für Deutschland und Europa. Die gegenwärtigen Flüchtlingsbewegungen wären nur mehr ein Vorge- schmack dessen, was

für Deutschland und Europa. Die gegenwärtigen Flüchtlingsbewegungen wären nur mehr ein Vorge- schmack dessen, was bei einem solchen Szenario auf Europa zukäme. Internationale Hilfe bedeutet zunächst die Bereitstellung finanzieller und anderer Ressourcen, aber auch Abstimmung bzw. Erfah- rungsaustausch über geeignete und gescheiterte Strategien bei der Aufnahme und Integration.

Darüber hinaus ist deutlich, dass Deutschland und die übrigen Staaten der EU angesichts der Flücht- lingsbewegungen des Sommers 2015 im Prinzip vor den gleichen strukturellen Herausforderungen wie Jordanien und der Libanon stehen. Unabhängig von der Lösung der gesamteuropäischen Grundsatzfra- gen, die vorrangig mit der Realisierung des Rechts auf Asyl zusammenhängen, müssen sich Politik und Gesellschaft in Deutschland daher auf die absehbaren Konsequenzen der Fluchtbewegungen einstel- len. Halten die gegenwärtigen Zahlen an, so ist nicht auszuschließen, dass die Zuwanderung der kommenden Monate die Millionengrenze überschreitet. Der Familiennachzug wird kaum steuerbar sein, bereits heute stehen erste Antragsteller vor der Deutschen Botschaft in Beirut und beantragen die Nachreise. Auf Facebook-Seiten werden im Internet detailliert Reiserouten nach Deutschland er- läutert und verbreitet, samt Kostenkalkulation und praktischen Reisetipps. Der dort von Exilsyrern ge- nannte Reisepreis auf der Route über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien und Ungarn be- trägt € 2.400. Der Sog ist enorm und wird anhalten, Syrer zieht es zu Syrern, Eltern und Großeltern zu ihren geflohenen Kindern und Enkeln.

Grundprobleme der Eingliederung

Kindern und Enkeln. Grundprobleme der Eingliederung Syrisches Kind im Lager Mar Elias – Bekaa-Tal, Libanon

Syrisches Kind im Lager Mar Elias Bekaa-Tal, Libanon

„Warum wollt Ihr Deutsche so viele Syrer auf- nehmen?“ fragt ungläubig ein Berater des liba- nesischen Bildungsministers und versteht wohl nicht wirklich das Argument der gewollten Zu- wanderung in praktische Berufe. In der Tat kommen talentierte, bis zur Selbstaufgabe aus- bildungs- und arbeitsbereite junge Menschen zu uns, viele mit besten Schulleistungen. Der Ein- gliederungsprozess dieser Menschen, die ihren Traum von einer gesicherten Existenz sowie ei- nem Leben in Würde und Wohlstand realisieren

wollen, wird Konkurrenzängsten begegnen und

Zeit brauchen, um die von Industrie und Hand- werk benötigten Qualifikationen zu erwerben. Gleichzeitig werden aber auch kaum integrierbare Anal- phabeten einwandern, alte Menschen, Kranke: Die Sozialsysteme werden mittellose Syrer aufnehmen müssen während die Familien reicher Syrer so viel Geld nach Deutschland transferieren werden, dass es zu bislang unbekannten Wettbewerbskonflikten wie auch zu Preissteigerungen auf dem Mieter- und Käufermarkt von Immobilien kommen wird.

Die anfängliche Euphorie der Syrer wird vielfach der Enttäuschung über nicht erfüllte Hoffnungen Platz machen, es wird den Deutschen gehen wie den Jordaniern: Diese reagieren fassungslos auf eine verbreitete Unzufriedenheit vieler Syrer wegen der Unzulänglichkeiten der Hilfe, es gibt Kritik an den Helfern und Undank gegenüber denjenigen, die als Einheimische massive Einschränkungen ihrer Le- bensverhältnisse erfahren. Auch in Deutschland wird es diese Spannungen und Konflikte geben. Of- fenheit und Aufnahmebereitschaft werden in der deutschen Bevölkerung über Jahre hinaus gefordert

Hintergrund: Flüchtlingskrise und der Mittlere Osten

Nr. 55 / September 2015

|

8

sein, die aktuelle Willkommenskultur wird sich über viele Jahre und Enttäuschungen im Zusammenle- ben hinweg
sein, die aktuelle Willkommenskultur wird sich über viele Jahre und Enttäuschungen im Zusammenle- ben hinweg
sein, die aktuelle Willkommenskultur wird sich über viele Jahre und Enttäuschungen im Zusammenle- ben hinweg

sein, die aktuelle Willkommenskultur wird sich über viele Jahre und Enttäuschungen im Zusammenle- ben hinweg immer wieder neu bewähren müssen.

Auch Sicherheitsrisiken, die aus der Zuwanderung aus Syrien und anderen Krisenstaaten der weiteren Region erwachsen, sind nicht zu verleugnen. Ein großer Teil der Flüchtlinge ist in anti-westlichen, anti-zionistischen, anti-liberalen und/oder anti-modernen Denkweisen verhaftet. Es wäre naiv, die Gefahr eines Anwachsens von religiös motiviertem Extremismus in Deutschland auszublenden. Radika- le Drahtzieher werden Enttäuschungen der syrischen Flüchtlinge ausnutzen wollen. Hier wartet eine große Aufgabe auf deutsche Institutionen der politischen Bildung, aber auch auf die islamischen Ge- meinden und ihre Verbände in Deutschland.

Schule und Bildung

Vor allem die jungen Syrer müssten ab ihrem ersten Monat Deutsch lernen, um sich schulisch und beruflich qualifizieren zu können. Bildungsangebote

gehören zur Ersthilfe. Flüchtlinge mit einer Qualifi- kation als Lehrer, medizinisches Hilfspersonal, Übersetzer, Psychologen sind für die Mithilfe bei der Betreuung auszuwählen und zu schulen. Viele Dienstleistungen werden auf Jahre hinaus in arabi- scher Sprache anzubieten sein.

auf Jahre hinaus in arabi- scher Sprache anzubieten sein. FNF-Schulungsbus unterwegs zu Flüchtlingen im Libanon Die

FNF-Schulungsbus unterwegs zu Flüchtlingen im Libanon

Die Behörden werden sich mit syrischen Curricula vertraut machen müssen, um den Bildungshinter- grund der jungen Generation einschätzen zu kön- nen. Kinder werden ohne formale Schulnachweise einzustufen und einzuschulen sein; die wenig re-

flektive Unterrichtskultur der arabischen Staaten muss verstanden werden, um die Kinder an kritisches, eigenständiges und frühes wissenschaftliches Denken heranzuführen, das in der arabischen Welt wenig gelehrt wird. Hiermit mögen viele syrische Schüler erst einmal überfordert sein. Sie kommen ohne Fremdsprachenkompetenz, die Eltern ohne das Verständnis einer aktiven, fördernden Elternrolle. Welten trennen sie von der deutschen Schul- und Bildungstradition. Gerade die Sprachvermittlung als Schlüssel für alle Orientierung und Eingliederung bietet unendlich viel Raum für Nachbarschaftshilfe. Deutsch kann auch ohne Staatsexamen vermittelt werden.

Dabei werden im Prozess der Eingliederung in die deutschen Schulen vielfältige Defizite und Betreu- ungsbedarf der syrischen Kinder offenbar werden. Sie haben Kriegsalltag erlebt, waren Gewalt ausge- setzt, müssen den Verlust von Familienangehörigen bewältigen, sie haben lange keinen Schulunter- richt besuchen können und weisen Bildungs- und Entwicklungsdefizite auf. Diese Kinder fühlen sich leer, sie müssen psychisch wie erzieherisch „umarmt“ werden, wie es Psychologen im Libanon formu- lieren, sie müssen ihre Erlebnisse verarbeiten können. Die Kinder erleben die erzieherische Vernachläs- sigung in den Kriegsjahren, Zerstörungen, die Flucht, den Verlust von Heimat und Sicherheit und nun den Neubeginn als einen kulturellen Schock und müssen sich willkommen und aufgenommen fühlen. Hier ist die Zivilgesellschaft, sind deutsche Nachbarn gefordert. Viele Defizite, Persönlichkeits- und Entwicklungsstörungen bedürfen aber auch professioneller therapeutischer Behandlung.

Post-Konflikt-Strategien und die Bekämpfung der Fluchtursachen Schließlich steht die internationale Gemeinschaft, und
Post-Konflikt-Strategien und die Bekämpfung der Fluchtursachen Schließlich steht die internationale Gemeinschaft, und
Post-Konflikt-Strategien und die Bekämpfung der Fluchtursachen Schließlich steht die internationale Gemeinschaft, und

Post-Konflikt-Strategien und die Bekämpfung der Fluchtursachen Schließlich steht die internationale Gemeinschaft, und damit auch Deutschland, vor der Herausforde- rung, Post-Konfliktszenarien für Syrien zu entwickeln und durchzusetzen. Die Beendigung des blutigen Bürgerkriegs als Grundvoraussetzung für die Überwindung der Fluchtursachen und die Wiederherstel- lung eines Mindestmaßes an regionaler Stabilität ist für sich genommen bereits ein politisches Gebot. Zugleich ist es Bedingung für eine Rückkehr derjenigen Flüchtlinge, die schließlich doch in ihr Land zurückkehren wollen weil ihre Integration in den Aufnahmeländern fehlgeschlagen ist, weil sie am Aufbau eines neuen und tragfähigen syrischen Staates mitarbeiten wollen oder weil es sie ganz ein- fach in ihre alte Heimat zurückzieht. Bereits heute gibt es Flüchtlinge, die trotz aller Unsicherheiten aus arabischen Aufnahmeländern nach Syrien zurückkehren. Sie benötigen Lebenschancen. Hilfsorga- nisationen werden also in die Lage versetzt werden müssen, langfristig und umfassend in einem Nachkriegs-Syrien arbeiten zu können.

umfassend in einem Nachkriegs-Syrien arbeiten zu können. Syrische und libanesische Jugend beim Seminar zur

Syrische und libanesische Jugend beim Seminar zur Konfliktbewälti- gung für syrische Flüchtlinge

Dazu gehört auch die zivilgesellschaftliche, poli- tisch-demokratische (Aus-) Bildung von Syrern in den Aufnahmeländern. Durch die politische Un- terdrückung waren politische Vielfalt, Freiheit und Pluralismus, freie Meinungsäußerung nicht gegeben. Dementsprechend fehlen Kenntnisse in politischen Themen wie Demokratie, Menschen- rechte, Rechtsstaatlichkeit, Marktwirtschaft und Menschenrechtsschutz. Die gilt es, den Syrern in den Aufnahmeländern zu vermitteln, damit sie mit diesem Wissen und neuen Fertigkeiten eines Tages in ein erschöpftes Syrien zurückkehren können, um den notwendigen zivilgesellschaftli- chen Beitrag für eine Befriedung leisten können.

Auch politische Stiftungen haben hier die Aufgabe, kommende politische Akteure auf die Gestaltung

der Zukunft Syriens vorzubereiten.

Ulrich Wacker ist FNF-Projektleiter für Jordanien, Syrien und den Libanon mit Sitz in Amman. Dr. René Klaff leitet das FNF-Regionalbüro Mittlerer Osten und Nordafrika mit Sitz in Kairo.

Bildmaterial: FNF-Projektbüro Amman

Impressum Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FNF) Fachbereich Internationales Referat für Querschnittsaufgaben Karl-Marx-Straße 2 D-14482 Potsdam