Sie sind auf Seite 1von 15

Blockade-

Reader
Ziviler Ungehorsam

Zur Heranführung an Protestmittel wie einer Straßenblockade ist es wichtig, dieses Mittel 
als Methode des zivilen Ungehorsams zu erklären. 

Was   ist   ziviler   Ungehorsam?   Woher   kommt   diese   Idee   eigentlich?   In   welchem 
Rahmen spricht man von Zivilem Ungehorsam? Und was gehört nicht dazu?

Das sind alles Fragen, die im Vorfeld eines Blockadeworkshops geklärt werden müssen, 
um den TeilnehmerInnen ein Bild davon zu geben, in welchem Rahmen sie sich gerade 
bewegen.

Geschichte

Ziviler Ungehorsam findet sich erstmals verschriftlicht bei  Henry David Thoreau  (1817­


1862)   in   „Resistance   to   Civil   Government“   (1849),   in   dem   er   zur   Steuerverweigerung 
aufrief, um damit den Krieg, den die USA gegen Mexiko führte, aufzuhalten. Er schrieb:

"Wenn aber das Gesetz so beschaffen ist, dass es notwendigerweise aus dir den Arm  
des Unrechts an einem anderen macht, dann, sage ich, brich das Gesetz. Mach` dein  
Leben zu einem Gegengewicht, um die Maschine aufzuhalten. Jedenfalls muss ich  
zusehen, dass ich mich nicht zu dem Unrecht hergebe, das ich verdamme."

Später wurde ziviler Ungehorsam in zahlreichen Kampagnen wie Antikriegskampagnen, 
Anti­Atomkraftkampagnen oder Antitransitkampagnen verwendet.

Methode

Es handelt sich um einen bewussten Regelverstoß als symbolische Aktion. Dabei wird 
entweder genau gegen die Regel/Gesetzt verstoßen, die als ungerecht empfunden wird 
(unmittelbarer ziviler Ungehorsam), oder aber eine Regel/Gesetz gebrochen (wie z.B. die 
Straßenverkehrsordnung durch eine Sitzblockade) um auf Ungerechtigkeiten in anderen 
Gesetzten aufmerksam zu machen (mittelbarer Ziviler Ungehorsam).

Dazu   John   Rawls:  Die   Rechtfertigung   bürgerlichen   Ungehorsam.  in:   Rawls,   John: 
Gerechtigkeit als Fairness, Freiburg (Alber) 1976, S. 165­191.

„[…] er wird in Situationen ausgeübt, wo man mit Festnahme und Bestrafung rechnet  
und   sie   ohne   Widerstand   hinnimmt.  Auf   diese   Weise   zeigt   der   bürgerliche  
Ungehorsam,   dass   er  legale   Verfahrensweisen  respektiert.  Der   bürgerliche  
Ungehorsam bringt den Ungehorsam gegenüber dem Gesetz innerhalb der Grenzen der  
Rechtstreue zum Ausdruck, und dieses Merkmal trägt dazu bei, dass in den Augen der  
Mehrheit   der   Eindruck   geweckt   wird,   es   handele   sich   wirklich   um   eine   Sache   der  
Überzeugung und Aufrichtigkeit, die tatsächlich an ihren Gerechtigkeitssinn gerichtet ist. 

Das bedeutet der zivile Ungehorsam kann als eine bürgerliche Strategie als bürgerlicher 
Ungehorsam   verstanden   werden,   der   nicht   darauf   abzielt,   die   herrschende   Ordnung 
sondern in deren Rahmen empfundene Ungerechtigkeiten zu verändern. Er stellt damit 
kein sehr radikales aber sehr niederschwelliges Mittel dar, um Protest akzentuierter 
als mit einer Demonstration auf die Straße zu tragen.

Sanktionierung

In   Österreich   gibt   es   kein   Recht   auf   zivilen   Ungehorsam,   aber   auch   keinen 
Straftatsbestand   des   zivilen   Ungehorsams.   Bestraft   wird   die   jeweilig   begangene 
Verwaltungs/Straf­   Übertretung   (z.B.   bei   Sitzblockade   auf   der   Straße   ein   Verstoß 
gegen die Straßenverkehrsordnung, in der Regel mit 50­70 Euro Verwaltungsstrafe 
geahndet).

Wir denken an Zivilcourage, die es braucht, um offen „Nein“ zu sagen 
gegen   Ungerechtigkeiten   –   und   an   den   Mut   und   die   Entschiedenheit, 
sich ihnen aktiv entgegenzustellen.
Aktionskonsens Block Bologna

Deeskalativ
Von uns wird keine Aggression gegen die Polizei ausgehen. Unser Aktionsmittel ist das 
des zivilen Ungehorsams via Sitzblockaden. Wir werden keine Konfrontation mit der 
Polizei eingehen und ausschließlich friedlich versuchen an die Blockadepunkte zu 
gelangen. 

Massenblockaden
Unsere Blockaden sind öffentliche, massenhafte Menschenblockaden. Wir werden kein 
Material, das geeignet wäre eine Straße zu blockieren, mitführen. Unsere Einsatzmittel 
werden ausschließlich unsere Körper sein.

Transparenz/Solidarität
Unsere Aktion ist eine kollektive. Wir werden solidarisch im Sinne des Aktionskonsenses 
versuchen unsere Ziele zu erreichen. Dabei bleiben wir öffentlich wahrnehmbar als Block 
Bologna, sind aber solidarisch mit anderen Aktionsformen.

Zielformulierung
Unsere massenhaften Menschenblockaden sollen dem offiziellen Bologna­Gipfel in der 
Hofburg die öffentliche Legitimität entziehen. Mit dem Konzept verstopfter Straßen werden 
wir den Gipfelteilnehmerinnen zeigen, was es heißt, mit Zugangsbeschränkungen 
konfrontiert zu sein.

Koordination
Jeder Blockadezug ist dem Aktionskonsens verpflichtet und ansonsten 
eigenverantwortlich. Entscheidungen werden durch Bezugsgruppen­Deligierten­Plenas 
getroffen. Die Koordinierung sammelt Informationen und gibt sie weiter. Sie trifft keine 
Entscheidungen!

Durchsetzung
Während den Aktionen wollen wir eine Situation herbeiführen, welche transparent für alle 
Beteiligten ist und in welcher die TeilnehmerInnen Solidarität zeigen, indem sie 
aufeinander Acht geben und sich gegenseitig unterstützen. Für den Erfolg unserer 
entschlossenen Massenblockaden muss jede/r Verantwortung übernehmen. Die 
persönlichen Grenzen und die Protestkultur aller TeilnehmerInnen müssen gegenseitig 
respektiert werden. Bei Polizeigewalt, wie etwa während der Räumung einer Blockade, 
treten wir gemeinsam auf, indem wir Solidarität zeigen und uns den Methoden des zivilen 
Ungehorsams bedienen.

Warum ein Aktionskonsens?
Der Aktionskonsens drückt die Breite der Bewegung aus. Er ist eine Verallgemeinerung 
von verschiedener Aktionsformen und Ideen zu einem Konsens mit dem sich möglichst 
viele identifizieren können. Der Aktionskonsens ist rechtlich abgesichert und sollte deshalb 
möglichst wörtlich verbreitet werden.
Mobilisierung, Bewegung, Koordination und 
Kommunikation 

Mobilisierung
Vorbereitung
✗ Ausbildung von Workshop­ModeratorInnen in den Blockadeworkshops: nach 
Multiplikator­Prinzip 
✗ Finden von KoordinatorInnen und FahnenträgerInnen für die Züge bereits in den 
Workshops, Bereitschaft bitte mitteilen an die Planungsgruppe

Während Demonstration
✗ Verteilen von Flyern in bestimmten Farben, abschnittsweise (d.h. Blocks), Anzahl: 
in etwa 6 (Blockade)züge, d.h. 6 Farben
✗ Austeilen von 2­3 farbigen Fahnen mit Nummer pro Zug
✗ Austeilen von farbigen Tüchern,…

Bewegung
✗ Start nach Ende von Demonstrationen: Fahnen gehen nach oben
✗ Blockadezüge versuchen die Blockadepunkte deeskalativ zu erreichen 
✗ Kundgebungen dienen als sichere Rückzugsorte
✗ Polizei muss Menschen zu den angemeldeten Kundgebungen durchlassen

Koordination
Input von Informationen
✗ Zentrale Sammelstelle für Informationen von KoordinatorInnen aus den Zügen, 
Aufklärung und Kundgebungen
✗ Überblick über Medienberichterstattung (Internet, Radio, TV…)

Verarbeitung der Informationen
✗ Erarbeiten von Empfehlungen

Output von Informationen
✗ Aussenden von Empfehlungen über WAP, Twitter und Radio

Kommunikation
✗ Koordinations­Telefon: Zwischen KoordinatorInnen in den Zügen, Aufklärung, 
Kundgebungen und Koordination
✗ Info­Telefon: Erreichbar für alle Blockade­TeilnehmerInnen (auf Flyern ersichtlich)
✗ WAP­Ticker: Erreichbar für alle Blockade­TeilnehmerInnen (auf Flyern ersichtlich)
✗ Radio: Erreichbar für alle Blockade­TeilnehmerInnen (Frequenz auf Flyern 
ersichtlich, über (Handy­)Radio, Kopfhörer)
✗ Twitter: Erreichbar für alle mit Internetanbindung
Bezugsgruppe

Was?
Bezugsgruppen sind Gruppen, die sich einmalig oder für einen längeren Zeitraum bilden, 
um   gemeinsam   koordinierter   und   bewusster   agieren   zu   können.   Sie   tun   sich   für   eine 
gemeinsame Aktion zusammen. Die Bezugsgruppen  bestehen aus Menschen, die sich 
kennen,   die   um   die   Stärken   und   Schwächen   jedes/er   Einzelnen   wissen   und   sich 
gegenseitig unterstützen.  Die Gruppe soll Mut machen und dir helfen deine Kraft richtig 
einzuschätzen.  Bei   Massenaktionen  sind  Bezugsgruppen   der  Ort,  an  dem entschieden 
wird was passiert. Große Plena dienen zur Koordination und zum Informationsaustausch.

Wer?
Die optimale Größe liegt bei etwa sechs Personen. Einigt euch vorher in den Kleingruppen 
auf ein gemeinsames Vorgehen, damit Ihr während der Aktion  zusammen bleiben könnt. 
Innerhalb   der   Gruppe   sollen   Paare   gebildet   werden,   sogenannte   Tandems   oder   auch 
Buddys. Auf den Partner oder die Partnerin solltest du besonders eingehen und reagieren. 
Die Buddys bleiben immer zusammen und schauen aufeinander.

Wie?
Die   Bezugsgruppe   soll   üben   schnell   Entscheidungen   zu   treffen.   Eigenverantwortlichem 
Handeln bedeutet, dass jede/r die eigenen Grenzen wahrnimmt und diese von der Gruppe 
akzeptiert werden. Wenn zum Beispiel jemand die Blockade bei der Räumung verlassen 
will, dann sollte diese Person nicht alleine gehen müssen, sondern von Menschen ihrer 
Bezugsgruppe begleitet werden. Nutzt die Zeit, um euch kennen zu lernen und darüber 
auszutauschen, wie sich jede/r bei der Aktion verhalten will und was er/sie von seiner/ihrer 
Bezugsgruppe erwartet.

Worüber Ihr in Eurer Bezugsgruppe sprechen solltet:
✗ Stellt euch einander vor und tauscht eure vollen Namen, Adressen (Meldeadressen) 
und Geburtsdaten aus. Im Falle einer Repression gegenüber einer Person der 
Bezugsgruppe teilen die anderen Mitglieder/innen deren Daten der Rechtshilfe mit. 
Haben alle Ihren Ausweis dabei?
✗ Tauscht euch aus über eure Motivation, an dieser Aktion teilzunehmen. Sprecht
✗ über eure bisherigen Erfahrungen, Ängste und Erwartungen.Teilt euch gegenseitig 
mit, wo eure Grenzen für diese Aktion liegen.
✗ Klärt, wie Ihr euch bei einem Polizeieinsatz/einer Räumung verhalten wollt.
✗ Wählt einen Rufnamen für eure Gruppe. Dieser dient dazu dass ihr euch nicht alle 
einzeln beim Namen rufen müsst und euch schnell wiederfindet.  Vermeidet jedoch 
Eigennamen (Hannah, Thomas) und solche, die Gefahr ausdrücken (Hunde, Polizei 
Feuer, Wasserwerfer ...)
✗ Stellt sicher, dass eure Gruppe im Deligiertenplenum vertreten ist.
✗ Übt euch in schneller Konsensentscheidung.
✗ Trefft Vereinbarungen über Treffpunkte vor, während und nach der Aktion.
✗ Überlegt euch, wie Ihr damit umgehen wollt, wenn andere in eurer Umgebung 
Dinge tun, die sich schwer mit eurer Aktion bzw. euren Bedürfnissen in dieser 
Aktion vereinbaren lassen. 
✗ Nach der Aktion kann es für euch sehr wichtig sein, über eure Erlebnisse in einem 
vertrauten Kreis von Menschen zu sprechen ­ besonders wenn Ihr mit Gewalt 
konfrontiert worden seid.

Deligiertenplenum 
Das   Deligiertenplenum   ermöglicht,   dass   eine   große   Gruppe   gemeinsam   handelt   und 
Entscheidungen trifft. Das Delegiertenplenum stellt fest, wo Entscheidungsbedarf besteht, 
tauscht   Informationen   aus   und   formuliert   eventuell   Lösungsvorschläge.   Im 
Delegiertenplenum werden  die Dinge koordiniert, die  die gesamte  Aktion betreffen und 
nicht   in   den   Bezugsgruppen   alleine   entschieden   werden   können.   Jede   Bezugsgruppe 
entsendet eine/n Delegierte/n ins Plenum.

Als   Vermittler/in   trägt   der/die   Sprecher/in   Meinungen,   Einschätzungen   oder 


Entscheidungen der Bezugsgruppe  hinein und  bringt die  neuen Infos, Entscheidungen, 
Meinungen usw. wieder in ihre/seine Bezugsgruppe zurück. (z.B. „Wir würden auch bei 
einem Wasserwerfereinsatz sitzen bleiben.“) So entsteht eine kraftvolle Aktion, hinter der 
alle Aktivist/innen tatsächlich stehen und sie mittragen können.

Konsensentscheidungen
Wir   wollen   im   Konsens   entscheiden.   So   wird   gewährleistet,   dass   alle   die   Aktion   auch 
wirklich mittragen und niemand übergangen wird. Konsens bedeutet nicht unbedingt, dass 
alle einer Meinung sind, aber immer, dass alle mit der Entscheidung leben können und 
niemand mit seinen Bedürfnissen übergangen wird. 

Blitzlicht 
Wenn es mal schneller gehen muss, hilft die Blitzlichtrunde. Jede/r sagt reihum maximal 
einen Satz. Deshalb muss es vorher eine klar formulierte Frage oder Aussage geben: "Wie 
fühle ich mich dabei?" "Trau ich mir das zu, beim Wasserwerfereinsatz sitzen zu bleiben?" 
"Bin ich dafür, gleich auf die Straße zu gehen?"

Hilfreiche Regeln
Ich­Sprache: Sprich für dich und nicht für andere.
Zuhören: Lasst andere ausreden und versuche sie zu verstehen. Versucht
heraus zu hören, was das Bedürfnis hinter einer Position sein könnte – helft euch
gegenseitig dabei!

Mitnehmen
✗ Gültigen Reisepass oder Personalausweis
✗ Kleingeld zum Telefonieren / Telefonkarte
✗ Praktische, wetterfeste Kleidung und feste Schuhe
✗ Decke, Isomatte (etwas worauf ihr sitzen könntet)
✗ Notizzettel und Stift (evtl. für ein Gedächtnisprotokoll)
✗ Erste­Hilfe­Päckchen (Pflaster, Kompressen, Binden)
✗ Essen, Trinken
✗ Handy ohne eigene Kontaktdaten – hier nur Nummern speichern, die Ihr für die
✗ Aktion dringend braucht
✗ Medikamente die du regelmäßig brauchst
✗ Stadtplan
✗ Kleines Radio (oder Handy mit Radio) – wir werden einen Radiosender zur 
Verfügung haben
✗ Tuch / Mütze / Sonnenbrille zum Schutz vor unerwünschtem Fotografieren/ Filmen 
(Vermummung zur Vereitlung einer Identitätsfeststellung durch die Polizei ist 
verboten und kann juristische Konsequenzen haben)

Nicht mitnehmen
✗ Alkohol und andere Drogen
✗ Alles, was als Waffe angesehen werden kann
✗ Adressbücher, Terminkalender
✗ Kontaktlinsen, Fettcremes (Reizgefahr bei Pfeffersprayeinsatz)
✗ Ohrringe, Halsketten
Basis Rechtsinfos für Blockade Workshop
Verhaltensempfehlungen bei Aktionen auf einen Blick: 
✗ Rechtshilfenummer herausfinden und mit einem wasserfesten Stift auf den Fuß 
oder Arm schreiben! 
✗ Weder Alkohol noch andere Drogen oder Waffen mitnehmen! 
✗ Keine Adresslisten/andere heiklen Informationen mitnehmen! 
✗ Amtlichen Lichtbildausweis mitführen! (ansonsten kann dich die Polizei zur 
Identitätsfeststellung mitnehmen) 
✗ Stift und Zettel mitnehmen! (für Gedächtnisprotokoll) 
✗ Schon berühren oder angreifen Polizeibeamten kann als "Widerstand gegen die 
Staatsgewalt" ausgelegt werden! Überlegt euch immer gut was ihr macht, und  wie 
weit ihr gehen wollt. 

Allgemeine Infos:

1.) Unterscheidung: Strafrecht – Verwaltungsstrafrecht

Strafrecht
✗ Gerichtlich strafbare Handlung
✗ Ein Gericht entscheidet
✗ Vorstrafe, Strafregister, Gefängnisstrafe möglich

Verwaltungsstrafrecht
✗ Die Behörde entscheidet selbst
✗ Geldstrafe (wie z.B. Falschparken, überhöhte Geschwindigkeit)
✗ Keine Vorstrafe, kein für andere einsehbares Register, keine Gefängnisstrafe

Bei Blockaden
Bloße Sitzblockaden, Versperren von Straßen, eine Versammlung wird aufgelöst du bleibst 
aber dort, etc., sind nur Verwaltungsübertretungen, KEINE Straftaten. Du kannst daher im 
schlimmsten Fall bloß eine Geldstrafe bekommen

2.) Spontan Demonstrationen

Sind zulässig und fallen unter die verfassungsmäßig gewährleistete Versammlungsfreiheit 
(=Menschenrecht). Darf von der Polizei nur aufgelöst werden, wenn öffentliche Ordnung 
oder Sicherheit gefährdet ist. In Praxis aber oft sehr schnell der Fall, zb: Gehen auf der 
Fahrbahn

Auflösung einer Versammlung
Entscheidet sich die Polizei dazu eine Versammlung aufzulösen, geht sie wie folgt vor:
✗ Polizei fordert zuerst per Megafon zum Verlassen des Ortes auf
✗ Nach Verstreichen einer kurzen Frist, wird die Versammlung durch die Polizei 
aufgelöst
✗ Wer dem Aufruf der Polizei nicht folgt, begeht eine Verwaltungsübertretung 
(bloße Geldstrafe), KEINE Straftat!

Die Polizei darf nicht willkürlich Gewalt anwenden, sondern ist an Gesetze gebunden:
✗ sie darf Gewalt nur verhältnismäßig anwenden
✗ befindet man sich in einer friedlichen Menschenblockade von der keine 
Gewalt ausgeht, darf die Polizei nur Wegtragen und ev. Schieben oder 
Drücken
✗ Nicht jedoch Schlagen, Treten oder Pfefferspray einsetzen!

Widerstand gegen die Staatsgewalt = strafbare Handlung!
Wer mit Gewalt oder mit Drohung von Gewalt einen Beamten an seiner Amtshandlung 
hindert

Passiver Widerstand (z.B. Sitzblockade) = KEINE Straftat
Das bloße Verharren in einer Position, auch wenn man sich zb an einem Straßenschild 
oder am SitznachbarIn festhält, ist kein Widerstand gegen die Staatsgewalt

3.) Ausweispflicht?

✗ Es besteht keine allgemeine Ausweispflicht
✗ Es muss ein bestimmte Grund vorliegen:
✗ daher immer fragen WARUM soll ich mich ausweisen?

Die   Polizei   hat   nur   dann   das   Recht   deine   Identität   zu   erfragen,   wenn  ein   besonderer 
Grund vorliegt. zB: Verdacht auf Verwaltungsübertretung, strafbare Handlung

4.) Dienstnummer

Du hast das Recht von PolizistInnen ihre Dienstnummer zu erfragen, wenn du BetroffeneR 
einer Amtshandlung bist. Amtshandlung = sobald du mit Polizei zu tun hast
PolizistIn muss seine Dienstnummer nennen!
Bestehe darauf und teile mit, dass PolizistIn dazu verpflichtet ist

Ausnahme:
Geschlossene Einheit:
Mehrere   PolizistInnen,   die   als   eine   Einheit   agieren,   können   auf   den   KommandantIn/ 
EinsatzleiterIn   verweisen.   In   diesem   Fall   von   PolizistInnen   Dienstnummer   der 
KommandantIn/EinsatzleiterIn verlangen!
5.) Festnahme

Deine Rechte:
Recht auf zwei erfolgreiche! Anrufe. Rufe die Rechtshilfe an und eine Vertrauensperson 
(z.B. FreundIn), die die Rechtshilfe informieren soll.

Keine   Aussage   machen.   Du   hast   das   Recht   die   Aussage   zu   verweigern.   Eine 
Aussageverweigerung kann NICHT gegen dich verwendet werden.
Gib nur deinen vollen Namen, Geburtsdatum und deine Wohnadresse an

Dauer der Haft?
✗ Bei Verwaltungsübertretungen maximal 24 Stunden. Danach musst du freigelassen 
werden.
✗ Bei Straftaten maximal 48 Stunden. Danach musst du freigelassen oder einem 
Haftrichter vorgeführt werden, der entscheidet ob Untersuchungshaft verhängt wird

Wenn du freigelassen wirst, informiere bitte die Rechtshilfe!

6.) Was tun wenn?

Was tue ich wenn ich verhaftet werde?
✗ PassantInnen deinen vollen Namen und Geburtsdatum mitteilen und sie ersuchen, 
die Rechtshilfe zu informieren
✗ Auf der  Polizeiwache  die  Rechtshilfe  anrufen; bestehe auf dein  Recht auf  zwei  
erfolgreiche Anrufe
✗ Keine Aussage machen, nur Name Geburtsdatum und Wohnadresse angeben
✗ Lass dich in kein Gespräch verwickeln
✗ Unterschreibe auf keinen Fall irgendetwas
✗ Wenn du freigelassen wirst, informiere bitte die Rechtshilfe
✗ Schreib so bald wie möglich ein Gedächtnisprotokoll

Was tue ich wenn ich sehe, dass jemand verhaftet wird?
✗ Den Verhafteten nach seinem vollen Namen und Geburtsdatum fragen
✗ Die Polizei fragen, wohin (auf welche Polizeiinspektion!) er gebracht wird
✗ Rechtshilfe anrufen und informieren
✗ Ablauf   der   Festnahme   gut   einprägen   und   so   früh   wie   möglich   ein  
Gedächtnisprotokoll schreiben 
Umgang mit Medienanfragen

 Die Blockaden sind öffentliche und angekündigte Aktionen. Das heißt, dass sie für 
alle potenziellen TeilnehmerInnen offen sind und wir unser legitimes Anliegen auch 
medial gerne wiedergeben. 
Aus diesem Grund sollten Blockadeworkshops möglichst öffentlich stattfinden – in 
erster Linie natürlich zur Mobilisierung, aber auch für interessierte JournalistInnen. 
Wenn ihr den Workshop so abhaltet wie wir ihn in dieser Broschüre skizziert haben, 
können euch daraus keine rechtlichen Probleme entstehen.
Sollte   es   euch   oder   Workshop­TeilnehmerInnen   dennoch   unangenehm   sein 
MedienvertreterInnen vor Ort zu haben, könnt ihr sie natürlich bitten zu gehen. In 
diesem   Fall   verweist   die   JournalistInnen   bitte   auf   den   Workshop,   der   auf   der 
Pressekonferenz   als   Pressetermin   beworben   wird.   Der   Termin   dafür   wird   noch 
bekannt gegeben.

 Grundsätzlich   ist   der   Aktionskonsens   unsere   Grundlage,   um   Medienfragen   zu 


beantworten. Das heißt die Betonung liegt auf friedlichen Massenblockaden, um 
zivilen Ungehorsam zu leisten. Bei Informationen, die darüber hinausgehen, bitte 
beachtet den nächsten Punkt.

 Aus   rechtlichen   Gründen   ist   sehr   wichtig   sich  sprachlich   an   gewisse   Regeln   zu 
halten. Aufrufe zu strafbaren Handlungen sollten deshalb vermieden werden, etwas 
im Konjunktiv oder als allgemein formuliertes Statement zu Blockaden zu sagen, ist 
selbstverständlich in Ordnung.
Das heißt wir geben Medien keine Auskunft über ein  konkretes Blockadekonzept, 
Blockadepunkte und ähnliche Informationen bekannt.

 Wenn   MedienvertreterInnen   Blockaden   vor   Ort   begleiten,   verschafft   das   den 


AktivistInnen eine gewisse Sicherheit der Polizei gegenüber. Außerdem kann dort 
das Konzept der friedlichen Massenblockaden besser vermittelt und das Anliegen 
der Blockade nach draußen getragen werden.
Ladet   deshalb   vertrauenswürdige   JournalistInnen,   die   bei   euren   Workshops 
anwesend sind, gerne dazu ein, Aktionen zu begleiten. Für genauere Informationen 
gebt ihnen die Nummer des Pressehandys (0650/5439833).
FAQ

Was ist das Ziel der Blockade?
Unsere  massenhaften   Menschenblockaden   sollen   dem   offiziellen   Bologna­Gipfel  in   der 
Hofburg die öffentliche Legitimität entziehen. Mit dem Konzept verstopfter Straßen werden 
wir   den   Gipfelteilnehmerinnen   zeigen,   was   es   heißt,   mit   Zugangsbeschränkungen 
konfrontiert zu sein.

Wo liegt die Grenze zwischen „Zivilen Ungehorsam“ und „Widerstand 
gegen die Staatsgewalt“?
Ziviler   Ungehorsam   bedeutet   passiver   Widerstand.   Widerstand   gegen   die   Staatsgewalt 
dagegen bedeutet, dass einem vorgeworfen wird, aktiv einen Beamten an der Ausübung 
seiner   Amtshandlung   zu   hindern.   Bei   einer   Blockade   sitzt   man   passiv   mit   anderen 
eingehakt   und   kann   sich   im   Falle   einer   Auflösung,   etwa   in   „nasser­Sack­Position“ 
wegtragen lassen. Dies ist rechtlich gesehen kein Gewaltakt. Aktiv und körperlich gegen 
polizeiliche   Amtshandlungen   zu   intervenieren   entspricht   nicht   dem   Konzept   des   zivilen 
Ungehorsams.   Für   die   Umsetzung   dieses   Konzept   braucht   es   ein   gewisses   Maß   an 
Selbstbeherrschung,   da   auch   Handlungen   im   Affekt   gegen   dich   verwendet   werden 
können.

Was sind Bezugsgruppen?
Gruppen,   die   sich   einmalig   oder   für   einen   längeren   Zeitraum   bilden,   um   gemeinsam 
koordinierter   und   bewusster   agieren   zu   können.   Die   Bezugsgruppen   bestehen   aus 
Menschen, die sich kennen und die um die Stärken und Schwächen jedes/er Einzelnen 
wissen und sich gegenseitig unterstützen. 

Was mache ich wenn ich alleine an einer Blockade/ Demo teilnehmen 
will?
Jede/r Einzelne, der auf die Straße geht und seine Meinung aktiv vertritt ist wichtig. Komm 
also einfach auf die Demo und trau dich dort Leute anzusprechen und kennen zu lernen. 
Bei anderen Aktionsformen, wie etwa Blockaden, ist es wichtig Menschen zu haben, auf 
die man sich verlassen kann. Schau dich also schon im Vorfeld, z.B auf einer Demo nach 
Menschen um, mit denen du eine Bezugsgruppe bilden kannst. Versuche zumindest einen 
Buddy   zu   finden.   Geh   einfach   auf   andere   AktivistInnen   zu   und   versuche   ihnen   das 
Konzept von Bezugsgruppen zu erklären.

Wer bestimmt, wie bei der Demo vorgegangen wird?
Jeder   Blockadezug   ist   dem   Aktionskonsens   Block   Bologna   verpflichtet   und   ansonsten 
eigenverantwortlich.  Entscheidungen   werden   innerhalb   der   Bezugsgruppen   und   auf 
Bezugsgruppen­Deligierten­Plena   getroffen.   Die   Koordinierung   sammelt   Informationen 
und gibt sie weiter. Sie trifft keine Entscheidungen! Wichtig ist, dass du deine eigenen 
Grenzen kennst und kommunizierst. 
Wie wird untereinander kommuniziert?
Unter den Bezugsgruppen sollte möglichst vieles schon vorher besprochen werden. Eine 
oder ein Delegierte/r sollte in die Delegiertenplena gehen, um Informationen und 
Entscheidungen weiterzuleiten. Informationen gibt es üblicherweise über Flyer vor Ort, ein 
Infotelefon, Twitter, WAP­Ticker und Radio. 

Wie kann ich die Blockade verlassen?
Während einer Sitzblockade sollte man sich gut überlegen, ob man die Kette verlassen 
möchte. Eingehakt ist dass Verlassen der Blockade nicht mehr jederzeit möglich und kann 
problematisch sein. Wenn du dich entschieden hast zu gehen, müssen deine unmittelbar 
eingehakten Partner darüber Bescheid wissen. 
Bei stehenden Blockaden ist es sinnvoll sich ein Wort auszumachen, mit dem man deutlich 
und schnell kommunizieren kann, wenn man eine Kette verlassen will. Mit diesem Signal 
kann in einer stressigen Situation die Kette schnell verlassen werden und die Kette kann 
sich rasch wieder schließen. 

Wie weit wollen wir gehen?
Das hängt immer von der jeweiligen Aktion und Situation ab. Vor einer Aktion solltet ihr 
euch informieren was geplant ist/ wird und mit eurer Bezugsgruppe besprechen, was sich 
jede/r einzelne zutraut und eure Grenzen abstecken.

Ab wann können Handlungen strafrechtlich belangt werden?
Strafrechtlich   verfolgt   kannst   du   nur   dann   werden,   wenn   deine   Handlung   einen 
Straftatbestand erfüllt, wie z.B. im Fall von Widerstand gegen die Staatsgewalt. Da beim 
zivilen   Ungehorsam   nur   passiver   Widerstand   geleistet   wird,   begehst   du   bewusst   eine 
Verwaltungsübertretung.   Für   Widerstand   gegen   die   Staatsgewalt   kannst   du   belangt 
werden, wenn du dich aktiv gegen polizeiliche Handlungen wehrst. Dazu zählt: um sich 
schlagen, treten oder ähnliches. Grundsätzlich sollte man mit der Berührung von Polizisten 
vorsichtig sein.

Was tun im Fall einer Verhaftung?
Teile   anderen   AktivistInnen   deinen   vollen   Namen   und   dein   Geburtsdatum   und,   wenn 
möglich   das   Revier   auf   das   du   gebracht   wirst,   mit   und   bitte   sie,   die   Rechtshilfe   zu 
informieren. Bestehe auf der Polizeiwache auf dein Recht auf zwei erfolgreiche Anrufe und 
kontaktiere die Rechtshilfe. Verweigere die Aussage bei der Polizei und gib nur deinen 
Namen, Geburtsdatum und Wohnadresse an. Lass dich in kein Gespräch verwickeln und 
unterschreibe auf keinen Fall irgendetwas. Wenn du freigelassen wirst, informiere bitte die 
Rechtshilfe und schreib so bald wie möglich ein Gedächtnisprotokoll.
Mit welcher Strafe kann gerechnet werden?
Ziviler Ungehorsam, sprich passiver Widerstand, ist keine gerichtlich strafbare Handlung, 
sondern eine Verwaltungsübertretung. Im schlimmsten Falle kannst du eine Geldstrafe 
bekommen.

Es gibt keine Vorstrafe, keinen Eintrag in ein, für andere einsehbares, Register und keine 
Gefängnisstrafe.

Ist es rechtlich schon problematisch einen Blockadeworkshop zu 
halten?
Einen Blockadeworkshop abzuhalten, der allgemein über die Technik und Vorgehensweise 
informiert,   ist   rechtlich   unproblematisch.  Aufrufe   zu   strafbaren   Handlungen   sollten 
vermieden werden. Haltet Aussagen über Blockaden im Konjunktiv und immer allgemein, 
keine Angaben über etwaige konkrete Pläne.

Gibt es eine Kurzfassung des Aktionskonsenses?
Wir   handeln   deeskalativ.   Von   uns   wird   keine   Aggression   gegen   die   Polizei   ausgehen. 
Unsere Blockaden sind öffentliche, massenhafte Menschenblockaden. Unser Ziel ist es, 
die Straßen zu verstopfen und dem Gipfel die öffentliche Legitimität zu entziehen. Dafür 
leisten wir zivilen Ungehorsam. Mit anderen Aktionsformen, die mit uns dieses Ziel teilen, 
zeigen wir uns solidarisch.