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GEMEINSAM BLOCKIEREN!

LOCK
BOLOGNA

11.3. ABENDS
öffentliche Blockadeworkshops
Termine auf der Rückseite und auf bolognaburns.org
46 Bildungsminister*innen laden zum Sektempfang
in die Wiener Hofburg und wollen zum
10-jährigen Jubiläum des Bologna-Prozesses
eine katrastrophale Hochschulreform feiern!

bolognaburns.org bologna.uniwien@unsereuni.at
Ziviler Ungehorsam

Zur Heranführung an Protestmittel wie einer Straßenblockade ist es wichtig, dieses Mittel
als Methode des zivilen Ungehorsams zu erklären.

Was ist ziviler Ungehorsam? Woher kommt diese Idee eigentlich? In welchem
Rahmen spricht man von Zivilem Ungehorsam? Und was gehört nicht dazu?

Das sind alles Fragen, die im Vorfeld eines Blockadeworkshops geklärt werden müssen,
um den TeilnehmerInnen ein Bild davon zu geben, in welchem Rahmen sie sich gerade
bewegen.

Geschichte

Ziviler Ungehorsam findet sich erstmals verschriftlicht bei Henry David Thoreau (1817-
1862) in „Resistance to Civil Government“ (1849), in dem er zur Steuerverweigerung
aufrief, um damit den Krieg, den die USA gegen Mexiko führte, aufzuhalten. Er schrieb:

"Wenn aber das Gesetz so beschaffen ist, dass es notwendigerweise aus dir den Arm
des Unrechts an einem anderen macht, dann, sage ich, brich das Gesetz. Mach` dein
Leben zu einem Gegengewicht, um die Maschine aufzuhalten. Jedenfalls muss ich
zusehen, dass ich mich nicht zu dem Unrecht hergebe, das ich verdamme."

Später wurde ziviler Ungehorsam in zahlreichen Kampagnen wie Antikriegskampagnen,


Anti-Atomkraftkampagnen oder Antitransitkampagnen verwendet.

Methode

Es handelt sich um einen bewussten Regelverstoß als symbolische Aktion. Dabei wird
entweder genau gegen die Regel/Gesetzt verstoßen, die als ungerecht empfunden wird
(unmittelbarer ziviler Ungehorsam), oder aber eine Regel/Gesetz gebrochen (wie z.B. die
Straßenverkehrsordnung durch eine Sitzblockade) um auf Ungerechtigkeiten in anderen
Gesetzten aufmerksam zu machen (mittelbarer Ziviler Ungehorsam).

Dazu John Rawls: Die Rechtfertigung bürgerlichen Ungehorsam. in: Rawls, John:
Gerechtigkeit als Fairness, Freiburg (Alber) 1976, S. 165-191.

„[…] er wird in Situationen ausgeübt, wo man mit Festnahme und Bestrafung rechnet
und sie ohne Widerstand hinnimmt. Auf diese Weise zeigt der bürgerliche
Ungehorsam, dass er legale Verfahrensweisen respektiert. Der bürgerliche
Ungehorsam bringt den Ungehorsam gegenüber dem Gesetz innerhalb der Grenzen der
Rechtstreue zum Ausdruck, und dieses Merkmal trägt dazu bei, dass in den Augen der
Mehrheit der Eindruck geweckt wird, es handele sich wirklich um eine Sache der
Überzeugung und Aufrichtigkeit, die tatsächlich an ihren Gerechtigkeitssinn gerichtet ist.

Das bedeutet der zivile Ungehorsam kann als eine bürgerliche Strategie als bürgerlicher
Ungehorsam verstanden werden, der nicht darauf abzielt, die herrschende Ordnung
sondern in deren Rahmen empfundene Ungerechtigkeiten zu verändern. Er stellt damit
kein sehr radikales aber sehr niederschwelliges Mittel dar, um Protest akzentuierter
als mit einer Demonstration auf die Straße zu tragen.

Sanktionierung

In Österreich gibt es kein Recht auf zivilen Ungehorsam, aber auch keinen
Straftatsbestand des zivilen Ungehorsams. Bestraft wird die jeweilig begangene
Verwaltungs/Straf- Übertretung (z.B. bei Sitzblockade auf der Straße ein Verstoß
gegen die Straßenverkehrsordnung, in der Regel mit 50-70 Euro Verwaltungsstrafe
geahndet).

Wir denken an Zivilcourage, die es braucht, um offen „Nein“ zu sagen


gegen Ungerechtigkeiten – und an den Mut und die Entschiedenheit,
sich ihnen aktiv entgegenzustellen.
Aktionskonsens Block Bologna

Deeskalativ
Von uns wird keine Aggression gegen die Polizei ausgehen. Unser Aktionsmittel ist das
des zivilen Ungehorsams via Sitzblockaden. Wir werden keine Konfrontation mit der
Polizei eingehen und ausschließlich friedlich versuchen an die Blockadepunkte zu
gelangen.

Massenblockaden
Unsere Blockaden sind öffentliche, massenhafte Menschenblockaden. Wir werden kein
Material, das geeignet wäre eine Straße zu blockieren, mitführen. Unsere Einsatzmittel
werden ausschließlich unsere Körper sein.

Transparenz/Solidarität
Unsere Aktion ist eine kollektive. Wir werden solidarisch im Sinne des Aktionskonsenses
versuchen unsere Ziele zu erreichen. Dabei bleiben wir öffentlich wahrnehmbar als Block
Bologna, sind aber solidarisch mit anderen Aktionsformen.

Zielformulierung
Unsere massenhaften Menschenblockaden sollen dem offiziellen Bologna-Gipfel in der
Hofburg die öffentliche Legitimität entziehen. Mit dem Konzept verstopfter Straßen werden
wir den Gipfelteilnehmerinnen zeigen, was es heißt, mit Zugangsbeschränkungen
konfrontiert zu sein.

Koordination
Jeder Blockadezug ist dem Aktionskonsens verpflichtet und ansonsten
eigenverantwortlich. Entscheidungen werden durch Bezugsgruppen-Deligierten-Plenas
getroffen. Die Koordinierung sammelt Informationen und gibt sie weiter. Sie trifft keine
Entscheidungen!

Durchsetzung
Während den Aktionen wollen wir eine Situation herbeiführen, welche transparent für alle
Beteiligten ist und in welcher die TeilnehmerInnen Solidarität zeigen, indem sie
aufeinander Acht geben und sich gegenseitig unterstützen. Für den Erfolg unserer
entschlossenen Massenblockaden muss jede/r Verantwortung übernehmen. Die
persönlichen Grenzen und die Protestkultur aller TeilnehmerInnen müssen gegenseitig
respektiert werden. Bei Polizeigewalt, wie etwa während der Räumung einer Blockade,
treten wir gemeinsam auf, indem wir Solidarität zeigen und uns den Methoden des zivilen
Ungehorsams bedienen.

Warum ein Aktionskonsens?


Der Aktionskonsens drückt die Breite der Bewegung aus. Er ist eine Verallgemeinerung
von verschiedener Aktionsformen und Ideen zu einem Konsens mit dem sich möglichst
viele identifizieren können. Der Aktionskonsens ist rechtlich abgesichert und sollte deshalb
möglichst wörtlich verbreitet werden.
Mobilisierung, Bewegung, Koordination und
Kommunikation

Mobilisierung
Vorbereitung
� Ausbildung von Workshop-ModeratorInnen in den Blockadeworkshops: nach
Multiplikator-Prinzip
� Finden von KoordinatorInnen und FahnenträgerInnen für die Züge bereits in den
Workshops, Bereitschaft bitte mitteilen an die Planungsgruppe

Während Demonstration
� Verteilen von Flyern in bestimmten Farben, abschnittsweise (d.h. Blocks), Anzahl:
in etwa 6 (Blockade)züge, d.h. 6 Farben
� Austeilen von 2-3 farbigen Fahnen mit Nummer pro Zug
� Austeilen von farbigen Tüchern,…

Bewegung
� Start nach Ende von Demonstrationen: Fahnen gehen nach oben
� Blockadezüge versuchen die Blockadepunkte deeskalativ zu erreichen
� Kundgebungen dienen als sichere Rückzugsorte
� Polizei muss Menschen zu den angemeldeten Kundgebungen durchlassen

Koordination
Input von Informationen
� Zentrale Sammelstelle für Informationen von KoordinatorInnen aus den Zügen,
Aufklärung und Kundgebungen
� Überblick über Medienberichterstattung (Internet, Radio, TV…)

Verarbeitung der Informationen


� Erarbeiten von Empfehlungen

Output von Informationen


� Aussenden von Empfehlungen über WAP, Twitter und Radio

Kommunikation
� Koordinations-Telefon: Zwischen KoordinatorInnen in den Zügen, Aufklärung,
Kundgebungen und Koordination
� Info-Telefon: Erreichbar für alle Blockade-TeilnehmerInnen (auf Flyern ersichtlich)
� WAP-Ticker: Erreichbar für alle Blockade-TeilnehmerInnen (auf Flyern ersichtlich)
� Radio: Erreichbar für alle Blockade-TeilnehmerInnen (Frequenz auf Flyern
ersichtlich, über (Handy-)Radio, Kopfhörer)
� Twitter: Erreichbar für alle mit Internetanbindung
Bezugsgruppe

Was?
Bezugsgruppen sind Gruppen, die sich einmalig oder für einen längeren Zeitraum bilden,
um gemeinsam koordinierter und bewusster agieren zu können. Sie tun sich für eine
gemeinsame Aktion zusammen. Die Bezugsgruppen bestehen aus Menschen, die sich
kennen, die um die Stärken und Schwächen jedes/er Einzelnen wissen und sich
gegenseitig unterstützen. Die Gruppe soll Mut machen und dir helfen deine Kraft richtig
einzuschätzen. Bei Massenaktionen sind Bezugsgruppen der Ort, an dem entschieden
wird was passiert. Große Plena dienen zur Koordination und zum Informationsaustausch.

Wer?
Die optimale Größe liegt bei etwa sechs Personen. Einigt euch vorher in den Kleingruppen
auf ein gemeinsames Vorgehen, damit Ihr während der Aktion zusammen bleiben könnt.
Innerhalb der Gruppe sollen Paare gebildet werden, sogenannte Tandems oder auch
Buddys. Auf den Partner oder die Partnerin solltest du besonders eingehen und reagieren.
Die Buddys bleiben immer zusammen und schauen aufeinander.

Wie?
Die Bezugsgruppe soll üben schnell Entscheidungen zu treffen. Eigenverantwortlichem
Handeln bedeutet, dass jede/r die eigenen Grenzen wahrnimmt und diese von der Gruppe
akzeptiert werden. Wenn zum Beispiel jemand die Blockade bei der Räumung verlassen
will, dann sollte diese Person nicht alleine gehen müssen, sondern von Menschen ihrer
Bezugsgruppe begleitet werden. Nutzt die Zeit, um euch kennen zu lernen und darüber
auszutauschen, wie sich jede/r bei der Aktion verhalten will und was er/sie von seiner/ihrer
Bezugsgruppe erwartet.

Worüber Ihr in Eurer Bezugsgruppe sprechen solltet:


� Stellt euch einander vor und tauscht eure vollen Namen, Adressen (Meldeadressen)
und Geburtsdaten aus. Im Falle einer Repression gegenüber einer Person der
Bezugsgruppe teilen die anderen Mitglieder/innen deren Daten der Rechtshilfe mit.
Haben alle Ihren Ausweis dabei?
� Tauscht euch aus über eure Motivation, an dieser Aktion teilzunehmen. Sprecht
� über eure bisherigen Erfahrungen, Ängste und Erwartungen.Teilt euch gegenseitig
mit, wo eure Grenzen für diese Aktion liegen.
� Klärt, wie Ihr euch bei einem Polizeieinsatz/einer Räumung verhalten wollt.
� Wählt einen Rufnamen für eure Gruppe. Dieser dient dazu dass ihr euch nicht alle
einzeln beim Namen rufen müsst und euch schnell wiederfindet. Vermeidet jedoch
Eigennamen (Hannah, Thomas) und solche, die Gefahr ausdrücken (Hunde, Polizei
Feuer, Wasserwerfer ...)
� Stellt sicher, dass eure Gruppe im Deligiertenplenum vertreten ist.
� Übt euch in schneller Konsensentscheidung.
� Trefft Vereinbarungen über Treffpunkte vor, während und nach der Aktion.
� Überlegt euch, wie Ihr damit umgehen wollt, wenn andere in eurer Umgebung
Dinge tun, die sich schwer mit eurer Aktion bzw. euren Bedürfnissen in dieser
Aktion vereinbaren lassen.
� Nach der Aktion kann es für euch sehr wichtig sein, über eure Erlebnisse in einem
vertrauten Kreis von Menschen zu sprechen - besonders wenn Ihr mit Gewalt
konfrontiert worden seid.

Deligiertenplenum
Das Deligiertenplenum ermöglicht, dass eine große Gruppe gemeinsam handelt und
Entscheidungen trifft. Das Delegiertenplenum stellt fest, wo Entscheidungsbedarf besteht,
tauscht Informationen aus und formuliert eventuell Lösungsvorschläge. Im
Delegiertenplenum werden die Dinge koordiniert, die die gesamte Aktion betreffen und
nicht in den Bezugsgruppen alleine entschieden werden können. Jede Bezugsgruppe
entsendet eine/n Delegierte/n ins Plenum.

Als Vermittler/in trägt der/die Sprecher/in Meinungen, Einschätzungen oder


Entscheidungen der Bezugsgruppe hinein und bringt die neuen Infos, Entscheidungen,
Meinungen usw. wieder in ihre/seine Bezugsgruppe zurück. (z.B. „Wir würden auch bei
einem Wasserwerfereinsatz sitzen bleiben.“) So entsteht eine kraftvolle Aktion, hinter der
alle Aktivist/innen tatsächlich stehen und sie mittragen können.

Konsensentscheidungen
Wir wollen im Konsens entscheiden. So wird gewährleistet, dass alle die Aktion auch
wirklich mittragen und niemand übergangen wird. Konsens bedeutet nicht unbedingt, dass
alle einer Meinung sind, aber immer, dass alle mit der Entscheidung leben können und
niemand mit seinen Bedürfnissen übergangen wird.

Blitzlicht
Wenn es mal schneller gehen muss, hilft die Blitzlichtrunde. Jede/r sagt reihum maximal
einen Satz. Deshalb muss es vorher eine klar formulierte Frage oder Aussage geben: "Wie
fühle ich mich dabei?" "Trau ich mir das zu, beim Wasserwerfereinsatz sitzen zu bleiben?"
"Bin ich dafür, gleich auf die Straße zu gehen?"

Hilfreiche Regeln
Ich-Sprache: Sprich für dich und nicht für andere.
Zuhören: Lasst andere ausreden und versuche sie zu verstehen. Versucht
heraus zu hören, was das Bedürfnis hinter einer Position sein könnte – helft euch
gegenseitig dabei!

Mitnehmen
� Gültigen Reisepass oder Personalausweis
� Kleingeld zum Telefonieren / Telefonkarte
� Praktische, wetterfeste Kleidung und feste Schuhe
� Decke, Isomatte (etwas worauf ihr sitzen könntet)
� Notizzettel und Stift (evtl. für ein Gedächtnisprotokoll)
� Erste-Hilfe-Päckchen (Pflaster, Kompressen, Binden)
� Essen, Trinken
� Handy ohne eigene Kontaktdaten – hier nur Nummern speichern, die Ihr für die
� Aktion dringend braucht
� Medikamente die du regelmäßig brauchst
� Stadtplan
� Kleines Radio (oder Handy mit Radio) – wir werden einen Radiosender zur
Verfügung haben
� Tuch / Mütze / Sonnenbrille zum Schutz vor unerwünschtem Fotografieren/ Filmen
(Vermummung zur Vereitlung einer Identitätsfeststellung durch die Polizei ist
verboten und kann juristische Konsequenzen haben)

Nicht mitnehmen
� Alkohol und andere Drogen
� Alles, was als Waffe angesehen werden kann
� Adressbücher, Terminkalender
� Kontaktlinsen, Fettcremes (Reizgefahr bei Pfeffersprayeinsatz)
� Ohrringe, Halsketten
Basis Rechtsinfos für Blockade Workshop
Verhaltensempfehlungen bei Aktionen auf einen Blick:
� Rechtshilfenummer herausfinden und mit einem wasserfesten Stift auf den Fuß
oder Arm schreiben!
� Weder Alkohol noch andere Drogen oder Waffen mitnehmen!
� Keine Adresslisten/andere heiklen Informationen mitnehmen!
� Amtlichen Lichtbildausweis mitführen! (ansonsten kann dich die Polizei zur
Identitätsfeststellung mitnehmen)
� Stift und Zettel mitnehmen! (für Gedächtnisprotokoll)
� Schon berühren oder angreifen Polizeibeamten kann als "Widerstand gegen die
Staatsgewalt" ausgelegt werden! Überlegt euch immer gut was ihr macht, und wie
weit ihr gehen wollt.

Allgemeine Infos:

1.) Unterscheidung: Strafrecht – Verwaltungsstrafrecht

Strafrecht
� Gerichtlich strafbare Handlung
� Ein Gericht entscheidet
� Vorstrafe, Strafregister, Gefängnisstrafe möglich

Verwaltungsstrafrecht
� Die Behörde entscheidet selbst
� Geldstrafe (wie z.B. Falschparken, überhöhte Geschwindigkeit)
� Keine Vorstrafe, kein für andere einsehbares Register, keine Gefängnisstrafe

Bei Blockaden
Bloße Sitzblockaden, Versperren von Straßen, eine Versammlung wird aufgelöst du bleibst
aber dort, etc., sind nur Verwaltungsübertretungen, KEINE Straftaten. Du kannst daher im
schlimmsten Fall bloß eine Geldstrafe bekommen

2.) Spontan Demonstrationen

Sind zulässig und fallen unter die verfassungsmäßig gewährleistete Versammlungsfreiheit


(=Menschenrecht). Darf von der Polizei nur aufgelöst werden, wenn öffentliche Ordnung
oder Sicherheit gefährdet ist. In Praxis aber oft sehr schnell der Fall, zb: Gehen auf der
Fahrbahn

Auflösung einer Versammlung


Entscheidet sich die Polizei dazu eine Versammlung aufzulösen, geht sie wie folgt vor:
� Polizei fordert zuerst per Megafon zum Verlassen des Ortes auf
� Nach Verstreichen einer kurzen Frist, wird die Versammlung durch die Polizei
aufgelöst
� Wer dem Aufruf der Polizei nicht folgt, begeht eine Verwaltungsübertretung
(bloße Geldstrafe), KEINE Straftat!

Die Polizei darf nicht willkürlich Gewalt anwenden, sondern ist an Gesetze gebunden:
� sie darf Gewalt nur verhältnismäßig anwenden
� befindet man sich in einer friedlichen Menschenblockade von der keine
Gewalt ausgeht, darf die Polizei nur Wegtragen und ev. Schieben oder
Drücken
� Nicht jedoch Schlagen, Treten oder Pfefferspray einsetzen!

Widerstand gegen die Staatsgewalt = strafbare Handlung!


Wer mit Gewalt oder mit Drohung von Gewalt einen Beamten an seiner Amtshandlung
hindert

Passiver Widerstand (z.B. Sitzblockade) = KEINE Straftat


Das bloße Verharren in einer Position, auch wenn man sich zb an einem Straßenschild
oder am SitznachbarIn festhält, ist kein Widerstand gegen die Staatsgewalt

3.) Ausweispflicht?

� Es besteht keine allgemeine Ausweispflicht


� Es muss ein bestimmte Grund vorliegen:
� daher immer fragen WARUM soll ich mich ausweisen?

Die Polizei hat nur dann das Recht deine Identität zu erfragen, wenn ein besonderer
Grund vorliegt. zB: Verdacht auf Verwaltungsübertretung, strafbare Handlung
NICHT EU-BÜRGER_INNEN SIND IMMER AUSWEISPFLICHTIG !!!
4.) Dienstnummer

Du hast das Recht von PolizistInnen ihre Dienstnummer zu erfragen, wenn du BetroffeneR
einer Amtshandlung bist. Amtshandlung = sobald du mit Polizei zu tun hast
PolizistIn muss seine Dienstnummer nennen!
Bestehe darauf und teile mit, dass PolizistIn dazu verpflichtet ist

Ausnahme:
Geschlossene Einheit:
Mehrere PolizistInnen, die als eine Einheit agieren, können auf den KommandantIn/
EinsatzleiterIn verweisen. In diesem Fall von PolizistInnen Dienstnummer der
KommandantIn/EinsatzleiterIn verlangen!
5.) Festnahme

Deine Rechte:
Recht auf zwei erfolgreiche! Anrufe. Rufe die Rechtshilfe an und eine Vertrauensperson
(z.B. FreundIn), die die Rechtshilfe informieren soll.

Keine Aussage machen. Du hast das Recht die Aussage zu verweigern. Eine
Aussageverweigerung kann NICHT gegen dich verwendet werden.
Gib nur deinen vollen Namen, Geburtsdatum und deine Wohnadresse an

Dauer der Haft?


� Bei Verwaltungsübertretungen maximal 24 Stunden. Danach musst du freigelassen
werden.
� Bei Straftaten maximal 48 Stunden. Danach musst du freigelassen oder einem
Haftrichter vorgeführt werden, der entscheidet ob Untersuchungshaft verhängt wird

Wenn du freigelassen wirst, informiere bitte die Rechtshilfe!

6.) Was tun wenn?

Was tue ich wenn ich verhaftet werde?


� PassantInnen deinen vollen Namen und Geburtsdatum mitteilen und sie ersuchen,
die Rechtshilfe zu informieren
� Auf der Polizeiwache die Rechtshilfe anrufen; bestehe auf dein Recht auf zwei
erfolgreiche Anrufe
� Keine Aussage machen, nur Name Geburtsdatum und Wohnadresse angeben
� Lass dich in kein Gespräch verwickeln
� Unterschreibe auf keinen Fall irgendetwas
� Wenn du freigelassen wirst, informiere bitte die Rechtshilfe
� Schreib so bald wie möglich ein Gedächtnisprotokoll

Was tue ich wenn ich sehe, dass jemand verhaftet wird?
� Den Verhafteten nach seinem vollen Namen und Geburtsdatum fragen
� Die Polizei fragen, wohin (auf welche Polizeiinspektion!) er gebracht wird
� Rechtshilfe anrufen und informieren
� Ablauf der Festnahme gut einprägen und so früh wie möglich ein
Gedächtnisprotokoll schreiben
Umgang mit Medienanfragen

� Die Blockaden sind öffentliche und angekündigte Aktionen. Das heißt, dass sie für
alle potenziellen TeilnehmerInnen offen sind und wir unser legitimes Anliegen auch
medial gerne wiedergeben.
Aus diesem Grund sollten Blockadeworkshops möglichst öffentlich stattfinden – in
erster Linie natürlich zur Mobilisierung, aber auch für interessierte JournalistInnen.
Wenn ihr den Workshop so abhaltet wie wir ihn in dieser Broschüre skizziert haben,
können euch daraus keine rechtlichen Probleme entstehen.
Sollte es euch oder Workshop-TeilnehmerInnen dennoch unangenehm sein
MedienvertreterInnen vor Ort zu haben, könnt ihr sie natürlich bitten zu gehen. In
diesem Fall verweist die JournalistInnen bitte auf den Workshop, der auf der
Pressekonferenz als Pressetermin beworben wird. Der Termin dafür wird noch
bekannt gegeben.

� Grundsätzlich ist der Aktionskonsens unsere Grundlage, um Medienfragen zu


beantworten. Das heißt die Betonung liegt auf friedlichen Massenblockaden, um
zivilen Ungehorsam zu leisten. Bei Informationen, die darüber hinausgehen, bitte
beachtet den nächsten Punkt.

� Aus rechtlichen Gründen ist sehr wichtig sich sprachlich an gewisse Regeln zu
halten. Aufrufe zu strafbaren Handlungen sollten deshalb vermieden werden, etwas
im Konjunktiv oder als allgemein formuliertes Statement zu Blockaden zu sagen, ist
selbstverständlich in Ordnung.
Das heißt wir geben Medien keine Auskunft über ein konkretes Blockadekonzept,
Blockadepunkte und ähnliche Informationen bekannt.

� Wenn MedienvertreterInnen Blockaden vor Ort begleiten, verschafft das den


AktivistInnen eine gewisse Sicherheit der Polizei gegenüber. Außerdem kann dort
das Konzept der friedlichen Massenblockaden besser vermittelt und das Anliegen
der Blockade nach draußen getragen werden.
Ladet deshalb vertrauenswürdige JournalistInnen, die bei euren Workshops
anwesend sind, gerne dazu ein, Aktionen zu begleiten. Für genauere Informationen
gebt ihnen die Nummer des Pressehandys (0650/5439833).
FAQ

Was ist das Ziel der Blockade?


Unsere massenhaften Menschenblockaden sollen dem offiziellen Bologna-Gipfel in der
Hofburg die öffentliche Legitimität entziehen. Mit dem Konzept verstopfter Straßen werden
wir den Gipfelteilnehmerinnen zeigen, was es heißt, mit Zugangsbeschränkungen
konfrontiert zu sein.

Wo liegt die Grenze zwischen „Zivilen Ungehorsam“ und „Widerstand


gegen die Staatsgewalt“?
Ziviler Ungehorsam bedeutet passiver Widerstand. Widerstand gegen die Staatsgewalt
dagegen bedeutet, dass einem vorgeworfen wird, aktiv einen Beamten an der Ausübung
seiner Amtshandlung zu hindern. Bei einer Blockade sitzt man passiv mit anderen
eingehakt und kann sich im Falle einer Auflösung, etwa in „nasser-Sack-Position“
wegtragen lassen. Dies ist rechtlich gesehen kein Gewaltakt. Aktiv und körperlich gegen
polizeiliche Amtshandlungen zu intervenieren entspricht nicht dem Konzept des zivilen
Ungehorsams. Für die Umsetzung dieses Konzept braucht es ein gewisses Maß an
Selbstbeherrschung, da auch Handlungen im Affekt gegen dich verwendet werden
können.

Was sind Bezugsgruppen?


Gruppen, die sich einmalig oder für einen längeren Zeitraum bilden, um gemeinsam
koordinierter und bewusster agieren zu können. Die Bezugsgruppen bestehen aus
Menschen, die sich kennen und die um die Stärken und Schwächen jedes/er Einzelnen
wissen und sich gegenseitig unterstützen.

Was mache ich wenn ich alleine an einer Blockade/ Demo teilnehmen
will?
Jede/r Einzelne, der auf die Straße geht und seine Meinung aktiv vertritt ist wichtig. Komm
also einfach auf die Demo und trau dich dort Leute anzusprechen und kennen zu lernen.
Bei anderen Aktionsformen, wie etwa Blockaden, ist es wichtig Menschen zu haben, auf
die man sich verlassen kann. Schau dich also schon im Vorfeld, z.B auf einer Demo nach
Menschen um, mit denen du eine Bezugsgruppe bilden kannst. Versuche zumindest einen
Buddy zu finden. Geh einfach auf andere AktivistInnen zu und versuche ihnen das
Konzept von Bezugsgruppen zu erklären.

Wer bestimmt, wie bei der Demo vorgegangen wird?


Jeder Blockadezug ist dem Aktionskonsens Block Bologna verpflichtet und ansonsten
eigenverantwortlich. Entscheidungen werden innerhalb der Bezugsgruppen und auf
Bezugsgruppen-Deligierten-Plena getroffen. Die Koordinierung sammelt Informationen
und gibt sie weiter. Sie trifft keine Entscheidungen! Wichtig ist, dass du deine eigenen
Grenzen kennst und kommunizierst.
Wie wird untereinander kommuniziert?
Unter den Bezugsgruppen sollte möglichst vieles schon vorher besprochen werden. Eine
oder ein Delegierte/r sollte in die Delegiertenplena gehen, um Informationen und
Entscheidungen weiterzuleiten. Informationen gibt es üblicherweise über Flyer vor Ort, ein
Infotelefon, Twitter, WAP-Ticker und Radio.

Wie kann ich die Blockade verlassen?


Während einer Sitzblockade sollte man sich gut überlegen, ob man die Kette verlassen
möchte. Eingehakt ist dass Verlassen der Blockade nicht mehr jederzeit möglich und kann
problematisch sein. Wenn du dich entschieden hast zu gehen, müssen deine unmittelbar
eingehakten Partner darüber Bescheid wissen.
Bei stehenden Blockaden ist es sinnvoll sich ein Wort auszumachen, mit dem man deutlich
und schnell kommunizieren kann, wenn man eine Kette verlassen will. Mit diesem Signal
kann in einer stressigen Situation die Kette schnell verlassen werden und die Kette kann
sich rasch wieder schließen.

Wie weit wollen wir gehen?


Das hängt immer von der jeweiligen Aktion und Situation ab. Vor einer Aktion solltet ihr
euch informieren was geplant ist/ wird und mit eurer Bezugsgruppe besprechen, was sich
jede/r einzelne zutraut und eure Grenzen abstecken.

Ab wann können Handlungen strafrechtlich belangt werden?


Strafrechtlich verfolgt kannst du nur dann werden, wenn deine Handlung einen
Straftatbestand erfüllt, wie z.B. im Fall von Widerstand gegen die Staatsgewalt. Da beim
zivilen Ungehorsam nur passiver Widerstand geleistet wird, begehst du bewusst eine
Verwaltungsübertretung. Für Widerstand gegen die Staatsgewalt kannst du belangt
werden, wenn du dich aktiv gegen polizeiliche Handlungen wehrst. Dazu zählt: um sich
schlagen, treten oder ähnliches. Grundsätzlich sollte man mit der Berührung von Polizisten
vorsichtig sein.

Was tun im Fall einer Verhaftung?


Teile anderen AktivistInnen deinen vollen Namen und dein Geburtsdatum und, wenn
möglich das Revier auf das du gebracht wirst, mit und bitte sie, die Rechtshilfe zu
informieren. Bestehe auf der Polizeiwache auf dein Recht auf zwei erfolgreiche Anrufe und
kontaktiere die Rechtshilfe. Verweigere die Aussage bei der Polizei und gib nur deinen
Namen, Geburtsdatum und Wohnadresse an. Lass dich in kein Gespräch verwickeln und
unterschreibe auf keinen Fall irgendetwas. Wenn du freigelassen wirst, informiere bitte die
Rechtshilfe und schreib so bald wie möglich ein Gedächtnisprotokoll.
Mit welcher Strafe kann gerechnet werden?
Ziviler Ungehorsam, sprich passiver Widerstand, ist keine gerichtlich strafbare Handlung,
sondern eine Verwaltungsübertretung. Im schlimmsten Falle kannst du eine Geldstrafe
bekommen.

Es gibt keine Vorstrafe, keinen Eintrag in ein, für andere einsehbares, Register und keine
Gefängnisstrafe.

Ist es rechtlich schon problematisch einen Blockadeworkshop zu


halten?
Einen Blockadeworkshop abzuhalten, der allgemein über die Technik und Vorgehensweise
informiert, ist rechtlich unproblematisch. Aufrufe zu strafbaren Handlungen sollten
vermieden werden. Haltet Aussagen über Blockaden im Konjunktiv und immer allgemein,
keine Angaben über etwaige konkrete Pläne.

Gibt es eine Kurzfassung des Aktionskonsenses?


Wir handeln deeskalativ. Von uns wird keine Aggression gegen die Polizei ausgehen.
Unsere Blockaden sind öffentliche, massenhafte Menschenblockaden. Unser Ziel ist es,
die Straßen zu verstopfen und dem Gipfel die öffentliche Legitimität zu entziehen. Dafür
leisten wir zivilen Ungehorsam. Mit anderen Aktionsformen, die mit uns dieses Ziel teilen,
zeigen wir uns solidarisch.
Um den Verantwortlichen der Verschlechterungen an den europäischen
Hochschulen unsere Lage näher zu bringen und Zugangsbeschränkungen
auch für sie erlebbar zu machen, werden wir nach der Demonstration
am 11.3. Wiens Straßen mit Sitzblockaden deeskalativ verstopfen. Nach
10 Jahren ohne jegliche Mitbestimmung, dem Ignorieren demokratischer
Voten und dem Durchpeitschen von Gesetzen auf der Grundlage des nicht
demokratisch legitimierten Strategiepapiers der Bolognareform ist, es für uns
unerträglich, dass in unserer Stadt die Wissenschafts- und KultusministerInnen
samt diplomatischem Anhang und selbsternannten ExpertInnen in UNSERER
UNI und der Hofburg auf die gegenwärtige Situation anstoßen.

BLOCKADEWORKSHOPS
Do, 04.03.
13:00 Aula, Campus Uni Wien
15:00 Semperdepot (Lehárgasse 6,1060 Wien)

Sa, 06.03.
14:00 Aula, Campus Uni Wien
Mo, 08.03.
12:00 mit Medien, Uni-Eck (Uni Wien, Schottentorstation)
16:00 Freihaus TU Wien, Haupteingang

Di, 09.03.
14:00 Uni-Rampe (Uni Wien Hauptgebäude)

Mi, 10.03.
14:00 Uni-Rampe (Uni Wien Hauptgebäude)
Do, 11.03.
10:00 Aula, Campus Uni Wien
12:00 Robert-Stolz-Platz, Akademie der Bildenden Künste

AKTIONSKONSENS BLOCK BOLOGNA


Wir handeln deeskalativ. Von uns wird keine
Aggression gegen die Polizei ausgehen.

LOCK
Unsere Blockaden sind öffentliche,
massenhafte Menschenblockaden. Unser
Ziel ist es, die Straßen zu verstopfen und dem

BOLOGNA
Gipfel die öffentliche Legitimität zu entziehen.
Dafür leisten wir zivilen Ungehorsam. Mit
anderen Aktionsformen, die mit uns dieses
Ziel teilen, zeigen wir uns solidarisch.

bolognaburns.org bologna.uniwien@unsereuni.at