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Hintergrund: Südost- und Ostasien Nr. 58 / 18. September 2015 Besetzen oder aufschütten? China schafft
Hintergrund: Südost- und Ostasien Nr. 58 / 18. September 2015 Besetzen oder aufschütten? China schafft
Hintergrund: Südost- und Ostasien Nr. 58 / 18. September 2015 Besetzen oder aufschütten? China schafft

Hintergrund:

Südost- und Ostasien

Nr. 58 / 18. September 2015

Südost- und Ostasien Nr. 58 / 18. September 2015 Besetzen oder aufschütten? China schafft sich neues

Besetzen oder aufschütten? China schafft sich neues Territorium im Südchinesischen Meer

Armin Reinartz & Noemi Hehl

Zusammenfassung China sorgt durch den Bau künstlicher Inseln für erneute Spannungen im Südchi- nesischen Meer. Der schwelende Regionalkonflikt scheint von einer friedlichen Lösung weit entfernt. Weder eine multilaterale Vereinbarung zwischen China und den ASEAN-Staaten, noch die Klage der Philippinen vor dem Internationalen Ge- richtshof in Den Haag versprechen eine schnelle Lösung. Stattdessen ist ein mili- tärisches Aufrüsten und verstärkte Bündnispolitik aller Akteure zu beobachten.

Chinas rasante Maßnahmen zur Landgewinnung verschärften in den letzten Monaten erneut den Dis- put über
Chinas rasante Maßnahmen zur Landgewinnung verschärften in den letzten Monaten erneut den Dis- put über
Chinas rasante Maßnahmen zur Landgewinnung verschärften in den letzten Monaten erneut den Dis- put über

Chinas rasante Maßnahmen zur Landgewinnung verschärften in den letzten Monaten erneut den Dis- put über Territorialfragen im Südchinesischen Meer. Rund 800 Hektar Land schuf China innerhalb der letzten zwei Jahre auf Korallenriffen, die Teil der umstrittenen Spratly-Inselgruppe sind. China sieht die Inselgruppe zusammen mit rund neun Zehnteln des Südchinesischen Meeres als sein nationales Territorium an und weist jede Kritik an den Baumaßnahmen mit genau dieser Argumentation zurück. Hau Chunyin, Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, erklärte im März: “Chinas reguläre Konstruktionsaktivitäten auf unseren eigenen Inseln und in unseren eigenen Gewässern sind legal, angemessen und gerechtfertigt.”

Luftbilder zeigen, wie China durch die Aufschüttung von Sand auf Korallenriffen mehrere künstliche Inseln kreierte. Auf dem Fiery-Cross-Riff entstand eine Landebahn, die mit 3.000 Metern lang genug für sämtliche Flugzeugtypen der chinesischen Luftwaffe ist. Satellitenbilder, die Mitte Juli aufgezeich- net wurden, zeigen Aktivitäten auf der Insel Subi, die auf den Bau einer weiteren Landebahn schließen lassen (siehe hierzu: https://twitter.com/Diplomat_APAC/status/643424238645460992/photo/1).

Scharfe Kritik an Chinas Baumaßnahmen kam von den USA, die China vorwerfen, durch die Auswei- tung seiner Militärpräsenz die Konflikte im Südchinesischen Meer erneut anzuheizen. China erklärte, die Baumaßnahmen dienten nicht nur dem Schutz Chinas, sondern sollten dem Land zudem ermögli- chen, seine internationalen Verpflichtungen im Umweltschutz, der Meeresforschung, der Seenotret- tung, dem Katastrophenschutz und der Wet- terbeobachtung besser erfüllen zu können. Ein hoher Beamter der Volksbefreiungsarmee be- schuldigte die USA, das Thema absichtlich und wiederholt aufzubauschen”, um „das chi- nesische Militär zu beschmutzen und regiona- le Spannungen zu dramatisieren.” Als Grund hierfür sieht er die Absicht der USA, eine Rechtfertigung für einen eigenen, verstärkten militärischen Einsatz im südchinesischen Meer zu suchen. Erst im Mai forderte die chinesi- sche Marine ein US-amerikanisches Aufklä- rungsflugzeug vom Typ P8-A Poseidon bei

einem Überflug der künstlichen, chinesischen Inseln auf, das Gebiet umgehend zu verlassen.

Der Pilot weigerte sich allerdings der achtmal wiederholten Anweisung zu folgen mit dem Hinweis, man befände sich in internationalem Luftraum. Der Verteidigungsminister der USA, Ashton Carter, betonte nach dem Vorfall, dass die Vereinigten Staaten überall, wo es internationales Recht erlaubt fliegen, segeln und agieren werden, so wie es US- amerikanische Truppen überall auf der Welt tun. Amerika sowie seine Alliierten und Partner in der Region werden sich nicht davon abschrecken lassen, diese Rechte auszuüben […] Schließlich erlaubt die Umwandlung eines Unterwasserfelsens in einen Flugplatz nicht einfach Souveränitätsrechte und die Einschränkung des internationalen Flug- und Schiffsverkehrs.”

ASEAN Mitgliedsstaaten, Spratly-Inseln, Paracel- Inseln, Quelle: FNF-Vietnam
ASEAN Mitgliedsstaaten, Spratly-Inseln, Paracel-
Inseln, Quelle: FNF-Vietnam
China treibt die Nachbarn zurück in die Arme der USA Die USA unterstützen in der
China treibt die Nachbarn zurück in die Arme der USA Die USA unterstützen in der
China treibt die Nachbarn zurück in die Arme der USA Die USA unterstützen in der

China treibt die Nachbarn zurück in die Arme der USA Die USA unterstützen in der Region traditionell vor allem die Philippinen, deren schwache Marine sich wieder zunehmend auf den mächtigeren Partner verlässt. Nachdem der Einfluss und die Präsenz der USA auf ihre ehemalige Kolonie Philippinen lange Zeit als zu groß empfunden und einvernehmlich über die Jahre reduziert wurde, wird nun sogar der in den 1990er Jahren geschlossene Subic-Bay- Marinestützpunkt wieder verstärkt vom amerikanischen Militär genutzt.

Auch im Falle Vietnams ist eine Annäherung gegenüber dem alten Feind USA, wenn auch einge- schränkter, zu beobachten. Was auf den ersten Blick und mit der Erinnerung an die Bilder von Napalm zerstörten Dörfern überraschen mag, erscheint logischer, wenn man die direkte Nachbarschaft und Historie Vietnams und Chinas bedenkt. In Vietnam sind die Hegemonie des imperialen Chinas und der letzte, blutig zurückgeschlagene Einmarsch des übergroßen Nachbarn im Norden von 1979 nicht ver- gessen. Nicht zuletzt das Vorgehen Russlands gegenüber der als Einflussspähre begriffenen Ukraine als Bei- spiel internationaler Politik im 21. Jahrhundert dürfte bei Chinas kleineren Nachbarn die Suche nach einem mächtigen Verbündeten befeuert haben. Innenpolitisch sind die Beziehungen zu China umstrit- ten und auch die gewaltsamen Ausschreitungen vietnamesischer Arbeiter im letzten Jahr, verdeutli- chen, welche politische Brisanz das Thema in Vietnam birgt.

Die begründen ihre Allianzen und Aktionen in Asien mit der Sicherung der Freiheit der Schifffahrt. Dies wird auch in der oben zitierten Aussage Carters deutlich. Zudem haben die USA ihre Strategie ange- passt: Anstelle eines Netzes aus eigenen, dauerhaften Militärstützpunkten in der Region ist ein Ansatz getreten, bei dem die Basen befreundeter Staaten wie Vietnam durch deutlich engere militärische Kooperation für amerikanische Marineeinheiten bei Bedarf nutzbar sind.

Liegt Chinas Zukunft auf dem Meer? Die Militärparade zur „Feier des 70. Jahrestages des Siegs des Chinesischen Volkes im Widerstand ge- gen die japanische Aggression & weltweit antifaschistischen Krieges“, wie der Zweite Weltkrieg im chinesischen Propagandajargon heißt, war ein neuer Höhepunkt in der Zurschaustellung chinesischer Militärmacht. Insbesondere die dort präsentierten neuen Raketen vom Typ Dongfang-21D, die auch als „Carrier Killer“ bezeichnet werden und über 1.400 Kilometer Reichweite haben, gelten als gegen die US-Präsenz in der Region Ost- und Südostasien gerichtet.

Angesichts der chinesischen Aufrüstung im Südchinesischen Meer, die gemäß des Kabinettsbeschlus- ses in Peking ein offensiveres Handeln der Marine und Luftwaffe sowie einen Ausbau der Atomstreit- kräfte umfassen soll, hat die USA die Anzahl an Kampfflugzeugen in der Region in den letzten Mona- ten demonstrativ erhöht. Außerdem stellten sie in Aussicht, verstärkt Militärschiffe in das Südchinesi- sche Meer zu schicken. Chinas Marine ist bereits mit zahlreichen Schiffen vor Ort. Die 2013 groß zele- brierte Anschaffung des ersten chinesischen Flugzeugträgers bleibt aber aufgrund technischer Merk- male und der chinesischen Marinestruktur nach wie vor von geringem militärischem Wert.

Chinas gesteigerte Marineaktivität wird nicht nur in den südlichen Gewässern deutlich. Die erste Ope- ration chinesischer Militärschiffe vor der Küste Alaskas während eines Besuchs des amerikanischen Präsidenten kann als gezieltes Muskelspiel betrachtet werden. Indien sieht irritiert auf chinesische Marinebewegungen im indischen Ozean und am Horn von Afrika scheint relativ unbemerkt von der Weltöffentlichkeit die erste stationäre chinesische Militärpräsenz außerhalb des eigenen Territoriums zu entstehen.

Die Territorialstreitigkeiten im südchinesischen Meer bergen jedoch sicher, neben dem direkten Kon- flikt mit Japan
Die Territorialstreitigkeiten im südchinesischen Meer bergen jedoch sicher, neben dem direkten Kon- flikt mit Japan
Die Territorialstreitigkeiten im südchinesischen Meer bergen jedoch sicher, neben dem direkten Kon- flikt mit Japan

Die Territorialstreitigkeiten im südchinesischen Meer bergen jedoch sicher, neben dem direkten Kon- flikt mit Japan um die Djaoyu/Senkaku Inseln, das größte Risiko für einen ausufernden Konflikt mit globalen Auswirkungen.

Der große Insel-Run Auch wenn China bislang kaum Zurückhaltung in seinen Aktivitäten im Südchinesischen Meer zeigt, schlägt es in seinen Verlautbarung auch vereinzelt diplomatischer Töne an. So versicherte China zum Beispiel im Juni, die Landgewinnung sei fast beendet, und bot anderen Nationen in der Region die gemeinsame Nutzung der neuen chinesischen Außenposten an. Die Staatliche Kommission für Ent- wicklung und Reform veröffentlichte zudem die Pläne für die weitere Bebauung der künstlichen Inseln in den Spratlys. Geplant sind unter anderem Leuchttürme, Rettungsstationen, Ankerplätze für Fischer- boote, Infrastruktur zur drahtlosen Navigation, Einrichtungen für maritime Sicherheit und Kommuni- kation, Wetterstationen, maritime Beobachtungsstationen und wissenschaftliche Forschungszentren. In Bezug auf Fischfang und Umweltschutz blieb China bislang allerdings die Erklärung schuldig, wie die Aufschüttung und Betonierung der für das maritime Ökosystem wichtigen Riffe einen positiven Beitrag leisten (siehe hierzu: https://twitter.com/CSIS/status/641934663640940544/photo/1).

Es wird angenommen, dass China zudem über entsprechendes Gerät seine bislang schwachen Aufklä- rungsfähigkeiten zur situational awareness in dem Gebiet ausbauen will, um sich umfänglich über die Bewegung anderer Marineeinheiten informiert zu wissen. Auch wenn Experten von einer Konsolidie- rungsphase im chinesischen Vorgehen sprechen, so wird dies doch auch als wichtiger Schritt zur mit- tel- bis langfristigen Möglichkeit zur Einrichtung und Durchsetzung einer Luftraumüberwachungszone (ADIZ) gesehen.

China betreibt zwar die extensivsten Baumaßnahmen auf den Spratly-Inseln, ist aber bei weitem nicht die einzige Nation, die auf diese Weise versucht ihre Ansprüche im Südchinesischen Meer zu bestär- ken. Vietnam verfügt über insgesamt 48 Außenposten auf den Spratly-Inseln, die Philippinen über acht, Malaysia über fünf und Taiwan über einen. Jeder dieser Staaten hatte zudem bereits eine Lande- bahn auf den Spratly-Inseln erbaut, bevor China 2014 mit der Konstruktion seiner Landebahn auf dem Fiery-Cross-Riff begann. Vietnam begann 1976 den Bau der ersten Start- und Landebahn auf den Spratly-Inseln. Sie ist heute mit 550 Metern Länge die kürzeste Landebahn auf den umstrittenen In- seln und kann nur von kleinen Transport- und Überwachungsflugzeugen angeflogen werden. Die 1.000 Meter lange Landebahn der Philippinen auf der Thitu-Insel, die knapp 1.200 Meter lange Landebahn Taiwans auf Itu Aba, sowie Malaysias knapp 1.370 Meter lange Landebahn auf dem Swallow-Riff bie- ten zusätzlich die Kapazitäten für Kampfflugzeuge. Chinas Landebahn auf dem Fiery-Cross-Riff ist mit 3.000 Metern die längste und ermöglicht allen Flugzeugtypen des chinesischen Militärs Start und Landung. Dies ist ein wichtiger Faktor, da damit die Stationierung mit Nuklearraketen bestückter Bomber möglich ist. Zudem wird vermutet, dass China auf dem Subi-Riff bereits eine weitere Start- und Landebahn konstruiert.

Bis 2014 war Vietnam im Bereich der Landgewinnung auf den Spratly -Inseln am aktivsten; doch Chi- nas rasante Baumaßnahmen stellen die Bemühungen der anderen Nationen in den Schatten. Am deut- lichsten wird die Ungleichheit der Beteiligten beim Vergleich der philippinischen Sierra Madre mit Chinas künstlichen Inseln. Bei der Sierra Madre handelt es sich um ein altes Kriegsschiff, das während des zweiten Weltkriegs und des Vietnamkriegs Teil der US-amerikanischen Flotte war und nach der Übernahme durch das philippinische Militär 1999 mit Absicht auf der Second-Thomas-Untiefe auf Grund gesetzt wurde.

Seither dient es einigen wenigen Soldaten als Außenposten und soll die Ansprüche der Philippinen auf
Seither dient es einigen wenigen Soldaten als Außenposten und soll die Ansprüche der Philippinen auf
Seither dient es einigen wenigen Soldaten als Außenposten und soll die Ansprüche der Philippinen auf

Seither dient es einigen wenigen Soldaten als Außenposten und soll die Ansprüche der Philippinen auf den Spratly Inseln sichern. Die Versorgung des rostenden Schiffswracks erfolgt über den Seeweg oder, wenn patrouillierende chinesische Kriegsschiffe dies verhindern, per Luftbrücke.

Etwas komfortabler haben es die rund einhundert Zivilisten, die auf der Insel Pag-Asa die Stellung halten. Die philippinische Regierung stellt ihnen Häuser, Strom und einige Lebensmittel zur Verfügung und das kleine Dorf verfügt über eine Grundschule. Der Einsatz von Zivilisten im Streit um die Vorherr- schaft im Südchinesischen Meer ist ein beliebtes Mittel zur Sicherung der Souveränität über die um- strittenen Inseln.

Patriotischer Tourismus Vietnam kündigte zum Beispiel im Juni an, Kreuzfahrtschiffe zu den Spratly-Inseln zu schicken. Die Debutkreuzfahrt soll sechs Tage dauern und zur Wiederbelebung des Nationalstolzes und des Be- wusstseins der Bürger für die heilige maritime Souveränität des Landes” beitragen, wie es in der offi- ziellen Ankündigung hieß. Geht es nach vietnamesischen Plänen sind die Kreuzfahrten erst der Anfang einer touristischen Erschließung der Inseln. In Zukunft sollen Touristen die Inseln auch per Flugzeug erreichen können.

Doch Vietnam ist nicht der Erfinder des patriotischen Tourismus in den Gewässern des umkämpften Meeres. China organisiert bereits seit Mai 2013 Kreuzfahrten zu den ebenfalls umstrittenen Paracel- Inseln. Bis zu zweimal im Monat bringt die Coconut Princess patriotische Bürger von der Insel Hainan zu der Inselgruppe im Südchinesischen Meer, die von China, Vietnam und Taiwan beansprucht wird und seit 1974 vollständig von der VR China besetzt ist. Auf dem Programm steht neben Tauchen, Schnorcheln und Schwimmen vor allem eines: Flagge zeigen. Die Passagiere besuchen außerdem ein Fischerdorf, dessen Einwohner für ihre Anwesenheit auf den Inseln finanziell entlohnt werden.

China schickt aber nicht nur Fischer und Touristen in die Gebiete des umstrittenen Meeres, sondern verfügt auch über eine Art maritime Bürgerwehr. Dabei handelt es sich um Fischerboote, deren Besat- zungen auch für militärische Einsätze trainiert werden, um die chinesische Marine zu unterstützen. Zu ihren Aufgaben gehören neben der Seenotrettung auch Aktivitäten wie das Sammeln von Daten, der Transport von Baumaterialien oder das Ansteuern von Inseln zur Souveränitätserklärung. Einige der Schiffe sind auch auf Konfrontationen mit Kriegsschiffen vorbereitet, aber vor allem sorgen die zahl- reichen Fischerboote für eine hohe chinesische Präsenz in den umstrittenen Gewässern des Südchine- sischen Meeres. Die Beteiligung von Zivilisten an diesem Konflikt stellt mögliche Gegner Chinas vor ein Problem: Was tun, mit Schiffen die halb zivil, halb militärisch sind? Eine Fischfangflotte, die zufäl- lig in den Weg eines Trägerverbandes kommt, könnte zu mehr als zu einer kleinen Unannehmlichkeit werden. Wie zu Zeiten des kalten Krieges ist davon auszugehen, dass auch zivile Schiffe die Augen und Ohren für militärische Bewegungen sind.

Papiere ohne Zähne Diplomatische Lösungsansätze blieben bisher ohne Ergebnis. Die 2002 zwischen den ASEAN-Staaten und China vereinbarte Declaration on the Conduct of Parties in the South China Sea (DOC) wartet im- mer noch auf die Umwandlung in einen verbindlicheren Code of Conduct for the South China Sea (COC). Beim letzten, offiziell neunten Treffen in Tianjin, China, im Juli dieses Jahres konnten die Ver- treter der Staaten Südostasiens und Chinas keine nennenswerten Fortschritte erreichen. Während Chi- na wenig Interesse an einem Code of Conduct zu haben scheint, sind die ASEAN Staaten in dieser An- gelegenheit gespalten.

Einige Staaten würden es bevorzugen, die Konflikte zu Gunsten ihrer guten Beziehungen mit China zu
Einige Staaten würden es bevorzugen, die Konflikte zu Gunsten ihrer guten Beziehungen mit China zu
Einige Staaten würden es bevorzugen, die Konflikte zu Gunsten ihrer guten Beziehungen mit China zu

Einige Staaten würden es bevorzugen, die Konflikte zu Gunsten ihrer guten Beziehungen mit China zu ignorieren. Zudem haben nicht alle ASEAN-Staaten Ansprüche im Südchinesischen Meer. Lediglich Vietnam, die Philippinen, Brunei, Malaysia und Indonesien erheben Ansprüche, wobei Vietnam und die Philippinen am aktivsten in der Verteidigung derselben sind. Die restlichen ASEAN-Staaten Kambod- scha, Laos, Myanmar, Thailand und Singapur sind nicht unter den Konfliktparteien.

Der Versuch der philippinischen Regierung, China auf juristischem Wege zurückzudrängen, kommt ebenfalls nur langsam voran. 2013 leitete sie eine Klage vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag ein und nun muss über die Zuständigkeit des Gerichts entschieden werden. Darüber, wie die Chancen für die Philippinen stehen, scheiden sich die Geister. Selbst wenn die Philippinen die Zustän- digkeit des Gerichts beweisen könnten und das Gericht zu Gunsten der Philippinen entscheiden würde, hätte es keine Möglichkeit die Entscheidung durchzusetzen. China lehnt das Verfahren grundsätzlich ab und zeigt keine Bereitschaft, daran teilzunehmen. Sein Argument ist, dass Fragen der Souveränität nicht unter das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (SRÜ), auf dessen Basis die Philippi- nen klagen, fallen. Allerdings basiert die Klage der Philippinen auf der Frage ob die Spratlys und das Scarborough-Riff über eine ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) verfügen können, was im Gegen- satz zu Territorialfragen unter die Gerichtsbarkeit des SRÜ fällt. Die AWZ erstreckt sich 200 Seemeilen von der Küste eines Küstenstaates und garantiert das Alleinnutzungsrecht in Bezug auf wirtschaftliche Ausbeutung des Gebiets. Unter dem SRÜ existiert für Riffe und Felsen, die bei Flut unter der Wasser- oberfläche liegen keine Souveränität, sie können somit auch keine ausschließliche Wirtschaftszone haben. Ob Inseln dagegen eine AWZ haben können, hängt von der Auslegung des Artikel 121(3) des Seerechtsübereinkommens ab. Generell lässt sich aber sagen, dass künstlich erschaffene Inseln nicht die gleiche juristische Bedeutung wie natürlich entstandene Inseln haben und deshalb unter dem SRÜ kein Recht auf eine ausschließliche Wirtschaftszone bedingen. Die Philippinen hoffen deshalb auf eine Entscheidung zu ihren Gunsten.

Weitere Punkte der philippinischen Klage stellen die aus Chinas Sicht historischen Souveränitätsrechte über das Südchinesische Meer in Frage und beschuldigen China, durch seine extensiven Landgewin- nungsmaßnahmen und Überfischung die regionale maritime Umwelt geschädigt zu haben.

China dagegen führt als Argument gegen das Verfahren an, dass die Philippinen durch die einseitige
China dagegen führt als Argument gegen das Verfahren an, dass die Philippinen durch die einseitige
China dagegen führt als Argument gegen das Verfahren an, dass die Philippinen durch die einseitige
China dagegen führt als Argument gegen das Verfahren an, dass die Philippinen durch die einseitige

China dagegen führt als Argument gegen das Verfahren an, dass die Philippinen durch die einseitige Klage seine Verantwortungen unter der Declaration on the Conduct of Parties in the South China Sea nicht einhält. Diese besagt, dass die betreffenden Parteien ihre territorialen und gerichtlichen Kon- flikte durch […] freundschaftliche Beratungen und Verhandlungen zwischen den direkt betroffenen souveränen Staaten” lösen sollen. Allerdings ist gemeinhin anerkannt, dass die Deklaration gesetzlich nicht bindend ist. Zudem zeigten sich China und auch die Philippinen wenig verhandlungswillig.

Die Grenzen der Geschichte Allgemein beharren alle Konfliktparteien auf ihren jeweiligen Ansprüchen. Vietnam beansprucht die kompletten Spratlys sowie die Paracel-Inselgruppe für sich und begründet dies mit Hilfe historischer Dokumente, die die vietnamesische Herrschaft über die Inseln seit dem 17. Jahrhundert nachweisen sollen. Auch China beansprucht die vollständigen Spratly- und Paracel-Inselgruppen, sowie das Scar- borough-Riff mit der Begründung, sie liegen innerhalb der “Neun-Strich-Linie”, die rund neun Zehntel des Südchinesischen Meeres zu chinesischem Territorium erklärt. Die weitreichenden chinesischen Ansprüche wurden das erste Mal 1947 bekannt, als eine Karte mit den vermerkten Souveränitätsan- sprüchen vom chinesischen Innenministerium veröffentlicht wurde. Die Ansprüche basieren laut China auf der historischen Herrschaft Chinas über das Südchinesische Meer. Taiwans Ansprüche entsprechen denen der VR China, betreffen also ebenfalls den größten Teil des Südchinesischen Meeres einschließ- lich der Spratly- und Paracel-Inselgruppen. Wie genau sich die beanspruchten Souveränitätsrechte allerdings gestalten, haben die beiden Staaten bislang nicht genauer ausgeführt, und auch konkrete Koordinaten wurden bis heute nicht angegeben.

Die Philippinen sehen große Teile der Spratly-Inseln als ihr Territorium an und bestehen ansonsten auf
Die Philippinen sehen große Teile der Spratly-Inseln als ihr Territorium an und bestehen ansonsten auf
Die Philippinen sehen große Teile der Spratly-Inseln als ihr Territorium an und bestehen ansonsten auf

Die Philippinen sehen große Teile der Spratly-Inseln als ihr Territorium an und bestehen ansonsten auf ihrer ausschließlichen Wirtschaftszone, die das Scarborough-Riff einschließt, das ebenfalls von China und Taiwan beansprucht wird. Die Ansprüche Malaysias, Indonesiens und Bruneis begrenzen sich auf die Teile der Spratly-Inselgruppe, die sich in den jeweiligen ausschließlichen Wirtschaftszonen der Staaten befinden. Wie sehr die Konfliktparteien auf ihren Positionen beharren zeigt sich auch in ihren unterschiedlichen Bezeichnungen des Südchinesischen Meeres. Während der chinesische Name als Südmeerübersetzt werden kann, sprechen die Vietnamesen vom Ostmeerund die Philippinen legen auf die Bezeichnung „Westphilippinisches Meer“ großen Wert.

Die Schlafwandler des 21. Jahrhunderts - und Europa schaut nur zu Eine nachhaltige Lösung des Konflikts scheint in weiter Ferne. Grundsätzlich kann keine der beteilig- ten Parteien einen militärischen Konflikt wollen. Die Kosten, unabhängig vom Ausgang des Konflikts, wären für alle Seiten immens. Auf den internationalen Handelsrouten, die durch die umstrittenen Ge- wässer führen, werden jährlich Güter im Wert von geschätzten fünf Billionen US-Dollar transportiert. Chinas und Japans Exportwege nach Europa und Energieversorgungsrouten verlaufen durch das Ge- biet. Selbst ein temporärer, lokaler militärischer Konflikt würde der Weltwirtschaft massiv schaden. Doch der Vergleich zu den „Schlafwandlern“ vor dem Ersten Weltkrieg wird nicht ohne Grund des Häufigeren gezogen.

Die Europäer haben den Konflikt bislang, trotz der Implikationen für Weltpolitik und globaler Wirt- schaft, ignoriert und den USA die Rolle als alleinige Alternative zur chinesischen Hegemonie und in- ternationale Unterstützung überlassen. Dabei täten die Europäer gut daran, sich aktiv für eine Stär- kung multilateraler Konfliktlösungsmechanismen und internationalen Rechts einzusetzen, um diese Instrumente zu einem Modell der Zukunft auf weltweiter Ebene zu machen. Wenn im Südchinesischen Meer alleine die Logik vom Recht des Stärkeren entscheidet, könnte dies zum einen traurigeren Weg- weiser für die Zukunft und die mögliche Irrelevanz europäischer Vorstellungen zur Entwicklung der Welt im 21. Jahrhundert werden.

Armin Reinartz ist Analyst im FNF-Regionalbüro Südost & Ostasien, Bangkok (Twitter: @Armin_Rz). Noemi Hehl ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im FNF-Büro Vietnam mit Sitz in Hanoi.

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