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Auszug aus dem Buch "Die Tatsache der Auferstehung" von

Josh McDowell, erschienen bei CLV (Seiten 62-73).

Geschichte der Kreuzigung


Durch verschiedene Angaben in den Werken des Herodot und
des Thukydides läßt sich nachweisen, daß die Perser, auch für
den Fall, daß sie die Kreuzigung nicht selbst erfanden, diese
doch zumindest in einem großzügigen Stil praktizierten. Eine der
besten Quellen für die Praxis der Kreuzigung ist die Bisutun-
Inschrift, in der Darius berichtet, er habe die verschiedenen
Rebellenführer, die er besiegt hatte, kreuzigen lassen. Ein
möglicher Grund für die wachsende Popularität der Todesstrafe
durch Kreuzigung ist darin zu sehen, daß die Perser den
Erdboden ihrem Gott Ahura Masdah geweiht hatten. Diese Art
der Hinrichtung verunreinigte die Erde nicht, da der Leichnam
sie nicht berührte. Alexander der Große führte die Kreuzigung
im Mittelmeerraum, hauptsächlich in Ägypten und Karthago ein.
Allem Anschein nach übernahmen die Römer die Praxis von den
Karthagern.

Ein grausamer Tod


Der Tod durch Kreuzigung zählte zu einer der schmachvollsten
und grausamsten Foltermethoden der Welt. Cicero nannte sie
"die grausamste und scheußlichste aller Foltern".106 Will Durant
schrieb, daß "selbst die Römer die Opfer bemitleideten".107

Flavius Josephus, der jüdische Historiker, der ein Berater des


Titus während der Belagerung Jerusalems war, hatte selbst viele
Kreuzigungen beobachtet und nannte sie "die erbärmlichste
Todesart".108 Josephus berichtet, daß die Drohung der Römer,
einen jüdischen Gefangenen zu kreuzigen, dazu führte, daß sich
die gesamte Garnison von Machaerus ergab, um so freies Geleit
zu erhalten. Die Kreuzigung war so grausam und erniedrigend,
daß die Römer gewöhnlich ihre eigenen Landsleute davon
ausschlossen und sie nur an Sklaven anwandten, um
Aufständen entgegenzuwirken, oder an denjenigen, die sich
gegen die römische Herrschaft erhoben. Sie wurde
hauptsächlich in politischen Fällen verhängt.
Die Anklage gegen Christus unterstreicht diese Anwendung der
Kreuzigung: "Sie fingen aber an, ihn zu verklagen, und sagten:
Diesen haben wir befunden als einen, der unsere Nation verführt
und wehrt, dem Kaiser Steuer zu geben, indem er sagt, daß er
selbst Christus, ein König, sei."109

Seine Anhänger waren sich der Tatsache bewußt, daß Tiberius


zehn Jahre früher erklärt hatte, ein Richter könne jemanden, der
gegen Rom rebelliert hatte, sofort hinrichten lassen.

Die Kreuzigung war im jüdischen Kriminalgesetz weitgehend


unbekannt. Die Juden kannten die Hinrichtung durch
Steinigung, Verbrennen, Enthaupten und Strangulation. Das
Hängen wurde später erlaubt.110 In dem Fall, in dem das
jüdische Kriminalgesetz "Aufhängen an einen Galgen"
vorschrieb, handelte es sich nicht um eine Todesstrafe, sondern
eher um eine erniedrigende Strafe für Götzenanbeter und
Gotteslästerer, die bereits zu Tode gesteinigt worden waren.

Das Hängen deutet nach dem Willen des Gesetzes111 an, daß
der Angeklagte bei Gott verflucht war.

Der Brauch der Geißelung


Nachdem das Urteil der Kreuzigung vom Gericht verkündet
worden war, war es üblich, den Angeklagten an einen Pfahl im
Gerichtshof zu binden. Der Kriminelle wurde entkleidet und dann
von den Folterern oder Auspeitschern heftig gegeißelt.

Die Peitsche, Flagrum genannt, hatte einen festen Griff, an dem


Lederriemen von unterschiedlicher Länge befestigt waren.
Scharfzackige Knochen und Bleistücke waren darin eingewebt.
Die Juden waren durch ihr Gesetz auf 40 Schläge beschränkt.
Die Pharisäer, auf strikte Einhaltung des Gesetzes bedacht,
begrenzten ihre Schläge auf 39, damit sie im Falle des
Verzählens nicht das Gesetz brachen. Die Römer kannten solche
Einschränkungen nicht. Aus Abscheu oder Ärger konnten die
Römer die jüdische Einschränkung vollkommen ignorieren und
taten das wahrscheinlich im Falle Jesu auch.

Aus medizinischer Sicht gesehen


Dr. C. Truman Davis, ein Arzt, der den Vorgang einer Kreuzigung
eingehend unter medizinischen Aspekten untersucht hat,
beschreibt die Wirkung des römischen Flagrum, das zur
Geißelung benutzt wurde: "Die schwere Peitsche wird wieder
und wieder mit voller Kraft über Schulter, Rücken und Beine
geschlagen. Zuerst schneiden die schweren Riemen nur durch
die Haut. Dann, wenn die Schläge fortgesetzt werden, schneiden
sie tiefer in das subkutane Gewebe und rufen zuerst Blutungen
aus den Kapillaren und Venen der Haut hervor. Schließlich
spritzt Blut aus den Arterien der darunterliegenden Muskeln. Die
kleinen Bleiklumpen rufen zuerst große, tiefe Quetschungen
hervor, die durch nachfolgende Schläge aufbrechen. Schließlich
hängt die Haut des Rückens in langen Streifen herab, und der
ganze Körper ist eine unkenntliche Masse von aufgerissenem,
blutendem Gewebe. Wenn der Zenturio vom Dienst feststellt,
daß der Gefangene dem Tode nahe ist, werden die Schläge
eingestellt."112

Eusebius, ein Historiker des 3. Jahrhunderts, bestätigt Dr. Davis


Schilderung, indem er schreibt: "Die Venen des Leidenden
wurden freigelegt, und die Muskeln, Sehnen und Eingeweide des
Opfers waren entblößt. "113 Will Durant sagt, der Körper blieb
als "eine Masse von geschwollenem, blutigem Fleisch"114
zurück. Es war Brauch, nach der Geißelung den Verurteilten zu
verspotten, und das taten die römischen Soldaten mit Christus.
Sie legten ein purpurnes Gewand als Symbol des Königtums um
seine Schultern und setzten eine "Dornenkrone" auf seinen
Kopf.

Eine Dornenkrone
Welche Art von Dornen für die Krone verwendet wurde, ist nicht
bekannt. Eine stammt von einer Pflanze, die als "Syrischer
Christusdorn" bezeichnet wird, einem ungefähr 30 cm hohen
Strauch mit zwei langen, spitzen, gebogenen Dornen am Ende
eines jeden Blattes. Diese Pflanze ist in Palästina verbreitet, vor
allem in der Gegend um Golgatha, wo Christus gekreuzigt
wurde.

Eine andere Pflanze, einfach Christusdorn genannt, ist ein


winziger Strauch, 10 bis 20 cm hoch. Seine Dornen sind leicht zu
pflücken. Die Zweige können leicht zur Form einer Krone
gebogen werden; die Dornen sind steif wie Nägel oder Stacheln.

Nachdem sie die Dornenkrone auf Christi Haupt gesetzt hatten,


verspotteten sie ihn, indem sie sagten: "Gegrüßest seist du, der
Juden König!" Sie spuckten ihn auch an und schlugen ihn mit
einem Rohr. Dann führten sie ihn fort, um ihn zu kreuzigen.

Die Last des Kreuzbalkens


Ein Mann, der zur Kreuzigung verurteilt war, mußte den
Querbalken seines eigenen Kreuzes vom Gefängnis zum Ort
seiner Hinrichtung tragen. Dieser Kreuzbalken hat eine
einzigartige Geschichte. Die Forschung von Dr. Pierre Barbet hat
ergeben, daß "die Furca ein Stück Holz in Form eines
umgedrehten V war, auf dem die Deichseln der zweirädrigen
Karren lagen, wenn sie im Stall standen. Wenn ein Sklave
bestraft werden sollte, legte man die Furca auf seinen Nacken
und band seine Hände darauf fest. So wurde er durch die
Nachbarschaft getrieben, wobei er sein Vergehen ausrufen
mußte. Da nicht immer eine Furca verfügbar war, ging man dazu
über, einen langen Holzbalken zu verwenden, der dazu diente,
Tore zu verriegeln, und den man als Patibulum (von patere, offen
sein)115 bezeichnete. " Das Patibulum wog ungefähr 50 kg und
wurde auf die Schultern des Opfers gebunden.

Kreuzigung mit Nägeln


Wenn der Verurteilte den Ort der Hinrichtung erreichte, wurde er
an das Kreuz genagelt oder mit Seilen daran festgebunden. Viele
haben die historische Richtigkeit des Annagelns von Händen
und Füßen in Frage gestellt. Der Grund für diese Skepsis ist, daß
es dafür so gut wie keinen Beweis in der Geschichte gab. Dr. J.
W. Hewitt sagte in seinem Artikel "Der Gebrauch von Nägeln bei
der Kreuzigung" im "Harvard Theological Review": "Um es
zusammenzufassen: es gibt erstaunlich wenig Beweise dafür,
daß die Füße eines gekreuzigten Menschen jemals von Nägeln
durchbohrt wurden."116 Er sagte weiter, daß die Hände und
Füße des Opfers mit Stricken am Kreuz festgebunden wurden.

Jahrelang galt Dr. Hewitts Feststellung als letztes und


maßgebendes Wort. Die Schlußfolgerung war daher, daß der
Bericht des Neuen Testaments, Christus sei ans Kreuz genagelt
worden, falsch und irreführend sei. Die Kreuzigung mit Nägeln
wurde als Legende betrachtet. Man glaubte, die Nägel hätten das
Fleisch aufgerissen und einen Körper am Kreuz nicht tragen
können.

Ein toter Mann spricht


Dann wurde im Juni 1968 eine revolutionäre archäologische
Entdeckung gemacht. Unter der Leitung des israelischen
Ministeriums für Altertümer und Museen entdeckte der
Archäologe V. Tzaferis in Giv at ha- Mivtar (Ras el-Masaref) in
der Nähe des Skopusberges, nördlich von Jerusalem, vier
Felsgräber. Diese Familiengräber, die in den weichen Kalkstein
geschlagen worden waren, stammen aus der Zeit des späten 2.
Jahrhunderts v. Chr. bis 70 n. Chr. Vorhöfe führten zu den
Grabkammern, die in 15 Kalksteinossarien die Knochen von 35
Personen enthielten.

Die Feuchtigkeit hatte in vielen Fällen eine Erhaltung der


Knochen bewirkt. In fünf Fällen fand man Hinweise auf einen
gewaltsamen Tod: einmal durch den Schlag mit einer Keule, ein
anderes Mal durch einen Pfeil und ein weiteres Mal durch
Kreuzigung.117 Die Skelette wurden von Dr. N. Haas von der
anatomischen Abteilung der Hebräischen Universität und der
"Hadassah Medical School" untersucht.

Grab I durch seine Tongefäße ins 1. Jahrhundert n. Chr. datiert


wies eine Anzahl von Ossarien auf. In Ossarium 4, das mit dem
Namen Yohanan ben Ha galgal beschriftet ist, wurden die
Knochen eines männlichen Erwachsenen und eines Kindes
gefunden. Ein 17,5 cm langer Nagel war durch das Fersenbein
getrieben und beide Beine waren gebrochen worden. Haas
berichtete: "Beide Fersenbeine waren von einem großen
Eisennagel durchbohrt. Die Schienenbeine waren absichtlich
gebrochen worden. Todesursache: Kreuzigung."118

Diese Entdeckung aus der Zeit Christi bildet einen soliden


archäologischen Beweis für das Annageln von Menschen an ein
hölzernes Kreuz. Damit ist nun diese Hinrichtungsmethode, wie
sie im Neuen Testament beschrieben wird, nicht mehr
ausschließlich durch literarische Belege bezeugt.

Die Knochen in Ossarium 4 bestätigen noch eine weitere


Aussage des Neuen Testaments: "Da kamen die Soldaten und
brachen die Beine des ersten und des anderen, der mit ihm
gekreuzigt war. Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, daß er
schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht."119

Grund für das Brechen der Beine


Hier findet sich wieder ein konkreter Beweis, der den Hinweis
des Neuen Testaments auf das Brechen der Beine bestätigt. Um
verstehen zu können, warum die Beine gebrochen wurden, muß
man den Vorgang der Hinrichtung untersuchen. Die Soldaten
fühlten nach der Vertiefung an der Vorderseite des Handgelenks
und schlugen dann an dieser Stelle den schweren
schmiedeeisernen Nagel ein. Als nächstes wurden die Beine
zusammengelegt und ein langer Nagel hindurchgeschlagen. Die
Knie waren leicht gebeugt, und für die Oberschenkel des Opfers
wurde ein Sitz, sedecula genannt, am Kreuz befestigt.

Haas gewann am Beispiel von Yohanan die Erkenntnis, daß "die


Füße fast parallel befestigt wurden, beide von demselben Nagel
an den aneinandergelegten Fersen durchbohrt. Die Knie waren
gebeugt, das rechte lag über dem linken; der Rumpf war
verdreht; die oberen Gliedmaßen waren ausgestreckt, jedes am
Unterarm, oberhalb des Handgelenks, von einem Nagel
durchbohrt."120

Die folgende Zeichnung verdeutlicht die Position des an ein


Kreuz genagelten Körpers.

Eine Kreuzigung wurde üblicherweise durch das Brechen der


Beine beendet. Dadurch wurde verhindert, daß das Opfer sich
aufrichten konnte, um zu atmen.

Dr. Truman Davis, der Arzt, den ich schon oben zitierte,
beschreibt, was im menschlichen Körper, der kurze Zeit am
Kreuz hängt, vorgeht: "Wenn die Arme ermüden, verursachen
starke Muskelkrämpfe unbarmherzig pochende Schmerzen. Zu
diesen Schmerzen kommt die Unfähigkeit, sich aufrichten zu
können. Wenn er an den Armen hängt, werden die Brustmuskeln
gelähmt, und die zwischen den Rippen liegenden Muskeln
können nicht mehr arbeiten. Die Luft kann in die Lungen
eingesogen, aber nicht mehr ausgeatmet werden. Der
Gekreuzigte kämpft, um sich aufzurichten und dadurch
wenigstens einen kurzen Atemzug tun zu können. Schließlich
sammelt sich Kohlendioxyd in den Lungen und im Blutstrom,
und die Krämpfe lassen teilweise nach. Stoßweise kann er sich
aufrichten, um auszuatmen und den lebensnotwendigen
Sauerstoff einzuatmen."121

Nach einer Weile stellt sich ein orthostatischer Kollaps aufgrund


unzureichender Blutversorgung des Gehirns und des Herzens
ein. Die einzige Möglichkeit für das Opfer, dies zu vermeiden,
wäre, sich mit den Füßen aufzurichten, um die Blutzirkulation im
oberen Teil des Körpers bis zu einem gewissen Grade
wiederherzustellen. Wenn die Richter den Tod beschleunigen
oder die Folter beenden wollten, wurden die Beine des Opfers
unterhalb der Knie mit einer Keule gebrochen. Dadurch wurde
verhindert, daß es sich aufstützen konnte, um den Zug an den
Brustmuskeln zu verringern. Es folgte entweder schnelles
Ersticken oder Herzversagen. Im Falle Christi wurden die Beine
der beiden mit ihm gekreuzigten Diebe gebrochen, die Beine
Christi aber nicht, da die Henker sahen, daß er schon tot war.

Hervorquellen von Blut und Wasser


Einer der Henker stieß einen Speer in Christi Seite und, wie
Johannes 19,34 berichtet, es "ging alsbald Blut und Wasser
heraus". Dr. Davis berichtet, daß es "zu einem Abfluß von
wäßriger Flüssigkeit aus dem Beutel kam, der das Herz umgibt".
Wir haben daher einen sehr schlüssigen Beweis dafür, daß
Christus nicht den normalen Kreuzigungstod durch Ersticken
starb.122

Dr. Stuart Bergsma, ein Arzt und Chirurg, schreibt: "Bei guter
Gesundheit ist normalerweise eine kleine Menge, etwa 20 oder
30 cm3, Herzbeutelwasser vorhanden. Es ist möglich, daß durch
die Wunde, die Herzbeutel und Herz durchdringt, genug
Herzbeutelwasser ausfließt, um als Wasser bezeichnet zu
werden. "123

Dr. Bergsma berichtet weiter, daß die postmortalen


Untersuchungen von zerissenen Herzen in mehreren Fällen
zeigen, daß "die Herzbeutelhöhle mit ungefähr 500 cm3 wäßriger
Flüssigkeit und frisch geronnenem Blut gefüllt war".124

Zwei andere medizinische Autoritäten stellen fest, daß in Fällen


von Herzrissen "der Tod gewöhnlich so plötzlich eintritt, daß
man häufig die Person tot zusammenbrechen sieht oder tot
auffindet. In der großen Mehrzahl der Fälle handelt es sich um
einen vollständigen Riß der Herzwand, der eine starke
Herzbeutelblutung hervorruft."125

Römische Bräuche angewendet


Nachdem man das Opfer ans Kreuz genagelt hatte, wurde eine
Beschreibung seines Verbrechens am oberen Teil des Kreuzes
befestigt. Die Inschrift im Falle Christi lautete: "Jesus von
Nazareth, der König der Juden."

Nach ihrem Brauch126 teilten die römischen Soldaten


gewöhnlich die Kleider des Opfers untereinander auf. Doch bei
Jesus gab es nur ein Kleidungsstück. Deshalb losten sie darum.

Pilatus verlangte eine Bestätigung für Christi Tod, ehe der Leib
an Joseph von Arimathia127 übergeben werden durfte. Er
erlaubte die Abnahme des Leibes Christi vom Kreuz erst,
nachdem vier Henker seinen Tod eindeutig festgestellt hatten.

Eine gut erledigte Arbeit


Die Zuverlässigkeit einer zum sicheren Tode führenden
Hinrichtung durch Kreuzigung war zur Zeit Christi wohlbekannt.
Dr. Paul L. Maier, Professor für Alte Geschichte an der Western
Michigan Universität, schreibt: "Zugegeben, es gibt Berichte von
einem Fall, in dem ein Opfer vom Kreuz genommen wurde und
überlebte. Der jüdische Historiker Josephus, der in der Rebellion
des Jahres 66 n. Chr. auf die römische Seite übergelaufen war,
beobachtete, wie drei seiner Freunde gekreuzigt wurden. Er bat
den römischen General Titus, sie zu begnadigen, und sie
wurden sofort von ihren Kreuzen abgenommen.

Trotzdem starben zwei von ihnen, obwohl sie offenbar nur kurze
Zeit am Kreuz gehangen hatten. Im Falle Jesu wurden jedoch
noch zusätzliche Foltermaßnahmen getroffen, z. B. Geißelung
und ganz zu schweigen von dem schweren Speerstoß, der
seinen Brustkorb durchbohrte und wahrscheinlich den
Herzbeutel zerriß. Die Römer waren bei Kreuzigungen ungemein
tüchtig: Die Opfer kamen nicht mit dem Leben davon."128

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Auszug aus dem Buch "Der Fall Jesus" von Lee Strobel,
erschienen im Projektion J Verlag

Die feudale Einrichtung passte überhaupt nicht zu unserem


Gesprächsthema. Wir saßen an einem milden Frühlingsabend im
Wohnzimmer von Metherells komfortablem kalifornischem Haus,
vom Meer wehte eine frische Brise durch die Fenster und wir
sprachen über ein Thema von unvorstellbarer Grausamkeit: über
eine Folter, die so barbarisch ist, dass sie das Bewusstsein
raubt, und eine Form der Todesstrafe, die ein erbärmliches
Zeugnis dafür abgibt, wie unmenschlich sich Menschen
gegenüber anderen Menschen verhalten können.

Ich hatte Metherell aufgesucht, weil ich gehört hatte, dass er


medizinisch und wissenschaftlich in der Lage wäre, die
Kreuzigung zu erklären. Aber man hatte mir auch gesagt, dass
er das Thema genauso leidenschaftslos wie genau diskutierte.
Das war für mich entscheidend, weil ich die Fakten für sich
sprechen lassen wollte.

Wie man es von einem Mediziner (Universität von Miami) und


einem Doktor des Ingenieurwesens (Universität von
Bristol/England) erwartet, spricht Metherell mit
wissenschaftlicher Präzision. Er gehört zum Vorstand des
American Board of Radiology und war Berater des National
Heart, Lung and Blood Institute des Gesundheitsministeriums
von Maryland. [...] Auch sein Äußeres entspricht dem Bild, das
man sich gemeinhin von einer distinguierten medizinischen
Autorität macht: eine beeindruckende Gestalt mit silberfarbenem
Haar und höflichem, fast schon formalem Auftreten.

Um ehrlich zu sein, fragte ich mich manchmal, was in Metherell


vorging. Er sprach mit wissenschaftlicher Zurückhaltung,
langsam und methodisch, und gab keinen Hinweis darauf, dass
es ihn innerlich bewegte, als er die ziemlich unangenehmen
Details der Hinrichtung Jesu beschrieb. Was immer in ihm
vorging, was immer es ihn kostete, als Christ über das
grausame Schicksal Jesu zu sprechen - er konnte es hinter der
Maske der Professionalität verbergen, die er sich in Jahren
wissenschaftlicher Arbeit angeeeignet hatte.

Er versorgte mich einfach mit den harten Fakten - und genau


deswegen war ich schließlich durch das halbe Land gereist.

Die Folter vor der Kreuzigung


Zuerst wollte ich von Metherell eine Beschreibung der
Ereignisse hören, die zu Jesu Tod führten. Nach etwas Smalltalk
stellte ich meinen Eistee ab, setzte mich in meinen Stuhl und
fragte ihn direkt: "Könnten Sie mir beschreiben, was mit Jesus
passierte?"

Er räusperte sich. "Es begann nach dem letzten Abendmahl",


sagte er. "Jesus ging mit seinen Jüngern zum Ölberg, und zwar
in den Garten Getsemani. Und dort, falls Sie sich erinnern,
betete er die ganze Nacht. In dieser Nacht wartete er auf das,
was am folgenen Tag geschehen würde. Da er wusste, dass
Schweres auf ihn zukam, war es natürlich dass er großem
psychischen Stress ausgesetzt war."

Ich hob meine Hand, um ihn zu unterbrechen. "Genau hier


eröffnet sich Skeptikern ein breites Angriffsfeld. Die Evangelien
berichten uns, dass er anfing, Blut zu schwitzen. Ist diese
Beschreibung nicht einfach das Produkt übersteigerter
Fantasie? Stellt das nicht die Genauigkeit der
Evangelienschreiber in Frage?"

Metherell schüttelte den Kopf. "Nein, überhaupt nicht",


antwortete er. "Das ist ein bekannter medizinischer Befund, die
sogenannte Mikrozirkulationsstörungen. Sie sind nicht sehr
häufig, hängen aber mit extremem psychischen Stress
zusammen.

Starke Angstzustände können dazu führen, dass chemische


Stoffe freigesetzt werden, die die Kapillaren in den
Schweißdrüsen aufbrechen. Die Folge ist, dass in diesen Drüsen
minimale Blutungen auftreten. Der Schweiß tritt dann mit Blut
vermischt aus. Es geht hier nicht um große Mengen von Blut,
sondern um eine winzige Menge."

Auch wenn mich etwas bremste, hakte ich nach: "Hatte das
noch weitere Auswirkungen auf den Körper?"

"Die Folge davon war, dass die Haut extrem brüchig wurde. Als
Jesus am nächsten Tag von den römischen Soldaten gegeißelt
wurde, war seine Haut sehr, sehr empfindlich."

Ich versuchte, mich gegen die grausamen Bilder zu wappnen,


die gleich meinen Verstand überfluten würden. Als Journalist
hatte ich viele Leichen gesehen - Opfer von Autounfällen,
Bränden und Bandenkriegen, aber es war besonders
schrecklich, wenn man hörte, wie jemand mit voller Absicht von
Leuten gequält wurde, die ihn möglichst stark leiden lassen
wollten.

"Erzählen Sie mir, wie eine solche Geißelung aussah", sagte ich.

Metherell blickte mir direkt in die Augen: "Römische


Geißelungen galten als besonders brutal. Normalerweise
bestanden sie aus 39 Schlägen, aber meistens waren es viel
mehr. Das hing ganz von der Laune des Soldaten ab.

Der Soldat verwendete eine Peitsche aus Lederriemen, in die


Metallkugeln eingeflochten waren. Wenn die Peitsche die Haut
traf, verursachten diese Metallkugeln blaue Flecken oder
Blutergüsse, die bei den nächsten Schlägen aufbrachen.
Außerdem waren in die Peitsche scharfe Knochenstückchen
eingeflochten, die das Fleisch aufrissen.
Der Rücken konnte dabei so zerfetzt werden, dass die
Wirbelsäule durch die tiefen Schnitte teilweise frei gelegt war.
Die Schläge liefen von den Schultern über den ganzen Rücken,
das Gesäß und die Rückseite der Beine. Es war schrecklich"

Metherell hielt inne. "Bitte fahren Sie fort", sagte ich.

"Ein Arzt, der sich mit römischen Geißelungen beschäftigt hat,


sagte einmal: 'Im fortgesetzten Verlauf der Geißelung wurden die
Fleischwunden so tief, dass sie die tieferen Skelettmuskeln
erreichten und sich Streifen von zuckendem, blutendem Fleisch
lösten.' Eusebius, ein Historiker des dritten Jahrhunderts,
beschrieb eine Geißelung folgendermaßen: 'Die Adern des
Opfers lagen bloß und die Muskeln, Sehnen und Eingeweide
lagen offen da.'

Wir wissen, dass viele Menschen alleine durch diese


Behandlung starben, noch bevor sie ans Kreuz geschlagen
wurden. Doch zumindest litt das Opfer unermessliche
Schmerzen und fiel in einen hypovolämischen Schockzustand."

Metherell hatte einen medizinischen Fachbegriff verwendet, den


ich nicht kannte. "Was bedeutet 'hypovolämisch'?", fragte ich.

"'Hypo' bedeutet 'niedrig', 'vol' ist die Abkürzung von Volumen


und 'ämisch' bedeutet 'Blut'. Ein hypovolämischer Schock
bezeichnet die Folgen von hohem Blutverlust", erklärte er.
"Dabei passieren vier Dinge. Erstens rast das Herz, weil es
versucht, BLut zu pumpen, das nicht vorhanden ist. Zweitens
fällt der Blutdruck, was Ohnmacht oder Kollaps zur Folge hat.
Drittens arbeiten die Nieren nicht mehr, um ihr vorhandenes
Volumen zu erhalten. Und viertens wird die Person sehr durstig,
weil der Körper sich nach Flüssigkeit sehnt, um den Blutverlust
auszugleichen."

"Finden Sie dafür Beweise in den Evangelienberichten?"

"Ja, ganz eindeutig", erwiderte er. "Jesus befand sich in einem


hypovolämischen Schockzustand, als er auf dem Weg zur
Hinrichtungsstätte am Calvarienberg unter dem Querbalken des
Kreuzes stolperte. Schließlich kollabierte er und der römische
Soldat befahl Simon, das Kreuz für Jesus zu tragen. An anderer
Stelle lesen wir, dass Jesus sagte, dass er Durst hatte,
woraufhin ihm ein mit Essig getränkter Schwamm gereicht
wurde.

Wegen der verheerenden Folgen dieser Geißelung kann


überhaupt kein Zweifel daran bestehen, dass sich Jesus schon
in einem ernsten, wenn nicht sogar kritischen Zustand befand,
bevor die Nägel in seine Hände und Füße geschlagen wurden."

Der Todeskampf am Kreuz


Obwohl schon die Beschreibung der Geißelun scheußlich war,
wusste ich doch, dass mir noch eine noch schrecklichere
Schilderung bevorstand, denn die Historiker sind sich darin
einig, dass Jesus die Geißelung überlebte und ans Kreuz
genagelt wurde.

In den Vereinigten Staaten, in denen es auch heute noch die


Todesstrafe gibt, werden Verbrecher festgegurtet, bevor ihnen
Gift injiziert wird. Oder sie werden zu einem hölzernen Stuhl
geleitet, auf dem sie Stromschlägen ausgesetzt werden. Alles ist
kontrolliert. Der Tod kommt schnell und vorhersagbar.
Medizinische Gutachter bescheinigen gewissenhaft den Tod des
Opfers. Aus nächster Nähe beobachten Zeugen alles von Anfang
bis zum Ende.

Aber wie sicher war der Tod bei dieser grausamen, langsamen
und ziemlich ungenauen Form der Todesstrafe, der Kreuzigung?
Die meisten Menschen wissen nicht genau, wie der Tod am
Kreuz aussieht. Und ohne einen ausgebildeten Mediziner, der
offiziell den Tod Jesu bestätigen konnte, bleibt die Frage, ob
Jesus gefoltert und blutend, aber noch lebend entkommen
konnte.

Ich näherte mich diesen Themen langsam. "Was geschah, als er


an der Hinrichtungsstätte ankam?", fragte ich.

"Er wurde auf den Boden gelegt, musste seine Arme


ausstrecken und wurde dann mit den Händen an den
Querbalken des Kreuzes genagelt. Diesen Kreuzbalken nannte
man 'patibulum'. Er war getrennt von dem zweiten, vertikalen
Balken, der dauerhaft im Boden verankert war."

Ich hatte Probleme, mir das vorzustellen. Ich brauchte mehr


Details. "Genagelt mit was?", fragte ich langsam und zögerlich.
"Und wo festgenagelt?"

"Die Römer verwendeten Nägel, die 10 bis 15 Zentimeter lang


waren und eine scharfe Spitze hatten. Sie wurden durch die
Handglenke getrieben." Dabei zeigte er auf einen Punkt etwa
einen Zentimeter unterhalb der Handfläche seiner linken Hand.

"Einen Augenblick", unterbrach ich ihn. "Ich dachte, die Nägel


durchbohrten seine Handflächen. So sieht man es immer auf
den Bildern. Das ist schon so etwas wie ein Standardsymbol für
die Kreuzigung."

"Durch die Handgelenke", wiederholte Metherell. "Das war eine


solide Stelle, die die Hand fixierte. Wenn man die Nägel durch
die Handflächen getrieben hätte, wäre die Haut durch das
Gewicht des Körpers gerissen und er wäre vom Kreuz gefallen.
Deshalb schlug man die Nägel durch die Gelenke. Im
Sprachgebrauch waren die Handgelenke damals Teil der Hände.

Und man muss wissen, dass der Nagel den sogenannten


'Nervus medianus' oder auch 'Medianusgabel' traf. Das ist der
größte Nerv, der durch die Hand läuft. Er wurde mit sicherheit
zerstört, als der Nagel eingeschlagen wurde."

Da ich nur rudimentäre Kenntnisse in menschlicher Anatomie


besitze, war mir nicht ganz klar, was das bedeutete. "Welche Art
von Schmerz löste das aus?" fragte ich.

"Kennen Sie den Schmerz, den Sie spüren, wenn sie sich den
Ellbogen anschlagen und dabei Ihren Musikantenknochen
treffen? Das ist ein anderer Nerv und es ist extrem schmerzhaft,
wenn Sie ihn aus Versehen treffen.
Nun, stellen Sie sich vor, Sie nehmen eine Zange und quetschen
diesen Nerv", sagte er und betonte das Wort "quetschen". "Das
entspricht etwa dem Schmerz, den Jesus erlebt haben dürfte."

Ich wand mich bei der Vorstellung auf meinem Stuhl.

"Der Schmerz war absolut unerträglich" fuhr er fort. "Er war


buchstäblich unbeschreiblich; man musste ein neues Wort dafür
erfinden: 'excruciare'. 'Excruciare' bedeutet wörtlich' aus dem
Kreuz heraus.' Stellen Sie sich das vor: Man musste extra ein
neues Wort erfinden, weil es kein Wort in der Sprache der Römer
gab, das die extremen Qualen der Kreuzigung beschrieb.

An dieser Stelle wurde Jesus hochgezogen und der Querbalken


am Längsbalken des Kreuzes befestigt. Dann wurden Nägel
durch die Füße Jesu gschlagen. Auch hierbei wurden wieder die
Nerven zerstört, was einen ähnlich starken Schmerz
verursachte."

Gequetschte und durchtrennte Nerven waren sicher schon


schlimm genug, aber ich wollte noch etwas über die Wirkung
wissen, die das Hängen am Kreuz auf Jesus hatte. "Welche
Belastung bedeutete das für seinen Körper?"

"Zunächst wurden seine Arme extrem gedehnt, etwa um zehn


Zentimeter, und dabei beide Schultern ausgekugelt. Das lässt
sich mit einfachen mathematischen Gleichungen bestimmen",
antwortete Metherell. "Damit erfüllte sich die alttestamentliche
Prophetie aus dem 22. Psalm, die mehrere hundert Jahre vor der
Kreuzigung vorhersagte: '[...] gelöst haben sich alle meine
Glieder.' "

Die Todesursache
Metherell hatte mir anschaulich die Schmerzen beschrieben, die
das Opfer am Anfang der Kreuzigung erleiden musste. Aber ich
musste noch in Erfahrung bringen, wie das Leben eines
Kreuzigungsopfers am Ende aussah. Die entscheidende Frage
war, ob man den Tod simulieren konnte. Deshalb fragte ich
Metherell ganz konkret nach der eigentlichen Todesursache.
"Wenn eine Person erst einmal in der vertikalen Position hängt",
erwiderte er, "dann vollzieht sich der Tod langsam und qualvoll
durch Ersticken.

Das liegt daran, dass durch den Druck auf die Muskeln und das
Zwerchfell der Brustkorb in eine Position gebracht wird, die das
Ausatmen unmöglich macht. Um auszuatmen, müsste sich das
Opfer mit den Füßen abstützen, damit die Spannung der
Muskeln einen Moment lang nachläßt. Dabei würde der Nagel die
Füße aufreißen, eventuell sogar den Fußwurzelknochen
verletzen.

Wenn es das Opfer geschafft hat, auszuatmen, konnte es sich


einen Augenblick entspannen und wieder einatmen. Aber dann
musste es sich wieder mit den Füßen abstützen und nach oben
stemmen, um auszuatmen. Dabei rieb sich der blutende Rücken
am rauhen Holz des Kreuzes. Das ging so lange, bis das Opfer
völlig erschöpft war und sich nicht mehr abstützen und
ausatmen konnte.

Wenn sich die Atmung verlangsamt, löst sich der Kohlenstoff im


Blut in Kohlensäure auf, wodurch der Säuregehalt zunimmt. Das
wiederum führt zu unregelmäßigem Herzschlag. Als Jesus
merkte, dass sein Herz ungleichmäßig zu schlagen anfing,
wusste er vermutlich, dass sein Tod nahe war. Er schaffte es
noch zu sagen: 'Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.'
Dann starb er an Herzversagen."

Angebote des Gerth-Verlages zum Thema:


Lee Strobel: Die Auferstehung Christi - Mythos oder Wahrheit?

War Jesus nach seiner Kreuzigung wirklich tot oder war er


vielleicht nur bewusstlos? Haben die Jünger seinen Leichnam
nur gestohlen und war das der wahre Grund dafür, warum sein
Grab leer war? Und begegnete er danach wirklich vielen
glaubwürdigen Menschen oder litten diese nur an
Halluzinationen?

Wenn auch Sie gerne der Wahrheit auf den Grund gehen
möchten, dann begleiten Sie den Autor bei seiner Spurensuche.
Nehmen Sie gemeinsam die Fakten unter die Lupe. Fakten, die
vielleicht auch Ihr Leben völlig auf den Kopf stellen werden ...