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Magnusfe 2010 - Thomas Evangelium - www.jesus.de.

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Woher kommt das Thomas-Evangelium?


Das Thomas-Evangelium gibt es wirklich. Es ist wohl identisch
mit dem sogenannten "Jesus-Evangelium" aus dem Film
"Stigmata".

Es handelt sich dabei um eine sogenannte pseudepigraphe


Schrift aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus. Sie stammt
laut Prolog aus der Feder eines Didymos ("Zwilling") Judas
Thomas. Hiermit ist wohl der Apostel Thomas gemeint. Das Wort
"pseudepigraph" bedeutet, dass der Autor diesen Namen nur
vorgegeben hat, um seiner Schrift eine größere Akzeptanz zu
verleihen.

Man fand das Thomas-Evangelium im Winter 1945/46 in einem


mittelägyptischen Dorf namens Nag Hammadi in einem großen
Tonkrug als Bestandteil von 13 originalen Papyrusbüchern,
eingehüllt in Ledersäckchen. Sie stammen aus dem 2.
Jahrhundert n. Chr. Die Bücher kamen je zur Hälfte ins
Koptische Museum nach Kairo und in das C.G. Jung-Institut
nach Zürich. Es ist wohl kein Zufall, dass Carl Gustav Jung dem
Okkultismus, Spiritismus und der Gnosis gegenüber sehr
aufgeschlossen war und das "Thomas-Evangelium" heute im
Esoterik- und New-Age-Bereich großen Anklang findet.

Bei der Gnosis ("Erkenntnis") handelt es sich um eine frühe


Bewegung des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr., in der auf
mystische Art und Weise eine tiefere religiöse Erkenntnis
angestrebt wurde. Selbsterlösung durch tiefere Erkenntnis war
der Weg aller gnostischen Strömungen und schon von diesem
Ansatz her der Botschaft Jesu entgegengesetzt.

Jesus sprach dagegen von der Erlösung durch sein


stellvertretendes Opfer am Kreuz, weil kein Mensch in der Lage
ist, sich selbst durch noch so große Anstrengung zu erlösen.
Gnade, nicht religiöse Höchstleistung – das war die großartige
Botschaft Jesu und unterscheidet sie von allen Religionen - und
eben auch von gnostischem Gedankengut.

Typisch für gnostisches Gedankengut ist der Anspruch des


Thomas-Evangeliums auf angeblich "geheime Worte Jesu", die
in diesem Werk enthalten sein sollen. Diese Form der geheimen
Mitteilung entspricht aber so gar nicht der klaren und offenen
Art Jesu. Er wollte, dass durch ihn und seine Jünger (Apostel)
das Evangelium von der Gnade und Vergebung in aller Welt
deutlich und unmissverständlich verkündigt wird (siehe z.B.
Matthäus 7,24-28; 28, 19f; Markus 1,15; Markus 2,17). Gerade
weil seine Zuhörer nur allzu gut verstanden, was Jesus meinte
und dass er z.B. ihre heuchlerische Religiosität an den Pranger
stellte, rief er entweder ungeteilte Zustimmung oder brutalen
Widerstand hervor, der letztlich seine Kreuzigung verursachte.

Von einer Geheimlehre, die zu höherer Erkenntnis führt als das


"normale" Evangelium, ist in den anderen Evangelien kein
Hinweis zu finden. Die gnostischen Aussagen des Thomas-
Evangeliums wie z.B. die, dass der beharrlich Suchende am
Ende als "König des Alls" hervorgehen wird (und den Menschen
damit letztlich in den Rang Gottes erhebt, stehen im
fundamentalen Widerspruch zum Gottes- und Menschenbild des
Alten wie des Neuen Testaments. Der Mensch und seine
Erkenntnis werden im Thomas-Evangelium stark in den
Mittelpunkt gerückt, was das Gegenteil des eigentlichen
Evangeliums bedeutet: der Mensch soll sein egoistisches Ich
ablegen, um sich ganz von Christus und nicht von seinem
eigenen Willen leiten zu lassen (Lukas 9,23-26).

Das Neue Testament lehrt, dass durch Jesus ein für allemal der
eine Weg zu Gott offenbart worden ist und bezüglich des Heils
des Menschen und seiner Versöhnung mit Gott keine
zusätzliche Offenbarung oder Prophetie mehr erfolgen wird
(siehe u.a. Matthäus 21,33ff; Johannes 14,6; Apostelgeschichte
4,12; Judas). Das Thomas-Evangelium enthält dagegen mit der
Bibel völlig unvereinbare neue theologische Inhalte, etwa den in
der Frage erwähnten Pantheismus ("Gott ist identisch mit seiner
Schöpfung und in allem Geschaffenen zu finden").
Deshalb muss das Werk - trotz vieler inhaltlicher Parallelen -
insgesamt als verfälschte Lehre Jesu angesehen werden. Jesus,
Paulus und Johannes warnen einheitlich vor solcher Lehre
(Matthäus 24,11+23f; Kolosser 2,8; Galater 1,6-9; Offenbarung
2,6+15; 1.Korinther 5,9ff). Da im Gegensatz zu den anderen
Evangelienfunden (deren Relevanz für die Gemeinde durch eine
weite Verbreitung in der frühen Christenheit belegt sind)
überhaupt nicht nachgewiesen werden kann, dass der Text aus
der Zeit Jesu stammt und eine vertrauenswürdigere bzw. eine
authentischere Aufzeichnung seiner Reden enthält, steht den
anderen neutestamentlichen Evangelien eine wesentlich größere
Vertrauenswürdigkeit zu.