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Hugin Freiherr von Greim

Der Germanische
Jahreslauf

Institut für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung


Hugin Freiherr von Greim

Der Germanische
Jahreslauf

(c)Institut für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung


1.Auflage (03/2010)
Inhalt:
· 1. Der Jahreskreis
· 1.1. Entstehung und Hintergrund · 1.6. Die Berechnung der Mondfeste
· 1.2. Sonnen- und Mondfeste · 1.7. Die Zeitpunkte der Sonnenfeste
· 1.3. Die heutige Bedeutung heidnischer · 1.8. Astronomische Grundlagen
Feste
· 1.4. Was Jahresfeste mit Magie zu tun haben · 2. Heidnische Ursprünge anderer Festbräuche
· 2.1. Die Adventszeit
· 1.5. Die acht Jahresfeste · 2.2. Der Nikolaus
· 1.5.1. Samhain (Totenfest) · 2.3. Die Rauhnächte
· 1.5.2. Jul (Mittwinter) · 2.4. Silvester
· 1.5.3. Imbolc (Lichterfest) · 2.5. Das Perchtenfest
· 1.5.4. Ostara (Frühlingsfest)
· 1.5.5. Beltane (Feuerfest) · 3. Sabbat und Esbat
· 1.5.6. Litha (Mittsommer)
· 1.5.7. Lughnasad (Schnitterfest)
· 1.5.8. Mabonad (Herbstfest)
1. Der Jahreskreis
1.1. Entstehung und Hintergrund

Dem Jahreszeitenzyklus war jede Tätigkeit auf dem Bauernhof (bishin zum Geschichtenerzählen)
untergeordnet. Daraus resultierte die Beschaffung von Nahrung, Wärme, Kleidung, Vorräten und
allem, was man zum Überleben brauchte. Das Zusammentreffen der jungen Leute, Werbung,
Hochzeit und Familiengründung war ebenfalls saisonbedingt. Die glanzvollen Versammlungen zu
den Jahreszeitenfesten mit ihren religiösen, politischen, sportlichen und künstlerischen
Veranstaltungen und den Gelegenheiten zu Handel und Vergnügen belebten das
Zugehörigkeitsgefühl und erneuerten periodisch den Zusammenhalt eines ganzen Volkes.

Diese Feste, welche den Wechsel und den Höhepunkt der Jahreszeiten feierten, waren so tief im
Glauben der Heiden verwurzelt, daß sogar die christliche Kirche nicht anders konnte, als sie sich
zu eigen zu machen, obwohl das ursprüngliche Christentum überhaupt keine Feiertage hatte und
diese auch nicht wollte. Aber die christianisierten Menschen wollten an ihren heidnischen
Bräuchen und Festen festhalten, die ihnen so viel Freude bereiteten.

Also blieb der Kirche nichts anderes übrig, als sich diese heidnischen Dinge zu eigen zu machen
und mit einem christlichen Deckmantel zu verbrämen. Deshalb ähneln viele christliche Feiertage
den heidnischen Jahresfesten in Zeitpunkt und Bräuchen sehr auffällig. Aber es ist im Grunde
alles nur geklaut, um den "missionierten" Menschen, welche ihre geliebten Traditionen nicht
aufgeben wollten, bei ihren Feiern einen christlichen Hintergrund aufzuzwingen.

Durch den Vorwurf der Teufelsanbetung versuchte man die Menschen vergeblich von den
magischen Riten und traditionellen Bräuchen abzubringen, die aber in Wahrheit natürlich nichts
mit dem Teufel zu tun hatten und nicht nur wesentlich älter als das Christentum waren, sondern
selbstverständlich auch keinerlei Bezüge zu irgendwelchen von Christen erfundenen Kunstfiguren
wie Gott oder Teufel hatten.

Es sind auch keine Parodien auf christliche Feste, denn sie sind viel älter, und man muß sich vor
Augen halten, daß die Kirche von den Heiden abgeschaut hat und nicht umgekehrt. Außerdem
würde ein solches Ansinnen einer "Schwarzen Messe" gleichkommen, und so etwas ist nicht Sinn
der heidnischen Jahresfeste, die mit der naturfeindlichen Religion des Christentums nichts zu tun
haben und auch nichts zu tun haben wollen.
1.2. Sonnen- und Mondfeste
Das sich ewige Jahresrad dreht sich mit dem Lauf der Sonne. Im Winter (der "Jahresnacht") wird
sie nach heidnischem Glauben zur Sonnenwende neu geboren, wächst im Frühling (dem
"Jahremorgen") heran, erreicht im Sommer (dem "Jahresmittag") mit der Sonnenwende ihren
Höhepunkt, um im Herbst (dem "Jahresabend") langsam zu vergehen, am Herbstende zu sterben
und im Winter wiedergeborgen zu werden, ein ewiger Kreislauf. Die Drehung des Jahresrades ist
zeitlos und endet nie.

Die anderen vier Feiertage sind die Hauptfeste, und als Mondfeste, die immer zu einem bestimmten
Voll- oder Neumond im Jahr begangen werden, sind sie entsprechend der jeweiligen Mondphasen
bewegliche Feiertage, die jedes Jahr auf ein anderes Datum fallen, ähnlich wie heute Ostern. Die
Mondfeste sind zwischen den Sonnenfesten angeordnet und wechseln sich mit diesen ab.

Sie kennzeichnen die Mitte, beziehungsweise den Höhepunkt einer Jahreszeit und haben
landwirtschaftliche und mythologische Bedeutung, zum Beispiel die spirituelle Vorbereitung auf
die nächste Jahreszeit. Die Mondfeste sind keltischen Ursprungs und wurden anfangs nur von den
Kelten gefeiert. Wo sich keltische und germanische Kultur vermischten, wurden sie aber auch von
den Germanen übernommen und gehören hier, auch wenn ihre geläufigen Namen aus Irland
kommen, zur einheimischen heidnischen Tradition.

Ob und wann sich die germanische und die keltische Tradition durch Einwanderungen verband, ist
nicht mehr feststellbar. Der Zyklus der acht Jahresfeste ist eigentlich ein relativ modernes
Kunstprodukt aus den vier keltischen Mondfesten und den vier germanischen Sonnenfesten und
wird erst seit ca. 150 Jahren von Okkultisten in dieser Kombination gefeiert. Aber er ist sehr
kraftvoll. Die Gegenüberstellung des Mondes, der mit Attributen wie weiblich, Spiritualität,
Emotion, Gefühl, Intuition und Passivität in Zusammenhang gebracht wird, mit der Sonne, die als
männlich gilt, und der Materialität, Rationalität, Logik, Verstand und Aktivität zugeschrieben
werden, stellt eine Polarität dar, im Jahresrad ein ewiger Wechsel und doch gleichzeitig eine
untrennbare Einheit.

Die acht großen Jahresfeste sind im einzelnen:

Festname: Bedeutung: Datum:


Samhain Totenfest, Neumondfest um den 31. Oktober
Jul Mittwinter, Wintersonnenwendfest 21. Dezember
Imbolc Lichterfest, Vollmondfest um den 1. Februar
Ostara Frühlingsfest, Vogelfest, Frühlings-Äquinoktium (Sonnenfest) 21. März
Beltane Feuerfest, Vollmondfest um den 30. April
Litha Eichenfest, Mittsommer, Sommersonnenwendfest 21. Juni
Lughnasad Kornfest, Schnitterfest, Erntefest, Vollmondfest um den 31. Juli
Herbstfest, Weinfest, Erntefest, Herbst-Äquinoktium
Mabonad 23. September
(Sonnenfest)

Diese Feste werden im weiteren Verlauf noch detailliert beschrieben.

Zwischen jedem der einzelnen Feste liegt ein variabler Abstand von ungefähr sechseinhalb
Wochen. Allgemein halten sich viele Kulturen daran, daß die Feiertage bei Sonnenuntergang
anfangen und erst mit dem nächsten Sonnenuntergang enden. Daher beginnt zum Beispiel Jul am
Abend des 21. Dezembers und läuft durch den Tag des 22. Dezembers bis zum Sonnenuntergang.

Die Ursprünge dessen sind bei den Germanen zu finden, denn bei ihnen begann jeder Zyklus mit
Dunkelheit, und deshalb begann auch jeder neue Tag mit Einbruch der Nacht, also bei
Sonnenuntergang, des vorherigen Tages und endete am Abend. So ist auch im Frankenland
mitunter noch heute der Begriff "vürnächt" für "vorgestern" bekannt.

Ebenso begann der Mondmonat mit dem dunklen Neumond. Auch das Jahr begann nach demselben
Prinzip mit der dunklen Hälfte, dem Winter, denn man glaubte, daß das Dunkel das Licht in die
Welt setzt, der Tag aus der Nacht entsteht und, analog dazu, das Leben aus dem Tod. In keltischer
Zeitrechnung begann das Jahr zu Samhain (um den 31. Oktober), in germanischer Tradition nach
den Rauhnächten (3. Januar).

1.3. Die heutige Bedeutung heidnischer Feste


Ein Grundgedanke der heidnischen Jahresfeste ist der Einklang mit den Kreisläufen der Natur,
deren wichtigster Zyklus der Kreis der Jahreszeiten ist. Spätestens seit der Zeit der
Megalithenkultur, deren Bauten nach exakten astronomischen Berechnungen errichtet wurden (zum
Beispiel Stonehenge), ist das heidnische Jahr ein Sonnenjahr, das durch die Sonnenwenden und
Tagundnachtgleichen gegliedert ist. Die Anfänge (Sonnenfeste) und Höhepunkte (Mondfeste) der
vier Jahreszeiten gliedern das Jahr in acht Teile. Sie sind die "acht Speichen am Rad des Jahres".

Doch welche Bedeutung haben die alten Jahreszeitenfeste mit ihren Natur- und Fruchtbarkeitsriten
heute für einen modernen Menschen in einer technisierten Welt? Viele Menschen feiern heutzutage
doch ganz andere Feste, zum Beispiel Weihnachten und Ostern, genießen den l. Mai als
zusätzlichen Feiertag, und manche begehen außerdem kirchliche Feste wie Allerheiligen,
Lichtmeß, Johannisnacht oder Erntedankfest. Was also hat man noch mit Sonnen- und Mondfesten
zu tun, welche die Vegetationszyklen feiern?

All die eben aufgeführten Beispiele von Feiertagen sind in Wahrheit alte Jahreszeitenfeste
germanischen und keltischen Ursprungs. Es waren tatsächlich heidnische Feiertage, welche von der
Kirche zuerst bekämpft und verteufelt und dann, weil im Volk nicht ausrottbar, von dieser
übernommen und mit einem christlichen Hintergrund versehen wurden. Aber viele der alten
Bräuche haben die Zeiten überdauert.

Also schön, wenn man diese Feste ohnehin feiert, wenn vielleicht auch in anderer Form, dann ist ja
alles in Ordnung - sollte man meinen. Außerdem erscheinen bäuerliche Fruchtbarkeitsriten als
Relikte einer lang vergessenen Zeit und gehören nicht mehr in eine moderne Welt, in welcher alles
jederzeit zur Verfügung steht, die Fruchtbarkeit der Erde durch Kunstdünger gelöst zu sein scheint
und die Fruchtbarkeit des eigenen Körpers gar nicht immer erwünscht ist.

Es gibt aber Menschen, die sehen das ganz anders. Viele Anhänger des Heidentums, des
Paganismus, des Asatru, des Wicca, des Hexentums und anderer heidnischen Strömungen
betrachten die Jahresfeste als Ausdruck der Verbundenheit mit ihren Ahnen und deren keltisch-
germanischer Tradition und mit der Natur und ihren Kräften und ihrem Kreislauf. Da sich nach
dem magischen Grundsatz "wie oben, so unten" der Makrokosmos Natur im Mikrokosmos Mensch
widerspiegelt, kann der bewußtere Umgang mit der Natur eben auch etwas im Menschen selbst
bewegen und seine eigenen Kräfte mobilisieren. Die heidnischen Jahresfeste sind eine schöne
Möglichkeit dazu.
Was das Ganze nun mit den von der Kirche so verteufelten Fruchtbarkeitsriten zu tun hat, wird
klar, wenn man sich vergegenwärtigt, was diese Riten den Menschen von damals oder den heute
noch naturverbundenen Menschen bedeutet haben mögen. Die Theorie, daß die Riten und die
Magie in einer Zeit oder Kulturstufe, in der die Menschen die wissenschaftlichen Zusammenhänge
der Welt noch nicht durchschauen konnten, eine Form der vorwissenschaftlichen Weltbewältigung
waren, kann man als längst überholt betrachten, auch wenn sie im 20. Jahrhundert in der
populärwissenschaftlichen Literatur noch weit verbreitet war.

Einer wesentlich plausibleren, aber nicht endgültig zufriedenstellenden Theorie zufolge, versuchten
die Menschen durch Sympathiemagie, die Fruchtbarkeit der Erde anzuregen und den Lauf der
Gestirne in der Regel zu halten. Sympathiemagie findet dort statt, wo der Vollzug einer Handlung
(Ritual) geschieht, um einen anderen ähnlich strukturierten Vorgang zu erzeugen oder zu
verstärken, ohne kausal mit ihm verbunden zu sein. Ein Beispiel wäre, wenn Hexen auf Stecken
oder Besen um ein Feld "reiten" und dabei versuchen, möglichst hoch zu springen, damit das Korn
ebenso hoch wachsen soll.

Der bisher wohl tiefgehendste Erklärungsversuch ist von neueren Ethnologen (Völkerkundlern)
gemacht worden und geht davon aus, daß im Fest, im Kult, im Ritual für die Vollziehenden die
gängige Realitätsauffassung und -erklärung außer Kraft gesetzt wird, daß der Mensch darin (und
nicht nur darin) seine andere, seine unzivilisierte, unkonditionierte Seite erfahren kann und nur aus
dieser Erfahrung heraus sich wirklich als "zivilisiert", als ein in die Stammkultur integriertes Wesen
erfahren kann.

Damit eng zusammen hängt auch die in Festen häufig auftretende Aufhebung aller oder doch vieler
Tabus, wovon ein kümmerliches Relikt noch im heutigen Karneval zu finden ist. Das Tabu wird
aber nicht zur persönlichen, ungehemmten Vergnügung der Einzelnen aufgehoben, wie oft
unterstellt wird. Richtig zelebriert besteht der Einzelne nicht mehr im Zustand eines abgesondertes
Bewußtsein, das sich "vergnügen" könnte, sondern ist aufgelöst in den mythischen Zustand des
Außer-der-Zeit-Seins, integriert in ein Gruppenbewußtsein.

So wertvoll dieser Versuch des Verstehens auch sein mag, so würde sich ein Mensch der damaligen
Zeit in diesen Theorien wohl kaum selbst wiedererkennen. Das soll nicht bedeuten, daß die
Theorien falsch seien, doch der in den Riten lebende Mensch hat eine mythische Denk-, Fühl-, und
Erfahrungsweise, die durch theoretische Hilfskonstruktionen eben nur teilweise nachvollziehbar ist.

Doch können diese Theorien zumindest zeigen, daß der moderne Mensch, wie überlegen er sich
auch fühlen mag, auf diesem Gebiet der Erfahrung seiner eigenen Ganzheit noch ein Neuling ist. Er
hat sehr lange Reifeprozesse nachzuholen, denn seine magische Persönlichkeit, das Unbewußte,
muß den weit davongelaufenen, vereinsamten Intellekt wieder einholen, sich mit ihm wieder zur
voll integrierten Person vereinigen.

Damit soll natürlich die Wichtigkeit und Großartigkeit der intellektuellen Entwicklung nicht in
Frage gestellt, sondern lediglich auf ihre Einseitigkeit hingewiesen werden. Die Frage ist nur, wie
eine solche Ganzheit zu bewerkstelligen ist. Man kann ja nicht einfach beschließen, ab sofort
wieder mythisch zu denken, und die Menschheit kann und sollte auch nicht wieder dahin zurück,
wo sie (möglicherweise) vor über tausend Jahren war.

Den neuen Mythos wird den Menschen niemand schenken, und man kann ihn auch nicht einfach
nachlesen. Man muß ihn sich selbst erarbeiten, ihn erfahren und erleben. Diese Arbeit kann einem
niemand abnehmen, und man wird sie sich schon selbst machen müssen - wenn man es will.
1.4. Was Jahresfeste mit Magie zu tun haben
Hinsichtlich Jahresfesten und damit verbundenen magischen Ritualen kommen sehr häufig zwei
Irrtümer vor. Der erste ist die Behauptung, daß der moderne Mensch den Jahreskreis und das
Erntejahr eigentlich gar nicht richtig nachvollziehen könne, schließlich arbeitet er ja nicht mehr
unbedingt auf dem Feld und bezieht statt dessen seine Lebensmittel aus dem Supermarkt.

Sicherlich vergißt man dadurch häufig, wo das Essen wirklich herstammt, aber auch in früheren
Zeiten gab es schon genügend Menschen, die keine Felder mehr bestellten, weil sie Handwerker,
Soldaten, Priester oder an Adelshöfen tätig waren und somit ihre Nahrung nicht direkt durch ihre
Arbeit erlangten. Diese haben die Feste jedoch auch schon mitgefeiert - allerdings muß man
zugestehen, daß oftmals der Grund dafür der war, daß man außer Arbeit so gut wie keine Freizeit
hatte, und man wenigstens zu den Festen andere Menschen treffen konnte, um Erfahrungen und
Neuigkeiten auszutauschen oder jemanden kennenzulernen.

Der zweite Irrtum besteht in der Annahme, alle Menschen, die Jahresfeste feierten, hätten auch
Rituale durchgeführt. Dies war aber - damals wie heute - eher den spirituell lebenden Menschen
vorbehalten, nicht der breiten Masse. Schon immer übernahmen dies die Priester stellvertretend für
die Allgemeinheit, oder die Magier verfolgten damit ihre eigenen Ziele. Auch diese Personen hatten
meist mit dem eigentlichem Jahreslauf der bäuerlichen Ernte nur wenig zu tun.

Festrituale sind durchaus magische Rituale, aber sie unterscheiden sich von gewöhnlichen
magischen Ritualen dadurch, daß sie nicht an einen übergeordnete Zweck gebunden sind. Ein
magisches Ritual, bei dem ein Zauber gewirkt werden soll, dient immer dem Zweck der magischen
Operation und ist daher auf diesen ausgerichtet. Bei einem Festritual ist dagegen das Ritual selbst
der Zweck, und es werden auch magische Kräfte angerufen, aber es wird in der Regel kein
konkreter Zauber im eigentlichen Sinne gewirkt.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, und man kann beides miteinander verbinden, aber
normalerweise ist der Sinn eines Festes eben der, es zu feiern und der Zweck des Festrituals die
Verbundenheit. Daher eignen sich Festrituale natürlich auch zum "Üben" von Ritualen für den
Anfänger, der sich vielleicht nicht gleich an "richtige" magische Operationen heranwagen mag.

Das weitgehende Fehlen der Zweckgebundenheit an irgendwelche dahinter- oder darüberstehenden


Ziele erschwert natürlich auch die Deutungsversuche überlieferter Traditionen, denn deuten kann
man eben dann am besten, wenn irgendwelche über das Konkrete hinausgehende Zwecke
unterstellt werden.

Wenn man die damaligen Menschen nach dem Grund ihrer Riten gefragt hätte, dann wären
sicherlich manche Antworten gewesen, daß die Götter es so wollten oder daß auch die Vorväter
jener Menschen das schon immer so gemacht haben etc. Dieser Haltung mag natürlich zum Teil
auch mangelnde Reflexion zugrunde liegen, doch gibt sie ebenso wieder, daß solche Riten eben
keinem Zweck mehr unterliegen, der über sie selbst hinausgeht.

Wie zum Beispiel ein Spiel keinen weiteren Zwecken unterworfen ist, so ist es auch das Festritual
nicht. Und wer meint, ein Spiel wäre nur ein "Einüben der lebenswichtigen Verhaltensweisen der
Erwachsenen", der hat eben noch nie richtig gespielt. Im Ritual kann man in den völligen Freiraum
der Seele gelangen, sozusagen "zwischen die Welten", in einer eigentümlichen Wachheit eines
veränderten Bewußtseins, welche die Magier als gnostische Trance bezeichnen.

Und in diesem Freiraum kann dann das Archetypische des Menschen erscheinen, kann eine tiefe
innere Verbindung und Einbindung des Menschen in den universalen Rhythmus der Natur
stattfinden, für manche auch zu den Göttern, die auch nur archetypische Charakterzüge des
Menschen selbst verkörpern.

Eben durch das Fehlen eines übergeordneten Zweckes befreit sich der Mensch von seinen
persönlichen Ansprüchen und Zielen und macht sich offen und bereit für ein Mitschwingen im
großen Reigen der Natur, in dem er einfach so sein darf, wie er wirklich ist. Und es ist großartig,
dieses bewußte Erleben mit Gleichgesinnten teilen zu können und gemeinsam zu feiern und sich
daran zu erfreuen.

In diesem Zustand, der von außen besehen ein anderer Zustand des Bewußtseins sein mag, von
"innen" aber ein anderer Zustand der Welt ist, hat der Mensch die magische Einheit mit der Natur
erreicht, und in dieser magischen Welt kann im gegenseitigen Mitschwingen auch der Natur ein
anderer Impuls gegeben werden, so wie man eine riesige Glocke mit einem kleinen Stab zum
Schwingen bringen kann, indem man sie im rechten Rhythmus immer wieder antippt.
So ist das Eintauchen in den Rhythmus der Natur auch ein Eintauchen in den Rhythmus der
eigenen Seele und umgekehrt. Und daher sind die Jahresfeste nur sinnvoll in ihrer Geschlossenheit
zu feiern. Ob man das eine oder andere Fest mehr oder weniger betont, ob man einen Zyklus von 4,
6 oder 8 Festen hat, ist dafür irrelevant.

Wichtig ist, daß ein Zyklus besteht, in dem nach Möglichkeit auch durchgehende rituelle Motive in
ihren jeweiligen Veränderungen erhalten bleiben. Ein buntes Potpourri aus verschiedenen
Traditionen tut es da langfristig nicht, denn der Organismus, die Natur und die Seele sind
Ganzheiten, aus denen man nicht einfach Teile fort- oder unberücksichtigt lassen kann.

Durch den Lauf der Jahre kann dann auch der zyklische Lauf allen Seins erfahren werden, wird das
gegenseitige Sich-Bedingen von Tod und Leben deutlich. Wenn aus den scheinbar abgestorbenen,
dürren Ästen im Frühling wieder das leuchtende, frische Leben sprießt und im Herbst in seiner voll
erblühten Fülle wieder in den sterbenden Moder des Waldbodens zurücksinkt, so ist dies ein
Gleichnis, das keiner weiteren Erläuterung bedarf. So erfüllt sich die menschliche Sehnsucht nach
Ewigkeit nicht im Warten auf eine ferne, nicht endende Zeit, sondern im völligen Eintauchen in den
mythischen, zeitlosen Augenblick.

Die meisten modernen Menschen sind allem Rituellen und Zeremoniellen weitgehend entfremdet
(worden). Die Jahresfeste sind ihrer ursprünglichen Inhalte überwiegend entkleidet und nur in
wenigen Gegenden noch wirklich intakt. Zur Neubelebung muß man zunächst einmal darauf
achten, daß man nicht einfach irgendwelche (angeblich) alten Riten nachzuahmen versucht, nur
weil sie so schön alt sind und - vielleicht - von Kelten oder Germanen stammen oder von noch
älteren Kulturen. Außerdem ist auch viel Unsinn darüber im Umlauf.

Ein schlichtes, selbstgemachtes Ritual, das einen wirklich innerlich berührt, ist viel sinnvoller als
ein großartiges Theater, für dessen Verständnis man erst jahrelang üben muß. Nicht, daß es nicht
darauf ankäme, wie ein Ritual aufgebaut und durchgeführt wird, aber die eigene Ergriffenheit ist
es, die einen über die inneren Grenzen hinausträgt, nicht die geheimnisvollen Worte anderer.

So sollen auch die hier angebotenen Informationen nur als Anregungen dienen, auf die jeder seine
eigenen Festrituale aufbauen kann. Solche Riten stellen dann auch eine willkommene Gelegenheit
dar, die eigene Kreativität wieder zu beleben, und es spricht auch nichts gegen ziemlich ungeplante
Rituale, in denen man sich ganz auf die eigene Spontaneität und Eingebung verläßt, wenn man in
solchen Handlungen schon etwas zu Hause ist. Es ist immer gut, mit Symbolen sparsam
umzugehen, nichts zu überladen - was man nicht versteht, lenkt nur vom Wichtigen ab. Und wenn
möglich, sollte man auch Symbole und Handlungen benutzen, mit denen man wirklich etwas
verbindet.
1.5. Die acht Jahresfeste
Die im Folgenden aufgeführten Deutungsversuche der acht Jahresfeste und ihrer Riten basieren auf
Überlieferungen, historischen Quellen, Interpretation heutiger traditioneller Bräuche, deren
Auslegung durch verschiedene heidnische Strömungen und meiner eigenen Einschätzung ihrer
Plausibilität. Die Ausführungen erheben also keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder gar
Wissenschaftlichkeit.

Es sei jedem selbst überlassen, eine völlig andere Auffassung von seinen eigenen Festen und
Ritualen zu haben und zu behalten. Die hier angesprochenen Aspekte sind nur als Anregungen für
Möglichkeiten der Interpretation und des Begehens dieser Feste gedacht. Fertige Zeremonien
werden hier ebensowenig vorgegeben wie vorgekaute Rituale. Geliefert wird lediglich ein
mögliches Gerüst, das es selbst mit Inhalten zu füllen gilt.

Nach heidnischem Glauben ist der Jahreskreis mit dem Sonnenlauf verbunden, wobei für manche
Heiden die Sonne den gehörnten Gott (männlich) und die Erde durch die Göttin (weiblich)
repräsentiert wird. Im Wicca heißen der Gott Cerunnos und die Göttin Cerydwen, bei den
Germanen sind es Balder oder Odin und Frigg. Diese Götter sind für die meisten aber eben nur
Symbole, und für die atheistischen Heiden eben einfach Sonne und Erde.

Im Symbolismus des Jahresrades wird die Sonne zu Jul (Wintersonnenwende am 21. Dezember) in
der dunkelsten Nacht des Jahres wiedergeboren. Ihre Kraft ist gering, und der Sonnengott noch ein
Baby, das langsam heranwächst und von der Erde (der Göttin) mit der in ihr verbliebenen
Sonnenkraft es alten Jahres genährt wird. Die Erde befindet sich als Göttin noch symbolisch in der
sogenannten schwarzen Phase, wo sie als alte Frau dargestellt wird, die noch um die verstorbene
Sonne trauert.

Zu Imbolc (um den 1. Februar) ist die Sonne merklich größer geworden, der Gott zum Knaben
herangewachsen. Die Erde tritt als Göttin symbolisch in die sogenannte weiße Phase ein, in der sie
als junges Mädchen dargestellt wird.

Zu Ostara (Tagundnachtgleiche am 21. März) ist die Sonne schon genauso stark wie die
Dunkelheit. Der Gott ist zum Krieger herangereift, bekommt seine Waffen, und sein Kampf gegen
die Dunkelheit beginnt sich zu seinen Gunsten zu wenden, wie man am überall sprießenden Grün
des beginnenden Frühlings sieht. Zum ersten Mal begegnen sich Gott und Göttin in einem
harmlosen, scheuen Werben.

Zu Beltane (um den 30. April) ist die Sonne der Dunkelheit überlegen, und der Sonnengott zum
Mann ausgewachsen. Auch die Erde tritt als Göttin symbolisch in die sogenannte rote Phase ein, in
der sie in der Gestalt einer fruchtbaren Frau dargestellt wird. Beide heiraten zu Beltane, vereinigen
sich und zeugen eine neue Sonne (der Sonnengott zeugt sich sozusagen selbst, beziehungsweise
seine nächste Inkarnation), die im Leib der Erde heranwächst.

Zu Litha (Sommersonnenwende am 21. Juni) ist die Sonne auf dem Höhepunkt ihrer Kraft und der
Gott ausgewachsen. An diesem längsten Tag des Jahres triumphiert der Sonnengott über die
Dunkelheit, aber er weiß, daß seine Tage gezählt sind, und indem er der Erde sein Kraft für die
Ernte und das Kind gibt, wird sein Leben fortan langsam schwinden.

Zu Lughnasad (um den 31. Juli) beginnt die Erntezeit, und die Sonne brennt in dieser heißesten
Zeit des Jahres für eine gute Ernte auf das Land. Der Sonnengott opfert seine Kraft und sich selbst
der Erde und der Ernte und damit für die Menschen, damit diese mit der Sonnenkraft in der Erde,
die in die Ernte übergeht, die dunkle Zeit des Winters überstehen können. Aber auch das im Leib
der Göttin heranwachsende Sonnenkind erhält diese Kraft.
Zu Mabonad (Tagundnachtgleiche am 23. September) beginnt die Kraft der Sonne nachzulassen,
und ab jetzt zeichnet sich der Sieg der Dunkelheit ab, denn die Nächte werden wieder länger als die
Tage. Der Sonnengott opfert seine letzten Kräfte und sich selbst der Erde und der Ernte und bereitet
sich langsam bis zum Spätherbst auf das Sterben vor. Derweil reift in der Erde (im Leib der Göttin)
seine nächste Inkarnation heran und nährt sich ebenfalls von der nachlassenden Sonnenkraft.

Zu Samhain (um den 31. Oktober) stirbt die Sonne (der Sonnengott), und die dunkle Jahreshälfte
beginnt. Die Erde tritt als Göttin in die sogenannte schwarze Phase ein und wird als alte Frau
dargestellt, die um ihren verlorenen Sohn trauert. Damit hat sich der Jahreskreis geschlossen, und
der Zyklus beginnt von Neuem, während die Sonne auf ihre Wiedergeburt zu Jul wartet.
Man kann sich darüber streiten, welches Fest das erste im Jahresrad sein soll. Allgemein geht die
keltische Auffassung davon aus, daß zu Samhain das neue Jahr beginnt, daher ist es bei den Kelten
auch das erste Fest. Bei den Germanen ist teilweise Jul der erste Festtag, da nun die Sonne
wiedergeboren wird, teilweise aber auch erst Imbolc, da Jul noch zum alten Jahr gehört und das
neue Jahr erst nach den Rauhnächten anfängt. Daß auf dieser Seite mit Samhain begonnen wird, ist
nicht Ausdruck der Nähe zur keltischen Tradition, sondern liegt einfach daran, daß sich diese
Zählweise einfach am häufigsten in Heidenkreisen wiederfindet. Das kann aber jeder so halten, wie
er mag.
1.5.1. Samhain (Totenfest)

Namen: Samhain, Totenfest, Ahnenfest, Ahnen- und Asenblod, Mittherbst, Third Harvest
Kategorie: Hauptfest, Mondfest zu Neumond, keltisch
Datum: beweglicher Feiertag am 11. Jahresneumond (um den 31. Oktober)
Astrologischer Zeitpunkt: Sonne ca. 15° (Mitte) im Skorpion
Bedeutung im Jahresrad: Herbstmitte, Beginn der Jahresnacht, der dunklen Jahreshälfte
Christliche Entsprechung: Allerheiligen, Allerseelen, Halloween
Art des Feiertages: Totenfest, Fest der Toten, der Ahnen und der Anderswelt, 3. Erntefest
Symbole: Kürbis, Rübe und Totenschädel

Bedeutung:
Samhain ist ein Fest des Abschieds von der Sonne und ein Totenfest, bei dem der verstorbenen
Freunde, Verwandten und Ahnen gedacht wird. Die Ahnen werden geehrt, denn sie waren die
Vorbereiter des eigenen Lebens und sind der einzige Grund, warum man selbst auf der Welt ist.
Gleichzeitig ist es das dritte und letzte Erntefest, welches den Vegetationszyklus des Jahres
abschließt. Es ist ein ernsthaftes, nachdenkliches, düsteres und feierliches Opferfest, aber kein Fest
der Trauer.

etymologisch:
"Samhain" leitet sich vom keltischen beziehungsweise alt-irischen "sam-huin" her, von "sam"
(Sommer) und "huin" (Ende), also "Sommers Ende". Dies weist darauf hin, daß mit diesem
Feiertag die dunkle Jahreshälfte beginnt. Samhain wird in Irland "Sow-in", in Wales "Sow-een", in
Schottland "Sav-en" und in den USA "Sam-hane" ausgesprochen.

Der Begriff "Blod" beziehungsweise "Blót" ist altnordisch und bedeutet Opfer. Ahnenblod (Ahnen-
Opfer) oder Asenblod (Asen-Opfer) sind später entstandene Kunstworte, die im germanischen
Glauben ausdrücken, daß mit diesem Fest den Ahnen oder auch Asen (Göttern) ein Opfer
dargebracht wird. Der englische Begriff "Third Harvest" (dritte Ernte) weist darauf hin, daß
Samhain das dritte, letzte und abschließende Erntefest (neben Lughnasad und Mabonad) im
Jahreskreis ist. Es ist die "Fleischernte", denn zu diesem Zeitpunkt wurden alle Nutztiere
geschlachtet, die man nicht über den Winter bringen wollte oder konnte. Als Fest am Ende der
Ernte bezeichnet es auch das Ende des agrarischen Jahreszyklus.

Zeitpunkt:
Samhain wird immer in einer Neumondnacht gefeiert, genau genommen in der 11. Neumondnacht
des Mondjahres (künstlich nimmt man den Neumond um den 31. Oktober). Im Gegensatz dazu
finden die drei anderen Mondfeste bei Vollmond statt. Die Zeit des zunehmenden Mondes steht für
Wachstum und Entstehung, der Vollmond für den Punkt größter Kraft, der abnehmende Mond für
den Rückzug der Natur und schließlich der Neumond für den Punkt geringster Kraft und den Tod.
Dies erklärt, warum dreimal an Vollmonden, den Krafthöhepunkten des Mondzyklus, gefeiert wird
und Samhain, im Gegensatz dazu, an einem Neumond begangen wird. Der Tod kann nur am
Tiefpunkt der Kraft des Mondes gefeiert werden. Heute feiern viele Heiden Samhain der
Einfachheit halber am 31. Oktober, doch das Fixdatum berücksichtigt nicht den korrekten
Mondstand. Die Datumsgleichheit mit Halloween ist nicht zufällig, denn dieses Fest ist in Amerika
aus Samhain entstanden.

Jahresrad:
Dieses Fest teilt das Jahr in eine Winter- und eine Sommerhälfte, in eine "Jahresnacht" und einen
"Jahrestag", daher ist Samhain neben seinem "Teilungspartner" Beltane einer der beiden höchsten
keltischen Feiertage. Es ist das düsterste, ernsthafteste und auch feierlichste Fest des Jahresrades.
Gleichzeitig markiert es den Höhepunkt des Herbstes. Mit diesem Tag öffnet und schließt sich für
die Kelten das Rad des Jahreskreises, denn Samhain ist bei ihnen das Ende des alten Jahres und der
Beginn des Neuen. Das alte Jahr endet mit dem Samhain-Abend, und das neue Jahr beginnt mit
dem nächsten Sonnenaufgang. Die Samhain-Nacht gilt als eine Art zeitlose Zeit "zwischen den
Welten".

Natur:
Die Natur bereitet sich auf den Prozeß des Sterbens vor. Die Zeit um Samhain herum ist das Ende
aller warmen Tage. Dies ist die Zeit, in der die Kälte tief in die Knochen zieht. Das Jahr geht zu
Ende. Die Zeit der Ernte und Fülle ist vorbei. Man nimmt Abschied von der Vegetation und weiß
um den Beginn der Zeit, in der man darauf angewiesen ist, von den Früchten des vergangenen
Jahres zu überleben, die man beschafft hat, um die dunkle Zeit zu überstehen.

Samhain ist die Zeit, in der die Natur stirbt. Alles, was lebt, reduziert sich auf ein Minimum, zieht
sich zurück in das Erdreich. Die Zugvögel sind ins Winterquartier im warmen Süden
verschwunden, die Tiere beginnen den Winterschlaf, es wird still draußen. Die Natur bereitet sich
darauf vor, bis Imbolc (um den 1. Februar) zu ruhen, und das Land ist kalt und grau. Die Nacht
wird länger, und das Mondlicht und die Sterne bleiben länger am Himmel.

Heiden:
Die Sonne (der gehörnte Sonnengott) hat sich geopfert und ihre Kraft für die Ernte in die Erde
gegeben. Geschwächt stirbt die Sonne (das Licht) an diesem Tage, um zu Jul (Wintersonnenwende)
wiedergeboren zu werden. Wie das Leben zieht sich auch die Sonnenkraft über den Winter in den
Schoß der Erde zurück.

Die Erde (die Göttin) trauert um ihren verlorenen Sohn. Sie ist jetzt eine alte Frau und trägt
schwarz. In diesem Bild geht man davon aus, daß die Erdmutter in einem Jahr die Lebensphasen
einer Frau (Mädchen, Mutter, alte Frau) durchläuft. Dabei repräsentiert der dritte Aspekt die dunkle
Seite, die Vergänglichkeit, das Alter, Herbst und Winter und den Tod. Die alte Frau, bei den Kelten
Cailleach genannt, regiert den Winter hindurch, von Samhain bis Imbolc (ca. 1. Februar).

Germanen:
Die gesamte Zeit von der Erschaffung der Welt bis zu ihrem Untergang findet sich in der Symbolik
des Jahreskreises. Die Germanen dachten damals, daß die Natur stürbe. Deshalb wurde den Ahnen,
Göttern und der Toten gedacht, indem man Opfer darbrachte. Die Germanen schmückten die
Gräber mit Getreide, Nüssen und anderen Dingen. Es wurden aber, entgegen aller Behauptungen,
keine Menschenopfer dargebracht.

In dieser Symbolik steht der Winter für die Zeit der Götterdämmerung (Ragnarök), den Untergang
des Lebens. Die Eisriesen (Jöten und Thursen) stürmen Asgard. Odins in der Schlacht gefallenen
Krieger (die Einherier) in Walhalla wurden gerufen, um in der bevorstehenden Götterdämmerung
auf Seiten der Götter zu kämpfen. Die Götter fallen in diesem letzten Kampf, aber nicht ohne die
Hoffnung auf ihre Wiederkehr zu hinterlassen.

Der Lichtgott Balder oder Baldur (die Sonne) vollendet seinen Abstieg ins Totenreich beim Julfest
(21. Dezember) und mit dem neuen Impuls der Schöpfung beginnt der Kreislauf von neuem, wenn
zum Zeitpunkt der Wintersonnenwende sein Wiederaufstieg zu Asgards Höhen seinen Anfang
nimmt. Samhain, das Fest der Winternacht, stimmt auf diese bedeutende Zeit des Wandels und der
Läuterung ein. Es dauert eigentlich drei Tage. An diesem Fest wird der Ahnen der Sippe gedacht.

Samhain ist neben Imbolc auch das zweite Disenopfer (altnordisch: Dísablót) des Jahres. Die
Frage, was Disen sind, läßt sich nicht eindeutig klären. Zum einen könnten die Disen eine Gruppen
von weiblichen Gottheiten sein, die nicht näher in der Mythologie benannt werden. Damit stehen
sie in der Nähe anderer bekannter Gottheiten wie zum Beispiel Frigg, Freyja oder Perchta (Berchta,
Frau Holle, Hel) usw. oder sind mit ihnen identisch.

Zum anderen aber deutet einiges darauf hin, daß "Dis" einfach eine Bezeichnung für "Frau" war,
denn viele germanische Frauennamen enden auf "dis" (zum Beispiel Freydis, Hjordis usw.). Freyja
wird beispielsweise auch als Vana-Dis, also Vanenfrau (Freyja stammt aus dem Göttergeschlecht
der Vanen, im Gegensatz zu den Asen) bezeichnet. Vielleicht war der Begriff aber auch für Frauen
vorbehalten, denen man übernatürliche Fähigkeiten zusprach. So würde sich die Interpretation
Frauenopfer anbieten, wobei damit natürlich ein Opfer für die Frauen gemeint ist und nicht etwa,
daß die Frauen geopfert würden.

Begonnen wurde das Fest mit der Entzündung des Totenfeuers auf einem Hügel. Danach fand eine
feierliche Anrufung Odins (Wotan) und Heimdalls statt. Die Wotansgans wurde geopfert, und aus
dem Brustbeinknochen des Tieres der Verlauf des Winters gedeutet. Im Totenfeuer wurde eine
Strohpuppe verbrannt.

Am Feuer wurde dann das gemeinsame Trinken (altnordisch: Drekka), die Wotansminne,
begangen, bei dem sich Trinkwünsche zugerufen wurden. Bei den Germanen war "Minne" aber im
Sinne von Gedenken zu verstehen, nicht als Liebeswerben wie im Mittelalter. Überliefert sind das
Antrinken von Schönheit, Stärke, Segen für den Winter, Heirat und Kindersegen. Anschließend
wurde in ein Horn geblasen, welches Heimdalls Horn (die Mondsichel) symbolisierte, um die
Toten zu sammeln, so wie Odin die Einherier rief.

Danach wurde in einem Fackelumzug mit viel Lärm und Getöse, Peitschenknallen und Geklapper
die Wilde Jagd nachgestellt. Die Leute trugen früher Laternen aus ausgehöhlten Futterrüben (für
die Sonne und den Mond) mit sich. Die Umherziehenden waren mit Schellen behängt, gehörnt und
rußbeschmiert. Man zog zu den Gräbern der Ahnen und opferte dort Getreide, Mehl, Butter, Eier
und Wachs. Man überschüttete die Gräber mit Korn.

Nach der Rückkehr fand ein ausgedehntes Mahl statt, bei dem ein Gedeck und drei Messer mit
aufgetragen wurden, die aber keiner der Gäste benutzte. Ein Teil der Speisen und Getränke wurden
für die Ahnen an diesem leeren Platz aufgetragen und dort stehengelassen. Im Haushalt opferte
man den Disen, indem man Brot und Fett während des Festes und der Nacht in der Stube
stehenließ.

Kelten:
Die Kelten glaubten an die Reinkarnation und daß der Tod eine Notwendigkeit für neues Leben
darstellt. Samhain ist ein Fest des Todes und der Hoffnung auf neues Leben. Das Totenfest war bei
den Kelten auch ein Neujahrsfest, das den alten Zyklus abschließt und zum neuen Zyklus
überleitet. Die Kelten feierten Samhain mit Maskeraden, Feuern und Opfern als Fest des Saman,
einem keltischen Todesgottes. Für die Kelten starb auch die Sonne als Sonnengott in dieser Nacht.
Diese Nacht war voll von übernatürlicher Magie, und die Geister der Vorfahren konnten die
Feiernden heimsuchen. Das Samhain-Fest war auch der Rabengöttin Morrigan geweiht.

Christen:
Allerheiligen beziehungsweise Allerseelen ist der Tag, der von der römisch-katholischen Kirche
zum Gedenken an die im Glauben Verstorbenen bestimmt worden ist. Es wird heutzutage wird von
den Katholiken am 1. November gefeiert. Man gedenkt der Verstorbenen und besucht die Gräber,
um den Verstorbenen die Ehre zu erweisen und stellt als Ersatz für die Gaben und leuchtenden
Rüben aus früheren Zeiten Blumen und Grableuchten auf.

Zur Verbindung von Samhain mit Allerheiligen kam es, als die Römer die Kelten unterwarfen und
diese dann "Christen" wurden. Die Kelten hielten aber weiterhin an vielen ihrer Bräuche fest, auch
an dem um den 31. Oktober gefeierten Totenfest Samhain. Deshalb ordnete Papst Gregor IV. im
Jahre 837 u.Z. im Einklang mit der Politik der Kirche, die Bräuche der Bekehrten zu
"christianisieren", anstatt sie abzuschaffen, an, daß der 1. November von der ganzen katholischen
Christenheit als Tag "aller Heiligen" gefeiert werde. So wurde durch einen diplomatischen
Schachzug der Kirche ein durch und durch heidnisches Fest samt dem ganzen Drum und Dran mit
der heidnischen Totenverehrung vereint. In christlicher Zeit nahm das Seelenfest allmählich
spukhaften Charakter an und galt als günstiger Zeitpunkt für Geisterbeschwörer.

Von Samhain wurde noch ein weiterer christlicher Feiertag abgeleitet, aber auf ein anderes Datum
gelegt. Der christliche St. Martinstag gründet sich zwar auf die biblische Anekdote vom
barmherzigen Römer Martinus, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte, aber die Festbräuche
ähneln den germanischen Samhain-Traditionen so stark, daß es keinen Zweifel an ihren Quellen
gibt. Vom germanischen Totenfeuer kann man das heutige Martinsfeuer ableiten und die
Wotansgans als Opfertier findet sich in der Martinsgans wieder. Laternen und Lampions sind
unzweifelhaft Nachfolger der ausgehöhlten Rüben, die in dieser Nacht leuchteten.

historisch:
Schon bei den alten Griechen gab es einen Tag der Totengeister. Die altgriechischen Anthesterien
waren ein Seelenfest, in dessen Verlauf die Abgeschiedenen die Welt der Lebenden besuchten. Die
Ahnenseelen wurden vor dem Wintereinbruch gewärmt und besänftigt, indem man nächtliche
Feuer entzündete.

Der Monat November verschlingt beziehungsweise tötet nach alter Auffassung die Sonne.
Vergegenwärtigt man sich die Symbole der Drachen, Lindwürmer und Schlangen, und bedenkt
man, daß das Samhain-Sternzeichen Skorpion etwa bis zum Erscheinen der Jesuiten im 16.
Jahrhundert noch eine Schlange war, wird die Verbindung zum Sonnentöter Schlange deutlich.
Auch im jüdischen Stamm Dan wurde dieses Sternbild als gekrönte Schlange dargestellt, aber so
weit braucht man gar nicht zu gehen, allein die Midgardschlange galt als Weltwinterzeichen.

Brauchtum:
Man glaubte, daß in dieser Nacht die Wände und Schleier, welche die materielle Welt von der
"Anderswelt" trennen sind, am dünnsten und durchlässigsten sind (besonders im Nebel). Die
Bewohner der Anderswelt und des Totenreichs kommen, so glaubte man, manchmal herüber, um
umherzustreifen und Menschen, die sie für würdig befanden, mit in ihre Welt zu nehmen.

Die Menschen hatten Angst, höhlten Futterrüben aus und schnitzten erschreckende Gesichter
hinein (höchstes druidisches Symbol für Schutz). Dann wurde die Rübe mit einer Kerze darin zum
Schutz des Hauses ans Fenster oder in den Garten gestellt, um die bösen Wesen abzuschrecken.
Man stellte als Schutz für jedes Kind im Haushalt einen solchen Rübenkopf auf. Ursprünglich
stand der Rübenkopf in Irland auch symbolisch für den "Edlen Kopf" von Bran dem Gesegneten.
In Deutschland hat sich der Brauch der ausgehöhlten und beleuchteten Rüben in Form leuchtender
Laternen und Lampions am St. Martinstag erhalten.

Die von Halloween bekannten ausgehöhlten Kürbislaternen, welche heute meist statt der Rüben
Verwendung finden, sind ein neuzeitlicher Brauch. Alle 27 Arten der Gattung Kürbis sind nämlich
neuweltliche Pflanzen, d.h. sie stammen alle aus Amerika und waren somit vor dem 16.
Jahrhundert in Europa nicht bekannt.

Zwar werden in der Verordnung "Capitulare de villis" von 812, welche die in Gärten anzubauenden
Pflanzen regelt, durch Karl den Großen bereits "cucurbitae" genannt, doch handelt es sich hierbei
um den afrikanischen Flaschenkürbis Kalebasse (lat.: Lagenaria), der zwar spätestens seit der
Antike im Mittelmeerraum bekannt ist, jedoch botanisch nicht zu den Kürbisgewächsen zählt und
aufgrund seiner großen Wärmebedürftigkeit als langjährige Kultur im nördlichen und mittleren
Europa nicht angebaut werden kann. Zudem eignet er sich auch nicht gut zur Laterne.

Da Karls Gesetz auch weitere Pflanzen auflistet, die in Mitteleuropa (außer vielleicht in
Weinbaugebieten) eindeutig keine Chance haben, dauerhaft über den Winter zu kommen, wie
Lorbeerbaum, Pinie, Feige, Melone usw., wird angenommen, daß Karl die Pflanzenliste einfach
von seinem Sohn Ludwig dem Frommen übernommen hat, der über Aquitanien (Südfrankreich)
herrschte, was die zahlreichen sehr wärmebedürftigen Pflanzen in der Liste erklären könnte.

Die bekannten Kürbislaternen, die heute zu Halloween üblich geworden sind, sind wahrscheinlich
erst von den irischen Einwanderern in Nordamerika "erfunden" worden, welche sie "Jack
O'Lantern" nannten und als Ersatz für ihre von Irland her gewohnten Rübenlaternen verwendeten,
da der Kürbis sowohl größer als auch einfacher zu schnitzen ist als die historisch korrekte
Futterrübe.

Als Dank und zur Besänftigung der Naturgeister, Elfen, Gnome, Kobolde, Dämonen und auch der
Ahnengeister und Toten stellte man in früheren Zeiten aber auch Essen und Getränke sowie
Leckereien nach draußen, um diese Wesen zu nähren und wohl zu stimmen. Man wollte seinen
Ahnen auf diese Weise Ehre und Gastfreundschaft erweisen. Selbst wenn die Speisen unberührt
erschienen, sollte ihre Essenz auf die Geister der Ahnen übergehen.

Zu Ehren der Verschiedenen wurde das Haus blitzblank geputzt, das Feuer besonders sorgfältig
gewartet und Quellwasser, Speisen und Tabak auf den Tisch oder vor den Kamin gestellt.
Jedermann ließ die Haustür unverschlossen, verkrümelte sich aber früh ins warme Bett, denn die
Toten schätzten es nicht, von den Lebenden beobachtet zu werden. Nach dem Volksglauben ist es
nicht ratsam, sich in dieser Nacht nach Schritten umzuwenden, denn die Toten behalten einen sonst
leicht bei sich.

Umgekehrt verkleidete sich aber traditionell das Jungvolk als solche Totengestalten, um die
wandernden Geister in die Irre zu führen, erbettelte Gaben für eine Feier, stellte unter viel Lärm
Unfug an oder erschreckte Spätheimkehrer, mit Vorliebe Angeheiterte. Daraus entstand Halloween,
das mit irischen Auswanderern in die USA gelangte und dort in der ersten Hälfte des 20.
Jahrhunderts die heute bekannte Ausprägung entwickelte. Die Kinder verkleiden sich als gruselige
Gespenster und wandern von Tür zu Tür, um Süßigkeiten ("treats") zu sammeln. Wer nichts gibt,
wird "von dem Schabernack der bösen Geister" ("trick") heimgesucht. Auch hier ist die Parallele zu
den Gaben aus früheren Zeiten deutlich zu erkennen.

Früher glaubte man, daß tatsächlich Höllenwesen zu Samhain die Welt heimsuchten. Wo ihr
stinkender Atem hintraf, starb die Vegetation ab. Jedes Kind wußte, daß man nach Samhain keine
Brombeeren mehr vom Strauch essen durfte, denn sie waren nun giftig, da die Dämonen
daraufgespuckt oder auch eine andere Körperflüssigkeit darüber gesprüht hatten.

Auch die Ernte aus Feld und Garten mußte von den Bauern bis zu diesem Datum eingebracht sein,
die Wintersaat im Boden liegen und die Wildfrüchte aus Hecken und Wald gesammelt sein. Nach
altem Volksglauben wurde die bis dahin nicht eingebrachte Ernte von den Nachtgeistern vernichtet.
Die im Spätsommer geernteten Früchte wurden nun eingemacht.

Brennstoff für den ganzen Winter war säuberlich am Haus aufgeschichtet, die Pacht und sonstige
Schulden waren bezahlt (wenigstens im Idealfall) und das Vieh war von der Sommerweide zurück.
Schon des knappen Futters wegen, aber auch als Wintervorrat, wurden nicht unmittelbar
notwendige, alte, kranke und schwache Tiere geschlachtet, bei denen man davon ausgehen mußte,
daß sie es nicht schaffen würden. In einer Zeit, da die Tierhaltung über den Winter wegen
begrenzter Futtervorräte schwierig war, wurden die Tierherden wohlüberlegt auf das Maß reduziert,
vom dem man glaubte, es über den Winter bringen zu können.

Das Fleisch wurde teilweise ein einem letzten Fest verspeist. Durch Einlegen in Salz, Trocknen und
Räuchern wurden außerdem die Vorratskammern der Familien für den bevorstehenden Winter
gefüllt. Die Hausschlachtung fiel mit dem Opfer an die Götter zusammen, denen halb aus
Dankbarkeit, halb aus Sorge um die Zukunft, zu diesem Zeitpunkt auch Feldfrüchte, Milch und
mancherorts sogar Kinder dargebracht wurden. Deswegen wird der November von alters her auch
als "blod monath" (Opfermonat) bezeichnet und darauf bezieht sich auch der Untertitel "Third
Harvest" (engl.: dritte Ernte), womit die Fleischernte gemeint ist.

Die Menschen früherer Zeiten bereiteten sich auf den Winter vor und versuchten mit allerlei
Ritualen und Gebeten, der Sonne bei der kommenden Rückkehr zu helfen. Noch einmal bogen sich
die Tische unter all den Köstlichkeiten, die Küche und Keller zu bieten hatten, noch einmal
Festtrank und -schmaus, bevor die karge Zeit des Winters nahte.

Im Winterhalbjahr mußte mit Dunkelheit, Kälte und vermehrt mit Krankheit, Mangel und Unfällen
gerechnet werden. Das unbeschwerte Sommerleben in freier Natur, das kaum Nahrungssorgen
kannte, war zu Ende. Das Leben spielte sich während der nächsten sechs Monate in engen,
verrauchten Räumen rund ums Feuer ab. Dafür begann nun die Saison des Geschichtenerzählens.
Auch Hochzeiten fanden zu Samhain oft statt, denn viele Heimkehrer (zum Beispiel Hirten) wollen
nach der Zeit der Trennung ihre Bindung festigen. Es begann die Zeit der Pflege und Reparaturen
der Gebrauchsgegenstände, um sie im Frühjahr wieder bereit zu haben.

Samhain ist die Nacht der zwei Gesichter, zum einen ist da die Fülle der eingebrachten Ernte und
des Geschlachteten, und zum anderen die Sorge um den bevorstehenden Winter mit seinen
unberechenbaren Unbillen. Freude und Nachdenklichkeit wechseln sich ab, das Fest beinhaltet
nicht die Art von überschwenglicher Fröhlichkeit, wie es einem Außenstehenden auf den ersten
Blick erscheinen mag.

Interessanterweise glaubte man selbst im katholischen Bayern noch Ende des 19. Jahrhunderts, daß
die "armen Seelen" um diese Zeit für einen Tag das "Fegefeuer" verlassen durften, um auf Erden zu
wandeln. Stellenweise stellte man nicht nur ein "Armeseelen-Essen" auf den Tisch, sondern achtete
auch darauf, daß man keiner "armen Seele" etwas zuleide tat, beispielsweise durch unbedachtes
Schließen einer Tür oder Hantieren mit Werkzeug. Man glaubte, daß ein Mädchen, welches in der
Samhain-Nacht vor einem Spiegel einen Apfel schält, im Spiegelbild ihren späteren Gatten
erkennen könne.

spirituell:
Samhain markiert den Beginn des "dunklen Jahres", den introspektiven Teil des Jahresrades, in
dem man auf und vor allem in sich selbst schaut. Die Zeit der Außenaktivitäten und Ausflüge ist
vorbei. Alles wird ruhiger, bedächtiger. Die Zeit nach Samhain ist diejenige, in der die Leute
vorwiegend im Haus bleiben. Es ist eine stille, tote Zeit. Man hat mehr Sinn auf Mußestunden im
Kreise der Familie, auf warme Getränke und Gebäck bei einem guten Buch und Kerzenlicht. Es ist
mehr die Zeit des Nachdenkens über das vergangene Jahr und den jetzigen Zustand. Man ist viel
intensiver mit dem eigenen Inneren, dem Unterbewußtsein verbunden.

Die Lebenskraft der Natur zieht sich bei zunehmender Kälte ins Innerste zurück. Für den
Menschen kann das auch ein Zeichen sein, sich vor Kälte und Dunkelheit in sein Innerstes
zurückzuziehen, um dort Kräfte für künftige Neuentfaltung zu sammeln.
Wenn sich nun die Naturenergien zur Ruhe begeben und die Dunkelheit des Winters regiert, ist es
deshalb Zeit, sich selbst zu beobachten, auszuruhen und sich auf das kommende Jahr
vorzubereiten. Es ist Zeit für einen Rückblick auf das, was im gerade vergangenen Jahr getan
wurde, was das Jahr und die eigenen Taten gebracht haben. Es ist eine Zeit, in der Abrechnung
gehalten wird, eine Zeit, in der Einflüsse, Konzepte und Vorstellungen aus dem Leben gestrichen
werden, die sich als nicht mehr nützlich erwiesen haben.

Es ist auch eine Zeit, in der es im Hinblick auf den kommenden Winter angebracht erscheint, sich
mit den persönlichen Ahnen wieder neu zu verbinden. Man feiert die Leben seiner Ahnen, die
durch ihre Taten und Ideen die Vergangenheit und die Wurzeln der eigenen Existenz geschaffen
haben. Man holt sich in den langen Winternächten Rat und Hilfe bei den Ahnen, verabschiedet sich
von den Menschen die in den letzten Monaten gestorben sind, und heißt die Neugeborenen in der
Welt willkommen. Es ist eine Gelegenheit, sich selbst kennenzulernen. Man blickt auch in die
Zukunft, auf das neue Jahr und was es bringen wird.

Die ständigen Assoziationen von Blut, Tod und Vergänglichkeit stammen aus der Natur. Die Natur
scheint zu sterben, die Laubbäume verlieren ihre Blätter, die Felder liegen brach und die letzten
Blumen erfrieren in den ersten Nachtfrösten. Dieses Beispiel der Natur vor Augen führt den
Menschen zu Gedanken über seinen eigenen Tod und die Vergänglichkeit allen Seins, weswegen
der November seit alters her so als "Totenmonat" geprägt ist.

magisch:
Wer ernst, mutig und magiebegabt ist, der feiert Samhain zusammen mit den Toten in einem Ritual.
Zu Samhain ist die Trennung zwischen den Welten sehr dünn, heißt es, Vergangenheit und
Gegenwart verbinden sich, und die Geister der Ahnen werden wach, so glaubte man. Durch das
rituelle Gedenken leben sie im Geist der Menschen weiter und können im Ritual so lebhaft in die
Erinnerung gerufen werden, daß man wirklich glaubt, sie seien erschienen (als Psychogone, das
sind Projektionen aus dem eigenen Unterbewußtsein).

Man wird sich bewußt, daß sie ein Teil von einem selbst sind, und daß der Tod ein Teil des Lebens
und das "Totenreich" ein Teil der Welt ist, und daß es ohne den Tod auch kein Leben gibt im
zyklischen Ablauf von Leben und Sterben in der Natur. Die Gesetze der Zeit scheinen für Momente
auf den Kopf gestellt zu werden. Überall spürt man die Gegenwart des Todes.

Die hauchdünne "Weltendecke" gibt den Toten (beziehungsweise den tief im Unterbewußtsein
verankerten Erinnerungen an sie) zu Samhain die Möglichkeit, unter den Lebenden zu wandern
und mit ihren Verwandten zu feiern. Sie warnen vor Gefahren und geben Ratschläge für die
kommende Zeit. Man sollte sie willkommen heißen, und sich der Menschen, die einem mit Rat und
Tat zur Seite standen, in dieser Nacht erinnern. Man betrauert die Toten nicht, sondern feiert mit
ihnen und denkt daran, was sie an Gutem hinterlassen haben.

Zu Samhain gehörte ein gutes Maß an Chaos, denn das Fest sitzt zwar an einer Nahtstelle im
Jahreszyklus, schließt aber eine "Zeitenlücke" mit ein. Die helle Jahreshälfte und das Jahr selbst
enden mit dem Abend dieses Festtages, vor der Neumondnacht, das keltische neue Jahr beginnt
jedoch erst am nächsten Morgen. Die Nacht wird als dazwischenhängend empfunden - sie ist eine
unmeßbare Zeit, also Ewigkeit, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenfallen.
Deshalb kann sich hier auch das subjektive Zeitempfinden völlig anders darstellen als sonst,
besonders in Ritual (eine nicht nur von mir bestätigte Erfahrung).

Samhainrituale sind eine zweischneidige Sache, denn die "Anderswelt" entläßt offenbar nicht nur
die Toten der Familie aus den Tiefen der eigenen Psyche, sondern zu Samhain quellen durch die
dünne "Weltendecke" ebenso auch Geister, Dämonen und andere vom Unbewußten projizierte
Psychogone, die zu einem Problem für den Geist des Magiers werden können. Traditionell ist für
Magier der letzte Vollmond vor Samhain der geeignetste Zeitpunkt für Rituale, die mit solchen von
der Psyche erzeugten "Wesen" in Zusammenhang stehen. Man bereitet sich (evtl. schützend) auf
ihr Erscheinen zu Samhain vor.

In Ritualen zu Samhain begegnet der Magier möglicherweise Projektionen aus seinem eigenen
Unterbewußtsein, die für ihn Personifikationen seiner Ahnen oder Dämonen sind. Solche Kontakte
zu erzeugen fällt in dieser Nacht psychologisch wesentlich leichter als im übrigen Jahr, und so kann
man von ihnen Klärung für Fragen, anstehende Pläne und Situationen erbitten. Man erhält
vielleicht Antworten über Entscheidungen, die das Unterbewußtsein schon getroffen hat, ohne daß
das Wachbewußtsein dies mitbekommen hat.

Man muß sich nur zur Rückkehr vor Augen halten, daß all diese Begegnungen eben nur
Projektionen des Unbewußten sind und nicht real. Allerdings können sich nach eigener Erfahrung
in einem Gruppenbewutßsein auch die unterschiedlichen Erinnerungen der Gruppenmitglieder für
die ganze Gruppe realistisch manifestieren, so daß man tatsächlich glaubt, auch die Ahnen der
anderen seien wirklich anwesend.

Üblicherweise werden zu Samhain Initiationen (Magier, Schamanen, Druiden und Priester)


vorgenommen. In dieser Nacht können Orakel befragt und Kontakt zu den Wesen der Anderswelt
hergestellt werden (sofern man an solche glaubt), denn es ist Frieden zwischen allen Völkern
während dieser heiligen Nacht. Es ist das Fest, an dem alle Wesen symbolisch mit der Natur
sterben und später wiedergeboren werden.
1.5.2. Jul (Mittwinter)

Namen: Jul, Mittwinter, Wintersonnenwende, Alban Arthuan, Yule, Sonarblod


Kategorie: Nebenfest, Sonnenfest zur Wintersonnenwende, germanisch
Datum: 21. Dezember (kalendarische Schwankungen zwischen 20. und 22. sind möglich)
Astrologischer Zeitpunkt: Sonne 0° (Anfang) im Steinbock
Bedeutung im Jahresrad: Wintersonnenwende (Solstituum), längste Nacht des Jahres,
Winteranfang, als Wendepunkt Beginn der Reinigungszeit
Christliche Entsprechung: Weihnachten
Art des Feiertages: Julfest, Mittwinter, Wintersonnenwende, Fest der Wiedergeburt der Sonne
Symbole: Mistel, Tanne und Hirschgeweih

Bedeutung:
Das Julfest ist ein Wendepunkt, eine Umkehr, ein Anfang, und an diesem Tag feiert man die
Rückkehr von Licht und Leben. Jul ist der (Wieder-) Geburtstag der Sonne, der Tag des Triumphes
des Lichts über die Dunkelheit. In der dunkelsten und längsten Nacht der Wintersonnenwende
vollzieht sich eine Wendung, denn die Nächte werden von nun an immer kürzer, die Tage wieder
länger. Es ist ein Freudenfest, bei dem die Rückkehr oder die symbolische Wiedergeburt der Sonne
gefeiert wird.

Die Menschen früherer Zeiten maßten der Wintersonnenwende als Rückkehr des Lichts besondere
Bedeutung bei, denn ihr Schicksal war eng mit den wärmenden Strahlen der Sonne verbunden.
Ohne Sonne gibt es kein Wachstum, ohne Wachstum reift keine Frucht und ohne Frucht ist keine
menschliche Existenz möglich.

Gleichzeitig ist diese Zeit in den nördlichen Breiten die Zeit der Kälte und der Winterstürme. Mit
etwas Phantasie sieht man im nächtlichen Sturm die Götter, die in wilder Jagd durch die Lüfte
rauschen, und oft mögen diese eisigen Stürme damals zum tödlichen Verhängnis geworden sein.
Alle diese Umstände waren Grund genug, sich mit einem Fest über die neu geborene Natur zu
freuen. Sicherlich war die Wintersonnenwende auch wichtig, um den Zeitpunkt der
Saatausbringung zu bestimmen.

etymologisch:
Der altgermanische Festname Jul bedeutet im Nordischen "Rad des Lebens" und ist als Jahresrad
im Sonnenlauf zu verstehen. Er ist ein Pluralwort, denn er bezeichnet sowohl das eigentliche
Mittwinterfest als auch die folgenden Tage, die mit ihm verbunden sind. Auch das englische Yule
kommt vom angelsächsischen Wort Yula, was "Kreis des Jahres" bedeutet.

Die sprachliche Verwandtschaft zeigen auch das altnordische jòl oder jùl, das nordische hvel, das
altenglische geòl, das angelsächsische hveol, das französische yule und das englische wheel. Der
keltische Name Alban Arthuan bedeutet dagegen "das Licht des Arthur" und spielt auf die keltische
Artussage an.

Der Name Weihnachten ist ebenfalls heidnischen Ursprungs. Er ist genau wie das ursprünglich
mittelhochdeutsche "zeihen nechten" eigentlich ein Pluralwort, welches "Weihenächte" bedeutet.
Die Pluralform zeigt, daß das Fest sich ehemals über eine längere Zeit erstreckte, und nicht die
Tage werden genannt, sondern die weihevollen Nächte, da der Name noch aus einer Zeit stammt, in
der die Germanen nach Nächten rechneten. Das germanische Wort Sonarblod bedeutet
Sonnenopfer.
Zeitpunkt:
Die Wintersonnenwende (Winter-Solstituum) am 21. Dezember, die den Winterbeginn markiert, ist
die längste Nacht des Jahres. Die Sonne steht an ihrem niedrigsten Punkt, 23° unterhalb der
Ekliptik. Sie hat den südlichen Wendekreis erreicht und kehrt nach dem Norden zurück.

Das "Mitt" in Mittwinter bedeutet hier nicht die tatsächliche Mitte des Winters, sondern einen der
beiden Wendepunkte im Jahreslauf der Sonne, die an diesem Tag den Tiefpunkt ihrer Kraft und
Einwirkung hat, im Gegensatz zum Höhepunkt Mittsommer.

Jahresrad:
Die Wintersonnenwende ist die längste Nacht beziehungsweise der kürzeste Tag des Jahres. Als
Wendepunkt ist nun die immer dunkler werdende Zeit überstanden, die Tage werden weder länger
und das neugeborene Licht (die Sonne) kehrt allmählich zurück. Bei den Germanen endete das Jahr
mit dem Julfest.

Das Julfest dauert eigentlich mehrere Tage, nämlich alle zwölf Nächte von der Wintersonnenwende
bis zum Beginn des germanischen Jahres. Dieses zählt zwölf Mond-Monate (354 Tage), die durch
die Zwölfnächte oder Rauhnächte, die Zeit zwischen den Jahren, mit dem Sonnenjahr harmonisiert
werden.

Natur:
Von Litha (Sommersonnenwende) bis Jul schwindet das Licht langsam und jeden Tag gewinnt die
Dunkelheit an Macht. Die Natur wird immer kälter und steht scheinbar starr im kalten Wind und
dem Schnee des Winters. Für die Menschen damals war der Winter eine sehr harte Zeit der
Herrschaft der Eisriesen über die Welt, in der man mehr als sonst ums Überleben kämpfen mußte.

Noch ist die Natur im Winterschlaf und ringsherum augenscheinlich tot und regungslos. Die
Bäume sind kahl und das Wasser zu Eis erstarrt. Der Schnee bedeckt alles wie ein Leichentuch.
Alles erscheint tot und leblos. Doch das Leben hat sich nur zurückgezogen, denn obwohl nun die
Tage wieder länger werden, und das Licht nun wieder zunimmt, steht die kälteste Zeit im Jahr noch
bevor.

Heiden:
In der dunkelsten Nacht des Jahres wird die neue Sonne (wieder-) geboren, um den Menschen
dieser Welt das segenspendende Licht und die Hoffnung zurückzubringen. Die Erde (die Göttin)
gebiert die Sonne (den gehörnten Gott), der sich zuvor bei Beltane (um den 30. April) selbst
gezeugt hat, weil er seinen Tod zu Samhain (um den 31. Oktober) voraussah. Noch immer trägt die
Göttin Schwarz, weil sie um ihren Sohn und Gatten trauert, und sie wird als alte Frau dargestellt.

Germanen:
Als naturverwachsene Menschen haben die Germanen gewußt, daß es ohne die segnende und
lebensspendende Kraft der Sonne kein Wachsen, Reifen und Ernten gibt. Sie sahen den "güldenen
Wagen" am Himmel als Offenbarung des göttlichen Wirkens im All an, der den immerwährenden
Kreislauf von Frühling, Sommer, Herbst und Winter hervorruft. Jenes ewige "Stirb und Werde", das
nicht nur ihren persönlichen Lebensrhythmus bestimmt hat, sondern von dem alles Leben und
Wachstum abhängig ist.

In diesem Geist ist auch das Fest der Neugeburt des Lichts gefeiert worden. Sinnbildlich hat man
diese neuerstehende Sonne mit einem neugeborenen Kind verglichen, das von Tag zu Tag größer
und stärker wird, und als Kennzeichen den Strahlenglanz des Lichtgestirns um sich trägt. Weil
dieses Bild auch gut mit dem langsamen Erwachen und Wachsen der Natur zusammenpaßt, haben
die bäuerlichen Germanen das Sonnwendmysterium in der längsten und dunkelsten Nacht des
Jahres gleichzeitig als Ende des alten Jahres gefeiert. Das neue Jahr begann dann nach den 12
Rauhnächten, die mit Jul verbunden waren. Für die Germanen war Jul das höchste Fest des Jahres.

Sie feierten die Wiedergeburt des Lichtes, und so wie die Sonne wiedergeboren wird, kehren auch
die Götter in die Welt zurück. Zur Wintersonnenwende endet das zu Samhain (um den 31. Oktober)
beginnende Ragnarök, die Götterdämmerung, in der die Götter sterben. Ragnarök ist ein Synonym
für den Tod des Menschen, der alle Götter als Archetypen in sich vereinigt. Diese Zeit ist
gekennzeichnet durch den Übergang der sterblichen Hülle in einen Zustand des ewigen Lichtes, der
Seele und der Gedanken und Erinnerung, Attribute die dem Göttervater Odin durch seine beiden
Raben Hugin (Gedanke) und Munin (Erinnerung) gegeben sind.

Im Kampf gegen die Riesen verloren im Ragnarök außer Vidar und Vali alle Götter ihr Leben.
Diese rächten ihren Vater (Odin) und zeugten einen neuen Gott, der als Reinkarnation von Odin
beziehungsweise Balder angesehen wird. Das Licht siegt über die Dunkelheit und neues Leben
wird entstehen. Die Gewißheit des ewigen Kommens und Gehens symbolisiert zur Zeit der neuen
Sonne der Lichtgott Balder mit seiner Geburt. Dadurch gibt er dem Lauf der Natur zwischen
Entstehen und Vergehen neue Kraft und neue Hoffnung.

Der Mistelzweig, der Balder den Tod brachte (nur eine Mistel konnte ihn verwunden, weil man
vergessen hatte, ihr zu erzählen, daß er unverwundbar ist) wird zum Heilssymbol. Mistelzweige,
eine noch heute beliebte Weihnachtsdekoration, galten früher schon als Fruchtbarkeitssymbol zu
Ehren der Göttin Freyja.

Der in Skandinavien übliche Julbock (zum Beispiel ein strohgeschmückter Eichen- oder
Eschenholzklotz) ist ein Symbol der kommenden Fruchtbarkeit und des Schutzes durch Thor,
dessen heiliges Tier er ist. Vor Jul wurde im Wald feierlich ein Baum gefällt, dessen Stamm drei
oder noch öfter zwölf Nächte hindurch, also die ganze Festzeit, langsam verbrannt wurde, zu Ehren
des heiligen Herdfeuers (Ingwi-Agni) des Gottes Freyr. In dieser Zeit durfte man das Feuer nicht
erneuern, höchstens vom Nachbarn Glut holen, wenn es ausging. Mit dem Anzünden und
Verbrennen des Blockes verbanden sich Lieder, in denen Glück und Fruchtbarkeit für das
kommende Jahr verheißen wurden.

Auch mit dem glimmenden Julbock war die Vorstellung von der Erneuerung des Lebens
verbunden. So durfte er in Schweden nicht gänzlich verbrannt werden, weil man glaubte, daß in
ihm der Kuckuck verborgen sei, der die Fruchtbarkeit des Jahres gewährleiste, und daß bei
vollständigem Verbrennen die Ernte geschädigt würde. Das letzte Stück wurde im Kornspeicher
aufbewahrt. Mit ihm entzündete man zum nächsten Julfest den neuen Stamm. Der Sippenälteste
hatte die Aufgabe den neuen Julblock zu entzünden und ihn zum Herd zu tragen. Mit dem
Verschwinden des offenen Herdfeuers geriet der Julblock langsam in Vergessenheit. Der Julbock
wurde manchmal auch im Julfeuer verbrannt.

Zur Zeit der Besiedlung Islands wurde noch der Juleber durch das Haus getrieben und symbolisch
für Gullinborsti geopfert, Freyrs Reiteber mit den güldenen Borsten. Dieser Eber stellt die
Fruchtbarkeit und das Sonnenlicht dar. Nach dem Eberopfer (heute evtl. ein einfaches
Schweinefleischgericht) nennt man auch die Sonnenwende Sonarblod und der Juleber ist der
Sonargöttr (Leiteber). Mit dessen Borsten wurde orakelt, ein Überbleibsel davon ist heute das
Glücksschwein aus Marzipan, mit dem man sich alles Gute wünscht.
In Schweden und Dänemark hat der Brauch dergestalt überlebt, daß aus dem Korn der letzten Ernte
im Winter ein schweineförmiges Brot gebacken wird, das ebenfalls Juleber genannt wird, die ganze
Julzeit über auf dem Tisch steht und dann im Frühling von dem Pflüger und seinem Vieh gegessen
wird. Er soll die Kraft des Korns wieder auf die Aussaat übertragen, ebenfalls eine Form des
Wiedergeburtsmythos.
Das Orakel spiegelt sich jedoch weiterhin in den heutigen Silvesterbräuchen (zum Beispiel
Bleigießen). Auf den Juleber oder den Schwurring wurden nun Schwüre abgelegt, heute die guten
Vorsätze für das neue Jahr. Danach wurde als Besiegelung der Bragibecher (Bragi ist der Sänger-
und Dichtergott) mit Julbier oder Met getrunken. Damals wie heute schaffen erzählte Geschichten
und gemeinsames Musizieren eine Atmosphäre der Geborgenheit und der Zusammengehörigkeit.

Weil Jul das Familienfest ist, bei dem auch die Ahnen dabei sind, derer man dabei gedenkt und die
in der Überlieferung als Wilde Jagd mit Odin durch die Rauhnächte reiten, gehört Jul zu den
wichtigsten germanischen Festen. Zu diesem Zeitpunkt mußte alle Arbeit für dieses Jahr getan sein.
Anschließend wurde 12 Nächte durchgefeiert, wobei jede Nacht für einen Monat stand.

Es war ein Fest der Einheit von Sonne und Erde, der Einheit von Mensch und Natur, ein Fest der
Versöhnung der Menschen untereinander. Den wilden Tieren in Feld und Wald wurde Futter
gebracht. Streitereien und Kämpfe wurden ausgesetzt - eine Verhaltensweise, die Julfrieden
genannt wurde.

Der Ablauf war von der Nordseeküsten bis in den Alpenraum hinein im wesentlichen gleich. Den
Kern der Feierlichkeiten bildete das Abbrennen von Sonnwendfeuern durch die Sippen- und
Dorfgemeinschaften, ein Brauch, der sich mancherorts noch bis in unsere Zeit erhalten hat.
Allerdings ist vielen der heutigen Teilnehmer der eigentliche Sinn dieser Handlung
verlorengegangen, welcher darin bestand, daß das Feuer für die Menschen in dem rauhen
nördlichen Klima damals ein wesensgleicher Abkömmling der Sonne war. Es leuchtete und wärmte
wie der goldene Himmelswagen.

Darum war den Germanen das Feuer mitsamt der Herdstatt, auf der es gehütet wurde, heilig. Am
Herdfeuer, sozusagen in Gegenwart der göttlichen Urkraft, ruhte jeder Streit. Das
Gemeinschaftsleben spielte sich in einem großen Haus ab, ohne Trennwände, somit also eine
verschworene Sippe. Das Feuer zu hüten und dauernd zu unterhalten, war ein Vorrecht und eine
kultische Pflicht der Sippenältesten.

Der Sippenälteste bewachte das ganze Jahr das Herdfeuer, da es niemals ausgehen durfte. Doch zu
Jul wurde es gelöscht, die alte Asche wird auf die Felder gestreut und den Tieren unter das Futter
gemischt, als Schutz vor Seuchen und Krankheit. Und zur Wende wurde das neue Licht geboren
und der neue Julbock entzündet. Das Abbrennen des Sonnwendfeuers war mit gemeinschaftlichen
Gesang und Tanz eng verbunden.

Kelten:
Auch bei den Kelten war Jul in Form von Alban Arthuan ein Fest der Wiedergeburt, auch die der
Sonne. Bei den Kelten gab es den Brauch, daß die Frauen zu Jul in riesige Gräber hineingingen und
auf den ersten Sonnenstrahl warteten. Durch den Bau der Gräber konnte der Sonnenstrahl direkt ins
Innere gelangen. Damit hatte symbolisch das Licht die Dunkelheit beseitigt und das Leben den Tod
besiegt.

Während der Zeit der Wintersonnenwende (kelt.: Heulsaf Y Gaeaf) sammelten die Druiden am 6.
Tag des Mondzyklus in den Wäldern die heilige Mistelpflanze. Die Kraft der Mistel wurde mit dem
Vollmond in Verbindung gebracht, der nun nach den kurzen Wintertagen die langen kalten Nächte
regiert. Bei den Kelten bestimmte der Gott Cernussos dieses Fest, zu dem Weißwein und Kuchen
gereicht wurden und man sich unter dem Mistelzweig küßte. Von diesem Ritus ist heutzutage noch
der Brauch übriggeblieben, sich zu Weihnachten unter einem Mistelzweig zu küssen.
Christen:
Bereits im frühen Mittelalter wurde heidnische Julfest mit allen Einzelheiten in das heutige
Weihnachtsfest integriert. Die Christen haben den Gedanken der Geburt des Sonnengottes zu Jul
beibehalten und haben aus diesem Fest ihr Weihnachten gemacht, den Tag, an dem ihr
"Sonnengott" Jesus Christus geboren wird.

Das ist um so beachtlicher, als die Kirche zunächst gar nicht daran dachte, die Geburt ihres
Heilands zu feiern, sondern seine Taufe im Jordan, die Johannes vollzog, als seine eigentliche
Geburt als Messias, als seine Berufung und Erscheinung hervorhob. Dieses Ereignis wurde schon
Ende des 3. Jahrhunderts in Ägypten und Kleinasien festlich begangen, und zwar am 6. Januar.
Auch in Rom feierte man die "Geburt" Christi bis zum Jahre 353 am 6. Januar in diesem geistig
übertragenen Sinn.

Noch im dritten Jahrhundert war die "Feier der Geburt Christi" als heidnische Unsitte bekämpft
worden, nachdem sie vorübergehend im März, April und November abgehalten wurde. Das
Christentum besaß als späte Religionsform ursprünglich keine Feste, und bei einer ins Jenseits
gerichteten Einstellung sah es auch keinen Grund, eine irdische Geburt zu feiern.

Allerdings waren bodenständige Volksanschauungen und heidnische Bräuche nicht auszurotten.


Der mit dem Christentum konkurrierende Mithraskult hatte sich im Volk verbreitet, und seit dem
dritten Jahrhundert feierte man in Rom nach dem alten julianischen Kalender den 25. Dezember,
den der römische Kaiser Aurelianus mit seiner persönlicher Affinität zur Sonne als Geburtstag der
Sonne festlegte, als "Sol invictus" (unbesiegter Sol), der als Gegner des stiertötenden Mithras galt.
Wahrscheinlich ließ er sich dabei von dem griechischen Sonnenfest der Helia und den Ägyptern
inspirieren, bei denen der 24. Dezember als Wiedergeburtstag des Gottes Osiris galt. Damals
rangen das Christentum und der Mithraskult noch um die Vorherrschaft bei den Römern.

So sah sich das Christentum dann doch genötigt, sich Feste zu schaffen und sich an den Mithraskult
anzugleichen, wobei ihnen gemeinsame Züge beider Religionen entgegenkamen, wie die
Geburtslegende, die Verehrung durch die Hirten, die Lehre von der Auferstehung des Fleisches. Als
geschickte Angleichung an den Mithraskult definierten die Christen im Jahre 354 n.Z. den
Geburtstag Jesu Christi auf den 25. Dezember und rissen somit diesen Festtermin an sich, indem
sie die Geburt ihres Erlösers völlig willkürlich auf diesen Termin verlegten. Wie historisch belegt,
wäre Jesus Christus, sofern es ihn denn gegeben hat, jedoch nicht im Winter, sondern an einem Tag
im Frühling geboren worden.

Dennoch war es schwer, sich vom Mithraskult abzugrenzen, und wenige Jahre später mußte der
Kirchenvater Augustinus erklären: "Wir feiern den 25. Dezember nicht wegen der Geburt der
Sonne, wie die Ungläubigen, sondern wegen der Geburt dessen, der die Sonne erschaffen hat."

Natürlich kam es den Christen noch später sehr gelegen, daß dieses Fest in die Zeit der heidnisch-
germanischen Mittwinterfeste fiel, welche sie ebenfalls für sich assimilierten. Unter dem Druck der
christlichen Eiferer, die sich im Gefolge Karls des Großen die Macht anmaßten, mußte jeder bei der
Taufe den Glauben an die Weihenächte abschwören.

Nur drei Tage vor dem Weihnachtsfest des Jahres 1993 gab Papst Johannes Paul II. zu, daß das Fest
nicht biblisch begründet ist. Was den 25. Dezember betrifft, räumte der Papst ein: "In heidnischer
Vorzeit wurde an jenem Tag, dem Tag Wintersonnenwende, der Geburtstag der 'unbesiegbaren
Sonne' gefeiert. Den Christen erschien es logisch und naheliegend, dieses Fest durch die Feier zu
Ehren der einzigen und wahren Sonne, Jesus Christus, zu ersetzen."

Die Kirche hat den germanischen Brauch des Herdfeuers in den Brauch des "ewigen Lichts"
übernommen. Viele Lieder, die zur Sonnwende beziehungsweise Weihnachten gesungen werden,
gehen auch heute noch auf uralte vorchristliche Sitten und Bräuche des Mittwinterfestes zurück.
Trotz der jahrhundertelangen christlichen Durchmischung und Überprägung lassen sich somit auch
noch heute sehr gut die eigentlichen Wurzeln des Brauchtums zur Wintersonnenwende erkennen.
Ein neuer Tag begann bei den Germanen am Abend, und so wird auch heute noch das
Weihnachtsfest mit dem "heiligen Abend" begonnen.

historisch:
Das Julfest ist auf das skandinavische Wintersonnenwendfest zurückzuführen. Im Jahre 1643
verbot das englische Parlament Weihnachten wegen des heidnischen Hintergrundes, doch später
wurde es wiedereingesetzt. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung ist der Weihnachtsbaum in
Form der im Haus aufgestellten Tanne, der allgemein oft mit heidnischen Bräuchen zur
Weihnachtszeit verknüpft wird, eine Erfindung des beginnenden Bürgertums im späten 18.
Jahrhundert und breitete sich vom Elsaß her aus.

Brauchtum:
Versetzt man sich in frühe Zeiten zurück, so kann man sich leicht vorstellen, daß Jul aufgrund der
jahreszeitlich bedingten, lebensfeindlichen Wetterverhältnisse zuhause im engsten Kreis der
Familie und der Bediensteten des Hofes gefeiert wurde. Gemeinsam rückte man nahe an das
wärmende Feuer und ging nach Möglichkeit während der zwölf Rauhnächte nicht in die
unwirtliche Umgebung hinaus. Die Bedeutung des Festessens dürfte in einer Zeit häufiger
Hungersnöte höher als im heutigen Überfluß gewesen sein. Damals wie heute erquicken in dieser
dunklen Jahreszeit Kerzen Geist und Seele.

Als Wendepunkt des Jahres ist es das Fest, an dem alles Licht endet und neu beginnt. Daher werden
bei der Julfeier als Symbol der Wiedergeburt der Sonne alle Feuer und Lichter gelöscht und neu
entzündet. Licht und Wärme, die nun kommen werden, feiert man durch ein Feuer oder durch viel
Kerzenlicht. Das Feuer des Julfestes, ist als Ausdruck der Sonne, der zentrale Punkt und zeigt die
kosmische Entstehung auf. Haus und Hof wurden mit Räucherwerk gereinigt und mit immergrünen
Zweigen, Misteln, roten Beeren der Stechpalme und vielleicht mit einem Lichterbaum dekoriert.

In der alten Tradition wurden ein Strohrad angefertigt und kleine Schiffchen gebastelt, auf denen
Kerzen befestigt wurden. In der Nacht der Wintersonnenwende versammelte sich das ganze Dorf
an einem Feuer, zündete das Strohrad an und rollte es den Berg herunter, damit alle Welt sehen
konnte, daß sie die Dunkelheit überstanden haben und das Licht gesiegt hat. Anschließend wurden
die Kerzenschiffchen angezündet und im Bach ausgesetzt als Gruß an alle anderen Lebewesen,
denen diese Schiffchen auf ihrem Weg begegneten.

Man glaubte, daß alle Pflanzen und auch die Bäume eine Seele haben, die nun in der dunklen Zeit
besonders tief schlief. Um ihnen nun auch mitzuteilen, daß das Licht neu geboren wurde, ging man
hinaus und klopfte ganz sanft an die Stämme der Bäume, befreite sie von Eis und Schnee und
brachte ihnen Segenssprüche, um den Schutz gegen das rauhe Wetter zu verstärken. Dann wurden
kleine Säckchen mit Gebäck, Salz und Brot an die Bäume gehängt, um die Baumgeister zu
erfreuen, ihnen die Verbundenheit zu bekunden und gleichzeitig um eine gute Ernte im nächsten
Jahr zu bitten.
Ebenfalls wurde ein Julbaum mit Sternen, aus dem Stroh der letzten Ernte gefertigt, geschmückt,
als Erinnerung an die Unsterblichkeit der Natur und als Bitte für eine gute Feldernte im nächsten
Jahr. Dies geschah allerdings draußen, der Baum wurde nicht etwa gefällt und ins Haus geschleppt.
Immergrüne Pflanzen wie die Nadelbäume, die Mistel oder der die Stechpalme wurden in der
dunklen Jahreszeit zum Hoffnungsträger als Zeichen, daß nicht alles in der Natur stirbt, sondern
daß es Pflanzen gab, die stark genug waren, ihre Farbenpracht auch über die dunkle Zeit hinaus zu
tragen.
Lichterbäume, Efeu, Kiefernzweige und Stechpalmen versinnbildlichen mit ihrem Grün, das
wiederkehrende Leben mit jedem neuen Zyklus. Das Grün in den Häusern erinnert an das
Überleben der Natur unter der Schneedecke des Winters. Es symbolisiert den Keim des neuen
Anfangs. Wenn man unter einem Mistelzweig stand, durfte man sich küssen. Es galt der Glaube,
daß ein Mann, der eine Frau unter einem Mistelzweig küßt, diese Frau im nächsten Frühjahr zu
seiner Braut machen würde.

Inmitten der kahlen Jahreszeit hoffte man mit all dem Grün, daß der Frühling bald wieder Einkehr
hält. Nun wußte man, daß die kalte, nahrungsarme Zeit bald zu Ende gehen würde, und in
Vorfreude auf die Fülle des Sommers holte man das Beste der gelagerten Vorräte aus dem Schrank.
Rundtänze wurden aufgeführt, Lieder gesungen und Geschichten erzählt. Es war eine Zeit der
Geschenke, der Feierlichkeiten und der Freude. Die Sonne war zurückgekehrt, das Leben konnte
weitergehen.

Der Bezug zu den Ahnen macht Jul zum bedeutendsten Familienfest, das mit einem Festmahl
gefeiert wird, bei dem auch die Ahnen symbolisch mit am Tisch sitzen. Dies verdeutlicht man am
besten durch den nordischen Brauch des jóladrekka (Jultrinkgelage) mit Trinksprüchen auf die
Ahnen. Traditionell gehört dazu das jólaöl (Julbier) ursprünglich Ale, im vom Lagerbier
beherrschten Mitteleuropa meist Bockbier, oder Met.

Statt eines Julfeuers oder Julbocks wurden ab dem späten 18. Jahrhundert die Kerzen des
Julbaumes entzündet, der dann tatsächlich im Haus aufgestellt wurde. Das Fällen und Schmücken
des Weihnachtsbaumes leitet sich noch vom Julbock ab. Als moderner Heide kann man sich dieses
Brauchtum aneignen und den Baum mit roten Kugeln oder Äpfeln als Sinnbild für das Leben und
mit goldenen Kugeln als Sinnbild für das neugeborene Licht schmücken. Ein Stern in der Spitze
des Baumes erinnert an die Sonne, die Kerzen an die Bedeutung des Lichtes für die Natur. Schöner
ist es natürlich, kein Baumleben zu opfern und statt dessen, so wie ganz früher, einen lebenden
Baum draußen zu schmücken.

Der Lichterbaum ist der immergrüne Weltbaum Yggdrassil, der nun erstrahlt. Er ist die
harmonische Vereinigung von lebendigem Grün und Licht, die Verbindung des Grüns der
Vegetation mit dem hellen Glanz des Sonnenlichts. Der Baum ragt zum Himmel, nach oben, zum
Licht, zur Sonne. Seine Wurzeln sind im Erdreich, in der Tiefe, im Finstern verankert. Beides
gehört wesentlich zum Baum dazu. Das sinnlich Wahrnehmbare des Baumes ist nur ein Teil, die
Wurzeln müssen verborgen sein, soll der Baum nicht verdorren. Diese ökologischen
Zusammenhänge schwingen in der Sitte des Julbaumes mit. Der Julbaum ist durch bronzezeitliche
Felszeichnungen von Tannen oder Fichten bei Sonnenfesten belegt.

Der Weihnachtsbaum ist selbst heute in seiner geläufigen Gestalt nicht überall üblich. Im Mölltal
(Kärnten) steht der Baum nicht in der Stube, aber zu beiden Seiten des Haustores steht ein
Fichtenbaum, dessen bändergeschmückter Wipfel bis über den First reicht. Sehr oft stellt der
Kärntner Bauer ein einfaches, ungeschmücktes Fichtenbäumchen in die Ecke des Gehöftes oder
zwischen Wohnhaus und Stall, vielfach auch auf den Brunnen oder auf den Düngerhaufen, dem der
Baum nach der Volksanschauung besondere Kraft verleiht.

An der gleichen Stelle stand der Baum einst auch im skandinavischen Norden, denn dort errichtete
man zu Weihnachten die "Julrönn". Ein Ebereschenzweig wurde mit seinen gabeligen Enden
zusammengebunden und in diesem Kreisrund geschmückt. Wie in Kärnten die "Weihnachtsachsen"
zu beiden Seiten des Tores stehen, so bringt der schwedische Bauer links und rechts vom Gartentor
auf einer hohen Stange Tannenwipfel an, auf die Garben für die Vögel gebunden werden. Die
einstige schwedische Sitte, zwei Tannenbäume vor dem Hauseingang zu kreuzen, ist schon durch
skandinavische Runenkalender bezeugt, die damit den Beginn der Weihnachtszeit anzeigen.
Aber auch die Kärntner Sitte, den Brunnen in den Rauhnächten mit einem Baum zu schmücken,
kehrt in anderen Landschaften wieder. Im Elsaß richten die Mädchen am Neujahrstag am Brunnen
eine Tanne auf und schmücken sie mit Eiern und Bändern. Am Abend wird der Schnee weggekehrt,
und die Jugend tanzt unter Gesang um den Baum. Auch hier wird also das Sinnbild des neuen
Lebens mit einem besonderen Tanze umkreist. Ebenso tanzt man im Mai und zur Sonnwende um
den geschmückten Brunnen, der manches Mal auch mit Lichtern geziert wird.

Im Gegensatz zu den anderen Festen des Jahres, wo Festbaum und Blüten im Freien stehen, bringt
man sie zu Weihnachten meistens in die Stube. In Schweden wurde früher einfach eine Eberesche
ohne jeglichen Schmuck ins Haus gestellt. In Thüringen brachte man schon am 30. November
Zweige dieses Baumes in die Stube, die dann am Weihnachtsabend geschmückt wurden. Von den
Laubbäumen wurde die Eberesche wohl wegen der roten Früchte zum winterlichen Festbaum.
Meist wählt man dafür immergrüne Bäume und Sträucher, so in Salzburg Eiben- und
Wacholderzweige für die Perchtelboschen (Perchtenbüschel).

An die Stelle des immergrünen Zweiges, der häufig mit Früchten geschmückt wird, tritt oft der
blühende Zweig. Zweige eines Obstbaumes werden gepflückt und bis Weihnachten in Wasser oder
feuchten Sand gestellt. Am häufigsten wählt man Kirschen- und Weichselzweige, zuweilen aber
auch Linde und Flieder, die dann geschmückt werden.

Bis ins neunzehnte Jahrhundert war es üblich, selbst einen großen Baum ins Zimmer zu pflanzen,
damit er zu Weihnachten grüne und blühe. In die Zweige wurden überdies Kerzen gesteckt. Zu
diesen vielfältigen Formen gesellen sich noch künstliche Bäume aus Zweigen, Stämmen und
Früchten, aufgebaut wie das ostfriesische Weihnachtsgestell, die Weihnachtspyramide und der
Klausenbaum.

spirituell:
Man feiert Jul als freudiges, aber besinnliches Fest. Wie Weihnachten auch ist Jul unter anderem
ein Fest der Versöhnung, des Friedens und der Freude. Jul ist ein guter Zeitpunkt, um planerisch in
die Zukunft zu schauen. Manchmal versucht man auch vorauszusagen, was der Frühling bringen
wird, und es werden Traditionen aufrechterhalten.

Es ist ratsam, sich der kommerziellen Hektik des Weihnachtsfestes zu entziehen und nach den
Wurzeln der alten Bräuche zu suchen. Was einem davon gefällt, kann man in seine Variante des
Festes einflechten. Man sollte sich über seine Wünsche, Hoffnungen und Sehnsüchte für das neue
Jahr klar werden. Es ist natürlich auch nichts gegen Geschenke einzuwenden - solange diese einen
Sinn und Nutzen haben.

magisch:
In Ritualen ehrt man die Erde beziehungsweise Natur als Mutter und heißt ihren neugeborenen
Sohn, die Sonne, willkommen. Es ist eine gute Zeit, um das Haus durch ein reinigendes
Räucherungsritual von allen negativen Einflüssen zu befreien. Traditionell werden alle Lichter
gelöscht, damit man die Dunkelheit noch einmal richtig spürt, und dann feierlich neu entzündet.

Wer mag (und genügend geschickt ist), kann das Feuer auch kultisch entzünden, indem er einen
Hartholzstab (Eiche) im Loch eines Weichholzscheites (Ulme) schnell dreht. Dazu kann man einen
Bogen zu Hilfe nehmen. Der Stab steht dabei für das männlich-aktiv-phallische, die Öffnung für
das weiblich-passiv-empfangende Prinzip, welches den Zeugungsakt versinnbildlicht, aus dem das
Licht wiedergeboren wird. Die entstehende Glut wird mit Zunder und vorsichtigem Anblasen zum
Entzünden gebracht. Hiermit wird das eigentliche Feuer, das sogenannte Notfeuer, in Brand
gesetzt. Die Flammen werden mit Jubel begrüßt und damit ist die Kraft der Sonne auf die Erde
geholt. Von diesem Feuer zündet man Kerzen, Fackeln etc. an, die man mit nach Hause nimmt und
damit dort symbolisch das Herdfeuer anzündet.

Ein weiteres schönes Jul-Ritual besteht darin, sich am Morgen des 22. Dezembers zum Zeitpunkt
des Aufgangs der neu geborenen Sonne Kraft für ein neues Projekt zu wünschen, das im Laufe des
Jahres mit der zunehmenden Sonnenkraft wachsen soll.

1.5.3. Imbolc (Lichterfest)

Namen: Imbolc, Imbolg, Kerzenfest, Lichterfest, Lichtmeß, Disenopfer, Disenblod, Disablod,


Fröblót
Kategorie: Hauptfest, Mondfest zu Vollmond, keltisch
Datum: beweglicher Feiertag am 2. Jahresvollmond (um den 1. Februar)
Astrologischer Zeitpunkt: Sonne ca. 15° (Mitte) im Wassermann
Bedeutung im Jahresrad: Wintermitte, Beginn der Wachstumszeit
Christliche Entsprechung: Lichtmeß
Art des Feiertages: Kerzenfest, Lichterfest, Fest der Reinigung und der Fruchtbarkeit
Symbole: Kerze, Herdfeuer, Milch, Schneeglöckchen

Bedeutung:
Imbolc ist der Tag zwischen der Wiedergeburt des Lichts und der Manifestation des Lebens an sich.
Es wird mit Reinheit, Unschuld und den jungen, frischen Trieben im Winterfrost assoziiert. Was zur
Wintersonnewende geboren wurde, beginnt sich zu festigen. Nur wer seine Nase zu früh
herausstreckt, wird sich mit den bevorstehenden Frühjahrsstürmen und den letzten Frösten
auseinandersetzen müssen.

Es ist also auch eine Zeit des Stillhaltens, des Wartens. In dieser Zeit sind die meisten
Wintervorräte aufgebraucht. Es ist also wichtig, mit den verbleibenden Reserven sorgfältig und
bedacht umzugehen, wohl wissend, daß es mit Riesenschritten auf die lichtvolle Jahreszeit zugeht.

Zu Imbolc ist das Licht soweit vorangeschritten, daß das Abendbrot bereits bei natürlichem Licht
eingenommen werden kann. Endlich endet die Zeit, in der man morgens im Dunkeln das Haus
verläßt und abends im Dunkeln heimkommt. Das Licht hat über die Dunkelheit gesiegt. Das erste
Frühlingslicht wird mit Fackeln und Kerzen begrüßt und so verstärkt.

Imbolc feiert das dank der weiblichen Fähigkeiten zu gebären, zu ernähren und zu schützen wieder
in Gang kommende Leben. Aber nicht nur das Leben auf der Erde, auch das Sonnenlicht kommt
zurück. Anfang Februar werden die Tage merklich länger (verglichen mit der Wintersonnenwende
um rund eine Stunde und zwanzig Minuten). Das Heranwachsen der Sonne und das damit
verbundene Versprechen neuen Lebens wird ebenso gefeiert.

Das erste Frühlingslicht wird mit Fackeln und Kerzen begrüßt und verstärkt, um die Reise der
langsam aufsteigenden Sonne zu beschleunigen. Die Menschen entzünden zur Unterstützung der
wachsenden Sonne und des Lichts und ihr zu Ehren eine (meist weiße) Kerze in der
Abenddämmerung im Haus oder in der Wohnung, um sie die Nacht hindurch bis zur
Morgendämmerung brennen zu lassen.

etymologisch:
Es gibt viele Schreibweisen für "Imbolc", aber diese hier ist die vorherrschend international
anerkannte, weil sie angloamerikanisiert ist. Das Wort "Imbolc" entstammt wahrscheinlich dem
keltischen "óimelc", "imolg" beziehungsweise "imbulc", welche sich von "oi" (kelt.: Schaf), und
"melcg" (kelt.: Milch) herleitet. Das heißt, Imbolc definiert den Frühlingsanfang als den Zeitpunkt,
ab dem die Mutterschafe für die ersten Lämmer Milch produzieren.

Einer anderen Interpretation zufolge bedeutet Imbolc übersetzt "im Balg" (im Bauch) und meint,
daß kurz vor der Geburt stehende neue Leben in der Natur, im Schoß der Erde, aber auch das
Ausbrüten (schwanger gehen) neuer Pläne und Ideen. Nur ist es noch zu früh, um diese Pläne zu
zeigen und umzusetzen, sie sind noch nicht spruchreif.

Imbolc ist auch bekannt als "Lichtmeß" (engl.: Candlemes). Der Ursprung der Bezeichnung
"Lichtmeß" ist nicht eindeutig überliefert. Die eine Möglichkeit ist die Abstammung vom
mittelhochdeutschen "mezzen" (verkünden, ankündigen), also die Verkündung des beginnenden
Lichtes. Die zweite Möglichkeit kommt vom Wortstamm "mezz" (trennen, abschneiden - heute
noch zu finden in Begriffen wie Metzger, Steinmetz oder Gemetzel) und wird so interpretiert, daß
man das (künstliche) Licht wieder "missen", also wieder ohne Kerzen leben kann.

Der nordische Name Disablod oder Disenblod bedeutet Disenopfer. Der altschwedische Name
Fröblót bedeutet Opfer für Freyr und weist diesen Gott im Norden als Schutzherrn des Festes aus.

Zeitpunkt:
Imbolc ist ein Vollmondfest und daher ein beweglicher Feiertag, der am 2. Vollmond des
Mondjahres gefeiert wird. Annähernd ist dies der Vollmond um den 1. Februar. Manche feiern
Imbolc aber auch am 14. Februar als heidnische Form des Valentinstages. Übrigens feiert man
Imbolc auch in Australien und Neuseeland, aber durch die jahreszeitliche Verschiebung auf der
Südhalbkugel erst um den 1. August.

Jahresrad:
Im Jahresrad steht Imbolc für den Zeitpunkt, an dem das Licht schon wieder deutlich kräftiger und
die Tage länger geworden sind. Man merkt jetzt, daß das Licht allmählich die Oberhand über die
Dunkelheit zu gewinnen beginnt. Doch noch sind die Nächte länger als die Tage, aber das junge
Licht gibt Hoffnung auf den bald endenden Winter. Dennoch ist die meteorologische Wintermitte
die kälteste Zeit des Jahres, aber die Hoffnung auf das wachsende Licht wärmt innerlich.

Natur:
Die Tage werden schon merklich länger, doch die Nacht ist immer noch länger als der Tag. Es ist
die kälteste Zeit im Jahr und meteorologisch die Wintermitte. Zu dieser Zeit bedeckt meist Schnee
und Eis die Natur. Imbolc ist der allmähliche Beginn des Frühlings, denn das neue Leben ruht noch
im Schoß der Erde, beginnt sich aber schon zu zeigen.

Die Keime des letzten Jahres schlummern im Bauch der Erde, fangen aber bereits an zu wachsen.
Man sieht sie noch nicht, aber sie sind da und beginnen mit ihrem Wachstum nach oben zum Licht.
Die Saat der letzten Monate geht auf. Die Herrschaft des Winters wird jedoch schon durch
wärmende Sonnenstrahlen geschwächt, welche die Schneeglöckchen und Krokusse aus der weißen
Pracht hervorschauen lassen. In der ländlichen Gemeinschaft freut man sich über die Geburt der
ersten Lämmer.

Imbolc ist ein Wendepunkt des Jahres, an dem die Wachstumszeit beginnt. Die ersten
Schneeglöckchen leuchten weiß und versprechen den Frühlingsbeginn. Die Schneeschmelze hat
begonnen, und mit wilder Kraft sprudeln die Bergbäche die Hänge hinab, vereinigen sich mit den
Flüssen und erfüllen das ganze Land mit sehnsuchtsvoller Erwartung und Leben.
Heiden:
Imbolc ist ein Synonym für die junge Sonne, kurz nach ihrer Wiedergeburt zu Jul
(Wintersonnenwende, 21. Dezember). Der gehörnte Sonnengott ist noch ein Kind, das
heranwächst. Dazu passend ist auch die Milch als Symbol dieses Festes, repräsentiert durch die
frühe Milch der Schafe. Es ist Zeit, das Heranwachsen des Sonnengottes und das damit verbundene
Versprechen neuen Lebens zu feiern. Auch die Erde tritt wieder in ihre Jugendphase ein und reift
bis zum Ausbrechen des Grüns. Die Göttin wird als unschuldiges junges Mädchen in Weiß
dargestellt, welches die Reife erst zu Beltane (um den 30. April) erreichen wird.

Germanen:
Man feierte Imbolc zu Ehren jener Götter, deren Aspekte die Schmiedekunst, die Dichtkunst und
die Heilung sind, besonders aber ist es ein Fest des Gottes Thor, der zu dieser Zeit die Eisriesen
erschlagen hat, und der Göttin Iduna, die den Asen mit goldenen Lebensäpfeln die verjüngende
Lebenskraft schenkt.

Es wurde auf einem Berg kultisch ein Feuer entzündet. Aber auch Freyr, dem Licht und
Fruchtbarkeitsgott, war dieses Fest gewidmet. Dazu wurde eine Puppe aus Stroh oder Heu auf
einem Berg angezündet, die den Winter symbolisierte, als Zeichen von dessen Niederlage. In
lärmenden Umzügen wurde der Winter ausgetrieben und der kommende Frühling begrüßt. Das
Vieh wurde mit Haselnuß- und Birkenzweigen berührt, damit es fruchtbarer werden sollte.

Das Mahl zum Disenopfer fand noch am hellen Abend statt und es wurde für die Disen ein
Opfergedeck mit aufgetragen. Während dem Mahl galten die Trinksprüche vor allem Freyr, Iduna,
der Erdgöttin Gerða, den Disen und den Ahnen.

Kelten:
Imbolc war das Fest der keltischen Göttin Brid, die später im Zuge der Christianisierung zur
heiligen Brigid oder Brigit umbenannt wurde. Brid ist eine dreifaltige Göttin der schönen Künste,
der Inspiration, der Schmiedekunst und des Feuers, sowie Schutzpatronin der Ärzte und
Hebammen. Imbolc wurde mit rituellen Reinigungen, Opfern und Pferdewettläufen zelebriert. Man
entzündete nächtliche heilige Feuer, die Kraft und Hitze der Lebenskraft symbolisieren sollten aber
auch den Werkstoff des Schmiedes und die Triebkraft der Inspiration. Die Kelten feierten an diesen
Tagen die Rückkehr des Sonnenlichts nach dem langen Winter.

Brid besaß eine rein weibliche Priesterschaft, möglicherweise wurden Männer vom Kult
ausgeschlossen. In der Hand hielt sie strahlendes Licht, daß sie aus sich herausgebracht hat, als
Symbol für die Sonne. Dargestellt wurde sie zu Imbolc als junge Frau ganz in Weiß mit einem
Lichter- beziehungsweise Kerzenkranz auf dem Kopf. Das englische Wort "Bride" (Braut) wird
dem Ursprung nach auf Brid zurückgeführt. Das Schneeglöckchen wurde als Brids heilige Pflanze
verehrt, da es den Sieg über den Winter verkündet und wie die Göttin Weiß trägt.

An ihrem Schrein, in der Irischen Stadt Kildare, unterhielt eine Gruppe von 19 Priesterinnen eine
ewige Flamme, um Brid zu ehren. Sie wurde auch wegen der Kraft ihres Feuers verehrt. Die
Flamme wurde auch mit der eigenen Sexualität gleichgestellt. Brid verkörperte für Frauen die
unerschrockene, offene Sexualität und der sichere Ausdruck ihrer sexuellen Energien. Sie wurde
auch wegen ihres Wissens um sexuelle Geheimnisse geachtet. Imbolc ist auch das Fest für die
Belange der Frauen, der Familie und des Heimes.

Zu Imbolc waren die Kelten immer sehr beschäftigt. Es wurde Brot gebacken und Butter gemacht,
denn für die Kelten waren Brot und Butter heilig. Auch die keltische Handarbeit fand zum Imbolc-
Fest immer ihren Höhepunkt.
Alle Riten, die heute in Irland offen zelebriert werden, sind Mischformen aus altreligiösen und
heidnischen Bestandteilen. Noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts war es in irischen Dörfern
Sitte, daß sich zu Imbolc vor allem junge Frauen in antike Kleider hüllten, um das Bild der
heidnischen Brid durch die Gassen zu tragen. Sie gingen dabei von Haus zu Haus und bettelten um
Geld für die arme Brid, Brigid oder Biddy. Die Almosen kamen der Gemeinde zugute, zumal die
Leute gern gaben, denn eine Spende für Brid brachte Glück. Auch das kommende Wetter wurde
nach diesem Tag bestimmt. Schien die Sonne, kam der Winter noch einmal zurück, gab es Regen,
hatte der Winter keine Chance mehr.

Ein anderer Brauch wurde im schottischen Hochland und in Cornwall praktiziert. In


Nottinghamshire zum Beispiel wurde eine Kerze auf die Wiege neben dem Altar gestellt, und der
Pfarrer schaukelte das letzte Kind, das getauft wurde (unverkennbar ein heidnisches
Wiedergeburtsritual, das die Kirche übernommen hatte). Es erinnert an die Tradition von Brigids
Bett, bei der die Herrin des Hauses und ihre Dienerinnen ein Getreidebündel nahmen, es als Frau
verkleideten und in einen großen Weidenkorb legten, neben dem ein Knüppel lag. Dann riefen sie
"Brigid komme! Sei willkommen, Brigid!" Dies geschah kurz bevor alle zu Bett gingen. Am
nächsten Morgen suchten die Frauen nach Fußspuren in der Herdasche, um zu sehen, ob Brigid in
der Nacht gekommen war.

Christen:
Die Tradition des Imbolc findet sich im christlichen Mariä Lichtmeß wieder. An dem Tag werden
alle Kirchen-Kerzen für das kommende Jahr gesegnet, die dann zu allen möglichen Gelegenheiten
entzündet werden. Auf speziellen Kerzen befand sich früher sogar ein Pentagramm, welches dann
gegen Hexen und Zauberei wirken sollte.

Die katholische Kirche versuchte, Imbolc und Brigid auszulöschen, indem sie einfach das
christliche Lichtmeß darüberstülpte und es als Reinigungsfest erklärte. In der Bibel steht, daß eine
Frau nach der Geburt eines Kindes unrein ist. Sie muß sich nach jüdischem Gesetz 40 Tage danach
einem speziellen Reinigungsritus unterziehen, um wieder in die Gemeinde aufgenommen werden
zu können.

Die christliche Auffassung ging sogar soweit, daß sich Frauen nach der Geburt eines Sohnes 40
Tage, aber nach der Geburt eines Mädchens 80 Tage reinigen mußten. Frauen wurden als doppelt
so unrein angesehen wie die Männer.

Das kirchliche Fest Mariä Lichtmeß bezieht sich auf Maria, weil zu diesem Zeitpunkt seit der
Geburt Jesu (theoretisch) 40 Tage vergangen sind. So paßte die Lage von Imbolc ungefähr ca. 40
Tage nach Jul beziehungsweise Weihnachten der Kirche ganz gut ins Konzept. Auch hier ist der
Reinigungsaspekt dieses Festes nicht zu übersehen. Später wurde durch ein Konzil versucht, Mariä
Lichtmeß abzuschaffen, da die "Jungfrau" Maria durch die Geburt Christi angeblich keine
Befleckung erlitten hatte und deshalb auch nicht gereinigt werden müsse.

Die keltische Göttin Brigid wurde von der Kirche zur Heiligen erklärt (was für ein Abstieg für eine
Göttin), nachdem sie nach wie vor vom Volk verehrt wurde. Der Papst wollte lieber eine christliche
Heilige verehren lassen als eine heidnische Göttin. Aus Brigid wurde somit Bridgit oder Brigitta.
Sie wurde als Nonne in den Geschichtsbücher verewigt, die ein Kloster in Kildare gegründet haben
soll. Ironischerweise war genau dieses Kloster in Kildare wegen seiner Heilungswunder und
Fruchtbarkeitsmagie bekannt.
Die daraus entstandene irische "Heilige" Brigitta von Kildare, die am 1. Februar gefeiert wird, ist
daher unhistorisch, hat nie existiert und ist nur ein Pseudonym für die Göttin Brigid. Die Nonnen in
der Gefolgschaft der Heiligen Brigid sind natürlich die gleichen Frauen, die bereits vor
Jahrhunderten die heilige Flamme bei Kildare hüteten.
historisch:
Mit Imbolc pflegte das Schottische Jahr zu beginnen. In Irland begann jetzt das Pflügen. Es ist auch
der Zeitpunkt des Festes des armenischen Feuergottes Mihr. Von dem Brauch, den Winter mit Lärm
und Mummenschanz endgültig zu vertreiben, rührt der heutige Karneval her, der ebenfalls in diese
Zeit fällt. In altrömischer Zeit pflegten um Imbolc herum die Priester des Pan, die Luperci, nackt
bis auf einen Lendenschurz aus Ziegenleder, durch die Gassen zu laufen und mit ihren
Ziegenlederriemen jeden zu schlagen, der ihnen begegnete - vor allem verheiratete Frauen, die
dadurch Fruchtbarkeit erlangen sollten.

Brauchtum:
Als Sinnbild für das erste aufkeimende Leben in der Natur zündet man bei Abenddämmerung eine
Kerze an, die bis zum frühen Morgen bei Sonnenaufgang des nächsten Tages brennen soll. In
früheren Jahren wurden in der Winterzeit vor Imbolc die Kerzen der Familie gefertigt und zu
Imbolc geweiht. Diesem Wachs wurde hohe Schutzkraft zugeschrieben. Auch heute ist es schön,
eine selbstgemachte Kerze zu verwenden.

Diese Kerzen wurden in Notsituationen, bei Geburten, am Krankenbett oder in Sterbesituationen


angezündet, um den Schutz und die Unterstützung der geistigen Welten zu erhalten. Eine zehnfach
höhere Wirkung wurde diesen Kerzen zugesprochen, wenn Imbolc auf einen Sonntag fiel. In der
Imbolc-Nacht wurden ebenfalls die Bienenstöcke gesegnet, in denen der Wachs für die Kerzen
entstand. Vielerorts werden auch heute noch Lichterprozessionen von Kindern durchgeführt. Sie
verkörpern die Unschuld des Neubeginns.

Am Marktplatz versammelten sich die Männer des Dorfes, um mit dem Knallen ihren Peitschen die
bösen Geister des Winters zu vertreiben (Aperschnalzen). Oft unter Lärmen, mit Besen und
magischen Räucherungen wurden die Geister des nahezu vergangenen Winters aus dem Haus
getrieben. Ein Brauch der sich heute noch in den Umtrieben zur Faschingszeit wiederfindet.

Aus Westfalen sind Frauentänze überliefert, bei denen die sich nähernden jungen Männer eins mit
der Holundergerte übergezogen bekamen. Die Zeit zum Freien (Beltane) ist noch nicht gekommen,
denn Imbolc ist das Fest der Reinheit und Unschuld. Allerdings lauschten die jungen Mädchen
schon in die Zukunft und fragten sich, was für einen Ehemann sie wohl erhalten würden. Ein alter
Brauch war es, daß die jungen Mädchen in dieser Nacht vor das Dorf gingen und auf das
Hundegebell warteten. Aus der Richtung, aus welcher der Hund bellte, sollte der spätere Freier
auftauchen.

Im alten Europa wurde Imbolc mit einer Lichtprozession gefeiert um die Felder vor der Pflanzzeit
zu reinigen und zu düngen und den Göttern und Geistern der Landwirtschaft zu danken. In früher
Zeit fiel das Festmahl des Tages in der Regel karg aus. Man aß das, was von der Ernte im letzten
Jahr übrig geblieben war, also getrocknete Früchte, Stockfisch, Getreide. Wer mag, kann nach alter
Sitte einen Beutel oder ein Glas voller Samen segnen und über Nacht im Mondlicht stehen lassen.
Die Samen werden dann bis Ostara (21. März) aufbewahrt und dann gepflanzt.

Die Pflanzen von Imbolc sind die Birke und das Schneeglöckchen. Das Schneeglöckchen stößt
seine Blüte durch den Schnee. Die weiße Blüte und das Weiß des Schnees stehen für Reinheit, die
Pflanze selbst für das erste Wachstum in der Pflanzenwelt. Die Birke mit ihrem weißen Stamm ist
ebenfalls ein Symbol für Reinheit. Traditionell wurden an diesem Tag die neuen Dienstboten
eingestellt, die im Frühjahr und Sommer benötigt wurden, ein Zeichen der leise beginnenden
Betriebsamkeit.
spirituell:
Imbolc bezeichnet den Zeitpunkt für neu hereinströmende Lebenskraft und Lebensfreude, Abstand
vom Alten und Verstaubtem. Die winterliche Zurückgezogenheit weicht dem Herausgehen.
"Februum" (lat.: Reinigung oder Versöhnung) benennt diesen Monat ebenfalls als Monat der
Säuberung. Imbolc ist eine Zeit der Läuterung, der Reinigung, der Heilung und der Mäßigung. Die
Fenster werden geöffnet, alles wird gereinigt. Das Haus wird geputzt, Staub, Spinnweben und
Dreck werden ausgefegt, man spürt förmlich, wie ein frischer Wind durch das Jahr streicht.

Nicht mehr Benötigtes wird verbrannt und mit dieser durch das Feuer transformierenden Reinigung
trennt man sich von Belastendem, um so die frische Aufbruchskraft nicht unnötig zu schwächen.
Man sollte die eigenen Gedanken endgültig vom nutzlosen Ballast des vergangenen Jahres reinigen
und die vom Winter eventuell verdunkelte Seele durch einen meditativen Lichtstrahl ausleuchten,
um die eingeschmuggelten inneren Dämonen zu vertreiben.

Selbst Hausschmuck, Gebinde und alles übriggebliebene Grünzeug von der Jul-Feier vom
vergangenen Jahr werden verbrannt, da sich in ihnen Kräfte, Geister und Kobolde der
Vergangenheit verbergen könnten (stellvertretend für psychische Altlasten). Man kann das
Lichtbringen durch das endgültige Verbrennen unterstützen.

Loslassen, Aufbruch, Reinigung und Vorfreude auf den bevorstehenden Zyklus lassen die Herzen
höher schlagen. Altes ist verarbeitet, sowohl mental als auch materiell und jeder wartet auf die
bevorstehenden Erfahrungen. Neue Entschlüsse werden geplant, man nimmt Abschied von
Ungewolltem und schmiedet Pläne für die Zukunft. Es ist ein guter Tag, um die eigenen
Erwartungen und Wünsche an das kommende Jahr einer bäuerlichen Aussaat von Samen gleich in
die Erde des Lebens zu säen.

Imbolc wird leise und besinnlich gefeiert, die abends entzündete Kerze spricht im Stillen vom
zarten anfänglichen Licht. Imbolc ist ein Fest der Stille - in der Stille kann man das zarte Licht des
Februars am Besten erfahren, das sanfte Licht einer Kerzenflamme spricht in der Stille zum
Herzen. Es ist außerdem ein Vorbereitungsfest auf das große Ritual der zu Ostara folgenden
Frühlings-Tag - und Nachtgleiche. Für manche ist es der Beginn einer rituellen Reinigungszeit,
sowohl für das Haus als auch für den Körper. Manche beginnen eine sechswöchige Fastenzeit.

magisch:
Imbolc ist ein besinnliches Fest des erwachenden Lichts und der erwachenden Kräfte. Zum
Zeichen der Reinigung kann man den Ritualort vorher mit dem Besen kehren. Als Opfer bietet sich
frische Milch an, mit der man auch den Ritualkelch füllen kann. Man kann der Natur, den Disen
oder auch Göttern wie Freyja, Perchta oder Brigid Milch opfern, stellvertretend für die Mutterliebe,
die man selbst empfangen hat.

Rituelle Speisen zu diesem Anlaß sind traditionell alle getrockneten, eingemachten oder anders auf
natürliche Weise konservierten Nahrungsmittel, so wie man sie früher zu dieser Zeit hatte. Imbolc
ist auch die Zeit, in der viele junge, neue Hexen ihre Weihe empfangen.
1.5.4. Ostara (Frühlingsfest)

Namen: Ostara, Ostern, Frühlingsfest, Vogelfest, Frühjahrsäquinoktium, Eostre, Alban Eiler,


Summer Finding, Sígrblót
Kategorie: Nebenfest, Sonnenfest zur Frühjahrs-Tagundnachtgleiche, germanisch
Datum: 21. März (kalendarische Schwankungen zwischen 20. und 22. sind möglich)
Astrologischer Zeitpunkt: Sonne 0° (Anfang) im Widder
Bedeutung im Jahresrad: Frühjahrs-Äquinoktium, Frühlingsanfang
Christliche Entsprechung: Ostern
Art des Feiertages: Frühlings-Tagundnachtgleiche, Frühlings- und Vogelfest
Symbole: Hasen, Schwalben, erblühte Weidenzweige und Eier

Bedeutung:
Ostara, das zunehmende Äquinoktium, bezeichnet meteorologisch den Frühlingsanfang und ist
traditionell die Mitte des Frühlings, der Tag der Ausgeglichenheit zwischen Licht und Dunkelheit,
wenn der Frühling die Umwelt mit einem wiederbelebendem Wachstum erwachen läßt.

Zu diesem Fest steht der Kampf zwischen Winter und Sommer, zwischen Hell und Dunkel im
Mittelpunkt, den die Sonne schließlich im weiteren Jahresverlauf gewinnt. Die Sonne ist
herangewachsen, der dunkle Winter hat verloren und muß nun seine Macht abgeben. Mit nun
jedem weiteren Tag nimmt die Kraft der Sonne zu, bis sie sich zu Beltane (um den 30. April) mit
der Erde vereint, um neues Leben zu schaffen. Es ist die Zeit des Flirts, des Liebäugelns, Neues
wächst zusammen. Es ist ein Fest des Anfangs, des Aufbruchs, des Beginnens, des Morgens.

etymologisch:
Der Name des Festes stammt von Ostara (auch Eostrae), der germanischen Frühlingsgöttin. Das
Wort Ostara entspringt der gleichen sprachlichen Quelle wie das lateinische "Aurora", das
griechische "eos" und das indoeuropäische "aus" und bedeutet ursprünglich Schein oder Glanz. Es
hängt mit dem althochdeutschen Monatsnamen "ostarun" zusammen.

Die Theorie, der Name könnte mit dem altnordischen "ausa" (Wasser) oder "austr" (begießen) und
damit primär mit der Taufe zusammenhängen, kann aufgrund der Etymologie des Wortes
zumindest als fragwürdig bezeichnet werden, da das altnordische "austr" vorrangig für "Osten"
steht. Ostara bedeutet anzunehmenderweise "die Strahlende", stand für den Osten und den
Sonnenaufgang (Morgendämmerung, vergleiche Aurora) und wird heute auch so gedeutet. Von ihr
stammt auch der heutige Festname Ostern, obwohl die Kirche behauptet, daß die Benennung für
Ostern nur daher kommt, daß die Sonne im Osten aufgeht, nicht aber von einer heidnischen Göttin.

Es gibt auch Theorien, welche den Ursprung der Göttin Ostara in der babylonischen Ishrar oder
Astarte vermuten, oder auch in der ägyptischen Aset (die erst durch die Griechen ihren heute
bekannteren Namen Isis erhielt).

Der keltische Name "Alban Eiler" (gesprochen: Alwan Ei-ier) bedeutet übersetzt "das Licht der
Erde", weil das Leben wieder aus der Erde hervorgekommen ist. Im englischen ist es auch als
"Summer Finding" (Sommer-Gründung) bekannt. Das germanische "Sígrblót" bedeutet Siegopfer
und weist auf die nun wieder beginnenden Kämpfe hin, die in der Kälte des Winters nicht oder nur
schlecht möglich waren.

Zeitpunkt:
Ostara wird am 21. März gefeiert, zum Zeitpunkt der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche
(Äquinoktium), die den Frühlingsbeginn darstellt. Da es ein Sonnenfest ist, bleibt es ein Fixdatum.
Der fränkische Name "Ostarmanoth" für April weist darauf hin, daß das Fest dort früher in diesem
Monat stattfand. Im modernen Asatru fällt der Termin für Ostern entweder auf die Tag- und
Nachtgleiche oder auf den Vollmond danach.

Jahresrad:
Ostara ist die Frühlings-Tagundnachtgleiche, d.h. Tag und Nacht sind genau gleich lang. Aber von
nun an wird der Tag stets länger sein als die Nacht. Das Licht hat gesiegt, und es ist die Zeit, um
die Rückkehr der Sonne zu feiern, die Rückkehr des Lebens und das Sprießen der ersten Blumen.
Als erstes Sonnenfest nach den Rauhnächten ist das Frühlingsäquinoktium dem jungen Licht und
Leben geweiht. Man feiert die Wiedergeburt der Natur aus dem Todesschlaf des Winters, das
Erwachen der lebensspendenden Kräfte und die neue Kraft und Fruchtbarkeit, welche die Natur der
Welt jetzt schenkt.

Natur:
Ostara ist die Zeit des Gleichgewichts zwischen Licht und Dunkelheit, Tag und Nacht. An diesem
Tag sind deren Kräfte ausgeglichen. Ostara symbolisiert die Rückkehr des Lebens. Das Eis und der
Schnee sind geschmolzen, die Tiere erwachen von ihrem Winterschlaf. Neugeborene Tiere
kommen heraus, um die Welt zu erkunden.

Der Wind ist nicht länger kalt, und die Pflanzen zeigen bald ihre Knospen. Nach dem langen,
erholsamen Schlaf des Winters erwacht die Erde zu neuem Leben und kleidet sich in frisches Grün.
Nun ist der Frühling deutlich sichtbar geworden. Überall sprießen Blumen und auch im Menschen
selbst werden körperliche und sexuelle Kräfte und Energien wach.

Heiden:
Der Winter ist nun endgültig besiegt, und der junge Lenz kann über das Land tanzen. Die Sonne als
gehörnter Sonnengott ist nun der unbändige Jugendliche, der sich seiner Kraft mehr und mehr
bewußt wird, sie aber noch nicht weise benutzt. Er ist schön, stark, leidenschaftlich und wild. Er
wird langsam zum Krieger und erhält jetzt seine Waffen. Er weiß aber, daß er sich von der
Dunkelheit des Winters völlig trennen und um jeden Preis auf seinen eigenen Füßen stehen muß.
Wenn der Winter sich dessen widersetzt, und noch einmal zurückkehrt, dann kann dies verheerende
Folgen haben.

Die Erde als Göttin trägt noch immer Weiß. Als Jugendliche hat sie nun ihre Fruchtbarkeit erlangt,
ist aber noch unschuldig. Gott und Göttin begegnen sich zum ersten Mal, doch bleibt es noch beim
Kennenlernen und scheuen werben bis Beltane (um den 30. April). Die Zeit der Hochzeit ist noch
nicht gekommen, aber es wird eifrig geflirtet.

Germanen:
Ostara gilt als die germanische Göttin des strahlenden Lichts und des wiederkehrenden Frühlings,
der Erneuerung, des beginnenden Lebens, des Neuanfangs. Ihr heiliger Baum ist die Birke, ihre
heiligen Tiere sind Hase und Marienkäfer. Geopfert wurden ihr unblutige Opfer wie Brot und Eier.
Sie steigt im Osten aus dem Meer auf, in ein goldschimmerndes Gewand gehüllt, trägt gelbe
Schuhe und zarte Blumen. Keime brechen unter ihren Schuhen hervor, wenn sie über die Erde geht.

Wenn sie über das Land fliegt, hinterläßt sie überall die Eier eines neuen Lebens und ihr
Fruchtbarkeitstier, den Hasen, woher der Brauch der Eiersuche und der Glaube an den Osterhasen
rührt. Das Ei als Symbol der Fruchtbarkeit wird mit den bunten Farben des Frühlings geschmückt.

In der Edda finden sich allerdings keine rechten Hinweise auf eine Göttin namens Ostara, weshalb
ihre Existenz beziehungsweise kultische Verehrung immer wieder in Abrede gestellt wurde. Nur
von den Angelsachsen berichtet Beda 735 in seiner Schrift "De ratione temporum" (lat.: Über die
Vernunft der Zeiten) von einer Göttin Eostrae, der zu Ehren im Ostermond Kultfeiern veranstaltet
wurden. In der griechischen Mythologie findet sich dazu eine lautliche und begriffliche
Entsprechung in der Göttin Astraea. In Skandinavien entspricht die Göttin Ostara wahrscheinlich
der Iðunn (Iduna).

Die Frühjahrstagundnachtgleiche symbolisierte auch für die Germanen die Zeit des Übergangs vom
Kind zum Jugendlichen und somit den Beginn der menschlichen Sexualität. Nach nordischer
Mythologie vereinigt sich Nerthus, die Göttin der Fruchtbarkeit, mit Njörd und gebiert zu dieser
Zeit den Fruchtbarkeitsgott Freyr. Neben Freyr bestimmen auch Freyja, die fruchtspendende Vanin,
und der Ase Thor, der Sohn der Erde, dieses Fest.

Zu früheren Zeiten wurden die Eier rot angemalt, der Farbe des frischen Blutes der Göttin Ostara.
Das frische, hellrote Blut galt ebenfalls als Zeichen besonderer Fruchtbarkeit. Junge Mädchen, die
zu Ostara ihre erste Monatsblutung bekamen, wurden besonders verehrt. Ihr Blut galt als heilig. Es
wurde aufgefangen und zum Segen der Ernte in einem Ritual der Erde übergeben, um die
Fruchtbarkeit der Felder magisch zu verstärken. Später wurden die Eier in den Farben der Natur
bemalt, wobei jede benutzte Farbe eine rituelle Bedeutung hatte.

Das spezielle Festfeuer sollte bevorzugt mit einem Stein geschlagen oder noch besser durch ein
Brennglas entzündet werden, um die Kraft der Sonne auf die Erde zu holen. Frauen durften früher
an diesem Ritual eigentlich nicht teilnehmen, weil die phallische Macht Freyrs und Thors auf die
Teilnehmenden übergehen sollte.

Ostara war auch die Zeit der Umzüge zu Ehren der Vanen und Ingwy-Freyrs. Dabei wurden Statuen
der Gottheiten mitgeführt, die jeder berühren sollte, um die Fruchtbarkeit auf sich zu übertragen.
Bei diesen Umzügen wurden keine Waffen getragen, denn sie waren dem Leben und dem Frieden
gewidmet. Ein Überbleibsel sind die heutigen Ostermärsche für den Frieden. In rituellen Spielen
wurde der Kampf zwischen Sommer und Winter dargestellt, den der Winter verliert während sich
der Sommer eine Braut wählt.

Ostara wurde in Skandinavien auch Sigrblót (Siegopfer) genannt, weil jetzt wieder die Zeit der im
Winter wegen der Kälte ruhenden Kämpfe begann. Es war deshalb angebracht, an diesem Fest dem
Siegvater Óðinn (Odin) und dem Bezwinger der Frostriesen þórr (Thor) zu opfern. Dazu konnten
dann auch Schwerter und Speere rituell verwendet werden. Beim Várþing (Várthing) wurden
traditionell die jungen Männer in den Kreis der Krieger aufgenommen.

Kelten:
Für die Kelten war Alban Eiler, die Zeit um den Frühlingstag, an dem Tag und Nacht genau gleich
lang sind, eine eigene, fünfte Jahreszeit, die sie auch "Die blühende Zeit" nannten. Alban Eiler ist
beherrscht von der warmen Märzsonne, die neues Leben hervorbringt, und der heilige Vogel dieser
Zeit war der Schwan, der als Braut des keltischen Sonnengottes Lugh galt.

In der keltischen Tradition ist dieses Fest das Fest der britischen Seegöttin Morgana, auch Morgan
Le Fay genannt. Rituell ist dieser Feiertag der Königin von Avalon und dem Feenland geweiht. Es
ist die Zeit der Elfen, Feen, Zwerge und der Verehrung ihrer Plätze. Die Dolmen, Menhire oder
Findlinge, welche als die Wohnstätten des kleinen Volkes angesehen werden, symbolisieren die
Verbindung zur Unterwelt, aus welcher zu dieser Zeit die Kraft der Erneuerung wieder aus der Erde
steigt und sich mit der Kraft der Sonne verbindet.

Die Kelten schauten zwischen der Morgendämmerung und dem frühen Vormittag nach
zurückgekehrten Zugvögeln aus, um diese als gutes Omen für das weitere Jahr zu deuten. Ostara
war auch das Fest Taliesins, des Barden, aber auch das Fest des Frühlings und des Lebens, das in
die Welt zurückgekehrt ist. Dieses Fest wurde rund drei Tage lang gefeiert. An diesen Festtagen
wurden die Pflanzen und Bäume für das Jahr gesegnet und die neue Saat ausgesät.

Christen:
Wenn verbreitete heidnische Bräuche nicht ausgemerzt werden konnten, ging die Kirche stets so
vor, daß sie diesen einen christlichen Anstrich verlieh. Was Ostara betrifft, so war die Umwandlung
besonders einfach. Es wurde von der christlichen Kirche als Ostern beibehalten, als sie ihr Passah-
Fest auf den Frühlingsvollmond verlegte und Jesus Christus zu Ostern auferstehen ließ.

Dadurch wurde der Sinn des Festes von der Kirche radikal verändert, indem sie es zum Fest des
Todes und der Trauer (Karfreitag) machte. Die Freude über die aufgehende Sonne und das
Erwachen der Natur aus dem Winterschlaf wurde in die Freude über die aufgehende Sonne der
Gerechtigkeit bei der Auferstehung Christi aus dem Grab verwandelt.

Von allen christlichen Festen wird keinem eine so große Bedeutung beigemessen wie dem
Osterfest. Der Historiker Sokrates Scholastikos schrieb im 5. Jahrhundert u.Z. in seinem Werk über
Kirchengeschichte: "Mir scheint, das Osterfest hat über irgendwelche alte Sitten in die Kirche
Eingang gefunden, so, wie sich zahlreiche andere Bräuche gehalten haben."

Bestimmte Elemente von Ostara, wie das Begegnen von Mädchen und Jungen im scheuen Flirt und
das Ausschauhalten nach einem Partner finden sich außerdem im zeitlich nicht allzu weit entfernten
Valentinstag wieder.

historisch:
Geht man geschichtlich weit zurück, so stößt man in der schamanische-naturreligösen
Götterverehrung auf Feiern, welche in dieser Nacht besonders den Fruchtbarkeitsaspekt der
Göttinnen hervorheben. Auch die Inkas und Azteken kannten die besondere Bedeutung im
Jahreskreislauf, welche sie genau aus ihren astronomischen Kalendern entnehmen konnten. In der
Kultur der alten Ägypter war diese Nacht der Göttin Isis geweiht.

Das Färben der Eier ist nicht nur eine alte nordische, sondern bereits schon eine ägyptische,
griechische, römische und persische Tradition. Man färbte die Eier mit Naturprodukten wie
Zwiebelschalen, Blauholz, gefärbten Stoffetzen und Stechginster. Eier standen für die
eingekapselte Welt, und die Vorstellung vom Weltenei läßt sich in vielen antiken Kulturen finden.

Die Abhängigkeit vom Mondkalender bei der Festlegung von Ostern ist noch heidnischer
Abstammung, obwohl Ostern heute meist nicht mehr zum richtigen, dem alten, rituellen Zeitpunkt
gefeiert wird, sondern am Sonntag nach dem der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche folgenden
Vollmond. Trotzdem sind viele heidnische Bräuche integriert worden.

Brauchtum:
Früh morgens am Vogelfest des Frühlings ging das Volk hinaus, um nach Zugvögeln Ausschau zu
halten. Die heutigen Osterspaziergänge mögen noch ein Relikt dieser Tradition sein. Wenn
heimkehrende Vögel gesichtet wurden, wurde anschließend geschmaust und gefeiert. Wenn die
Hühner und die anderen Vögel nach der eierlosen Winterzeit wieder damit begannen, Eier zu legen,
galt das als sicheres Zeichen für den Frühling und die neu beginnende Fruchtbarkeit.

Hierdurch ist auch der Brauch des Eiersuchens zu Ostern entstanden. Die früher nicht eingesperrten
Hühner legten diese ersten Eier natürlich irgendwo in der Gegend ab, also blieb den Menschen
nichts anderes übrig, als diese zu suchen. Die heutige Verbindung von Eiern und Küken zu dieser
Zeit ist einer der vielen Überreste der alten Kultur. Viele alte Osterbräuche sind fast schon
vergessen, so auch die kultischen Ballspiele und spiralförmigen "Reigentänze", welche einst den
Kampf und Sieg des Frühlings über den Winter darstellten.

Zu Ostara feiert man die Fruchtbarkeit und das endgültige Ende des Winters, den man nun langsam
satt hat. Gleichzeitig wurden die Felder vorbereitet. Dies geschah in einem Segnungsritual, der
Feldweihe. Traditionell wurden Osterfeuer auf allen Hügelkuppen im Land entzündet. Alle Äcker,
von denen aus das Osterfeuer gesehen werden konnte, sollten dadurch von den Göttern beschützt
und gesegnet werden. Die Asche des Osterfeuers wurde auf die Felder gestreut, um diese
fruchtbarer zu machen.

Ein Sonnenrad aus Holz (Wagenrad), mit Stroh und grünen Zweigen umwickelt, wurde gebaut, am
Osterfeuer entzündet und brennend von Hügelkuppen zu Tal gerollt. Es kündete den Sieg der
Sonne über den Winter an und sollte symbolisch die Kraft und die Wärme der Sonne auf die Erde
bringen. Heute ist es wahrscheinlich angebrachter, Fackeln an dem brennenden Sonnenrad zu
entzünden und diese in einem Zug umherzutragen.

Die Feldweihe wird vielerorts auch heute noch durchgeführt. Dazu werden die Felder vom Bauern
abgeschritten und an jeder Ecke des Feldes heilige Kräuter, meist Pfefferminze, Schlüsselblume
und Äste des Weidenbaumes, zusammen mit einer Kerze in den Boden gesteckt. Während des
Rituals bittet man um eine reichhaltige Ernte und um Schutz für die Felder.

Der Hase als Begleiter der Ostara ist eindeutig ein Symbol heidnischen Ursprungs. In der
biblischen Ostergeschichte gibt es auf einen Hasen natürlich keinerlei Hinweis. Als christliches
Auferstehungssymbol im Zusammenhang mit dem Osterfest findet sich der Hase frühestens seit
dem 4. Jahrhundert. Die Germanen kannten es schon viel früher, und sie machten den "sich zur
Sonne reckenden" männchen-machenden Hasen zum Frühlingssymbol.

Ferner ist der Hase weltweit als Emblem des Mondes (Meister Lampe) aufzufassen. Im Sanskrit
bedeutet das Wort für Mond "Hasenträger". Die Inder und auch die Japaner glauben in den
Schatten des Mondes einen Hasen beziehungsweise ein Kaninchen erkennen zu können. Demnach
würde der "Osterhase" schlicht den Ostermond, den österlichen Vollmond bedeuten. Das "Osterei"
stünde entsprechend für die Erde, das "Weltenei" zur Osterzeit, bunt gefärbt wird es zum Sinnbild
der Lebenserneuerung, der aus dem weißen Winter neuerstehenden Natur.

Es gibt eine Theorie, nach der in druidischer Tradition ursprünglich Schlangeneier, zu Ehren des
Sonnengottes rot gefärbt, Verwendung fanden, da die Schlange ein Fruchtbarkeitssymbol ist. Erst
später wurden sie durch Hühnereier ersetzt. Ein historischer Beleg ist dafür jedoch nicht bekannt.

Der Glaube, der Hase bringe die Ostereier, ist erst relativ spät in Deutschland niedergeschrieben
worden und scheint auch dort entstanden zu sein. In einem Grab in Worms wurde ein Ei gefunden,
welches mit schwarzen und roten Streifen bemalt war und wahrscheinlich eine ähnliche Aufgabe
erfüllen sollte, wie die Äpfel, die oft als Grabbeigaben gefunden wurden. In Deutschland wurden
die Eier früher in Dornbüschen und Hecken versteckt, sodaß die suchenden Kinder entweder
Tapferkeit oder Einfallsreichtum an den Tag legen mußten, um sie zu erlangen. Die Dornen
symbolisieren hier den Dorn des Erwachens im Gegensatz zum dunklen Dorn des Schlafes. Das
Suchen von Eiern ist in Deutschland, Amerika, Dänemark, Jugoslawien, der Schweiz und in Teilen
von Frankreich üblich.

Eier werden auch ausgeblasen, bemalt und zum Schmuck der Häuser verwendet. Diese Eier
wurden das ganze Jahr über aufbewahrt, um das Haus und den Besitz vor Unheil zu schützen. Das
Hochwerfen und Auffangen eines rohen Eies, ohne das es beschädigt wird, bringt nach dem
Volksglauben großes Glück für das kommende Jahr.
Zum Osterfest geschöpften Wassers (Osterwasser) sagt man eine reinigende, heilende und
weihende Wirkung nach. Das Wasser steht ebenfalls als Sinnbild für das neue Leben. In Schottland
werden noch heute die Quellen und Brunnen festlich geschmückt und rituell einer Weihe
unterzogen. Von den heidnischen Gottheiten wurden früher die fruchtspendende Vanin Freyja und
der Ase Thor als der Sohn der Erde besonders gefeiert.

spirituell:
Ostara ist eine gute Zeit, sich an Personen oder Versprechen zu binden. Aber es ist auch eine gute
Zeit, sich von Altem endgültig zu lösen und etwas Neues anzufangen. Gedanken, Träume und
Wünsche in dieser Zeit sollen besondere Beachtung finden und in Erfüllung gehen. Die Schwere
der dunklen Jahreszeit lichtet sich, und die Lebenslust nimmt wieder zu.

Unterstützt von den Kräften und Strömungen der Jahreszeit beginnen auch die Projekte der
Menschen zu wachsen. Nun werden die Planungen der letzten Wochen in die Tat umgesetzt. Frisch
erblühte Weidenzweige, Eier und Hase sind Festsymbole.

magisch:
Das Äquinoktium ist eine Zeit des Gleichgewichts, da alle Elemente im Menschen zu neuer
Harmonie finden müssen. Es bietet sich an, dieses Fest als erstes nachwinterliches Fest im
Jahreskreis in der freien Natur zu feiern. Man kann mit frisch erblühten Weidenzweigen
hinausziehen. Als Ritualwasser schöpft man nach Möglichkeit das Wasser einer Quelle.

Ein schönes Ritual ist es, sich am Ritualplatz mit der Erde zu verbinden und ihr zu opfern, indem
man die Weidenzweige in den feuchten Boden steckt. Wenn die Zweige dort in der nächsten Zeit
wurzeln und neues Leben hervorbringen, gilt dies als gutes Zeichen für das weitere Jahr. Das
zeremonielle Mahl kann zum Beispiel aus leichtem Weißwein, hellem Brot, frischen Salaten und -
natürlich - Eiern bestehen.
1.5.5. Beltane (Feuerfest)

Namen: Beltane, Feuerfest, Blumenfest, Beltaine, Walpurgis, Walpurgisnacht, Hohe Maien


Kategorie: Hauptfest, Mondfest zu Vollmond, keltisch
Datum: beweglicher Feiertag am 5. Jahresvollmond (um den 30. April, die Nacht zum 1. Mai)
Astrologischer Zeitpunkt: Sonne ca. 15° (Mitte) im Stier
Bedeutung im Jahresrad: Mitte des Frühlings, als Wendepunkt Beginn der Reifezeit
Christliche Entsprechung: Maifeiertag
Art des Feiertages: Fest des Feuers, der Blumen und der Liebe, auch Walpurgisnacht
Symbole: Feuer, Blumen, Maibaum

Bedeutung:
Beltane bildet als Hauptfest die Achse zu Samhain, welche das Jahr in eine helle beziehungsweise
dunkle Seite, einen Jahrestag und eine Jahresnacht, ein Sommer- und ein Winterhalbjahr teilt. Ab
Beltane steigt die Sonne weiter bis zur Sonnenwende, und die helle Jahreshälfte beginnt. Mensch
und Vieh können endlich die beengende, düstere Behausung verlassen. Von jetzt ab spielt sich das
Leben wieder im Freien ab.

Beltane (auch Walpurgisnacht genannt) gilt als der höchste Feiertag unter den Hexen. Diese trafen
sich aus allen Teilen des Landes, um ein wildes und ekstatisches Fest zu feiern, wobei sie angeblich
nackt um ein Feuer tanzten. Den Hexen wurde schon immer sehr viel magisches Wissen, ebenso
wie Heilkraft und die Kunst des Orakelns zugesprochen.

Dadurch waren sie den Menschen unheimlich, und deshalb hat die Walpurginacht für den
Durchschnittsmenschen auch so einen gruseligen Aspekt, obwohl sie nichts anderes als das
eigentlich fröhliche Maifest ist, das Fest der Reinigung und der Fruchtbarkeit, der Zeit der Stärke
und Reife, der Liebe und Lebensfreude. Beltane symbolisiert den Wunsch nach Kindern, nach
fruchtbarer Erde und nach fruchtbarem Vieh.

etymologisch:
"Beltane" bedeutet "Feuer des Bel" (vom gallischen Gott Belenos), wird heute in Heidenkreisen
aber allgemein mit "leuchtendes Feuer" oder "glückbringendes Feuer" assoziiert, denn der Gott Bel
ist "der Leuchtende". Belenos ist der keltische Lichtgott, der dem germanischen Balder (Baldur)
entspricht. Manche sehen in Belenos auch eine Verbindung zum Gott Baal (hebr.: Herr) des
Mittleren Ostens.

Beltane ist ein alter keltischer Name für dieses Fest und ist abgeleitet vom irisch-gälischen Wort
"Bealtaine" oder dem schottisch-gälischen Wort "Bealtuinn", die beide dasselbe bedeuten. Im
modernen Irischen bedeutet Beltane einfach Mai.

Walpurgisnacht ist eine Bezeichnung in Ahnlehnung an die heilige Walpurga beziehungsweise


Walburga (siehe Christen).

Zeitpunkt:
Beltane wird am 5. Jahresvollmond nach dem der Wintersonnenwende folgenden Neumond
gefeiert. Als Annäherungsdatum wird der Vollmond um den 30. April angenommen. Viele Heiden
und Hexen schließen sich aber auch dem Volksbrauch an und feiern einfach ohne Rücksicht auf die
Mondphase am 30. April in den Mai.

Jahresrad:
Beltane ist als Mitte des Frühlings auch der Übergang vom Frühling zum Sommer. Es ist auch als
Cetsamhain (Gegen-Samhain) bekannt weil Beltane im Jahresrad Samhain genau gegenüber liegt
und die helle Jahreshälfte einleitet, Samhain dagegen die dunkle. Samhain und Beltane enthalten
eine Reihe paralleler Punkte, allerdings unter unterschiedlichen Vorzeichen.

Zu Samhain muß in Feld und Flur alles abgeräumt, zu Beltane, spätestens bis zum ersten
Kuckucksruf, der Weizen im Boden sein. Zu Samhain kommt das Vieh von der Sommerweide
zurück, zu Beltane treibt man es hinaus. Zu Samhain gehörte die Pacht bezahlt, Knechte und
Mägde kamen nach Hause, zu Beltane wurde die Pacht speziell für Weide- und Grasland
ausgemacht und wer immer eine Möglichkeit dazu hatte, verdingte sich auf den reicheren Höfen
zur Sommerarbeit. Samhain war ein beliebter Hochzeitsmonat, zu Beltane wurde davon abgeraten,
denn Babies, die im Juni zur Welt kamen, hatten eben bessere Chancen als Januarkinder. Das Feuer
zu Samhain besitzt vorwiegend Schutzcharakter, das zu Beltane ist vorwiegend ein Freudenfeuer.

Natur:
Im Mai lebt die Natur auf. Das zarte Grün des Frühjahrs wird ersetzt durch die kräftigen Farben
und Blüten des jungen Sommers. Wenn das Wetter wärmer wird und alle Pflanzen blühen, herrscht
ein ausgelassenes Gefühl. Die Tiere des Waldes sind nun besonders aktiv und laut. Alle freuen sich
darüber, daß die Natur in voller Fruchtbarkeit und voller Blüte steht.

Die Birken leuchten schon seit Tagen in der Pracht ihres frischen, hellen Grüns und auf dem
Waldboden blühen bald die Maiglöckchen. Aber noch ist die Wärme mild und die Erde duftet
frisch, die Sonne schmunzelt eher, als daß sie lacht, und der Wind ist angenehm lau.

Für die damaligen Bauern brach die Natur auf, die Sonnenkraft nährte und stärkte alles. Die
Leichtigkeit griff um sich, und die Zeit des Mangels und des Sparens war vorbei. Nun begann
wieder die Zeit, in der man direkt von der Natur versorgt wurde und nicht mehr auf das
Eingemachte zurückgreifen mußte. Die Heuernte ist das erste Geschenk der Natur an die
Menschen, und es ist die Zeit des Viehaustriebs, bei dem das Vieh auf die frischen Weiden kommt.

Heiden:
Der Maibaum, um den die Leute tanzen und der ihnen Fruchtbarkeit verspricht, ist zugleich
phallischer Repräsentant des Weltbaums und Symbol für die maskuline Kraft der Sonne, die in den
vaginal-symbolischen Blumenring an der Spitze eindringt, der für die weibliche Erde mit ihren
nährenden Kräften steht. Manche sehen aber auch das Loch im Boden, durch den der Maibaum in
die Erde eindringt, als femininen Aspekt an.

Es werden die untrennbaren Kräfte der Sonne und der Erde symbolisiert. Mutter Erde (die Göttin)
wird von der Sonne (dem gehörnten Sonnengott) befruchtet. Die Sonne zeugt sich selbst, weil sie
weiß, daß sie das Jahr nicht überleben wird, doch im Leib der Erde wächst ihr neues Ich heran und
wird in der dunkelsten Nacht des Jahres, zum Julfest (21. Dezember), wiedergeboren. Somit ist die
Sonne in der Erde unsterblich, denn wenn sie stirbt, ist die Erde bereit, ihr wieder neues Leben zu
schenken.

Der Sonnengott ist zum Mann herangereift, die Göttin zur Frau. Sie tritt nun in ihre fruchtbare
Reifephase ein und wird als gebärfähige Frau in Rot dargestellt. Die Bindung zwischen Beiden hat
sich seit Ostara noch gefestigt, und beide geben nun ihrem Begehren nach, vermählen und
vereinigen sich, um die nächste Inkarnation des bald sterbenden Sonnengottes zu zeugen.

Germanen:
Einer Quelle zufolge ist diese Nacht der teutonischen Erdmutter Walburg gewidmet, anderen
Informationen zufolge haben sich die nordischen Götter Odin und Frigg (oder Freyja) symbolisch,
sexuell vereinigt und damit ein fruchtbares Jahr geschaffen.
Das Fest war der Göttin Frigg geweiht, der Herrin über Magie und Liebe, aber auch der
Vanengöttin Freyja. Beide stehen hier für Fruchtbarkeit und Zeugungskraft. Der Überlieferung
zufolge brennt in der Walpurgisnacht eine blaue Flamme über vergrabenen Schätzen. Das Feuer hat
in dieser Nacht eine besondere magische Kraft. Es kann dazu verwendet werden, böses wyrd
(altnordisch: Schicksal) abzuwenden oder Tiere durch seinen Rauch zu segnen.

Bei den Germanen fanden Jungfernversteigerungen statt, wo sich die jungen Männer ihre Braut
ersteigern konnten. Natürlich mußten die Mädchen nicht teilnehmen, alles geschah auf freiwilliger
Basis. Junge Paare wälzten sich nackt im Tau auf der Wiese, um die Fruchtbarkeit der Natur auf
sich zu übertragen.

Bei den Waldhochzeiten verbrachten junge Männer und Frauen die ganze Nacht im Wald um den
Sonnenaufgang am ersten Maimorgen zu begrüßen und sie kamen am nächsten Morgen mit
Blumen und Blumengirlanden zurück ins Dorf um es zu schmücken. Die Kirche versuchte dieses
Treiben zu unterbinden, und erst lange nach dieser Zeit ersetzte sie das alte heidnische Handfasting
durch ihre Form der Heirat.

Kelten:
Beltane war für die Kelten das Fest des Lichtgottes Belenos. Es wurde mit riesigen Lagerfeuern
gefeiert, um das Wiedererstarken der Sonne nach dem Winter zu begrüßen. Diese großen Feuer
sollten mit ihrer Wärme den unterirdisch schlafenden Erddrachen aufwecken, der mit seiner Kraft
die Fruchtbarkeit der Äcker und des Viehs sichert.

Die alten Kelten zelebrierten ihr Feuer- oder Blumenfest auf verschiedene Art und Weise. Einige
trieben Tierherden durch zwei große Feuer hindurch. Damit wurde die reinigende Kraft des Feuers
symbolisch dargestellt, welche die Tierherden vor Krankheiten schützte. Im Beltane-Ritual feierten
die Kelten außerdem die Vereinigung der Göttin Cerydwen mit dem gehörnten Gott Cerunnos. Ihre
Vereinigung brachte neues Leben auf die Erde.

Aber nicht nur die Götter vereinigten sich in der Beltane-Nacht, sondern auch die Menschen taten
es ihren Gottheiten in freier Natur gleich. Für die Kelten war dies alles natürlich - das Leben war
heilig, der Körper war heilig und auch die Vereinigung zwischen Mann und Frau war heilig. Beim
Maitanz tanzten die jungen Menschen die ganze Nacht um das große Feuer, sangen und jubelten
und erfreuten sich des Lebens.

Christen:
Der Kirche war das freizügige Beltanefest natürlich ein besonderer Dorn im Auge. Es wurde aus
verständlichen Gründen vom Volk auch viel zu gern auf traditionelle Art gefeiert, als daß eine
radikale Einverleibung möglich gewesen wäre. Also versuchte man es zu verdammen, in dem man
die "sündigen" Frauen als Hexen und den oft auf dem Fest dargestellten gehörnten Gott als Teufel
darstellte (dieser war aber der keltische Cerunnos oder der Hirtengott Pan und stand nur für die
Männlichkeit, hatte aber mit dem Teufel nicht das geringste zu tun). Doch das fruchtete nicht so
recht und hatte lediglich die Auswirkung, daß Beltane als Walpurgisnacht zum bekanntesten
Hexensabbat wurde, seine Faszination beim Volk aber beibehielt.

Die Kirche erklärte daraufhin die Walpurgisnacht zum Feiertag der englischen Heiligen Walburga
(oder auch Walpurga). Sie war eine angelsächsische Missionarin, die 710 der südenglischen
Grafschaft Dorset im angelsächsischen Königreich Wessex geboren wurde. Sie war die Tochter des
heiligen Richard von England und der heiligen Wunna (Schwester des heiligen Bonifatius). Sie
hatte fünf Geschwister, u.a. den heiligen Willibald (später Bischof von Eichstätt), der wie sie selbst
Missionar war, und Wunibald.
Es wird angenommen, daß Walburga wie viele ihrer Verwandten sehr jung vermutlich in das
Doppelkloster Wimborn, das Hauskloster der Königs von Wessex, gegeben wurde. So hat Walburga
ihre Jugend in einem Kloster verbracht, das nicht nur durch die Härte seiner asketischen Disziplin
glänzte, sondern auch offen war für das angelsächsische Geistesleben (griechische und römische
Literatur).

Um 748 wurde sie von ihrem Onkel Bonifatius nach Deutschland berufen den sie auf seiner
Mission dorthin begleitete. Dort weilte sie im Kloster Tauberbischofsheim, geleitet von ihrer
Verwandten Lioba. Es gilt es als sicher, daß Walburga 761 als Äbtissin das 751 von ihrem Bruder
Wunibald gegründete Benediktiner-Männerkloster in Heidenheim übernahm und es nach Gründung
eines Frauenklosters zu einem Doppelkloster erweiterte.

Man weiß nicht genau, wann Walburga starb, die letzten sicheren Aufzeichnung ihres Wirkens
stammen aus dem Jahr 777. Falls man der Eichstätter Klostertradition Glauben schenkt, nach der
sie am 25. Februar, und zwar an einem Donnerstag, verschieden sein soll, kämen als Todesjahr 779
oder 780 in Betracht. Verschiedene Gründe geben dem Jahr 779 den Vorzug. Sie ist also etwa 70
Jahre alt geworden. Nach ihrem Tod fiel das Benediktiner-Doppelkloster an den Bischof von
Eichstätt, nämlich ihren Bruder Willibald, zurück.

Der Gedenktag der heiligen Walburga ist danach ursprünglich der 25. Februar, ihr vermutlicher
Todestag. Nach ihrem Tode fand ihre Person wenig Beachtung, was durch die Auflösung des
Klosters zu erklären ist. Sie soll um 880 dem Bischof Otgar von Eichstätt erschienen sein und sich
beklagt haben, daß sie von den "schmutzigen Füßen der Werksleute täglich getreten werde".

Nach dem Chronisten Wolfhard war es ein Zufall, der zur Entstehung des Walburga-Kultes
beigetragen hat. Es war der Einsturz der nördlichen Kirchenmauer, der Bischof Otgar veranlaßte,
Walburgas Gebeine zu erheben und sie feierlich an einem 21. September nach Eichstätt in die
Kreuzkirche (die später Benediktinerinnen-Abtei wurde) zu überführen. Mit der Elevation und
Translation der Gebeine wurde ihre Heiligsprechung vollzogen und damit der eigentliche Grund
zur Verehrung gelegt.

Walburga ist mit ihrem Onkel Bonifatius eine der Schlüsselfiguren der christlichen Frühzeit des
Frankenreiches und eine Persönlichkeit der sakralen Politik und Gesellschaft des abendländischen
Mittelalters. Eine Ballung der Verehrungsorte findet man im nördlichen West- und Mitteleuropa. In
Deutschland, Österreich, Südtirol, der Schweiz, der Niederlande, Belgien und im Norden
Frankreichs häufen sich die Patroninnen und Reliquienstätten der Heiligen. Hier galt sie als
Schutzheilige gegen die Normannengefahr des 9. und 10. Jahrhunderts.

Vor 1069 überführte Bischof Anno die Hirnschale und den Reisestab der Heiligen in das Kloster
Walberberg (bei Bonn). Sie werden bis heute in der dortigen Pfarrkirche verehrt. Die
Adelsgeschlechter machten Walburga zur Hausheiligen. Später galt sie auch als Schutzheilige
gegen wikingische Piratenhaufen, die meist von Rheindelta aus Frankreich, Flandern und die
Niederlande terrorisierten.

Im Spätmittelalter, als Seuchen und Unterernährung verbreitet waren, wurde die Heidenheimer
Äbtissin zur Nothelfer- und Spitalheiligen, wozu das auch heute noch zu bestimmten Zeiten an
ihrem Schrein sich bildende sog. "Walburga-Öl" beitrug. Wie das gesamte Wallfahrts- und
Reliquienwesen am Ausgang des Mittelalters eine wuchernde Blüte zeigte, so stieg auch der
Walburgakult, der bis zum heutigen Tage seine Bedeutung behalten hat.

Ihr Namenstag wird am 25. Februar oder auch am 1. Mai gefeiert, und sie wurde als Beschützerin
vor Zauberei und Hexerei angerufen. Dem Volksglauben nach versammelten sich die Hexen
während der Walpurgisnacht auf dem Brocken (Harz) oder dem Blocksberg und feierten ihre
Zusammenkunft mit dem Teufel. Ein tatsächlicher Zusammenhang zwischen der heiligen Walpurga
und der Walpurgisnacht ist nicht bezeugt.

Die Tatsache, daß Walpurgis die Nacht der großen heidnischen Feiern war, versuchte man dann
kirchlicherseits so zu erklären, daß die heilige Walpurga so fromm war und so um die Reinheit der
Frauen bemüht war, daß der Teufel ihren heiligen Tag ganz besonders entweihen will. So wurde
sogar die Ursache der Datierung ins Gegenteil verkehrt.

Wieder einmal wurde ein Versuch der Christen unternommen, einen hohen heidnischen Feiertag für
sich zu vereinnahmen und das heidnische, sexuell geprägte Festtreiben zu verteufeln. Im
Valentinstag finden sich ebenfalls Elemente, die an Beltane erinnern.

Die Prozession zu Pfingsten ist ein seit der griechischen Antike als Pentekoste bekanntes Datum,
das nicht nur für 50 Tage nach Ostern steht, sondern sich mit Pan, dem schelmischen Gott der
Lüste verbindet und durchaus für die geistige und körperliche Empfängnis steht. Mit dem
Baumschmuck im Dorf, mit dem Blumenstreuen und den vielen mitgehenden Kindern ist die Bitte
verbunden, den Kindersegen nicht versiegen zu lassen. Die im Marienmonat Mai abgehaltenen
Marterlwege, Bitt- und Feldgottesdienste sowie Wallfahrten deuten darauf hin, daß hier ein
Gegengewicht zum ausschweifenden Beltane gesetzt wurde.

Besonders Orte, die mit dem Ruf, Kindersegen hervorbringen zu können und auch unfruchtbaren
Frauen zu helfen behaftet sind, werden im Mai bevorzugt aufgesucht. Marienwallfahrtsorte mit
einer Quelle sind besonders beliebt. Nicht vergessen darf man, daß viele Kapellen an der Stelle
alter, heidnischer Kultsteine errichtet wurden und in der Mehrzahl der Maria geweiht sind, auch nur
eine Wandlung der ursprünglichen heidnischen Fruchtbarkeitsgöttinnen. Daher können es durchaus
noch Orte mit besonderer Kraft sein.

historisch:
Der Maibaum und besonders die um ihn stattfindenden Tänze waren bei christlichen Vertretern seit
jeher unbeliebt, und er wurde während der puritanischen Herrschaft in England 1644 bis 1661
verboten. So hat also ein unübersehbares phallisches Symbol in all seiner Urtümlichkeit bis heute
überlebt.

Selbst der Staat hat irgendwann dem Bedürfnis des Volkes, in den Mai zu tanzen und die Nacht
zum Tag zu machen, nachgegeben und den 1. Mai zum Feiertag erklärt. Am sogenannten "Tag der
Arbeit" kann man sich ausschlafen und von der anstrengenden Nacht erholen. Dieses Mal hat ein
heidnisches Fest seine moderne Entsprechung im staatlichen Maifeiertag gefunden, nicht in einem
kirchlichen Feiertag.

Brauchtum:
Zu Beltane (auch Bealtaine) oder Walpurgis gingen die Leute (nicht nur die Hexen) auf eine
Waldlichtung und entzündeten ein großes Feuer. Das Beltanefeuer wurde ursprünglich
aufgeschichtet, weil die Frauen loszogen, um alte, trockene (unfruchtbare) Reisigbesen zu
verbrennen, heißt es. Die Männer kamen später nach und vollbrachten auf dem Weg dorthin allerlei
"männliche" Kämpfe (Balzrituale).

Der Gang zwischen zwei Beltane-Feuern reinigt und hält Seuchen fern, so der Volksglaube. Zu
Beltane trieben die Druiden das Vieh zwischen zwei Feuern hindurch, um es vor Krankheiten im
kommenden Jahr zu schützen. Wie zu Samhain, das am Jahresrad gegenüber liegt, steht zu Beltane
die "Anderswelt" für Reisen offen. Daher ist die Walpurgisnacht ein magisches Datum und
bekanntlich auch das größte Fest der Hexen.
Viele Beltane-Riten leben heute in bäuerlichen Maibräuchen fort. In verschiedenen
skandinavischen Regionen wird diese Nacht damals wie heute ausgelassen und fröhlich gefeiert.
Alle freuten sich, daß der Winter überstanden war. In langen Prozessionen wurden die Felder
abgeschritten, Blumen gepflückt und die neue Fruchtbarkeit begrüßt. In Großbritannien endet zu
diesem Zeitpunkt die Schonzeit für den Hasen, dem Mondtier der Fruchtbarkeit.

Auch bei diesem Fest erhält der Baum seine Beachtung, meist die Birke, manchmal auch die
Weide. Ein Brauch, der von Süddeutschland bis nach Skandinavien bekannt und gepflegt ist, ist das
Aufstellen des vom keltischen Baumkult übriggebliebenen Maibaums. Dieser wird gefällt,
geschält, und es bleibt nur eine kleine Krone übrig. Diese wird dann unter lauten Gesängen und
Tänzen von jungen Männern und Frauen mit bunten Bändern (vielleicht kommt daher der Begriff
des "Anbandelns"?) und Eierschalen geschmückt, in der Ansiedlung umhergetragen ("den Mai
bringen") und schließlich aufgestellt. In jedes bunte Band kann ein Wunsch eingebunden werden.
Traditionell sind die Bänder grün, weiß und rot.

Die Leute tanzten lustvoll die ganze Nacht um das Feuer und den aufgerichteten Maibaum herum,
sangen und tranken. Der Bändertanz war der Beginn des Fühlung Aufnehmens mit dem anderen
Geschlecht. Nach heidnischer Tradition muß der Tanz um den Maibaum allerdings "widdershins",
also gegen den Uhrzeigersinn (retrograd) durchgeführt werden, weil der Mond ebenfalls dieser
Richtung folgt, was später von der Kirche verteufelt wurde (aus demselben Grund hatte der
ebenfalls widdershins getanzte Wienerwalzer ein so verruchtes Flair).

Die Bemühung der Kirche, die Seite links zu verteufeln, findet sich noch in sprachlichen Begriffen
wie "linkisch" oder "das war link", während die rechte Seite in Begriffen wie "Rechtschaffenheit",
"Gerechtigkeit", "richtig" usw. vorkommt. Die rechte Hand gilt als "gute Hand". Im Spätmittelalter
wurde das Tanzen gegen den Uhrzeigersinn als angebliche Entweihung heiliger kirchlicher
Festtage unter Strafe gestellt.

Bei vielen Ritualen zu Beltane verteidigten die Frauen das feminine Loch im Boden zunächst
gegen die Männer, die den phallischen Maibaum darin aufstellen wollten. Es war kein Kampf der
Geschlechter, sondern ein mehr ein Necken und Fordern, ein erotisches Spiel, das die Sinne in
Wallung bringen sollte. Auch kürte man eine Maikönigin und einen Maikönig, die Erde und Sonne
und deren Hochzeit symbolisieren. Zu Beltane wurde die Vereinigung gefeiert, doch nicht nur die
körperliche sondern auch die seelische.

Manchmal wurde der Maibaum auch noch eingeseift, und junge unverheiratete Männer mußten auf
die Spitze klettern, um ihre Männlichkeit zu beweisen. Das Stehlen, Umkippen oder Fällen des
Maibaums eines Nachbardorfes gehört zu den Traditionen, mit denen das Christentum über die
heidnische Sitte siegen wollte - wie man sieht, ohne Erfolg.

Ein weiterer Brauch war der Maistrich, ein mit Farbe auf der Straße gezogener Strich zwischen den
Haustüren von Verliebten oder von zwei jungen Menschen, welche die Dorfjugend gerne als Paar
sehen würde. Oft verband der Maistrich aber auch aus Jux jene, von denen angenommen wurde, sie
könnten sich nicht ausstehen. Die jungen Männer brachten ihrer Angebeteten auch eine
geschmückte Birke als Liebesbeweis, während zickige und hochnäsige junge Frauen auch schon
einmal einen Sack Sägemehl vor die Tür gestellt bekamen.

In dieser Zeit um Beltane suchten sich die jungen Frauen die stärksten und schönsten Männer,
damit starke und gesunde Kinder entstehen konnten. Während im beginnenden Frühjahr die
Liebespaare sanft und mit Distanz liebäugelten, war Beltane die Zeit, in der diese Liebesbeziehung
nach außen bekundet wurde. Wer zu Beltane mit seiner Liebsten über das Feuer sprang, der galt als
verlobt. Aber allem gemeinsam ist das ausgelassene Fest. Durch ekstatische Tänze und Gesänge
wurde die Stimmung angeregt.

Und dem Höhepunkt des Festes, nach dem Sprung über das Feuer, verschwanden vor
Sonnenaufgang dann nach und nach die einzelnen Pärchen und solche, die sich gefunden hatten,
ganz unauffällig und mit einem Augenzwinkern im Wald und liebten sich. Rituelle Liebesakte auf
den Feldern sollten die menschliche Fruchtbarkeit auf die Felder übertragen. Eine Zeit der
überschäumenden Lebensfreude nahm ihren Anfang - nicht umsonst spricht man vom Wonnemonat
Mai.

Man erzählt sich, daß der Morgen des ersten Mai ein magischer Moment allergrößter Kraft für das
Wasserelement sei. Die Jungfrauen gingen aus, um ihre Gesichter im Morgentau zu waschen, und
die Heiler sammeln "wildes Wasser" (Tau- Fluß- oder Meerwasser), das für das kommende Jahr als
Basis für heilende Medikamente oder Tränke dient. Mairegen, Maitau und vor Sonnenaufgang
geschöpftes Maiwasser wurden als heilend, segnend und schützend angesehen.

Sehr lange hielt sich in ländlichen Bereichen der Brauch, drei Kreuze und bestimmte
Kräuterbüschel an die Stalltüren zu heften um das Vieh vor den Hexen zu schützen (dabei haben
die Hexen in dieser Nacht doch ganz andere Dinge zu tun). Wie auch zu Samhain ist die
"Weltendecke" zu Beltane ganz besonders dünn, und Wesen aus der Anderswelt können
herüberkommen, so der Volksglaube. Alle Arten von Trollen, Riesen und Geistern seien in dieser
Nacht unterwegs und es sind spezielle Segnungen für diese Nacht überliefert, die das Haus vor
ihnen schützen sollen. Nach nordischem Glauben war es angebracht, Opfer für die umherziehenden
Wesen nach draußen zu stellen (etwa Brot und Met).

Vielerorts ist von der Bedeutung des Maifestes leider nicht viel übriggeblieben, und häufig
reduziert es sich auf ein Saufgelage. Aber vielfach wird auch heute noch "in den Mai getanzt" und
die Maikönigin gewählt. In manchen Orten werden Linien auf die Straße gemalt, welche die
Wohnungen von zwei Menschen verbindet, von der die Dorfjugend meint, daß diese gut zusammen
passen würden. Und in der Nacht, in der die Erwachsenen mit dem Feiern beschäftigt sind, hat
natürlich niemand ein Auge auf die Dorfjugend, welche diese Zeit hervorragend dafür nutzt, um
allen möglichen Schabernack mit dem Hab und Gut der Nachbarn anzustellen.

Heute ist vielerorts die tiefergehende Symbolik der Maibräuche in Gefahr, in Vergessenheit zu
geraten. Rund um den Vogelsberg in Oberhessen brannten noch um 1990 die Maifeuer zu Ehren
des keltischen Gottes Belenos, für die tagelang Holz zusammengetragen und geschichtet wurde und
wo man den Holzstoß rund um die Uhr bewachte, damit nicht die Jugend des Nachbarorts diesen
frühzeitig abbrennen konnte.

Der Zweck dieser ursprünglich aus Eichen- und Eibenholz bestehenden Feuerstöße war Schutz vor
bösen Einflüssen für Vieh und Mensch durch die reinigende Wirkung des Rauches und gleichzeitig
ein Fruchtbarkeitszauber. Die Holzarbeit war in der Neuzeit brauchgemäß Sache der Burschen -
doch entzünden mußten das Feuer ein Jüngling und ein Mädchen gemeinsam.

Im Verlauf der Nacht trieben die Jugendlichen als Hexen ihr Unwesen und stellten allerlei
Schabernack an. Doch der Unfug ging viel zu oft, zum Teil durch Alkohol unterstützt, zu weit, so
daß die Bewohner um ihr Eigentum fürchten und oft genug die Polizei bemühen mußten. Im
Vorgarten abgekippte Mistwagen, zugeschraubte Scheunentore und ähnlichen Ausschweifungen
überschreiten sicherlich auch den Sinn eines Feiertages.

Heute wird die mit dem Hexenflair behaftete Walpurgisnacht, neben ihrem Anlaß zu verschiedenen
frauenrechtlichen Demonstrationen und Kundgebungen in Staat und Gesellschaft, von cleveren
Geschäftsleuten besonders in der Harz-Region als Touristen- und Freizeitspektakel vermarktet. Im
ganzen Harz sind jährlich ca. 150.000 Schaulustige zum Brocken unterwegs. Ähnliche Feste finden
im Berliner Umland, im Museumspark Rüdersdorf (Märkisch Oderland) und als Teil des
Mittelalterfestes in Bernau (Barnim) statt.

Jede wirkliche Hexe ist dadurch zwischen lautem Lachen und Weinen hin und her gerissen. Zum
einen ist es traurig, wenn Tausende makeupverschmierte und mit Plastiknasen behängte
Pseudohexen die alte Kultur mit Füßen treten, zum anderen ist es doch auch ein Zeichen, daß der
christlichen Kirche die Ausrottung und Einverleibung der vorchristlichen Traditionen bis heute nie
ganz geglückt ist.

spirituell:
Als Wendepunkt des Jahres beginnt nun die Reifezeit, in der die neuen Pläne allmählich immer
mehr Gestalt annehmen und die neuen Aktivitäten des Lebens ihren Lauf nehmen.

magisch:
Die Macht dieser speziellen Nacht eignet sich für Divinationen aller Art. Man kann auch rituell
zum Zeichen der Fruchtbarkeit eine Rübe oder einen Kürbis pflanzen, den man dann zu Samhain
benutzen kann. Auf jeden Fall gehört ein Ritualfeuer zu diesem Fest.

Viele Magier feiern zu Beltane in Fruchtbarkeitsriten die Hierosgamos (griech.: Heilige Hochzeit),
die Hochzeit eines Gottes mit einer Göttin (zum Beispiel Sonne und Erde), entweder als
symbolische Vereinigung durch Eintauchen von Stab oder Dolch in Kelch oder Schale oder seltener
sogar als tatsächliche, stellvertretend von Menschen nachvollzogene, rituelle sexuelle Vereinigung.
Die Ausgestaltung des Festes, insbesondere beim Liebesaspekt, ist aber jedem selbst überlassen.
1.5.6. Litha (Mittsommer)

Namen: Litha, Eichenfest, Mittsommer, Sommersonnenwende, Alban Heruin, Lilith


Kategorie: Nebenfest, Sonnenfest zur Sommersonnenwende, germanisch
Datum: 21. Juni (kalendarische Schwankungen zwischen 20. und 22. sind möglich)
Astrologischer Zeitpunkt: Sonne 0° (Anfang) im Krebs
Bedeutung im Jahresrad: Beginn des Sommers, Sommersonnenwende (Solstituum), kürzeste Nacht
des Jahres
Christliche Entsprechung: Johannistag (24. Juni)
Art des Feiertages: Mittsommer, Sommersonnenwende, Fest der Eichen und der Magie
Symbole: Eiche und Eichenlaub

Bedeutung:
An diesem längsten Tag im Jahr gibt es Licht und Leben im Überfluß. Zum einen ist es ein Feiertag
der die volle Kraft des Lebens darstellt, auf der anderen Seite ist es auch der Tag nach dem die Tage
wieder kürzer werden. Man feiert im Bewußtsein, daß dem Höhepunkt im Kreislauf des Seins
unweigerlich der Abstieg folgen muß, und daß auch der Mensch seinen Lebenszenit auch mal
überschreiten wird. Man feiert die volle Kraft des Lebens, aber gedenkt auch der Sterblichkeit
seiner Existenz.

etymologisch:
Der Name Litha geht auf die gleichnamige keltische Mondgöttin zurück, die für Überfluß und
Fruchtbarkeit, Macht und Ordnung steht. Das keltische "Alban Heruin" (gesprochen: Alwan Eruin)
bedeutet übersetzt "Licht der Küste", denn bei den Kelten ging es bei diesem Fest um den Kreislauf
des Wassers, das um die Küsten herumfließt, die Abgrenzung zwischen Wasser und Erde.

Zeitpunkt:
Litha findet jedes Jahr am 21. Juni statt. Es ist die Sommersonnenwende, die astronomisch den
Sommerbeginn markiert. Es ist der längste Tag, an dem die Sonne 23° oberhalb der Ekliptik im
Wendekreis des Krebses im Norden den Höhepunkt ihrer Entfaltung erreicht. Das "Mitt" in
Mittsommer bedeutet hier nicht die tatsächliche Mitte des Sommers, sondern einen der beiden
Wendepunkte im Jahreslauf der Sonne, die an diesem Tag den Höhepunkt ihrer Kraft und
Einwirkung hat, im Gegensatz zum Tiefpunkt Mittwinter.

Jahresrad:
Zu Litha erreicht die Sonne mit dem längsten Tag ihre höchste Kraft und Macht, so daß der
Mittsommer ein freudiges Fest ist. Von diesem Tage an schwindet sie und wird im Winter
wiedergeboren werden.

Natur:
Die Tage werden jetzt zwar wieder kürzer, dennoch stehen die heißesten Tage des Jahres noch
bevor, denn der Hochsommer beginnt gerade erst, ebenso die Reife- und Erntezeit. Haselnuß und
Walnuß wachsen im dichten Blätterdach, die Beeren der Eberesche beginnen sich rot zu färben,
Kirschbäume laden zur Ernte ein. Es ist Mittsommer, und noch einmal wallt die Lebenskraft
jubilierend auf.

Heiden:
Zur Sommersonnenwende an Litha hat die Sonne mit dem längsten Tag und der kürzesten Nacht
den Höhepunkt ihrer Bahn im Wendekreis des Krebses erreicht. Die Sonne ist als gehörnter
Sonnengott auf dem Höhepunkt seiner Kraft. Aber er weiß auch, daß seine Kraft von nun an
langsam schwinden wird. So überträgt er seine Kraft allmählich immer mehr der Erde, was man
dadurch merkt, daß die heißesten Tage des Jahres erst noch kommen werden, in denen die Sonne
mit aller Kraft auf die Erde brennt.

Die Erde nimmt als Göttin diese Kraft, die der Sonnengott ihr opfert, auf und nährt damit die
Frucht, die sie im Leibe trägt, also einerseits die kommende Ernte, die auf den Feldern
heranzureifen beginnt, wie auch das in ihr heranwachsende gemeinsame Kind, die nächste
Inkarnation der sterbenden Sonne. Die Göttin ist immer noch die fruchtbare, jetzt schwangere Frau
in Rot.

Der Sonnengott wird mit der Bitte angerufen, besonders große Fruchtbarkeit über das Land zu
bringen. Zum Ausgleich zur sengenden Kraft der Sonne wird innerhalb des Mittsommer-Festes die
Göttin in ihrem Aspekt des Wassers angerufen. Nur das richtige Verhältnis von Sonne (Licht und
Wärme) und dem zum Wachstum nötigen Wasser läßt dem Schoß der Mutter Erde neue
Fruchtbarkeit und Ernte entsprießen.

Germanen:
Von der früh erkannten Bedeutung des Sonnenlaufes zeugt heute noch die Ausrichtung
altgermanischer Heiligtümer auf die Sommersonnwendlinie. So findet sich bekanntlich auch das
"Sazellum" am Externstein mit seinem Rundfenster in Richtung des Sonnenaufgangs zur
Sommersonnwende ausgerichtet, so daß der einfallende Lichtstrahl die nördliche Halbsäule der
Kammerrückwand beleuchtet.

Die Sonne (als Lichtgott Balder, der Sohn der Sonne) befindet sich auf ihrem Höhepunkt, um
danach zu sterben. Der junge Balder stirbt wie die Sonne in der höchsten Blüte seines Lebens. Er
wird von Loki, dem Gott der Lügen und des Feuers, mit einer Mistel umgebracht, indem er den
blinden Höder dazu anstiftet, mit dem tödlichen Mistelzweig auf den strahlenden jungen Gott
Balder zu zielen. Diesen konnte nichts umbringen, außer ein Pfeil aus Mistel, denn die Götter
hatten allen Pflanzen erzählt, daß Balder unsterblich sei, nur die Mistel hatten sie dabei vergessen.
So starb Balder an Höders nichtsahnenden Mistelpfeil. Balders Tod bedeutete das Fanal zum
Untergang der Götter (Ragnarök).

Es wurden Teiche und Brunnen geschmückt, zu Ehren der Götter des Wassers und der Weisheit.
Die Germanen feierten zu Litha auch die Muttergottheiten, so auch Balders Mutter Frigg. Dabei
gilt, wie bei allen Festen, daß immer die Götter als Ganzheit verehrt werden, also stets alle Götter
angerufen werden, auch wenn es bei jedem Fest Gottheiten gibt, mit denen es besonders verbunden
ist. Bei den Germanen fand zu Litha das Thing (Parlament) statt und es wurde Gericht gehalten.

Kelten:
Alban Heruin ist das keltische Eichenfest, das den Vorabend des längsten Tages markiert. Die
Sommersonnenwende (kelt.: Heulsaf Yr Haf) markiert den höchsten Stand der Sonne im
Jahreskreis und leitet so den Sommer ein. Auch die Eiche, als höchstes druidisches Symbol für die
Sonnenbruderschaft, ist auf dem Gipfel ihrer Energie. Die Sonne zeigt ihre Kraft und die Jahreszeit
ist die des Überflusses. Die zu Alban Heruin verehrten keltischen Götter sind Bel, der
patriarchalische Sonnengott, sowie Danu, die keltische Mutter des Landes, die Reichtum und
Überfluß verkörpert. Auch in der keltischen Tradition ist Mittsommer den Muttergottheiten
geweiht.

Die Blumen sind voll erblüht, die Tage sind lang und die Nächte heiß und trocken. Die
Ausgelassenheit zu Beltane hat sich zu Alban Heruin in atemlose Leidenschaft verwandelt. Hatte
sich bei den Kelten ein Pärchen zu Beltane gefunden, wurde die Beziehung zu Alban Heruin
gefestigt beziehungsweise wurde die Hochzeit gefeiert.

Bei den Kelten herrschte die Vorstellung, daß von der Winter- bis zur Sommersonnenwende der
Eichenkönig regiert, welcher zu Alban Heruin auf dem Höhepunkt seiner Macht ist und mit der
Eichenkrone bekränzt wird. Gleichzeitig ist es auch der Tag seines Rücktritts, denn nunmehr tritt
der Stechpalmenkönig seine Herrschaft an, dessen Stechpalmenkrone, natürlich auf Alban Arthuan
deutet, die Zeit der Wintersonnenwende.

Christen:
Ab dem 5. Jahrhundert wurden die von der Kirche mehr oder weniger erfolglos als heidnische
Tollheiten bekämpften Sonnwendfeuer Johannes dem Täufer geweiht und somit zum offiziellen
Bestandteil des Kirchenjahrs. Bei dieser Vereinnahmung kam den Christen eine Stelle des Lukas-
Evangeliums (1, 26) entgegen, die es erlaubte, den "Geburtstag" des Heiligen genau ein halbes Jahr
vor Christi Geburt auf den 24. Juni zu legen. Noch heute segnen in manchen Gegenden christliche
Priester die derart entstandenen "Johannisfeuer" zur Sonnenwende.

In Bayern wird die Sonnwend-Feier traditionell am 24. Juni, an "Johanni", begangen. Der Juni war
und ist im landwirtschaftlichen Bayern von der Feldarbeit geprägt sowie vom Auftrieb des
Almviehs auf die sogenannten Hochleger, die Hochalmen. In der Johannisnacht wähnte man gute
und böse Geister nah beieinander. Hexen und Geister galt es mit allerlei Abwehrmitteln zu
verscheuchen, hier wiederholt sich das Thema der Walpurgisnacht.

historisch:
Die Sonne als prominentester Himmelskörper wurde von den Menschen sehr wahrscheinlich sehr
früh beobachtet, weswegen man in den Sonnenwenden die ältesten Feste der Menschheit vermutet.
Die erste überlieferte menschliche Aufzeichnung überhaupt befaßt sich mit dem Sonnenzyklus. Es
handelt sich um den "Smiling Fox bâton" (engl./franz.: Lächelnder Fuchs-Stock), ein geschnitztes
Stück Hirschgeweih aus Le Placard bei Charente (Frankreich). Es ist ca. 20.000 Jahre alt und trägt
Ritzmarkierungen, die mit dem Sonnenzyklus in Verbindung gebracht werden.

Die Sonnenverehrung im weiteren Sinne ist aus praktisch allen Kulturen bekannt. Eine spezielle
Würdigung der Sommersonnenwende erkannten Forscher insbesondere bei den Ägyptern,
altamerikanische Kulturen wie die Anasazi (400 bis 1300), die mexikanische Teotihuacan Kultur
(200 bis 750), die Maya, die Azteken und die Inka. In diesen solar orientierten Hochkulturen war
dieser Punkt des Jahreszyklus besonders heilig und gehörte damals zum größten Fest des ganzen
Jahres. China verfügt über die ersten schriftlichen Aufzeichnungen über die Sommersonnenwende,
die auf das Jahr 2254 v.u.Z. datiert werden. Europas bekannteste Stätte der Sommersonnenwende
ist natürlich Stonehenge.

Noch im Mittelalter waren die Johannisfeuer überall im deutschsprachigen Raum anzutreffen. Alte
Quellen belegen, daß 1401 der Herzog von Bayern mit Frau und Volk um die Flammen tanzte und
1496 der Erzherzog Philipp die Bürgerstochter Ursela von Neidhardt zum Reigentanz ans Feuer
führte.

Selbst von Kaiser Friedrich III. ist überliefert, daß er während des Reichstages zu Regensburg 1473
auf dem Marktplatz "mit schönen Frauen" das Johannisfeuer feierte. In der Neuzeit erloschen die
Feuer zuerst in den Städten - teils, weil der Sinn dafür verlorenging, teils auf Betreiben der
Behörden.

Brauchtum:
Traditionell feiert man den Höchststand der Sonne mit einem großen Feuer in dieser kürzesten aller
Nächte. Das Feuer symbolisiert die Macht der Sonne. Man verbrennt alle schlechten Gedanken und
Erfahrungen am Feuer und stärkt sich an ihm. Von nun an werden die Tage wieder kürzer werden.
Man feiert fröhlich seine Lebenskraft und gedenkt zur selben Zeit seiner eigenen Sterblichkeit.
Das Hinabrollen brennender Sonnenräder über Hänge und das Schwingen von Fackeln im Kreis
symbolisieren die ewige Drehung des Jahres-Rades und den Beginn der dunkleren Jahreshälfte. Im
Norden waren die Feuer dem Gott Balder geweiht. So kennt man in Schweden noch heute den
Ausdruck "Baldur's Balars" für "Scheiterhaufen" und glaubte, daß man mit Hilfe der Flammen die
Macht der Trolle und anderer böser Geister zunichte machen konnte.

In Tirol und in der Steiermark legte man aus ähnlichem Grund großen Wert auf eine kräftige
Rauchentwicklung der Feuer, denn das "Sonnwendra(u)chen" sollte traditionsgemäß die Luft von
bösen Gewalten reinigen und gutes Wetter für eine reiche Ernte erwirken.

Entsprechend glaubte man auch, daß die Felder, über welche die Rauchschwaden hinwegstrichen,
besonders ertragreich ausfielen. Ein Blick in die Flammen des Sonnwendfeuers sollte ebenso
heilsam und segenbringend wirken wie Asche und Kohlenreste, die, wie man glaubte, Haus und
Hof vor allerlei Schaden - etwa bei Gewittern - bewahren konnten.

Das Feuerspringen war zentraler Bestandteil der Feierlichkeiten, sollte verjüngende Wirkung
besitzen, gute oder schlechte Ernte anzeigen und Liebesverbindungen festigen - förmlich
"zusammenglühen" wollte sich das Paar, das wie Siegfried und Brunhild durch die Flammen
sprang. Auch Gegenstände, die man ansonsten ungern alltäglichen Feuern übergab, zum Beispiel
Totenbretter oder Fronleichnamskränze, warf man ins Sonnwendfeuer. Johann Wolfgang von
Goethe schrieb: "Johannis-Feuer sei unverwehrt, die Freude nie verloren! Besen werden immer
stumpf gekehrt, und Jungens immer geboren."

Die Menschen feierten die Fülle der Jahreszeit mit Rosen und sommerlichen Blumen, dankten
ihren Göttern und entzündeten lodernde Sonnwendfeuer - ein Versprechen an die Sonnenkraft, ihre
segenspendende Wirkung auch im Winter nicht zu vergessen und darauf zu vertrauen, daß sie
wiederkehren wird. Zur Sonnenwende gehört einfach ein Feuer, und ähnlich dem Beltane-Feuer
entfaltet es seine segensbringende und reinigende Wirkung beim Darüberspringen. Im Alpenraum
werden noch heute auf breiter Basis auf den Bergen Sonnwendfeuer entzündet. Um diese Zeit
wurden überall Jahrmärkte und Feste veranstaltet.

Litha war und ist der beste Tag zum Kräutersammeln und in verschiedenen Kulturen mit Kräutern
stark verbunden. Die traditionellen Verbindungen der Frauen mit dem Pflanzenreich fließen hier
mit ein. So werden allen Kräutern, besonders aber dem Johanniskraut (Hypericum perforatum) in
der Zeit nach Litha (insbesondere ab der Johannisnacht am 24. Juni) intensivere Heilkräfte
zugeschrieben.

Zum Bild dieses Festes gehören Kräuterkränze, mit denen Wegkreuze und Heiligenbilder
geschmückt wurden. In der Steiermark wurden eigene Sonnwendbuschen aus verschiedenen
Kräutern hergestellt. Die Frauen haben tradionell "Holunderküchlein" gebacken (die Blütendolde
des Holunders in Pfannkuchenteig ausgebacken). Deshalb heißt der Johannistag auch oft
"Holdertag".

Ebenso in der Steiermark gibt es das sog. Scheibentreiben, bei dem glühende Scheiben in die Luft
geworfen werden. Die Verwendung glühender oder brennender Scheiben als Sonnensymbol in
verschiedenen ritualartigen Spielen zur Sommersonnenwende ist auch aus England bekannt.

Die bayrische Ausgestaltung des Festes ähnelt Beltane. Gleichzeitig scheint einiges vom
Brauchtum zur Sonnenwende auf Pfingsten übergegangen zu sein. Beispielsweise scheinen sich zu
Pfingsten Feuerbräuche eingebürgert zu haben, die relativ neuen Ursprungs sind und ursprünglich
wohl zur Sonnenwende gehört haben. Ein Grund dafür könnte sein, daß Pfingsten die
nächstgelegenen Feiertage anbietet, während das Fest Johanni an Bedeutung verloren hat. Generell
ist das Brauchtum zur Sommersonnenwende heute weniger deutlich ausgeprägt als im Winter.

spirituell:
Während die Wintersonnenwende vorwiegend von Tod, Wiedergeburt und Hoffnung handelt, dreht
es sich bei der Sommersonnenwende um Reichtum und Kraft. Litha markiert den Höhepunkt der
Fruchtbarkeit der Natur und von Macht und Kraft der Sonne, mit einem traurigen Beigeschmack.
Die Sonne steht im Zenit ihrer Kraft, doch wird das Licht ab diesem Zeitpunkt geringer und die
Dunkelheit nimmt zu, bis die Fülle des Sommers durch den Herbst hindurch mit dem ersten Frost
des Winters ihr Ende finden wird.

Litha ist zunächst ein Fest des Dankes für den Überfluß, hat aber auch mehrere Aspekte von
Balance und Ausgewogenheit. Zum einen bildet es die Mitte zwischen der Zeit des zunehmenden
Lichts und der Zeit des abnehmenden Lichts, im übertragenen Sinne zwischen den Kräften des
Wachstums und des Abnehmens. Zum anderen wird die Kraft der Sonne (maskulines Prinzip)
ebenso gefeiert wie die Fruchtbarkeit, die Erdenergie (feminines Prinzip).

magisch:
Litha verkörpert in seiner Essenz den Mittelpunkt des Jahres, das Zentrum, an dem die Balance
zwischen den Kräften des Wachsens und des Abnehmens für einen kurzen Moment gehalten wird.
Es ist die ideale Zeit, um an Fragen von Integration und Gleichgewicht zu arbeiten.
1.5.7. Lughnasad (Schnitterfest)

Namen: Lughnasad, Erntefest, Schnitterfest, Kornfest, Lughnasadh, Lammas, Haustblót


Kategorie: Hauptfest, Mondfest zu Vollmond, keltisch
Datum: beweglicher Feiertag am 8. Jahresvollmond (um den 31. Juli)
Astrologischer Zeitpunkt: Sonne ca. 15° (Mitte) im Löwen
Bedeutung im Jahresrad: Mitte des Sommers,
Christliche Entsprechung: Erntedankfest
Art des Feiertages: 1. Erntefest, Fest der Fruchtbarkeit und Ernte
Symbole: Sichel, Brot und Weizen

Bedeutung:
Lughnasad ist das erste von insgesamt drei Erntefesten. Es ist mehr ein Fest zur Freude über die
beginnende Erntezeit, weniger - aber auch - ein Erntedankfest. Im heutigen Zeitalter des
Welthandels, der Supermärkte, Kühltruhen, Konserven und ganzjährig verfügbaren Lebensmitteln
ist kaum nachzuvollziehen, was dieser erste Erntetag in früheren Jahrhunderten für die Menschen
bedeutete. Das Bauernvolk lebte von Ernte zu Ernte. Hoffen und Sorgen um Erntesegen bestimmte
einst Denken und Brauchtum des bäuerlichen Menschen, bis Anfang August (nordisch: Ernting) die
Feldernte einsetzte und im September das "Herbsten" (das englische "Harvest" bedeutet Ernte) des
Obstes begann.

Normalerweise fielen die Sommermonate, vor allem die letzten "bitteren sechs Wochen", mager
aus. Die vorjährigen Kartoffeln (gab es erst im 16. Jahrhundert in Europa) waren aufgebraucht oder
wertlos geworden, die neue Ernte war noch nicht reif. Teures Getreide muß zugekauft werden, für
viele ein unerschwinglicher Luxus. Lughnasad wurde daher überall als Ende des unfreiwilligen
Fastens herbeigesehnt und als Bitt-, Brot-, Korn- und Sportfest gefeiert. Es ist in seiner Essenz ein
Fest der Lebensfreude, geprägt von dem Wissen, daß dunklere Zeiten (Winter) im Anzug sind.

etymologisch:
Der Festname Lughnasad (sprich: Lu-na-sad) oder Lughnasadh bedeutet im Keltischen
"Zusammenkunft im Namen des Lugh" und kommt einerseits von "nasad" (Zusammenkunft) und
andererseits von Lugh, dem Gott druidischer Weisheit, der Odin entspricht. In Frankreich hieß er
Lugos und in Wales Lleu. Er war ein schöner junger Kämpfer, zum Teil Formorii (Meeresdämon),
da sein Großvater der Dämon Balor war, den Lugh schließlich tötete.

Lugh ist der Patron der Gelehrten, Handwerker, Krieger und Magier. Lugh ist auch bekannt als
Lugh Samildánach (der viele Künste ausübt) und Lugh Lámhfada (Lugh mit dem langen Arm,
gemeint sind die Sonnenstrahlen). Es wird diskutiert, ob er als Sonnengott zu sehen ist, oder eher
als Prinzip einer männlichen Vater-Gottheit. Lugh scheint, wie seine griechischen und römischen
Entsprechungen Hermes und Merkur, bevorzugt auf Hügeln, Kuppen, Bergen verehrt worden zu
sein. Vielfach wurde statt seiner aber auch Loki als Feuergott verehrt.

Das deutsche Wort Herbst und das nordische "haust" (gesprochen: höist) bedeuten wie das
englische "harvest" eigentlich "Ernte", so daß es in erster Linie ein Erntefest beziehungsweise ein
Dankopfer für "gute Ernte und Frieden" ist. Das altnordische "Haustblót" bedeutet Ernteopfer.

Der nicht ungebräuchliche mittelalterlich-englische und schottische Name Lammas kommt vom
altenglischen "hlafmesse", neuenglisch "loafmass" (Laibfest), weil dabei die ersten Brotlaibe aus
dem neuen Getreide geopfert oder verzehrt wurden.
Zeitpunkt:
Lughnasad ist als Vollmondfest ein beweglicher Feiertag. Es wird am 8. Jahresvollmond gefeiert,
also acht Vollmonde nach dem der Wintersonnenwende folgenden Neumond. Annäherungsweise
kann man den Vollmond um den 31. Juli annehmen, aber das stimmt nicht immer. Natürlich kann
man den Festtermin auch von dem Vollmond abhängig machen, welcher dem tatsächlichen
Erntebeginn am nächsten ist, da es hierbei regionale Unterschiede gibt.

Jahresrad:
Lughnasad ist der Beginn der Ernte und gleichzeitig die erste Ernte im Jahr. Es ist neben Mabonad
(23. September) und Samhain (um den 31. Oktober) auch das erste von den drei heidnischen
Erntefesten. Der Erntebeginn markiert das Ende der Reifezeit. Von nun an fängt die Periode der
Ernte an und die Tage werden wieder deutlich kürzer.

Natur:
Im August, wenn die Sonne ihre stärkste Einstrahlungskraft hat, stehen die Felder kurz vor ihrer
vollen Reife, und die Zeit der Ernte naht. Gleichzeitig verbrennt aber bereits die Sonne die Erde
und leitet somit in eine Phase des Absterbens über. Die Luft liegt flimmernd über den Feldern. Es
ist die wärmste Zeit im Jahr, doch ab nun wird es wieder kühler. Das Tageslicht hat schon merkbar
nachgelassen. Es ist das Fest des Wachstums und der Reife.

Heiden:
Zu Lughnasad brennt die Sonne am heißesten. Sie hat den Höhepunkt ihres Lebens längst
überschritten und opfert sich und ihre Kraft der Erde. Aus der Verbindung von Erde (weibliches
Prinzip) und Sonne (männliches Prinzip) gehen die ersten Früchte der Ernte hervor. Der gehörnte
Sonnengott weiß, daß seine Tage gezählt sind, doch noch hat er die Oberhand über die Dunkelheit,
denn die Tage sind noch immer länger als die Nächte.

Dennoch schwindet allmählich seine Kraft, und er überträgt sie der Erde, damit sie nicht verloren
geht, sondern in die Ernte eingeht, durch die sie zu den Menschen kommt, damit diese die Kraft
haben, die dunkle Zeit des Jahres zu überstehen. Außerdem stärkt er so seinen in der Göttin
heranreifenden Sohn, in dem er zu Jul (21. Dezember) wiedergeboren werden wird. Die Göttin ist
nun schon eine sichtbar schwangere Frau, denn auch hier zeigt sich die Reife, und wird weiterhin
in Rot dargestellt.

Die Zeit des Erntebeginns steht für die Periode der Götter als Erwachsene. In diesem
Lebensabschnitt beginnt auch der Mensch, die Früchte seines Lebens zu ernten. Rituell bitten viele
Heiden um trockene, sonnige Tage, damit das Getreide eingefahren werden kann und der Wein die
letzte Süße bekommt.

Germanen:
An Lughnasad wurde bei den Germanen zu Ehren Thors die Leinernte gefeiert. Der entsprechende
Festmythos Skálskarparmál beschreibt, wie der Feuergott Loki, der hier für die Sommerhitze steht,
das Haar (stellvertretend für das Korn) von Thors Frau Sif (Göttin der Geschicklichkeit und
Kunstfertigkeit) abschneidet.

Beim Ägisdrekka (Ägirs Trinkgelage) beschimpft Loki in seiner berühmten Zankrede (Lokasenna)
die Götter in Abwesenheit Thors und spottet über das Liebesverhältnis zwischen Himmel und Erde,
das nun bald enden wird (Winter). Als Thor erscheint, und ihm droht, flüchtet Loki in Gestalt eines
Lachses, wird aber gefangen und bis zum Ragnarök (Götterdämmerung, mythisch Samhain) in ein
Netz gebunden.

Auch bei den Sachsen und Germanen wurde aus Anlaß des Brotfestes während einer rituellen
Mahlzeit die erste Kornernte verzehrt. Haustblót (Ernteopfer) war bei den Germanen in erster Linie
ein Erntefest beziehungsweise ein Dankopfer für "gute Ernte und Frieden", die Segnungen der
Vanengötter. Als Schutzgott der Bauern wurde dabei Thor besonders verehrt, und Freyja dankte
man für die Fruchtbarkeit der Erde.

Die Menschen baten die Götter um eine gute Ernte und um den Schutz der Ernte vor Unwettern,
damit die Ernte nicht vernichtet wird, und ehrten die ersten Früchte. In germanischen Opferriten
wurde immer das Wertvollste geopfert, und das waren Pferde. Früher wurden an diesem Tag oft
tatsächlich auch Menschenopfer dargebracht, meist wurden jedoch symbolisch Kornpuppen oder
dem Land nach dem Abernten Blut geopfert.

In Island wurden zum jetzigen Zeitpunkt die Schafe von den Weiden getrieben und für die Zeit des
Winters auf die Höfe verteilt. Ein durch Stein und Eisen geschlagenes Hagelfeuer wurde entzündet
und es wurde zu Ehren von Thor, Sif aber auch von Loki gefeiert. Früher wurde für Thor ein
Ziegenbock, ein Stier oder ein Widder geopfert. Heute wird anstelle der Tiere entsprechendes
Bildgebäck verwendet (ein Brot in Form eines Widders). Sif werden Kornblumen und Getreide
geopfert. Im Anschluß an das rituelle Trinken wurden die für den Winter benötigten Heilkräuter
geweiht und zu Kräuterbündeln verschnürt.

Kelten:
An diesem Fest ehrten die Kelten Lugh und seine zwei Frauen mit dem Erntedankfest, und zu
dieser Zeit wird das Korn am Feld abgeschnitten, so wie Lugh mit seinem Schwert aus Licht die
Dunkelheit zerteilt. Der Großteil der Ernte ist eingebracht, die Sonne opfert als Kornkönig sich,
ihre Kraft und ihr Leben der Erde für die Ernte, damit die Erde fruchtbar bleibt und alle immer
genug Nahrung haben. Die Sonne bereitet sich auf den Tod vor, beginnt zu sterben und stirbt dann
auch tatsächlich zu Samhain. Der Herbst beginnt mit Lughnasad, dem ersten der (mit Mabonad und
Samhain) drei keltischen Erntefeste. Lughnasad bot den Kelten Anlaß zu Märkten, Spielen,
gerichtlichen und politischen Beschlüssen. Feierlichkeiten zu Lughnasad sind überliefert aus
Irland, Isle of Man, Schottland, Wales und Cornwall.

Das Fest des Lugh wurde der Legende nach vom Gott selbst in Tailtiu ins Leben gerufen, zur
Erinnerung an seine Ziehmutter die Göttin Tailtiu oder Taillte. Die "Grabes-Spiele" die bei diesem
Fest abgehalten werden, dienen daher auch nicht der Ehrung Lughs, sondern dem Gedenken an den
Tod seiner Pflegemutter Tailltiu. Deshalb heißen die Lughnasad-Feste in Irland auch oft "Tailltean-
Spiele". Es gab an den Tagen weder Kampfspiele noch Todesrituale. Lugh beherrschte dieses Fest,
an dem Brot, Wein und Fisch gereicht werden und heilige Spiele und Sportwettkämpfe ausgetragen
werden und Eheversprechen für ein Jahr und einen Tag abgegeben werden können.

Die keltische Mythologie ist voll von Geschichten über die Symbolik des Getreides. Die Kelten
stellten aus Korn Puppen her und stellten diese auf ihre Felder. Zu Lughnasad nannte man diese
Puppen "Kornmutter". Ketten und Armbänder aus Getreide wurden hergestellt und als Amulette für
Schutz und Fruchtbarkeit getragen. Lughnasad ist die Zeit der Gesundheit und der erotischen
Energie. Zu dieser Zeit trafen sich die Leute und arrangierten Hochzeiten, bereinigten ihre
Unstimmigkeiten und führten ihre Stärke und ihre Talente vor. Sportveranstaltungen, Pferderennen,
Spiele, all das war zu Lughnasad an der Tagesordnung. Dies ist auch die Zeit, Öle und Essig aus
frischen Blüten und Kräutern herzustellen.

Christen:
Die Angst der Römer und später der Kirche vor den Druiden bewirkte, daß Lughnasad nicht
christlich vereinnahmt, sondern zum Unglückstag erklärt wurde. Lugh wurde mit Luzifer
identifiziert, Lughnasad zum Tag vom Luzifers Sturz in die Hölle gemacht. Die Bauern übertrugen
daraufhin die Lughnasad-Bräuche auf andere Erntefeste. Manche halten aber auch den
Christopherustag am 25. Juli für einen von den Christen als Ersatz für Lughnasad eingeführten
Feiertag.
Teile des Lughnasad-Brauchtums finden sich auch im bayrischen Maria Himmelfahrt am 15.
August wieder. An diesem Tag werden zahlreiche Prozessionen gehalten. Kräuterbüschel,
beispielsweise mit 7 oder gar mit 77 verschiedenen Kräutern, wurden und werden feierlich auf den
Prozessionen mitgetragen, aufgehoben und später in den Rauhnächten rituell verräuchert. Ein alter
Name dieses Festes ist daher auch "Maria Kräuterweih". Die Parallelen zu Lughnasad sind
unverkennbar.

Es muß davon ausgegangen werden, daß das ursprüngliche Brauchtum zu Lughnasad in Bayern
vollständig in Maria Himmelfahrt aufgegangen ist. Damit hatte sich hier als einziger Fall im
Jahreskreis der christliche Nachfahre eines heidnischen Festes nicht in unmittelbarer Datumsnähe
erhalten können. Als Herbstbeginn in Bayern galt traditionell der Festtag des heiligen
Bartholomäus am 24. August. Dies könnte aber auch mit den klimatischen Unterschieden zu den
keltischen Ländern zusammenhängen, denn in Bayern kann es Anfang August noch sehr
sommerlich und heiß sein, und der Gedanke an den Herbst liegt noch fern.

Am 1. August gab es einen christlichen Feiertag namens Petri Kettenfeier heißt. Dieser bezieht sich
auf die in Apostelgeschichte 12 berichtete Befreiung des Petrus aus dem Kerker in Jerusalem. Die
zurückgelassenen Ketten wurden nach der Legende von Eudoxia, der Tochter des Kaisers
Theodosius und Frau des Kaisers Valentianus, als Reliquien einer Jerusalem-Wallfahrt nach Rom
mitgebracht. Sie fügten sich zusammen mit denen, die Petrus als Gefangener Neros in Rom
getragen hat und die von Balbina gefunden worden waren. Von Eudoxia veranlaßt, wandelte man
den römischen Festtag des Kaisers Augustus am 1. August in Petri Kettenfeier um.

In der Kirche Sankt Pietro in Vincoli in Rom werden diese Ketten unter dem Hochaltar, in einem
Renaissance-Tabernakel, aufbewahrt, die Kirche sei an einem 1. August geweiht worden. Nach
orthodoxer Überlieferung wurden die Ketten aber nach Konstantinopel gebracht und dort in der
Petrus-Kirche aufbewahrt. Die Ketten, mit denen Petrus gefesselt war, erhielten angeblich die
Gnade jeden zu segnen, der sie verehrt, und jedem die Ketten von üblem Schicksal zu sprengen.
Das Fest wurde 1960 aus dem römischen Kalender gestrichen.
Dem christlichen Aberglauben nach war der 1. August aber auch ein großer Unglückstag, weil an
diesem Tag der Teufel durch Gott in die Hölle gestürzt wurde. Noch heute ist dieser Tag für
manche abergläubische Christen ein Unglückstag. Um dem entgegenzuwirken, hängte man einen
Zweig der widerstandsfähigen Eberesche mit den jetzt reifen Ebereschenbeeren als Glücksbringer
an Häuser und Stallungen.
Der 1. August galt als sogenannter Schwendtag oder verworfener Tag. Solche Schwendtage galten
früher während des ganzen Jahres als Besonderheit. Die Kirche konnte trotz großer Bemühungen
den überlieferten Glauben, daß man an solchen Tagen nichts Neues anfangen solle, lange nicht
ausrotten. Erst mit der modernen Zeit verlor sich dieser Glaube und nur noch wenige wissen
überhaupt um diese Tage. Weitere Schwendtage im August sind der 17., 21., 22. und 29.

historisch:
Dieser Tag ist auch der griechischen Mondgöttin Artemis geweiht. Lughnasad taucht in alt-
angelsächsischen Chroniken bereits im Jahre 921 als das "Fest der ersten Früchte" auf.

Brauchtum:
Zu Lughnasad wurden die ersten Brotlaibe, Breie und Brötchen geopfert und während einer
rituellen Mahlzeit verzehrt, die mit im Tempel oder sogar in der Kirche geweihtem Korn aus der
neuen Ernte gebacken wurden. Alle Arbeitsgänge dazu mußten zwischen Sonnenauf- und
-untergang ausgeführt werden.
Das Familienoberhaupt zupfte morgens unter Segenssprüchen feierlich die erste Garbe mit der
Hand. Das Korn mußte dann am Feuer gedarrt werden, unter Umständen wurde es sogar auf einer
Steinplatte verbrannt, so daß die gehärteten Körner übrigbleiben, denn nur diese wurden von den
steinernen Handmühlen vermahlen. Nach mehrmaligem Sieben ließen sich aus dem Mehl Brei und
Brötchen herstellen, die köstlich schmeckten.

Durch diesen Brauch der Opferung der ersten Brote aus dem vorab gepflückten Getreide wurde die
Ernte im Grunde rituell vorweggenommen und auf diese Weise magisch gesichert, denn Kartoffeln
(ab dem 16. Jahrhundert) und Korn mußten noch einige Zeit ausreifen, bis sie geerntet werden
konnten. Mann wollte sich mit dem Ritual versichern, daß die Ernte nicht doch noch zuletzt zum
Beispiel durch einen Sommerhagel gefährdet wurde.

Ergänzt wurde der Speiseplan mit Früchten und Beeren aus der nichtkultivierten Natur. Mutter
Erde hatte zu dieser Jahreszeit nämlich eine zweite Ernte für ihre Kinder bereit, die Heidelbeeren.
So gesichert durfte sich Lebensfreude und Zuversicht für die Zukunft wieder einstellen, und es
waren vor allem Gruppen junger Leute, die sich nach dem festlichen Mittagsmahl aufmachten, um
Heidelbeeren zu suchen (ein Brauch, der erst in den letzten Jahrzehnten nachgelassen hat). Es war
eine der seltenen Gelegenheiten, bei der sich Jungen und Mädchen ohne die übliche, strikte
Aufsicht der älteren Generation bei Singen, Tanzen und Spiel vergnügen konnten. Es überrascht
nicht, daß Lughnasad häufig der erste Schritt in Richtung Ehe bedeutete.

Meist fanden diese Versammlungen junger Leute auf Hügeln statt, die ein prächtiges Panorama
erlaubten, und ebenso oft waren diese Hügel bekannte "Feenhügel", also Orte, die mit den Göttern
verbunden waren. Hierbei handelte es sich ebenso um Bitt-, Opfer- und Dankgänge. In dieser Zeit
machten die Menschen auch Ausflüge zu Quellen, Seen, Flüssen.

Die auf das Fest besinnende Zeit beginnt 15 Tage davor (um den 17. Juli, je nach Mondphase) und
endet 15 Tage danach ( um den 15. August). Zur Zeit des Festes, der Hohen Zeit im Jahr, schloß
man Ehen und auch kurzfristige Verträge ab und handelte mit Nutztieren aller Art.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden Kühe und Pferde, um sie für das kommende Jahr vor
Krankheit zu schützen, an Lughnasad durch tiefes Wasser getrieben. Bei letzteren lief dies gern auf
ein regelrechtes Rennen unter Wasser hinaus, denn junge Burschen ritten die Tiere gegeneinander
unter den anfeuernden Rufen einer aufgeregten Zuschauermenge.

Wo früher die heißeste Zeit des Jahres durch die anstehenden Ernten für die landwirtschaftliche
Gesellschaft eine Zeit harter Arbeit mit wenig Gelegenheiten für ausgedehnte Feiern mit sich
brachte, macht die moderne Menschheit Urlaub und aalt sich an Meeresstränden und Baggerseen,
nur hin und wieder aufgescheucht von einem heftigen Sommergewitter. Die Arbeit wird allenfalls
auf Sparflamme betrieben. Hier ist also eine beinahe vollständige Umkehr der Gepflogenheit
eingetreten.

spirituell:
An diesem Zeitpunkt der Ernte erntet man auch spirituell das, was man im Frühjahr gesät, sprich:
sich vorgenommen und begonnen hat, und das hoffentlich nun Früchte trägt. Das Getreide wird
geschnitten, ein Teil davon wird in Brot und Nahrung verwandelt, ein anderer Teil gelangt als
Samen nächsten Frühling in die Erde und erzeugt das Leben neu. Insofern sind auch Gedanken
über Opfer, Transformation, Tod und Wiedergeburt Bestandteil dieses Festes.

Lughnasad ist aber auch eine Zeit der Sammlung und Verinnerlichung, in der man die Keime für
Dinge legen kann, die im Frühling wachsen sollen, auch im übertragenen Sinn. Die Kraft der
sterbenden Sonne lebt im Korn weiter und schon bald wird auch sie selbst wiedergeboren.
Aber auch wer in der heißen Zeit Urlaub macht, kann spirituell angeregt werden, denn die
Urlaubszeit ist auch eine Auszeit vom Alltag der normalen Welt. Oft in anderen Ländern mit
anderen Bräuchen findet man Abstand zum täglichen Trott, kommt man mehr mit der Natur in
Kontakt, und kann schlafen, träumen und über Dinge nachdenken, für die sich sonst keine Zeit
findet.

magisch:
Auch rituell kann ein Erntedank ausgedrückt werden, gegenüber der Natur, den Göttern oder auch
einfach so, aus Freude am Leben und im Gedenken, daß man sich glücklich schätzen kann, genug
zu essen zu haben. In diesem Zusammenhang kann auch ein Opfer dargebracht oder im Rahmen
einer rituellen Mahlzeit verzehrt werden. Hierzu eignet sich natürlich besonders frisch gebackenes
Brot, aber auch Getreideähren, die im Ritualfeuer verbrannt und so der Natur zurückgegeben
werden.

Ein Ernteopfer mag heute anachronistisch erscheinen, und natürlich ist es nicht wirklich
erforderlich, aber Getreide wächst eben immer noch auf dem Feld in der freien Natur, und zum
Glück noch nicht im Labor.
1.5.8. Mabonad (Herbstfest)

Namen: Mabonad, Mabonadh, Mabon, Herbstfest, Weinfest, Erntefest, Herbst-Tagundnachtgleiche,


Alban Elued
Kategorie: Nebenfest, Sonnenfest zum Herbstäquinoktium, germanisch
Datum: 23. September (kalendarische Schwankungen zwischen 22. und 24. sind möglich)
Astrologischer Zeitpunkt: Sonne 0° (Anfang) in der Waage
Bedeutung im Jahresrad: Herbstanfang
Christliche Entsprechung: Erntedankfest
Art des Feiertages: 2. Erntefest, Herbstfest, Weinfest
Symbole: Weinrebe, Traube, Füllhorn

Bedeutung:
Dieses Fest ist das zweite, das mittlere Erntefest zwischen Lughnasad (um den 31. Juli) und
Samhain (um den 31. Oktober). Auch hier wird wieder die Ernte gefeiert welche nun dem Ende
zugeht. Diese Ernte ist nun aber die Ernte der Früchte, der Trauben und des Obstes. Es ist Zeit,
Obstbrände, Fruchtweine, Met etc. anzusetzen. Es ist das Erntedankfest, an dem man glücklich und
stolz auf das in diesem Jahr Erreichte zurückblicken kann.

etymologisch:
Mabonad oder Mabonadh hat seinen Namen nach dem keltischen Sonnenkönig Mabon und von
"nasad" (Zusammenkunft), also "Zusammenkunft im Namen des Mabon". Dessen Name ist
walisisch und bedeutet "großer Sohn". Er war der Sohn der Madron oder Mordon (Erdmutter).
Mabon tritt in der ersten Hälfte des Jahres hell und strahlend auf, und in der zweiten Hälfte des
Jahres siecht er dahin, bis er zu Mabonad stirbt.

Mabon, der Sohn des Lichts, verschwand der Legende nach, als er nur drei Nächte alt war. Seine
Mutter, die Erde, befand sich in bittersüßem Leiden. Obwohl niemand wußte, wohin Mabon
verschwunden war, wurde er schließlich von den am Längsten auf der Erde lebenden Tieren, der
Amsel, dem Hirsch, der Eule, dem Adler und dem Lachs, befreit.

Sie fanden Mabon in der Anderswelt, beziehungsweise der Bauchhöhle der Mutter Erde. Dies ist
ein verzauberter Ort, aber auch ein Ort der Herausforderungen. Und nur an solch einem Ort konnte
der Sohn der Erde wiedergeboren werden und zwar als der Sohn des Lichts. Das Licht des Mabon
wurde so auf die Erde gebracht. Die germanische Entsprechung des Mabon ist der Gott Feyr.

Diese Legende Mabons ähnelt der vom griechischen Dionysos, der in die Unterwelt hinabsteigt
und wiedergeboren wird. Auch die Mysterien des Dionysos, die Eleusinischen Mysterien der
Antike wurden im Herbst gefeiert.

Das keltische Alban Elued (gesprochen: Alwan Elu-id) bedeutet "Licht des Wassers".

Zeitpunkt:
Mabonad findet stets zur Herbsttagundnachtgleiche am 23. September statt. Weil es ein Sonnenfest
ist, hat dieser Feiertag ein festes Datum. Die Sonne durchquert an diesem Tage auf 0° die Ekliptik,
und deshalb herrschen auf beiden Erdhalbkugeln genau gleiche Lichtverhältnisse.

Jahresrad:
Mit dem Herbstfest, nach dem Hauptteil der Ernte, beginnt die dunkle und stille Zeit des Jahres, in
der die Nächte länger als die Tage sind. Es ist das abnehmende Äquinoktium, das den Herbstanfang
bezeichnet, und der Tag der Ausgeglichenheit zwischen Licht und Dunkelheit. Wieder ist
Tagundnachtgleiche, sind die Kräfte des Lichtes und der Dunkelheit im Gleichgewicht wie zu
Ostara, doch diesmal ist es die Dunkelheit, welche zunimmt und somit das Licht immer weiter
verdrängt. Mabonad ist das Gegenstück zu Ostara, da beide zur Tagundnachtgleiche stattfinden.
Das Äquinoktium stellt den Ausgleich zwischen Höchst- und Tiefststand der Sonne im
Jahreskreislauf dar.

Natur:
Während das Frühjahrsäquinoktium Ostara das Licht ankündigt, so kündigt das Herbstäquinoktium
die dunkle Jahreszeit an. Noch halten sich Tag und Nacht heute die Waage, doch man spürt
deutlich, wie nun graue Nebel über das Land zu kriechen beginnen, Dunst liegt über den Seen und
breitet sich manchmal schon wie eine feine Decke über die Felder aus. Das Licht bereitet sich aufs
Sterben vor, und die Natur hat damit begonnen, sich zurückzuziehen. Die Natur verliert langsam
aber sicher ihre Fülle, doch sie verabschiedet sich mit einem wahren Kunstwerk an Farben,
welches nun Tag für Tag besser sichtbar wird. Die Nächte werden von nun an wieder länger, und
man nimmt Abschied von der Wärme des Sommers. Eine deutliche Kühle kündigt den Herbst an.
Eine neue Orientierung der Natur beginnt, die Vögel ziehen nach Süden, die ersten Blätter fallen,
die Luft wird stürmischer. Die letzten Früchte, Pilze und Nüsse werden geerntet.

Heiden:
Zu Mabonad besteht gerade noch ein Gleichgewicht zwischen dem Licht und der Dunkelheit, aber
ab jetzt werden die Nächte wieder länger als die Tage, und es zeichnet sich deutlich ab, daß die
Sonne den Kampf verlieren wird. Der sterbende Sonnengott gibt seine letzte Kraft der Erde und
bereitet sich darauf vor, in den Schoß der Erde zurückzukehren. Damit stärkt er die letzten Ernten
und seinen in der Göttin heranwachsenden Sohn, in dem er nach seinem zu Samhain stattfindenden
Tod und seiner Erneuerung zum Julfest wiedergeboren werden wird. Die Sonne wird schwächer,
doch die Göttin spürt noch das Feuer, die Gegenwart des Gottes, auch wenn seine Kraft schwindet
und er langsam verblaßt. Die deutlich sichtbar schwangere Göttin ist noch immer die fruchtbare
Frau in Rot.

Das Fest steht am Ende der Erntezeit und verkündet auf seine Art das Eintreten der Ruhezeit des
Winters. Es ist das zweite Mal, daß Tag und Nacht sich in einem Gleichgewicht befinden. An
diesem Fest steht der Dank für die reichen Gaben der Erde im Mittelpunkt, denn sie ermöglicht,
daß die Menschen den Winter und die Ruhe der Natur erleben dürfen und nicht zu darben
brauchen.

Der Altar wird mit allem geschmückt, was die Natur in ihrer herbstlichen Pracht bietet, das erste
bunte Laub, Zapfen von den Nadelbäumen des Waldes, Früchte und Gemüse aus zweiter Ernte,
kleine Korngarben, Getreideähren usw., in hübschen kleinen Körben arrangiert oder einfach
zwischen den Gerätschaften verteilt. Ein traditionelles Ritual an diesem Tag ist der Dank an die
Götter mittels eines kleinen Feuer-Speisenopfers und die Segnung des Erntekorbes. Man begibt
sich in Wald und Feld und sammelt Samen und Blüten zum Trocknen. Diese werden dann zur
Dekoration oder für Rituale verwendet.

Germanen:
Bei den alten Germanen wurde um diese Zeit das große Herbstthing abgehalten. Sie dankten in
erster Linie dem Donnergott Thor für die glückliche Einbringung der Ernte. Ihm zu Ehren klopft
man auch heute noch dreimal auf Holz, wenn man jemandem Glück wünscht. Holz und die Zahl
drei entsprechen dem Donnergott, und bei den Germanen wurde dieses Fest drei Tage lang gefeiert.

Den Göttern wurde dabei für die Ernte gedankt. Der tödlich verwundete Lichtgott Balder sinkt in
die Unterwelt Hel (die Tage werden kürzer). Als Opfer wurde der letzte Apfel am Baum hängen
gelassen, die letzte Wolle zwischen den Ohren beim Schaf nicht geschoren. Außerdem wird ein
Eber geopfert und Wodelsbier gebraut. Odins Wölfen Geri (der Gierige) und Freki (der Gefräßige)
wurden Milch und Brot geopfert.

Aus den letzten Korngarben auf dem Feld wurde ein Kranz geflochten oder man ließ vielerorts die
letzte Garbe Korn auch stehen, ein für das weiße Pferd des Odin, Wotan oder "wilden Jägers",
dargebrachtes Ernteopfer, damit die Wachstumskraft von Odin/Wotan (Sonne) und Frigg (Erde)
nicht ausgebeutet wurde und im nächsten Jahr die Kraft im Frühling wiedererweckt werden konnte.
Die Ernte war schließlich das Ergebnis der Zeugung der Götter. Sleipnir hat acht Beine und diese
sind die acht Feste des Jahreslaufes die es durchreitet, gemeinsam mit den Menschen (moderne
Interpretation!).

Der Herbstreigen war ein Symbol des Sippenzusammenhalts, des gegenseitigen Betreuens,
gleichsam als Einschwörung auf die drohende schwere Winterszeit. Die Sonne steigt nun in die
"Unterwelt" hinab, nach Utgard zu den Reifriesen und Drachen, deren Gewalt sie sich bis zur
Wintersonnenwende nicht mehr entziehen kann. Als mahnendes Wintervorzeichen läßt sich auch
der bekannte Brauch des herbstlichen Drachensteigens interpretieren und darf darum
wahrscheinlich durchaus als eigenständiges Brauchtum gewertet werden, das also nicht etwa von
ähnlichen chinesischen oder japanischen Bräuchen herrührt.

Sinnbildlich steht die Herbst-Tagundnachtgleiche in der germanischen Mythologie für den


Übergang zwischen dem Erwachsensein und dem Alter. Zu dieser Zeit blickt der Mensch zurück
auf sein Leben und dankt den Göttern für die Früchte seines Lebens, für die Gesundheit, für seine
Kinder und vielleicht schon Enkelkinder, die Inkarnationen der eigenen Fruchtbarkeit sind, und für
den Wohlstand, den er sich mit seiner Hände Arbeit geschaffen hat. Bei Frau und Mann macht sich
nun die sogenannte "Midlifecrisis" bemerkbar in der die Sexualität nochmals aufblüht.
Stellvertretend für diese späte Blüte stehen Thor und Freyja, die zu diesem Feste angerufen werden.

Kelten:
Das Herbst-Äquinoktium ist für die Kelten nicht nur ein Moment kosmischer Balance, sondern
auch ein Moment der Veränderung. Die Kelten schmückten zu Alban Elued ihre Türen und Fenster
mit Kränzen aus Herbstblumen und Weintrauben.

Ein keltischer Brauch gebot, die letzte Garbe nicht zu schneiden, sondern die Halme oben
zusammenzubinden und mit Feldblumen zu schmücken, etwa der Baldurblume und anderen
Verwandten der Edelkamille, die für die Kelten ein Sinnbild für den weißen Lichtgottes Lugh
waren. Man glaubte, daß sich die Kraft eines Feldes während des Abmähens in die noch stehenden
Ähren zurückzieht. Mädchen und Schwangere wurden über die geschmückten Ähren gehoben, zur
gegenseitigen Segnung von Erd- und Menschenfrucht. Oder man holte die letzte Garbe, feierlich
mit Bändern und Blüten geschmückt, auf dem Erntewagen ein.

Diese Zeit war auch dem gehörnten Gott Cernunnos, dem Herrn des Waldes, geweiht und markierte
den Übergang vom Herbst zum Winter. Aus diesem Grund war auch der Hirsch das heilige Tier von
Alban Elued, denn er kann auch während der mageren Wintermonate im Wald überleben.

Christen:
Aus Mabonad wurde später ein ausschließliches Erntedankfest, welches von der Kirche
übernommen wurde und am 29. September oder am ersten Sonntag im Oktober stattfindet. Aus
dem Herbstreigen wurde die etwas spießbürgerlich gefeierte Kirchweih oder Kirchmeß, aus der
schließlich in Form der dörflichen Kirmes das alte Brauchtum weitgehend verschwunden ist.

Als weiteren Ersatz schuf die Kirche am 29. September das Fest für den Erzengel Michael, dessen
Fest auch der Michelsding genannt wird. Der Erzengel Michael wird mit Schild und Schwert
dargestellt und da fällt sofort auf, daß der "Erzengel" eigentlich Odin beziehungsweise Wotan ist,
ein Hinweis auf germanische Bräuche (s.o.). Es sei noch bemerkt, daß es auch den heiligen Oswald
gibt, der in kirchlichen Bildern auf einem Königsstuhl sitzt, mit zwei Raben, die umherfliegen, und
er selbst ein blindes Auge hat und einen Stab (Speer) in der Hand hält - ein Bild des Odin.

historisch:
Die Eleusinischen Riten waren das berühmteste Göttinnenfest im antiken Europa. Nach den
Mysterien stieg die Göttin in die Unterwelt hinab, die Welt der Dunkelheit, wo sie sich um die toten
Seelen kümmerte. Dieses Hinabgehen in die Unterwelt, dem Tod zum Trotz, wurde durch die
zahlreichen Rituale und Prozessionen der Eleusinischen Mysterien gefeiert. Von überall her kamen
die Menschen, um daran teilzunehmen, denn man glaubte, dadurch Glück und Weisheit zu
gewinnen und durch die Göttin geheiligt zu werden.

Von der Tagundnachtgleiche am 23. September bis zum Ende des Monats September wurde jeden
Tag ein anderes Ritual begangen und etwas anderes zum Gegenstand gemacht. Das Fest begann mit
Prozessionen von Athen nach Eleusis. Die Teilnehmer legten heiliges Gerät zu Füßen der Göttin
Demeter ab und badeten anschließend im Meer, legten neues Leinzeug an und gossen Trankopfer
auf die Erde. Die Frauen und einige Männer versammelten sich zum Fackelzug, wenn sich die
Prozessionen aufs neue formierten und durch die Tempel und Stadt zogen, um Persephone,
beziehungsweise Kore zu suchen.

Bei diesen Feiern trugen die älteren Frauen Körbe mit der Habe der Göttin: einem Kamm, Symbol
der Aphrodite, einem Spiegel, einer Schlangengestalt oder einer lebendigen Schlange (für die
Wiedergeburt), Weizen und Gerste. Die Frauen fuhren in Ochsenkarren und riefen einander
Ungehörigkeiten zu.

Der 24. September, der zweite Tag, war der Tag der großen Reinigung, und man nahm ein rituelles
Bad im Meer. Die Initiierten wuschen damit alle Unwissenheit fort und wurden rein.

Am 25. September baute man einen Altar um einen Baum, dort verbrannte man Weihrauch und goß
Trankopfer auf die Erde (als Symbol der Ehrfurcht vor der Erde).

Am 26. September fand eine große Prozession zur Feier der Erdgöttin Demeter statt. Begeistert
riefen die Menschen dem Standbild der Göttin, das auf einem Wagen mitgeführt wurde, zu: "Heil
Demeter!" Alle waren festlich gekleidet und verbrachten den Tag in fröhlicher Ausgelassenheit.

Am 27. September veranstaltete man tagsüber und nachts große Fackelzüge. Das kennzeichnete
den Beginn der eigentlichen Mysterien.

Am 28. September wurde die Heilige Nacht gefeiert. Bei diesem Ereignis reihte man sich hinter
zwei verschleierten älteren Trauerfrauen auf, welche die Göttinnen darstellten. Auf der Brücke vor
der Stadt traf man eine dritte Göttin, Baubo, die alte Närrin. Diese versuchte, die beiden anderen
zum Lachen zu bringen und sie aus ihrer Traurigkeit zu reißen. Damals trank man dazu Kykeon,
ein halluzinogenes Getränk, das die Frauen mitgebracht hatten. Baubo hob ihre Röcke und zeigte
ihr Geschlecht, um Demeter zum Lachen zu bringen. Das hatte Erfolg, und nun ruhten die
Göttinnen aus. Alle Festteilnehmer wurden zu einem erfrischenden Umtrunk eingeladen.

Es gab noch eine zweite Brücke über den salzigen Rheitoi, und hier mußten sich die Mystai (die
Geläuterten) mit einer Parole identifizieren, um Zugang zum heiligen Ort Epoteia zu erlangen.
Dann bewegte sich die Menschenmenge zu dem Platz, auf dem man ein großes Feuer
aufgeschichtet hatte. Die Oberpriesterin rief Kore an, und ihre tatsächliche Gegenwart wurde
spürbar. Mit dunklen Farben bemalt, saß sie als "Königin der Unterwelt" im Tempel auf dem
Thron. Die Mystai verbeugten sich zu ihren Füßen. Ihr Abbild war die Vision der weiblichen
Quelle allen Lebens.

Das Korn, die Eucharistie der Göttin, wurde stumm geerntet. Gerste und Weizen ähneln im
Aussehen stark den weiblichen Genitalien, und ihre Zurschaustellung beschwor die Verehrung der
Weiblichkeit herauf. Die Teilnehmer gewannen ein tieferes Verständnis der Natur. Sie wurden
"regeneriert" und erhielten Demeters lebensspendende Kräfte, so wurden auch ihr Selbstgefühl und
ihre Selbstachtung gestärkt, ebenso ihre Verantwortung für die Welt und alles, was damit zu tun
hat, sowie die Verbundenheit mit der Göttlichkeit des Lebens.

Beim Anblick Kores stellte man sich der Tatsache des Todes. Das göttliche Mädchen hatte sich in
eine alte Frau und wieder zurück in die junge Königin der Unterwelt verwandelt. Die Anwesenheit
der Göttin gab den Menschen die Gelegenheit, ihren eigenen Tod als Teil des Lebens zu
akzeptieren und die Angst vor dem Leben danach aufzugeben.

Am siebten Tag der Mysterien (29. September) wurden Spiele, Wettrennen und andere sportliche
Wettkämpfe veranstaltet. Die Sieger wurden mit Lorbeer gekrönt und erhielten Korngaben.

Am achten und letzten Tag (30. September) wurden wieder Initiationen vollzogen, diesmal in den
tiefen Höhlen des heiligen Tempels. Ein dortiges Fresko zeigt eine Szene mit drei Frauen: Eine ist
in dunkle Farben gekleidet, eine ist nackt, und die dritte bekommt gerade das Haar abgeschnitten.
Das Schneiden der Haare galt oft als Symbol für spirituelle Wiedergeburt.

Früher wurden in Westfalen und Holland am 16. und 17. September schon die ersten von mehreren
Laternenfesten im Hinblick auf die kommende, dunkle Jahreszeit gefeiert.

Brauchtum:
Auch wenn die Felder jetzt leer und tot erscheinen, so ist doch die Ernte eingebracht. Die
Freigiebigkeit der Natur ist auf ihrem Höhepunkt angekommen, und sie hat die Menschen reich
beschenkt. Der junge Wein gärt, und die Speicher sind voll. Man dankt an diesem Tag für die Ernte
auf den Feldern und für alles Gute, was man in diesem Jahr erlebt hat. Deshalb ist dies ein Grund,
zu feiern und zu tanzen. Nach Beendigung der Erntearbeiten entzündete man Erntefeuer, die unter
Lärmen umtanzt und übersprungen worden.

Das Herbst-Äquinoktium ist als Erntedank auch ein Opferfest. Mit dem Erntedank verband sich
früher auch die Ehrerbietung an die Ahnen und die Besänftigung der dämonischen Kräfte. Die
besten Früchte der Ernte wurden den Göttern, den Ahnen oder der Natur geopfert. Damit verliehen
sie der Bitte Ausdruck, daß das nächste Jahr ebenfalls wieder fruchtbar werden möge.

Es gibt auch noch den Brauch, sich nach der Ernte auf dem Stoppelfeld zu wälzen, um die
Wachstums-Energie des "Korndämons" loszuwerden, da man sonst Kreuzschmerzen bekommen
würde. Wälzen galt als ein altes Mittel gegen Kreuzschmerzen, aber das Loswerden von Energien
durch Erdkontakt ähnelt doch sehr dem "Erden" des Magiers.

Das Fest wurde mit Herbstfrüchten, Herbstblumen und Getreide gefeiert. Man dankte den Göttern,
daß sie den Menschen genug Nahrung für den Winter gegeben hatten, verabschiedete den Sommer
und bereitete sich auf die unfruchtbare, dunklere Zeit vor.

Ein wichtiges, auf der ganzen Welt verbreitetes Symbol der nahrungsspendenden Gottheit (Erde) ist
die Kornmutter. In Indien ist es die Reismutter, in Amerika die Maismutter, die Roggenmuhme im
alten Mitteleuropa und das Weizenbüschel in den eleusinischen Demetermysterien. Oft wird sie als
Puppe aus den letzten Garben hergestellt, aufbewahrt und verehrt.

So wurde die letzte Garbe oft stehengelassen oder zu einer menschlichen Figur
zusammengebunden. Sie galt als Ernteopfer für die Tiere und ihre Fruchtbarkeit sollte auf die Saat
des nächsten Jahres übergehen. In ihr konzentrierte sich der Geist des Kornes, wenn alles andere
schon gemäht war, daher galt die letzte Garbe als heilig, ihre Vernichtung (profanes Aufessen) als
gefährlich.

Die Persönlichkeiten der Korngeister waren mal freundlich (Kornmutter), mal boshaft
(Korndämonen), von Landschaft zu Landschaft verschieden. Vermutlich wurden sie als ambivalent
angesehen, je nachdem wie günstig die Ernte ausfiel.

In Schweden und Dänemark wird aus dem Korn der letzten Garbe wird im Winter der Juleber
gebacken. Das ist ein Brot in Schweinsform, das die ganze Julzeit über auf dem Tisch steht und
dann im Frühling von dem Pflüger und seinem Vieh gegessen wird. Nirgendwo wird der
Zusammenhang des Korngeistes und der höchsten Gottheiten so deutlich wie hier. Der Eber war zu
germanischer Zeit sowohl Frey (der goldene Eber Gullinborsti) als auch der Freyja (der Eber
Hildiswin) heilig. So wachten diese beiden Fruchtbarkeitsgötter, deren Namen einfach "Herr" und
"Herrin" bedeuten, über den ewigen Kreislauf von Saat, Wachstum und Ernte, Frey als goldener
Sonnengott, Freyja als Mutter und Schutzgöttin der Ernte.

Es gibt auch noch zahlreiche andere überlieferte Bräuche, zum Beispiel das Befestigen eines
Hufeisens am Erntekranz anstelle des Pferdeopfers. Das Hufeisen wurde nicht, wie fälschlich von
der Kirche festgelegt, wie ein Eimer mit der Öffnung nach oben aufgehängt, um das Glück, im
materialistischen Sinne, zu fangen, sondern wie die Rune Uruz mit der Öffnung nach unten
gehängt, wo es für Wohlstand und Vieh steht und so das alte Glückssymbol ist.

Die Schnitter schlugen mit den Sensen gegen den Schleifstein und riefen neunmal "Waut" (Wotan)
oder nach altem Brauch dreimal "Tyr", auch "Tiu" oder "Ziu", wovon sich auch das heute noch
gebräuchliche "Toi, Toi, Toi" ableitet.

Als Erntefest wird Mabonad je nach Gebiet und Anbauart unterschiedlich benannt, zum Beispiel
Haferfest in Schlesien, Winzerfest im Rheinland und Hopfenfest in Bayern. Daher gibt es oft auch
verschiedene Traditionen, doch tragen sie alle gemeinsam den Gedanken des Erntedankes.

spirituell:
Während die Frühlingstagundnachtgleiche sich mit der bevorstehenden irdischen Fruchtbarkeit
beschäftigt, weist die Herbsttagundnachtgleiche auf die bevorstehende, geistige Fruchtbarkeit hin.
In der hellen und warmen Jahreszeit wurden Felder und Gärten gepflegt, aber nach dem Einbringen
der Ernte hielt man sich oft im Haus auf, beschäftigte sich mit Handwerk und hatte dabei genügend
Zeit, das bis dahin Erlebte zu überdenken und Revue passieren zu lassen. Gelegentlich stellten sich
auf diese Art, im Gespräch mit anderen, neue Erkenntnisse ein. Die oft körperliche Schwerstarbeit
des Sommers fand im Spätherbst und Winter ihren Ausgleich in körperlicher Ruhe.

Als Wendepunkt des Jahres beginnt nun die Ruhezeit. Es ist Zeit, einmal durchzuatmen und sich
eine kleine Pause zu gönnen, bevor die letzten Arbeiten dieses Jahres anstehen und zu einem
hoffentlich guten Ende geführt werden.

Die Sonne beginnt nun langsam zu sterben, und die Tage werden kürzer. Auch viele Menschen
werden sterben. Doch der Gedanke an den Tod ist nicht mit Schrecken behaftet, denn der Tod
gehört genauso zum Leben wie die Geburt.
magisch:
Nun beginnt eine ruhigere Phase, man hat Gelegenheit, sich wieder zu sammeln und neue Kräfte
aufzutanken - bald beginnt ein neuer Zyklus des Wachsens, Reifens und Vergehens in dem man die
aufgespeicherte Energie gut gebrauchen kann. Es ist auch die Zeit, zeremoniell-magische
Utensilien und Werkzeuge zu reinigen und mit neuer Kraft aufzuladen.

Weil die meisten Menschen heute keine Bauern mehr sind und nicht aktiv an der Getreideernte
teilnehmen, wird in den Opferritualen die Getreideernte symbolisch nachvollzogen. Für das rituelle
Mahl oder das Opfer eignen sich frisch gebackenes Brot, Getreide, Fisch, Geflügel, Wild, Pilze,
Wurzelgemüse, Kartoffeln, Maisbrot, Äpfel, Brombeeren, Johannisbeeren, Weißwein, Apfelwein
und Traubensaft besonders gut.

1.6. Die Berechnung der Mondfeste


Der Mondkalender, der für die Berechnung der Mondfeste relevant ist, stellt sich durch seine
Unüblichkeit und andersartigen Gesetzmäßigkeiten für viele Menschen als äußerst kompliziert dar.
Vielfach hat sich für die Mondfeste einfach eine Datumsfixierung eingebürgert, die Samhain auf
den 31. Oktober, Imbolc auf den 1. Februar, Beltane auf den 30. April und Lughnasad auf den 31.
Juli festlegt.

Diese Bequemlichkeit ist jedoch mit der Gefahr verbunden, ehemalige Vollmondfeste nahe oder
direkt an Neumondtagen zu feiern oder Samhain nahe oder am Vollmond und somit dem
eigentlichen Sinn eines Mondfestes nicht mehr gerecht zu werden. Ausgeführte Rituale erhalten
dann nicht ihre angestrebte lunare Kraft.

Vereinfacht kann man natürlich bei den Mondfesten denjenigen Voll- oder Neumond wählen,
welcher dem Soll-Datum am nächsten gelegen ist. Dies wird von sehr vielen Heiden (und
manchmal auch mir) so praktiziert und sorgt dafür, daß die Abstände zwischen den Sonnen- und
Mondfesten einigermaßen gleichmäßig bleiben.

Allerdings feiert man dann häufig am falschen Datum, denn traditionell werden die Mondfeste nur
an bestimmten Voll- beziehungsweise Neumonden eines Jahres gefeiert. Andererseits sind die
Mondphasen und die lunaren Kräfte auch bei einem anderen Vollmond oder Neumond eigentlich
genauso stimmig, so daß diese Abweichung von der Tradition von den meisten Heiden
hingenommen wird. Die meisten wissen es sogar nicht einmal.

Imbolc wird am 2. Vollmond gefeiert, nach der Faustregel um den 1. Februar. Beltane findet am 5.
Vollmond statt, so um den 30. April. Lughnasad ist am 8. Vollmond, demnach um den 31. Juli.
Samhain ist am 11. Neumond, also am Neumond vor dem 11. Vollmond, so um den 31. Oktober.

Man kann aber nun zur Berechnung der richtigen Mondfeste nicht einfach einen heute üblichen
gregorianischen Jahreskalender nehmen und die Vollmonde abzählen. Das heidnische Mondjahr
beginnt nämlich nicht am 1. Januar und auch leider nicht an einem festen Datum, und somit kann
auch noch ein Vollmond aus dem alten Mondjahr in den frühen Januar fallen - muß aber nicht.
Zur Ermittlung des ersten Neumondes des Mondjahres setzt man die Wintersonnenwende (Jul) am
21. Dezember als gedanklichen Fixpunkt fest. Weil ein Mondmonat immer mit dem Neumond
beginnt, wird der Neumond am oder nach dem 21. Dezember als der erste Neumond gezählt und
der darauf folgende Vollmond als der erste Vollmond (auch wenn es zwischen Jul und dem ersten
Neumond schon einen Vollmond gab - dieser gehört dann noch zum vergangenen Mondmonat
beziehungsweise -jahr).
Deshalb ist es durchaus wahrscheinlich, daß der erste Neumond noch im Dezember liegt, er kann
aber auch schon in den Januar fallen. Der erste Vollmond dagegen muß ca. zwei Wochen später
zwangsläufig immer im Januar liegen (mit dem Tag danach beginnt erst das eigentliche Mondjahr,
welches dadurch zu den bei Neumond beginnenden Mondmonaten um zwei Wochen nach vorn
verschoben ist, aber dies nur am Rande).

Nun kann man die Neu- und Vollmonde durchzählen. Der letzte Neumond ist immer derjenige vor
der Wintersonnenwende, und der letzte Vollmond ist immer der dem letzten Neumond folgende,
und der kann unter Umständen auch erst Anfang Januar sein. Das Sonnenjahr hat allerdings eine
unterschiedliche Anzahl von Neumonden (12 oder 13) und damit auch eine unterschiedliche
Anzahl an Mondmonaten. Als ungefähre Faustregel kann man sagen, daß ungefähr nach zwei
Jahren mit 12 Mondmonaten eines mit 13 Mondmonaten folgt.

Man sieht jetzt auch, warum in manchen Jahren ein normaler Jahreskalender bezüglich der
Vollmonde irreführend wäre. Wenn nämlich der letzte Neumond des alten Jahres kurz vor der
Sonnenwende liegt, im ungünstigsten Fall am 20. Dezember, so wäre der darauffolgende Vollmond
erst am 3. oder 4. Januar, und gehört trotzdem noch zum alten Jahr. Sicherer ist es also, die
Neumonde nach Jul als Grundlage zu nehmen, sonst "verrutscht" man evtl. gewaltig im Datum und
feiert in der falschen Jahreszeit.

Aber je nach Lage des ersten Neumondes kann dieses Datum auch erheblich variieren, und alle
folgenden Mondphasen mit ihr. Angenommen, der erste Neumond fiele auf den frühestmöglichen
Zeitpunkt, nämlich Jul selbst, also auf den 21. Dezember (in einigen Jahren ist die
Wintersonnenwende auch erst am 22. Dezember), dann würden alle Feste schon früh stattfinden.
Wäre der letzte Neumond dagegen auf dem Tag vor Jul, so fiele der erste auf den spätestmöglichen
Zeitpunkt, den 18. Januar (19. Januar bei einer Wintersonnenwende am 22. Dezember). Dies hätte
eine enorme Verspätung der Mondfeste zur Folge. Die folgende Tabelle soll diese Diskrepanzen
aufzeigen.

Mond Solldatum: frühestmöglich: durchschnittlich: spätestmöglich:


1. Neumond - 21.12. 04.01. 19.01.
Imbolc (2. Vollmond) 01.02. 03.02. 17.02. 04.03.
Beltane (5. Vollmond) 30.04. 02.05. 16.05. 31.05.
Lughnasad (8. Vollmond) 31.07. 30.07. 13.08. 28.08.
Samhain (11. Neumond) 31.10. 12.10. 25.10. 10.11.

Der spätestmögliche Zeitpunkt berücksichtigt dabei, daß die Wintersonnenwende auch auf einen
22. Dezember fallen kann. Nicht berücksichtigt wird jedoch ein etwaiges Schaltjahr, in welchem
noch eine weitere Verschiebung um einen Tag möglich ist, so hat zum Beispiel die Kombination
von Wintersonnenwende am 22. Dezember und ein darauffolgendes Schaltjahr Auswirkungen auf
2008 und 2012.

Anhand dieser Daten fällt auf, daß die Abweichungen vom "Solldatum", also dem traditionell
angenommenen Datum genau zwischen den Sonnenfesten, erheblich sind. So liegen zum Beispiel
Imbolc und Beltane teilweise weit hinter dem Solldatum, selbst zum frühestmöglichen ersten
Neumond finden diese Feste später statt. Ähnlich ergeht es Lughnasad, das auch meist weit hinter
dem Solldatum liegt und nur bei sehr frühem ersten Neumond "pünktlich" stattfindet. Samhain liegt
dagegen fast schon ein wenig zu früh, kann aber einigermaßen eingehalten werden.

Stimmt diese Art der Berechnung laut Überlieferung also nicht? Doch, sie stimmt - was dagegen
nicht stimmt sind die Solldaten. Diese sind bloß Näherungswerte, welche man später mit
Einführung des gregorianischen Kalenders eingerichtet hat. Der Mensch früherer Jahrhunderte
hatte noch keinen solchen Kalender, geschweige denn überhaupt einen eigenen Kalender. Er
richtete sich nach dem Mond und der Sonne und folgte den beschriebenen Regeln. So fanden die
Mondfeste tatsächlich an diesen "abweichenden" Zeitpunkten statt, die eigentlich gar nicht
abweichend sind, denn abweichend sind im Grunde genommen ja die erst viel später eingerichteten
Fixdaten.

Als Beispiel seien die traditionell korrekten Daten der Mondfeste zwischen den Jahren 2002 und
2020 aufgeführt. Hierbei wird jeweils das Datum genannt, in dessen folgender Nacht der
entsprechende Mondstand erreicht wird; findet dieser Mondstand also noch vor 12 Uhr eines Tages
statt, so wird der Vortag als Festabend genannt. Es liegt nämlich näher, ein Mondfest am Abend
derselben Nacht des Mondstandes zu feiern, also zeitlich näher am lunaren Ereignis. Wird der
Mondstand erst ab 12 Uhr erreicht, so ist das Festdatum auch der Abend dieses Tages. Auf der
Mondseite ist jeweils der tatsächliche Zeitpunkt des Mondstandes zu sehen.

Mond 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010
1.Neumond 13.01.02 03.01.03 23.12.03 10.01.05 30.12.05 18.01.07 08.01.08 27.12.08 15.01.10
Imbolc
(2.Vollmon 27.02.02 16.02.03 05.02.04 23.02.05 13.02.06 03.03.07 20.02.08 09.02.09 28.02.10
d)
Beltane
(5.Vollmon 26.05.02 15.05.03 04.05.04 23.05.05 12.05.06 31.05.07 19.05.08 08.05.09 27.05.10
d)
Lughnasad
(8.Vollmon 23.08.02 12.08.03 31.07.04 19.08.05 09.08.06 28.08.07 16.08.08 05.08.09 24.08.10
d)
Samhain
(11.Neumo 04.11.02 25.10.03 13.10.04 01.11.05 22.10.06 09.11.07 28.10.08 17.10.09 05.11.10
nd)

Mond 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020
1.Neumond 04.01.11 24.12.11 11.01.13 01.01.14 22.12.14 10.01.16 29.12.16 17.01.18 06.01.19 26.12.19
Imbolc
(2.Vollmon 17.02.11 07.02.12 25.02.13 14.02.14 03.02.15 22.02.16 10.02.17 01.03.18 19.02.19 08.02.20
d)
Beltane
(5.Vollmon 17.05.11 05.05.12 24.05.13 14.05.14 03.05.15 21.05.16 10.05.17 29.05.18 18.05.19 06.05.20
d)
Lughnasad
(8.Vollmon 13.08.11 01.08.12 20.08.13 10.08.14 30.07.15 17.08.16 07.08.17 26.08.18 15.08.19 03.08.20
d)
Samhain
(11.Neumo 26.10.11 15.10.12 03.11.13 23.10.14 12.10.15 30.10.16 19.10.17 07.11.18 27.10.19 16.10.20
nd)

Auch hier sind die Abweichungen von den Fixterminen zum Teil erheblich. Deshalb wird hier für
jene, die lieber in der Nähe des Fixdatums feiern möchten, noch eine Übersicht aufgeführt, bei
welcher die zu weit entlegenen Termine (um mehr als 15 Tage abweichend) durch genäherte
Termine gleicher Mondphasen ersetzt wurden (hier unterstrichen).

Mond 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010
Imbolc
(2.Vollmon 28.01.02 16.02.03 05.02.04 25.01.05 13.02.06 02.02.07 22.01.08 09.02.09 30.01.10
d)
Beltane
(5.Vollmon 27.04.02 15.05.03 04.05.04 23.04.05 12.05.06 02.05.07 20.04.08 08.05.09 28.04.10
d)
Lughnasad
(8.Vollmon 24.07.02 12.08.03 31.07.04 21.07.05 09.08.06 29.07.07 16.08.08 05.08.09 26.07.10
d)
Samhain
(11.Neumo 04.11.02 25.10.03 12.11.04 01.11.05 22.10.06 09.11.07 28.10.08 17.10.09 05.11.10
nd)

Mond 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020
Imbolc
(2.Vollmon 18.01.11 07.02.12 26.01.13 14.02.14 03.02.15 24.01.16 10.02.17 31.01.18 20.01.19 08.02.20
d)
Beltane
(5.Vollmon 17.04.11 06.04.12 24.04.13 14.05.14 03.05.15 22.04.16 10.05.17 30.04.18 19.04.19 06.05.20
d)
Lughnasad
(8.Vollmon 13.08.11 01.08.12 21.07.13 10.08.14 30.07.15 19.07.16 07.08.17 27.07.18 16.07.19 03.08.20
d)
Samhain
(11.Neumo 26.10.11 13.11.12 03.11.13 23.10.14 11.11.15 31.10.16 20.10.17 07.11.18 27.10.19 16.10.20
nd)

Die durch Überlieferung festgelegten Termine der Mondfeste variieren allerdings etwas, hinzu
kommt noch, daß sich bei der Umstellung des Julianischen auf den Gregorianischen Kalender ein
Fehler von ca. vierzehn Tagen eingeschlichen hat, der eine heutige genaue Festlegung des Termins
nahezu unmöglich macht.

Das ist aber nicht tragisch, denn die Termine orientieren sich nicht nur am Mondlauf, sondern
natürlich auch an den klimatischen und regionalen Gegebenheiten, denn schließlich sind sie Feste
des Vegetationszyklus. Durch sie wurden Saat, Viehaustrieb, Erntebeginn und -ende und
Viehabtrieb geregelt.

Deshalb wäre es sinnlos, diese Feste an einem festen Termin zu feiern, bei dem die jahreszeitliche
Witterung solche lebenswichtigen landwirtschaftlichen Tätigkeiten nicht zuläßt oder unnötig
macht. Daher müssen diese Feste ohnehin regional leichte Unterschiede aufweisen. Wenn man
solche Feste in irgendeiner Form feiern oder beachten möchte, richtet man sich am besten nach
dem eigenen Gefühl für den richtigen Zeitpunkt des Voll- oder Neumondes.
Eine von zahlreichen Belegstellen für die vier keltischen Mond- beziehungsweise Feuerfeste
Imbolc, Beltane, Lughnasad und Samhain ist die frühmittelalterliche irische Sage "Tochmarc
Emire" (The Wooing of Emer), welche im Ulster Zyklus enthalten ist. Sie wurde in der erhaltenen
Form im 10. bis 11. Jahrhundert verfaßt, es ist aber davon auszugehen, daß diese Sage wie so viele
andere einen älteren Kern enthält.

Die Geschichte erzählt, wie der Held Cú Chulainn um Emer wirbt. Eine der Prüfungen, die sie ihm
aufgibt, ist, daß er für ein Jahr schlaflos bleiben soll, und in der Formulierung ihrer
Herausforderung benennt Emer die vier Hauptpunkte im keltisch-irischen Jahreskreis, wie sie auch
in anderen irischen Quellen aufscheinen. Sie benennt nicht die vier Sonnenfeste, auch keine
christlichen Feste, sondern wählt die Höhepunkte der Jahreszeiten, eben die Mondfeste.

1.7. Die Zeitpunkte der Sonnenfeste


Die vier Sonnenfeste finden jeweils an den beiden Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen statt.
Diese Zeitpunkte im Jahr sind relativ konstant, sie schwanken von Jahr zu Jahr in einem Rahmen
von etwa drei Tagen.
Diese Schwankung liegt in unserem Kalendersystem begründet. Durch die Schalttage alle vier
Jahre (außer zu vollen Jahrhunderten) kann die tatsächliche Jahreslänge von 365,2425 Tagen nur
annähernd wiedergegeben werden. Ohne die Gregorianische Kalenderreform würde sich das
Datum der Sonnenfeste pro Jahrtausend sogar um 7 bis 8 Tage verschieben.
Weil diese Schwankung in unserem Kalender aber mal hin und mal her geht, fällt sie nicht weiter
ins Gewicht. Der genaue Zeitpunkt eines Sonnenfestes ist für das subjektive bloße Auge ohnehin
nicht wahrnehmbar, im Gegensatz zu den deutlich sichtbaren Mondphasen, welche die Zeitpunkte
der Mondfeste auch optisch bestimmbar machen.
Die Sonnenwende (lat.: Solstitium) stellt den Zeitpunkt dar, bei dem die Sonne die größte nördliche
oder südliche Deklination (Höher ihrer Bahn) im Laufe eines Sonnenjahres erreicht. Es ist die
Umkehr der Deklinationsbewegung der Sonne (aufsteigend beziehungsweise absteigend).
Die Sonne steht dann senkrecht über den Wendekreisen, und zu diesem Zeitpunkt hat die Sonne
den größten Winkelabstand vom Himmelsäquator - etwa 23° 26' 20". Diese maximale Deklination
erreicht sie jedes Jahr zweimal, und je nach Erdhalbkugel spricht man dabei jeweils von der
Sommer- oder Wintersonnenwende.
Die Sommersonnenwende (Litha) findet zwischen dem 20. und 22. Juni statt. Die Sonne steht am
höchsten Punkt des nördlichen Wendekreis (Krebspunkt) und wechselt von aufsteigender zu
absteigender Richtung. Dieser Tag ist der Beginn des astronomischen Sommers.
Die Wintersonnenwende findet zwischen dem 20. und 22. Dezember statt. Die Sonne steht am
tiefsten Punkt des südlichen Wendekreis (Steinbockpunkt) und wechselt von absteigender zu
aufsteigender Richtung. Dieser Tag ist der Beginn des astronomischen Winters.
Auf der Südhalbkugel der Erde ist dies übrigens genau umgekehrt, die Sommersonnenwende im
Dezember und die Wintersonnenwende im Juni, weil hier die Jahreszeiten ebenfalls umgekehrt
sind.
Gleichzeitig gibt es nahe den Polarkreisen zur Wintersonnenwende einen Tag ohne Sonnenaufgang
sowie zur Sommersonnenwende einen Tag ohne Sonnenuntergang (Mitternachtssonne). Weiter
polwärts herrscht dann wochen- bis monatelang der Polartag, beziehungsweise am anderen Pol die
Polarnacht.
Unter dem Äquinoktium oder Tagundnachtgleiche versteht man den Zeitpunkt, zu dem die Sonne
während ihrer scheinbaren jährlichen Bewegung im Schnittpunkt von Ekliptik und
Himmelsäquator steht, den sogenannten Äquinoktialpunkten. Zu diesem Zeitpunkt sind für alle
Punkte auf der Erde Tag und Nacht gleich lang.
Das Frühlingsäquinoktium (Ostara) fällt zwischen den 19. und 21. März. Die Sonne durchschreitet
den Frühlingspunkt (Widderpunkt) in aufsteigender Richtung. Dieser Tag ist der Beginn des
astronomischen Frühlings.
Das Herbstäquinoktium (Mabonad) fällt zwischen den 22. und 24. September. Die Sonne
durchschreitet den Herbstpunkt (Waagepunkt) in absteigender Richtung. Dieser Tag ist der Beginn
des astronomischen Herbstes.

Diese Betrachtungen gelten astronomisch für das Durchschreiten des Sonnenmittelpunkts durch die
Äquinoktialpunkten. Da man aber allgemein den Sonnenaufgang so definiert, daß der erste
Sonnenstrahl vom oberen Ende der Sonne zählt, ist dieser bereits drei Tage früher im
Frühlingspunkt zu sehen. Analog verschwindet beim Sonnenuntergang der letzte Strahl der Sonne
von ihrem oberen Ende erst drei Tage später genau im Herbstpunkt. Auch die Lichtbrechung, die
eine scheinbare Anhebung der Sonnenscheibe um etwa 0,5° am Horizont bewirkt, verursacht eine
kleine Verlängerung des lichten Tages.

Wer Wert auf die genauen Zeitpunkte der Sonnenfeste legt, findet die astronomisch korrekten
Daten der Solstitien und Äquinoktien der nächsten Jahre in der nachfolgenden Tabelle.

Frühjahrsäquinoktium: Sommersonnenwende: Herbstäquinoktium: Wintersonnenwende:


Jahr:
(Ostara) (Litha) (Mabonad) (Jul)
2005 20. März 21. Juni 22. September 21. Dezember
2006 20. März 21. Juni 22. September 22. Dezember
2007 20. März 21. Juni 23. September 22. Dezember
2008 20. März 20. Juni 22. September 21. Dezember
2009 20. März 21. Juni 22. September 21. Dezember
2010 20. März 21. Juni 22. September 21. Dezember
2011 20. März 21. Juni 23. September 22. Dezember
2012 20. März 20. Juni 22. September 21. Dezember
2013 20. März 21. Juni 22. September 21. Dezember
2014 20. März 21. Juni 22. September 21. Dezember
2015 20. März 21. Juni 23. September 21. Dezember
2016 19. März 20. Juni 22. September 21. Dezember
2017 20. März 20. Juni 22. September 21. Dezember
2018 20. März 21. Juni 22. September 21. Dezember
2019 20. März 21. Juni 23. September 21. Dezember
2020 19. März 20. Juni 22. September 21. Dezember
1.8. Astronomische Grundlagen
Scheinbar sind die Jahreszeiten mit bestimmten, dann auftretenden astronomischen Phänomenen
verbunden. In Wahrheit ist es aber natürlich genau umgekehrt, d.h. bestimmte astronomische
Konstellationen sorgen überhaupt erst für das Entstehen der Jahreszeiten.

Die Ebene der Bahn der Erde um die Sonne wird Ekliptik genannt. Früher glaubte man umgekehrt,
es handele sich dabei um die Bahn der Sonne um die Erde. Die Ekliptik ist in 12 gleiche Teile, den
Tierkreis, geteilt. Die Erdachse steht jedoch nicht senkrecht zur Ekliptik, sondern bildet einen
Winkel von etwa 23° zur Senkrechten, wodurch Jahreszeiten und ungleiche Tageslängen entstehen,
weil die Sonne so im Laufe eines halben Jahres immer in einem anderen Winkel auf die Erde
scheint.

Je höher die Sonne über der Ekliptik steht, desto kleiner ist der von der Senkrechten abweichende
Einfallswinkel ihrer Strahlen, desto kürzer ist auch ein geworfener Schatten, desto kürzer ist der
Weg der Sonnenstrahlen durch die Atmosphäre und je mehr Sonnenlicht trifft auf den Boden auf.
Dies ist im Sommer der Fall, und deshalb ist dies auch die wärmste Jahreszeit, obwohl die Erde auf
ihrer elliptischen Bahn im Sommer eigentlich am weitesten von der Sonne entfernt ist. Außerdem
sind die Tage hier am längsten.

Im Winter dagegen steht die Sonne tief unter der Ekliptik, und, obwohl die Erde der Sonne in
dieser Jahreszeit am nächsten ist, ist es auf der Erde kalt, denn der Einfallswinkel ist flacher, die
Schatten länger, der Weg des Lichtes durch die Atmosphäre länger und die Tage kürzer. Deshalb
trifft weniger Sonnenlicht auf dem Boden auf, um die Erde zu wärmen.

Um den 21. Juni ist Sommersonnenwende (Solstituum) auf der Nordhalbkugel und damit der
längste Tag. Auf der Südhalbkugel ist dann Wintersonnenwende mit dem kürzesten Tag. Die Sonne
steht über 23° Nord am Wendekreis des Krebses. Die Wintersonnenwende (Solstituum) fällt um
den 21. Dezember und markiert den kürzesten Tag und die längste Nacht des Jahres auf der
nördlichen Halbkugel. Auf der Südhalbkugel ist dann umgekehrt Sommersonnenwende. Die Sonne
steht dann unter 23° Süd am Wendekreis des Steinbocks.

Etwa am 21. März und 23. September überquert die Sonne den Äquator, liegt damit auf der
Ekliptik, und es ist Tag- und Nachtgleiche (Äquinoktium). Die Äquinoktien waren für Astronomen
immer sehr wichtig. Nur an diesen Tagen herrschen auf der ganzen Erde gleiche Verhältnisse. Tag
und Nacht sind gleich lang, die Sonne geht genau im Osten auf und genau im Westen unter.
Während der Äquinoktien liegen beide Erdpole genau über der Ekliptik, daher werden Nord- und
Südhälfte der Erde gleich beleuchtet. Im Lauf des Jahres werden Nord- und Südhalbkugel ungleich
angestrahlt. Jenseits der Polarkreise haben Tag- und Nachtseite jeder Halbkugel ein halbes Jahr
ständig Licht (Polartag).

Das Frühjahrsäquinoktium wird seit frühester Zeit bis heute als Bezugspunkt für Sternpositionen
benutzt. Dieser ist überall relativ leicht zu bestimmen, da der Ort des Sonnenaufganges am
Osthorizont und der Sonnenuntergangspunkt am Westhorizont nur während der Äquinoktien eine
gerade Linie bilden. Prähistorische Sternwarten (zum Beispiel Stonehenge) sind auf den
Frühlingspunkt (Osten) ausgerichtet. Abhängig vom Weltbild wurde der Frühlingspunkt als Ort am
Horizont, als Punkt der Sonnenbahn oder als Punkt auf der Erdbahn um die Sonne betrachtet.
Dementsprechend unterscheidet man drei Koordinatensysteme.

Als Bezugspunkt vom Standort unabhängig ist der Himmelspol, um den sich scheinbar alle Sterne
drehen (wegen der Erdrotation). Wegen einer Kreiselbewegung der Erdachse wiederum dreht sich
der Himmelspol in 25.850 Jahren um den Pol der Ekliptik. Bezugspunkte für
Äquatorialkoordinaten sind der senkrecht zum Himmelspol stehende Himmelsäquator und der
Frühlingspunkt. Positionen ergeben sich als Abstand vom Äquator und Winkel zum
Frühlingspunkt. Weil der Frühlingspunkt auf dem Himmelsäquator bestimmt wird, wandert er mit
der Drehung des Himmelspols in 25.850 Jahren rückwärts um die Ekliptik.

Die Erde bewegt sich auf einer elliptischen Bahn um die Sonne und legt bei einer Umrundung etwa
936 Millionen Kilometer zurück. Dazu benötigt sie 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 46,98
Sekunden (insgesamt 31.556.926,98 Sekunden), das sogenannte tropische Jahr. Daraus folgt, daß
die Erde mit etwa 29,67 km/s (106.778,46 km/h) durch das All rast.

Früher hatte man keine andere Möglichkeit, als die Länge eines Jahres durch den Zeitabstand
zweier Durchgänge der Sonne durch denselben Punkt der scheinbaren Sonnenbahn auf der Ekliptik
(den Frühlingspunkt) zu bestimmen. Die wirkliche Bewegung der Erde um die Sonne spiegelt sich
in der scheinbaren Bewegung der Sonne an der Himmelskugel wider. Dieses siderische Jahr
(Sternjahr) umfaßt ein Zeitintervall von 365 Tagen, 6 Stunden, 9 Minuten und 9,54 Sekunden
(insgesamt 31.558.149,54 Sekunden).

Durch die von der Drehung des Himmelspols verursachte rückläufige Bewegung des
Frühlingspunktes in der Ekliptik ist das tropische Jahr etwas kürzer als das siderische Jahr und wird
über ein Schaltjahr an den Kalender angepaßt. Das bürgerliche Jahr ist im Kalenderwesen und in
der Chronologie der Zeitabschnitt, der in ganzen Tagen etwa dem Umlauf der Erde um die Sonne
entspricht.

Bei den Schaltjahren gilt die Regel, daß jedes 4. Jahr (durch 4 teilbare Jahreszahl) ein Schaltjahr
ist, wobei ein solches durch einen zusätzlichen Tag (den 29. Februar) auf 366 Tage verlängert wird.
Weil das aber nicht hinkommt, um den Unterschied auszugleichen, wurde die Zusatzregel
eingeführt, daß volle Jahrhunderte keine Schaltjahre sind, volle Jahrtausende aber sehr wohl. So
war das Jahr 1900 kein Schaltjahr, das Jahr 2000 aber schon.

Somit hat ein Jahr, welches kein Schaltjahr ist, 365 Tage, das sind 31.536.000 Sekunden. Ein
Schaltjahr hat dagegen 366 Tage und somit 31.622.400 Sekunden (1 Tag = 86.400 Sekunden
Unterschied). Ein Zeitraum von 1.000 Kalenderjahren enthält gemäß der Regelung 1.000 ÷ 4 - 10 +
1 = 241 Schaltjahre und 1.000 - 241 = 759 normale Jahre.

Danach läßt sich die Anzahl der Sekunden für diesen Zeitraum mit 241 × 31.622.400 Sekunden +
759 × 31.536.000 Sekunden exakt auf 31.556.822.400 Sekunden bestimmen. Zurückgerechnet sind
dies durchschnittlich 31.556.822,4 Sekunden pro Kalenderjahr, was einem Zeitraum von 365
Tagen, 5 Stunden, 47 Minuten und 2,4 Sekunden entspricht. Dies kommt dem tropischen Jahr des
tatsächlichen Umlaufs der Erde um die Sonne sehr nahe (nur 1 Minute und 44,58 Sekunden
kürzer).

Diese 104,58 Sekunden, um die das Kalenderjahr zu kurz ist, fallen aber astronomisch kaum ins
Gewicht. Sie entsprechen zwar 3.101,84 km auf der Umlaufbahn, aber nur 0,0003314 % des
Jahres, so daß es 301.749 Jahre dauern würde, bis sich durch diesen Fehler das Jahr einmal um ein
komplettes Jahr verschieben würde, beziehungsweise 75.437 Jahre, bis sich eine ganze Jahreszeit
komplett verschiebt, beziehungsweise 826,71 Jahre, bis die Abweichung einen ganzen Tag beträgt.
Dies ist wohl gut und gerne zu vernachlässigen.

Das Sonnenjahr stimmt allerdings nicht mit den Zyklen des Mondes überein. Nur alle 19 Jahre
fallen die Mondphasen auf das gleiche Datum. Man entwickelte daher, um in Einklang mit Sonne
und Mond leben zu können, mehrere komplizierte Zeitrechnungssysteme, die durch Schalttage oder
ganze Schaltmonate Sonnen- und Mondjahr harmonisierten.
Verbreitet waren ein keltisch-englischer Kalender mit 13 Monaten plus dem Tag der
Wintersonnenwende als "Tag zwischen den Jahren". Daher bestand ein ganzes Jahr aus "Jahr und
Tag" (ein Begriff, der auch im mittelalterlichen Recht, zum Beispiel beim Lehnswesen, noch häufig
zu finden ist). Der von den meisten Germanen benutzte Kalender bestand aus zwölf Monaten plus
der Zeit zwischen den Jahren, die als die zwölf Rauhnächte bekannt ist.

2.Heidnische Ursprünge anderer Festbräuche


2.1. Die Adventszeit
Die Adventszeit ist die Zeit, in der man Tag für Tag dem kürzesten Tag und der längsten Nacht
des Jahres näherkommt. Die Abende sind länger, oft hat man das Gefühl, die helle Zeit des Tages
gar nicht richtig wahrgenommen zu haben. Draußen ist es kalt, stürmisch und oft schon
verschneit. Der Aufenthalt im Freien kostet mehr Kraft als in der restlichen Zeit des Jahres. Der
Körper und auch die Psyche nähren sich von den Reserven, die man während der Zeit der Fülle
angehäuft hat.

Gleichzeitig aber zählt man die Tage bis zum Julfest, der Wiedergeburt des Lichtes. In der
heutigen Zeit hat die christliche Kultur dazu das Ritual des Adventskalenders geschaffen, mit dem
man die Tage bis Weihnachten zählt. In früheren Zeiten zündeten die Menschen schon vor dem
Julfest nach jeder Woche eine Kerze mehr an, um sich die kalte und dunkle Zeit zu versüßen, ein
kleines Stück Licht schon vorher genießen zu können und um die verbleibende Zeit bis zum Fest
zu messen. Aus diesem Brauch ist später der christliche Adventskranz entstanden.

2.2. Der Nikolaus


Der christliche Nikolaus war ein gleichnamiger Bischof aus Myra im Lande Lykien, an der
Südküste von Kleinasien, mit dem 6. Dezember als Todes- und Namenstag. Um ihn spann die
Kirche wieder ihr altes Konzept, auf dem ihre ganze unnatürliche Weltanschauung beruht,
nämlich die "Gehorsam-Guten" zu belohnen (hier mit materialistischen Geschenken) und die
"bösen Sünder" zu bestrafen (hier mit der Rute durch Knecht Ruprecht).

Ruprecht ist aber ein verballhornter Name des ursprünglichen Hruodhpercht, Hruodprecht oder
Hruod Percht (altnordisch: Ruhmglänzender, ruhmreicher Percht), und das ist niemand geringerer
als Odin beziehungsweise Wotan selbst. Er galt als der Lenker der Schlachten, des Schicksals, der
Fruchtbarkeit und der Winde.

Odin schritt als Wanderer über die Erde zur Julzeit (Weihnachtszeit) und brauste mit seinem
Gefolge durch den Himmel. Er kam mit seinem achtbeinigen Schimmel Sleipnir zu den
Menschen, und nach alter Sitte stellte man ihm Stiefel mit Hafer für sein Pferd vor die Tür. Er
belohnte die Menschen dann mit Nüssen und verjüngenden Äpfeln von Iduna (Göttin des Lebens,
des Frühlings und der Fruchtbarkeit) als Zeichen für Leben und Fruchtbarkeit.

Hruodhpercht hatte auch immer den Lebenszweig (Haselnußrute) mit Runen bei sich, und schlug
damit leicht auf die Menschen und Vieh, um ihnen Fruchtbarkeit und neugeborenes Leben zu
schenken. Der Lebens-Zweig Odins wurde zur Rute Knecht Ruprechts ("Knecht" ist schon ein
Witz für sich; der Göttervater Odin in einer einem christlichen Bischof untergeordneten
Stellung?) und wurde zum Werkzeug zur Bestrafung der Sündigen umfunktioniert und somit
durch die Christen vollkommen seinem Sinn entfremdet.
Die Christen redeten den durch Feuer und Schwert, Zwang und Mord abwehrarm gemachten
Völkern ein, Odin wäre ein böser Geist, der heimatlos durch die Berge und Wälder schweife. Sie
versuchten, an Odins Stelle den Reiter Sankt Martin zu setzen, und als dies nicht fruchtete,
begannen sie ihn durch den Nikolaus zu ersetzen.

Je mehr im Volk die Erinnerung an den Himmelsalten, an Odin, verblaßte, um so sichtbarer trat
der "gute Nikolaus" als Kinderfreund in Erscheinung. Zur Erinnerung an die bösen Geister aus
der "wilden Jagd" wird der christliche Nikolaus oft von "Knecht Ruprecht" oder "Krampus"
begleitet. Mit dem guten Klaus, der einst in der Schweiz den Weihnachtsbaum brachte, zieht der
böse Klaus oder Schmutzli, geschwärzt und lärmend. Wie in Kärnten der christliche Nikolaus von
der Habergeiß begleitet wird, zog in Pommern mit dem Ruprecht der Klapperbock und in
Schweden mit den Sternknaben der Julbock.

Im Brauchtum der Ahnen war Odin jedoch nie der "schwarze Mann" (und erst recht kein Knecht),
sondern ein Helfer der Eltern, welcher den Kindern Geschenke und mit dem symbolischen Schlag
mit der Lebensrute Heil für das kommende Jahr brachte. Odin wurde in diesem Zusammenhang
auch Jolmir genannt, im Bezug auf Jul. Desweiteren ist überliefert, daß er in seinem Sack die
toten Seelen sammelte und zu Hel in die Unterwelt brachte.

2.3. Die Rauhnächte


Die 12 Rauhnächte oder Zwölfnächte am Ende des Jahres und die mit ihnen verknüpften Mysterien
gehen bis in die Antike zurück. Sie haben sowohl römische als auch germanische und sogar
indische, japanische und chinesische Wurzeln, und auch heute noch finden sie vielerorts im
Brauchtum Beachtung. Nach uralten Überlieferungen suchen zu dieser Zeit die Seelen der Toten
die Lebenden auf. Die Rauhnächte sind eine Zeit der Wiederkehr der Seelen und des Erscheinens
von Geistern.

In der mithräisch-phrygischen Religion der Antike (u.a. in Rom) gab es nachweislich eine Festzeit
von zwölf Tagen oder Nächten, die auch den Iranern heilig waren. Es wird auch berichtet, daß
Mithras mit den Seelen seiner Glaubenskrieger in dieser Zeit in wildem Zuge über die Erde jage,
womit einmal mehr eine Parallele zur altgermanischen Tradition festgestellt wäre.

Zustandegekommen sind die Rauhnächte aufgrund der Diskrepanz zwischen dem Sonnenjahr und
dem Mondjahr. Ein Mondmonat, also die Mondphasen von Neumond zu Neumond dauert ca. 29,5
Tage. 12 Mondmonate ergeben somit genau 354 Tage für das Mondjahr. Das Sonnenjahr von
Wintersonnenwende zu Wintersonnenwende dauert aber bekanntermaßen ca. 365,25 Tage. Es
verbleibt eine Differenz von 11 Tagen und damit 12 Nächten.

Es überrascht kaum, daß mehrere indogermanische Völker das lunare Jahr dem solaren vorzogen,
denn schließlich hatte der Mond ursprünglich zur Zwölfteilung des Jahres Anlaß gegeben. Weil
sich Germanen, Kelten und Inder eben am Mondkalender orientierten, war diese "Ausgleichszeit"
zwischen Sonnen- und Mondjahr eine irgendwie "zeitlose Zeit". Sie kam im Anschluß an die
Wintersonnenwende und lag somit "zwischen den Jahren", ein Ausdruck, der auch heute noch
geläufig ist.

Die Rauhnächte gelten als eine magische, bedrohliche und besonders wilde Zeit. Auch hier ist die
"Weltendecke" wieder dünn, und allerlei Dämonen und Geister treiben sich herum. Odin und sein
Gefolge rauschen als "wilde Jagd" durch die Lüfte. Dem Geschehen in diesen Nächten kommt
größere Bedeutung zu, und vielerorts gilt es als Orakel für das kommende Jahr, denn jede Nacht
steht symbolisch für einen Monat des Folgejahres. Erst nach den Rauhnächten begann für viele
Germanen das neue Jahr, welches in der Nacht der Wintersonnenwende endete, wahrlich eine
"zeitlose Zeit".

Es gibt unterschiedliche Auffassungen über Beginn und Ende der Rauhnächte. Welcher man folgt,
ist wohl Geschmackssache, allerdings könnten dann die Monatsorakel ein wenig verschoben sein.
Die altgermanische Auffassung geht davon aus, daß die Rauhnächte mit der Nacht nach dem Julfest
(Wintersonnenwende) beginnen. Jul ist die Nacht vom 21. auf den 22. Dezember, demnach wäre
die erste Rauhnacht vom 22. auf den 23. Dezember und die zwölfte in der Nacht vom 2. auf den 3.
Januar.

Die christliche Auffassung läßt die Rauhnächte weitgehend natürlich erst nach dem heiligen Abend
beginnen. Dieser ist bekanntlich die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember, danach wäre die erste
Rauhnacht die Nacht vom 25. auf den 26. Dezember und die zwölfte vom 5. auf den 6. Januar, den
Dreikönigstag.

Eine neugermanische Auffassung verlängert, vermutlich an das Christentum angelehnt, einfach das
Julfest auf vier Nächte vom 21. auf den 25. Dezember und zieht somit, was die Daten der
Rauhnächte angeht, mit dem Christentum gleich.

Diese neugermanische Auffassung ist heute zwar sehr häufig anzutreffen und findet sich in vielen
Bräuchen datumsmäßig wieder, entspricht in dieser christianisierten Form aber wohl nicht mehr
dem ursprünglichen Sinngehalt. Sie stimmt auch nicht mehr mit dem Mondkalender überein, denn
der 21. Dezember (Jul) ist der 355. Tag im gregorianischen Kalender, im germanischen fängt das
neue Jahr aber nach den Rauhnächten am 3. Januar an, also wäre es hier der 353. Tag,
beziehungsweise 354. Tag in einem Schaltjahr, was genau dem Mondkalender entspräche. Bei der
neugermanischen Auffassung kommt dies nicht hin, dort wäre Jul am 350. beziehungsweise 351
Tag nach Jahresbeginn.

Schon diese Berechnung widerlegt die Behauptung, daß die Festzeit der Rauhnächte aus dem
Abstand zwischen Weihnachten und Dreikönig hervorgegangen sei. Dazu kommt, daß die gleiche
altgermanische Festfrist bei anderen indogermanischen Völkern, bei Indern, Iranern, Griechen und
Römern, mit ähnlichem Gehalt aus vorchristlicher Zeit bezeugt ist.

Rauhnächte: Fest: 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12.


22./2 23./2 24./2 25./2 26./2 27./2 28./2 29./3 30./3 31./0 01./0 02./0
altgerman.: Jul 21./22.
3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 0. 1. 1. 2. 3.
Weihnachten 25./2 26./2 27./2 28./2 29./3 30./3 31./0 01./0 02./0 03./0 04./0 05./0
christlich:.
24./25. 6. 7. 8. 9. 0. 1. 1. 2. 3. 4. 5. 6.
25./2 26./2 27./2 28./2 29./3 30./3 31./0 01./0 02./0 03./0 04./0 05./0
neugerman.: Jul 21. - 25.
6. 7. 8. 9. 0. 1. 1. 2. 3. 4. 5. 6.

Die namentliche Bedeutung der Rauhnächte soll einer Theorie zufolge von "rauh" kommen und auf
das althochdeutsche "ruh" (rauh, grob, haarig, ungezähmt) zurückgehen, welches mit den
verbreiteten wilden, pelzverhüllten Masken der Perchten zusammenhänge. Für wahrscheinlicher als
dies und auch als den Bezug auf Rauhreif halten Etymologen allerdings, daß sich das Wort von
"Rauch" (althochdeutsch: Rauh) ableitet. Das läßt sich dadurch belegen, daß es in diesen
"Rauchnächten" eben Brauch war, Haus und Ställe zu beräuchern, um diese zu reinigen und Geister
und Dämonen fernzuhalten.

Nach anderer Auslegung, insbesondere in der Alpenregion, hat der christliche Volksglaube die
Rauhnächte auf vier reduziert, nämlich am 21. Dezember (Thomasnacht), 24. Dezember
(Heiligabend), 31. Dezember (Silvester) und 5. Januar (Perchtennacht). Dabei gelten diese
abwechselnd als magere und fette Rauhnächte. Ein altes regionales Sprichwort besagte:
"Rauhnacht san vier, zwoa foast und zwoa dürr." Die Thomasnacht und die Silvesternacht galten
als die mageren Rauhnächte (dürr) mit bösen Geistern und die Weihnachts- und Dreikönigsnacht
als die fetten (foasten) mit guten Geistern.

Um die Rauhnächte hat sich im Volk allerlei Aberglauben angesammelt. Man glaubte, Tiere
könnten reden. Wäsche durfte nicht über Nacht hängen bleiben. Dem Geschehen in diesen Nächten
kam größte Bedeutung zu, denn ihnen wurde eine geheimnisvolle Bedeutung für die Zukunft
zugewiesen. In Los- und Orakelbräuchen dachte man, in die Zukunft zu blicken, so sollte jede der
12 Nächte etwas über den entsprechenden Monat des nächsten Jahres verraten können, besonders
die Träume in diesen Nächten. Der Glaube, daß das Wetter dieser 12 Nächte ein Abbild der
folgenden 12 Monate sei, findet meteorologisch allerdings keine Stütze.

In den zwölf Nächten wurde kein Garn gesponnen, weil man glaubte, daß sonst Hel (Frau Holle)
käme und das Garn verunreinige oder weil man Zank und Ungeziefer in das Haus zu spinnen
meinte. Aus alter Zeit wird berichtet, daß die Mädchen bedacht waren, bis dahin allen Flachs vom
Rocken abzuspinnen und die Stuben in Ordnung zu bringen. War ein Rocken nicht abgesponnen, so
verwirrte die Perchta allen Flachs. Traf sie aber gar um diese Zeit die Spinnerinnen bei der Arbeit
an, so gab es eine harte Strafe.

Man sollte in den Rauhnächten nicht dreschen, sonst verdürbe das Getreide, so weit man den Schall
hörte. Man sollte außerdem nicht aus einem unverdeckten Brunnen trinken. Auch fürchtete man,
daß die Hühner das ganze Jahr über keine Eier legen würden.

An diesem letzten Abend im Jahre sollte selbst Putzen und Fegen unterbleiben wie auch das
Backen, damit alles Unheil von Haus und Hof, sowie allen Bewohnern fernblieb. In manchen
Gegenden hütete man sich davor, Hülsenfrüchte zu essen, weil man sonst Geschwüre zu
bekommen glaubte. Mancherorts war es Sitte, in den zwölf Nächten in den Garten zu gehen, an
allen Obstbäumen zu rütteln und ihnen zuzurufen: "Bäumchen, schlaf nicht, Frau Hel (oder Holle)
kommt!"

Persönliche Orakel wurden befragt, ein Brauch, der sich im Bleigießen zu Silvester erhalten hat.
Spenden an Heischende (zum Beispiel Sternsinger und Müllabfuhr) sollten das Glück bewahren.
Durch Räuchern und durch geweihte "Maulgaben" für das Vieh sollte Unheil von Haus und Hof
abgewehrt werden. Die erscheinenden wiederkehrenden Seelen und Geister (Überbleibsel der
"wilden Jagd") wurden bewirtet oder durch Räuchern, Lärmen oder Kreuzeszeichen abgewehrt.

An diesen Abenden durchräucherte ein Priester oder der Hausherr oder die Hausfrau nach dem
Abendläuten alle Räume des Hauses und die Ställe mit geweihten Kräutern oder Weihrauch und
besprengte sie mit Weihwasser. Durch diese Segnung glaubte man, Geister und Dämonen
abzuwehren.

Dieses Räuchern war früher in weiten Teilen Süddeutschlands und Tirols üblich, ist heute jedoch
nur noch einzeln bekannt. In eine Pfanne oder einem anderen Behälter wird Glut aus dem Herd
gegeben. Auf die Glut legt man Weihrauch, Teile des am Palmsonntag geweihten Palmbesens oder
andere geweihte Kräuter. Unter Gebet zog man mit der Pfanne durch das Haus. Hinter dem
Vorbeter mit der Rauchpfanne segnet eine zweite Person mit Weihwasser jedes Zimmer. Es
bedeutet Unglück oder den Tod, wenn ein Familienmitglied beim Räuchern fehlt. Die Glutreste
werden üblicherweise ins Feuer geworfen.

In manchen Gegenden von Süd- und Osttirol wird über den Rauch eine Kopfbedeckung (Hut,
Mütze Kopftuch) gehalten und dann aufgesetzt. Man glaubt, daß man dadurch unterm Jahr vor
Kopfschmerzen sicher sei.

In den Rauhnächten bleibt für die Heiden das Jahresrad stehen. Auch für die Germanen stand die
Sonne in der Zeit nach der Wintersonnenwende zwölf Tage lang still. Altes ist noch nicht ganz
gegangen, das Neue ist noch nicht stark genug. Die Kräfte, die das Rad des Jahres antreiben,
manifestieren sich in dieser Zeit. Alles wird durcheinander gewirbelt. Jetzt sind die Nächte am
längsten, hoch im Norden herrscht gar die Polarnacht mit völliger Dunkelheit. Dies ist die
Wolfszeit der Edda, in der die Sonne schwarz wird. Daher der Volksglaube, man dürfe in den
"Zwölften" den "Wolf" nicht beim Namen nennen.

Die Nächte galten als Los- und Orakelnächte, über denen ein geheimnisvoller Zauber liegt, eine
Zeit der runenlauschenden und orakelforschenden Nächte, in der zugleich ein heftiger Kampf
zwischen den todbringenden Mächten der Finsternis und den belebenden Kräften des Lichtes tobt.
Auch die Menschen sind in dieser Zeit besonders empfindsam, genau wie das kleine Lichtfünklein,
das sich gerade erst entfaltet hat und noch besonderen Schutz benötigt.

Es sind die Nächte Odins, der obersten Gottheit, die erfüllt waren vom Brausen des Sturmwindes,
vom Bellen der Hunde, Wiehern der Rösser und Wehklagen der Walküren, eine Zeit, in der jede
Tätigkeit ruhen mußte. Es durfte kein Recht gesprochen, kein Wasser aus dem Brunnen geholt und
keine Kuh gemolken werden. Mit dem Verabreichen des Gildebrotes (Gilde von altgermanisch
"gield" oder "gildi", was opferbereite Brüderschaft bedeutet) versuchte man, die himmlischen
Mächte zu versöhnen und die Angst zu überwinden, weiterhin der Kälte und Finsternis ausgeliefert
zu sein.

Man glaubte, daß Odin in dieser Zeit allen Totenseelen, bösen Geistern und Dämonen Ausgang
gewährte. Mit Weihrauch mußten diese wieder aus den Häusern vertrieben werden. Vielerorts
wurden und werden in dieser Jahreszeit lärmende Umzüge mit fratzenhaften Masken veranstaltet,
womit man den Dämonen das Fürchten lernen will. Ein Überbleibsel davon sind die Perchtennacht
(siehe Perchtenfest) und der Karneval.

Die Wilde Jagd oder das Wilde Heer entspringt dem germanischen Glauben, daß der einäugige
Odin beziehungsweise Wotan mit seinem geisterhaften Gefolge zwischen den Jahren durch die
Lüfte reitet. Er wird manchmal von seiner Gattin Frigg beleitet. Frigg wurde auch Frick, im Harz
Frau Harke, in Thüringen Frau Holle und in Süddeutschland Frau Berchta genannt, obwohl die
letzten beiden mit Hel und nicht mit Frigg identifiziert werden.

Die Wilde Jagd wird auch von zahlreichen Tieren begleitet, unter anderem auch Odins Wölfe und
Raben, aber auch die anderen Geister besitzen allerlei Tierfüße. Als angeblicher Beweis dient die
sogenannte "Kuhtrittmuschel". Diese bis zu 20 Zentimeter große Muschel aus dem späten
Erdaltertum, welche u.a. auf dem Dachstein-Plateau in Österreich häufig gefunden wird, hat einen
herzförmigen Querschnitt und erinnert an die Trittspuren von Rindern.

Als eine weitere Form des Fußabdruckes von Alben, Druden, Kobolden und anderen Geistern galt
der fünfzackige Drudenfuß. Dieser ist auf versteinerte Stachelhäuter (Seeigel, Seesterne usw.)
zurückzuführen. Das Skelett dieser Tiere ist fünfstrahlig symmetrisch, und das ist so ungewöhnlich,
daß ihnen magische Bedeutung zugemessen wurde. Deshalb hat man fossile Seeigel schon in der
Bronzezeit als magische Grabbeigaben verwendet.
Eine seltene muschelähnliche Tiergruppe, die Brachiopoden, erinnern in ihrer Form an Vögel. Man
nannte sie früher auch "Heilig-Geist-Steine". Die Ammoniten waren mit den heutigen
Tintenfischen verwandt. Sie trugen schneckenähnliche Schalen und sind vor ca. 65 Millionen
Jahren gleichzeitig mit den Sauriern ausgestorben. Man hielt sie lange Zeit für versteinerte
Schlangen. Da manche fossile Überreste ungewöhnlich groß waren, wucherten in der Folge allerlei
Drachengeschichten. So wurden Ammoniten, versteinerte Korallen sowie Knochen des
Höhlenbären mit Drachen in Verbindung gebracht. Fossile Haizähne galten als Drachenzähne oder
Drachenzungen.

Die Seelen der Verstorbenen, ferner Schweine, Hasen und andere Tiere sollen in diesen zwölf
Tagen das Gefolge der wilden Horde bilden. Dem Heer von 432.000 Geistern eilen 24 schwarze
Hunde bellend voraus. Das Geisterheer braust nachts mit Jagdrufen und Hundegebell durch die
Luft.

Als Anführer des Totenheeres rast Odin als wilder Jäger (hier auch Woutan, Wode, Heiljäger,
Hackelbernt, Herne etc. genannt) mit bedrohlicher Wildheit und Aggressivität auf seinem
Schimmel Sleipnir durch die Lüfte. Meistens zeigt er sich bei dieser Gelegenheit zu Pferde in Hut
und Mantel. Nur wer sich auf die Erde wirft und sich festklammert, wird von der Gewalt des
wütenden Heeres nicht mitgerissen. Vermutlich haben deshalb die alten Germanen die Gräber ihrer
Toten mit schweren Steinen bedeckt, damit die Seelen der Verstorbenen ihre Ruhe finden und von
der wilden Hatz des Totenheeres nicht mitgerissen werden können. Sobald der Sturm vorüber ist,
zieht sich der Sage nach das Wütende Heer zum Gelage in die Berge zurück.

Frau Holle, die mit Freyja, Frigga oder am wahrscheinlichsten mit Perchta oder Hel identifiziert
werden kann, ist Schutzpatronin dieser Tage. Sie mag es normalerweise nicht, wenn jemand faul
oder unnütz in den Tag hinein lebt, sie ist sehr streng und achtet darauf, daß jeder seiner
Bestimmung gemäß lebt und sich entwickelt. Nur in diesen zwölf Tagen erlaubt Frau Holle, daß
man sich ausruht und ganz auf sein Inneres und Wesentliches besinnt. Sie schätzt es auch durchaus,
wenn man ihr kleine Geschenke oder Aufmerksamkeiten macht. Vielleicht erweist sie sich dann im
kommenden Jahr gnädig und erfüllt so manchen tief ersehnten Wunsch.

Um diese Zeit sollten die Menschen ja nicht den Unwillen der Geister erregen. Die Arbeit hatte
jetzt zu ruhen, und die Menschen sollten Rückschau halten auf das vergangene Jahr und sich auf
das neue vorbereiten, um es würdig zu empfangen.

Das Räuchern in den Rauhnächten ist ein uralter Brauch, der sich bis heute in vielen Gebieten
erhalten hat. In eine Pfanne oder einem anderen Behälter wird Glut aus dem Herd gegeben. Auf die
Glut legt man Weihrauch und geweihte Kräuter. In manchen Gegenden (Süd- und Osttirol) wird
über den Rauch eine Kopfbedeckung (Hut, Mütze) gehalten und dann aufgesetzt. Man glaubt, daß
man dadurch im kommenden Jahr vor Kopfschmerzen sicher sei. Unter Gebet zieht man mit der
Pfanne durch das Haus. Hinter dem Vorbeter mit der Rauchpfanne segnet eine zweite Person mit
Weihwasser jedes Zimmer. Es bedeutet Unglück oder den Tod, wenn ein Familienmitglied beim
Räuchern fehlt. Die Glutreste werden üblicherweise ins Feuer geworfen.

In den Rauhnächten entscheidet sich nach germanischem Mythos das Geschick allen Lebens auf
Erden, darum boten die Menschen alles auf, um dem werdenden Licht zu Hilfe zu kommen. Mit
auserlesenen Räucherkräutern, Fichtenharz und Weihrauch sollte alles Böse vertrieben werden. Der
alte Volksglaube hielt überhaupt daran fest, daß es in den 12 Nächten "umgeht", daß böse Geister
und ganz allgemein die "Mächte der Finsternis" in dieser lichtarmen und darum gefährlichen Zeit
ihr Unwesen treiben.
Zu Jul beziehungsweise Weihnachten läßt man alles hinter sich, was nicht mehr zu einem gehört. In
den Rauhnächten beziehungsweise zu Silvester werden gute Vorsätze für das nächste Jahr gemacht.
Symbolisch nehmen die "Geister" der Rauhnächte alles mit, was die Menschen "über Bord"
geworfen haben.

2.4. Silvester
Silvester ist der 31. Dezember. Es ist der christliche Festtag und Todestag des heiliggesprochenen,
gleichnamigen Papstes Silvester I. (314 bis 335), der in Süd- und Ost-Tirol als Viehheiliger gilt
(deshalb auch lokale Wall- und Schlittenfahrten). Der Name "Silvester" bedeutet "der
Waldbewohner", vom lateinischen Adjektiv "silvestris" (bewaldet), abgelöeitet von "silva" (Wald).

Silvester bildet durch die Silvester- oder Neujahrsnacht mit Neujahr weitgehend eine Einheit und
wird nach dem gregorianischen Kalender durch die "Zeitenwende" vom alten zum neuen Jahr
bestimmt.

Dieser Abend spielt als eine der Rauhnächte (auch nach der Auffassung von nur vier Rauhnächten)
für Orakel- und zukunftsweisende Bräuche als Lostag eine wichtige Rolle. Mitternächtliches
Bleigießen sowie Glück- und Segenswünsche verweisen auf das kommende Jahr. Der Brauch des
Bleigießens ist ein Überbleibsel der vielfältigen Rauhnachtorakel, herabgewürdigt zu einem
belustigenden Zeitfüller für die Silvesternacht.

Von den Alemannen im 8. Jahrhundert und von den Westgermanen sogar noch im 11. Jahrhundert
heißt es, daß sie in der Neujahrsnacht, umgürtet mit einem Schwert, auf die Dächer stiegen, um zu
erkunden, was das kommende Jahr bringen werde.

Mit jedem Tag, an dem die Sonne wieder ihr Licht und ihre schützende Wärme verbreitet, beginnt
auch der Mensch, sich auf das Neue vorzubereiten. Aus diesem Gefühl heraus sind auch die
Silvesterbräuche entstanden, bei denen man sich so viel Neues für die nächste Zeit vornimmt und
gute Vorsätze formuliert. Es ist ein Neubeginn, denn ein neuer Lichtzyklus beginnt.

Ein gutes "Neues Jahr" verheißen zudem die kleinen, oft eßbaren Glücksbringer, die man sich
schenkt, sowie bestimmte Speisen aus Schweinefleisch. Silvester besitzt eine ausgeprägte
Festtradition. Das Feuerwerk ist ursprünglich der geistervertreibende Brauch des Perchtenfestes,
wurde aber irgendwann auf den letzten Tag im gregorianischen Kalender vorverlegt.

Kirchlicherseits ist ein Erlaß überliefert, demzufolge die Priester angewiesen wurden, bei der
Beichte die Frage zu stellen, ob in der Neujahrsnacht etwa nach heidnischer Sitte der Holda oder
Holle ein Opfertisch angerichtet worden sei, oder ob man die Weiber geheißen habe, aus einem
Feuer die Zukunft zu ergründen.

Übrigens ist die Schreibweise "Sylvester" für den 31. Dezember falsch - egal ob nach alter oder
neuer Rechtschreibreform. Mit "Y" werden nur Personennamen geschrieben (beispielsweise
Sylvester Stallone oder Sylvester und Tweety).

2.5. Das Perchtenfest


Die Perchten, von "peraht" (althochdeutsch: hell, glänzend), sind im Brauchtum weibliche Masken-
und Sagengestalten, die am Ende der Rauhnächte in verschiedenen Regionen in Erscheinung treten.
Die Percht gilt als Schicksalsfrau und als Seelenbegleiterin, sie übt Kontrolle aus, achtet auf
Ordnung und straft. In dieser Funktion erscheint sie zum Jahreswechsel bereits in der Antike. Die
Perchta oder Berchta ist eigentlich Frau Holle und damit die germanische Göttin Hel, trägt aber
auch Züge der germanischen Göttinnen Freyja und Frigg. Neben Frau Holle kennt man sie
außerdem noch als Frau Harke, Frau Stampa, Frau Gode oder Frau Wode.

Ebenso ist sie die aus der Ostmark und anderen Gebieten bekannte Gaben bringende "Budelmutter"
oder "Lutzelfrau", die allein, oft aber auch in Begleitung gegensätzlicher Gestalten, die Menschen
aufsucht. In Franken kennt man die Eisenberta. Auch die heilige Barbara bringt an ihrem
Kalendertag den Kindern Geschenke. Sie ist an die Stelle einer der drei Perchten getreten, wie die
Luzia, auf die der Name "Lutzelfrau" hinweist.

Das Mittelalter sieht in der "domina berchta" (lat.: Herrin Berchta) eine Allegorie der Sünde
(Prunksucht). Das Perchtenlaufen und -springen wurde zum folkloristischen Schaubrauch. Dabei
werden geschnitzte groteske Masken getragen, die zum Vertreiben dämonischer Mächte
erforderlich sind. Dies soll dazu dienen, um die Erde zum Leben zu erwecken, damit sie fruchtbar
und ertragreich sei.

Das Perchtenfest findet am Abend des 2. Januar statt. Man feiert das Ende der Rauhnächte und die
Vertreibung des Winters. Bei den Germanen war es der Beginn des neuen Jahres (Neujahr war der
3. Januar, doch ein Tag begann bei ihnen immer mit dem Vorabend). Festsymbole sind Fackeln,
Rasseln, Trommeln und Masken. Die christliche Entsprechung ist neben Silvester hauptsächlich
Heilige Drei Könige beziehungsweise die Nacht vom 5. auf den 6. Januar, wohin dieser Festtermin
durch die christliche Verschiebung der Rauhnächte verlegt worden ist.

Dieses Fest gehört nicht direkt zu den heidnischen Festen des Jahresrades, ist aber dennoch ein
Feiertag. Es ist das Ende der Mittwinterfeste und damit auch die letzte und das Ende der
Rauhnächte. Die als Hexen maskierten Perchten laufen durch die Nacht und machen Lärm, um die
letzten Reste des Winters zu vertreiben. Man begrüßt das neue Jahr und den hereinbrechenden
Frühling.

Der letzte Julschmuck wird abgeräumt, die Zeit des Feierns ist vorbei, und die Arbeit wird wieder
aufgenommen. Das junge Mädchen beziehungsweise der Knabe erhalten nach altem keltischen
Brauch im Alter zwischen 12 und 14 Jahren ihren Erwachsenenstatus. Auch die junge Sonne (als
Sonnengott) erhält nun ihren magischen Namen, ihre Waffen, sowie ihren Auftrag in der Welt.

In der Perchtennacht wird die Macht der Rauhnächte, der wilden Jagd und des Winters gebrochen.
Es ist die Nacht, in denen man das Böse und die Unholde endgültig ausräuchert und schließlich mit
geweihter Kerze bannt. Darum geht der Bauer mit der Bäuerin in der Perchtennacht (heute in der
Nacht vor den Heiligen drei Königen) in Süddeutschland und Österreich nochmals räuchernd und
geweihte Kerzen brennend durch das Haus.

Der Perchtenabend wird in manchen Gegenden mit Maskenumzügen begangen, den bekannten
oberbayerischen Perchtenläufen, die aus heidnischer Tradition stammen und eine volkstümliche
Darstellung der "wilden Jagd" sind. Dieses auch heute bedeutendste Rauhnachtsbrauchtum findet
meist in der letzten Rauhnacht, am "Öberschten", statt. "Öberscht" (der Oberste) bezeichnet dabei
in der verchristlichten Rauhnachtszeit die Nacht vom 5. auf den 6. Januar, während bei den
Germanen natürlich der Abend des 2. Januar als Perchtenfest galt.

Dabei ziehen 12 häßliche (das alte Jahr) und 12 schöne (das neue Jahr) Perchten mit. Am Vorabend
zum "Öberschten" nun ziehen die "schiachen" (häßlichen) Perchten durch Dorf und Flur.
Ursprünglich handelte es sich dabei um zwölf Burschen, die in dunkle Felle und Vermummungen
gekleidet waren und altüberlieferte, kunstvoll geschnitzte Holzmasken trugen. Eine Anzahl
vermummter Gestalten folgte ihnen im geisterhaft flackernden Licht von Fackeln und
Windlichtern, während Trommeln und Kuhglocken dröhnten und Peitschen knallten.
Offensichtlich versinnbildlichte das Perchtenlaufen das ewige Naturgeschehen der Ablösung des
alten Jahres durch das neue, zumal anderntags die "schönen" Perchten, im Gefolge häufig die
gefesselten "schiachen" Perchten der vergangenen Nacht, durch die Dörfer zogen. Die vielen und
mannigfaltigen Volksgebräuche, besonders die Maskentänze, die verschiedenen Vermummungen,
die Austreibungen von Tier- und Teufelsgestalten bedeuteten ursprünglich nichts anderes als den
Sieg der Lichtkräfte, denen das Dämonenheer weichen muß.

Durch Lärmen und Rufen suchte man dies zu erreichen. Noch heute erinnern in manchen
ländlichen Gegenden Umzüge mit Peitschenknallen und Böllerschießen oder das sogenannte
Schreckläuten der Kirchenglocken an diesen alten Glauben vom Nutzen des "Heidenlärms". Auch
der Brauch des Silvesterfeuerwerks rührt hier her.

Die christliche Tradition ersetzte das Perchtenlaufen durch Beweihräucherung oder


Weihwasserbesprengung, um die Erde zum Leben zu erwecken und sie fruchtbar und ertragreich
werden zu lassen. Den lärmenden Perchtenläufen setzte das Christentum im Mittelalter auch die
Dreikönigsaufzüge entgegen und in neuerer Zeit kam das Dreikönigssingen hinzu. Allerdings sind
die Heiligen Dreikönige in Europa auch heidnischen Ursprungs, denn damit waren früher die drei
Schöpfungsgötter Odin, Hönir und Loki gemeint, welche von der Kirche mit den drei Weisen aus
dem Morgenland übertüncht wurden.

Das süddeutsche "Christkindl", das durch ein erwachsenes Mädchen dargestellt wird und in
weiblicher Gewandung umherzieht, wirkt auf den ersten Blick befremdend. Diese nach dem
christlichen Dogma völlig unerklärliche Gestalt versteht man sofort als christlich verbrämtes
Gegenstück der Frau Perchta.

Wie im Elsaß das weibliche Christkind, so bringt in Schweden Luzia am 13. Dezember mit einem
Kranz brennender Kerzen im Haar allerlei Gaben, was sehr an die Brigid des Imbolc-Festes
erinnert. Dies hat seinen Ursprung in der germanischen Auffassung von der Frau als Lichtträgerin,
als Gebärerin des neuen Lebens. Der Begleiter des Lichtkindes ist in Schweden Hans Trapp, in ein
Fell gekleidet und mit Rute und klirrender Kette ausgerüstet. Luzia selbst trat in Deutschböhmen
als Ziege auf ("Eisenberta") und in Mittelfranken als Kuh.

Am 4. Dezember verteilt die eilige Barbara Geschenke an die Kinder. Auch sie ist eine
Verchristlichung der Berchta. Katharina, Barbara und Luzia sind als "die drei heiligen Frauen" in
der Volksmeinung an die Stelle der drei Perchten getreten, und man hat sogar nach dem alten
germanischen, ja indogermanischen Mondkalender, welcher der Sonnenrechnung vorausging, ihre
Tage festgelegt. Der Tag der heiligen Katharina ist der 25. November. Neun Tage später folgte der
Tag der heiligen Barbara, und nach abermals neun Tagen der der Luzia.

Auch das am Weihnachtstage erscheinende "Christkind" ist eine der schwedischen Luzia ähnelnde
Erscheinung. Es steckt die Lichter am Weihnachtsbaum an und bringt die Geschenke. Diese
weibliche Gestalt kann nicht mit Jesus Christus in Einklang gebracht werden. Es ist darin vielmehr
die weibliche Göttergestalt aus germanischer Zeit zu sehen, die man Berchta (Berta), d.h. "die
Leuchtende" nannte. Der Name Luzia ist aber nichts anderes als die lateinische Übersetzung für
"die Leuchtende". Das zeitlich verschiedene Auftreten der beiden Gestalten ist lediglich in der
Verschiedenheit der Zeitrechnung begründet. Im Mittelalter war in Schweden der 13. Dezember der
Wintersonnenwendtag, der Brauch ist also ein Sonnwendbrauch.

Während in Bayern einst drei Perchten auf ihrer nächtlichen Wanderung in jedem Hofe Gaben
empfingen, gesellt sich in Kärnten zu den drei schönen Perchten eine vierte, "schiache" (häßliche).
Der Mondkalender umfasst drei Wochen von je neun Nächten und danach die drei dunklen Nächte
der Neumondzeit, daher ist den drei Wochen je eine schöne Perchta, der dunklen Zeit des
Mondlaufs aber eine vierte, häßliche und böse Perchta zugeordnet. Eine von den drei Schönen
kehrt in jedem Hause den Boden. Man findet sie in einem schlesischen Weihnachtsspiel als dort
unverstandenes "Kehrweibel" in Gesellschaft eines abermals weiblichen "Christkindes" wieder.

An Stelle des Schimmelreiters (ursprünglich Odin mit Sleipnir), der oftmals die Gaben bringt, und
für dessen Roß die Kinder Hafer auslegen, wird hier und da nur der weiße Schimmel als Spender
der Geschenke erwartet, in Nordböhmen das goldene Rößlein, manches Mal auch der goldene
Wagen.

3. Sabbat und Esbat


In Hexenkreisen bedeutet ein Sabbat eine Zusammenkunft. Auch die acht Jahresfeste werden von
Hexen gefeiert und heißen bei ihnen ebenfalls Sabbate, häufig werden sie auch "große Sabbate"
genannt (manchmal werden auch nur die Mondfeste so bezeichnet).

Das Wort Sabbat entstand aus dem babylonoischen Namen "Sabattu", abgeleitet von "sha-bat"
(babylonisch: Herzensruhe), für den Tag an dem die Göttin Ischtar (auch Innana genannt) durch
den Vollmond ihre Menstruation bekam und daher unpäßlich war. Um Ischtar nicht zu verärgern
oder zu reizen, wurde an diesem Tag nicht gearbeitet. Die Hebräer übernahmen das Wort "Sabattu"
und machten daraus den Tag, an dem ihr Gott von seiner Weltenschöpfung ausruhte. Der Ausdruck
wurde dadurch ins Hebräische und später ins Englische übernommen.

Dieser Begriff wurde von den mittelalterlichen Hexenjägern vom Sabbat der Juden hergeleitet,
welche noch vor den Hexen die Stereotypen für die Feinde Christi waren. Tatsächlich war die
früheste überlieferte Bezeichnung für eine Hexenversammlung "Synagoga". Erst im 20.
Jahrhundert hat sich der wiederbelebte Hexenkult diesen Begriff seiner Feinde zu eigen gemacht.

Von Hexen und vielen Heiden wird jedoch jede Vollmondnacht als ein kleinerer Feiertag angesehen
und Esbat genannt. Manchmal werden diese Nächte für Rituale, Feiern in der Gemeinschaft,
Meditation o.ä. genutzt. Häufig werden zusätzlich auch die Neumondnächte als Esbat angesehen.
Ein Esbat ist auch eine zu diesem Termin stattfindende Versammlung eines Hexenzirkels oder
Covens. Das Wort Esbat ist vom französischen "s'ebattre" (sich amüsieren, sich vergnügen, feiern)
abgeleitet.

Im Mittelalter sollen wilde Hexensabbate gefeiert worden sein, so jedenfalls steht es in kirchlich
geprägten Quellen zu lesen. In diesem Mythos spiegelt sich der ängstlicher Volksglaube und
christliche Verketzerung von wahrscheinlichen einfachen Jahresfesten wieder, die von Menschen
gefeiert wurden, die lediglich an ihrer alten Religion festgehalten haben.

Die Zahl 13 spielt heute wie früher dabei eine Rolle. Sie steht ursprünglich für die bis zu 13
Mondmonate eines Jahres, wurde aber später auch für die maximale Mitgliederzahl eines
Hexenzirkels oder Covens angenommen. Mit der Übernahme des Sonnenjahres und des
gregorianischen Kalenders wurde die 13 von der Kirche als Unglückszahl verteufelt, so wie auch
sonst alles, was mit dem Mond zu tun hatte.