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 Auf Grund des § 25 Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 2Satz 1 der Handwerksordnung in der Fassung der Be-kanntmachung vom 24. September 1998 (BGBl. IS.3074), der zuletzt durch Artikel 1 Nr. 26 des Gesetzesvom 24. Dezember 2003 (BGBl. I S. 2934) geändert wor-den ist, verordnet das Bundesministerium für Wirtschaftund Arbeit im Einvernehmen mit dem Bundesministeriumfür Bildung und Forschung:§ 1
Staatliche Anerkennung des Ausbildungsberufes
Der Ausbildungsberuf Schuhmacher/Schuhmacherinwird gemäß § 25 der Handwerksordnung zur Ausbildungfür das Gewerbe Nummer 25, Schuhmacher, der An-lageB, Abschnitt 1 der Handwerksordnung staatlich an-erkannt.§ 2
 Ausbildungsdauer
Die Ausbildung dauert drei Jahre.§ 3
Zielsetzung der Berufsausbildung
Die in dieser Verordnung genannten Fertigkeiten undKenntnisse (Qualifikationen) sollen bezogen auf Arbeits-und Geschäftsprozesse vermittelt werden. Diese Qualifi-kationen sollen so vermittelt werden, dass die Auszubil-denden zur Ausübung einer qualifizierten beruflichenTätigkeit im Sinne von § 1 Abs. 2 des Berufsbildungsge-setzes befähigt werden, die insbesondere selbständigesPlanen, Durchführen und Kontrollieren sowie das Han-deln im betrieblichen Gesamtzusammenhang ein-schließt. Die in Satz 2 beschriebene Befähigung ist auchin den Prüfungen nach den §§ 8 und 9 nachzuweisen.§ 4
 Ausbildungsberufsbild
Gegenstand der Berufsausbildung sind mindestensdie folgenden Fertigkeiten und Kenntnisse:1.Berufsbildung, Arbeits- und Tarifrecht,2.Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebes,3.Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit,4.Umweltschutz, 5.Planen, Vorbereiten und Durchführen von Arbeitsab-läufen,
*)Diese Rechtsverordnung ist eine Ausbildungsordnung im Sinne des§25 der Handwerksordnung. Die Ausbildungsordnung und der damitabgestimmte, von der Ständigen Konferenz der Kultusminister derLänder in der Bundesrepublik Deutschland beschlossene Rahmenlehr-plan für die Berufsschule werden als Beilage zum Bundesanzeiger ver-öffentlicht.
6.Umgang mit Informations- und Kommunikations-techniken,7.Handhaben und Warten von Werkzeugen, Geräten,Maschinen und technischen Einrichtungen,8.Kundenbetreuung und -beratung,9.Beurteilen und Einsetzen von Materialien, Werk- undHilfsstoffen,10.Herstellen und Bearbeiten von Schuhböden,11.Durchführen von Reparaturarbeiten,12.Herstellen und Bearbeiten von Schaftteilen,13.Zusammenfügen von Schuhböden und Schäften zuMaßschuhen,14.Anatomie, Physiologie und Pathologie der Bewe-gungs- und Stützorgane,15.Anfertigen von Fußumrisszeichnungen, Trittspuren,fußgerechten Zurichtungen sowie Fußbettungen,16.Durchführen von qualitätssichernden Maßnahmen.§ 5
 Ausbildungsrahmenplan
Die Fertigkeiten und Kenntnisse nach § 4 sollen nachder in der Anlage enthaltenen Anleitung zur sachlichenund zeitlichen Gliederung der Berufsausbildung (Ausbil-dungsrahmenplan) vermittelt werden. Eine von dem Aus-bildungsrahmenplan abweichende sachliche und zeitli-che Gliederung des Ausbildungsinhaltes ist insbesonde-re zulässig, soweit betriebspraktische Besonderheitendie Abweichung erfordern.§ 6
 Ausbildungsplan
Die Ausbildenden haben unter Zugrundelegung des Ausbildungsrahmenplans für die Auszubildenden einen Ausbildungsplan zu erstellen.§ 7
Berichtsheft
Die Auszubildenden haben ein Berichtsheft in Formeines Ausbildungsnachweises zu führen. Ihnen ist Gele-genheit zu geben, das Berichtsheft während der Ausbil-dungszeit zu führen. Die Ausbildenden haben das Be-richtsheft regelmäßig durchzusehen.§ 8
Zwischenprüfung
(1)Zur Ermittlung des Ausbildungsstandes ist eineZwischenprüfung durchzuführen. Sie soll vor dem Endedes zweiten Ausbildungsjahres stattfinden.
 Verordnungüber die Berufsausbildung zum Schuhmacher/zur Schuhmacherin
*)
 Vom 11. März 2004
Mit freundlicher Genehmigung der Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft
 
(2)Die Zwischenprüfung erstreckt sich auf die im Aus-bildungsrahmenplan für die Berufsausbildung für die ers-ten 18 Monate aufgeführten Fertigkeiten und Kenntnissesowie auf den im Berufsschulunterricht entsprechenddem Rahmenlehrplan zu vermittelnden Lehrstoff, soweiter für die Berufsausbildung wesentlich ist.(3)Der Prüfling soll in insgesamt höchstens siebenStunden zwei Arbeitsaufgaben I sowie zwei Arbeitsauf-gaben II ausführen.1.Für die Arbeitsaufgaben I kommen insbesondere inBetracht: a)Aufbringen und Ausputzen von Lederhalbsohlenund Absätzen an einem Paar vorbereiteter Herren-schuhe,b)Vorschleifen von Sohlen und Absätzen an einemPaar Schuhe mit Formsohlen.2.Für die Arbeitsaufgaben II kommen insbesondere inBetracht: a)Beschneiden von Brandsohlen und Schärfen einer Vorderkappe,b)Einbringen eines Riesters,c)Einarbeiten eines Fersenfutterpaares.(4)Weiterhin soll der Prüfling in insgesamt höchstens180 Minuten Aufgaben, die im Zusammenhang mit den Arbeitsaufgaben stehen, schriftlich lösen. Bei der Durch-führung der Arbeitsaufgaben sowie der schriftlichenBeantwortung der Fragen soll der Prüfling zeigen, dass er Arbeitsschritte und Arbeitsabläufe planen, Arbeitsmittelfestlegen, technische Unterlagen nutzen und den Zu-sammenhang von Technik, Gestaltung, Arbeitsorganisa-tion, Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit sowie dieSicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Arbeit be-rücksichtigen kann.§ 9
Gesellenprüfung
(1)Die Gesellenprüfung erstreckt sich auf die in der Anlage aufgeführten Fertigkeiten und Kenntnisse sowieauf den im Berufsschulunterricht vermittelten Lehrstoff,soweit er für die Berufsausbildung wesentlich ist.(2)Der Prüfling soll im Teil A der Prüfung in insgesamt18 Stunden zwei praktische Aufgaben durchführen sowieinnerhalb dieser Zeit in höchstens 20 Minuten hierüberein Fachgespräch führen. Hierfür kommen insbesonderein Betracht:1.Anfertigung eines Maßschuhpaares unter Verwen-dung vorgefertigter Schäfte und Materialien mit Bo-denbefestigung nach Wahl,2.Durchführung einer Schuhreparatur einschließlich Aufbringen von Langsohlen und Absätzen sowie Ein-arbeitung einer Schuherhöhung und einer Abrollhilfe.Dabei soll der Prüfling zeigen, dass er die Arbeitsabläufezielorientiert unter Beachtung wirtschaftlicher, techni-scher, gestalterischer, organisatorischer und zeitlicher Vorgaben selbständig und kundenorientiert planen, Infor-mations- und Kommunikationstechniken nutzen, Arbeits-zusammenhänge erkennen, die Arbeitsergebnisse kon-trollieren und dokumentieren sowie Maßnahmen zurSicherheit und zum Gesundheitsschutz bei der Arbeitsowie zum Umweltschutz durchführen kann. Durch dasFachgespräch soll der Prüfling zeigen, dass er fachbezo-gene Probleme und deren Lösungen darstellen, die fürdie Arbeitsaufgaben relevanten fachlichen Hintergründeaufzeigen sowie die Vorgehensweise bei der Ausführungder Arbeitsaufgaben begründen kann. Das Ergebnis der Arbeitsaufgaben ist mit 80 Prozent und das Fachge-spräch mit 20 Prozent zu gewichten.(3)Der Prüfling soll in Teil B der Prüfung praxisbezoge-ne Aufgaben im Prüfungsbereich Schuhtechnik, im Prü-fungsbereich Materialien, Hilfsmittel, Werkzeuge undMaschinen sowie im Prüfungsbereich Wirtschafts- undSozialkunde bearbeiten, die schriftlich zu lösen sind. Inden Prüfungsbereichen Schuhtechnik und Materialien,Hilfsmittel, Werkzeuge und Maschinen sind insbesonderedurch Verknüpfung technologischer und mathematischerKenntnisse fachliche Probleme zu analysieren, zu bewer-ten und geeignete Lösungswege darzustellen. Dabei sollder Prüfling zeigen, dass er die Arbeitssicherheits-, Ge-sundheitsschutz- und Umweltbestimmungen berück-sichtigen, die Verwendung von Werk-, Hilfs-, Beschich-tungsstoffen und Bauteilen planen sowie Werkzeuge,Geräte, Maschinen und Anlagen zuordnen, Herstelleran-gaben beachten und qualitätssichernde Maßnahmen ein-beziehen kann. Hierfür kommen insbesondere in Be-tracht:1.Für den Prüfungsbereich Schuhtechnik:a)Anatomie, Physiologie und Pathologie des Beinesund des Fußes,b)Beraten und Betreuen von Kunden,c)Anfertigen von Trittspuren, Leistenkopien und Fuß-bettungen,d)Entwerfen von Schaftmodellen und Schafteinzel-teilen, fußgerechten Zurichtungen und Kappenmo-dellen,e)Festlegen von Bodenbefestigungsarten,f)Auswählen, Bearbeiten und Zusammenfügen vonWerkteilen,g)Gestalten von Schuhgelenken und Absätzen,h)Behandeln und Finishen von Schuhen,i)Durchführung von Reparaturarbeiten.2.Prüfungsbereich Materialien, Hilfsmittel, Werkzeugeund Maschinen:a)Beurteilen von Ober- und Bodenmaterialien ausLeder und synthetischen Werkstoffen,b)Herkunft, Herstellung und Eigenschaften vonBoden- und Oberleder, insbesondere Beurteilenvon Gerbarten,c)Beurteilen, Bearbeitung und Einsatz von Werk-und Hilfsstoffen, insbesondere Futtermaterialien,Klebstoffe, Ausputzmittel, chemische Hilfsmittelund Schuhpflegemittel,d)Einsetzen von technischen Geräten, Werkzeugenund Maschinen.3.Für den Prüfungsbereich Wirtschafts- und Sozialkun-de kommen Aufgaben, die sich auf praxisbezogeneFälle beziehen sollen, insbesondere aus folgendenGebieten in Betracht: Allgemeine wirtschaftliche und gesellschaftlicheZusammenhänge der Berufs- und Arbeitswelt.
Mit freundlicher Genehmigung der Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft
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