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Der Franck-Hertz-Versuch

N. Dorfinger, S. Gerber, G. Heinrich, O. Huber, N. Stevanecz, J. Weingrill


19. März 2004

1 Historisches
Schon Lenard hatte 1902 gezeigt, daß Atome sich durch Elektronenstöße ioni-
sieren lassen. Die Elektronen, die von einer Glühkathode emmitiert werden, be-
schleunigen durch die Gitterspannung, können aber Aufgrund der Spannung zwi-
schen Anode und Gitter die Anode nicht erreichen und fallen auf das Gitter zu-
rück. Wird aber ein Gasatom ionisiert, so gelangt es zur Anode und kann dort als
Strom gemessen werden.

2 Anregung von Quantensprüngen durch Stoß


James Franck1 und Gustav Ludwig Hertz2 konnten 1913 erstmals die Existenz
diskreter Energieniveaus in Atomen zeigen. Bohr hatte postuliert, daß die Bahn-
drehimpulse der Elektronen ein ganzzahliges Vielfaches von h̄ dem Planck’schen
Wirkungsquantum sein müssen. Bohr zeigte weiters, daß Orbits ganz bestimmte
Energien zuzuordnen sind:
me e 4
En = − (1)
8ε0 h2 n2
Unter Berücksichtigung aller Konstanten kann man diese Energie am Beispiel
Wasserstoff auch in Elektronenvolt (eV) angeben:
−13.6
En = eV (2)
n2
Übergänge zwischen den Energieniveaus kann nur durch Abgabe oder Aufnahme
eines Photons erfolgen:
hν = En2 − En1 (3)
1
James Franck: 1882-1964, Nobelpreis in Physik: 1925
2
Gustav Ludwig Hertz: 1887-1943, Nobelpreis in Physik: 1925

1
Dieser Übergang lässt sich auch als Wellenzahl ausdrücken:
à !
1 ν me e4 1 1
= = 2
− 2 (4)
λ c 8ε0 h3 n2 n1 n2

Experimentell waren die Übergänge lange Zeit nur in der optischen Spektrosko-
pie bekannt. Diskrete Energiebeträge, die kleiner als die Ionisierungsenergie sind,
können bei unelastischen Stößen durch Elektronen auf das Atom übertragen wer-
den, und das Atom anregen. Die Anregung kann ebenso thermisch erfolgen. Beim
Wasserstoff wäre hierbei eine Energie von 10.21eV notwendig um ein Elektron
im Grundzustand in den Zustand n=2 zu bringen:
3
10.21 = kT ⇒ T ∼ 8 × 104 K (5)
2
Da derart hohe Temperaturen schwierig zu realisieren sind, geht man dazu über
die benötigten Energien in Form von beschleunigten Elektronen zu gewinnen.

3 Versuch

G A

UG I

UB

Abbildung 1: Versuchaufbau von Franck und Hertz

In einer sogennanten Klinger Röhre befindet sich das zu untersuchende Gas


bei einem Druck von etwa 4mbar. Der gesamte Aufbau muß temperaturstabili-
sert sein. Je nach Gasdruck ist eine Temperatur von etwa 180◦ C erforderlich. Ein
zu hoher Druck bzw. eine zu hohe Temperatur können das Messergebnis negativ
beeinflussen. Elektronen werden von der Glühkathode K aus emittiert und durch

2
die variable Gitterspannung UG beschleunigt. Zwischen Gitter G und Anode A
liegt eine geringe Bremsspannung UB . Sie soll jene Elektronen daran hindern die
Anode zu erreichen, die schon ihre Energie im Gasraum durch unelastische Stöße
verloren haben. Abgebremste Elektronen kehren zum Gitter G zurück. An der An-
ode wird der Strom I als Funktion der Beschleunigungsspannung UG gemessen.
Als Gas wird z.B. Quecksilberdampf (4,85eV) oder Neon verwendet.

4 Ergebnisse
I
2 unelastische Stöße

3 unelastische Stöße
1 unelastischer Stoß
elastische Stöße

UR UG

Abbildung 2: Messkurve: bei elastischen Stößen wird fast keine Energie übertra-
gen.

Sobald die Beschleunigungsspannung größer der Bremsspannung ist steigt der


Strom nach dem Raumladungsgesetz an. Wird die Ionisierungsenergie von z.B.
Quecksilber bei etwa UG ∼ 5V erreicht, so sinkt der Strom I stark ab und steigt
dann wieder bis UG ∼ 10V. Diese Beobachtung kann wie folgt gedeutet werden:
Erreichen die Elektronen eine kinetische Energie von ca. 5eV, so können sie mit
ihrer Energie ein diskretes Niveau der Hg-Atome anregen, in diesem Fall den 63 P1
Zustand. Die Anregung erfolgt nach dem Schema:
e− + Hg → Hg ∗ (Ea ) + e− − ∆Ekin (6)
Die Angeregten Quecksilberatome (Hg ∗ ) gehen nach kurzer Zeit wieder in den
tiefsten Energiezustand zurück:
Hg ∗ ⇒ Hg + hν (7)

3
Nach der Energieerhaltung bleibt den Elektronen nicht mehr genügend Energie,
um gegen die Bremsspannung anzulaufen. Bei einer Energie von etwa 10eV kön-
nen zwei Stöße erfolgen bzw. zwei mal die Energie abgegeben werden. Die be-
obachtete Energie entspricht der Hg-Linie bei 253,7nm oder 4,85eV in optischen
Spektren. Die Messkurve lässt sich weiter verfeinern, indem man zwei Gitter -
wie im Versuch von Franck und Knipping - oder eine indirekt geheizte Kathode
verwendet. Durch diese Methode werden die Elektronenenergien homogenisiert,
man erreicht dadurch eine höhere Auflösung. So werden weitere Energieniveaus
z.B. bei 6,73eV sichtbar.
Nicht alle beobachteten Maxima in der Stromstärke lassen sich einer Linie im
optischen Spektrum zuordnen. Das liegt mitunter daran, daß sich auch optisch
verbotene Übergänge anregen lassen. Zwei wichtige Punkte sind zu beachten:

• Die kinetische Energie der Elektronen ist nicht gequantelt.

• Die Auswahlregeln der optischen Anregung entsprechen nicht der Anre-


gung durch Elektronenstöße.

5 Quellenangaben:
• Haken, Wolf: Atom- und Quantenphysik; Springer 2004; 8. Auflage

• Demtröder: Experimentalphysik 3; Springer 2000; 2. Auflage

• David Ward: The Franck-Hertz Experiment; 1997