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Ulrich Robbe"

VOM UMGANG MIT "SCHWIERIGEN"PATIENTEN


ODER
WIE FRAU EINE INSTITUTION "SPRENGT".

> > 's war brollig und schleimdig Teufs,


Rumbten und korkten in Genauem,
Ganz jämmsig war'n die Bürogreufs ,
Und die meimen Raffeis gräuern. < <
(Alice im Spiegelland)

Vor-/Urteile über Krankheit und Delinquenz

Bereits das allgemeinpsychiatrische Krankenhaus wird von Müller (1981,


78) in seiner Zweideutigkeit dadurch charakterisiert, daß es sich immer ir-
gendwo zwischen dem Gefängnissystem und der kollektiven Verrücktheit
einrichten müsse (Racamier)1. Die Institution selbst impliziert offene und
versteckte widersprüchliche Funktionen, die mit den Stichworten Gemein-
schaft, Individuum, Grenzsetzung, Regression, Spiegelung der Realität,
Hospitalismus, Routine, mütterliche bzw. väterliche Rolle des Krankenhau-
ses umrissen werden können. Für den Patienten entsteht eine zwiespältige
Situation, die davon gekennzeichnet ist, daß die Institution selbst als eine um
Gruppenprozesse mit wechselndem Strukturierungsgrad organisierte sozia-
le Struktur begriffen werden muß, die den Patienten mit der Teilnahme an
einem experimentellen Setting konfrontiert, das in unterschiedlichem Aus-
maß die Aktivierung primitiver Objektbeziehungen verstärkt (Kernberg
1971). Um so kontroverser stellt sich das forensisch-psychiatrische System
im Versuch dar, einerseits die "alten Fesseln der kustodialen Epoche" ab-
zustreifen und andererseits als geschlossen-gesicherte Institution fungieren
zu müssen (Müller 1981, 176).

In der forensischen Psychiatrie wird der zwischenmenschliche Diskurs von


der archaischen Destruktivität im fragilen psychotherapeutischen Über-
gangsraum ebenso subversiv in Frage gestellt, wie die repressive Struktur

l im Original: < < s' installer quelque part entre le Systeme carceral et la folie
collective> >

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und "zynisch" reglementierende Praxis der Institution die therapeutischen - der strafrechtlichen Zwangsunterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus
Ideale destruieren (Sloterdijk 1983, 212). Die Widersprüche sind bereits der (als Fortsetzung des Einschlußsystems 'Heim')
allgemeinen Psychiatrie eigen und werden nicht nur als Spannungsfeld von - der dort u.U. erfolgenden tautologisch-diagnostischen Zuschreibung 'dissozialer'
Persönlichkeitsstrukturen,
'Bändigen-Pflegen-Therapieren' (Konrad 1985) bzw. von '\&rwahren-Über- - dem (diagnostischen?) Verdacht der 'Unberechenbarkeit' und ' Bösartigkeit',
wachen-Pflegen'1 (Jaeger 1990) charakterisiert, sondern auch in Polari- - der zusätzlichen eventuellen Attestierung von 'Hostilität' als Persönlichkeitsmerkmal,
sierungen von 'Arbeiten' versus 'Schwätzen' als Tätigkeitsmerkmale und - dem allmählichen (impliziten) Vorwurf der 'Therapieunfähigkeit' (!),
'Freunde' versus 'Rinde'als Patientenmerkmale (Konrad 1985, 60-63, 71- - der Bestätigung eines funktionellen Analphabetismus, ohne daß hierdurch die
72) deutlich. falsche Diagnose der Minderbegabung korrigiert würde.
Die forensische Psychiatrie hingegen bedingt offensichtlich Akzent- So forderte Schumann anstelle verständnisloser Abwendung und defensiver
verschiebungen auf den Patienten: Ihre Beziehungsfalle wird in anderer Ausgrenzung für diese Patienten vielmehr verständnisvolle Zuwendung,
Weise dichotomisiert und ursächlich dem als 'krank und gefährlich' (WGSP/ beherztes Engagement und liberale Lockerungspraxis ein.
ASJ 1990), als 'krank und/oder kriminell' (LWL 1984), als 'verrückt +
gefährlich'(WGSP 1989), als 'Patient oder \erbrecher'(Ehebald) bezeich- Das Subjekt(ive) diskrepanter Be-/Handlungen
neten Individuum zugeschrieben. Selbst Goudsmit (1985, 74) beschreibt
Therapie in der forensischen Psychiatrie als den Versuch, "zwischen der In Pörksens Formulierung der Double-bind-Situation von Hilfe/Hilflosig-
gefürchteten Scylla und der ebenso schaurigen Charybdis hindurchzusegeln''. keit, Macht/Ohnmacht wird Kruckenbergs Resümee eines gesellschaftli-
Verbunden hiermit ist auch das Stereotyp der nicht nur gazettenhaften Ver- chen Auftrags in der Allgemeinpsychiatrie zusammengefaßt, der darin
urteilung psychisch kranker bzw. gestörter Rechtsbrecher als 'Bestien' besteht, "Hilfe zu leisten und die Störung zu beseitigen. Bei psychischen Er-
(Rasch 1984, 11-12). Eine keineswegs nur historisch-anekdotische Ab- krankungen ist Heilung oder Linderung in der Regel nur möglich, wenn man
urteilung, die auch 1991 von Feller mit Bezug auf Schoeck (1984) bestäti- die Störungen nicht gleich beseitigt, sondern zunächst als Ausdruck realer
gend wiederholt wird: "Hier von 'menschlichen Zeitbomben' zu sprechen, Konflikte akzeptiert. Dem widerspricht in der Regel die gesellschaftliche
die im Wesge der Vollzugslockerung auf die Bevölkerung losgelassen Erwartung an die Psychiatrie, nämlich die Störung so schnell und so
würden, ist zwar drastisch, aber leider teilweise zutreffend, wie - manchmal schmerzlich wie möglich aufzuheben, zu unterdrücken, wenn nicht mit
bestialische - neue Verbrechen Untergebrachter anläßlich von Urlauben und direkter Gewalt, so doch auf dem Wege der Verschleierung: Abschieben,
Ausgängen dann zeigen "(Feller 1991, 186)". Derartigen weiteren verdrängen, projizieren, ungeschehen machen, isolieren, abtöten, diesel-
Verunglimpfungen der ohnehin doppelt stigmatisierten Patienten durch ben 'kranken' Problemlösungsmechanismen, die wir beim Einzelnen, inder
Außenstehende trat Schumann dezidiert entgegen. Familie, in gesellschaftlichen Gruppen und Systemen kennen, werden als
Denn die mehrfache Diskriminierung und Stigmatisierung besteht in einem Komp(l)ott Erwartungen an die Psychiatrie herangetragen und von uns häufig prakti-
aus ziert" (Pörksen 1980, 2-3).
- der gutachterlichen Diagnose einer Psychose oder schweren Persönlichkeitsstörung Inderseiben \\erkstattschrift zur Sozialpsychiatrie fordert Plog (1980, 15)
und/oder Minderbegabung, die Lösung und Befreiung der psychiatrischen Arbeit zur Wahrnehmung und
- der medicojuristischen Feststellung einer 'krankhaften seelischen Störung' oder Aufarbeitung des Subjektiven, d.h. von Leid(en) oder Angst, aus der als
'schweren anderen seelischen Abartigkeit' (!), Paralleleinrichtung zum Strafvollzug fungierenden Zwangsinstitution Psy-
- der juristischen Zuschreibung erheblich verminderter oder aufgehobener
chiatrie.
Schuldfahigkeit,
- der strafrechtlichen Verurteilung als Straftäter,
Das Subjekt(ive) des Patienten wird in der Tat innerhalb der medicojuristischen
Konstituierung der Maßregelvollzugsanstalt durch eine Logik ausgeblendet
2 im Original: < <garder-surveiller-soigner> > und verwaltend vergewaltigt, ist doch die Logik der Justiz als 'Advokat der

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Gemeinschaft' in der Tendenz gegen das Subjekt gerichtet. Sie fordert, der Das Subjekt des psychiatrischen Diskurses
Patient solle zugunsten der Gemeinschaft weitgehend auf seine störend-
gestörte, irre(nde), agressiv-sexualisierte archaische Subjektivität verzich- Denn 'Psychiaters Traum' (Rasch) fragt als ' W) lasse ich meine schwierigen
ten. "Diese Hintanstellung des Subjektiven im Subjekt hat zur Folge, daß ungeliebten Patienten' danach, wohin die vorhandenen "schwierigen,
nicht nur die Subjektivität des Täters äußerst unvollständig in das Blickfeld unbotmäßigen und auch agressiven psychisch Kranken'' angesichts vergleichs-
der Justiz gerät, sich nicht wirklich artikulieren kann, sondern auch, daß die weise schlechter Rahmenbedingungen und kaum erprobter Behandlungs-
Subjektivität des Opfers nur eine sehr marginale Berücksichtigung, findet" methoden weiter und erneut ausgegrenzt werden können (Schumann 1989,
(Schorsch 1992, 2). 7). Stierlin beurteilte derartig "zwielichtige Machtverhältnisse" als "charak-
Diese scheinbare Verkürzung wird allerdings durch die Benutzung ver- teristische Verschiebungen in der Dialektik Subjekt-Objekt'' (Stierlin 1978,
schiedener Argumentationstopoi bedingt, die vermeintlich von demselben 83). Dieses wiederkehrende Strukturmoment findet sich entsprechend
Subjekt als Subjekt-an-sich ausgehen, die innerhalb der forensisch-psychiatrischen institutionalisierten Praxis sowohl
unter kommunikationstheoretischen wie psychologischen wie soziologi-
- jedoch juristisch den Täter als Subjekt auf "eine kümmerliche zeitliche schen Gesichtspunkten als nicht ohne weiteres auflösbare zwischenmensch-
Dimension" des Tatzeitraums reduzieren, hingegen psychologisch von liche Abhängigkeitsbeziehung (Knoll 1985, 119):
einer (lebens-)langen zeitlichen Dimension des Subjekts ausgehen (Jakobs
1983, 22-23); - hierzu beschreiben Bateson und Mitarbeiter (1956, 16-23) die intensive
- darüberhinaus nicht strukturanalytisch zwischen dem imaginären Subjekt Verstrickung der Interaktionspartner, deren widersprüchliche Doppel-
als narzißtischem Ich eines reflexiven Selbstbewußtseins (< < moi > >) botschaften und deren Unfähigkeit zu metakommunikativen Feststellun-
und dem allgemeinen Subjekt der symbolischen Ordnung (< <je> > ) gen bekanntlich als Double-bind
unterscheiden (Geier 1983, 165-166), was gerade i n bezug auf die Unter- - und Goffman (1961, 43) charakterisiert die inadäquaten Erwartungs- und
werfung des Subjekts unter das Gesetz der symbolischen Ordnung Reaktionsmuster als "looping" innerhalb der Handlungskette von 'Tä-
wesentlich ist. ter' und 'Opfer'.
Wenngleich die (psychoanalytische) Psychotherapie von dieser Logik grund- Knoll arbeitet für die Allgemeinpsychiatrie präzise heraus, daß sich eine
sätzlich verschieden ist und urplötzlich als "Anwalt des Subjekts'in dessen spezifische Dynamik entwickelt, die Beziehungskonfusionen mit entspre-
Tendenz 'gegen 'die Gesellschaft auftritt, wird diese 'Parteinahme' im Maß- chender emotionaler und intellektueller Irritation auch auf seilen der Thera-
regelvollzug kaum geübt. Die ohnehin nie ganz verschlossene, hier brisant peuten (Lazarus 1983,21) impliziert. Die entstandene Double-bind-Wut des
erscheinende Kluft zwischen anarchischem Lustprinzip und dem durch Therapeuten werde autoritativ verboten und schamhaft verleugnet, so daß
soziale Gesetze geregelten Realitätsprinzip wird als Bedrohung auch des der Patient auf diese wahrnehmbare Angst seinerseits nur defensiv reagieren
eigenen therapeutischen Diskurses wahrgenommen: Was den juristischen, könne, was den o. g. zirkulären Prozeß fortsetze. Insofern hat der Psy-
den psychiatrischen wie den forensisch-psychotherapeutischen Diskurs chotherapeut "einen im besten Sinn unmöglichen Auftrag: Als Teil der Ord-
verbindet und ausmacht, ist das Prinzip einer Norm, in der das Symptom nungskräfte seines gesellschaftlichen Regelsystems muß er die ihm anver-
zum Zeichen reduziert wird - zu einem Anzeichen der Differenz des trauten zur Wieder-Regelhaftigkeit, zu Anpassungsleistungen und zu
Subjekts, die fraglich zu verringern oder in bestimmtem Rahmen zu halten Konsensusverhalten zwingen (jeder psychotherapeutische Verhandlungs-
ist (Letbrt 1976, 237). vertrag, jedes andere 'Setting', jede regelmäßige Medikamentenverordnung,
erst recht jede Dauermedikation, jeder Freiheitsentzug in therapeutischer
Absichtund schließlich und offenkundig jede Zwangsbehandlung enthältdas
hier thematisierte Moment spezifisch psychiatrischen Zwingens), und als

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patientenbezogener Therapeut ... muß er helfend auf die Verirrten zuge- Affektlogik der Ausgrenzung
hen" (Knoll 1985, 21).
Zweifelsohne unterliegen alle Patienten diesen institutionellen Zwängen,
'Sicherung' und/oder 'Besserung' denselben sachlogisch begründeten Routinen, den unterschiedlichen thera-
peutischen Des-/Interessen und den intra-wie extramural tradierten Vorur-
Hinzu kommt ein als 'Dembo-\&rsuch' (Rasch) charakterisierbarer Be-/ teilen. Dennoch gibt es in jeder Institution Patienten, die als unberechenba-
Handlungsauftrag: Die Psycho-/Therapie psychisch kranker Straftäter stellt re/gefährliche/schwierige/ unbehandelbare/störende Problempatienten die
auch eine Aufgabe dar, der zumindest tendenziell die Unmöglichkeit ihrer Affekte einzelner Mitarbeiter bzw. Stationsteams binden und auf sich
Erfüllung innewohnt (Veiel 1990). Von der widersprüchlichen Ausgangs- fokussieren. Diese strukturell ich-gestörten Patienten werden ebenfalls als
position des Besserungsauftrags des Strafgesetzbuches und des Maßregel- strukturell störende Individuen wahrgenommen (Kobbe 1992b), so daß eine
vollzugsgesetzes einerseits, der schlechten Prognose und der Zwangsunter- destruktive Interaktionsdynamik entsteht. Wenngleich sich bei der Kon-
bringung andererseits treten strukturell Momente der sog. 'unmöglichen' kretisierung der situativen Umstände die fremd- und/oder selbstaggressiven
Testanordnungen Dembos (1931) in Vordergrund, zu denen in den 30er Krisen bzw. Panikattacken allzuoft als nicht vom Patienten allein und nicht
Jahren im Umfeld von Lewin und Festinger klassische Untersuchungen zum einmal überwiegend von ihm zu verantworten dechiffrieren lassen, ist
motivationalen Einfluß angeblich lösbarer, hingegen unerfüllbarer Aufga- einerseits der Patient "bösartig", andererseits die Institution in ihrer
ben auf das Anspruchsniveau durchgeführt wurden (Lewin et al. 1944). Neigung zu chronischer Gewalt gerechtfertigt. Die Projektion und projektive
Hierzu beschrieb Heckhausen (1955) den Grundkonflikt zwischen Erfolgs- Identifikation der Aggression des Patienten löst bei diesem existenzbedrohende
wünschen und Mißerfolgsbefürchtungen sowie "eine Art Ansatz zur Angst, blinde Zerstörungswut und verzweifelte Abwehr der phantasierten
'Pathologie' des Anspruchsniveaus" (Caruso 1972, 117), wie beides bei Bedrohung aus, was auf seilen der Institutionsmitarbeiter als permanente
Psycho-/Therapeuten im Maßregelvollzug z. T. ausgeprägt anzutreffen ist Brisanz wahrgenommen wird und die Gefahr der gegenseitigen Induzierung
(Kobbe 1991b). Verstärkt werden derartige Situationen der "imaginären von aggressiv-gegenaggressiven Mechanismen in sich birgt, die im psycho-
Überzuständigkeit" des Individuums für sich und den anderen (Bäcker dynamischen Paradigma der Herrscher-Sklaven-Wippe (Hoppe 1986) ver-
1988, 113) u.a. durch Aufforderungen zum forensischen Einsatz therapeu- stehbar werden.
tischen Engagements für die Wahrnehmung der jeweiligen Verantwortung:
Diese ist im Gegensatz zu anderen Formen der Zwangsunterbringung per Angesichts der archaischen Dynamik des Patienten sind in den sich wiederholenden
PsychKG im Maßregelvollzug nicht mehr an Dritte (Juristen, Vormünder, Krisen "Innen und Außen, Fremd und Eigen kaum noch unterscheidbar, so daß die evtl.
Familienangehörige) abschiebbar (Crefeld 1988). gewünschte Zerstörung des Bösen im Inneren der Zerstörung eines äußeren Objektes
Um so eher wird der Auftrag des Wiedererzwingens der Regelhaftigkeit zur gleichkommt, oder durch die Zerstörung eines äußeren Objektes ein innerer Zustand
gerettet werden soll. Immer ist der Patient mit dem äußeren Objekt, das er angreift,
therapeutischen Versuchung, aus der heraus Therapeuten eine unkritische partiell verschmolzen. Somit liegen auch Autoaggression und Fremdaggression eng
Ungeduld des "therapeutischen" oder "erzieherischen Ehrgeizes" (Freud beieinander. Es kann praktisch nicht gelingen, das' Böse' in einer bleibenden objektiven
1912) zu entwickeln verführt sind, der das Subjekt(ive) des Patienten Form zu isolieren und auszuschalten" (du Bois 1992, 43). Andererseits sind diese
überwältigt (Kobbe" 1991 a). Denn gerade in einem Setting, das den Patienten Patienten außerhalb der kritischen Situationen kontakt- und beziehungssuchend, hilflos-
"unter dem Gesichtspunkt seiner Veränderbarkeit" betrachtet (Fengler & appellierend und u. U. sympathisch. Derart widersprüchliche Interaktionen führen zu
Fengler 1980, 324), muß die aggressive Versuchung des Therapeuten als extremen heterogenen Übertragungsreaktionen mit Impulsen des Ohrfeigens, des
Tröstens, der Zumutung von Eigen Verantwortung, der Übernahme von Fremdkontrolle,
Teil eines "manipulativen Verweisungshorizonts" (Bittner) groß sein. Es
der Verabreichung von Medikation, der Entwicklung von Schuldgefühlen usw. (du Bois
mobilisiert die dem Therapeuten unbewußten Äquivalente der eigenen Wahl 1992, 44). Kurzum, die emotionale Situation spiegelt das von Searles (1956) beschrie-
von Berufs- und Arbeitsfeld (Simmel 1926) und impliziert die Einbeziehung bene Bestreben des Patienten wider, den anderen verrückt zu machen.
von Zwang oder Gewalt auch in der Psycho-fTherapie (Hinrichs 1988,169).

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Psychotherapie: wider die Logik der Ausgrenzung Bedingungen und Chancen 'ex-klusiver' Therapie

Wenngleich es nur wenige Patienten gibt, bei denen diese extremen Re-/ Es wird bereits deutlich, daß dieses psychotherapeutische Vorgehen nicht
Aktionen in ihrer Wechselseitigkeit über Monate und Jahre hinweg auf die "Bewußtmachung des Unbewußten" und die "Gewinnung von Ein-
chronifizieren, so lösen sie nicht nur bei den Behandlern, sondern auch bei sicht' ' zielt, sondern als psychoanalytische Psychotherapie im Sinne Kernbergs
Schumann als leitender Ärztin eine 'schroffe Ambivalenzder Gefühlsregungen' (1992) verstanden werden muß, die die spezifischen Abwehrmechanismen
aus. Diese Patienten trotz und wegen ihrer Konflikte mit den Stationsteams berücksichtigt und bei Aufrechterhaltung technischer Neutralität ein Be-
dennoch psychotherapeutisch zu behandeln, beinhaltete für sie eine heraus- ziehungsangebot eigener Art macht. D.h. es geht um eine keineswegs
fordernde Verpflichtung und führte zur Entwicklung eines speziellen Kon- 'klassische' Therapie, sondern
zepts der psychoanalytischen Psychotherapie. Denn diese Patienten neigen - behandlungstechnisch um eine Erweiterung des Basisrepertoires (Deu-
zur Einverleibung ihrer Bezugspersonen, zur Verschmelzung mit ihnen, so ten, Widerstandsanalyse, Herstellen des Behandlungsbündnisses, Bearbei-
daß ein symbiotischer Prozeß entsteht, in dem die Stationsmitarbeiter von tung des Ich, des Überich und der äußeren Realität) durch individuell in-
Zeit zu Zeit in Gefahr sind, die destruktiven Affekte des Patienten in sich dizierte Techniken der symbolischen Wunscherfüllung, der symbolischen
aufzunehmen und auszuagieren. Reparationsleistungen, des Tröstens usw. (Cremerius 1978) sowie
Da der Therapeut also im Sinne Bions als ''Container'' für diese chaotischen - interpersonell um eine reflektierte Aufgabe persönlicher Neutralität und
und nicht integrierbaren Selbstanteile des Patienten fungieren muß, dies Abstinenz zugunsten eines konturierten, authentischen Anderen, der im
andererseits in derartigen Fällen als involviertes Mitglied des Stationsteams Sinne der Prinzipien 'Wärme Rhythmus und Konstanz' (Bartl 1984;
in zugleich reglementierend-entscheidender Funktion nicht kann, wurde Kobbe' 1989) gleichermaßen die o.g. grundlegenden emotionalen Erfah-
von Schumann modellhaft das Konzept des stationsexternen Psycho- rungen ermöglicht wie Orientierung, tragenden inneren und äußeren
therapeuten eingeführt. Dieser soll und kann aus einer ex-zentrischen Halt, schützende Struktur anbietet bzw. garantiert.
Position heraus am ehesten die Funktion des ' 'containing" erfüllen und aus-
haken. D. h. im exklusiven dyadischen Kontakt "muß das, was 'contained' Insofern steht der stationsexterne Psychotherapeut einerseits in enger
wird, unbedingt benennbar und gesprächsweise austauschbar werden. Nur Beziehung zur Institution (Stationstherapeut, Tearn, Bereichsleiter), nimmt
die affektiv betroffenen Personen sind im Stande, einen Handlungsrahmen er andererseits zugleich eine besondere, ex-klusive Position ein, die ihm die
und einen Verständigungsrahmen zu entwickeln, während Außenstehende Möglichkeit eines dritten Standpunkts3 eröffnet und in der sich Lefort eher
auf diese Situation entweder überhaupt nicht oder inadäquat reagieren" (du als einen gewissermaßen bezugnehmenden Vektor4 definiert (Lefort et al.
Bois 1992, 44). Hiermit wird zunächst eine Dualunion zwischen 'mütterli- 1976, 49). /
chem' Einzeltherapeuten und Patient entwickelt und eingegangen, doch be- l
zieht sich die Dyade in jedem Fall auch auf die ' väterliche' institutionelle Dieser dezidiert psychotherapeutische Ansatz ist so selbstverständlich nicht:
Instanz. Gerade die Verinnerlichung des väterlichen Strukturmoments Die 'Münze Therapie' werde in zwei Währungen gehandelt und sei
macht die Bedeutung der Triade als strukturellem Apriori zur Entfaltung inflationiert, schreiben Pfäfflin undHaake (1983, 97): Gerade "in schwer-
einer reifen Persönlichkeit aus (Lang 1992), doch bedarf sie bei diesen wiegenden Fällen zählt sie entsprechend weniger. Psychiater sind sehr viel
praeödipal gestörten, hospitalisierten Patienten grundsätzlich einer basalen zögernder in ihren Therapievorschlägen und Richter skeptischer. Es scheint
emotionalen Erfahrung innerhalb einer (Mutter-Kind-)Dyade. zu unklar und unsicher, was Therapie eigentlich genau ist. Juristen und
forensische Psychiater, sofern sie nicht selber Therapeuten sind, teilen diese
Unsicherheit".
3 im Original: < <la possibilite de faire un troisieme terme> >
4 im Original: < <un certain referent> >

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Aus-/Wege aus der dyadischen Beziehungsfaüe chose und der schweren Persönlichkeitsstörungen fürBehandlung zugänglich
macht und sie im Rahmen des Diskurses der Institution aus ihrer "ausweg-
In dieser realen wie symbolischen Double-Bind-Situation fordert Knoll losen imaginären Situation" (Mannoni) befreit. Hierfür zeigt Goffman
(1985, 122) als therapeutisches Ziel, jenseits von therapeutischem Nihilis- (1980) unterschiedliche Aspekte des Institutions- und Alltagsrahmens als
mus und "jenseits ritualisierter Ordnungsfunktionen eine weitgehende Be- organisierende Elemente von Alltagserfahrung auf, wobei er auch Batesons
freiung von der Angst vor der eigenen Desintegration zu erlangen". Ihm Überlegungen des 'Einklammerns' 7 (Bateson 1955) im Zusammenhang mit
geht es um "die radikale Reflexion eben auf die implizite Gewaltsamkeit des der Zer-/Störung des Anstalts-Rahmens einbezieht: Eine wesentliche Rolle
eigenen Ansatzes, des eigenen Handelns, der eigenen therapeutischen Phan- spielt dieser begrenzende wie potentiell haltende und schützende Rahmen
tasien" im Rahmen (psychoanalytischer) Supervision. Gerade hier interve- für die forensische Psychiatrie, weil sich dort der Rahmen der Institution
nierte Schumann direkt durch Einführung und systematische Förderung 'Maßregelvollzug' und der Institution 'Psychotherapie' überlagern. Daß
kontinuierlicher Team- wie Behandlungssupervisionen für die gesamte dieser Rahmen auch hal tend und schützend sein kann, zeigt Winnicott (1984)
Institution sowie durch quasi 'bedingungslose' Unterstützung von noch in seinen Arbeiten zur tragenden und haltenden Funktion der Mutter und des
ungewöhnlichen Wegen zur Garantierung von Supervisionsprozessen, auf Therapeuten.
deren unabdingbaren Stellenwert inbesondere Goudsmit (1986) und exem-
plarisch Pfäfflin und Haake (1983, 98-100) hinweisen. Die Selbstreflektion An-/Gebote psychotherapeutischen Engagements
soll den Behandlern ermöglichen, ihre bis dahin defensiv-objektivierende
und/oder instrumentellen Gegenübertragungen durch eine dialektische Praktisch bedeutet dies, daß die Institution dem oben beschriebenen Pro-
Sichtweise zu ersetzen und die therapeutische Situation "als konflikthafte blempatienten ein ganz eigenes Angebot machen muß, das sich der miß-
Beziehung zu verstehen, die von beiden Beteiligten gemäß ihren unter- bräuchlichen Verwendung des Hostilitätskonzepts zur diffamierenden Aus-
schiedlichen Rollen gestaltet und fortentwickelt wird" (Körner 1990, 96- grenzung von als 'feindselig' empfundenen Patienten (Müller-Isberner und
97). Nur in diesem Verständnis, daß jeder Übertragung eine Gegenübertragung Thomas 1992, 45) entgegenstellt und auch die darüberhinaus diagnostisch
vorausgeht (Gagel 1990), und den entsprechenden Interventionen im Sinne als 'dissozial' beschimpften Patienten wertschätzt. Insofern stellt sich die
eines Dazwischentretens kann eine ex-zentrische Position für den Therapeu- von Moser (171, 202-220) herausgearbeitete 'Psychopathenfrage'neu: Es
ten wie für den Patienten (Buchholz 1990) zur Verwandlung der dyadischen geht nicht mehr um die Akzeptanz der 'Zuständigkeit' für schwer persön-
Beziehung(sfalle) in eine triadische Beziehungsform erlangt werden (Kör- lichkeitsgestörte Patienten, sondern nunmehr um das konsequente, sprich
ner 1990, 99-101). Denn: wenn der Therapeut im forensisch-psychiatrischen psychotherapeutisch bedingungslose Eingehen auf alle diese Patienten in
Feld nicht nur die Symptomatik, sondern auch die ätiologischen und damit einem institutionellen Rahmen (Kobbe 1991 a), der bestimmte äußere Be-
auch die in den Maßregelvollzug führenden Faktoren5 beachten will, muß dingungen ebenso aufdrückt wie garantiert. Gerade hier bezog sich Schumann
er sich vergegenwärtigen, daß auch er selbst ein wesentlicher krank- (l 989, 7) auf Raschs Feststellung, auch heute noch würden die festen Häuser
heitsauslösender Faktor6 sein kann (Lazarus 1983, 22). des Maßregelvollzugs "allenthalben zur Disziplinierung oder Versorgung
schwieriger Patienten benutzt. Für das Personal derartiger Stationen, sofern
Das theoretische Ziel der Interaktionsanalyse muß analog Knoll (1985, 122) es ein therapeutisches Selbstveständnis entwickeln will, liegt der Wunsch
darin bestehen, "die genannten Prozesse in der Double-bind-Wut" in ein nahe, die therapeutisch nicht angehbaren Patienten einer noch weiter rand-
theoretisches Konzept einzubringen, das die destruktiven Elemente der Psy- wärts gelegenen Institution zuzuschieben" (Rasch 1983, 17). Sie bestreitet
das Recht der Psychiatrie, trotz zunehmend entwickelten 'sozialen Gewis-

5 im Original: < < la trajectoire qui a pousse les malades ou les detenus> >
6 im Original: < <un important facteur iatrogene> >
7 im Original: "framing"

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sens' gerade "diese Gruppe mit einem Achselzucken zu übergehen, weil sie Rahmen zu schlagen versucht ist, hinzunehmen. Man kann die Sprache nicht
schwierig ist und zahlenmäßig nicht ins Gewicht fällt'' (Schumann 1989, 3). innerhalb der psychoanalytischen Institution befreien wollen, wenn das nicht
zu Konsequenzen draußen, d.h. in der gesellschaftlichen Institution, in der
Hierfür Bedarfes zunächst der persönlichen und institutionellen Bereitschaft ja die psychoanalytische Institution selbst gefangen ist, führen soll" (Mannoni
zu einer von Schumann gegen den indirekten Widerstand der Institution 1973, 91).
entschieden formulierten und eingeforderten Akzeptanz des widerstreben- In dieser theoretischen Ziel- und Rahmenanalyse wird deutlich, daß sich die
den Patienten. Des weiteren bedarf es der therapeutischen Schaffung und Institution die 'Sprengung' selbst zufügen muß, um nicht "von der
Garantie eines potentiellen Ortes, der von Winnicott als 'Ubergangsraum' Unerbittlichkeit der Psychose 'gesprengt' zu werden" (Feuling 1991, 157).
bezeichnet wird. In ihm hat der Patient die Möglichkeit zur Entwicklung Die Metapher der Sprengung verweist auf die oben geforderte dialektische
eines - zunächst vagen - Gefühls latenten Vertrauens in den stationsexternen Form der Patient-Therapeut-Interaktion, in der die Institution auf den
Psychotherapeuten, um eigene neue Erfahrungen zu machen. Das rigide gesetzgeberischen Zusammenhalt eines institutionellen Diskurses verzich-
System der Anstalt sucht zu verhindern, daß Patienten ihr Subjektives dem tet. Ein solcher gesetzgebender Diskurs würde sich dem Subjekt in der Tat
objektiv Wahrnehmbaren überstülpen, so daß die Entdeckung des Objekts in der Form eines Befehls und eines Imperativs (kurz: werde gesund/
nicht (mehr) spontan erfolgen kann. Da jedoch jedes Objekt ein selbst normal!) aufzwingen und auf diese Weise nicht nur die Teilung eben dieses
'gefundenes', angeeignetes Objekt ist bzw. sein muß, um sinnhaftes Objekt Subjekts (bis hin zur Dissoziation) verschärfen, sondern auch dessen
zu werden, darf der Patient nicht vom Besser-/Wissen der 'erwachsenen' Gesprengtsein auf der Ebene des Körperbildes (Lefort 1976).
Behandler an den eigenen Entdeckungen gehindert werden (Mannoni 1976,
229-231). Anders ausgedrückt ist "ein abgeschlossener Diskurs, der 'alles' Zugleich muß in einer Fußnote Feulings (1991, 143 Fn 3) beachtet werden, daß der
Begriff der 'gesprengten' Institution als Gegensatz zu Goffmans Arbeiten über die
weiß, ... nicht mehr eine begehrende Menge, weil jeder Mangel, jede
'totale' oder' geschlossene' Institution zu verstehen ist, dies u. a. auch, weil angesichts
symbolische Differenz in ihm tendenziell verschwinden" (Lipowatz 1983, des von Goffman beschriebenen "Unterlebens" der Anstalt keine Institution wirklich
42). jemals total sein kann.
Insofern setzte Schumann sich und den externen Therapeuten mitsamt dem
Patienten in Widerspruch zu einer 'klassischen' Institution, die in Stereoty- Konkret bedeutet dies, daß die forensisch-psychiatrische Institution selbst
pen des 'normalen', inoffensiven, ungefährlichen Verhaltens gefangen ist, vornehmlich entlang der Abwehr der zwangsuntergebrachten, gestörten,
sich (auch) als das oktroyierte Gute begreift (Lefort) und mit Hilfe delinqenten Patienten, aber auch entlang der Abwehr(en) der Therapeuten
pädagogischer, psychotherapeutischer Kontrolle die 'korrekte' Produktion und der Institution selbst konstruiert sein sollte. Der Rahmen muß dement-
seines Systems versucht. sprechend sowohl die unvermeidlichen Wiederholungen des Symptoms
(aggressives Re- oder Gegenagieren, perverse Inszenierung usw.) zulassen,
Die "gesprengte" Institution wie auch in der Wiederholung Chancen des zu etwas u. U. nur minimal
Neuem eröffnen, was nicht möglich ist, wenn der circulus vitiosus von Ein-
Die Überlagerung der Rahmen führte Mannoni zu der Theorie der 'ge- schluß und Ausschluß des Patienten (in der Familie, in den Arbeitsbeziehungen
sprengten' Institution, die davon ausgeht, daß der institutionelle Rahmen der usw.) innerhalb der Institution von ihr starr reinszeniert wird. Hierbei bedarf
Psychotherapie nur so weit toleriert werde, wie diese sich dem System der psychotische/schwer persönlichkeitsgestörte Patient einer relativen
unterwerfe, das auch die (psychoanalytische) Therapie entfremdet (Mannoni Immobilität des Rahmens, die als symbolische Ordnung das Imaginäre des
1973, 232). Zum Erfolg könne diese Überlagerung der zwei Rahmen Patienten reaktualisiert, doch wird bei der 'Sprengung'dieses Rahmens die
folglich nur führen, "wenn der (extrem starre) Rahmen der psycho- Phantomwelt sichtbar, die der Patient der Institution als seinen Rahmen
analytischen Institution in ein institutionelles Milieu eingepaßt wird, das 'übergestülpt' hat (Mannoni 1973, 77-78).
flexibel genug ist, die Breschen, die der Patient in den institutionellen Folglich geht es um gegenseitige Anpassungsprozesse von Institution und In-

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dividuum, "um die Ermöglichung einer Dialektik der gegenseitigen Ab- Interaktion nur Mutismus, Amnesie oder Übergang zur (fremd-/auto-
grenzung und Beeinflussung, um einen intersubjektiven Prozeß zwischen aggressiven) Handlung nach sich zieht. Das neue Beziehungs- und Behand-
Subjekten. Einen solchen Prozeß anzustoßen, ist allerdings ein langfristiges lungsangebot an den "schwierigen" Patienten birgt in sich die Negierung
Ziel, das nicht leicht und schnell zu erreichen ist. Oft ist schon sehr viel er- der Frage nach der therapeutischen Effizienz, die sich an der schnellen, öko-
reicht, wenn es ein Oszillieren zwischen Subjekt- und Objektposition, nomischen Verringerung deliktspezifischer Symptomatik, an der Abnahme
zwischen Psychotiker und Institution gibt, wenn nicht ein statisches Entwe- unangenehm-unerwünschter Persönlichkeitseigenschaften, an der Aufgabe
der-Oder der phantasmatischen oder tatsächlichen gegenseitigen Unter- kritisch-ablehnender Ansichtsweisen des Patienten ermißt.
drückung und Vernichtung" erfolgen soll (Feuling 1991, 159).
Die Bezeichnung der relativen Immobilität verwies bereits darauf, daß es in
Wider die sozialtechnologische Ordnungsmacht der Anstalt der Therapie nur ein Setting mit möglichst gleichbleibend- kontinuierlichem
Charakter geben darf und doch muß der Rahmen ebenfalls "kontinuierlich
Das innovative Engagement für eine störende Handvoll strukturell ich- verändert, 'gesprengt' werden ..., weil sich sonst stereotype Haltung und
gestörter Patienten beinhaltet für Schumann unzweideutig die Infragestellung Aktionen beider Subjekte festhaken" (Feuling 1991, 159).
der eigenen Ordnungsfunktion als leitender Ärztin, die gleichzeitige Hierbei erscheint wesentlich, daß die 'gesprengte' Institution sich nicht ent-
Problematisierung der sowohl auf Behandler wie auf Patienten bezogenen lang der (prinzipiell unerfüllbaren) imaginären Bedürfnisse der Patienten,
Fürsorgepflicht und insofern die intuitive 'Sprengung' der Institution. Sie sondern an deren im Symptom ersichtlichen Konflikten entlang anpassen
führt zu einer Wiedereinführung des Subjektiven: Denn sie erlaubt dem Sub- muß. D.h. sie orientiert sich nicht auf die reale Bedürfnisbefriedigung hin,
jekt, sich auf der verbalen Ebene zu definieren, sich so potentiell von der sondern auf die symbolische Anerkennung dieser Bedürfnisse (Sechehaye
Institution zu separieren, ohne daß diese hierdurch in Frage gestellt würde 1986). Als Bedingung wird hierbei vorausgesetzt, daß die 'totale'Institution
oder Rechenschaft verlangte. Die Trennung wird just auf dem Niveau der im Sinne Goffmans ihren Anspruch auf Omnipotenz und Omnipräsenz auf-
Separation von Mutter und Kind als symbolische Trennung im Rahmen einer geben und sich selbst "- ohne sich dabei (schuldhaft) als defizitär zu em-
Individuation möglich, d.h. daß dem Subjekt gestattet wird, selbst Subjekt pfinden - als mangelhaft, d.h. als nicht vollständig situieren und anerken-
zu werden und vom Anderen als solches anerkannt zu werden (Lefort et al. nen" kann (Feuling 1988, 42). Analog muß eben auch der Therapeut über
1976, 48). Fähigkeiten verfügen, bei einem Menschen auszuharren, der als 'therapie-
unfähig'zusätzlich kulpabilisiert wurde - "und zwar ohne in das Gefühl des
Eine derartige keineswegs patentkonzipierte sondern experimentell-modell- Scheiterns oder Gescheitertseins zu fallen. Diese Negativ-Fähigkeit ist
hafte Therapieplanung beinhaltet auch, daß Schumann Zeit als psycho- wichtig und grundlegend für die Arbeit des Analytikers" (Laing 1975, 52).
therapeutischen Faktor einplant und sich insofern gegen Rentabilitäts- oder
Effizienz(über)forderungen stellt. Denn die archaischen Affekte bedingen Die symbolische Anerkennung des Konflikts des Patienten als seiner subjektiven
beim Patienten die Projizierung der Panik nach außen, d. h. ein Agieren auf ' Wahrheit' beinhaltet in der Anerkennung eigener Unvollständigkeit wie Mangelhaftigkeit,
der Handlungsebene, dessen therapeutisches Bearbeiten Zeit braucht. Zeit, daß ein neuer Diskurs entsteht, der sich von dem Diskurs der normalisierend-
verwaltenden Psychiatrie ebenso abgrenzt wie von den psychologischen Diskursen
aus der als 'verlorener Zeit' die emotionale Beziehung von Psychotherapeut
unterschiedlichster Herkunft, die universelle Therapeutik mit illusionärer Ganzheitlichkeit
und Patient gewebt ist und die als gegenwärtig scheinbar verlorene Zeit zu kombinieren. Insofern erfolgt nicht nur eine progressive Korrektur hinsichtlich der
einer zukünftig 'gewonnenen Zeit' wird (Mannoni 1976, 228). Zugleich 'totalen' Institution, die alle Ebenen des Anstaltslebens und -alltags dem institutionellen
vollzieht Schumann einen dialektischen Schritt im Umgang mit der in-/ Rahmen unterordnet, sondern auch bezüglich der reformierten Institutionen, die u. U.
direkten Machtausübung der Institution, deren Repräsentantin sie ist: Dies strukturell und subtil psychotherapeutisch totalisiert sind. Denn: "Dahin zu tendieren
aber ermöglicht eine qualitative Neugestaltung der Beziehungen zwischen ist ein fast' natürlicher', konservativer Zug jeder Institution soweit sie sich am Begriff
Patient und Institution, da eine auf re-/aktive Ausübung von Gewalt gestützte des Bedürfnisses orientiert; ihm zu entgehen, verlangt eine dialektische Vorgehensweise''
Feuling 1988, 43)

54 55
Befremdend-komplementäre Distanz(ierung)en De-/Zentrierungen: das Subjekt inner-/außerhalb des Diskurses

An dieser Stelle impliziert die Schaffung eines speziellen therapeutischen Hinsichtlich der institutionellen Dynamik wurde bereits beschrieben, daß der juristische
wie der forensisch-psychiatrische Diskurs ein 'Aus-dem-Zentrum-Rücken * des Subjekts
Settings, daß der Psychotherapeut
bewirken (Sartre 1966, 210):
- eine 'dritte', eine als dem Westf. Zentrum entfremdete und insofern im
- einerseits wird das Subjekt hier zwischen dem archaischen Es und dem tyrannischen
doppelten Sinn ex-zentrische Position und Überich als Ich eingeführt, das keineswegs eine mündige9 Person, sondern ein "Ort
- als stationsexterner Therapeut in zweifacher Bedeutung eine ex-klusive des Kräftekonflikts" ist, so daß das' Ich' des sprechenden Subjekts - wie bei Carrolls
Stellung einnimmt. Alice - keine Referenz auf den Sprecher und die Identität des stets schon gespaltenen
Subjekts10 gestattet (Ceier 1983);
Deutlich wird diese alsZumutung bis Anfeindung empfundene Distanz(ierung) - andererseits wird der Patient durch die Unterbringung ein ebenso juristischer wie
des im Stationsrahmen nicht miWagierenden Therapeuten im Bericht von medizinischer' Fall' und verliert er hierdurch seine Sprache, da er in einer Beziehung
Pfäfflin und Haake (1983, 100), denen "es fast unmöglich" war, "dem gefangen ist, die ihn nur noch als 'Sprache des gefahrlichen Verrückten' anhört,
Stationspersonal und den ärztlichen Kollegen klarzumachen, daß die The- indem sie auf psychopathologische Symptome oder Anzeichen von Gefährlichkeit
fixiert ist:
rapie nur gelingen konnte, wenn sie sich voll auf die Bearbeitung der Phan- - und gerade hier wird das Subjekt des langzeituntergebrachten, als 'dissozia!',
tasien des Patienten und der Übertragungsbeziehung zu mir konzentrierte 'hostil'und 'refraktär'stigmatisierten Patienten zu einem dezentrierten Subjekt, das
und sich auch darauf beschränkte. Immer wieder versuchten sie, mich in "nicht Synthesis sondern unheilbarer Riß" ist (Foucault 1977, 36);
Entscheidungen über Medikation, Diskussionen über Konflikte auf der - somit ist das institutionelle Sprechen auf ein 'leeres' Sprechen reduziert, wird der
Station oderUrlaubsregelungen usw. einzubeziehen". Zugleich aber'braucht' Dialog zum kodifizierten Austausch und die dialektische Verarbeitung der Emotionen
der stationsexterne Therapeut gerade diese Stationskollegen und das Team unmöglich: "Das Subjekt nimmt die Kriterien der objektivierenden Diagnose auf
als 'Ort' des Verbotes, des Gesetzes, als souverän entscheidenden, regel- sich, es vertauscht seinen Status als sprechendes Subjekt mit dem Status eines
Repräsentanten einer objektivierten Krankheit", unterstellt der institutionellen
vertretenden und -setzenden Vater, auf den er sich beziehen kann (s.o.) und Autorität das Wissen und trifft hierbei "meist auf ein Nichthören von Seiten der
der in seiner Distanzierung innerhalb der strukturalen Triade (Lang 1992) Autorität, was zur Folge hat, daß das Subjekt als sprechendes verschwindet und sich
eine Schutz- und Ordnungsfunktion erfüllt, indem er diese Ordnung reprä- in einer bestimmten Diagnose von Normalität oder einer krankheitsmäßigen
sentiert und garantiert. Klassifikation auslöscht" (Brunner 1984, 16);
- darüberhinaus wird dieses im sartreschen Sinn hinter seiner 'Negation' verschwin-
Dies ermöglicht neben den zuvor genannten behandlungstechnischen Vor- dende Subjekt zum 'Sub-jekt'(Lacan), dem diese diskursive Praxis Gewalt antut und
das so als langzeithospitalisiert-chronifiziertes, angeblich unbehandelbares, gefähr-
teilen eine auch distanzierte und hierdurch u.U. kritische Haltung gegenüber
liches Individuum aus dem Fokus des Westf. Zentrums gerückt wird und erst durch
dem institutionellen System und seiner Leiterin - ein Wagnis, das als eigenes Agieren und durch die Thematisierung der leitenden Ärztin (wieder) zur
wiederholtes, durch Schumann selbstinszeniertes 'Sprengen' des sich im- Sprache (sie!) kommt.
mer wieder verkrustend und erstarrend stabilisierenden Rahmens verstan-
den werden muß.

8 im Original: < < dgcentrement >>


9 mündig = sprachbefähigtund sprachautorisiert im Gegensatz zur institutionellen,
auch gerichtlichen Ent-mündigung des infan- tilisierten Subjekts
10 als « sujet de /' 6nonc6 > > und < < sujet de /' enonciation > >

56 57
Das Subversive des therapeutischen Diskurses
hin wirksame medizinische Modell sagt: Deine Wit, Deine Depression,
Deine Besessenheiten, alles das können wir wegpusten und anschließend
Wenn psychotische und schwerst persönlichkeitsgestörte" Patienten sich
anders beginnen^. Folglich bleibt der institutionelle Diskurs, dem das
zudem außerhalb des Diskurses situieren, so entsteht durch die Einführung
Subjekt unterworfen wird (s.o.), durch die beiden Extrempole 'Aggression'
des Einzeltherapeuten ein Bezugspunkt, ein Ort, der von jedem Subjekt
und 'Faszination' charakterisiert, d.h. durch die Zerstörung des anderen als
anrufbar ist und in den sich auch das Sprechen des gestörten Subjekts als
anderem bzw. durch die Faszination des eigenen Ich als anderer. Hier bedarf
noch so sinnentleerter Diskurs12 einschreiben kann (Lefort 1978, 246). Mit
es zur Durchbrechung dieser Beziehung der Nichtanerkennung (= Negation)
einer solchen 'subversiven 'Wiedereinführung des externen Einzeltherapeuten
eines Dritten, der die Sprache als symbolische Ordnung einführt, so daß dem
für das bis dahin sprachlose Subjekt, der seinem Sprechen einen - subjek-
Patienten die Möglichkeit gegeben wird, seinen Wunsch mit der sozialen
tiven - Sinn gibt und es nicht formal-desinteressiert wie eine Strafvoll-
Realität ebenso zu verbinden wie die Flucht ins Imaginäre oder Reale zu
streckungskammer anhört, beginnt ein langer (therapeutischer) Weg, der die
wählen, ohne daß dem ein institutioneller Imperativ entgegen gestellt würde.
Fähigkeit der Behandler herausfordert, sich anrufen/be-treffen und von den
Mit diesem Eintritt in die symbolische Ordnung kann das Subjekt somit
Auswirkungen zeichnen zu lassen, die das Unerträgliche eines subjektiven
teilweise aus der aggressiven Spannung heraustreten, in der es innerhalb des
Dramas als Noch-Nicht-Benennbares erzwingen 13 (Mannoni 1976b, 262).
kollektiven Diskurses gefangen ist. Die Sprache ermöglicht dem Patienten,
am Ort des Anderen sein Sprechen in seiner Wahrheit zu erkennen, da dieses
Mit dieser Initiative erfüllt Schumann auch eine Forderung Lacans nach der
Sprechen eine wechselseitige Anerkennung ermöglicht, insofern auch eine
quasi subversiven Situierung des Subjekts: Es befindet sich nun als Subjekt
symbolische Dialektik von Anwesenheit und Abwesenheit impliziert (Brunner
der Therapie wie als Subjekt in der Therapie in einer zwiespältigen Be-
1984, 10). Diese gegenseitige Abhängigkeit von An- und Abwesenheit wie
ziehung zum Wissen (Lacan 1960, 167), was als die "Rückkehr der Wahr-
von Praxis und Theorie des Diskurses ist ein höchst labiles und zerbrechli-
heit" des gestörten Subjekts innerhalb der maßregelvollziehenden Instituti-
ches Verhältnis, das dadurch bedingt ist, daß der Diskurs des Macht-Wissens
on zu begreifen ist, das sich auf dem Feld ihrer Praxis behauptet: "ver-
die 'innere' Trennungslinie im Symbolischen durch eine 'äußere'
drängt, kehrt sie dort wieder" (Lacan 1960, 172).
Trennungslinie im Realen substituiert und folglich die Differenz der Subjekte
Hiermit kann das Subjekt versuchen, die Szene des Dramas dadurch zu-
und der Diskurse verschleiert (Lipowatz 1983, 42-43).
gunsten einer Szene der Komödie zu verlassen, daß es das medizinische
Modell verwirft, in dem das Subjekt als reduziert-reduzierendem medizini-
Die Subversion der Anstalt
schem Diskurs gefangen ist. Mannoni (1976b, 262-267) verweist auf die
Metapher des 'Kartenhauses' für die Personen von Alice14, denn das bis da-
Mit diesem experimentellen Entwurf einer priviligiert erscheinenden The-
rapie 'aussichtsloser' Fälle f= unterpriviligierter Patienten) versucht
Schumann also, die imaginären Effekte der Maßregelvollzugseinrichtung
aufzulösen, die diesen Patienten jegliche Veränderung unmöglich machen.
11 = prä-verbal gestört, noch nicht symbolisierungsfähig
Im Gegensatz zur Institution, die den Platz des Gesetzes einnimmt und eine
12im Original: <<undiscours le plus vide de sens qui soit> >
13im Original: < < le debut d'une longue marche, qui exige le support d'adultes Zensur der "Markierungen des Unbewußten'' (Brunner) durch diagnostische,
capables de se laisser interpeller et marquer par les effets de ce qui, de soziale und/oder administrative Maßnahmen ausübt, läßt sich der ex-
l'intolerable d'un drame, ne peut trouver ä etre nomm6> > zentrische Diskurs des Dritten als \&rwerfung der Institution und seines
14" > > Wer wird sich denn um euch scheren? < < sagte Alice ..., > > ihr seid Macht-Wissens (Foucault) auf das abweichende Sprechen des Patienten als
ja nichts weiter als ein Kartenspiel! < < " (Carroll 1865, 125) ; denn: Prozeß der Herstellung einer Wahrheit auf der Ebene des Subjekts des Unbe-
" > > Die Frage ist < < , sagte Hampti Dampti, > > wer das Sagen hat - das
ist alles< <" (Carroll 1889, 90); - vergleiche auch Geier (1983) - 15 im Original: < < c'est-ä-dire: ta colere, ta depression, tes obsessions, tout ca,
on peut souffler dessus et partir ensuite autrement> >

58
59
wußten ein, denn der "Angelpunkt" jedes Besserungsgedankens des rum die Therapie selbst, stellt sie doch die Indikationsfrage,
Maßregelvollzugsgesetzes wie jeden Behandlungsversprechens der Institu- —"ob die Anstalt imstande ist, dem Patienten ein einigermaßen therapeu-
tion "ist die Praxis. Sie ist die offene Flanke der Ideologie" (Sartre 1975, tisches Milieu zu gewährleisten,
40). Weder romantisch-unrealistisch noch radikal-antipsychiatrisch ausge- —ob beim Personal genügend Verständnis für eine analytische Behandlung
richtet übte Schumann implizite Institutionalismuskritik und setzte diese bei eines Insassen besteht,
aller Ambivalenz im Sinne des Prinzips der "gesprengten 'Institution durch. —ob also das Personal nicht einer Behandlung ablehnend gegenübersteht''
Trotz des resultierenden "bisweilen 'insularen' Standpunkts" (Brunner
1984, 22) öffnete sie dem Subjekt(iven) innerhalb der Institution ein
Sprachfeld, das das Hauptprinzip der Institution gerade für die mehrfach
benachteiligten, angstabwehrend nichtbehandelten, gefährlich-problemati- ...am Ende der Ausgrenzung
schen Maßregelvollzugspatienten durchbrach.
Schumann selbst fragte 1990 co-mentierend nach: ' 'Haben wir gelernt oder
Mit diesem engagiert-subjektiven therapeutischen Programm macht versuchen wir wenigstens, jeden uns anvertrauten Patienten unabhängig von
Schumann zugleich den Versuch, die von Sartre beschriebene "Notwendig- seiner Störung, von seiner Gefährlichkeit, vom Grad seiner Schuldfähigkeit,
keit" einzulösen, "das Begriffspaar Wissen-Macht zu spalten und die darin unabhängig von seiner Lästigkeit, von seiner Intelligenz, von seinen
begründete Allianz aufzukündigen" (Basaglia et al. 1980, 41), hiermit die Therapiefortschritten zu akzeptieren; haben wir gelernt oder versuchen wir
totale Institution des Maßregelvollzugs zu einer therapeutischen zu re-/ es wenigstens, anzunehmen, zu integrierenstattauszugrenzen?" (Schumann
formieren. Solchermaßen "subversiv inszenierte Reformen" mußten auf 1990, 171). Programmatisch fordert sie, "gemeinsam sollten wir die Ver-
den Widerstand von Teilbereichen der Institution treffen, die um ihr Wissen antwortung für die schwächsten, doppelt stigmatisierten Glieder in der psy-
über den Patienten und damit ihre Macht über ihn fürchten, sodaß es, wie chiarischen Gesamtversorgung tragen und aus Vergangenheit und Gegen-
von Wulff (1975, 119-120) beschrieben, nur zu punktuellen, isolierten wart lernen, was am Ende jeglicher Ausgrenzung stehen kann und steht".
Strukturkorrekturen'' am Beispiel der o.g. Patienten kommen konnte. Denn
"die Definitionskompetenz über das Reguläre und das Irreguläre, das Nor-
male und das Deviante ist Gewaltkompetenz: Sie beschreibt nicht nur
eigenhändig ihr Gegenstandsfeld, sondern stellt es jeweils auch selber her"
(Basaglia und Basaglia-Ongaro 1975, 25), indem das institutionelle Interes- Literatur
se daraufgerichtet ist, Informationen über den Insassen zu erhalten (s.o.).
Im Gegensatz hierzu entsteht das von der Macht getrennte Wissen des Bäcker, R. (1988)
externen Psychotherapeuten durch den Patienten selbst, der innerhalb des Therapie zur Normalität? Einige kritische Bemerkungen zur klienten-
psychotherapeutischen Diskurses in seinem abweichenden Sprechen Berei- zentrierten Gesprächspsychotherapie und zur Urschreitherapie.
che thematisiert, die der Verdrängung unterliegen, und gleichzeitig einen in: Forum Kritische Psychologie 21 (1988) 107-119
Übergangsraum öffnet, der die zuvor erwähnte auch angstbesetzte Faszination
ausübt. Dennoch machen die von Schumann durchgesetzten Veränderungen Bartl, Günther (1984)
in ihrem Modellcharakter sichtbar, was unter den gegenwärtigen maßregel- Der Umgang mit der Grundstörung im Katathymen Bilderleben,
vollziehenden Verhältnissen einerseits möglich und realisierbar, anderer- in: Roth, J.W. (Hrsg.). Konkrete Phantasie. Neue Erfahrungen mildem Ka-
seits innerhalb der institutionellen Machtinteressen unerwünscht ist. tathymen Bilderleben. Huber, Bern/Stuttgart/Wien (1984) 118-129
Diese Infragestellung des institutionellen Machtmonopols gefährdet wiede

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