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Inhaltsverzeichnis der Minikurse nach Themen

1. Glaubensgrundsätze des Islam


Anthropomorphismen – die „vermenschlichende“ Rede von Allah
Auferweckung der Toten nach dem Koran
Bibel: Der Glaube an die Bücher
Bireligiöse Ehen Mohammeds
Engel – Dschinn
Gericht Gottes: Die Vorzeichen des Endgerichts im Islam
Heiliger Geist im Islam
Koran, seine Entstehungsgeschichte und Überlieferung
Abrogation – Aufhebung mancher Koranstellen durch andere
Mohammed – ein echter Prophet?
Mohammeds Leben
Mohammed und seine Feinde
Quellen des Koran
Paradieserwartung im Islam
Prädestination und freier Wille im Islam
Propheten
Tauhid – der eine Gott
Vergibt Allah? – „Vergebung“ im Koran

2. Pflichten des Islam


Anbetung im Islam
Bekenntnis-Schahada
Fasten
Gebet im Islam
Hadsch – die muslimische Pilgerreise nach Mekka
Islamisierung
Mission: Da`wah - Der Ruf zum Islam
Zakat - Sozialabgaben

3. Geschichte des Islam


Ahmadiyya-Sekte
Aleviten
Osmanisches Reich und die moderne Türkei
Schiiten
Sunniten
Vier Rechtsschulen im Islam

4. Islam und Christentum


"Heilsgeschichte" im Islam?
Der Charakter von Jesus im Koran
Jesu Geburt nach dem Koran
Jesu Kreuzigung in islamischer Sicht
Jesu Würdenamen im Koran
Maria (Maryam), die Mutter Jesu
“Schutzbefohlene“ - Christen und Juden unter islamischer Herrschaft
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Was sagt der Koran zu der Beziehung zwischen Muslimen und Christen?

5. Islamische Gemeinschaft und Alltag


Abfall vom Islam (Irtidad)
Ängste im Volksislam
Arabisch – die Sprache des Islam
„Buße“ oder „Umkehr“ im Koran
Ehre und Schande
Ehre und Schande in Koran und Hadithen
Feiertage und Feste
Frauen im Islam – islamische Eheverträge
„Friede“ im Islam
Gastfreundschaft
Glaubens-Toleranz im Islam
„Gute Werke“ im Islam
Hadith
“Haus des Krieges“ (dar al-harb) - die nicht-islamische Welt
Kindererziehung im Islam
Mann im Islam
Märtyrer im Islam
Mensch - nach den Aussagen des Koran
Moschee
Nationalismus und Islam
Opferfest
Reinheitsauffassungen im Islam
Scharia - das islamische Recht
Sexualität im Islam
Träume im Islam
Umma - die islamische Gemeinschaft
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Alphabetisches Inhaltsverzeichnis der Minikurse:

Abfall vom Islam (Irtidad)


Abrogation – Aufhebung mancher Koranstellen durch andere
Ahmadiyya-Sekte
Aleviten
Anbetung im Islam
Ängste im Volksislam
Anthropomorphismen – die „vermenschlichende“ Rede von Allah
Arabisch – die Sprache des Islam
Auferweckung der Toten nach dem Koran
Bekenntnis-Schahada
Beziehung zwischen Muslimen und Christen – Was sagt der Koran dazu?
Bibel: Der Glaube an die Bücher
Bireligiöse Ehen Mohammeds
Der Charakter von Jesus im Koran
Ehre und Schande
Ehre und Schande in Koran und Hadithen
Engel - Dschinn
Fasten
Feiertage und Feste
Frauen im Islam – islamische Eheverträge
„Friede“ im Islam
Gastfreundschaft
Gebet im Islam
Gericht Gottes: Die Vorzeichen des Endgerichts im Islam
Glaubens-Toleranz im Islam
„Gute Werke“ – „sevap“ im Islam
Hadith
Hadsch – die muslimische Pilgerreise nach Mekka
“Haus des Krieges“ (dar al-harb) - die nicht-islamische Welt
Heiliger Geist im Islam
"Heilsgeschichte" im Islam?
Islamisierung
Jesu Geburt nach dem Koran
Jesu Kreuzigung in islamischer Sicht
Jesu Würdenamen im Koran
Kindererziehung im Islam
Koran, seine Entstehungsgeschichte und Überlieferung
Mann im Islam
Maria (Maryam), die Mutter Jesu
Märtyrer im Islam
Mensch - nach den Aussagen des Koran
Mission: Da`wah - Der Ruf zum Islam
Mohammed – ein echter Prophet?
Mohammeds Leben
Mohammed und seine Feinde
Moschee
Nationalismus und Islam
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Opferfest
Osmanisches Reich und die moderne Türkei
Paradieserwartung im Islam
Prädestination und freier Wille im Islam
Propheten
Quellen des Koran
Reinheitsauffassungen im Islam
Scharia - das islamische Recht
Schiiten
„Schutzbefohlene“ - Christen und Juden unter islamischer Herrschaft
Sexualität im Islam
Sunniten
Tauhid – der eine Gott
Träume im Islam
Vier Rechtsschulen im Islam
Umma - die islamische Gemeinschaft
Vergibt Allah? – „Vergebung“ im Koran
Zakat - Sozialabgaben
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Minikurse nach Erscheinungsdatum mit Originaltitel und Autorenkürzel:

1997-1: Hadith KM
1997-2: Opferfest whä
1997-3: Da`wah - Der Ruf zum Islam KM
1997-4: Die Propheten whä
1997-5: Ahmadiyya whä
1997-6: Würdenamen Jesu im Koran KM
1998-1: Der Glaube an die Bücher KM
1998-2: Die Vorzeichen des Endgerichts im Islam KM
1998-3: Aleviten whä
1998-4: "Schutzbefohlene" - Christen und Juden unter islamischer Herrschaft KM
1998-5: Fasten KM
1999-1: Umma - die islamische Gemeinschaft whä
1999-2: Abfall vom Islam (Irtidad) KM
1999-3/4: Die Engel KM; Die Dschinn whä
1999-5: Die Kreuzigung Jesu in islamischer Sicht CS
1999-6: Die Geburt Jesu nach dem Koran KM
2000-1: “Haus des Krieges" (dar al-harb) - die nicht-islamische Welt KM
2000-2: Die Auferweckung der Toten nach dem Koran KM
2000-3/4: Kindererziehung im Islam CS
2000-5: Die Scharia - das islamische Recht whä
2000-6: Maria (Maryam), die Mutter Jesu KM
2001-1: "Heilsgeschichte" im Islam? KM
2001-2: Die Schiiten CS
2001-3/4: Bekennen-Bekenntnis-Schahada MK
2001-5: Ängste im Volksislam KT
2001-6: Der Mensch - nach den Aussagen des Koran KM
2002-1: Paradieserwartung im Islam KT
2002-2: Die Moschee MK
2002-3: Vergibt Allah? – „Vergebung“ im Koran MK
2002-4: Gebet im Islam MK
2002-5: Mohammeds Leben MK
2003-1: Zakat – Sozialabgaben KM
2003-2: Koran, seine Entstehungsgeschichte und Überlieferung MK
2003-3: Frauen im Islam – islamische Eheverträge CS
2003-4: -
2003-5: Mohammed – ein echter Prophet? MK
2004-1: Die „guten Werke“ im Islam“ MK
2004-2: „Friede“ im Islam KM
2004-3: Hadsch – die muslimische Pilgerreise nach Mekka MK
2004-4: Märtyrer im Islam KT
2004-5: Quellen des Koran MK
2005-1: Islamisierung KM
2005-2: Osmanisches Reich und die moderne Türkei RB
2005-3: Arabisch – die Sprache des Islam KM
2005-4: Ehre und Schande CS
2005-5: Was sagt der Koran zu der Beziehung zwischen Muslimen und Christen? BD
2006-1: Mann im Islam MK
2006-2: Mohammed und seine Feinde BD
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2006-3: Prädestination und freier Wille im Islam CS


2006-4: Sexualität im Islam KT
2006-5: Anbetung im IslamMK
2007-1: Gastfreundschaft KM
2007-2: „Buße“ oder „Umkehr“ im Koran KM
2007-3: Heiliger Geist im Islam MK
2007-4: Bireligiöse Ehen Mohammeds BD
2007-5: Tauhid – der eine Gott GB
2008-1: Glaubens-Toleranz im Islam MK
2008-2: Ehre und Schande in Koran und Hadithen KT
2008-3: Feiertage und Feste ET
2008-4: Nationalismus und Islam MK
2008-5: Anthropomorphismen – die „vermenschlichende“ Rede von Allah ET
2009-1: Sunniten CS
2009-2: Der Charakter von Jesus im Koran CP
2009-3: Vier Rechtsschulen im Islam CS
2009-4: Abrogation – Aufhebung mancher Koranstellen durch andere AH
2009-5: Träume im Islam AY
2010-1: Reinheitsauffassungen im Islam CS
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Hadith Koran die Hauptquelle für den "Islam" (= die


richtige Form der Unterwerfung unter den
Das arabische Wort "Hadith" (th - Willen Gottes). Da der Islam nicht nur
ausgesprochen wie stimmloses englisches "th" persönliche Gottesverehrung, sondern immer
z.B. in "thin") bedeutet allgemein: Rede, auch Politik und verbindliches Recht ist, werden
Gespräch, Erzählung, Bericht. Im aus Koran und Hadith die Rechtsnormen des
Zusammenhang mit der islamischen Religion islamischen Gesetzes abgeleitet. (In der Praxis
erhielt es die Spezialbedeutung: Überlieferung wird auch heute ein Hodscha, wenn er in
(über Mohammed), Tradition. konkreten Angelegenheiten um Rat gefragt
wird, öfter mit Hadith-Texten als mit
Schon zu Lebzeiten Mohammeds wurden Koranversen antworten.)
Berichte über Aussagen oder Taten des
"Propheten" in mündlicher Form weitergegeben. Mit der Zeit versuchten unterschiedliche
Nach seinem Tod wuchs das Interesse an politische und religiöse Richtungen innerhalb
solchen meist kurzen, anekdotenhaften der islamischen Gemeinschaft, ihre jeweiligen
Erzählungen stark an. Die Überlieferung der Ansichten und Praktiken durch Hadithe zu
Hadithen ist zunächst sicherlich Ausdruck für untermauern. Es kam im 7. und 8. Jahrhundert
die Verehrung Mohammeds - die Erinnerung an eine große Zahl von gefälschten Hadithen in
ihn sollte wachgehalten werden - und Antwort Umlauf. Das ließ es notwendig erscheinen, die
auf das Informationsbedürfnis von Menschen, verschiedenen Hadithen zu sammeln und
die mehr über den Islam und seinen Propheten kritisch zu sichten.
wissen wollten. Dabei hatten die Hadithen
schon früh eine starke prägende Bedeutung für Die entstehende islamische Hadith-
das Leben der einzelnen Muslime und die Wissenschaft konzentrierte sich dabei vor allem
islamische Gemeinschaft. auf den Überlieferungsweg: es wurde versucht
zurückzuverfolgen, wer den jeweiligen Bericht
Denn der Koran, der Muslimen als das von wem gehört hatte - bis hin zu den direkten
eigentliche Wort Gottes gilt, enthält für viele Augen- und Ohrenzeugen aus der Umgebung
Fragen der religiösen Praxis und des Mohammeds. Diese Überlieferer-Kette (Isnad)
Alttagslebens keine eindeutigen und wurde dem eigentlichen Bericht über eine
detaillierten Anordnungen. Für den Islam ist es Aussage oder Handlungsweise Mohammeds
aber sehr wichtig, dass Menschen, die Gott (oder z.T. auch seiner engsten Gefährten)
gefallen wollen, sich in allen Einzelheiten vom vorangestellt. Die Lebensläufe der Überlieferer
Gesetz Gottes leiten lassen. Solange wurden aufgezeichnet und die Zuverlässigkeit
Mohammed lebte, konnten die Gläubigen sich der jeweiligen Personen kritisch beleuchtet.
nach seinem Vorbild richten oder ihn selber Entsprechend der Vollständigkeit der
fragen, wie sie sich in bestimmten Situationen Überlieferungs-Kette und der Zuverlässigkeit
verhalten sollten. Nach seinem Tod wurden der Gewährsleute wurden die Hadithen in drei
diejenigen befragt, die ihn persönlich gekannt Kategorien eingeteilt:
hatten und sagen konnten, was der Prophet in 1. sahih - echt, authentisch;
konkreten Lebenssituationen getan, gesagt, 2. hasan - gut, aber nicht einwandfrei
verurteilt oder auch stillschweigend geduldet zuverlässig;
hatte. Daraus konnte man ableiten, welche 3. dhai`if - schwach, bedenklich.
Entscheidungen am ehesten dem Vorbild
Mohammeds (und damit, nach muslimischem Die wichtigsten sunnitischen Hadith-
Sammlungen werden oft zitiert mit einem
Verständnis, dem Willen Gottes) entsprechen.
Kurztitel der Sammlung und einer verkürzten
So wurde die aus den Hadithen ablesbare Namensform des Sammlers (in Klammern sind
Gewohnheit (Sunna) des Propheten neben dem die Lebensdaten der Autoren genannt):
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Sahih Buchari (810-870)


Sahih Muslim (817/821-875)
Sunan Abu Dawud (817-888)
Sunan Tirmidhi (815-892)

Während anfangs einige Hadith-Sammlungen


nach den Namen der ursprünglichen
Überlieferer geordnet wurden (Musnad), sind
die genannten Werke nach thematischen
Gesichtspunkten - entsprechend den
Bedürfnissen der islamischen
Rechtswissenschaft - aufgebaut (Musannaf).
Themenkreise: Glaube, Wissen und religiöse
Grundpflichten; Soziale Beziehungen,
Regieren, Sitten und Gewohnheiten; Vorzüge
bestimmter Personen, Auslegung, Einsatz für
den Islam; Tugenden, Gehörtes (nach Khoury,
S. 24f)

Die einzelnen Sammlungen umfassen zwischen


4.000 und 12.000 Hadithen. Der Sammler Abu
Dawud soll von 500.000 ihm bekannten
Überlieferungen nur 4.800 als zuverlässig
anerkannt haben.

Aus den Hadith-Sammlungen wurden wieder


Auszüge hergestellt, z.B. die unter dem Namen
Miskhat bekannte und oft als Quelle der
Gesetzespraxis benützte Sammlung.

Die Schiiten besitzen eine eigene Hadith-


Literatur; sie erkennen nur solche Hadithen als
gültig an, die auf Ali, den Neffen und
Schwiegersohn Mohammeds, oder seine
Anhänger zurückgeführt werden können.

Eine Auswahl von Hadithen in deutscher


Sprache wurde 1988 vom Gütersloher
Verlagshaus Gerd Mohn herausgegeben:
"So sprach der Prophet / Worte aus der
islamischen Überlieferung / Ausgewählt und
übersetzt von Adel Theodor Khoury"
(365 Seiten, davon rund 30 Seiten einleitende
Informationen über den Hadith und über die
islamische Religion).

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Das Opferfest zurückgehen, verbindet die islamische


Überlieferung sie mit Abraham, der im Tal Mina
Das "Opferfest" (arab.: 'Id Al-Adha, türk.: seinen Sohn Ismael (nicht Isaak! - im Koran
Kurban Bayram ) wird auch "das Große Fest" selbst wird allerdings gar kein Name erwähnt)
genannt, da es im Vergleich mit dem "kleinen auf Befehl Gottes zu opfern bereit gewesen
Fest" des Fastenbrechens als das sein soll. Gott habe dann Ismael "mit einem
bedeutendere gilt. Das Fest beginnt immer am großes Schlachtopfer" (Koran 37, 106 - hier
10. Tag des islamischen Monats Dhu l- ähnelt die koranische Darstellung dem
Hidschdscha und dauert vier Tage (?). Da das biblischen Bericht) ausgelöst. Der Engel Gabriel
islamische Jahr ein Mondjahr ist und nur 354 bringt als Ersatz für das Menschenopfer einen
oder 355 Tage umfaßt, verschieben sich die Hammel als Opfertier.
Feste in bezug auf unsere Jahreseinteilung
jedes Jahr um 10 oder 11 Tage nach rückwärts. Welche Bedeutung verbinden Muslime mit dem
Das Opferfest beginnt 1997 am 19. April, 1998 Opfer? Im Koran wird betont, dass sich
am 9. April und 1999 am 29. März. Abraham und sein Sohn "ergeben gezeigt"
hätten (37, 103). Die Opferbereitschaft
Die Opferung ist eines der Rituale während der Abrahams und auch das Opfer der Muslime soll
Pilgerfahrt der Muslime nach Mekka. Im Tal von also Ausdruck der unbedingten Hingabe, des
Mina bei Mekka werden dabei am festgesetzten bedingungslosen Gehorsams des Menschen an
Tag Hunderttausende von Tieren geschlachtet. Gott sein. Der Gläubige, der das Opfer vollzieht,
Gleichzeitig wird dieses Opfer und das stellt damit sein ganzes Leben Gott zur
anschließende Fest auch von Muslimen in der Verfügung. "Wenn einer die Opfertiere Gott
ganzen Welt vollzogen. Gemäß der "Sunna" hochhält, ist es ein Ausdruck der Frömmigkeit
(der vorbildlichen Lebensweise des Propheten des Herzens." (Koran 22, 32)
Mohammed) ist das Opfer verbindlich für jeden
freien Muslim, der es sich leisten kann. Denken Muslime bei ihrem Opfer auch daran,
Gott damit gnädig zu stimmen? Kann man gar
Geopfert wird meist ein männliches Schaf, davon sprechen, dass das Opfertier
möglich sind aber auch Ziegen, Kühe, Kamele. stellvertretend für die Sünde des Menschen
In der Regel schlachtet der Familienvater das sterben muss? Gegen den Gedanken einer
Tier für seine ganze Familie. Die Tiere müssen "Versöhnung" durch das Opfer spricht Sure
fehlerfrei sein. Die Opferungshandlung wird 22,37, wo es von den Opfertieren heißt: "Weder
nach einem festgesetzten Ritus vollzogen. ihr Fleisch noch ihr Blut erreicht Gott, aber Ihn
Dabei wird das Opfertier mit dem Kopf Richtung erreicht eure Frömmigkeit". Im Opfer hofft der
Mekka gelegt. Der Vater oder derjenige, der an Muslim nicht etwa auf eine Stellvertretung für
seiner Stelle schlachtet, spricht verschiedene seine Sünden, sondern bringt symbolhaft Gott
Gebetsformeln, zerschneidet dann die seine eigene Frömmigkeit dar. Der Gedanke,
Halsschlagader des Tieres und lässt es dass ein anderer stellvertretend für den
ausbluten. Ein Drittel des Fleisches verzehrt der Menschen die Strafe übernehmen und dadurch
Vater mit seiner Familie, zwei Drittel werden Versöhnung erwirken könne, wird im Koran und
verschenkt - meist an ärmere Leute in der in der islamischen Überlieferung sehr hart
Umgebung. abgelehnt (Sure 6,164).

Beim Schächten wird die Formel gesprochen: Und doch scheint das Opfer einer jener
"Im Namen Gottes. Gott ist groß. Herr Gott, in Bestandteile im Islam zu sein, in dem das Licht
deinem Namen, durch dich und für dich. Nimm der biblischen Wahrheit nicht ganz ausgelöscht
es von mir an, wie du es von deinem Freund werden konnte. Sure 37, 107 spricht davon,
Abraham angenommen hast." Das Opferfest ist dass der Sohn Abrahams mit einem
das "Fest Abrahams". Obwohl die Opfer auf Schlachtopfer "ausgelöst" wurde. Ein Tier starb
vorislamische Bräuche während der Pilgerfahrt an seiner Statt. Opfer werden von vielen
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Muslimen auch nicht nur anlässlich des


Opferfestes gebracht. Im Volksislam haben
Tieropfer ihren Platz auch z.B. bei Hochzeiten
oder Begräbnissen, zur Besiegelung der
Versöhnung zwischen Menschen und als
Schutz vor bösen Geistern. Vielfach spielt dabei
doch der Gedanke mit, dass Tieropfer ein Mittel
zur Reinigung von Schuld sein könnten.

So kann das Opferfest eine gute Gelegenheit


sein, Muslime auf die Bedeutung der biblischen
Opfer hinzuweisen: Die im Alten Testament von
Gott seinem Volk gebotenen Opfer sind ein
Hinweis darauf, dass zur Vergebung der Schuld
und Erlösung von Sünde stellvertretend Leben
gegeben werden muss. Ohne Blutvergießen
keine Vergebung (Hebräer 9,22). So
schwerwiegend ist unsere Verlorenheit, dass
die Darbringung unserer "eigenen Frömmigkeit"
niemals zur Sühne ausreichen kann.

Alle alttestamentlichen Opfer und unbewusst


auch die Opfer der Religionen inklusive des
Islam weisen auf das eine große Opfer hin,
durch das Gott selbst uns auslöst: das Sterben
des sündlosen Sohnes Gottes, Jesus Christus.
Er ist "Gottes Lamm, welches der Welt Sünde
trägt" (Johannes 1,29). Weil er ein für allemal
(Hebräer 9,28) das für alle ausreichende Opfer
gebracht hat, sind seitdem keine Tieropfer mehr
nötig. Wer Tieropfer bringt, weist dadurch
bewusst oder unbewusst das
Versöhnungsangebot Gottes zurück.

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Da`wah - Der Ruf zum Islam streite mit ihnen auf die beste Art..."

Muslime reden in der Regel nicht gern von Unterschiede zwischen biblischer "Mission" und
islamischer "Mission", denn Gesandte (= islamischer "Da`wah"
Missionare) Gottes sind eigentlich nur einige
der wichtigsten Propheten. Mit der Sendung Aus der Tatsache, dass der Islam innerweltlich
Muhammads, des "Siegels der Propheten" die Herrschaft Allahs aufrichten und ausweiten
(Sure 33,40) und der Herabsendung des Koran will und keine strikte Trennung von Religion und
ist die göttliche Mission zum Abschluss Staat kennt, ergeben sich grundlegende
gekommen. Unterschiede zwischen der islamischen
"Da`wah" und dem biblischen
Dennoch ist der Islam in dem Sinne eine Missionsverständnis:
"missionarische" Religion, dass er auf
Ausbreitung angelegt ist. Er beansprucht A - Nach biblischem Verständnis kann die
universale Gültigkeit (Sure 34,28). Sein Ziel ist Gemeinde Jesu Christi nur durch "Mission"
die Aufrichtung der islamischen Ordnung bzw. aufgebaut und ausgebreitet werden.
Herrschaft über die ganze Welt und über alle
Lebensbereiche aller Menschen. "Da`wah" ist eine Form der Ausbreitung des
Islam unter vielen anderen.
Diesem Ziel dienen die verschiedenen Formen
oder Stufen des "Dschihad", der Anstrengung B - Das Ziel biblischer Missionstätigkeit ist, dass
für die Sache Allahs. Dschihad kann passiver Menschen die Botschaft von der Erlösung durch
Widerstand oder sogar nur innere, gedankliche Jesus Christus hören und zum persönlichen
Verurteilung einer unislamischen Glauben an ihn kommen, um dadurch ewiges
Handlungsweise sein, aber auch verbale Leben zu empfangen und in seine Gemeinde
Angriffe gegen andere, als verkehrt eingefügt zu werden.
angesehene Religionen bis hin zum
bewaffneten Kampf umfassen. Im Islam liegt der Schwerpunkt nicht auf
persönlicher Gläubigkeit oder gar der festen
"Da`wah" ist eine Form des Dschihad. Sie kann Zusage des ewigen Heils (darüber wird ja Allah
von Muslimen als "Dschihad mit Worten" erst am Tag des Gerichts entscheiden),
bezeichnet werden (Ömer Öngüt; Islam, sondern darauf, dass die islamische Ordnung
Istanbul 1996, S. 334f). das öffentliche Leben beherrscht.

Die Grundbedeutung des arabischen Wortes Deshalb ist es im Blick auf die "Schriftbesitzer"
"da`wah" ist: Ruf. Es kann außerdem Aufruf, (Christen, Juden und Zoroastrier) ausreichend,
Aufforderung, Einladung, Propaganda etc. wenn sie dem Machtbereich des Islam
bedeuten. Im Kontext des islamischen Rechts unterworfen sind; als Einzelne müssen sie nicht
ist "Da`wah" der Ruf oder die Einladung an zum Islam übertreten, sondern können - im
Einzelne oder Gruppen von Menschen, den Rahmen der islamischen Ordnung! - ihren
Islam anzunehmen bzw. sich Allah zu Glauben beibehalten. Da man ungern auf die
unterwerfen. Dabei von ihnen zu zahlende Kopfsteuer verzichten
werden sie nach islamischem Verständnis wollte, wurden sogar zeitweilig, wie z.B. im
aufgefordert, zum Islam zurückzukehren, da ja Osmanischen Reich, Massenübertritte zum
alle Menschen eigentlich als Muslime geboren Islam gar nicht gern gesehen. (Nur die
werden. eigentlichen Polytheisten müssen bis zur
Annahme des Islam bekämpft werden - was
Als koranische Grundlage für die Da`wah wird allerdings auch nicht immer und überall
oft Sure 16,125 zitiert: "Rufe zum Weg deines geschah.)
Herrn mit Wahrheit und guter Ermahnung und
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Da`wah wendet sich oft in besonderer Weise an Gnade anzunehmen.


Personen in Schlüsselstellungen, um möglichst
wirksam gesellschaftliche Strukturen Da`wah richtet sich stärker an Verstand und
beeinflussen zu können. Willen eines Menschen, um ihn von der
Vernünftigkeit des reinen islamischen
C - Mission im biblischen Sinn geht nicht über Monotheismus und der heilsamen Ordnung des
die Verkündigung des Wortes Gottes hinaus; islamischen Gesetzes zu überzeugen und zur
alles Weitere muss sie dem Wirken des Annahme des Islam aufzufordern.
Heiligen Geistes und der Entscheidung jedes
einzelnen Zuhörers überlassen. Da`wah geschieht häufig in Form von
Informationsveranstaltungen ("Islamischen
Laut Koran 9,60 können Mittel aus der Wochen" etc.) und Debatten. Muslime in
sogenannten "Almosensteuer" (Zakat) unter Europa versuchen dabei, ein möglichst
anderem verwandt werden für Menschen, "die positives Bild vom Islam zu zeichnen, z.T.
(für die Sache des Islam) gewonnen werden indem sie Sachverhalte, die für westliche,
sollen" (R. Paret). Das entspricht auch der humanistisch geprägte Menschen anstößig sein
Praxis Mohammeds. können (z.B. die Stellung der Frau, die Strafen
für den Abfall vom Islam), umgehen oder
Im Islam wird (unter Hinweis auf Sure 2,256) oft entschärfend interpretieren. Andererseits
betont, dass auf die Schriftbesitzer kein Zwang benutzen sie die Schriften bibelkritischer
ausgeübt werden dürfe, Muslime zu werden. "christlicher" Theologen, um den christlichen
Dennoch kann es auch ihnen gegenüber Glauben als unvernünftig und überholt
Gründe zur Gewaltanwendung geben: 1. um zu darzustellen.
verhindern, dass Muslime in fremden Ländern
der Unterdrückung, Verfolgung oder Verführung www.orientdienst.de
(evtl. durch christliche Mission) ausgesetzt
werden; 2. um die Verhinderung islamischer
Missionstätigkeit in nicht-islamischen Ländern
zu bekämpfen (Khoury, Was sagt der Koran
zum Heiligen Krieg?, S. 18).

So kommt sehr nahe hinter dem "Wort" das


"Schwert" zum Vorschein. Es gibt keine
eindeutige und vor allem keine
unüberschreitbare Grenze zwischen friedlicher
Einladung zum Islam und der Androhung und
Anwendung von Gewalt.

Das heißt nicht, dass der Islam sich in vielen


Gegenden nicht auf friedlichem Wege
ausgebreitet habe: Oft waren es muslimische
Händler und Reisende, die durch ihr Vorbild
und ihre Verkündigung Menschen in ihrer
Umgebung bewogen, den Islam anzunehmen.

D - Biblische Mission wendet sich vor allem an


Herz und Gewissen eines Menschen, um ihm
zu zeigen, dass er als Sünder Vergebung
braucht, und um ihn einzuladen, die
Versöhnung mit Gott als Geschenk Seiner
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Die Propheten als "rasul" nur ein solcher Prophet bezeichnet,


dem von Gott ein Buch oder ein neues Gesetz
Laut islamischer Lehre verpflichtete Gott Adam offenbart wurde.
und seine Kinder, sich ihm zu unterwerfen und
ihm allein zu dienen (Sure 36,60-61). Jeder Botschaft
Mensch ist daher von Natur aus Muslim, der
Islam die schöpfungsgemäße Religion (vgl. Die Botschaften der Propheten können in den
Sure 30,30). Einzelheiten voneinander abweichen - je nach
dem Volk, zu dem ein Prophet gesandt wurde
Weil die Menschen dennoch immer wieder vom und je nach den Besonderheiten der kulturellen
Weg Gottes abwichen, sandte Gott Propheten. und geschichtlichen Situation. Die
Sie waren Künder seiner Botschaft an ein Grundaussage ihrer Verkündigung ist jedoch
besonderes Volk oder auch an die ganze immer die gleiche: Der Ruf zur Umkehr von den
Menschheit. Den Propheten wiederum Götzen zu dem einzigen Gott angesichts des
vermittelte der unendlich ferne Gott seine herannahenden Gerichtes Gottes (Sure 21,25).
Botschaft durch Engel. So soll der Prophet
Mohammed seine Offenbarungen jeweils durch Jeweils ist der Prophet mit seiner Botschaft auf
den Erzengel Gabriel erhalten haben. Widerstand und Anfeindung gestoßen. Jeweils
hat Gott jedoch ihn und seine Botschaft
Der Glaube an alle Propheten gehört zu den bestätigt (dazu gehört ein
fundamentalen Glaubensartikeln des Islam. Beglaubigungswunder, das Gott durch jeden
Propheten wirkt) und diejenigen, die im
Propheten in großer Zahl Unglauben verharrten, bestraft.

Der Islam legt sich nicht darauf fest, wie viele Um die Glaubwürdigkeit seiner Propheten zu
Propheten Gott im Laufe der sichern, hat Gott ihnen laut heute anerkannter
Menschheitsgeschichte berufen hat. Einige islamischer Theologie auch Sündlosigkeit
Koranstellen gehen davon aus, dass zu jedem geschenkt. Der Koran allerdings setzt durchaus
Volk zu irgendeiner Zeit ein Warner gesandt die Sündhaftigkeit auch der Gesandten Gottes
wurde (Sure 13,7b; 35,24). Namentlich werden voraus (z.B.: Adam - 2,35-38; Noah - 11,46-47;
im Koran 25 Propheten erwähnt. 19 dieser Abraham - 26,82-83; Mohammed - 40,55;
Namen haben eine Entsprechung im Alten oder 47,19; 48,1-2).
Neuen Testament: Adam, Noah, Abraham,
Ismael, Isaak, Lot, Jakob, Josef, Moses, Aaron, Nach dem Bilde Mohammeds
David, Salomo, Elia, Elisa, Jona, Hiob,
Zacharias, Johannes der Täufer und Jesus. Das ständig wiederkehrende Schema in der
Darstellung der Propheten vor Mohammed
Als letzter Prophet und Bote Gottes für die deutet auf ein wichtiges Merkmal der
ganze Welt gilt Mohammed. Er wird als das islamischen Lehre von den Propheten:
"Siegel der Propheten" bezeichnet. Damit wird Mohammed benutzt die alten
behauptet, dass er alle Prophetien der Prophetengeschichten vor allem dazu, seine
Vergangenheit bestätigt, vollendet und eigene Sendung zu rechtfertigen und zu
abgeschlossen habe. untermauern (vgl. Sure 4,163-165): Seine
Botschaft wird von manchen Mekkanern nicht
Das arabische Wort für "Prophet" ist "nabi", was geglaubt? Aber die gleiche Botschaft haben
wörtlich "Künder" bedeutet. Einige der Boten doch schon viele Propheten vor ihm verkündet.
Gottes werden jedoch auch als "rasul" Mohammed wird verspottet? So ging es ja auch
(Gesandter) bezeichnet. Manche theologische den Boten Gottes vor ihm (Sure 43,7) - und sie
Schulen des Islam sehen beide Titel als erlebten Gottes Strafgericht über die Spötter
gleichbedeutend. Laut anderer Theologen wird (Sure 43,8).
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Hinter diesem auf Mohammed gemünzten www.orientdienst.de


Schema verblasst der besondere Charakter der
einzelnen Propheten. Das wird besonders
deutlich, wenn man die Aussagen von Koran
und Bibel über von beiden genannte Personen
vergleicht. Im Gegensatz zu den sehr
unterschiedlichen Charakteren der biblischen
Propheten besitzen die koranischen Propheten
kaum eigenständige Bedeutung. Sie sind 'nach
dem Bilde Mohammeds' geschaffen.

Der Islam stellt oft seinen "Glauben an alle


Propheten" als beispielhaft tolerant dar. Bei
Licht betrachtet bleibt jedoch nur der sehr
einseitige Glaube an einen Propheten
(Mohammed) und der Glaube an seine Sicht
des Prophetentums, der alle vorherigen
Propheten einverleibt werden. Mohammed hat
sozusagen alle Propheten vor ihm ohne deren
Einverständnis zu Muslimen gemacht. Während
in der Bibel eine Vielzahl von Zeugen mit ihrer
unverwechselbaren persönlichen Färbung den
einen Gott und seinen Erlöser verkünden, tritt
uns im Koran nur ein Zeuge entgegen. Allein
durch seine Brille dürfen die Boten Gottes vor
ihm gedeutet werden.

Jesus - einer von vielen

Besonders schmerzhaft ist für uns Christen, wie


auch Jesus in dieses Schema der Bestätigung
Mohammeds eingeordnet wird. Ausdrücklich
wird betont, dass er "nichts anderes als ein
Gesandter" (Sure 5,75) wie viele vor ihm sei
und "nichts als ein Diener" (Sure 43,59). Seine
Gottessohnsschaft und Gottheit werden in aller
Schärfe abgelehnt (Sure 4,171; 5,17 + 116;
9,30-32 u.a.)

Und doch findet sich selbst im Koran eine


Ahnung davon, dass Jesus eine über alle
anderen Propheten herausgehobene Stellung
innehat. So wird er mit einigen herausragenden
Titeln bezeichnet (z.B. "Messias" - Sure 4,171
u.a.; "Wort Gottes" - 3,45; 4,171; "Geist von
Gott" - 4,171...).
Über sündiges Verhalten Jesu (im Gegensatz
zu anderen Propheten, s.o.) macht selbst der
Koran nicht die geringste Andeutung.
15
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Ahmadiyya Angaben der Bewegung gab es 1994 20.000


Anhänger in Deutschland, davon vermutlich nur
Wer in westlichen Großstädten auf einen ca. 200 Deutsche. Weltweit soll die Ahmadiyya
Büchertisch mit "missionierenden" Muslimen 12 Millionen Mitglieder haben. Sie ist besonders
trifft, hat es dort sehr häufig mit "Ahmadis" zu stark in Westafrika verbreitet. In Gambia gab es
tun, den Anhängern der "Ahmadiyya Muslim in den sechziger Jahren sogar schon einmal
Jamaat" (Jamaat = Gemeinde). Mit Eifer, einen Ahmadi als Staatsoberhaupt. Führer der
bunten Broschüren und auf den Westen weltweiten Gemeinde ist der vierte Khalif,
zugeschnittenen Parolen versuchen Ahmadis, Hazrat Khalifatul Masih IV.
die eigene Vorstellung vom Islam auch
christlichen Ländern zu propagieren. So rief der Sind Ahmadis Muslime?
3. Khalif der Bewegung bei einer Rede in
London aus: "Kommt her und nehmt den Islam Das pakistanische Parlament verabschiedete
an,..., denn darin liegt all Euer eigenes Gutes im Jahr 1974 eine Resolution, in der alle
und das Gute Eurer zukünftigen Ahmadis zu Nicht-Muslimen erklärt wurden.
Generationen..." Dabei verstand sich Mirzat Ghulam Ahmad, der
Gründer der Ahmadiyya, ja als Reiniger des
Geschichte Islam. Die üblichen Lehren und Pflichten des
Islam werden bis heute von jedem Ahmadi
Der Begründer der Ahmadiyya-Gemeinde, akzeptiert.
Hazrat Mirza Ghulam Ahmad wird 1835 in
Qadian in Nordindien geboren. Aufgrund Stein des Anstoßes ist für die anderen Muslime
angeblicher Offenbarungen Allahs erklärt er vor allem die Lehre von den Propheten. Nach
sich zum "Auserwählten Gottes", später zum ihnen war Mohammed der letzte Gesandte
Propheten. Ghulam Ahmad beansprucht, die Gottes, das "Siegel der Propheten". Zwar
Erfüllung von Verheißungen verschiedener erkennen Ahmadis Mohammed als letzten
Religionen zu sein. In ihm ist der Messias gesetzgebenden Propheten an. Nach ihm habe
Jesus, der verheißene Krischna und der Imam es jedoch immer wieder sogenannte
Mahdi, den die Schiiten erwarten, gekommen. "Schattenpropheten" gegeben, zu denen auch
Ghulam Ahmad gehört habe. Auch diese
Seine Aufgabe sieht Ghulam Ahmad darin, den Mohammed untergeordneten Männer, hören
Islam zu reinigen, wiederzubeleben und Gottes Stimme und geben seinen Willen weiter.
weltweit auszubreiten. Er verheißt seinen
Anhängern, "innerhalb von 300 Jahren nach Unterschiede zur islamischen Orthodoxie gibt
ihrer Entstehung werde die Gemeinde nahezu es auch in der Darstellung der Geschichte Jesu.
die ganze Welt umfassen, so dass die Erde in Die meisten islamischen Theologen lehren, Gott
die Bruderschaft des Islams eintreten wird." habe einen anderen an Jesu Stelle kreuzigen
lassen. Jesus sei leibhaftig in den Himmel
1889 gründet Ahmad die "Ahmadiyya Muslim aufgenommen worden. Der Gründer der
Jamaat" und beginnt eine rege Ahmadiyya behauptete dagegen, Jesus sei
Missionstätigkeit, die nach seinem Tod im Jahre gekreuzigt worden, aber nur scheintot gewesen.
1908 von seinen Nachfolgern (Khalifen) Seine Jünger hätten ihn gepflegt, bis er stark
weltweit fortgesetzt wird. 1913 schickt man den genug gewesen sei, nach Kaschmir im heutigen
ersten Missionar nach England, 1920 nach Indien auszuwandern. Dort habe er den
Amerika, 1923 nach Deutschland. verlorenen Stämmen Israels gepredigt und sei
im Alter von 120 Jahren eines natürlichen
Seit Beginn einer systematischen Verfolgung Todes gestorben. So abenteuerlich diese
der Ahmadiyya durch sunnitische Muslime in Geschichte auch ist - sie hat selbst in nicht-
Pakistan kamen viele pakistanische Ahmadis muslimischen Kreisen Resonanz gefunden.
als Asylbewerber nach Deutschland. Nach
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Pluspunkte können Ahmadis im Westen


dadurch verbuchen, dass sie bei der www.orientdienst.de
Ausbreitung des Islam Gewalt ablehnen. In der
Auseinandersetzung um den Schriftsteller
Rushdie beispielsweise hoben sie sich damit
vom fundamentalistischen Islam ab. "Dschihad"
(heiliger Krieg) ist für sie die Ausbreitung des
Islam mit friedlichen geistigen Mitteln.

Christen und Ahmadis

Eine besondere Herausforderung für Jünger


Jesu stellt die Ahmadiyya-Gemeinde insofern
dar, als sie sich in ihren Missionsbemühungen
offensiv an die christliche Welt wendet. So
wurde z.B. auf dem Frankfurter Kirchentag
1987 von Ahmadis ein "Offener Brief an die
Christenheit" verteilt. Ahmadiyya- Missionare
versuchen, mit Bibelzitaten und logischen
Schlüssen zu beweisen, dass Jesus nicht Gott
war, dass er nur scheintot war oder dass
Mohammed schon in der Bibel verheißen
wurde.

Christen werden sich im Gespräch mit Ahmadis


auf argumentativ geführte Diskussionen
einzustellen haben und dabei ihre Bibel gut
kennen müssen.

Auch wenn Ahmadis die Ausbreitung des


Glaubens mit Gewalt ablehnen und stärker als
andere Muslime geistige Werte betonen: Die
Ahmadiyya lehnt, wie der orthodoxe Islam
gerade die entscheidenden Heilstatsachen ab:
die Gottessohnschaft Jesu und seinen
stellvertretenden Tod am Kreuz. Daher stellt
auch die Ahmadiyya eine anti-christliche Lehre
dar. Ihr Gründer Mirzat Ghulam Ahmad, der
sich als wiedergekommenen Messias
bezeichnete, fällt unter das Urteil Jesu: "Es
werden falsche Christi und falsche Propheten
aufstehen." (Mt. 24,23-24a)

Weitere Informationen zur Ahmaddiya-Sekte


und ihrer Beurteilung finden Sie bei:
www.haensel-hohenhausen.de unter
"Ahmadiyya-Bewegung des Islam", ein Buch
von Hiltrud Schröter, 4.Aufl., 2005, 167 Seiten,
ISBN 3-8267-1206-4
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Würdenamen Jesu im Koran einen negativen Beiklang, denn sie kommt nur
vor, wo der Vater unbekannt ist. Der Koran
Der Koran verleiht Jesus einige hohe Titel. In betont jedoch die Unbescholtenheit Marias
ihnen klingen z.T. biblische Wendungen an. Bei (21,89) und bestätigt die biblische Lehre der
einer genaueren Untersuchung zeigt sich Jungfrauengeburt (3,47). Dabei wird allerdings
jedoch, wie wenig wir ein gemeinsames hervorgehoben, dass Jesus und seine Mutter
Verständnis voraussetzen können, selbst wenn nichts anderes als Menschen waren: "Beide
Muslime Begriffe gebrauchen, die den pflegten Speise zu essen." (5,75) - Einerseits
christlichen entsprechen. Vieles müssen wir bezeugt also auch der Koran die Einzigartigkeit
Muslimen von der Bibel her erklären, wenn wir der Geburt Jesu. Andererseits verneint er aber,
ihnen bezeugen wollen, wer Jesus Christus dass damit ein zeichenhafter Hinweis auf einen
wirklich ist. besonderen Auftrag Jesu oder gar auf seine
Gottessohnschaft verbunden sei.
In Sure 4, 171+172 werden - in einer
Auseinandersetzung Mohammeds mit den 3. Gesandter Gottes (Rasul Allah) - Mit der
"Leuten des Buches" - die wichtigsten Aussage, dass Jesus "nur" der Gesandte
Würdenamen genannt, die der Koran Jesus Gottes sei, bekämpft der Koran die
beilegt: "Übertreibung" der Christen, die in ihm etwas
Höheres als Mohammed sehen wollen. Der
"O ihr Leute des Buches, übertreibt nicht in Islam meint, Jesus mit dem Titel "Gesandter
eurer Religion und sagt über Gott nur die Gottes" oder auch "Prophet" (19,30) hoch zu
Wahrheit. Christus Jesus, der Sohn der Maria, ehren. Ihm wird jedoch nur eine begrenzte
ist doch nur der Gesandte Gottes und sein Sendung (zu den 12 Stämmen Israels)
Wort, das er zu Maria hinüberbrachte, und ein zuerkannt. Teil seines Auftrags war es, den
Geist von Ihm. So glaubt an Gott und seine letzten Gesandten Mohammed anzukündigen.
Gesandten. Und sagt nicht: Drei. Hört auf, das
ist besser für euch. Gott ist doch ein einziger 4. Wort Gottes (Kalimat-hu) - Nach dem
Gott. Gepriesen sei Er und erhaben darüber, Verständnis vieler Koranausleger bedeutet
dass Er ein Kind habe... <172> Christus wird es diese Bezeichnung, dass Jesus durch das
sicher nicht aus Widerwillen ablehnen, Diener Wort bzw. den Befehl Gottes geschaffen
Gottes zu sein..." worden sei; sie bezeugt also vor allem die
Allmacht Gottes. Der Koran unterstreicht: "Mit
1. Christus (Al-Masih) - Der Koran geht an Jesus ist es vor Gott wie mit Adam. Er erschuf
keiner Stelle auf die Bedeutung des Titels Al- ihn aus Erde, dann sagte Er zu ihm: Sei! und er
Masih (Messias) ein. Z.T. wird er wie ein war" (3,59). Andere erklären diesen Titel damit,
Namensbestandteil ohne weiteren Inhalt dass Jesus das Wort Gottes zu den Menschen
behandelt, manchmal einfach anstelle von gebracht habe. - Die biblische Auffassung, dass
"Jesus" gebraucht (z.B. Sure 5,72). Einzelne Jesus in Person mit seinem ganzen Leben und
Koranausleger kennen durchaus die Bedeutung seinem Tod das entscheidende Wort Gottes für
"der Gesalbte. Sie legen diesen Begriff alle Menschen sei und dass er als "Wort
unterschiedlich aus: Jesus sei mit dem Segen Gottes" von Ewigkeit her bei Gott war, teilt der
Gottes gesalbt; seine Salbung bedeute seine Koran nicht.
Sündlosigkeit oder seine Berufung zum
Propheten. - Der Koran kennt Jesus aber nicht 5. Ein Geist von Gott (Ruhun minhu) - Diese
als den im Alten Testament verheißenen Wendung besagt nach islamischem
"Gesalbten", der seinem Volk Heil und Erlösung Verständnis, dass Jesus durch das Einhauchen
bringt. des göttlichen Geistes von Maria empfangen
wurde (21,91). An verschiedenen Stellen (2,
2. Sohn der Maria (Ibn Maryam) - Die Nennung 87+253; 5,110) kann der Koran davon reden,
eines Sohnes nach der Mutter hat in der Regel dass Allah Jesus durch den Geist der Heiligkeit
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gestärkt und ihn so zu Wundertaten befähigt www.orientdienst.de


habe.

6. Diener / Sklave Gottes (Abd Allah) - Mit


dieser Bezeichnung wird Jesus im Grunde auf
die gleiche Stufe wie alle Menschen gestellt
(19,93). Der Ausdruck "Sklave Gottes" ist
allerdings nicht erniedrigend oder entwürdigend
zu verstehen; im koranischen wie im biblischen
Sinn weist er hin auf die hohe Bestimmung des
Menschen, Gott zu dienen. - Der Koran weiß
jedoch weder etwas von dem stellvertretend
leidenden Gottesknecht nach Jesaja 53 noch
von dem Sohn Gottes, der sich selbst
erniedrigte und Knechtsgestalt annahm (Phil
2,7).

Weitere Bezeichnungen für Jesus, die an


anderen Stellen im Koran vorkommen, sind:
Gerechter (6,85); Angesehener und einer von
den Nahegebrachten (3,45); ein Zeichen für die
Menschen (19,21); ein Vorbild (43,59); der
Zeuge (4,159).

Von entscheidender Bedeutung ist auch, was


der Koran nicht über Jesus sagt bzw. welche
Titel er vehement zurückweist: Sehr deutlich
wird in Sure 4,171 die Ablehnung der Trinität
und der Gottessohnschaft ausgesprochen.
Andere Texte betonen ähnliches: er ist nicht
Allah (5,17) und er ist nicht Sohn Gottes (9,30).
(Die Gottessohnschaft Jesu wird im Islam unter
anderem aufgrund des Missverständnisses
einer sexuellen Zeugung abgelehnt.)

Im Koran werden Jesus Würdenamen


verliehen, die ihn eigentlich über alle anderen
Propheten erheben. (Das bringt manche
Muslime dazu, mehr über Jesus wissen zu
wollen.) Sie werden aber jeweils so gedeutet,
dass Jesus völlig in den Rahmen des
islamischen Prophetenverständnisses
eingepasst wird. Trotz der hohen Titel weiß der
Koran nichts davon, dass in Jesus der
verheißene Christus Gottes erschienen ist, der
als Sohn und Knecht Gottes gehorsam wurde
bis zum Tod am Kreuz, der sein Leben hingab
"zu einer Erlösung für viele" und in dem sich
Gott selber offenbart.
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Der Glaube an die Bücher - Der Zebur (Psalter) Davids,


- Das Indschil (Evangelium) Jesu und
Mohammed soll einmal von dem Engel Gabriel - Der Koran Mohammeds.
gefragt worden sein, was der islamische Glaube
beinhalte. Seine im Hadith überlieferte Antwort Im Gespräch betonen Muslime gern, dass sie
war: alle Bücher anerkennen, die von Gott offenbart
"Der Glaube ist, dass du an Allah, Seine Engel, wurden. Sie beziehen sich dabei oft auf Sure 2,
Seine Bücher, Seine Gesandten, den Jüngsten 136: "Sprecht: Wir glauben an Gott und an das,
Tag und die göttliche Vorsehung, das heißt, was zu uns herabgesandt wurde, und an das,
dass Allah Gutes und Böses zuvor festgelegt was herabgesandt wurde zu Abraham, Ismael,
hat, glaubst." Isaak, Jakob und den Stämmen, und an das,
was Mose und Jesus zugekommen ist, und an
Für Muslime gehört es zu den sechs das, was den (anderen) Propheten von ihrem
grundlegenden, absolut verbindlichen Herrn zugekommen ist. Wir machen bei keinem
Glaubensverpflichtungen, an die Bücher zu von ihnen einen Unterschied. Und wir sind Ihm
glauben, die Allah durch Seine Propheten zu ergeben."
den Menschen gesandt hat. Verfälschung der Schriften

Islamische Theologen vertreten die Auffassung, Fragt man allerdings, ob sie also auch z.B. das
dass Gott zu verschiedenen Zeiten Evangelium lesen, erhält man in der Regel die
verschiedenen Völkern jeweils in ihrer Sprache Antwort: "Wir glauben an alle Bücher in ihrer
eine heilige Schrift habe zukommen lassen. unverfälschten Urform. Alle Bücher außer dem
Ursprünglich sei der Inhalt aller heiligen Bücher Koran sind jedoch leider verfälscht worden. Im
im wesentlichen der gleiche gewesen, und jede übrigen ist alles Wesentliche im Koran
spätere Schrift habe die vorherige bestätigt. enthalten."
Zugleich habe allerdings auch die neuere
Schrift jeweils die ältere ersetzt. - Manche Weitere Rückfragen, wer denn wann die
Muslime reagieren deshalb erstaunt, wenn sie anderen (biblischen!) Bücher verfälscht habe
erfahren, dass zur Bibel der Christen außer und welche geschichtlichen Belege es dafür
dem Evangelium auch die älteren Schriften von gebe, werden zumeist nur sehr vage oder mit
Mose, David und anderen gehören. Hinweisen auf die Forschungen neuerer
christlicher Theologen beantwortet (s. Artikel
Der Sinn der Bücher besteht nach islamischem "Warum Muslime die Bibel für verfälscht
Verständnis darin, den Menschen den Weg der halten", S. 7-11).
Rechtleitung zu zeigen und sie vor Irrwegen zu
warnen, damit sie im Diesseits und im Jenseits Von praktischer Bedeutung ist für Muslime also
Glück und Wohlergehen erlangen. lediglich der Koran. (Für die Christen und Juden
selber mögen jedoch - trotz aller angeblichen
Welche heiligen Bücher gibt es? Verfälschungen - ihre jeweiligen Schriften in
gewissem Rahmen verbindlich bleiben.)
Der Koran erwähnt "Seiten" oder "Blätter"
(Suhuf) Abrahams (Sure 87,19) und anderer Das entscheidende Buch: der Koran
Propheten, die allerdings alle nicht erhalten
geblieben sind und über deren Inhalt der Koran Nach islamischer Auffassung wurde der Koran
auch nichts Näheres mitteilt. dem Propheten Mohammed durch den Engel
Gabriel überbracht. Beginnend mit der Berufung
Die Bücher, die im Koran genannt werden und Mohammeds zum Propheten bis kurz vor
denen nach muslimischen Aussagen große seinem Tod übermittelte der Engel ihm zu den
Bedeutung zukommt, sind: verschiedenen Offenbarungsanlässen jeweils
- Die Taurat (Thora) Moses, einzelne Verse oder kurze Suren (Kapitel des
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Koran), die wortwörtlich mit einer im Himmel


aufbewahrten Urschrift (Sure 43,2-4 und
85,21+22) übereinstimmen. Mohammed ließ die
jeweils offenbarten Abschnitte von seinen
Gefährten aufschreiben und auswendig lernen.
Nach seinem Tod wurde der Koran so in
Buchform gebracht, wie es Mohammed kurz
vorher angeordnet hatte. Die endgültige
Festlegung des Korantextes erfolgte durch den
3. Kalifen, Othman, im Jahre 653, 21 Jahre
nach Mohammeds Tod. (Tatsächlich scheint die
Zusammenstellung und Überlieferung des
Korantextes allerdings komplizierter gewesen
zu sein.)

Muslime sehen den Koran als Gottes endgültige


Offenbarung, die alle anderen Bücher relativiert
und korrigiert. Er ist nach ihrer Meinung völlig
unverfälscht überliefert worden - und stellt nach
Ausdrucksweise und Inhalt ein solches Wunder
dar, dass niemand auch nur eine seiner
kleinsten Suren nachahmen kann. Nur in seiner
arabischen Urform ist er wirklich "der Koran";
Übersetzungen geben lediglich seinen
ungefähren Sinn wieder.

Eine Untersuchung und Beurteilung des Koran


mit Mitteln der Literatur- oder
Geschichtswissenschaft ist deshalb für viele
gläubige Muslime völlig undenkbar und wird
möglichst unterdrückt (vgl. die Prozesse gegen
den Literaturprofessor Nasr Hamid Abu Zaid in
Ägypten seit 1993).

Für den Islam ist der Koran vor allem die


Hauptquelle für das islamische Recht - nicht ein
"Brief" Gottes, der den Weg zur Rettung von
der Macht der Sünde und zur Gemeinschaft mit
Gott zeigt.

Den Koran auswendig zu lernen und Korantexte


zu rezitieren gilt als sehr verdienstvoll.

Koranverse werden auch zur Herstellung von


Amuletten und wunderwirkenden "Medizinen"
benutzt.

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Die Vorzeichen des Endgerichts im Islam "Kafir", Ungläubiger, trägt und sein rechtes
Auge einer "heraushängenden Weintraube"
Der kommende Tag des Gerichts ist für gleicht.
Muslime das entscheidende Ereignis, auf das 3. `Isa (islamischer Name für Jesus) - wird
die gesamte Weltgeschichte zuläuft. Der wiederkommen. Der Islam lehrt, dass Jesus
Glaube an die Auferstehung der Toten und das nicht am Kreuz starb, sondern von Gott zu sich
Gericht Gottes über die Taten der Menschen in den Himmel erhoben wurde. Nach dem
gehört zu den grundlegenden islamischen Koran ist Jesus "ein Erkennungszeichen des
Glaubensverpflichtungen. "Wer an Allah und Jüngsten Tages" (Sure 43,61). - Mohammed
den jüngsten Tag glaubt und Gutes tut, (alle soll gesagt haben: "`Isa, der Sohn der Maryam,
diese) erhalten ihren Lohn bei ihrem Herrn, sie wird bald als gerechter Richter kommen, das
haben nichts zu befürchten, und sie werden Kreuz zerbrechen, das Schwein töten, die
nicht traurig sein." (Sure 2, 62) Wer den Kopfsteuer abschaffen..." Außerdem werde er
"jüngsten Tag" leugnet, gehört zu den Kirchen und Synagogen in Trümmer legen und
Ungläubigen. alle Christen, die den wahren Glauben, d.h. den
Islam, nicht annehmen wollen, niedermachen.
Besonders in der Anfangszeit seines Auftretens Andere Überlieferungen besagen, dass er auf
hat Mohammed mit aufrüttelnden Worten das ein Minarett östlich von Damaskus herabsteigen
Gericht Gottes angekündigt, vor der "nahen" und den Dadschal töten werde. - Er soll durch
Abrechnung (Sure 53,57) gewarnt und seinen sein Gebet auch dem folgenden Vorzeichen
Zuhörern Höllenfeuer und Paradies in des nahenden Gerichts ein Ende bereiten:
leuchtenden Farben vor Augen gemalt. 4. Gog und Magog - zwei Völker unbestimmter
Herkunft werden sich über die Erde verbreiten
Allerdings finden wir im Koran zwar eine und eine Zeitlang in ihrer Umgebung Unheil
Beschreibung vom Tag des Gerichts und anrichten (Sure 21,96).
seinen Begleiterscheinungen (vgl. u.a. Sure 99 5. Ein Tier aus der Erde - wird den Menschen
und 101), jedoch keine ausführlichen ihren Unglauben vorwerfen (Sure 27,82).
Prophezeiungen über den Verlauf der 6. Die Sonne wird im Westen aufgehen.
endzeitlichen Geschichte. Weit mehr Material 7. In der Gegend des Hedschas (in Arabien)
zu diesem Thema enthalten die Hadithen, kurze wird ein großes Feuer ausbrechen.
Berichte über Aussagen und Handlungsweisen 8., 9. und 10. Drei große Bodensenkungen
Mohammeds, die nach seinem Tod werden sich ereignen - eine im Osten, eine im
weitererzählt und gesammelt wurden. Da Westen und eine auf der arabischen Halbinsel.
jedoch im Islam die Zuverlässigkeit der
einzelnen Hadithe umstritten ist, gibt es auch Andere Überlieferungen nennen weitere
kein einheitliches Bild der "Endzeit". Personen (z.B. den Mahdi, der z.T. mit Jesus
gleichgesetzt wird) und Ereignisse, durch die
Ein Schema über die Reihenfolge der das nahe Ende der Geschichte angekündigt
endzeitlichen Geschehnisse bezieht sich auf wird: "Dass das Wissen verschwindet und
einen Hadith, der besagt: "Der jüngste Tag wird Unwissenheit herrscht, dass verschiedene
nicht hereinbrechen, bevor ihr die zehn Zeichen alkoholische Getränke zu sich genommen
dafür gesehen habt." Dort werden dann die werden und der Ehebruch öffentlich begangen
folgenden Ereignisse genannt: wird, sind gewiß Zeichen des jüngsten Tages."

1. Duchan - ein großer Rauch wird die ganze Auch folgender Ausspruch wird Mohammed
Erde überziehen (Sure 44,10+11). Dieses zugeschrieben: "Zählt sechs Zeichen, die sich
Ereignis wird vierzig Tage lang andauern. ereignen, bevor der jüngste Tag hereinbricht:
2. Dadschal - ein Betrüger wird sich zum Gott 1. Mein Tod.
erklären und fast alle Menschen verführen, 2. Die Eroberung von Quds (Jerusalem).
obwohl er an seiner Stirn die untilgbare Schrift 3. Verfall der Menschen durch eine Krankheit,
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die der Schafspest ähnelt.


4. Überfluss an Hab und Gut. Wenn einem
hundert Goldstücke gegeben werden, und er
zürnt, weil er es als gering ansieht und damit
nicht zufrieden ist.
5. Die Ausweitung eines Unfriedens, der ohne
Ausnahme in jedem arabischen Haus
herrschen wird.
6. Dass zwischen euch und der gelben Rasse
ein Friedensabkommen geschlossen wird, dass
sie diesen Frieden brechen und mit achtzig
Bannern (in jedem davon sind zwölftausend
Soldaten) zu euch kommen und euch
angreifen."

Bei unterschiedlichen Muslimen, z.B. bei


Sunniten und Schiiten, begegnen wir
unterschiedlichen Vorstellungen vom Ablauf der
Ereignisse vor dem Tag des Gerichts. Die
große, allen gemeinsame Perspektive ist die
Erwartung des jüngsten Gerichts und der
Wiederkunft Jesu als eines wichtigen
Vorzeichens.

Was in den islamischen Endzeiterwartungen


nicht vorkommt, ist die Entrückung der
Gemeinde Jesu und das Kommen Jesu als
Messias Israels. Jesus ist im Islam auch nicht
der, dem der Vater alles Gericht übergeben hat
(Joh. 5,22; Apg. 17,31). - Auch wenn der Islam
von der Wiederkunft Jesu spricht: es ist ein
anderer Christus, der erwartet wird.

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Aleviten der Türkei im Vordergrund stehen. Männer und Frauen


nehmen gleichberechtigt daran teil.
Während die Mehrheit der türkischen
Bevölkerung dem sunnitisch-orthodoxen Islam Aleviten haben im osmanischen Reich eine
angehört, sind nach Schätzungen bis zu 30% sehr wechselhafte Rolle gespielt. Oft erlebten
Aleviten. Unter den Menschen türkischer sie jedoch Feindschaft und Unterdrückung
Herkunft in Deutschland liegt dieser Anteil seitens der sunnitisch-orthodoxen Muslime. So
vermutlich sogar noch höher. Viele Kurden aus ist es zu verstehen, dass Aleviten die Politik
der Türkei sind Aleviten. Es gibt jedoch auch Atatürks begrüßten, der nach dem ersten
sunnitische Kurden und alevitische Türken. Weltkrieg die Verwestlichung der Türkei auf
Kosten des Islam einleitete. Als Reaktion auf
Aleviten führen sich auf Ali, den Schwiegersohn das Erstarken des Islam nach Atatürks Tod,
Mohammeds zurück. In der Verehrung Alis wandten sich viele junge Aleviten
stimmen sie mit einer großen Hauptrichtung im sozialistischen Parteien zu. Erst nach dem
Islam, der Schia, überein. Zerbruch des russischen Sozialismus und dem
Eine weitere Quelle des Alevismus ist der Aufkommen des fundamentalistischen Islam
Batinismus, eine Bewegung, die schon in der besinnen sich Aleviten wieder stärker auf ihre
Frühgeschichte des Islam für eine mystische religiösen Wurzeln. Für die meisten ist jedoch
und gesetzeslose Beziehung zu Allah warb. Alevismus heute mehr eine Lebensphilosophie
als eine Religion.
Seine besondere Prägung erhielt der
alevitische Glaube allerdings erst unter den Die schlimmen Erfahrungen mit sunnitischen
Türken in Anatolien. Einige der türkischen Muslimen und die eigene religiöse Leere führen
Stämme, die ab dem 11. Jahrhundert von der dazu, dass manche Aleviten in Deutschland
mongolischen Steppe her nach Anatolien sich dem Christentum, besonders dem weniger
einfielen, lernten auf ihrem Weg den Islam in gesetzesbetonten Glauben der Protestanten,
seiner batinistisch-gesetzeslosen Form kennen. nahe fühlen. Die Betonung der Liebe, Jesu
Im Laufe der Zeit wurden mit diesem Glauben Erbarmen auch gegenüber Armen und
Elemente des Schamanismus der Turkvölker Geringen sprechen sie an. Sie werden in der
verschmolzen. Die herausragende Figur des Regel schnell bejahen, dass der Mensch nicht
anotolischen Alevismus wurde Hadschi durch Gesetzeserfüllung, sondern durch eine
Bektasch Veli (ca. 1248 - 1337), dem in der vertraute Beziehung Gott nahe kommt.
Überlieferung große Gelehrsamkeit und
Wunderkräfte zugeschrieben werden. Auch wenn wir bei alevitischen Freunden also
Bektaschismus und Alevismus sind seitdem fast weniger negative Vorurteile über das
gleichzusetzen. Evangelium erwarten müssen als bei Sunniten,
wäre es ein Irrtum anzunehmen, der Schritt zur
Laut alevitischer Lehre ist Gott nicht fern. Er Erlösung sei für sie natürlich. Dass Gott heilig
lebt im sogenannten "perfekten Menschen" - ist und ein Recht hätte, uns für unsere Sünden
besonders war das der Fall bei Ali, aber auch zu strafen, ist der alevitischen
bei Jesus, Mohammed und anderen. Der Glaubensvorstellung fern. Manche Aleviten
"perfekte Mensch" wird als geradezu göttlich können leicht "Ja zu Jesus" sagen. Weil sie ihre
angesehen. Weil er selbst Gut und Böse Erlösungsbedürftigkeit nicht sehen, fällt es
erkennen kann, sind äußere Gesetze oder ihnen jedoch schwer, Jesus als den einzigen
religiöse Bücher unbedeutend. Da Gott im Weg zu Gott zu akzeptieren.
Menschen ist, besteht Gebet in erster Linie im
Nachdenken über sich selbst. Statt ritueller So sind wir auch bei Aleviten auf ein
Gebete in der Moschee trifft man sich zu tiefgehendes Wirken des Heiligen Geistes
Gemeinschaftsversammlungen (Dschem), bei angewiesen, der sie von ihrer Sündhaftigkeit
denen Tanz, Musik und religiöse Erzählungen
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überzeugt und ihnen die Herrlichkeit Jesu zeigt.

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"Schutzbefohlene" - Christen und Juden Vorzüge der Scharia erkennen und sich zum
unter islamischer Herrschaft Islam bekehren.

Muslime rühmen oft die Toleranz des Islam und Weder aus dem Koran noch aus dem Beispiel
berufen sich dabei auf Sure 2, 256: "In der Mohammeds oder der ersten Kalifen lassen
Religion gibt es keinen Zwang." sich völlig einheitliche Bestimmungen für den
Umgang mit den "Schutzbefohlenen" ableiten.
In der Tat: wenn muslimische Heere Gebiete Deshalb können hier nur einige Regeln skizziert
eroberten, in denen Christen, Juden oder werden, die je nach Situation und Land stark
Zarathustra-Anhänger lebten, wurden diese abgewandelt werden konnten.
nicht gezwungen, den Islam anzunehmen,
sondern konnten auch unter islamischer Der "Schutzvertrag" soll für die ganze
Herrschaft ihre Religion beibehalten. Lebenszeit gelten. "Schutzbefohlener" (Dhimmi)
kann jeder erwachsene, freie Angehörige einer
Allerdings haben diese religiösen Gruppen Buchreligion sein, der Verstand besitzt, zum
nach traditionellem islamischem Recht in einem Kampf fähig ist und die Kopfsteuer (Dschisya)
islamischen Staat nicht die gleichen Rechte zu zahlen vermag. Kinder, Frauen,
wie die Muslime. Sie gelten als arbeitsunfähige Männer und Personen, die kein
"Schutzbefohlene" oder "Schutzberechtigte" Einkommen haben, brauchen keine Kopfsteuer
(Ahlu-dh-Dhimma), d.h. dass Muslime ihnen zu bezahlen. Die Kopfsteuer war je nach
unter bestimmten Bedingungen Schutz für ihr Epoche oder Gebiet unterschiedlich hoch. Sie
Leben und ihren Besitz garantieren und konnte allerdings zu manchen Zeiten als so
gewisse Freiheiten gewähren dürfen. Auf belastend empfunden werden, dass
islamischer Seite ist nur der jeweilige Herrscher "Schutzbefohlene" es vorzogen, den Islam
berechtigt, den entsprechenden Schutzvertrag anzunehmen, um von der Kopfsteuer befreit zu
abzuschließen. werden.
Der Koranvers, auf den sich diese Regelung im
wesentlichen stützt, steht in Sure 9,29: "Kämpft Die Gesetze, die den Dhimmi-Status definieren,
gegen diejenigen, die nicht an Allah und den zielen darauf ab, es den unterworfenen
Jüngsten Tag glauben und nicht verbieten, was Anhängern anderer Religionen unmöglich zu
Allah und sein Gesandter verboten haben, und machen, den Aufbau der islamischen
nicht der wahren Religion angehören - von Gesellschaft in irgendeiner Form zu behindern
denen, die die Schrift erhalten haben - bis sie, oder gar zu gefährden.
sich erniedrigend, Tribut entrichten."
Verbote und Einschränkungen
Gegen die Götzendiener (Polytheisten) sollen
die Muslime nach Sure 9,5 allerdings so lange So ist es nach islamischem Gesetz den
kämpfen, bis jene getötet werden oder sich zum "Schutzbefohlenen" verboten, den Koran,
Islam bekehren. Mohammed oder den Islam zu kritisieren (vgl.
das Blasphemiegesetz in Pakistan), einen
Erniedrigung Muslim in bezug auf seine Religion zu verwirren
oder die Feinde der islamischen Welt zu
Solange die "Schutzbefohlenen" nicht bereit unterstützen. Sie dürfen keine Positionen
sind, den Islam, die beste Religion (Sure 3,19 einnehmen, in denen sie über Muslimen stehen
und 3,110) anzunehmen, muss ihnen ihre könnten, besonders in der Regierung, im
Unterlegenheit und die Minderwertigkeit ihres Richteramt (für das der Islam die wichtigste
Glaubens immer wieder vor Augen geführt Voraussetzung ist), im Militär oder als
werden. Den Nichtmuslimen soll ein Leben im Polizisten. (Allerdings werden von einigen
Rahmen der islamischen Gesellschaft Rechtsgelehrten den "Schutzbefohlene" eigene
ermöglicht werden, damit sie schließlich die Richter für die Regelung "innerer
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Angelegenheiten" zugestanden.) sind sie im Grunde doch "Bürger zweiter


Wenn sie auch nicht gezwungen werden, den Klasse" und mancherlei Diskriminierungen
Islam anzunehmen, sollen sie jedoch (vor allem ausgesetzt.
in den Städten) daran gehindert werden, die
Kennzeichen ihres Glaubens zu zeigen, weil im Literatur: Ishak Ersen, Die Rechte und Pflichten
Herrschaftsbereich des Islam keine der Juden und Christen in einem islamischen
Kennzeichen des Unglaubens geduldet werden Staat, Licht des Lebens, Villach, Österreich,
sollen. In manchen Gegenden war und ist es 1992
jedoch Christen erlaubt, ihre Kreuze zu zeigen,
Glocken zu läuten und Kirchen oder Klöster zu www.orientdienst.de
bauen, in anderen war und ist es ihnen
verboten.

Auch hinsichtlich Kleidung und Kopfbedeckung


sollten sich (z.T. bis heute) die Angehörigen
anderer Religionen von den Muslimen
unterscheiden - damit sowohl ihr Ungehorsam
gegenüber dem Islam als auch ihre
Erniedrigung offen sichtbar werden. Zeitweilig
sollten Christen und Juden sich durch die Farbe
ihres Gürtels als Nichtmuslime zu erkennen
geben.

Freiheiten

Der Genuss von Wein und Schweinefleisch soll


den "Schutzbefohlenen" (straffrei) erlaubt sein.
Allerdings wird ihnen in der Regel verboten,
Wein und Schweine in der islamischen
Öffentlichkeit sehen zu lassen. Im Übrigen
sollen sie jedoch - wie die Muslime - dem
islamischen Strafrecht unterworfen sein.

Das islamische Recht gesteht den


"Schutzbefohlenen" prinzipiell ihr eigenes
Eherecht zu. Streit gibt es über die Fragen, wie
zu verfahren sei, wenn ein Dhimmi zum Islam
übertritt, wenn Angehörige verschiedener nicht-
islamischer Religionen heiraten wollen bzw.
welcher Religion die aus einer solchen Ehe
hervorgehenden Kinder angehören sollen. Auch
im Rahmen des Erbrechts wird den
"Schutzbefohlene" eine gewisse
Eigenständigkeit gewährt.

Selbst wenn den "Schutzbefohlenen" also


innerhalb der islamischen Gesellschaft (in
einem sehr eingeschränkten Rahmen)
"Religionsfreiheit" und die interne Regelung
einiger rechtlicher Fragen zugestanden wird,
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Fasten der Mondsichel, ist der Fastenmonat zu Ende.


Es folgt das Fest des Fastenbrechens (`id al-fitr,
Das Fasten im Monat Ramadan gehört zu den auch "kleines Fest" oder "Zucker-Fest" -
"5 Säulen" des Islam. Es ist für jeden Türkisch: Seker Beyram). - Da die Mondmonate
erwachsenen Muslim "unbedingt geboten". kürzer sind als die Monate im Sonnenjahr,
Allen, die das Fastengebot bewusst übertreten, wandert der Ramadan in 34 Jahren einmal
wird Strafe angedroht - sofern sie nicht eine der durch alle Jahreszeiten.
im Koran genannten Ausnahmeregelungen für
sich in Anspruch nehmen können. Fastenpraxis im Monat Ramadan

Das arabische Wort "sawm" hat die Die Grundlage für die islamische Fastenpraxis
Grundbedeutung: "sich enthalten" - z.B. vom findet sich vor allem in Sure 2,183-187. Von
Reden, Essen, Trinken, Geschlechtsverkehr. Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang (solange
man einen weißen von einem schwarzen Faden
Schon vor dem Auftreten Mohammeds war auf unterscheiden kann - Sure 2,187) müssen
der arabischen Halbinsel das Fasten als Muslime sich enthalten von Essen und Trinken
religiöse Praxis bekannt. Mohammed selber hat und Geschlechtsverkehr; auch das Ausspülen
sich bereits vor seiner Berufung zum des Mundes mit Wasser und das Rauchen,
"Propheten" zu Fasten und Meditation in die nach manchen Theologen sogar das Schlucken
Wüste zurückgezogen. des Speichels sind verboten.
Damit das Fasten als gültig anerkannt wird,
Als Pflicht für die Muslime wurde das Fasten muss zu Beginn eine Absichtserklärung zur
erst in Medina eingeführt. Dort kamen Einhaltung des Fastens ausgesprochen werden
Mohammed und seine Anhänger in Kontakt mit - wobei umstritten ist ob nur am Anfang des
Juden; Mohammed war sehr interessiert an Fastenmonats oder täglich.
einem Bündnis mit ihnen gegen die Mekkaner.
Um die Juden zu gewinnen, hielten er und die In der islamischen Welt hat das Fasten im
Muslime u.a. mit ihnen das Aschura-Fasten Ramadan starke Auswirkungen auf den
(das Fasten am Versöhnungstag - vgl. 3. Mose gesamten Tagesrhythmus. Tagsüber wird
16) ein. Die Juden ließen sich jedoch nicht für weniger gearbeitet; die Ämter schließen früher.
ein Bündnis gewinnen. Nach der Schlacht bei Das Leben verlagert sich mehr in die Nächte, in
Badr, in der Mohammed einen entscheidenden denen ausgiebig gegessen und getrunken wird.
Sieg über die Mekkaner errungen hatte, (In der Regel wird im Ramadan mehr Geld für
brauchte er die Juden nicht mehr; das Fasten Lebensmittel ausgegeben als in anderen
wurde nun bezogen auf die Herabsendung des Monaten).
Koran (Sure 2,185).
Ausnahmen und Ersatzleistungen
Der Fastenmonat Ramadan
Vom Fasten entbunden sind Kinder, Kranke,
In der 27. Nacht des Monats Ramadan (lailat al- Schwangere, Stillende, Greise,
qadr - "Nacht der Macht"; vgl. Sure 97 und Schwerstarbeiter u.a., die durch das Fasten an
44,3) soll Mohammed seine erste Offenbarung Gesundheit und Leben Schaden nehmen
(Sure 96,1-5) durch den Engel Gabriel würden. Auch Reisende müssen nicht fasten.
empfangen haben. So wurde der Monat Den Frauen ist während ihrer Periode
Ramadan, der 9. Monat des muslimischen ("Unreinheit") das Fasten verboten. -
Mondjahres, zur vorgeschriebenen Fastenzeit. Erwachsene müssen die entsprechende Anzahl
von Tagen möglichst bald nachholen. Es wird
Das Fasten beginnt mit dem Tag, an dem die allerdings auch die Möglichkeit eingeräumt, das
Mondsichel neu am Himmel erscheint; nach Fasten durch die Speisung eines Bedürftigen
etwa 30 Tage, mit erneutem Sichtbarwerden (Sure 2, 184) u.ä. abzugelten.
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Allah macht es niemandem zu schwer (Sure 2, Letztlich ist das Fasten schlicht eine
185). Wer jedoch das Fasten absichtlich bricht, Pflichterfüllung: Es wird gefastet, weil Gott es
muss ein 60-tägiges Sühnefasten ableisten, so will!
einen Sklaven loskaufen oder große Almosen
geben. Wer stirbt, während er noch eine
gewisse Zeit fasten müsste, für den soll ein www.orientdienst.de
naher Verwandter das Fasten leisten.

Zusätzliche Fastenzeiten

Als Strafen für bestimmte Sünden können


zusätzliche Fastentage (Bußfasten) angeordnet
werden (vgl. Sure 5,98). Für Muslime, die
besonders fromm sein oder schlechte Taten
ausgleichen möchten, gibt es die Möglichkeit,
freiwillig zusätzliche Fastenzeiten auf sich zu
nehmen; dies ist "wünschenswert" und gilt als
verdienstliches Werk. Empfohlen wird ein
zusätzliches Fasten z.B. für den Aschura-Tag
oder für sechs Tage des Monats Shawwal, der
auf den Ramadan folgt. - An Feiertagen ist das
Fasten jedoch verpönt, am Fest des
Fastenbrechens und am Opferfest ist es sogar
verboten.

Erwartungen, die mit dem Fasten verbunden


sind

Ein rein äußerliches Fasten reicht nicht. "Wenn


jemand nicht unterlässt, das Falsche zu
bezeugen und es zu tun, so liegt Gott nichts
daran, dass er vom Essen und Trinken
absteht." (Hadith) - Die Fastenzeit soll der
religiösen Erneuerung dienen. Sie soll den
Muslimen helfen, sich nicht zu sehr an die
vergängliche Welt und die körperlichen
Bedürfnisse zu binden. Manche erwarten sich
vom Fasten eine Reinigung der Seele und
Kraft, die Sünde zu besiegen. Im Ramadan
werden zudem in besonderer Weise
Koranrezitationen dargeboten, und man trifft
sich zu nächtlichen Gebetszeiten (tarawih) in
den Moscheen.

Muslime hoffen, dass sie sich durch das Fasten


große Verdienste erwerben und dass es zur
Tilgung ihrer Sünden dient. - Das bleibt
allerdings eine vage Hoffnung. Denn Gott ist
völlig frei in seinem Richten oder Vergeben.
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Umma - die islamische Gemeinschaft In der medinensischen Ur-Umma wurde der


Wille Gottes allein durch den Propheten
“Ihr seid die beste Gemeinschaft (arab. Mohammed bekannt gemacht. Später galten
“umma”), die je unter den Menschen dann der Koran, die Sammlung der
hervorgebracht worden ist.” (Koran, Sure 3,110 Offenbarungen Gottes an Mohammed, und die
nach Khoury) Sunna, die Lebensweise des Propheten, wie
Die islamische Gemeinschaft gilt laut Koran als sie in zahlreichen Hadithen (Überlieferungen
Volk, das aus allen anderen Gemeinschaften aus dem Leben Mohammeds) aufbewahrt
hervorragt. Sie zu bilden und zu erweitern, ist wurde, als Grundlage für das Leben der
ein wichtiges Ziel des Islam. islamischen Gemeinschaft. Koran und Sunna
wurden durch islamische Rechtsgelehrte später
Mohammed - Bauherr der Umma für viele Situationen des privaten und
staatlichen Lebens ausgelegt und angewandt.
Vor Mohammed waren die sozialen Bezüge auf Die Gesamtheit dieser Ordnungen für das
der arabischen Halbinsel in erster Linie durch Leben der Umma wird oft als “Scharia”
die Zugehörigkeit zu Stamm, Sippe und Familie (Gesetzt) bezeichnet.
geprägt. Die Sippen lagen in ständiger Fehde
miteinander. Der Aufbau eines übergeordneten Der Kalif als Leiter der Umma
schlagkräftigen Gemeinwesens war dadurch
unmöglich. Nach dem Tod Mohammeds wurde ein “Kalif”,
d.h. ein Stellvertreter und Nachfolger des
Es ist eine wirklich erstaunliche Leistung “Gesandten Gottes” als Leiter der Umma
Mohammeds, diese Gegensätze durch die eingesetzt. Über der Frage, wer zum Kalif
Einführung des Islam als den neuen ernannt werden solle, kam es schon bald zu
gemeinsamen Bezugspunkt überwunden zu der bis heute fortdauernden Spaltung der
haben. Nachdem der Bußprophet im Jahre 622 islamischen Gemeinschaft in “Sunniten” und
n. Chr. mit seinen Anhängern seine Heimatstadt “Schiiten”. Trotz vieler Kalifen und Gegenkalifen
Mekka verlassen musste (“Hidschra”), begann sowie oftmaliger machtpolitischer
er in Medina, wo er freundlich aufgenommen Bedeutungslosigkeit dieses Amtes, gab es das
wurde, mit dem Aufbau eines religiös- Kalifat bis zum Jahr 1924, als Atatürk, der
politischen Gemeinwesens. Diese islamische Gründer der modernen Türkei, den
Gemeinschaft in Medina gilt Muslimen bis heute osmanischen Kalifen in Istanbul für abgesetzt
als Ur- und Idealbild der Umma. Schon zu erklärte.
Lebzeiten des Propheten wurden durch
Überzeugung oder Zwang zahlreiche arabische Die Idee des Kalifats und die Hoffnung auf
Stämme geeint und in eine geordnete seine Erneuerung schwingt aber auch heute in
Gemeinschaft unter Führung Mohammeds vielen Ideologien islamischer Bewegungen mit.
eingefügt. Das hängt vor allem damit zusammen, dass
das Kalifat ein Symbol der weltweiten
Die Umma als Theokratie islamischen Einheit ist.

Nach islamischer Idealvorstellung gilt in der Die Einheit der Umma


Gemeinschaft der Muslime unumschränkt der
Wille Gottes. Religion, Staat, ja die ganze Die starke Betonung der Einheit Gottes im
Lebenswirklichkeit wird von Gottes Islam hat auch Auswirkungen auf sein Konzept
Verordnungen bestimmt. Demokratie in dem von der Einheit der Umma. Mohammed hat sich
Sinne, dass die Mehrheit eines Volkes jeweils vermutlich anfangs nur als Prophet der Araber
neu über die staatlichen Ordnungen verstanden. Später beanspruchte er jedoch für
entscheidet, passt nicht in diese Vorstellung. seine Botschaft universale Gültigkeit. Muslime
sind heute stolz darauf, dass der islamische
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Glaube die Grenzen von Nationen, Rassen und Gebiete dieser Erde, wo die islamische
gesellschaftlichen Klassen überwinde. Im Islam Ordnung herrscht, werden oft als “Haus des
stehe jeder Mensch in der gleichen Stellung vor Islam” bezeichnet. Länder, in denen die
Gott. Oft wird der Islam in diesem göttlichen Gesetze nicht anerkannt werden,
Zusammenhang auch als die Alternative über gehören zum “Haus des Krieges”. Die
den Gegensätzen von Kommunismus und islamische Umma ist dazu aufgerufen, den
Kapitalismus dargestellt. Hervorgehoben wird Herrschaftsbereich Gottes auszudehnen.
auch, dass es im Islam keinen Klerus gebe,
eine “geistliche Klasse”, die in einer Eintritt und Austritt
besonderen Mittlerstellung zwischen Gott und
Menschen steht. Der Vorbeter einer Moschee Mitglied der Umma werden Kinder von
erfüllt zwar eine leitende Funktion, erhält aber Muslimen mit der Geburt. Durch Unterweisung
nicht eine Weihe, die ihn über die Mitmuslime werden sie in die Ordnungen der Gemeinschaft
herausheben würde. eingeführt. Nichtmuslime treten der Umma bei,
indem sie vor zwei muslimischen Zeugen das
Die weltweite Einheit aller Muslime kommt Glaubensbekenntnis auf Arabisch aufsagen.
besonders in den geforderten religiösen
Handlungen (“5 Säulen”) zum Ausdruck. Das Der Austritt aus der islamischen
für alle gleichlautende Bekenntnis, einheitlicher Glaubensgemeinschaft ist nicht vorgesehen. Da
Gebetsritus oder die gleichen Pilgergewänder die Umma auch eine politische Gemeinschaft
und die gleichen Zeremonien für jeden ist, gilt Abfall vom Islam als Hochverrat, der
Mekkapilger fördern das Bewusstsein einer nach der Lehrmeinung der wichtigen
muslimischen Zusammengehörigkeit. Auch der islamischen Rechtsschulen mit dem Tode zu
verbindliche Gebrauch der arabischen Sprache bestrafen ist.
bei allen religiösen Handlungen hat zur Einheit
von Muslimen, ja zu einer gewissen www.orientdienst.de
“Vereinheitlichung” von Kulturen geführt. Ein
überzeugter Muslim wird der islamischen
Umma gegenüber eine höhere Loyalität
verspüren als dem eigenen Staat gegenüber.

Die Idealvorstellung von der Einheit der


Muslime als Abbild der Einheit Gottes wurde
und wird von der Wirklichkeit stark in Frage
gestellt. Es gibt heute zahlreiche Schulen,
Gruppen und Sekten im Raum des Islam, die in
Leben und Lehre zum Teil stark voneinander
abweichen. Erst recht ist die politische Einheit
des Islam weit von ihrer Verwirklichung entfernt.
Islamisch geprägte Nachbarstaaten (vgl.
Iran/Irak, Türkei/Syrien) können die erbittertsten
Feinde sein.

Die Ausbreitung der Umma

Trotzdem wirkt die Vorstellung von der Einheit


der islamischen Gemeinschaft als Idealbild und
Motivation fort. Damit hängt auch der Gedanke
zusammen, dass der Muslim zur Ausbreitung
dieser Gemeinschaft verpflichtet sei. Die
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Abfall vom Islam (Irtidad)


Ausgehend von Koran und Hadith und ihrer
In modernen islamischen Auslegung wurde das islamische Recht
"Menschenrechtserklärungen" ist unter entwickelt. Die vier sunnitischen Rechtsschulen
anderem von Religionsfreiheit die Rede. und das schiitische Recht sind sich im
Bedeutet das aber, dass einem Muslim das wesentlichen darin einig, dass ein Muslim, der
Recht eingeräumt wird, sich vom Islam vom Islam abfällt, getötet werden müsse. - Als
abzuwenden, um religionslos zu leben oder Abfall vom Islam wird gewöhnlich angesehen,
eine andere Religion anzunehmen? - Im wenn ein Muslim das islamische
traditionellen Islam wird einem Muslim dieses Glaubensbekenntnis leugnet oder auch, wenn
Recht bestritten. er grundlegende islamische Verpflichtungen
oder Verbote ablehnt bzw. den Koran schändet.
Im Koran
Die Ehe eines Abgefallenen wird als aufgelöst
Verschiedene Koranstellen beziehen sich auf erklärt und sein Besitz enteignet. -
den Abfall vom Islam, z.B. Sure 88, 23+24: Unterschiedliche Auffassungen bestehen
"Wer sich aber abkehrt und ungläubig bleibt, hinsichtlich der Fragen, ob weibliche
den peinigt Gott mit der größten Pein." (vgl. Abgefallene ebenfalls Getötet oder
außerdem S 16,106-109; 3,86-91; 4,137; 2,217) lebenslänglich gefangengehalten (und evtl.
Hier wird Menschen, die Muslime waren und häufig gezüchtigt) werden sollten und ob der
sich dann wieder vom Islam abgewandt haben, Hinrichtung eines Abgefallenen eine Frist (in
das Strafgericht Gottes angekündigt. Darüber, der Regel von drei Tagen) vorausgehen müsse,
wie die muslimische Gemeinschaft mit einem in der ihm die Möglichkeit eingeräumt wird, zum
Abgefallenen verfahren solle, wird nichts Islam zurückzukehren. - Geisteskranke gelten
gesagt. Viele Korankommentatoren haben als nicht verantwortlich für ihre Tat.
allerdings aus diesen Versen herausgelesen, Rechtfertigung der Tötung
dass jemand, der vom Islam abfällt, getötet
werden solle. (Sure 4,88+89 spricht davon, Bis in die heutige Zeit rechtfertigen muslimische
dass "Heuchler" bekämpft und getötet werden Gelehrte die Auffassung, dass Abgefallene vom
sollen, die allerdings wohl für die Muslime in Islam getötet werden müssten. In der Regel
Medina eine politische Gefahr darstellten.) begründen sie dies mit dem Hinweis, dass in
allen ("gesunden") Staaten Hochverrat und
Im Hadith Rebellion mit dem Tod bestraft würden. Der
Im Hadith finden sich Berichte, dass Islam ist nicht lediglich eine persönliche
Mohammed die Hinrichtung von Personen, die religiöse Auffassung, sondern ein
sich vom Islam abgewandt hatten, befohlen politischrechtliches System, das alle
habe und dass er gesagt habe: "Das Blut eines Lebensbereiche umfasst. Deshalb sei Abfall
Muslims darf nur in drei Fällen legitimer weise vom Islam nicht nur ein rein privater
vergossen werden: wenn es um einen älteren Religionswechsel, sondern Auflehnung gegen
Ehebrecher geht, als Strafe für einen Mord und die islamische Ordnung - und damit zugleich
bei demjenigen, der von seiner Religion abfällt Rebellion gegen die Verwirklichung der
und seine Gemeinschaft verlässt." (Buchari und Herrschaft Gottes auf der Erde. Auf solchen
Muslim - nach Adel Theodor Khoury, Der Verrat könne die islamische Gemeinschaft nur
Koran, S. 549) - Zur Frage, ob einem mit härtesten Strafen antworten.
Abgefallenen noch eine Frist eingeräumt
werden müsse, den Islam wieder anzunehmen, Die gegenwärtige Praxis
gibt es unterschiedliche Aussagen in den
Hadithen. In islamischen Staaten werden gegenwärtig nur
selten Menschen offiziell wegen "Abfall vom
In den islamischen Rechtsschulen Islam" zum Tode verurteilt. Manche werden
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wegen anderer Vergehen angeklagt und


hingerichtet, z.B. Bahai-Anhänger im Iran
wegen "Verrat" oder "Spionage für Israel".
Einzelne Konvertiten (wie Mehdi Dibaj im Iran)
wurden jahrelang inhaftiert, dann freigelassen -
und einige Zeit später ermordet aufgefunden.

Auch in islamischen Ländern, deren Gesetze


keine Strafen für den Abfall vom Islam
vorsehen, geschieht es hier und da, dass
Muslime, die einen anderen Glauben
annehmen, von ihren Angehörigen oder
anderen Mitgliedern der Gemeinschaft getötet
werden. Es gibt allerdings auch Länder, in
denen Muslime ohne staatliche Bedrohung und
gesellschaftlichen Druck sich vom Islam
abwenden können - und Familien, die ihren
Angehörigen einen gewissen Schutz gewähren.
Von "Sicherheit" für Abgefallene kann jedoch
fast nirgends die Rede sein. In muslimischer
Umgebung leben sie in einem Status von
Rechtsunsicherheit oder Rechtlosigkeit.

Neues Nachdenken?

In der islamischen Welt gibt es vereinzelte


Stimmen, die sich dafür aussprechen, über die
Frage des Abfalls vom Islam noch einmal neu
nachzudenken. Sie weisen darauf hin, dass es
einen Unterschied gebe zwischen einem
Religionswechsel aus persönlicher
Überzeugung und einem Abfall vom Islam, der
mit politischen Angriffen auf die islamische
Gemeinschaft verknüpft werde. - Es wäre sehr
zu wünschen, dass diese Unterscheidung in
das islamische Recht eingeführt würde - auch
um all derer willen, die wegen ihres Glaubens
an Jesus Christus den Islam verlassen haben,
ohne deshalb Feinde ihrer muslimischen
Mitbürger zu werden oder ihrem Staat die
Loyalität aufzukündigen.

Solange das islamische Recht jeden Muslim,


der aus Gründen persönlicher Überzeugung
sich vom Islam abwendet, mit dem Tod bedroht,
wird jedenfalls der Islam nicht zu Recht den
Anspruch erheben können, eine tolerante
Religion zu sein.

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Die Engel bestreiten, dass es im Islam "gefallene Engel”


gebe.
Arabisch: Mala'ika (pl.), Malak (sg.)
Bekannt sind vor allem die vier höchsten und
Der Glaube an die Engel gehört zu den mächtigsten Engel, die allen anderen die
grundlegenden Verpflichtungen der Muslime: Befehle Gottes weitergeben. - Von ihnen
"Wer an Gott, seine Engel, seine Schriften, werden allerdings nur Dschibril und Mikail im
seine Gesandten und den jüngsten Tag nicht Koran namentlich erwähnt (S 2,97+98):
glaubt, ist (damit vom rechten Weg) weit
abgeirrt." (Sure 4,136; eine ähnliche Dschibril (Gabriel), der oberste Engel,
Aufzählung: Sure 2,285) überbringt den Propheten die göttlichen
Offenbarungen. Er wurde auch zu Mohammed
Den Engeln kommt im Islam eine große gesandt, um ihm den Koran zu offenbaren. -
Bedeutung zu, weil nur durch sie die göttlichen Wenn im Koran der "Geist Gottes" (z.B. Sure
Offenbarungen den Propheten übermittelt 19,17) erwähnt wird, beziehen viele Ausleger
wurden. Ihre Existenz zu leugnen, wäre diese Aussagen auf den Engel Gabriel.
zugleich die Ablehnung der Propheten, der
ihnen überbrachten Bücher und damit auch der Mikail (Michael) ist verantwortlich für die
von ihnen verkündeten Religion. Vorgänge in der Natur (Regen, Wind etc.) und
die Versorgung der Menschen mit ihrem
Die Engel wurden vor den Menschen Lebensunterhalt.
erschaffen (Sure 38,71-73) - nach dem Hadith Israfil eröffnet den Tag des Gerichts, indem er
aus göttlichem Licht (Nur). In dieser Gestalt in die Posaune stößt; mit dem zweiten
können nur die Propheten sie sehen. Sie Posaunenstoß bewirkt er die allgemeine
können aber nach Gottes Befehl auch Auferstehung.
Menschengestalt und andere Formen
annehmen. Besonders in Menschengestalt sind Azrail ruft im Auftrag Gottes die Seelen der
sie verschiedenen Menschen erschienen, z.B. Menschen ab, wenn ihre Todesstunde da ist.
Abraham, Lot, Zacharias und Maria.
Es gibt unzählig viele Engel. Sie essen, trinken Außerdem kommt folgenden Engeln eine
und schlafen nicht und sind weder männlich wichtige Bedeutung zu:
noch weiblich. Am Tag des Gerichts werden die
meisten von ihnen wie die Menschen sterben, Die Thronengel tragen den Thron Gottes; am
nach dem zweiten Posaunenton aber wieder Tag des Gerichts werden es acht sein (S
auferweckt, um ihren Auftrag zu erfüllen. 69,17).

Sie sind sündlos und ohne Neigung zum Die "ehrenhaften Schreiber" (Kiraman Katibin -
Bösen. Sie fürchten ihren Schöpfer (S 16,50), S 82,11+12 ): Jeder Mensch wird von zwei
preisen ihn unablässig bei Tag und Nacht (S Engeln begleitet: Der an seiner rechten Seite
21,20) und vollbringen alles, was ihnen schreibt alle seine guten Worte und Taten auf,
befohlen wird (S 66,6). Sie bezeugen wie Gott der an seiner linken alles Schlechte (S 50,17-
selber, dass es keinen Gott gibt außer ihm 12). Diese Verzeichnisse der guten und bösen
(3,18). - Als nach der Erschaffung des Taten werden den Menschen am Tag des
Menschen Gott zu den Engeln sagte: "Werft Gerichts vorgelegt, und die Abrechnung erfolgt
euch vor Adam nieder!", warfen sie sich alle nach diesen Büchern.
nieder, außer Iblis (dem Satan). Der weigerte
sich und war hochmütig. Er gehörte nämlich zu Die Grabengel Munkar und Nakir befragen
den Ungläubigen. (S 2,34; 38,74) - Hier klingt jeden Verstorbenen im Grab nach seinem Herrn
es so, als ob der "Satan" ursprünglich einer der (Gott), seinem Propheten und seiner Religion
Engel gewesen sei; es gibt aber Muslime, die und peinigen diejenigen, die nicht die richtigen
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Antworten wissen, d.h. sich nicht zum Islam Laut Koran wurden die Dschinn von Gott aus
bekennen. Oft flüstern daher Angehörige den Feuer geschaffen (55,15). Sie werden damit
Sterbenden das Glaubensbekenntnis sowie die von den aus Ton geschaffenen Menschen und
Antworten auf diese Fragen ins Ohr. den aus Licht geschaffenen Engeln und
Satanen (Dämonen) unterschieden. Die Frage
Die Paradies- und Höllenengel sind Wächter ob der Teufel (“Iblis”) den Engeln oder den
des Paradieses und der Hölle. Die Dschinn zuzuordnen sei, wird im Koran nicht
Paradiesengel dienen den Gläubigen und eindeutig beantwortet. In Sure 18,50 wird von
schließen mit ihnen Freundschaft. Die Engel, ihm behauptet: “Er gehörte zu den Dschinn”. An
die als Wächter über das Höllenfeuer eingesetzt anderen Stellen (2,34; 7,11ff; 15,28-33 u.a.)
sind (S 74,31), fügen den Höllenbewohnern wird er offensichtlich unter die Engel eingereiht.
Qualen zu (vgl. Sure 43,74-77).
Die Dschinn wurden wie die Menschen
Helfende Engel unterstützen die Gläubigen am geschaffen, Gott zu dienen (51,56). Deshalb
Tag der Not. In der Schlacht von Badr verhalfen sendet Gott auch zu ihnen Gesandte “aus ihrer
sie den Muslimen zum Sieg Gegen die Mitte”, um sie vor dem Gericht zu warnen
zahlenmäßig weit überlegenen Mekkaner (S 8,9 (6,130). Ausführlich wird in Sure 72 (der Titel
+ 12). Auch Schutzengel erwähnt der Koran (S dieser Sure ist “Die Dschinn”) geschildert, wie
6,61; 13,11; 82,10). auch eine Schar Dschinn der Verkündigung
Mohammeds zuhört und einige von ihnen zu
In Sure 2,102 werden Harut und Marut als Muslimen werden (vgl. auch 46,29-31).
"Engel" erwähnt; manche Koranausleger
verstehen das Wort hier aber in übertragenem Laut Koran gibt es also gute und böse, gottlose
Sinn und sehen in ihnen eher zwei Menschen und fromme Dschinn. Die bösen Dschinn
mit guten Eigenschaften, Wissen und Macht. können dem Menschen schaden (114,6). Ein
anderer Dschinn hingegen bietet dem König
Gläubige Muslime rechnen damit, Salomo seine magischen Kräfte zur Hilfe an
ununterbrochen von den Engeln Gottes (27,39; in 27,17 werden die Dschinn zu den
umgeben zu sein - zur Hilfe, zum Schutz, aber “Truppen Salomos” gezählt).
auch zur Kontrolle. Zugleich sind sie überzeugt
von der Gegenwart anderer Geister, der Dschinn in der islamischen Theologie
Dschinn. (s. Minikurs "Die Dschinn" in diesem Die maßgeblichen islamischen Theologen
Heft) gehen bis heute selbstverständlich von der
Existenz der Dschinn aus. Die
Die Dschinn Rechtswissenschaft diskutierte mit großer
Ernsthaftigkeit die möglichen Beziehungen
Nach islamischer Auffassung sind Dschinn zwischen Menschen und Dschinn bis hin zu der
(Pluralwort) intelligente Geisteswesen, die Frage, wie Kinder aus sexuellem Verkehr
weder den Menschen noch den Engeln zwischen Mensch und Dschinn rechtlich
zuzuordnen sind. gestellt seien.
Vorislamischer Glaube
In der Vorstellungswelt der Araber vor Es gibt nur einzelne Stimmen, die die offizielle
Mohammed waren Dschinn Wüstengeister Lehre von den Dschinn bezweifeln. Während
(Nymphen, Satyrn). Aus einigen Koranstellen der mittelalterliche Philosoph Ibn Sina ihre
(37,158; 6,128; 72,6) lässt sich rückschließen, Existenz schlichtweg bestritt, versuchen heutige
dass die Mekkaner die Dschinn als Verwandte modernistische Koranausleger die Aussagen
Gottes sahen, ihnen opferten und von ihnen des Koran als frühen Hinweis auf Mikroben und
Hilfe erwarteten. Bazillen zu deuten. Andere sehen in den
Dschinn “verborgene Qualitäten oder
Koranische Aussagen Fähigkeiten von Menschen”. Solche Gedanken
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haben aber weder im Volk noch in der Die Bibel weiß von unsichtbaren Geisteswesen.
Theologie weite Verbreitung gefunden. Sie lehrt jedoch nichts über Geister, die
jederzeit zwischen gut und böse schwanken
Dschinn im Volksislam können. Während die Engel ausdrücklich im
Als der Islam sich schnell über Länder und Dienst Gottes stehen, sind die bösen Geister
Kontinente auszubreiten begann, erleichterte es oder Dämonen im Dienst des Teufels an der
die Aufnahme der Dschinn in den Koran, dass Verführung und Zerstörung des Menschen
die verschiedensten vorislamischen Götzen, interessiert. Abgesehen von eingebildeten und
Geister und Vorstellungen in den neuen übertriebenen Geschichten - wo Menschen von
Glauben mithineingenommen werden konnten. Dschinn beeinflusst werden oder versuchen,
Unter dem Begriff Dschinn wurden so in den diese Geister für die eigenen Zwecke zu
verschiedensten Formen je nach Region die gebrauchen, gibt es nur ein biblisches
alten heidnischen und animistischen Bräuche Deutungsmuster: Hier geraten Menschen in den
weitergepflegt. Einflussbereich und unter die Macht von
Dämonen und brauchen die Befreiung durch
Die Dschinn gelten als unsichtbare Geistwesen, Jesus Christus.
die aber dem Menschen in unterschiedlicher
Gestalt (schwarze Katze, Ziege, riesenhafter www.orientdienst.de
Mensch...) erscheinen können. Es gibt
verschiedenste Verhaltensmaßregeln dafür, wie
man es vermeiden kann, die Dschinn zu stören
oder zu verärgern und damit gegen sich
aufzubringen (meiden bestimmter Orte wie
Toiletten oder Müllplätze oder Tageszeiten, wie
der Nacht; nicht direkt über die Dämonen
sprechen...). Zu den Vorsichtsmaßnahmen
kann auch der Ausspruch “bismillah” (“im
Namen Allahs”) vor jeder Aktivität gehören.
Unglück und Probleme werden leicht als Folge
feindlicher Aktivitäten von Dschinn gedeutet.
Eheschwierigkeiten können damit erklärt
werden, dass einer der Partner einen Dschinn
verärgert hat oder aber dadurch, dass ein
Dschinn etwa auf die Frau ein Auge geworfen
hat.

Andererseits versucht man mit Hilfe magischer


Praktiken, die guten Dschinn für die eigenen
Zwecke einzuspannen. Meist geschieht das
über Personen, die sich besonders darauf
verstehen. Über diese Dienste der “guten
Geister” gibt es zahlreiche Berichte. Über die
Märchen aus “1001 Nacht” (Aladins
Wunderlampe u.a.) sind die nützlichen Dschinn
auch tief in das westliche Bewußtsein
vorgedrungen und spiegeln sich etwa in
Flaschengeistern in Fernsehserien
(“Bezaubernde Jeanny”) wieder.

Sicht der Bibel


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Die Kreuzigung Jesu in islamischer Sicht aufgrund der in der Bibel berichteten Finsternis
und des Erdbebens der Hinrichtung entging und
Bei der Beurteilung der Kreuzigung Jesu von Gott rechtzeitig in den Himmel erhoben
ergeben sich zwischen Islam und christlichem wurde.
Glauben besonders große Differenzen.
Während die Bibel Kreuzigung und 2. Jesus wurde zwar gekreuzigt, aber auf
Auferstehung, also das Erlösungs- und Gottes Ratschluss hin, nicht aufgrund der Pläne
Versöhnungswerk Jesu, als Zentrum des der Juden: Man könnte vom Wortlaut auch
christlichen Glaubens auffasst (s. etwa 1. Kor annehmen, dass Jesus zwar gekreuzigt wurde,
15,12ff.), spielt das Ereignis im Koran nur eine aber nicht, weil die Juden dies beabsichtigten,
sehr untergeordnete Rolle. Der Koran enthält sondern letzten Endes, weil Gott es so
nur einen einzigen Vers zur Kreuzigung, der beschlossen hatte. Die Betonung wäre dann:
zudem sehr schwer zu deuten ist und daher von "Sie haben ihn nicht getötet" (sondern Gott war
muslimischen Theologen unterschiedlich der Verursacher seines Todes). Allerdings ist
ausgelegt wurde. Bei allen Differenzen ist sich diese Meinung in der muslimischen Theologie
die muslimische Theologie jedoch darin einig, heute eine Außenseiterposition.
dass die Kreuzigung Jesu, so wie die
Evangelien sie berichten, keinesfalls 3. Ein anderer wurde an Jesu Stelle gekreuzigt:
stattgefunden haben kann. Dann würde man auslegen: "Er, Jesus,
erschien ihnen so, als ob er gekreuzigt wurde,"
Der Koran über die Kreuzigung was bedeutete, dass Jesus selbst nicht
gekreuzigt wurde, sondern ein anderer
Sure 4, 157+158 sagt über die Juden (Die entweder unabsichtlich mit Jesus verwechselt
Texte in Klammern sind Hinzufügungen des wurde (so etwa Muhammad Taufîq Sidqî oder
Übersetzers ): "... und (weil sie) sagten: 'Wir der schiitische Theologe Muhammad Husain
haben Christus Jesus, den Sohn der Maria und Tabâtabâ'î) oder dass Gott einen anderen
Gesandten Gottes, getötet.'- Aber sie haben ihn Menschen in Jesus verwandelte, der dann an
(in Wirklichkeit) nicht getötet und (auch) nicht seiner Stelle Gekreuzigt wurde.
Gekreuzigt. Vielmehr erschien ihnen (ein Diese Deutung wird heute in der islamischen
anderer) ähnlich (so dass sie ihn mit Jesus Welt wohl am häufigsten vertreten. Wer an Jesu
verwechselten und töteten) ... Und sie haben Stelle gekreuzigt wurde, darüber gibt es
ihn nicht mit Gewissheit getötet (d. h. sie wiederum zahlreiche Ansichten; meist wird
können nicht mit Gewissheit sagen, dass sie ihn jedoch Judas als der genannt, der die Strafe
getötet haben). Nein, Gott hat ihn zu sich (in der Kreuzigung für seinen Verrat verdient hatte.
den Himmel) erhoben” (Paret-Übersetzung). Das ist auch die Auffassung des sogenannten
Interessanterweise geht der Koran auf die "Barnabasevangeliums", einer europäischen
Bedeutung der Kreuzigung als Erlösungstat Evangelienfälschung aus der Zeit des 14.-16.
überhaupt nicht ein. Jahrhunderts, das den Anspruch erhebt, das
Der Vers in Sure 4,157-158 ist nun im einzige wahre Evangelium von Jesus Christus
Arabischen so vieldeutig, dass muslimische zu sein, aber pointiert biblische Lehren
Theologen - vor allem ab dem 19. Jahrhundert - bekämpft und viele muslimische Auffassungen
mehrere Auslegungen erwogen haben: vertritt. Darüber hinaus haben muslimische
Theologen auch viele andere Theorien über
1. Niemand wurde gekreuzigt: Dann würde der das 'Kreuzigungsopfer' vertreten, so z. B., dass
Vers bedeuten, dass die Juden zwar planten, sich Petrus, freiwillig als 'Ersatz' gemeldet habe,
Jesus zu kreuzigen, aber "es erschien ihnen als Jesus ihm dafür das Paradies versprochen
nur so, als ob" eine Kreuzigung Jesu habe. Ebenso werden Simon von Kyrene, der
stattgefunden hätte. Manche muslimischen das Kreuz trug, erwogen, sowie ein Wächter
Ausleger haben mit Rückgriff auf die historisch- Jesu oder ein Mensch, den Gott in diesem
kritische Bibelauslegung vertreten, dass Jesus Moment erschuf, der Satan, Jesus Barabbas,
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ein jüdischer Rabbi oder ein römischer Soldat.


In der Neuzeit überwiegt in der muslimischen 5. Die Vorstellung der Kreuzigung stamme aus
Koranauslegung auf jeden Fall die den heidnischen Religionen: Bedeutende
'Substitutionstheorie', also die Auffassung vonmuslimische Apologeten wie der Kairiner
einem 'Ersatz', der an Jesu Stelle gekreuzigt, Religionswissenschaftler und Jurist Muhammad
aber aufgrund der von Gott bewirkten Ab Zahra (1898-1974) oder der in Cambridge
'Ähnlichkeit' für Jesus gehalten wurde, so dasspromovierte Historiker und ägyptische
die Umstehenden der Meinung waren, sie Religionswissenschaftler Ahmad Shalabî haben
hätten Jesus selbst Gekreuzigt. Dann sei Jesus argumentiert, dass Lehren wie die Dreieinigkeit,
mit dem Geist oder mit Körper und Geist Gottessohnschaft und Erlösung keine
lebendig in den Himmel aufgenommen worden. ursprünglichen Lehren des Christentums seien,
sondern erst von Paulus, dem 'Verderber des
Muslimische Argumente gegen die Kreuzigung Christentums', nach Jesu Tod aus dem
römisch-heidnischen Umfeld und aus den
Obwohl die genaue Bedeutung des Religionen Tibets, Nepals oder Indiens ins
koranischen Kreuzigungsverses letztlich dunkel Christentum übernommen wurden.
bleiben muss, haben die meisten islamischen www.orientdienst.de
Theologen den Vers als klare Negation der
Kreuzigung Jesu verstanden. Denn gegen die
Kreuzigung sprächen auch folgende
Argumente:

1. Kreuzigung bedeute Niederlage: Damit wäre


das Scheitern der Mission Jesu erwiesen: Von
den Jüngern verlassen, von Judas verraten,
von Petrus verleugnet, stirbt Jesus ohne
sichtbaren Erfolg vieler Bekehrungen oder der
Errichtung eines Weltreiches.

2. Kreuzigung bedeute Schmach: Die


Hinrichtung Jesu am Kreuz käme einem so
geachteten Propheten nicht zu, sondern nur
einem Frevler oder Verbrecher.

3. Auch die Bibel stütze die Kreuzigung nicht:


Muslimische Theologen haben vor allem ab
dem 19. Jahrhundert europäische Vertreter der
historischkritischen Bibelauslegung als
'Beweislieferanten' für ihre Auffassung von der
Unglaubwürdigkeit der Kreuzigung
herangezogen.

4. Die Kreuzigung und stellvertretende Erlösung


seien intellektueller Unsinn:Der Gedanke, dass
der Tod eines Menschen (und so beschreibt der
Koran Jesus) für einen anderen Menschen
irgendetwas bewirken könnte, ist mit dem
menschlichen Verstand nicht zu vereinbaren.
Dass Jesus als Unschuldiger litt, macht die
Sache noch 'unglaubwürdiger'.
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Die Geburt Jesu nach dem Koran heilsgeschichtlicher Bedeutung: dass das ewige
Wort Gottes "Fleisch" wird (Joh 1,14); dass der
"Jesus Christus ... geboren von der Jungfrau Sohn Gottes, der von Ewigkeit her in göttlicher
Maria" - diese Worte des Apostolischen Gestalt war, menschliche Gestalt annimmt (Phil
Glaubensbekenntnisses unterstreicht der Koran 2,6+7).
in seinen Aussagen über die Geburt Jesu ganz
deutlich. "An einem fernen Ort"

In Sure 3,45-49 sowie in Sure 19, 16-21 lesen Vor der Geburt zieht Maria sich "an einen
wir, wie der Koran die Ankündigung der Geburt fernen Ort" (S 19,16) zurück. Näheres wird
Jesu darstellt; was er über die Geburt selber zu nicht darüber gesagt, wo Jesus zur Welt kam.
sagen weiß, finden wir in Sure 19, 22-35. - In Für den Koran spielt Bethlehem als "Stadt
unserer Darstellung folgen wir Sure 19,16-35. Davids" (Lk 2,11) und als Ort der göttlichen
Verheißung (Mt 2,5f / Micha 5,1) keine Rolle.
Sohn der Jungfrau Maria
Hilfe für Maria
Maria hat sich von ihrer Familie zurückgezogen; Als Maria Jesus zur Welt bringt, ist sie mit ihren
da sendet Gott einen Engel (wörtlich: "unseren Geburtsschmerzen und ihrer Verzweiflung
Geist"; in Sure 3,45 sind es mehrere Engel) zu allein (19,23). Doch eine Stimme ruft ihr zu,
ihr in Gestalt eines Mannes, der sich ihr als dass ihr Herr ein Rinnsal mit Wasser für sie
Gesandter Gottes vorstellt und ihr die Geburt vorbereitet habe und dass sie sich mit frischem
eines "lauteren Jungen" ankündigt. Ähnlich wie reifen Datteln der Palme stärken solle, unter die
im Neuen Testament fragt Maria: "Wie sollte ich sie sich geflüchtet hatte.
einen Jungen bekommen, wo mich kein Mann
berührt hat?" Sie erhält die Antwort: "Dein Herr Joseph, der Verlobte Marias, wird im Koran
sagt: Es fällt mir leicht" - Wenn Gott etwas überhaupt nicht erwähnt. Er ist nicht bei ihr zur
beschlossen hat, kann er es auch ausführen. Zeit der Geburt. Er wird auch nicht durch einen
Engel über das Geheimnis der Geburt Jesu
Jesus wird im Koran als "Sohn der Maria" unterrichtet und kann daher Maria auch nicht in
bezeichnet, um zu betonen, dass er keinen Schutz nehmen kann vor der Verdächtigung
menschlichen Vater hat, sondern einem ihrer Umgebung.
Wunder Gottes sein Leben verdankt.
Nach dem Koran muss Maria sich allein dem
Geschöpf Gottes Verdacht seitens ihrer Verwandtschaft
aussetzen, sie sei durch Hurerei schwanger
In Sure 3,47 wird das noch deutlicher geworden. Als sie mit dem Säugling auf dem
ausgedrückt: "Das ist Gottes Art. Er schafft, was Arm zu ihrer Familie kommt, wird sie entsetzt
er will. Wenn er eine Sache beschlossen hat, angesprochen und beschuldigt (19,27+28):
sagt er zu ihr nur: sei!, dann ist sie." - Durch das "Maria! Da hast du etwas Unerhörtes
Wort des allmächtigen Schöpfers wird in Maria begangen. Schwester Aarons! Dein Vater war
ein menschliches Wesen geschaffen. Sure 3,59 doch kein schlechter Kerl (w. Mann) und deine
betont, dass es sich mit Jesus ähnlich verhält Mutter keine Hure." - Auch in dieser
wie mit Adam; auch zu diesem sagte Gott nur: Schwierigkeit erfährt sie göttliche Hilfe:
"Sei!" und da war er.
Der sprechende Säugling
Die Jungfrauengeburt ist nach dem Koran
lediglich eine Demonstration der Macht Gottes. Maria weist hin auf das Kind, und Jesus beginnt
Sie ist nicht ein zeichenhafter Hinweis auf einen (wie in Sure 3,46 angekündigt) zu ihnen zu
besonderen, für menschliche Sinne nicht reden. - Durch dieses Wunder wird die Reinheit
wahrnehmbaren Vorgang von Marias bestätigt, ihre Ehre verteidigt und das
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Wunder der Jungfrauen-Geburt allen offenbar


gemacht.

Was der neugeborene Jesusknabe sagt, liegt


ganz auf der Linie dessen, was der Koran
insgesamt über Jesus lehrt:
a) er ist Knecht Gottes, nicht etwa Sohn Gottes;
b) er hat von Gott ein Buch, eine
Offenbarungsschrift empfangen, ist also einer
von den bedeutenden Propheten;
c) er hat rituelle Gebote (Ritualgebet und
Almosensteuer) einzuhalten und zu verkünden.

Abwehr der Gottessohnschaft

Der Gedanke der Gottessohnschaft Jesu wird in


diesem Zusammenhang (19,35) noch einmal
ganz deutlich zurückgewiesen: "Es steht Gott
nicht an, sich irgendein Kind zuzulegen."
Unausgesprochen steht hinter dieser
Formulierung das Missverständnis, wer von
Gottes Vaterschaft rede, meine eine
geschlechtliche Zeugung.

Der "größere" Jesus?


Im Vergleich mit der koranischen Darstellung
fällt auf, wie wenig Spektakuläres im Neuen
Testament über den eigentlichen Vorgang der
Geburt Jesu berichtet wird (Lk 2,6f / Mt 1,25).
Andererseits erfahren Außenstehende (in Lk 2,
8-20 die Hirten, in Mt 2,1-12 die Sterndeuter
aus dem Osten) etwas über die Bedeutung
dieses Kindes und kommen, um es anzusehen
(Lk 2,15) und ihm zu huldigen (Mt 2,2+11).

Während der Koran vom wunderbaren Reden


Jesu in der Wiege erzählt, ist das Kind Jesus
nach dem Zeugnis des Neuen Testaments
äußerlich durch nichts von anderen Kindern zu
unterscheiden. Was das Neue Testament
allerdings über die Herkunft und Bedeutung
Jesu sagt, davon weiß der Koran nichts oder er
bestreitet es: Trotz aller Wunder im
Zusammenhang mit seiner Geburt ist Jesus im
Koran weder "das Ebenbild des unsichtbaren
Gottes" (Kol 1,15) noch der "Retter" (Lk 2,11)
für Sünder.

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"Haus des Krieges" (dar al-harb) - die nicht- nichtislamischen Individuen und Staaten mit
islamische Welt dem Ziel ihrer Unterwerfung und ihrer An- bzw.
Eingliederung in die umma." (a.a.O., S. 276)
Nach islamischer Auffassung hat Gott als
Schöpfer und Herr der Welt den Islam, wie Geschichtliche Entwicklungen
Mohammed ihn gelehrt und praktiziert hat, als
die eine, wahre und unverfälschte Religion Im Verlauf der Geschichte wurde eine Reihe
anerkannt (Sure 3,19; 5, 3). Der Islam ist die von Verträgen zwischen der islamischen
ursprüngliche, schöpfungsgemäße Religion der Gemeinschaft als ganzer oder einzelnen
ganzen Menschheit (Sure 30,30). Folglich soll Teilgebieten mit nicht-islamischen Staaten
der Islam über den Bereich der ganzen Welt geschlossen, die nicht nur als zeitlich befristete
ausgebreitet werden. Waffenstillstandsregelungen zu verstehen sind.
Andererseits gab es schon lange vor der
Das Grundmodell Abschaffung des osmanischen Kalifats durch
Atatürk im Jahre 1924 kein einheitliches "dar al-
Die traditionelle islamische Lehre teilt daher die islam" mehr.
Bevölkerung der Erde in zwei große Blöcke auf:
einerseits das "Haus des Islam" (dar al-islam), Lebendigkeit der traditionellen Vorstellungen
in dem die koranische Offenbarung anerkannt
und das islamische Recht praktiziert wird, und Der alte Gedanke, dass die Völkerwelt in “dar
andererseits das "Haus des Krieges" (dar al- al-islam” und “dar al-harb” zerspalten sei, ist
harb), in dem die islamische Ordnung erst jedoch bei vielen Muslimen weiterhin
aufgerichtet werden muss. Dies soll geschehen erstaunlich lebendig. Der Konflikt zwischen
- und geschah auch in der Anfangszeit der Serben und Albanern im Kosovo z.B. wurde von
islamischen Ausbreitung - durch "Dschihad", vielen nicht als ethnischer Konflikt sondern als
Anstrengung auf dem Weg Allahs, in der Regel “christlicher” Angriff gegen “den Islam”
gleichbedeutend mit militärischer Eroberung angesehen. Die Politik nicht-islamischer
(vgl. dazu Sure 9, 29). Das bedeutet nicht, dass Staaten wird schnell verdächtigt, in ihrer
alle Bewohner der eroberten Gebiete Zielsetzung islam-feindlich zu sein und den
gezwungen wurden, Muslime zu werden. Juden Muslimen Schaden zufügen zu wollen.
und Christen konnten ihre Religion beibehalten
und sie im Rahmen der islamischen Ordnung Besonders im Islamismus sind solche
auch in einem gewissen Maß praktizieren. Vorstellungen und der Gedanke der
Ausbreitung des Islam mit militärischen Mittel
Außerdem gab es auch noch das “Haus des weiterhin vorhanden. Das Konzept des
Vertrages” oder “Haus des Bundes” (dar al- “Dschihad” als bewaffnetem Kampf für die
`ahd), Gebiete, mit denen die islamische Umma Verteidigung oder Ausbreitung des Islam ist
zeitlich befristete Verträge abgeschlossen hatte. immer wieder "abrufbar" und emotional stark
Das änderte aber nichts an der Tatsache, dass motivierend. Der “Dschihad”islamistischer
nach der Sicht des traditionellen islamischen Gruppierungen richtet sich allerdings auch -
Rechts das "Haus des Islam" und die übrige und oft sogar vorrangig - gegen die
Welt einander grundsätzlich feindlich Regierungen islamischer Staaten, deren Politik
gegenüberstanden und die Scharia eigentlich in den Augen der Islamisten “unislamisch” ist
nur ein "einseitiges Kriegsvölkerrecht (mit und bekämpft werden muss.
Regeln für die »Kampfpausen«)” kannte (Erwin
Gräf und Hilmar Krüger, Artikel "Völkerrecht" in: Humanistische Interpretationen
Lexikon der islamischen Welt, Stuttgart Berlin
Köln 1992, S. 276f). "Im klassischen Islam gibt Andererseits finden wir bei modernen Muslimen
es also nur islamische Normen für das eine humanistischer geprägte Interpretation und
Verhältnis des islamischen Staates zu Einstellung gegenüber dem "dar al-harb": Die
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Ausbreitung des Islam soll gewaltfrei


geschehen durch Information über den Islam,
die Darstellung seiner Einfachheit und
Überlegenheit und durch das vorbildliche Leben
von Muslimen; Krieg ist (entsprechend solcher
humanistischer Auffassung) nach dem Koran
nur gerechtfertigt als Verteidigungskrieg, um
das Leben der Muslime aber auch die Ehre des
Islam zu schützen; der Normalzustand im
Zusammenleben der islamischen Welt mit
nichtislamischen Staaten ist der Friede, nicht
nur ein Waffenstillstand und schon gar nicht der
Krieg.

Sicherlich meine viele Muslime - gerade auch


solche, die in Europa aufgewachsen und stark
von humanistischem Gedankengut beeinflusst
worden sind - das auch so. Einige sehen jedoch
solch eine “friedfertige” Interpretation
möglicherweise nur für eine Übergangszeit als
gültig an, bis etwa die islamische Welt wieder
zu ihrer Einheit zurückgefunden hat oder der
Islam in einzelnen Gegenden so erstarkt ist,
dass er es sich leisten kann, Gewalt und Druck
anzuwenden.

Lebensmöglichkeiten für Muslime im “dar al-


harb”

Muslime können grundsätzlich in einem Land


leben, das zum "dar al-harb" gehört, solange
ihnen die freie Ausübung ihrer Religion
ermöglicht wird, d.h. sie zu nichts gezwungen
werden, was ihnen verboten ist, und sie das tun
können, zu was sie verpflichtet sind. Viele sind
sich bewusst, dass sie dort in besonderer
Weise in Gefahr stehen, ihren Glauben zu
verlieren oder den Islam nur relativ oberflächlich
zu praktizieren. (Vielleicht sind auch aus
diesem Grund viele Muslime in der Diaspora in
stärkerem Maß vorsichtig oder ablehnend
gegenüber missionarischen Bemühungen als in
islamischen Ländern). Wenn ein Leben nach
den Regeln des Islam in einem Land nicht
möglich ist, sollte ein Muslim - nach dem
Vorbild Mohammeds - in ein Land auswandern,
in dem er den Islam frei und ungehindert
praktizieren kann.

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Die Auferweckung der Toten nach dem


Koran Auferweckung als Wiedervereinigung von Seele
und Leib
Ein Schwerpunkt der Botschaft des Koran ist
die Ankündigung des Gerichtes Gottes über alle Wenn ein Mensch stirbt, wird seine Seele von
Menschen aller Zeiten - und das heißt: auch seinem Leib getrennt und existiert bis zum
über die Menschen, die bereits gestorben sind. Jüngsten Tag in einem Zwischenzustand.
Als Mohammed anfing, in Mekka über diese Durch die Auferweckung wird ihr wieder ein
Thematik zu predigen, reagierten viele seiner Körper verliehen, der oft als eine neue
Mitbürger mit Unverständnis und Spott. Ihre Schöpfung vorgestellt wird: “Die Menschen
Fragen werden im Koran an verschiedenen werden an jenem Tag barfuss, vollkommen
Stellen erwähnt: “Und sie sagen: ‘Sollen wir, nackt und unbeschnitten auferweckt.” (Ömer
wenn wir (bereits) Knochen geworden und Öngüt, Islam, Die Bestimmungen Allahs des
auseinandergefallen sind, wirklich wieder als Allmächtigen, S. 162)
neue Schöpfung erweckt werden?’” (Sure 17,
49; vgl. auch 50, 3; 79, 10-12; ähnlich 19, 66; In dieser neuen Leiblichkeit werden sie vor
75, 3) ihrem Schöpfer und Richter zum Gericht
erscheinen - in diesem Leib erleben sie auch
Mohammed war jedoch im Unterschied zu die Freuden des Paradieses oder die Qualen
seiner heidnischen Umgebung fest davon des Höllenfeuers.
überzeugt, dass Gott die Toten wieder aus
ihren Gräbern herausholen werde. Der “Tag der Die Notwendigkeit der Auferweckung
Auferstehung” (yaum al-qiy ma) wird im Koran
etwa 70 Mal erwähnt. Dementsprechend ist der Die Auferweckung der Toten ist eine logische
Glaube an die Auferweckung der Toten ein Notwendigkeit: Die Menschen sind Gott, ihrem
Grunddogma des Islam. Wer "die Rückkehr zu Schöpfer, für ihr Tun und Lassen verantwortlich.
Gott" leugnet, kann kein wahrer Muslim sein Da vielen nicht im Diesseits vergolten wird, was
(vgl. etwa Sure 23, 15; 30, 16). sie verdient haben, muss es einen zukünftigen
Tag der Abrechnung jenseits der Todesgrenze
Die Auferweckung zum Gericht geben. Viele, die jetzt, während ihres irdischen
Lebens, nicht glauben und die Verkündigung
Eine andere Bezeichnung für den "Tag der der Propheten ablehnen, werden am Tag der
Auferstehung" ist: "Tag des Gerichts" (yaum ad- Auferstehung erkennen müssen, dass sie im
d n - Sure 1, 4). Die Auferweckung der Toten Irrtum waren (Sure 16, 39).
hat im Wesentlichen den Sinn, alle Menschen
vor dem Thron Gottes zu versammeln, um mit Die Auferweckung und Gottes Allmacht
ihnen abzurechnen über ihr Glauben und
Handeln während ihrer Lebenszeit. Im Koran wird immer wieder betont, dass der
Den Vorgang der Auferweckung stellen Glaube an die Auferweckung der Toten
Muslime sich gewöhnlich folgendermaßen vor: vernünftig und einleuchtend ist. Es werden
Gott befiehlt dem Engel Israfil, zum ersten Mal verschiedene Argumente angeführt, die den
in die Posaune zu stoßen. Daraufhin werden Gegnern Mohammeds zeigen sollen, dass ihre
alle Menschen, ja, alle Lebewesen überhaupt, Zweifel und ihr Spott unbegründet sind. Der
sterben. Sure 29, 57: “Jeder wird den Tod Gott, der den Menschen erschaffen hat aus
erleiden. Und dann werdet ihr zu Uns dem Nichts, kann ihn auch wieder auferwecken:
zurückgebracht.” Die Posaune wird ein zweites “Bedenkt der Mensch denn nicht, dass Wir ihn
Mal ertönen, und alle Verstorbenen werden in zuvor erschaffen haben, da er nichts war?”
einem Augenblick wieder zu neuem Leben (Sure 19, 67) - Auch in den Naturereignissen
erweckt und vor ihren Schöpfer und Richter finden sich Hinweise auf die Auferweckung:
gestellt. “Und Gott ist es, der die Winde schickt, und sie
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wühlen die Wolken auf. Dann treiben Wir sie zu geschehenen Auferstehung im diesseitigen
einem abgestorbenen Land und beleben Leben von Menschen. - Der Glaube an die
danach die Erde nach ihrem Absterben wieder. Auferweckung der Toten steht weder für das
So ist es auch mit der Auferstehung.” (Sure 35, irdische Leben noch für das Jenseits in
9) Verbindung mit einer geistlichen Erneuerung
des Menschen.
Der wichtigste logische Grund für die
Möglichkeit der Auferweckung ist Gottes Die Botschaft der Auferweckung als Warnung
Allmacht. “Sie schwören bei Gott ihren
eifrigsten Eid, Gott werde die nicht Wenn im Koran von der Auferweckung der
auferwecken, die sterben... Unsere Rede zu Toten die Rede ist, fehlt der Klang der Freude
einer Sache, wenn Wir sie wollen, ist, zu ihr zu und des Triumphes. Eher schwingt ein
sprechen: Sei!, und sie ist.” (Sure 16, 38+40; warnender, drohender Unterton mit (Sure 50,
ähnlich Sure 36, 82) 20: "Das ist der angedrohte Tag").
"Auferstehung" bedeutet: Der Mensch ist und
Die Auferweckung - außerhalb der Geschichte bleibt mit dem allmächtigen,
undurchschaubaren Gott konfrontiert; nicht
Nach dem Koran ist die Auferweckung kein einmal durch den Tod kann er der
zentrales Ereignis innerhalb der Verantwortung vor seinem Richter entrinnen,
Weltgeschichte, sondern steht an ihrem und im Blick auf das bevorstehende Gericht mit
äußersten Rand. Nachdem die Geschichte der seinem ungewissen Ausgang lebt er in einer
jetzigen Schöpfung zum Abschluss gebracht Mischung von Hoffnung und Furcht.
worden ist, bevor das ewige Leben in Paradies
oder Hölle beginnt, wird Gott die Toten www.orientdienst.de
auferwecken.

Es werden zwar einzelne


Totenauferweckungen erwähnt, die sich im
Verlauf der Geschichte ereignet haben. Vor
allem hat Jesus ("mit Erlaubnis Gottes", wie
ganz deutlich betont wird) Tote "lebendig
gemacht" (Sure 3, 49) bzw. "herausgebracht"
(Sure 5, 113). Beide Ausdrücke werden auch
für das auferweckende Handeln Gottes
gebraucht: "Er macht die Toten lebendig" (Sure
22, 6); "du bringst die Lebenden heraus aus
den Toten... " (Sure 3, 27). Diese
Totenauferweckungen sollen jedoch nur
Zeichen sein, die bestätigen, dass Jesus
tatsächlich ein Gesandter Gottes ist.

Nach islamischem Verständnis weisen sie nicht


darauf hin, dass Jesus Christus gekommen ist,
um in diese Welt der Sünde und des Todes
Versöhnung und ewiges Leben
hineinzubringen. Weil der Koran den
Kreuzestod Jesu bestreitet, bleibt auch kein
Raum für die Auferstehung Jesu Christi von den
Toten. Und damit gibt es auch keine
Auswirkungen einer in der Geschichte
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Kindererziehung im Islam Islam und insbesondere die Einhaltung der


Gebete gilt für Männer und für Frauen als
Normalerweise wünscht sich jedes muslimische absolut verpflichtend. Das Gebet absichtlich zu
Ehepaar Kinder. Sie gelten als Zeichen einer versäumen, ist im Islam eine der schwersten
guten Ehe. Wird ein Kind in einer muslimischen Sünden. Und so verlangen muslimische
Familie geboren, herrscht große Freude, die Theologen, Kinder zur Not mit Schlägen zur
noch größer ist, wenn das Neugeborene ein Einhaltung der Gebetspflicht zu zwingen.
Junge ist. Dem Kind wird schon bald nach der
Geburt das islamische Glaubensbekenntnis ins Auch in das 30tägige Fasten im Monat
rechte Ohr gesprochen: “Es gibt keinen Gott Ramadan wird das Kind Schritt für Schritt
außer Allah, und Muhammad ist sein Prophet.” eingeführt. Beim ersten Mal fastet es vielleicht
nur zwei bis drei Tage, beim nächsten Mal eine
Religiöse Erziehung Woche. Ungefähr mit der Pubertät sollte es die
Wer in eine muslimische Familie hineingeboren ganze Fastenzeit einhalten.
wurde, gilt als Muslim. Dazu ist keine spätere
“Bekehrung”, kein Bekenntnis oder eine Besucht das Kind (frühestens ab etwa vier
ausdrückliche Erklärung des Kindes nötig. Es Jahren) die Koranschule, wird es dort vor allen
gibt auch keinen formellen Beitrittsakt zur Dingen den Koran auf Arabisch auswendig
islamischen Gemeinschaft, der etwa mit der lernen. Es kommt vor, dass Kinder schon mit
christlichen Taufe vergleichbar wäre. etwa 10-12 Jahren den gesamten Koran
auswendig können, womit sie meist für ein
Muslime gehen davon aus, dass der Islam die theologisches Studium als prädestiniert gelten.
“natürlich Religion” eines jeden Menschen sei.
In der muslimischen Familie geht es also “nur” “Säkulare” Schulbildung
darum, den als Muslim Geborenen nun auch als In der Koranschule, aber auch in der säkularen
Muslim aufwachsen zu lassen. Dazu gehört die Schule lernen Kinder in weiten Teilen der
- für traditionell geprägte Muslime islamischen Welt vor allem durch
selbstverständliche - religiöse Unterweisung Auswendiglernen und Wiederholen. Eigene
des Kindes in der Familie und manchmal auch Gedanken, Diskutieren, Hinterfragen oder sogar
in der Koranschule. das Ablehnen des Lernstoffs sind in aller Regel
nicht gefragt.
Religiöse Erziehung geschieht indirekt dadurch,
dass das Kind mit islamischen Festen und Diese Lernmethode hat m. E. ihre letzte
Feiertagen, aber auch mit Speise- und Ursache im Gottes- und Menschenbild des
Reinigungsvorschriften, mit der Trennung der Islam: Gott muss nach islamischer Auffassung
Geschlechter und den vom Islam vorgegebenen nicht verstanden, sondern vor allem angebetet
Moralauffassungen aufwächst. Der Sohn wird werden. Es geht nicht darum, seinen Willen,
vom Vater, die Tochter von der Mutter religiös sein Handeln zu hinterfragen oder zu
unterwiesen, indem das Kind allmählich in die diskutieren, sondern sich ihm und seinem
Glaubenspflichten des Islam (“Die fünf Säulen”) Willen zu unterwerfen, die von Gott geforderten
eingeführt wird. Pflichten einzuhalten und ihm Dank zu sagen
für seine Wohltaten. Dem Menschen kommt es
Dazu gehört vor allem das fünfmal täglich nicht zu, Gott und sein Wort, den Koran, in
gesprochene rituelle Gebet. Man geht davon Frage zu stellen, kritische Gedanken dazu zu
aus, dass ein Kind etwa mit 7 Jahren beginnen äußern oder zu überlegen, welche
sollte, das Gebet zu verrichten. Mit 10 Jahren Anweisungen des Korans für heute in welcher
sollte es das Gebet beherrschen und auch Form gültig sein könnten. Darin liegt wohl auch
vollziehen - natürlich in Abhängigkeit davon, wie ein Grund dafür, warum arabische
streng die Familie selbst der Gebetspflicht Korankommentare in aller Regel sehr vorsichtig
nachkommt. Die Befolgung der fünf Säulen des darin sind, eigenständige Beurteilungen von
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Koranversen vorzunehmen. Insbesondere in


den klassischen Kommentaren werden einige
altbekannte Meinungen nebeneinander gestellt,
die den Text vorsichtig zu deuten versuchen.
Aber es wird nur selten ein eigenständiges
Urteil gefällt oder abschließend eine der
Auslegungsmöglichkeiten klar favorisiert.

Vorbereitung auf das Leben als Mann und Frau


Mädchen werden in der islamischen Welt früh
auf ihre spätere Rolle als Hausfrau und Mutter
hin erzogen, Jungen auf eine Identifizierung mit
der Welt des Vaters in der Moschee, der
Öffentlichkeit und seinem Beruf. Auch diese
Vorbereitung auf das Leben als Mann oder Frau
gehört eigentlich zur religiösen Erziehung im
Islam, denn die Aufgabenteilung und
Geschlechtertrennung ist in der Religion
verankert. Angemessenes, respektvolles
Verhalten gegenüber Eltern, Älteren im
allgemeinen, von Frauen gegenüber Männern,
Zurückhaltung im Umgang mit dem anderen
Geschlecht und die Wahrung eines untadeligen
Rufes für Mädchen und Frauen gehören zu den
grundlegenden Erziehungsidealen im Islam.

Sterben die muslimischen Eltern eines Kindes


und ist z. B. der nächste Verwandte der Eltern
Christ geworden, so wird die Verwandtschaft
darauf bestehen, dass das Kind bei einem
entfernteren Verwandten, aber auf jeden Fall in
einer muslimischen Familie aufwächst.

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Die Scharia - das islamische Recht Entstehung des islamischen Rechts


In den ersten Jahrhunderten islamischer
“Scharia” ist heute eines der meistgebrauchten Zeitrechnung schufen dann auf Grundlage von
Schlagwörter, wenn über den Islam diskutiert Koran und Hadith islamische Rechtsgelehrte
wird. Islamisten fordern in ihren jeweiligen (die “Fuqaha´”) das, was weithin unter “Scharia”
Heimatländern, die Scharia zur Grundlage der verstanden wird: eine islamische
staatlichen Gesetzgebung zu machen. Kritiker Rechtssammlung. Da Koran und Hadith schon
des Islam warnen vor der Grausamkeit der für die Fragen der damaligen Zeit nicht immer
Scharia, wie sie sich einigen Strafen äußere konkrete Antworten bereithielten, traten für die
(Handabhacken bei Dieben, Steinigung von frühen Rechtsgelehrten zwei weitere Quellen
Ehebrecherinnen). der islamischen Rechtswissenschaft hinzu:
Gleichzeitig ist jedoch “Scharia” einer der am “Idschma´”, der Konsens der islamischen
wenigsten klar definierten Begriffe innerhalb Rechtsgelehrten über ein Thema, sowie “qiyas”,
des Islam. Auch wenn der Begriff schon für der Analogieschluss. Dabei wurden neu
Gesetzessammlungen islamischer Staaten auftretende Fälle in Anlehnung an bekannte
angewandt wurde, ist die Scharia eigentlich Fälle entschieden.
mehr: Sie ist kein real vorliegenden
Gesetzbuch, das man ohne weiteres und Innerhalb des sunnitischen Islams setzten sich
plötzlich zum Gesetz eines Staates machen im Laufe der Zeit vier Rechtsschulen durch:
könnte. Vielmehr ist “Scharia” eine Schafiiten, Malikiten, Hanbaliten und Hanafiten.
Idealvorstellung vom göttlichen Gesetz, das alle Diese Schulen sind jeweils nach ihrem
Lebensbereiche des Muslim regeln soll. Begründer benannt und sind in verschiedenen
Regionen der islamischen Welt vorherrschend.
Quellen der Scharia Sie weichen in vielen Einzelfragen des
Ursprünglich meint der arabische Begriff islamischen Rechts voneinander ab - in diesem
“Scharia” den Pfad in der Wüste, der zur Sinne gibt es also eine regional
Wasserquelle führt. Die Scharia ist der unterschiedliche “Scharia”. In den Grundfragen
Wegweiser, der den Menschen zu Gott, seiner sind sich diese Schulen jedoch einige. Man
Quelle führen soll. Im Koran selbst kommt der erkennt auch die jeweils anderen Schulen als
Begriff nur einmal vor (Sure 45,18) und heißt rechtgläubig an.
dort so viel wie “Ritus”.
Fünf Kategorien für Verhalten
Unbestritten gilt dem sunnitischen Islam der Gemäß dem islamischen Verständnis von
Koran als die Quelle der Scharia. Der Koran Hingabe (“Islam”) an Allah umfasst die Scharia
enthält jedoch nur einzelne Anweisungen, die Regelungen nicht nur für Familienrecht,
direkt zur Grundlage einer Gesetzgebung zu Strafrecht, Erbrecht etc. sondern auch genaue
machen sind. Schon früh in der islamischen Anweisungen für religiöse Rituale und Pflichten.
Geschichte trat daher neben den Koran als Die Rechtswissenschaft hat dabei jede
Quelle des Rechtes die “Sunna”, das Handlung in ein System von fünf Kategorien
vorbildliche Handeln und Reden des Propheten eingeordnet:
Mohammed. Die Berichte über Verhalten und 1. “Fard” - eine Handlung ist Pflicht für jeden
Worte Mohammeds wurden in den Gläubigen (z.B. das rituelle Gebet)
sogenannten “Hadithen” gesammelt. Später 2. “Haram” - Verbotene Handlungen (z.B.
filterten islamische Theologen aus der Alkoholgenuss)
unüberschaubaren Fülle dieser Hadithen nach 3. “Mandub” - Empfehlenswert. Eine Handlung
bestimmten Regeln die als echt ist erwünscht (z.B. zusätzliche Gebete), das
anzuerkennenden Überlieferungen heraus. Es Nichtbefolgen wird jedoch nicht bestraft
entstanden die weitgehend noch heute 4. “Makruh” - Verwerflich oder nicht
anerkannten Hadith-Sammlungen. empfehlenswert.
5. “Mubah” - Erlaubt, Handlungen, für die es
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keine religiöse Beurteilung gibt (z.B. eine sie ihm selbst passten.
Flugzeugreise).
Scharia in islamisch geprägten Staaten Problematisiert wird auch unter modernen
Es gibt heute in Staaten mit islamischer islamischen Denkern die Tatsache, dass es ein
Bevölkerungsmehrheit sehr verschiedene wirklich gleichberechtigtes Zusammenleben von
Modelle im Blick auf die Bedeutung der Scharia. Menschen verschiedener Religionen in einem
Während etwa die Türkei laut Verfassung ein Staat unter der Scharia nicht gibt. Daher gibt es
säkularer Staat ist, dessen Verfassung keinen Vorschläge, die Scharia mehr als Lebensweise
Bezug auf das islamische Recht nimmt, haben zu verstehen, die dem Moslem in einem
andere Staaten (etwa Pakistan oder Sudan) säkularen Staat die Richtschnur für sein
beschlossen, die Scharia zur Grundlage der (freiwilliges) persönliches Leben mit Allah gibt.
Rechtsprechung zu machen. Das kann in der Der Staat ermöglicht demnach, dass Muslime
Praxis heißen, dass neue Gesetze von gemäß der Scharia leben können, macht sie
islamischen Juristen auf ihre Vereinbarkeit mit aber nicht zur Pflicht für alle Staatsbürger.
dem überlieferten islamischen Recht überprüft
werden. Die innerislamische Diskussion über die
Scharia ist im Fluss. Das Ergebnis ist noch
Dazwischen stehen Staaten wie Malaysia, die nicht abzusehen.
sich zwar als islamischen Staat bezeichnen,
deren Gesetzgebungsverfahren aber säkular, www.orientdienst.de
also rein aufgrund Mehrheitsentscheidung des
Parlamentes erfolgt. Saudi-Arabien hat den
Koran zur Verfassung seiner Monarchie erklärt,
hat in der Praxis natürlich trotzdem andere
Rechtsquellen heranzuziehen.

Heutige Diskussion um die Scharia


Für moderne Islamisten, die im eigenen Land
Opposition sind, ist der Begriff “Scharia” der
Ausdruck für die Sehnsucht nach der goldenen
frühen Zeit des Islam im Gegensatz zu den
heutigen, oft uneffektiven und korrupten
Regimen. Solche Islamisten erwarten von der
Einführung der Scharia als Grundlage der
Rechtsprechung die Lösung für alle religiösen,
wirtschaftlichen und sozialen Probleme der
Gegenwart.

Es gibt jedoch auch (bereits seit dem 19.


Jahrhundert) islamische Denker, die für eine
Neudefinition des Verhältnisses von Scharia
und staatlicher Gesetzgebung eintreten.
Manche weisen wie der ägyptische Theologe
des 19. Jahrhundert, Muhammad Abduh, darauf
hin, dass es in der gesamten islamischen
Geschichte niemals gelungen sei, ein wirklich
“der Scharia entsprechendes” Staatsgesetz zu
formulieren, geschweige denn, es dann auch
wirklich durchzuführen. Oft habe der jeweilige
Herrscher des Landes Gesetze geschaffen, wie
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Maria (Maryam), die Mutter Jesu


"Schwester Aarons"?
Maria, die Mutter Jesu, spielt im Islam eine
besondere Rolle. In der arabischen Form Die Tatsache, dass Maria im Koran als
"Maryam" ist ihr Name der einzige "Schwester Aarons" (Sure 19,28+29) und
Frauenname, der im Koran vorkommt. (Sonst Tochter Imrans (66,12) bezeichnet wird, legt die
werden Frauen immer nur erwähnt als “die Frau Vermutung nahe, dass Mohammed die
des ...”) - Ihr Name wird 34 mal genannt (Jesus neutestamentliche Maria mit der
nur 25 mal). Eine ganze Sure (Nr. 19) trägt alttestamentlichen Mirjam (2. Mose 15,20)
ihren Namen. verwechselt haben könnte. (Maria ist ja die
griechische Form des hebräischen Namens
Auch auf andere Weise wird sie Mirjam.)
hervorgehoben. In einem Hadith nach Buchari
heißt es: "Der Satan berührt jeden Muslime erklären diesen Tatbestand
Nachkommen Adams an dem Tag, an dem er gewöhnlich so: Maria stammte wie auch ihre
zur Welt kommt. Nur bei Maryam und ihrem Kusine Elisabeth aus einer priesterlichen
Sohn Isa war es nicht so; der Satan berührte Familie; deshalb waren sie in übertragenem
sie nicht." Sinne Schwestern Aarons. (Man sollte dann
jedoch eher die Formulierung "Tochter Aarons"
Grundlage für das islamische Bild von Maria erwarten, da Aaron als der erste in der Reihe
sind die z.T. recht knappen Erzählungen und der levitischen Priester sozusagen der “Vater”
Andeutungen im Koran (z.B. Sure 3,35-37.42- des priesterlichen Geschlechtes war.)
47; 4,156; 19,16-34; 21,91; 66,12; ), die ergänzt
werden durch neutestamentliche Aussagen und Maria im Tempel
außerbiblische frühchristliche (z.B. koptische) Später wurde Maria zum Tempel gebracht, um
Geschichten, wie sie von Korankommentatoren dort Gott zu dienen. Verschiedene Priester
aufgenommen wurden. (Hinweise auf solche wollten sie gern unter ihre Obhut nehmen und
Quellen sowie einzelne Zitate daraus finden losten mit Pfeilen (oder Röhrchen); auf diese
sich in dem Buch "The Sources of Islam" von Weise wurde Zakaria, der mit einer Schwester
Rev. W. St Clair-Tisdall.) - So wird im Islam z.T. der Mutter Marias verheiratet war, bestimmt,
mehr (und anderes) über Maria ausgesagt, als ihre Pflege zu übernehmen (Sure 3,44+37).
wir aufgrund des Neuen Testaments erfahren.
Zakaria ließ ihr im Tempelbereich ein Zimmer
Die Geburt der Maria erbauen, in dem sie neben ihrem Dienst im
Tempel Tag und Nacht betete. Wenn Zakaria
Der Vater Marias trägt nach dem Koran den zu ihr kam, fand er, dass Gott sie auf
Namen Imran (der dem Namen Amram in 2. wunderbare Weise mit Nahrung versorgt hatte
Mose 6,20 entspricht). Die Frau Imrans - (3,37).
manche islamische Lehrer geben ihren Namen
aufgrund altkirchlicher Traditionen als Hanna Dort sollen auch die Engel ihr gesagt haben,
(Anna) an - war kinderlos und schon alt, als sie welch hohe Stellung ihr von Gott zugedacht
beobachtete, wie ein Vogel sein Junges fütterte. wurde: “O Maria, Gott hat dich auserwählt und
In ihr erwachte ein sehnlicher Wunsch nach rein gemacht, und Er hat dich vor den Frauen
einem Kind, und sie bat Gott, ihr einen Knaben der Weltenbewohner auserwählt. O Maria, sei
zu schenken; dabei versprach sie, dieses Kind deinem Herrn demütig ergeben, wirf dich nieder
dem Dienst Gottes zu weihen. Als sie im und verneige dich mit denen, die sich
Gegensatz zu ihrer Erwartung eine Tochter zur verneigen.” (3,42+43)
Welt brachte, gab sie ihr den Namen Maria und
vertraute sie dem Schutz Gottes an (Sure Die Jungfrauengeburt
3,35+36).
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Auch für den Islam ist das Wichtigste im Leben Diese Vorstellung wird im Koran an
Marias, dass sie durch ein göttliches Wunder verschiedenen Stellen mehr oder weniger
schwanger wurde und Jesus Christus zur Welt deutlich abgewehrt: Und als Gott sprach: “O
brachte. Die Ankündigung der Geburt Jesu und Jesus, Sohn Marias, warst du es, der zu den
die Geburt selber werden geschildert in Sure Menschen sagte: »Nehmt euch neben Gott
3,45-49 19,16-35 und 66,12. Während Sure mich und meine Mutter zu Göttern?«” Er sagte:
3,47 mehr das Allmachtswort Gottes betont “Preis sei dir! Es steht mir nicht zu, etwas zu
(“Wenn Er eine Sache beschlossen hat, sagt Er sagen, wozu ich kein Recht habe... Ich habe
zu ihr nur: Sei!, und sie ist.”), erzählt Sure 66,12 ihnen nichts anderes gesagt als das, was Du
davon, dass Gott von seinem Geist in Maria mir befohlen hast, nämlich: Dienet Gott,
hineinblies. - Weitere Einzelheiten der meinem Herrn und eurem Herrn!” (Sure
Ankündigung und der Geburt Jesu sind 5,116+117)
dargestellt im Minikurs Islam “Die Geburt Jesu
nach dem Koran” in ORIENTIERUNG 6/99. Ähnlich heißt es in Sure 5,73+75: Ungläubig
sind diejenigen, die sagen: “Gott ist der Dritte
Es fällt auf, dass Koranausleger in diesem von dreien”... Christus, der Sohn Marias, ist
Zusammenhang immer wieder sehr deutlich nichts anderes als ein Gesandter; vor ihm sind
betonen, die Tatsache der Jungfrauengeburt etliche Gesandte dahingegangen. Seine Mutter
bedeute weder, dass Maria etwas anderes sei ist eine Wahrhaftige. Beide pflegten, Speise zu
als eine menschliche Person noch dass ihr essen... - Allerdings entspricht die Vorstellung
Sohn Gott selber als Vater habe. Dass Maria von Maria als dritter Person der Trinität auch
ohne Zutun eines Mannes, nur aufgrund nicht dem biblischen Zeugnis.
göttlichen Handelns, ein Kind empfing, ist ein
Zeichen der Allmacht Gottes. Der Koran weiß viel Außergewöhnliches über
Maria zu sagen. Alles wird jedoch in den
"Hier zeigt sich nochmals ... die Schwierigkeit üblichen islamischen Rahmen eingeordnet:
der Auseinandersetzung mit dem Islam. Beide, Gott hat zu den Menschen geredet durch
NT und Koran lehren die Jungfrauengeburt. Der Propheten. Selbst die Jungfrauengeburt wird
Inhalt der Erzählung im Koran stimmt in großen nicht als ein Zeichen dafür angesehen, dass
Zügen mit dem des NT überein. Und doch Gott mehr getan hat: dass Er Seinen Sohn
verbirgt sich hinter dieser Gemeinsamkeit ein gesandt hat als Erlöser.
Unterschied, der einen tiefen Riss zwischen der
Verkündigung beider Heiliger Schriften sichtbar www.orientdienst.de
macht... Die Jungfrauengeburt ist im Koran
nicht Hinweis auf die Inkarnation als
Offenbarung der rettenden Liebe Gottes in
Christus (Joh 3,16)." (Johan Bouman, Christen
und Moslems, S. 76)

Maria als eine Person der Trinität?

Möglicherweise hatte Mohammed gehört, dass


Maria von Christen in seiner Umgebung als
“Mutter Gottes” bezeichnet wurde, und diese
Aussage mit dem christlichen Reden von der
Dreieinheit Gottes (Trinität) in Verbindung
gebracht, so dass er meinte, Christen glaubten
an eine Art göttliche Familie aus Gott Vater,
Gottesmutter Maria und Jesus als Sohn Gottes.
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“Heilsgeschichte” im Islam? Tod überwinden, Brunnen Verlag, Gießen 1982,


S. 45f), kein Sündenfall im biblischen Sinn: Es
Der große Rahmen der Weltgeschichte scheint wird nirgends davon geredet, dass durch die
in Koran und Bibel gleich zu sein: Gott steht als Sünde die Beziehung des Menschen zu Gott so
der Schöpfer am Anfang der Geschichte und Er grundlegend gestört ist, dass Versöhnung nötig
wird als der Richter auch an ihrem Ende (an der ist. Der Islam will auch nichts davon wissen,
Schwelle zur jenseitigen Ewigkeit) stehen. dass Adam selber und alle seine Nachkommen
Ebenso lehren Christentum und Islam unter die Macht der Sünde geraten sind. (Im
gemeinsam, dass Gott immer wieder in die Islam gibt es keine Erbsünde.) Jeder Mensch ist
Geschichte eingreift und durch Propheten zu mit seinen Stärken und Schwächen das Werk
den Menschen geredet hat. - Reichen diese Allahs; er hat sich immer wieder zwischen dem
Übereinstimmungen aus, um den Schluss zu Willen Allahs und den Einflüsterungen Satans
ziehen, dass Islam und Christentum das gleiche zu entscheiden. Er ist nicht "unter die Sünde
Geschichtsbild haben? verkauft" (Röm. 7,14) und auf Gottes
erlösendes Eingreifen angewiesen.
Das Zentrum der Geschichte
Im Mittelpunkt des biblischen Geschichtsbildes So fehlt im Islam nicht nur die Mitte der
steht Gottes Heilstat: Er hat Jesus Christus biblischen Heilsgeschichte. Es fehlt ebenfalls
gesandt, damit dieser durch sein das Wissen um die Erlösungsbedürftigkeit des
stellvertretendes Leiden und Sterben am Kreuz Menschen, und folglich wird auch gar keine
die Schuld aller Menschen wegtragen und sie Notwendigkeit einer "Heilsgeschichte", eines
von der Macht der Sünde befreien sollte. Nach rettenden Eingreifens Gottes, gesehen.
dem Zeugnis des Neuen Testaments ist also
das Gericht über die Sünde schon vollzogen. "Prophetengeschichte"
Auf dieser Grundlage bietet Gott allen
Menschen Vergebung, Versöhnung und Während nach der biblischen Darstellung
Gotteskindschaft an durch den Glauben an verschiedene heilsgeschichtliche Epochen
Jesus Christus. - Geschichte in biblischem Sinn aufeinander folgen, ist eine solche Vorstellung
ist "Heilsgeschichte". dem Islam im Grunde fremd. Innerhalb der Zeit
zwischen der Erschaffung der Welt und dem
Im Koran findet sich kein vergleichbares Tag des Gerichts bleibt eigentlich alles gleich.
zentrales Heilsereignis. Kreuz und Jeder einzelne Mensch und jede Zeit stehen in
Auferstehung Jesu Christi als Zentrum der einem statischen Gegenüber zu dem
biblischen Heilsgeschichte werden geleugnet. allmächtigen Gott. Der Islam kennt nicht "eine
Im Grunde kennt der Islam also keine Geschichte ..., die sich entfaltet und entwickelt,
"Heilsgeschichte". sondern die sich einfach wiederholt." (CIBEDO-
Texte Nr. 5, S. 2.)
Der Anfang der Menschheitsgeschichte
Am ehesten könnten wir im Islam von einer
Dem entspricht auch, was der Koran über die “Prophetengeschichte” reden: Weil die
Anfänge der Geschichte zu sagen weiß: Von Menschen immer wieder von der
der Erschaffung des Menschen ist oft die Rede; ursprünglichen Offenbarung abgewichen sind,
von einer Bestimmung des Menschen zum "Bild hat Gott in Seiner Gnade ihnen von Zeit zu Zeit
Gottes" (1. Mose 1, 26+27) und zu einer Propheten gesandt. (vgl. Mini-Kurs "Die
persönlichen Beziehung zu Gott sagt der Koran Propheten" in ORIENTIERUNG 4/97, S. 7f.) Der
jedoch nichts. - Die Geschichte vom Sündenfall Auftrag dieser Propheten ist allerdings jeweils
kommt in verschiedenen Varianten vor. Aber derselbe: die Menschen zum Ursprung zurück
Adams Sünde war, wie alle Sünden, eine zu rufen, zum Glauben an den einen Gott, und
Einzeltat (vgl. Johan Bouman, Christentum und ihnen das eine göttliche Gesetz zu verkündigen.
Islam im Vergleich, Das Leben gestalten - den "Bei jeder prophetischen Verkündigung beginnt
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die Geschichte der Menschheit sozusagen von Auch wenn der Islam der biblischen
neuem ..." (Bouman, Christentum und Islam im Geschichtsdarstellung teilweise direkt
Vergleich, S. 47.) widerspricht, schließt dennoch die biblische
Heilsgeschichte die Muslime mit ein: Gott hat
Nach islamischem Denken gibt es jedoch einen Seinen Sohn für sie gesandt wie auch für uns
Höhepunkt in dieser Prophetengeschichte: "als wir noch Feinde waren" (Röm 5,10).
Mohammed als "Siegel der Propheten" hat mit
dem Koran Gottes vollkommene und Die biblische Heilsgeschichte muss uns dazu
abschließende Offenbarung erhalten. Alle treiben, auch Muslimen die Heilsbotschaft zu
vorherigen (z.B. auch Altes und Neues verkündigen. Denn in Gottes Augen sind sie -
Testament) werden damit abgetan. - Darum bei aller Religiosität - sündige und verlorene
gehören der islamischen Gemeinschaft nun Menschen, die Er durch Jesus Christus retten
Gegenwart und Zukunft: "Ihr seid die beste will. Als Botschafter an Christi Statt sollen wir
Gemeinschaft, die unter Menschen entstanden sie bitten: "Lasst euch versöhnen mit Gott!" (2.
ist. Ihr gebietet, was recht ist, verbietet, was Kor. 5,20) - Und den Gott, der der Herr der
verwerflich ist, und glaubt an Gott. Wenn die Heilsgeschichte ist, dürfen wir bitten, dass Er
Leute der Schrift ebenfalls glauben würden, auch Muslimen die Herzen und das Verständnis
wäre es besser für sie. Es gibt Gläubige unter öffnet für die frohe Botschaft von der Erlösung
ihnen, aber die meisten sind Frevler." (Sure durch Jesus Christus.
3,110)
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Aufgrund dieses Geschichtsverständnisses
beansprucht die islamische Gemeinschaft
zumindest teilweise die heilsgeschichtliche
Rolle, die nach der Bibel dem Volk Israel und
der Gemeinde Jesu zukommt. Von dorther
erklären sich auch zum Teil die Gegnerschaft
und der Herrschaftsanspruch der islamischen
Umma gegenüber Juden und Christen (vgl.
Minikurs “Schutzbefohlene” in ORIENTIERUNG
4/98, S. 9f).

Das Ende der Geschichte

In allen islamischen Zukunftsvorstellungen


finden sich als wesentliche Elemente die
Erwartung des jüngsten Gerichts und der
Wiederkunft Jesu als eines wichtigen
Vorzeichens. - Was in diesen
Endzeiterwartungen nicht vorkommt, ist die
Entrückung der Gemeinde Jesu und das
Kommen Jesu als Messias Israels. Der
wiederkommende Jesus ist im Islam nicht der,
dem der Vater alles Gericht übergeben hat
(Joh. 5,22; Apg. 17,31). - So unterscheidet sich
auch im Blick auf die Zukunft das islamische
Geschichtsbild ganz wesentlich vom biblischen.

Biblische Heilsgeschichte und Mission


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Die Schiiten Kalifen werden bei schiitischen Feierlichkeiten


verflucht.
Ausgangssituation
Nachdem Mohammed unerwartet rasch am 8.6. Geschichte des Leidens
632 gestorben war, ohne eine Nachdem Ali 661 ermordet worden war,
Nachfolgeregelung getroffen zu haben, bildeten versuchten die Schiiten erneut, die Macht an
sich in der jungen muslimischen Gemeinde sich zu reißen. Der Prophetenenkel al-Hasan
hierzu unterschiedliche Positionen heraus. erklärte jedoch seinen Verzicht auf das Kalifat,
Daraus folgte die geschichtlich und theologisch und al-Husain fiel im Jahr 680 in der berühmten
folgenschwerste Spaltung des Islams: Schlacht von Kerbela im heutigen Irak, womit
"Sunniten" und "Schiiten. Mit "Schiiten" sind die alle direkten männlichen Nachfahren
Anhänger Alis (shi'at Ali = "Partei" des Ali), des Mohammeds ausgelöscht waren. Al-Husain
Cousins und Schwiegersohns Mohammeds wurde zum Prototyp des schiitischen Märtyrers.
gemeint, die als Nachfolger Mohammeds einen Im Gedenken an Kerbela begehen die Schiiten
direkten Abkömmling des Propheten forderten, am 10. Tag des Monats Muharram, dem Ash
während die sunnitische Mehrheit zwar auch ra-Tag, umfangreiche Trauerfeierlichkeiten mit
einen Nachfolger aus Mohammeds Stamm, den Prozessionen und Geißlergruppen. Wer bei den
Quraysh verlangte, aber gleichzeitig dessen Passionsspielen und Umzügen Tränen für al-
Wahl durch einen Rat (arab. sh ra) und seine Husain vergießt, erhält Teil an seiner Erlösung,
öffentliche Huldigung (arab. bay'a) forderte. die er durch sein Leiden und seine Fürbitte für
die Gläubigen im Gericht erwirkt.
Ringen um die Macht
Nach Meinung der Schiiten konnte nur auf Leiden wird in der Geschichte der Schia zum
einem Verwandten Mohammeds die Leitmotiv, das nach Alis und al-Husains Tod im
Segenskraft des Propheten liegen. Außerdem, - wie Schiiten meinen - Märtyrertod aller
so argumentierten die Schiiten, habe Gott schiitischen Imame (Leiter der islamischen
selbst Ali zum Nachfolger auserwählt und dies Gemeinschaft) in der Geschichte seine
Mohammed vor seinem Tod mitgeteilt, eine Fortsetzung findet. Die Gräber von Ali, al-Hasan
Ansicht, die Sunniten nicht teilten. Da alle und al-Husain sind im schiitischen Volksislam
leiblichen Söhne Mohammeds bereits vor ihm für viele bedeutendere Wallfahrtsorte geworden
verstorben waren, wären die nächsten als Mekka.
leiblichen Verwandten Mohammeds seine
Enkel al-Hasan und al-Husain gewesen, die Endzeithoffnung
allerdings beim Tod Mohammeds noch Kinder Nachdem die beiden Prophetenenkel al-Hasan
im Alter von etwa 6 und 8 Jahren waren. Daher und al-Husain im Kampf um das Kalifat
bestimmten die Schiiten Mohammeds gescheitert waren, verlagerten die Schiiten ihre
Schwiegersohn Ali zum Anwärter auf das Hoffnung auf Herrschaft auf die Endzeit, in der
Kalifat. Mahdi (der "Rechtgeleitete") als Erlöser sichtbar
Ali konnte sich jedoch nicht durchsetzen. In aus der Verborgenheit wiederkommen und ein
seiner Abwesenheit wurde noch 632 Abu Bakr Friedensreich aufrichten werde. Seinem
zum ersten Kalifen (regierte 632-634 n. Chr.) Auftreten werden Sonnen- und
gewählt, danach folgten Umar (634-644) und Mondfinsternisse, Erdbeben,
Uthman (644-656). Erst im Jahr 656 kam Ali Heuschreckenplagen und Wasserfluten
(656-661) an die Macht. Nach schiitischer vorausgehen. Dann werden sich falsche Mahdis
Auffassung waren die drei ersten Kalifen erheben und Kriege gegeneinander führen. Am
"unrechtmäßige" Kalifen und ihre Wahl eine Ende sollen Stürme die Erde reinigen und alle
schwere Sünde. Daher nahm die Schia von Krankheiten von den wahren Gläubigen
Anfang an eine ablehnende Haltung gegenüber nehmen. Danach soll der wahre Mahdi in
den sunnitischen Kalifen-Dynastien der Mekka in der Ka'ba erscheinen und alle sich
Umayyaden und Abbasiden ein. Die ersten drei ihm widersetzenden Ungläubigen erschlagen.
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Unter seiner Herrschaft wird das Paradies auf


Erden aufgerichtet werden.

Lehre
Das herausragende Kennzeichen schiitischer
Lehre ist der Glaube an den Imam. Er ist der
oberste Führer der Gemeinde, ein von Gott
auserwählter Leiter, eine Art Vertreter des
Propheten, von dem er blutsmäßig abstammen
muss. Er interpretiert die Offenbarung des
Korans, vor allen Dingen dessen verborgenen
Sinn, den die Gläubigen selbst nicht verstehen
können. Er ist eine Art Mittler zwischen Gott
und der Gemeinde, in seinen
Lehrentscheidungen unfehlbar und sündlos
(arab. ma's m) und hat übernatürliches Wissen.
Die Aussprüche der Imame besitzen für
Schiiten dieselbe Lehrautorität wie der Koran. -
Die Sunniten besitzen eine solche unfehlbare
Lehrinstitution nicht.
In Rechtsfragen sind die Unterschiede
zwischen Sunniten und Schiiten erstaunlich
gering. Im Wortlaut des Gebetsrufs weichen sie
von den Sunniten geringfügig ab.
Erwähnenswert ist die Institution der Zeitehe
auf schiitischer Seite (eine vereinfachte Form
der Eheschließung von begrenzter Dauer mit
Entlohnung der Ehefrau), sowie die Tatsache,
dass nach schiitischem Recht Männer und
Frauen zu gleichen Teilen erben.
Die Schiiten sind aufgespalten in mehrere
Splittergruppen, von denen die Zwölferschiiten
die bedeutendste Gruppierung ist. Darüber
hinaus existierten die Viererschiiten, die
Zayditen, die Siebener- und Fünferschiiten.

Weltweite Verteilung
Die Sunniten stellen heute mit rund 90%
weltweit die Mehrheit der Muslime dar, die
Schiiten eine Minderheit von 8-9%. Der Iran ist
das einzige islamische Land, in dem die
zwölferschiitische Lehre Staatsreligion ist.
Heute leben Schiiten außer im Iran (91%) in
Syrien, dem Irak (55%), dem Libanon (35-40%),
der Türkei, Afghanistan (15-20%), Saudi-
Arabien (5%), den Golfländern, Indien und
Pakistan (10-15%).

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Bekennen-Bekenntnis-Schahada Die Aussage in frühen Koranversen, die noch


etwas abgeschwächt klingt: „Der Herr des
Vorkommen und Gebrauch Ostens und des Westens! Es gibt keinen Gott
1. Als erste der fünf Säulen des Islams finden außer ihm...“ Sure 73,9 entwickelt sich noch zu
wir das muslimische Glaubensbekenntnis (arab. Mohammeds Zeit zu der klassischen Formel,
schahada), das aus zwei Teilen besteht: „Ich die anlässlich des Ritualgebets (Salat) heute
bezeuge, dass es keinen Gott außer Gott gibt, noch gültig ist und gesprochen wird:
und bezeuge dass Mohammed der Gesandte
Gottes ist“ (arab.: „aschhadu an la ilaha illa llah, Inhalt
aschhadu anna Muhammadan rasulu llah“). „Ich bekenne, dass es keinen Gott gibt außer
Mit diesem Bekenntnis in Gegenwart von zwei Allah“ ist der erste Hauptsatz des Islams. Die
Zeugen wird ein Nichtmuslim in die islamische Übereinstimmung mit der jüdischen und
Gemeinschaft aufgenommen. Es folgt noch die christlichen Vorgeschichte in Inhalt und Form ist
Beschneidung des männlichen Konvertiten. auffällig. Auch Juden und Christen glauben
Diesen Schritt kann man nicht mehr rückgängig nicht an Götter, sondern an einen einzigen Gott,
machen, ohne Kopf und Kragen zu riskieren: der alles geschaffen hat. Mohammed hat diese
„Wer seinen Glauben ändert, den sollt ihr Erkenntnis für sich übernommen und zu einer
töten.“ (Hadith: Buhari Nr. 2794). Zentralaussage seines Glaubens im Umfeld
Gott wird nach islamischer Auffassung alle massiven Götzendienstes gemacht. Der
Sünden vergeben bis auf die Sünde der islamische Monotheismus war ursprünglich eine
Beigesellung (Shirk), dem Götzendienst, der Kampfansage gegen alle falschen Götter und
neben Gott noch andere Götter anbetet. Göttervorstellungen auf der arabischen
Halbinsel. Doch dabei blieb es nicht. Die
2. Im weiteren Sinne ist die Schahada das Schahada wurde zur Basis des islamischen
Zeugnis, das man dadurch ablegt, dass man für Glaubens (nur diesen einen Gott gibt es, und
den Islam mit den Waffen kämpft, und vor allem wer bei anderen Göttern sucht, wird verdammt).
dadurch, dass man für ihn im „Heiligen Krieg“
stirbt. Den Muslim, der in der Schlacht fällt, Doch auch als Stützpunkt für Angriffe gegen
nennt man Schahid, d.h. Zeuge, Märtyrer. In den christlichen Glauben dient die Schahada.
der Türkei werden die für das Vaterland Jesus Christus werden im Koran folgende
gefallenen Soldaten Schehit (Sehit) genannt. Worte in den Mund gelegt: „Und es sprach doch
der Messias: ‚O ihr Kinder Israel, dienet Allah,
3. Im bürgerlichen und gesetzlichen Sinne kann meinem Herrn und eurem Herrn.‘ Siehe wer
man als Zeuge aussagen, z.B. als Trauzeuge Allah Götter an die Seite stellt, dem hat Allah
oder im Falle eines Ehebruchs. das Paradies verwehrt, und seine Behausung
ist das Feuer.. Wahrlich, ungläubig sind, die da
Entwicklung der Schahada sprechen: ‚Siehe, Allah ist ein dritter von drei.‘
In der Frühzeit des Islams predigte Mohammed Aber es gibt keinen Gott denn einen einigen
noch keinen exklusiven Monotheismus und Gott.“ Sure 5,72f
damit auch noch keine klare Schahada (Johan Nach dem Koran soll Jesus die gleiche
Bouman: Das Wort vom Kreuz und das Schahada bezeugt haben wie Mohammed:
Bekenntnis zu Allah, s.S. 15). Später erst Sure 5,72; 3,51; 19,36 und 43,64: „Allah ist
predigte er konsequent den kompromisslosen mein Herr und euer Herr“
Ein-Gott-Glauben: „Siehe, ich bin Allah. Es gibt
keinen Gott außer Mir...“ Sure 20,14. Später Der zweite Hauptsatz ist: „Mohammed ist der
wurde folgende Formel zum liturgischen Botschafter Allahs“
Höhepunkt im Freitagsgebet: „Sprich: Er ist der Der erste Hauptsatz sagt, wer Gott ist: nämlich
eine Gott, der ewige Gott; er zeugt nicht und ein einziger Gott, keine Götzen, auch keine drei
wird nicht gezeugt, und keiner ist ihm gleich.“ Götter. Der zweite Hauptsatz sagt, wer diese
Sure 112. Information im Auftrag Allahs als sein
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Botschafter (rasul) verkündigt hat. Die Quelle können. Damit kommen sie durch den Heiligen
dieser Offenbarung soll Gott selbst sein, und Geist zur Gemeinschaft mit Ihm.
Mohammed soll diese Information lupenrein
weitergegeben haben. Die absolute Loyalität Dazu sollen wir Muslime einladen: zu einer
Mohammed gegenüber ist also im Islam lebendigen Beziehung zu einem lebendigen
untrennbar verknüpft mit dem Bekenntnis, dass Gott. Unseren muslimischen Freunden fällt es
es nur einen Gott gibt. Im Gebetsruf (ezan) sind schwer, das christliche Bekenntnis zu
beide Hauptsätze der Schahada zentrale akzeptieren und es ist doch ihre einzige
Bestandteile. Mohammed steht mit seiner Lehre Rettung: „Wenn du mit deinem Mund bekennst:
und Leben dem von Christus in vielen ‚Jesus Christus ist der Herr!‘ und wenn du von
entscheidenden Punkten entgegen. Somit ganzem Herzen glaubst, dass Gott ihn von den
können Christen diesen Mohammed leider nicht Toten auferweckt hat, dann wirst du gerettet
annehmen. werden.“ Röm 10,9

Praxis
Die Schahada ist ein Wort für alle Fälle: wenn
die Geduld zu Ende geht, beim Aufstehen und www.orientdienst.de
Schlafengehen, sie wird bei jedem Gebetsruf
benützt: 15 mal am Tag, in den täglichen
rituellen Gebeten. Laut Hadith (Buhari Nr.
3050): Wer sie 100 mal am Tag aufsagt,
bekommt 100 böse Taten vergeben bzw. 100
Werke gutgeschrieben. Deshalb besteht ein
magisches Verständnis dieser Schahada-
Formel. Nichtmuslime werden ermutigt, die
Schahada auszusprechen, damit sie so
Muslime werden (der Autor kann das von der
Türkei berichten, wo versucht wurde, seinen 5-
jährigen Sohn zum Muslim zu machen). Die
Schahada sollte beim Sterben zu den letzten
Worten eines Muslim gehören.

Bewertung der Schahada aus biblischer Sicht


Das Zeugnis des Christen beruht auf der
Heilstatsache durch Christus, während die
Schahada auf dem Bekenntnis zum Tauhied
(Einssein Gottes) und zur Prophetenschaft
Mohammeds beruht: „er ist EINER und tut
seinen Willen durch Mohammed kund.“
Zeugen von Christus sind wir nicht mit
gewandten, vorformulierten Worten. Die Kraft
zum Zeugnis kommt durch den Heiligen Geist
selbst. Im Gegensatz zum Islam wissen
Christen von dem Schöpfergott, der durch sein
Wort und den Geist diese Welt geschaffen hat.
Er hat von Anfang an im Plural von sich
gesprochen und ist doch der einzige wahre
Gott. Er lässt sich in seinem Sohn Jesus
Christus zu dieser Welt herab, um sie zu retten
und die Sünden der Menschen vergeben zu
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Ängste im Volksislam aufmerksam werden, was die Geister dann


zerstören wollen. Gegen diesen bösen Blick
Der offizielle Glaube der Muslime ist wird das „Nasar Bondschuu“ eingesetzt, eine
weitgehend bekannt. Es gibt dazu blaue Glaskugel am Auto, in der Auslage im
verschiedenste Veröffentlichungen, selbst in Geschäft oder an der Kleidung eines
deutschen Schulen befassen sich Schüler mit Kleinkinds. Wenn es zerbricht, soll es einen
der Religion Islam. Auf den inoffiziellen bösen Blick auf sich gelenkt haben. Die
Glauben, den Volksislam und reale Ängste der Schönheit von Kleinkindern sollte nicht gelobt
Muslime stößt man im Alltag. Die Eigenarten werden, weil dadurch wiederum die bösen
und Ausdrucksformen des Volksislams sind Geister aufmerksam werden und ihm schaden
sehr unterschiedlich. Orte von toten Heiligen würden. An Stelle dessen wird gerne das Wort
genießen besonderen Zulauf. Bei Erfolg wird „Maschallah“ ausgerufen, das den Namen
ein Tieropfer gebracht oder sonst ein gutes Gottes enthält. Aus Angst vor Schaden werden
Werk im Namen des „Heiligen“. Amulette oder Glücksbringer getragen, die
Schutz gewähren sollen. Vor den Dschinn
Vielfältige Angstauslöser (Geistern) herrscht Angst, sie können in der
Wenn größere Probleme des alltäglichen Gestalt von Tieren, Menschen oder Steinen
Lebens auftauchen, wie Krankheit, auftreten. Ihr Ziel ist es, auf die Welt der
Hochwasser, Dürre, Missernte, Unfall und Krieg Menschen und Kreaturen überzugreifen und sie
wird Hilfe an Orten oder bei Personen in ihre eigenen Launen und Wünsche zu
besonderer Kraft gesucht. Das Leben bringt verwickeln.
natürlich noch eine Reihe kleinerer Probleme
mit sich, die Ängste auslösen können, wie z.B. Talismane sollen auch offensichtliche Magie
die Angst vor bösen Geistern. unwirksam machen und Krankheiten vertreiben.
Einzelne Koranverse werden in kleinen
Hilfe im Animismus? Ledertäschchen um den Hals oder in die
Sehr entscheidend ist nun die Frage, wo der Kleidung eingenäht getragen. Werden Flüche
Betroffene Hilfe sucht und welche Antworten er ausgesprochen, sind Dschinn oder tote Heilige
auf seine Angst findet. Vielfach ist festzustellen, durch die Flüche zu einer Mitarbeit gezwungen,
dass gerade hier das animistische und nicht sonst kommen die Folgen des Fluches über die
orthodox muslimische Denken zum Vorschein Dschinn selbst. Magie und Zauberei sind in der
kommt. Denn Gott ist ja weit entfernt und Hilfe islamischen Welt machtvolle Kräfte. Magie kann
nur bei jemand zu finden, der selber Mensch ist sowohl zum Heilen als auch als Auslöser oder
oder war. Das ist dann oft nicht ein Theologe Zerstörer der Liebe verwendet werden.
oder Gebildeter, sondern ein Mensch, der durch Streitenden kann sie übernatürliche Kräfte
übernatürliche Machterweise Autorität genießt. geben.
Wie stark das animistische Denken im Alltag
verankert ist, zeigt sich daran, welche Mittel zur
Angstbewältigung eingesetzt werden: Reicht 'Geistliche' im Volksislam
das Eingreifen eines Heiligen, das Aussprechen Eine große Zahl inoffizieller Geistlicher
bestimmter Schwüre oder ist der Einsatz von (männliche und weibliche Nicht-Theologen)
Magie nötig? überwacht in Krisenzeiten die Einhaltung
bestimmter Riten. Für jede Art von Angst und
Übliche Ängste und 'Hilfsmittel' Sorge haben sie eine Lösung. Vielfältig sind
Der böse Blick wird als Ursache für Krankheit ihre Funktionen, da sie von der jeweiligen
gesehen. Wobei es verboten ist, jemand direkt Fähigkeit abhängen:
des bösen Blicks zu beschuldigen. Eine Person,
die z.B. blaue Augen und langes blondes Haar Gebetsschreiber: Sie verarbeiten bestimmte
hat, kann die Ursache für ein Unglück sein, weil Koranverse zu Glücksbringern und Talismanen.
durch sie böse Geister auf etwas Wertvolles Medizinmänner: Viele Jahre sorgten sie in
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Westafrika für die Ausbreitung des Islam, weil sollen sexuell rein in die Ehe gehen. Ihre
sie durch Kräutermedizin, Glücksbringer, Keuschheit ist der Kern ihrer Ehre – das
Amulette und durch Exorzismus 'halfen' und für unterscheidet sie von ehrlosen Frauen.
den Islam warben. Wahrsager: Sie 'finden' Muslime stellen sich folgende Fragen selten:
Ursachen für Krankheiten und behandeln sie Stehen in der westlichen Welt Christen hinter
entsprechend. Sie sagen zukünftige Ereignisse den freizügigen Fernsehprogrammen oder
voraus und geben damit Anweisung zum Zeitschriften? Oder gibt es hier etwa auch viele
Handeln. Exorzisten: Sie spielen eine große Gottlose, die nur dem Namen nach Christen
Rolle bei einer Gesellschaft, die menschliche sind? Auch wenn sie unter uns leben,
Schwierigkeiten als Ergebnis göttlichen vermeiden manche Muslime sehr konsequent
Eingreifens sieht. Hoca: Der türkische freundschaftliche Kontakte mit Nichtmuslimen.
geistliche Führer eines Dorfes kann gleichzeitig Man kann beinahe sagen: je kürzer die eigene
der Dorfzauberer sein. Mullah: an ihn wenden Schulbildung, desto größer ist oft auch die
sich Kurden bei Krankheiten, Exorzismus und Angst. Manche Mullahs fordern sie zu solcher
wegen Glücksbringern. Zauberer: Sie Distanz und Scheu geradezu auf. Sie erlauben
spezialisieren sich z.B. auf die Magie in Sachen nicht, dass ihre Gläubigen mit Nichtmuslimen
Liebe. Sie können sexuelles Verlangen irgendwelche Feste feiern. Manche Muslime
verstärken oder dämpfen oder sie bemühen können nach ihrer Auffassung in Westeuropa
sich, ein mögliches Paar zusammenzubringen. nur überleben, wenn sie mit vielen anderen
Sie helfen auch, einen unliebsamen Ehemann Muslimen 'Inseln religiöser Kultur in einem Meer
auszuspannen zu Gunsten eines anderen. dekadenter westlicher Zivilisation' bilden. Diese
Hebamme: Im Volksglauben ist sie wie eine Einigelung und Abschottung erschwert den
Geistliche. Ihre Hilfe ist gefragt bei zu viel oder alltäglichen Umgang mit ihnen und verursacht
zu wenig Fruchtbarkeit. Teilweise wird sie auch für sie selbst eine Reihe von Schwierigkeiten.
als Heilerin für gewöhnliche Krankheiten
befragt. Christen begegnen Ängsten von Muslimen
Muslime haben Angst, den von Gott gesandten
Ängste bei Konfliktbewältigung Retter Jesus Christus im Gebet anzusprechen.
Der muslimische Mann gilt als Verteidiger des Die starke Verunsicherung, sich nicht an Allah
Familienrufs. Wird ein Familienmitglied durch zu wenden und dem Verbrechen des Abfalls
einen Außenstehenden beleidigt oder verletzt, vom Islam Vorschub zu leisten, hält viele davon
ist er als Haushaltsvorstand verpflichtet, zu ab. Doch in Krisenzeiten sind Muslime offen für
reagieren. Reagiert er nicht, d.h. er hält die ein Fürbittegebet im Namen von Jesus. Viele
Ehre der Familie nicht aufrecht, kommt er leicht können bezeugen und spüren, dass Jesus
in den Ruf eines Feiglings. Ein Konflikt tendiert eingreift. Das stärkt ihr Vertrauen und lässt sie
dazu, sich aufzuheizen, weil er von keinem später auch im Namen Jesu beten. Für
mehr ohne Gesichtsverlust abgebrochen Beziehungen ist wichtig, sich mit der weniger
werden kann. Am Ende steht manchmal die von bekannten Welt des Volksislam zu
allen gefürchtete Blutrache. Nur durch das beschäftigen, um überhaupt wirkliche Angst
Vermitteln Dritter kann die Auseinandersetzung verstehen zu können. Angst vor unserer
beendet werden, ohne dass eine der beiden westlichen Lebensweise kann vor allem durch
Seiten einen Statusverlust erleidet. persönliche Kontakte abgebaut werden, in
denen der gelebte Glaube für sie fassbar und
Angst vor westlicher Dekadenz ein Stück sichtbar wird.
Manche Muslime in der westlichen Welt
fürchten sich auch vor uns und unserer Für uns Christen muss der Dreiklang unseres
westlichen Zivilisation. Sex im Fernsehen, Auftrags neu erfasst werden: Predigt, macht
Enttabuisierung aller Moralvorstellungen – das Kranke gesund, treibt böse Geister aus! (Mt
passt nicht zu einer Schamkultur, wo ähnliches 10,8)
heimlich und versteckt läuft. Frauen wollen und
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Der Mensch - nach den Aussagen des Koran Der Mensch wird von Gott eingesetzt als
Stellvertreter (Khalifa) - als Herrscher über die
Der Koran - wie auch die Bibel - spricht vom Schöpfung an Stelle des Herrschers, Gott
Menschen immer in seiner Beziehung zu Gott. selber (2,30). Die Engel sagen allerdings im
Der Mensch ist nicht ein Produkt des Zufalls, Blick auf den Menschen zu Gott (2, 30): "Willst
sondern Geschöpf des Allmächtigen, dem er Du auf ihr (der Erde) einen einsetzen, der auf
auch verantwortlich ist. Alle Menschen ihr Unheil stiftet und Blut vergießt..?" - Es
stammen von einem gemeinsamen Elternpaar erstaunt, dass sie von vornherein dem
ab (Sure 49,13; 4,1) und sind deshalb vor Gott Menschen nichts Besseres zutrauen. Gott
gleich. korrigiert ihre Aussage nicht, erklärt aber auch
nicht, warum er dennoch dem Menschen die
Die Erschaffung des Menschen Herrschaft über die Erde anvertraut. Gott
befiehlt dann sogar den Engeln, sich vor Adam
Gott formte den Menschen aus Ton (15,26) und (anbetend!) niederzuwerfen (2,34; 15,29) -
hauchte dann von Seinem Geist in ihn hinein während im Islam sonst ausschließlich Gott
(15,29). Im Koran finden wir aber nirgends eine angebetet werden darf.
Aussage, dass der Schöpfer durch dieses
Anhauchen mit Seinem Geist dem Menschen Adams Sündenfall
eine besondere Nähe zu Ihm selber verliehen
oder eine persönliche Beziehung zwischen Gott Auch der Koran kennt die Geschichte vom
und Mensch hergestellt hat; dass der Mensch Sündenfall. Hier spielt Iblis, der Satan, eine
"nach dem Bild Gottes" geschaffen worden sei, wichtige Rolle. Aus Überheblichkeit widersetzt
kommt im Koran nicht vor. er sich als einziger dem Befehl Gottes, sich vor
Adam niederzuwerfen. Daraufhin wird er von
Das Urteil über den von Gott erschaffenen Gott aus dem Paradies verwiesen, erbittet sich
Menschen kann recht unterschiedlich lauten. aber Aufschub bis zum Tag des jüngsten
Einmal sagt Gott (95, 4): "Wir haben den Gerichts, um nun zu versuchen, die Menschen
Menschen in bester Form erschaffen." Dann ebenfalls abirren zu lassen - was ihm auch
heißt es aber auch (4, 28): "Der Mensch wurde gelingen soll, außer bei Gottes auserwählten
schwach erschaffen" und (70, 19): "Der Mensch Dienern (S 15, 34-40). Gott warnt die Menschen
wurde ungeduldig (oder: kleinmütig) vor diesem Versucher, sie lassen sich
erschaffen". In der Koran-Übersetzung von A. aber betören und verführen (7, 22).
Yusuf Ali wird dazu erklärend angemerkt
(übersetzt aus dem Englischen): "Nach Gottes Nach dem Koran ist Adams Sünde ein Fehltritt
Plan sollte der Mensch in der besten (2, 36), nicht Abfall von Gott und Zerstörung der
Verfassung sein. Damit er seine hohe Beziehung zu Ihm. Deshalb ist die Folge auch
Bestimmung erfüllen könne, wurde ihm jedoch nicht so schwerwiegend wie im biblischen
in einem eingeschränkten Maß freier Wille Bericht: Statt der Ankündigung: "... sonst werdet
gegeben. Der falsche Gebrauch dieses freien ihr sterben" (1. Mose 2,17) warnt Gott den
Willens macht seine Natur schwach, voreilig Menschen vor Satan: "Dass er euch nur nicht
oder ... ungeduldig. Das geschieht durch die aus dem Paradies vertreibt und dich unglücklich
eigene Handlungsweise des Menschen; es wird macht!" (20, 117) Durch die Sünde schadet der
aber von ihm gesagt, er sei so erschaffen Mensch nur sich selber: "Unser Herr, wir haben
worden, weil ihm diese Möglichkeiten bei seiner uns selbst Unrecht getan." (7, 23)
Erschaffung gegeben worden waren." - Es
bleibt unklar, ob der Mensch wirklich "gut" Adam wird allerdings von Gott irgendwie wieder
geschaffen worden ist. zurechtgebracht. "Hierauf erwählte ihn sein
Herr und er wandte sich ihm wieder zu und
Die hohe Stellung des Menschen leitete ihn recht" (20, 122) - ohne dass erwähnt
wird, ob und in welcher Weise Gott sich mit
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dem Problem der Sünde befasst. Weder scheint An vielen Stellen betont der Koran, dass der
der Mensch ein Knecht der Sünde geworden zu Mensch für sein ewiges Geschick selber
sein, so dass er Erlösung brauchte, noch verantwortlich ist. Da Gott den Menschen durch
erscheint die Beziehung zu Gott als so gestört, die Gesandten die Rechtleitung zukommen ließ,
dass Versöhnung nötig wäre. Adam und Eva ergibt sich aus der Stellung zu ihnen das
werden zwar aus dem Paradies vertrieben, aber Schicksal bei der letzten Abrechnung (7, 35-
ihnen wird gesagt: "Wenn dann von mir eine 37). Wer Muslim ist, kann hoffen, ins Paradies
Rechtleitung zu euch kommt, dann haben eingelassen zu werden, vielleicht auch noch
diejenigen, die meiner Rechtleitung folgen, einige von den "Leuten des Buches", auf keinen
nichts zu befürchten und sie werden nicht Fall aber die Götzendiener, die Allah andere
traurig sein." (2, 38f) - Angesichts der Tatsache, Götter zur Seite stellen. - Alle, die sich von
dass der Islam den Gedanken der "Erbsünde" Satan haben irreführen lassen, werden am Tag
vehement ablehnt, erstaunt es, wie des Gerichts gefragt werden: "Habt ihr denn
pessimistisch der Koran an vielen Stellen über keinen Verstand gehabt?" (36, 62)
den Menschen redet: Der Mensch ist ungerecht
und undankbar (14,34 u.ö.), voreilig (17,11), Andererseits klingen manche Koranverse aber
geizig (17,100), ungehorsam (80,23), frevelhaft so, als ob Gott gar nicht alle Menschen auf den
(96,6) und stürzt sich selbst ins Verderben rechten Weg leiten wolle: "Und wenn dein Herr
(103,2). gewollt hätte, hätte er die Menschen zu einer
einzigen Gemeinschaft gemacht. Aber sie sind
Die Bestimmung des Menschen immer noch uneins, ausgenommen diejenigen,
derer dein Herr sich erbarmt hat. Dazu (d. h.
Alle Menschen befinden sich in derselben damit sie uneins seien und von der Wahrheit
Stellung vor Gott wie die Stammeltern bei ihrer abirren) hat er sie (d. h. die Menschen)
Erschaffung; trotz ihrer Schwäche haben sie die geschaffen. Und das Wort deines Herrn ist in
Fähigkeit, ihre von Gott gewollte Bestimmung Erfüllung gegangen (das besagt): ,Ich werde
zu erfüllen: "Und ich habe die Dschinn und wahrlich die Hölle mit lauter Dschinn und
Menschen nur dazu geschaffen, dass sie mir Menschen anfüllen.'" (11,118+119 nach Paret;
dienen." (51,56) Der wahre Gottesdienst vgl. auch 32,12+14 und 7,179)
besteht im Befolgen der richtigen Religion (30,
30): "Richte nun dein Antlitz auf die Religion als www.orientdienst.de
Anhänger des reinen Glaubens! Das ist die
natürliche Art, in der Gott die Menschen
erschaffen hat. Die Art und Weise, in der Gott
(die Menschen) geschaffen hat, kann nicht
abgeändert werden. Das ist die richtige
Religion." Diese Urreligion (42,13) ist der Islam.
Der Mensch ist also als Muslim erschaffen
worden; auch jedes Kind wird eigentlich als
Muslim geboren und erst durch seine
Umgebung zu einem Anhänger einer der
verfälschten Religionsformen gemacht. Der
Mensch steht immer zwischen der Gefährdung
durch die Versuchung Satans einerseits und
dem gnädigen Angebot der göttlichen Leitung
andererseits (vgl. Bouman, Gott und Mensch im
Koran, S. 16).

Die Verantwortlichkeit des Menschen


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Paradieserwartung im Islam hochgelegenen Garten befinden, in dem sie


kein (leeres) Gerede hören, und in dem es eine
Mohammed hat sich zu seinen Lebzeiten (ständig) fließende Quelle gibt, und dick
immer wieder mit Paradies und Hölle gepolsterte (w. erhöhte) Ruhebetten,
beschäftigt. In vielen Koran-Suren werden bereitgestellte Humpen, Kissen eines neben
Gesinnungsgenossen mit der Aussicht auf die dem andern, und Teppiche, die da und dort (auf
Freuden im Paradies angespornt. Gegner, dem Boden) ausgelegt sind" (88,8-16).
Scheinheilige oder Halbherzige werden mit den "Auf golddurchwirkten Ruhebetten liegen sie
furchtbaren Qualen der Hölle gewarnt. Bis (die, die Gott nahe stehen) einander
heute lassen sich junge Selbstmord-Attentäter gegenüber, während ewig junge Knaben unter
und gewaltbereite Kämpfer mit bestimmten ihnen die Runde machen mit Humpen und
Paradieserwartungen locken, ihr Leben aufs Kannen (voll Wein?) und einem Becher (voll)
Spiel zu setzen. Werden sich ihre Hoffnungen von Quellwasser (zum Beimischen?), von dem
erfüllen? sie weder Kopfweh bekommen noch betrunken
werden und (mit allerlei) Früchten, was (immer)
Der Paradies-Garten und wer hineindarf sie wünschen, und Fleisch von Geflügel,
Der arabische Begriff für Paradies im Koran, wonach sie Lust haben. Und großäugige Huris
'janna', bedeutet "Garten". Das verwandte (haben sie zu ihrer Verfügung), (in ihrer
türkische Wort 'cennet' steht auch für Paradies, Schönheit) wohlverwahrten Perlen zu
veraltet für Garten. Das Paradies besteht aus vergleichen" (56,15-23). "Wir geben ihnen
mehreren Gärten (55,46ff.) und wird von großäugige Huris als Gattinnen" (52,20).
Wärtern bewacht (39,73). Schon vor dem
Eintritt ins Paradies werden den Gläubigen In diesen Zitaten wird deutlich, dass Allah eine
Häuser oder Gemächer versprochen (39,20; Fülle an bestem Essen und Trinken für seine
29,58). Sie werden dort ewig leben und somit Gläubigen verspricht. Die Qualität der Schalen
ewig vor dem Höllenfeuer verschont (44,56). In und Becher spielt dabei auch eine Rolle: Silber
den Traditionsschriften wird die unvorstellbare (76,15-16) bzw. Gold (43,71). Darüber hinaus
Größe des Paradieses bildhaft beschrieben: stellt er ihnen großäugige Huris als Gattinnen
"Es gibt einen Baum, in dessen Schatten ein zur Verfügung. 'Huri' ist von dem arabischen
Reiter hundert Jahre lang dahinreiten kann, Begriff 'hûr' abgeleitet und bedeutet:
ohne je den äußeren Rand des Schattens zu "diejenigen, in deren Augen das Weiße und das
erreichen" (al-Buchârî). Alle diejenigen werden Schwarze stark hervortreten" (Vermutung von
belohnt, die "glauben und tun, was recht ist" Horovitz). Mit diesem Ausdruck wird auf die
(2,25), die "Gottesfürchtigen" (52,17). Das Bild besondere Schönheit dieser Frauen
von der Waage spielt für die Beurteilung eine hingewiesen. (In Europa wurde bei 'huri' häufig
wichtige Rolle. "Wer (aufgrund seiner guten an 'Hure' gedacht, ohne die eigentliche
Werke) schwere Waagschalen hat" (101,6ff.), Wortbedeutung zu kennen.) Die Frage dabei ist,
dem wird in Aussicht gestellt, dem lodernden ob an die Ehefrauen der Gläubigen (gereinigte
Feuer zu entgehen. Obwohl die guten Werke Gattinnen, 2,25; 3,15; 4,57) zu denken ist, die
wichtig sind, ist der richtige Glaube das mit ins Paradies eingegangen sind oder an
Hauptkriterium für Akzeptanz bei Gott. Die nicht-irdische Wesen, die Gott als Jungfrauen
wahren Gläubigen dürfen für ewig in das extra geschaffen hat. Dass es sich nicht um die
Paradies, in die "Gärten der Wonne" (56,26) Ehefrauen handelt, deuten verschiedene
oder in die "Gärten von Eden" (19,61) Aspekte an: "Jungfrauen...heiß liebend und
eingehen. gleichaltrig" (56,36-37), "mit schwellenden
Brüsten" (78,33), "Hyazinthen und Korallen
Wie sieht es dort aus? vergleichbar" (55,58), "die vor ihnen weder
"Es wird lebensfrohe Gesichter geben, die mit Mensch noch Dschinn (Geister) entjungfert
dem Eifer, den sie bei ihren (guten) Werken haben" (55,56).
gezeigt haben, zufrieden sind und sich in einem
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Ein ausgesprochenes 'Männerparadies'? Herrn" (Muslim). Oder: "Der Herr erscheint über
"Allah lässt keinen ins Paradies eingehen, ohne ihnen von oben. Er sagt: 'Friede sei über euch,
ihn mit 72 Partnerinnen zu verheiraten" ihr Leute des Paradieses!' Er schaut zu ihnen,
(Hadith). Aufgrund dieser und ähnlicher und sie schauen zu ihm...bis er ihnen verhüllt
Paradies-Zitate bekommt der Leser den wird" (Ibn Madja). Offenbar wird sich Allah auch
Eindruck, dass alle menschlichen Wünsche der im Jenseits willkürlich verhalten und selbst
Männer in Erfüllung gehen werden. In wenigen bestimmen, wem er sich zeigen wird und für wie
Suren, wie in 33,35, wird auch von viele Augenblicke.
muslimischen Frauen gesprochen. Die, die ihre
Pflichten tun: "für sie hat Gott Vergebung und Koran-Zitate nach Rudi Paret.
gewaltigen Lohn bereit". Auch ihre frommen
Nachkommen (Kinder) werden mit dem www.orientdienst.de
Paradies belohnt werden (13,23; 40,8). In Sure
43,70 werden Männer geradezu aufgefordert,
"geht mit euren Gattinnen ins Paradies ein und
ergötzt euch". Josef Horovitz sieht eine
geschichtliche Entwicklung: In der Frühzeit des
Islam betonte Mohammed stärker die
materiellen Genüsse des Paradieses – vielleicht
in Anlehnung an die Schilderungen arabischer
Dichter. Zu dieser Zeit machte er über den
Verbleib der gläubigen Frauen noch keine
Angaben. In späteren Paradiesschilderungen
sprach er von Frauen und Kindern im Paradies
und ließ die rein materiellen Genüsse etwas in
den Hintergrund treten.

Welche Rolle spielt Allah im Paradies?


Zum Paradies gehören auch die Nähe und "das
Wohlgefallen Gottes", was der Koran selbst als
höher bewertet als alle materiellen Genüsse
(3,15; 9,72). Doch solche Zitate muss man
neben allen anderen Aussagen fast mit der
Lupe suchen. Dass die Gläubigen Gott sehen
werden, könnte in Sure 75,22-23 vermutet
werden: "es wird strahlende Gesichter geben,
die auf ihren Herrn schauen". Die Theologen
sind unterschiedlicher Ansicht, ob damit
tatsächlich das Anschauen Gottes gemeint ist
oder nur bildlich das Erkennen Gottes. Ein
Hadith (Buhari und Muslim) besagt: "Der
Prophet sagte: 'Ihr werdet euren Herrn genauso
sehen' (wie ihr den Vollmond sehen könnt)".
Unumstritten ist, dass sich Gott auf irgendeine
Weise den Gläubigen zu erkennen geben wird.
In Traditionsschriften wird deutlicher davon
gesprochen: "Wünscht ihr euch, dass ich euch
noch mehr gebe? Da zieht er den Vorhang weg.
Siehe, ihnen ist nichts geschenkt worden, was
ihnen lieber wäre als das Hinschauen zu ihrem
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Die Moschee Heiligtum in Mekka sind die Moschee in


Herkunft der Moschee Medina, die Große Moschee in Damaskus, und
Das arabische Wort für Moschee „masdschid“ schließlich in Jerusalem die: „Al-Masdschid al-
bedeutet „Ort, wo man sich niederwirft“. Die aksa“ (691 n. Chr.; Sure 17,1).
Haupt-Moschee blieb für Mohammed immer
das Heiligtum in Mekka (Sure 2,144). Gegner Verwendung einer Moschee
der islamischen Religion wurden vom Besuch Viele Hadith-Traditionen bezeugen, dass es in
der Haupt-Moschee ausgeschlossen (9,17.18; Moscheen nicht gerade „heilig“ zuging. Heute
9. Jahr nach der Hidschra). gelten allgemein einige Anstandsregeln. Dazu
Die „Salat“-Gebete, die für Muslime fünfmal gehört, nicht laut zu rufen und sich zum
täglich vorgeschrieben sind, wurden anfangs in Freitagsgottesdienst (Pflicht für männliche
Privathäusern bzw. im Freien verrichtet, bis Muslime) zu parfümieren. Weiter müssen
Mohammed in Medina an die Macht kam. Hier Frauen ein Kopftuch tragen und außerhalb der
kam es zur Gründung der ersten Moschee. Blickweite der Männer beten. Außerdem
Nach der Tradition soll Mohammed auf einem werden Tote nicht in der Moschee, sondern vor
Kamel reitend nach Medina gekommen sein; der Freitagsmoschee aufgebahrt. Da sich im
das Kamel habe nach eigener Lust und Laune Islam Religion und Politik nicht trennen lassen,
auf einem Grundstück angehalten. Mohammed wurde die Moschee auch immer als soziales
habe daraufhin das Grundstück gekauft und und politisches Zentrum verwendet, in dem man
sein Haus darauf errichtet, das auch eine Geschäfte abwickelte und sich zum Gericht und
Gebetsstätte enthielt, die erste Moschee. zu Verhandlungen traf. Theologisch wurde sie
als Platz für Koranrezitationen, als Lehrstelle,
Die arabische Kultur kannte keine wissenschaftliche Institution und Bibliothek
herausragende Architektur. Selbst das gebraucht. Sie wurde aber auch als Hospital
Götzenheiligtum in Mekka war im 7. Jhd. nur verwendet, als Wohnung für durchreisende und
aus Holz und Stein recht unansehnlich gebaut. obdachlose Muslime, als Ort des Ausruhens
Der Islam übernahm von den unterworfenen und des Gesprächs. Städtische Händler und
Völkern Elemente ihrer Kunst für den Handwerker sitzen in den Läden des Basars im
Moscheebau. Aber der einfache Grundriss mit Zentrum einer Stadt, die meist an die Große
dem offenen Hof und den überdachten Moschee angelagert sind.
Gebetshallen, die auf das Haus Mohammeds in
Medina zurückgehen, änderte sich im Laufe der Teile einer Moschee
Geschichte nie. Deshalb finden wir auch keine Das arabische Wort „manara“stehtfür „Minarett“
Einrichtungsgegenstände, außer einem und meint ursprünglich den Wachturm an der
Schränkchen für den Koran und andere Bücher. Küste, mit dem per Lichtsignal Meldungen
Details und Verzierungen wurden im Laufe der weitergegeben wurden.
Jahre hinzugefügt, besonders aber eine „Mihrab“ (oder „Kibla“) ist die Gebetsnische in
Neuerung, das Minarett, das ursprünglich nicht einer Wand Richtung Mekka. Diese Wand ist
vorhanden war. Mohammed ließ noch von das wichtigste der Moschee und immer reichlich
einem höheren Dach eines Hauses den verziert. Seit 709 n. Chr. ist sie durch eine
Gebetsruf ertönen. Viele Kirchen, Synagogen Gebetsnische betont. Sie wird nicht als heilig
und Tempel unterworfener Gebiete wurden zu betrachtet.
Moscheen umfunktioniert, d. h. die Bilder „Minbar“ ist die Predigtkanzel für die
überstrichen und eine Wand in Richtung Mekka Freitagspredigt („Khutba“) zur Rechten der
als Gebetsrichtung benutzt. Es gibt Gebetsnische. Die Predigt (ca. 5-10 Min.) wird
verschiedene Arten von Moscheen, darunter stehend, wie Mohammed es tat, auf einer der
offene Moscheen, Kuppelmoscheen, untersten Stufen der Treppe gehalten. Nur der
Grabmoscheen (im Hadith umstritten) mit Prophet predigte von der höchsten Stufe.
Reliquienkult, persische Moschee-Medressen. Ursprünglich hatte sie nur 3 Stufen. Die Zuhörer
Die berühmtesten Moscheen neben dem sitzen auf dem Boden. Meineide auf oder neben
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dem „Minbar“ geschworen, haben unbedingt die Freitagspredigt nennt man „Dschami“.
Hölle zur Folge.
„Kursi“ ist ein Pult für den Koranrezitierer www.orientdienst.de
(„Kari“). Es wird von hier auch unter der Woche
oder an Feiertagen eine Ansprache gehalten
(bis zu 30 Min.), wenn am Freitag, dann vor
dem eigentlichen Freitagsgebet. Das Pult
befindet sich neben der „Dakka“, wenn diese
vorhanden ist.
„Dakka“, ein Holz- oder Steinpodium, steht in
einer Richtung mit der Gebetsnische. Von dem
Podium aus werden die Gebetsbewegungen
synchronisiert und für die Beter wiederholt, die
weiter hinten im Hof beten. Große Moscheen
haben meist neben der „Dakka“ auch einen
eigenen Frauenteil. Allgemein werden Frauen
aber nicht ermutigt, in die Moschee zu gehen.
Lampen und Leuchter sind wichtige
Bestandteile der Moschee. Besonders im
Ramadan wird die Moschee auch äußerlich
festlich beleuchtet. Vor Betreten der Moschee
werden die Schuhe im Regal abgestellt. Damit
soll die Moschee vor Unreinheit bewahrt
werden. Matten oder Teppiche mit kleinen
Einheiten zeigen an, wo ein Beter zu stehen
hat, denn sie haben sich in geraden Reihen,
geradezu militärisch zum Freitagsgebet zu
formieren. Lieder zum Lob Gottes im
Moscheegottesdienst werden nicht gesungen.
Ein Gebet in der Moschee soll 20-25 mal so viel
wert sein wie eine Gebetszeit zu Hause.
Für Herrscher wurde zuweilen bei der
Gebetsnische eine „maqsura“, eine Fläche
durch Gitter vom gemeinen Volk abgetrennt.
„Midaa“, die Waschanlagen sind nötig, weil das
Gebet rituelle Reinheit voraussetzt, um vor Gott
gültig zu sein.
Inschriften in arabischer Kalligraphie mit
Koransuren, den Namen der vier
rechtgeleiteten Kalifen und Mohammeds
werden an dem Gewölbe oder der Wand
angebracht. Figürliche Darstellungen sind den
Muslimen verboten.
Am Freitag wird zum frühen Nachmittag eine
Predigt, die sogenannte „Khutba“, vom
„Hodscha“ auf der „minbar“ vorgetragen, eine
Lobrede auf Allah und Mohammed. Ein
Vorbeter, der Leiter des „Salat“, der bezahlte
„Imam“ steht während des Gebetes vor der
Gebetsnische. Eine Moschee mit regelmäßiger
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Vergibt Allah? - “Vergebung” im Koran indem Jesus Christus stellvertretend für alle
Menschen die Strafe für die Sünde, den Tod,
Zu den “99 schönsten Namen Allahs” gehören erduldet hat (Jes 53,5; 1.Kor 15,3) - und dass
auch: Al-Ghaffar (der viel Vergebende - 93mal Gott “treu und gerecht” ist, wenn Er auf dieser
im Koran) und Al-Ghafur (der Vergebende - Grundlage demjenigen vergibt, der seine
91mal im Koran). “Vergebung” ist ein wichtiges Schuld bekennt (1.Joh 1,9).
Thema im Koran. Dabei werden die gleichen
Begriffe benutzt wie in der arabischen Bibel. Gewissheit der Vergebung?
Wenn man allerdings den Zusammenhang
beachtet, in dem sie jeweils stehen, treten Vergebung ist im Islam zum einen abhängig ist
deutliche Unterschiede im Verständnis von vom menschlichen Verhalten, durch das
Vergebung zutage. jemand sich der Vergebung würdig oder
unwürdig erweist, letztlich aber vom
Vergebung für die Gläubigen unvorhersehbaren Willen Gottes; deshalb kann
kein Mensch zu Lebzeiten wissen, ob er am
Zunächst scheint nach dem Koran das Tag des Gerichts Vergebung erhalten und in die
Verhalten des Menschen entscheidend zu sein: Paradiesesgärten eingelassen, oder ob er ins
Denn auf Allahs Vergebung hoffen können die Höllenfeuer geworfen werden wird. - Gewissheit
Gläubigen (Sure 57,28), die Frommen, der Vergebung und des Eingangs ins Paradies
Wahrhaftigen, Geduldigen und Demütigen wird nur denjenigen zugesagt, die als Muslime
(33,35). Wer glaubt und das Gute tut, erhält im Kampf “auf dem Weg Gottes" getötet werden
Vergebung (29,7). Den Ungläubigen vergibt (47,4-6; 3,157.169-171).
Allah nicht (47,34; 9,80; 4,168f). Vergebung
oder die Verweigerung von Vergebung Nach dem biblischen Zeugnis können
erscheint demnach als ein Aspekt des Menschen wissen, dass ihre Sünden vergeben
vergeltenden, d.h. belohnenden oder sind. Denn die Schuld ist “rechtmäßig” bezahlt,
bestrafenden Handelns Gottes. und Gott selber bietet allen, die an Jesus
Christus glauben, Vergebung und ewiges
Dass Gott die Sünder liebt und von Seiner Seite Leben an.
aus eine “Vorleistung” erbringt, um sie von ihrer
Schuld zu befreien, wie das die Bibel (z.B. in Vergebung und Versöhnung
Röm 5,8) bezeugt, ist im Islam undenkbar.
Denn: “Gott liebt die Ungläubigen nicht” (Sure Nach islamischer Auffassung schadet durch die
3,32). Sünde der Mensch sich selber. So sagte Adam
nach dem Sündenfall: "Unser Herr, wir haben
Vergebung - “wenn Gott will” uns selbst Unrecht getan. Und wenn Du uns
nicht vergibst und dich unser erbarmst, werden
So sehr im Islam Gottes vergeltendes Handeln wir bestimmt zu den Verlierern gehören." (7,23)
betont wird: im Zusammenhang von Schuld und Das gilt generell im Koran: "Wer eine Sünde
Vergebung wird jedoch letztlich nicht nach erwirbt, erwirbt sie zu seinem eigenen
Gottes Gerechtigkeit gefragt: ob es etwa mit Schaden." (4,111) Umgekehrt kann es heißen:
Seiner Gerechtigkeit vereinbar sei, wenn Er "Wer sich einsetzt, setzt sich zum eigenen
Schuld ungestraft lässt. Er kann vergeben, Vorteil ein. Gott ist ja auf die Weltenbewohner
wenn Er will. So kann es im Koran heißen: nicht angewiesen." (29,6)
"Allah vergibt, wem er will" - ohne alle
Vorbedingungen (48,14; 2,284; 5,18). Die Die menschliche Sünde betrifft Gott eigentlich
Vergebung steht letztlich unter Gottes Allmacht. nicht. Die Menschen sind Seine Diener, die Ihm
Gehorsam schuldig sind; ihre Taten wird Er
Dem gegenüber betont die Bibel, dass die belohnen oder bestrafen - oder vergeben. Die
Schuld wirklich beseitigt wurde (1. Petr 2,24), grundsätzliche Beziehung zwischen Gott und
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Mensch wird durch das menschliche Tun nicht


berührt - außer durch die Sünde des “Schirk”:
dem einen und einzigen Gott andere (selbst
gemachte) Götter zur Seite zu stellen. Diese
Sünde ist Rebellion, dem Hochverrat im
politischen Bereich vergleichbar, und für sie gibt
es keine Vergebung (4,48). Solche
Götzendiener haben in dieser Welt schon und
erst recht im Jenseits eigentlich keine
Lebensberechtigung (13,33f; 9,17 + 113;
17,39). Alle anderen Sünden kann Allah den
Gläubigen vergeben. Mehr als Vergebung ist
nicht nötig.

Der biblische Gedanke, dass durch die Sünde


die Beziehung des Menschen zu Gott zerstört
worden ist und nur durch Versöhnung wieder
hergestellt werden kann, findet sich im Koran
nirgends. Ebenso fehlt das Wissen, dass der
Mensch durch das Tun von Sünde unter die
Herrschaft der Sünde geraten ist und Befreiung
(“Erlösung”) braucht (Joh 8,34-36).
Weiterführende Literatur: Johan Bouman,
Christen und Muslime, Was sie verbindet und
was sie trennt, Brunnen Verlag Gießen, 3.
Auflage 2001

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Gebet im Islam bzw. „wird“ genannt werden. Angehörige


Im Islam gibt es verschiedene Arten von religiöser Bruderschaften rezitieren sie mit
Gebeten. besonderem Eifer. Man findet sie in ihren
Gebetsbüchern. Die „hizb“-Gebete nehmen sich
Das Pflichtgebet Gebete von islamischen Führern zum Vorbild
Das rituelle Gebet (salat) wird fünfmal täglich und beinhalten Koranstellen. Lob- und
verrichtet. Im Koran sind nur drei Gebetszeiten Bittgebete und mitunter auch
aufgeführt und der Ablauf der Gebete wird nicht Sündenbekenntnisse.
beschrieben. Erst in der „hadith“ (Reden und
Leben Mohammeds) finden wir genauere 3. Kurze Ausrufe oder Sätze auf Arabisch,
Ausführungen. die man auswendig lernt und rezitiert nennt
Voraussetzung für das „salat“ ist die rituelle man „dhikr“: z.B. „Im Namen Gottes, des
Reinigung, eine geeignete Kleidung (umstritten Gnädigen und Barmherzigen“ oder „O Gott,
ist, wie viel bedeckt sein soll), ein Ort, der für sende deinen Segen auf Mohammed und seine
das Gebet bestimmt wird (“sutra“), die Familie herab“. Oft wird vorgeschrieben, wie
Gebetsrichtung Mekka und die häufig man sie wiederholen muss (3, 5, 7, 100
„Absichtserklärung“ der betenden Person, jetzt oder häufiger), damit sie zum „sicheren Erfolg“
beten zu wollen. Das „salat“ wird ausschließlich führen. Sie werden gesprochen z.B. gegen
in Arabisch gesprochen und mit bis ins Detail Sorgen und Stress, gegen Unheil in der Nacht,
vorgeschriebenen Bewegungen ausgeführt, zur Vergebung von Sünden, für den Eingang
wobei sich die Abläufe und Gebetsrezitationen zum Himmel und als gutes Werke fürs
mehrfach wiederholen. „himmlische Konto“. Das erinnert uns in
manchem an den Gebrauch des Rosenkranzes
Das „salat“ ist ein Pflichtgebet, das Gott den und der lateinischen Liturgie in der katholischen
Menschen auferlegt haben soll. Mohammed Gebetspraxis. Islamische Gebete wurden in der
konnte dieses Pflichtgebet bei Gott von 50 Geschichte bis heute von manchen Muslimen
täglichen Gebeten auf fünf herunterhandeln als eine Art „Zauberformel“ verwendet.
(Hadith Buhari 5,227).
4. Das freie bzw. gebundene Gebet in der
Dieses Gebet hat eine stark ordnende und jeweiligen Muttersprache: „dua“.
einende Wirkung im Islam, damals wie heute. Diese Gebete können z.B. nach dem
Überall auf der ganzen Welt wird ein und vorgeschriebenen „salat“-Gebet am Freitag in
dasselbe „salat“ auf Arabisch gesprochen. stehender Haltung erfolgen. Andere
Dieses Pflichtgebet ist so wichtig, dass es bei Gelegenheiten sind Feiertage, Wallfahrt,
Versäumen nachgeholt werden muss. Begräbnisse, Gebet um Regen, Bitte um
Grundsätzlich ist jeder für sein „salat“ selbst Vergebung, Notlagen u.s.w. Eine spezielle
verantwortlich und erhält bei Unterlassung rituelle Reinigung ist nicht vorgeschrieben. Es
einen mehr oder weniger großen Schuldeintrag kann mit besserer Konzentration in der Nacht
im „himmlischen Konto“. Doch bei absichtlichem und beim Morgengebet geschehen (Sure
Unterlassen des „salat“ wird man auch mit 20,130). Muslime sollen mit Furcht, als Knechte
Strafe durch andere Muslime bedroht, im und mit Erwartung Gott anrufen (Sure 7,56).
Extremfall bis zum Tod. Alles kann vor Gott gebracht werden. Das
Gebet soll beständig und immer wieder im
Freiwillige Gebete Verborgenen geschehen (Sure 7,205; 19,3).
1. Es gibt drei weitere freiwillige Gebete Trotz des muttersprachlichen Gebetes können
zusätzlich zu den fünf täglichen Pflichtgebeten. Texte in Arabisch eingestreut werden.
Sie werden zwischen die Pflichtgebete Besonders die erste Sure im Koran (auch
eingeschoben und laufen gleich ab. „Surat al-Du`a“ genannt), die auch bei allen
anderen Gebetsarten rezitiert wird, dient als
2. Lange vorformulierte Gebete, die „hizb“ Gebet. Andere beliebte Koranverse für das
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Gebet in Arabisch finden wir z.B. in der Sure (z.B. die Psalmen, Gebete von Daniel, Jesus,
3,8f.26f.191-194. Paulus), aber keine Gebetsformulierung als
Im Volksislam finden wir die Bitte an Vorschrift. Das zeigt die Freiheit der Kinder
verstorbene muslimische Heilige, dass sie bei Gottes und ihre lebendige Beziehung zu Gott,
Gott für den Bittsteller etwas erreichen sollen. ihrem Vater.
Das steht im Widerspruch zum Koran, nach
dem allein Gott angerufen werden darf. Weiterführende Literatur:
Der Koran enthält Gebete von bekannten „Enzyklopaedie des Islam“, Otto Harrassoweitz,
Personen: z.B. Noah (71,26-28), Abraham Leipzig, 1913
(2,128f), Josef (12,33), Mose (7,151), Salomo „The Encyclopaedia of Islam New Edition“,
(38,35), Hiob (21,83), Jona (21,87), Jesus B.Lewis; Ch.Pellat; J.Schacht, Leiden, E.J.Brill,
(5,114.116-118) und natürlich Mohammed 1991
(23,97f.118). Im Internet unter:
www.ead.de/publikationen/lausanne.htm
Zusammenfassung
Muslime beten, weil es ihre Pflicht ist. Da sie
Jesus Christus nicht als Mittler erkennen, der www.orientdienst.de
zugesagt hat, dass Menschen in seinem
Namen beten können und Gott deshalb hören
wird, fehlt Muslimen der entscheidende Zugang
zu Gott (Joh 14,13.14; 16,23.26). Es kommt
durchaus vor, dass Muslime Christen bitten, für
jemand zu beten, dass er geheilt wird. Diese
Gelegenheit sollten wir wahrnehmen.
Muslimen geht es in nicht erster Linie darum,
Gott zu erkennen. Sie können mit Gott nicht als
Vater sprechen oder gar mit ihm ein
Zwiegespräch führen. Das wäre für sie eine
Anmaßung. Ihre eigentliche Antriebsfeder ist
es, „Gottes Willen“ und sein Gebot, das
fünfmalige tägliche Gebet, zu erfüllen. Das wird
oft zur Last und unerträglichen Bürde. Die
wenigsten Muslime erfüllen das Pflichtgebet
regelmäßig. Daneben sind die anderen
Gebetsformen sowieso noch viel seltener
anzutreffen. Da Gott, der Allmächtige, für
Muslime alles schon vorherbestimmt hat, ist das
„dua“-Bittgebet immer auch eine unsichere
Angelegenheit. Viele Beteuerungen und das
ständig sich wiederholende Gebet sollen
darüber hinweghelfen.

Auch Christen sollen viel beten und nicht


nachlassen im Gebet, bis sie eine Antwort von
Gott erhalten. Doch andererseits warnt Jesus
vor „Gebetsmühlen“: „Leiere deine Gebete nicht
herunter wie Leute, die Gott nicht kennen. Sie
meinen, Gott würde schon antworten, wenn sie
nur viele Worte machen.“ Mt 6,8.
In der Bibel finden wir viele Gebetsvorbilder
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Mohammeds Leben stirbt sein Onkel und Verteidiger Abu Talib, der
nie Moslem wurde und seine erste Frau Hadija.
570 n.Chr. Geburt von Mohammed in Mekka Er heiratet bald eine Anhängerin und die 7-
(arab. Halbinsel) im Stamm der Quarys. Sein jährige Tochter seines Freundes Abu Bakr,
Vater stirbt vor seiner Geburt. Er wächst auf in Aischa.
einem polytheistischen (Vielgötterglaube) 620-622 Vorbereitung der Trennung und
Umfeld und nimmt am Kult teil (Wallfahrten ...). Abwanderung der Anhänger Mohammeds zur
576 Mohammed wird mit 6 Jahren Vollwaise 400 km nördlich gelegenen Stadt Jahtrib (später
und von seinem Großvater, später von seinem wurde sie Medina genannt: „Stadt des
Onkel Abu Talib aufgezogen. Er wird Hirte, darf Propheten“). Erste „Bekehrungen“ in Medina.
aber eine Handelsreise mitmachen. Vereinzelt 622 noch in Mekka: nach 13 Jahren Misserfolg
nur gibt es Christen, vor allem als Mönche, die Vision seiner Himmelfahrt von Jerusalem
einige jüdische Stämme und Gottessucher aus, die ihn tröstet.
(Hanifen), die sich weder dem Christentum 622 Mohammeds Auswanderung (arab. hijra)
noch dem Judentum anschließen. Vermutlich im Stil einer Flucht nach Medina mit seinen
existieren keine arabischen Bibelteile. Anhängern. Die Hälfte der Stadt besteht aus
595 Mohammed heiratet mit 25 Jahren die 15 drei jüdischen Stämmen. Deshalb gibt es eine
Jahre ältere, einflussreiche Kaufmannswitwe große Offenheit gegenüber dem
Hadija in Mekka, nachdem er vorher erfolgreich Eingottglauben. Dort gründet er das erste
für sie gearbeitet hatte. Mohammed lebt in der muslimische Gemeinwesen. Beginn der
Einehe mit ihr, bis sie nach 25 Jahren Ehe im islamischen Zeitrechnung.
Jahr 619 stirbt. Mohammed zeugte mit ihr 2 623 Aufbau einer islamischen und politischen
Söhne (die im Kindesalter starben) und 4 Gemeinschaft in Medina, erfolgreicher
Töchter. Eine Tochter, Fatima, wird Frau des Bündnisvertrag in Medina mit einigen
späteren 4. Kalifen Ali. zerstrittenen Parteien. Zunehmende Ablehnung
610 Mit 40 Jahren hat Mohammed seine erste Mohammeds durch die jüdischen Stämme in
Offenbarung (Sure 96,1-5) in der Hava-Höhle Medina. Tolerante Koranverse gegen Juden
bei Mekka. Ein Engel befiehlt ihm zu und Christen werden zunehmend durch bittere
wiederholen, was er vorsagt. Angst und Verurteilungen ersetzt. Mohammed ändert die
Unsicherheit, ob das nicht dämonischen Gebetsrichtung von Jerusalem nach Mekka.
Ursprungs ist, werden von Hadija zerstreut. 624 Die Schlacht von Badr; Sieg der Muslime
Trotzdem folgt über 4 Monate ein über die Mekkaner. Beuteaufteilung. Spottverse
entmutigendes Ausbleiben weiterer auf Mohammed durch Juden. Ermordung
Offenbarungen, in denen er sogar an einzelner Juden. Vertreibung des jüdischen
Selbstmord denkt. Stammes der Banu Qaynuqa aus Medina.
613 Beginn der ersten öffentlichen Predigten Regelmäßige Überfälle auf Karawanen (vor
Mohammeds und damit Ablehnung durch die allem die der Mekkaner), um seine wachsende
Mekkaner, die durch seinen neuen Anhängerschaft zu versorgen.
Eingottglauben um ihren lukrativen Gewaltanwendung wird mit Koranversen
Wallfahrtshandel fürchteten. Erfolg: ca. 80 legitimiert.
Anhänger, darunter seine Frau Hadija, sein 625 Niederlage von Uhud für die Muslime;
junger Cousin Ali, sein Adoptivsohn Zaid, sein Vertreibung des jüdischen Stammes der Banu
Schwiegervater Abu Bakr (später 1. Kalif). Nadir. Beuteaufteilung.
615 Flucht einer ersten Gruppe von Anhängern 627 Der „Grabenkrieg“: Vergebliche Belagerung
Mohammeds ins christliche Abessinien der Muslime durch die Mekkaner in Medina;
(Äthiopien). Ausrottung des jüdischen Stammes der Banu
616-619 Boykott der Mekkaner gegen die Banu Qurayza. 800 Männer werden hingerichtet, ihre
Hasim, den Klan Mohammeds, wegen seiner Frauen und Kinder versklavt. Keine Juden
Botschaft. verbleiben somit in Medina.
619/620 10 Jahre nach der ersten Offenbarung 628 Abkommen von Hudaybiya, ein 10-Jahres-
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Friedensvertrag mit den Mekkanern (den er


nach 2 Jahren bricht): die Muslime dürfen
demnach erstmals unangetastet zur Pilgerfahrt
(629) nach Mekka.
629 Niederlage gegen eine christlich
byzantinische Übermacht bei Mu´ta (damaliges
Syrien in der Nähe des Toten Meeres).
630 Mohammed kann mit seinen Anhängern in
Mekka einziehen. Weitgehend gewaltlose
Eroberung Mekkas (Spottliederdichter auf
Mohammed werden aber hingerichtet). Es folgt
eine Offenbarung, Gewalt für eine Bekehrung
einsetzen zu dürfen: Sure 9,5 (ersetzt 2,257).
Kriegszüge und Belagerung der Stadt Ta´if
(polytheistische Widerständler) und Tabuk.
„Jahr der Abordnungen“ (April 630 - April 631),
in dem Mohammed alle ihm bekannten Völker
per Brief aufruft, den Islam anzunehmen.
630-632 Schlachten in Dawmat al Jandal und
Hunayn. Unterwerfung fast aller Stämme
(darunter Beduinen) auf der arabischen
Halbinsel. 23 Jahre empfängt Mohammed seine
Offenbarungen. Mohammed hat 13 Frauen
offiziell geheiratet, wobei er zu einer Zeit 9
gleichzeitig hatte. Daneben standen
Mohammed Sklavinnen und andere Frauen zur
Verfügung, deren Männer in der Schlacht
gegen ihn ums Leben kamen.
632 Mohammeds letzte Wallfahrt nach Mekka
und sein Tod am 8. Juni. Seine Nachfolge ist
ungeklärt, was zur Spaltung Schiiten-Sunniten
führt. Erst der 4. Kalif der Sunniten (nach Abu
Bakr, Omar und Uthman), Mohammeds
Schwiegersohn Ali wird von den Schiiten als
erster rechtmäßiger Nachfolger anerkannt.
Omar, Uthman und Ali wurden ermordet.

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Sozialabgabe - Zakat „Armensteuer“ (obwohl nicht nur Arme davon


profitieren können), bzw. von „Sozial-“ oder
Schlägt man das Wort „Zakāt“ in einem „Pflichtabgabe“. - Zakāt wird auch in
arabischen Wörterbuch nach, findet man neben Deutschland von Muslimen entrichtet, die
„Almosen“ und „Armensteuer" auch „Reinheit“ Kontakt zur Moschee haben.
und „Gerechtigkeit“ als mögliche Bedeutungen
angegeben. (Das „Z“ von Zakāt wird wie ein Neben der absolut gebotenen Zakāt gibt es
stimmhaftes „S“ ausgesprochen.) Zakāt ist auch noch das "Almosen des Fastenbrechens",
abgeleitet von einem Verb, das sowohl das zum Fest am Ende des Ramadan
„gedeihen, wachsen“ als auch „rein, gerecht, weitergegeben werden soll; dieses wird als
gut sein“ bedeuten kann. So wird dem Geben "Pflicht" bezeichnet, aber nicht als "unbedingt
von Zakāt die Wirkung zugeschrieben, das geboten". – Als verdienstvoll gelten außerdem
Vermögen zu reinigen und segensreich zu freiwillige "Almosen" (sadaka); ein solches
vermehren – wie in einem Brunnen reines Almosen kann auch der Erlass von Schulden
Wasser nachfließt, nachdem Wasser sein (2,280). Die freiwilligen Spenden sind an
heraufgezogen wurde, und wie die Reben, die keine Zeit gebunden.
beschnitten werden, mehr Trauben
hervorbringen. Dass für alle Muslime Zakāt eine unbedingte
Pflicht ist, bedeutet allerdings nicht, dass alle
Zakāt wird im Koran an verschiedenen Stellen Muslime auch tatsächlich Zakāt entrichten
als eine der grundlegenden religiösen Pflichten müssen. Voraussetzung dafür ist, dass jemand
erwähnt – oft in Verbindung mit dem Gebet Vermögen hat, das nach Abzug von Schulden
(Sure 2,110). – Nach Sure 2,177 besteht wahre und sogenannten „Grundbedürfnissen“ ein
Frömmigkeit darin, Verwandten, Waisen, bestimmtes Mindestmaß (Nisab) übersteigt, und
Bedürftigen, Reisenden und Bettlern Geld dass dieses seit einem vollen Jahr in seinem
zukommen zu lassen und es für den Loskauf Besitz ist. Für einzelne Vermögenskategorien
von Sklaven und Gefangenen auszugeben. In (Vieh, Edelmetalle etc.) wurden von den
Sure 2,277 wird denen, die Zakāt entrichten, Rechtsgelehrten Mindestbeträge festgelegt, von
Gottes Lohn versprochen. - Auch Jesus waren denen ab (im Rahmen einer islamisch
laut Koran (Sure 19,31) Gebet und Almosen organisierten Gemeinschaft) Zakāt zu
(Zakāt) von Gott anbefohlen worden. entrichten sei. Zakāt ist zu entrichten für Gold,
Silber, Bargeld, Handelswaren, Haustiere,
Schon zu Lebzeiten Mohammeds wurde Zakāt Getreide und Früchte.
in der islamischen Gemeinschaft eine förmliche
Steuer. Grundprinzipien ihrer Verwendung Beträge
werden in Sure 9,58-60 genannt. Die Für Gold, Silber, Bargeld und Handelswaren
islamischen Rechtsgelehrten fixierten später sind unter genau festgelegten Bedingungen 2,5
genau, unter welchen Voraussetzungen Zakāt % des Besitzes als Zakāt abzugeben, von Feld-
zu geben war, und legten die Beträge, die zu früchten und Obst 10%, wenn der Boden durch
entrichten waren, im einzelnen fest. Regen- oder Flusswasser bewässert wird, bei
künstlicher Bewässerung 5%. Auch für die
Zakāt ist eine der „fünf Säulen“ des Islam und Zakāt der Haustiere gibt es besondere
deshalb für Muslime – wie Glaubensbekenntnis, Regelungen. – Die Entrichtung der Zakāt bleibt
rituelles Gebet, Fasten und Pilgerfahrt - zum Teil der Ehrlichkeit der Besitzer
unbedingt geboten. Regelmäßig einmal pro überlassen; allerdings werden dem, der die
Jahr ist diese Abgabe zu entrichten. – Im Zahlung der Zakāt vernachlässigt, drastische
Zusammenhang mit Zakāt ist es Strafen am Tag des Gerichts angedroht.
angemessener, nicht von „Almosen“ zu
sprechen, sondern wegen ihres offiziellen und Verwendung
verpflichtenden Charakters eher von Nach Sure 9,60 ist die Zakāt bestimmt für:
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die Armen (allerdings nicht für Arme innerhalb


der eigenen engeren Verwandtschaft und auch
nicht für nichtmuslimische Arme),
die Bettler,
die Einsammler und Verwalter der Zakāt,
„die, deren Herzen zum Islam gewonnen
werden sollen“ - wörtlich: „diejenigen, deren
Herz vertraut gemacht wird“ (auf diese Weise
kann Werbung für den Islam betrieben werden
oder können Konvertiten zum Islam auf ihrem
neuen Weg unterstützt werden),
den Loskauf von Sklaven und
von Verschuldeten, die nicht imstande sind, ihre
Schulden selber zu bezahlen,
für Teilnehmer am „Heiligen Krieg“ und
für fremde Reisende, die unterwegs ihr ganzes
Geld aufgebraucht haben und keine Mittel mehr
haben für ihre Heimreise.

Zakāt ist damit traditionell ein wichtiges


Instrument zum Zusammenhalt der islamischen
Gemeinde 1 und bietet islamischen Staaten "die
Möglichkeit, den Islam zu festigen und
auszubreiten."

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1
Bouman, Johan, Christentum und Islam im Vergleich,
Gießen / Basel, 1982, S. 21.
73
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Koran, seine Entstehungsgeschichte und Restaurationskriegen, besonders in der


Überlieferung Schlacht von Yamama (633 n.Chr.), starben
wichtige Koran-Lehrer, die große Teile des
Ist der Koran seit Mohammed völlig Korans auswendig zitiert hatten.
unverändert und vertrauenswürdig
überliefert worden, wie Muslime heute so Der erste Nachfolger Mohammeds, Kalif Abu
fest behaupten? Was sagen islamische Bakr, war der alte Schwiegervater
Quellen dazu? Mohammeds. Er sammelte in seinen beiden
Regierungsjahren nach einigem Zögern bis zu
Der Koran zur Zeit Mohammeds (610-632 seinem Tod Koranteile. Er ergänzte sie mit der
n.Chr.) noch vorhandenen mündlichen Überlieferung.
Zaid ibn Thabith wurde beauftragt, den Koran
Der Koran wurde in arabischer Sprache durch zu sammeln und aufzuschreiben. Er ließ
Mohammed innerhalb von 23 Jahren in vielen mindestens drei Offenbarungen aus. Eine
kurzen Abschnitten offenbart. Nach islamischer davon wurde nach der Aussage von
Ansicht hatte Mohammed 610 n.Chr. im Alter Mohammeds Frau, Aysha, die ihn auf dem
von 40 Jahren die erste göttliche Mitteilung Sterbebett begleitete, unter seinem Bett
bekommen. Diese Offenbarungen wurden von aufbewahrt. Diese einmaligen Texte wurden
verschiedenen Anhängern auswendig gelernt durch ein Haustier aufgefressen. Trotzdem
und in unterschiedlichen Dialekten rezitiert. hatte Abu Bakr damit die später favorisierte
Besonders in der medinischen Periode notierte Kopiensammlung. Drei andere Sammlungen
man Texte auf Schreibmaterial. Darunter waren konkurrierten mit dieser.
kleine Steine, Leder, Knochen und Baumrinde. Hafsa, die Tochter des zweiten Kalifen Umar
und eine Frau Mohammeds, bewahrte die
Seine ersten Offenbarungen waren Sammlung Abu Bakrs auf.
einprägsame Reime. Offenbarungsverse, die er
später weitergab, waren dagegen in Prosa Der Koran zur Zeit des dritten Kalifen
abgefasst. Die Reihe der Offenbarungen ist Uthman (644-656 n.Chr.)
nicht chronologisch im Koran angeordnet, weil
es sich um eine lose Sammlung handelte. Die Während der Zeit des dritten Kalifen Uthman
Verse wurden zur Zeit Mohammeds nicht gab es verschiedene niedergeschriebene
chronologisiert und nicht gesammelt. Versionen des Koran und Koranteile. Darüber
Mohammed selbst vergaß sogar Koranverse. brachen Zwistigkeiten aus. Sogar Morde
wurden deshalb begangen. Um die Situation zu
Wie im Hebräischen hatten die altarabischen retten, erbat sich Uthman von Hafsa das von
Schriften keine Vokale (z.B. das Kufische). Abu Bakr gesammelte Koranwerk. Er ließ nach
Daraus ergeben sich verschiedene seinen eigenen Überlegungen und denen von
Möglichkeiten, sie mit Vokalen zu lesen und vier Mitarbeitern (besonders Zaid ibn Thabit)
dadurch Bedeutungsverschiebungen. Deshalb eine Standartversion anfertigen. Sie wurde
gibt es laut Mohammed sieben Lesarten des nach dem Dialekt der „Quraish“ geschrieben
Korans mit verschiedenen Worten und und ist bis heute gültig.
Bedeutungen. Heute ist davon aber nur noch
eine gängig. Jede vorhandene Originalschrift ließ Uthman
651 n.Chr. verbrennen (Sahih al-Bukhari, Band
Der Koran zur Zeit des ersten Kalifen Abu 6, Seite 479, Hadith 410; Buch 61). Das
Bakr (632-634 n.Chr.) Verbrennen der abweichenden Koranversionen
begründete er damit, dass später niemand
Als Mohammed 632 n.Chr. nach kurzer Zweifel an der Wahrheit des Korans haben
Krankheit plötzlich verstarb, fielen manche sollte.
Stämme vom islamischen Glauben ab. In den
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Die Leute von Kufa im Irak lehnten es ab, ihre Warum gab es verschiedene Textvarianten,
Kopie zu vernichten. Sie hatten ein bis zwei wenn doch der Koran direkt durch den Engel
Suren mehr als die Version von Abu Bakr. Sie Gabriel diktiert wurde und nie geändert werden
sagten, dass die Kopie von Uthman nicht kann, weil er ewig sein soll?
vollständig sei. Bis 1000 n.Chr. gebrauchten sie Der Koran war ursprünglich ohne Vokale
ihre eigene Kopie in Kufa. Dann ging sie geschrieben. Er wurde später durch jemanden
verloren. mit Vokalzeichen versehen. Nur dadurch lässt
sich z.B. ein Aktiv und Passiv von Worten
Nach einer Aussage von Ibn Umar, einem unterscheiden. Das war bereits eine
Zeitgenossen des Kalifen Uthman, sollte keiner Veränderung.
behaupten, er hätte den ganzen Koran. Der Warum sind laut Hadith Verse verloren
größte Teil des Korans sei verloren gegangen. gegangen?
Jemand könne höchstens behaupten, dass er Wenn der Koran bei Mohammeds Tod
einen Teil des ursprünglichen Korans in seinen vorhanden gewesen war, warum musste dann
Händen halte. Nach dem Tod von Uthman Jahre danach der Koran erst zusammengestellt
nahm al-Hajjaj, der Regent von Kufa, noch werden?
weitere elf kleine Veränderungen am Korantext Christen hatten es nie für nötig gefunden,
vor. unterschiedliche Lesarten der Bibel zu
vernichten. Nur ihre Feinde vernichteten
Koranfunde heute Bibelrollen.

Von den Originalen der unter Uthman www.orientdienst.de


angefertigten Koranschriften ist heute keine
Spur mehr zu finden. Die ältesten Koranfunde
liegen heute in Taschkent und im Topkapi Weiterführende Information zu diesem Thema
Museum in Istanbul. Aber selbst sie stammen finden Sie im Buch von Gerhard Nehls in
aus dem 9.Jhd. n.Chr. und sind somit 150 bis Deutsch „Christen fragen Moslems“. In
200 Jahre nach ihrem Original in kufischer englischer Sprache sehr tiefgehend:
Schrift auf Pergament aufgeschrieben worden. www.answering-
islam.de/Main/Quran/index.html
Der Koran unserer Tage www.orientdienst.de

Die meisten der feststellbaren Textänderungen


mögen nur für Wissenschaftler interessant sein.
Der Koran, wie wir ihn heute haben, dürfte zum
großen Teil dem Text entsprechen, den
Mohammed ursprünglich aussprach. Die These,
der Koran sei nicht im geringsten verändert
worden, sondern entspreche zu 100% dem,
was durch Mohammed weitergegeben wurde,
lässt sich jedoch nicht aufrecht erhalten.
Vielmehr kann man nachweisen, dass der
Koran bei seiner Sammlung und
Zusammenstellung verändert wurde, und dass
ein kleiner Teil sogar wegfiel.

Folgende Fragen werfen sich auf:


Warum mussten Korankopien mehrfach
vernichtet werden? Der Koran ist doch ein
heiliges Buch für Muslime.
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Frauen im Islam Eherecht: Im Erbrecht, weil Frauen stets die


Hälfte von dem Erbteil eines Mannes erben, im
Muslimische Apologeten (Verteidiger ihres Zeugenrecht, weil das Zeugnis einer Frau stets
Glaubens) betonen, dass Mann und Frau vor nur die Hälfte des Zeugnisses eines Mannes gilt
Gott gleich seien, denn er habe sie "aus einer und im Eherecht, weil der Koran Männern die
einzigen Seele" (Sure 4,1) erschaffen, als Mehrehe erlaubt, die Scheidung traditionell für
"Freunde" oder "Beschützer" (9,72). Gott hat ihn viel einfacher ist und im Falle der Scheidung
zwischen ihnen "Zuneigung und immer dem Mann die Kinder gehören.
Barmherzigkeit" (30,21) gesetzt. Dennoch, so
führen muslimische Theologen aus, habe Gott Fazit
der Frau andere Aufgaben gegeben als dem Zwar empfiehlt die islamische Tradition
Mann (vgl. 4,34). Während die Frau für Haus Ehemännern, ihre Frauen gut zu behandeln.
und Familie zuständig sei, sei der Mann zum Die Überlieferung "Das Paradies liegt zu Füßen
Gelderwerb verpflichtet und ihm sei der der Mütter" wird häufig zitiert. Die Gestaltung
öffentliche Bereich außerhalb des Hauses der Lebensumstände einer Frau liegt jedoch
zugewiesen. Es sei daher trotz der nur begrenzt in ihren eigenen Händen, sondern
ebenbürtigen Erschaffung von Mann und Frau vor allem in den Händen ihres Vaters, ihres
legitim, "Ungleiches ungleich" zu behandeln Ehemanns und der Gesellschaft, in der sie lebt:
und zwischen Frauen und Männern im In den Händen des Vaters, weil er wesentlich
gesellschaftlichen wie rechtlichen Bereich über Schulausbildung, Bewegungsfreiheit und
Unterschiede zu machen. Heirat entscheidet, in den Händen des
Ehemanns, weil er ihr gebieten oder sie sogar
Der religiöse Bereich strafen kann, wenn er befürchtet, sie könne die
Der Islam stellt Mann und Frau das Paradies in Familienehre gefährden, und in den Händen
Aussicht und fordert von beiden gleichermaßen der Gesellschaft, weil sie das Verhalten der
die Einhaltung der Fünf Säulen (Bekenntnis, Frau ständig kontrolliert. Gerade für
Gebet, Almosen, Fasten, Wallfahrt), von der die muslimische Frauen ist die Botschaft von der
Frau nur zur Zeit ihrer Unreinheit (Menstruation, Liebe Gottes besonders kostbar.
Wochenbett) ausgeschlossen ist. Nur der Mann Christine Schirrmacher
ist jedoch zur Teilnahme am Freitagsgebet
verpflichtet. Frauen beten in der Moschee
abgesondert im Ober- oder Kellergeschoss. Islamische Eheverträge

Der familiär-gesellschaftliche Bereich Islamische Ehen werden auch heute noch


Im Islam wird sehr geschlechtsspezifisch überwiegend von den Eltern arrangiert. Nur in
erzogen. Besonders Söhne entwickeln eine den großen Städten suchen sich junge Leute
enge emotionale Beziehung zur Mutter, heute ihren Ehepartner selbst aus. Traditionell
während der Vater zuallererst Respektsperson wird eine arrangierte Ehe mit "Anstand" und
ist. Während ein Sohn nach seiner "Ehrbarkeit" assoziiert, eine "Liebesheirat" nicht
Beschneidung (mit etwa vier bis neun Jahren) selten mit "Unmoral" und "westlicher
vom Vater mehr und mehr in die Welt der Lebensart". Eine Ehe innerhalb der erweiterten
Männer hineingenommen wird, wird die Tochter Familie wird als vorteilhaft betrachtet, da man
traditionell von der Mutter in alle den Cousin und seine Eltern kennt und das
Haushaltspflichten eingewiesen. Die islamische Risiko für ein Scheitern der Ehe leichter
Gesellschaft ist stark von der abschätzen kann als bei einem "Fremden".
Geschlechtertrennung geprägt. Außerdem ist die im Islam geforderte
"Gleichwertigkeit" der Ehepartner hinsichtlich
Der rechtliche Bereich ihrer sozialen Herkunft, Bildung, Religion und
Das islamische Ehe- und Familienrecht Charakter so eher gewährleistet. Auch in einem
benachteiligt die Frau im Erb-, Zeugen- und späteren Konfliktfall zwischen den Eheleuten
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wird die Familie der Braut eher auf einen mit der Hochzeit von der Familie des Mannes
Verwandten einwirken können als auf einen erhält. Die Abendgabe ist der zweite Teil der
Außenstehenden, um die Ehe zu retten. Brautgabe, der der Frau für den Fall der
Scheidung für ihre Absicherung zusteht, da der
Eine islamische Eheschließung unterscheidet Mann nach einer Scheidung für seine Frau nur
sich stark von einer christlichen. Zu einer drei Monate unterhaltspflichtig ist bzw. solange,
islamischen Eheschließung gehört immer ein bis ein ungeborenes Kind zur Welt gekommen
Ehevertrag, der von seinem Charakter her ein ist.
zivilrechtlicher Vertrag ist, d. h., er regelt die
gegenseitigen Rechte und Pflichten der Bei einer islamischen Eheschließung wird nicht
Ehepartner. Im Hintergrund des Ehevertrags um den Segen Gottes gebetet. Sie ist keine
steht die Auffassung von der traditionellen geistliche Handlung, sondern ein
Aufgabenverteilung: Der Mann ist für den Vertragsabschluss, der mit der Regelung der
Lebensunterhalt zuständig, die Ehefrau für Abendgabe schon ganz konkret die Möglichkeit
Haus und Familie. Davon abweichende der Scheidung einrechnet. Bei der
Regelungen müssen im Ehevertrag Eheschließung wird kein Treueversprechen der
ausdrücklich genannt werden. Es ist für die Ehepartner formuliert und auch keine
Frau kaum möglich, später Rechte Zusicherung, gerade auch in „bösen Tagen" für
einzufordern, die das islamische Eherecht für den Ehepartner dazusein. Im Gegenteil, dem
sie nicht vorsieht und die sie nicht ausdrücklich Ehemann ist - mit Ausnahme der Türkei und
in den Ehevertrag aufgenommen hat. Tunesien - prinzipiell immer erlaubt, eine
So lassen z. B. moderne Frauen mit guter zweite, dritte oder sogar vierte Frau
Schulbildung in ihren Ehevertrag aufnehmen, hinzuzuheiraten. Der Ehevertrag enthält also
dass ihr Ehemann ihr nach der Heirat erlauben keine Zusicherung der lebenslangen,
wird, ihre Ausbildung oder ihr Studium zu ausschließlichen Festlegung auf einen
beenden oder berufstätig zu sein. Eine solche Menschen wie das christliche Eheversprechen.
Zusatzklausel wird nur verständlich vor dem Kommen wirklich "böse Tage" (unheilbare
Hintergrund des zweiten Grundpfeilers der Krankheiten, Gefängnisstrafe, Impotenz,
islamischen Ehe - neben der Verpflichtung zum Kinderlosigkeit usw.) sind dies im Islam
Gelderwerb für den Mann - nämlich die allgemein anerkannte Scheidungsgründe für
Gehorsamspflicht der Ehefrau. Verbietet ihr Mann und Frau. Nicht der Gedanke der
Mann ihr andernfalls nach der Hochzeit lebenslangen geistlichen Gemeinschaft vor Gott
plötzlich den Universitätsbesuch, weil er eine - Ehe als Dienstgemeinschaft - ist der Kern der
solche außerhäusliche Tätigkeit für seine Frau Ehe, sondern mehr die Frage, wer welche
nicht schicklich findet, ist sie ihm zum Rechte und Pflichten hat.
Gehorsam verpflichtet und kann sich dagegen Und schließlich enthält der islamische
praktisch nicht durchsetzen. Ehevertrag kein Versprechen (bzw. eine
Die religiös-traditionelle Eheschließung findet Eidesformel), den Partner zu "lieben und zu
vor einem Imam (Vorbeter einer Moschee bzw. ehren", denn eine Verpflichtung zur Liebe - wie
religiöse Persönlichkeit) statt, in der Stadt die Bibel - formuliert der Islam weder für den
werden Eheschließungen auch staatlich Mann noch für die Frau.
registriert. Der Bräutigam und die zwei
erforderlichen Zeugen unterzeichnen den www.orientdienst.de
Ehevertrag. Die Braut muss nicht anwesend
sein, sie kann den Vertrag auch von ihrem
Vormund (arab. wali) unterzeichnen lassen. Der
Ehevertrag regelt als wichtigste Klausel die
Höhe der Morgen- bzw. Abendgabe. Die
Morgengabe ist der erste Teil der Brautgabe
(Kleidung, Möbel, Schmuck, Geld), die die Frau
77
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Mohammed – ein echter Prophet? redet, und das Wort geschieht nicht und trifft
nicht ein, so ist das das Wort, das nicht der
Im Koran wird der Anspruch erhoben: HERR geredet hat. In Vermessenheit hat der
“Mohammed ist ... der Gesandte Gottes und Prophet es geredet; du brauchst dich nicht vor
das Siegel der Propheten.“ S. 33,40 ihm zu fürchten.“ (5.Mo 18,21-22).
Muslime fragen uns oft im Gespräch: „Wir Doch selbst wenn die Prophetie eintraf,
Muslime erkennen Jesus Christus als Prophet mussten die Propheten und ihre Lehren mit der
an. Warum erkennt ihr nicht auch Mohammed bereits bestehenden Offenbarung
an?“ Auf diese Frage wollen wir für uns selber übereinstimmen und an dem wahren Gott
eine Antwort suchen, ohne die Absicht die festhalten. „Wenn in deiner Mitte ein Prophet
Gefühle der Muslime zu verletzen. aufsteht oder einer, der Träume hat, und er gibt
dir ein Zeichen oder ein Wunder und das
Sollen wir Mohammed als Prophet Zeichen oder das Wunder trifft ein, von dem er
anerkennen? zu dir geredet hat, indem er sagte: "Lass uns
Muslime lesen im Koran von Jesus: „Jesus, ... anderen Göttern - die du nicht gekannt hast -
sagte: O ihr Kinder Israel, wahrlich, ich bin euch nachlaufen und ihnen dienen!", dann sollst du
ein Gesandter Gottes, bestätigend die Thora, ... nicht auf die Worte dieses Propheten hören...“
und frohe Botschaft bringend von einem (5.Mo 13,1-4).
Gesandten, der nach mir kommen und dessen
Name Ahmed (d.h. Mohammed) sein wird.“ Inwieweit stimmt Mohammeds Anspruch,
(Sure 61,6). Prophet zu sein, mit den biblischen
Es ist nicht grundsätzlich abzulehnen, wenn Bedingungen für echte Propheten überein?
Muslime an Christen den Anspruch a) Kontinuität der Botschaft: Die Aussagen
herantragen, dass ihr Prophet ein echter des Propheten im Namen Gottes müssen mit
Prophet ist. Denn das Neue Testament zeigt der bereits vorliegenden Offenbarung Gottes
viele Propheten auf, die nach Jesus kommen übereinstimmen, denn Gottes Wort kann sich
werden (Mt 23,34; Eph 4,11; Apg 15,32; Offb nicht ändern (5.Mo 4,1-2; Jes 8,20; Mt 24,35)
11,1-12). Doch wir werden aufgefordert, sie zu und sich selbst nicht widersprechen (Ps 89,35;
prüfen, weil es echte und viele falsche Sure 50,28-29).
Propheten gibt (1.Joh 4,1). Der Koran stimmt in vielen Aussagen mit der
Bibel überein, z.B. dass es einen einzigen Gott
Was sind nun die Kriterien für echte gibt, dass er alles geschaffen hat und am Ende
Propheten? Es braucht immer mindestens ein alle Menschen richten wird.
zweites Zeugnis (Joh 8,17), das die Aussagen Tatsache ist andererseits, dass viele Lehren im
des Propheten bestätigt. Von Jesus wissen wir, Koran der Bibel widersprechen und sie nicht
dass Gott ganz offen vor den Ohren anderer bestätigen. Hier einige Beispiele:
dieses zweite Zeugnis für seinen Sohn vom * Abrahams Vater hat in Sure 6,74 einen
Himmel aus abgab (Lk 3,21-22; Mk 9,7-8; Joh anderen Namen als in 1.Mo 11,26.
12,28-30). Außerdem bestätigte Johannes der * Maria, die Mutter von Jesus, soll nach Sure
Täufer Jesus (Joh 1,29; 5,32-35). Und letztlich 19,28 Aarons Schwester gewesen sein, doch
waren da die Wunder, die Jesus tat (Joh 5,36; es liegen zwischen den Lebenszeiten von
10,25; 14,11). beiden 1.570 Jahre.
Nicht alle Propheten erhielten vom Himmel her * Der Kampf für Gottes Sache ist im Koran auch
eine Stimme, aber Gott bestätigte sie durch der Kampf mit physischer Gewalt (Sure 9,111),
Wunder und indem er Vorhersagen voriger während es sich im Neuen Testament statt
Propheten an ihnen erfüllen ließ oder indem eines Kampfes mit Menschen um einen Kampf
sich die Vorhersagen des Propheten erlebbar gegen geistliche Mächte handelt (Mt 5,39.44;
vor den Augen der Zuhörer erfüllten. Eph 6,12).
* Für Diebstahl hat die Bibel ein Strafmaß, das
„Wenn der Prophet im Namen des HERRN etwas höher liegt als das gestohlene Gut (3.Mo
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6,2-5; 2.Mo 22,1-4; 5.Mo 15,12-14), während im Niederlage bald siegen würde. Die Perser
Koran dem Dieb die Hand abgehackt werden drohten um 616 n.Chr. Konstantinopel
soll (Sure 5,38). einzunehmen. 622 n.Chr. begannen die
* Scheidung: Ein Mann darf seine geschiedene, Byzantiner mit dem Gegenzug und siegten
jetzt mit einem anderem Mann verheiratete endgültig erst 628 n.Chr., also 12 Jahre später.
Frau nicht wieder heiraten (5.Mo 24,1-4). Doch Da die Vokalzeichen im Arabischen erst später
der Koran sagt, dass ein Mann, der sich von eingeführt wurden, könnte der ursprüngliche
seiner Frau geschieden hat, sie erst wieder Text aber auch genau das Gegenteil heißen,
heiraten darf, wenn sie vorher mit einem dass die Byzantiner verlieren würden
anderen verheiratet war (Sure 2,230). (Sayaghlibuna, "sie werden siegen," wird durch
* Im Koran wird die Vergebung der Sünden die Änderung zweier Vokale, Sayughlabuna,
nicht durch Opfer und Opferblut ermöglicht, "sie (die Römer) werden besiegt."). Ein Problem
sondern durch gute Werke (Sure 25,70; 22,37 besteht auch in der Aussage: „in wenigen
vgl. 3.Mo 17,11; Hebr 9,22; Röm 3,24-25). Jahren“ würde der Sieg kommen. „in wenigen
* Die Kreuzigung von Jesus (Mt 16,21; Lk Jahren“ beschreibt einen Zeitraum von 3-9
24,45-47; Mt 20,26-28) leugnet der Koran (Sure Jahren, laut Mohammeds eigener Aussage Abu
4,156-157). Bakr gegenüber. Doch der Endsieg fand, wie
* Der Sohn Gottes (2.Sam 7,11-14; Lk 1,32; Mt oben beschrieben, erst 12 Jahre später statt.
16,13-16; Mt 26,62-64) wird im Koran ganz klar (Weitere Vorhersagen finden Sie in Sure 8,43;
abgelehnt (Sure 4,171; 9,30; 10,68). 48,27.)
Welche Prophezeiung Mohammeds hat sich
b) Eintreffen einer Vorhersage: Damit nicht erfüllt?
Zeitgenossen eines Propheten erkennen * Mohammed behauptet in einer Hadith, dass
konnten, ob er ein echter Prophet war, musste der Antichrist (dadschal) 7 Monate nach der
ein Teil der Vorhersage unmittelbar erlebbar Eroberung Konstantinopels auftreten würde
eintreffen, um den Propheten und seine (Abu Davud Buch 37, Nr. 4281 - 4283). Nach
Prophetien zu bestätigen, die weiter in der dieser Vorhersage hätte der Antichrist im
Zukunft liegen (5.Mo 18,21-22; Jes 43,9; Joh November 1453 auftauchen müssen. (Eine
13,18-21). weitere nicht erfüllte Vorhersage finden Sie in
Mose sagte die unmittelbar Niederlage der Sure 4,159.)
ägyptischen Armee vorher (2.Mo 14,13-14.27-
28); er gab aber auch Prophetien, die sich erst c) Mohammed – biblisch prophezeit? Nach
Jahrhunderte später erfüllten (5.Mo 28,1.15.64- 5.Mose 18,18 soll Mohammed der Prophet sein,
66; 30,1.4-5). der Mose ähnelt. Aber Mohammed gehört nicht
Jesajas Prophetie erfüllte sich noch am zu den Brüdern Moses, er kommt auch nicht
gleichen Tag (Jes 38,5-8), einen Tag später aus dem Stamm Israels. Diese Stelle trifft nicht
(Jes 37,21-38), eine andere 150 Jahre später auf Mohammed, sondern auf Jesus zu (Joh
im Jahr 606 v.Chr. (Jes 39,6-7), eine andere 5,46; Apg 3,13-23).
200 Jahre später (Jes 13,1.19-22) und eine Der Beistand und Tröster wird von Muslimen
weitere Vorhersage über die auf Mohammed bezogen, was aber unmöglich
Wiederzusammenführung Israels wurde um 750 ist, da Mohammed nicht in Menschen wohnen
v.Chr. vorhergesagt, erfüllte sich ein erstes Mal kann (Joh 14,16; 14,25-26; Apg 2,4).
bei der ersten Rückführung aus dem Exil um
536 v.Chr. und ein zweites Mal in unserer Zeit Schlussfolgerung: Wir sehen, dass
seit 1900 n.Chr. (Jes 11,11-12). Mohammeds Prophetien nicht als erfüllt gelten
können. Er wurde nicht in der Bibel als Prophet
Welche herausstechende Vorhersage hat Gottes angekündigt und seine Lehren
Mohammed gemacht? widersprechen ganz fundamentalen christlichen
* Sure 30,1-4: Erfüllte Prophetie bezüglich der Glaubenswahrheiten. Letzteres ist
byzantinischen Armee, die nach einer entscheidend. Ihn als Propheten anzuerkennen
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würde bedeuten, die Offenbarung Gottes in


Jesus Christus und das Erlösungswerk
abzulehnen. Wir können Mohammed nicht
anerkennen, ohne das Zentrum unseres
Glaubens zu verlieren!

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Die „guten Werke“ im Islam dahinterstehende Motivation. In einem Hadith


heißt es: Die Taten werden nach den Absichten
Immer wieder einmal kann man die Aussage beurteilt. Wer nun ausgewandert ist in der
hören, der Islam sei eine Religion der Suche nach Gott und seinem Gesandten,
Werkgerechtigkeit, und ein Muslim müsse sich dessen Auswanderung gilt als zu Gott und
durch gute Taten den Himmel verdienen. seinem Gesandten. Wer aber in der Suche
nach irdischen Interessen oder wegen einer
Eine oberflächliche Betrachtung scheint Frau, die er heiraten möchte, ausgewandert ist,
zunächst diese Beurteilung zu bestätigen. Im dessen Auswanderung gilt als eben zu dem, zu
Blick auf das endgültige Gericht Gottes über die dem er ausgewandert ist. (Khoury, Der Koran,
Menschen wird im Koran wiederholt das Bild S. 507f: „auswandern“ bezieht sich auf die
der Waage gebraucht: Und Wir stellen die Auswanderung Mohammeds mit seinen
gerechten Waagen für den Tag der Anhängern von Mekka nach Medina) – Das
Auferstehung auf. So wird keiner Seele in kann sogar einen Märtyrer betreffen, dem
irgend etwas Unrecht getan. Und wäre es auch eigentlich der Zugang ins Paradies zugesichert
das Gewicht eines Senfkornes, Wir bringen es wird: Der erste unter den Menschen, über den
bei. Und Wir genügen für die Abrechnung. das Urteil am Tag der Auferstehung gefällt wird,
(Sure 21,47; vgl. auch Sure 13,102+103) ist ein Mann, der als Märtyrer gestorben ist. Er
Solche Verse vermitteln den Eindruck: am Tag wird gebracht. Er (Gott) lässt ihn seine Gnaden
des Gerichts wird Gott die Menschen ohne erkennen, und er erkennt sie. Er sagt: Was hast
Ansehen der Person entsprechend ihrer Taten du dafür getan? Er sagt: Ich habe um
gerecht belohnen oder bestrafen. deinetwillen gekämpft, bis ich als Märtyrer
starb. Er sagt: Du lügst. Du hast vielmehr
Was sind „gute Werke“ im Islam? gekämpft, damit man sagt: Siehe, ein Mutiger!
Und man hat es auch gesagt. Dann ergeht ein
In islamischen Lehrbüchern werden die Taten Befehl über ihn, und er wird auf seinem Gesicht
oft nach dem Gesichtspunkt klassifiziert, ob sie geschleppt und ins Höllenfeuer geworfen.
Strafe oder Lohn nach sich ziehen, ob sie (Khoury, Der Koran, S. 554)
eigentlich verdienstvolle Taten wieder zunichte
machen bzw. neutral sind und weder Strafe Die Bewertung der guten Werke im Islam
noch Lohn bewirken. Die wichtigsten Werke
sind die „unbedingt gebotenen“, die am Des weiteren fällt auf, dass gute und böse
höchsten positiv angerechnet werden und Taten nicht gleich schwer gewichtet werden.
deren Unterlassung die Höllenstrafe nach sich Sehr deutlich wird das in einem Hadith
zieht. Es fällt auf, dass es sich dabei im zusammengefasst: Gott hat bestimmt, was gut
wesentlichen um rituelle, auf Gott ausgerichtete und was böse ist. Wer nun sich vornimmt, eine
Handlungen (Gebet, Wallfahrt, Fasten etc.) gute Tat zu vollbringen, aber sie doch nicht
handelt, die allerdings zum Teil auch eine vollbringt, dem schreibt sie Gott als eine volle
soziale, mitmenschliche Dimension haben gute Tat an. Wenn er sie beabsichtigt und auch
(Armensteuer). Zu den „unbedingt verbotenen“ vollbringt, dann schreibt Gott sie ihm als zehn
Taten gehören: Wein zu trinken, dem Vater und gute Taten oder siebenhundert oder viel mehr
der Mutter ungehorsam zu sein, einen an. Und wenn er sich vornimmt, eine schlechte
Menschen zu töten. Wer so etwas tut und nicht Tat zu vollbringen, sie aber nicht vollbringt,
bereut, wird dafür in der Hölle bestraft. dann schreibt Gott sie ihm als eine volle gute
Tat an. Wenn er sie beabsichtigt und sie auch
Die Bedeutung der Absicht vollbringt, dann schreibt sie ihm Gott als eine
(einzige) schlechte Tat an. (Khoury, Der Koran,
Bei weiterem Nachforschen stößt man schnell S. 507) Auch im Koran (z.B. Sure 4, 40 und
auf die Tatsache, dass es nicht nur auf die 6,160) finden sich ähnlich Aussagen.
Taten ankommt, sondern auch auf die
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Glaube und gute Werke wisst, dass keiner von euch aufgrund seiner
Taten gerettet wird. Sie sagten: Nicht einmal
Mehr als 60mal kehrt im Koran die Formel du, o Gesandter Gottes? Er sagte: Nicht einmal
wieder: "Wer glaubt und das Gute tut ..." - dem ich, es sei denn, Gott umhüllt mich mit
wird Gottes Lohn und der Eingang ins Paradies Barmherzigkeit und Huld von ihm. (Khoury, Der
versprochen: Diejenigen, die etwas von den Koran, S. 509f)
guten Werken tun, ob Mann oder Weib, und
dabei gläubig sind, werden ins Paradies Ein wesentlicher Grund für diese Ungewissheit
eingehen, und ihnen wird nicht ein ist die Tatsache, dass neben dem einen Gott in
Dattelgrübchen Unrecht getan. (Sure 4,124; seiner allumfassenden Absolutheit der Mensch
ähnlich 40,58) - und käme er mit einer Fülle von guten Werken
- nicht bestehen kann. Vor Gottes Gericht wäre
Der Glaube, das heißt zum Teil das alle auf menschliches Tun sich gründende
Aussprechen des islamischen Gewissheit bloße Anmaßung (auch nach
Glaubensbekenntnisses, kann dabei sogar biblischem Denken!). Es kann aber im Islam
schwerer wiegen als alle übrigen Taten eines vor allem deshalb keine Gewissheit geben, weil
Menschen, so dass jemand trotz all seiner Gott sich hinsichtlich seiner "Gnade", von der
schlechten Taten Einlass ins Paradies erhält – im Islam letztlich doch alles abhängt, nicht
allein auf Grund der Tatsache, dass er das festgelegt hat.
islamische Glaubensbekenntnis ausgesprochen
hat (vgl. dazu den in Khoury, Der Koran, S. 552 www.orientdienst.de
zitierten Hadith).

„Glaube“ ist hier jedoch nicht in biblischem Sinn


zu verstehen als das dankbare Annehmen der
Rettungstat Gottes in Jesus Christus und das
Vertrauen auf eine klare Zusage in Gottes Wort
(z.B. 1. Joh. 1,9), sondern als Rechnen mit der
Existenz Gottes und als Hoffen auf Seine
Barmherzigkeit.

Ungewissheit

Trotz aller Mühe, die ein Muslim sich geben


mag, und trotz der Zusagen, dass Gott ihm
seine guten Werke vielfach anrechnen werde,
bleibt letztlich doch die Ungewissheit bestehen,
ob er mit dem Feuer bestraft oder mit dem
Paradies belohnt werden wird.

In den Hadithen finden sich widersprüchliche


Aussagen zu diesem Thema: Ein Mann fragte
den Gesandten Gottes: Was meinst du, wenn
ich die vorgeschriebenen Gebete verrichte, den
Ramadan faste, das Erlaubte tue und das
Verbotene meide, aber nichts zusätzlich tue,
gehe ich dann ins Paradies ein? Er sagte: Ja.
(Khoury, Der Koran, S. 511) – In einem anderen
Hadith heißt es allerdings: Der Prophet sagte:
Sucht die goldene Mitte und das Rechte, und
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„Friede“ im Islam Was sagt der Islam nun zum Frieden auf Erden,
und wie soll dieser Friede zustande kommen? -
In der "Islamischen Charta", die der "Zentralrat Viele Aussagen des Koran über Frieden und
der Muslime in Deutschland" 2002 veröffentlicht den Gegensatz dazu, Kampf und Krieg, sind
hat, heißt es: "Der Islam ist die Religion des Offenbarungen, die Mohammed in konkreten
Friedens". Moderne, westlich geprägte Situationen empfangen haben soll.
Muslime betonen gern: "Islam" bedeutet
Friede. - Im Blick auf das arabische Wort Nach seiner Berufung begann Mohammed,
"Islam" ist diese Aussage jedoch nicht korrekt; seine Mitbürger in Mekka aufzurufen, den
zwar sind "Salam" (Friede) und "Islam" von der Glauben an eine Vielzahl von Göttern
gleichen Wortwurzel abgeleitet; "Islam" aufzugeben und sich dem einen wahren Gott,
bedeutet aber nicht "Friede", sondern "Hingabe, Allah, zuzuwenden. Er stieß aber bei der
Unterwerfung". - Was sagt der Koran zum Mehrheit auf Ablehnung und immer stärker
Thema Frieden? werdende Anfeindungen. Zunächst erhielt er
den Rat, die Angelegenheit Gott zu überlassen
1. Die Hoffnung auf ewigen Frieden (43,89): Sei nun nachsichtig gegen sie und sag:
Sure 19,61: (Sie werden in) die Gärten von ,Heil!' (oder: Friede!). - Was er äußern sollte,
Eden (eingehen), die der Barmherzige seinen klingt recht tolerant (109,1): Sag: Ihr
Dienern ... versprochen hat... 62 Sie hören Ungläubigen! 2 Ich verehre nicht, was ihr
darin kein (leeres) Gerede, sondern nur (das verehrt, 3 und ihr verehrt nicht, was ich
Grußwort) ,Heil!' = Friede (salam) - Im Koran verehre... 6 Ihr habt eure Religion, und ich
findet sich eine ganze Reihe ähnlicher Stellen die meine. - Einige Muslime berufen sich im
(7,46 / 10,10 / 14,23 / 35,58). - Der Gespräch mit Christen auf solche und ähnliche
Herausgeber einer erläuterten Verse; vor allem zitieren sie oft Sure 2,256: In
Koranübersetzung, Yusuf Ali, erklärt zu den der Religion gibt es keinen Zwang.
zitierten Versen, das Wort "Salam" habe eine
sehr weite Bedeutung: außer dem Aspekt der Als die Situation für Mohammed in Mekka
Sicherheit umfasse es auch Gesundheit, unerträglich wurde, wanderte er mit seinen
Befreiung, Harmonie mit unserer Umgebung Anhängern im Jahr 622 nach Medina aus. Von
und Zufriedenheit. "All diese dort aus griffen die Muslime Karawanen ihrer
Bedeutungsnuancen sind in dem Wort 'Islam' mekkanischen Widersacher an - einmal sogar
enthalten. Der Himmel ist deshalb die in einem der "heiligen Monate", in denen
Vervollkommnung des Islam." - In diesem Sinn Kampfhandlungen verboten waren. Mohammed
können wir sicherlich sagen, dass auch der begründete dieses Verhalten mit folgender
Islam auf Frieden hofft und letztlich Frieden will. Offenbarung (2,217): Man fragt dich nach dem
heiligen Monat, (nämlich) danach, (ob es
Friede wird demjenigen zugesagt, der der erlaubt ist) in ihm zu kämpfen. Sag: In ihm ist
Leitung Gottes folgt (20,47). "Friede" sprechen Kämpfen ist ein schweres Vergehen (w. wiegt
die Engel den Sterbenden zu, wenn sie Gott schwer). Aber (seine Mitmenschen) vom Weg
fürchten und sich in ihrem Erdenleben gut Gottes Abhalten - und nicht an ihn
verhalten haben (16,32). D.h. Frieden findet der Glauben - und (Gläubige) von der heiligen
Mensch für sich persönlich durch den Islam, Kultstätte (Abhalten), und deren Anwohner
wenn ihm als Muslim am Tag des Gerichts der daraus Vertreiben, (all das) wiegt bei Gott
Zugang ins Paradies eröffnet wird. Ob er dieses schwerer. Und der Versuch, (Gläubige zum
Ziel tatsächlich erreicht, kann er allerdings Abfall vom Islam) zu verführen, wiegt schwerer
während seines Erdenlebens nicht wissen. als Töten. Und sie (d.h. die Ungläubigen)
werden nicht aufhören, gegen euch zu
2. Friede und Krieg im Koran und im Leben kämpfen, bis sie euch von eurer Religion
Mohammeds abbringen - wenn sie (es) können...
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Wenn Muslime angegriffen werden, ja, schon worden ist) oder (zur Strafe für) Unheil (das er)
wenn sie gehindert werden, den Islam zu auf der Erde (angerichtet hat), es so sein soll,
praktizieren, oder wenn jemand versucht, sie als ob er die Menschen alle getötet hätte.
von ihrer Religion abzubringen, ist Gegenwehr Und wenn einer jemanden (w. ihn) am Leben
für sie gerechtfertigt. Der Kampf darf jedoch erhält (w. lebendig macht), soll es so sein, als
nicht auf unrechtmäßige Weise geführt werden ob er die Menschen alle am Leben erhalten
und muss abgebrochen werden, wenn die (w. lebendig gemacht) hätte...
Gottlosen sich bekehren (2,190): Und kämpft
um Gottes willen gegen diejenigen, die gegen Im Koran finden sich also neben Worten der
euch kämpfen! Aber begeht keine Übertretung Toleranz für die Anhänger anderer Religionen
(indem ihr den Kampf auf unrechtmäßige Weise auch aggressive Aufrufe zum Kampf - vor allem
führt)! Gott liebt die nicht, die Übertretungen in späteren Offenbarungen, die nach der
begehen. 191 Und tötet sie (d. h. die traditionellen Auffassung die wichtigeren sind
heidnischen Gegner), wo (immer) ihr sie zu für das Verhalten der Muslime. Dabei wird aber
fassen bekommt, und vertreibt sie, von wo sie versucht, einer willkürlichen und maßlosen
euch vertrieben haben! ... 192 Wenn sie jedoch Gewaltanwendung Grenzen zu setzten.
(mit ihrem gottlosen Treiben) aufhören (und Allerdings erscheint mir fraglich, ob der Koran in
sich bekehren), so ist Gott barmherzig und ausreichender Weise deutlich macht, wie
bereit zu vergeben. 193 Und kämpft gegen sie, gefährlich (aus biblischer Sicht unmöglich) es
bis niemand (mehr) versucht, (Gläubige zum ist, die Herrschaft Gottes durch Anwendung von
Abfall vom Islam) zu verführen, und bis nur Gewalt aufbauen oder auch nur fördern oder
noch Gott verehrt wird!... - Wenn die schützen zu wollen.
Götzendiener bereit waren Frieden zu
schließen, sollte Mohammed sich ebenfalls dem 3. Gegenwärtige Tendenzen
Frieden zuneigen (8,60+61). Friede erscheint Im Islam gibt es gegenwärtig - grob gesagt -
hier als Ende der Auflehnung und des Kampfes hauptsächlich folgende zwei Auffassungen:
gegen den Islam (ähnlich Sure 4,90). 1) die anti-islamischen Kräfte sind noch längst
nicht überwunden; auch wenn nicht ein
Der Kampf kann sich nach der späten Sure 9 unmittelbarer militärischer Angriff von ihnen
auch gegen die Buchbesitzer (Christen und ausgeht, bekämpfen sie doch die islamische
Juden) wenden (9,29): Kämpft gegen Welt durch wirtschaftlichen Druck und negative
diejenigen, die nicht an Gott und den jüngsten kulturelle Beeinflussung; deshalb ist es
Tag glauben und nicht verbieten (oder: für gerechtfertigt oder sogar geboten, gegen sie
verboten erklären), was Gott und sein Krieg zu führen.
Gesandter verboten haben, und nicht der
wahren Religion angehören - von denen, die 2) der Islam steht nicht mehr vor der Bedrohung
die Schrift erhalten haben - (kämpft gegen sie), seiner Existenz und muss nicht mehr um sein
bis sie kleinlaut aus der Hand (?) Tribut Überleben kämpfen; deshalb ist ein Kampf
entrichten! - Auch hier kommt der Kampf zu gegen die Ungläubigen nicht mehr in der Weise
einem Ende, wenn sie keine Bedrohung für die nötig wie zur Zeit Mohammeds; allerdings
islamische Ordnung mehr darstellen, sondern besteht das Recht, sich gegen Angriffe zu
sich ihr unterwerfen und Tribut bezahlen. verteidigen; aber Friede ist in jedem Fall dem
Krieg vorzuziehen.
Grundloses und wahlloses Töten ist im Islam
ein schweres Verbrechen (5,32): Aus diesem Adel Theodor Khoury schreibt dazu: "Zwar sind
Grund (d.h. aufgrund des Brudermords von die Verfechter einer Theorie des Friedens in der
Kain) haben wir den Kindern Israels islamischen Welt heute hoffnungslos in der
vorgeschrieben, dass, wenn einer jemanden Minderheit. Aber sie finden in den Kreisen der
tötet, (und zwar) nicht (etwa zur Rache) für weltoffenen Menschen und der Intellektuellen
jemand (anderes, der von diesem getötet
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eine immer breitere Zustimmung." (Was sagt


der Koran zum Heiligen Krieg?, S. 89).

4. Die Ursache für den Unfrieden und die


Grundlage des Friedens
Die Ursache für den Unfrieden liegt nach
islamischem Verständnis darin, dass Menschen
den Islam, d.h. den Glauben an Gott und das
Leben nach Seinen Ordnungen, ablehnen. Das
sind Leute, die (5,33) ... gegen Gott und
seinen Gesandten Krieg führen und (überall)
im Land eifrig auf Unheil bedacht sind...

Dass wir aber seit Adams Entscheidung,


unabhängig von Gott zu leben, eigentlich als
ganze Menschheit zu Feinden Gottes geworden
sind (Röm 5,10), wird im Islam weder gesehen
noch anerkannt. So fehlt auch die Einsicht,
dass in diesem Zustand der Feindschaft mit
Gott der Mensch von sich aus gar nicht
friedensfähig ist und dass - bei allem guten
Wollen - Friede nicht möglich ist, ohne
Versöhnung mit Gott und ohne Erlösung von
der Macht der Sünde. Weil das nicht erkannt
wird, huldigen viele - allerdings längst nicht nur
im Islam – der Illusion, durch den Kampf gegen
das Böse und die Bösen, notfalls auch mit
Gewalt, den Frieden herstellen zu können.

Dem gegenüber bezeugt das Neue Testament,


dass Jesus Christus Frieden gemacht hat an
seinem Kreuz. Hier ist der Friede von Gott her
in die Welt hineingekommen. Das Kreuz des
Sohnes Gottes, an dem Gott die Sünde der
Menschheit verurteilt und gerichtet hat, ist der
Ort, an dem Er uns allen Seinen neuen
Friedensbund anbietet.

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Hadsch – die muslimische Pilgerreise nach Sure 2,127-128). Auch das Opfern eines Tieres
Mekka während der Hadsch geschieht in Andenken an
Abraham, der seinen Sohn verschonte (Sure
Die Hadsch, auch Hadj oder Hajj, ist die 37,107). Mohammed soll die Hadsch nach
fünftägige islamische Pilgerfahrt nach Mekka in erneutem Missbrauch wieder richtig eingesetzt
Saudi-Arabien. Sie ist die fünfte Säule des haben.
Islam und findet durch den Mondkalender
verschoben jährlich zu einer anderen Zeit statt. Ab 400 n.Chr. lässt sich der Kaaba-Bau
Jeder freie volljährige Muslim (Frauen nur in historisch belegen. Die Kaaba wurde mehrfach
Begleitung), der es sich leisten kann, ist in der Geschichte durch Fluten und Angriffe
verpflichtet, mindestens einmal im Leben nach beschädigt. Die ismaelitische Sekte der
Mekka zu pilgern (Sure 3,97). Eine solche Qaramitah (Karmaten) raubte 930 n.Chr. sogar
Person erhält den Ehrentitel „Hadschi“. Die den schwarzen Stein aus Mekka, spaltete ihn in
kleine Wallfahrt, die „Umra“, die zu jeder mehrere Teile und verübte unter den Pilgern ein
Jahreszeit möglich ist, stellt eine verkürzte Massaker.
Version der Hadsch dar, kann sie aber nicht
ersetzen. Oft wird die Umra mit der Hadsch
kombiniert. Von Saudi-Arabien werden für jedes Ablauf der Hadsch
Land Pilgerkontingente zugeordnet, damit die
Teilnehmer (ca. zwei Millionen) zu bewältigen Bei dem sehr komplizierten Ritual kann in der
sind. Muslime erleben auf der Hadsch ein Praxis viel falsch gemacht werden und damit ist
starkes Gemeinschaftsgefühl mit Muslimen aus die Hadsch ungültig und muss wiederholt
allen Völkern und Rassen. werden. So müssen bestimmte arabische
Gebete und Lobpreis an bestimmten Stellen
Geschichte und religiöser Hintergrund der dargebracht und die Geschwindigkeit des
Hadsch Gehens richtig angepasst werden.

Bereits vor der islamischen Zeit war die Hadsch Durch seine Absichtserklärung, eine
ein heidnischer Brauch, bei dem eine große Ganzkörperwäsche, spezielle Kleidung und
Anzahl von Göttern, besonders der Gestirne Haarschnitt tritt der Pilger an einem der
verehrt wurden, unter anderem der Mondgott vorherbestimmten Orte (Miqat) in Mekka in den
Hubal mit dem schwarzen Stein. Dieser Stein Weihezustand (Ihram). Danach darf er z.B.
ist heute weltweit die Gebetsorientierung für alle nicht mehr streiten oder sexuellen Verkehr
Muslime. Ihn zu küssen war für bedeutende haben (Sure 2,197).
Mitkämpfer Mohammeds, z.B. Omar, ein
großes Problem. Sie ließen sich nur durch eine Es folgt beginnend am schwarzen Stein die
Offenbarung Mohammeds überzeugen (s.u.). Er siebenmalige Umrundung (Tawaf) der Kaaba
befindet sich im südlichen Teil der sonst leeren gegen den Uhrzeigersinn. Die ersten drei
„Kaaba“ (arab. für „Würfel“), welche eine Umrundungen sollen im Laufschritt, die letzten
Seitenlänge von ca. 15 Metern aufweist und mit vier gehend zurückgelegt werden. Während
einem goldbestickten schwarzen Tuch jährlich jeder Runde soll der schwarze Stein (Hajr-el-
neu eingehüllt wird. Nach islamischer Aswad) geküsst, berührt oder auf ihn gezeigt
Auffassung soll bereits Adam die Kaaba gebaut werden. Danach beten die Pilger an der Stelle
haben. Während Noahs Flut soll sie zerstört Abrahams (Maqam Ibrahim), die sich neben
worden sein. Anschließend habe Abraham mit dem Kaaba-Würfel befindet.
seinem Sohn Ismael sie nach göttlicher
Offenbarung wieder aufgebaut („Als Abraham Am gleichen Tag schließt sich ein
und Ismael den Grund zu diesem Hause legten, siebenmaliger Lauf (Say) zwischen den Hügeln
da flehten sie: O Herr, nimm es gnädig von uns Safa und Marwa an, nur einige hundert Meter
an. Zeige uns unsere heiligen Gebräuche“, entfernt. Der Lauf bezieht sich nach
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Mohammeds Umdeutung auf Hagar und Ismael der Kaaba befindet, und um Vergebung bitten.
(Sure 2, 158), die auf ihrer verzweifelten Suche Zum Ende der Hadsch wird der Besuch von
nach Wasser siebenmal an dieser Stelle hin Mohammeds Grab in Medina (330 km entfernt)
und her geirrt sein sollen. Daraufhin fanden sie empfohlen.
durch den Engel das Wasser einige Hundert
Meter entfernt in der Quelle Zamzam (biblische Falls die Hadsch abgebrochen wird, muss ein
Parallele 1.Mo 21,17-19), die ein besonderes Tieropfer dargebracht (Sure 2,196) und diese
Segenswasser hervorbringen soll. Mit dem Lauf im darauf folgenden Jahr wiederholt werden.
endet die kleine Wallfahrt, die Umra. Es folgt Für Kranke und Verstorbene können andere
die Eröffnungspredigt für die eigentliche Personen die Hadsch vornehmen.
Hadsch. Noch am gleichen Tag ziehen die
Pilger zum Ort „Mina“ und übernachten dort. Beurteilung aus christlicher Sicht
Am nächsten, dem 8. Tag des Monats (d.M.)
„Dhu al-hijja“ beginnt die eigentliche Hadsch. Die Rituale der Hadsch sind zum Großteil
identisch mit dem Götzendienst der
Am 9. Tag d. M. wandern die Pilger in Gruppen vorislamischen Zeit. Deshalb erwecken sie im
von Mina zum Berg „Arafat“, dem wichtigsten Pilger Aberglauben, wie vielfach zu beobachten
Teil der Pilgerfahrt. Hier, in der Ebene vor dem ist. Bereits die verschiedenen Stämme der
Berg, hören die Pilger eine zweiteilige Predigt, heidnischen Araber vor Mohammed umkreisten
die an die Abschiedspredigt Mohammeds kurz die Kaaba mit dem schwarzen Stein siebenmal
vor seinem Tod erinnern soll. Am Abend geht und küssten ihn. Sie rannten zwischen den zwei
es zurück, Richtung Mekka. Im Ort „Muzdalifa“ Götzen Isaf und Naila auf den Hügeln Safa und
wird übernachtet. Marwa hin und her. Deshalb hatten sich die
ersten Nachfolger Mohammeds anfänglich auch
Am 10. Tag d. M. soll der Pilger sobald wie geweigert, weiterhin zwischen den Hügeln hin
möglich nach Mina kommen. Auf diesem Weg und her zu rennen. Klärend sagt Gottes Wort
soll er 49 bzw. 70 Kieselsteine aufnehmen. dazu: „Das alles hat zwar einen Anschein von
Sobald er in Mina ankommt, wirft er sieben Weisheit, in eigenwilligem Gottesdienst und in
Steine auf eine bestimmte der drei verschieden Demut und im Nichtverschonen des Leibes –
großen Steinsäulen. Das „Steinewerfen“ nicht in einer gewissen Wertschätzung – dient
repräsentiert die Handlung Abrahams, der mit aber zur Befriedigung des Fleisches“ (Kol 2,22-
Steinwürfen den Teufel in die Flucht trieb, als er 23).
ihn versuchte, seinen Sohn Ismael nicht zu
opfern (biblisch Isaak). Anschließend sollen die Muslime sind oft deshalb so begierig darauf, die
Opfertiere in Mina geschlachtet werden. Dies ist Hadsch zu machen, weil sie Sündenvergebung
das höchste Fest im Islam und wird in der verspricht. Laut Hadith soll ein Pilger in Bezug
ganzen Welt begangen. Es folgt die Rückkehr auf die Sünde nach der Hadsch so rein sein wie
nach Mekka, um weitere sieben Runden um die ein „neugeborenes Kind“ (Sahih Bukhari 2.596).
Kaaba und den Lauf zwischen Safa und Marwa Ihm wird das Paradies versprochen. Doch was
zu vollziehen. Noch am 10. d. M. kehren die passiert nach der Hadsch, wenn er wieder
Pilger nach Mina zurück, wo sie zwei oder drei sündigt? Es handelt sich um eine sehr
Tage verbringen und täglich jeweils sieben zweifelhafte Sicherheit, die auf menschlichen
Kieselsteine auf jede der drei Steinsäulen Werken beruht.
werfen.
Muslime opfern viel für die Hadsch. Die Bibel
Am 12. oder 13. Tag d. M. kehren die Pilger sagt uns dazu: „Und wenn ich alle meine Habe
noch ein letztes Mal nach Mekka zurück und den Armen gäbe und ließe meinen Leib
machen eine einzige Pflicht-Runde um die brennen und hätte der Liebe nicht, so wäre
Kaaba. Jetzt sollte der Muslim Wasser vom mir´s nichts nütze“ (1.Kor 13,3). Wie aber sollen
Brunnen Zamzam trinken, der sich direkt neben sie lieben, wenn sie den nicht kennen, der
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seine Liebe durch Jesus Christus und dessen


Kreuzestod zur sicheren Vergebung unserer
Sünden unter Beweis gestellt hat?

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Märtyrer im Islam Kategorien zuzuordnen sind, werden nur mit


einem Totengebet beerdigt. Ihre blutige
Wer die Medienberichte verfolgt, hat sie vor Kleidung behalten sie am Körper, die
Augen: Selbstmordattentäter, die ihr Leben für Totenwaschung wird bei ihnen nicht
ein vermeintlich höheres Ziel opfern und andere durchgeführt. 3. Märtyrer, die am Krieg
Menschen mit in den Tod reißen. Wie schade, teilgenommen oder gegen Terroristen gekämpft
dass sie ihre besten Jahre und ihre ganze haben, aber erst später, nicht an den
Lebenszeit nicht dafür einsetzen, was wirklich unmittelbaren Folgen dieser Kämpfe, sterben.
zum Frieden führt! Was geht in Menschen vor, Auch Muslime, die durch Ertrinken, Verbrennen
die ihrem meist noch jungem Leben auf solch oder Gebären zu Tode kommen und in der
mörderische Weise ein Ende setzen? Sind es Fremde oder beim Erlernen einer Wissenschaft
die Paradiesversprechen, die besonders bei gestorbene Muslime werden dieser Kategorie
jungen Männern die sinnliche Phantasie zugerechnet; sogar Händler, die aufrichtig
anregen? Tragen nicht ihre Führer, teilweise Handel treiben und Menschen, die ihre Familien
ihre eigenen Angehörigen und nicht zuletzt versorgen und dabei umkommen.
menschenverachtende Medien eine erhebliche
Mitverantwortung für dieses Unrecht? Nicht zu Märtyrern zu zählen sind laut einer
Hadith folgende Menschen: Allahs Gesandter
Die Wortbedeutung (Mohammed) sagte: Das Blut eines Muslim (zu
vergießen) ist nicht erlaubt, außer in einem
Wie das arabische Wort schahid bedeutet auch dieser drei (Fälle): der verheiratete Ehebrecher,
das entsprechende griechische Wort martys Leben um Leben (Blutrache), und der seinen
Zeuge, martyrein Zeugnis ablegen, bezeugen. Glauben Verlassende, von seiner Gemeinschaft
Mit Märtyrer werden heute Christen wie Getrennte. Dies berichten Buhari und Muslim.
Andersgläubige bezeichnet, die bereit sind, für
ihre Glaubensüberzeugung Verfolgung, Leiden Und die Selbstmordattentate?
und sogar den Tod auf sich zu nehmen. Der
Christ als Märtyrer lässt sich Leid zufügen ohne Das Institut „Palestinian Media Watch“, das
selbst andern Leid zuzufügen. Als Märtyrer im palästinensische Printmedien, Sendungen im
Islam gilt dagegen, wer im Kampf gegen die Fernsehen und Radio sammelt und analysiert,
Ungläubigen oder das Böse den Tod findet, dokumentiert seit Oktober 2000 eine
dazu zählen für Islamisten auch Verherrlichung des Todes in den öffentlichen
Selbstmordattentäter. Medien – nicht etwa von Seiten radikal-
islamischer Bewegungen – sondern auf
Drei Gruppen von Märtyrern Initiative der Palästinensischen
Autonomiebehörde unter Leitung von Yasser
Das Märtyrertum besitzt nach Die Fontäne Arafat. Darin wird Kindern suggeriert, dass es
online im Islam einen hohen Stellenwert. Als gut sei, den Tod im Kampf gegen den
Märtyrer gelten alle diejenigen, die auf dem „rassistischen Judenstaat“ zu suchen. Meldung
Wege Gottes ihr Leben lassen. Den Büchern am 21.8.2002: Arafat fordert kleine Kinder auf,
des Fiqh (der islamischen Rechtswissenschaft) „Märtyrer“ zu werden.
zufolge gibt es drei Gruppen von Märtyrern: 1.
Muslime, die bei einem Krieg oder bei einem Der Selbstmord wird im Islam verurteilt: Und
Überfall von Wegelagerern zu Tode kommen. 2. begeht nicht Selbstmord! (4:29) In einer
Muslime, die beim Schutz ihres Eigentums, anderen Sure heißt es: Und wer einen
ihres Lebens, ihres Gewissens oder ihrer Ehre Gläubigen vorsätzlich tötet, dessen Lohn ist
ums Leben kommen oder bei dem Versuch Gahannam (die Hölle), worin er ewig bleibt.
sterben, andere Muslime oder unter dem Allah wird ihm zürnen und ihn von Sich weisen
Schutz von Muslimen stehende Nichtmuslime und ihm eine schwere Strafe bereiten (4:93).
zu verteidigen. Märtyrer, die diesen beiden
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Der Anschlag auf das World-Trade-Center traf leben, können sie grundlos beschimpft, gehasst
auch Muslime, die dort arbeiteten oder sich aus und verfolgt werden. Jesus sah dies voraus und
geschäftlichen Gründen aufhielten. Unschuldige lehrte seine Jünger, sich klug, doch ohne
Opfer waren überhaupt nicht auszuschließen. Hinterlist zu verhalten und sich vor Menschen
Auch in den in die Luft gesprengten Bussen nicht zu fürchten, weil sie zwar den Leib, nicht
oder Restaurants in Israel gehören in der Regel aber die Seele töten können (Mt 10,28). Allein
unschuldige Zivilisten und auch Muslime zu den zu fürchten ist Gott, der Leib und Seele ins
Todesopfern. Bomben können nicht zwischen ewige Verderben schicken kann. Nach Offb
Gut und Böse, Unschuldig und Schuldig 20,4 werden christliche Märtyrer wieder
unterscheiden. Wie also können solche Angriffe lebendig und herrschen mit Christus zusammen
nach islamischem Rechtsverständnis akzeptiert tausend Jahre lang. KT
werden? Übrigens befasst sich die Zeitschrift des
Instituts für Islamfragen (IFI) in Nr. 1/2004
Wie sollen wir solche Täter beurteilen? Was wissenschaftlich mit obiger Thematik.
war ihre persönliche Motivation und ihre
Absicht? Und wenn sie sterben, sind sie dann www.orientdienst.de
auch Märtyrer? Ja und nein ist die wohl
treffende Antwort, wenn man islamische
Theologen befragt. (s. die Fatwas /
Rechtsgutachten unter www.islaminstitut.de).

Märtyrer bei den Schiiten

Die Geschichte der Schiiten weist mehrere


Märtyrer auf. Es sind Ali und nach ihm noch
zehn Männer, die in direkter Linie vom
Propheten Mohammed abstammen, die
ermordet wurden. Im schiitischen Volksglauben
spielt der Märtyrertod al-Husains (Sohn des
vierten Kalifen Alis) eine wichtige Rolle.

Christliche Beurteilung

Als Christen unterscheiden wir zwischen


Gesellschaft und Kirche, für Muslime gehören
beide eng zusammen. Wir leben mit einer
freiheitlich-demokratischen Verfassung,
genießen Religions- und Gewissensfreiheit.
Muslime werden als Muslime geboren und
sollen nach eigener Auffassung auch Muslime
bleiben, denn auf Abfall steht eigentlich die
Todesstrafe. Insofern ist der Einzelne in seiner
Gewissensfreiheit durch das islamische System
eingegrenzt.

Wir sollen als Christen nicht das Leiden und


Martyrium suchen. Jesus weist seine Jünger
an, von einer Stadt in die nächste zu fliehen,
wenn sie verfolgt werden. Weil Christen aus
dieser Welt Herausgerufene sind und als solche
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Die Quellen des Koran e) Ramadan: Die Sabäer fasteten jährlich 30


Tage und feierten ein Fastenbrechen am Ende
Die Frage, aus welchen Quellen der Koran dieser Tage, genau wie die Muslime heute.
entspringt, stellt sich den Muslimen nicht. Sie
gehen davon aus, dass die „Mutter des 2. Quelle des Jüdischen Talmud
Buches“, der ewige Koran, im Monat Ramadan a) Nach der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70
auf die unterste Stufe des Himmels herab n.Chr. flohen einige jüdische Stämme auf die
gesandt wurde. Durch Vermittlung des Engels arabische Halbinsel und überlebten. Viele von
Gabriel soll er von dort Wort für Wort an ihnen hörten mehr auf Legenden (z.B.
Mohammed weitergegeben worden sein. Auch Hagadda) und den Talmud als auf das Alte
für ein Gespräch mit Muslimen werden die im Testament. Diese Juden damals und manche
Folgenden aufgeführten Fakten wohl kaum Juden heute glauben, dass Gott den Talmud
dienlich sein. Für uns als Christen können sie den Zehn Geboten beigefügt habe und dass
allerdings hilfreich aufzeigen, woher beide Duplikate der originalen himmlischen
Mohammed vermutlich sein Wissen hatte. Viele Bücher seien. Mohammed konnte diesem
Lehren und Erkenntnisse Mohammeds finden Denken gemäß den Koran hinzufügen.
sich in nachfolgenden sechs Quellen wieder. Verschiedene jüdische Traditionen und
Das legt nahe, dass Mohammed auf diese Gedankengut wurden in den Koran hinein
Quellen zurückgriff. Hier werden aus gewoben.
Platzgründen nur einige wenige Beispiele b) Satans Ablehnung, Adam anzubeten: Sure
angeführt. 2,34; 7,11-18 kann man im alttestamentlichen
Pseudepigraphen aus dem 1. Jh. n.Chr. finden:
1. Quelle der heidnisch-arabischen „Das Leben Adams und Evas“.
Vergangenheit c) Kain und Abel: Zur Sure 5,30-35 findet sich
a) Allah: Der Gottesname „Allah“ war schon vor ein paralleler Text im Targum des Jonathan-
Mohammed bekannt, und war keine ben-Uzziah, Targum von Jerusalem und Pirke
Neuschöpfung. Mohammeds Vater hieß z.B. Rabbi Eleazar, das wörtlich übernommen sein
Abd-ullah (Sklave Allahs). könnte.
b) Ka´ba: Die Ka´ba wurde 60 v.Chr. von d) Abraham: Die Kenntnisse Mohammeds über
Deodorus Sicolus als Ort der Anbetung Abraham stammten aus jüdischen Legenden im
beschrieben. Bereits vor Mohammed war die Midrash Rabbah (Sure 2,260; 6,74-84; 19,42-
Ka´ba als Tempel für viele Gottheiten benutzt 50; 21,52-72; 26,70-82; 29,16-17; 37,83-89;
worden. 43,26-30; 60,4). Die Bibeltexte über Abraham
c) Hajj: Die durch und durch heidnischen hat Mohammed offenbar nicht gekannt.
Wallfahrtspraktiken der Pilgerreise wurden von e) Der Besuch der Königin von Saba Sure
Mohammed eins zu eins übernommen, 27,17ff: Als Quelle liegt das II.Targum des
einschließlich dem Küssen des schwarzen Buches Ester (außerbiblisch) nahe.
Steins, dem Besuch von Safa und Marwa und f) Harut und Marut: Sure 2,102 berichtet von
dem Rennen zwischen den zwei Hügeln, zwei Engeln. Die Namen der Engel finden sich
ebenso das Steinewerfen gegen Steinsäulen, als Götzennamen, die im vorchristlichen
die den Teufel symbolisieren im Wadi Mina und Armenien angebetet wurden. Die Armenier
das Schächten von Tieropfern in Mina. wiederum hatten die Idee vom Hindu-Gott des
d) Namaz-Gebet: Das ausgestorbene Volk der Windes. Als Quelle liegt auch der Talmud nahe
Sabäer, das vorher auf der arabischen (Midrash Yalzut, Kap. 44).
Halbinsel lebte, hatte täglich sieben feste g) Sieben Himmel und Höllen: Sure 15,44;
Gebetszeiten. Mohammed übernahm fünf 17,44 finden wir auch in der jüdischen Tradition,
davon einschließlich deren Namen. Die Sabäer die sie Hagigah und Zuhal nennt.
beteten für die Toten, Muslime heute ebenso.
3. Quelle der Neutestamentlichen
Apokryphen
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a) Die Apokryphen sind eine legendäre Geschichte von Christen, die in einer
Legendensammlung über Jesus, die von den Verfolgungszeit für 200 Jahre einschliefen. 309
ersten Gemeinden und Kirchenvätern abgelehnt Jahre vor Mohammed fanden diese Legenden
wurde, weil sie nicht von den Aposteln bereits Verbreitung.
stammte. In manchen christlichen Sekten
wurden sie wie das Neue Testament 4. Quelle der Bibel
wertgeschätzt. Ihre Mitglieder flohen vor der a) Tisch vom Himmel gesandt: Sure 5,112-
Verfolgung der römischen Kirche auf die 115 nimmt vermutlich völlig verzerrt Bezug auf
arabische Halbinsel. Auf diese Weise erfuhr das Abendmahl der Christen (Mt 26,20-29;
Mohammed vermutlich von einer entstellten 1.Kor 11,27-29) und die damit verbundene
christlichen Lehre. Die Koptin Maria, die eine Warnung.
von Mohammeds Frauen war, kann ihm von b) Kamel durchs Nadelöhr: in Sure 7,40
diesen Dingen erzählt haben oder der Christ finden wir wörtlich ein Zitat aus dem ca. 600
Waraqqa ibn Naufal, der Cousin seiner ersten Jahre älteren Neuen Testament (Lk 18,25).
Frau Chadidscha.
b) Jesus: Sein Name im arabischen Koran 5. Quelle der östlichen Religionen
lautet seltsamer Weise „Isa“. Sure 19,16-31 a) Paradies: Sure 55,56 und 56,35-36
berichtet, dass er unter einem Palmbaum sprechen von weiblichen Wesen namens
geboren wurde. Nachzulesen ist das gleichfalls „Huris“, die große perlenförmige Augen haben.
in der „Geschichte der Geburt“. Als Maria von Dazu finden wir eine Parallele in der
ihrer eigenen Familie beschuldigt wird, Zoroastrischen Religion von Persien. Dort
unverheiratet ein Baby bekommen zu haben, heißen die Jungfrauen nicht Huris, sondern
verteidigt sie ihr neugeborener Säugling Jesus. Paaris. Die gleiche Quelle gilt für die bösen
Dies finden wir in dem „Evangelium der Geister (die Dschinn) und Mohammeds
Kindheit“ - beides Apokryphen. „Himmelfahrt“.
Sure 3,49 und 5,113 erzählen davon, wie Jesus b) Miraj: Die Miraj ist der Bericht der
Lehmtauben machte und ihnen Leben Himmelfahrt Mohammeds auf einem
einhauchte, so dass sie davonfliegen konnten. pferdeähnlichen Geschöpf, das Buraq heißt. Er
Genau das finden wir aber im apokryphen soll in den siebten Himmel aufgefahren sein. In
Thomas-Evangelium. Sure 17 finden wir dazu Texte, aber detaillierter
In Sure 4,156 steht die Aussage, Jesus sei in der Mishkat (die vertrauenswürdigsten
weder gekreuzigt noch getötet worden. Die Hadithensammlung: „Mishkatu`l Masabi“). Wir
Quelle dafür kann eine gnostische Irrlehre sein, könnten diese Geschichte auf ein spekulatives
die von den Basiliden seit dem zweiten Buch namens „Testament Abrahams“
Jahrhundert verbreitet wurde. zurückführen, das aus Ägypten stammt (200
c) Dreieinigkeit: Christen sind erstaunt, in Sure v.Chr.) und ins Griechische und Arabische
5,75,76,116 zu lesen, die Dreieinigkeit bestehe übersetzt wurde.
aus Gott, Maria und Jesus. Die Quelle dazu ist c) Waage: Der Gedanke, dass Gott die
sicherlich die Irrlehre von der Vergöttlichung der Menschen beim Gericht mit einer riesigen
Maria als „Mutter Gottes“. Waage richten wird, auf der gute und böse
d) Jungfrau Maria: Das apokryphe Jakobus- Werke gegeneinander aufgewogen werden, ist
Evangelium liegt als Quelle des Berichts nahe, weit verbreitet. Eine Quelle für diese Lehre
in dem Maria im Tempel gelebt haben soll. Sie dafür kann wieder das „Testament Abrahams“
sei von Engeln mit Nahrung versorgt worden sein oder das „Buch der Toten“, ebenso aus
und Joseph wäre durch wundersame Losstäbe Ägypten, das sich auf das Gericht von Osiris
zu ihrem Mann ausersehen worden: Sure 3,35- bezieht, einer ägyptischen Gottheit, die
36.42-47 dasselbe Waagenkonzept beinhaltet.
e) Grab der Siebenschläfer: Sure 18,9-26 d) Sirat: Die Brücke, die über den tiefen
findet seine Parallele im Buch „Geschichten der Abgrund der Hölle ins Paradies führt, war in
Märtyrer“ von Gregory von Tours. Eine Persien gut bekannt und wurde dort Chinavad
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(die Verbindung) genannt, nachzulesen im


Buch „Dinkart“ der Zoroastrier.

6. Quelle der Hanifen


a) Manche Gottessucher lehnten den
Götzendienst in Mekka bereits ab, bevor und
während Mohammed erstarkte. Sie hießen
Hanifen und glaubten an den „Gott Abrahams“,
schlossen sich aber weder den Juden noch den
Christen an. Vier werden namentlich genannt.
Man vermutet, dass sie aus dem Kontakt mit
den Juden zu dieser Überzeugung kamen.
Hanifische Glaubensaussagen sind mit denen
von Koran und Hadith ähnlich: Einzigheit
Gottes, Paradies, Hölle und der Ausruf: „Allah
ist barmherzig und gnädig“.

Zusammenfassend müssen wir feststellen, dass


Mohammeds Wissen von der Bibel sehr
schwach und oberflächlich war.

(Quelle: LCA, Islam, as it sees itself, as others


see it, as it is; S. 73ff)
Weiterführende Informationen auf Englisch:
http://www.answering-
islam.de/Main/Quran/Sources/index.html

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Islamisierung Koranunterricht. Zugleich „sprechen“ vor


allem die repräsentativen
Immer wieder einmal protestieren Muslime Moscheebauten von der Anwesenheit
gegen christliche „Missionierung“ – und weisen des Islam und sind Orte, wo interessierte
in diesem Zusammenhang oft darauf hin, der Nichtmuslime über den Islam informiert
Islam sei tolerant gegenüber anderen werden können. (Welche Bedeutung
Religionen und „missioniere“ nicht. Im Minikurs dem von muslimischer Seite
„Da’wah – der Ruf zum Islam“ und in anderen zugemessen wird, ist m. E. ablesbar an
Artikeln unseres Heftes Nr. 3 / 97 haben wir der Tatsache, dass christlichen
schon einiges zu diesem Thema geschrieben. Gemeinden in vielen islamischen
Dort haben wir bereits erwähnt, dass in der Art Ländern große Schwierigkeiten gemacht
der Ausbreitung zwischen Islam und werden, in ähnlicher Weise Kirchen zu
christlichem Glauben tatsächlich große bauen.)
Unterschiede bestehen. (Natürlich gibt es auch
Ähnlichkeiten: beide verbreiten ihre Schriften, 2) Zunehmend werden Gerichtsprozesse
laden zu Informationsveranstaltungen ein, geführt, in denen die Rechte von
führen Gespräche mit Interessierten…) Muslimen zum ungehinderten
Praktizieren ihres Glaubens eingefordert
Sicherlich längst nicht alle Muslime, aber doch werden: z. B. Erlaubnis der islamischen
einige führende Personen und islamische Form des Schächten, des lautsprecher-
Organisationen arbeiten intensiv daran, den verstärkten Gebetsrufs, auch im Dienst
Einfluss des Islam zu intensivieren – auch in als staatliche Beamtin das Kopftuch
Gebieten, die nicht traditionell islamisch sind. tragen zu dürfen … - Damit werden vor
Dazu wird, je nach Situation, eine ganze Palette allem Juristen und Politiker, aber auch
von Mitteln angewandt. Vieles davon dient weitere Kreise der Gesellschaft
zunächst einmal hauptsächlich dazu, dass herausgefordert, sich mit dem Islam und
Muslime entsprechend den Vorschriften ihrer seinen Vorschriften zu befassen. Würde
Religion leben können; es hat aber zugleich jeweils zugunsten der Muslime
Auswirkungen auf die übrige Gesellschaft. entschieden, würde damit Schritt für
Schritt den Muslimen als einer
Wenn hier einige Methoden skizziert werden, Sondergruppe innerhalb der
die Muslime einsetzen, um den Islam zum Gesellschaft eine Reihe von
Thema zu machen und eine Gesellschaft Sonderrechten eingeräumt. Nach der
islamisch zu beeinflussen, behaupten wir damit Vorstellung einiger Muslime sollte das
nicht, dass Christen sich nicht ähnlich verhalten letztlich dazu führen, dass der
(können). Wir wollen auch nicht Muslimen das muslimischen Bevölkerung auch in
Recht absprechen, ihre Religion auszubreiten, Europa das Recht zugestanden würde,
oder alle angewandten Methoden von ihre Angelegenheiten (incl. Ehe-,
vornherein als unlauter verdächtigen. Familien– und Erbrecht) nach der
Menschen in Europa sollten einfach informiert „Scharia“ zu regeln.
sein, dass sehr wohl an der Ausbreitung des
Islam gearbeitet wird und wie das geschieht. 3) Kritik am Islam, auch wenn sie sachlich
Neben den unterschiedlichen vorgetragen wird, wird meiner
Informationsveranstaltungen, wozu auch der Beobachtung nach zunehmend als
‚Tag der offenen Moschee’ zu rechnen ist, „intolerant“ oder als „religiöse
werden folgende Mittel eingesetzt: Diskriminierung“ abgewehrt. Statt
inhaltlicher Auseinadersetzung wird
1) Der Bau von Moscheen dient natürlich Kritikern gegenüber oft nur der Vorwurf
dem Gebet und der Unterweisung im erhoben, sie würden „den Islam nicht
Islam durch Freitagspredigt und richtig verstehen“. Bewusst oder
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unbewusst wird auf diese Weise eine eindämmen zu wollen, ist keine Lösung.
Atmosphäre erzeugt, die eine offene Solche Verhaltensweisen stehen nicht
Auseinandersetzung mit dem Islam unter Gottes Segen und zerstören das
erschwert – und damit auch das menschliche Zusammenleben in unserer
Zurückweisen des islamischen Gesellschaft.
Wahrheits- und Herrschaftsanspruchs. b) Der Islam – oder andere religiöse und
ideologische Kräfte – werden umso
4) Dass Muslime sich bemühen, mehr Raum gewinnen, je größer das
einflussreiche Positionen in Wirtschaft, geistliche Vakuum in unserer
Politik, Kultur etc. zu erreichen, ist ihnen Gesellschaft wird. Eine erneute
weder zu verwehren noch als verdächtig Hinwendung zu Jesus Christus und zu
anzusehen. Tatsache ist allerdings: auch Gottes Wort in den Kirchen und
auf diesem Weg gewinnt der Islam an Gemeinden ist nötig, damit wir
Einfluss und Macht. entsprechend unserem Glauben leben
und mit neuer Freude und Vollmacht das
5) Das Internet und Chatforen werden Evangelium bezeugen können.
genutzt, um über den Islam zu
informieren und vor allem junge Politiker und Juristen benötigen viel Weisheit,
Menschen von seiner Wahrheit zu um unterscheiden zu können, welche Rechte
überzeugen und für diese Religion zu Muslimen wie allen anderen Staatsbürgern
gewinnen. zukommen, und wo die Gefahr besteht, dass
eine Parallelgesellschaft aufgebaut wird oder
6) Weitere Mittel zur Ausweitung des Muslime in dominierender Weise Einfluss
islamischen Einflusses sind die ausüben. Dazu ist es nötig, Gottes
Verbreitung des Koran, der Bau von Aufforderung zum Gebet für Regierende viel
Schulen und die Vergabe von treuer zu befolgen und uns selbst für ein gutes
Stipendien. Vor allem in Afrika wird auch mitmenschliches Zusammenleben einzusetzen.
islamische Entwicklungshilfe geleistet,
die oft bewusst darauf zielt, die www.orientdienst.de
islamischen Volksgruppen zu stärken
und Nichtmuslime für den Islam zu
gewinnen.

Viele Muslime setzen sich mit starker


Überzeugung und großem Eifer für ihre
Religion ein. Manche bringen dabei ihre
Erwartung, Europa in nächster Zeit für den
Islam gewinnen zu können, mit starken Worten
zum Ausdruck. Das löst einige Ängste aus,
erscheint mir aber kaum realistisch. Dass
allerdings längerfristig auch in Europa der
Einfluss des Islam zunehmen wird, ist zu
erwarten.

Für Christen erscheinen mir folgende


Gesichtspunkte von grundlegender Bedeutung:

a) Den wachsenden Einfluss des Islam mit


„fleischlichen“ Mitteln wie Diffamierung,
Ungerechtigkeit oder gar Gewalt
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Abriss der Geschichte des Osmanischen osmanischer Herrschaft. Nach dem Sieg über
Reiches und der modernen Türkei die Ungarn 1448 bereitete Mehmed II. (der
Eroberer) die Einnahme Konstantinopels vor.
Die Einwanderung der Türken aus Die Stadt fiel am 29. Mai 1453 nach 54-tägiger
Zentralasien nach Anatolien Belagerung. Die Kirche ‚Zur Heiligen Weisheit’
Die ursprüngliche Heimat der Turkvölker liegt in (Hagia Sophia) wurde in eine Moschee
Zentralasien im Gebiet des Altai Gebirges. umgewandelt. Die alte Bevölkerung aus
Bedingt durch das Vordringen der Mongolen Griechen, Armeniern und Juden wurde zum
wanderten Nomadenstämme aus Zentralasien Bleiben aufgerufen. Als letzter Rest des
nach Westen ab. So kam es Mitte des 11. byzantinischen Staates wurde 1460 das
Jahrhunderts zur Einwanderung der Kaiserreich Trapezunt (Trapzon) am Schwarzen
muslimischen Seldschuken nach Anatolien. Meer unterworfen.
Dort trafen sie auf das Oströmische Reich
Byzanz. Selim gelang 1514 ein Sieg gegen die
Alp-Arslan brachte in der Schlacht von Safawiden in Persien. Schließlich wurde
Mantzikert (1071) dem Byzantinischen Reich 1516/1517 das Mamelukkenreich in Ägypten
eine verheerende Niederlage bei. In der Folge besiegt. Damit wurde das Osmanische Reich
kam es im 12. Jahrhundert zur ungehinderten auch der Hüter der Heiligen Stätten des Islam.
Landnahme weiterer Nomadenstämme in Seit 1517 führten die osmanischen Sultane den
Kleinasien. Konya (Ikonium) wurde zur Titel des Kalifen. Die Ära von Süleyman I.
Hauptstadt des Reiches. Nach dem Sieg der (1520-1566) bildete den Höhepunkt der Macht
Mongolen 1243 über die Seldschuken zerfiel des Osmanischen Reiches. Die Osmanen
das Reich in einzelne Fürstentümer. verdankten ihren Erfolg vor allem ihrer Armee
(stehendes Heer) und ihrer gut strukturierten
Das Osmanische Reich (1299-1923) Verwaltung. Bauern, Händler und Handwerker
Um 1299 gründete ein türkischer Stamm unter hatten eine vergleichsweise geringe Steuerlast
seinem Anführer Osman ein kleines Fürstentum zu tragen.
und machte 1326 Bursa (Brussa) zur
Hauptstadt. Nach und nach dehnten er seinen Die zweite erfolglose Belagerung Wiens 1683
Einfluss und seine Macht aus. Die zweitgrößte wurde zum Wendepunkt der Ausbreitung des
Stadt des Byzantinischen Reiches, Edirne Osmanischen Reiches in Europa. Das
(Adrianopel), fiel 1362 an die Osmanen. polnische Heer unter Jan Sobieski besiegte am
Mazedonien wurde 1371 erobert. 12. September 1683 das Osmanische Heer und
Die Elitetruppe der Janitscharen wurde 1330 zwang so die Türken zum Rückzug. Im Inneren
gegründet. Ab 1438 wurde sie systematisch traten Zeichen des Verfalls zu Tage.
durch die so genannte Knabenlese auf dem Verschwendung und Bestechung
Balkan rekrutiert. Je nach Bedarf wurden von kennzeichneten das Leben am Hofe. Durch die
den christlichen Völkern bis zu jedem 5. Jungen Entdeckung des Seeweges nach Indien verlor
im Alter von 7 – 14 Jahren ausgewählt. Diese auch der Handel an Bedeutung. Im russischen
Jungen waren dem Zölibat unterworfen, dem Krieg 1768-1774 wird die osmanische Flotte
Sultan zu absolutem Gehorsam verpflichtet und durch Russland vernichtet. Die Krim wird
wurden unter strenger Disziplin zu unabhängig und später von Russland
muslimischen Soldaten ausgebildet. annektiert. Russischen Schiffen wird die freie
Durchfahrt vom Schwarzen Meer ins Mittelmeer
In der Schlacht auf dem Amselfeld (Kosovo) garantiert. Durch weitere Kriege versuchte das
1389 besiegte Murad I. die verbündeten Osmanische Reich, Aufstände auf dem Balkan
christlichen Fürsten aus Serbien, Bosnien, zu unterdrücken und seine Gebiete zu wahren,
Bulgarien und Albanien. Damit fand das was jedoch immer weniger gelang. Nach dem
Großserbische Reich sein Ende und große Frieden von San Stefano vom 3. März 1878
Teile des Balkans blieben 500 Jahre unter verlor das Osmanische Reich alle Gebiete auf
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dem Balkan. Auf dem Berliner Kongress wurde Sowjetregierung über die Festlegung der
der Balkan neu aufgeteilt. Wieder forderte Grenze in Ostanatolien. Im selben Jahr wurden
Russland das Protektorat über alle Orthodoxen die französischen und italienischen Truppen
Christen im Osmanischen Reich, was jedoch aus der Südtürkei vertrieben. Die griechischen
abgelehnt wurde. Russland sah sich als der Invasionstruppen hatten 1919 von Izmir
Schutzpatron aller orthodoxen Völker. Teile der ausgehend weite Teile der Westtürkei
armenischen Bevölkerung des Osmanischen einschließlich Bursa besetzt. Ziel war es, die
Reiches setzten ihre Hoffnung auf Russland bei Idee eines Großgriechenlands zu verwirklichen.
der Gründung eines armenischen Staates. Im Laufe des Jahres 1922 gelang es den
türkischen Truppen, die griechische Armee in
Während des 1. Weltkrieges kam es zu einer mehreren Schlachten zu besiegen und Izmir
engen Zusammenarbeit zwischen Deutschland zurückzuerobern. 213.000 Griechen flohen aus
und dem Osmanischen Reich. Nach dem der Stadt, die in Flammen aufging.
Scheitern der türkischen Offensive gegen
Russland gab man den Armeniern die Schuld, Mustafa Kemal erklärte am 1. November 1922
die das christliche Russland unterstützt hätten. den Sultan Mehmet VI. für abgesetzt und rief
So kam es zu einem Genozid, in dessen die Republik aus. Am 24. Juli 1923 wurde der
Verlauf zwischen 600.000 und 1,5 Million Friedensvertrag von Lausanne unterzeichnet
Armenier und andere christliche Minderheiten und die heutigen Grenzen der Türkei
den Tod fanden. Der Großwesir Damad Ferid völkerrechtlich anerkannt. Ausnahmen bildeten
Pascha gestand am 11. Juni 1919 die das Sandjak Mosul und Antakya, die später
Verbrechen öffentlich ein. Spätere türkische geregelt werden sollten. Die Alliierten
Regierungen betrieben dagegen eine Leugnung beendeten am 2. Oktober 1923 die Besetzung
des Völkermordes und stellten ihn als Folge von Istanbuls. Man siedelte die griechische
Kriegshandlungen dar. Nach dem 1. Weltkrieg Bevölkerung der Westtürkei nach Griechenland
sahen die Siegermächte im Vertrag von Sèvres um. Millionen Türken vom Balkan wurden im
eine Aufteilung des Osmanischen Reiches und Gegenzug in die Türkei umgesiedelt. Ankara
die Gründung eines armenischen und eines erklärte man zur neuen Hauptstadt der Türkei.
kurdischen Staates vor. Am 29. Oktober wurde Mustafa Kemal zum
ersten Präsidenten der Türkei gewählt. Er
Die Türkische Republik setzte in einem rasanten Tempo Reformen
Nach der Niederlage des Osmanischen durch, die aus der islamisch geprägten Türkei
Reiches und der Aufteilung durch die einen modernen Staat westlicher Prägung
Siegermächte im Vertrag von Sèvres nahmen machen sollten. Ein wesentliches Prinzip
unter der Führung von England die bildete dabei der Laizismus, die Trennung von
Siegermächte massiven Einfluss auf die Politik und Religion. Diese Politik des
politische und wirtschaftliche Lage der Türkei. „Kemalismus“ wurde zur tragenden
Gegen diese Entwicklung formierte sich Staatsideologie. 1934 wurde Mustafa Kemal auf
politischer und militärischer Widerstand, an Parlamentsbeschluss hin der Beinamen
dessen Spitze sich der General Mustafa Kemal „Atatürk“, Vater der Türken, verliehen.
(1881-1938) setzte. Er organisierte den
Befreiungskampf von der Zentraltürkei aus und Die Türkei auf dem Weg nach Europa
wandelte ihn in einen Unabhängigkeitskrieg um. Seit ihrer Gründung sucht die Türkei zielstrebig
Lokale Mullahs riefen zum Dschihad gegen die die Anbindung an Europa. Bereits 1949 wurde
Besatzer auf. Mustafa Kemal rief in Ankara am sie Mitglied des Europarates und 1952
23. April 1920 eine Nationalversammlung Vollmitglied in der NATO. Ein
zusammen und bildete eine Nationalregierung. Assoziierungsabkommen der EWG mit der
Die russischen Truppen wurden besiegt und Türkei wurde 1963 geschlossen. Ein
zurückgedrängt. Am 3. Dezember 1920 schloss Zusatzprotokoll sah eine spätere
Mustafa Kemal einen Vertrag mit der Vollmitgliedschaft in der EG vor. Am 1.1.1996
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wurde die Zollunion mit der EU verwirklicht.


Nach langen Verhandlungen wurde der Türkei
1999 der Kandidatenstatus für die Aufnahme in
die EU zugestanden. Der Beschluss zur
Aufnahme von Beitrittsverhandlungen wurde
2004 gefasst.

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Arabisch – die Sprache des Islam Muslime, deren Muttersprache Arabisch ist oder
die Arabisch gelernt haben, sprechen in der
Nach islamischem Verständnis hat der eine Regel mit großer Faszination von der Schönheit
wahre Gott, Allah, sein Wort dem Propheten dieser Sprache und besonders von der
Mohammed in arabischer Sprache offenbart. unnachahmlichen Erhabenheit des Korans.
Möglicherweise war Mohammed zunächst der
Meinung, er habe lediglich seinen Landsleuten Wer sich intensiver mit dem Islam befassen will
ein heiliges Buch in klarer arabischer Sprache (ob als Muslim oder Religionswissenschaftler),
zu bringen (vgl. dazu Sure 42,7) – so wie Juden muss Arabisch lernen. Die wichtigsten
und Christen schon heilige Bücher in ihren Quellentexte, Koran und Hadithen, sind in
Sprachen besaßen (vgl. Sure 46,12). Später Arabisch geschrieben. Die meisten
äußerte er aber die Überzeugung, ein Korankommentare wurden in Arabisch verfasst.
Gesandter für die gesamte Menschheit zu sein Arabisch ist auch die Sprache des islamischen
(Sure 34,28). Nach muslimischer Vorstellung ist Rechts.
der Koran die wörtliche Wiedergabe einer im
Himmel aufbewahrten Urschrift (Umm al-Kitab: Arabisch = islamisch?
„Mutter des Buches“). Schon diese Urschrift ist
in arabische Sprache verfasst und mit Die Tatsache, dass die arabische Sprache und
arabischen Buchstaben geschrieben. der Islam eng miteinander verbunden sind, führt
oft zu einer verzerrten Wahrnehmung: Die
Arabisch – die Sprache Gottes Begriffe „Araber“ und „Muslime“ werden
gelegentlich so gebraucht, als ob sie
Angesichts der zentralen Bedeutung des austauschbar seien. Es ist aber wichtig,
Korans für die Muslime wird verständlich, dass festzuhalten, a) längst nicht alle Araber sind
auch der arabischen Sprache im Islam eine Muslime, sondern in den arabischen Staaten
große Bedeutung zukommt. Arabisch kann als auch viele Christen leben – und b) der größte
die Sprache Gottes bezeichnet werden. Das Teil der Muslime sind nicht Araber.
rituelle Gebet ist in Arabisch zu sprechen.
(Persönliche Bittgebete können aber auch in In diesem Zusammenhang sei noch einmal
der Muttersprache an Gott gerichtet werden.) daran erinnert, die arabische Bezeichnung für
Koranrezitationen werden in Arabisch „Gott“, Allah, wird auch in der arabischen
vorgetragen. Auch das persönliche Lesen von Bibelübersetzung gebraucht und somit
Korantexten geschieht in Arabisch. keineswegs eindeutig festgelegt ist als der
Übersetzungen gelten nicht als der Koran, islamische Gottesname. Arabische Christen
sondern geben nur seine ungefähre Bedeutung sprechen den Vater unseres Herrn Jesus
wieder. Deshalb lernen Kinder in der Christus ebenfalls mit „Allah“ an.
Koranschule, den Koran in Arabisch zu lesen
(evtl. mit Hilfe einer Umschrift als Notlösung) Arabisch und die islamische Gemeinschaft
und auswendig aufzusagen.
Der Gebrauch der arabischen Sprache beim
Muslime, die nicht Arabisch als Muttersprache Vollzug der religiösen Riten (Bekenntnis, Gebet,
haben, verstehen oft nicht viel von dem, was sie Pilgerfahrt) ist eines der Mittel, die Einheit der
lesen, und wissen nur ungefähr, was sie beten. islamischen Gemeinschaft (Umma) zu
Diese Tatsachen können bewirken, dass die dokumentieren. Grundsätzlich könnte z.B. jeder
rituelle Glaubenspraxis als sehr stark vom Muslim an jedem Ort, so weit er auch von
Alltag abgehoben empfunden wird, je nach seiner Heimat entfernt sei, ohne
persönlicher Prägung teils als besonders Schwierigkeiten am Gebet in der Moschee
„feierlich“, teils als leer und ohne innere teilnehmen.
Beteiligung.
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Auf der religiösen Ebene (sehr deutlich auch


bei der Pilgerfahrt) wird – unter anderem durch Dem gegenüber ist es höchst interessant
das Mittel der Sprache – etwas sichtbar vom festzustellen, eine der ersten Auswirkungen des
Anspruch der islamischen Gemeinschaft, keine an Pfingsten ausgegossenen Heiligen Geistes
Unterschiede nach Rasse oder Nationalität zu bestand darin, Menschen aus unterschiedlichen
kennen. Dies wird jedoch dadurch erreicht, Gegenden hörten, wie die Apostel in ihren
dass eine Sprache für alle verbindlich zur Sprachen von den großen Taten Gottes redeten
heiligen Sprache erklärt wird. (In anderen (Apg 2,11). Gott will offensichtlich nicht nur in
Bereichen gibt es allerdings sehr wohl einer Sprache zu den Menschen reden,
nationale Vorurteile.) sondern sich ihnen in ihrer Sprache, Kultur und
Zeit zuwenden. (Deshalb hat sich auch Paulus
Die arabische Sprache hat die Kultur der bemüht, allen alles zu werden. – 1. Kor 9,19-22)
verschiedenen islamischen
Bevölkerungsgruppen sehr stark beeinflusst: Es ist ein Weg, Einheit herzustellen durch
Viele arabische Worte, vor allem religiöse einheitliche Sprache, einheitliche Riten und ein
Begriffe und Formeln haben in die jeweiligen einheitliches Gesetz. Auch in der
Sprachen Eingang gefunden. Einige islamische Kirchengeschichte fehlt es nicht an solchen
Völker haben sogar die arabische Schrift Versuchen. Das Neue Testament spricht
übernommen, um ihre Sprache aufzuzeichnen demgegenüber von einer „Einheit des Geistes“
(z. B. Persisch, Urdu und bis 1923 Osmanisch- (Eph 4,3), die in Gott selber und in Seiner
Türkisch). – Die Reinigung der türkischen Erlösungstat ihre Grundlage hat und in die
Sprache von arabischen Lehnworten und die Menschen mit hinein genommen werden durch
Übernahme der lateinischen Schrift unter den Glauben an Jesus Christus. Durch die
Atatürk stellen auch einen Versuch dar, sich Wiedergeburt werden Menschen mit dem
von der kulturellen Vorherrschaft des Heiligen Geist beschenkt und eingefügt in den
Arabischen zu lösen (s.S. 16). „Leib Christi“. So sind sie trotz aller
Unterschiede in Herkunft, Sprache und
Über die Sprache und die Verkündigung des kultureller Prägung lebendige Zellen eines
Islam sind auch verschiedene andere Elemente einheitlichen geistlichen Organismus.
der arabischen Kultur, wie sie zu Mohammeds www.orientdienst.de
Zeit auf der arabischen Halbinsel bestand, in
andere Völker eingedrungen.

Einheit

Im Islam wird der eine Gott bezeugt, der in dem


einen, unübersetzbaren Buch, das nur in der
einen Sprache weitergegeben werden darf, sein
Wort offenbart hat. Der Schwerpunkt in dieser
Offenbarung liegt mehr auf der unverfälschten
Bewahrung und Weitergabe des göttlichen
Textes als auf seiner Verständlichkeit. Auch
wenn viele Muslime, sogar Arabisch
sprechende, große Schwierigkeiten haben, den
Koran zu verstehen, gelten Übersetzungen, die
ihn verständlich machen könnten, als relativ
wertlos. In Gesprächen rückten einige Muslime
die Tatsache, dass es viele verschiedene
Bibelübersetzungen gibt, schon in die Nähe der
Bibel-Verfälschung.
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Ehre und Schande


Das Konzept von „Ehre“ und „Schande“ ist im Die „andere“ Ehre (arab. „’ird“) betrifft das
Bereich der nahöstlichen Tradition und des Verhältnis der Geschlechter zueinander und
Volksislam anzusiedeln und weniger mit dem kann sich im Leben des einzelnen – vor allem
Koran zu begründen. Der Koran nennt zwar den einer Frau – viel dramatischer auswirken. Die
Begriff der „Ehre“ an einigen wenigen Stellen Bedeutung dieser Art von Ehre kann kaum
(3,26-27; 49,13; 70,23-35), aber es geht in überschätzt werden. Ehre zu besitzen, ist für
diesem Zusammenhang um die Ehre, die Allah jede Frau und jede Familie lebensnotwendig, ja
dem rechten Gläubigen gibt, vor allem dadurch, im Konfliktfall steht ihr Wert höher als das
dass er ihm nach seinem Tod Zugang zum Leben eines Menschen. Ein Mädchen kann nur
Paradies gewährt. Weder der Koran noch die verheiratet werden, wenn es seinen guten Ruf
islamische Überlieferung sprechen in dem Sinn (seine Ehre) bewahrt hat; wird es als ehrlos
von Ehre, wie er vor allem im ländlichen betrachtet, wird es keine Ehe schließen können.
Bereich, dem von Stammesdenken und Auch ein Vater, der seine Tochter sehr liebt,
Stammesstrukturen geprägten islamischen wird sich unter gewissen Umständen dazu
Umfeld gelebt wird. entschließen, ihr Leben zu opfern, um die
Die Auffassung davon, was „Ehre“ (im Familienehre wiederherzustellen, da er ohne
Türkischen oft „namus“ oder „onur“) und was Ehre - und so wird er andernfalls in den Augen
„Schande“ ist, wird also vor allem durch die seiner Umwelt betrachtet werden – nicht leben
Tradition bestimmt, sowie durch die Werte, die kann. Ist die Ehre der Familie gefährdet oder
innerhalb der Stämme und Familienclans gelebt verloren, scheint es für die Familie unmöglich
werden. Seit seiner Entstehungszeit ist der zu sein, einen Ausweg zu finden, also die Ehre
Islam mit Stammesstrukturen verbunden, denn zurückzuerhalten und gleichzeitig das Leben
die Arabische Halbinsel war zu Lebzeiten der betroffenen Frau zu erhalten. Sie könnte
Muhammads von arabischen Stämmen sich ihrem sicheren Tod allenfalls durch Flucht
besiedelt. Besonders im ländlichen Bereich, wo entziehen, denn die Ehre muss unter allen
die Familienbande durch Heiraten und Umständen wiederhergestellt werden.
gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeiten
stark und die Großfamilien vielfach intakt Die Frau als Trägerin der Ehre
bleiben, sind die Auffassungen von Ehre und Die Frauen der Familie gelten als Trägerinnen
Schande noch heute sehr lebendig. In der Stadt der Ehre. Sie können die Ehre der Familie nur
lösen sich diese Strukturen stärker auf, Frauen bewahren oder verlieren, aber sie können sie
gehen zur Arbeit, anstatt wie im traditionellen selbst nicht wiedergewinnen. Bleiben sie mit
Bereich zu Hause zu bleiben, und die ihrem – von der Familie und Gesellschaft sehr
gegenseitige Kontrolle und die Verteidigung der klar definierten und kontrollierten – Verhalten
Ehre verliert an Bedeutung. innerhalb der vorgeschriebenen Bahnen, indem
sie jeden Blick- und Sprechkontakt zu Männern
Zwei Ehrauffassungen und ihre Bedeutung außerhalb der Familie vermeiden, machen sie
Eigentlich gibt es zwei Auffassungen von Ehre. der Familie Ehre. Überschreiten sie diese
Die Ehre, die ein Mann besitzt, der gastfrei, Grenze und werden dabei beobachtet –
höflich und respektvoll gegen jedermann ist, öffentlich gewordenes Verhalten ist die
den Armen hilft und sein Wort hält (arab. Voraussetzung für Ehrverlust – haben sie die
„sharaf“, türk. „sheref“). Ein jähzorniges, der Ehre der ganzen Familie gefährdet oder
Gemeinschaft gegenüber verschlossenes beschmutzt und Schande auf die ganze Familie
Familienoberhaupt wird dagegen nicht mit Ehre geladen. Hier spielt das Stammesdenken eine
in Verbindung gebracht werden. Er hat u. U. in große Rolle, das die Frau als eine Art „Besitz“
seinem Umfeld mancherlei Nachteile in Kauf zu betrachtet, über den ihr Herr Verfügungs- und
nehmen und kann seinerseits an die Befehlsgewalt besitzt. Überschreitet die Frau
Gemeinschaft kaum Forderungen stellen oder also ihre Grenzen und bringt Schande über die
Hilfeleistungen erwarten. Familie, heißt das umgekehrt, dass die Männer
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der Familie nicht genug Stärke besaßen, diese also einen Mord aus „Gründen der Ehre“ zu
Frau zu kontrollieren. Die Ehrverletzung begehen. Wurde die Ehre der Familie nämlich
bedeutet also auch Auflehnung gegen die gänzlich zerstört – indem sich die Tochter z. B.
Gehorsamshierarchie zwischen Mann und Frau, mit ihrem Freund getroffen hat oder sogar
gegen die nach den Stammesgesetzen schwanger ist – scheint Blutvergießen der
unbedingt wirksam vorgegangen werden muss. einzige Ausweg. Meist wird für die Tat der
Die Männer müssen jetzt aktiv werden, wollen jüngste Sohn der Familie bestimmt, weil im Fall
sie sich nicht der Verachtung und dem Gespött einer polizeilichen Untersuchung ein
der Gemeinschaft aussetzen. Minderjähriger die geringste Strafe zu erwarten
Die Männer können die Ehre der Familie durch hat.
ihr Verhalten nicht verlieren, sie können Ehre In der Türkei sind Ehrenmorde im ländlichen
nur wiedergewinnen. Sie werden in ihrem Bereich wohl in der Vergangenheit kaum je
Bewegungsspielraum daher weitaus weniger strafrechtlich verfolgt worden; im städtischen
kontrolliert, und nur wenn sie für die Bereich liegen die Dinge teilweise anders. Auch
Gemeinschaft sichtbar „über die Stränge in Deutschland kommt es unter türkischen
schlagen“, wird ihr Verhalten missbilligt werden. Migranten zu Ehrenmorden. Rund 40 Fälle sind
Begehen sie einen Fehltritt, hofft man, sie z. B. in den letzten Jahren bekannt geworden, es
durch eine Eheschließung in gute Bahnen mag aber auch noch eine Dunkelziffer geben,
lenken zu können. Eine Bestrafung werden sie wenn Mädchen in die Türkei gebracht wurden.
aber nicht erhalten, da sie die Ehre der Familie
nicht beschädigt und ihr keinen Schaden Fazit
zugefügt haben. Dadurch entsteht der Eindruck, In diesem unbarmherzigen Konzept von Ehre
Männer und Frauen unterlägen in moralischer und Schande, aus dem es für den einzelnen
Hinsicht verschiedenen Maßstäben, was fast unmöglich ist auszubrechen, sind Männer
hinsichtlich der koranischen Beurteilung von und Frauen gleichermaßen Gefangene.
Ehebruch und Unzucht allerdings nicht der Fall www.orientdienst.de
ist.

Die Wiederherstellung der Ehre


Ist bekannt geworden, dass eine Frau die Ehre
der Familie verletzt hat, sind die Männer dieser
Familie dazu aufgerufen, diese zu verteidigen
oder wiederherzustellen. Ging es um ein eher
geringes Vergehen – z. B. ein Gespräch eines
Schulmädchens mit einem Jungen im
öffentlichen Raum – wird die Tochter vielleicht
eingesperrt oder geschlagen oder von der
Schule genommen, um der Umwelt zu
demonstrieren, dass Vater und Brüder die
nötige Stärke besitzen, das Mädchen unter
Kontrolle zu bringen. Die Frauen müssen der
Gesellschaft gegenüber ihre Ehre beweisen,
die Männer Stärke und
Durchsetzungsvermögen.

Im schlimmeren Fall wird das Mädchen


vielleicht zu Verwandten fortgeschickt oder über
Nacht verheiratet, um das Gerede zur Ruhe zu
bringen. Im schlimmsten Fall wird der
Familienrat beschließen, das Mädchen zu töten,
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Was sagt der Koran zu der Beziehung  Sure 2, 62 (Die Kuh, geoffenbart zu
zwischen Muslimen und Christen? Medina): Christen und Juden haben für
ihren Glauben und ihre Taten ihren Lohn
Bei einem kritischen Lesen des Korans wird bei Gott.
man feststellen, dass dieser stellenweise  Sure 2, 109: Menschen vom „Volk der
widersprüchlich ist. Ein Beispiel sind die Schrift" werden versuchen, Muslime vom
Aussagen über die Christen. Einerseits gibt es rechten Glauben abzubringen. Darum
Koranverse, die sich positiv und lobend über sollen Muslime sie zwar meiden, ihnen
Christen äußern. Muslime respektieren Christen aber trotzdem vergeben.
wegen ihrer Gottesfurcht. Andererseits gibt es  Sure 2,256: Es gibt keinen Zwang in der
aber auch solche Textstellen, die sich negativ Religion.
über Christen oder Menschen anderer  Sure 5, 82 (Der Tisch, Medina): Muslime
Glaubensüberzeugung äußern. Allgemein kann sollen Christen wegen ihres Glaubens
gesagt werden, dass Muslime Christen eher ak- und ihrer Demut schätzen.
zeptieren und tolerieren als Polytheisten. Denn  Sure 5, 105: Muslime sollen sich um
sowohl Christen als auch Juden werden Andersgläubige nicht kümmern.
aufgrund „ihrer heiligen Bücher" als „Völker des
Buches" bezeichnet. Raum zu einer eher aggressiven Auslegung
geben folgende Koranverse:
Warum aber gibt es Widersprüche im Koran  Sure 4,47 (Die Weiber, Medina): Zwang
und wie lassen sich diese erklären? Sicherlich und Gewaltausübung in der Religion
gibt es dafür verschiedene Erklärungen. Ich sind eindeutig erlaubt. Es wird sogar
möchte mich auf zwei, meiner Meinung nach dazu aufgerufen.
wesentliche beschränken: 1) Muslime glauben,
 Sure 4,89 Muslime sollen soziale
dass es sich bei den 114 Koransuren um die
Interaktionen mit Ungläubigen
Wiedergabe von Offenbarungen handelt, die
vermeiden und keine Freundschaft mit
Muhammad im Laufe von 21 Jahren entweder
ihnen pflegen.
in Mekka oder Medina erhielt. Während der
 Sure 8, 39 (Die Beute, Medina): Kampf
mekkanischen Periode lud Muhammad die
gegen all jene, die den Islam ablehnen,
Menschen durch Predigten zum Islam ein. In
bis sie bereit sind, Allah anzubeten.
der medinensischen Periode scheute er auch
nicht davor zurück, seine Überzeugungen mit  Sure 8,55-60: Ungläubige sind keine
dem Schwert zu verbreiten. 2) Zum anderen menschlichen Wesen. Gewalt ihnen
gibt es bei der Interpretation des Koran das gegenüber ist ein legitimes Mittel.
Prinzip des Naskh bzw. Mansukh  Sure 9,5 (Die Reue, Medina): Der sog.
(Wortbedeutung „aufhebend“). Dieses Prinzip „Schwertvers", der sich wohl in erster
kommt dann zur Anwendung, wenn es bei Linie gegen Polytheisten richtete. Er
einem Sachverhalt zwei Koranverse mit spricht ganz klar davon, dass ihnen
unterschiedlichen Aussagen gibt. Die Aufgabe gegenüber Gewalt ausgeübt werden
von islamischen Gelehrten ist es, zu darf.
entscheiden, welcher Vers nasikh (nicht mehr  Sure 9,123: Aufruf zum Kampf gegen die
für heute relevant) ist. In der Regel lösen die Ungläubigen.
neuen Offenbarungen die älteren ab.
Diese kurze Darstellung der Verse lässt den
Im Folgenden werden einige Koranaussagen, Schluss zu, dass die Beziehung der Muslime zu
die sich mit der Beziehung der Muslime zu Nicht-Muslimen einen gewissen
Christen beschäftigen, kurz genannt und Überlegenheitsanspruch in sich birgt. Historisch
untersucht. Zunächst eine Auswahl an Versen, betrachtet ist es die Beziehung von Eroberern
die sich eher positiv oder liberal äußern: zu Eroberten. Diese Aussage lässt sich am
besten durch Sure 9,29 belegen: „Kämpfet
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wider jene von denen, welchen die Schrift Bis in die heutige Zeit beeinflussen solche und
gegeben ward, die nicht glauben an Allah und andere Relikte aus der Vergangenheit das
an den Jüngsten Tag und nicht verwehren, was Zusammenleben von Muslimen und Christen in
Allah und Sein Gesandter verwehrt haben, und islamischen Staaten. Leider kommt es nach wie
nicht bekennen das Bekenntnis der Wahrheit, vor zu mehr oder weniger starken
bis sie den Tribut aus der Hand gedemütigt Diskriminierungen von Christen in islamischen
entrichten." Staaten. Besonders schwierig ist die Lage von
Die in diesem Vers erwähnten Tributzahlungen Konvertiten aus einem islamischen Hintergrund.
sind die Folge der Eroberungen bereits Es ist aber auch wichtig darauf hinzuweisen,
christlicher Gebiete im Laufe der islamischen dass es viele Beispiele für ein friedliches und
Invasion des 7. und 8. Jh. harmonisches Zusammenleben von Muslimen
und Christen gibt, und es gilt, auf beiden Seiten
Im 7. und 8. Jh. wurden bereits christianisierte Vorurteile und Misstrauen abzubauen.
orientalische Provinzen von islamischen Heeren www.orientdienst.de
überrollt. Die christliche Bevölkerung geriet
unter islamische Fremdherrschaft. In deren
Folge kam es zu Übertritten zum Islam oder zu
einer indirekten „Zwangsislamisierung“, da die
Menschen dem wachsenden gesellschaftlichen
Druck nicht mehr standhalten konnten. Es kam
zu freiwilligen oder zu erzwungenen
Auswanderungen. In Folge dessen wurde die
christliche Bevölkerung stark dezimiert und zu
einer religiös-kulturellen Minderheit.

Christen sowie Anhänger anderer Religionen


(Juden, Zoroastrier u.a.) wurden gezwungen,
sog. „Kapitulationsverträge" zu unterzeichnen.
Die daraus resultierenden „Schutzverträge"
hießen „dhimma". Die Unterzeichner wurden zu
„al dhimmi" d.h. zu „Schutzbefohlenen". Dieser
sogenannte Schutz musste durch die in Sure
9,29 erwähnten Tributzahlungen (djizya) erkauft
werden. Die „Schutzbefohlenen" waren alle
Nichtmuslime, die einer islamischen Herrschaft
und den Inhalten der Schutzverträge
zustimmten. Das jeweilige Ausmaß ihrer
Freiheit bestimmte ihre Akzeptanz und
Kooperation mit der islamischen Vorherrschaft.
Dies bedeutet im praktischen Lebensvollzug,
dass sie im Wesentlichen als tolerierte
Minderheit leben, ohne das Recht zu haben,
den eigenen Glauben zu verkünden oder zu
missionieren. Oftmals lebten Christen als
Minderheit am Rande der Gesellschaft. Sie
waren gezwungen, sich einer zeitweise
lächerlichen Kleiderordnung zu unterwerfen. Es
gab keine Religions-, Meinungs- oder
Gewissensfreiheit.
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Mann im Islam Lebensunterhalt der Familie erwartet. Die


Nach dem Koran hat Gott Mann und Frau Autorität des ältesten Sohnes, obwohl noch ein
„gleichwertig“ geschaffen (Sure 53,45; 4,1). Kind, ist in der Familie festgeschrieben. Er
Beide sind, obwohl von Natur aus schwach, übernimmt die Leitung der Familie in
ungeduldig und unbeständig (Sure 4,28; 30,36; Abwesenheit des Vaters. Männer dürfen sich
21,37; 16,4; 12,53), aufgerufen Gutes zu tun nicht wie Frauen kleiden, z.B. kein Gold oder
und erhalten dafür eine Belohnung hier und im Seide tragen. Alkohol ist ihnen verboten (Sure
zukünftigen Leben unabhängig von ihrem 5,90-91).
Geschlecht (Sure 16,97; 40,40). Im Paradies Männlichkeit und Stärke sind von großer
werden gläubigen männlichen Muslimen im Bedeutung und werden im Ernstfall auch unter
Gegensatz zu muslimischen Frauen weltliche Zuhilfenahme von Machtmitteln unter Beweis
Freuden wie die Erfüllung sexueller Begierden gestellt. Es herrscht ein gewisser Zwang, diese
verheißen (Sure 78,33; 55,56 im Gegensatz zu Stärke zu demonstrieren und bei
Mt 22,30). Laut Hadith hängt es von der Normüberschreitungen, Druck oder sogar
Einwilligung der Ehemänner ab, ob ihre Gewalt anzuwenden. Die Familienehre kann
Ehefrauen ins Paradies eingehen dürfen. z.B. wieder herstellt werden, indem das
verdächtigte Mädchen oder die Frau
Jungen wie Mädchen werden nach islamischer eingesperrt, geschlagen oder sogar getötet
Auffassung bereits als Muslime geboren wird. Wer als Mann diese drastischen
(Hadith: Sahih Bukhari, Band 2, Buch 23, Handlungen verweigert, verliert sein Gesicht, er
Nummer 441). Jungen sind als Träger des gilt als schwach und wird verachtet.
Familiennamens erwünschter als Mädchen und Muslimische Männer, die durch finanziellen
werten den Stand ihrer Mutter auf. Die oder persönlichen Einsatz um Gottes Willen
Beschneidung wird meist im Alter zwischen 7 Krieg führen, sind Muslimen überlegen, die das
und 10 Jahren durchgeführt und ist für Männer nicht tun. Erstere werden mit einem gewaltigen
Pflicht. Sie bestimmt in vielen Ländern den Lohn ausgezeichnet (Sure 4,95).
Eintritt ins Mannesalter (z.B. Hadith Sahih Al-
Bukhari, Nr. 7.777). Mohammed soll bereits als Religiöse Pflichten kann der Mann im
Neugeborener beschnitten zur Welt gekommen Gegensatz zur Frau ohne Einschränkungen
sein. Nur Männer waren nach dem islamischen erfüllen. Frauen sind während ihrer
Verständnis Propheten (im Gegensatz zu „Menstruations-Unreinheit“ vom rituellen Gebet,
2.Mose 15,20; Ri 4,4; 2.Kö 22,14; Neh 6,14; Koranlesen, der Pilgerfahrt und dem Fasten
Jes 8,3; Lk 2,36; Apg 21,9). Als Kind wird der ausgeschlossen (Parallele: 3.Mose 12,2-5;
Sohn in aller Regel verwöhnt. Er muss nur 15,19-20; doch Lk 18,1). Um ausgefallene
wenige Einschränkungen hinnehmen und wird Gebetszeiten oder Fasten nachzuholen, können
als derjenige erzogen, der später Anweisungen Männer ihren Frauen Erlaubnis erteilen oder
erteilt. Jungen – später Männer – respektieren diese verweigern, da der Mann in Bezug auf
zwar die Frauen ihrer Familie und verteidigen Essenszeiten und Beischlaf davon betroffen ist.
ihre Ehre und ihren Ruf, kontrollieren aber auch Der muslimische Ehemann oder männliche
deren Bewegungsspielraum und Verhalten in Vormund bei Alleinstehenden bestimmt, ob
Übereinstimmung mit den gesellschaftlichen seine Frau(en) freitags in die Moschee gehen,
Anstandsregeln. Auf der moralischen Ebene das Haus verlassen, eine Besuchsreise oder
sind sie mitverantwortlich für die Bewahrung der die Pilgerreise machen dürfen. Obwohl der
Keuschheit der Schwestern, denn auf den Koran für Unzucht bei unverheirateten Männern
Frauen der Familie ruht die Familienehre, die und Frauen gleichermaßen ohne Ausnahme
die männlichen Mitglieder wahren und 100 Peitschenhiebe verlangt (Sure 24,2), wird
verteidigen müssen (was allerdings nicht in der Praxis die größere Schuld der Frau
koranisch, sondern kulturell bedingt ist). Von zugeschrieben. Der Mann ist nach islamischem
den Söhnen wird spätestens mit dem Ende der Verständnis immer das Opfer von
Schul- oder Studienzeit ein Beitrag zum verführerischen Frauen (im Gegensatz dazu
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liegt in der Bibel die Betonung der Ehefrauen und beliebig viele Sklavinnen; im
Verantwortung bei den Männern selbst, was für Alten Testament wurde die Vielehe zwar
Frauen eine größere Freiheit ohne geduldet, s.a. 5.Mo 17,17, aber nicht
Verschleierungspflicht zur Folge hat: Hiob 31,1; gutgeheißen und steht im Gegensatz zum
Mt 5,27-30). biblischen Schöpfungsbericht: 1.Mose 5,1-2: ein
Mann/eine Frau und Eph 5,31; 1.Tim 3,2). Ein
Ehe- und Familienrecht Muslim muss seine Frauen gut versorgen. Er
Heiraten gehört zum islamischen Glauben darf (im Gegensatz zu den muslimischen
(Sure 24,32-33); Ehelosigkeit ist allein schon Frauen) Nichtmuslime also Christinnen und
wegen dem Vorbild der verheirateten Propheten Jüdinnen heiraten (Sure 5,5; keine Heidinnen:
unerwünscht (Sure 13,38; 57,27; im Gegensatz 2,221; nach der Bibel soll in keinem Fall ein/e
zu Mt 19,11-12: Ledigsein als Gabe). In der Nichtchrist/in geheiratet werden: 1.Kor 7,39;
muslimisch geführten Ehe sollen sich Mann und 2.Kor 6,14). Ein Muslim kann sich von seiner
Frau in Liebe und Erbarmen gegenseitig Frau wesentlich leichter scheiden lassen (ohne
begegnen. (Sure 30,21; in der Bibel geht die Gründe), als seine Frau sich von ihm (bei
Liebe bis zur Selbstaufopferung: Eph 5,25) Christen ist Scheidung nur bei Ehebruch
möglich: Mt 5,32). Doch darf er sie erst wieder
Eine muslimische Ehe endet automatisch mit heiraten, nachdem sie vorher einen anderen
dem Abfall des Mannes vom Islam (im geheiratet hat und sich wieder von diesem
Gegensatz dazu 1.Kor 7,12-14). Bleibt seine scheiden ließ (Sure 2,230 steht im Widerspruch
Frau dennoch bei ihm, kann sie wegen zu Jeremia 3,1 und 5.Mose 24,1-4) Er kann
Ehebruch verklagt werden. Die Übertretung von jederzeit (außer während der Menstruation:
islamischen Verboten wird beim Mann schwerer Sure 2,222) sexuellen Verkehr mit seiner Frau
bewertet als bei Frauen, da dem Mann ein verlangen und diese muss ihn gewähren (Sure
größeres Gewicht in der Gesellschaft und damit 2,224). Laut Hadith hat aber auch seine Frau
eine größere Gefährdung zugeschrieben wird. Anrecht auf sexuellen Verkehr.
Fällt eine muslimische Frau vom Islam ab, soll
sie nach drei islamischen Rechtsschulen Der Koran räumt dem Mann nach Sure 4,34
hingerichtet werden oder nach einer anderen ausdrücklich für bestimmte Situationen das
mit einem lebenslangem Hausarrest bestraft Züchtigungsrecht mit körperlichen Strafen über
werden, während ein abgefallener Muslim laut seine Frau(en) ein (im Gegensatz zu Eph 5,22-
allen vier islamischen Rechtsschulen 33; 1.Kor 13,4-7). Kein Mann kann seine
hingerichtet werden muss (Sure 2,217; 9,5; Ehefrauen gleich stark lieben; Abneigung
4,137; im Gegensatz dazu hat Abfall vom gegenüber einer seiner Frauen soll er
christlichen Glauben zwar Ausschluss aus der verheimlichen (Sure 4,129). Söhne erben
Gemeinde zur Folge, aber der Betreffende kann doppelt soviel wie Töchter (Sure 4,11), da sie
trotzdem Liebe und Barmherzigkeit erwarten: Lk für die Versorgung der Familien zuständig sind.
15,11-24; Mt 5,44-45). Das Blutgeld für einen ermordeten Muslim ist
höher als für eine ermordete Muslima. Das
Im Ehe- und Familienrecht sieht der Islam die Zeugnis eines Mannes vor Gericht wiegt
Vorrangstellung des Mannes vor. Der Mann als doppelt soviel wie das einer Frau (Sure 2,282).
Familienoberhaupt hat die Bei einer Scheidung stehen dem Vater alle
Entscheidungsgewalt über den Wohnort der Kinder zu, die Jungen ab dem 7. Lebensjahr,
Familie, die Partner- und Berufswahl, den die Mädchen mit dem 10. bzw. 12. Lebensjahr.
Handlungsspielraum der Frauen und Kinder Die Mutter hat danach keinerlei Rechte mehr
und deren Ausbildung. Vermehrte Rechte kann über ihre Kinder. Die Männer stehen eine Stufe
der Mann vor allem im Erb-, Zeugen-, Ehe-, über den Frauen (Sure 4,34; 2,228) mit der
Scheidungs- und Kindschaftssorgerecht Begründung, dass Gott das so eingerichtet hat
beanspruchen. So ist die Polygamie nur für den und Männer die Pflicht haben, für den
Mann erlaubt (Sure 4,3.129: max. vier Familienunterhalt aufzukommen (vgl.
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Verordnung in 1.Kor 11,3; Eph 5,23; doch


Gleichberechtigung 1.Kor 12,13; Gal 3,28).
Diese männliche Pflicht der Versorgung kann
von der Frau gerichtlich eingeklagt werden, wie
umgekehrt ihre sexuelle Verfügbarkeit. Männer
sollen ihre Eltern ehrfurchtsvoll behandeln und
im Alter versorgen (Sure 17,23-27).

Da Frauen um der Familienehre willen


traditionell eher zu Hause bleiben, wird das
öffentliche Leben hauptsächlich von den
Männern geprägt. Muslimische Männer
befriedigen ihre emotionalen Bedürfnisse viel
stärker bei Männern, als das in der westlichen
Welt der Fall ist. Homosexuelle
Männerbeziehungen sind unter Muslimen nicht
unbekannt aber verboten (Sure 4,16; 7,81;
26,165f; 27,54f) und führen zur Auspeitschung
bei Ledigen und zur Hinrichtung bei
Verheirateten (gleiche Behandlung wie bei
heterosexuellem Ehebruch).
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Mohammed und seine Feinde Als Strafe wurde er im August 625 n. Chr. von
Mohammed trat in seiner Heimatstadt Mekka Mohammed aus Medina vertrieben. In der
als Prophet und Verkündiger des Glaubens an Schlacht bei dem Berg Uhud 625 n. Chr.
den einen wahren Gott auf (610 - 622 n. Chr.). gelang den Mekkanern der Sieg. Mohammed
Dadurch wuchs seine Gegnerschaft beständig. wurde verwundet. Im Jahr 627 n. Chr. standen
Unter anderem fürchteten die Händler, die gut die Mekkaner (10.000) vor den Toren Medinas.
von den Wallfahrten und der Vielgötterei lebten, Es kam zum so genannten Grabenkrieg, in
um ihr Geschäft. Mohammed und seine dem das muslimische Heer (3.000) durch
Anhänger wurden gedemütigt, ihre Geschäfte Kriegstaktik und List den Sieg davontrug. Im
wurden boykottiert und es kam zu Mord und Jahr 628 n. Chr. brach Mohammed mit seinen
gewalttätigen Übergriffen. Die Zustände in Anhängern zu einer Pilgerfahrt nach Mekkas
Mekka wurden für Mohammed und seine junge auf. Die noch polytheistischen Mekkaner
Gemeinde unerträglich, so dass es im Jahr 622 fürchteten das muslimische Pilger-Heer (1.000).
n. Chr. zur Übersiedlung (Hidschra) nach Es kam zu Verhandlungen, und im Vertrag von
Yathrib (später Medina) kam. Es soll zuvor Hudaibiya wurde ein Frieden für zehn Jahre
Begegnungen Mohammeds mit Männern aus vereinbart. Doch bereits zwei Jahre später
Yathrib gegeben haben, die von seiner Lehre stand Mohammed (angeblich nach einem
fasziniert waren. Zudem soll die Familie seiner Vertragsbruch der Mekkaner) mit einem Heer
Mutter aus Yathrib stammen. In Yathrib gelang von 10.000 Mann vor den Toren Mekkas.
es Mohammed, als Vermittler bei Streitigkeiten Siegreich und ohne Widerstand zog er in Mekka
verschiedener Clans aufzutreten und so seine ein. Dort erwies er sich denen gegenüber
politischen und religiösen Ziele miteinander zu gnädig, die den Islam „freiwillig“ annahmen. An
vereinen. Trotz einer wachsenden einigen mekkanischen Spöttern soll er Rache
Anhängerschaft hatte er jedoch auch in Medina genommen haben. Für Juden und Christen
eine Reihe Gegner, und selbst unter den bedeutete sein Sieg, dass sie in Zukunft die
Konvertiten zum Islam gab es Heuchler (Sure Kopfsteuer zahlen mussten, bzw. später von
2,8-24). der arabischen Halbinsel vertrieben wurden.

Umgang mit den Mekkanern Umgang mit den Juden


Nach seiner Auswanderung nach Medina In Medina begegnete Mohammed den dort
versuchte Mohammed, den Widerstand der ansässigen Juden. Diese hatten sich nach den
Mekkaner durch Gewalt zu brechen (Sure 8,38- Aufständen von Bar Kochba (132-135 n.Chr.) in
40). In der Folgezeit kam es zu mehreren einigen Oasenstädten Arabiens
kleineren und größeren Beutezügen und niedergelassen. Zunächst suchte Mohammed
Kriegen. Von wesentlicher Bedeutung für dem die Verständigung und die Begegnung mit den
Islam und Mohammed waren die folgenden drei Juden. So beteten beispielsweise die Muslime
Schlachten: 624 n. Chr. Schlacht von Badr. gemeinsam mit den Juden in Richtung
Ein dem mekkanischen Heer an Erfahrung und Jerusalem oder fasteten wie sie am Jom Kippur
Zahl (1.000) weit unterlegenes muslimisches (dem jüdischen Versöhnungstag). In den
Heer (300) trug den Sieg davon. Der Gedanke, religiösen Diskussionen aber unterlag
dass Allah auf der Seite der Standhaften kämpft Mohammed den jüdischen Schriftgelehrten. Die
(Sure 8,65.66), und die Verheißung, der Juden spotteten über Mohammed und seine
Märtyrertod werde mit dem Paradies belohnt, Lehren. Vor allem konnten sie Mohammed nicht
ließen das Unmögliche wahr werden. Der als einen verheißenen Propheten anerkennen.
islamischen Überlieferung zu Folge soll So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich
Mohammed die gefangenen Mekkaner nicht die Juden bei den Kriegen Mohammeds mit
versklavt sondern dazu verpflichtet haben, zehn dessen Gegnern verbündeten und ihn
Muslimen das Lesen und Schreiben zu lehren. bekämpften. Die Rache Mohammeds bekamen
In dieser Schlacht soll der jüdische Stamm nicht nur die jüdischen Stämme Banu Qaynuqa
Banu Qaynuqa die Mekkaner unterstützt haben. und Banu Nadir, sondern auch die Banu
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Qurayza im Jahr 627 n. Chr. zu spüren. Diese die Juden und die Heiden (Sure 5,82). Dabei
hatten im Grabenkrieg die Mekkaner werden Ungläubige als Feinde des Islam
unterstützt. Zur Strafe belagerte Mohammed angesehen (Sure 4,101). Verfolgt man die
ihre festungsähnlichen Häuser. Anschließend Biographie Mohammeds, fällt auf, dass seine
wurden ca. 600 jüdische Männer getötet. Die Gegner zugleich als Feinde der Muslime und
Frauen und Kinder verkaufte er als Sklaven. Allahs gelten (Sure 8,60 und Sure 60,1). Der
Damit war das Ende der Juden in Medina Umgang mit dem Gegner ist stark durch Gewalt
besiegelt (Sure 33,26.27). Vermutlich hegte gekennzeichnet (Sure 9,74 u.111; Sure 66,9
Mohammed gegen die Juden einen besonderen und Sure 5,33.34).
Groll, da diese ihn als von Gott gesandten
Mahner ablehnten. So soll nach den Aussagen Wie anders ging Jesus mit seinen Mitmenschen
Mohammeds ein Stamm der Israeliten entweder und sogar mit seinen Feinden um! Seine
zu Ratten oder Eidechsen verwandelt worden Mission war, die Menschen zu retten (Joh 3,16)
sein (Müslim, es Sahih, Kitabuz-Zühd 61.62/ und ihnen den Frieden zu bringen (Joh 14,16).
Hadith No: 2997 bzw. Ebu Davud, Sünen Er predigte nicht nur die Feindesliebe (Mt 5,44)
Kitabu el Etima/28 Hadith No: 3795). sondern praktizierte diese auch (Lk 23,34).
Jesus antwortete nicht mit Gewalt, sondern mit
Umgang mit den Christen Fürbitte für seine Peiniger. Schließlich gab er
Auch in der Begegnung mit den Christen hoffte gar sein Leben für seine Feinde (Römer 5,10).
Mohammed zunächst auf Verständigung und
Dialog. So erkannte er z. B. die Jungfräulichkeit Weiterführende Informationen zu
Marias an (Sure 19,18-21), allerdings nicht die Kriegshandlungen und Morden Mohammeds an
Gottessohnschaft Jesu. Schon bald stand seinen Feinden und Spöttern finden Sie in
Mohammed auch mit den Christen in Englisch z.B. unter: http://www.answering-
kriegerischer Auseinandersetzung. Im Jahr 628 islam.de/Main/Authors/Arlandson/dead_poets.ht
n. Chr. in der Schlacht von Bostra beim Dorf m
Mu’ta schlugen oströmische Heere (Kaiser http://answering-
Heraklius-Vasallen) die ihn herausfordernden islam.org.uk/BehindVeil/btv2.html
Truppen Mohammeds (3.000). Mohammed soll www.orientdienst.de
einigen Christen in der Moschee zu Mekka
begegnet sein und ihnen im Laufe dieser
Begegnung zugestanden haben, innerhalb der
Moschee ihre Gebete zu verrichten. Doch in der
Schlacht von Nadschdar im Jahr 631 n. Chr.
gelang es den Muslimen, diese Christen
militärisch zu besiegen. Noch im selben Jahr
mussten sie sich den Muslimen unterwerfen.

Schlussfolgerung
Mohammed war laut islamischer Quellen (Ibn
Hischam) innerhalb von zehn Jahren in 89
kriegerische Handlungen verwickelt. An 27
davon nahm er selber teil; in 62 Fällen
beauftragte er andere mit der Führung. Sie
reichten von kleinen Mordkommandos,
Raubüberfällen über Verteidigungskriege bis
hin zu Expansionsfeldzügen. Von den 15
größten Kriegen richteten sich drei gegen
Juden, vier gegen Christen und acht gegen
Götzendiener. Zu seinen Hauptfeinden zählten
109
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Prädestination und freier Wille im Islam weder auf der Erde noch bei euch, das nicht in
einem Buch wäre, noch ehe wir es erschaffen“
Ist im Islam alles vorherbestimmt? Sind manche (57,22).
Menschen zum Heil (im Islam) und andere zum
Unheil vorherbestimmt – und wenn ja, warum Allah führt die Menschen und bestimmt ihren
besteht dann im Islam die Pflicht zur „Da’wa“, Weg. Er lenkt den Willen der Menschen (76,30)
zur Einladung zum Islam? Oder hat der Mensch und er bringt in ihrem Herzen Glauben oder
einen freien Willen, mit dem er sich für oder Unglauben hervor (6,125). Er leitet sie recht
gegen den Glauben an Allah entscheiden (auf den Weg des Islam) oder aber in die Irre
kann? Diese Fragen sind unter muslimischen (so dass sie als Ungläubige am Ende der Tage
Theologen schon sehr früh und sehr intensiv in die Hölle geworfen werden) (2,26). Allah
diskutiert worden. Grundlage der Diskussion selbst hat ihnen dieses Los vorherbestimmt so
waren einerseits Koranverse zur Allmacht wie der Frau des Lot: „Wir bestimmten, dass sie
Allahs, denen jedoch andere zu denen gehören würde, die zurückblieben“
gegenüberstanden, welche die Menschen zum (27,57).
Erkennen des Schöpfers in der Natur und zur Ja, wenn Allah gewollt hätte, wären alle
Umkehr mahnen. Menschen Muslime geworden, aber dieser
Glaube ist nicht allen Menschen bestimmt
Lange neigte die Meinung der islamischen (10,99-100). Weil es sein Wunsch und Plan
Theologie stärker der Auffassung zu, dass alles war, entstanden außer dem Islam verschiedene
von Allah vorherbestimmt sei. Aber es hat auch andere Religionsgemeinschaften (5,48). Den
Verfechter der Willensfreiheit gegeben, die sich Ungläubigen legt Allah daher eine „Hülle“ über
stärker auf die Koranverse beriefen, die die ihr Herz und in ihre Ohren „Schwerhörigkeit“, so
Verantwortung des Menschen für sein Tun und dass sie den Koran nicht verstehen können
seinen Glauben in den Vordergrund stellen. (17,46). Als Fazit formuliert er: „So führt Gott in
Der Koran die Irre, wen er will und leitet recht, wen er will“
Dass Allah allmächtig ist, der Herr über Tag und (74,31).
Nacht (73,20), der Schöpfer jedes Menschen
und der ganzen Erde und alles durch ihn ... andererseits
geschieht, gehört zu den frühesten und Auf der anderen Seite betont der Koran die
grundlegendsten Aussagen des Korans. Allah Verantwortung jedes Menschen. Jeder Mensch
ruft jeden Menschen ins Leben und bestimmt wird sich im Jüngsten Gericht vor Allah
den Zeitpunkt seines Todes, wenn sein verantworten müssen, wenn er nicht auf die
„Termin“ gekommen ist (63,11). Er lenkt das Mahnungen der Propheten gehört hat. Der
Weltgeschehen und er zieht jeden Menschen Koran benennt als Gründe für die Abwendung
im Jüngsten Gericht für sein Tun zur mancher Menschen vom Islam deren
Verantwortung. Mohammed wendet sich damit „Widerspenstigkeit“ (Sure 4,13-14). Alles, was
im Koran gegen den Schicksalsglauben der ein Mensch während seines Lebens getan hat,
vorislamischen arabischen Stämme, die an die wird in einem Buch niedergeschrieben, um
Unabänderlichkeit eines festgelegten dann hervorgeholt zu werden (17,4). „Allah
Schicksals für den Menschen glaubten. verlangt von niemand mehr, als er vermag.
Jedem kommt zugute, was er verdient, und
... einerseits über ihn bricht herein, worin er gesündigt hat.“
In Bezug auf die Frage der Willensfreiheit (2,286).
sprechen einerseits zahlreiche Koranverse sehr
dezidiert davon, dass Allah selbst der Der Koran löst diese offensichtliche Spannung
Verursacher aller Dinge ist. Er erweist dem zwischen der Verantwortung des Menschen
Menschen Gutes, aber er bestimmt auch das und der Allmacht Allahs nicht auf, sondern lässt
Unheil. Alles ist bereits in einem Buch beides nebeneinander stehen. Einige
niedergeschrieben: „Kein Unheil geschieht, Koranverse verbinden sogar beide Seiten
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miteinander: Weil manche Menschen gesündigt unter den Willen Allahs, der den Menschen in
haben, indem sie ihre eigenen Vorstellungen zu ihrem Leben Prüfungen auferlegt, geht
ihrem Gott erklärten, hat „Allah sie mit Bedacht manchmal nahtlos in eine
irregeführt“ (45,23). Ähnlich benennt Sure 18,57 Schicksalsergebenheit über, die auch zu
beide Seiten als Verantwortliche: der Passivität und Gleichgültigkeit führen kann.
Mensch entscheidet sich für das Böse und Fazit
wendet sich von der Botschaft des Islam ab. Die unterschiedlichen Koranverse zur
Zugleich Vorherbestimmung und Willensfreiheit spiegeln
macht Allah ihn unfähig, das Richtige zu hören, Mohammeds eigene Situation wider. Er wendet
selbst wenn ihm weiter der Islam verkündigt sich mit seiner Botschaft des Islam gegen den
wird (vgl. auch 42,13). – Wenn in der Bibel in Schicksalsglauben seiner Landsleute, muss
ähnlicher Weise davon die Rede ist, dass Gott sich aber auch die anhaltende Verstocktheit vor
„kräftige Irrtümer“ sendet (2. Thess 2,11f), ist allem der Mekkaner gegenüber seinen
das in der Regel deutlich dargestellt als Gericht Verkündigungen erklären. So bezieht er nach
dafür, dass Menschen „der Wahrheit nicht mehreren Jahren der wenig erfolgreichen
geglaubt haben, sondern Lust hatten an der Predigt in seiner Heimatstadt Mekka die
Ungerechtigkeit“ (2. Thess 2,12). Vorherbestimmung aller Dinge als Begründung
Die Überlieferung mit ein.
Auch die Überlieferung hadith behandelt das
Thema der Vorherbestimmung. Sie spricht Während schon das Alte Testament vielfach
eindeutiger von der schicksalhaften berichtet, dass Gott dem Menschen die Freiheit
Vorherbestimmung aller Dinge als der Koran, zugesteht, sich mit seinen Zweifeln, Fragen, ja
der stärker auf Allah als den Verursacher all sogar mit seinen Anklagen an ihn zu wenden
dessen, was geschieht, hinweist. Nicht ein (vgl. die Klagepsalmen oder das Buch Hiob),
einziger hadith bejaht die Willensfreiheit des verlangt der Islam vor allem die Unterwerfung
Menschen. des Menschen unter den Allmächtigen und
Unerforschlichen, die die Gesellschaft in vielen
Der hadith berichtet, dass alles Geschehen in Bereichen tief prägt. Ergebung ohne die
der Welt von Allah schon in der Vergangenheit Möglichkeit, Zweifel und Fragen zu äußern,
niedergeschrieben wurde. Andere Traditionen kann sehr leicht in passiven Fatalismus
sprechen davon, dass die Engel schon vor der umschlagen.
Geburt eines Menschen alles für ihn festlegen, www.orientdienst.de
seine Geburt, seinen Tod und die Frage seines
Glaubens. Es ist gerade dieser Gedanke, dass
alles schon vor Beginn des menschlichen
Lebens „niedergeschrieben“ wurde (arab.
maktub, türk. mektub), der in besonderer Weise
Eingang in den Volksislam gefunden hat.
Der Volksislam
Im Volksislam scheint der Fatalismus zu
dominieren. Stellt sich eine Schwierigkeit ein
oder müssten gesonderte Anstrengungen
unternommen werden, um eine Situation zum
Guten zu wenden, wird manchmal wenig getan.
„maktub“ (oder: „mektub“) heißt es dann und
soll andeuten, dass alles im Leben vorher
festgelegt wurde und dass es sich nicht lohnt,
sich gegen dieses oder jenes aufzulehnen oder
es abzuwenden. Die im Koran wieder und
wieder geforderte Unterwerfung des Menschen
111
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Sexualität im Islam tagsüber im Ramadan und während der


So wenig Sexualität im Christentum auf zwei zentralen Riten der Pilgerfahrt. - In der Bibel
Seiten umfassend beschrieben werden kann, ist steht die Aufgabe im Vordergrund, den
es bei diesem Thema auch im Blick auf den Ehepartner zu lieben und zu ehren - auch in der
Islam der Fall. Neben der nah-östlichen Kultur Sexualität. Der Mann hat nicht Gehorsam
und dem Verständnis von Ehre und Schande ist einzufordern, sondern seiner Frau die
Sexualität im Islam stark vom Vorbild „schuldige Pflicht“ (1.Kor 7,2-4) zu leisten. Die
Mohammeds und seiner Frauen geprägt. Aus Bibel wendet sich gegen Eigenmächtigkeit und
der Fülle der Facetten des Themas können hier einseitige Verfügung eines Partners über den
nur einige wenige angesprochen werden. andern.
Zugegeben, es ist ein sehr sensibler Bereich
unseres Menschseins. Zu zweit allein
Sexualität ist so selbstverständlich, dass
Saatfeld Männer unter sich bzw. Frauen unter sich über
Sexualität, wenn sie innerhalb ihres legalen dieses Thema meist sehr offen und häufig
Rahmens praktiziert wird, sieht man im Islam reden. Selbstverständlich aber auch in dem
positiv. „Gleichzeitig wird der Geschlechtsakt Sinn, dass sie dort praktiziert wird, wo die
unter frommen Muslimen und in der islamischen Gelegenheit dazu besteht. D.h. dort, wo ein
Lehre als unrein angesehen; der Gläubige soll Mann und eine Frau sich alleine aufhalten, wird
deshalb während des Koitus ein Gebet davon ausgegangen, dass dies mit dem Ziel
sprechen und sich danach einer Waschung eines sexuellen Kontaktes geplant war. Eine
unterziehen“, berichtet Necla Kelek in ihrem gemeinsame Arbeit oder ein
Buch „Verlorene Söhne“. Neben sexueller kameradschaftlicher Kontakt wird
Zuwendung spielt im Islam die emotionale ausgeschlossen. Eine Überlieferung formuliert:
Zuwendung zwischen den Geschlechtern kaum „Ein Mann befindet sich nie allein mit einer
eine Rolle. Sie wird als Schwäche definiert, die Frau, ohne dass nicht der Teufel sich als Dritter
die Autorität und Herrschaft des Mannes über zu ihnen gesellt“. Man geht also davon aus,
die Frau untergraben könnte. Sexualität wird als dass es innerhalb weniger Minuten zu
natürliches Bedürfnis des Menschen bejaht. Ein sexuellen Handlungen auch von miteinander
Recht auf Erfüllung ihrer sexuellen Bedürfnisse völlig unbekannten Personen kommen kann
haben der Mann wie die Frau. Die Frau kann oder wird, sobald es die äußeren Umstände
eine länger währende sexuelle erlauben. Die Initiative, so glaubt man, geht
Vernachlässigung anmahnen. Sie ist da, um dabei von der Frau aus, denn – wie manche
ihren Mann sexuell zu befriedigen (Sure 7,189) Theologen formulieren – sie gilt als Verführerin
und viele (männliche) Nachkommen (16,72) des Mannes, der er in gewissem Maß hilflos
hervorzubringen. Der Mann hat die ausgeliefert ist. Wie muss es Muslimen gehen,
Versorgungspflicht und kann von der Frau dafür die Männer und Frauen in westlichen
Gehorsam auch auf sexuellem Gebiet Gesellschaften (z. B. auch als Touristen in
verlangen. Bei Auflehnung darf er sie züchtigen islamischen Ländern) sehen oder erleben, die
und mit dem Entzug des ehelichen Verkehrs z.T. stolz auf ihre Freizügigkeit sind? Viele
bestrafen (4,34). Das Züchtigungsrecht ist in bewerten diese unsere Kultur als repräsentativ
einigen islamischen Ländern gesetzlich für das Christentum. - Als Jesus außerhalb des
verankert. Der Mann hat das Recht, an jedem Ortes mit der Frau aus Samarien allein am
beliebigen Ort und zu jeder Zeit (außer in Zeiten Brunnen war (Joh 4,1-42), hatte er ihre Rettung
ihrer Unreinheit) mit seiner Frau geschlechtlich im Sinn.
zu verkehren, ohne sie um ihre Einwilligung
fragen zu müssen: „Eure Frauen sind euch ein Geschlechtertrennung
Saatfeld. Geht zu eurem Saatfeld, wo immer ihr Die Geschlechtertrennung wird im öffentlichen
wollt“ (2,223). Sexuellen Verzicht zu üben hat und religiösen Bereich vollzogen, im privaten
der Mann zu Zeiten der Unreinheit der Ehefrau, Bereich teilweise durch Aufgabenverteilung und
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Wohnraumaufteilung. Weil der Mann für seine und sexueller Zuwendung versorgt werden.
Frau eine Morgengabe entrichtet und weil „Gott Gesetzlich verbot bereits 1926 die Türkei und
sie (die Männer) ausgezeichnet hat“ (4,34), 1956 Tunesien die Vielehe, was nicht heißt,
stehen sie über den Frauen. Daraus haben dass es sie nicht gibt. Trotz der Möglichkeit in
islamische Theologen den Schluss gezogen, den meisten anderen Ländern, machen meist
dass der Mann in der Regel allein für den aus wirtschaftlichen Gründen wenige von der
Unterhalt seiner Frau und Familie polygamen Ehe Gebrauch. Sie ist häufiger in
aufzukommen hat, ihm aber auch die oberste der Oberschicht der Golfstaaten anzutreffen. -
Entscheidungsgewalt zusteht. Die biblischen Voraussetzungen für einen
Muslime leiten von Sure 33,32-33.53 ab, dass Gemeindeleiter („er darf nur mit einer Frau
es für eine Frau unmoralisch sei, mit Männern, verheiratet sein“ - 1.Tim 3,2) gelten auch sonst
die nicht wenigstens eng verwandt sind, zu als Vorbild für Christen.
sprechen oder sie direkt anzuschauen, sich
außer Haus zu schmücken oder sich für Gänge Ehebruch
in die Stadt zu parfümieren und das Haus zu Nach Sure 24,2 stehen auf Ehebruch harte
verlassen, wenn es zu vermeiden ist. Der Mann Strafen für Mann und Frau. Allerdings sind zur
dagegen hält sich vom Frauenbereich, von Feststellung des Ehebruchs vier Zeugen oder
Frauenarbeiten fern. Die eingeschränkte ein Geständnis nötig. Fälle von Ehebruch
Bewegungsfreiheit der Frau hat ihre Wurzel werden meist innerfamiliär geahndet. Bricht der
außer im Koran auch in der islamischen Mann die Ehe, ist dies kein Scheidungsgrund,
Denkvoraussetzung, dass die Frau die den die Frau vor Gericht anbringen könnte. Der
Verführerin des Mannes ist, die das größere, Ehevertrag enthält ja keinerlei
schwerer zu zügelnde sexuelle Verlangen hat. Treueversprechen. Bricht sie die Ehe oder gerät
Ihr Ehemann und die Gesellschaft müssen sie nur in den Verdacht, hat sie mit harten
daher das Verhalten der Frau beständig Strafen zu rechnen. Sie hat die Ehre der
kontrollieren. Es ist die Aufgabe der Frau, ganzen Familie in Verruf gebracht – eine
keinerlei Anlass zu Unmoral oder auch nur zum Schande, die nur schwer wieder abzuwaschen
Verdacht der Unmoral zu geben, was durch das ist. - Die biblischen Maßstäbe bezüglich der
unvermeidliche Zusammentreffen mit dem Enthaltsamkeit vor der Ehe und der Treue in
andern Geschlecht außerhalb des Hauses sehr der Ehe gelten gleichermaßen für Mann und
leicht gegeben sein kann. Begründet durch Frau. Wie Jesus gerade mit einer beim
solche Moralauffassungen sind Männer und Ehebruch ertappten Frau umgeht, zeigt seine
Frauen auch in der Moschee voneinander Göttlichkeit, die die Umkehr der Sünder sucht
getrennt. - Die Bibel erwähnt sowohl für den (Joh 8,3-11).
Gottesdienst (1.Kor 11,3ff) als auch für die Ehe
(Eph 5,22f) eine gewisse Unterordnung der Zeitehe
Frau. Aus dem Alten wie dem Neuen Die Prostitution wird im Islam verurteilt (24,33),
Testament ist abzuleiten, dass sich Männer und ebenso wird Homosexualität (4,16; 7,80-81)
Frauen in der Öffentlichkeit begegnen, abgelehnt. Sunniten haben die Zeitehe im 11.
miteinander arbeiten und Gottesdienste feiern. Jahrhundert n.Chr. als eine Art legalisierte
Prostitution verurteilt. Schiiten jedoch halten an
Polygamie der Zeitehe (mut’a-Ehe, w. „Genuss“-Ehe) bis
Im Prinzip erlaubt der Koran dem Mann bis zu heute als rechtmäßige, islamische Eheform
vier Frauen. Mohammed hat damit eine fest. Sure 4,24 deutet diese Eheform an. Die
vorislamische Polygamie (Vielweiberei) in Sure Zeitehe beruht auf einer Vereinbarung
4,3 eingeschränkt. Weitere Nebenfrauen, die zwischen Mann und Frau. Weder Verwandte,
mit dem Mann nicht in rechtlicher Ehe leben, der Richter (Qadi) noch die üblichen zwei
können dazukommen. Der Ehemann muss Zeugen sind dazu nötig. Die Frau erhält für die
darauf achten, dass alle Frauen gleichmäßig Dauer der Ehe (wenige Stunden bis 99 Jahre)
und gerecht mit Nahrung, Kleidung, Wohnung eine Entlohnung – meist zur Sicherung ihres
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Lebensunterhalts. Die Frau hat außer der


Entlohnung keinerlei weiteren Anspruch
(Nahrung, Kleidung, ein Zuhause,
Unterhaltszahlungen – falls ein Kind gezeugt
wird). - Die biblische Ehe beinhaltet Liebe,
sowie die geistige und geistliche Gemeinschaft,
lebenslange Fürsorge, Verantwortung und
Treue, ein Füreinanderleben (Eph 5,25-31).

Quellen: Der sexte Sinn, hrsg. Hans-Joachim


Heil, Gerhard Naujokat
Kl. Lexikon zur islamischen Familie, Christine
Schirrmacher
www.orientdienst.de
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Anbetung im Islam seine Nachfolger an sein Verständnis der


Wortbedeutung Anbetung Gottes zu binden. Nur die Hadithen
Das arabische „As-Sadschda “ (türk. „secde“) (Sammlungen der Worte und des Verhaltens
heißt wörtlich Niederwerfung, Anbetung. Ein Mohammeds) geben Muslimen detailliert
weiteres Wort „Ibaadah“ stammt vom Aufschluss, wie sie anbeten sollen. - Vielen
Arabischen „abd“, was „Sklave“ oder „Diener“ Muslimen ist heute die Wiederholung derselben
bedeutet. Ibaadah (türk. ibadet) ist demnach Worte und Bewegungen eine nichtssagende
Dienst oder Knechtschaft. Es geht darum, sich Routine und müßige Pflicht. Es ist eine
Allah zu unterwerfen und ihm allein zu dienen: Anbetung, die nach Auffassung mancher
Gottesdienst. „Dir dienen wir, und dich bitten wir Muslime notfalls auch mit Gewalt eingefordert
um Hilfe“ (Sure 1,5) wird auch mit „Dich beten werden kann, so z.B. mit Stockhieben auf die
wir an“ übersetzt. Der andere Aspekt ist, sich Fußsohle und Gefängnisstrafe (Hanefiten) oder
Hilfe zu erbitten. Man erwartet alle Hilfe von deren Unterlassung laut einiger Lehrschulen
dem, den man anruft, Gott allein (S 6,162-163). sogar zum Todesurteil führt (nach wiederholter
Das rituelle Gebet (arab. Salaah, türk. salat) ist Aufforderung zum Gebet und Unterlassung bei
die höchste Form der islamischen Anbetung. den Malekiten, Schafiten und Hanbaliten).
Obwohl Mohammed sich und seinen
Was umfasst Anbetung im Islam? Anhängern große Leidensbereitschaft und
Anbetung bedeutet nicht nur rituell zu beten, Toleranz Andersgläubigen gegenüber
sondern meint auch totalen Gehorsam, abverlangte, zwang er später unter
Knechtschaft, Unterwerfung unter Allah. Ihn Gewaltandrohung Vertreter der Vielgötterei zu
anzubeten heißt seinen Befehlen im Koran und seiner Art der Eingottanbetung (S 9,5 =
dem Propheten Mohammed zu gehorchen. zweitletzte offenbarte Sure). Polytheisten wurde
Darin ist sowohl der Glaube an die islamischen Anbetung und selbst das Betreten der Kaaba
Glaubensartikel enthalten (an Allah, die Bücher, verboten (S 9,28).
die Propheten, die letzten Tage, die Engel) als
auch die Umsetzung der Pflichten (Pflichtgebet, Voraussetzungen für Anbetung
Fasten, Almosen, gute Werke… S 2,177). Das rituelle Gebet als Zentrum der Anbetung
Islamische Anbetung oder Gottesdienst Allahs ist nur „gültig“, wenn vorausgehend die
beinhaltet, alles zu tun und zu sagen, was Allah rituelle Reinigung stattfindet, die Gebetsrichtung
liebt, und alles zu lassen, was er nicht will. Alle nach Mekka stimmt, die Absicht zum Gebet
Aspekte und Aktivitäten des Lebens sind davon ausgesprochen wird und die richtigen
betroffen und sollen eine Anbetung Allahs sein, Bewegungen simultan zur arabischen
also auch nichtrituelle Bereiche wie z.B. die Rezitation stattfinden. Wenn aber ein Esel, ein
normale Arbeit (so auf einer islamischen Hund oder eine Frau vor dem Beter vorbeigeht,
Homepage – vgl..auch Röm 12,1). ist das Gebet „ungültig“. - Es wird also auf das
Äußere bei Anbetung sehr geachtet – mehr als
Zur Geschichte der Anbetung im Islam auf das Innere?.
In der vorislamischen Zeit beteten Araber ihre
verschiedenen Gottheiten in Mekka an. Sie Anbetung Allahs allein
vollzogen eine Wallfahrt mit Opferriten und Nur Allah allein darf angebetet werden und
vorformulierten Gebeten zu verschiedenen keine anderen Götter neben ihm (S 12,106; vgl.
Göttern. - Das Freitagsgebet wurde von auch 2.Mose 20,3). Das Tawheed (Tauhid) ist
Mohammed als Zentrum der Anbetung das Konzept des einzigen Gottes, der das
gesehen, doch er erlebte, wie ihn seine Zentrum der richtigen Gottesverehrung
Anhänger aus geschäftlichen Gründen freitags ausmacht: „Diese eure Religion ist die einzig
alleine ließen und nicht zum Freitagsgebet wahrhaftige, und ich bin euer Herr; darum
erschienen (S 62,9-11). Unzählige Male weist verehrt nur mich“ (S 21,92). Demnach soll
Mohammed auf dieses Zentrum der niemand angerufen, zu niemand gebetet, für
islamischen Praxis hin, das rituelle Gebet, um niemand gefastet, für niemand auf die Wallfahrt
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gegangen werden als nur für Allah. Selbst Anbetung Allahs und einer Art Stufenislam, den
Vermittler und Helfershelfer, die dazu beitragen er einführte, der immer näher zu Gott führen
sollen, zu Gott zu kommen, sind laut Koran soll. Bekannt sind die sich im Tanz drehenden
verboten (S 39,3). Derwische (Mevlana) Rumis. Unter Dhikr
Die Kaaba gilt als zentraler Ort der Anbetung, (arabisch „Gedenken“; auch Dhikrullah,
auf den sich alles ausrichtet. Sie ist der Ort, an „Gedenken an Allah“) versteht man im Islam die
dem Muslime aus allen Völkern in der gleichen intensive laute oder leise Anbetung Allahs in
Kleidung mit einer Stimme in einer Sprache der Regel als Zeremonie der Sufi-Orden.
(Arabisch) Allah anbeten wollen. Interessant ist, Gegenstand dieser Anbetung und Anrufung
dass der Koran die Anbetung von Steinen bzw. Gottes sind meist die 99 schönsten Namen
das Opfern für Steine verbietet (S 5,90). Doch bzw. Attribute Allahs. Die am meisten
Mohammed selbst küsste und berührte den verwendeten sind Ya Allah („Oh Allah“), Ya Hu
schwarzen Stein an der Ecke der Kaaba (etwa: „Oh Er“) und Ya Hayy („Oh
während seiner Wallfahrt (Hadith: Al-Buhari, Lebendigkeit“). Darüber hinaus wird sehr oft
Band 2, Buch 26, Nr. 673 + 680). Einer der gemeinschaftlich die Schahada (das islamische
Nachfolger Mohammeds war über diesen Akt Glaubensbekenntnis) gesprochen: La ilaha illa
des Götzendienstes schockiert (Hadith: Al- Allah („Es gibt keinen Gott außer Allah“). Aus
Buhari, Band 2, Buch 26, Nr.667 + 675 + 679). solchen Praktiken entstehen tranceartige
Zustände, die sich ähnlich auch bei schiitischen
Anbetung von Adam Glaubensrichtungen finden.
Obwohl nur Allah angebetet werden darf,
befiehlt Allah den Engeln, sich vor Adam Mohammeds Problem mit der Anbetung
niederzuwerfen und ihn damit anzubeten. Alle Jesu
Engel warfen sich vor Adam nieder außer Der Koran betont wiederholt, Allah habe keinen
Satan, was dessen eigentliche Sünde Sohn (S 9,30f ;18,4; 23,91). Allah scheint
ausmachte, so der Koran (S 2,34; 7,11-13; Mohammed die Worte förmlich in den Mund
15,28-33; 17,61; 20,116). Doch nicht nur vor gelegt zu haben „Sprich: So der Allbarmherzige
Adam fallen Geschöpfe nieder, sondern auch einen Sohn hätte, so wäre ich der Erste, der ihn
die Eltern vor Joseph in Ägypten (S 12,99-100). verehrte“ (S 43,81). Da niemand außer Gott
Eine Geste, die ausschließlich Gott vorbehalten angebetet werden darf, argumentiert
ist. – Die Anbetung Adams stellt ein offenes Mohammed gegenüber Christen, dass ein
Problem dar – und einen Ansatz für ein Prophet niemals sagen würde: „Betet mich an
evangelistisches Gespräch über den zweiten der Stelle Gottes an“(S 3,79). Diese Aussage
Adam, vor dem sich alle Welt beugen wird wäre durchaus richtig, wenn Christus zu einem
(Röm 5,18; 1.Kor 15,45; Phil 2,10). zweiten Gott neben Gott erklärt würde (die
schlimmste mögliche Sünde für Muslime, der
Sufis und Anbetung „schirk“). Denn keine Partner an Gottes Seite
Muslime beten nicht im christlichen Sinne Allah sind erlaubt (S 3,64) auch nicht Jesus Christus,
aus Dankbarkeit an und weil sie Gewissheit für der nach islamischer Lehre nur ein Mensch,
die ewige Erlösung fanden, sondern aus wenn auch Prophet war (S 3,79-80). Christen
Pflichtgefühl in einer mehr oder weniger werden gerügt, weil sie Christus als den Sohn
äußeren Form. Sufis, also muslimische Gottes und Mensch gewordenen lebendigen
Mystiker, die viele christliche und hinduistische Gott anbeten (S 9,30-31). Der Koran lässt
Elemente aufgenommen haben, versuchen Jesus sogar sagen, dass er niemals befahl, ihn
teilweise, Gott um seiner selbst willen selbst und seine Mutter Maria anzubeten (S
anzubeten. Mit Musikinstrumenten meditieren 5,116-118). In der sechstletzten offenbarten
sie über einer Art Mantra, das sie unzählige Sure 109,1-6 distanziert sich Mohammed
Male vor sich hersagen, um sich mit Gott zu endgültig von Nichtmuslimen in der Anbetung
vereinen. Dschalaluddin Rumi (1207-1273) ist Gottes: „Ich werde auch nie verehren das, was
bekannt für seine Poesie mit dem Ziel der ihr verehrt, und ihr werdet nie verehren das,
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was ich verehre. Ihr habt eure Religion, und ich unsere Anbetung, aber er erzwingt sie nicht. Bei
habe die meinige.“ Das widerspricht anderen Gott kommt falsche Anbetung nicht an. Echte
Suren die besagen, dass Christen, Juden und Anbetung kommt aus unserem Inneren
Polytheisten denselben Gott wie Mohammed aufgrund von Dankbarkeit und Erkenntnis
anbeten (S 2,62.139; S 10,104; 40,66: Gottes.
Polytheisten, die außer den anderen Göttern www.orientdienst.de
auch Allah dienten).

Bewertung aus christlicher Sicht


Über äußere Gebetsformen gibt die Bibel keine
Anweisungen. Es wurde stehend, sitzend und
kniend gebetet. Es wurden beim Beten wohl die
Hände empor gestreckt oder auch nicht. In
2.Mose 3,12.18 sehen wir angekündigt, wie das
Volk Israel auf dem Berg Sinai den lebendigen
Gott in Wahrheit anbeten wird, nachdem er sie
aus Ägypten auf herrliche Weise gerettet haben
wird. Nach erlebter Erlösung aus der
Knechtschaft folgt ganz natürlich Dank und
wahre Anbetung Gottes, der in seinem Wesen
treu und zuverlässig ist. Wenn aber keine
Gewissheit auf Erlösung vorhanden ist (im
Islam nur eine vage Hoffnung, S 28,67), kann
Gott auch nicht auf diese Weise angebetet
werden. Außerdem sehen wir in 2.Mose 3,18,
dass Anbetung mit Opfer zu tun hat (s.a. erste
Erwähnung von „anbeten“ in der Bibel in
1.Mose 22,5: Isaaks Opferung durch Abraham),
letztendlich mit dem ultimativen Opfer Jesu,
dem Vergießen des Blutes Gottes (Apg 20,28),
was im Islam abgelehnt wird. Das ist ein
weiterer Hinweis auf die fehlende „wahre
Anbetung“ in Wahrheit und im Geist im Islam.
Christus sagt klar: „… (dass) alle den Sohn
ebenso ehren wie den Vater. Doch wer den
Sohn nicht ehrt, ehrt auch den Vater nicht, der
ihn gesandt hat“ (Joh 5,23). Wer dem Sohn die
Ehre verwehrt, verweigert sie auch Gott, dem
Vater. Unsere Anbetung und Ehre gehört dem
Vater und dem Sohn (Joh 8,49; 15,23; Phil
2,10f; Hebr 1,6; 1.Joh 2,23). Weil Jesus der
Weg und die Wahrheit und das Leben ist, es
keinen anderen Weg der Rettung aus Sünde
und ewigem Tod gibt, deshalb wird ein Mensch,
der diesen Christus nicht anbetet, das
himmlische Ziel nicht erreichen. Am Ende der
Zeit wird Christus von einer unzählbaren Zahl
von Engeln als das Lamm angebetet und alle
Geschöpfe beten den, der auf dem Thron sitzt
und das Lamm an. (Offb 5,12-14). Gott erwartet
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Gastfreundschaft anzurühren, löst zumindest Fragen aus, warum


In welcher Weise Freunde und / oder Fremde wohl ein Gast sich so ablehnend verhält, evtl.
als Gäste aufgenommen werden, ist ein sogar Befürchtungen, dass er mit bösen
wichtiges Thema in vielen Kulturen. Im Orient Absichten gekommen sein könnte. – Da
hat Gastfreundschaft eine lange Tradition, wie Abrahams Gäste Engel waren, konnten sie
wir es z.B. aus biblischen Berichten des Alten nach islamischer Auffassung nicht bei ihm
Testaments wissen. essen, doch sie beruhigten ihn: „Fürchte dich
nicht“ und kündigten ihm die Geburt eines
Gastfreundschaft der Beduinen Sohnes an.
Auch auf der Arabischen Halbinsel spielte
Gastfreundschaft zur Zeit Mohammeds eine Hier wird deutlich, dass Gastfreundschaft,
wichtige Rolle. Besonders unter den Beduinen besonders Bewirtung oder gemeinsames
in den Wüstenregionen galt es als eine „heilige Essen, nicht nur ein Versorgen mit Nahrung
Pflicht“, Gastfreundschaft zu gewähren. Als bedeutet, sondern eine wechselseitige
Gast aufgenommen, beherbergt, mit Nahrung Beziehung begründet. Angebotenes Essen
und vor allem mit Wasser versorgt und evtl. oder Trinken völlig abzulehnen – weil man
auch vor Feinden geschützt zu werden, konnte gerade weder Hunger noch Durst hat, das
überlebens-notwendig sein. - Aus diesem Angebotene nicht mag … - bewirkt beim
Lebenskontext stammt wohl ein arabisches Gastgeber in der Regel ein ungutes Gefühl.
Sprichwort, das wir vor einigen Jahren von Denn er empfindet, dass dadurch auch die
einem Tunesier hörten und das etwa Folgendes menschliche Gemeinschaft und das Eingehen
bedeutet: “Du kannst (zur Not) im Blick auf alles einer Beziehung verweigert werden.
(worum du gebeten wirst) ‚Nein’ sagen, nur Empfangene (und angenommene)
nicht im Blick auf Wasser.“ Gastfreundschaft kann auch eine gewisse
Verpflichtung einschließen, sich entsprechend
Abrahams Gastfreundschaft „erkenntlich zu zeigen“. Ein älterer
Diese Wertschätzung der Gastfreundschaft als marokkanischer Mann bewirtete mich freundlich
Verpflichtung, aber ebenso als Recht, spiegelt mit Essen, bevor er mich bat, einige Papiere für
sich auch in Koran und Hadithen (Berichten ihn auszufüllen. – Nach traditionellem
über Aussagen und Verhalten Mohammeds). orientalischem (nicht nur islamischem)
Zum Teil wird dabei Bezug genommen auf Verständnis verpflichten sich Gast und
biblische Berichte. In einem Hadith von Al- Gastgeber auch über die Zeit des Besuchs
Muwatta (Hadith Nummer 49.4) wird Abraham hinaus, einander beizustehen und einander zu
bezeichnet als „der Erste, der dem Gast schützen, jedenfalls einander keinen Schaden
Gastfreundschaft gewährte“. – Sure 51,24-30 zuzufügen.
(ähnlich Sure 11,69-73 und 15,51-56) meint
wohl das gleiche Ereignis, das in 1. Mose 18,1- Gastfreundschaft als Pflicht
15 geschildert wird: Drei Gäste kommen zu In Sure 2,177 und 4,36 werden Muslime
Abraham; er beeilt sich, ein gemästetes Kalb für ermahnt, unter anderem zu den Reisenden gut
sie zubereiten zu lassen – doch (anders als in zu sein und sie zu unterstützen. In einem
der Bibel – V. 8) die Gäste greifen nicht zu. In Hadith (Abu Dawud, Hadith Nummer 3741)
einer Anmerkung zu dieser Stelle (Sure 51,26f) heißt es: „Der Prophet (Friede sei auf ihm!)
erläutert A. Yusuf Ali in seiner Koranausgabe: sagte: Es ist eine Pflicht für jeden Muslim,
„Entsprechend den Gesetzen der einem Gast für eine Nacht Gastfreundschaft zu
Gastfreundschaft steht ein Fremder unter gewähren. Wenn jemand am Morgen in sein
deinem Dach unter deinem Schutz, aber wenn (d.h. des muslimischen Gastgebers) Haus
er es ablehnt zu essen, lehnt er deine kommt, ist das ein Recht, das ihm zusteht.
Gastfreundschaft ab und hält sich selber frei Wenn er will, mag er es nutzen, und wenn er
von allen Bindungen zwischen Gast und will, mag er darauf verzichten.“
Gastgeber.“ Angebotenes Essen nicht
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In einem anderen Hadith (Al-Muwatta, 49.22) Wenn jemandem die Gastfreundschaft


wird weiter ausgeführt: „Wer an Allah und an verweigert wurde, soll er darauf aber nicht in
den Jüngsten Tag glaubt, soll großzügig zu gleicher Weise reagieren. Jemand fragte
seinem Gast sein. Er heißt ihn für einen Tag Mohammed: „Gesandter Allahs (Friede sei auf
und eine Nacht willkommen und seine ihm!), sage mir: wenn ich zu einem Mann
Gastfreundschaft gilt für drei Tage. Was komme, der mir keine Bewirtung oder
darüber hinausgeht, ist ein (freiwilliges) Gastfreundschaft gewährt, und später kommt er
Almosen <sadaqah>. Es ist einem Gast nicht zu mir – soll ich ihn bewirten, oder soll ich ihn
erlaubt <halal>, so lange zu bleiben, bis er zu behandeln, wie er mich behandelt hat?“ Er
einer Last wird.“ (Ähnlich bei Abu Dawud, 3740) antwortete: „Nein, sondern bewirte ihn!“ (Al-
Tirmidhi, 4248)
Gastfreundlich zu sein, ist für gläubige Muslime
auch deshalb eine Pflicht, weil ihr Prophet In den Hadithen zeigen sich gewisse
Mohammed (als ihr Vorbild) selber sehr gastfrei Tendenzen, Gastfreundschaft als Pflicht und
war. Recht fast „juristisch“ zu regeln. Einige Muslime
scheinen ihre Gastfreundschaft auch
Nach der Rechtssammlung Fiqh-us-Sunna entsprechend zu verstehen (wenn sie auf Worte
kann jedoch die verpflichtende Armensteuer des Dankes antworten, das sei ja nur ihre
<zakat> nicht eingesetzt werden, um „Pflicht“ gewesen, mag das allerdings auch eine
Aufwendungen im Zusammenhang mit Geste der Bescheidenheit sein) oder sie mit
Gastfreundschaft zu bestreiten (Fiqh 3.75b). religiösen Verdienstgedanken zu verbinden. Bei
vielen erfahren wir jedoch Gastfreundschaft
Gastfreundschaft als Rechtsanspruch gepaart mit echter Herzlichkeit und wohltuender
Einzelne Hadithe erwecken den Eindruck, dass Großzügigkeit. Es würde uns als
es unter Umständen auch einen einforderbaren abendländischen Christen sicherlich nichts
Rechtsanspruch auf Gastfreundschaft gebe. schaden, wenn wir bei ihnen „studieren“, wie
Uqbah bin Amir soll zu Mohammed gesagt das biblische Gebot der Gastfreundschaft
haben: „Gesandter Allahs (Friede sei auf ihm!), verwirklicht werden kann.
wir kommen zu Leuten, die uns keine www.orientdienst.de
Gastfreundschaft gewähren, uns auch nicht
bezahlen, was uns von ihnen zusteht, und wir
nehmen nichts von ihnen.“ Mohammeds
Antwort: „Wenn sie es für euch notwendig
machen, es mit Gewalt zu nehmen, dann tut
das!“ (Al-Tirmidhi, 4040 – ähnlich Al-Buchari,
3.641) Hier könnte es sich konkret um Leute
gehandelt haben, die als Abgesandte
Mohammeds unterwegs waren. In einem
anderen Hadith (Abu Dawud, 3795) heißt es
allgemein: „Wenn jemand als Gast bei Leuten
ist, die ihm keine Gastfreundschaft bereiten, ist
er berechtigt, von ihnen den Gegenwert der
Gastfreundschaft zu nehmen, der ihm zusteht.“
Wie immer hier das Wort „nehmen“ zu
verstehen ist („wegnehmen“ oder „ersatzweise
in Empfang nehmen“): anscheinend gibt es ein
gewisses Maß an Versorgung, das einem Gast
in jedem Fall zusteht.
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„Buße“ oder „Umkehr“ im Koran (die) in dem, was sie (an Sünde) getan
Ähnlich wie im Alten und Neuen Testament haben, nicht beharren, wo sie doch wissen
spielt im Koran der Gedanke der „Umkehr“ eine (dass es Sünde ist), deren Lohn besteht in
wichtige Rolle. Menschen schlagen verkehrte Vergebung von ihrem Herrn und in Gärten, in
Wege ein und werden aufgefordert, ihre deren Niederungen … Bäche fließen …“
Richtung zu ändern. Generell wird dabei im (Hervorhebungen: KM)
Koran die Freiheit und Fähigkeit des Menschen
umzukehren vorausgesetzt. Der Appell zur Umkehr richtet sich im Koran an
unterschiedliche Gruppen von Menschen. Hier
Im Arabischen wird für diese Thematik vor seien nur einige Beispiele genannt:
allem eine Wortgruppe verwendet, die aus einer
Wurzel mit den drei Konsonanten t-w-b An Gottlose und Übeltäter
abgeleitet wird. Das Substantiv, „tauba“ Umkehr ist natürlich nötig bei menschlichem
(manchmal auch tawbah“ geschrieben), Fehlverhalten. Wer Böses tut, z.B. neben Gott
bedeutet: Buße, Umkehr, Reue. Die Bedeutung andere Götter anbetet und Unzucht begeht,
des Verbs wird angegeben mit: “bereuen, Reue dem wird schlimme Strafe angedroht –
empfinden; Buße tun; sich von etwas „ausgenommen diejenigen, die umkehren und
abwenden; sich bekehren“; die rechtschaffen handeln. Denen wird Gott (bei der
Grundbedeutung ist wohl: „umkehren“. Dieses Abrechnung) ihre schlechten Taten gegen gute
Verb kann auch Gott als Subjekt haben und eintauschen. Er ist barmherzig und bereit zu
bedeutet dann: „wieder seine Gnade vergeben. Wenn einer umkehrt und
zuwenden, verzeihen“. rechtschaffen handelt, wendet er sich bußfertig
Gott wieder zu.“ (Sure 25, 70f) - In Sure 5,38-40
In Sure 4,16-18 kommt diese Wortwurzel in wird konkret beschrieben, wie Mohammed und
verschiedenen Abwandlungen vor: „Und wenn in seiner Nachfolge die islamische
zwei von euch (Männern) es <d.h. etwas Gemeinschaft mit einem Dieb verfahren soll:
Abscheuliches – s. V. 15> begehen, dann „Wenn ein Mann oder eine Frau einen
züchtigt sie …! Wenn sie (daraufhin) umkehren Diebstahl begangen hat, dann haut ihnen die
und sich bessern, dann wendet euch von ihnen Hand ab! … Wenn aber einer, nachdem er
ab (und setzt ihnen nicht weiter zu)! Gott ist gefrevelt hat, umkehrt und sich bessert, wendet
gnädig <wörtlich: oft umkehrend> und Gott sich ihm (gnädig) wieder zu. Gott ist
barmherzig. Nur diejenigen haben bei Gott barmherzig und bereit zu vergeben. Weißt du
Vergebung <w.: Umkehr> zu erwarten, die in denn nicht, dass Gott die Herrschaft über
Unwissenheit Böses tun und hierauf beizeiten Himmel und Erde hat, und dass er bestraft, wen
umkehren. Diesen wendet sich Gott (gnädig) er will, und vergibt, wem er will?“
wieder zu. … Diejenigen aber haben keine
Vergebung <w.: Umkehr> zu erwarten, die An die Söhne Israels
schlechte Taten begehen (und darin verharren), In Sure 20,81 wird erzählt, wie Gott die Söhne
so dass einer erst, wenn er zum Sterben Israel vor Seinem Zorn warnte. Darauf folgt
kommt, sagt: ‚Jetzt kehre ich um’.“ (Koranzitate jedoch die Zusage: „Aber dem, der
hier und im Folgenden nach der Übersetzung (nachträglich) umkehrt und glaubt und tut was
von Rudi Paret; Hervorhebungen: KM) recht ist, und sich hierauf rechtleiten lässt, bin
ich (immer) bereit zu vergeben.“ (20,82) -
Um was es bei der Buße geht, wird beschrieben „Umkehr“ bedeutet hier letztlich die Zuwendung
in Sure 3,135f: „Diejenigen, die, wenn sie etwas zum Islam (Annahme der Rechtleitung durch
Abscheuliches getan oder (durch sündigen den Koran).
Lebenswandel) gegen sich selber gefrevelt
haben, Gottes gedenken und (ihn) um An Christen
Vergebung für ihre Schuld bitten – und wer Auch Christen werden z. B. wegen ihres
könnte … Schuld vergeben, außer Gott? – und „Irrglaubens“ zur Umkehr aufgefordert (Sure
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5,72-74): „Ungläubig sind diejenigen, die sagen: (und Buße getan haben)! Und seid nicht
,Gott ist Christus, der Sohn der Maria.' … aufsässig! Er durchschaut wohl, was ihr tut.“
Ungläubig sind diejenigen, die sagen: ,Gott ist
einer von dreien.' ... Wollen sie sich denn nicht Über die inneren Vorgänge, die Tiefe der Reue
(reumütig) Gott wieder zuwenden und ihn um und Zerknirschung oder das befreite Gewissen,
Vergebung bitten? Gott ist (ja) barmherzig und wird im Koran wenig gesagt. Die Buße soll
bereit zu vergeben.“ aufrichtig sein (66,8). – In Sure 9, 118 wird von
drei Männern erzählt, die ein nicht genauer
An Gegner des Islam beschriebenes Verhalten nachträglich bereuten,
Sogar für Leute, die den Islam aktiv bekämpfen, „bis ihnen angst und bange wurde und es ihnen
soll es noch ein Chance zu (rechtzeitiger) das Herz zuschnürte … und sie meinten, dass
Umkehr geben (Sure 5,33+34): „Der Lohn es vor Gott keine Zuflucht gebe, außer (eben)
derer, die gegen Gott und seinen Gesandten zu ihm. Hierauf wandte er sich ihnen (gnädig)
Krieg führen und (überall) im Land eifrig auf wieder zu, damit sie (auch ihrerseits) umkehren
Unheil bedacht sind (?), soll darin bestehen, (und Buße tun) würden. Gott ist der Gnädige
dass sie umgebracht oder gekreuzigt werden, und Barmherzige.“ - Es ist auch wenig gesagt
oder dass ihnen wechselweise (rechts und über das Bekennen der Schuld („Beichte“) vor
links) Hand und Fuß abgehauen wird oder dass einem anderen Menschen (vgl. Jak. 5,16).
sie des Landes verwiesen werden. ... - Umkehr erscheint im Wesentlichen als
Ausgenommen diejenigen, die umkehren, Angelegenheit des Einzelnen vor Gott.
(noch) bevor ihr Gewalt über sie habt. Ihr müsst
wissen, dass Gott barmherzig ist und bereit zu Gottes Antworten auf Umkehr
vergeben.“ Gott ist bereit zu vergeben (dazu s. o. Sure 25,
70f). Gott führt die Bußfertigen auf den richtigen
An Apostaten (vom Islam Abgefallene) Weg (42, 13): „Gott … führt dazu (auf den
Eine männliche Person, die Muslim war und rechten Weg), wer sich (ihm bußfertig)
vom Islam abfällt, muss nach dem Urteil der zuwendet.“ Er nimmt die Buße seiner Diener
traditionellen islamischen Rechtsschulen mit an, erhört sie und beschenkt sie mit seiner Huld
dem Tod bestraft werden. In der Regel soll so (42,25f). Die Frage, wie es mit Gottes
jemandem eine Frist von drei Tagen eingeräumt Gerechtigkeit vereinbar sei, die Umkehr eines
werden, um zum Islam zurückzukehren. Im Menschen anzunehmen, ohne eine
Übrigen heißt es (3, 90): „Diejenigen (aber), die Wiedergutmachung für die Schuld zu fordern,
ungläubig geworden sind, nachdem sie gläubig taucht meiner Beobachtung nach nicht auf. Es
waren, und hierauf dem Unglauben immer mehr wird nur betont, „dass Gott die Herrschaft über
verfallen, deren (verspätete) Buße wird nicht Himmel und Erde hat, und dass er bestraft, wen
angenommen werden. Das sind die, die er will, und vergibt, wem er will“ (s. o. 5,40).
(endgültig) irregehen.“
49, 11: „… Diejenigen, die nicht umkehren (und
An Gläubige Buße tun), sind die (wahren) Frevler.“
Aber auch von den Gläubigen wird Umkehr und www.orientdienst.de
Bußfertigkeit erwartet. Ein Abschnitt über
Bekleidungsvorschriften endet in Sure 24,31 mit
der allgemeinen Ermahnung: „Und wendet euch
allesamt (reumütig) wieder Gott zu, ihr
Gläubigen! Vielleicht wird es euch (dann) wohl
ergehen.“ Denn: „nur wer bußfertig ist, lässt
sich mahnen.“ (40, 13) Denjenigen, die
umgekehrt sind, wird geraten (11, 112): „Halte
nun geraden Kurs, wie dir befohlen worden ist,
(du) und diejenigen, die mit dir umgekehrt sind
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Heiliger Geist im Islam Menschen strafen wird (70,4; vermutlich


Anlehnung an die Jakobsleiter vgl. 1.Mo 28,12).
Wer ist der „Heilige Geist“ im Koran? Die Engel und der Geist werden sich in Reihen
Der Koran lehnt die Dreieinigkeit Gottes von geordnet aufstellen (78,38; wie heute es
Vater, Sohn und Heiligem Geist ab (Sure 5,73) Muslime in einem Moment bei ihrem rituellen
und spricht von der Einheit Gottes (112,1-4). Gebet in der Moschee tun). Die Engel und der
Die Bibel spricht auch von der Einheit Gottes Geist stiegen in der Nacht „Al' Kadar“ (Nacht
(Mk 12,29), aber Gott offenbart sich und sein der Macht) im Fastenmonat Ramadan herab
Wesen in drei Personen und gleichzeitig als ein und Gabriel offenbarte Mohammed die erste
einziger Gott (vgl. Mt 28,19; Joh 14,26). Koransure (97,4).
Im Koran kommt der Heilige Geist nur an sehr
wenigen Stellen vor. Im Folgenden sind alle Aufgaben des Engels Gabriel
Stellen aufgelistet: Mohammed sah den Engel Gabriel bei seiner
1. "Ruuh-ul-Qudus", d.h. Heiliger Geist, z.B. in ersten Offenbarung an einem hellen Horizont
Sure 16,102: „Sprich: So hat ihn [den Koran] (81,23) und versucht, mit diesem Vers den
der heilige Geist von deinem Herrn in Wahrheit Vorwurf der Besessenheit abzuwehren: Es war
herab gebracht, die Gläubigen zu stärken, und der Engel Gabriel, der die Offenbarungsverse
als eine Leitung und frohe Botschaft für die vom Himmel herab brachte. - In den Hadith-
Moslems“. Sammlungen kommt der Heilige Geist fast nicht
2. "Ruuhanaa", d.h. unser Geist; z.B. 21,91 vor. Dagegen gibt es eine größere Zahl von
3. "Ruuhul-'Amiin" d.h. der aufrichtige/treue Hadithen, die den Engel Gabriel erwähnen, der
Geist; z.B. in Sure 26,193: „und der getreue Mohammed auf der Himmelfahrt begleitet
Geist hat ihn [den Koran] in dein Herz gelegt, haben soll, während er sieben Himmel
damit du predigst in der deutlichen arabischen durchschritten und die Zahl der Pflichtgebete
Sprache“. von 50 auf 5 heruntergehandelt haben soll (Al-
4. "Al-Ruh'" d.h. der Geist; z.B. 42,52 Bukhari 5.227). Gabriel half Mohammed den
Muslime identifizieren diesen Geist als Engel Koran zu rezitieren (z.B. Al-Bukhari 3.126) und
Gabriel: „Sage ihnen: Wehe dem, der da ist ein erscheint nicht, wenn Hundebilder im Raum
Feind Gabriels, der dir, mit dem Willen Gottes, sind (Al-Bukhari 7.843).
die Offenbarung eingegeben…“ (2,97), also mit
einem Engel Gottes, der geschaffen wurde Die häufige Verbindung von Jesus und dem
(17,85). Denn vorher hieß es ja in Sure 16,102; Heiligen Geist im Koran
26,193 (s.o.), dass derjenige, der die Interessant ist, dass der Heilige Geist vor allem
Offenbarung brachte, der Heilige Geist war. dann erwähnt wird, wenn es um Jesus geht,
D.h. beim Heiligen Geist muss es sich um den z.B. um die Ankündigung eines Sohnes für
Engel Gabriel handeln, der Mohammed Stück Maria. Hier erscheint der Geist eindeutig in der
für Stück den Koran offenbarte, so die Gestalt eines schön gebildeten Mannes (Engel
muslimische Schlussfolgerung. Ausdrücklich Gabriel;19,17). Andererseits wird der Vorgang
steht das aber nirgendwo im Koran und auch der Empfängnis mit einem Anwehen durch
nicht in den Hadithen. Das Gegenteil ist der „unseren Geist“ beschrieben (21,91). Es fällt
Fall. Die Engel und der Geist werden getrennt weiter auf, dass der Heilige Geist besonders
erwähnt in ein und demselben Koranvers (16,2; Erwähnung findet, wenn es um die
70,4; 78,38; 97,4) und auch in den Hadithen. Wundertaten und Überzeugungskraft geht, die
Doch das scheint für muslimische Theologen von Jesus ausgingen. Gott rüstete Jesus
kaum ein Problem darzustellen, da sie das als speziell mit dem Heiligen Geist und
eine Art Parallelismus verstehen, was von Überzeugungskraft aus (2,87). Gott gab Jesus
christlichen Apologeten aber so nicht akzeptiert Wunderkraft und rüstete ihn mit dem Heiligen
wird. Nach dem Koran steigen die Engel und Geist aus (2,253). Gott gab Jesus den Heiligen
der Geist (Gabriel) gemeinsam zu Gott hinauf Geist, damit er schon als Säugling den
auf einer Art Leiter, wenn er eines Tages die Menschen predigen konnte (5,110).
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Ja, der Koran geht sogar soweit, Jesus selbst Geist mit einer Offenbarung, nach unserem
als Geist (Gottes) zu bezeichnen: „Wahrlich, der Befehl. Vorher wusstest du nichts von der
Messias, Jesus, Sohn der Maria, ist nur der Schrift und vom Glauben, welche wir als ein
Gesandte Allahs und Sein Wort, das Er Maria Licht eingesetzt, wodurch wir diejenigen
entboten hat, und von Seinem Geist“ (4,171; unserer Diener, die uns gefallen, leiten wollen“
Koranübertragung von M. A. Rassoul). (42,52).

Der Geist Gottes bei der Schöpfung des Beurteilung


Menschen Wie in der Bibel bei der Ankündigung und
Der Geist Gottes findet eine weitere Erwähnung Empfängnis Marias vom Engel Gabriel und dem
im Koran, wenn es um die Erschaffung Adams Geist Gottes die Rede ist, werden sie auch im
geht (32,9). Gott haucht Adam mit seinem Geist Koran erwähnt, doch dort nicht klar
an, weshalb alle Engel vor Adam anbetend unterschieden. Der biblische Bericht verbindet -
niederfallen sollen (15,29; 38,72). Andererseits und unterscheidet! - Engel, Geist und Sohn
wurden nicht nur Jesus und Mohammed mit Gottes in einem Satz: „Der Engel (d.h. Gabriel;
dem Geist ausgerüstet (mit Gabriels Hilfe s. Lk 1,26 ) antwortete und sprach zu ihr
ausgestattet?), sondern auch andere, wie es (Maria): Der heilige Geist wird über dich
Gott gefällt, damit sie den Islam predigen: „Auf kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich
seinen Befehl steigen die Engel mit dem Geist überschatten; darum wird auch das Heilige, das
nieder zu denen von seinen Dienern, die ihm von dir geboren wird, Gottes Sohn genannt
gefallen, damit diese predigen: Dass es außer werden“ (Lk 1,35 ). Hier wird in einem Satz
mir keinen Gott mehr gebe; darum fürchtet nur einigen grundlegenden koranischen Aussagen
mich“ (16,2; 40,15; 42,52). Der Heilige Geist widersprochen. Der Engel Gabriel ist nicht der
(Gabriel?) soll somit auch die Gläubigen leiten Heilige Geist, und bei Jesus handelt es sich um
und zum Predigen des Islams ausrüsten. - den Sohn Gottes. Und zwar sagt das
Islamische Theologen sind der Ansicht, dass in pikanterweise der Engel Gabriel, der den Koran
allen Menschen noch im Embryoalter durch den offenbart haben soll, der darin die
Heiligen Geist der menschliche Geist Gottessohnschaft Jesus' massiv bestreitet.
geschaffen wird (Sahih Muslim 33.6893). Nach biblischem Zeugnis ist der Heilige Geist
Gott selbst (2.Kor 3,17-18). Der biblische
Interessante Fragen Heilige Geist überführt von Sünde und lehrt
Mohammed war sich bewusst, dass er nicht viel z.B., dass Jesus Christus für unsere Sünden
über den Heiligen Geist wusste. So lesen wir im am Kreuz sterben musste (1.Kor 2,2.3.13.14).
Koran: „Sie werden dich auch über den Geist All das lehnt der Koran ab, und deshalb ist
befragen; antworte: Der Geist ist geschaffen auf er nach biblischem Verständnis nicht von
den Befehl meines Herrn, und ihr versteht nur Gottes Geist inspiriert, sondern von einem
sehr wenig davon“ (17,85). Islamische Ausleger widergöttlichen Geist. Muslime haben nicht den
dieses Verses sprechen vom Geheimnis Heiligen Geist. Deshalb können Muslime ohne
Gottes, das nicht gelüftet wurde. Diesem den Heiligen Geist auch nicht verstehen, was
Unwissen hätte Mohammed als Prophet ja die Bibel lehrt. Der Heilige Geist ist im
Abhilfe schaffen können, wenn er selber das Gegensatz zu einem Engel überall gleichzeitig;
Wissen gehabt hätte. er wohnt in den Gläubigen und stärkt sie,
Bevor der Geist (Engel Gabriel) zu mutige Zeugen für den Sohn Gottes zu sein
Mohammed gesandt wurde, hatte dieser keine (Apg 1,8; 2,17). Der Geist Gottes macht uns zu
Ahnung von den Schriften und vom Islam, was Kindern Gottes, was im Islam abgelehnt wird
nahe legt, dass er selbst ein Anhänger des (5,18). Deshalb können Muslime auch nicht zu
Mekkanischen Götzendienstes war und Gott rufen: „Abba, lieber Vater.“ (Röm 8,15; Gal
keineswegs schon immer den „richtigen“ 4,6; 1.Joh 3,1-2). Sie haben deshalb auch keine
Glauben hatte, wie etwa viele Muslime bereinigte und versöhnte Beziehung zum
behaupten: „So schickten wir auch dir einen lebendigen Gott (Joh 3,18). Weil Muslime den
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Heiligen Geist nicht in ihrem Leben haben, fehlt


ihnen sowohl die Erlösung als auch die
Gewissheit der Erlösung (Röm 8,16-17; Joh
3,5-6) - und deshalb sind Christen ihnen die
Botschaft des Evangeliums schuldig.
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Die BIRELIGIÖSEN Ehen Mohammeds Glauben anhingen und zu den Ehefrauen


Mohammeds zählten.
Übersicht über Mohammeds Ehen
Während Muslime maximal mit vier Frauen Die Christin “Mariya al Qibitiyya” (Maria die
gleichzeitig verheiratet sein dürfen (Sure 4,3), Koptin):
war es Mohammed erlaubt, beliebig viele Laut der islamischen Tradition soll Muqauqis,
Frauen zu heiraten (Sure 33,50). Zu einem der byzantinische Statthalter von Ägypten,
anderen Zeitpunkt wurde dieses Zugeständnis Maria sowie vier weitere Sklavinnen
jedoch offenbar zurückgenommen und ihm Mohammed zum Geschenk gemacht haben.
dann doch verboten, weitere Frauen zu heiraten Maria kam im Jahr sieben (nach der Hidschra)
(Sure 33,52). nach Medina und wurde eine Konkubine
Islamische Quellen geben die Zahl der Mohammeds. Gemäß den Berichten der
Ehefrauen Mohammeds unterschiedlich an. Im Tradition soll sie, außer Mohammeds erster
Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass es Frau Khadischah, die einzige seiner Frauen
zusammen dreizehn Frauen waren. Zwei von gewesen sein, die ihm einen Sohn gebar. Der
diesen starben vor seinem Tod, und zwei Junge soll aber bereits im Kindesalter
weitere heiratete er zwar, vollzog aber mit ihnen verstorben sein. Es ist trotzdem vorstellbar,
nicht die Ehe. Zudem hatte Mohammed zwei dass Maria durch die Geburt eines Jungen und
Sklavinnen, mit denen er ehelichen Verkehr den damit verbundenen Titel der kunyah
pflegte, die aber als Konkubinen nicht die (Ehrentitel in der islamischen Welt für eine
gleichen Rechte genossen wie seine Frau, die Mutter eines Sohnes ist. Anstelle ihres
Ehefrauen. Diese beiden Sklaven-Ehen waren Rufnamens wird die Frau mit dem Namen ihres
bi-religiöse Ehen, die unten ausführlicher Sohnes, als „Mutter des...“ angesprochen) den
dargestellt werden. Neid und die Eifersucht des gesamten Harems
auf sich gezogen hat. (Tabaqat, 8/212ff; Tabari
Bireligiöse Ehen Mohammeds 2/645)
Mohammeds erste Frau Khadischah war in
jeder Hinsicht eine Ausnahme. Sie heiratete Die Jüdin „Raihana bint Zaid“:
Mohammed und nicht Mohammed sie. Die Sie soll die Ehefrau eines Mannes namens
Aktivität ging von ihr aus. Sie war 15 Jahre älter Hakim oder Hakam gewesen sein. Sie war Teil
als Mohammed. Mit ihr lebte er bis zu ihrem der Kriegsbeute in der Schlacht 625 n.Chr.
Tod monogam. Alle Frauen Mohammeds gegen die Banu Quraiza. In dieser Schlacht
überlebten Mohammed außer Khadischah und belagerten muslimische Heere den jüdischen
„Zainab bint Khuzaimah“. - Waraqqa ibn Naufal, Stamm der Banu Quraiza in seinen
ein älterer gebildeter Mann und Cousin von festungsähnlichen Häusern in einem Stadtteil
Khadischah, war Christ geworden und hatte Medinas und zwangen ihn, sich zu ergeben.
Khadischah stark christlich beeinflusst Diese Schlacht war ein Rachefeldzug.
(allerdings nicht unbedingt im Sinne eines Mohammed warf den Juden vor, sich in dem so
biblischen Christentums). Deshalb war die erste genannten Grabenkrieg mit den Mekkanern
Frau Mohammeds vermutlich keine Anbeterin gegen ihn verbündet zu haben. Muslimische
der mekkanischen Götter. Wäre sie es Quellen berichten, dass nachdem sich die
gewesen, hätte Mohammed eine Mitglieder des Stammes der Banu Quraiza
Götzendienerin geheiratet. War sie Christin, ergeben hatten, die 600 Männer des Stammes
wäre seine erste Ehe der Prototyp für die getötet wurden. Die Kinder und Frauen wurden
islamische bireligiöse Ehe. Sicher ist jedenfalls, zur Kriegsbeute. Mohammed wählte Raihana
dass sie zu den ersten Anhängern Mohammeds als Konkubine für sich aus (einige Muslime
gehörte, also Muslima wurde. sagen, dass sie seine Ehefrau wurde). (Tabaqat
Die islamischen Quellen berichten ganz offen 8/129; Ansab 1/453; Usdul-ghaba 5/460) Es
von zwei Frauen, die nicht dem muslimischen gibt unterschiedliche Berichte, wonach Raihana
sofort zum Islam konvertiert sei, als Mohammed
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sie fragte: „Wenn du Allah und seinen Es ist kaum anzunehmen, dass es in den
Gesandten wählst, so wählt dich der Gesandte bireligiösen Ehen Mohammeds zu einem
Allahs für sich.“ Sie antwortete: „Ich wähle Allah
gleichberechtigten religiösen Austausch
und seinen Gesandten.“ (Tabaqat,8/129 ff). zwischen Christentum und Islam kam. Vielmehr
Ausgehend von einem anderen Bericht lehnte wird berichtet, dass Raihana und vorher
sie es zunächst ab, Muslima zu werden und Khadischah sich mehr oder weniger freiwillig für
wollte Jüdin bleiben. Diese Entscheidung soll den Islam entschieden. Besonders unter dem
sie aber geändert haben, als Mohammed sie Aspekt, dass bis heute die Ehen Mohammeds
vor die Wahl stellte zwischen ihrer Religion Vorbild für viele Muslime sind, stellt sich die
(Judentum) oder einer Ehe mit ihm (Tabaqat, Frage, wie in diesem Licht heute bireligiöse
8/13). Ehen mit Muslimen überhaupt geführt werden
können. Da beide Frauen, Maria, die Christin
Fazit: und Raihana, die Jüdin, Sklavinnen waren,
Zur Zeit Mohammeds war sowohl die standen sie noch einmal eine Stufe unter den
Polygamie als auch das Konkubinat Teil des Frauen Mohammeds. Sie hatten anfangs zwar
gesellschaftlichen Lebens auf der arabischen einen anderen Glauben als den Islam, konnten
Halbinsel. Trotz einiger Versuche und Erfolge diesen aber in Mohammeds Gegenwart
Mohammeds, Missstände durch neue Gebote vermutlich nicht ausleben oder gar
und Verbote zu beseitigen, schaffte er missionarisch von ihm weitersagen. Im Letzten
Polygamie und Konkubinat nicht ab, sondern erwarten Muslime, dass geehelichte Jüdinnen
gab weiterhin die Erlaubnis zur Polygamie (4,3). und Christinnen früher oder später den Islam
Mohammed gab Muslimen die Erlaubnis, annehmen. Deshalb ist eine Heirat mit einem
jüdische und christliche Frauen zur Ehefrau zu Muslim für eine gläubige Christin abzulehnen.
nehmen (5,5), aber keine Frauen, die andere Wenn Muslime und ihre Familien ihren Islam
Götter verehrten (2,221). nicht gut kennen oder ernst nehmen, mag solch
Umgekehrt ist es im Islam nicht akzeptiert, dass eine Ehe eine zeitlang „funktionieren“, bis dann
eine Muslima einen christlichen oder jüdischen wie aus dem Nichts riesige Probleme für die
Mann oder einen Mann aus einer anderen Nicht-Muslima entstehen können.
Religion heiratet. Das heißt, die Regelung ist www.orientdienst.de
einseitig, weil man davon ausgeht, dass der
Mann der Stärkere in der Ehe ist und die Frau
sich ihm fügen muss.
Die Bibel dagegen sieht sehr wohl gerade in
den andersgläubigen Frauen eine Gefahr. Gott
warnte z.B. das Volk Israel davor, Frauen aus
Kanaan zu heiraten, die Götzendienerinnen
waren (5.Mose 7,3-4). Auch das Neue
Testament setzt voraus, dass Christen und
Christinnen sich nicht mit Nichtchristen
verheiraten (1.Kor 7,39; 2.Kor 6,14). In der
Bibel wird damit die Gefahr des Abfalls vom
Glauben durch den weiblichen Ehepartner
realistischer eingeschätzt als im Koran. Doch
vor allem wird dem Glauben eine zentrale Rolle
für das menschliche Leben zugeschrieben: eine
so enge Beziehung wie die Ehe kann nur
wirklich „gelingen“, wenn beide Partner nicht
auf unterschiedliche Glaubens-Fundamente
aufbauen.
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Tauhid – der eine Gott Einheit und Harmonie wiedergebracht durch die
Botschaft von dem einen Gott.
Fragt man einen Muslim nach dem Kern des
Islam, wird er in der Regel mit der 112. Sure Am einfachsten lässt sich die Lehre des Tauhid
(Die Aufrichtigkeit, “al-ichlas”) antworten: an den 5 Säulen des Islam illustrieren:
“Sprich: 'Er ist Gott, ein Einziger, Gott, der
Absolute, Er zeugte nicht und wurde nicht Das Bekenntnis (Schahada):
gezeugt, und keiner ist ihm ebenbürtig.' ” “Ich bezeuge, es ist kein Gott außer Gott und
Mohammed ist der Prophet Gottes” wiederholt
Diese Einzigkeit Gottes ist zunächst gegen die nicht nur im Wortlaut den monotheistischen
Vielgötterei, dann aber auch gegen den Gedanken und den der Einzigartigkeit
dreieinigen Gott der Christen gerichtet (Sure Mohammeds (der Prophet, nicht “ein Prophet”),
4,171; 5,76; 5,119). Jeder, der an diese Einheit sondern durch die Praxis der Schahada
Gottes nicht glaubt, begeht Schirk, die größte identifiziert sich die Umma, das Volk des Islam.
Sünde im Islam. „Wer Gott ein anderes Wesen Wer sie spricht, gehört dazu, wer nicht, eben
zur Seite setzt, dem verzeiht er nicht“ (4,116). nicht. Alle Muslime sprechen sie in ein und
Die Einzigkeit Gottes hat außerdem denselben Worten, in derselben Sprache, und
weitreichende Auswirkungen auf jeden Bereich selbst wer nicht mehr sprechen kann, erhebt
islamischen Glaubens und Lebens. Die Lehre den rechten Zeigefinger (der auf Arabisch
des “Tauhid” (Einheit oder Einzigkeit) wird als “Zeuge” heißt).
das Proprium des Islam angesehen. Gott habe
allen Propheten eine besondere Botschaft Das Gebet (Salah):
gegeben: Abraham die Botschaft, dass es nur Das Gebet zu den festgesetzten Tageszeiten
einen Gott gibt, Mose die Botschaft des Lebens beginnt immer mit dem Bekenntnis zu dem
auf dem geraden Weg in den Geboten, Jesus einen Gott und drückt in seinem Vollzug die
die Botschaft der Liebe, und dem “Siegel der Einheit der Umma im Gottesdienst aus. Man
Propheten” eben die Botschaft des Tauhid. betet eben nicht irgendwie, irgendwo und
Diese Botschaft der Einheit ist es, die alle irgendwas, sondern auf der ganzen Welt,
vorhergehenden Offenbarungen abschließt und unabhängig von der Landessprache betet man
zusammenfassend vereint. Wenn Jesus sagte: mit den exakt gleichen Worten, den exakt
“Mein Reich ist nicht von dieser Welt”, zeigt das gleichen Bewegungen, den Verneigungen in
nach islamischem Verständnis, dass seine eine Richtung (der Ka'aba) zur (abhängig vom
Botschaft nicht vollständig war. Das Reich des Sonnenstand) exakt gleichen Zeit, nachdem
Islam ist diese Welt UND die jenseitige, die man die gleichen Waschungen durchgeführt
sichtbare und unsichtbare Welt in hat. Auch der Umstand, dass der Imam
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, also (Vorbeter) nicht über den Gläubigen steht,
ganzheitlich. Der Slogan der sogenannten sondern sich gleichzeitig mit den Gläubigen vor
Islamisten “Der Islam ist die Lösung” findet bei dem einen Gott neigt, drückt den Tauhid in der
den meisten Muslimen Resonanz, ist er doch Anbetung aus, und erfüllt Muslime mit Stolz
Ausdruck des Tauhid: Nicht viele Lösungen für darüber, dass ihr System dem christlichen mit
viele Probleme, sondern eine Lösung für alles! seiner Hierarchie der Geistlichen überlegen ist.
Außerdem sei ein Gott logischer als drei in Oft hörte ich auch den Vorwurf, dass Christen
einem. So beschreibt Yusuf Ali in einer das Gebet “vergeistlichen”, während das
Koranausgabe mit englischer Übersetzung und islamische Gebet gleichzeitig geistlich und
Erklärungen, herausgegeben vom Islamic physisch sei, Anbetung des Geistes mit
Center in Washington, dass das Problem der Gymnastik des Leibes verbunden, weil eben
Menschheit darin liege, dass sie von der Einheit Tauhid eine Trennung von Geistlichem und
Gottes gefallen sei, was Disharmonie, viele Leiblichem nicht zulässt. Tauhid sieht Gott als
Nationen, Sprachen und Gebräuche zur Folge Einheit, die Umma als Einheit, und den
hatte. Doch der Islam habe der Menschheit die Menschen als Einheit!
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Kritik
Das Fasten (Saum): Praktisch: In der Praxis ist die Einheit der
Das Fasten im Monat Ramadan drückt nicht nur Umma nicht zu erkennen, Muslime wissen das,
von der Theorie her die Einheit der Umma aus, geben natürlich den “Umständen”,
die Solidarität der Reichen mit den Armen, insbesondere nichtmuslimischen politischen
sondern auch in der Praxis hat es eine Mächten die Schuld dafür, aber es ist doch
ungeheuere einigende Kraft. In vielen Ländern fraglich, ob ein moderner Staat mit nur einer,
wird im Ramadan der normale Gruß (Friede auf noch dazu moderaten Kapitalsteuer
euch – Und auf euch Friede) durch eine auskommen kann. Schon zu Mohammeds Zeit
Fastenformel ersetzt, wie etwa “Möge dein hat sie ja nicht gereicht und die „Dschizia“
Fasten angenommen sein“ – „Und dein Fasten (Kopfsteuer) für Nichtmuslime wurde eingeführt.
auch!” Dadurch wird man viele Male am Tag Philosophisch: Eine monolithisch gedachte
daran erinnert, dass man dazugehört zur Einheit Gottes ist philosophisch zu einfach, um
Gemeinschaft der Fastenden, oder eben nicht. die Welt zu erklären. Insbesondere auf die
Das Fasten als Übung des Leibes drückt auch Frage der Herkunft des Bösen kann der Islam
wieder die Einheit von Leib und Geist in der keine andere Antwort geben, als dass es auch
Anbetung aus. Das gleichzeitige Brechen des ein Ausfluss des einen Gottes und in Gott
Fastens, wenn alle zur gleichen Sekunde mit enthalten sein muss.
den gleichen Worten ihren Löffel in die Suppe Christlich: Aus biblischer Sicht ist Mohammeds
tauchen, und das gemeinsame Feiern in der anfängliches Anliegen durchaus richtig
Nacht, dass man es wieder einen Tag lang gewesen, gegen den Götzendienst seiner Zeit
geschafft hat, drückt diese Einheit aus. zu predigen (Jes 45,21-24). Doch er ging zu
weit und über die Wahrheit, Gottes wirkliches
Das Almosengeben (Zakah): Wesen, hinaus und verleugnet damit Gott,
Die einzige Steuer, die Muslimen auferlegt entehrt ihn und wird antichristlich. Damit geht
werden darf, deutet wieder auf die Einheit der auch das verloren, was der Mensch zu seiner
Umma, in ihrer Fürsorge für die Armen hin, wird Rettung braucht: Liebe Gottes (Joh 3,16f),
aber auch gesehen als ein alternatives Vergebung durch den Sohn Gottes (1.Joh 4,9),
Wirtschaftssystem, das sowohl Kapitalismus als Erleuchtung durch den Heiligen Geist (2.Kor
auch Kommunismus überlegen sei. Tauhid ist 4,6). Wie es im Nicäischen Glaubensbekenntnis
eben die Grundlage dafür, dass der Islam die heißt, ist der Sohn: „wahrer Gott vom wahren
eine Ordnung ist, die den Menschen in allen Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens
seinen Belangen betrifft: geistlich, leiblich, mit dem Vater … der für uns Menschen und
wirtschaftlich, politisch, sozial. Der Islam ist das wegen unseres Heils herabgestiegen (ist)“.
eine System, das den Menschen in allen seinen www.orientdienst.de
Belangen betrifft und leitet.

Die Pilgerfahrt (Hadsch):


Auch Muslime, die es mit der Praxis des Islam
nicht sehr ernst nehmen, werden mit
Begeisterung von der großen Einheit der
Gläubigen bei der Pilgerfahrt berichten. Ob arm
oder reich, alle tragen das eine, gleiche und
schlichte Gewand, alle, egal woher sie
kommen, beten in der einen gleichen Sprache,
vollziehen die gleichen Riten. Die Unterschiede
in Hautfarbe, Herkunft, sozialem Stand usw.
gehen unter in dem Meer weißer Umhänge, die
um die eine Ka'aba kreisen.
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Glaubens-Toleranz im Islam Nach der Auswanderung in die Stadt Medina


hatten die Nachfolger Mohammeds dort keine
Einen anderen Glauben zu tolerieren heißt direkte physische Gewalt durch Nichtmuslime
nicht, diesen als wahr zu akzeptieren, wohl zu erwarten. Sie konnten zahlenmäßig stark
aber, dass man Andersgläubige respektiert und wachsen. Trotzdem finden wir in Sure 2 bereits
ihnen die Freiheit gibt zu glauben, was ihrer die Erlaubnis und Aufforderung zur
Überzeugung entspricht. Wenn wir verstehen Gewaltanwendung: „Tötet für den Weg Gottes
wollen, was Muslime meinen, wenn sie den die, so euch töten wollen, jedoch beginnt nicht
Islam als "tolerant" bezeichnen, müssen wir das ihr die Feindseligkeit …Tötet sie, wo ihr sie
Leben ihres Propheten Mohammed betrachten. auch trefft, vertreibt sie, von wo sie euch
Denn Muslime sollen sich in jedem Detail an vertrieben … Wenn sie sich aber bessern, dann
seinem Vorbild ausrichten (Sure 33,21.36). ist Gott versöhnend …Bekämpft sie, bis die
Versuchung aufgehört und die Gottesreligion
1. Glaubens-Toleranz im Leben Mohammeds gesiegt hat…“ (Ausschnitte aus 2,190-194; s.a.
22,39-41; 4,91). Mohammed hatte mekkanische
In der ersten Zeit Mohammeds in der Stadt Karawanen überfallen und fand sich dem
Mekka finden wir in Sure 43,88-89 den an ihn militärischen Widerstand der noch
gerichteten Befehl, Nichtmuslime nicht zu animistischen Mekkaner gegenüber. Ebenso
behelligen: „Er (Mohammed) spricht: O mein spürte Mohammed den Spott dreier jüdischer
Herr, es sind ungläubige Menschen. Gott aber Stämme in Medina, die in ihm einen falschen
antwortet: Trenne dich von ihnen, und sprich: Propheten sahen.
Friede…“ Als Mohammed als Warner auftrat
und mit seiner kleinen Gruppe von Nachfolgern 3. Offensive Kriegsführung um des
viel Spott und Leid ertragen musste, finden wir islamischen Glaubens willen
im Koran die tolerante Aussage an die Adresse
seiner Gegner: „Ihr habt eure Religion, und ich
Nachdem sich Mohammeds politische und
habe die meinige“ (109,6). Die Mekkaner sahen
militärische Übermacht gefestigt hatte, finden
durch die Predigt Mohammeds von dem einen sich deutliche Anweisungen zur Ausbreitung
Gott ihre wirtschaftliche Existenz als des Glaubens durch Gewalt und
Wallfahrtsort mit der Verehrung vieler Götter in
Benachteiligung Andersgläubiger in den letzten
Gefahr (9,28). Einige der ersten Muslime waren
ihm offenbarten Suren: „… tötet die
Sklaven und wurden von ihren Herren wegen Götzendiener, wo ihr sie auch finden mögt; oder
ihres neuen islamischen Glaubens misshandelt
nehmt sie gefangen, oder belagert sie, und
oder sogar getötet. Daraufhin flüchteten einige
lauert ihnen auf allen Wegen auf. Bereuen sie
von Mohammeds Anhängern auf das Gebiet dann, und verrichten sie das (islamische) Gebet
des heutigen Äthiopiens, wo sie bei orthodoxen
zur bestimmten Zeit und geben (islamische)
Christen Zuflucht fanden. - Auch noch in der
Almosen, dann lasst sie frei ausgehen; denn
ersten Zeit in Medina, als Mohammed sich als
Gott ist verzeihend …“ (9,5; s.a. 9,36+41;
Politiker und später als Feldherr betätigte,
8,39+60; 4,89). Mohammed selbst leitete eine
finden wir die Aussage: „Es gibt keinen Zwang
ganze Anzahl von Kriegs- und
in der Religion“ (2,256). Er hoffte noch, die
Eroberungszügen und befahl eine noch größere
Juden der Stadt durch Argumente für den Islam
Zahl. So finden sich z. B. in den
gewinnen zu können. Ähnliche Aussagen Hadithsammlungen Bukharis und Muslims
Mohammeds gibt es in den Hadith- ganze Abschnitte zu Kriegshandlungen.
Sammlungen. Animisten wird verboten, zum mekkanischen
Tempel (Kaaba) zu pilgern: „O ihr Gläubigen,
2. Aufforderung zur Gewaltanwendung als wahrlich die Götzendiener sind als unrein zu
Verteidigung und zur Ausbreitung des Islam betrachten und sie dürfen daher, wenn dieses
Jahr vorüber ist, sich dem heiligen Tempel nicht
mehr nähern…“, und Muslime werden
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aufgefordert, gegen die Buchbesitzer, also Muslime im Koran durchaus Zitate finden, die
Juden und Christen, zu kämpfen und sie ihre Meinung bestätigen. Die islamische
wirtschaftlich und sozial zu demütigen, damit Theorie der Aufhebung früherer Koranverse
auch sie den Islam annehmen: „…Bekämpft durch spätere verleiht allerdings den von
diejenigen der Schriftbesitzer, welche nicht Intoleranz geprägten Aussagen ein stärkeres
glauben an Gott und den Jüngsten Tag, und die Gewicht. So erscheint der Islam als ein
das nicht verbieten, was Gott und sein politisches, kulturelles, wirtschaftliches und
Gesandter verboten, und sich nicht zur wahren religiöses (theokratisches) System, welches das
Religion (Islam) bekennen, solange, bis sie Gesetz Gottes, die Scharia, für alle Menschen
ihren Tribut entrichten und gänzlich unterworfen durchsetzen will, das nicht zur Toleranz neigt.
sind … die Christen sagen: Christus ist der Wenn sich in Zukunft in Europa eine starke
Sohn Gottes. Sie sprechen das nur mit dem islamische Minderheit oder sogar Mehrheit
Munde, und wiederholen so, was die bildet, ist zu erwarten, das (wie heute in
Ungläubigen, welche vor ihnen lebten, bereits islamischen Ländern sichtbar) Andersgläubige
gesagt haben. Gott wird sie schon strafen ihrer und vom Glauben Abgefallene unterdrückt und
Lügen wegen“ (9,28-31). verfolgt werden.
Der Koran befiehlt auch solchen Muslimen den Eine vergleichbare Theokratie gab es nur im
Krieg, die mit Gewalttat nichts zu tun haben Alten Testament im jüdischen Volk, das in
wollen: „Der Krieg ist euch vorgeschrieben, und einem örtlich und zeitlich sehr begrenzten
er ist euch verhasst? Aber vielleicht, dass ihr Rahmen das Gericht Gottes ausüben sollte -
etwas hasst, was gerade gut, und vielleicht, und das später selber unter Gottes Gericht
dass ihr etwas liebt, was euch gerade schädlich furchtbar zu leiden hatte, wie im Alten
ist. Gott weiß das, ihr aber nicht“ (2,216). Testament zu lesen ist. Dabei wurde aber nie
In den Hadithen finden wir diese Aussagen zur Gewaltanwendung für die Ausbreitung des
bestätigt, nach denen Mohammed Menschen jüdischen Glaubens aufgefordert oder diese
bedrohte, bis sie den Islam annahmen: „Allahs gutgeheißen. - Christen können als Nachfolger
Apostel sagte: Mir wurde befohlen die des Christus weder Gewalt zur Bestrafung
Menschen zu bekämpfen, bis sie sagen: Abgefallener noch kriegerische Handlungen zur
„Niemand außer Allah darf angebetet werden.“ Ausbreitung ihres Glaubens durch ihre
Und wenn sie das sagen und unser Gebet Offenbarungsschrift rechtfertigen. Jesus
beten (arabisches Salat) und die gleiche Christus litt und starb unter seinen
Gebetsrichtung haben und schlachten, wie wir Widersachern, ohne sie mit Gewalt zu
schlachten, dann ist ihr Blut und Besitz heilig bedrohen (Mt 26,53). Er tat das aus freier
(d.h. dann werden sie verschont)“ (Bukhari, Entscheidung (Joh 10,18), zur Vergebung der
Band 1, Buch 8 Nr. 387). Sünden und hat damit die Herzen vieler
Menschen erobert (Joh 12,32). Wahrheit
Fazit braucht Toleranz nicht zu fürchten.
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Im Koran stehen sowohl Verse, die zur
Toleranz aufrufen, als auch Verse, die den
Kampf gegen Nichtmuslime, besonders vom
Islam Abgefallene, anordnen. Das gibt
Muslimen die Möglichkeit, aus den vielfältigen
Aussagen des Korans die Verse auszuwählen,
die ihnen am meisten zusagen, und sich je
nach Situation an den einander
widersprechenden Verhaltensweisen
Mohammeds zu orientieren. Damit bleiben die
islamischen Aussagen zur Toleranz letztlich
unverbindlich. So können tolerant denkende
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Ehre und Schande in Koran und Hadithen Auferstehung werden sie der schwersten Strafe
zugewiesen werden“ (2,85).
Koran
Gott ehrt die, die mit eigenem Vermögen und
Im Koran tauchen die Begriffe Ehre und persönlichem Einsatz Krieg führen: Gott
Schande nur vereinzelt auf. Gott selber wird als zeichnet die mit gewaltigem Lohn aus, die „mit
der Ehrwürdige bezeichnet (Sure 55,78). Ganz ihrem Vermögen und mit ihrer eigenen Person
allgemein kann gesagt werden, dass Gott die Krieg führen, gegenüber denjenigen, die
Söhne Adams geehrt hat – indem er sie zum daheim bleiben“ 4,95) und zeichnet sie mit
Beispiel vor vielen anderen Geschöpfen besonderen Rangstufen aus (4,96; ähnlich
sichtlich ausgezeichnet hat (17,70-71). 9,20).
Außerdem geht es vor allem um die Ehre, die
Allah den rechten Gläubigen dadurch erweist, Gott und Menschen ehren durch maßvolle
dass er sie nach dem Tod ins Paradies einlässt Freigebigkeit gegenüber Gläubigen:
(70,35). Sie „werden ehrenvoll aufgenommen in Freigebigkeit wird als Ehrerweis gesehen. Es
den Gärten der Wonne“ (37,42-43). Ein äußerer kann eine Prüfung Gottes sein, wenn er einem
Ausdruck für die Ehre, die ihnen zuteil wird, Menschen Ehre und Wohltaten erweist – oder
sind unter anderem die kostbaren Gewänder, sie ihm wieder entzieht. Die Menschen müssen
die sie tragen (76,21). - Was im Alltag im sich aber vorwerfen lassen, dass sie die
zwischenmenschlichen Bereich unter Ehre und Waisen nicht ehren und nicht für die Armen
Schande verstanden wird, ist im Vorderen sorgen (89,15-20). „Ehren“ erscheint hier auch
Orient viel mehr durch Traditionen bestimmt, als materielle Fürsorge. Der Gläubige soll mit
die innerhalb der Familien gelebt werden. Gaben (an Verwandte, Arme, Reisende, an in
Darüber ist bereits ein Minikurs vorhanden (vgl. Not geratene Gläubige) nicht knausern, als
Orientierung 4/2005, S. 13: Ehre und Schande). wäre „seine Hand an den Hals gebunden“, er
soll aber auch nicht hemmungslos Geschenke
Gott ehrt den, der richtig glaubt, Pflichten austeilen – „damit du (schließlich) nicht getadelt
einhält und den nötigen Eifer hat: Das Jenseits, und (aller Mittel) entblößt dasitzt!" (17,29) Wer
die paradiesischen Gärten, zu erreichen, ist an maßlos bzw. knauserig ist, wer unberechtigt
Bedingungen gebunden: Gebet, Almosen, tötet, wer Unzucht begeht: „Ihm wird die Strafe
Glauben, keinen außerehelichen Sexualverkehr verdoppelt werden und erniedrigt (verachtet)
... (70,22-35). Zum richtigen Glauben gehört wird er der Strafe ausgesetzt bleiben“ (25,68-
auch der nötige Eifer. Bereits im diesseitigen 69).
Leben werden Gläubige dafür reichlich bedacht
und erhalten im jenseitigen Leben noch höhere
Ehre. Wer nicht auf den von Mohammed Hadithen
verkündigten einen Gott vertraut, hat mit Tadel
und Ausgrenzung zu rechnen (17,19-22). Aus der Fülle von Hadithen einige Zitate: Laut
Bukhari, Muslim und Nasa'i sollen die eigenen
Eltern geehrt werden; selbst die Teilnahme am
Gott ehren heißt: auf Mohammed hören und Heiligen Krieg ist demgegenüber
ihm kompromisslos dienen: Wohlergehen wird zurückzustellen. Mangelnde Ehrerbietung
denen versprochen, die an Mohammed gegenüber den Eltern zählt zu den großen
glauben, ihn ehren und unterstützen „und dem Sünden. Bei den Eltern spielt die Ehre der
Licht folgen, das mit ihm herab gesandt worden Mutter eine Sonderrolle: die Gemeinschaft mit
ist“ (7,157). Willkürlich kann Gott über Macht ihr wird der mit dem Vater vorgezogen. Von der
und Ehre verfügen: er verleiht Ehre und Mutter wird gesagt: „Das Paradies liegt zu ihren
erniedrigt, wie es ihm beliebt (3,26). Wer nur an Füßen“.
einen Teil der Schrift glaubt, verdient „Schande „Beneidet einander nicht. Überbietet euch nicht
im diesseitigen Leben. Am Tag der gegenseitig im Handel. Hasst nicht einander.
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Kehrt nicht einander den Rücken… Der Muslim Geist gehören auch Sklaven und Nicht-
ist der Bruder des Muslims… er ist für einen Israeliten zur Gemeinde (1.Kor 12,13).
anderen Muslim unantastbar: sein Blut, sein Während der Christ nach dem Neuen
Eigentum und seine Ehre“ (Muslim). Der Testament keinen Menschen in Unehren halten
Muslim, der „an Allah und den Jüngsten Tag darf, muss er dagegen die eigene Verunehrung
glaubt, der soll seinen Nachbarn ehren“, er „sollum Jesus willen ertragen. Dazu kann
seinen Gast ehren“ (Bukhari und Muslim). Verachtung, körperliche Misshandlung oder ein
verunehrendes Leiden gehören, das nach dem
„Das Gebet des Mannes mit der Gemeinschaft Vorbild von Christus um der Liebe willen
(anderer Muslime) ist 25 mal besser als sein getragen werden muss (Jes 53,1ff; 1.Petr 2,23f;
Gebet in seinem Haus oder in seinem Hebr 12,2). Diese Unehre kann aus der Kraft
Geschäft“. Sind die Motive rein und ist die Gottes bewältigt werden (2.Kor 6,8ff). Die
Waschung vollzogen, „so (gereicht) dient ihm Schande (Röm 1,24.26) liegt vor allem darin,
jeder Schritt zum Gebet zur Erhöhung seiner dass der Mensch aus der gottgegebenen Ehre
Rangstellung um eine Stufe und zur Vergebung herausfällt und seinen Leib missbraucht. Nicht
einer Sünde“ (Bukhari). Wer dagegen „dem nur durch Perversion, sondern auch durch
Freitagsgebet dreimal aus Nachlässigkeit falsche Askese (Kol 2,23) wird die Ehre verletzt,
fernbleibt, dem versiegelt Gott sein Herz“ (Abu die wir vor Gott haben sollten. Anders als im
Dawud). Alten Testament hat im Neuen Testament der
Segen durch äußere Güter seine Rolle als
„Zu dem, was die Menschen von den Worten Basis für die Ehre weithin eingebüßt.
des früheren Prophetentums erhalten haben www.orientdienst.de
(gehört): Wenn du dich nicht schämst, so tu,
was du willst“ (Bukhari). Dieser Hadith hat zwei
anerkannte mögliche Auslegungen: 1) dass
man seinem eigenen Gewissen folgen kann, so
lange man sich nicht schämt, oder 2) dass es
für jemanden, der keinerlei Schamgefühl hat,
nichts gibt, das ihn hindern könnte, so zu
handeln, wie er will, also auch schlecht.

Biblische Gegenüberstellung

Gott hat uns Menschen von Anfang an Ehre


gegeben und uns über seine Schöpfung
gesetzt. Er hat sie unserer Fürsorge anvertraut.
Gott ehrt uns durch die Gottesebenbildlichkeit,
die das Wesen des Menschen bestimmen soll
(Ps 8,5ff). Gott wirft seinem Volk Israel vor,
dass es nicht versteht, worin seine tiefste
Schande liegt: in der Untreue gegen Gott (Jer
6,15). Diese Schande gilt es zu erkennen (Hes
16,63). Untreue hatte Schmach und Schande
vonseiten der Feinde Israels zur Folge (Jes
61,7), was vor allem Ausbeutung und ständige
Angst bedeutet.

Christen sollen alle Menschen, auch den


Kaiser, ehren (1.Petr 2,17). Durch den Heiligen
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Islamische Feiertage und Feste für den Islam der ältere Sohn Ismael wichtiger
ist als Isaak, der „Sohn der Verheißung und des
Im islamischen Festkalender sind sowohl Glaubens“. Es spielt im Islam keine Rolle, dass
Spuren der jüdisch-christlichen als auch der Ismael von Abraham eigenmächtig gezeugt
arabisch-heidnischen Tradition erkennbar. Die wurde. – Es ist nicht zufällig, dass das
meisten Feste und Gedenktage aber haben rein wichtigste islamische Fest an Abraham erinnert.
islamischen Charakter. Sie werden auf Da er vor Mose und vor Jesus lebte und
Muhammad zurückgeführt, sind allerdings erst trotzdem ein frommer Verehrer des einen
im Laufe der Zeit nach ihm ausgeformt worden. Gottes war, gilt er als Beweis dafür, dann man
Das Festjahr richtet sich nach dem nicht Jude oder Christ werden müsse, um Allah
Mondkalender. Deshalb verschieben sich die in rechter Weise zu verehren und zu dienen.
Feste jeweils um 10 bis 11 Tage gegenüber Insofern ist das Opferfest auch eine bewusste
dem Sonnenjahr. Abgrenzung gegenüber Judentum und
Christentum.
Das Opferfest
Als das „große Fest“ gilt das „Opferfest“ Das Fest des Fastenbrechens
(türkisch: Kurban Bayramı), das zur Erinnerung Als das „kleine Fest“ gilt das Fest zur
an Abrahams Bereitschaft gefeiert wird, seinen Beendigung des Fastenmonats Ramadan
Sohn zu opfern. Da der Sohn durch einen (türkisch: Şeker Bayramı, d.h. „Zuckerfest“). Es
Widder ausgelöst wurde, werden in der ganzen wird ebenso ausgiebig wie das Opferfest
islamischen Welt Schafe oder andere Tiere gefeiert, da es im Bewusstsein der Menschen
geschlachtet und gemeinsam verzehrt. Es gilt nach den Entbehrungen des Fastens fast noch
als verdienstlich, vom Fleisch armen Menschen wichtiger ist als das Opferfest. Es beginnt
abzugeben oder sie zum Essen einzuladen. ebenfalls am frühen Morgen mit einem
besonderen Festgebet, an dem in erster Linie
Das Opferfest wird am 10. Tag des Männer und einige ältere Frauen teilnehmen.
Wallfahrtsmonats und an den folgenden Tagen Gefeiert wird dann in ähnlicher Weise wie beim
gefeiert, also zugleich mit den Pilgern, die an Opferfest.
diesem Tag in Mina bei Mekka Tiere schlachten
und verzehren. Die Muslime weltweit nehmen Das Fest des Fastenbrechens wird am 1. Tag
gewissermaßen symbolisch an der Pilgerfahrt des Monats Schawwâl gefeiert, der auf den
teil. Das Fest beginnt mit einem besonderen Ramadan folgt. Traditionell muss der Neumond
Festgebet, das in der Morgenfrühe in den mit bloßem Auge gesehen werden können. Das
Moscheen oder auf besonderen Gebetsplätzen kann dazu führen, dass das Fest in einzelnen
im Freien gehalten wird. Ländern um einen Tag zeitversetzt gefeiert
wird. – Bereits in den voran gehenden
An den Festtagen besuchen sich Familien und Ramadan-Nächten herrscht in islamischen
Bekannte gegenseitig. Besondere Festspeisen Ländern eine feierliche Stimmung. Das Ende
werden angeboten. Kinder bekommen neue des Fastens wir mancherorts durch
Kleider, und die Erwachsenen ziehen sich Kanonenschüsse angezeigt. Die Gebetsrufer
festlich an. Man trifft sich in Parks, in denen laden zum Sonnenuntergangsgebet ein. Es
besondere Vergnügungen angeboten werden. folgt ein üppiges Essen in der
Viele Menschen suchen aber auch die Familiengemeinschaft, oft auch mit den
Friedhöfe auf und erwarten davon besonderen Nachbarn. Man besucht sich gegenseitig und
Segen. In Europa nehmen sich viele Muslime bleibt bis weit nach Mitternacht auf. In den
Urlaubstage, um das Fest feiern zu können. Moscheen finden Koranrezitationen, erbauliche
Ansprachen und besondere religiöse Übungen
Abweichend vom biblischen Bericht hat sich im statt. Ein religiöser Höhepunkt ist die 27.
Islam die Meinung durchgesetzt, dass Ismael Ramadan-Nacht, in der nach der Überlieferung
und nicht Isaak hätte geopfert werden sollen, da
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Muhammad die erste Offenbarung erhalten


haben soll.

Die Muhammad-Feste Christen und die muslimischen Feste


Die weiteren Feste sind Tage, an denen in Die Feste haben für die islamischen
besonderer Weise an Muhammad gedacht wird. Gesellschaften einen sehr hohen Stellenwert.
Die Ausgestaltung erfolgte vermutlich in Sie schaffen unter den gemeinschaftlich
bewusster Abgrenzung zu den Christus-Festen Feiernden eine große Solidarität. Dies spüren
Weihnachten, Ostern und Himmelfahrt Jesu. besonders Christen, die als kleine Minderheiten
Außer dem Empfang der ersten Offenbarung in islamischen Ländern leben. In Europa
durch Muhammad am 27. Ramadan wird schweißen die Festtage die muslimischen
dessen Geburtstag (am 12. des Monats Rabî’ Gläubigen zusammen. Man ist sich bewusst, zu
II) und seine angebliche „Himmelsreise“ einer weltweiten Gemeinschaft zu gehören.
(Mi’radsch, am 27. Radschab) gefeiert. Die Deshalb fördern die Feste die Separation von
Muhammad-Feste spielen im Sufismus , dem der Mehrheitsgesellschaft. Für Christen sind die
mystischen Islam, und im sogen. Volksislam muslimischen Feste aber eine gute Möglichkeit,
eine große Rolle. Die religiösen Bruderschaften muslimische Nachbarn und Bekannte zu
veranstalten besondere Umzüge, religiöse besuchen, zum Fest zu gratulieren und damit
Übungen und Feierlichkeiten, an denen viele Brücken zu schlagen.
Muslime teilnehmen und von denen ein
besonderer Segen erwartet wird. Für Christen liegt es nahe, beim Opferfest zu
bezeugen, dass Jesus Christus für die Sünden
Regionale und örtliche Feste der Menschheit geopfert wurde. Für Muslime ist
Im schiitischen Islam gedenkt man am 10. es kaum zu begreifen, dass einsündloser
Muharram an ein für die Schiiten tragisches „Gesandter Allahs“ an der Stelle sündiger
Ereignis, die Tötung des Muhammad-Enkels Menschen geopfert worden sein soll, während
Hussein durch die Krieger des omaijjadischen bei der „Opferung des Sohnes Abrahams “ der
Kalifen Yazid I im Jahr 680 n. Chr. in Kerbela. wertvolle Sohn des Glaubensvaters durch ein
Hussein gilt als Märtyrer, und sein Tod wird minderwertiges Tier ausgelöst wurde. Gerade in
durch „Passionsspiele“ und durch blutige diesem „Skandal“ liegt jedoch die ganze
Selbstgeißelungen vergegenwärtigt. Außer christliche Botschaft!
Kerbela ist Nadschaf (beide Orte liegen im Irak)
für die Schiiten ein wichtiger Wallfahrtsort, da Es ist auch nicht einfach, mit Muslimen über
hier Ali, der Schwiegersohn Muhammads, den Sinn bzw. Unsinn des Fastens – der
ermordet wurde. Um die Schreine dieser Nahrungsverbrauch steigt im Fastenmonat
schiitischen Märtyrer sind prächtige Moscheen erheblich an! – zu sprechen. Christen können
gebaut worden, zu denen alljährlich große aber bezeugen, dass ihr ganzes Leben Gott
Menschenmassen pilgern. geheiligt ist und sie deshalb nicht bestimmte
Fastentage einhalten müssen, sondern täglich
Außer den großen schiitischen Schreinen und zu vielen Dingen Nein sagen, die nicht
den mit ihnen verbundenen Wallfahrten gibt es gottgewollt sind.
in der gesamten islamischen Welt regional und
örtlich mehr oder weniger bedeutende www.orientdienst.de
Schreine, an denen jährliche Wallfahrtsfeste
(Sing. Mûlid) gefeiert werden. Die Erwartung
von Segen durch Berührung der Grabbauten,
der Schreine und Reliquien der jeweiligen
„Heiligen“ spielt dabei eine große Rolle. Vor
allem für Frauen sind diese Wallfahrten eine
begehrte Möglichkeit, Segen zu erlangen.
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Nationalismus und Islam hervorgingen, führte das zu einer Vorherrschaft


des Arabertums innerhalb des Islam.
Islam und Nationalismus treten in Geschichte
und Gegenwart häufig gemeinsam auf. Worte Großislamische Folgereiche herrschten dann
wie islamistischer Nationalismus und als islamische Dynastien über das Erbe des
Panturkismus oder Panarabismus gemischt mit Islam: die Umayyaden Kalifen (661-750); die
Panislamismus versuchen diese Verbindung zu Abbasiden Kalifen (750-1258), die Fatimiden
beschreiben. Es ist uns unmöglich in Kürze in Sultane und Kalifen in Nordafrika (930-1171),
jedem einzelnen Land die Entwicklungen bis die Seldschuken Sultane in Bagdad und Konya
heute darzustellen. Deshalb begrenzen wir uns (1055-1307) und schließlich die Dynastie der
hier auf einige Grundlinien und Ausschnitte. türkischen Osmanen (1288-1922). Diese
vereinten einmal mehr, einmal weniger religiöse
Ursprünge und weltliche Macht in einem Amt, bestanden
Beim Betrachten der Entstehung des zeitweilig nebeneinander und umfassten
islamischen Staates fällt auf, dass Mohammed unterschiedlich große Bereiche der gesamten
als Gründer der islamischen Gemeinschaft islamischen Umma. 1924 wurde der letzte
sowohl religiöses als auch staatliches islamische Kalif durch Atatürk abgesetzt und
Oberhaupt war. Mohammed baute an einem das Kalifat abgeschafft.
einzigen islamisch-arabischen Staatswesen auf
der arabischen Halbinsel und kämpfte darum, Obwohl Nationalismus von einzelnen
die rivalisierenden Nomadenstämme und muslimischen Staaten mit dem Islam nicht
zersplitterten Völker der arabischen Halbinsel vereinbar scheint, gab es geschichtlich häufig
zu einer Einheit unter dem Banner des Islams einen nationalistischen, manchmal sogar einen
zu verbinden. Nach seinem Vorbild strebten rassistischen Islam. So kommt es, dass es
viele spätere islamische Ideologen als Ideal innerhalb der arabischen Völker starke
einen einzigen weltumspannenden islamischen Abneigungen untereinander gibt, ebenso
Staat an. zwischen Arabern und Iranern und zwischen
Im Koran wird andererseits anerkannt, dass Türken und Arabern. Letzteres lässt sich auf die
Allah viele Nationen mit ihren Eigenheiten Ausbeutung der Araber durch die osmanischen
geschaffen hat (Sure 49,13), er jedem Volk Türken zurückführen. Dazu kommt die
einen Botschafter sandte (10,47; 4,64; 43,6) Überzeugung der Araber, ein Kalif solle aus
und sich jedes Volk vor ihm verantworten muss ihrem Volk kommen, insbesondere dem Stamm
(45,28; 18,47). Doch mit der Aussage, das Mohammeds, den Quraisch.
Beste aller Völker sei das islamische Volk Mit der Ausbreitung des Islam bis nach China,
(3,110), wird ein panislamisches Volk Indonesien und andere weit entfernte Länder
eingeführt, dessen islamische Religion über alle war es damals nicht mehr möglich, ein
anderen Religionen siegen muss (9,33; 61,9). großislamisches Reich aufrechtzuerhalten. Im
In den Hadithen (Aussprüche und Zuge des Kolonialismus wurden durch
Lebensvorbild Mohammeds) gibt es Hinweise, westliche Kolonialmächte unter anderem auch
dass Mohammed das Stammesdenken und den in islamischen Gebieten Kolonien gegründet
Nationalismus bekämpfte, da sie ihm für die und Landeinteilungen vorgenommen, die auch
Ausbreitung des Islams hinderlich schienen. nach Ende der Abhängigkeiten
weiterbestanden und von den Muslimen der
Großislamische Reiche und ihre jeweiligen Länder bis auf einige Ausnahmen
Zerschlagung akzeptiert wurden.
Da Mohammed selbst Araber war und auch
seine ersten vier Nachfolger („die Panislamistischer Nationalismus
rechtgeleiteten Kalifen“ 632-661 n. Chr.) aus Anhänger der „Salafiyya“, die zu den
dem mekkanischen Araberstamm der Quraisch Ursprüngen der islamischen Religion
zurückkehren wollen, streben teilweise wieder
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das Ziel eines panislamischen Einheitsreiches Welche Rolle dabei jeweils Nationalismus,
an. Dazu gehören die Muslimbrüder, die sich Islam, die Machtansprüche einzelner Herrscher
ganz bewusst gegen einen arabischen oder Gruppierungen, soziale Fragen,
Nationalismus wenden. Andere Islamische wirtschaftliche Interessen etc. spielen, müsste
Nationalisten wie Raschīd Ridā (1865-1935) im Einzelnen analysiert werden und scheint oft
waren auch Vertreter des Panislamismus. Sie kaum zu entwirren.
suchen die Vereinigung aller islamischen
Völker. Es gibt viele Schattierungen dieser Nationalität in christlicher Perspektive
Rückbesinnung. So befürwortete Ridā den
Panarabismus. Er war gegen den Nach der Bibel hat zwar Gott durch Abraham
einzelstaatlichen arabischen Nationalismus und das israelische Volk auserwählt, doch mit dem
propagierte die Gründung eines unabhängigen Ziel, durch dieses Volk alle Völker der Welt zu
arabischen Großstaates, was ein Traum blieb. segnen. Denn das Heil kommt von den Juden
Sein Gegenstück im türkischen Bereich, Ziya (Joh 4,23). Trotzdem sollte Israel keinen
Gökalp (1876-1924), verlieh seinem überzogenen Stolz entwickeln, denn in der
Nationalismus einen pantürkischen Anstrich. Bibel werden seine vielen Sünden unverhüllt
Der Islam sollte dabei die integrierende Kraft dargestellt. Auch das neutestamentliche Volk
bleiben. Der charismatische türkische Denker, Gottes wird stark in die Selbstkritik geführt.
Fetullah Gülen, verbreitet heute weltweit die Jesus war zeit seines Lebens mit wenigen
Synthese eines nationalistisch-türkischen Islam Ausnahmen nur zu den Juden gesandt, aber
mit seinem Bildungsnetzwerk erfolgreich. nach seiner Auferstehung ertönte der Befehl zur
Weltmission (Mt 28,18-20). Jesus sagte vorher,
Nationalistische Konflikte es werde sich Nation gegen Nation erheben
und es werde schreckliche Kriege unter den
Die strenge Verbindung von Staat und Religion Völkern geben (Mt 24,6-7). Der Nationalismus
im Islam erklärt teilweise die Unterdrückung und wird als Krankheit der Völker um sich greifen.
Benachteiligung nichtislamischer Volksgruppen Andererseits werden jetzt verfeindete Völker,
in islamischen Ländern. Dort wo der Islam sich wie der Irak, Israel und Ägypten - vermutlich im
mit Rechtsextremismus, Rassismus und angekündigten Millennium - ein Brudervolk
Faschismus verbindet, kann es zu furchtbaren werden (Jes 19,24-25).
Völkermorden kommen. Als Beispiel sei hier nur
der Sudan angeführt, der von Saudi Arabien Christen nehmen die Zugehörigkeit zu ihrer
unterstützt gegen die Bevölkerung in Dafur seit Nation – wie die zu ihrer Familie - als Geschenk
2003 massiv vorgeht. und Auftrag Gottes an und danken ihrem Herrn
für alle Errungenschaften ihres Volkes, die ja
Aber auch zwischen islamischen Volksgruppen auch ihnen zugute kommen. Zugleich wissen
kann es lang andauernde bewaffnete Konflikte sie sich mit Christen anderer Nationen geistlich
geben. Das belegen die Kämpfe zwischen verbunden. Christlicher Nationalismus dagegen
(muslimischen) Kurden und Türken bzw. findet in der Bibel kein Fundament. Wo dieser
Arabern (im Irak) sowie zwischen Iran und (leider in einer Fülle von traurigen Beispielen) in
verschiedenen arabischen Staaten in den der Geschichte auftrat, handelt es sich
Golfkriegen. eindeutig um Verirrungen, über die Christen
Buße tun sollten. Die Nationalität sollte bei
Krawalle in Paris (2005) unter muslimischen Christen im Konfliktfall mit ihrem Glauben
Nordafrikanern und Morde in London (2008) immer eine untergeordnete Rolle spielen. Der
unter Jugendlichen des subindischen Aufbau eines christlichen Reiches oder gar
Kontinents zeigen die Gefahr eines mit sozialen Weltstaates ist für Christen unmöglich, da sich
Problemen gekoppelten patriotischen Islam in das Reich des Christus in den Herzen der
Europa. Menschen ausbreitet (Lk 17,21) und bis zur
Wiederkunft von Jesus nicht von dieser Welt ist
(Joh 18,36). Doch selbst dann behalten die
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Völker ihre Freiheit (Sach 14,17), bis ein neuer


Himmel und eine neue Erde mit neuen
Gesetzmäßigkeiten von Gott erschaffen werden
(Offb 21,1). Die Bibel bejaht die Völker,
Nationen, Sprachen und Unterschiedlichkeiten -
obwohl zumindest die verschiedenen Sprachen
aus einer gottesfeindlichen Selbstüberhöhung
des Menschen beim Turmbau zu Babel
entstanden (1.Mose 11,4-6). Doch auch die
Aufteilung der Menschheit in viele Nationen
findet durch die Versöhnung mit Gott durch
Jesus Christus die Anerkennung Gottes (Offb
5,9).
Der Prophet Daniel kündigte an, dass zur Zeit
des Römerreiches Gott selbst beginnen werde,
sein Reich aufzurichten, was in Jesus Christus
geschah: „Aber in den Tagen jener Könige wird
der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das
ewiglich nie untergehen wird; und sein Reich
wird auf kein anderes Volk übergehen; es wird
alle jene Königreiche zermalmen und ihnen ein
Ende machen; es selbst aber wird ewiglich
bestehen.“ (Dan 2,44)

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Die „vermenschlichende“ Rede Allah „sitzt auf einem Thron“. Berühmt ist der
von Allah – „Anthropomorphismen“ „Thronvers“ (2,255): „Nicht überkommt Ihn
Schlummer und nicht Schlaf. Ihm gehört, was in
Der Koran gebraucht für die Umschreibung der den Himmeln und was auf der Erde ist… Sein
Eigenschaften Allahs Vergleiche mit Thron umfasst die Himmel und die Erde, und es
menschlichen Merkmalen. Das war und ist für fällt ihm nicht schwer, sie zu bewahren.“
die muslimischen Theologen ein erhebliches (Khoury, ähnlich Paret). „Thron“ ist also
Problem. Wie kann man so „menschlich“ von Ausdruck von Allahs Weltherrschaft. Er ist der
Allah reden, wo Allah doch von allem „Herr des ehrwürdigen Thrones“ (23,116 nach
Menschlichen geschieden ist? Müssen diese Khoury, vgl. auch 20,5 und 25,59). Er ist der
Ausdrücke, die Allah dem Menschen „wahre König“ (20,114; 23,116) – einer der
„verähnlichen“, „wörtlich“ oder „übertragen“ „schönen Namen“ Allahs (vgl. 7,180; 20,8). – Zu
(metaphorisch, allegorisch) verstanden diesen Namen Allahs gehört „der Sichtbare“
werden? (Sure 57,3 nach Khoury, Paret übersetzt
„erkennbar“). Das ist merkwürdig angesichts
Beispiele aus dem Koran der Verborgenheit Allahs, die ebenfalls in Sure
Nach dem Koran hat Allah ein „Antlitz“. So heißt 57,3 ausgesprochen wird: „Er ist der Sichtbare
es in Sure 55,26f. (Zitate nach A. Th. Khoury, und der Verborgene.“ (Khoury).
Der Koran Arabisch-Deutsch, Gütersloh 2004):
„Alle, die auf ihr [der Erde] sind, werden Auf jeden Fall legen diese Ausdrücke die
vergehen; bleiben wird nur das Antlitz deines Vermutung nahe, dass Muhammad Allah
Herrn.“ Die Übersetzung von R. Paret (8.Aufl. personal verstand. Wahrscheinlich war er dabei
2001) beseitigt den Anstoß durch folgende von seinen jüdischen Gewährsleuten
Wiedergabe: „Dein Herr, der Erhabene und beeinflusst worden. Das Alte Testament kann
Ehrwürdige, bleibt bestehen.“ – Öfter (2,272; ähnlich „vermenschlichend“ von Gott reden.
6,52; 13,22; 18,28; 30,38f; 92,20) heißt es im „Des HERRN Thron ist im Himmel. Seine
Koran, dass der Mensch „nach dem Antlitz Augen sehen herab, seine Blicke prüfen die
Gottes suchen“ (Khoury) soll, indem er betet Menschenkinder. (Ps 11,4) „Die Himmel
und von seinem Besitz abgibt. – Berühmt ist erzählen die Ehre Gottes und die Feste
Sure 2,115: „Gottes ist der Osten und der verkündigt seiner Hände Werk.“ (Ps 19,2)
Westen. Wohin ihr euch auch wenden möget, „HERR, lass leuchten über uns das Licht deines
dort ist das Antlitz Gottes.“ (Khoury). Antlitzes!“ (Ps 4,7)

Ähnlich ist die Rede von Allahs „Augen“. Nach Unterschiedliche Deutungen in der
Sure 52,48 tröstet Allah Muhammad mit den muslimischen Theologiegeschichte
Worten: „Sei geduldig, bis dein Herr sein Urteil Die muslimischen Theologen fanden
fällt. Du stehst vor unseren Augen.“ (Khoury). – unterschiedliche Antworten auf das Problem. Es
In Sure 54,14 sagt Allah, dass die Arche Noahs hat immer eine theologische Richtung gegeben,
„vor unseren Augen dahinfuhr“ (Khoury). Paret die den Koran als vernünftig erweisen wollte.
interpretiert jeweils durch die Übersetzung: Sie vergeistigte die Anthropomorphismen. Unter
„unter unserer Obhut“. dem „Thron Allahs“ verstand sie sein
Weltregiment, unter seinen „Händen“ seine
Allah hat „Hände“. Nach Sure 5,64 sagt schöpferische und beschützende Macht, unter
Muhammad von Allah: „Seine Hände sind seinen „Augen“ seine Allgegenwart und unter
ausgebreitet, und Er spendet, wie Er will.“ seinem „Antlitz“ Allah selbst als im Gebet zu
(Khoury, ähnlich Paret). Es geht hier um das suchenden.
reichliche Schenken Allahs, u.a. in der
„Herabsendung“ des Korans. Bekannt wurde die frühe theologische Schule
der Mu'taziliten (8./9. Jahrhundert n. Chr.),
welche die Logik des Aristoteles heranzog, um
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den Koran systematisch zu durchdenken und waren der Philosophie des Aristoteles und des
gegenüber seinen Kritikern als logisch zu Neuplatonismus verhaftet. Während für die
erweisen. Um an einem rein geistigen rationalistischen Theologen Allah eine reale
Gottesbegriff festzuhalten, deuteten sie die Größe außerhalb des geschaffenen Seins blieb,
anthropomorphen Aussagen des Koran war er für die Philosophen die „höchste Idee“
„übertragen“. oder der „erste Beweger“ innerhalb des einen
Seins.
Dagegen wehrten sich die konservativen
Theologen. Ihr erster großer Vertreter, Ibn Eine Beurteilung aus christlicher Sicht
Hanbal (780-855 n. Chr.), forderte, alle Der Umgang mit den Anthropomorphismen
Anthropomorphismen des Koran stehen zu macht einen wesentlichen Unterschied
lassen und nicht zu interpretieren. Der Thron zwischen biblischem Glauben und Islam
Allahs und sein Thronsessel seien von Allah deutlich. Die Bibel bezeugt, dass Gott mit uns
erschaffen und könnten deshalb nicht Menschen in Reden und Handeln
vergeistigt werden. „Gemeinschaft“ haben möchte und sich uns
Alle vermenschlichenden Ausdrücke seien Menschen auf verschiedene Weise „zuwendet“.
wörtlich für wahr zu halten, allerdings „ohne Um sich uns Menschen verständlich zu
Wie“ („amodal“). Der Thron Allahs sei nicht mit machen, redet und handelt Gott sehr
einem menschlichen Thron zu vergleichen, aber „menschlich“. Seine Tiefe hat diese Zuwendung
auch nicht erklärbar. Deshalb lehnte Ibn Hanbal Gottes zu uns in der Menschwerdung
es ab, aus dem Handeln und den (Inkarnation) seines Wortes in Jesus Christus
Eigenschaften des Menschen Schlüsse auf das erreicht. Um Jesu willen können wir Christen
Handeln Allahs zu ziehen. Solche Schlüsse menschlich von Gott reden und zugleich
waren für ihn abzulehnende festhalten, dass Gott der unverfügbare Gott
Anthropomorphismen, da durch sie Allah und bleibt.
Mensch in eine Beziehung zueinander gebracht
würden. Um eine „Vermenschlichung“ Allahs zu Das Bemühen der muslimischen Denker ist
vermeiden, lehnte Ibn Hanbal jede Diskussion dagegen darauf gerichtet, Allah von allem
über die Eigenschaften Allahs ab. Menschlichen fernzuhalten. Die muslimische
Theologie lehnt die Menschwerdung des
Die konservative Theologie folgte Ibn Hanbal rettenden Wortes Gottes in Jesus Christus ab.
weitgehend, obwohl es immer auch Daran wird deutlich, dass sie die Erlösung des
Kompromisse mit der rationalistischen Richtung Menschen nicht für nötig hält. Insofern berührt
gab. Der große Gewährsmann des die Frage nach der „Vermenschlichung“ Gottes
Hauptstroms der konservativen Theologie war das Zentrum des biblischen Glaubens.
Al-Ash'ari (873-935 n.Chr.). Für ihn war der
Text des Koran ewig und nicht erschaffen. Die
allegorische Auslegung der Rationalisten lehnte www.orientdienst.de
er ab und lehrte ein wörtliches Verständnis des
Koran mit der Begründung, dass Allah den
Koran „in klarer arabischer Sprache“ (vgl. Sure
16,103) offenbart habe. Im Blick auf die
anthropomorphen Ausdrücke lehrte er wie Ibn
Hanbal, dass sie wörtlich, aber ohne konkrete
Vorstellung zu verstehen seien.

Ganz anders dachten die großen muslimischen


Philosophen. Sie gingen in der Vergeistigung
der Koranausdrücke noch weiter als die
rationalistisch denkenden Theologen. Sie
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Sunniten Abbasiden (750-1258) für Jahrhunderte erblich.


Die Schiiten wurden politisch und religiös in
Entstehung eine Minderheitenposition abgedrängt und von
Nach Muhammads unerwartetem Tod am 8. der sunnitischen Mehrheit als „Abtrünnige“
Juni 632 in Medina stand die islamische häufig diskriminiert oder sogar hart verfolgt,
Gemeinschaft unvermittelt vor der Frage, wer weshalb sie die Lehre von der „taqiya“
religiöser wie politischer Führer der „umma“, der (Vorsicht, Geheimhaltung) entwickelten.
muslimischen Gemeinde, werden sollte. Diese
Frage führte unter den Anhängern Muhammads Theologie und Herrschaft
zu einem tiefgreifenden Konflikt und schließlich Die sunnitische Theologie hält am
zu einer Spaltung in mehrere Gruppierungen. nichthinterfragbaren Vorbild Muhammads und
der vier rechtgeleiteten Kalifen fest, deren
Eine kleinere Gruppierung, die später als Aussprüche und Taten in der Überlieferung
„Schiiten“ (Schia = Partei) bezeichnet wurde, (arab. hadith) niedergelegt sind. Die fünf Säulen
forderte einen direkten Verwandten oder des Islam – Bekenntnis, Gebet, Fasten,
Nachfahren Muhammads, da nur auf ihm die Almosen, Wallfahrt – gelten Sunniten als
Segenskraft des Propheten ruhe. Allerdings war verbindlich, der Koran als unfehlbares
am Todestag Muhammads keiner seiner Söhne Gotteswort, die Scharia als ewiges
mehr am Leben und seine beiden männlichen Gottesgesetz – auch wenn man sich selbst
Enkel al-Hasan und al-Husain waren noch vielleicht nicht immer an die Vorschriften hält.
Kinder.
Eine zweite Gruppe bildeten die Chari-dschiten Im sunnitischen Islam gilt nur der Koran als
(„die Ausziehenden“). Sie vertraten die unfehlbar, nicht aber der Kalif. Er ist nur der
gegenteilige Auffassung, nämlich, dass der Erfüller des Willens Gottes auf Erden. (Schiiten
Nachfolger Muhammads nurmehr der fähigste betrachten den obersten Leiter der schiitischen
Mann der Gemeinschaft sein sollte, ganz Gemeinschaft, den Imam, dagegen als
unabhängig von seiner Herkunft und unfehlbar.) Der sunnitische Herrscher erlässt
Abstammung. Die dritte und weitaus stärkste theoretisch keine Gesetze, sondern bringt
Gruppierung, die der Sunniten („die Leute der lediglich das Gesetz Gottes zur Anwendung
Tradition“), verfocht, dass ein Mitglied des und ermöglicht seinen Untertanen so, nach der
Stammes Muhammads Kalif („Nachfolger“) Scharia ein gottgefälliges Leben zu führen.
werden sollte – also ein Quraysh – der aber Dafür gebühren ihm Gehorsam und Loyalität.
zugleich durch einen Rat gewählt und durch Keine Einigkeit besteht unter muslimischen
einen Treueeid bestätigt werden sollte, also Theologen in der Frage, was zu tun sei, wenn
Führungsstärke und Abstammung miteinander der Herrscher diese Rolle nicht mehr erfüllt –
verband. darf er dann gewaltsam gestürzt werden? Der
radikal-politische Islam vertritt heute, dass dann
Die Sunniten konnten sich im Kampf um die zum Wohle der islamischen Gemeinschaft
Nachfolge Muhammads durchsetzen und sogar die Pflicht besteht, einen „gottlosen“
stellten die ersten drei Kalifen, die weltliche und Herrscher zu beseitigen.
geistliche Herrscher zugleich waren: Abu Bakr
(regierte 632-634), 'Umar (634-644) und Einfluss
'Uthman (644-656). Erst danach konnten die Der sunnitische Islam breitete sich nach
Schiiten kurzzeitig einen ihrer Leute, 'Ali ibn Abi Muhammads Tod rasch bis nach Spanien und
Talib (656-661), den Neffen und Zentralasien aus. Auch theologisch behielten
Schwiegersohn Muhammads, als vierten die Sunniten die Oberhand. Sie wurden als
Kalifen in Position bringen. Nach seiner Gründer der vier bedeutendsten Rechtsschulen
Ermordung jedoch sicherten sich die Sunniten des Islam tonangebend in der Ausformulierung
das Kalifat dauerhaft und machten es für die des islamischen Gesetzes, der Scharia. Zwar
Dynastien der Umayyaden (661-749) und der wurde die berühmte, rund 1.000 Jahre alte al-
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Azhar-Universität in Kairo ursprünglich von Organisationen wie z. B. die


Schiiten gegründet, heute ist sie jedoch eine Muslimbruderschaft sind dem sunnitischen
Hochburg sunnitisch-konservativer Lehre und Islam zuzurechnen; aber auch die neuen
entsendet jährlich Tausende Absolventen in Reformansätze einiger heutiger türkischer
jeden Winkel der Erde. Auch die einflussreichen Theologen kommen aus dem Sunnismus. Nicht
Lehr- und „Missions“institute Saudi-Arabiens der sunnitische Islam an sich ist extremistisch,
zur Verbreitung des Islam sind rein sunnitisch sondern die jeweilige selektiv-politische
geprägt. Staatsreligion ist der Schiismus heute Interpretation seiner Quellen.
nur im Iran. Vorherrschend ist der Schiismus
heute nur im Iran und Irak, in Oman und Fazit
Bahrain, im Libanon und in Aserbaidschan. Schiiten und Sunniten sprechen sich bis heute
nicht selten gegenseitig den richtigen Glauben
Der Anteil der Sunniten macht gegenwärtig ca. ab; Schiiten haben die sunnitischen Kalifen
85-88% aller Muslime aus. Sunniten – häufig an hohen Festtagen verflucht. Die
allerdings nicht nur sie! – sehen sich häufig als tiefgreifende Spaltung zwischen Sunniten und
die wahren Erben der Tradition Muhammads. Schiiten, die zu Spannungen, Hass, Gewalt und
Gegenüber anderen Muslimen haben sie sich Unterdrückung führte, hat bisher keine
oft unduldsam gezeigt. Aus der gegebenen grundlegende theologische oder menschliche
politisch-religiösen Machtfülle heraus konnte z. Versöhnung gefunden. Die islamische
B. das sunnitsch-wahhabitische Saudi-Arabien Theologie kennt wohl den Aufruf zur Solidarität
1974 erwirken, dass die um 1900 in Indien unter Muslimen, aber nicht zur brüderlichen
entstandene Ahmadiyya-Bewegung, die sich Liebe oder Versöhnung durch Verzicht auf
selbst als islamisch versteht, aus der eigenes Recht.
Gemeinschaft der Muslime ausgeschlossen und
zur Ketzerbewegung erklärt wurde. Aus Der sunnitische Islam ist ein festgefügtes
derselben Haltung heraus vereinnahmt der Lehrgebäude mit sehr vielen Einzelvorschriften,
sunnitische Mehrheitsislam der Türkei seine die wenig Raum lassen für ein individuelles
bedeutende alevitische Minderheit als Islamverständnis, insbesondere für den, der die
„sunnitisch“. Dass sich alle Aleviten nicht als zahlreichen Anweisungen aus den
Sunniten und ein gewisser Teil sogar gar nicht Überlieferungssammlungen ernst nimmt.
als Muslime verstehen, sondern als eigene Dennoch befolgt nur ein Teil der sunnitischen
Religionsgemeinschaft, wird ausgeblendet. Muslime alle diese Vorschriften zu Gebet und
Fasten, zu Speisen und Kleidung, zu Almosen,
Die Bandbreite des sunnitischen Islam Alkoholverbot und der generellen Nachahmung
Innerhalb des sunnitischen Islam ist das Muhammads. Wird Gott mir Sünder gnädig
theologische Spektrum groß. Vertreter des sein? Darauf gibt auch der sunnitische Islam
sunnitischen Islam können gleichzeitig nur die Antwort „insch'allah“ – wenn Gott es will.
Mitglieder eines Mystikerordens sein, in dem sie Das macht auch viele Sunniten suchend und
durch Schweigen, Gebete, Musik, Gesang oder fragend.
Tanz Gottes gedenken und sich in ihn
versenken. Sunnitische Muslime können liberal,
modernistisch oder konservativ denken, einen www.orientdienst.de
mit volkstümlich-magischen Elementen
durchsetzten Islam praktizieren, eine moderat-
ethische oder politische Interpretation des Islam
vertreten oder – sofern sie sich auf
Muhammads Vorbild berufen und zum Kampf
gegen die Ungläubigen aufrufen – sogar
extremistisch ausgerichtet sein. Die weltweit
mitgliederstärksten extremistischen
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Der Charakter von Jesus im Koran Tote zu neuem Leben (Sure 3,49). Jesus soll
nach koranischem Zeugnis mithilfe seiner
Während Jesus im Koran zwar als großer Wunderzeichen das bestätigen, was schon aus
Prophet beschrieben wird, verurteilt der Koran der Thora bekannt ist und einen Teil von dem
den christlichen Glauben an seine erlauben, was zuvor verboten war.
Gottessohnschaft und seinen stellvertretenden In Sure 3,46 beschreibt Jesus die Botschaft
Tod am Kreuz scharf. Obwohl Jesus in Sure hinter den Wunderzeichen: „Ich komme zu euch
3,45 als Messias bezeichnet wird, bleibt dieser mit einem Zeichen von eurem Herrn; fürchtet
Titel ohne jede Einordnung in die Gott und horchet auf mich. Wahrlich, Gott ist
alttestamentliche Erwartung eines gesalbten mein Herr und euer Herr, so verehret ihn. Dies
Retters. In derselben Stelle wird Jesus als ein ist der rechte Weg.“ Als Mohammed jedoch
„Wort von Gott“ beschrieben, ohne dass damit behauptete, dieselbe Botschaft wie Jesus und
das ewige Fleisch gewordene Wort Gottes aus die anderen Propheten vor ihm zu bringen,
dem Prolog des Johannes-Evangeliums verlangten sowohl die heidnischen Araber als
gemeint ist. Wenn es im Koran heißt, dass auch die Juden und Christen im Umfeld
Jesus „ein Geist von Gott“ ist, wird damit nicht Mohammeds die entsprechende Bestätigung
seine göttliche Identität bestätigt, sondern seiner Sendung durch Zeichen und Wunder.
lediglich seine übernatürliche Zeugung Mohammed wies diese Forderungen als
beschrieben. Aber dennoch enthalten die Unglauben ab und verwies, wie die islamische
koranischen Beschreibungen des Lebens und Theologie nach ihm, auf die Einzigartigkeit des
Wirkens Jesu zahlreiche Besonderheiten, die Korans als größtes Wunder. Der Koran
Jesus unter allen anderen Propheten berichtet von keinerlei Wundern, Heilungen
herausragen lassen und nicht wenige Muslime oder Dämonenaustreibungen Mohammeds,
zum weiteren Nachdenken über ihn anregen. während sich in den islamischen
Überlieferungen einige Wunderberichte finden,
deren Glaubwürdigkeit selbst unter Muslimen
Ein Gesandter der Zeichen und Wunder umstritten ist.

In Sure 3,45-49 verkündigen Engel der


Jungfrau Maria, dass Gott Jesus die Schrift, die Ein Mann der Güte und Barmherzigkeit
Weisheit, die Thora und das Evangelium lehren
wird und ihn als Gesandten zu den Kindern Muslimische Gelehrte haben immer wieder mit
Israels schicken wird. Jesus wird durch ein Wort Verweis auf Sure 61,6 versucht darzulegen,
Gottes gezeugt. Die übernatürliche Geburt von dass Jesus in Johannes 14 nicht den Heiligen
Jesus soll nach Aussage der Engel ein Geist, sondern das Kommen Mohammeds
Wunderzeichen und eine Barmherzigkeit für die angekündigt habe. Neben den exegetischen
Menschen sein. Muslime staunen zudem Schwierigkeiten bei einer solchen Auslegung
darüber, wie Jesus selbst bereits als Säugling spricht gerade die völlig unterschiedliche
in der Wiege seine Mutter gegen die Vorstellung von der Durchsetzung der
aufkommenden Vorwürfe der Unzucht verteidigt Herrschaft Gottes gegen eine Kontinuität
(siehe Sure 19,24ff.). Weiter bezeugt der Koran, zwischen Jesus und Mohammed. Ausführlich
dass Jesus auch später gestärkt vom Heiligen beschreiben Koran und Überlieferung die
Geist viele Wunder getan hat. Der Koran Kriege Mohammeds zur Durchsetzung des
berichtet in offensichtlicher Anknüpfung an islamischen Machtanspruchs und sein
apokryphische Schriften, wie Jesus einen Vogel gewalttätiges Vorgehen gegen seine
aus Ton formt und zum Fliegen bringt (Sure persönlichen Feinde und Widersacher. Auch
3,49). Außerdem heilt er Blinde und Aussätzige wenn der Koran Jesu Gebot der Feindesliebe
(Sure 3,49), versorgt seine Zeichen fordernden nicht überliefert, findet sich hier kein einziges
Jünger auf wunderbare Weise mit Essen aus Wort zu einer Ausübung oder Androhung von
dem Himmel (Sure 5,112-115) und erweckt Zwang gegenüber seinen Nachfolgern oder
142
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einer gewalttätigen Einstellung gegenüber gestorben sei. Sure 4,157-159 legt die Mehrheit
seinen Widersachern. Nach Sure 5,46 war in der muslimischen Theologen so aus, dass
seiner Botschaft vielmehr Führung und Licht Judas, der Verräter, oder ein anderer an der
und eine Ermahnung für die Gottesfürchtigen. Stelle Jesu gekreuzigt wurde. Gott hat Jesus
Nach Sure 19,34 ist er das „Wort der Wahrheit“. direkt zu sich in den Himmel erhoben, was ihn
In Sure 57,27 heißt es, dass Güte bzw. Mitleid ebenfalls deutlich von Mohammed
und Barmherzigkeit in die Herzen derer gelegt unterscheidet, der einen natürlichen Tod stirbt.
wurden, die Jesus folgten. Mohammed selbst soll eine tiefe Abneigung
gegen das christliche Symbol des Kreuzes
Ein sündloser und gewaltloser Prophet gehegt haben. Die Kreuzigung erscheint
muslimischen Augen als eine eindeutige
Während Mohammed als Gesandter Allahs Schmach und eine undenkbare Niederlage für
nicht nur bei der Zahl seiner Ehefrauen einen Gesandten Gottes. Der Gedanke, dass
Sonderrechte für sich in Anspruch nahm, wird ein Unschuldiger für die Sünde eines anderen
dies von Jesus nicht berichtet. stirbt, ist dem Koran ebenso fremd wie das
Erstaunlicherweise beschreibt der Koran zudem oben beschriebene Gebot der Feindesliebe. Die
anders als die islamische Theologie später, Botschaft vom Kreuz widerspricht dem
dass Mohammed um Vergebung seiner Sünden zentralen Inhalt des Koran, dass der Mensch
beten musste (siehe Sure 40,55; 47,19; 48,2), von Natur aus zum Guten fähig ist und die
während Jesus weder im Koran noch in der Gnade Gottes lediglich in der koranischen
islamischen Überlieferung einer einzigen Sünde Rechtleitung darüber besteht, was ihm erlaubt
bezichtigt wird und nach Sure 3,45 im Diesseits und verboten ist. Die geschenkte Vergebung
und im Jenseits angesehen ist. In der steht im Widerspruch zur islamischen
islamischen Mystik erscheint er als großer Werkgerechtigkeit, das Symbol der Waage für
Weisheitslehrer und Vorbild für Armut und die Abrechnung guter und schlechter Taten im
Askese. Vor allem der bereits im Koran Kontrast zum Kreuz, an dem nach biblischer
durchschimmernde Kontrast zwischen Offenbarung der heilige und gerechte Gott
Mohammed und Jesus in ihrer Einstellung zu selbst den teuersten Preis für seine Retterliebe
den Feinden stimmt viele Muslime nachdenklich zu dem verlorenen Sünder bezahlt hat.
und weckt nicht selten das Interesse für die
Evangelienberichte. Biblische Berichte wie die
Begebenheit, als Jesus bei seiner www.orientdienst.de
Gefangennahme das Ohr eines Knechtes des
Hohenpriesters heilte und Petrus für den
Einsatz von Gewalt gegen seine Widersacher
tadelte, haben schon viele Muslime wie den
ägyptischen Konvertiten und ehemaligen al-
Azhar-Gelehrten Mark Gabriel von der
Einzigartigkeit von Jesus, seiner Botschaft und
der Art (ihrer) seiner Verkündigung überzeugt.

Das Wort vom Kreuz

Diese stellenweise im Koran nahegelegte


Einzigartigkeit Jesu steht jedoch der
wiederholten Klarstellung gegenüber, dass
Jesus nicht der Sohn Gottes, sondern ein
gewöhnlicher Mensch wie alle anderen
Propheten gewesen und auch nicht am Kreuz
stellvertretend für die Sünde der Menschen
143
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Die vier Rechtsschulen im Islam welche Quellen zur Rechtsfindung – zur


Beurteilung neu entstehender Fragen also –
Entwicklung des islamischen Rechts anerkannt werden sollten. Aus diesen
Gelehrtenzirkeln der ersten Jahrzehnte
Muhammad war im Jahr 622 n. Chr. wegen des entwickelten sich die Rechtsschulen.
zunehmenden Widerstands der Araber gegen
die Botschaft des Islam von Mekka nach Die sunnitischen Rechtsschulen
Medina emigriert. Dort konnte er sich zunächst
als Schiedsrichter verfeindeter Gruppierungen, Der sunnitische Islam anerkennt heute vier
dann auch als Heerführer gegen Araber und Rechtsschulen (arab. madhahib, Pl. von
Juden und schließlich als Gesetzgeber seiner madhab = Weg, Lehre, Schule), die im 8.
muslimischen Gemeinde (arab. umma) Jahrhundert n. Chr. in den Zentren der
etablieren. Besonders aus der medinischen Zeit islamischen Gelehrsamkeit entstanden. Die
sind daher im Koran die rechtlichen Rechtsschulen erkennen sich gegenseitig an,
Regelungen einiger praktischer Alltagsfragen unterscheiden sich aber in einigen Lehrfragen,
überliefert, deren Schwerpunkt auf dem Ehe- der Auslegung von Rechtsbestimmungen wie
und Familienrecht sowie auf dem Strafrecht auch in Teilbereichen der religiösen
liegt. Pflichtenlehre. Insgesamt sind die
Der Koran enthält an keiner Stelle eine theologischen Differenzen aber nicht sehr groß.
systematische Behandlung juristischer Belange, Alle Muslime gehören einer der Schulen an und
ja, nur rund 10% des Korantextes thematisieren befolgen die religiösen Vorschriften nach deren
überhaupt Rechtsfragen. Es geht in den Tradition.
rechtsrelevanten Texten vor allem um Betrug
beim Handel, Vertragsbruch, Veruntreuung, Die schafiitische Schule
Diebstahl, Mord und Totschlag, sowie im
Eherecht um Ehebruch, Kindschaftssorge und Sie wurde vom „Vater der Rechtswissenschaft“,
am Rand um das Zeugen- und Erbrecht. dem vielleicht berühmtesten muslimischen
Außerhalb des Korans finden sich weitere Juristen überhaupt, Muhammad Ibn Idris asch-
rechtliche Regelungen in der Überlieferung Schafii (ca. 768-820) gegründet. Er setzte
(arab. hadith), der Sammlung der Taten und durch, dass nun auch die „sunna“, die
Aussprüche Muhammads, die allerdings kaum Entscheidungen Muhammads, in allen
vor dem 10. Jahrhundert schriftlich festgehalten rechtlichen Fragen als göttlich inspiriert galt. Wo
wurden. sich Koran und Überlieferung in Rechtsfragen
widersprechen, ist – so asch-Schafii – der
Als Muhammad 632 n. Chr. starb, existierte Überlieferung vor dem Koran Vorrang
also noch kein schriftlich niedergelegtes einzuräumen! Wenn also der Koran die
islamisches Gesetz. Der Koran war wie die Auspeitschung von Ehebrechern befiehlt, die
Überlieferung schriftlich höchstens teilweise Überlieferung aber die Steinigung, so gilt heute
fixiert. Aber schon in den ersten Jahrzehnten Schariagelehrten das Gebot der Steinigung
nach Muhammads Tod schritt die islamische allgemein als verbindlich.
Expansion rasch fort, und in diesen asch-Schafii definierte als maßgebliche
neueroberten Gebieten musste eine islamische Rechtsquellen den Koran, die sunna
Verwaltung und auch ein Rechtssystem (Gewohnheit Muhammads), den
etabliert werden. Analogieschluss und den Konsens unter
Rechtsgelehrten. Die schafiitische
Die Prophetengefährten, Gelehrte und Juristen Rechtsschule findet sich heute vor allem in
begannen nun zu erörtern, wie die überlieferten Indonesien, in Ostafrika, Südarabien und
Entscheidungen Muhammads und die Südostasien.
rechtlichen Regelungen des Koran auf die Zeit
nach Muhammad anzuwenden wären und Die hanafitische Schule
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Überlieferung als Rechtsquellen ein und lehnte


Die liberalste aller Rechtsschulen ist nach dem jede Form menschlicher Rechtsfindung ab.
Juristen Abu Hanifa (699-767) benannt, wurde Der Einfluss der hanbalitischen Rechtsschule
aber von dessen Schülern Abu Yusuf (731- ca. scheint bis ins 18. Jahrhundert nicht groß
795) und Muhammad al-Hasan ash-Shaybani gewesen zu sein, bis der Hanbalit Muhammad
(749- ca. 805) als Rechtsschule der Abbasiden Ibn-'Abd al-Wahhab (gest. 1792) mit der
begründet. Abu Hanifa war wiederum Schüler hanbalitischen Theologie die „wahhabitische
des damals wohl bedeutendsten Juristen von Bewegung“ ins Leben rief. Er verhalf dadurch
Kufa, Hammad Abi-Sulayman (gest. 737). Die dieser Rechtsschule in Afrika, Ägypten und
hanafitische Schule ist heute vor allem auf dem Indien, vor allem jedoch auf der Arabischen
Balkan, dem Kaukasus, Afghanistan, Pakistan, Halbinsel zu großem Einfluss. Heute ist die
Turkestan, Zentralasien, Indien, China, hanbalitische Rechtsschule vor allem in Saudi-
Bangladesch und in der Türkei vertreten. In Arabien, Qatar und den VAE verbreitet.
Österreich ist die hanafitische Schule als
Religionsgemeinschaft staatlich anerkannt. Die schiitische Rechtsschule
Sie erkennt die vier von asch-Schafii definierten
Rechtsquellen (Koran, Überlieferung, Konsens, Die wichtigste schiitische Rechtsschule ist die
Analogieschluss) an, darüber hinaus aber auch der Ja'fariten oder Imamiten, der
persönliche Rechtsfindung der Juristen und die Zwölferschiiten. Sie soll auf den 6. Leiter der
Suche nach einer angemessenen Lösung zum schiitischen Gemeinde, auf Imam Ja'far as-
Besten der islamischen Gemeinschaft. Sadiq (gest. 765) zurückgehen. Diese
Rechtsschule ist im Iran, Pakistan, Indien, Irak,
Die malikitische Schule Libanon, Bahrain und Aserbaidschan verbreitet.

Sie wurde von Ibn al-Qasim al-'Utaqi (gest. 806) Entwicklung zur Moderne?
und Sahnun (gest. 854) begründet, aber nach
deren Lehrer Malik Ibn Anas (ca. 713- ca. 795) Erstaunlicherweise ist nach Beginn des 10.
benannt. Malik Ibn-Anas soll auf die Jahrhunderts keine neue Rechtsschule
Rechtsfindung der Rechtsschule von Medina gegründet worden, was später mit dem
als Stadt des Propheten besonderes Gewicht Terminus der „Schließung des Tores des
gelegt haben. Die malikitische Rechtsschule, ijtihad“ (der selbständigen Rechtsfindung)
die in Medina als Gegenbewegung zum Wirken bezeichnet wurde. Nachdem die selbstständige
des Abu Hanifa entstand, fasste besonders in Rechtsfindung nicht mehr möglich war, blieb
Nordafrika, in Spanien, Westafrika und den Rechtsgelehrten nur noch die
Zentralafrika Fuß. Heute findet man die „Nachahmung“ (arab. taqlid), was eine gewisse
malikitische Rechtsschule außerdem in Kuwait Erstarrung der islamischen Rechtswissenschaft
und Bahrain. zur Folge hatte. Daher gilt der orthodoxen
Außer den vier von asch-Schafii definierten Theologie die Findung neuer Wege zur
Rechtsquellen erkennen die Malikiten den rechtlichen Beurteilung moderner Fragen in der
Rechtsentscheid im Dienste der Wahrung des Regel als „Neuerung“ oder „Ketzerei“ (arab.
öffentlichen Interesses an. bid'a). Eine Fortentwicklung des klassischen
islamischen Rechts in Richtung einer
Die hanbalitische Schule Aufklärung und Liberalisierung zur Aussöhnung
mit der Moderne – z. B. in Bezug auf die
Sie wurde von Ahmad Hanbal (780-855), dem drastischen Körperstrafen – ist daher bisher
Autor einer umfangreichen leider nicht in Sicht.
Überlieferungssammlung (Musnad) gegründet.
Die hanbalitische Rechtsschule trat prinzipiell
für die alleinige Anerkennung von Koran und www.orientdienst.de
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Abrogation – Aufhebung verbrei-teten Textvariationen zu verbrennen


Abrogation – Aufhebung mancher (Hadith Bukhari Band 6, Nr. 510, S. 479).
Koranstellen durch andere
Auslegungsfragen und die Abrogation
Der Koran als Uroffenbarung Gottes Die Anordnung der Suren ist im Koran nicht in
Für die Muslime ist der Koran ein göttliches chronologischer Reihenfolge gegeben. In der
Buch, in dem kein Irrtum zu finden sei. Nach Koranauslegung spielen jedoch die „Gründe der
islamischer Auffassung soll der Koran im Laufe Offenbarung“ (asab al nuzul) eine wichtige
von 23 Jahren verbal inspiriert an Mohammed Rolle, d. h. auch die Frage, ob es sich um eine
durch den Erzengel Gabriel übermit-telt worden frühe Sure aus der Zeit in Mekka oder um eine
sein. Der Koran wird sozusagen als Sure nach der Hidschra (622), also aus der Zeit
Uroffenbarung Gottes angesehen, der alle in Medina handelt. Auch wenn Mohammed nur
vorherigen heiligen Bücher beurteilt, relativiert als Übermittler einer göttlich ewigen Botschaft
und sogar in ihrer Gültigkeit aufhebt. Doch der verstanden wird und daher in den Aussagen
Koran stellt andererseits fest, dass Allahs Wort des Koran eigentlich keine Widersprüche zu
unwandelbar sei und nicht verändert werden finden sein sollten, hat die muslimische
könne (Sure 6,34; Sure 10,64). Theologie nie bestritten, dass einzelne Verse
des Koran scheinbar gegensätzliche Aussagen
Unveränderlich – Widersprüchlich machen. Um diesem Problem zu begeg-nen,
Trotzdem wurden bereits zur Zeit Mohammeds, hat der Islam das so genannte Prinzip der
als der Text des Korans noch nicht einheitlich Abrogation (nasikh wa mansukh) entwickelt. Es
und schriftlich fixiert war, manche Texte und wird dabei nach der Regel verfahren: wenn eine
Suren unterschiedlich rezitiert oder gar Koranaussage im Widerspruch mit einer
vergessen. Der Koran selbst macht auf dieses anderen steht, wird der früher offenbarte Text
„Problem“ aufmerksam: „Wenn wir einen Vers aufgehoben (mansukh) durch eine neue,
auch aus-tilgen oder in Vergessenheit geraten aufhebende (nasikh) Textaussage. Auch wenn
lassen, bringen wir einen besseren dafür bei im Laufe der Geschichte immer wieder
oder einen, der ihm gleichwertig ist. Weißt du Diskussionen aufgeflammt sind, welche und wie
denn nicht, dass Allah zu allem die Macht hat?“ viele Verse durch die Aufhebung betroffen sind
(Sure 2,106) In Sure 22, 52 ist sogar zu lesen, und hier keine letztgültige Klärung besteht, gibt
dass es Satan gelungen sei, Mohammed einige es unter den klassischen und auch namhaften
Verse einzuflüstern, Gott aber selbst die falsche Koraninterpreten keinen Zweifel, dass dieses
Botschaft ausgelöscht und dann die richtige Prinzip selbst im Koran und der „Tradition des
Offenbarung gegeben habe. Mohammed Propheten“ verankert ist. Es wird allgemein
vertraute darauf, dass Allah ihn recht leitet: „Wir an-erkannt, dass für eine verantwortliche
werden dich vortragen lassen, und du wirst Koranauslegung, wie auch für die Auslegung,
nicht vergessen, außer dem was Gott will! was nach islamischem Recht erlaubt oder
Wahrlich er weiß, was offen und was verborgen verboten ist, eine Kenntnis der
ist.“ (Sure 87,6-7) Offen-sichtlich muss es unter Abrogationslehre und deren Prinzipien nötig ist.
den Zeitgenossen Mohammeds Diskussionen Gleichzeitig besteht unter den islamischen
über das Rezitieren verschiedener Texte Exegeten keine einheitliche Auffassung
gegeben haben (Sure 10,15). Auch nach dem darüber, welche Verse der Abrogation
Tode Mohammeds sind diese unter-liegen. Manche Kommentatoren gehen
Aus-einandersetzungen um den gültigen und davon aus, dass es gesichert mehr als 260
richtigen Text nicht verstummt. Der dritte Kalif, Verse sind, andere sprechen nur noch von 5
Uthman ibn Affan, veranlasste etwa 16 Jahre Versen. In der Fachliteratur gibt es ausführliche
nach dem Tode Mohammeds, einen Listen, welche Verse durch welche aufgehoben
einheitlichen Text des Koran herzustellen, mit und abrogiert wurden.
der Anordnung, die inzwischen weit
Beispiele und offene Fragen zur Abrogation
146
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Anfänglich war es den Muslimen zur Zeit aus früher offenbarten Suren abrogiert worden
Mohammeds scheinbar noch er-laubt, Wein und seien. Muslime betonen wohl, dass der viel
alkoholische Getränke zu sich zu nehmen (Sure zitierte „Toleranzvers“: „In der Religion gibt es
2,219). Da wohl einige der gläubigen Männer keinen Zwang...“ (Sure 2,256) nicht abrogiert
betrunken und benebelt zum Gebet in die worden sei, auch wenn dies nicht einheitlich so
Moschee kamen, wurde ihnen befohlen, gesehen wird. Denn, ob abrogiert oder nicht, ist
nüchtern und ge-waschen zur Moschee zu dies nur die „halbe Wahrheit“, da es im Islam
kommen, auch wenn Allah ein vergebender und keine wirkliche Glaubens- und Reli-gionsfreiheit
nachsichtiger Gott ist (Sure 4,43). Als aber gibt. Aus dem Textzusammenhang wird für
dann im Jahre 625 beim Kampf am Berg Uhud Muslime ohnehin deutlich, dass zwar niemand
einige Krieger schon morgens Alkohol tranken zum rechten Glauben (des Islams) gezwun-gen
und im Kampfe fielen, wurde Alkoholkonsum werden könne, der rechte Weg aber nur im
ganz verboten (Sure 5,90 Paret). Somit ist Sure Islam zu finden sei. Wer diese Einladung zum
5,90 der abrogierende Vers, der Sure 2,219 und Islam nicht annehme oder gar diesem Glauben
Sure 4,43 aufhebt. den Rücken kehre, für den seien die Grenzen
der Toleranz überschritten.
Ursprünglich beteten die Muslime, wie die
Juden, in Richtung Jerusalem. Doch nach den Die Lehre der Abrogation stärkt daher nicht nur
Konflikten mit den jüdischen Stämmen in in der Vergangenheit, sondern auch in der
Medina erhält Mohammed die Anweisung, ab Gegenwart, den orthodoxen Islam und trägt
sofort in Richtung Mekka zu beten. In Sure wohl wesentlich mit dazu bei, sich nicht für
2,120–152 wird begründet, warum die Muslime einen kritischen Umgang mit der eigenen,
jetzt in Richtung Mekka zu beten haben. zeitbedingten Geschichte zu öffnen.

Auch im Erbrecht gab es eine Veränderung.


Während in Sure 2,180 ermahnt wurde, wenn www.orientdienst.de
es aufs Sterben zugeht, eine rechtliche
Verfügung zu-gunsten der Eltern und der
nächsten Verwandten zu veranlassen, wurde in
Sure 4,11ff das Ganze präzisiert und das Erbe
der weiblichen Angehörigen gegenüber den
männlichen Erben halbiert.

Auch wenn unter den Interpreten keine Einigkeit


besteht, wie viele Verse des Korans tatsächlich
abrogiert sind, bleibt die allgemeine Regel
bestehen, dass bei einem Widerspruch im
Koran die später offenbarten Suren und Verse
mehr Gewicht und Sagen haben als die frühen
mekkanischen Suren des Korans, in denen
noch von einem friedlichen Umgang mit Juden
und Christen die Rede war. Allgemein
anerkannt ist, dass Sure 5 die letzte und Sure 9
die zweitletzte Sure in der geschichtlichen
Reihenfolge der Koranoffenbarung sind.
Namhafte Koraninterpreten betonen daher,
dass allein durch den so genannten
Schwertvers in Sure 9,5, in dem die Gläubigen
zum Kampf gegen die Ungläubigen
aufgefordert werden, bis zu 124 Koran-verse
147
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Träume im Islam von der unsichtbaren Welt handelt, sei nur für
den Träumer eine gute Nachricht.
Muslime, insbesondere Muslimas möchten
gerne einen Propheten im Traum sehen. Denn Mohammed im Traum bringt Heilsgewissheit?
das gibt ihnen die Hoffnung, dass ihre guten
Werke angenommen werden und sie auf dem Viele Hadithen schreiben Mohammed folgende
Weg zum Paradies sind. Im Islam sind Träume Aussage zu: „Wer mich im Traum sieht, wird
ein Weg der Offenbarung Gottes. Nach den mich auch wach sehen. Satan kann sich nicht
Hadithen von Bukhari, die die Aussprüche und für mich ausgeben“ (z. B. Sahih Bukhari, Band
das Verhalten Mohammeds beschreiben, soll 9, Buch 87, Nr. 122 ff). Ausleger sagten dazu,
Mohammed gesagt haben: „Der gute Traum Allah habe dem Teufel verboten, sich als
einer guten Person ist ein Teil der 46 Mohammed zu verstellen: Damit kann jeder
Prophetien“ (Sahih Bukhari, Band 9, Buch 87, wissen, der von Mohammed träumt, dass es
Nr. 112). Erklärt wird dieses Zitat sich wirklich um Mohammed handelt und er
folgendermaßen: Mohammed soll in den ersten kann sicher sein, ihn im Paradies
6 Monaten der Koranoffenbarung ständig wiederzusehen. Bestimmte
Träume gehabt haben und den Rest der 23 Beschwörungsgebete werden vor dem
Jahre Offenbarungen, während er wach war. 23 Einschlafen für die empfohlen, die Mohammed
Jahre machen 46 Halbjahre aus, und die ersten gerne im Traum sehen möchten. Ein Gebet soll
6 Monate sind ein Teil dieser 46 Halbjahre. 71 mal wiederholt werden, um das Ziel zu
Demnach wird der Traum auf die Stufe der erreichen. Wer aber fälschlicherweise
Offenbarung Gottes gestellt. Meistens sollen behauptet, er habe Mohammed gesehen, erhält
nur gute Muslime gute Träume haben. im Jenseits eine große Strafe (Sahih Bukhari,
Band 9, Buch 87, Nr. 165).
Gute Träume, böse Träume
Träume Mohammeds
Insbesondere sind die Träume von Propheten
eine Offenbarung Gottes und brauchen nicht Mohammed soll durch Träume
ausgelegt zu werden, denn sie sollen sich Entscheidungshilfe gesucht haben. In solchen
erfüllen, entsprechend dem, was in ihnen Fällen reinigte er sich rituell vor dem
vorhergesagt wurde. Ein Hadith weist die Schlafengehen. Er betete zwei rituelle Einheiten
Muslime an: „Wer von euch einen schönen (rekat), rief Gott um Wegweisung an, danach
Traum hatte, soll wissen, er ist von Allah. Er soll legte er sich auf die rechte Seite und schlief ein.
dafür danken und ihn sofort anderen Nur unter diesen Bedingungen könne man auch
weitererzählen. Wenn ihr einen bösen Traum heute Gottes Weisung im Traum erfahren.
habt, ist er vom Teufel und man muss vor ihm Mohammed soll so z. B. den Ausgang einer
fliehen und bei Gott Zuflucht suchen. Man soll Schlacht mit vielen gefallenen Muslimen vorher
ihn auch nicht weitererzählen, dann wird der gewusst haben (Sahih Bukhari, Band 9, Buch
Traum keinen Schaden zufügen können“ (Sahih 87, Nr. 164). Er soll auch Jesus und den
Bukhari, Band 9, Buch 87, Nr. 114). Gegen Antichristen im Traum gesehen haben (Sahih
Albträume verschreibt Mohammed in den Bukhari, Band 9, Buch 87, Nr. 128), was aber
Hadithen Schutzgebete und befiehlt, dreimal keine weiteren Folgen für ihn hatte. Mohammed
über die linke Schulter zu spucken (Sahih träumte zweimal von einer jungen Frau, wie er
Bukhari, Band 9, Buch 87, Nr. 124). Der sie aufdeckte. Er fasste das als eine Prophetie
islamische Hadithexperte, Imam Ahmed bin auf und heiratete die über 40 Jahre jüngere
Hanbel, soll gesagt haben, der Traum eines Frau Aisha, die damals 9 Jahre alt war (Sahih
Muslim, der von der sichtbaren Welt handelt, Bukhari, Band 9, Buch 87, Nr. 140). Auch seine
sei eine gute Nachricht für den Träumer und die Nachfolger will Mohammed im Traum gesehen
Menschen in seiner Umgebung. Der Traum, der haben, wie sie aus einer Quelle Wasser
schöpften: der spätere erste Kalif Abu Bakr soll
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nur kärglich Wasser geschöpft haben, der sich und sendet sie beim Aufwachen wieder auf
spätere zweite Kalif Umar dagegen mit großer die Erde (Sure 39,42). Damit erschöpft sich das
Kraft große Mengen (Sahih Bukhari, Band 9, Thema im Koran.
Buch 87, Nr. 146 ff); nach einem anderen
Hadith sollen gar alle vier „rechtgeleiteten“ Ursachen für die Betonung von Träumen im
Kalifen erschienen sein (Sahih Bukhari, Band 9, Islam
Buch 87, Nr. 170).
Die Hadithen sprechen von drei möglichen
Träume von Nachfolgern Mohammeds Ursachen für Träume: die Reflektionen von
Gedanken und Erfahrungen, durch Satan
Die zeitgenössischen Nachfolger Mohammeds verursachte Albträume und Träume, die von
erzählten ihm immer von ihren Träumen, Gott stammen (Sahih Bukhari, Band 9, Buch
woraufhin er sie ihnen auslegte (Sahih Bukhari, 87, Nr. 144). Die islamische Traum-auslegung
Band 9, Buch 87, Nr. 155). Muslime wussten ist eine Kunst, die durch eine regelrechte
anfangs nicht, wie sie die Gläubigen zum Bücherflut vermittelt wird. Nach muslimischer
rituellen Gebet zusammenbringen konnten. Ein Auffassung enthalten Träume immer eine
Widderhorn wie die Juden oder eine Botschaft. Bei Problemen könne man sich diese
Kirchenglocke wie die Christen wollten sie nicht vor dem Einschlafen bewusst machen, und ein
benutzen. Im Traum wurde einem Anhänger Traum werde daraufhin die Lösung anbieten.
Mohammeds dann der Gebetsruf durch einen Auch ob ein Vorhaben gelingen oder misslingen
Gebetsrufer gezeigt, was von Mohammed wird, sollen Träume vorhersagen.
aufgegriffen wurde (Abu Davud, Buch 2, Nr. Traumauslegung ist im Islam meiner Ansicht
498). In einem anderen Fall wurde auf diese nach eine Reaktion auf die Ferne Allahs, die
Weise die „Nacht der Macht“, die Nacht der Muslime erleben, und ein Ausdruck ihrer
Vergebung aller Sünden ermittelt. Man erhalte Sehnsucht nach der Nähe Gottes und nach
Vergebung aller Sünden, wenn man diese Entscheidungshilfe im Alltag.
unbekannte Nacht islamisch „durchbetet“. Sie
soll in den letzten 7 bzw. 10 Nächten des www.orientdienst.de
Fastenmonats liegen (Sahih Bukhari, Band 3,
Buch 32, Nr. 232 bzw. Band 2, Buch 21, Nr.
255). Doch viele Hadithe sind auch unter
Muslimen umstritten.

Träume im Koran

Von Träumen ist auch im Koran die Rede.


Josefs Träume werden in Sure 12 erwähnt. Ein
Traum Mohammeds soll den Menschen Angst
vor der Hölle machen (Sure 17,60). Im Traum
erfährt Abraham, dass er seinen Sohn
schlachten soll (Sure 37,102). Allah lässt
Mohammed das Heer der Widersacher im
Traum nur klein erscheinen, obwohl es in
Wirklichkeit überwältigend groß war, damit
seine Anhänger den Mut nicht verlieren sollen
(Sure 8,43). Ein Traum will vorhersagen, dass
die Muslime, die damals nur in Medina lebten,
einmal nach Mekka zurückkehren und dort die
Wallfahrt vollführen dürfen (Sure 48,27). Im
Traum nimmt Gott die Seelen der Menschen zu
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Reinheitsauffassungen im Islam Grundsätzlich wird zwischen der kleinen und


der großen Unreinheit unterschieden, die mit
Das Thema der rituellen Reinheit hat große der kleinen rituellen Waschung (arab. wudu')
Bedeutung im Islam, denn im Zustand der bzw. mit der großen rituellen Waschung (arab.
Unreinheit kann der Einzelne seinen Glauben ghusl) mit Wasser (zur Not mit Sand) beseitigt
nicht praktizieren. Besonders verurteilt der werden muss.
Koran diejenigen, die sich für rein halten, aber
doch unrein sind (4,49). Und auch die Die „kleine“ Unreinheit wird durch die
Ungläubigen, die am Tag des Gerichts die Berührung des Unreinen hervorgerufen, also
Höllenstrafe zu erwarten haben, werden als durch alle Körperflüssigkeiten, durch Schlaf und
„Unreine“ bezeichnet (2,174). Ohnmacht, Berühren des Intimbereichs, Winde,
Benutzen der Toilette, Berühren eines
Der Unreine kann weder vorschriftsmäßig beten Leichnams oder einer Person des anderen
(Sure 4,43) noch fasten, keinen Koran Geschlechts und den Kontakt mit den im Islam
berühren, keine Moschee betreten und auch verbotenen Substanzen (Alkohol, Blut, Aas,
nicht die Pilgerfahrt nach Mekka vollziehen, Schweinefleisch) und allen daraus hergestellten
denn der Gottesdienst des Unreinen wird bei Produkten (2,173). Umstritten ist, ob
Allah nicht angenommen. Seine Medikamente eingenommen werden dürfen, die
Glaubenspflicht gilt als nicht erfüllt. Das gilt Spuren von Alkohol enthalten, was die Mehrheit
auch dann, wenn sich der Gläubige gar nicht der Theologen bei Unumgänglichkeit erlaubt.
darüber bewusst ist, dass er sich im Zustand Auch nicht geschächtetes Fleisch fällt unter die
der Unreinheit befindet und dennoch betet. verbotenen Substanzen (16,115), wobei etliche
Daher ist eine sorgsame Reinigung etwa vor Theologen der Meinung sind, dass das von
dem Gebet sehr wichtig. Entscheidend für die „Schriftbesitzern“ (Juden und Christen)
Frage, ob der Gläubige zum Gebet oder Fasten geschlachtete Tier Muslimen ebenfalls zum
berechtigt ist, ist also zunächst nicht die innere Verzehr erlaubt sei. Die Überlieferung untersagt
Einstellung des Gläubigen, sein zudem das Fleisch des Hausesels, der
Sündenbewusstsein oder Reuebekenntnis, Raubtiere mit Fangzähnen und Raubvögel. All
sondern die Frage nach der Korrektheit der dies gilt als „haram“ (strikt verboten).
letzten Reinigung. Wird sie vorschriftsmäßig Ausnahmen sind bei einem drohenden
vollzogen, erfährt der Gläubige das Hungertod möglich (5,4).
Wohlgefallen Allahs, denn „Gott liebt die, die Die kleine Unreinheit erfordert eine kleine
sich reinigen“ (2,222). Unreinheit trennt also Waschung von Gesicht und Händen bis zu den
von Allah, ‚kleinere' Sünden nicht. Daher sind Ellbogen, Überstreichen des Kopfes und
viele Muslime – insbesondere Schiiten – im Reinigung der Füße bis zu den Knöcheln (5,6).
täglichen Leben mehr darüber besorgt, ob sie Die „große“ rituelle Verunreinigung tritt vor
sich im Zustand der Unreinheit befinden als ob allem durch Geschlechtsverkehr, Geburt oder
möglicherweise eine Sünde begangen wurde. Menstruation ein und erfordert ein völliges
Eintauchen in Wasser oder zumindest eine
Befindet sich der Gläubige im Zustand der Berührung aller Körperteile mit Wasser.
Unreinheit, muss er später die versäumten
Gebete nachholen. Wenn er das 30-tägige Die Überlieferung
Fasten im Monat Ramadan wegen Unreinheit
unterbricht, muss er die restlichen Fastentage In der Überlieferung nimmt das Thema großen
nachholen, nachdem der Zustand der Reinheit Raum ein. Viele einzelne Regelungen ergänzen
wieder erreicht wurde. hier die spärlichen koranischen Angaben. Es
geht um den genauen Ablauf der Waschungen,
Unreinheit und Reinigung die Haltung der Hände, die vorgeschriebenen
Worte bei jeder einzelnen Geste,
Einzelregelungen zur Benutzung der Toilette
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und der Körperreinigung mit Wasser sowie der „gereinigte Gattinnen“ (2,225) haben. Der Koran
dafür vorgeschriebenen linken Hand, die allein ist eine „reine“ Schrift (80,14) und darf nur von
das Unreine berühren darf. Nach der den „Gereinigten“ berührt werden (56,79). Der
Überlieferung machen die Waschungen nicht Gläubige soll sich auch in moralischer Hinsicht
nur von äußerlichem Schmutz rein, sondern reinigen (74,1-5), und wenn der Begriff für
führen auch zur Reue und machen rein von „Almosen“ (arab. zakat) eigentlich von dem
Sünde. Verb für „rein sein“ abgeleitet wird, dann
bedeutet das, dass die Gabe von Almosen vor
Um Unreinheit durch Berührung mit Unreinem Allah auch rein macht (58,12).
geht es beim Kontakt mit Hunden, die in der
Überlieferung als unrein bezeichnet werden. Aus biblischer Sicht
Ebenso, wenn Muslime vermeiden, mit den
Schuhen eine Moschee zu betreten, damit der Die Reinheits- und Speisebestimmungen des
Straßenstaub nicht auf die Gebetsteppiche Islam erinnern stark an die jüdischen
getragen wird. Wer keinen Gebetsteppich hat Ritualvorschriften. Mohammed lehnte sich in
und nicht in einer Moschee oder zu Hause den frühen Verkündigungen teilweise an die
beten kann, kann prinzipiell überall niederknien jüdische Glaubenspraxis an, wenn er z. B.
und dabei auch auf einem Stück Pappe oder anfangs die Gebetsrichtung auf Jerusalem
einer Zeitung beten, die ihn von dem Schmutz festlegte oder das Fasten jüdischen Vorbildern
des Untergrundes trennt. Manche Muslime anglich. Später wurden diese Vorschriften
tragen Hosen, die kaum bis zum Knöchel modifiziert.
reichen, um nicht etwa mit dem bis zum Boden
reichenden Stoff die Unreinheit der Straße in Den alttestamentlichen Reinheitsvorschriften,
die Moschee zu tragen. die die Pharisäer zum Maßstab der
Gottesverehrung gemacht hatten (Markus 7),
Aufgrund dieser in der Überlieferung sehr stellt Jesus im NT konträr die Auffassung
detailliert erläuterten Reinheitsvorschriften ist es gegenüber, dass nicht das Äußere den
nicht verwunderlich, dass das Thema in der Menschen verunreinigt (Mk 7,15), sondern das,
muslimischen Religionsausübung großen Raum was der Mensch durch die Übertretung der
einnimmt und bei manchen Sorge besteht, ob Gebote Gottes in Wort und Tat zum Ausdruck
alle Vorschriften erfüllt wurden. Kein Wunder ist bringt: die Folgen seiner Sünde (Mk 7,22).
es vor diesem Hintergrund auch, dass Reinheit entsteht dementsprechend durch
Nichtmuslime, die sich an diese Vorschriften einen Sinneswandel und die innere und dann
nicht halten, manchmal von Muslimen als auch äußere Ausrichtung auf Gott und sein
unrein und ihre Religion als minderwertiger als Wort. Entscheidend aber ist die Einstellung des
der Islam betrachtet werden, wenn z. B. im Menschen.
Christentum weder Schweinefleisch noch
Alkohol völlig verboten sind oder Christen ihre Einige Hadith-Texte als Beispiele:
Heilige Schrift nicht nach den im Islam üblichen „Wenn der muslimische Diener (Gottes) sich bei
Reinheitsvorschriften behandeln (z. B. mit den Waschun-gen das Gesicht wäscht, entfernt
schmutzigen Händen anfassen oder auf den sich von seinem Gesicht mit dem Wasser bzw.
Boden legen). mit dem letzten Wassertropfen jede Sünde, die
Die Reinheit der Gläubigen er mit den Augen begangen hat. Und wenn er
seine Hände wäscht, entfernt sich von seinen
Auch abgesehen von dem Thema der Händen mit dem Was-ser bzw. mit dem letzten
Waschungen behandelt der Koran das Thema Wassertropfen jede Sünde, die er mit den
der Reinheit in weiteren Zusammenhängen, die Händen gewalttätig verübt hat. Und wenn er
die Bedeutung der Thematik zeigen. So werden sich die Füße wäscht, so entfernt sich mit dem
die Bewohner des Paradieses nur „reines Wasser bzw. mit dem letzten Wassertropfen
Getränk“ (76,21) zu sich nehmen und dort jede Sünde, zu der er mit seinen Füßen
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gelaufen ist. So kommt er (aus der Waschung)


rein von der Schuld heraus.“
Der Koran, Übersetzt von Adel Theodor Khoury,
Gütersloh 1987, (ANHANG, Texte aus der
Tradition), S. 519.

Mohammed sagte: Immer wenn ein Mann mit


einer Frau Geschlechtsverkehr hatte wird das
Bad verpflichtend.
Bukhari Band 1, Buch 5, Hadith Nr. 290

Mohammed sagte zu seiner Frau Aischa: Höre


mit dem rituellen Gebet auf, wenn Du Deine
Menstruation bekommst und wenn Du nach
deren Ende das Blut abgewaschen hast,
beginne wieder damit.
Bukhari Band 1, Buch 6, Hadith Nr. 327

Das rituelle islamische Gebet einer Person wird


von Gott nicht akzeptiert, wenn sie auf der
Toilette war und Stuhlgang hatte oder Wasser
ließ oder auch nur Wind abließ, bis sie erneut
eine rituelle Reinigung vorgenommen hat.
Bukhari Band 1, Buch 4, Hadith Nr. 137

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