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Hermann Braendle

Weiter Himmel, wilder Fels

Bergwandern im Rätikon
Vermales und Pfälzerhütte
Wolken küssen: Nenzinger Himmel –
Pfälzerhütte 2.111 m – Nenzinger Himmel

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Vermales und PfÄlzerhütte

Die Route
Zuerst geht es mit dem Taxibus durch das wilde Alpe Lawena: im Tal der Lawinen
Gamperdonatal. Die Straße ist für den Individualverkehr Die wunderschöne Alpe liegt auf 1.518 m. Man er­
gesperrt, nur die Nenzinger Bürger haben eine Berech­ reicht sie entweder von Triesen/FL aus oder von der
tigung. Ab der Mautkontrolle Stellveder gibt’s viel zu Pfälzer Hütte aus über den Rappenstein. Das wilde und
sehen: man fährt mitten durch ein ursprünglich belas­ steile Lawenatal bekam den Namen von Lawena =
senes, grünes Tal (es ist ein Pflanzenschutzgebiet), mit Lawine. Die schroffe Nordflanke des Falknis grüßt he­
Blick auf eine tiefe Schlucht, durch einen Felsentunnel runter und das Tal überrascht immer wieder mit sanft­
hindurch, vorbei am Wallfahrtskirchlein Kühbruck en, grünen Arrangements. Eschen am Wegesrand um­
(früher Maria am Weißen Bach), ganze Wegstrecken rahmen den Wanderer mit ihren zartgrünen Blätter, die
entlang der Meng, dann mitten durch einen seltenen sich elegant im Winde wiegen. Die Alpe selbst liegt in
Spirkenwald, bevor man schließlich in Nen­zing­er einem kesselartigen Hochtal, umrahmt von mächtigen
Himmel ankommt. Felsen von Falknis, Mittagsspitz und Rappastein. Das
Sommerlicht am Nachmittag taucht diese Gesteins­
Hier, wo früher Graubündner Hagestolze, Wilderer, kulisse in eine fast dunkelbraune Farbe. Die Hauptal­
Wurzelgräber und Schmuggler ihr Unwesen trieben, be­ pe ist im Stil eines amerikanischen Langhauses, einer
ginnt die eigentliche Wanderung. Links wuchtet sich Ranch gebaut und im Sommer bewirtschaftet.—
der Panüeler mit seiner 1000 m Felswand empor (es
ist die höchste Wandflucht in Vorarlberg), weiter vor­ ROUTENINFOS:
ne, rechts vom Wanderweg, stürzt die Meng im soge­ Nenzinger Himmel – Pfälzer Hütte – Nenzinger
nannten Stübawasserfall in die Tiefe. Himmel
Art: Wanderweg
Bei der Güfel Alpe zweigt man rechts ab zur Bett­ Höhenmeter Aufstieg: vom Nenzinger Him-
lerjoch. Einmaliger Blick auf den Höhenzug mit dem mel ca. 750 m
geheimnisvollen, 2.300 m hohen Barthümeljoch, über Dauer/Gehzeit: vom Nenzinger Himmel gesamt
das früher die Schmuggler und Wilderer aus dem Prät­­­ ca. 4,5 h, Nenzinger Himmel/Pfälzerhütte ca. 3 h,
tigau in den Nenzinger Himmel kamen. Der Pfad geht retour ca. 1,5 h
jetzt recht steil hinauf und man macht ordentlich Routenvariante: Nenzinger Himmel – Sareiser
Höhe. Von hier geht’s entweder zur Vermales Alpe auf Joch – Pfälzerhütte – Nenzinger Himmel oder
dem gegenüberliegenden Hang oder man folgt dem Nenzinger Himmel – Hochjoch/Große Furka -
Fußpfad zur Pfälzerhütte. Barthümeljoch – Pfälzerhütte – Nenzinger Himmel
Ausrüstung: gute Bergschuhe, Sonnenschutz,
Drüben auf Vermales grasen friedlich die Kühe Kopfbedeckung, Wasser
und die Pferde, die Pfälzerhütte ist bereits in Sicht Aussicht: Panüler Kopf, Salaruelkopf, Tschingel,
und das Gipfelkreuz des Naaf­kopfs hebt sich am Ho­ Hornspitze, Barthümeljoch, Naafkopf
rizont ab. Überall Stille, nur ge­legentlich ist der Warn­ Gipfel: Naafkopf
pfiff der Murmeltiere zu hören. Nun beginnt die lang Naturdenkmal: : unter anderen der Stüberwas-
gezogene Traverse zur Pfälzerhütte. serfall und der Bärawald (seltener Spirkenwald/be-
sondere Art der Bergkiefer, ein Relikt aus der Eiszeit)
Die Pfälzerhütte scheint schon nahe, doch das Einkehrmöglichkeit: Pfälzerhütte bewirt-
täuscht. Es zieht sich hin, immer gemächlich anstei­ schaftet von Mitte Juni bis Anfang Oktober
gend, dafür wird man konstant vom wuchtigen Cine­ Beste Wanderzeit: Juni, Juli, August, September
mascope aus Naafkopf, Barhümeljoch und Augsten­ Öffentlich: mit der Bahn bis Bahnhof Nenzing
berg unterhalten. Eine letzte Steigung führt endlich (Fahrplan: www.vmobil.at), ab Nenzing mit dem
zur Pfälzerhütte. Rückweg detto wie Aufstieg. Taxibus durchs Gamperdonatal zum Nenzinger — Pfälzerhütte, 2.111 m —

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Neyer-Mädchen und Douglass-Mary genden Berge, obwohl Bergsteigen bei den einheimi­
schen Frauen noch um 1900 verpönt war. Die beiden
Hermine Flaig
Eine Ausnahmeerscheinung war die Alpinschrift­
Frauen waren schon in den Alpinismus-Pionierzeiten des Mädchen waren auch beim ersten Aufstieg Oberzali­ stellerin Hermine Flaig: obwohl sie ihren Mann Walther
malpe – Nordflanke Panülerkopf – Brandner Gletscher Flaig auf fast allen Touren und Besteigungen (auch
19. Jahrhunderts im Gebirge anzutreffen. Für Vorarlberg (Flaig) in anderer Lesart Nordwestflanke des Wildber­ Bernina und Badile) begleitete, seine Sektretärin war,
ges – Brandner Gletscher (Jussel) im September 1849 Aufzeichnungen machte für die späteren Flaig Berg-
gibt es leider sehr wenig Quellen zur Rolle der Frau im mit dabei! Die Gruppe wollte einen neuen Weg auf die Führer-Bücher und auch noch die gemeinsamen Kin­
frühen Alpinismus und auch für die jüngere Zeit sind die Schesaplana erkunden: von der Oberzalimhütte führ­
te ihre Route über die Felsen östlich des heutigen Leib­
der großzog und sich um den Haushalt kümmerte, bleib
sie immer im Schatten oder im Hintergrund ihres Man­
Informationen eher dürftig. Doch eines ist sicher: Frauen ersteigs direkt auf den Brandner Gletscher und von
dort auf die Schesaplana. Eine Gruppe von 7 Personen,
nes. Erst später begann sie, selbst zu schreiben und
eine eigene Schriftstellerkarriere zu entwickeln.
waren auch bei uns von Anfang an mit dabei, wenn’s in darunter auch die Neyer-Schwestern, machte sich am
15. September 1849 auf den Weg und schaffte den Die Hochzeitsreise mit Walther führte die beiden
die Höhe ging. Durchstieg bis zum Gletscher. Dort fiel aber Balthasar im April 1922 auf den Brandner Gletscher und dann
Neyer in eine Gletscherspalte und konnte nur mühsam weiter über die Jöcher zur Lindauer Hütte. Überall lag
geborgen werden. Am Schesaplana Gipfel war nun noch meterhoher Schnee. Es wird wohl bei dieser Ge­
niemand mehr interessiert. Doch zumindest der Auf­ legenheit gewesen sein, dass Hermine mit ihrem Mann
stieg bis zum Gletscher war gelungen. die 2. Winterbegehung mit Skiern auf den Großen
Turm gelang.
Im Jahresbericht der Sektion Vorarlberg für
1871/72 vermerkt John Sholto Douglass, dass am 28. Auf ihren Wintertouren trugen die Frauen damals
August 1870 eine Dame – die Gattin des Herrn Bau­ Breecheshosen und Wickelgamaschen und im Ruck­
führers Wenusch, Vorarlbergs berühmteste Aussichts­ sack hatten sie einen Rock, denn es wäre undenkbar
spitze, die Schesaplana, bestiegen habe. Auch diese gewesen, in Hosen ins Dorf zurückzukommen.
Dame wird namentlich nicht genannt. — Karl Heinz Burmeister: Fremdenverkehr und Alpinismus, auf:
Vorarlberg Chronik, apps.vol.at
Hermine Flaig berichtet, dass die Schwester von — Günther und Walther Flaig: Rätikon, München 1953, Seite 42
John Sholto Douglass, Mary, die erste Frau auf der Zim­ und 46.
ba war. Mary war natürlich nicht seine Schwester, son­ — John Sholto Douglass: Jahresbericht der Section Vorarlberg des
dern seine Tochter. In der Lesart von Guntram Jussel deutschen Alpen-Vereins pro 1871/1872, in: Norman
wird Mary Fairbairn dann auch korrekt als die Tochter — Douglass: Monograps Vorarlberg „Together“, 1872, Seite 12
von John Sholto Douglass geführt. Sie steht am 18. Juni und 13.
1893 als erste Frau auf dem Gipfel der Zimba. Geführt — Hermine Flaig: Von den Anfängen der Touristik, in:
— Zimba—
wurde sie vom Bludenzer Bergführer Ferdinand Heine, Montafoner Heimatbuch, Schruns 1974, Seite 364 – 366.
In den klassischen, frühen Alpenvereinen wie etwa Pfarrer, Geograph und Kartenzeichner aus dem Rhein­ der 30 Jahre zuvor bereits mit ihrem Vater John Sholto — Manfred A. Getzner: Getzner, Mutter & Cie Bludenz, Teil A,
im Alpine Club, dem Österreichischen Alpenverein oder tal, der bereits 1754 in Begleitung eben seiner Tochter die Zimba bestiegen hatte. Noch im selben Jahr 1893, Rheticus Gesellschaft, Feldkirch 1989, Seite 439.
dem Schweizer Alpen Club konnten Frauen keine Mit­ die Montafoner Berge bereiste. 3 Tage nach Mary, steht Luise von Chelminski, eben­ — Guntram Jussel: Berge und Menschen – ein alpines Lesebuch,
glieder werden. Das galt bis weit über 1900. In der falls von Ferdinand Heine geführt, als zweite Frau auf Bludenz 1995, Seite 41, 152, 162 und 164.
Sektion Vorarlberg des DÖAV war das anders: gleich Für das 19. Jahrhundert geben Walther und der Zimba. Von Mary Fairbairn ist auch überliefert, dass — Infogespräch mit Günther Flaig, Brand, vom 17. Mai 2008.
von Beginn weg konnten auch Frauen Mitglieder wer­ Günther Flaig sowie Guntram Jussel zumindest einige sie zwei Jahre vor ihrer Zimba Tour 1891 die Schesa­ — Hans Nägele: Vorarlberger Frauenbilder, Bregenz 1973,
den, es waren aber sehr wenige wie etwa Vanda Dou­ Hinweise: Anton Neyer aus Bludenz (vulgo Büchels plana bestiegen hatte. Seite 159 bis 195.
glass, die Frau von John Sholto Douglass, die 1874 Mit­ Toni, Vater des Anton Neyer, vulgo Bücheltonis Toni)
glied des Bezirks Blumenegg wurde. hatte drei Söhne und zwei Töchter: Anton Neyer, Erst­ Noch eine erfolgreiche Rätikon Tour einer Frau
besteiger der Zimba 1848, Balthasar Neyer sowie ei­ wird vermeldet: bei der fünften Begehung der gefürch­
Frauen im Rätikon nen weiteren namentlich nicht genannten Sohn und teten Drusenfluh Südwand am 19. August 1928 durch
Ein frühes Zeugnis ist die Tochter (namentlich eben die zwei namentlich ebenfalls nicht genannten den Bergführer Otto Dietrich, begleitete ihn die Lindau­
nicht erwähnt) von Gabriel Walser, einem reformierten Töchter. Diese bestiegen, wie ihre Brüder, die umlie­ erin Melanie Bittel erfolgreich als Seilpartnerin.

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Drusentor
Felsenpforte: Lindauer Hütte –
Drusentor 2.342 m – Lindauer Hütte

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Drusentor

Die Route
Mit der Golmerbahn geht es zunächst von Lat­ Über sehr steile Geröllstufen steigt man nun Schritt
schau zur Golmerbahn Bergstation. Hier beginnt die für Schritt in die Steinwüste und Geröllmulde unterhalb
eigentliche Wanderung mit einem angenehmen, ab­ des Drusentors hinauf. Im Vergleich zum Gebiet um
wechslungsreichen Weg zur Lindauerhütte. Vor dir die Totalp ist hier der Stein viel härter, aggressiver, fast
strecken sich die prächtigen Drei Türme in den Him­ möchte man sagen „wirklicher“ und man hat das Ge­
mel, links davon zieht der lang gezogene Rücken der fühl durch eine solitäre Mondlandschaft zu spazieren.
Sulzfluh davon. Tonhaltigen rote Fels-Schichten sorgen aber für etwas
Abwechslung.
Nach einer kurzen Rast auf der Lindauerhütte
führt der Drusentorweg über einen latschenbewach­ Auf einer Anhöhe sitzen die Reste eines ehemaligen
senen Moränenkamm und über eine Almweide bis man Zollhäuschens, ein Zeichen, dass es nicht mehr weit bis
zur ersten unteren Blockstufe kommt. Von nun an be­ zur Grenze am Drusentor ist. Nun geht es nochmals
gleitet dich, links von dir, die mächtige Kalkstock-Schul­ durch steilen Schutt hinauf. Jetzt noch durch turmartige
ter der Sulzfluh. Die hellen, fast weißen Felsen bilden Felszacken hindurch, die einen schmalen Fußpfad zum
einen reizvollen Kontrast zum begrünten Wandfuß. Wo Drusentor freigeben.
die Almweide aufhört, beginnen steile Serpentinen, teils
ist es Geröllrasen, weiter oben dann reiner Stein. Das hier ist für mich der schönste Übergang im
ganzen Rätikon, spektakulär eingebettet zwischen
Bald steht man vor einer Weggabelung: zum Drusen­ Sulzfluh und Drei Türmen mit weitem Blick hinaus in
tor einfach dem Pfad nach links folgen, der Steig zu die Bünder Bergwelt.
den Nordanstiegen der Drei Türme biegt scharf rechts
ab. Über dir hängen hünenhaft die Drei Drusentürme Gleich hinter dem „Tor“ hat man bequem Platz
mit kleinem, mittlerem und großem Turm sowie die rie­ zum Rasten. Auffällig sind die zahlreichen Gedenkta­
sige, gefährlich wirkende Sporaplatte. Der englische feln am Fels, die daran erinnern, dass es nicht weit
Alpenmaler Edward Theodore Compton nannte dies von hier, in der Drusenfluh Südwand, zu dramatischen
einmal den schönsten Talabschluss der Ostalpen. Bergtragödien gekommen ist (mehr dazu im Kapitel
„Abenteurer des Todes“). Eine Tafel erinnert z.B. an
Hans Diechtl, der 1928 in der Südwand verunglückte
und dem man später seine Route als die Südwand­
pfeiler Diechtl-Gedächtnisführe widmete.

Der enge Drusentordurchlass gibt auf Schweizer


Seite den Blick frei auf das satte, kräftige Grün des
Prättigaus und die endlosen Weiten der Bündner Alpen.
Das Grau und das Grün. Die Höhe und die Tiefe, Wei­
te und Nähe. Polarisierungen, die bereichern. Das Auge
schweift frei umher. Friedliche Stimmung. Einklang im
Fels. Es fehlt nur noch der Soundtrack von Popol Vuh
– mystisch und verklärt.

Der Rückweg führt wieder hinunter zur Lindauer­


hütte und von dort durchs lange (für die Beine manch­
mal zu lange) Gauertal bis hinunter zur Talstation der
— Grenztafel am Drusentor — Golmerbahn in Latschau.— — Drusentor, 2.342 m —

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Der Fluch der Drusenfluh Südwand Der Stösserbericht wurde dann nämlich von Paul Hübel
in seinem Buch „Der Bergsteiger Walter Stösser. Ein
unmittelbaren Druchstiegs der Drusenfluh Südwand
durch die große Wandschlucht, die fortan als die
In den 1930er und 1940er Jahren hatte die Südwand Buch der Erinnerung“ (1940) weiter ausgeschlachtet Stösserschlucht bezeichnet wird.
und auch noch 1969 von der Zeitschrift „Vorarlberg“
der Drusenfluh im Rätikon einen mindestens so dunklen unreflektiert und ausschmückend nachgedruckt. Dazu Beim ihrem Aufstieg finden Stösser und Seyfried
Jussel: dieser Bericht sei dem Orginalbericht von die verwesten Leichen, eigentlich nur noch Gebeine und
Nimbus wie die Eigernordwand in den 1950ern. In den Stösser von 1930 nachgeschrieben und mit Ausschmü- „vermoderte Masse“, von 2 abgestürzten Südwand-
Hütten kursierten Schauergeschichten: jeder Seilschaft ckungen und Zu­sätzen verändert worden. Jedenfalls
sei er nicht von Stösser gezeichnet. Dieser war bereits
Bergsteiger: es handelt sich vermutlich um die Über-
reste von Karl Götsch (1923) und Hans Diechtl (1928),
ungerader Begehungen (3, 5, 7, usw.) sei bisher etwas 1935 an der Nordwand des Morgenhornes (Berner
Alpen) durch eine Eislawine erschlagen worden!
die an der Südwand abgestürzt waren und deren Lei-
chen nicht geborgen werden konnten (mehr dazu im
zugestoßen, entweder tödliche Abstürze oder schwere — Walter Stösser: Unheimliche Südwandschlucht der Drusenfluh, Kapitel „Abenteurer des Todes“).
in: Vorarlberg, eine Vierteljahreszeitschrift, Nr. 7, Heft 3, 1969,
Verletzungen. Und tatsächlich: zwischen 1923 und 1929 Seite 60, 61 und 62. Nach einen großen Felssturz 1950, von dem auch

gibt es drei Tote in der Wand! — Emailkorrespondenz mit Guntram Jussel über die Toten der
Südwand in den 1920er Jahren vom 27. August 2008,
die Stösserschlucht betroffen wurde (Geröll und Stein­
schlag), ist ihre Route nicht mehr begangen worden.
14. September 2008, 18. September 2008, 4. Oktober 2008 und — Walter Stösser: Unheimliche Südwandschlucht der Drusenfluh,
22. November 2008. in: Vorarlberg, eine Vierteljahreszeitschrift, Nr. 7, Heft 3, 1969,
Unheilvolle Südwand Der Dämon: gewaltig und steil Seite 58 ff und Seite 61.
1931 schreibt die Zeitschrift „Der Bergsteiger“: Ihre Walter Stösser gelingt 1930, zusammen mit seinem Stösserschlucht — Emailkorrespondenz mit Wendelin Tschugmell über
Ersteigungsgeschichte ist abenteuerlich und unheilvoll. Partner Ernst Seyfried, der unmittelbare Druchstieg „Da schwingt sich ein Freudenschrei in die Lüfte, Erstbegehungen in der Drusenfluh Südwand vom 3. März 2007.
Ein dunkles Gesetz schien die Wand zu beherrschen, dieser großen Südwandschlucht, die später als die schwingt sich über die Türme hinweg ins schöne — Emailkorrespondenz mit Guntram Jussel über die Toten der
das wechselnd auf Gelingen Verderben folgen ließ. Lan- Stösserschlucht in die Besteigungsgeschichte eingeht. Gauertal“. Emotional hochgeputscht, körperlich er- Südwand in den 1920er Jahren vom 27. August 2008, 14.
ge hatte sie jeden Ansturm abgeschlagen und mancher schöpft stehen die beiden Deutschen Walter Stösser September 2008, 18. September 2008, 4. Oktober 2008 und 22.
kühne Plan zerschellte an ihren Felsen, bis es endlich Stössers Bericht mit den damals üblichen, gewaltigen und Ernst Seyfried am 13. Juni 1930 auf dem Gipfel November 2008.
einem gelang, ihre Schwäche zu erspähen. Sprachbilder, dämonisiert die Wand: „Vom Kampf mit der Drusenfluh.
— Guntram Jussel: Berge und Menschen – ein alpines Lesebuch, dieser großen Wand will ich erzählen (...)“. Und weiter: Der GroSSe Drusenturm
Bludenz 1995, Seite 41. „Da im Kalkschotter ein gebleichter Knochen! Ein Drusenfluh: 2.827 m im Rätikon. Die Südwand: Über die Südwand der Großen Drusenturms
Halswirbel! Dort ein langer, blanker Armknochen! 500 – 600 Meter vertikaler, grauer Fels. Glatte Platten, sprachen ältere Kletterer meist nur flüsternd, erinnert
Die Südwand Erstbesteigung Vermodert im Fels! Menschengebein?“ Etwas weiter Risse, Kamine, Steinschlag. Am 12. Juni 1930 steigen sich Toni Hiebeler. Am 20. August 1933 schaffen die
Diese „Schwäche“ zu erspähen gelang dem Dresd- oben dann der nächste Horror: „Da, o Grauen, fällt die beiden um die Mittagszeit in die Wand ein. Sie kom- Bregenzer Ernst Burger, Karl Bizjak und Fritz Matt die
ner Emanuel Strubich: er klettert am 31. August 1921 mein Blick auf eine vermoderte, verweste Masse, die men zügig voran, bis sie zu einem Block im Aufstiegs- Südwand des großen Drusenturms. Ihre Route geht
erstmals erfolgreich und alleine auf der nach ihm be- einst ein Mensch gewesen ist! (...) Noch legt sich der Kamin kommen. Nichts geht mehr. Es beginnt heftig als der legendäre „Burgerweg“ mit VII. Grad in die Ge-
nannten Strubichroute durch die Drusenfluh-Südwand Seilring um die bleichen Knochen, Karabiner und zu regnen und zu stürmen. „Ernst! Ungehört verhallt schichte der Rätikon Erstbegehungen ein. Dazu Hiebe-
zum Hauptgipfel. Strubich war von Beruf Schneider- Haken klirren leise aneinander – wie das Läuten eines der Ruf im Toben der Elemente (…) Plötzlich, grelle, ler: „Ernst Burger, ein kleiner, bescheidener Mann aus
geselle, seine große Leidenschaft aber galt dem Klet- Totenglöckleins (...)“. Schließlich geraten sie in einen er­schreckende Lichtfülle vor den Augen, ein unheim- Bregenz kannte weder Reibungskletterschuhe, noch
tern. Beinahe mittellos schlug er sich durch, schlief oft Wettersturz: „Der Weg! Der Weg! Das Grau wird zu lich krachender Donnerschlag, der Berg scheint in sei- Cliffhänger oder Friends und schon gar nicht Magnesia.
gleich unter den Felsen und lebte als echter Bergvaga­ Schwarz, der Wind zum heulenden Sturm, der Regen nen Grundfesten zu beben, um mich tobt die Hölle.“ Eingeweihte wissen heute, dass am Großen Drusen­
bund. Er lernte auch Walther Flaig, den 7. Obmann der zum Wolkenbruch. Die Blitze zucken ununterbrochen. Seyfried wird an der rechten Hand vom Blitz getroffen turm eine glänzende Seite der Geschichte des Extrem-
Alpenvereinssektion Vorarlberger, kennen, der ihn auf Unheimlich rollen die Donnerschläge durch die Wand. und kann kaum weiterklettern, die beiden müssen die bergsteigens geschrieben worden war“. Ernst Burger,
mögliche Erstbegehungen hinwies. 1922 stürzte Stru- (…) Lechzt die Wand nach neuen Opfern?“. Nacht in der Wand verbringen: „An Schlaf ist nicht zu der mit der Bergsteigerin und Heimatlieder-Kompo-
bich an der Hinteren Karlspitze im Wörgeltal ab. Er wur- denken, die nassen Kleider kleben am Körper; sekun- nistin Nanni Seeber (schon früh dem BDM beige­treten)
de nur 35 Jahre alt. Guntram Jussel meint dazu, dass die Dämonisierung denlang nicken wir ein, dann pfeifen plötzlich wieder verheiratet war, bekommt für seine Leistungen bei
—Walter Stösser: Unheimliche Südwandschlucht der Drusenfluh, der Südwand eine Mär sei. Der Ursprung für die Steine hart am Lager vorbei und erschreckend lau- den vielen Ersteigungen im Rätikon den Ehrennamen
in: Vorarlberg, eine Vierteljahreszeitschrift, Nr. 7, Heft 3, 1969, Über­treibungen liege in eben diesem Bericht von Walter schen wir dem gellenden Aufschlag“. Am nächsten Tag, „Bürgermeister der Südwand“.
Seite 58 ff und Seite 61. Stösser über seine Erstbegehung der direkten Südwand­ dem 13. Juni 1930, schaffen sie den Durchstieg bis
— www.sz-online.de route von 1930. zum Gipfel. Ihnen gelingt damit die Erstbegehung des

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