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Tiefenblick, 05.07.2015 Die Grenzen des Erlaubten (1/8) – Ursprung der Ethik: Wie der Mensch moralisch

Tiefenblick, 05.07.2015

Die Grenzen des Erlaubten (1/8) Ursprung der Ethik: Wie der Mensch moralisch wurde

Ursprung der Ethik Wie der Mensch moralisch wurde Von Martin Hubert

Atmo 1: Babygeschrei

Sprecher:

Hat das Baby Hunger? Will es die Brust? Will es herumgetragen werden?

Atmo 1: Babygeschrei

Sprecher:

Tut etwas weh? Irgendetwas ist da, was herausgeschrien werden muss. Spontan und hemmungslos.

Atmo 1: Babygeschrei

Sprecherin:

Menschenbabys: unschuldige, bedürftige und radikal auf sich selbst bezogene Wesen.

Atmo 1: Babygeschrei

Atmo 2: streitende Kinder

Pina Also es gibt ja auch bei uns Schulregeln und manche laufen dann im Schulgebäude rum und prügeln sich da und manche fliegen auch noch die Treppe runter, ja, und hauen sich und so. Das ist ja eigentlich nicht erlaubt.

Sprecher:

Pina, acht Jahre alt.

Merle Absichtlich schummeln ist jetzt nicht so toll.

Sprecher:

Merle, ihre 11-jährige Schwester.

Merle Weil wenn du es selber blöd findest, dann machst du es auch lieber nicht selber.

Sprecherin:

Acht und elf Jahre alte Kinder. Zwei Mädchen, die einerseits moralische Normen und Regeln kennen.

© Westdeutscher Rundfunk Köln 2015 Dieses Manuskript einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des WDR unzulässig. Insbesondere darf das Manuskript weder vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben (z.B. gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht ) werden.

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Die Grenzen des Erlaubten (1/8) Ursprung der Ethik: Wie der Mensch moralisch wurde

Sprecher:

Du darfst andere nicht schlagen und niemanden betrügen.

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Sprecherin:

Und die diese moralischen Werte andererseits abgrenzen können gegenüber Vorschriften, die einfach nur Konventionen sind, um das Miteinander zu regeln.

Sprecher:

Wer etwas sagen will, meldet sich. In der Schulpause verlässt man das Klassenzimmer! Bei Rot geht man nicht über die Straße.

Merle:

Sonst ist es ja irgendwie auch blöd für die anderen und auch blöd für dich.

Sprecherin:

Wie wird aus einem triebhaften Energiebündel namens „Baby“ ein moralisches Wesen, das begreift, dass nicht alles erlaubt ist? Wie hat sich Moral überhaupt entwickelt? Philosophen zerbrechen sich darüber schon seit Jahrhunderten den Kopf. Biologen suchen nach den Wurzeln der Moral in der Evolution. Und Entwicklungspsychologen versuchen herauszubekommen, ob Moral angeboren ist oder nur ein Produkt von Erziehung und sozialem Druck. Dazu haben sie Gedankenspiele konstruiert, Dilemmata, schwer zu lösende moralische Konfliktfälle.

Sprecher:

Das „Heinz-Dilemma“: Die Frau von Heinz ist schwer erkrankt, vielleicht wird sie bald sterben. Es gibt ein teures Medikament, das ihr helfen könnte. Aber die Krankenkassen bezahlen es nicht und Heinz hat nicht genügend Geld. Darf er Geld stehlen, um seiner kranken Frau zu helfen?

Sprecherin:

Der amerikanische Psychologe Lawrence Kohlberg nutzte bereits in den 70er- und 80er-Jahren solche Tests, um herauszufinden, wie sich Moral entwickelt. Am Anfang, so behauptete er in seiner einflussreichen Theorie, stehe keine moralische Anlage, sondern allein die Angst vor Strafe und der Gehorsam vor Autoritäten. Kleine Kinder, meinte Kohlberg, hielten sich nur an Regeln, weil sie sich vor Sanktionen fürchteten. Beim Heinz-Dilemma sagten die Vier- bis Siebenjährigen tatsächlich oft, dass Heinz nicht stehlen dürfe, weil er sonst bestraft würde. Kritiker wenden gegenüber Kohlbergs Ansatz jedoch ein, dass sein Blick auf die Moral viel zu eng war. Der Münsteraner Philosoph Kurt Bayertz zum Beispiel meint, dass sich frühe moralische Einstellungen nicht allein über zugespitzte moralische Konflikte testen lassen.

Kurt Bayertz Moralische Erziehung ist selten etwas, was extra passiert, so wie man englische Vokabeln lernt, sondern das passiert im Spiel, in der Erziehung gemeinsam mit anderen Dingen, auch im Vorlesen von Geschichten, im Fernsehengucken kommt

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Die Grenzen des Erlaubten (1/8) Ursprung der Ethik: Wie der Mensch moralisch wurde

überall Moral als eine Komponente vor, aber selten isoliert als nur Moral. Das passiert dann später in der Schule vielleicht, aber bei Kindern ist das nicht der Fall. Sprecherin:

Und noch weniger bei Babys.

Sprecher:

Die Mutter hält ein Spielzeug hoch und lässt es durch die Luft sausen. Der Kleine jauchzt und strampelt. Plötzlich beginnt er zu jammern. Die Mutter streichelt sein Gesicht. Der Kleine entspannt sich, das Lächeln kommt zurück. Die Mutter lacht und nickt dem Kleinen zu

Sprecher:

Bewegungen, Laute, Blicke. Mal gehen sie vom Baby aus und die Mutter antwortet. Dann initiiert die Mutter ein reges Wechselspiel, ein intimes Hin und Her.

Sprecherin:

Studien zeigen, dass Babys von früh an über Mimik, Gestik und Laute soziale Erfahrungen machen. Wie reagiert der andere auf mich? Wie kann ich andere zu bestimmten Handlungen bringen? Dabei zeigen Babys und Kleinkinder auch schon Zeichen von Mitgefühl. Sie weinen zum Beispiel mit, wenn andere weinen. Oder sie trösten. Außerdem helfen sie. [Bereits 18 Monate alte Babys schieben für Erwachsene etwas zur Seite, wenn sie merken, dass diese gerade keine Hand frei haben, um es selbst zu tun.] Das seien unerlässliche Voraussetzungen für Moral, meint Monika Keller, Psychologin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Babys, die mitfühlen und helfen, orientieren sich bereits am Wohl anderer. Und das sei noch nicht alles:

Monika Keller Wenn man Kindern also die sind dann natürlich schon ein halbes Jahr alt und man zeigt Ihnen jetzt kleine Situationen oder spielt die ihnen vor, wo eine Puppe eine andere behindert. Und man darf nachher auswählen, mit welcher Puppe man spielen möchte: die, die den anderen behindert hat oder die, die dem anderen geholfen hat. Dann greifen Kinder nach der Puppe, die dem anderen geholfen hat. Und das ist in sehr vielen Varianten durchgespielt worden und ich finde das eigentlich sehr interessant. Egal jetzt ob es „Moralentwicklung“ ist oder nicht, aber es gibt offenbar eine Sensibilität dafür, ob jemand Gutes einem anderen tut oder Böses einem anderen tut.

Sprecherin:

Der Psychologe Paul Bloom von der amerikanischen Yale-Universität hat viele solcher Experimente durchgeführt. Seitdem ist er davon überzeugt, dass bereits kleine Kinder einen angeborenen Moralsinn besitzen, einen Sinn dafür haben, was gutes und was schlechtes Verhalten ist. Die Frage ist allerdings, wie stark dieser moralische Sinn ist. In Experimenten zeigt er sich auch bei älteren Kindern aber in unterschiedlicher Ausprägung.

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Die Grenzen des Erlaubten (1/8) Ursprung der Ethik: Wie der Mensch moralisch wurde

Sprecher:

Das „Florian-Dilemma“: Florian liebt gebrannte Mandeln über alles. Sein Freund Thomas hat sich eine Tüte davon vom eigenen Taschengeld gekauft, will aber nichts abgeben. Dann verlässt er für kurze Zeit das Zimmer, lässt die Mandeln jedoch liegen. Frage eins: Kann Florian von den gebrannten Mandeln seines Freundes naschen?

Pina Also er kann schon, ja!

Sprecher:

… antwortet Pina, die 8-Jährige.

Pina Aber er darf es eigentlich nicht, weil der andere das ja gekauft hat. Man kann ihn dann ja suchen und ihm die Tüte geben.

Sprecher:

Die Antwort von Merle, der 11-Jährigen:

Merle Eigentlich nein, weil es sind ja die gebrannten Mandeln von seinem Freund, und er könnte ihn ja vorher fragen: Könnte ich vielleicht ein paar Mandeln von dir haben, weil ich mag die so gerne.

Sprecherin:

Ab dem vierten Lebensjahr sagt eine große Zahl der Kinder bei diesem Test, dass Florian die gebrannten Mandeln nicht nehmen dürfe, „weil das nicht gut sei“. Sie scheinen also eindeutig zu wissen, was gut und was schlecht ist. Zunächst einmal.

Sprecher:

Frage zwei: Was meinst du, wie sich Florian fühlt, nachdem er alle gebrannten Mandeln aufgegessen hat: Gut oder schlecht?

Pina: Großer Schnaufer

Sprecher:

Jüngere Kinder wie die 8-jährige Pina haben Schwierigkeiten mit dieser Frage. Sie können den Widerspruch zwischen der moralischen Regel und der egoistische Perspektive nicht auflösen: „Man stiehlt nicht“ versus „Man fühlt sich einfach gut, wenn man genascht hat.“ Viele jüngere Kinder sagen dann auch, Florian fühle sich gut.

Merle Ja, weil er ja jetzt diesen leckeren Geschmack im Mund hat und weil er die einfach total gerne mag und deswegen fühlt er sich vielleicht einfach gut aber vielleicht

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auch ein bisschen schlecht, weil er hat ja die Mandeln von seinem Freund gegessen und vielleicht bemerkt er dann erst hinterher, dass es ja eigentlich nicht gut war und dass er damit halt die Freundschaft zu dem Thomas riskiert hat.

Sprecher:

Ältere Kinder wie Merle dagegen können beide Perspektiven aufeinander beziehen und darüber nachdenken. Über die moralische Perspektive, die einschränkt, was erlaubt ist und über die Perspektive des begierigen Ego, das sich freut, wenn es bekommt, was es will.

Sprecherin:

Monika Keller schließt aus solchen Testergebnissen: Die moralische Kompetenz von Kindern ist beeindruckend, aber auch widersprüchlich. Sie besitzen von früh an einen moralischen Sinn und ein moralisches Wissen über Gut und Böse. Aber bei vielen von ihnen ist es noch nicht zum inneren persönlichen Bedürfnis geworden, die Welt moralisch vordringlich zu bewerten und entsprechend zu handeln. Sie sind zwischen moralischer Regel und persönlichen Interessen hin und hergerissen. Nicht selten halten sie sich dann doch wieder nur an moralische Regeln, weil sie Angst davor haben, erwischt zu werden.

Sprecherin:

Moral ist eine komplizierte Angelegenheit. Anders als der Pionier der moralischen Entwicklungstheorie Lawrence Kohlberg vermutete, haben Menschen offenbar von früh an einen Sinn für Moral. Aber nicht jeder handelt deswegen moralisch. Insofern hatte Kohlberg recht, wenn er die Bedeutung von Sanktionen unterstrich. Kann die Evolutionsgeschichte genauer erklären, wie so etwas Fragiles wie Moral überhaupt entstehen konnte und wie weit ihr Einfluss reicht?

Franz Wuketits Wir sind geborene Kleingruppenwesen. Die längste Zeit unserer Evolution sind wir in kleinen Gruppen oder kleinen Horden mit 20, 30, 50, wahrscheinlich immer weniger als 100 Individuen als Jäger und Sammler herum marschiert. Und in diesen kleinen Gruppen haben sich die Grundmuster unseres sozialen und auch des moralischen Verhaltens entwickelt und stabilisiert.

Sprecherin:

Der österreichische Biologe Franz Wuketits vom Konrad-Lorenz-Institut für Evolutions- und Kognitionsforschung in Altenberg. Die Evolutionsbiologen sind sich weitgehend einig, dass ein moralisches Bewusstsein in den Jäger-und Sammlergesellschaften vor etwa zwanzig- bis hunderttausend Jahren entstand, manche datieren das noch weiter zurück. In diesen überschaubaren Gesellschaften gingen die Gruppenmitglieder zusammen auf die Jagd, sammelten Pflanzen und teilten die Ausbeute gemeinschaftlich. Franz Wuketits warnt jedoch davor, darin schon einen Beleg für eine weitentwickelte menschliche Vernunft zu sehen.

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Wuketits Also mit der menschlichen Vernunft ist es nicht allzu weit her, zunächst einmal. Und zweitens sind wir natürlich zunächst einmal biologisch darauf programmiert, zu leben und zu überleben. [Was verstehen wir denn unter „Fitness“ im strikt evolutionsbiologischen Sinn? Nichts weiter als erfolgreiche Reproduktion, erfolgreiche Fortpflanzung, oder anders gesagt, in soziobiologischen Begriffen: die erfolgreiche Weitergabe der eigenen Gene.]

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Sprecherin:

Die Moral ist, darwinistisch betrachtet, kein Selbstzweck, sondern dient dem Fortpflanzungserfolg in einer Gruppe. Der Mensch ist nicht aus allgemeinen vernünftigen Erwägungen heraus moralisch und kooperativ, sondern das Überlebensinteresse seiner Gene treibt ihn an. Wobei das Menschen trotzdem dazu bringen kann, sich anderen gegenüber auch dann gut zu verhalten, wenn sie mit ihnen nicht direkt verwandt sind. Dann wirkt das Prinzip der Reziprozität: Wie du mir, so ich dir. Wenn jemand erwarten kann, dass ein anderer ihm hilft, nachdem er diesem selbst einmal geholfen hat, erhöht das seine Chancen, zu überleben. Auf dieser Grundlage kann sich auch unter nicht verwandten Menschen ein gemeinsames Vertrauen und eine gemeinsame Gruppenmoral ausbilden. Für Franz Wuketits erklärt das vor allem das Verhalten von relativ homogenen Gruppen, aber nicht unbedingt das, was zwischen großen menschlichen Gesellschaften passiert.

Wuketits:

Da gibt es in der Tat sehr interessante Experimente, die alle darauf hinauslaufen, dass Kooperationen bzw. wechselseitige Hilfe mittel- bis langfristig sich auszahlen, dass niemand allein alle Probleme zu lösen imstande ist. Aber noch einmal komme ich auf die großen Dimensionen zurück. Es ist eine Sache, in kleinen Gruppen zu kooperieren, eine andere Sache, als Menschheit zu kooperieren.

Sprecher:

Der „Wem schenke ich was?“-Test: Du hast vier leckere Bonbons geschenkt bekommen. Da kommt deine beste Freundin und schaut dich bittend an. Frage eins:

Würdest du ihr von den Bonbons abgeben und wenn wie viele?

Pina Also, eigentlich ja zwei, das ist ja die Hälfte. Und dann ist man ja auch nett zu seiner Freundin!

Merle Also ich würde ihr von meinen Lieblingsbonbons vielleicht einen abgeben, ein Bonbon. Weil es ist ja auch nett gegenüber jemand anderen einem etwas zu geben. Und wenn sie es halt nicht will, dann kann ich es auch selber nehmen, aber es ist halt eher netter am Anfang zu fragen, ob der andere auch was will.

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Die Grenzen des Erlaubten (1/8) Ursprung der Ethik: Wie der Mensch moralisch wurde

Sprecher:

Frage zwei: Ein völlig fremdes Kind kommt und schaut dich bittend an. Würdest du ihm Bonbons abgeben und wenn wie viele?

Pina Also ich würde ihr nix abgeben oder eben nur eins, weil man kennt sie ja auch nicht.

Merle Nein, eher nicht, weil ich kenne das Mädchen ja nicht oder den Jungen, und wenn es dann meine Lieblingsbonbons sind, dann will ich sie ja eher essen als jemandem ganz fremden das abzugeben.

Sprecherin:

Bis heute streiten Philosophen, Sozialwissenschaftler und Evolutionspsychologen darüber, in welchem Ausmaß sich eine Moral entwickeln kann, die auch Fremde einbezieht. Man kennt sie nicht, weiß nicht, ob man ihnen vertrauen kann und ob sie die Kultur der eigenen Gruppe akzeptieren. Wie universell können moralische Normen und Werte überhaupt wirken, die sich ursprünglich innerhalb überschaubarer Gemeinschaften herausgebildet haben? Wie viele seiner Kollegen ist auch der Psychologe Michael Tomasello davon überzeugt, dass Moral nicht aus hehren ethischen Erwägungen heraus entstand. Auch für den Direktor am Leipziger Max- Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie ging es zunächst nur darum, in Jäger- und Sammlergesellschaften ganz pragmatisch den wechselseitigen Nutzen zu mehren.

Michael Tomasello If we are hunting together, I don't have to be altruistic, … behind the tree. Übersetzer:

Wenn ich mit anderen zusammen jage, muss ich nicht völlig altruistisch sein, also ausschließlich an das Wohl der anderen denken. Es genügt, wenn ich mir sage, dass wir beide von der Zusammenarbeit profitieren. Wenn der andere zum Beispiel beim Jagen seinen Speer nicht mehr findet und ich ihm zeigen kann, dass er hinter einen Baum geflogen ist, hilft uns das beiden.

Sprecherin:

Michael Tomasello glaubt aber auch, dass solche Erfahrungen weitreichende Folgen hatten. Denn sie führten dazu, dass die Menschen neue geistige Fähigkeiten ausbildeten. Sie lernten darüber, sich immer besser in andere hineinzuversetzen und ihre Gedanken zu lesen:

Sprecher:

Was macht der andere gerade während der gemeinsamen Jagd und warum? Was erwartet er wohl von mir? Was denkt er, was ich gerade denke? Sprecherin:

Die Menschen begannen immer stärker, sich auch aus der Perspektive der anderen zu beobachten und zu bewerten.

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Die Grenzen des Erlaubten (1/8) Ursprung der Ethik: Wie der Mensch moralisch wurde

Sprecher:

Bin ich ein guter Kooperationspartner? Verstehe ich, was die anderen wollen?

Sprecherin:

Nach Michael Tomasello entstand so ein geistiges Gerüst, um allgemeine moralische Normen zu akzeptieren: Handle so, dass du andere verstehst und ihre Perspektiven und Interessen in dein Handeln einbeziehst. [Für Tomasello sind Menschen in diesem Sinne „ultrasoziale Wesen“:

Tomasello Ultrasocial is just to emphasize that humans … don’t have to the same degree. Übersetzer:

„Ultrasozial“ – das soll heißen, dass der Mensch viel stärker als andere Arten motiviert ist, zu helfen und zu teilen.

Sprecherin:

Moralisches Verhalten wäre demnach ein Nebenprodukt der kognitiven Evolution. Das Leben in der Gruppe führte zu neuen geistigen Fähigkeiten: Menschen konnten immer besser die Folgen des eigenen Denkens und Handelns voraussehen und sie aus der Perspektive anderer Personen beurteilen.] Das brachte einen Überlebensvorteil für die Gruppe beim Jagen und Sammeln. Daraus entwickelten sich dann moralische Normen und Werte für den zwischenmenschlichen Verkehr. Diese untermauerten den Überlebensvorteil, indem sie positives Gruppenverhalten definierten. Je größer und komplexer dann die Gesellschaften wurden, desto stärker wurden diese Gebote ausformuliert und desto allgemeiner wurde ihr Geltungsanspruch. Tabus, Sanktionen, Institutionen wie das Recht schränkten unmoralische Handlungen zunehmend ein. Und die großen Religionen entwarfen moralische Systeme mit universellem Anspruch.

Sprecher:

Du sollst nicht töten!

Sprecherin:

Oder:

Sprecher:

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!

Sprecherin:

Für den Münsteraner Philosophen Kurt Bayertz ist es daher kein Zufall, dass bestimmte moralische Inhalte fast in allen Kulturen anerkannt werden.

Kurt Bayertz [Das ist zum einen die Einsicht, dass unmoralisches Handeln immer dazu führt, dass ich anderen Menschen einen Schaden zuführe oder dass ich sie zumindestens dem Risiko eines Schadens aussetze. Und wenn man „Schaden“ ausbuchstabiert, dann

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Die Grenzen des Erlaubten (1/8) Ursprung der Ethik: Wie der Mensch moralisch wurde

kommt man auf Dinge wie „getötet werden“, „bestohlen“ werden, „belogen“ werden usw. usw.] Ich darf andere Menschen nicht umbringen, ich darf andere Menschen nicht verletzen, körperlich und geistig. Ich darf andere Menschen nicht bestehlen, also alle diese ganz elementaren moralischen Regeln.

Sprecherin:

Parallel dazu hat sich noch eine zweite universelle Komponente der Moral entwickelt:

ein formales Prinzip, das die kognitiven Errungenschaften der Jäger-und- Sammlergesellschaften pointiert zusammenfasst.

Kurt Bayertz Ich muss lernen, mich in die Rolle von anderen zu versetzen. Da ist die „goldene Regel“ eine Anleitung zu: Was ich nicht will, dass andere es mir tun, das sollte ich auch anderen nicht antun. Und sozusagen das hilft mir, mich in dem Standpunkt anderer zu stellen und meine Handlungen ihnen gegenüber zu beurteilen.

Sprecherin:

Philosophen haben dieses Prinzip in unterschiedlichster Weise ausgedeutet.

Sprecher:

Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

Sprecherin:

Immanuel Kant.

Sprecher:

Handle so, dass du das größte Glück der größten Zahl von Menschen beförderst!

Sprecherin:

John Stuart Mill.

Sprecherin:

Gemeinsam ist diesen Prinzipien, dass sie den Einzelnen zwingen, das Wohl anderer mit einzubeziehen. Wir stark das dann in der Realität umgesetzt wird, ist bekanntlich eine andere Frage. Zum einen ist es eben nicht immer so einfach, zu entscheiden, was das größte Glück ist oder was als allgemeines Gesetz taugt.

Sprecher:

Darf ich einen Menschen töten, um zwei zu retten? Ist Abtreibung erlaubt?

Sprecherin:

Zum anderen beeinflussen Kulturen, Religion und Weltanschauungen, wie Moral konkret ausgedeutet wird.

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Die Grenzen des Erlaubten (1/8) Ursprung der Ethik: Wie der Mensch moralisch wurde

Sprecher:

Der Westen orientiert sich am Individuum, östliche Kulturen eher an der Gemeinschaft. In demokratischen Kulturen gilt Moral als Menschenwerk, in religiös geprägten als Gottesgesetz.

Sprecherin:

Moral bleibt eine komplizierte Sache. Sie formuliert allgemeine Gebote, reibt sich aber immer an den Interessen und Deutungsmustern des Einzelnen oder der Gruppe.

Kurt Bayertz So ist die Welt und es hat keinen Zweck, sie sich moralisch schön zu reden.

Sprecherin:

Im Alltag stoßen moralische Ansprüche an Grenzen, verlangen Kompromisse. Das erfahren früher oder später auch Heranwachsende.

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Sprecher:

Das Freundschaftsdilemma. Stell dir vor, das Schuljahr hat neu begonnen. Du warst mit deinen Eltern in den Ferien und triffst deine beste Freundin wieder. Sie lädt dich für nachmittags um 16 Uhr zu sich nach Hause ein. Du freust dich und sagst zu.

Dann kommt ein anderes Mädchen auf dich zu. Es ist völlig neu in die Klasse gekommen und kennt niemanden. Sie fragt dich, ob du mit ihr zusammen um 16 Uhr in einen tollen Kinofilm gehen willst. Du hast deiner Freundin aber schon das Versprechen gegeben. Was machst du?

Pina Also man kann das ja mit der Fremden machen, weil die kennt ja noch niemanden aus der Klasse. Mit seiner besten Freundin kann man das ja ganz oft machen.

Merle Also ich würde vielleicht meine beste Freundin erst mal fragen, ob das nicht vielleicht wann anders geht. Weil es ist ja meine beste Freundin, ich kenne sie ja schon lange und vielleicht versteht sie das dann ja auch, weil sie kennt mich ja.

Sprecherin:

Die 8-jährige Pina und die 11-jährige Merle tendieren noch eher dazu, mit dem fremden Kind ins Kino zu gehen. Zum einen, weil sie es gut finden, ein neues Kind sozial zu integrieren. Zum anderen, weil es spannend ist, eine neue Schulkameradin kennenzulernen, noch dazu wenn man dabei einen tollen Film anschauen kann. Egoistische Motive spielen also auch eine Rolle. Bei 12- bis 15-jährigen Kindern jedoch gewinnen auch andere Kriterien an Gewicht, fand Monika Keller vom Berliner Max-Planck-Institut heraus:

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Monika Keller Also wenn man sie befragt, warum muss man ein Versprechen halten, dann ist das klar, dann kommt zum ersten Mal der Gedanke der moralischen Person auf. Personen werden danach beurteilt, ob sie ihre Versprechen einhalten oder nicht; Vertrauen ist zentral dafür. Und deshalb haben wir beinah in allen Untersuchungen gefunden, dass die 15-Jährigen sich entscheiden, zum Freund zu gehen in dieser Situation und es auch als moralisch richtig ansehen, zum Freund zu gehen, obwohl sie sich durchaus vorstellen können, wie man das hätte verhandeln können.

Sprecherin:

Ältere Kinder und Jugendliche denken zwar auch darüber nach, dass es gut wäre, das neue Kind zu integrieren. Aber ausschlaggebend werden bei ihnen prinzipielle Erwägungen: Es ist die Vorform eines Vertragsdenkens. Man muss ein verlässlicher sozialer Partner sein, auch wenn die Situation schwierig ist. Freundschaften bleiben dafür bis zum 18. Lebensjahr zentral. Aber es kommt noch etwas hinzu: Autonomie. Ein Wert, der hart erkämpft werden muss.

Hannah:

Pubertät ist, wenn ich mich mit meiner Mutter anschreie.

Sprecher:

Hannah, 16 Jahre alt, definitionsgemäß in der Spätpubertät.

Hannah Tagtäglich oder über einen langen Zeitraum immer wieder.

Sprecherin:

Studien zeigen, dass im Gehirn Pubertierender Prozesse ablaufen, die für die moralische Entwicklung unabdingbar sind. Kurz vor der Pubertät baut das Gehirn zusätzliche graue Masse auf. Es entsteht ein Überschuss an Nervenverbindungen. Der an der Universität von Glasgow arbeitende Neurowissenschaftler Peter Uhlhaas fand heraus, dass diese neuen Nervenverbindungen bei Pubertierenden noch ziemlich unkoordiniert zusammenarbeiten:

Peter Uhlhaas Ich denke, dass das erwachsene Gehirn einfach weitaus präziser arbeitet als noch das adoleszente Gehirn. Das heißt es werden also viel genauer Areale, also Hirnregionen herangezogen für die Verarbeitung eines Stimulus zum Beispiel, während im heranreifenden Gehirn diese Aktivität noch viel diffuser zu sein scheint. Damit kann man in der Tat vielleicht auch sagen, dass Adoleszente nicht immer ganz genau wissen, was sie tun.

Hannah Man ist nur ein bisschen entscheidungsgehemmt und triebgesteuert

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Hannah Manche Entscheidungen sind falsch und manche Entscheidungen, da kann man einfach keine Entscheidung treffen. Dann trifft man die Entscheidung für sich und dann heult man und dann trifft man die Entscheidung doch nicht und ist hin und hergerissen. Und alles ist falsch und alles um einen herum ist schlecht und man selbst ist schlecht und eigentlich sollte die Welt untergehen.

Sprecherin:

Die überschüssige und ungeordnete Nervenmasse erlaubt es den Pubertierenden aber auch, neue Erfahrungen mit sich selbst und ihrer Umwelt zu machen. Diese Erfahrungen werden dann in neuen Nervenverbindungen verankert. Das Gehirn scheint damit überhaupt erst die Voraussetzung für das zu schaffen, was Psychologen als Hauptzweck der Pubertät definieren: Löse dich von der Welt deiner Eltern und schaffe dir deinen eigenen Kosmos.

Keller Je mehr Kinder moralisch die Welt zu begreifen lernen, umso mehr lernen sie auch zu verstehen, dass die Welt nicht so ist. Daher kommt dann in der Pubertät auch diese Auseinandersetzung mit Erwachsenen, die das eine sagen, aber das andere tun. Und das führt dann auch tatsächlich zu diesem Bruch und zu einer Form von Identitätsentwicklung, wo die Jugendlichen es auch lernen müssen, mit den Problemen dieser Welt zu leben und nicht nur frustriert darauf zu reagieren, sondern den Versuch zu machen: Was kann ich dennoch in einer Welt, die voller Probleme ist, machen? Kann ich eine moralische Person sein trotzdem?

Sprecherin:

Autonomie: Die Fähigkeit, sich vom Druck der Umgebung befreien und den Widerspruch zwischen Normen und Realität aushalten zu können. Erst das macht den Menschen zu einer wirklich reflektierten moralischen Person. Erst das führt dazu, dass Moral nicht erstarrt und die Grenzen des Erlaubten den Menschen nicht erdrücken. Die Pubertät ist ein wichtiger Baustein, um diese moralische Autonomie zu erlangen.

Hannah Ich finde es hört nie auf!

Sprecherin:

Moralpsychologen sind sich einig. Es ist immer nur eine Minderheit, die permanent kritisch über die überlieferten moralischen Regeln nachdenkt und sie an generellen ethischen Kriterien misst.

Sprecherin:

Kurt Bayertz, der Philosoph aus Münster, meint jedoch, dass man nicht erwarten kann, dass die Welt nur von Philosophen bevölkert wird. Das bedeute aber nicht, dass Vernunft und Moral chancenlos seien.

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Die Grenzen des Erlaubten (1/8) Ursprung der Ethik: Wie der Mensch moralisch wurde

Kurt Bayertz Der Ausdruck objektiver Vernunft ist ja so ein anspruchsvoll und philosophisch verstiegen klingender Ausdruck. Vielleicht ist erst einmal gut, wenn man das ein bisschen auf den Teppich runterholt und sich klarmacht, was damit gemeint ist.

Sabine Fell Ich versuche schon ein bisschen mich in die Lage zu versetzen, wie würde ich mich als Kind fühlen in der Situation, wie könnte man das jetzt als Elfjährige regeln?

Sprecher:

Sabine Fell. Die Mutter von Pina und Merle.

Sabine Fell Also wenn es wirklich um Situationen geht, wo es mit Regeln, also auch mit gesellschaftlichen Regeln auch zu tun hat, dann versuche ich auch zu sagen: Wenn ihr euch jetzt vorstellt, im Autoverkehr keiner hält sich an Regeln, dann verstehen die immer recht schnell, dass nicht alle bei Rot fahren können oder einfach abbiegen können wie sie möchten. Und das finde ich immer so ganz gut, weil dann ist ganz schnell ein Verständnis von der Kinderseite her da.

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