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Ein neuer Blick in die Zeitgeschichte

Eine Rezension von Elisabeth Rieping (Stand 02. März 2007)

Wer tötete Helmut Daube? : Der bestialische Sexualmord an dem Schüler Helmut Daube im Ruhrgebiet 1928 / Sabine Kettler ; Eva-Maria Stuckel ;
Franz Wegener. Gladbeck, KFVR 2001. 148 S. ISBN 3-931300-03-X

Das Buch ist nicht nur wegen des Mordfalls an Helmut Daube sehr interessant, sondern auch wegen eines Einblicks in den inneren Zusammenhalt
der nationalsozialistischen Führungsclique sehr wichtig. Hier werden nämlich die erhalten gebliebenen Prozessakten des Landesverratprozesses
gegen Rolf vom Busch zitiert, die bisher nicht bekannt waren.

Der Hotelpage Rolf vom Busch war wegen eines Mordes an dem Stricher Kurt Schönig zu Haft und Entmannung verurteilt, als er sich entschloss,
Rache zu üben. Und zwar an den führenden Männern des nationalsozialistischen Regimes, die diese Strafe bei Sittlichkeitsdelikten verfügt hatten.
Deshalb wollte er folgenden Sachverhalt an die ausländische Presse bringen, was ihm eine Anklage wegen Landesverrats, nicht wegen
Verleumdung, einbrachte.

Er gab an, Stabschef Ernst Röhm aus der Pfadfinderbewegung zu kennen, ebenso Obergruppenführer Edmund Heines und SA-Gruppenführer Karl
Ernst. Röhm habe ihn im Hotel Kaiserhof in Berlin im Beisein der anderen oben genannten Männer dem Führer Adolf Hitler zugeführt, mit dem er
dann nähere Bekanntschaft machte. Er war in der Lage, das Genital des Führers zu beschreiben, um seine Glaubwürdigkeit zu erhärten und
behauptete, Briefe von Stabschef Ernst Röhm zu besitzen, mit dem er häufiger Kontakt hatte.

Zu seiner Gesinnung sagte er aus, wie die von ihm Beschuldigten national zu denken und nur aus Rache für die Entmannung an die Öffentlichkeit
gehen zu wollen.

Rolf vom Busch wurde auf Grund dieser Aussagen vom Volksgerichtshof 3.Senat in der Sitzung vom 4.8.1936 unter Richter Senatspräsident Dr.
Springmann wegen Landesverrat zu zwei Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt, da seine Aussagen über den Führer dessen
Ansehen im Ausland hätten herabsetzen können, nicht weil sie unglaubwürdig waren.

In dem Buch sind die erhaltenen Prozessakten zitiert und geben Einblick in das Verhalten der damaligen Führungsschicht. Die meisten Akten und
Aussagen, die sich auf diesen Verhaltenskomplex der frühen NSDAP-Mitglieder beziehen, wurden dagegen vernichtet. Neben dem vorzüglichen
und gut dokumentierten Buch „Hitlers Geheimnis: Das Doppelleben eines Diktators“ von Lothar Machtan, dass dieses Buch über den Mord an
Helmut Daube aus einer neuen Quelle ergänzt, sind zum gleichen Thema auch die Memoiren von Josef Neckermann interessant, der beschreibt,
dass der Führer, mit dem er wegen der Lieferung von Uniformen verhandeln musste, geschminkt war.

Aber auch abgesehen von diesem wichtigen Teilaspekt verführt das Buch als solches zum Denken. Es gibt einen Einblick in die Zeit, regt zum
Nachdenken an und liest sich spannend, so dass ich die Lektüre jedem Erwachsenen, der nicht zu zart besaitet ist, ohne Einschränkung empfehlen
kann.

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