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handelbar, starr, nicht resozialisierbar usw. seien, bzw.

daß Behandlungsaufwand und


Pädagogisierung des Umgangs mit ihnen nicht lohnend seien. Die Strategie, die infolge-
dessen eingeschlagen wurde, war die der gezielten Verbreitung von Skepsis gegenüber
allem, was die Therapie betraf. Dabei muß man bedenken, daß nirgendwo in Deutsch-
land auch nur ein halbwegs tauglicher Versuch zur Resozialisierung oder Behandlung
von Psychopathen, die diesen Namen verdient hätte, unternommen worden war. Die
Eindrücke der Kriminalpsychiater über die Psychopathen stammten aus der Massenver-
wahrung in Anstalten ohne geeignetes und geschultes Personal; mit im Spiel ist der
latente Zorn, daß man neben ,Kranken' durch eine unglückliche Gesetzesregelung nun
auch Kriminelle zu betreuen habe. Man kann ohne Übertreibung sagen, daß die Krimi-
nalpsychiater mit negativen Behandlungsprognosen nur so um sich warfen, ohne mit
dieser Behandlung überhaupt vernünftige Erfahrungen gemacht zu haben" (n,
205 — 206).
Rasch (14) beschrieb dies in seinem Gutachten über die forensische Psych-
iatrie in Eickelborn fast ähnlich und 1986 immerhin sagte Schumann auf einer
Tagung hier:
„Gerade die Öffentlichkeit ist von der Unheilbarkeit psychisch kranker Rechtsbrecher
zutiefst überzeugt. Gerade auf diese unumstößliche Überzeugung ist ja ein großer Teil
der Abwehr und Empörung gegen Reformen im Maßregelvollzug zurückzuführen - eine
Überzeugung, von der man ehrlicherweise sagen muß, daß sie ,drinnen' wie ,draußen'
Milieugestaltung: Über den Alltag mit psychisch anzutreffen ist" (17, 25).
krankenRechtsbrechern* Noch ein weiterer Literaturhinweis: Seine Arbeit über die psychiatrische
Krankenpflege seit 1945 schrieb Konrad (7) unter dem Titel,Bändigen, pflegen,
Von Dipl.-Psych. Ulrich Kobbe, Lippstadt therapieren' und machte so bereits für die Allgemeinpsychiatrie diesen Span-
nungsbogen von kontrollierendem Schließerdasein bis therapeutischem Pfle-
geverständnis deutlich - ein Spannungsbogen, der erst recht auf die Einrichtun-
Die Unterbringung von straffälligen Kranken in der forensischen Psychiatrie gen des Maßregelvollzuges zutreffen muß, den Schönfelder (16) als das Grenz-
stellt neben dem Sicherungsauftrag zunehmend den Behandlungsauftrag in den gängerdasein , Auf Sichtsbeamter - Krankenpfleger' charakterisiert. Hier stellt
Vordergrund. Dieser bleibt jedoch zumindest solange unerfüllt, wie nicht aus- sich gerade für Krankenpfleger und -Schwestern wie für Erzieher/innen die
führlich über die Gestaltung des Behandlungsmilieus in den Einrichtungen des Frage nach dem eigenen Selbstverständnis:
Maßregelvollzugs diskutiert wird.
„Das Krankenpflegepersonal sieht sich einem ,Nicht'-Patienten gegenüber, hinter
Bei Betrachtung der Literatur, so z.B. aller Jahrgänge der Zeitschrift Recht &
dem sich Verdachts weise doch ein Patient verbirgt: Wie sonst käme die forensische
Psychiatrie, stehen eher Fragen der Begutachtung, der Prognose und der Psy- Fragestellung zustande, wenn nicht durch den Verdacht, es sei — zumindest zu einem
chotherapie von Patienten im Maßregelvollzug zur Diskussion, wird über die bestimmten Zeitpunkt — mit ihm psychisch ,irgend etwas' nicht in Ordnung gewesen.
unabdingbare Gestaltung des Milieus auf den Therapiestationen weder gespro- Die Aufnahme erfolgt jedoch nicht wegen eines Leidens, selbst wenn es vorhanden wäre,
chen noch gestritten. Dieses Fehlen einer systematischen Aufarbeitung des sondern wegen einer ,Tat', - ohne diese wäre der Proband wahrscheinlich nicht in die
Themas macht stutzig, geht es doch immerhin um die Grundlagen der eigenen Psychiatrie gekommen. Wenn aber das Aufnahmekriterium wesentlich bestimmt wird
Arbeit, um unsere Einstellung zu den zwangsuntergebrachten Patienten, zu von einem normverletzeiiden, vorwerfbaren, mit moralischen Bewertungen und Straf-
ihren Entwicklungschancen wie zu unseren Handlungsmöglichkeiten. sanktionen verbundenen Handlungsablauf - eben der begangenen Straftat - ist für das
In einer Zusammenfassung schrieb Moser bzgl. dieser Einstellung noch 1971 Pflegepersonal eine wertneutrale helfende Haltung erschwert. Die Besorgnis, durch
Einhaltung von besonderen Sicherungsvorschriften zum,Wärter' zu werden, der glaubt,
folgendes: bei Verstößen gegen die aufoktroyierte Ordnung von der Justiz zur Verantwortung
„Am vorteilhaftesten für die eigenen Anstalten, wie überhaupt für die Gewissensent- gezogen werden zu können, verunsichert die berufliche Identität: ,Bin ich nun Kran-
lastung, mußte es für die Kriminalpsychiater sein, wenn in der Öffentlichkeit und unter kenschwester/pfleger oder nicht'" (16, 47 — 48).
Straf Juristen sich der Eindruck verfestigte, daß die Psychopathen unkorrigierbar, unbe-
Insofern stellt sich erneut die Frage nach Orientierungshilfen, nach der
,richtigen' Einstellung. Denn immerhin sind wir auch als Privatpersonen von
" Vortag auf der 3. Eickelborner Fachtagung zu Fragen der Forensischen Psychiatrie Straftaten betroffen, haben wir eine durch unser Alltagsleben bedingte Einstel-
,Alltag im Maßregelvollzug' am 3.-4. 3. 1988. lung, sind andererseits einem kaum definierten fachlich-beruflichen Einstel-

484 WzM, 40. Jg., S. 484-490, ISSN 0043-1040 485


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lungsbegriff verpflichtet (7) und arbeiten im Feld sozialer Kontrolle, in einer ten Hoffnung auf Veränderung, Verbesserung der eigenen Person und/oder
Paralleleinrichtung zum Strafvollzug (6). Womit sich die Frage stellt, ob und Situation vermitteln, indem und weil sie die Hoffnungsträgcr für den Patienten
inwieweit ich die im Maßregclvollzug Untergebrachten als Kranke oder Be- sind, er nur über die Erfahrung, daß er verstanden und akzeptiert wird, Hoff-
handlungsbedürftige akzeptieren, ihre Beziehungsstörungen und -konflikte als nung für sich erlangen kann.
solche erkennen und annehmen, mich mit ihnen in therapeutische Beziehun- 3. Ein wesentlicher Aspekt der Milieugestaltung ist die Schaffung von ,Pri-
gen begeben kann (s.a. i). D.h. es gibt so etwas wie mir gegebene Handlungs- vatbereichen' zur Ermöglichung und zum Ertragen von Splittingversuchen wie
möglichkeiten einerseits und zugleich ein Parallelsystem von offensichtlichen von archaischen Aggressionen, so daß Patienten um so eher in der Lage und
Handlungserwartungen (Einschluß, Sicherung, Kontrolle . . .) wie kaum be- bereit sind, sich anderen früher und damit weniger affektgeladen mitzuteilen;
schriebene Handlungsnotwendigkeiten (,Besserung', Behandlung, therapeuti- dies beinhaltet die Möglichkeit zu räumlicher Nähe und Distanz, andererseits
scher Umgang . . .) im Milieu einer Station. Immerhin: aber auch die richtige Einschätzung der situativ erforderlichen physischen und
psychologischen Entfernung oder Nähe.
„Der Betroffene braucht Hilfe und er stört. Der gesellschaftliche Auftrag an uns als
Experten ist: Hilfe zu leisten und die Störung zu beseitigen. Bei psychischen Erkrankun-
4. Die Gestaltung des Milieus muß den rundum versorgenden Charakter der
gen ist Heilung oder Linderung in der Regel nur möglich, wenn man die Störungen nicht ,Anstalt' berücksichtigen und Regressionstendenzen von Patienten durch ei-
gleich beseitigt, sondern sie zunächst als Ausdruck realer Konflikte akzeptiert. Dem nen entsprechenden Anforderungscharakter des Lebens auf der Station entge-
widerspricht in der Regel die gesellschaftliche Erwartung an die Psychiatrie, nämlich die genwirken, was bezüglich des Stationsklimas sowohl die Vermeidung einer
Störung so schnell und so schmerzlos wie möglich aufzuheben, zu unterdrücken, wenn Unterforderung durch ,low expressed emotions' wie auch einer Überforderung
nicht mit direkter Gewalt, so doch auf dem Wege der Verschleierung: abschieben, der meist affektiv leicht reizbaren Patienten durch ,high expressed emotions'
verdrängen, projizieren, ungeschehen machen, isolieren, abtöten, dieselben ,kranken' bedeutet.
Problemlösungsmcchanismen, die wir beim Einzelnen in der Familie, in gesellschaftli- 5. Letztlich erfordert die Arbeit mit den schwergestörten Patienten des Maß-
chen Gruppen und Systemen kennen, werden als Erwartungen an die Psychiatrie heran- regelvollzuges, daß das soziale Milieu darauf vorbereitet ist, erhebliche Men-
getragen - und von uns häufig praktiziert" (13, 2-3).
gen und Qualitäten infantiler Wut, Aggression und Angst/Ohnmacht zu ertra-
Im Kontrast zu dieser knappen Beschreibung der Ausgrenzungssituation, in gen bzw. aufzufangen,- dies setzt voraus, daß die diesen als zerstörerisch erleb-
der sich Zwangsuntergebrachte wie auch Mitarbeiter täglich befinden, steht ten Gefühlen ausgesetzten Mitarbeiter die Möglichkeit zur systematischen
folgende ideale Beschreibung der Grundhaltung, des Arbeitsstils auf einer Kontrolle ihrer (Übertragungs-) Reaktionen, zur angemessenen Supervision
Station: haben, damit sie nicht in ihrem Selbstverständnis leiden.
Um einem Mißverständnis zu entgehen: in der Tat wird bereits seit gerau-
„Es ist soviel Ruhe, Ordnung und Sicherheit herzustellen, daß niemand für sich oder mer Zeit die Reform des Maßregelvollzugs geplant, besser noch: gebaut. Im-
andere gefährlich wird. Es sind verläßliche Grenzen zu setzen, an denen der Orientie-
merhin entstanden allein in den letzten Jahren im Landschaftsverband Westfa-
rungslose sich orientieren kann, der Unsichere Geborgenheit findet, der Protestierende
bei Grenzüberschreitung die Folgen seines Handelns spürt. Körperliche Krankheitsantei- len-Lippe das Westf. Therapiezentrum Marsberg Bilstein (1983), in Berlin kürz-
le müssen erkennbar werden. Menschen in sozialer Not müssen das Wohltuende eines lich der Neubau des sogenannten,Festen Hauses' der Abteilung für Forensische
Asyls empfinden. Die Stunden des Tages und der Nacht müssen in ihren Unterschieden Psychiatrie in der Karl-Bonhoeffer-Nervenkinik Berlin (s. 19) sowie im Bereicn
wieder erlebt werden können. Bedürfnisse, gleich welcher Art, müssen zu ihrem Recht des Landschaftsverbandes Rheinland der Neubau der Abteilung für Forensi-
kommen. Zugleich muß soviel Freiraum sein, daß der Verrückte sich ausleben, der sche Psychiatrie der Landesklinik Düren (s. 20). Gerade für die letzten beiden
Protestierende protestieren kann, der Verspannte sich entspannen und zurückziehen Neubauten unterstreicht Zwoch (19-, 20), daß deren architektonische Angebote
kann. Der Isolierte soll das Zusammensein mit anderen Menschen wiederempfinden. eine Anforderung an die therapeutische Nutzung und Ausgestaltung durch
Derjenige der seine Grenzen nicht mehr empfinden kann, soll seine eigene Position im Pfleger, Therapeuten und Ärzte sei. Lassen wir uns durch die,schönen Neubau-
Unterschied zu den Positionen anderer Menschen wieder erfahren können. Jeder muß die ten' den Blick für das Eigentliche nicht verstellen: die neuen Bauten bedeuten
Chance haben, sich und andere als Täter und Opfer von Recht und Unrecht zu erleben (4,
zunächst ,nur' ein ,Schöner Wohnen' wie auch ein ,Schöner Sichern', sind der
18)."
Öffentlichkeit gegenüber vorzeigbar und verstellen nur allzu schnell den Blick
In anderer Weise lassen sich verkürzt aus den Arbeiten Bettelheims (2-, 3) für die alltägliche Wirklichkeit der zwangsuntergebrachten Patienten wie auch
folgende Prinzipien der Milieugestaltung in Stichworten für den Maßregelvoll- der dort Tätigen. So paradox es scheint - gerade die baulichen Aspekte des
zug ableiten: Maßregelvollzuges, die nach Mühlich-Von Staden (12, 53-54) als „hart" und
1. Die Einrichtungen des Maßregelvollzuges müssen zunächst ein therapeu- „veränderungsträge" gelten, werden vorrangig behandelt und signalisieren so-
tisches Milieu schaffen, das dem zwangsuntergebrachten Patienten das Leben zusagen beispielhaft, daß „etwas für die psychisch Kranken getan wird". Die
erträglich werden und es so (wieder) lebenswert finden läßt, ihm die Möglich- psychosozialen Bedingungen der Einrichtungen dagegen, die nach Mühlich-
keit gibt, die Begrenztheit, aber auch die Vielfalt möglicher Befriedigungs- und Von Staden als „weich" oder „plastisch" zu betrachten sind, stehen wesentlich
Erlebnisweisen zu erarbeiten. weniger im Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit. Doch gerade dies-
2. Die Einstellung, die innere Haltung der Mitarbeiter müssen dem Patien- bezüglich weist auch Bettelheim (2) darauf hin, daß selbst drastische Maßiiah-

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men zur Veränderung und Neugestaltung von Bauten nicht ausreichen, um Lassen sich unsere psychiatrischen Krankenhäuser ,nach Bettelheims Muster in thera-
eine Verbesserung des therapeutischen Milieus zu erzielen. peutische Einheiten umstrukturieren', wie Günter Ammon in seinem Nachwort meint?
Zumindest zeigt das Beispiel: es geht auch anders. Eindringlicher als der Bericht der
„Als ich in die Orthogenic School kam, war die alte Fassade immer noch sehr reizvoll Deutschen Enquete-Kommission, dringlicher auch als Szasz' Kritik der institutionalen
und gut erhalten. Aber noch bevor man das Gebäude betrat, bekam man eine düstere Psychiatrie fordert Bettelheims Buch zu radikalem Umdenken heraus. Im Bericht der
Vorahnung, von der man geradezu überwältigt wurde, wenn man die Eingangstür geöff- Enquete-Kommission heißt es, allen Reformen vorauszugehen habe die Befriedigung der
net hatte und einem der deprimierend widerliche Geruch entgegcnschlug. Unerfahren humanen Grundbedürfnisse des Patienten. Dazu gehört freilich mehr als ausreichende
wie ich war, glaubte ich, ein Großputz mit Schrubben und Neuanstrich würde das sanitäre Einrichtungen und das Recht auf einen kleinen persönlichen Bereich. Nehmen
beheben. Aber es stellte sich heraus, daß es eine gewaltige Aufgabe war, den üblen wir die ,humanen Grundbedürfnisse' wirklich ernst, so ernst wie Bruno Bettelheim, so
Geruch auszutreiben, denn er hatte das Krankenhaus förmlich in Besitz genommen und sind wir schon mitten drin in einer Reform, die über die zaghaften, eher an Kategorien
sich in allen Ecken und Ritzen festgesetzt. Wände und Fußböden abzuwaschen und Holz- von Organisation und Versorgung denkenden Empfehlungen der Enquete-Kommission
und Mauerwerk neu zu streichen, nützte gar nichts. Als nächstes warfen wir alle Vorhän- weithinausführt." (8)
ge, Decken, Teppiche und altes Bettzeug hinaus, auch die Möbel gaben wir weg. Dann
kamen weitere drastische Maßnahmen dazu. Zwar verminderte sich dadurch der wider-
wärtige Geruch, aber schließlich mußte ich doch einsehen, daß diese Methode zu kurz- Literatur
sichtig gewesen war. Ich war allem äußerlich mit geballter Kraft entgegengetreten, aber
das genügte nicht, wo es um das Wesentliche ging. Diese radikalen Maßnahmen säuber- A. Abele, Einstellung und Einstellungsänderungen gegenüber Straftätern. Eine sozial-
ten zwar die Luft, stellten aber nicht den ,richtigen Geruch' her. Dieser konnte nur psychologische Analyse, in: }. Haisch (Hg.), Angewandte Sozialpsychologie. Bedingun-
entstehen, wenn die Schule richtig geführt wurde" (2, 122-123). gen, Möglichkeiten und Ergebnisse der praktischen Anwendung sozialpsychologischer
Mühlich-Von Staden u.a. (12) von der Planungsgruppe Ulm schlußfolgern Theorien, Bern 1983, 95-117; B. Bettelheim, Der Weg aus dem Labyrinth. Leben lernen
als Therapie, Frankfurt a. Main 1978; B. Bettelheim/D. Karlin, Liebe als Therapie.
entsprechend in ihrer Studie über ,Bedürfnisse und Wünsche psychiatrischer
Gespräche über das Seelenleben des Kindes, München 1986; H. Comel, Rehabilita-
Langzeitpatienten' - und das werden die im Maßregelvollzug Untergebrachten tionshilfen für Delinquente auf der Basis psychoanalytischer Erkenntnisse und Metho-
zwangsläufig nur zu häufig -, „daß grundlegende Verbesserungen der Lebens- den, in: Mschr. Krim 68 (1985), 88-103; ders., Psychoanalytiseh verstehende Sozialar-
bedingungen trotz aller Schwierigkeiten auch bei den psychosozialen Bedin- beit und Soziotherapie im offenen Setting - lebenslageorientierte Rehabilitationshilfen
gungen - d. h. vor allem bei der Gestaltung der Patientenrolle und ihrer Rah- für entwicklungsgestörte Delinquenten und ihre kriminalpolitischen Implikationen.
menbedingungen - ansetzen müssen" (12, 59). Gerade auch diese Arbeit ver- Thesenpapier auf der 2. Eickelborner Fachtagung zu Fragen der Forensischen Psychiatrie
weist auf den wichtigen Stellenwert unserer Einstellung zu dem, was Patienten ,Therapie im Maßregelvollzug' am 5.-6. 3. 1987, Lippstadt-Eickelborn; K. Dörner, Brief
benötigen, was ihnen im Rahmen der Stationsatmosphäre hilfreich ist, ver- an einen Anfänger in der Psychiatrie. Oder: Das Krankenhaus gehört den Schwestern und
weist auf „das soziotherapeutische Milieu als Antwort auf ,die Wirklichkeit Pflegern, in: M. Putzke (Hg.), Das Handwerk oder die Kunst der Pflege, Rehburg-Loccum
1982, 12-23; M. Konrad, Bändigen, therapieren, pflegen. Die psychiatrische Kran-
des Straftäters'" (18) und auf die Notwendigkeit heilpädagogischer bzw. psych-
kenpflege seit 1945 anhand berufsbiographischer Interviews, Frankfurt a. Main 1985; H.
agogischer,Experimente' wie sie in Frankreich in Bonneuil (15), in den USA in Krieger, Macht und Einfühlung in der Psychiatrie. Der Patient hat immer recht (Bücher
Chicago von Bettelheim (2-, 3) sowie in Deutschland in Frankfurt von Cornel (4; von Szasz und Bettelheim lehren radikales Umdenken.), in: Die Zeit Nr. 18 vom 23. 4.
5) unternommen wurden. 1976; R. Lobos-Wild, Die Antipsychiatrie oder die neue Dissozialität als Hintergrund des
Konkret verweisen uns diese Überlegungen und Erfahrungen auf unsere Arxhof-Prozesses, in: Recht &. Psychiatrie i (1986), 12-16; M. Markard, Einstellung.
eigene Theorie und Praxis im Alltag der Stationen des Maßregelvollzuges, auf Kritik eines sozialpsychologischen Grundkonzepts, Frankfurt a. Main 1984; T. Moser,
die unabdingbare Offenheit für Erfahrungen, die Einfühlung aus geschärfter Repressive Kriminalpsychiatrie. Vom Elend einer Wissenschaft. Eine Streitschrift,
Selbstwahrnehrnung und die Bereitschaft - auch vom Patienten - zu lernen. Frankfurt a. Main 1971; Ch. Mühlich-von Staden/E. Wolff/W. Mühlich, Ein Bett ist keine
Wohnung. Bedürfnisse und Wünsche psychiatrischer Langzeitpatienten, Rehburg-Loc-
„Bettelheim nennt sein Behandlungsmodell,totale Milieutherapie' und meint damit cum 1981; U. Flog, Therapie. Hilfe, Ersatz, Macht, in: N. Pörksen (Hg.), Therapie. Hilfe,
etwas ungleich Anspruchsvolleres, als was hierzulande Milieutherapie heißt. Es basiert Ersatz, Macht? Materialien zur DGSP-Jahrestagung vom i.-4. November 1979 in Frei-
auf der Erkenntnis, daß Therapie fruchtlos bleibt, wenn der Rahmen, in dem sie stattfin- burg, Rehburg-Loccum 1980, 5-12; W. Rasch, Gutachten zur Situation und zu Entwick-
det, ihren Zielen widerspricht. Minuziöse Aufmerksamkeit widmet Bettelheim den lungsmöglichkeiten in der Durchführung des Maßregelvollzugs nach §§ 63, 64 StGB im
Baulichkeiten, der Symbolik von Räumen, Fluren, Treppenhäusern, von Badezimmern forensischen Bereich des Westfälischen Landeskrankenhauses Eickelborn, in: Land-
und Toiletten,- schon hier drückt sich aus, wie ernst die Gefühle und Bedürfnisse des schaftsverband Westfalen-Lippe (Hg.), Krank und/oder kriminell? Maßregelvollzug in
Patienten genommen werden. Das Prinzip der offenen Tür ist so selbstverständlich wie Westfalen-Lippe, Münster 1983, 7-74; /. Roedel, Das heilpädagogische Experiment
der absolute Verzicht auf Zwang und Manipulation, der Abbau des hierarchischen Bonneuil und die Psychoanalyse in Frankreich, Eschborn 1986; Th. Schönfelder, Pro-
Machtgefälles, die Einbeziehung noch des Küchenpersonals und des Hausmeisters in das bleme der stationären jugendpsychiatrischen Begutachtung, in: M. Putzke (Hg.), Das
therapeutische Konzept. Aber all dies ist erst die Vorausetzung für das Eigentliche: das Handwerk oder die Kunst der Pflege, Rehburg-Loccum 1982, 46—58; V. Schumann,
Engagement der menschlichen Beziehung und die Aufmerksamkeit für Gefühle (auch Grenzen stationärer Behandlung, in: H. Kammeier/V. Schumann (Hg.), Wiedereingliede-
des Betreuers übrigens, der von der Solidarität der Gemeinschaft getragen werden muß). rung psychisch kranker Rechtsbrecher, i. Lippstädter Fachtagung zur forensischen
Psychiatrie am 27-28.2. 1986 im Westfälischen Zentrum für Forensische Psychiatrie

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Lippstadt, Eickelborn 1986, 21-28; /. Toussaint, Das soziotherapeutische Milieu als
psychoanalytische Antwort auf ,die Wirklichkeit des Straftäters', in: K. Menne (Hg.),
Psychoanalyse und Justiz. Zur Begutachtung und Rehabilitation von Straftätern, Baden-
Baden 1984, 69—76; F. Zwoch, Neubau für die Abteilung Forensische Psychiatrie Karl-
Bünhoeffer-Nervenklinik Berlin, in: Bauwelt 78/22 (1987), 781-792; deis., Abteilung für
Forensische Psychiatrie der Landesklinik Düren, in: Bauwelt 78/22 (1987), 797-802.