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Fachhandbuch T/U

(Trassee/Umwelt)

21 001-10462

Technisches Merkblatt Bauteil

Entwässerung und Strassenabwasserbehandlung

Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK

Bundesamt für Strassen ASTRA

V1.00

18.11.2013

Sandfilter, bewachsen

Abteilung Strasseninfrastruktur I

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1 Kurzbeschrieb:

Das gesammelte und abgeleitete Strassenabwasser wird in einer zentralen Anlage mittels Sandfilter behandelt. Es sind 2 Bautypen von Sandfilteranlagen möglich:

Versickerungsmulde: Der Sandfilter ist gegen den anstehenden Untergrund offen. Das be- handelte Strassenwasser versickert unter dem Sandfilter.

Retentionsfilterbecken: Der Sandfilter ist gegen den anstehenden Untergrund hin abgedich- tet. Das behandelte Strassenabwasser wird gesammelt und abgeleitet.

Die Sandfilteranlage braucht eine Vorbehandlungsstufe, um das vorzeitige Kolmatieren zu verhindern.

2 Es gelten folgende Dokumente:

ASTRA Richtlinie 18005 Strassenabwasserbehandlung an Nationalstrassen

SN Norm 640 350, Regenintensitäten

SN Norm 670 125a, Filtermaterialien

VSA Richtlinie Regenwasserentsorgung, 2002 mit Update 2008

3 Dimensionierung:

Hydraulik:

Für die Dimensionierung sind die Funktions- und Wirkungsweise, sowie das Gesamtsystem der Be- handlungsanlage entscheidend (siehe Typenblatt Nr. 4 der ASTRA Richtlinie 18005 Strassenabwas- serbehandlung an Nationalstrassen).

Die Anlage wird massgeblich bestimmt durch die Filterleistung des Sandes. Dabei gilt es zu beachten, dass sich auf dem Sand ein Filterkuchen aufbaut. Dies ist eine Mischung aus abgestorbenen Pflanzen- resten und rückgehaltenen Stoffen aus dem Strassenabwasser. In der Regel kann von einer Durchläs-

sigkeit des Sandfilters inklusive darüber liegendem Filterkuchen von 2 l min

Es gilt wie bei der Bodenfilteranlage ein Optimum zwischen Sandfilterfläche und erforderlichem Reten- tionsvolumen zu suchen. Dabei werden die Retentionsvolumen der Vorbehandlungsbauwerke in den entsprechenden Langzeitsimulationen zur Bestimmung des hydraulischen Wirkungsgrades mitberück- sichtigt.

Sandfilter:

-1

m -2 ausgegangen werden.

Sand:

Schichtdicke:

ca. 70 cm

Rundsand 0/4 mm gewaschen

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Sandfilter, bewachsen

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Skizzen:

Querschnitt Sandfilter bepflanzt mit Abdichtung:

4 Skizzen: Querschnitt Sandfilter bepflanzt mit Abdichtung: Querschnitt Sandfilter bepflanzt ohne Abdichtung: 

Querschnitt Sandfilter bepflanzt ohne Abdichtung:

Querschnitt Sandfilter bepflanzt ohne Abdichtung:  Kies-Sand: Kies-Sand 1 (ungebundene Gemische) –

Kies-Sand: Kies-Sand 1 (ungebundene Gemische) – natürliches Material (kein Recyclingmate- rial)

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Sandfilter, bewachsen

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Sickerkies: Rundkies 32/50

Sickerleitung: PP- oder HDPE-Rohr, Durchmesser 200 mm, oben gelocht oder geschlitzt. Ver- legt mit minimalem Gefälle 0.5%, inklusive beidseitiger Möglichkeit zum Spülen.

Abdichtung: Geosynthetische Tondichtungsbahnen (Bentonitmatte) mit einem k-Wert von

2-5 x 10 -11 m/s

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Merkpunkte:

Für die Projektierung und die Realisierung ist eine Begleitung durch Bodenfachleute erforderlich.

In Ergänzung zur ASTRA Richtlinie 18005 Strassenabwasserbehandlung an Nationalstrassen ist fol- gendes zu berücksichtigen:

Projektierung

Es gelten die Punkte des Merkblattes Bodenfilteranlage.

Bepflanzung: Im Unterschied zum Bodenfilter erfolgt die Bepflanzung des Sandfilters aus- schliesslich durch Schilf 1 , Topfpflanzen ca. 5 Stk/m ). Das Anwachsen des Schilfbewuchses er- folgt beim Sandfilter langsamer als beim Bodenfilter, da die entsprechenden Nährstoffe im Sandfilter zu Beginn noch sehr wenig vorhanden sind.

1 Die Eignung der Schilfsorte ist zu beachten. I.d.R. ist Phragmites australis oder Phragmites australis Subspezies humilis zu verwenden.

Phragmites australis: h = ~4 m; starke Rhizombildung bessere Eigenschaften für die Sandfil- terdurchlüftung, knickgefährdet.

Phragmites australis Subspezies humilis: h = ~1.2 m, weniger starke Rhizombildung; weniger knickgefährdet.

Für die Inbetriebnahme sind die entsprechenden Projektierungshinweise des techn. Merkblat- tes Bodenfilter zu beachten (längere Anwachszeiten entsprechend berücksichtigen).

2

Realisierung

Einbau des Sandfilters ohne Verdichten zwingend (nicht befahrbar für Baumaschinen).

Das Verlegen der Bentonitmatte beeinflusst den Bauablauf massgeblich, da diese nicht über Tage of- fen liegen bleiben darf, sondern rasch mit mindestens 30 cm überschüttet werden muss.

Betrieblicher Unterhalt

Die Sandfilter sind nicht befahrbar bei Mäharbeiten sind Balkenmäher zu benützen.

Mäharbeiten sind nur bei Bedarf erforderlich. Die Bildung einer Spreuschicht durch abgestorbenes Ma- terial ist für die Funktion des Sandfilters zwingend.

Aufkommende Bäume und Büsche sind zu entfernen.

Sickerleitungen je nach Anlage alle 2-5 Jahre spülen.

Für die Zeit des Anwachsens der Bepflanzung ist eine Bewässerung vorzusehen.

Für das Bauwerk wird ein Betriebshandbuch und ein Interventionshandbuch gemäss der ASTRA Richt- linie 18005 Strassenabwasserbehandlung an Nationalstrassen erstellt.

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Störfall Der Störfallrückhalt erfolgt vor dem Sandfilter. In der Regel in Kombination mit der Vorbehandlung.