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Das Fundament 1/2009

Karl-Heinz Vanheiden beschreibt in seinem biblischen Vortrag, den er auf der


Hauptkonferenz 2008 auf dem Schönblick hielt, was Wunder sind und wie
Gott sie einsetzt, um seine Größe zu zeigen.

Kurz nach seinem Auszug aus


  uns zum Beten, ja zum Schreien
Ägypten geriet das Volk Israel in bringen. Da lässt man keine langen
eine Sackgasse. Leider können wir und würdevollen Gebete mehr
die Lage des Ortes nicht mehr verlauten. Eine ideale Situation für
genau bestimmen. Aber soviel ist den Glauben.
sicher: entweder hatten sie links Vierzig Jahre später stand das
und rechts ein Gebirge, vor sich das Volk wieder vor einem unüber-
Meer und hinter sich die ägypti- windlichen Wasserhindernis. Das
schen Verfolger oder (wie andere wird uns berichtet in Josua 3, 1 - 13:
Forscher vermuten) waren sie auf „Früh am nächsten Morgen brach
einer Halbinsel, wo es links und Josua von Schittim auf und zog mit
rechts und vorn auch kein Auswei- dem ganzen Volk Israel bis an den
chen gab. Jordan. Sie überquerten den Fluss
Manche behaupten, das sei die aber noch nicht, sondern übernach-
ideale Situation für den Glauben: teten dort. Am dritten Tag schickte
Hinten der Feind, vorn das Meer Josua die Hauptleute mit dem Befehl
und links und rechts kein Platz durchs Lager: „Sobald ihr seht, dass
zum Ausweichen. Da kann man die Lade Jahwes, die Lade des Bundes
nichts anderes mehr machen als mit eurem Gott, von Priestern aus
zu glauben. Das würde wohl auch dem Stamm Levi getragen wird,


Ein Gott, der Wunder tut

dann brecht auf und zieht hinter ihr „Heute will ich anfangen, dich vor
her. Sie wird euch einen Weg zeigen, dem ganzen Volk Israel großzuma-
den ihr vorher noch nie gegangen chen. Sie sollen merken, dass ich
seid. Ihr dürft der Lade aber nicht zu dir beistehe, wie ich Mose zur Seite
nahe kommen, sondern müsst einen stand. Befiehl den Priestern, die die
Abstand von etwa tausend Metern Bundeslade tragen: ‚Wenn ihr an den
zu ihr halten.“ Weiter ließ Josua Rand des Wassers kommt, bleibt ihr
dem Volk sagen: „Heiligt euch, denn im Jordan stehen!’“ Dann rief Josua
morgen wird Jahwe Wunder vor euch das Volk Israel zu sich: „Kommt her
tun.“ Das bedeutete für die Israe- und hört, was Jahwe, euer Gott,
liten, dass sie ihre Kleider und sich euch sagt! Ihr werdet gleich sehen,
selbst waschen mussten und keinen dass der lebendige Gott unter euch
Geschlechtsverkehr haben durften ist und dass er die Völker des Landes,
(vergleiche 2. Mose 19, 10. 14 - 15; die Kanaaniter, Hetiter, Hiwiter,
3. Mose 16, 4. 24). Am nächsten Perisiter, Girgaschiter, Amoriter und
Tag befahl Josua den Priestern: Jebusiter, vor euch vertreiben wird.
„Nehmt die Bundeslade auf und Passt auf! Die Bundeslade Jahwes,
zieht dem Volk voran!“ Da hoben des Herrschers über die ganze Erde,
sie die Bundeslade auf und zogen vor wird jetzt durch den Jordan ziehen.
dem Volk her. Da Wählt zwölf Män-
sagte Jahwe ner aus, von
zu Jo- jedem
sua:

See Genezareth


Das Fundament 1/2009

Stamm einen! Wenn dann die Pries- Wieder hatte Israel ein schwer-
ter, die diese Lade Jahwes, des Herrn wiegendes Wasserhindernis vor
der ganzen Erde, tragen, ihre Füße sich. Denn der Jordan, der sonst
ins Jordanwasser setzen, wird kein nur 30 Meter breit dahinströmte,
Wasser mehr nachfließen. Der Fluss war über alle Ufer getreten. Gelbe
wird sich weiter oben anstauen wie lehmige Fluten wälzten sich in
vor einem Damm.“ einem 1000 Meter breiten Strom
durch das Tal. Am Fluss ist heute
noch ein Hochwasserbett zu erken-
nen, das sich vier bis sechs Meter
Hindernis Jordan tief in den Kalkstein eingegra­ben
hat.
Von seinem letzten Lagerplatz Es war gefährlich, den Jordan
Abel-Schittim brach das Volk auf bei Hochwasser zu überqueren.
und zog in das 330 Meter tief Leute, die das wagten, galten als
unter dem Meeresspiegel gelegene herausragende Helden. So werden
Jordantal. Der sogenannte Jordan- in 1. Chronik 12, 16 eine Anzahl
graben ist an dieser Stelle etwa 20 tapferer, kampferprobter Männer
Kilometer breit. Das bedeutete von aus dem Stamm Gad aufgeführt,
Schittim aus einen Fußmarsch von die zu David übergingen, als
18 Kilometern bis an den Fluss. er in seiner Bergfestung in der
Am Ufer, gegenüber von Jericho Wüste Juda war: „Schon im März
wurde ein provisorisches Lager für überschritten sie den Jordan, als er
drei Tage errichtet. Hochwasser führte und alle Neben-

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Ein Gott, der Wunder tut

täler auf beiden Seiten abgeschnitten warten zu lassen brauchen, dann


waren.“ hätten sie bequem und trockenen
Im März war in Kanaan die Fußes den Jordan durchqueren
Regenzeit fast zu Ende und die können. Aber unser Gott han-
Schneeschmelze vom Hermonge- delt eben nicht nach Schema F.
birge tat ein übriges dazu, so dass Manchmal ist Warten angesagt,
es zu diesem Hochwasser kam. In bis sich ein Problem von selber löst.
diesem Monat war auch die Ernte Aber das Volk sollte das Hinder-
in Kanaan schon fast reif und Ende nis jetzt überwinden. Es ist nicht
März haben die Israeliten spä­ter das immer so, dass wir Hindernissen
Fest der Erstlinge der Ernte gefeiert. ausweichen sollen. Wir sollen sie
Gott ließ sein Volk ganz ge- überwinden durch die Gnade,
plant in Schwierigkeiten kommen. durch die Kraft des Herrn. Wer im-
Es war seine volle Absicht. Aber mer ausreißt und ausweicht, wird
diesmal drängte kein Feind. Es gab wohl nie wirklich zum Ziel kom-
auch kein Gebirge links und rechts, men. Gott selbst hatte damals dem
keine Sackgasse. Vor ihnen lag das Volk ein Wunder versprochen. Er
Land der Verheißung. Nun hätte wollte damit vor ihren Augen etwas
Gott sie bloß noch einige Wochen von seiner Macht demonstrieren.

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Das Fundament 1/2009

Gibt es Wunder? „Ohne Ursache geschieht


nichts; und was nicht geschehen
Etwas einfacher zu beantworten ist kann, geschieht auch nicht. Und
die Frage, was denn kein Wunder ist. wenn etwas geschieht, was gesche-
„Kein Wunder, dass du bei der hen kann, kann es nicht Wunder
Prüfung durchgefallen bist“, sagte genannt werden. Folglich gibt es
der Vater zu seinem Sohn, weil er keine Wunder.“
wusste, wie faul dieser war. „Es Diesem Gedankengang würden
grenzt an ein Wunder, dass der viele Menschen heute zustimmen.
Motorradfahrer diesen Unfall fast Sie haben noch nie ein Wunder er-
unverletzt überlebte“, sagte die lebt und behaupten deshalb, dass es
Nachrichtensprecherin. so etwas nicht geben könne. Doch
Ein Wunder ist etwas Außer- diese Überlegungen haben logische
gewöhnliches, etwas, das man sich Fehler. Cicero hat zum Beispiel
nicht erklären kann und nicht er- ausgeschlossen, dass die Ursachen
wartet hat. In Wörterbüchern kann für ein Wunder auch außerhalb
man Folgendes zum Stichwort unserer sichtbaren Welt liegen
Wunder finden: Es ist ein Ereignis können. Und wer behauptet, es
gegen die Natur der Dinge, ein könne keine Wunder geben, weil er
unerhörtes, den Naturgesetzen noch keins erlebt habe, überschätzt
widersprechendes Ereignis, ein sich selbst. Nur wer die Vergangen-
Ereignis in Raum und Zeit, das heit, Gegenwart und Zukunft der
menschlicher Erfahrung und den ganzen Welt vollständig überblickt,
Gesetzlichkeiten von Natur und könnte eventuell behaupten, es
Geschichte widerspricht. gäbe keine Wunder.

Kann es nun wirklich Wunder und


Wunder geben? Naturgesetze
Cicero, die silberne Zunge Roms, Wie verhalten sich nun Wunder zu
ein glänzender Redner, Politiker, den uns bekannten Naturgesetzen?
Schriftsteller und Philosoph (106 Ob sie sich widersprechen?
– 43 v. Chr.) sagte Folgendes dazu:
 ortsetzung auf Seits 33

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Eine neue Perspektive

Eine neue Perspektive


Elisabeth Hessentaler, Fellbach , IT-Consultant im Produktdatenmanagement

Es war nichts dahingefallen von all


  Als ich vor kurzem einmal wie-
dem guten Wort, das der Herr dem der auf diesen Vers gestoßen bin,
Hause Israel verkündigt hatte. Es war musste ich an die vielen Verspre-
alles gekommen (Josua 21,45). chen denken, die uns in der Firma
Viele lange Jahre war das Volk immer wieder gemacht werden.
Israel unterwegs von Ägypten nach Hier eine Strategieänderung,
Kanaan. Viele Jahre mit tollen Er- da eine Umstrukturierung, eine
fahrungen von Gottes Eingreifen, Ausgliederung oder gar ein Verkauf
Erretten und Führen, aber auch viele - und alles mit der Aussicht, dass
Jahre mit Enttäuschungen, Schwie- damit vieles besser und kein Mitar-
rigkeiten und Umwegen. beiter Nachteile haben wird.
Was lag nicht alles zwi- Leider werden die
schen dem Versprechen Halbwertszeiten solcher
Gottes „… dass ich sie Versprechen immer
herausführe aus diesem kürzer. Wenige Tage,
Lande in ein gutes nachdem ich den
und weites Land“ (2. obigen Vers gelesen
Mose 3, 8) und der hatte, ging mal wie-
Situation „So hat der ein Manager
der HERR Israel und am gleichen
das ganze Land Tag kam schon
gegeben“ (Josua ein neuer. Neue
21, 43)! Und Ideen, Stra-
doch kann das tegien und
Volk ganz am Versprechen
Ende sagen: folgten.
„Es war al- Ich er-
les so ge- tappe mich
kommen“. schon

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Das Fundament 1/2009

dabei, dass ich mir manches gar keiten herausgeführt hat, der hält
nicht mehr richtig anhöre und dass sein Versprechen mir gegenüber
ich mir vorsichtshalber keine Hoff- heute noch genauso, wie damals
nungen mache, damit ich nicht dem Volk Israel gegenüber. „Ich
enttäuscht werde – sozusagen zum bin bei euch alle Tage“.
Selbstschutz. Auf der anderen Seite Vielleicht sieht der Weg nicht
steht die Aussage Gottes: „Ich bin so aus, wie ich ihn mir vorstelle.
bei euch alle Tage bis ans Ende der Gott gibt mir nicht die Garantie,
Erde“ (Matthäus 28, 20). dass ich nette Kollegen habe, dass
Dann stellt sich die Frage: ich meine Arbeit gut bewältigen
Erwarte ich von Gott noch etwas kann und auch nicht, dass mein
oder hake ich auch seine Verspre- Job erhalten bleibt.
chen ab, damit ich nicht enttäuscht Aber ich weiß, dass seine Wege
werde? Rechne ich damit, dass er zu einem guten Ziel führen und
jeden Tag bei mir ist und ich mich ich mich auf ihn verlassen kann, ja,
mit allen Sorgen und Freuden an dass er mich nicht allein lässt.
ihn wenden kann und soll, oder Nicht immer fällt es mir leicht,
schaue ich selbst, wie ich irgendwie das so gelassen zu sehen. Ich rege
durchkomme? mich über Situationen und über
Das Verhalten meiner Manager andere Menschen auf und ärgere
kann ich nicht ändern und die mich über mich selbst. Aber wenn
Firma zu wechseln hilft meist auch ich mir Zeit nehme, auf Gott zu
nicht lange. Aber ich weiß, dass ich hören, dann kann er mir wieder
all dem nicht willkürlich ausgelie- einen neuen Blick schenken, so wie
fert bin. er es in dem Moment getan hat, in
dem ich den obigen Vers gelesen
habe.
Himmel und Erde werden ver-
Gott steht zu gehen und viele menschliche Worte
auch, aber Gottes Wort bleibt in
seinem Wort Ewigkeit. Ich wünsche Ihnen und
Gott, der das Volk Israel über so mir, dass dieses Wissen über all
viele Jahre geführt, begleitet und den Unsicherheiten des Berufsall-
versorgt hat, ja, der es sogar aus tags steht und ihn prägt. 
selbstverschuldeten Schwierig-

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Ein Gott, der Wunder tut

 ortsetzung von Seite 12


Die Wörterbuchdefinitionen und ist gleich (schwere) Masse mal
für Wunder bestätigen diese Frage Erdbeschleunigung. Dabei hat die
im Allgemeinen und folgern von Erdbeschleunigung auf der Erd-
daher ähnlich wie Cicero: Weil die oberfläche den ungefähren Wert von
Naturgesetze nicht durchbrochen 9,81 m/s2. Das Gesetz der Schwer-
werden können, kann es keine kraft bewirkt selber keine Schwer-
Wunder geben. kraft, es erklärt sie nicht einmal.
Die meisten Menschen machen Bis heute ist meines Wissens noch
sich aber nicht klar, was Naturge- keine schlüssige Erklärung für das
setze eigentlich sind. Naturgesetze Phänomen Schwerkraft gefunden

Naturgesetz und Kompass

beschreiben nur die Art und Weise, worden. Das Gesetz der Schwerkraft
wie nach unserer Erfahrung unter beschreibt nur, wie sie wirkt.
bestimmten Voraussetzungen et- Es sollte uns auf jeden Fall klar
was abläuft. Naturgesetze beschrei- sein: ein Naturgesetz kann nichts
ben unsere Welt. Wer aber garan- bewirken und auch nichts verhin-
tiert, dass alles immer so abläuft, dern. Es ist ja nur die Beschrei-
wie wir es gerade beobachten? bung von dem, was normalerweise
Ein Beispiel dafür ist das Gesetz immer passiert. Wer also sagt, dass
der Schwerkraft. Die Schwerkraft es keine Wunder geben könne,
ist die Anziehungskraft der Erde weil das gegen die Naturgesetze

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Das Fundament 1/2009

verstoßen würde, hat noch nicht hen lässt und dass er Tag und Nacht
einmal begriffen, was Naturgesetze bestimmt. Es steht fest, dass ohne
überhaupt sind. die tragende Kraft Gottes einfach
überhaupt nichts funktionieren
würde.
Zweitens sind Naturgesetze Ver-
Wunder in der Bibel ordnungen, die Gott eingesetzt hat:

Nach biblischer Lehre beschreiben „Lobt Jahwe vom Himmel her, 


Naturgesetze erstens, wie Gott üb- lobt ihn in den Höhen! Lobt ihn,
licherweise handelt. In Psalm 104 alle seine Engel! Lobe ihn, du
heißt es in verschiedenen Versen: himmlisches Heer! Lobt ihn, Sonne
und Mond! Lobt ihn, ihr leuchten-
Vers 10: Du lässt Quellen entsprin- den Sterne! Lobt ihn, ihr aller-
gen, sie werden zu Bächen,  höchsten Himmel und ihr Wasser
zwischen den Bergen da oben am Firmament! Sie alle
fließen sie hin. sollen loben den Namen Jahwes,
Vers 13: Du tränkst die Berge aus denn sie alle entstanden durch sein
deinen Kammern, durch Gebot. Er stellte sie hin für ewige
dein Wirken wird die Zeit, gab ihnen ein Gesetz, das
Erde satt. keiner je bricht“ (Psalm 148).
Vers 14: Gras lässt du sprossen für „Von jetzt an, solange die Erde
das Vieh, Pflanzen für die besteht, soll nicht aufhören: Saat
Arbeit des Menschen.  und Ernte, Frost und Hitze, Som-
mer und Winter, Tag und Nacht“
Vers 19: Er hat den Mond gemacht,
(1. Mose 8, 22).
um Zeiten zu bestimmen,
die Sonne, die ihren
Naturgesetze sind Ordnungen,
Untergang kennt.
die Gott eingesetzt hat, damit sie
Vers 20: Du lässt die Dunkelheit funktionieren. Wunder sind dem-
kommen und es wird nach Ereignisse, die normalerweise
Nacht, da regen sich alle nicht geschehen. Sie sind selten.
Tiere im Wald. Das muss auch so sein, denn sonst
könnte kein Mensch leben. Man
Die Bibel sagt an dieser Stelle,
muss sich eben darauf verlassen
dass Gott alles wachsen und gedei-

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Ein Gott, der Wunder tut

können, dass die Welt normal ist. Gott tut Wunder


Gott ist ja nicht ein Gott der Un-
ordnung, sondern der viel höheren Wenn Gott nun manchmal be-
Ordnung, nämlich des Friedens. sondere Wunder tut, kann er dazu
Von der Bibel her könnten wir natürliche Mittel benutzen oder
sagen, dass Naturgesetze Beschrei- übernatürliche. Er benutzt also
bungen der Dinge sind, die norma- Mittel, die wir kennen und solche,
lerweise geschehen. Die Frage stellt die wir nicht kennen. Wunder mit
sich hier, wer denn diese Dinge alle gewöhnlichen Mitteln sind in der
geschehen lässt. Bibel berichtet, als Petrus seinen
Der Hebräerbrief sagt von Fischzug tut (Johannes 21, 1 - 11).
unserem Herrn, dass er durch die Auch die Heuschreckenplage in
Macht seines Wortes das ganze Ägypten (2. Mose 10, 4  ff) oder
All trägt (Hebräer 1, 3). Und der dass Philippus auf einer einsamen
Kolosserbrief fügt hinzu: „Denn in Wüstenroute mit dem Finanzmi-
ihm ist alles, was es im Himmel und nister zusammentrifft (Apostelge-
auf Erden gibt, erschaffen worden: schichte 8, 26 ff) geschehen durch
das Sichtbare und das Unsichtbare, den Einsatz natürlicher Mittel. Das
Thronende und Herrschende, Mäch- Wunder besteht hier darin, dass
te und Gewalten; alles ist durch ihn es auf das gegebene Wort hin zur
und für ihn geschaffen. Er steht über vorher genau angekündigten Zeit
allem und alles besteht durch ihn“ geschieht. Gott führt Fische oder
(Kolosser 1, 16). Heuschrecken oder Menschen zur
Gott lässt alles geschehen, ein- angekündigten Zeit heran und
mal das, was wir normalerweise zueinander. Wir können diese
erleben und andererseits auch das, Wunder als Führungswunder
was wir normalerweise nicht erle- beschreiben.
ben. Darum könnten wir schluss- Anders war es aber bei der
folgernd auch sagen: Alle natür- Hochzeit zu Kana, als die 600 Liter
lichen Dinge sind Wunder Gottes. Wasser in Wein verwandelt wur-
Denn alles, was in der Natur den (Johannes 2, 1 ff). Das ist ein
geschieht, geschieht durch Gottes außergewöhnliches Ereignis. Auch
Hand. Es ist wunderbar. Darüber die Auferweckung des Lazarus
können wir Gott nur laut preisen. (Johannes 11, 43 - 44), die Speisung
der 5000 (Matthäus 14, 13 - 21)

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Das Fundament 1/2009

oder die Heilung von Aussätzigen Sündloser die Bußtaufe an sich


waren Wunder übernatürlicher Art. vollziehen. Es war unser Herr,
Es sind Schöpfungswunder. Jesus Christus, der von Johannes
In Josua lesen wir: „Nun brach dem Täufer getauft wurde.
das Volk auf, um durch den Jordan Nun, am Morgen des 24. März
zu ziehen. An der Spitze trugen die 1451 v. Chr. brach das Volk seine
Priester die Bundeslade. Als sie ihre Zelte ab, um in das Land der Ver-
Füße ins Wasser setzten – der Jordan heißung einzuziehen. Nach Josua
führt während der ganzen Erntezeit 4, 19 und 2. Mose 12, 3 waren auf
Hochwasser –, da staute sich der die Woche genau 40 Jahre seit dem
Fluss sehr weit oben bei der Stadt Auszug aus Ägypten vergangen. An
Adam, in der Nähe von Zaretan. diesem Tag mussten die Israeliten
Dort richtete sich ein Damm auf. damals die Lämmer für das Passa-
Und das Wasser, das zum Meer der fest aussuchen, das dann vier Tage
Araba, dem Toten Meer, hinabfloss, später stattfand. Und auch in vier
verlief sich völlig. So konnte das Volk Tagen würden sie es, erstmalig im
gegenüber von Jericho trockenen Land der Verheißung, feiern. Ob
Fußes durch den Jordan gehen. Die sie schon die Lämmer ausgesucht
Priester blieben mit der Bundeslade hatten? Auf jeden Fall mussten sie
Jahwes mitten im Flussbett stehen bis mit über den Jordan.
die ganze Nation den Jordan über-
schritten hatte“ (Josua 3, 14 - 17).
Der Jordan hat im Lauf der
Zeit einige Wunder gesehen. Er Erst der Glaube
wurde jeweils einmal von Josua,
Elia und Elisa geteilt (2. Könige Der Weg ins verheißene Land ist
2, 1 ff). Der Syrer Naeman wurde immer wunderbar, auch heute
in diesem Fluss von Aussatz geheilt noch. Für uns heißt das verhei-
(2. Könige 5, 1 ff) und Elisa brachte ßene Land nicht Kanaan, auch
das Eisen einer Axt im Jordan zum nicht Israel. Wir sind zum Him-
Schwimmen (2. Könige 6, 1 ff). mel unterwegs. Und dazu gibt es
Das größte Wunder am Jordan nur einen Weg: Jesus Christus.
geschah aber 1477 Jahre nach dem Christus spricht: „Ich bin der Weg“
Zug des Volkes Israel durch den (Johannes 14, 6). Zu Christus
Fluss. Denn dort ließ ein völlig treibt uns kein Feind. Aber man

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Ein Gott, der Wunder tut

kann vor diesem Weg ausweichen sen ins verheißene Land gebahnt,
oder zurückschrecken. Denn vor damals und im übertragenen Sinn
den Konsequenzen der Nachfolge auch heute. Der Weg ist frei für
kann man ganz gehörig zurück- jeden, der ihn gehen will.
schrecken. Das Wasser des Zweifels Es gibt heute allerdings auch
und die Schlammbrühe der Eigen- einige Verwirrung in dieser Frage.
liebe machen vielleicht scheu vor Manche behaupten, man müsse
diesem Weg ins verheißene Land. Gott auch schon einmal zu einem
Nur kann man das vorher nicht Wunder zwingen. Das bedeutet,
theoretisch feststellen. Ob das alles ich muss es einfach wagen, nach
stimmt, ob der Weg in ein gutes dem Motto, Augen zu und los. Das
Ziel führt, weiß man erst, wenn aber ist keine göttliche Methode.
man diesen Weg geht. Erst wenn Wenn Gott von uns Glauben er-
man den Namen des Herrn Jesus wartet, dann sagt er vorher deut-
anruft, wird man gerettet. Man lich, dass wir das tun sollen. Es
weiß das nicht vorher, aber man geht nicht um einen Test, in dem
kann es glauben und man kann ich einmal etwas von meiner Seite
es tun, weil man glaubt. Gott hat ausprobiere. Gott gibt immer klare
einen Weg durch die Wassermas- Anweisung.

Weg und Ziel

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Das Fundament 1/2009

Das eigentliche Wunder sank bei jedem Schritt, so dass die


geschieht allerdings immer erst Priester bis in die Mitte des Fluss-
dann, wenn das, was Gott geboten betts hineingehen konnten. Etwa
hat, auch ausgeführt wird. Vor- 30 Kilometer weiter oben hatte
her weiß man nie, ob es wirklich sich tatsächlich das Wasser gestaut.
stimmt, was Gott angekündigt hat. Die Priester mit der Lade in ihren
Man muss ihm glauben und dann Händen waren ein Symbol für die
losgehen. Dann erfährt man das Gegenwart Gottes, für seine Füh-
Wunder eines neuen Lebens. rung, sein Wort und sein Gesetz.
Josua hatte damals gesagt (Jo- Die Lade stand wie ein Schutzwall
sua 3, 13): „Wenn dann die Priester, Gottes vor den fernen Wassermas-
die diese Lade Jahwes, des Herrn sen und unterhalb der Bundeslade
der ganzen Erde, tragen, ihre Füße zog das Volk vorbei.
ins Jordanwasser setzen, wird kein
Wasser mehr nachfließen. Der Fluss
wird sich weiter oben anstauen wie
vor einem Damm.“ Erdbeben als Wunder?
Damals war Josua ein Prophet,
der im Namen Gottes zum Volk Was für ein Wunder war das nun
redete. Noch hatten die Israeliten damals, dort mitten im Jordan,
nichts von dem Wunder gesehen. ein Wunder mit
Es geschah erst, als die Füße des übernatür-
ersten Priesters das Wasser be-
rührten. Es gehörte eine ganze Por-
tion Mut dazu, auf Befehl hin ins
Wasser zu laufen. Doch der Was-
serspiegel des Jordan

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Ein Gott, der Wunder tut

lichen Mitteln? Gott könnte aber Erde, da brach der Himmel, aus


auch durchaus natürliche Mittel den Wolken ergoss sich die Flut. Die
eingesetzt haben. In geschichtlicher Berge wankten vor Jahwe, als Gott
Zeit ist es bis jetzt zweimal pas- seinem Volk am Sinai erschien.“
siert, dass der Unterlauf des Jordan Noch deutlicher ist es in Psalm
durch Erdrutsche, die durch 114, 1 - 8: „Als Israel von Ägypten
Erdbeben verursacht wurden, für fortzog, als Jakobs Stamm das fremd-
einige Stunden trocken lag. Im redende Volk verließ, da wurde Juda
Jahr 1266 war der Unterlauf des sein Heiligtum, Israel das Gebiet
Jordan für 10 Stunden trocken. seiner Herrschaft. Das Meer sah es
Und als im Jahr 1927 durch ein kommen und floh, und der Jor-
Erdbeben bei Adam das Westufer dan staute sich zurück. Die Berge
des Flusses einstürzte, staute sich hüpften wie die Böcke, die Hügel wie
das Wasser für 20 Stunden. Es gibt die jungen Schafe. Du, Meer, was ist
aber keinen Hinweis darauf, dass geschehen, dass du flohst? Du, Jor-
diese Stauungen auch bei „norma- dan, weshalb zogst du dich zurück?
lem“ Hochwasser geschahen. Ein Ihr Berge, warum hüpft ihr wie die
Erdbeben ist in Israel keine große Böcke, weshalb ihr Hügel, wie die
Seltenheit, denn der Jordangraben jungen Schafe? Ja, Erde, bebe du nur
liegt in einer Verwerfungslinie der vor dem Herrn, vor dem Erscheinen
Erdoberfläche. In der Bibel wird von Jakobs Gott. Er hat Felsen in
mehrfach von Erdbeben in dieser Teiche verwandelt und Kieselsteine
Region berichtet. Auch bei den in Quellen.“
Ausgrabungen von Jericho ist man Wir glauben an einen Gott,
auf die Zeichen von Erdbeben der Wunder tut. Wir glauben an
gestoßen. den Gott, der Himmel und Erde
Es gibt aber noch eine viel in- geschaffen hat und alles, was darin
teressantere Tatsache in der Bibel. ist, und der alles miteinander er-
Dort erscheinen nämlich Erdbeben hält, solange er will.
im Zusammenhang mit der Erobe- Wir wissen, dass Gott in allem,
rung des Landes Kanaan und zwar was er tut, wundervoll, kraftvoll
in zwei poetischen Texten. und bedeutungsvoll ist. Deshalb
In Richter 5, 4 - 5 steht: „Als du lohnt es sich für uns immer, über
auszogst, Jahwe, von Seïr, und durch seine Taten nachzudenken. 
Edoms Steppen kamst, da bebte die

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