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Jesus

Christus - der Techniker

Jesus Christus – der Techniker


Gottfried Meskemper, Bremen, stellt unseren Herrn Jesus Christus in den Zusammenhang des
Bauwesens und zieht daraus Konsequenzen für unser persönliches Leben.

Einleitende Gedanken insbesondere aus dem Bauwesen. Das


lässt vermuten, dass er angemessene Ver-
 Als Mensch war Jesus Christus ein gleiche zu seinem messianischen Auftrag
Handwerker und kein Geisteswissen- und dem Reich Gottes in seiner Tätigkeit
schaftler oder Philosoph. Er war ein als „tecton“ gefunden hat. Es war auch im
Zimmermann, übersetzt Luther. Genauer Orient üblich, dass der Sohn das Hand-
heißt es im Neuen Testament „tecton“, werk des Vaters erlernte und ausübte.
was ganz allgemein einen Handwerker Demzufolge heißt es in Matthäus 13, 55,
bezeichnet. Damit hängen unsere Worte „...ist er nicht eines Zimmermanns Sohn?“
Techniker und Architekt zusammen. Die Ingenieur (von lat. ingenium) meint
Bibel selber gibt uns Bilder und Gleich- eine angeborene Begabung für technische
nisse, in denen uns das Reich Gottes Zusammenhänge und Erfindungsgeist.
deutlich gemacht wird. Hier soll nun vor- Jesus war in diesem Sinne der erste aller
nehmlich auf technische Anspielungen Ingenieure und nicht nur Ausführender,
der Bibel Bezug genommen werden. das heißt nicht nur Tecton, Handwerker.
Im Leben Jesu passierte nichts Zu- Er war Architekt, das heißt der archae-
fälliges, sein Leben war keine Summe tecton, das ist der Erste. Er war von Gott
von Belanglosigkeiten. Er sah alles im geboren, in ihm war Gott unmittelbar
Zusammenhang mit dem Reich Gottes. gegenwärtig.
Da gab es keine banalen Alltagsbegeben- Der Praxisbezug Jesu in seinen Reden
heiten, etwa Zufallsbegegnungen, die und Gleichnissen ist auffällig. Da ist von
bedeutungslos gewesen wären. So hatte dem „klugen Baumeister“ die Rede, der
auch der Hausbau seine Wichtigkeit. Er sich um das sichere Fundament küm-
war in Wahrheit ein Bild für das Leben mert, damit sein Haus allen Stürmen
des Menschen. Seine irdische Tecton- standhält (Matthäus 7, 24). Hier „grün-
Tätigkeit weist auf seine himmlische det nicht der Mensch im Unsichtbaren“,
Schöpfer-Tätigkeit hin, denn er ist der wie man es sprachlich gehoben ausdrü-
große Baumeister der Welt. Jesus Chris- cken könnte, sondern im Vergleich zwi-
tus gebraucht Bilder aus dem Handwerk, schen einem klugen und einem törichten

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Baumeister wird deutlich, worum man Bauherr hatte sich aber die falsche Stelle
sich zuerst zu kümmern hat: um guten ausgesucht. In der Regenzeit zerstörten
Baugrund, das heißt um eine gute Le- tosende und gurgelnde Fluten das Haus
bensgrundlage. im Nu.
Sicherheit ist das oberste Gebot für
einen Hausbau. Damit sie gewährleistet
Ein fester Baugrund wird, gibt es Statiker. Statik meint die
Kräfteverhältnisse an starren Körpern,
Die meisten Menschen kennen Ge- das Kräftegleichgewicht. Ist das Gleich-
danken aus der „Bergpredigt“, etwa, gewicht gestört, geraten die Kräfte in
„Wenn dich einer auf die rechte Wange Bewegung, das heißt der Bau bekommt
schlägt, so halte ihm auch die linke hin.“ Risse oder stürzt sogar ein. In der Physik
Jesus schließt seine Bergpredigt mit dem wie in der Technik gilt der Grundsatz,
Gleichnis vom „klugen und törichten Bau- Kraft gleich Gegenkraft (actio gleich reac-
meister“. Die Bergpredigt stellt eine Paral- tio). Am Bau auftretende Kräfte müssen
lele zum 1. Mosebuch dar, sie will sozusa- ins Fundament abgeleitet und dort auf
gen die Neuschöpfung programmatisch den Untergrund übertragen werden. Es
aufzeigen. Darum ist ein Mensch, der kommt also alles auf die richtige Kräfte-
der Botschaft Jesu traut, jemand, der sein verteilung und den festen Grund an.
Lebenshaus auf einem festen Baugrund Jesus Christus verweist auf den
errichtet. sicheren Untergrund; am besten ist Fel-
Jesus wird während seiner Zeit als sengrund geeignet, der nicht weicht und
Handwerker viel unkluge Bauherren- wankt. In erdbebengefährdeten Gebieten
mentalität miterlebt haben. Da gab es sind besondere Maßnahmen erforder-
gewiss Leute, die entweder in Unkennt- lich.
nis der örtlichen Gegebenheiten oder
einfach unüberlegt ihr Haus in einen
Wadi setzten. Während der Sommerhitze
war es bequem, dort zu bauen, Gesteins-
brocken lagen überall genügend herum.
Man brauchte sie nur aufzusammeln
und aufzuschichten. Eigentlich hätte es
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Warnung genug sein müssen, dass die


herumliegenden Steine Überreste kata-
strophaler Fluten waren. Der schnelle
Erfolg war von vornherein bedroht. Der

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Millionen von Menschen sind nach Kollegen herziehen, der einem nicht passt.
Pisa gefahren, um sich den „schiefen „Ein kleiner Seitensprung kann nicht
Turm“ anzusehen. Dieses architektoni- schaden, das frischt die Liebe auf.“
sche Unikum ist das Ergebnis schlechter Ist eigentlich die Lebensphilosophie
Gründung. Man hat handgreiflich vor richtig, die alles sehr genau und schwer
Augen, dass der Bau schief geraten ist, nimmt? Macht es sich nicht jemand
weil das Fundament nachgab. selber und seinen Nächsten mit der Be-
Wer denkt schon ernsthaft darüber folgung von Geboten und Vorschriften
nach, dass man ein in jeder Lage haltbares der Bibel zu schwer? Wenn es nicht um
Lebensfundament braucht! Die meis- die ewigen Ordnungen Gottes ginge,
ten meinen, eine gute Schulbildung sei könnte man gewiss über eine ganz andere
die Voraussetzung zur Meisterung des Lebensform nachdenken. Weil es aber
Lebens. Andere setzen von vornherein darum geht, ist es nicht gleichgültig, wie
aufs Geld. Die meisten schlittern wohl wir leben.
so irgendwie ins Leben hinein. Viele sind Auch der Fromme hätte es gern
ob der häufigen Ermahnungen müde leichter. Seine Neigungen gehen in die
geworden: „... ja, ja, redet ihr nur, wer das Richtung der Lebenskünstler. Aber was
Leben zu ernst nimmt, wird doch seines kommt danach? Wenn es ein Leben nach
Lebens nicht mehr froh. Nein, nein, ich dem Tode gibt, wenn dies hier nur das
lebe in den Tag hinein. Die schwerfällige vorläufige ist, dann muss mein Leben
deutsche Lebensart ist auch nicht der tiefer gegründet sein, als es für höchstens
rechte Weg. Man muss das alles locker se- achtzig Jahre erforderlich wäre.
hen und cool bleiben.“ Wo ist da ein Fun- Wer weiß schon im Voraus, welche
dament zu finden? Viele, die zunächst so Stürme er in seinem Leben zu bestehen
dahingelebt haben, fanden dann aber in hat? Es geht doch die Rede um: „Wie
Jesus Christus das Fundament, auf das sie gut, dass niemand weiß, was ihn noch
ihr Leben stellen konnten. alles erwartet“. Jesus sieht die Probleme
Und wie ist es mit den ernsten Men- auf uns zukommen und möchte uns
schen, gehen sie nur vorsichtiger auf unsi- echte Lebenshilfe geben. Darum handelt
cherem Fundament als andere, oder sind es sich nicht nur um eine gelungene Bild-
sie fest gegründet? Geht es überhaupt um rede, sondern um die Lebenswahrheit
Lebensweisheit? Sind nicht die Oberfläch- überhaupt. Wir werden Stürme zu be-
lichen viel besser dran, diejenigen, die es stehen haben, und da ist es gut, einfache
nicht so genau nehmen? Hier eine kleine Vergleiche zu haben, an denen wir uns
Lüge, dort eine unsaubere Steuererklä- merken können, was Gott uns sagen will.
rung und auch schon einmal über einen

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Die Tür Der „Prophet des Is-
Häuser haben in der lam“, Mohammed, erhielt
Regel Fenster und seine so genannten „Offen-
Türen. Jesus Christus barungen“ des „Koran“ in
verwies seine Hörer einer Höhle bei Medina in
darauf, dass er die krampfartigen Zuständen,
Tür, das heißt der wobei er in Zuckungen
richtige Zugang, zum geriet und ihm der Schaum
Reich Gottes sei. Man vor dem Mund stand. Es
könne nicht einfach soll ihm ein Engel Gabriel
hineingehen, wo es von goldenen Tafeln (an-
einem beliebe. In Jo- dere schreiben, von einem
hannes 10, 1-11 wird Seidentuch) die angeblich
uns ein Gleichnis be- göttlichen Offenbarungen
richtet, mit dem Jesus diktiert haben. Josef Smith,
seinen Hörern die eigentliche Bedeutung der Gründer der Mormonen-Sekte be-
des Alten Testaments klarzumachen kam angeblich das Original des Buches
suchte, indem er sagte: „Ich bin die Tür „Mormon“ von einem Engel Maroni auf
zu den Schafen“ (Vers 7). Religiöse Eigen- goldenen Tafeln zur Abschrift vorgelegt.
mächtigkeit ist der falsche Einstieg. Heu- Ähnlich ging es angeblich Erich von
te kann man es ja sogar in den Massen- Däniken, der bei einer Reise nach Mit-
medien hören und sehen, dass Menschen telamerika auch auf goldenen Tafeln die
Kontakt mit okkulten Mächten haben, Kunde über die geheimnisvollen Zeichen
Weisungen bekommen, oder etwas über amerikanischer Urvölker von „Außerirdi-
ihr „früheres Leben“ erfahren. Die in schen“ empfangen haben will. 
vergangenen Jahrhunderten vorhandene Alles hat seine Ordnung, nur in
Furcht vor widergöttlichen Mächten ist der Frage des Glaubens meinen die
fast ganz geschwunden. Man betreibt Menschen, nach eigenem Gutdünken
heute allgemein und ungeniert, was noch verfahren zu können. Da sind nicht nur
vor wenigen Jahren nur hinter vorgehal- die großen Religionen, sondern auch die
tener Hand zu reden gewagt wurde, etwa kleinen Privatmeinungen. Der Hinduis-
ein Besuch bei einem Schäfer in der Lü- mus soll ein Sammelsurium von mehr als
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neburger Heide oder einer Kartenlegerin, dreihundert Millionen Göttervorstellun-


ein Gang zu okkulten Sitzungen oder gen sein; der Buddhismus, ursprünglich
Pendlern, zu spiritistischen Sitzungen eine Philosophie, kennt ebenso eine
oder gar Satansmessen. unübersehbare Fülle von Vermengungen

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dieser Philosophie mit Götterbildern. von Vorschriften erhoben worden waren.


Und auch in Deutschland, dem Land Die Mischna und der Talmud bilden Zu-
der Reformation, gibt es wahrscheinlich sammenfassungen solcher Vorschriften,
mehr hausgemachte Gottesvorstellun- ohne die es bis heute kein gläubiger Jude
gen, als man ahnt. Von den katholischen wagen darf, sich als solcheN zu bezeich-
Marienvorstellungen und Heiligenver- nen. Nur die Befolgung dieser „Aufsätze“
ehrungen über evangelische Theologien garantierte dem frommen Juden den
jeder Ausprägung bis hin zu christlichen Eingang ins Himmelreich, was immer der
Sekten aller Art ist vieles vertreten. Einzelne darunter verstehen mochte. Die
Jesus tritt mit dem „Ich-bin“-Wort Vorstellungen wurden genährt etwa durch
von der Tür dem jüdischen Selbstver- ein Psalmwort, wie: „Ich will lieber der Tür
ständnis entgegen. Jeder gläubige Jude hüten in meines Gottes Hause, als wohnen
meinte, dass er durch seine Zugehörig- in der Gottlosen Hütten“ (Psalm 84, 11).
keit zum Volk Israel Zugang zu Gott Der Türhüter hatte eine geringe
habe. Gerade diese Selbsteinschätzung Stellung in den Augen der Tempelbesu-
weist Jesus entschieden zurück. Er sagt cher. Er war weit weg vom Heiligen, dem
mit seinem Vergleich, dass es nur einen Innenraum des Tempels. Aber genau das,
Zugang zum Reiche Gottes gebe, näm- so meint der Verfasser des Psalms, ist ihm
lich ihn, Jesus Christus. Nicht die Geburt lieber, als bei der unheiligen Gesellschaft
durch eine jüdische Mutter mache den „mittendrin“ zu sein. Lieber bei den
Juden zum „Gottessohn“, sondern die Gottlosen „out“ sein, aber dafür bei Gott
Aufnahme von Jesus Christus. An Jesus „in“ sein.
Christus kommt keiner vorbei. Die vermeintlich strikte Gesetzes-
Damit macht Jesus sowohl der beachtung war in der Babylonischen
jüdischen als auch jeder anderen Selbster- Gefangenschaft entstanden, als man sich
höhung ein Ende. Er sagt zu den Juden: geschworen hatte, Gott nie wieder durch
„Gott vermag sich aus diesen Steinen Kinder Missachtung des Gesetzes zu erzürnen.
zu erwecken.“ (Matthäus 3, 9) Was würde Leider waren es selbst gemachte Ordnun-
er wohl zum Selbstverständnis mancher gen und Vorstellungen vom Gesetz, de-
Kirchenmitglieder sagen: „Ich bin getauft, nen man folgte. Es war eine vorwiegend
und somit komme ich in den Himmel!“? formale und äußere Handlung, von der
Für das jüdische Volk zur Zeit Jesu man sich eine ewige Wirkung versprach.
galten viele „Aufsätze der Ältesten“ (Mar- Wer diesen Vorstellungen nicht ent-
kus 7, 3), das heißt Vorstellungen, die im sprach, wurde aus der jüdischen Gemein-
Laufe der jüdischen Gesetzesdiskussion schaft ausgeschlossen, wie man beim
unter den Schriftgelehrten in den Rang Blindgeborenen sieht (Johannes  9,34).

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Der Zugang zum Reich Gottes be- eine Einheit der christlichen Kirchen und
steht für den Juden zunächst im Zugang Gruppierungen herbeigeführt werden,
zur Synagoge. Von ihr ausgeschlossen zu die später auf die anderen Weltreligionen
sein, bedeutete so viel, wie vom Segen ausgeweitet werden soll. Es wird die Be-
Gottes ausgeschlossen zu sein. Deshalb hauptung ausgestreut, Gott habe sich in
waren die Synagogenvorsteher mit der allen Religionen gleicherweise gezeigt, ob
Schlüsselgewalt ausgestattet. Sie konnten in Jesus, Mohammed, Buddha oder Kon-
Abtrünnige von der Synagoge, das heißt fuzius, sei dabei völlig gleichgültig. Eine
von der Gemeinschaft mit Gott und den durch Medien präparierte Öffentlichkeit
Glaubensbrüdern, ausschließen. An diese ist gewiss ohne langes Überlegen bereit,
Gepflogenheit knüpft Jesus in Matthäus solche Behauptungen zu akzeptieren.
16, 19 an. Petrus hatte bekannt „Du bist Dann muss man sich nicht länger vom
der Sohn des lebendigen Gottes.“ Dieses Wahrheitsanspruch der Bibel beunruhi-
Messiasbekenntnis ist der Schlüssel zum gen lassen.
Reich Gottes, und Jesus selber ist die Tür. Die evangelikalen Bastionen der
Jeder weiß, dass man normalerweise nur Bibeltreuen sollen mit Hilfe charismati-
durch die Tür ins Haus  kommt, es sei scher Einflussnahmen gestürmt werden.
denn, man klettert durchs Fenster, aber Bis hin zu Bibelseminaren, die ehemals
das gilt als Einbruch. Kein ernsthafter eindeutig bibeltreu waren, wird die Pa-
Mensch macht das, sondern eben nur role ausgegeben: „Wir glauben nicht an
ein Einbrecher. So ist jeder, der nicht die Bibel, wir glauben an Jesus.“ Aber es
durch Jesus Christus ins Reich Gottes gilt: „Der Herr ist das Wort!“ (Johannes
kommen will, das heißt, irgendwo anders 1,1 - 3). Daraus geht hervor, dass es keine
einsteigt, sei es mit einer Religion oder andere Offenbarungsquelle und keinen
Philosophie, ein Verbrecher. Das sind anderen Weg zum Himmel gibt, als den
harte Worte. Gerade in unserer Zeit durch das Wort der Bibel beglaubigten
- Endphase des Abfalls und Niedergang Jesus Christus, der seinerseits wiederum
des Christentums - muss nachdrücklich, das über ihn gesprochene Worte als gött-
darauf hingewiesen werden, „dass in lich legitimiert.
keinem anderen Heil ist, den Menschen Wäre die Strategie der religiösen Ein-
auch kein anderer Name unter dem Him- heitsbewegung biblisch, so hätte unser
mel gegeben ist, in dem sie selig werden Herr mühelos den Weg andeuten kön-
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- als allein in dem Namen Jesu Christi von nen. Er hätte zum Beispiel nur Kaiphas,
Nazareth“ (Apostelgeschichte 4, 12). In den Hohenpriester, bei der Bergpredigt
einem von weltlichen Gedanken dik- ein Grußwort zu sagen lassen brauchen,
tierten konziliaren Prozess soll zunächst und schon wäre der ganze Konflikt, in

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den er später geriet, vermieden gewesen. Religion ausgezeichnet. Jesus bean-


Jede Tür predigt: „Nur durch die spruchte nun all die bekannten Attribute
Tür kommt man rechtmäßig ins Haus.“ für sich. Nicht das Glaubensbekenntnis
Immer, wenn ein Christ durch eine Tür schützte Eingang und Ausgang, sondern
geht, wird er daran erinnert, dass Jesus er, Jesus, der Christus allein. Er, der un-
die Tür zum Reich Gottes ist. zähligen Menschen die Tür zum Leben,
Als Jesus Christus das Wort „Ich bin das Tor zur wahren Freiheit wurde, sollte
die Tür“ sprach, wird er gewiss auch an am Ende seines Erdenweges in ein Grab
die Türpfosten gedacht haben, die die eingesperrt werden. Es ist klar, dass der,
Israeliten in Ägypten mit Blut bestrei- der das Leben selber ist, vom Tode nicht
chen mussten (2. Mose 12, 7). Wer dem gehalten werden kann (Apostelgeschichte
Befehl Gottes gehorchte, sollte vom 2, 27). So brach er sich selber die Bahn
Würgeengel verschont bleiben, der die ins Freie und der Engel „wälzte den Stein
Kinder der Ägypter töten sollte. Er wuss- von des Grabes Tür“ (Markus 16, 3). Die
te von vornherein, dass er nicht nur ein Frauen hätten es sich vorher ausrechnen
schönes Bild gebrauchen würde, sondern können, dass Jesus sein Gefängnis ge-
dass sehr bald aus dem Bild blutiger Ernst sprengt haben würde, bevor sie kamen.
werden würde. Sein Kreuz würde die Tür Alle Sorge um das verschlossene Grab ist
zum Reich Gottes sein, und sein eigenes überflüssig.
Blut würde es sein, das den Pfosten hinab Bei meinem ersten Besuch in Jerusalem
fließen würde. standen wir in der kleinen Grabkammer,
Es war dem israelitischen Hausvater in der unser Herr Jesus gelegen haben
geboten, das Glaubensbekenntnis an die soll. Von der Bank, die den Leichnam
Pfosten des Hauses zu schreiben: „Höre, trug, hängt eine Patene (Schmucktuch)
o Israel, der Herr, unser Gott, ist einer! Du herab mit der griechischen Aufschrift:
sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von „Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“
ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit Selten hat ein Wort so auf mich gewirkt,
allen Kräften“ (5. Mose 6, 4 und 5). wie dieses. So wird es bis zur Wieder-
Seither findet man an der Tür jedes kunft Jesu bleiben, Leben und Tod
jüdischen Hauses die Mesusah, eine werden miteinander streiten und der
Kapsel, in der eine kleine Schriftrolle mit Tod wird immerfort den Eindruck zu
eben diesem Text verwahrt wird. Dies erwecken suchen, er habe noch Macht,
Glaubensbekenntnis war das Höchste, obwohl er doch schon besiegt ist (1. Ko-
was sich ein Israelit vorstellen konnte. rinther 15, 55). 
Damit waren sie vor allen anderen Völ-
kern als Vertreter einer monotheistischen (aus: Perspektive 12/2002 und 1/2003)

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