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Das Fundament 4/2008

Des Christen Tägliche Bestimmung:

Sei salzig und lass


dein Licht leuchten!

Der Ausgangspunkt für die Überlegungen von Wolfgang Wetzel, der als Theo-
loge und Missionar bei „Licht im Osten“ in Korntal arbeitet, waren die vier
Buchstaben DCTB: Des Christen Tägliche Bestimmung. In seiner Bibelarbeit,
die er beim Regionaltreffen in Aidlingen 2008 hielt, überträgt er zwei bekann-
te Aussagen Jesu im Blick auf das wahre Jüngersein.

  Es macht Sinn, sich die Frage zu Und was hätte Salz für einen
stellen, was denn das Wichtigste in Sinn, wenn es nicht salzig wäre?
unserem Leben als Christ ist. Darüber spricht Jesus in seiner
Wie wäre es, wenn sie ein Auto Bergpredigt, die wir im Matthäus-
kaufen und stellen fest, dass es kei- evangelium finden.
ne Räder hat? Auf ihre Nachfrage „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn
hin, warum das so sei, wird ihnen nun das Salz nicht mehr salzt, wo-
gesagt, dass die Räder nur optional mit soll man salzen? Es ist zu nichts
vorgesehen sind. Sie könnten sie mehr nütze, als dass man es weg-
aber auf Wunsch auch dazu kau- schüttet und lässt es von den Leuten
fen. Aber eigentlich wäre das Auto zertreten. Ihr seid das Licht der Welt.
ohne Räder gedacht. Was wäre das Es kann die Stadt, die auf einem
sinnlos! Berge liegt, nicht verborgen sein.


Des Christen tägliche Bestimmung

Man zündet auch nicht ein Licht Völker zu sein. Israel sollte verdeut-
an und setzt es unter einen Schef- lichen, wer Gott ist, und mit diesem
fel, sondern auf einen Leuchter; so Ziel beruft Gott Abraham und sagt
leuchtet es allen, die im Hause sind. ihm seinen Segen zu. Im Neuen
So lasst euer Licht leuchten vor den Testament hat sich die Missionsrich-
Leuten, damit sie eure guten Werke tung geändert. Während im Alten
sehen und euren Vater im Himmel Testament die Völker aufgerufen
preisen“ (Matthäus 5, 13 - 16). waren, zu Israel hin zu kommen, ist
Mit diesen Worten spricht Jesus Israel im Neuen Bund aufgerufen,
seine Zuhörer ganz direkt an: „Ihr in alle Welt hinzugehen und das
seid, ihr seid ...“ Das ist eine ganz Licht weiterzutragen.
betonte Form. Ihr, die ihr mir zu- An dieser Stelle sagt Jesus eigent-
hört, euch gelten diese Worte: „Ihr lich nichts Neues, aber er betont es
seid das Salz der Erde, ihr seid das nochmals und erinnert seine Zu-
Licht der Welt.“ Die Zuhörer Jesu hörer: „Ihr seid das Licht der Welt.“
waren Juden, Angehörige des Volkes Damit beginnt Jesus seine Antritts-
Israel, das Gott durch Abraham ins rede. Den Nachkommen Abrahams
Leben gerufen hatte. Gott hatte Ab- sagt er, dass es jetzt richtig losgeht:
raham aus einer götzenverehrenden „Du bist das Licht der Welt, du bist
Kultur herausgerufen und zugesagt, das Salz der Erde!“ Und dasselbe
aus ihm ein großes Volk zu machen. gilt auch für uns heute.
Und aus 1. Mose 12, 3 wird deut- Jesus spricht in Matthäus 5,
lich, dass Gott schon damals nicht 13  - 16 über die Bestimmung der
nur ein Volk, sein auserwähltes Jünger, spricht eine Mahnung aus
Volk Israel, im Blick hatte, sondern und gibt eine Aufforderung.
eigentlich die gesamte Menschheit:
„Ich will segnen, die dich segnen,
und verfluchen, die dich verfluchen;
und in dir sollen gesegnet werden alle 1. Die Bestimmung:
Geschlechter auf Erden.“ Nicht erst Salz der Erde und
mit dem Neuen Testament beginnt
die Wirkung Gottes hin zu allen
Licht der Welt
Menschen. Das Volk Israel war auch Im unmittelbaren Zusammenhang
schon damals herausgerufen, um ein dieser Bestimmung stehen die
Segen zu sein, um ein Licht für die Seligpreisungen. Darin preist Jesus


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Menschen selig, die bestimmte einer schönen, guten Welt noch das
Charaktereigenschaften aufweisen. Beste hinzufügen sollen. Die Bibel
Es sind friedfertige Menschen, sieht die Welt nicht als gute Grund-
barmherzige und sanftmütige. Es masse, die wir ein wenig verfeinern
sind die, die arm sind vor Gott und sollen, sozusagen als Chefkochs in
Hunger nach der Gerechtigkeit dieser Welt, damit sie noch besser
haben. Aber es sind auch Men- schmeckt. Die Welt ist seit dem
schen, die verfolgt werden, weil Sündenfall schlecht, sündig, von
sie Gott nachfolgen und seinen Gott abgewandt. Der Mensch ist
Charakter ausleben. Genau das ist tot in Sünden, und er muss von
auch der Fall, wenn Jesus davon neuem geboren werden. Da muss
spricht, dass seine Nachfolger Salz etwas völlig Neues entstehen.
und Licht sind. Das ist für andere
nicht immer angenehm. Denn Salz
entfaltet seine Wirkung, und Licht
deckt manches auf, was im Dun-
keln sich versteckt hält. Das führt
schließlich zur Ablehnung und
Verfolgung. So sind diese Worte
eine Erklärung dafür, dass Jesus-
jünger mit Gegenwind zu rechnen
haben, weil sie Salz und Licht sind.

Salz konserviert Speisen. Fleisch


Ihr seid das Salz! kann mit Salz für eine lange Zeit
haltbar gemacht werden. Kann es
Salz verstärkt den Geschmack von sein, dass Jesus meint, dass wir die
Speisen. Ist das aber hier gemeint? Welt konservieren und den Zerfall
Sollen wir dieser Welt etwa Ge- aufhalten sollen? Dass wir das
schmack geben? Dem, was vorhan- Gute erhalten und das Böse, den
den ist, noch ein Sahnehäubchen Zerfall, zurückdrängen sollen? Das
aufsetzen? Das kann nicht die entspricht nicht dem biblischen
Aussage dieser Bestimmung sein. Befund. Mit der Welt im Kontext
Es ist nicht so, dass die Christen der Bergpredigt sind die Menschen


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auf ihr gemeint. Wir Menschen pe, sondern die Suppe nach Salz
haben laut der biblischen Aussage schmeckt. Und wenn das Licht
nicht einen guten Kern, den man ins Dunkel kommt, dann wird
erhalten und einen bösen, den nicht das Licht dunkel, sondern
man zurückdrängen sollte. Der das Dunkel wird durch das Licht
Mensch ist von Natur geistlich tot. erhellt. So berichtet uns das erste
Da gibt es nichts zu konservieren. Kapitel im Johannesevangelium,
Die Menschheit war nicht irgend- dass Jesus als Licht in die Finster-
wann einmal gut und ist dann in nis kam, und die Finsternis hat es
einer linearen Entwicklung immer nicht erfasst. So sind auch Christen
schlechter geworden. Es wäre aufgerufen, als Licht und Salz zu
falsch zu meinen, diesem Zerfall wirken. Die Welt ist nicht stärker
entgegenwirken zu müssen. als sie, sondern sie haben die Kraft,
Salz salzt Speisen. Es ist damit die Jesus ihnen gibt.
nur gesagt, dass es seiner Funktion Des Christen tägliche Bestim-
nachkommen soll. Mehr nicht, mung ist, als Salz zu wirken, weil
aber auch nicht weniger. Wir sollen sie es sind. Nicht weil es eine optio-
die Wirkung beibehalten. Wir nale Funktion wäre, sondern weil
sollen die Kraft eines Christen, die Jesus sie dazu ins Leben gerufen
Kraft des Evangeliums, die Kraft und in die Welt gesandt hat.
des neuen Lebens nicht auf der
Strecke lassen. Wir sollen wie Salz
wirken. Nicht als Salz in der Suppe
dieser Welt, sondern als Salz in der Ihr seid das
Wunde. Da, wo es brennt, und
dort, wo es der Welt so richtig ins
Licht der Welt
Fleisch beißt. Es verwundert nicht, In Rumänien nannten wir unseren
dass der Zusammenhang dieser im Rahmen von „Licht im Osten“
Bestimmung mit der Verfolgung gegründeten christlichen Verein
durch andere Menschen zusam- „Licht der Welt“. Ein Christ sprach
menhängt. Lasst als Christen euer mich darauf an, ob es nicht anma-
Salz dort wirken, wo ihr seid, zu ßend sei, uns so zu nennen, weil
Hause oder am Arbeitsplatz. Das Jesus doch nur das Licht der Welt sei.
besondere an Salz ist ja, dass das In Johannes 8, 12 heißt es: „Ich
Salz in der Suppe nicht nach Sup- bin das Licht der Welt. Wer mir


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Bergsteiger mit Stirnlampen beim Aufbruch von der Hütte

nachfolgt, der wird nicht wandeln in Jesus ist der versprochene Knecht
der Finsternis, sondern wird das Licht Gottes. Er kam nicht nur für die
des Lebens haben.“ Von diesem Got- Juden, sondern auch ausdrücklich
tesknecht heißt es schon in Jesaja für die Heiden. Er konnte von sich
42, 6 - 7: „Ich, der HERR, habe dich sagen: „Ich bin das Licht der Welt. Wer
gerufen in Gerechtigkeit und halte mir nachfolgt, der wird nicht wandeln
dich bei der Hand und behüte dich in der Finsternis, sondern wird das
und mache dich zum Bund für das Licht des Lebens haben.“ Deshalb
Volk, zum Licht der Heiden, dass du können auch Christen sagen, dass sie
die Augen der Blinden öffnen sollst das Licht der Welt sind. So lesen wir
und die Gefangenen aus dem Gefäng- in Epheser 5, 8 - 11: „Denn ihr wart
nis führen und, die da sitzen in der früher Finsternis; nun aber seid ihr
Finsternis, aus dem Kerker.“ Und in Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder
Jesaja 49, 6: „Es ist zu wenig, dass du des Lichts; die Frucht des Lichts ist lau-
mein Knecht bist, die Stämme Jakobs ter Güte und Gerechtigkeit und Wahr-
aufzurichten und die Zerstreuten heit. Prüft, was dem Herrn wohlgefäl-
Israels wiederzubringen, sondern ich lig ist, und habt nicht Gemeinschaft
habe dich auch zum Licht der Heiden mit den unfruchtbaren Werken der
gemacht, dass du seiest mein Heil bis Finsternis; deckt sie vielmehr auf.“ So
an die Enden der Erde.“ sind Christen unterwegs als Lichter


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der Welt, im gleichen Auftrag wie Je- Obwohl es eigentlich keine Chris-
sus und in der gleichen Art. Und um ten ohne irgendeine Salzkraft geben
ihren himmlischen Vater bekannt zu kann, so kann es doch vorkommen,
machen und Licht in das Dunkel zu dass sie an Salzkraft verlieren. Es
bringen. gibt ganz reale Gefahren, dass sie
Salz der Erde und Licht der ihre Salzkraft verlieren oder ihr
Welt sollen wir als Christen sein. Licht verbergen. Oft ist es die An-
Aber das kommt nicht aus uns passung oder die Isolation.
heraus, sondern die Salzkraft, die
in uns wirkt, kommt von Jesus und
ist stärker als die Welt. Wir sind
auf dieser Welt, damit wir der Welt
das Licht bringen. Jesus lässt uns
in dieser Welt, weil er hier etwas
mit uns vorhat. Seine Bestimmung
für uns ist klar definiert: Ihr seid
das Salz der Erde und das Licht der
Welt.

2. Die Mahnung:
Anpassung
Das Salz wird kraftlos,
Wenn wir uns als Christen an un-
das Licht verborgen sere Umgebung anpassen, können
Gibt es so etwas, dass Salz die Kraft wir die Salzkraft verlieren. In der
verliert? Zur Zeit Jesu wurde das Geschichte der Kirche sind solche
Salz aus dem Toten Meer gewon- Anpassungen immer wieder vorge-
nen, wo es sich am Ufer ablagerte. kommen; so etwa in der Theologie
Aber es war nicht Salz in einer nach der Aufklärung. Im aufrich-
konzentrierten Form. Es kam vor, tigen Bemühen, den modernen
dass dieses Salz durch Regen ausge- Menschen zu gewinnen, hat man
waschen wurde und dann wohl wie die Botschaft der Bibel verändert.
Salz aussah, aber nicht mehr richtig Alles denkbar Anstößige wie die
salzte. Darauf nahm Jesus Bezug. Wunder hat man aus der Bibel


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herausgenommen oder umgedeutet. aus: „Liebt eure Feinde und bittet


Das Ergebnis war, dass die Kirchen für die, die euch verfolgen, damit ihr
immer leerer wurden. In Philipper Kinder seid eures Vaters im Himmel.
2, 15 - 16 steht: „Damit ihr ohne Denn er lässt seine Sonne aufgehen
Tadel und lauter seid, Gottes Kinder, über Böse und Gute und lässt regnen
ohne Makel mitten unter einem ver- über Gerechte und Ungerechte.
dorbenen und verkehrten Geschlecht, Denn wenn ihr liebt, die euch lie-
unter dem ihr scheint als Lichter in ben, was werdet ihr für Lohn haben?
der Welt, dadurch dass ihr festhaltet Tun nicht dasselbe auch die Zöllner?
am Wort des Lebens, mir zum Ruhm Und wenn ihr nur zu euren Brüdern
an dem Tage Christi, so dass ich nicht freundlich seid, was tut ihr Beson-
vergeblich gelaufen bin noch vergeb- deres? Tun nicht dasselbe auch die
lich gearbeitet habe.“  Wir wollen das Heiden? Darum sollt ihr vollkom-
Wort des Lebens nicht anpassen, men sein, wie euer Vater im Himmel
sondern daran festhalten, nicht an- vollkommen ist.“
passen, damit es wieder passt. Die Wir alle waren Sünder, sind und
Kraft liegt gerade darin, dass das bleiben Sünder. Aber uns ist verge-
Wort nicht passt, sondern anders ben worden. Das alles nimmt uns
ist. Die Stärke der Reformation nicht aus der Verantwortung, uns die
war, dass sie betonte und lehrte, Richtung eines christlichen Charak-
dass im Wort die Salzkraft liegt. ters von Gott vorweisen zu lassen.
Anpassung kann auch gesche- Wie stellt sich Jesus Menschen
hen, indem wir uns als Christen vor, die ihm nachfolgen? Sie sollen
nicht zu erkennen geben. Das sich als Kinder des Vaters im Him-
Entscheidende ist aber, dass wir mel von der Welt unterscheiden.
anders denken, fühlen und han- Der Vater liebt die bösen und die
deln. Konkret entfaltet Jesus das in guten Menschen und bietet allen
den folgenden Kapiteln der Berg- das Heil an. Wir sollen die Frucht
predigt. Wir sollen zur Wahrheit des Geistes in uns wirken und
stehen, zur Treue in der Ehe und unseren Charakter dahingehend
zu vielem anderen mehr. verändern lassen. Darin liegt der
Worin liegt die Unterscheidung Kern der Aufforderung, Licht und
zur Welt? Die Salzkraft zeigt sich Salz zu sein. C. S. Lewis hat einmal
an der Frucht des Geistes. Jesus gesagt: „Für die Bergpredigt habe
drückt es in Matthäus 5, 44 - 48 so ich nichts übrig.“ Leute fragten,

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Des Christen tägliche Bestimmung

las ich etwas von einem Missiolo-


gen, das mich sehr aufrüttelte: „Die
Mission ist nicht für die Gemeinde
da, sondern die Gemeinde für die
Mission.“ Er wollte damit sagen,
dass Mission nicht etwas ist, was
die Gemeinde tut, wenn man sonst
nichts zu tun hat. Mission ist die
Daseinsberechtigung der Gemeinde
schlechthin.
Licht unterm „Scheffel“ Ein anderer Grund für Isolation
wie er das meinte. Daraufhin sagte ist die Angst. Das ist auch der un-
er: „Wenn man die Bergpredigt mittelbare Zusammenhang in der
mit einem stillen Vergnügen liest, Bergpredigt, wenn sie von Verfol-
ist das ein Zustand, in dem man gung um der Gerechtigkeit willen
geistlich tot ist.“ Die Bergpredigt spricht. Man zieht sich zurück, weil
ist eine Herausforderung. Denn man Angst hat vor den Konse-
so stellt sich Gott einen Menschen quenzen der Nachfolge.
vor, der ihm gefällt. Jesus spricht hier neben dem
Licht auf dem Ständer auch von
der Stadt auf dem Berg. Diese Stadt
kann nicht verborgen bleiben.
Im militärischen Kontext ist das
Isolation immer ein Nachteil. Wir müssen
Das Licht stellt man nicht unter aber wissen, dass wir als Christen
einen Scheffel (ein antikes Hohl- wie Lichter einer Stadt sichtbar und
maß), dass es seine Wirkung nicht damit auch angreifbar sind.
mehr entfalten kann. Sondern man Ein dritter Grund für die
stellt es auf einen Ständer, so dass es Isolation ist eine falsch verstandene
den ganzen Raum erhellt. Heiligkeit. Das ist der Fall, wenn
Ein Grund, dass man sich von man denkt, dass der Umgang mit
der Welt isoliert, könnte die Be- Menschen die guten Sitten verdirbt
quemlichkeit sein. Man ist Christ, und man sich dadurch geistlich ver-
freut sich darüber, führt aber sonst unreinigt. Diesen Vorwurf hat man
ein ruhiges und stilles Leben. Dazu auch Jesus gemacht, als er sich mit

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für die „heiligen“ Pharisäer „schlech- sondern haben die Aufgabe, hier zu
ten“ Menschen zusammensetzte: wirken. Jesus nimmt uns nicht aus
mit Sündern, Zöllnern, Ehebrechern dieser Welt heraus, sondern er sendet
und Aussätzigen. Aber gerade diesen uns mitten in sie hinein. Wir sind
Menschen galt das Evangelium. aber nicht allein. Er hat die Welt
besiegt und ist bei uns alle Tage.

3. Die Aufforderung:
Lasst euer Licht leuchten!
„So lasst euer Licht leuchten vor den
Leuten, damit sie eure guten Werke
sehen und euren Vater im Himmel
konzentriert leuchten preisen“ (Matthäus 5, 16).
So lasst euer Licht leuchten, das
Was ist für uns persönlich die heißt, in dieser Weise. Genauso,
größte Gefahr: Anpassung oder Iso- wie ich es euch sage. Das bedeutet,
lation, Angst oder Bequemlichkeit? dass der Christ von anderen Regeln
Jesus spricht in Johannes 16, 33: und Wertmaßstäben bestimmt
„In der Welt habt ihr Angst; aber seid wird als Menschen, die Christus
getrost, ich habe die Welt überwun- nicht kennen. Wir sind aufgefor-
den.“ In Kapitel 17, 15 - 17 geht dert, dass die Menschen unsere gu-
es um das wahre Verständnis von ten Taten sehen sollen. Das bedeu-
Heiligkeit: „Ich bitte dich nicht, dass tet nicht, dass wir jedem Menschen
du sie aus der Welt nimmst, sondern erzählen müssen, was für gute
dass du sie bewahrst vor dem Bösen. Dinge wir tun. Genau das weist
Sie sind nicht von der Welt, wie auch Jesus entschieden zurück, wenn
ich nicht von der Welt bin. Heilige wir in der Bergpredigt weiterlesen:
sie in der Wahrheit; dein Wort ist die „Habt acht auf eure Frömmigkeit,
Wahrheit. Wie du mich gesandt hast dass ihr die nicht übt vor den Leuten,
in die Welt, so sende ich sie auch in um von ihnen gesehen zu werden;
die Welt.“ Wir sind in dieser Welt, ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem
sollen uns auch nicht zurückziehen, Vater im Himmel“ (Matthäus 6, 1).

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Jesus stellt sich klar gegen die re- davor gepredigt hatte. In der
ligiöse Show der Pharisäer, die sich dritten Woche predigte er wieder
auf die Straße stellen, damit jeder dasselbe. Als er seine Predigt das
sie beten sieht, und die sich die Ge- vierte Mal wiederholte, sprachen
betsriemen besonders breit machen, ihn einige aus der Gemeinde an. Er
damit man einen Eindruck ihrer antwortet ihnen: Solange ihr nicht
Heiligkeit bekommt. Jesus möchte, das tut, was im Wort Gottes steht,
dass wir unsere Almosen, Gebete brauche ich doch nichts anderes zu
und guten Taten im Verborgenen predigen!
geben beziehungsweise tun sollen. Das Wort ist wichtig, aber die
Wir müssen keine geistlichen Exhi- Taten gehören auch dazu. Lasst
bitionisten sein. Aber dennoch sagt uns an das Wort glauben, davon
er, dass die Menschen unsere guten reden, aber auch danach handeln.
Taten sehen sollen. So schließt sich hier der Kreis, der
mit den Seligpreisungen beginnt.
Wenn wir Gutes tun, leben wir
als Christen ein Leben, das uns
Was ist nun zu tun? zum Segen wird, denn selig seid ihr,
die ihr nach Gerechtigkeit dürstet,
Sei einfach, wer du bist. Sei friedfertig seid, so wie euer Vater
Christ. Sei Salz und Licht. Fol- im Himmel friedfertig ist. Zum
gendes hörte ich über zwei Fami- zweiten wird unser Leben anderen
lien: Die eine Familie betet bei zur Rettung, weil sie durch die Salz-
Tisch nur dann, wenn Besuch da funktion und durch das Licht etwas
ist. Die andere betet gerade dann von Gottes Rettung in dieser Welt
nicht, wenn Besuch da ist. Warum wahrnehmen. Und drittens wird
macht man einfach nicht das, was unser Leben durch Gutestun dahin
man immer tut: bei Tisch beten, führen, dass Gott verherrlicht wird,
ob Besuch da ist oder nicht? wenn Menschen ins Licht gestellt
Lasst uns das sein, was wir als werden und auch dort bleiben.
Christen sind. Lasst uns nicht nur Was ist unsere tägliche Bestim-
gute Worte machen, sondern wirk- mung? Salz und Licht zu sein, indem
lich gute Taten tun. wir in diese Welt hineinwirken, weil
Ein Pfarrer predigte eines Sonn- Gottes Kraft in uns die Welt um uns
tags dasselbe, was er den Sonntag herum verändern kann. 

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