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Das Fundament 5/2008

Mit Jesus am Arbeitsplatz


– Herausforderung
und Bewährung
Jürgen Koppitz, Holzkirchen, hielt diesen Vortrag auf dem DCTB-Seminar
für Berufstätige im Monbachtal/Bad Liebenzell im Oktober 2007.
Der Redestil ist weitgehend beibehalten.

Gott ist schon da! Diskussion mit 40 Wissenschaft-


lern von Forschungseinrichtungen
 Im Frühjahr – kurz vor Os- recht bald an die Grenzen meines
tern – befand ich mich auf einer Wissens stoßen würde. Genug
längeren Dienstreise in einem Grund also, etwas sorgenvoll in die
asiatischen Land, in welchem nahe Zukunft zu sehen und Jesus
Christen nicht sehr willkommen um konkreten Beistand für die
sind. Am ersten Morgen trafen wir nächsten Tage zu bitten.
uns mit den asiatischen Kollegen Um noch an einem Vortrag
in unserem dortigen Hauptstadt- zu feilen, setzte ich mich an den
Büro, um über die anstehenden Schreibtisch eines der asiatischen
Kundenmeetings zu sprechen. Ich Kollegen, der gerade verreist war.
wusste, dass es sehr anstrengende Mein Blick fiel auf einen Kalender
Wochen werden würden: Weil die an der Pinnwand des Schreibtischs.
Asiaten – zumal diese – nicht auf Das Foto zeigte ein gelbes Feld mit
die Uhr schauen, wenn es interes- blühenden Narzissen, und darunter
sant wird, weil sie auch nach 20:00 stand in deutscher Sprache: „Der
Uhr noch Spaß an technischen Herr ist auferstanden! Er ist wahr-
Diskussionen haben, und weil ich haftig auferstanden!” und in etwas
als Produktmanager zwar meine kleinerer Schrift: „Lukas 24, 34”.
Produkte kenne, jedoch in einer

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Mit Jesus am Arbeitsplatz

Gott ist schon da! Wie hatte ich glauben und denken, und wie wir
daran nur einen Moment zweifeln andererseits handeln?
können? Er wusste natürlich um Zwei Beispiele möchte ich an
meine Nervosität und meine Aufre- den Anfang des Vortrags stellen.
gung. Ein ermutigendes Wort tat Beispiele, die zeigen, wie es Men-
Not – nicht morgens in der stillen schen, die Jesus nachfolgen wollen
Zeit im geschützten Bereich meines und sich von ihm bewusst senden
Hotelzimmers, sondern exakt an lassen, ergehen kann.
dem Ort, an dem ich mich ihm im Zunächst eins aus der Bibel.
beruflichen Alltag oft so fern fühle. In Lukas 10 wird davon berichtet,
Sie können sich sicher vorstellen, dass Jesus siebzig seiner Jünger
wie froh mich dieses Wort machte, ausgesandt hat, damit sie vor ihm
und wie ich Gott in meinem Her- her in die Städte und Dörfer gehen,
zen dafür dankte. um dort das zu tun, was auch wir
„Mit Jesus am Arbeitsplatz” heute noch tun sollen: Davon
– und doch: Gibt es einen Ort erzählen, dass Gottes Reich in un-
größerer Diskrepanz zwischen serer Welt schon heute Realität ist.
dem, was wir als Christen einerseits Einige Zeit später kommen diese

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Das Fundament 5/2008

Jünger zu Jesus zurück, und sie gen sind, wie sie bei sich dachten:
sind begeistert von dem, was sie da „Hoffentlich geht das alles gut und
draußen erlebt haben. Sie berich- wir stehen das unbeschadet durch.”
ten Jesus davon und können ihre Vielleicht haben sie auch gedacht:
Begeisterung nicht zügeln, so dass „Hoffentlich treffen wir keinen,
Jesus sie erst einmal wieder auf den der uns (er)kennt!” Und ich stelle
Teppich zurückholen muss. Wir mir vor, wie sie dann begannen,
lesen darüber in Lukas 10: „Die anderen Menschen von Jesus zu
Siebzig kamen zurück und berich- erzählen, von dem, was sie mit
teten voller Freude: »Herr, sogar die diesem Jesus erfahren und erlebt
bösen Geister gehorchen uns, wenn hatten, und wie sie dann Schritt
wir uns auf deinen Namen berufen!« für Schritt merkten, dass Jesus sie
Jesus sagte zu ihnen: »Ich sah den mit seiner Vollmacht ausgerüstet
Satan wie einen Blitz
vom Himmel fallen. Ja,
es ist wahr: Ich habe
euch Vollmacht gege-
ben, auf Schlangen und
Skorpione zu treten
und die ganze Macht
des Feindes zunichte zu
machen. Er wird euch
nicht das Geringste
antun können. Aber
nicht darüber sollt
ihr euch freuen, dass
euch die bösen Geister
gehorchen. Freut euch
lieber darüber, dass
eure Namen bei Gott
aufgeschrieben sind!“
(Vers 17 - 20) 1
Ich kann mir gut
vorstellen, wie die Jün- Arbeit genug
ger anfangs losgezo-

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Mit Jesus am Arbeitsplatz

hatte und dass Gott mit ihnen der jeder Gottesdienstbesucher


war. Was für eine Freude muss das nach vorne gehen kann, um etwas
gewesen sein. von dem zu erzählen, was Jesus in
Ein anderes Beispiel: Ein eng- der vergangenen Woche in seinem
lischer Pastor berichtet von seinen Leben getan hat. Ja, diese Zeit
Gemeindegliedern, die sonntags zu würden wir sprengen, wenn die
ihm in den Gottesdienst kommen. Vision dieses Pastors wahr würde.
Das klingt etwas anders, als die Wie geht es Ihnen in Ihrem
Aussage der Jünger in Lukas 10. beruflichen Alltag? Bei welchem
Der Pastor erzählt: „Die Menschen der beiden Beispiele würden Sie
kommen sonntags zu mir und sich einsortieren? Bei den siebzig
sagen: `Gib uns geistliche Nah- Jüngern oder bei den Besuchern
rung, füll uns neu, heile unsere der englischen Gemeinde?
Verletzungen – und mache uns Ich persönlich habe dieses
fähig, eine neue Woche in der Welt Thema noch lange nicht unter den
da draußen zu überstehen!´ Es ist Füßen. Ich hoffe und bete aber,
eine konstante Belastung, die an dass dieser Vortrag bei mir und bei
den Kräften zehrt. Wenn diese Ihnen den Prozess erneut in Gang
Menschen ihre Arbeit und ihren setzt oder ihn befruchtet: Nicht
Arbeitsplatz als eine Art geistliches alleine zu kämpfen, sondern mit
Amt erkennen würden, kämen sie dem Herrn Jesus den beruflichen
sonntags in den Gottesdienst und Alltag zu bestreiten!
würden die Gemeinde ermutigen
mit den zahlreichen Berichten über
das, was Gott in ihrem beruflichen
Alltag tut. Unsere Gemeinde würde Mit Jesus am Arbeits-
auftanken und nicht auslaugen.“ 2
Als ich dieses Zitat zum ersten
platz – das Problem
Mal gelesen habe, hat es mich Viele berufstätige Christen leben
betroffen gemacht. Ich habe so quasi in zwei Welten! Der Grund
noch nie gegenüber unserem Pastor dieses Konflikts ist auf der einen
geklagt. Aber ich habe schon oft Seite die geistliche Wohlfühlat-
genauso gedacht. Wir haben in mosphäre in unseren christlichen
unseren Gottesdiensten daheim Gemeinden und auf der anderen
immer eine Zeit für Berichte, in Seite die säkulare und oftmals raue

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Das Fundament 5/2008

Atmosphäre („die Wirklichkeit”) weltlicht, das heißt, er findet im all-


am Arbeitsplatz. Ausnahmen bestä- täglichen Leben seinen Ausdruck.
tigen hier eher die Regel. „Get me Martin Luther betrachtete
ready for another week out there!!” die Arbeit als Mandat, das Gott
(Bereite mich vor für eine weitere uns gab, um uns die Schöpfung
Woche da draußen!) Unsere Ar- untertan zu machen und uns um
beitswelt ist heute von einer völlig sie zu kümmern, um ihr Potential
weltlichen Einstellung geprägt. zur Ehre Gottes und zum Wohle
Christliche Ethik erscheint vielen der Menschen zu erforschen und
Berufstätigen im heute vorherr- zu bewirtschaften. Luther sagte,
schenden, harten Wettbewerb oft dass Beruf und Berufsarbeit von
nutzlos und hinderlich. Gott her ihre Würde und ethische
Das war nicht immer so. Mar- Ausrichtung erhalten, „weil der
tin Luther und Johannes Calvin Mensch beauftragt ist, Mitwirker
legten im 16. Jahrhundert das Fun- Gottes auf Erden zu sein. Durch
dament für eine protestantische den Menschen wirkt Gott äußere
Arbeitsethik, die einen beträcht- Dinge und verteidigt seine Schöp-
lichen - wenn nicht gar wesentli- fung gegen die Wirksamkeit des
chen - Anteil am wirtschaftlichen Bösen. Also ist der weltliche Beruf
Aufstieg Westeuropas hatte. Der der gottgewollte Ort des Dienstes
deutsche Nationalökonom und So- des Christen.“ 3
ziologe Max Weber stellt in seinem Die Arbeit konnte also in ge-
wohl bekanntesten, 1905 veröffent- wisser Hinsicht als eine Art Gottes-
lichten Buch „Die protestantische dienst betrachtet werden. Ich kann
Ethik und der Geist des Kapitalis- mir vorstellen, dass Bibelstellen wie
mus“ einen engen Zusammenhang die folgende aus dem Kolosserbrief
zwischen dem Beginn der Indu- diese Sichtweise Luthers entschei-
strialisierung beziehungsweise des dend geprägt haben: „Alles, was
Kapitalismus in Westeuropa und ihr tut, tut von Herzen, als etwas,
der protestantischen Ethik her und das ihr für den Herrn tut und nicht
bezieht sich darin oft auf Luther für Menschen. Seid euch bewusst,
und Calvin. dass ihr dafür vom Herrn das ewige
Nach Johannes Calvin ist der Leben als Lohn bekommt. Dient mit
Gottesdienst nicht auf die Kirche eurem Tun Christus, dem Herrn“
beschränkt, sondern ist quasi ver- (Kolosser 3, 23 - 24).

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Mit Jesus am Arbeitsplatz

Welch ein Segen muss es gewe- Devise: „Ein jeder kämpfe für sich
sen sein, als viele Menschen diese selbst!“ Dieses Prinzip des „Ego-
und andere ähnliche Verse der Bi- ismus“ unterminiert und zersetzt
bel in einer deutschen Übersetzung zwangsläufig unsere Wirtschaft
selbst lesen konnten und nicht war- und auch die Gesellschaft.
ten mussten, bis es einem Priester
der Kirche einfiel, darüber einmal
zu predigen! Wie viele Predigten
haben Sie in Ihrer Gemeinde über
diese Thematik des „Berufs als
Berufung” bereits gehört?
Leider blieb es aber nicht bei
der vorherrschenden Stellung der
protestantischen Arbeitsethik. Mit
den Angriffen auf die Bibel, deren
Liberalisierung und auch mit dem
Aufkommen einer evolutionären
Weltanschauung verschwand dieses
Ziel der Arbeit und des Aufbaus
einer Gesellschaft zur Ehre Gottes.
Ersetzt wurde es durch den Immer vorne dran sein
säkularen Mythos vom Fortschritt.
Die verschiedenen Modelle, um Unsere höchsten Ziele in den
diesen zu erreichen, reichen dabei Unternehmen heute heißen Steige-
vom mittlerweile gescheiterten rung des Auftragseingangs, Steige-
Sozialismus, der die Schaffung von rung des Umsatzes und Steigerung
Gleichheit und Gerechtigkeit am der Rendite, trotz anderslautender
Arbeitsplatz anstrebte, dabei aber Unternehmensgrundsätze, die
von einem falschen Menschenbild man gerne mehrsprachig und in
ausging (dass nämlich der Mensch schmucken Bilderrahmen an den
in seinem Wesen gut sei), bis hin Wänden der Besprechungsräume
zum heute geltenden individua- aufhängt.
listischen Materialismus. Die Die genannten Ziele der Un-
Arbeitswelt ist zu einem regelrech- ternehmen nehmen dabei häufig
ten Dschungel geworden mit der keinerlei Rücksicht auf die Be-

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Das Fundament 5/2008

Renditeopfer

dürfnisse der Menschen und der Es geht mir nicht darum, diese
Gesellschaft. Eine zunehmende Entwicklung anzuklagen, sondern
Zahl von Arbeitslosen aufgrund zu zeigen, wie sehr sich der beruf-
der als notwendig erachteten An- liche Alltag verändert hat und wie
passung der Stärke der Belegschaft schwierig es für uns Berufstätige ge-
an die jeweils aktuelle Entwicklung worden ist, die tägliche Arbeit noch
des Marktes, wird heute weitge- als Gottesdienst zu betrachten.
hend gleichgültig hingenommen. Dieses Denken in unserem Ar-
Nebenbei wird damit die Wurzel beitsumfeld bleibt nicht ohne Ein-
für eine neue gesellschaftliche Un- fluss auf uns selbst. Ich habe es ein-
terklasse gebildet, die sich von der gangs schon gesagt: Die geistliche
Gesellschaft ausgeschlossen fühlt Atmosphäre in unseren Gemeinden
und sich damit bedenkenlos ge- contra die säkulare Atmosphäre im
schäftsschädigend verhalten wird. Büro ist Grund des Lebens in zwei

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Mit Jesus am Arbeitsplatz

Welten bei vielen der berufstätigen es sonst vielleicht schon nicht mehr
Christen. Wir leben als Christen geben.
tagsüber, also zwischen 8:00 und Aber es gibt einen Unterschied
20:00 Uhr, nicht das, was wir in zwischen den Christen und den
den Gemeinden, in Bibel- und Ge- nichtgläubigen Kollegen: Bei allem
sprächskreisen postulieren. Beispiel Bemühen und Einsatz ist ihr Ziel,
gefällig? Was ist unsere Zielsetzung auf das sie hinarbeiten, nicht mit
am Arbeitsplatz? Was versuchen dem der Christen deckungsgleich.
wir in und durch unsere Arbeit Ihre Motivation ist nicht dieselbe
zu verwirklichen? Stellen Sie sich wie die von Jesusnachfolgern. Da-
in einer ruhigen Minute einmal mit will ich nicht sagen, dass wir
diese Frage und überlegen Sie, was Christen nicht auch für uns selbst
Jesus zu Ihren Zielen sagen würde. arbeiten, also für unser Gehalt, um
Könnte er sie gut heißen? Entspre- uns und unsere Lieben ernähren zu
chen sie seinem Willen und seiner können. Dass wir uns nicht auch
Vorstellung von einem Leben in für das Wohl der Firma einsetzen,
seiner Nachfolge?

Mit Jesus am Arbeits-


platz – das Ziel
Was ist denn nun das Ziel un-
seres „Mit Jesus am Arbeitsplatz”?
Wenn wir uns so umschauen, dann
stellen wir fest, dass es zahlreiche
Kollegen gibt, die ihre Arbeit
sehr gut machen. Gut heißt: Sie
sind fachlich gut. Sie sind aber
darüber hinaus auch fleißig und
gewissenhaft, oftmals mehr als
wir selbst es sind! Nun, freuen wir
uns zunächst, dass dies so ist – die
Firmen, für die wir arbeiten, würde

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Das Fundament 5/2008

damit unser Produkt ein Verkaufs- sollen ihren Herren oder Herrinnen
schlager wird, so dass in der Firma in allem gehorchen und ihnen zu
Arbeitsplätze für die Zukunft Willen sein. Sie sollen ihnen nicht
gesichert werden, ist nichts einzu- widersprechen und nichts unter-
wenden. schlagen, sondern ihnen treu und
zuverlässig dienen. Mit allem, was
sie tun, sollen sie der Lehre Gottes,
unseres Retters, Ehre machen“ (Titus
Unser Handeln 2, 9 - 10).
Die Bibelübersetzung „Hoff-
– ein Zeugnis nung für Alle“ bringt den Kern
Als Christen sind wir aber immer der Aussage in Vers 10 noch etwas
auch Missionare. Immer! Weil besser zum Ausdruck: „Sie
unser Zeugnis für unseren sollen nichts un-
Herrn, solange wir uns terschlagen,
am Arbeitsplatz sondern
befinden, nicht zuver-
abschaltbar läs-
ist. Unser
Handeln,
Agieren
und
Reden
ist ein
starkes
Zeug-
nis für
unsere
Kollegen,
in der einen sig
oder der an- sein,
deren Richtung. da-
Paulus schreibt in mit ihr
seinem Brief an Titus: Beispiel die
„Die Sklaven und Sklavinnen Menschen von der

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Mit Jesus am Arbeitsplatz

Botschaft Gottes, unseres Retters, winnen!” Welch ein hochgestecktes


überzeugt”. Ziel! Der englische Pastor und
Sklaven? Unsere Situation ist Ausleger John Benton formuliert
heute natürlich mit der von Sklaven dies so in seiner Auslegung über
vor 2000 Jahren nicht mehr zu ver- den Titusbrief. Den Arbeitsplatz
gleichen! Als Arbeitnehmer genie- selbst wieder für Jesus gewinnen,
ßen wir weitgehende Rechte und indem wir mithelfen, egoistische
natürlich die völlige Freizügigkeit und nur am Profit orientierte Ziel-
bei der Wahl unseres Arbeitsplat- setzungen zu revidieren.
zes. Und natürlich gibt es bei uns Christen müssen dabei helfen,
in Deutschland heute in der Regel dass Menschen erkennen: Jesus ist
keine solche Sklavenhaltung mehr nicht nur an Sonntagen, sondern
(von wenigen, kriminellen Fällen auch unter der Woche von Bedeu-
abgesehen). Geht uns aber dieser tung. Christen müssen zeigen, dass
Vers dann heute noch etwas an? die Befolgung biblischer Prinzi-
Ich denke ja. Denn der Grund- pien, wie beispielsweise Ehrlich-
satz, dem weltlichen „Herrn” keit und Dienst, am Arbeitsplatz
gegenüber treu und zuverlässig zu langfristig für die Gesellschaft
sein, gilt für uns als Christen in am besten ist, für die Firmen und
einem Angestelltenverhältnis noch natürlich auch für den Einzelnen
genauso, wie es Paulus damals den selbst.
Sklaven auf Kreta ans Herz legte. Gesellschaftliche Ziele und Ar-
Und noch mehr gilt seine Begrün- beitsmoral müssen wieder auf eine
dung für diese Handlungsweise: neue und solide Basis gestellt wer-
„... damit ihr Beispiel die Menschen den. Das ist aber unmöglich, ohne
von der Botschaft Gottes, unseres eine realistische Einschätzung des
Retters, überzeugt.” sündigen Wesens des Menschen
und der Antwort darauf in Jesus
Christus. Genau das ist der Punkt,
an dem die zahlreichen Program-
Den Arbeitsplatz für me in unseren Firmen, die auf eine
Verbesserung der Arbeitsatmosphä-
Jesus erobern re und damit der Ergebnisse zielen,
Als Christen sollen wir „den Ar- langfristig scheitern.
beitsplatz selbst wieder für Jesus ge-

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Das Fundament 5/2008

…ganz praktisch hinterfragen, es sei denn, er wurde


dazu aufgefordert, etwas gegen die
Welche konkreten Anweisungen Gebote Gottes zu tun.
gibt uns Paulus in den beiden Wie leicht fallen wir heute ein
erwähnten Versen des Titusbriefes? in das Gerede über „die da oben”,
„Die Sklaven und Sklavinnen sollen und wie schnell beteiligen wir uns
ihren Herren oder Herrinnen in an dem Tratsch und an der Kritik
allem gehorchen und ihnen zu Wil- über unsere Vorgesetzten. Sind wir
len sein.” Wir sollen die Anweisun- durch diese Verse des Titusbriefes
gen unserer Vorgesetzten, die uns nicht aufgerufen, uns anders zu
zugewiesenen Aufgaben, mit Enga- verhalten und damit Zeichen zu
gement ausführen und unser Bestes setzen?
für unseren Arbeitgeber tun. Das
heißt, dass wir uns anstrengen und
hart arbeiten sollen. Sklaven waren
... und nichts
damals motiviert, gut zu arbeiten,
wenn ihnen dafür die Freiheit unterschlagen ...
winkte. Der Sklave, der Christ ist, Kennen Sie das Buch von Scott
soll dies aus einem anderen Motiv Adams: „Besser leben durch Büro-
heraus tun: Nämlich, weil er seine diebstähle“? Ein wirklich lustiger
Arbeit „dem Herrn” tut und nicht Titel, denn so richtig finanziell
zuerst den Menschen! vorwärts werden uns Kugelschrei-
ber und andere am Arbeitsplatz
entwendete Utensilien wohl kaum
Sie sollen ihnen nicht bringen. Aber das achte Gebot
widersprechen gilt an unserem Arbeitsplatz ganz
genauso wie überall sonst. Und
Viele Sklaven mögen damals ihren Diebstahl ist Diebstahl. Oft waren
Herren gegenüber mürrisch und Sklaven im Altertum mit den
unfolgsam gewesen sein. Versetzt geschäftlichen Vorgängen ihrer
man sich in die Situation eines Herren betraut. Sie mussten daher
Sklaven, so ist dies durchaus den Versuchungen, sich dabei selbst
nachvollziehbar. Der Sklave, der an zu bereichern, widerstehen. Nichts
den Herrn Jesus glaubte, sollte die anderes gilt nach der Bibel damit
Anweisungen seines Herrn nicht auch für unser Verhalten im Büro.
➤ Fortsetzung auf Seite 31

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Mit Jesus am Arbeitsplatz

➤ Fortsetzung von Seite 14


Ein anderes Beispiel ist der Um- und als Zeugen andere Menschen
gang mit unserer Arbeitszeit. Wir auf Jesus Christus hinzuweisen.
bekommen unser Gehalt für den Keine leichte Aufgabe, und daher
achtstündigen Einsatz für unsere kann ein wenig Unterstützung
Aufgabenstellungen, aber nicht dabei, beispielsweise durch unsere
für das Surfen im Internet, lange Gemeinden, auch nicht schaden!
Privattelefonate und riesige Down- Dazu habe ich ein schönes Zitat
loads über breitbandige Firmen- in einem Artikel von Mark Greene
Internetzugänge. Auch dies fällt gelesen, dem Leiter des „London
unter die Aufforderung des Paulus Institute for Contemporary Chri-
„ ... und nichts unterschlagen.“ stianity” (LICC). Greene kennt
durch seine zehnjährige Arbeit als
Brooker und dem anschließenden
... sondern ihnen treu und Theologiestudium und der Arbeit
zuverlässig dienen
Diese Anweisung ist sehr klar und
lässt an Deutlichkeit nichts zu
wünschen übrig. Kennen Sie eine
biblische Person, die sich in dieser
Weise treu und zuverlässig gegen-
über ihrem Herrn verhalten hat?
Josef war so einer! Josef, der Sohn
Jakobs, der als Sklave des Potifar in
Ägypten arbeitete. Als Sklave, und
nicht als Freier, aber dennoch so
untadelig, bemüht und erfolgreich
in seiner Arbeit, dass Potifar ihm
alles anvertraute: „Sein Herr über-
ließ Josef alles und kümmerte sich
zu Hause um nichts mehr außer um
sein eigenes Essen“ (1. Mose 39, 6). als Leiter dieses Instituts beide
Als Christen sollen wir beides Seiten: die des Berufstätigen in
im Auge haben: Den Arbeitsplatz einem säkularen Umfeld und die
wieder für Christus zu erobern der Gemeinde. Greene schreibt:

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Das Fundament 5/2008

„Christen müssen aktiv dazu Gemeinde, weil er meint, vieles


ermutigt und ausgerüstet werden, ließe sich im Englischen viel besser
an dem Platz, an dem sie 50 – 70 ausdrücken als im Deutschen. Und
Prozent ihrer wachen Zeit ver- manchmal muss ich ihm Recht
bringen, Zeichen für Christus zu geben. Wie könnte man es besser
setzen, dem Platz, an dem Christen beschreiben, was im Leben eines
und Ungläubige zusammentreffen, Menschen passiert, der Jesus wirk-
an dem sie der gleichen Unterneh- lich nachfolgt, als es Mark Greene
menskultur, dem selben Druck hier formuliert: „... the difference
ausgesetzt sind und den selben that Christ can make to a life.”
Vorgesetzten haben ... dem Platz, Macht unser Herr Jesus aus
an dem Ungläubige sehen können, deinem Leben eines, das solch
dass Christus ein Leben verändern einen Unterschied macht zu dem
kann, und das nicht nur für ein der anderen Menschen um dich
paar Stunden während eines ge- her? Und: Welchen Ruf hast du an
meinsamen Abendessens, sondern deinem Arbeitsplatz? Machst du
20, 30, 40, 50 Stunden pro Woche dem Herrn Jesus bei deinen Kolle-
über mehrere Jahre hinweg, dem gen alle Ehre? Durch dein Reden,
Arbeitsplatz! Die Menschen, die durch deine Arbeitseinstellung,
uns gut kennen, leben nicht in der durch die Qualität deiner Arbeit?
Nachbarschaft – sie sitzen am be- Dass wir uns hier nicht falsch
nachbarten Schreibtisch. Dennoch verstehen: Es geht nicht um unsere
schicken die Gemeinden uns zum Beliebtheit bei den Kollegen. Es
Missionieren auf die Straßen und wird in manchen Fällen so sein,
Plätze, zu unseren desinteressierten dass wir bei dem einen oder ande-
Nachbarn, um an den Haustüren ren Kollegen unbeliebt sind. Denn
mit Menschen ins Gespräch zu unser Herr Jesus Christus ist es
kommen, die wir überhaupt nicht auch! Und manchmal müssen wir
kennen. Das ist eine Tragödie. Wir uns vielleicht auch fragen, warum
fischen in Tümpeln und Pfützen, wir Christen heute meistens nicht
obwohl wir an unserem Arbeits- – wie damals Paulus – der „Ab-
platz neben dem großen Meer schaum der Welt” sind?! Aber wie
sitzen.“ 4 steht es mit Ihrer Integrität, Ihrem
Ein Freund von mir geht in Einsatz bei Ihrer Arbeit? Haben Sie
eine englischsprachige Münchner diesbezüglich einen guten Ruf? 

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Mit Jesus am Arbeitsplatz

Anmerkungen:
1
Wenn nicht anders angegeben, entstammen alle Bibelzitate der Überset-
zung „Gute Nachricht Bibel“.
2
Original:„Feed me up, fill me up, bandage me up – get me ready for
another week out there!“ It´s a constant drain. But if they really saw their
work and workplace as a context for ministry, then they´d be coming
back to the church feeding us and filling us with all the stories of what
God has been doing out there... The whole church would be being refu-
elled, not drained.“
3
Weiter sagt Luther: „Alles, was der Christ tut, ist weltlich. Aber wenn
er es im Glauben, also im Gehorsam gegen Gottes Gebote tut, wird es
heilig. Dadurch bekommt alles Tun eines Christen seine Würde.“
4
Original: „Christians must be actively encouraged and equipped (!) to
make a difference at the one place, they spend fifty, sixty, seventy percent
of their waking hours. The one place where Christian and non-Christian
have to meet. The one place where the playing field is even, where Chris-
tian and non-Christian are subject to the same corporate culture, the
same pressures, may have the same boss... the one place where the non-
Christian can actually see the difference that Christ can make to a life
- not for a couple of hours over dinner but for twenty, thirty, forty, fifty
hours a week over a couple of years. The workplace. Often the people who
know us well don‘t live next door, they work at the next desk. Neverthe-
less we are sent out onto the highways and byways, to neighbours who are
often only marginally interested, to knock on doors, to talk to people who
on the whole we don‘t know very well. This is a tragedy. We fish in pools
and puddles when in our workplace we are sitting by an ocean.” 4

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