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Ehre, wem Ehre gebührt

Ehre, wem Ehre gebührt


Jürgen Brügmann war nach seiner theologischen Ausbildung von 1967 - 2002
DCTB-Studentensekretär und Schriftleiter von „Das Fundament“. Er lebt jetzt
im aktiven Ruhestand in Wiesloch. Diese Andacht hielt er am 14.12.2008 im
Evangeliumsrundfunk über den Text aus Psalm 68, 20 - 36:

„Gelobt sei der Herr täglich. Gott


  Jüngste, geht ihnen voran, die Fürsten
legt uns eine Last auf, aber er hilft uns Judas mit ihren Scharen, die Fürsten
auch. Wir haben einen Gott, der da Sebulons, die Fürsten Naftalis. Ent-
hilft, und den HERRN, der vom Tode biete, Gott, deine Macht, die Macht,
errettet. Ja, Gott wird den Kopf seiner Gott, die du an uns bewiesen hast von
Feinde zerschmettern, den Schädel deinem Tempel her; um Jerusalems
der Gottlosen, die da fortfahren in willen werden dir Könige Geschenke
ihrer Sünde. Der Herr hat gesagt: Aus bringen. Bedrohe das Tier im Schilf,
Baschan will ich sie wieder holen, aus die Rotte der Mächtigen, die Gebieter
der Tiefe des Meeres will ich sie holen, der Völker; tritt nieder, die das Silber
dass du deinen Fuß im Blut der Fein- lieb haben, zerstreue die Völker, die
de badest und deine Hunde es lecken. gerne Krieg führen. Aus Ägypten
Man sieht, Gott, wie du einherziehst, werden Gesandte kommen; Mohren-
wie du, mein Gott und König, ein- land wird seine Hände ausstrecken
herziehst im Heiligtum. Die Sänger zu Gott. Ihr Königreiche auf Erden,
gehen voran, am Ende die Spielleute, singet Gott, lobsinget dem Herrn! Er
in der Mitte die Jungfrauen, die da fährt einher durch die Himmel, die
Pauken schlagen. ‚Lobet Gott in den von Anbeginn sind. Siehe, er lässt
Versammlungen, den HERRN, die ihr
von Israel herstammt.‘ Benjamin, der

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seine Stimme erschallen, eine gewaltige schlichten Lebensstil zu führen ge-


Stimme. Gebt Gott die Macht! Seine mäß dem Aufruf „zurück zur Na-
Herrlichkeit ist über Israel und seine tur!“? Oder ist das jene Schicksalser-
Macht in den Wolken. Wundersam ist gebenheit nach der Parole: „Man
Gott in seinem Heiligtum; er ist Israels muss es halt so nehmen, wie es
Gott. Er wird dem Volke Macht und kommt?“ Heißt „gebt Gott die
Kraft geben. Gelobt sei Gott!“ Ehre!“ sich zu beruhigen: „Alles wird
gut!“? Nein, das heißt es nicht. Aller-
dings, soviel ist daran richtig: Gott
zu ehren, das ist kein einmaliger
Lebenseinstellung Festakt wie bei wichtigen Personen,
sondern eine dauerhafte Lebensein-
„Ehre, wem Ehre gebührt“, belehr- stellung. Mit einem Applaus oder
ten mich als Kind meine Eltern. Jubiläumsfest ist das nicht getan.
Wohl wusste ich, dass der Bundes- Trotzdem: Gott ist weder die
präsident durch Hamburg fahren Natur noch eine Schicksalsmacht
wollte. Aber unwissend hatte ich noch positives Denken noch
gefragt: „Warum stellen sich denn etwas beliebig Anderes. Sondern
so viele Leute an die Straße?“ Ant- der zu ehrende Gott ist der Gott
wort: „Ehre, wem Ehre gebührt!“ Israels. Der Psalm 68 spricht vom
Da begann ich zu begreifen, dass gekommenen Gott, von seinem
solch eine Person geehrt werden „Advent“, seinem Erscheinen unter
soll und was mit Ehren gemeint ist. sterblichen Menschen. Er erinnert
Für mein 35jähriges Dienstjubilä- an sein Herabfahren auf den Berg
um durfte ich in einen Festsaal Gäste Sinai: „Da bebte die Erde, da troffen
aus meinem Bekanntenkreis einla- die Himmel vor Gottes Angesicht,
den. An die neunzig Personen waren der Sinai dort vor dem Angesicht
der Einladung gefolgt. Sie brachten Gottes, des Gottes Israels“ (Vers 9).
ihre Geschenke und anerkennende Der Psalm drückt aber auch aus,
Reden mit. Einige hatten sich sogar dass dieses Kommen Gottes für die
die Mühe gemacht, ihre ehrenden am Berg versammelten Menschen
Worte in Reimen vorzutragen. nicht nur Erschrecken, sondern
Der Psalm 68 fordert zu viel auch begründete Hoffnung auslös-
mehr auf: „Gebt Gott die Ehre!“ (Vers te: „Seine Herrlichkeit ist über Israel
35). Was bedeutet das? Etwa einen und seine Macht in den Wolken

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Ehre, wem Ehre gebührt

... Er wird dem Volke Macht und es gilt: „Wir haben einen Gott, der da
Kraft geben. Gelobt sei Gott!“ (Vers hilft“! Und die größte Hilfe Gottes
35 - 36). So endet der Psalm. ist die, welche einst ein Engel dem
Zimmermann Josef vor der Geburt
Christi angekündigt hat, nämlich:
„Er wird sein Volk retten von seinen
Rettung Sünden“ (Matthäus 1, 21). Rettung
von Sünden, die hat Jesus durch
Aber schon der Beginn des heutigen seinen Opfertod am Kreuz voll und
Psalmteils nimmt auch Christen ganz erwirkt. Auf ihn, Gottes sünd-
mit hinein in diese Herrlichkeits- losen Sohn, hat der Vater im Him-
hoffnung. Da wird uns Bibellesern mel alle Sünde der Welt gelegt und
gesagt: „Gelobt sei der Herr täglich, so eine Sühne geschaffen. Dadurch
Gott legt uns eine Last auf, aber er erhalten wir Menschen Vergebung
hilft uns auch. Wir haben einen und Befreiung von Sünde. Damit
Gott, der da hilft, und den Herrn, verbindet sich auch die Rettung
der vom Tode errettet“ (Vers 20. 21). in Gottes Gericht vor dem ewigen
Diese Aussage darf ich auf mich Tod. Es heißt im Psalm: „Wir haben
beziehen, auch ohne Israelit zu sein. den Herrn, der vom Tode errettet“
Denn ich gehöre zu Jesus Christus, (Vers 21). Sollten
Gottes Sohn und Israels Messias. wir diesem Gott
Und der hat seinen Nachfolgern nicht die Ehre
versprochen: „Wenn ich hingehe, geben?
euch die Stätte zu bereiten, so will
ich wiederkommen und euch zu mir
nehmen, damit ihr seid, wo ich bin“
(Johannes 14, 3). Wer sich also an
Jesus gebunden hat, erfährt auf dem
Weg zum ewigen Ziel Gottes Hilfe.
Und das umso mehr, je größer die
zu tragende Lebenslast ist. Mögen
die Aufgaben auch sehr schwer sein
und die Kräfte viel zu klein, mögen
die Schmerzen auch noch so plagen
und die Aussichten sehr trübe sein,

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Gottes Gegenwart habt; und unsere Gemeinschaft ist


mit dem Vater und mit seinem Sohn
Doch, auf jeden Fall. Aber ich Jesus Christus“ (1. Johannes 1, 3).
denke, mancher möchte fragen: „Wir Und Jesus selbst hat den Christen
haben ..., wir haben ... - ist denn versprochen: „Wo zwei oder drei
Gott wirklich da? Woran sehe ich versammelt sind in meinem Namen,
denn etwas von seiner Gegenwart?“ da bin ich mitten unter ihnen“ (Mat-
Vier Verse des Psalms beantworten thäus 18, 20). Das heißt für mich:
diese Frage: „Man sieht, Gott, wie Etwas von Gottes Gegenwart kann
du einherziehst im Heiligtum“ ich schon allein an der Tatsache der
(Vers 25). Damit ist zunächst Israels versammelten Mitchristen sehen.
Tempel gemeint, in den die Vertreter Und noch etwas mehr von Gottes
der Volksstämme an bestimmten Dasein kann ich dann erkennen,
Jahresfesten einzogen. Der Psalm wenn diese Leute in der Art der
nennt da als Beispiele die Fürsten Jesusliebe miteinander umgehen
Benjamins und Judas, also die und füreinander einstehen. Denn
südlich angesiedelten Stämme, und Christus sagte: „Daran wird jeder-
die Fürsten Sebulons und Naphthalis mann erkennen, dass ihr meine Jün-
als nördliche Landesbewohner. Das ger seid, so ihr Liebe untereinander
besagt, dass Gottes Advent erkannt habt“ (Johannes 13, 35). Ich glaube,
werden kann an den Menschen, dass gerade dieses eine Auswirkung
die sich von Nord bis Süd zum Fest von Gottes Advent ist. Denn wo
versammeln. Israels Versammlungen Gott, der Herr, eingezogen und
waren Ausdruck für die Gegenwart gegenwärtig ist, da wird auch sein
Gottes in seinem Volk, und darum freundliches Wesen zu spüren sein,
wird dieses aufgefordert: „Lobet Gott sein Verständnis, sein Einfühlungs-
in den Versammlungen, den Herrn, die vermögen, seine Behutsamkeit. Das
ihr von Israel herstammt!“ (Vers 27). ist ein Grund mehr für den Ad-
Aber gilt das denn auch für die ventsruf: „Gebt Gott die Ehre!“
Versammlung von Christen heute?
Ja, ganz sicher. Johannes, einer der
Apostel von Jesus, erklärt in einem
Brief: „Was wir gesehen und gehört Adventsruf
haben, das verkündigen wir euch, Bewusst habe ich formuliert
damit auch ihr mit uns Gemeinschaft Advents„ruf“. Darauf bringt mich

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nämlich der Psalmvers: „Er fährt zum Einstimmen in das Lob Gottes
einher durch die Himmel, die von über die Tatsache: „Euch ist heute
Anbeginn sind. Siehe, er lässt seine der Heiland geboren.“ Wer diesem
Stimme erschallen, eine gewaltige Aufruf folgt und echt mitsingt, wird
Stimme“ (Vers 34). Gottes gewal- froh und gibt Gott die Ehre.
tige Stimme wird eindrücklich Und noch einen Anstoß, Gott
beschrieben bei dem Geschehen aufrichtig zu ehren, gibt der Psalm
am Berg Sinai. Bevor Mose dort 68. Es ist die Bitte: „Entbiete, Gott,
die Zehn Gebote empfing, wird deine Macht, die Macht, Gott, die
berichtet: „Als nun der dritte Tag du an uns bewiesen hast von deinem
kam und es Morgen wurde, da erhob Tempel her“ (Vers 29). Das Volk des
sich ein Donnern und Blitzen und Alten Testaments bittet Gott darum,
eine dichte Wolke auf dem Berge und er möge in Kraft erhalten, was er
der Ton einer sehr starken Posaune“ Israel an Lebensqualität und Zu-
(2. Mose 19, 16). Das war für das kunftshoffnung beschert hat. Israel
versammelte Israel ein erschrecken- bittet dieses, weil es inmitten einer
des Reden Gottes. Daneben stelle Völkerwelt lebt, die sich größtenteils
ich jenes andere gewaltige Reden feindlich zu ihm stellt. Von daher
Gottes, als nämlich zur Geburt verstehe ich auch das nun folgende
Christi die Menge der himmlischen Gebet: „Bedrohe das Tier im Schilf
Heerscharen über den nächtlichen - damit ist Ägypten gemeint -, die
Feldern Bethlehems jenes Gotteslob Rotte der Mächtigen, die Gebieter der
herausjubelten: „Ehre sei Gott in der Völker; tritt nieder, die das Silber lieb-
Höhe und Friede auf Erden und den haben, zerstreue die Völker, die gerne
Menschen ein Wohlgefallen“ (Lukas Krieg führen“ (Vers 31). Es ist das
2, 14). Da wurden die Zuhörer Gebet, dass Gott seinen gerechten
fröhlich, die Hirten nämlich, die Einfluss auf die Völker und ihre Re-
nachts ihre Schafe hüteten. Dieser gierungen ausüben möchte. Dieser
gewaltige Jubelgesang hat die Män- Aspekt fehlt niemals beim Advent
ner sofort auf den Weg zum neuge- Gottes, den die Bibel beschreibt. Im
borenen Retter hin bewegt. Jedes Gegenteil, es ist wohl die Hauptaus-
Jahr nun zur Weihnachtszeit ertönt sage vom Advent, nämlich dass Gott
es in vielen Variationen immer neu: kommt, um den ganzen Erdkreis zu
„Ehre sei Gott in der Höhe“. Das richten und ihn damit auch nach-
ruft Menschen in aller Welt auf haltig zurechtzubringen. Das drückt

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sich ja auch aus in dem christlichen 2) Sie kennen Gott, weil er in


Glaubensbekenntnis, wo es von ihren Versammlungen lebendig
Jesus Christus heißt: „von dort wird gegenwärtig ist.
er kommen, zu richten die Lebenden 3) Sie hören auf den Gott, der auf
und die Toten.“ der ganzen Welt seine Stimme
Ich nannte als Psalmthema: erschallen lässt.
„Gebt Gott die Ehre!“ Christen 4) Sie gehören dem Gott, der
haben vier Gründe, Gott zu ehren: seinen Einfluss auf alle Völker und
1) Sie haben einen Gott, der hilft Menschen ausübt, jetzt und in aller
und sogar vom Tode errettet. Zukunft. 

Beilagenhinweis
Einladend weisen wir auf die Jugendkonferenz für Weltmission in Stuttgart
am 10.01.2010 hin. Ein Flyer liegt dieser Fundament-Ausgabe bei.

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