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i r n a c h

Fo l g e m t s c h r i ft f ü r j unge C h r i s ten

Zei

strophe
Flutkata
Die
Schuld?
chweigen
Ist S

2/2005
Folge mir nach
1
Inhalt/Impressum

Inhalt
Aus aktuellem Anlass:
Die Flutkatastrophe ..................................................................................... 4
Schweigen bedeutet Schuld ......................................................................... 7
Jesus Christus:
Die Stimme unseres Heilandes .................................................................... 8
Bibelstudium:
Psalm 119 (Teil 5) ...................................................................................... 10
Post von Euch:
Die Taufe mit Heiligem Geist – ein einmaliges Ereignis............................... 16
Zum Nachdenken:
Pinnwand .................................................................................................. 18
Bibel praktisch:
Wachsen – im Gleichschritt ....................................................................... 20
Wachsen im Glaubensleben – wie geht das ............................................... 23
Der Weg – was die Bibel dazu sagt ............................................................ 26
Ermutigung gesucht! ................................................................................. 31
Zum Nachdenken:
Leid – wozu lässt der Herr das zu? ............................................................. 34
Gute Botschaft:
Rettung durch Selbstaufgabe ...................................................................... 36

Impressum
Herausgeber: Anschrift der Redaktion:
Christliche Schriftenverbreitung Rainer Brockhaus · Kormoranweg 18 · 46487 Wesel
Hückeswagen Tel.: (02 81) 6 08 19 · Fax: 6 36 17
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Druck: Brockhaus Druck, Dillenburg

Folge mir nach erscheint sechswöchentlich;


Abo-Preis 13,-- (zzgl. Porto Inland: 2,50; Porto Aus- Bildnachweis und Bildrechte:
land: 4,--); Musterhefte können jederzeit angefordert © Project Photos: 4 oben, 20, 29
werden; Abonnements und Änderungen im Abonnement © R. Dietermann: 26, 27, 30
bitte an den Herausgeber. Bibelübersetzung: Elberfelder © imagelibrary: 1, 7, 8, 21, 24, 31, 32, 34, 35
Übersetzung Version 2003

2
Das persönliche Grußwort

I nzwischen ist das Jahr 2005 schon zur Routine geworden. Für die
meisten von uns. Manche mögen jedoch persönliche „Katastrophen“
erlebt haben. Vielleicht gehörst auch du dazu und versuchst gerade, mit
der deinen fertig zu werden.
Richtig Notiz wird in unserer Gesellschaft nur von Aufsehen erregen-
den Dingen genommen. Ob heute noch jemand von der schrecklichen
Flutkatastrophe in Ostasien spricht? Wie schnell gehen wir auch nach
dieser hohen Anteilnahme und Spendenbereitschaft wieder zur Tages-
ordnung über. Dabei kamen etwa 300.000 Menschen ums Leben. Und
wer kümmert sich noch um die, die Eltern oder Kinder verloren – auch
in Deutschland?
„Du hast mein Elend angesehen, hast Kenntnis genommen von den
Bedrängnissen meiner Seele“ (Ps 31,8). Unser himmlischer Vater
nimmt Notiz von dem, was uns passiert. Er hat Acht auf dich, denn Ihm
liegt an dir. Wenn keiner deine Not registriert – Er übersieht dich nicht!
(Seite 34)
Die schrecklichen Folgen der Flutkatastrophe erinnern uns aber auch
noch an anderes: So war in den Medien von „Todesgeruch über der
Trümmerwüste“ die Rede – angesichts der vielen verwesenden Toten.
Auch davon weiß die Bibel zu berichten: „Denn der Zorn des HERRN
ergeht gegen alle Nationen, und sein Grimm gegen ihr ganzes Heer
... Und ihre Erschlagenen werden hingeworfen, und der Gestank ihrer
Leichname steigt auf, und die Berge zerfließen von ihrem Blut“ (Jes
34,2.3). Nach der Entrückung der Gläubigen wird der Herr Jesus ein
schreckliches Gericht über die Menschen bringen, die Ihn als persönli-
chen Retter abgelehnt haben. Es wird so viele Tote geben, dass diese
nicht einmal mehr begraben werden können – von der Erde wird daher
ein Gestank der Leichname aufsteigen, den man sich nicht vorstellen
kann.
Aber das ist nicht das Ende der ungläubigen Menschen. Denn danach
kommt der ewige Tod – ein ewiges Existieren in der Gottesferne – unter
unsagbaren Qualen! Wir beten von Herzen, dass jeder Leser dieses
Heftes, falls noch nicht geschehen, ernst macht mit seiner Entscheidung
für den Herrn Jesus Christus!

Folge mir nach


3
Flutkatastrophe –
Gottes Hand?
D ie Flutkatastrophe hat dafür gesorgt, dass Gott in den Medien und im Tages-
gespräch mal wieder ein Thema war. Gerade Christen, die an den lebendigen Gott
glauben, kann so ein Ereignis nicht kalt lassen, vielmehr wirft es neu die Fragen nach
dem „Warum?“ und „Wozu?“ auf. Damit sollte sich jeder auseinander setzen.
Suche nach Antworten nur in zu? Wer diese Frage stellt, muss die Antworten
der Bibel (es gibt nicht nur eine Antwort) zur Kenntnis
nehmen, die die Bibel gibt.
Schade ist nur, dass auf die berechtigte Frage:
„Wie kann Gott das Unglück zulassen?“
nur selten die Antworten gegeben werden,
die Gott selbst in der Bibel gibt. Schlimmer
noch ist, dass diese Frage, die wichtigere,
persönliche Frage verdrängt: „Wie kann ich
verhindern, dass mein Leben in einem ewigen
Unglück endet?“

Gott behält die Kontrolle über


seine Schöpfung

Mancher meint, Gott habe die Kontrolle über


die Schöpfung verloren. Richtig ist, dass Gott Gottes Sprache in Katastrophen –
die Schöpfung „sehr gut“ geschaffen hat, aber wo bleibt da seine Liebe?
sie ist durch den Sündenfall des Menschen in
einen gestörten Zustand geraten (1. Mo 1 und Mancher fühlt sich angesichts der Flutkatastro-
3). Die Schöpfung leidet darunter (Röm 8,22), phe an die Sintflut erinnert. Diese bewirkte
aber nicht Gott. Er hat die Schöpfung unter Gott nach 120jähriger Gnadenfrist, weil die
Kontrolle. Geschieht ein Unglück in der Stadt Menschen durch und durch böse waren.
und Gott hätte es nicht bewirkt (Amos 3,6)? Gerettet wurde nur, wer an Gott glaubte (1.
Das macht die Frage ebenso berechtigt wie Mo 6,3-8). Katastrophen können zugleich
brisant: Warum lässt Gott solch ein Unglück ein Schlag Gottes gegen das materialistische
Selbstvertrauen des Menschen sein, mit
dem er sich von Gott emanzipiert (vgl. Jes
2,12-22). Was die Frage so bohrend und
drängend macht ist entweder die Vorstellung,
der „liebe Gott“ müsse es jedem Menschen
gut gehen lassen (was nicht zutrifft), oder die
Überzeugung, Gott sei gerecht (was immer
zutrifft). „Gott ist Liebe“ (1. Joh 4,8) – auch
in Katastrophen? Klares „Ja!“ Wo Menschen
sterben, wo Angehörige und Freunde trau-
ern, finden sie bei Gott Liebe, Mit-Leid und

4
Flutkatastrophe – Gottes Hand?

Barmherzigkeit; und Christen sind aufgerufen, sagt, ist wegweisend für heutige Fragesteller:
mit den Weinenden zu weinen (Röm 12,15). „Meint ihr, dass diese [...] mehr als alle [ande-
Aber muss nicht ein Gott, der Liebe ist, solche ren] Sünder waren, weil sie derartiges erlitten
Unglücke von vornherein verhindern? haben? Nein, sage ich euch, sondern wenn
ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle ebenso
umkommen“ (Lukas 13,1-5). Sowohl sein
unmittelbares Handeln (Turmeinsturz) als
auch menschliche Verbrechen (hier durch
Pilatus) sollen uns alle wachrütteln! Denn wir
alle sind nicht besser als die Opfer solcher
Ereignisse, aber der Herr Jesus rief damals
und ruft heute jedem dadurch ein persönliches
„Halt!“ oder „kommt zurück zu mir!“ zu.

Gott will den Menschen retten!

Hunderttausend Einzelschicksale – So wenig wir Gottes Handeln gegenüber


handelt Gott gerecht? den einzelnen Betroffenen beurteilen können
– seine Botschaft im Großen macht sein Han-
Gott hat sich den menschlichen Vorstellungen deln durch Unglücke nachvollziehbar: Gott
über Liebe und Gerechtigkeit nicht verfüg- will nicht, dass auch nur ein einziger Mensch
bar gemacht. Er sagt: „Wer bist du denn, ewige Qualen in der Gottesferne erleidet,
o Mensch, der du das Wort nimmst gegen sondern dass jeder Mensch die Ewigkeit mit
Gott? Wird etwa das Geformte zu dem, der Ihm verbringen kann, indem er Buße tut (2.
es geformt hat, sagen: Warum hast du mich Pet 3,9). An jeden Menschen ergeht dieser
so gemacht?“ (Röm 9,20). Man vergisst Appell. Sind es viele, die ihn aufnehmen?
schnell, dass Gott normalerweise für alle
Menschen gut sorgt und grundsätzlich gütig
und fürsorglich ist (Apg 17,24 f.; 1.Tim 4,10).
Das Handeln durch Katastrophen ist eine
Ausnahme von dieser Regel. Schade, dass
nur die Ausnahmen Fragen nach Gott auf-
werfen. Gott ist aber souverän. Kein Mensch
darf beanstanden, wenn Er einen Menschen
auf „natürliche“ Weise oder aber durch eine
Katastrophe aus dem Leben nimmt. In jedem
Einzelfall handelt Gott gerecht (Joh 5,30).
Diese Erkenntnis ist bitter und brutal – aber Von Zeit zu Zeit spricht Gott durch persönliche
nur dann, wenn der Blick auf das irdische Unglücke zu dem einzelnen Menschen, und es
Leben fixiert ist. Wichtiger ist aber die Frage: kommt auch vor, dass Er durch Katastrophen
Was dann? eine noch deutlichere, aufschreckende und
verstörende Sprache spricht. Das beantwortet
Was Gott damit eigentlich sagen will nicht alle Fragen; aber es wirft die wichtigere
Frage auf: Wenn mein irdisches Leben endet,
Zur Zeit des Herrn Jesus waren zwei (wenn was kommt dann? Ein ewiges Unglück? Das
auch lokal begrenzte und weniger drama- muss nicht sein, und das möchte Gott nicht.
tische) Unglücke Stadtgespräch. Ein Turm Er überlässt es aber der verantwortlichen
war umgestürzt und hatte 18 Leute unter sich Entscheidung des Einzelnen.
begraben, und Pilatus hatte ein Blutbad im
Tempel angerichtet. Was der Herr Jesus dazu Thorsten Attendorn
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5
Der Flyer zum Thema

Der Flyer zum Thema –


eine Chance zum Evangelisieren

r G O T T?
w a
Auch wenn die Flut-Katastrophe leider in
den Medien und sicher auch in den meisten
Wo

Köpfen schon wieder verblasst, bietet sich ein


solches Ereignis doch an, um mit Menschen
über „Gott und die Welt“ ins Gespräch
zu kommen, oder durch Verteilen von
Flugblättern die gute Botschaft zu
verbreiten. Der Flyer „Tod im Paradies“
geht besonders auf die Frage ein, wo
Gott denn in der Katastrophe war und
wie Er sein Universum zum Wohl,
zur Rettung vieler Menschen lenkt.
Bestellungen (kostenlos) könnt Ihr
direkt unter www.folgemirnach.de
oder beim Herausgeber der
Zeitschrift vornehmen.

Oder geschieht ein Unglück in der Stadt, und


der HERR hätte es nicht bewirkt?
Amos 3,6

Alle sind abgewichen, sie sind allesamt


untauglich geworden; da ist keiner, der Gutes
tut, da ist auch nicht einer.
Römer 3,12

Sucht den HERRN und lebt.


Amos 5,6

6
Schweigen bedeutet ...
Schuld
„H err Pflüger ist tot.“ So erzählt mir
trocken mein Geschäftspartner am Tele-
fon. Blinddarmentzündung – Operation – Komplikationen – Lungenembolie – tot im Bett
aufgefunden. Mitte vierzig, Familie, voller Erwartungen – alles vorbei. Gerade noch hatte ich
erwartet, Herrn Pflüger in wenigen Tagen wieder zu treffen. Als ich von seinem plötzlichen
Tod höre, schießt mir sofort die Frage durch den Kopf: Habe ich ihm die Botschaft des Evan-
geliums überzeugend vermittelt? Ob er den evangelistischen Kalender „Die gute Saat“, den
ich ihm am Jahresende gegeben habe, wohl gelesen hat? Wo ist Herr Pflüger jetzt?
Neu wird mir die Verantwortung bewusst, schweigen wir aber und warten, bis der
das Licht des Evangeliums in der Umgebung Morgen hell wird, so wird uns Schuld tref-
zu verbreiten. So bitte ich um Kraft und Ge- fen“ (2. Kön 7,9).
legenheit hierzu. Am Nachmittag überreiche
ich dann nach Besprechung der berufli- „Wenn ich zum Gottlosen spreche: Du sollst
chen Themen einem Gesprächspartner ein gewiss sterben!, und du warnst ihn nicht
evangelistisches Büchlein und komme mit und redest nicht, um den Gottlosen vor sei-
ihm ins Gespräch. „Wissen Sie, dass ich nem gottlosen Weg zu warnen, um ihn am
mich schon einmal beinahe aus dem Leben Leben zu erhalten, so wird er, der Gottlose,
verabschiedet hätte?“, antwortet er mir zu wegen seiner Ungerechtigkeit sterben; aber
meiner Überraschung. Und erzählt mir von sein Blut werde ich von deiner Hand for-
einer fast tödlich verlaufenden Hirnhautent- dern“ (Hes 3,18).
zündung. Seine Frau sollte schon alle Papie- Wenn Gott schon so ernst über die unter-
re fertig machen – da hat dann doch noch lassene Warnung vor zeitlichem Gericht in
ein Medikament angeschlagen. Jetzt sieht diesem Leben redet, sollten wir dann nicht
er vieles anders. Ich weise ihn auf den Gott umso mehr alle Anstrengungen unterneh-
hin, der ihm noch einmal eine Chance ge- men, um Menschen vor dem ewigen Ge-
geben hat, um bei Ihm Vergebung und das richt zu warnen?
„richtige“ Ziel für die Ewigkeit zu finden. Ob Wie Andreas in Johannes 1,42 lasst uns als
er jetzt zu Hause das Heftchen lesen wird? solche, die selbst durch Gnade gerettet und
immer wieder neu überwältigt sind von un-
Führen wir Menschen „zu Jesus“? serem Retter, Menschen zu dem führen, der
ihnen zeitliches und ewiges Glück schenken
Jeder von uns begegnet Menschen. Beson- will.
ders solchen, die wir kennen, oder besser
noch, die uns kennen und so auch Vertrau- Welche Gelegenheiten und Menschen wird
en zu uns haben können (hoffentlich). Das der Herr dir und mir heute geben, um die
können solche sein, die den Weg zum Herrn Botschaft zu verbreiten? Sind wir gewapp-
von uns gewiesen bekommen sollen. Sind net – innerlich (durch Gebet, durch das
wir bereit? Lesen der Bibel) und äußerlich (Traktat zur
Hand)?
„Dieser Tag ist ein Tag guter Botschaft; Martin Schäfer
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7
Die Stimme unseres
Heilands
w er einmal Heimweh hatte, weiß, wie gut es
tut, die Stimme seiner Mutter am Telefon zu hören.
Vielleicht erinnern wir uns auch an Situationen, wo
wir Angst hatten und dann die Stimme unseres Vaters
hörten und wussten, dass Hilfe kommt. In diesem
Artikel wollen wir uns etwas mit der Stimme unseres
Heilands beschäftigen.

Die Stimme zum Heil Die Stimme in der Nachfolge

Zunächst durften wir die Worte hören: „Meine Schafe hören meine Stimme“, sagt
„Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen der Herr Jesus in Johannes 10,27, „und
und Beladenen, und ich werde euch Ruhe sie folgen mir“. Schafe kennen die Stimme
geben“ (Mt 11,28). Das war die Stimme ihres Hirten, und sie folgen der Person mit
unseres Heilands, als Er uns aus unserem der bekannten Stimme. Kennen wir wirklich
Sündenelend herausrief. Wie gut, wenn die Stimme unseres Hirten? Und wenn ja,
wir dieser Stimme, diesem Ruf gefolgt sind folgen wir ihr auch?
und zu dem Heiland mit unserer Schuld Wo können wir die Stimme des Herrn Jesus
gekommen sind! Wenn du aber diesem hören, wie können wir lernen auf die Stimme
Ruf noch nicht gefolgt bist, dann kannst unseres Hirten zu hören? Er spricht zu uns in
du mit diesem Artikel nichts anfangen. seinem Wort, in der Bibel – wir müssen sie
Denn du kennst diese Stimme nicht, die nur lesen und bereit sein, auf das zu hören,
dort spricht. Daher bitten wir „an Christi was sie uns sagt. Wir können auch die Stim-
statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!“ (2. me hören, wenn Gott durch einen Menschen
Kor 5,20). zu uns spricht (z.B. in einer Zusammenkunft,
wo Gottes Wort betrachtet oder verkündigt
Die Stimme/der Ruf in die Nachfolge (ausgelegt) wird). So, wie Maria es in Lukas
10 tat, die sich zu den Füßen Jesu hinsetzte
„Kommt, folgt mir nach.“ (Mk 2,17) Der und seinem Wort zuhörte.
Herr Jesus beruft jeden, der die Stimme Schafe kommen ohne ihren Hirten nicht
des Heils gehört und befolgt hat, in seine zurecht. Wenn der Hirte nichts mehr sagt,
Nachfolge, in seinen Dienst. Für jeden hat dann verirrt sich das Schaf. Auch wir laufen
Er einen Auftrag. Wir müssen nur richtig zu- in die Irre, wenn wir nicht mehr der Stimme
hören und dann auch gehorsam sein, diese unseres Hirten folgen.
Aufgabe anzunehmen und zu tun. Sind wir
bereit, uns in seinen Dienst stellen zu lassen, Die Stimme zur Rückkehr
indem wir unser gesamtes Leben Ihm zur
Verfügung stellen? „Und sie (Adam und Eva) hörten die Stim-

8
Die Stimme unseres Heilands

me Gottes des HERRN ... Und der Mensch nicht auch genau so meinte. Er konnte, als
und seine Frau versteckten sich vor dem man Ihn fragte: „Wer bist du?“, von sich sa-
Angesicht Gottes des HERRN mitten un- gen: „Durchaus das, was ich auch zu euch
ter die Bäume des Gartens. Und Gott rede“ (Joh 8,25). Wahrheit, auch in seinen
der HERR rief den Menschen und sprach Worten, kennzeichnete sein ganzes Leben.
zu ihm: Wo bist du? Und Gott der HERR
sprach zu der Frau: „Was hast du getan!“ In 1. Petrus 2, 22 steht ein Zitat aus dem
(1. Mo 3,8.9; 13) Propheten Jesaja Kapitel 53 über die
„Transparenz“ der Worte des Herrn. Bei
Wenn wir uns innerlich oder durch unseren Ihm wurde kein Trug gefunden. Alle sei-
Lebenswandel von Gott entfernt haben, ne Worte waren Wahrheit. Nicht ein ein-
geht uns der Heiland nach und ruft uns. ziges Wort ist über die Lippen des Herrn
Und wenn auf die Herz erforschende Frage gekommen, das nicht 100% wahr war. Es
Gottes ein aufrichtiges Bekenntnis folgt, sind gab auch keine Doppeldeutigkeit in seinen
wir wieder nahe bei unserem Herrn. Nahe Worten. Wenn wir etwas sagen, drücken
genug, um gut auf seine Stimme zu hören. wir es manchmal so aus, dass es so oder
so gedeutet werden kann. Nicht so bei dem
Die Stimme ohne Worte Herrn Jesus. Es gab bei Ihm auch kein un-
nützes Wort. Bei uns leider viel zu oft. Wol-
Auch, oder besser gerade weil der Herr Je- len wir nicht etwas vorsichtiger mit unseren
sus in bestimmten Situationen nichts sagte, Worten werden?
haben uns diese Situationen viel zu „sagen“,
können wir sehr viel daraus lernen. In 1.
Petrus 2,23 heißt es: „Der, gescholten nicht Wir durften die Stimme unseres Heilands
wiederschalt, leidend nicht drohte, sondern hören zu unserem Heil.
sich dem übergab, der recht richtet.“ Wir durften die Stimme unseres Heilands
hören, der uns in seine Nachfolge ruft.
Auch wenn Jesus angegriffen wurde, Wir dürfen die Stimme unseres Heilands
schimpfte Er nicht zurück. Auf die zahllosen hören und kennen in der Nachfolge.
falschen Anschuldigungen vor dem Richter Wir müssen die Stimme unseres Heilands
Pilatus erwiderte Er nicht ein einziges Wort hören, damit wir zu Ihm zurückfinden.
(Mt 27,14). „Er wurde misshandelt, aber er Wir dürfen Schönheiten unseres Heilands
beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, sehen, wenn Er schweigt.
wie ein Lamm, das zur Schlachtung geführt Wir dürfen von unserem Heiland lernen,
wird, und wie ein Schaf, das stumm ist vor der immer die Wahrheit sagte.
seinen Scherern; und er tat seinen Mund
nicht auf“ (Jes 53,7). Wir wollen uns gegenseitig ermuntern,
fleißig auf die Stimme unseres Herrn
Wie schnell sind wir dabei, uns zu verteidi- und Heilands zu hören. Zu seiner Freude,
gen, wenn wir meinen, uns werde Unrecht aber auch zu unserem großen Nutzen. Zu
getan. Unser Heiland hat den Menschen den Kindern Israel hat Gott sagen lassen:
kein einziges Wort erwidert, wobei gerade “Wenn du nur der Stimme des HERRN,
Er ein Recht dazu gehabt hätte. Wollen wir deines Gottes, fleißig gehorchst ... ... wird
Ihn nicht als unser Vorbild nehmen? Wie [er] dich segnen(5. Mo 15,5.6. Diese Ver-
viel können wir doch vom Herrn Jesus ler- heißung gilt auch uns heute. Lasst uns offe-
nen! ne Ohren für die Stimme unseres Heilands
haben, und lasst uns von Ihm, von seinen
Die Stimme der Wahrheit Worten, die Er sprach, lernen.

Der Herr Jesus hat nie etwas gesagt, was Er Klaus Brinkmann
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9
Bibelstudium
Psalm 119 (Teil 5)

D ies ist die Schlussrunde des Bibelstudiums über Psalm 119.


In den ersten vier Teilen hast du lernen können, wie vielseitig und
vielfältig der Einfluss des Wortes Gottes auf dein persönliches
Leben sein sollte. Auch dieser letzte Teil wird das noch einmal
eindrücklich bestätigen. Das Wort Gottes ist für jeden gut, nützlich
und wichtig!

18. Das Wort – die Quelle der (Vers 139): „Verzehrt hat mich mein Eifer
Gerechtigkeit (V.137-144) (1), denn meine Bedränger haben deine
Worte vergessen.“
Kommentar: (1) Ps 69,10
(137-138) Gott ist gerecht und sein Handeln Diese Männer waren seine Bedränger,
stets damit in Übereinstimmung. aber nicht das machte ihm in erster Linie
(139-141) Der Knecht des HERRN liebt das Not, sondern die Tatsache, dass sie Gottes
Wort des HERRN, doch das bringt ihm Ver- Wort vergessen hatten.
achtung und Widerstand der Welt ein.
(142-144) Der Psalmist weiß: Gottes (Vers 140): „Wohlgeläutert ist dein Wort,
Gerechtigkeit wird siegen. Deshalb erträgt und dein Knecht hat es lieb.“
er auch den Widerstand und hat seine Unsere Liebe zu Gottes Wort ist der Beweis
Freude an Gottes Wort. unserer Liebe zu Gott.

Studienhilfe: (Vers 141): „Gering bin ich und verachtet;


(Vers 137): „Gerecht bist du, HERR, und deine Vorschriften habe ich nicht
gerade sind deine Gerichte (1).“ vergessen.“
(1) oder: Urteile, Entscheidungen Weil der Psalmist das Wort Gottes liebte,
Wenn Gott gerecht ist, dann können seine wurde er von denen verachtet, die Gottes
Entscheidungen und Urteile nicht anders Wort verachteten. Das wird auch heute
als ebenfalls gerecht sein. nicht anders sein.

(Vers 138): „Du hast in Gerechtigkeit deine (Vers 142): „Deine Gerechtigkeit ist eine
Zeugnisse geboten und sehr in Treue.“ ewige Gerechtigkeit, und dein Gesetz ist
Weil Gottes Wort Ausdruck seiner Wahrheit.“
Gerechtigkeit und Treue ist, können wir Gott ist gerecht, und da Gott der
uns darauf stützen in der Gegenwart und Unwandelbare ist, ist auch seine
uns darauf verlassen für die Zukunft. Gerechtigkeit ewig und unveränderlich.

10
Bibelstudium – Psalm 119

(Vers 143): „Angst und Bedrängnis haben (1) s. Verse 10.34


mich erreicht; deine Gebote sind meine Das Gebet des Glaubens geschieht mit
Wonne.“ ganzem Herzen, und ...(siehe Vers 146)
Der Psalmist war für die Menschen sicher
ein Rätsel: in Angst und Bedrängnis und (Vers 146):„Zu dir habe ich gerufen, rette
doch voller Wonne und Freude. Ähnliche mich (1), und ich will deine Zeugnisse
Erfahrung hatte auch Paulus gemacht (s. beachten.“
2. Kor 6,10). (1) Ps 71,2.3
... zu dir, d.h. es ist ein Gebet des
(Vers 144):„Gerechtigkeit sind deine persönlichen Vertrauens.
Zeugnisse auf ewig; gib mir Einsicht, so
werde ich leben.“ (Vers 147): „Der Morgendämmerung bin ich
Leben ist mehr als Essen, Trinken und zuvorgekommen (1) und habe geschrieen;
fröhlich sein. Wahres Leben beginnt mit auf dein Wort habe ich geharrt.“
der Einsicht in Gottes Wort. (1) Ps 130,6
Ernsthaftes Gebet und Gottes Wort
Zitat: gehören zusammen: a) Gottes Wort ohne
„Ist es nicht groß und wunderbar, dass Gebet wird leicht zu einer rein intellektuellen
Menschen, in Sünde geboren und von Übung ... (siehe Vers 148)
einer sündigen Welt umgeben, Freude
daran finden, sich mit der Gerechtigkeit (Vers 148): „Meine Augen sind den
Gottes zu beschäftigen? Das kann aber Nachtwachen (1) zuvorgekommen, um zu
nur geschehen, weil Gott gleichzeitig sinnen über dein Wort.“
gnädig und barmherzig ist“ (P. Grobéty). (1) Ps 63,7
b) Gebet ohne Gottes Wort wird leicht
19. Das Wort – die Quelle der Kraft zu einer rein emotionalen, im Extremfall
in den Nachtwachen (V.145-152) mystischen Angelegenheit.

Kommentar: (Vers 149): „Höre meine Stimme nach


(145-146) Der Psalmist bringt sein völliges deiner Güte; HERR, belebe (1) mich nach
Vertrauen zu seinem Gott zum Ausdruck. deinen Rechten!“
Dieses Vertrauen bewirkt auch Gehorsam (1) Tipp: suche alle Stellen in Ps 119, in
gegenüber dem Wort seines Gottes. denen der Ausdruck „belebe“ vorkommt
(147-148) Gebet und das Studium von (V. 25, ...)
Gottes Wort sind zentrale Punkte im Leben Wenn Er uns hört, dann ist das nicht unser
des Psalmisten – ob frühmorgens oder in Verdienst. Es ist allein seine Güte.
schlaflosen Nächten.
(149-150) Die Grundlage für sein Flehen (Vers 150):„Nahegekommen sind die, die
bildet nicht seine eigene Treue, sondern bösen Plänen nachjagen; fern sind sie von
die Güte Gottes. deinem Gesetz.“
(151-152) Obwohl die Feinde nahe Solche, die böse Pläne schmieden, mögen
gekommen sind (150), weiß der Glaube: uns nahekommen, aber sie sind fern von
„Du bist nahe, HERR“ – das ist seine Gottes Gesetz, d.h sie stehen nicht auf der
Zuversicht. Seite Gottes, des Stärkeren.

Studienhilfen: (Vers 151): „Du bist nahe (1), HERR; und


(Vers 145):„Von ganzem Herzen (1) habe alle deine Gebote sind Wahrheit.“
ich gerufen; erhöre mich, HERR! ich will (1) Jes 50,8
deine Satzungen halten.“ Wer immer sich dir naht, keiner ist dir so
Folge mir nach
11
nahe wie der Herr. (Vers154): „Führe meine Rechtssache (1)
und erlöse mich! Belebe mich nach deiner
(Vers 152): „Von alters her habe ich aus Zusage!“
deinen Zeugnissen gewusst, dass du sie (1) Ps 35,1; Klgl 3,58
gegründet hast auf ewig(1).“ Dieser Vers enthält drei Bitten:
(1) s. Vers 89 a) Im Bewusstsein eines guten Gewissens
Hast du auch schon eine persönliche bittet der Psalmist den HERRN, seine
„Geschichte“ (von alters her) mit deiner Sache zu übernehmen.
Bibel, dem Wort Gottes? b) Im Bewusstsein seiner Hilflosigkeit bittet
er um Erlösung.
Zitat: c) Im Bewusstsein seiner Schwachheit
„In diesen Versen sehen wir einen bittet er um Belebung.
Gerechten, der ganz auf Gott vertraut.
Im Bewusstsein seines Unvermögens (Vers 155): „Fern ist von den Gottlosen
schreit er zu Ihm und gebraucht dabei die Rettung, denn nach deinen Satzungen
Ausdrücke, welche von der Aufrichtigkeit trachten sie nicht.“
und Lauterkeit seines Herzens zeugen. Da die Gottlosen nicht vom Bösen
Ein solches Gefühl der Abhängigkeit ist lassen wollen, haben sie sich selbst jeder
überaus wichtig für den Gläubigen. Wir Hoffnung beraubt.
sind gerne geneigt von uns aus zu reden
und zu handeln“ (P.Grobéty). (Vers156): „Deiner Erbarmungen sind
viele (1), HERR; belebe mich nach deinen
20. Das Wort – die Quelle zum Rechten!“
Überwinden (V. 153-160) (1) Ps 40,6;71,15
Neben dem hoffnungslosen Teil der
Kommentar: Gottlosen (Vers 155) steht der Reichtum
(153-154) Der Psalmist weiß, dass dem göttlichen Erbarmens für den Gläubigen.
HERRN das Schicksal seiner Treuen nicht
gleichgültig ist, so kann er im Vertrauen auf (Vers 157): „Zahlreich (1) sind meine Ver-
seinen Gott seine Rechtssache getrost in folger und meine Bedränger; von deinen
Gottes Hände legen. Zeugnissen bin ich nicht abgewichen.“
(155-157) Mögen die Verfolger, die nicht (1) Ps 25,19
nach Gottes Wort fragen, auch zahlreich Wie zahlreich auch die Feinde waren, der
sein, der Psalmist will doch an diesem Wort Schreiber würde nicht abweichen von
festhalten und nicht davon abweichen. Gottes Wort. Die Erbarmungen seines
(158-160) Den Treuen kennzeichnet: Gottes waren mehr als alle Feinde es je
Festhalten an Gottes Wort; Abscheu vor sein konnten.
dem Bösen; Liebe zu Gottes Wort.
(Vers 158): „Die Treulosen habe ich
Studienhilfen: gesehen, und es ekelte mich an (1), weil
(Vers 153): „Sieh an mein Elend und befreie sie dein Wort nicht beachteten.“
mich (1)! Denn dein Gesetz habe ich nicht (1) Vers 136
vergessen.“ Was empfindest du bei dem sündigen
(1) Ps 34,5.18.20 Treiben von „Christen“, die Gottes
Bist du auch in einer „elenden Lage“? Gedanken einfach missachten?
Dann darfst du den Herrn bitten: Sieh an!
Oder, wie die Schwestern in Bethanien: (Vers 159): „Sieh, dass ich deine
Herr, komm und sieh! (Joh 11,34) Vorschriften liebe; nach deiner Güte,
HERR, belebe mich!“.

12
Bibelstudium – Psalm 119

Der Psalmist sagt nicht: „Sieh, HERR, wie Kennzeichen sein (167).
ich alles in deinem Wort gehalten habe“, 7. Für den treuen Gläubigen ist es ein
sondern, „Sieh, HERR, wie ich dein Wort Trost zu wissen, dass seine Wege Gott
liebe“. bekannt sind (168).

(Vers 160): „Die Summe deines Wortes Eine Rarität in diesem Psalm: Dieser
ist Wahrheit, und alles Recht deiner Abschnitt enthält keine einzige Bitte!
Gerechtigkeit währt in Ewigkeit.“
Das Wort Gottes steht als Ganzes fest Studienhilfen:
(Vers 89). „Dein Wort ist Wahrheit“ (Joh (Vers 161): „Fürsten haben mich verfolgt
17,17). ohne Ursache; aber vor deinem Wort hat
mein Herz sich gefürchtet (1).“
Zitat: (1) Jes 66,2
„Beachte das dreifache Flehen um Der Gläubige, der Gottes Wort hält, ordnet
Belebung (Verse 154, 156, 159). Das ist sich auch der Obrigkeit unter. Er hat ein
prophetisch von großer Bedeutung, denn reines Gewissen. Man verfolgt ihn ohne
es stellt das Flehen des gottesfürchtigen Ursache.
Überrestes der letzten Tage dar. Israel
als Nation bedarf dieser geistlichen (Vers 162): „Ich freue mich über dein Wort
„Erweckung“ und wird dies erfahren, wenn wie einer, der große Beute findet (1).“
nach der Verheißung der Geist Gottes über (1) Lk 24,32
das Volk ausgegossen wird“ (A.G. Clarke). Ehrfurcht vor dem Wort Gottes (161) und
Freude am Wort Gottes (162) gehören
zusammen.
21. Das Wort – die Quelle zu Freude
und Lob (V.161 – 168) (Vers 163): „Lüge hasse und verabscheue
ich; ich liebe dein Gesetz.“
Kommentar: Wer das Wort Gottes liebt, kann die Lüge
(161) Die Großen dieser Welt mögen nur hassen.
den Gläubigen verfolgen, doch für den
Gläubigen steht die Autorität des Wortes (Vers 164): „Siebenmal am Tag lobe ich
Gottes über der Autorität von Menschen. dich um der Rechte deiner Gerechtigkeit
(162-168) Der Psalmist zählt die Segnungen willen.“
auf, die der erfährt, für den Gottes Wort die Wenn wir dreimal am Tag bitten und flehen
höchste Autorität ist: (Ps 55,18), dann dürfen wir siebenmal
1. Das Wort ist seine Freude, er findet loben und danken (nicht vergessen!).
darin große Schätze (162).
2. Es setzt ihn in die Lage, das Böse vom (Vers 165): „Großen Frieden (1) haben die,
Guten zu unterscheiden (163). die dein Gesetz lieben, und kein Fallen gibt
3. Es bewirkt Lob bei ihm in den es für sie.“
verschiedenen Situationen des Tages (1) Ps 34,15; Jes 26,3;48,18
(164). Gehorsam gegen Gott und sein Wort
4. Es bringt inneren Frieden, so dass bringt inneren Frieden.
sich der Psalmist nicht mehr durch die
Umstände leiten lässt (165). (Vers 166): „Ich habe auf deine Rettung
5. Es führt ihn zum vertrauensvollen Warten gewartet (1), HERR; und deine Gebote
auf die Rettung des Herrn (166). habe ich getan.“
6. In dieser Wartezeit soll Gehorsam (1) oder: gehofft, s. Vers 174
und Liebe zum Wort Gottes sein In Zeiten der Anfechtung gilt zweierlei:
Folge mir nach
13
erstens, dass wir die Hoffnung ganz auf Kommentar:
Gott setzten, und zweitens, dass wir tun, (169-170) Der Psalmist betet um Einsicht
was recht ist. Das erste ohne das zweite in Gottes Wort und um Befreiung aus
wäre Anmaßung. Das zweite ohne das seinen Umständen.
erste tote Werkgerechtigkeit (nach C.H. (171-172) Die Folge einer Gebetserhörung
Spurgeon). werden dann das Lob Gottes und das
Zeugnis vor den Menschen sein.
(Vers 167): „Meine Seele hat deine (173-174) Wer Zeugnis für Gott ablegt,
Zeugnisse beachtet, und ich liebe (1) sie muss mit Widerstand rechnen und hat
sehr.“ erneut die Hilfe seines Herrn nötig.
(1) Tipp für ein Wortstudium: Wie oft spricht (175-176) Früher irrte der Psalmist umher
der Psalmist in diesem Psalm davon, dass wie ein verlorenes Schaf, doch jetzt ist es
er Gottes Wort liebt? sein Verlangen, zu Gottes Ehre zu leben
Der gehorsame Weg des Gläubigen und Ihn zu loben. Ist das auch deine
ist nicht motiviert aus einem kalten Geschichte?
Pflichtbewusstsein, sondern aus innerer
Wertschätzung des Wortes Gottes. Studienhilfen:
(Vers 169): „Lass mein Schreien nahe vor
(Vers 168):„Deine Vorschriften und deine dich kommen, HERR; gib mir Einsicht (1)
Zeugnisse habe ich beachtet, denn alle nach deinem Wort!“
meine Wege sind vor dir.“ Tipp: Suche noch einmal die vier
In der Gegenwart von „Autoritäten“ reißt Vorkommen des Ausdrucks „Gib mir
der Mensch sich zusammen, sonst lässt er Einsicht“ in diesem Psalm auf.
sich schon mal gehen. Der Gläubige lebt (1) Die vielen Bitten dieses Psalms werden
stets unter dem Auge seines Herrn. Das hier in zwei Bitten zusammengefasst: a)
sollte unser Leben entsprechend prägen. die Bitte um Einsicht ... (siehe Vers 170).

Zitat: (Vers 170): „Lass mein Flehen vor dich


„Er (der Psalmist) erkennt den Widerstand kommen ; errette mich nach deiner
gegen Gottes Wort bei den Großen dieser Zusage!“
Erde. Dazu hatten die Fürsten ihn ohne ... und b) die Bitte um Errettung.
Ursache verfolgt, aber sein Herz ist mit
Ehrfurcht ergriffen von dem Wort, durch (Vers 171): „Meine Lippen sollen dein Lob
das Gott selbst zu seinem Gewissen hervorströmen lassen, wenn du mich deine
geredet hat. Auch hat sein Herz darauf Satzungen gelehrt hast (1).“
geantwortet, so dass dieses Wort für ihn (1) oder: weil du mich ... lehrst
wie die reiche und vielfältige Beute des Auch du darfst, wie der Psalmist, in die
Soldaten geworden ist. Aber mehr noch: Gegenwart Gottes treten mit Lob …
Auch sein moralisches Werturteil wird
dadurch geprägt. Es ist die Heiligkeit der (Vers 172): „Meine Zunge soll laut reden
Wahrheit, die ihn anzieht. Deshalb hasst er von deinem Wort, denn alle deine Gebote
alle Falschheit, die auch das Wort hasst“ sind Gerechtigkeit.“
(F.W. Grant). ... und dann auch vor den Menschen von
deinem Herrn reden.

IV Anhang (Vers 173): „Lass deine Hand (1) mir


zu Hilfe kommen! Denn ich habe deine
22. Das Wort – die Quelle für das Vorschriften erwählt.“
Gebet des Überrestes (V.169-176) (1) Jes. 41,10

14
Bibelstudium – Psalm 119

Wer die eigene Hand im Gehorsam unter wieder ins Mittel getreten wäre. Früher,
Gottes Wort betätigt, kann mit Freimütigkeit ehe ich gedemütigt war (V. 67), ehe du
die Hand Gottes zu Hilfe rufen in seiner mich völlig deine Rechte gelehrt hattest (V.
Not. 71), ging ich in der Irre. Ich wich ab von
den sittlichen Forderungen deines Wortes,
(Vers 174): „Ich sehne mich nach deiner von seinen Wahrheitslehren und auch
Rettung (1), HERR; und dein Gesetz ist von dem, was du mir schon an herrlichen
meine Wonne.“ Gnadenerfahrungen zu schmecken
(1) Vers 166 gegeben hattest. Ich verlor den rechten
Nennt die erste Vershälfte uns den Weg und ging irre in der Wüste. Aber
Gegenstand der Sehnsucht des selbst jetzt, wo ich so lange schon unter
Psalmisten, so zeigt uns die zweite Hälfte deinem treuen Hirtenstabe stehe, bin ich
den Gegenstand seiner Freude in der nur zu leicht geneigt, abzuweichen und
Gegenwart. so mich in meinen eigenen Wegen zu
verlieren; ja wie manchmal habe ich, ehe
(Vers 175): „Lass meine Seele leben (1), ich mich versehe, schon einen Fehltritt
und sie wird dich loben (2); und deine getan und bin nie sicher davor, in die Irre
Rechte mögen mir helfen!“ zu schweifen; darum, HERR, habe acht
(1) Jes 38,18-20; auf mich und bringe mich immer wieder
(2) oder: dass sie dich lobe zurecht! Du kennst mich besser, als ich
„Es ist ein tröstliches Bewusstsein, dass selbst mich kenne, und siehst alle meine
wir inmitten der Anfechtungen und Stürme Wege; bin ich verirrt, so suche wie ein
dieser Welt, die die Frommen bedrohen, verlorenes Schaf deinen Knecht“ (C.H.
unsere Augen zu den Rechten, den Spurgeon).
Gerichten Gottes erheben und bei ihnen
Schutz finden können“ (Calvin). 2) prophetische Auslegung:
„Beim letzten Abschnitt dieses langen und
(Vers 176): „Ich bin umhergeirrt wie wichtigen Psalms angelangt, wollen wir
ein verlorenes Schaf (1); suche deinen versuchen, die Absicht des Geistes Gottes
Knecht, denn ich habe deine Gebote nicht zu überblicken, der dem Psalmisten diese
vergessen (2).“ Worte eingab. Wenn auch Israel sich verirrt
(1) Jes 53,6; 1. Pet 2,25 hat, so bleibt sein Herz doch dem Gesetz
(2) Tipp: Wie oft sagt der Psalmist in seines Gottes zugeneigt. Die endgültige
diesem Psalm, dass er Gottes Wort „nicht Befreiung von Seiten des HERRN hat noch
vergessen“ hat? nicht stattgefunden, aber das Volk wird
Ja, der Herr führt seinen irrenden Knecht innerlich durch die schwere Trübsal, die es
zurück. Doch, wenn wir vom letzten Vers durchkosten muss, wiederhergestellt. Der
dieses Psalms noch mal zum ersten Weg für Gott ist somit offen, sich weiter mit
zurückkehren, so ist es glückselig, demselben zu beschäftigen und es den
sich durch Gottes Wort vor Abweichen Segen unter der Herrschaft des Christus
bewahren zu lassen. genießen zu lassen“ (P. Grobéty).

Zitat: Michael Vogelsang


1) praktische Anwendung:
„Ach, wie manchmal ist das schon
geschehen, wie oft bin ich in leichtsinnigem
Übermut meine eigenen verkehrten Wege
gegangen und wäre hoffnungslos verloren
gewesen, wenn nicht deine Gnade immer
Folge mir nach
15
!
Zu der Artikelserie über den Heiligen Die Geburtsstunde der Gemeinde
Geist erhielten wir eine Zuschrift, die wir – einmalig
aus Gründen der besseren Übersicht im
Folgenden in zwei Teile gliedern. Doch sei darauf aufmerksam gemacht,
dass der Apostel Paulus, wenn er die

?
Versammlung oder Gemeinde im Auge
Die Taufe mit dem Heiligen Geist hat, also alle wahren Christen zusammen,
– ein einmaliges Ereignis? von Taufen mit dem Heiligen Geist schreibt
(vgl. 1. Kor 12,13). Am Pfingsttag (Apg 2,1–
Liebe Brüder der Redaktion, 4) sind die Gläubigen, die persönlich oder
individuell den Geist bekamen, kollektiv-
mit der Taufe mit dem Heiligen Geist korporativ mit dem Heiligen Geist getauft
beschäftige ich mich schon längere Zeit, wurden, und zwar zu einem Leib (vgl. den
und habe mich deswegen auch mit der Wortlaut von 1. Kor 12,13), und daher
Pfingstbewegung auseinander gesetzt. war der Pfingsttag die Geburtsstunde der
Zunächst aber der Satzteil: „Einmaliges Versammlung oder Gemeinde, und dieses
Ereignis“: Ich lese in der Bibel gerne und gemeinsame Geschehen bezeichnet der
viel. In der Apostelgeschichte, Kap. 10, Apostel als „Taufe“ mit dem Heiligen Geist.
fällt mir auf, dass Petrus dort sagt: „die den Wie jede Geburt ein einmaliges Ereignis ist,
Heiligen Geist empfangen haben gleichwie so ist auch die „Geburt“ der Gemeinde nur
auch wir“. Und Hebräer 13,8 sagt: „Jesus einmal erfolgt – eben durch die Taufe mit
Christus gestern und heute und derselbe dem Heiligen Geist am Pfingsttag. Wenn
auch in Ewigkeit“. Letzteres heißt doch: sich nun heute Menschen bekehren und
Jesus hat getauft – und Er tauft auch den Heiligen Geist empfangen, ist das im
weiterhin mit Heiligem Geist, nach obiger Sinn des Neuen Testaments keine neue
Aussage ... G. B. Geistestaufe. Der Leib wird nicht immer
neu gebildet. Das Hinzufügen Einzelner
Es ist völlig zweifelsfrei, dass jeder Mensch, zum Leib Christi wird daher in der Schrift
der in Buße zu Gott kommt und dem nicht „Taufe mit dem Heiligen Geist“

!
Evangelium des Heils in dem Herrn Jesus genannt, sondern „Versiegelung“, Erhalt
Christus von Herzen glaubt, den Heiligen eines „Unterpfands“ und „Salbung“ (2. Kor
Geist empfängt, „versiegelt“ wird (Eph 1,21–22; Eph 1,13.14; 4,30; 1. Joh 2,20).
1,13); und das ist im Neuen Testament ohne Dass der Herr Jesus Christus „derselbe
Frage kein nur „einmaliges“ Ereignis. Viele gestern und heute und in Ewigkeit“ ist (Heb
Beispiele in der Apostelgeschichte geben 13,8), steht diesen Ausführungen durchaus
davon Zeugnis, auch aus den Briefen ergibt nicht entgegen.
sich das. Immer wieder kamen Menschen Klaus Sander
zum Glauben und empfingen den Heiligen
Geist. Das war in dem Beitrag auch zum
Ausdruck gekommen. Ich darf noch einmal

?
auf Teil 2 dieser Aufsatzreihe Bezug nehmen Sprachenreden – heute noch?
(vgl. FMN 6/2004, S. 30 ff.). Ebenso sei
darauf hingewiesen, dass unmittelbar an die Bruder Klaus Sander sagt in seinem Vortrag
von Bruder B. herausgegriffene Textstelle auf Seite 33: „Reden in Sprachen gibt es
unmissverständlich von der „individuellen heute nicht mehr“ und „beweist“ dies mit
Wohnungsnahme des Heiligen Geistes“ 1. Korinther 13,8. Das aber widerspricht dem,
die Rede ist. Unserem Bruder ist völlig was ich gelesen habe aus mir in die Hände
beizupflichten, wenn er betont, dass man gekommenen pfingstlerischen Zeitschriften.
insofern nicht von einem „einmaligen“ (Die dort und in zwei beigefügten Berichten
Geschehen sprechen kann. aus alten Kalenderblättern) sagen aus, dass

16
Post von Euch

!!
es „Reden in Sprachen“ auch noch heute Jesus Christus ewig derselbe – gibt
gibt, siehe Hebräer 13,8. Wer mit Jesus Er deshalb heute noch die Gabe des
redet – im ernstlichen Gebet – der wird Sprachenredens?
aufgeklärt. Die Aufklärung suche ich vor
Jesus. G. B. Br. B. verweist in diesem Zusammenhang
auf die Bibelstelle Hebräer 13,8. Damit will
Es ist gut, dass der Leser die Aufklärung er anscheinend zum Ausdruck bringen, dass
seines Problems bei dem Herrn sucht der Herr in apostolischer Zeit die Gabe des
– und dieser Herr gibt uns durch sein Wort Redens in Sprachen geschenkt habe und,
ein festes Fundament auch in dieser Frage. da Er ja derselbe gestern und heute und in
Jedoch kann ich die Meinung des Lesers Ewigkeit ist, Er auch in späterer Zeit in der
in diesem Punkt nicht teilen. Wenn Gott gleichen Weise gewirkt habe. Beinhaltet eine
in seinem Wort mir eindeutig sagt, dass solche Argumentation nicht die Gefahr, eine
Sprachen aufhören1 werden (1. Kor 13,8), klare und eindeutige Bibelstelle gegenüber
und zwar im Unterschied zur Weissagung einer anderen auszuspielen? Man kann
und zur Erkenntnis, die weggetan werden, doch nicht an der Tatsache vorbeigehen,
dann glaube ich Ihm das vorbehaltlos. dass manches, was der Herr Jesus zum
Wenn Menschen dann das Gegenteil Beispiel einst seinen jüdischen Jüngern
behaupten, kann ich das nicht akzeptieren. gebot, in der jetzigen Gnadenzeit nicht
Menschen erklären dann etwas, was objektiv mehr gelten kann. Gewiss wird Br. B. mit
unwahr ist, auch wenn sie subjektiv von der mir einer Meinung sein, dass z.B. die Worte
Wahrheit ihrer Behauptung fest überzeugt des Herrn an seine Jünger, nicht auf einen
sein mögen und sogar in einschlägigen Weg der Nationen zu gehen (Mt 10,5), nur
christlichen Zeitschriften oder Kalendern für die damalige Zeit bestimmt waren, nicht
darüber berichten. Weiter sollte man nie aber für die heutige Gnadenzeit. Oder sollte
übersehen, dass auch Satan in Gestalt wegen Hebräer 13,8 etwas anderes gelten?
eines Engels des Lichts auftreten kann, um In seiner Person, in seinem Wesen ist der
uns gläubige Christen zu täuschen (2. Kor Herr stets „derselbe“3, aber seine Wege
11,14.15; vgl. auch 2. Thes 2,9–11). Selbst und Handlungen mit den Menschen sind
das heidnische (!) Altertum kannte schon keineswegs immer „dieselben“! Bezogen
das Reden in Sprachen, und das waren auf 1. Korinther 13,8 heißt das, dass das
ohne Frage Erscheinungen dämonischen Reden in Sprachen jetzt nicht mehr existiert,
Ursprungs, d.h. von „unten“! Zu bedenken obwohl es diese Gabe in der Frühzeit des
ist ferner, dass in den Schriften der Christentums gegeben hat.
sogenannten Kirchenväter der ersten drei Klaus Sander.
bis vier Jahrhunderte der christlichen
Ära sich keine Hinweise darauf finden, Dem interessierten Leser empfehlen wir
dass das Reden in Sprachen die ersten zum weiteren Nachforschen die Arbeit
Jahrzehnte des Christentums überdauert von Arend Remmers: „Geistesgaben oder
hätte. Nur Eusebius (ca. 260–339) macht Schwärmerei?“ (76 S., € 1,90), die beim
eine Aussage über das „Zungenreden“, Herausgeber von „Folge mir nach“ bezogen
und zwar bezeichnenderweise in seiner werden kann.
Beschreibung der Tätigkeit eines Irrlehrers2.
Die Wahrheit der Aussage in 1. Kor 13,8
wird also durch die Kirchengeschichte
ausdrücklich bestätigt.
1
Das benutzte griechische Wort bedeutet „abklingen“, „zur Ruhe kommen“ (so die Bemerkung in der Elberfelder
Übersetzung 2003).
2
Vgl. Arend Remmers, Geistesgaben oder Schwärmerei?, S. 42
3
Und davon spricht Hebräer 13,8!
Folge mir nach
17
Pinnwand

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Folge mir nach


18 19
Wachsen – im
Gleichschritt?

P aulus, der große Apostel, wollte


zeitlebens nicht aufhören, weiter
im Glauben und der Erkenntnis
des Herrn Jesus zu wachsen. Dabei
wurden ihm viele Dinge im Vergleich
zu dem großen Preis vor ihm, Chris-
tus, ganz nebensächlich. Und er riss
bestimmt viele mit in diesem Jagen nach dem Ziel, wie er es im Philip-
perbrief beschreibt. Aber verlangte er von allen die gleiche Glaubens-
stufe? Ein bemerkenswert aktueller Aufsatz aus alter Zeit über Philipper
3,15-17 gibt uns hierauf eine motivierende Antwort, auch wenn wir noch
nicht alle innerlich so gereift sind wie Paulus.

Verschiedene Wachstumsstufen und übereinstimmend selbst in Detail-


unter Christen – sofort egalisieren? punkten.

Hier in Philipper 3 wird eine Sache Würde dies das Herz befriedigen? Würde es
erwähnt, die wir beachten sollten. Wir ein richtiges Zeugnis in Bezug auf die Wege
finden verschiedene Herzenszustände, und Gottes gegenüber seinen Kindern abgeben?
dabei machen die Kinder Gottes keineswegs Ich wage nicht, so etwas zu denken.
die gleichen Wachstums-Schritte. Welches
große Prinzip sollte uns dann leiten? Es ist kostbar, wenn Gott Seelen durch
Prüfen des geistlichen Urteils unter der
Stellen wir uns eine Gruppe von zusam- Leitung des Heiligen Geistes dahin bringt,
menkommenden Gläubigen vor, alle des- Gleiches zu empfinden. Aber wenn Gleich-
selben Sinnes, jeder von ihnen erzogen, heit das Ergebnis eines Einhämmerns einer
exakt gleich zu denken, anfangend von Lehre in die Köpfe der Leute ist, und durch
der Taufe mit Wasser bis hin zum Wie- Regeln und Steuerungen erfolgt, wodurch
derkommen des Herrn und dem Reich die Gedanken in Monotonie gezwängt
des Christus; ihre Gedanken sind eins werden - gibt es etwas Elenderes?

20
Wachsen – im Gleichschritt?

Ist unser Maßstab für andere in Christus geworden ist. Dies geschieht
verbindlich? dadurch, dass wir Christus in der Herrlichkeit
als das persönliche Objekt unserer Herzen
Der Apostel legt hier die einzige göttliche vor uns haben.
Regel in solchen Fällen dar. Wir haben es mit
Verhältnissen zu tun, in denen eine große
Verschiedenheit von Haltungen existiert. Konformität in allen Details des
Im Himmel werden wir erkennen, wie wir Alltags?
erkannt worden sind (1. Kor 13,12); aber
es geht darum, wie wir uns hier auf der Was geschieht nun, wenn andere Kinder
Erde diesen Dingen gegenüber zu verhalten Gottes noch in Schwierigkeiten und Zweifeln
haben. Es ist ein natürlicher Wunsch, dass sind, die den praktischen Weg als Christen
alle zunehmen und heranwachsen zu einer betreffen? Sollen wir sie dahin bringen, ein-
gewissen Höhe des Maßes des Christus fach unsere Empfindungen und Beurteilun-
(vgl. Eph 4,13). Aber neigen wir nicht dazu, gen hierüber zu übernehmen? Mit Sicherheit
das Maß des Christus mit unserer eigenen nicht! Das wäre ein echter Schaden, es sei
Vorstellung davon zu verwechseln? Zu denn, dass die Heiligen durch die Kraft des
wünschen, dass die Leute unsere Gedanken Heiligen Geistes zu einer besseren Wert-
haben? Dagegen müssen wir wachsam sein; schätzung Christi kämen.
und die richtige Korrekturweise wird hier
vorgestellt. Es geht hier nicht um solche Punkte des
Glaubens oder der Praxis, bei denen
Noch nicht am Ziel – aber Unterschiede ausgeschlossen sind, wie zum
dennoch erwachsen Beispiel die Herrlichkeit des Herrn, oder
Sünde, oder wenn moralisch Böses an den
„So viele nun vollkommen sind, lasst uns Tisch des Herrn gebracht wird. Dinge dieser
also gesinnt sein“ (Vers 15). Paulus spricht Art können nicht nur Weise und Erwachsene
von sich selbst und auch von anderen als sol- im Glauben beurteilen, sondern auch die
chen, die vollkommen sind; aber das ist kein Babys.
Gegensatz zum dem vorher Gesagten. Wenn
er in Vers 12 für sich selbst verneint, den
Preis bereits erhalten zu haben und vollendet
zu sein, so meinte er damit, noch nicht aus
dem Glaubenskampf heraus in die Welt der
Auferstehung gekommen zu sein. Aber wenn
er hier ermahnt „so viele aber vollkommen
sind“, so denkt er an die Erwachsenen im
Glauben, gründlich fundiert in der christli-
chen Stellung, die in diese eingehen durch
Glauben und geistliche Einsicht.

Es meint einen Christen, der kein Baby mehr


ist, sondern erwachsen; natürlich nicht in
dem Sinn, dass er seinen Lauf total beendet
hat, denn dies ist erst in der Auferstehung Hier dagegen geht es um Dinge, die manche
der Fall, sondern jemand, der ein Mann Heiligen spüren und andere gerade nicht.

Folge mir nach


21
Wachsen – im Gleichschritt?

Das mögen praktische oder lehrmäßige Gott setzt Christus als Standard für alles.
Fragen sein, wie z.B. die besondere Weise, Alles andere versagt. Warum sollten wir auch
in der Kinder erzogen werden sollten, oder so streng und in Hast etwas aufdrücken?
der Lebensstil, die Einrichtung oder die „Wenn ihr etwas anders gesinnt seid, so
Wohnung. wird euch Gott auch dies offenbaren“(Vers
15b). Es gibt also keinen Grund, ängstlich
zu sein. „Doch wozu wir gelangt sind, lasst
Tempo und „Motor“ bei uns in denselben Fußstapfen wandeln“ (Vers
Fortschritten im Glaubensleben 16). So weit, wie wir zusammen mit Christus
beschäftigt sind und seinen Willen sehen, ist
Dort muss man sich damit begnügen, die es von großer Wichtigkeit, auch gemeinsam
heiligen Grundsätze Gottes herauszustel- zu wandeln.
len, und nicht zu schnell
unterstellen, dass unser Dennoch: Vorbild
eigener Maßstab der- für einander sein!
jenige ist, dem sich alle
Kinder Gottes oder sein Aber der Apostel geht
Haus anpassen sollte. noch weiter; er bezieht
Gott wacht darüber, dass sich auf sein eigenes
Er das Formen seiner Hei- Vorbild und stellt die-
ligen selbst vornimmt. jenigen als Warnung
hin, die einst als Brüder
Ein gutes Beispiel ist wert- erkannt wurden (Vers
voll, und wir können nicht 17.18). Ist es nötig,
wachsam genug sein in darauf hinzuweisen,
Bezug auf die Wege, dass es nicht fleischlich
die wir uns erlauben. vom Apostel war, so
Aber wenn das getan ist, von sich zu sprechen?
müssen die anderen Kinder Gottes das selbst Der Apostel war so vollständig über die
gewissenhaft anhand seines Wortes prüfen. Gedanken der Menschen erhaben, er war
In diesen Dingen müssen wir geduldig sein sich so völlig der Kraft Gottes in Christus
und auf das Handeln Gottes warten, wie Er bewusst, dass gerade das in ihm die Energie
durch seine eigene Wahrheit an den Herzen des Geistes veranschaulichte.
seiner Heiligen wirkt.
Der Heilige Geist leitete ihn, so zu sprechen.
Wir mögen von der Wahrheit Gottes vorstel- Deshalb fordert er sie auf, zusammen seine
len, was wir können, um das Herz zu beein- Nachahmer zu sein und die zu beachten, die
flussen; aber in Bezug auf solche Punkte sich ihn zum Vorbild nahmen (Vers 17).
können durch niemanden absolute Regeln
aufgestellt werden. Man hat oft Personen
gekannt, die mit einer bestimmten Idee W. Kelly, Anmerkungen zum Philipperbrief,
begannen, die sie beherrschte und mit der übersetzt aus: The Bible Treasury (1865),
sie eifrig andere zu beherrschen suchten. Wie Band 5, S. 343.344 (Zwischenüberschriften
lange hielt das stand? In genau der Sache, vom Übersetzer)
derer sie sich rühmten, sind sie manchmal
gestürzt.

22
Wachsen im Glaubensleben – wie geht das?

Wachsen im Glaubensleben
– wie geht das?

W er möchte nicht gerne (endlich oder endlich wieder) Fortschritte


im Glaubensleben machen? Und doch hapert es daran nicht selten. Das
Hohelied (oder Lied der Lieder) gibt uns für dieses Problem – in alttesta-
mentlicher Bildersprache – eine Lösung. Im Hohenlied wird die Bezie-
hung zwischen einer jungen Frau und ihrem Geliebten beschrieben. Mit
Höhen und Tiefen. Und Vertiefung. Aus Liebe entstanden, und in Liebe
vertieft: so soll auch unser Verhältnis zum Herrn sein. Folge: Wachstum
auch im täglichen Glaubensleben. Neugierig geworden? Weiterlesen
erwünscht ...

1. Schritt: „Mein Geliebter ist Die zweite Hälfte dieser Aussage zeigt, dass
mein, und ich bin sein“ (Hld 2,16) ich auch sein bin. Ich bin sein Eigentum,
ich bin
In dem Moment unserer Bekehrung haben
wir einen unvorstellbar großen Schatz erkauft um einen hohen Preis
gewonnen. Wir dürfen dann sagen: Der (1. Kor 6,20),
Herr Jesus (im Hohenlied als Geliebter für Gott erkauft durch sein Blut
bezeichnet) ist mein. Er ist (Off 5,9),
Gott hat mich erworben durch das Blut
mein Erlöser (Hiob 19,25; Ps 19,15) seines Eigenen (Apg 20,28).
mein Erretter (2. Sam 22,2; Ps 144,2)
mein Herr (Joh 20,13.28; Phil 3,8) Was für ein ein hoher Preis musste gezahlt
mein Hirte (Ps 23,1). werden, damit ich verdammungswürdiger
Sünder errettet werden konnte! So nach
Diese innigen Beziehungen können wir und nach dürfen wir erkennen, immer
fortsetzen, jeder kann für sich selbst weiter mehr erkennen, dass wir sein sind, sein
überlegen, was ihm der Herr bedeutet. Wie Eigentum.
schön, dass wir sagen können: Er ist mein.
An dieser Beziehung wollen wir auch unser „Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“
ganzes Leben hindurch festhalten. Diese (1. Joh 4,19), so lesen wir von der Liebe
Beziehung ist nicht an ein bestimmtes Alter Gottes. Ja, wir lieben, und dabei lieben wir
geknüpft. Wir wollen, soviel an uns liegt, auch unseren Herrn und erkennen auch
niemandem und nichts erlauben, diese eine Steigerung in Bezug auf diese Liebe.
Beziehung zu stören. Lasst uns nie verges- Je mehr wir unsere Liebe und Beziehung zu
sen: Mein Geliebter ist mein. Ihm erkennen, desto mehr sehen wir, dass
Folge mir nach
23
seine Liebe zu uns eher da war. Bevor wir
überhaupt daran dachten, Ihn zu lieben,
hat Er dich und mich gesehen und geliebt
und sich selbst für uns hingegeben (Gal
2,20; Eph 5,2.25) am Kreuz von Golgatha.
Dort am Kreuz hat Er meine und deine
Stelle im Gericht Gottes eingenommen.
Dort ist Er ein Fluch für mich geworden
(Gal 3,13), dort trug Er die Strafe zu unse-
rem Frieden (Jes 53,5), dort ist Er mein
Stellvertreter geworden. Dafür darf ich
Ihm immer dankbar sein, darf Ihn loben
und preisen für diese unendlich große
Liebestat. Verlorenen vor Augen zu haben? Wo hat
er mich hergeholt? Wir waren alle, ohne
Seine Liebe war aber nicht nur vor unserer Ausnahme (!)
Liebe da, wir dürfen auch immer mehr ungerecht,
erkennen, dass seine Liebe zu uns wesent- unverständig,
lich größer ist als unsere Liebe zu Ihm. Das nicht auf der Suche nach Gott,
spornt uns an, Ihn mehr zu lieben. abgewichen von dem rechten Weg,
untauglich, Gott zu nahen,
keiner von uns tat das Gute (Röm 3).
2. Schritt: Ich bin meines
Geliebten; und mein Geliebter ist Sehen wir nicht mehr und mehr, wo der
mein (Hld 6,3) Herr uns herausgeholt hat? Darf uns diese
so große Liebe nicht Kraft und Ermunterung
Während in der ersten Feststellung der sein?
Schwerpunkt auf der Tatsache liegt, dass
der Herr jetzt uns gehört, liegt hier der Der Schreiber des Johannesevangeliums,
Akzent auf der Aussage, dass wir dem Johannes, nennt sich selbst nie mit seinem
Herrn gehören. Er besitzt uns, weil Er uns Namen, aber er spricht mehrfach von dem
durch sein Blut erworben hat. Das ist echtes Jünger, welchen Jesus liebte (13,23; 19,26;
Wachstum in der Gemeinschaft zwischen 20,2; 21,7; 21,20). Damit meint er sich
dem Herrn und uns: zu erkennen, dass ich selbst, er hatte das Wort aus dem Hohenlied
Ihm gehöre, dass Er etwas von mir genießen verstanden: ich bin meines Geliebten.
kann (will)!
Du und ich, die wir in der Nachfolge des
Je mehr wir uns mit dem Herrn Jesus Herrn stehen, dürfen auch daran festhalten.
beschäftigen, und das ist das eigentliche Wie groß ist doch seine Liebe, seine Gnade
Ziel auch dieser kurzen Betrachtung, umso gegen uns. Diese Gnade wollen wir nie ver-
mehr vertieft sich dieser Gedanke, dass gessen (Eph 2), damit wir nicht hochmütig
Er mich liebt. Mehr und mehr tritt in den oder übermütig werden. Und doch wollen
Hintergrund, was ich an Ihm habe, dass wir auch daran denken: Ich bin meines
Er mein ist. Nicht, dass wir das vergessen Geliebten. Ich gehöre dem, der sich selbst für
sollten, aber ist es nicht kostbar, seine Liebe mich hingegeben hat. Der, der sich selbst
zu mir, seine Beziehungen zu einem ehemals für uns hingegeben hat, tat dies auch, um

24
Wachsen im Glaubensleben – wie geht das?

sich selbst ein Eigentumsvolk zu reinigen (Tit terführen. Wir werden zu Ihm hinwachsen.
2,14). Er wollte uns für sich selbst besitzen, Vielleicht für uns unmerklich, aber wohl für
als sein Eigentum, und Er möchte gerne andere – wie bei Mose.
Freude an seinem Besitz haben ...
Das Sehnen in Vollendung – ewiges
Glück vor Ihm
3. Schritt: Ich bin meines
Geliebten, und nach mir ist sein Darüber hinaus haben wir noch eine andere
Verlangen (Hld 7,11) Seite, sein Verlangen geht noch weiter. Er
will, dass wir ganz bei Ihm sind. Er sehnt
Immer noch weiß sich die Braut im Besitz diesen Augenblick herbei, viel mehr als wir,
ihres Geliebten. Aber sie lernt jetzt dazu: Er wo wir entrückt werden, Ihm entgegen, um
hat Interesse an mir, er sehnt sich nach mir! dann allezeit bei Ihm zu sein (1. Thes 4,17).
Was ist das doch für eine große und herr- Das ist sein Verlangen. Dann sind wir bei
liche Aussage! Nach mir ist sein Verlangen. Ihm und werden Ihn sehen, wie Er ist (1.
Nicht nur, dass er mich besitzt, nein auch Joh 3,2). Dann gibt es nichts mehr, was
sein Verlangen ist nach mir. Ihn verlangt uns von Ihm trennt, dann suchen wir keine
nach uns. Er, der schon heute besorgt um Ausreden mehr, warum wir so wenig Zeit
uns ist, dem so viel an uns liegt (1. Pet 5,7), für Ihn haben.
will, dass wir bei Ihm sind: „Vater, ich will,
dass die, die du mir gegeben hast, auch Wie schwach ist doch oft unser Verlangen,
bei mir seien, wo ich bin, damit sie meine bei Ihm zu sein, im Vergleich zu seinem Ver-
Herrlichkeit schauen.“ (Joh 17,24) langen, uns bei sich zu haben. Es ist keiner
Schwankung unterworfen, nein, immer
Sein Sehnen nach uns bewirkt Wach- gleich. Wie viele Dinge dagegen verdrängen
sen zu Ihm hin täglich den Herrn und auch die Erwartung
seines Kommens aus unserem Leben. Bei
Vielleicht dürfen wir an zweierlei Verlangen jedem ist es etwas anderes, Dinge, die oft im
denken. Zum einen will der Herr, dass wir Grunde genommen gar nicht böse sind, die
uns heute in seiner Nähe aufhalten, uns von uns aber den Blick auf den Herrn verbauen,
Ihm führen lassen, uns von Ihm ernähren, uns die Zeit für Ihn und die Freude an unse-
uns mit Ihm beschäftigen, ja einfach in rem Herrn rauben. Doch Er ist treu, Er lässt
seiner Abhängigkeit unseren Glaubensweg und verlässt uns nicht und sein Verlangen ist
gehen. Ohne Einschränkung. Sollten wir nach dir und mir. Ist das nicht groß?
das nicht vermehrt tun? Sollten wir nicht
mehr Zeit für Ihn haben?! Er wird dies nicht Übrigens, diese Hoffnung auf Ihn hat eine
ohne Belohnung lassen. Wie werden doch herrliche Folge für unser Alltagsleben:
unsere Herzen glücklich, wenn wir uns mit „Jeder, der diese Hoffnung zu ihm hat,
Ihm befassen, wenn wir sein Wort lesen und reinigt sich selbst“ (1. Joh 3,3). Ist das nicht
darüber nachdenken. Wird es nicht unser ein attraktiver Nebeneffekt dieser Lebens-
praktisches Leben positiv verändern? Sein einstellung: Rein zu bleiben in einer alles
Verlangen ist nach mir, heute schon. Wenn anderen als reinen Umgebung?!
wir ein wenig begriffen haben, dass es dem
Herrn sowohl um unsere, aber eben auch Michael Simmer
um seine Freude an uns geht, wird das unser
Glaubensleben, unsere Lebensführung wei-

Folge mir nach


25
Der Weg – was die Bibel
dafür sagt

I n der Bibel wird das Wort „Weg“ für


verschiedene Sachverhalte verwendet
– wie so oft bei bestimmten Begrif-
fen, die mehr als einmal in der Bibel
vorkommen.

Wir finden einmal den ganz natürlichen essen gibt und Kleider anzuziehen, und ich
Begriff des Weges von einem Ort A nach in Frieden zurückkehre zum Hause meines
einem Ort B. Gottes Wort zeigt uns auch, Vaters, so soll der HERR mein Gott sein“( 1.
dass Gott den Weg – den Lebensweg Mo 28,20-21). Dabei hatte er nicht nur den
– eines jeden Menschen leiten will, um Weg nach Haran im Sinn, sonder sein weite-
ihn in seine Nähe zu bringen. Sie spricht res Leben – seinen Lebensweg. In derselben
in diesem Zusammenhang auch von den Weise können wir dieses Wort begreifen z. B
Wegen Gottes, die er mit den Menschen in 1. Könige 2,4 oder Psalm 37,5.
geht, damit sie den rechten Weg finden. Ein In Lukas 10 wird uns berichtet: „Ein gewisser
Aspekt der Wege, die Menschen gehen, ist Mensch ging von Jerusalem nach Jericho
der Glaubensweg. In dieser Hinsicht werden hinab“. Da wird uns beschrieben, dass ein
uns die Gedanken Gottes vorgestellt, wie wir Mensch von Ort A nach Ort B geht. Gott will
Ihm nachfolgen und dienen sollen. Dabei uns aber mit dieser Beschreibung viel mehr
können wir auch wieder eine Unterteilung deutlich machen. Da ist ein Mensch, der auf
machen, was den Weg des einzelnen Gläu- seinem Lebensweg aus der Nähe Gottes weg
bigen und was den gemeinsamen Weg der geht. Sein Ziel ist ein Ort des Todes. Der Weg
Gläubigen an einem Ort bzw. der Gläubigen geht abwärts und so kommt dieser Mensch
insgesamt (den so genannten christlichen auch in Gefahr. Das ist aber nicht nach den
oder kirchlichen Weg) betrifft. Gedanken Gottes. So kommt der „barm-
Untersuchen wir einmal die Bibel nach herzige Samariter“, um ihm zu helfen. Das
dieser Fragestellung, werden wir feststellen, könnte in groben Zügen die Beschreibung
wie viel Gottes Wort über den „Weg“ zu meines und deines Lebensweges sein.
sagen hat.

Der Weg Gottes


Weg – Lebensweg
Gott hat dem Menschen von Anfang an
Als Jakob auf der Flucht vor Esau auf dem bestimmte Aufgaben im Hinblick auf seine
Weg nach Haran war, tat er ein Gelübde: Schöpfung anvertraut. Er sollte die Schöp-
„Wenn Gott mit mir ist und mich behütet auf fung bewahren und verantwortungsvoll
diesem Weg, den ich gehe, und mir Brot zu damit umgehen. Dabei hat Er dem Men-

26
Der Weg – was die Bibel dafür sagt

schen viele Freiheiten gegeben, wie er dies dass Gott nicht von Herzen die Menschen-
tun kann. Er hat diese Freiheit aber auch mit kinder plagt und betrübt (Klgl 3,33).
Verantwortung verbunden. Diese Anweisun- Bei manchen Dingen verstehen wir schon in
gen Gottes werden uns an vielen Stellen als unserem Leben, warum Gott so gehandelt
der „Weg des HERRN“ vorgestellt (z.B. 1. hat, manches werden wir erst im Himmel
Mo 18,19; 5. Mo 5,33; Ps 32,8). In diesem verstehen. Wenn wir auch Gottes Gedanken
Zusammenhang finden wir das Wort immer nicht immer begreifen, sollten wir doch,
in der Einzahl. Und das können wir auch gut ähnlich wie Mose, den Wunsch in unserem
verstehen, weil Gott unwandelbar hinsicht- Herzen haben: „Lass mich doch deinen
lich seines Ratschlusses ist, auf Grund dessen Weg wissen“ (2. Mo 33,13). Das gilt natürlich
Er in unser Leben eingreift. Bei Ihm gibt es auch für unseren Glaubensweg.
keinen Schatten von Wechsel. Dieser Bitte begegnen wir auch mehrfach in
Lesen wir in der Bibel von Wegen Gottes, den Psalmen (Ps 25,4; 86,11; 119,27).
dann geht es darum, wie Er den einen oder
anderen Menschen ganz persönlich führt.
Diese Wege sind den unterschiedlichen Der Weg der Menschen
Eigenarten des Menschen und den Situati-
onen des Lebens angepasst. Diese sind so Betrachten wir dagegen den Weg der Men-
verschieden wie nur irgendetwas. Sie beru- schen, steht dieser im krassen Gegensatz
hen aber auf dem einen Ratschluss Gottes, zum dem Weg Gottes.
dem Weg des HERRN. Wir können diese Nachdem Gott den Menschen die Verwal-
Wege oft nicht verstehen. So schreibt Asaph tung der Schöpfung auf dieser Erde anver-
in Psalm 77,20: „Im Meer ist dein Weg, traute, hat leider die Menschheit schon sehr
und deine Pfade sind in großen Wassern, bald darin versagt. Man hat sich Gedanken
und deine Fußstapfen sind nicht bekannt“. darüber gemacht, das Leben auf der Erde
Jesaja schreibt zu diesem Thema: „Denn so angenehm wie möglich zu gestalten, ohne
meine Gedanken sind nicht eure Gedan- dabei die Gedanken Gottes zu berücksich-
ken, und eure Wege sind nicht meine
Wege, spricht der HERR. Denn wie der
Himmel höher ist als die Erde, so sind
meine Wege höher als eure Wege und
meine Gedanken als eure Gedanken“
(Jes 55,8.9). Aber wir dürfen darauf
vertrauen, dass alle seine Wege recht
(oder gut) sind, weil Er ein Gott der
Treue ist und nur unser Bestes im Sinn
hat (5. Mo 32,4; 2. Sam 22,31). Das
gilt für jeden Bereich unseres Lebens.
Manchmal verstehen wir nicht, warum
uns der Lehrer immer „hintenansetzt“.
Wir fühlen uns von unserm Chef unge-
recht behandelt. Wir haben so viele
Pläne für unser Leben, und plötzlich
werden wir krank. Die Liste ließe sich
beliebig fortsetzen. Aber wir wollen die
zuvor genannte Tatsache einfach fest- tigen. Eine der ersten Stellen in der Bibel,
halten. Er meint es gut mit uns. Der Prophet wo der Weg der Menschen erwähnt wird,
Jeremia zeigt uns in seinen Klageliedern, zeigt uns, dass alles Fleisch seinen Weg auf
Folge mir nach
27
der Erde verdorben Da Gott dich und
hatte (1. Mo 6,12). mich lieb hat, wird
Ist das nicht traurig? Er u ns nicht auf
Es ist einfach not- einem verkehr ten
wendig, dass wir uns Weg gehen lassen. Er
mit den Gedanken stellt uns in diesem
Gottes über unse- Fall Hindernisse in
ren Weg ver traut den Weg. Das kann
machen. Deswe- unter Umständen
gen dürfen wir die sehr schmerzlich
Beschäftigung mit sein. Hiob klagt z.B.:
Gottes Wort nicht als „Er hat meinen Weg
Nebensache in unse- verzäunt, dass ich
rem Leben betreiben. nicht hinüber kann,
Mit unseren eigenen und auf meine Pfade
Gedanken kommen legte er Finsternis“
wir dabei nicht weit. (Hiob 19,8). Achten
Das macht uns die wir nicht auf diese
Bibel sehr deutlich. Haltsignale, lässt uns
Zweimal lesen wir in Gott unseren eige-
den Sprüchen: „Da nen Weg gehen. Das
ist ein Weg, der einem Menschen gerade ist aber immer mit Verlust verbunden (Ps
erscheint, aber sein Ende sind Wege des 106,15). Ganz ernst wird es, wenn wir in
Todes“ (Spr 14,12; 16,25; s.a. 16,2). Im Judas Vers 11 lesen: „Wehe ihnen! Denn
sie sind den Weg Kains gegangen und
haben sich für Lohn dem Irrtum Bileams
Wohlan nun, ihr, die ihr saget: hingegeben, und in dem Widerspruch
Heute oder morgen wollen wir in Korahs sind sie umgekommen.“ Kain war
die und die Stadt gehen und dort vom Angesicht Gottes hinweggegangen.
ein Jahr zubringen und Handel Das Ende Bileams und auch Korahs und
treiben und Gewinn machen; (die seiner Mitgenossen war der Tod im Gericht
ihr nicht wisst, was der morgige Gottes. Wir Gläubige wissen, dass Gott
Tag bringen wird; denn was ist euer uns nicht verdammen wird, aber diese
Leben? Ein Dampf ist es ja, der Verse zeigen uns dennoch, wie schlimm
für eine kurze Zeit sichtbar ist und es ist, eigenwillige Wege zu gehen. Ist es
dann verschwindet;) statt dass ihr aber unser Wunsch, in den Wegen unseres
sagt: Wenn der Herr will und wir Herr Jesus zu gehen, seinen Fußstapfen
leben, so werden wir auch dieses nachzufolgen, dann ist das mit Gewinn
oder jenes tun. und Freude verbunden. Das galt schon in
Jakobus 4, 13-15 der Zeit des Alten Testamentes. Und auch
heute ist es noch so.
Gegensatz zu Gott, der von Anfang das Ende
kennt, wissen wir nicht, was uns der nächste
Augenblick bringen wird. Aus diesem Grund Der Herr Jesus, der Weg
stellt uns der Apostel Jakobus vor, dass wir des Lebens
unsere Pläne Gott übergeben sollen. Wenn
Er das Signal auf „grün“ stellt, können wir Am Anfang unseres Artikel haben wir gese-
uns auf den Weg machen. hen, dass ein Mensch auf dem Weg war weg

28
Der Weg – was die Bibel dafür sagt

von Gott. Aber das wollte Gott nicht. Darum kommen sollte bzw. in welcher Weise es
hat er uns einen Weg zum Leben gegeben. Ihm dienen könnte. Wenn ein Israelit zu
Im Matthäusevangelium lesen wir von einem Ihm kommen wollte, musste er ein Opfer die
breiten und einem schmalen Weg (7,13.14). Sünden bringen. Im Licht des Neuen Testa-
Der breite Weg führt zum Verderben. Ihn mentes wissen wir, dass die damaligen Opfer
braucht man nicht zu suchen. Der schmale nur ein Erinnern an die Sünde waren, aber
Weg beginnt an einer engen Pforte, aber er dass Gott im Blick auf das Opfer des Herrn
ist der Weg, der zum Leben führt. Aus dem Jesus am Kreuz von Golgatha die vorher
Gespräch des Herrn Jesus mit den Pharisä- geschehenen Sünden dem Bußfertigen
ern erfahren wir, dass er selbst diese Pforte vergeben konnte (Röm 3,25.26). Gott hatte
ist. „Ich bin die Tür; wenn jemand durch den Priestern ganz konkrete Vorschriften für
mich eingeht, so wird er errettet werden und den Dienst in seinem Heiligtum gegeben. Sie
wird ein- und ausgehen und Weide finden“ konnten ihn nicht einfach so tun, wie sie es
(Joh 10,9). Er macht dabei unmissverständ- für richtig hielten. Ein prägnantes Beispiel
lich deutlich, dass es keinen anderen Zugang dafür finden wir in 1. Chronika 15.
gibt. Dieser Alleinanspruch bringt zwar viele Auch heute, in der Zeit des Christentums,
können wir nicht nach unserem Gutdün-
Ich liebe, die mich lieben; und die ken den Weg in der Nachfolge des Herrn
mich früh (oder eifrig) suchen, Jesus einrichten. Das gilt sowohl für die
werden mich finden. persönliche Nachfolge als auch für den
Sprüche 8,17 gemeinsamen Weg der Gläubigen. Wir
finden zwar im Wort Gottes nicht immer
Denn wer mich findet, hat das im Einzelnen aufgeschrieben, in welcher
Leben gefunden und Wohlgefallen Weise wir das tun sollen. Aber wir finden
erlangt vor dem HERRN. dort eine Reihe an Grundsätzen. Zudem
Sprüche 8,35 hat Gott allen Erlösten den Heiligen Geist
gegeben. Dieser will uns in die ganze Wahr-
Menschen auf die Barrikaden. Aber es ist heit einführen.
einfach die Wahrheit des Wortes Gottes. Manche Dinge werden uns ganz konkret
Aus dem Gespräch, das der Herr Jesus am gesagt. Insbesondere der 1. Korintherbrief
Abend vor seiner Kreuzigung mit seinen gibt uns eine ganze Reihe von Hinweisen
Jüngern auf dem Obersaal führte, erfahren über Gottes Gedanken für die Zusam-
wir noch etwas mehr darüber. Dort sagt er, menkünfte der Gläubigen. In der Apostel-
dass Er auch der Weg ist. „Niemand kommt geschichte wird uns an vielen praktischen
zum Vater als nur durch mich“ (Joh 14,6). Beispielen aus den Anfängen der Versamm-
Weil Er lebt, werden auch wir leben. lung (oder Gemeinde) gezeigt, wie wir in
Sollte einer der Leser, diesen Weg noch der heutigen Zeit gemeinsam handeln und
nicht gefunden haben, so möchte ich ihn leben sollen.
eindringlich bitten, diesen Weg zu suchen. Auch für die Art und Weise, wie wir gemein-
Aufrichtiges Suchen ist mit der Verheißung sam dem Herrn Jesus nachfolgen sollen,
verbunden, dass man diesen Weg auch finden wir in der Bibel den Ausdruck „Weg“
finden wird. – in der Apostelgeschichte sogar „Weg der
Wahrheit“.
Zum ersten Mal finden wir ihn in Apos-
Der Weg des Bekenntnisses telgeschichte 9,2. Dort können wir dem
Zusammenhang entnehmen, dass es um
Gott hatte schon im Alten Testament seinem den christlichen Weg oder den Weg des
Volk gezeigt, auf welchem Weg es zu Ihm christlichen Bekenntnisses geht. Auch an
Folge mir nach
29
Der Weg – was die Bibel dafür sagt

anderen Stellen wird der Begriff in diesem damit wir nicht mehr Unmündige sind und
Sinn verwendet (Apg 19,9.23; 22,4). von jedem Wind der Lehre hin- und herge-
Saulus, der spätere Apostel Paulus, hatte es worfen werden (Eph 4,14).
sich zum Ziel gesetzt, alle, die dem Herrn Es ist einfach wichtig zu wissen, was Gott in
Jesus nachfolgen wollten, von diesem Wege seinem Wort über den gemeinsamen Weg
abzuhalten und ins Gefängnis zu bringen. und das Zusammenkommen der Gläubigen
Später in Ephesus (Apg 19) benutzte der sagt, und dass wir nicht irgendwelchen
Teufel andere Werkzeuge, um Gläubige Gewohnheiten folgen oder bestimmte Dinge
von diesem Wege abzubringen. Leider ist tun, weil es die Geschwister schon immer
Satan auch in unserer Zeit mit viel Energie so getan haben. Dabei ist es sicher von
darum bemüht. Wenn wir den Niedergang Vorteil, wenn wir die Hilfe von Geschwistern
unter uns Christen beobachten, müssen wir in Anspruch nehmen, die Gott uns an die
feststellen, dass er dabei viel Erfolg hat. Seite gestellt hat und zu denen wir Vertrauen
Mit Freude dürfen wir aber auch feststellen, haben. Wir können uns mit ihnen austau-
dass es in Ephesus Geschwister gab, die mit schen und gemeinsam mit ihnen die Bibel
dem Weg der Wahrheit vertraut waren. Als zur Hand nehmen, um den Weg genauer
Apollos, ein aus Alexandrien stammender kennen zu lernen. In Timotheus haben wir
Jude, bei aller Sorgfalt den Geschwistern da ein wertvolles Vorbild. Er kannte von
dort den Weg des Herrn doch nicht in allem Kindheit an die heiligen Schriften. Er war
so lehrte, wie es Gott seinen Aposteln und aber auch überzeugt und gefestigt in den
Propheten offenbart hatte, waren Priscilla Gedanken Gottes über den Weg, den Gott
und Aquila in der Lage, ihm diesen Weg bestimmt hat. Er hat diese Dinge fleißig an
genauer auszulegen (Apg 19,24-28). Wollen andere weitergegeben.
wir uns nicht dadurch anspornen lassen,
„Lehre mich, HERR, den Weg
deiner Satzungen, und ich will
ihn bewahren bis ans Ende“ (Ps
119,33).

Aus dem Propheten Jesaja dürfen


wir für diesen Weg noch eine wun-
derbare Ermunterung mitnehmen:
„Und dort wird eine Straße sein
und ein Weg, und er wird der heilige
Weg genannt werden; kein Unreiner
wird darüber hinziehen, sondern er
wird für sie sein. Wer auf dem Wege
wandelt – selbst Einfältige werden
nicht irregehen“ (Kap. 35,8).

„So spricht der HERR, dein Erlö-


ser, der Heilige Israels: Ich bin der
HERR, dein Gott, der dich lehrt, zu
uns mit diesem Weg genauer auseinander tun, was dir nützt, der dich leitet auf dem
zu setzen? Unser Herr wird uns bei diesem Weg, den du gehen sollst“ (Jes 48,17).
Vorhaben nicht allein lassen. Er wird uns
Kraft geben, in diesen Dingen zu wachsen,
Rainer Möckel

30
Ermutigung gesucht!

Ermutigung gesucht!

I n der Bibel gibt es


Berichte, wie Menschen
auf bemerkenswerte
Weise andere Gläubige
ermutigt haben, Gott die Treue zu halten. In 1. Samuel 23,16
finden wir ein Beispiel: „Da machte sich Jonathan, der Sohn Sauls, auf und
ging zu David in den Wald und stärkte seine Hand in Gott.“ Ist das nur etwas
für Ältere, oder können auch Jüngere etwas daraus lernen?

Warum brauchen wir Ermutigung? enttäuscht. Oder man hat wieder einmal
festgestellt, dass man den Herrn in dieser
Obwohl David zum König gesalbt war, oder jener Sache verunehrt hat. Vielleicht
musste er sehr lange auf sein Königtum auch nicht zum ersten Mal. Dann will man
warten; er wurde von Saul sogar bitter am liebsten aufgeben und sagen: „Es hat
verfolgt. In dieser schwierigen Zeit sehen doch alles keinen Zweck!“ In dieser Situa-
wir bei David Höhen und Tiefen. Einmal tion will Gott uns zeigen, wie groß Er ist.
lesen wir sogar, dass er zu den Philistern Er kannte unsere Not, längst bevor wir uns
floh und dort Zuflucht und Sicherheit suchte an Ihn gewandt haben. Dann benutzt er oft
– bei den Feinden Gottes. Armer David! jemanden, der uns wieder Mut macht. Willst
Ein anderes Mal (1. Sam 23) setzte er sich du so jemand sein?
für die Stadt Kehila ein und befreite die
Bewohner aus der Hand der Philister. Als
Saul davon hörte, umzingelte er die Stadt. Der Mutmacher geht zum Mutlosen
Gott ließ David sagen, dass die Bewohner
von Kehila ihn an Saul ausliefern würden. Wenn jemand Ermutigung braucht, geht
Ganz knapp konnte er entkommen. Nach er selten zu einem anderen und sagt: „Ich
dieser bitteren Erfahrung war David ganz brauche jetzt eine Ermutigung, ich kann
traurig und verzagt. nicht mehr.“ Jonathan ging zu David, nicht
Auch bei uns kommen Zeiten vor, in denen umgekehrt. Und das ohne Aufforderung. Er
wir mutlos sind. Es gibt Ärger in irgendeiner erkannte die Verfassung Davids. Das ist ein
Beziehung, zwischen Freunden, mit Eltern, schönes Miteinander.
Lehrern oder dem Vorgesetzten. Menschen, Es ist gut, wenn wir ein Gespür dafür haben,
denen wir vertraut hatten, haben uns ob unser Bruder oder unsere Schwester
Folge mir nach
31
jetzt eine Ermutigung nötig hat, vielleicht in der anstehenden Führerschein-Prüfung
auch im Dienst für den Herrn. Es ist zwar nicht zu versagen, dann hilft es wenig, wenn
auch so, dass eine Ermutigung an falscher du sagst: „Das haben schon Tausende vor
Stelle unschöne Folgen haben kann (z.B. dir geschafft, das wirst du ja wohl jetzt auch
Selbstüberschätzung). Oft haben wir eine packen.“ Es hilft eher, wenn du ihm vor-
übertriebene Angst davor, aber das sollte uns stellst, dass Gott ihn in der Prüfung ruhig
nicht davon abhalten, im richtigen Moment machen und ihm einen klaren Kopf schen-
„ein Wort zu seiner Zeit“ an Verzagte zu ken kann. Du kannst ihm sagen, dass Gott es
richten – „wie gut“ (Spr 15,23)! richtig macht, egal wie es ausgeht. Und dass
Gott auf seiner Seite steht.
Zurück zu unserer Geschichte.
Jonathan richtete den Blick
Davids auf Gott selbst. Dort
kann man Kraft und Frieden
finden, für alle Aufgaben, für
alle Umstände. Paulus sagte:
„Der Herr aber stand mir bei
und stärkte mich, damit durch
mich die Predigt vollbracht
würde und alle die aus den
Nationen hören möchten; und
ich bin gerettet worden aus
dem Rachen des Löwen“ (2.
Tim 4,17). Gott sagt Paulus
nicht, dass dessen Umstände
gar nicht so schlimm seien. Er
ermutigt ihn durch die Bestätigung, dass Er
Jonathan stärkte Davids Hand bei ihm ist und ihm nichts geschieht ohne
in Gott sein Wissen und Zulassen.

Jonathan tat das einzig Richtige und stärkte


Davids Hand in Gott (1. Sam 23,16). Er Viele Möglichkeiten – nutzen
sagte David nicht: „Deine Umstände sind wir sie?
eigentlich gar nicht so schlecht. Viele wären
froh, wenn sie die Chancen hätten, wie Wir haben als Christen heute noch mehr
du sie hast, also stell dich nicht so an. Das Möglichkeiten. Wir können füreinander
bisschen Verfolgung wird dich schon nicht beten; das ermuntert ungemein, wenn
umbringen. Denk mal daran, was Joseph wir es auch einmal sagen; oder wir beten
von seinen eigenen Brüdern erleben musste miteinander. Das geht aber auch nur, wenn
...“ Leider reden wir zu oft in dieser oder wir uns einander öffnen und mitteilen.
ähnlicher Weise zu unseren Mitgeschwistern. Man kann als Freunde über Dinge reden,
Aber das ist keine Ermutigung, das ist ein die einem Schwierigkeiten machen. Hast
Verharmlosen der Schwierigkeiten, in denen du zum Beispiel Furcht vor dem Traktate-
sich der andere gerade befindet. verteilen? Sogar Paulus bittet die Epheser:
„betet ... für mich, damit mir Rede verliehen
Wenn du deinen Freund ermutigen willst, werde im Auftun meines Mundes, um mit

32
Ermutigung gesucht!

Freimütigkeit kundzutun das Geheimnis des (Röm 1,11.12). Sogar Paulus wurde getrö-
Evangeliums“ (Eph 6,19). stet durch den Glauben der anderen.

Uns geht es heute nicht anders, im Allge- So ist es auch heute. Ein Leben mit dem
meinen haben wir heute viel mehr Men- Herrn ermutigt andere, oft ganz ohne unser
schenfurcht als Paulus, der dazu – anders Wissen. Gott benutzt die Entschiedenheit
als wir- noch Grund gehabt hätte. Denn er von jungen Menschen, um andere anzuspor-
musste sogar um sein Leben fürchten. Aber nen, mit mehr Eifer für Ihn zu leben. Das
aufgrund einer solchen Angst die Hände geschieht natürlich auch dadurch, dass man
in den Schoß legen und nichts tun, wäre erkennen kann, dass ein Leben mit Gott zur
bedauerlich! Vielleicht findest du einen Freude für einen selbst ist.
Freund, der die gleiche Schwierigkeit hat.
Dann tut euch doch zusammen, denn zu Es gibt so viele schlechte Vorbilder, die leider
zweit geht es schon viel einfacher. viel zu viel nachgeahmt werden, zum Bei-
spiel die Idole aus dem Sport, der Musik und
Auch Dank ist eine Form der Ermutigung. dem Arbeitsleben dieser Welt. Es gibt aber
Wenn uns jemand jahrelang in einer auch ganz viele Gläubige, früher und heute,
bestimmten Weise gedient hat, können wir deren Glauben man nachahmen kann.
uns ruhig einmal von Herzen bedanken.
Das ist für den anderen eine große Ermu-
tigung, den Dienst, was es auch sein mag, Ermutigung – gekannte Praxis
fortzusetzen. für jeden

Ermutigung durch den Glauben, Wenn wir selbst einmal erfahren haben,
der in dem anderen ist dass eine Ermutigung zum rechten Zeitpunkt
ein Segen ist und uns Kraft gibt für den
Ein weiterer sehr interessanter Vers zeigt nächsten Schritt, sind auch wir mehr bereit,
uns, dass Paulus, der große Apostel, ermu- andere zu ermutigen. Durch das Vorbild,
tigt wurde durch den Glauben der Römer. oder durch ein Wort, dass für den Freund,
„Denn mich verlangt danach, euch zu sehen, den Bruder oder die Schwester, sehr viel
damit ich euch etwas geistliche Gnadengabe bedeuten kann.
mitteile, um euch zu befestigen, das ist aber,
um mit euch getröstet zu werden in eurer Lass dich ermutigen – zur Ermutigung für
Mitte, ein jeder durch den Glauben, der in andere!
dem anderen ist, sowohl euren als meinen“ Johannes Kogut

Denn mich verlangt danach, euch zu sehen,


damit ich euch etwas geistliche Gnadengabe mit-
teile, um euch zu befestigen, das ist aber, um
mit euch getröstet zu werden in eurer Mitte, ein
jeder durch den Glauben, der in dem anderen ist,
sowohl euren als meinen.
Römer 1,11.12
Folge mir nach
33
Leid – wozu lässt der
Herr das zu?

U nd er wandte sich von


ihnen ab und weinte. Und er
kehrte zu ihnen zurück und redete zu ihnen; und er nahm
Simeon aus ihrer Mitte und band ihn vor ihren Augen.
1. Mose 42, 24

Jahrelang hatte Joseph seine Brüder nicht Ein Bild, ...


gesehen. Doch jetzt stehen sie vor ihm.
Joseph erkennt seine Brüder sofort, die Die Brüder sehen nur die harte Behandlung,
Brüder dagegen erkennen in dem mächti- die Tage im Gefängnis und die Geiselnahme
gen Mann, der vor ihnen steht, ihren Bruder Simeons. Was sie nicht sehen, sind die im
nicht wieder, den sie Jahre zuvor als Sklave Verborgenen vergossenen Tränen des sie
nach Ägypten verkauft hatten. Joseph redet liebenden Bruders. Darin ist Joseph ein Hin-
hart mit seinen Brüdern. Wegen der Hun- weis, ein Voraus-Bild auf den Herrn Jesus,
gersnot im Land sind sie gekommen, um und zwar in doppelter Hinsicht:
Brot zu kaufen. Aber Joseph klagt sie der Der Sohn Gottes war als Mensch auf die
Spionage an. Er tut das mit den gleichen Erde gekommen, um den in Sünde gefalle-
Worten, mit denen damals seine Brüder nen und der ewigen Verdammnis entgegen
über ihn hergefallen waren, als er sich im gehenden Menschen das liebende Herz des
Auftrag seines Vaters Jakob nach dem Vaters zu offenbaren. Doch die Menschen
Wohlergehen seiner Brüder erkundigen nahmen Ihn nicht an. „Hinweg mit diesem!
wollte. Wir wollen nicht, dass dieser über uns
herrsche!“ So schrieen sie damals, bevor
Warum behandelt Joseph seine Brüder so? sie Jesus mit Hass erfüllten Herzen an das
Will er sich an ihnen rächen? Nein, Joseph Kreuz dort auf Golgatha schlugen. Und als
möchte seinen Brüdern ihre Schuld bewusst Er dann am Kreuz hing, verspotteten sie ihn:
machen, damit sie vergeben werden kann. „Andere hat er gerettet, sich selbst kann er
Die schändliche Behandlung Josephs und nicht retten. Der Christus, der König Israels,
der Betrug an ihrem Vater sollen ans Licht steige jetzt herab vom Kreuz, damit wir sehen
gebracht werden. So viele Jahre tragen sie und glauben.“ (Mk 15,31.32) Ja, der Herr
die Last ihrer Schuld mit sich herum. Der Jesus kam „in das Seine, und die Seinen
Anblick des gebrochenen Vaterherzens nahmen ihn nicht an“ (Joh 1,11). Das ent-
sollte sie täglich aufs Neue daran erinnert spricht im Leben Josephs seiner Verwerfung
haben. durch seine Brüder.

34
Leid – wozu lässt der Herr das zu?

... das nichts von seiner Aktualität Leid nicht teilnahmslos zu, sondern alle
verloren hat. seine Erbarmungen sind in Ihm erregt (Hos
11,8).
Aber so wie Josephs Bemühungen – und Wie ist es mit dir? Wie hast du bisher auf
seine Tränen – um seine Brüder hier von dieses Gnadenangebot reagiert? Vielleicht
den Brüdern nicht erkannt werden, erken- fühlst du dich sicher, weil du in einer Familie
nen viele Menschen heute den Herrn Jesus bewusster Christen aufgewachsen bist. Du
nicht, der sich in Liebe um jeden bemüht. gehst immer mit zu den Zusammenkünften
Der moderne Mensch genießt sein Leben der Gläubigen (Gemeindestunden) und
in vollen Zügen. Glauben ist nur etwas führst ein ordentliches Leben. Doch das
für Alte und ewig Gestrige. Aufgeklärte Wesentliche fehlt dir, die eigene bewusste
Menschen von heute brauchen Gott nicht. Umkehr. Dann weint der Sohn Gottes auch
Darum fragen sie auch erst gar nicht nach um dich noch Tränen, weil du noch nicht
Ihm. Doch dann trifft sie mit der Last deiner Schuld
das Unglück – eine unheil- zu Ihm gekommen bist und
bare Krankheit, Arbeitslosig- Ihn noch nicht als deinen
keit, Krieg, oder was auch Sünder-Heiland kennst.
immer. Und plötzlich ist die Aber bis heute hast du diese
Frage da: „Wie kann Gott Gelegenheit.
das zulassen?“ Der Mensch
ohne Gott sieht nur das Doch auch im Leben eines
Unglück. Was er nicht sieht, Gläubigen gibt es immer
sind die Tränen, das inner- wieder leidvolle Wegstre-
liche Bewegtsein dessen, cken. Dafür gibt es sicher
der sein Leben für verlorene verschiedenen Gründe
Sünder gegeben hat und (untersuche einmal Jako-
dieses Heil jedem anbietet bus 1,12-15). Wie sehr
– wobei das Vergießen von betrübt es unseren Herrn,
Tränen heute übertragen wenn Er uns durch leid-
gemeint ist, denn der Herr volle Er fahrungen auf
Jesus weint natürlich im ungerichtete Sünden in
Himmel nicht. Aber bis unserem Leben hinweisen
heute streckt Er auch dem vom Unglück muss. Denn als Gläubige wandeln wir
Betroffenen seine Hand entgegen und sagt: nicht nur im Licht, wir sündigen auch im
„Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen Licht. Darum lasst uns ohne Zögern zum
und Beladenen, und ich werde euch Ruhe Herrn umkehren, wenn wir gefallen sind.
geben“ (Mt 11,28). Vielleicht ist es ein harter Weg, aber es ist
der einzige Weg zum Ziel.
Das Ziel seiner verborgenen Tränen
„Siehe, zum Heil wurde mir bitteres Leid:
Das Leid, das Er die Menschen treffen lässt, Du zogst liebevoll meine Seele aus der Ver-
hat auch das große Ziel, verlorene Sünder nichtung Grube; denn alle meine Sünden
an sein liebendes Herz zu ziehen, damit hast du hinter deinen Rücken geworfen“
auch sie noch das Gnadenangebot seines (Jes 38,17).
Erlösungswerkes am Kreuz von Golgatha Stefan Busch
annehmen. Und Er selbst schaut diesem

Folge mir nach


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Rettung durch
Selbstaufgabe
„Und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle
zu mir ziehen. Dies aber sagte er, andeutend, welchen
Todes er sterben sollte“
(Johannesevangelium, Kapitel 12, Verse 32 und 33).
Ein Reisbauer in China arbeitete auf seinem Reisfeld auf einer Anhöhe in der Nähe der
Meeresküste, als ein heftiges Erdbeben das Land erschütterte. Der Bauer bemerkte, wie
sich die Wasser des Ozeans plötzlich von der normalen Uferlinie zurückzogen. Er wusste:
Das war das untrügliche Kennzeichen einer durch die Erdbewegung zu erwartenden
mächtigen Flutwelle. Sie würde alle tiefer liegenden Reisfelder, auf denen er die ah-
nungslosen Bauern arbeiten sah, überschwemmen.

Wie konnte er seine Nachbarn


vor der drohenden Gefahr war-
nen? Kurz entschlossen setzte
er seine Reisscheunen auf dem
Hügel in Brand und läutete die
Feuerglocke. Durch den Brand
und das Sturmläuten aufmerk-
sam gemacht, eilten die Reisbau-
ern ihrem bedrängten Nachbarn
zu Hilfe. Kaum waren sie auf
dem Hügel angekommen, wälz-
ten sich die Fluten des Ozeans
mit mächtigem Schwall über ihre
Felder, die sie soeben verlassen
hatten. Da erkannten sie, dass
ihr Nachbar sie durch seine
Selbstlosigkeit vor dem sicheren
Untergang bewahrt hatte. Später, nach seinem Tod, errichteten die dankbaren Bauern
ihrem Wohltäter ein Denkmal mit der Inschrift: „Er gab uns alles, was er hatte, und er
gab es gern.“

Diese Geschichte erinnert uns an den Hügel Golgatha, wo der Herr Jesus Christus „alles,
was Er hatte“, ja sein eigenes Leben, hingab, um Menschen vor den Fluten des ewigen
Gerichts zu bewahren. Jetzt ruft Gott allen Menschen zu, ihre Zuflucht zu Ihm, dem Ret-
ter, zu nehmen. Denn Christus, der Gerechte, hat dort für uns, die Ungerechten, gelitten,
um uns zu Gott zu führen (1. Petrus, Kapitel 3, Vers 18).

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