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Fo l g e m t s c h r i ft f ü r j unge C h r i s ten

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Versuc

4/2005
Folge mir nach
1
Inhalt/Impressum

Inhalt
Aus aktuellem Anlass:
Finger weg von Drogen ............................................................................... 4
Die Brücke des Zöllners ............................................................................... 8
Bibel praktisch:
Versuchungen für Christen (Teil 1) ............................................................ 10
Zu spät – oder „die gelegene Zeit auskaufen“ ............................................ 12
Post von Euch:
3 Fragen zu alttestamentlichen Begebenheiten .......................................... 16
Zum Nachdenken:
Pinnwand .................................................................................................. 18
Bibelstudium:
Der Prophet Zephanja ............................................................................... 20
Bibel praktisch:
Gesetz und Freiheit – wie passt das zusammen? ........................................ 27
Personen in der Bibel:
Der Frühaufsteher Gottes .......................................................................... 29
Achimaaz – Priestersohn und Königsbote .................................................. 32
Gute Botschaft:
Wohin geh ich eigentlich? ......................................................................... 36

Impressum
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Folge mir nach erscheint sechswöchentlich;


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land: 4,--); Musterhefte können jederzeit angefordert © R. Dietermann: 8, 9 oben, 12, 15, 28, 36
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bitte an den Herausgeber. Bibelübersetzung: Elberfelder © project photos: 35
Übersetzung Version 2003

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Das persönliche Grußwort

D ass besonders in Großstädten die Kriminalität unter Jugend-


lichen eher zu- als abnimmt, ist hinlänglich bekannt. Nun hat man
auch in Europa eine Präventivmaßnahme entdeckt, die in einigen
US-Großstädten schon länger praktiziert wird, wie folgender Meldung
zu entnehmen ist: „Straßenpastoren sorgen in der mittelenglischen
Großstadt Birmingham seit einem Jahr für mehr Sicherheit ... Die mit
blauen Jacken und Baseball-Kappen ausgestatteten Teams patrouil-
lieren an Wochenenden durch besonders gefährliche Stadtviertel.
Allein ihre Anwesenheit an sozialen Brennpunkten hat wesentlich zur
Beruhigung beigetragen ... In einigen Gegenden hat die Kriminalität
abgenommen.“

Offensichtlich haben manche Verantwortliche erkannt, dass Jugend-


kriminalität letztlich nur der Ausdruck eines tiefer sitzenden Problems
ist, auf das Politiker, Polizisten und Richter keine angemessene Antwort
haben. Scheinbar sind Christen jetzt doch wieder gefragt. Und das zu
Recht, denn sie haben die Antwort auf die Nöte einer hoffnungslosen
Generation. Ein Teil dieser Problematik ist auch das Thema Drogen.
– Kein Thema für Christen? Zwei Gründe sprechen dagegen: Erstens
sind Christen für Suchtgefahren alles andere als immun. Und zweitens
können wir vielleicht bei Betroffenen in unserem Umfeld eine Hilfe
sein. Um beide Aspekte geht es in dem Artikel in diesem Heft (S. 4).

Außer der Drogenproblematik gibt es noch andere Versuchungen. Was


sind Versuchungen? Wo kommen sie her? Dem geht ein weiterer Arti-
kel in diesem Heft nach (S. 10). Hast du nach so viel aktuellen Bezü-
gen Lust auf etwas biblisches Schwarzbrot? Wie wäre es mit Zephanja?
Wer das ist? Einer der sogenannten kleinen Propheten. Nun, das
hattest du, offen gesagt, auch schon gewusst – nicht zuletzt durch die
Streiflichter, die wir in den letzten Monaten im Heft hatten, sieh doch
noch einmal im Heft 6/2004 nach! –, aber viel mehr als der Name fällt
dir nicht dazu ein? Dann solltest du die Bibelarbeit in diesem Heft nicht
auslassen (S. 20).

Folge mir nach


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Finger weg von
Drogen!

K iffen ist in bei Jugendlichen.


An vielen Schulen gibt es inzwischen
entsprechende „Ecken“ – natürlich
nicht offiziell. Aber man muss mal
mitgemacht haben, um etwas zu gelten in der Klassenhierarchie. Was aber
mit vermeintlich leichten „Sachen“ beginnt, artet schnell aus und führt zu
einer Sucht mit erheblichen Gesundheitsschäden. Und das Christenleben
bleibt auf der Strecke!

Auf direktem Weg in die Hölle Beitrag eines hervorragenden und aner-
kannten Journalisten zu lesen, wie er sich
Muss denn dieses Thema wirklich sein? jahrelang gespritzt hat, ohne dass es seine
Wir Christen wissen doch, was sich gehört! Kollegen merkten – oder sich anmerken
Leider ist beides wahr! Wir wissen wohl alle ließen. Nach außen hin war er der Profi
sehr gut, was sich gehört. Aber leider han- – die Wirklichkeit seines Lebens war, dass
deln wir zu oft nicht danach. Und natürlich er alles andere als professionell handelte.
geht es in diesem Artikel auch nicht darum, Ein erschütterndes Zeugnis!
wieder neue Gesetze für junge oder ältere
Menschen aufzustellen. Nein, wir sind zur Auch Christen sind anfällig für das
Freiheit berufen worden! „Nur gebraucht Drogenproblem
nicht die Freiheit zu einem Anlass für das
Fleisch, sondern durch die Liebe dient ein- Wenn man im Gefängnis eine Betreuung
ander“ (Gal 5,13). von Gefangenen übernimmt, so hat man es
Es geht heute nicht um Junkies, die ihr Leben zu 80% mit Menschen zu tun, die unter 35
an Bahnhöfen verbringen und von weitem Jahre alt sind. Und zugleich sind rund 80%
schon erkennen lassen, dass die Spritze ihre der Gefangenen aufgrund von Drogende-
tägliche „Nahrung“ darstellt – auch wenn likten im Knast gelandet – wegen der soge-
sie selbst es vielleicht anders sehen. Nein, nannten Beschaffungskriminalität, oder weil
es geht jetzt um junge Menschen, die sich sie Dealer waren, häufig beides zugleich.
durch Neugier und Unachtsamkeit in Gefahr Auch sind es durchaus nicht nur Menschen,
begeben. Und es geht um solche, die unter die man im Allgemeinen als sozial schwach
ihrer Markenkleidung völlig zerstörte Venen bezeichnet. Nein, nicht selten kommen diese
verbergen. jungen Menschen aus gehobenen Verhält-
Kaum zu glauben, aber leider gibt es das. nissen, und leider sind auch mehr Gläubige
Kürzlich war in einem autobiographischen dabei, als man vermuten würde.

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Finger weg von Drogen!

Wie geht es los? Am Anfang mag man es Ratgeber für einen Christen gewesen. Wenn
„nur mal so probieren“. LSD, Haschisch es um Drogen geht, sind diese Motive hoch-
und andere Drogen werden an manchen gefährlich. Aus 1. Korinther 6,19 wissen
Schulhöfen verteilt. Und andere syntheti- wir, dass der Heilige Geist im Körper eines
sche, also zusammengesetzte Drogen, wie Gläubigen wohnt. Der Folgevers zeigt zudem
das hochgefährliche Crack machen auf den Wert unseres Körpers für Gott: „Denn
Schulfeiern, in Discos und auf sonstigen ihr seid um einen Preis erkauft worden;
Partys die Runde. Wenn dort alle zugreifen, verherrlicht nun Gott in eurem Leib.“ Der
kann es schon nicht so schlimm sein, meint Preis, den der Herr Jesus für unseren Körper
vielleicht manch einer. So schnell wird aus bezahlt hat, ist sein Leben! Er musste für uns
einem „wohlbehüteten“ Kind auf einmal sterben. Können wir da unsere Gesundheit,
ein anderer Mensch! Und wie beim Internet – nämlich den von Ihm erkauften Körper
(gemeint sind die Sex-Seiten) ist es das erste – ruinieren?

Nur ein Schritt bis zum Fall

In der heutigen Zeit ist es oft


nur ein Schritt von Reinheit zur
Unreinheit. Jahrelang wusste
beispielsweise ein junger Mann
davon, dass an einer bestimmten
Ecke Crack verkauft wurde. Seine
Freunde waren immer an einem
bestimmten Parkplatz versammelt,
um neben dem Skateboardfahren
„sich etwas zu beschaffen“. Er
wollte es nicht mit und vor ihnen
machen. Daher sparte er sich sein
Geld, um an einer anderen Ecke
zu kaufen. Drei Stunden später
„Mal“, vor dem wir uns bewahren lassen fand man seine Leiche. Gestorben war er an
sollten. Denn wenn einmal ein Kanal geöff- einer Überdosis. Die „Reinheit“ des Kokains
net worden ist, lässt er sich nur noch sehr der Droge Crack war zu hochgradig, so dass
schwer schließen. der „Schlag“ für das Herz des Jungen zu
Gruppenzwang, den man nicht unterschät- stark war.
zen sollte, und nicht selten das Problem, Wer einmal angefangen hat – ganz beson-
dass Kinder von berufstätigen Eltern den ders bei Crack, aber auch bei den meisten
Nachmittag allein zu Hause verbringen, sind anderen Drogen – der kommt nicht mehr
zwei wichtige Ursachen für Drogenkonsum. davon los. Es entsteht ein solches Abhän-
Außerdem sind besonders Kinder, die miss- gigkeitsverhältnis, dass man immer mehr
braucht worden sind, bzw. junge Menschen, braucht. Und das heißt zugleich, dass man
deren Eltern ebenfalls drogensüchtig sind immer mehr Geld nötig hat. So führt eine
oder waren, gefährdet. Sünde zur nächsten. Und man kommt in
Das mag bei Kindern gläubiger Eltern nur einen Kreislauf, dessen Ende sehr tragisch
selten der Fall sein. Aber Neugier und ein sein kann. Der Verstand wird stark beein-
„mitmachen wollen“ sind noch nie gute trächtigt, der Körper wird nach und nach

Folge mir nach


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vollständig zerstört – übrigens nicht erst, Er uns beherrscht sind wir wirklich, im tiefs-
wenn man Drogen spritzt! Sexuelle Unsitt- ten Innern glücklich. Und dann freuen wir
lichkeit, Depressionen, Selbstmordgedanken uns, so dass wir dem Herrn wirklichen Got-
und Kriminalität kommen hinzu. tesdienst bringen können. Aber das werden
Die Bibel selbst sagt naturgemäß nichts wir dann auch nicht einsam tun müssen;
direkt zu unseren heutigen Drogen. Denn nein, wir erleben echte Gemeinschaft mit
sie waren zu biblischer Zeit unbekannt. Aber anderen. Drogen isolieren, der Herr führt
das Thema Alkohol kann stellvertretend für zusammen.
das generelle Thema Drogen betrachtet
werden. Und Alkoholkonsum führt bei Wie können wir einem Abhängigen
weitem nicht so schnell zu einer Sucht, helfen?
während sie sich bei den Drogen, die wir
allgemein so bezeichnen, sofort einstellt. Nun mag es sein, dass wir die typischen
Trunkenheit wird immer wieder in der Bibel Drogen-Symptome bei einem Freund fest-
verurteilt (z.B. in Spr 20,1; 23,20; 1. Kor stellen. Dazu gehören neben den bereits
6,10; Gal 5,21). Und wenn wir von einer oben genannten der Versuch, aus der Rea-
Sache beherrscht werden, dann ist es Sünde lität des Lebens zu entfliehen, eine ständige
(vgl. 1. Kor 6,12). Isolation, eine gesteigerte Abneigung gegen
Die Bibel zeigt uns aber eine echte Alterna- die Eltern, ein zunehmender Rückgang
der schulischen Leistungen, manchmal
auch eine Hyperaktivität. Einem Drogen-
abhängigen ist jeder und alles zum Feind.
Wenn man einzelne solcher Kennzeichen
sieht, sollte man allerdings nicht sofort auf
Drogenkonsum schließen. Aber auch ein
junger Gläubiger sollte sensibel auf solche
Veränderungen reagieren. Denn wir haben
doch ein Interesse an dem Wohl unserer
Freunde. Wir arbeiten nicht als Detektive,
sondern als solche, denen der Freund etwas
wert ist.
Daher werden wir das Gespräch suchen.
Und dabei sicher nicht mit der „Tür ins
Haus“ fallen, sondern einfach einmal nach
dem Wohlergehen des Freundes fragen. Das
könnten wir sicher ohnehin öfter einmal tun.
„Geliebter, ich wünsche, dass es dir in allem
wohlgeht und du gesund bist, wie es deiner
tive: „Berauscht euch nicht mit Wein, in dem Seele wohlgeht“ (3. Joh 2). Nach mehreren
Ausschweifung ist, sondern werdet mit dem Gesprächen kann es dann sein, dass wir den
Geist erfüllt, redend zueinander in Psalmen deutlichen Eindruck haben, dass hier etwas
und Lobliedern und geistlichen Liedern, nicht stimmt – dass Drogen im Spiel sein
singend und spielend dem Herrn in euren könnten. In aller Regel wird ein Drogenab-
Herzen“ (Eph 5,18.19). Wir Gläubige besit- hängiger das nicht zugeben – wie es ja auch
zen den Heiligen Geist, der in uns wohnt. von einem Alkoholiker bis zum Beweis des
Wenn wir uns von Ihm erfüllen lassen, wenn Gegenteils abgestritten wird.

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Finger weg von Drogen!

In solchen Gesprächen – und insbesondere, gen spezialisiert haben. Bei allen Süchtigen
wenn sich der Drogenverdacht bewahrheitet ist eine lebendige Beziehung zu dem Herrn
hat – kommt es darauf an, dass wir zuhören. Jesus die wichtigste Voraussetzung für eine
Vorwürfe zu machen, führt nur zu einem wirksame Therapie. „Wenn nun der Sohn
Zurückziehen des Gegenübers. Und wir euch frei macht, werdet ihr wirklich frei sein“
müssen auch bedenken, dass die Sünde Joh 8,36. Der Glaube ist keine Garantie,
schon zu einer Krankheit geworden sein dass man vor Drogen bewahrt wird. Aber
kann. Daher sollte uns die erste Sorge sein, wenn wir im Glauben leben, werden wir uns
dass unser kranker Freund wieder gesund bewahren lassen und die Finger von Drogen
wird. Dazu reicht es natürlich nicht aus, lassen – dann werden wir auch in diesem
dass man mit ihm spricht. Aber damit ist es Sinn frei (gemacht) sein.

Du bist gefragt

Wir wollen niemand Angst machen, und


wir hoffen auch nicht, dass es unter unseren
Lesern Drogenabhängige gibt. Aber mit
ihnen hat jeder von uns schon zu tun gehabt,
selbst wenn wir fast achtlos an ihnen vorbei
gegangen sind. Auch solche Junkies, die
wir von den großen Bahnhöfen kennen,
sind Menschen, Geschöpfe Gottes, die als
Menschen – wenn auch schwer erkennbar
möglich, eine vertrauensvolle Atmosphäre – etwas von der Würde besitzen, die Gott in
zu schaffen, die das Besprechen der nötigen seine Schöpfung gelegt hat. Und gerade an
weiteren Schritte ermöglicht. Büchertischen stellt man immer wieder fest,
Dazu müssen letztendlich auch die Eltern dass Süchtige, seien sie gläubig oder nicht,
des Betroffenen einbezogen werden. Sie geradezu angezogen werden. Daher ist es
werden in solchen Situationen sicher auch nützlich, geeignete Literatur zur Verfügung
viel Verständnis aufbringen (müssen). Dar- zu haben (die z. B. beim Herausgeber von
über hinaus wird man ohne einen Arzt auch „Folge mir nach“, im CSV, Hückeswagen,
nicht auskommen, denn im Allgemeinen ist bestellt werden kann).
eine medizinische Therapie, eine Entgiftung, Vielleicht können wir auch dadurch zu einem
eine Entziehungskur unabdingbar. Aber Wegweiser zum Herrn Jesus werden. Und
damit ist es nicht getan. Häufig gibt es ja auch als Eltern sollten wir uns bewusst sein,
tiefer gehende Ursachen für Drogenkonsum. welche Gefahren auf unsere Kinder lauern.
Und selbst, wenn es zunächst Neugier war, Um nur ein kleines Beispiel zu nennen:
sind durch die Drogen Probleme entstanden, Heute wird Rauschgift teilweise schon auf
die sich nicht von heute auf morgen in Luft irgendwelchen Abziehbildern verteilt. Damit
auflösen. Hier ist tatkräftige und einfühl- sind nicht alle Abziehbilder Rauschgiftkanäle
same Hilfe eine gute Möglichkeit, einen – aber sie können es werden. Daher sollten
jüngeren oder älteren Menschen wieder wir offen mit unseren Kindern darüber spre-
„zu einem Menschen“ zu machen und in chen – sie sollten von uns (und nicht in der
die Gemeinschaft aufzunehmen. Es gibt im Schule) „aufgeklärt“ werden, denn nur so
Übrigen auch Einrichtungen von Christen, können wir den Akzent der Unterweisung
die sich auf die Arbeit mit Drogenabhängi- bestimmen.
Manuel Seibel
Folge mir nach
7
Die Brücke des
Zöllners
B rücken sind dazu da, Hindernisse
zu überwinden: Mal ist es ein kleiner
Steg, der über einen fröhlich dahin plät-
schernden Bach führt. Oder es ist ein
riesiges Bauwerk aus Eisen und Beton,
mit dessen Hilfe die Autobahn über ein weites Tal geführt wird.

Geschickte Ingenieure haben schon unzähli- Doch egal, was der Mensch alles versucht:
ge Brücken gebaut, mit deren Hilfe die Men- Keiner von uns kommt auf diese Weise auf
schen bequem von der einen Seite des Gra- der anderen Seite an.
bens zur anderen Seite gelangen können. Es gibt nur einen Weg, auf dem der Mensch
zu Gott kommen kann: Jesus Christus. Der
Ein unüberbrückbares Hindernis Sohn Gottes ist es, der von sich selbst sagt:
„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Le-
Doch es gibt eine Kluft, die kann kein noch ben“ (Joh 14, 6). Wie wir über diese Brücke
so schlauer oder mutiger Baumeister mit gehen können, hat der Herr selbst einmal
einer Brücke überspannen. Wie breit diese in einer kleinen Geschichte beschrieben.
Kluft ist, weiß ich nicht. Auf jeden Fall ist sie
so abgrundtief, dass es unmöglich ist, einen Es reicht nicht, die richtige Brücke
Brückenpfeiler hinein zu bauen, um eine zu kennen …
Brücke darüber legen zu können.
Was für ein Graben das ist? Es ist der Gra- Da stehen zwei Männer im Tempel, die
ben, der uns Menschen von Gott trennt. Al- unterschiedlicher nicht sein könnten (Lk
les Mögliche haben die Menschen im Laufe 18,9–14). Der eine ist ein angesehener
der Jahrhunderte versucht, um dieses un- Pharisäer, zu dem die Leute ehrfürchtig
überbrückbare Hindernis zu überwinden. hinaufschauen. Er kennt sich aus im Wort
Gottes, kann den Leuten genau sagen, wie
Unbrauchbare Brückenbauwerke sie sich zu verhalten haben. Der andere lebt
als ein armseliger Zollbeamter, einer von
Damals in Babel haben sie versucht, einen denen, über die die Juden sich fürchterlich
Turm bis an den Himmel zu bauen, damit ärgern, weil sie mit der römischen Besat-
die Menschen sozusagen über die Treppen- zungsmacht zusammenarbeiten.
stufen dieses Turmes zu Gott hinaufsteigen Mit stolzgeschwellter Brust steht der Phari-
könnten. Andere Menschen versuchen, auf säer da und betet: „O Gott, ich danke dir,
die andere Seite des Grabens zu kommen, dass ich nicht bin wie die Übrigen der Men-
indem sie ganz besonders lieb sind und nur schen: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher,
noch Gutes tun. Wieder andere spenden oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zwei-
ihr ganzes Vermögen, um damit Armen mal in der Woche, ich verzehnte alles, was
und Kranken zu helfen. ich erwerbe.“ An so einem Menschen muss

8
Die Brücke des Zöllners

Gott doch einfach seine Freude haben, gerechtfertigt hinab in sein Haus vor je-
oder? Es muss doch nach den Gedanken nem; denn jeder, der sich selbst erhöht,
Gottes sein, wenn ein Mensch aus eigener wird erniedrigt werden; wer aber sich selbst
Kraft tut, was Gott möchte. erniedrigt, wird erhöht werden.“

Durch die Sünde ist in der


Tat eine unüberbrückbare
Kluft zwischen dem heiligen
und gerechten Gott, der
Sünde nicht sehen (oder:
dulden) kann und den mit
Sündenschuld beladenen
Menschen entstanden. Doch
Gott selbst hat uns eine Brü-
cke über diesen Abgrund
geschenkt. Er hat seinen ei-
genen Sohn, Jesus Christus,
für unsere Schuld bestraft.
Jeder, der das für sich per-
sönlich annimmt und daran
glaubt, dass Gottes Sohn
auch für seine schlechten Taten, Worte und
… wir müssen auch hinübergehen Gedanken, kurz für seine Sünden am Kreuz
von Golgatha gestorben ist, geht über diese
So ein Pharisäer ist eben doch etwas ganz Brücke. Es gehört nicht viel dazu, nicht vie-
anderes als so ein heruntergekommener le Schritte und nicht viele Worte. „O Gott,
Zollbeamter. Da klafft doch eine unüber- sei mir, dem Sünder, gnädig!“
brückbare Lücke zwischen Gott und einem
solchen Menschen. Das spürt jeder, der ihn Der Zöllner ist über diese Brücke gegangen.
so im Tempel stehen sieht. „Der Zöllner Und wie ist es mit dir?
aber, von fern stehend, wollte nicht einmal
die Augen aufheben zum Himmel, sondern Stefan Busch
schlug sich an die Brust und sprach: O Gott,
sei mir, dem Sünder, gnädig!“ Dem Zöllner
braucht niemand zu sagen,
was für ein armseliger und
verlorener Kerl er ist. Dieser
Mann hält überhaupt nichts
von sich selbst. Und er be-
kennt sich seiner bösen Ta-
ten für schuldig. Er spricht
nicht viele Worte, und doch
beschönigt er nichts.

Der Brückenbaumeister

Und was sagt Gottes Sohn,


der Heiland der Welt, dazu?
„Ich sage euch: Dieser ging
Folge mir nach
9
Versuchungen für
Christen
Teil I: Versuchungen zum
Guten – ertragen lernen

U nter Versuchungen verstehen wir in unserer Alltagssprache meistens,


dass wir verführt werden, etwas an sich Verbotenes zu tun. Die Bibel dagegen
benutzt dieses Wort nicht nur in dieser Bedeutung. Damit wir mehr ein Leben
zur Ehre des Herrn leben und auch mit den Versuchungen – in welcher Bedeu-
tung auch immer – fertig werden, wollen wir dieses Thema überdenken. Einige
Texte aus dem Jakobusbrief sollen dabei als Leitfaden dienen.

Versuchungen von oben – Gott Erprobungen sind nötig


erprobt unseren Glauben
Gott weiß in seiner Liebe zu uns genau, wie
„Haltet es für lauter Freude, meine Brüder, Er uns am besten zu seiner Ehre formen
wenn ihr in mancherlei Versuchungen fallt, kann. Deshalb spricht Petrus davon, dass wir
da ihr wisst, dass die Bewährung eures Glau- „jetzt, wenn es nötig ist, betrübt“ sind „durch
bens Ausharren bewirkt“ (Jak 1,2.3). mancherlei Versuchungen“ (1. Pet 1,6).
Warum musste gerade Christina an MS Durch schwierige Lebensumstände lernen
erkranken? Konnte Gott nicht verhindern, wir, nicht auf eigene Kraft zu vertrauen oder
dass Michaels Vater arbeitslos wurde, so uns auf unsere vermeintliche Begabung und
dass Michael trotz guter Noten kein Studium Rechtschaffenheit etwas einzubilden (Hiob!),
beginnen kann? Warum ändert der Herr ja, wir sollen davor bewahrt werden, auf
trotz vieler Gebete nicht die schwierigen uns selbst zu vertrauen und so die Nähe zu
Verhältnisse zwischen den Geschwistern am unserem Herrn und zu unserem Gott und
Ort? Und wie soll man sich dann auch noch Vater zu verlassen.
freuen, wie Jakobus uns auffordert? Jeder ist
in irgendeiner Weise unter Druck, befindet Erprobungen sind normal
sich in einer ihm unangenehmen Situation.
Warum lässt Gott das alles zu? Einige Bibel- Die Briefempfänger von Petrus’ erstem Brief
stellen helfen uns, diese in der Tat schwierigen wurden schlimm verfolgt; und das war für sie
Probleme einmal aus Gottes Sicht zu sehen „zur Versuchung“ (1. Pet 4,12). Sie sollten
und – jedenfalls teilweise – zu verstehen. sich dadurch aber nicht befremden lassen,
„als begegne ihnen etwas Fremdes“ (oder:
Versuchung (griechisch peirasmos) bedeutet „Außergewöhnliches“). So dürfen auch
je nach dem Zusammenhang eine Prüfung wir lernen, dass jeder in der Schule Gottes
bzw. Erprobung des Glaubens (1. Pet 4,12) seinen festen Platz hat und seinen Schulab-
oder eine Verlockung zur Sünde (1. Tim 6,9). schluss erst erreicht haben wird, wenn er bei
Worterklärung zur Elberfelder Bibel 2003 Christus sein wird. Jemand hat es einmal

10
Versuchungen für Christen

so ausgedrückt: „Gott liebt es, wenn wir in zu Ihm rufen: „Ich kann nicht mehr!“ Seine
einem solchen Zustand sind, dass Er uns Antwort an Paulus darf sich auch heute
prüfen kann“1. jeder Bedrängte zurufen lassen: „Meine
Gnade genügt dir, denn meine Kraft wird in
Viele Christen leiden nach Gottes Willen, Schwachheit vollbracht“ (2. Kor 12,9).
aber sie wissen, dass „denen, die Gott Wenn wir wissen, dass die Erprobung unse-
lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken“ res Glaubens zu unserer inneren Festigung
(Röm 8,28). führt, dass wir dadurch Ausharren verwirk-
lichen, dann können wir uns auch über
Erprobungen sind begrenzt eine Versuchung freuen. Nicht weil sie an
sich schön ist (das ist sie überhaupt nicht),
„Gott aber ist treu, der nicht zulassen wird, sondern weil das Ergebnis gut ist:
dass ihr über euer Vermögen versucht „Das Ausharren aber habe ein vollkom-
werdet, sondern mit der Versuchung auch menes Werk, damit ihr vollkommen und
den Ausgang schaffen wird, so dass ihr sie vollendet seid und in nichts Mangel habt“
ertragen könnt“ (1. Kor 10,13). Hier lernen (Jak 1,4).
wir, dass Gott sowohl die Länge (vgl. „eine Dann sind wir im Glauben gereift, ein wenig
kleine Zeit“ in 1. Pet 1,6) als auch die Inten- erwachsener geworden („vollkommen“ hat
sität unserer Prüfungen genau festgelegt oft diese Bedeutung) und dürfen Ihm weiter
hat. Ein erfahrener Christ schreibt dazu: vertrauen.
„Schwere Prüfungen sind auch heute noch Lasst uns auch füreinander beten, wenn wir
für einen Christen ebenso ehrenvoll wie von schwierigen Verhältnissen bei Mitgeschwis-
damals für Abraham. Es mag solche geben, tern oder Freunden wissen (2. Kor 1,11).
denen der Herr nur wenig auferlegt, weil sie
glaubensschwach sind.“2 (Damit soll natür- Erprobungen nicht erbitten
lich nicht unterstellt werden, dass ein Christ,
der im Moment wenig „zu leiden“ hat, ein Könnte es sein, dass wir uns so stark fühlen,
schwacher Christ ist.) dass wir einen Glaubenstest erwartungsfroh
oder sogar siegessicher erbitten? Dass wir
Erprobungen sollen weder unter- vielleicht um eine Herausforderung im
noch überschätzt werden persönlichen Leben bitten? Der Herr Jesus
warnt uns deutlich vor einer solchen Hal-
Manchmal geraten wir in Gefahr, ein Pro- tung. Im sogenannten Vaterunser führt Er
blem einfach „mit eiserner Miene“ auszusit- eine auch für uns wichtige Bitte auf:
zen, ohne daran zu denken, dass der Herr „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern
zu uns reden will: „Mein Sohn, achte nicht errette uns von dem Bösen“ (Mt 6,13).
gering des Herrn Züchtigung“ (Heb 12,5). Es muss unser ständiges Gebet sein, dass
Dann dürfen wir den Herrn bitten, uns vor der Vater uns vor allem Bösen in und um
solch einem „Heldentum“ zu bewahren und uns herum bewahrt. Und wir sollen uns auch
uns neu die Bereitschaft zu schenken, uns nicht aus eigenem Antrieb von Ihm erproben
von Ihm prägen zu lassen. lassen; wir sollten eher Angst vor unserem
Wir sollen aber auch nicht die Flügel hängen Versagen als Selbstvertrauen haben.
lassen und aufgeben: „noch ermatte, wenn
Martin Schäfer
du von ihm gestraft wirst“ (Heb 12,5). Zu
jeder Prüfung, die der Herr uns schickt, stellt Im nächsten Heft: Versuchungen zum Bösen
Er auch die Kraft zum Tragen zur Verfügung – Widerstehen und Überwinden
– auch (oder gerade?) wenn wir manchmal
1
W.Kelly, Enduring temptation and entering into temptation, in The Bible Treasury N8, S. 204
2
W. Kelly, Was von Anfang war, Schwelm 1982, S. 423
Folge mir nach
11
Zu spät –
oder „die gelegene
Zeit auskaufen“

Zu spät, um sich zu dem dern einfach darum, dass sie sich durch ihr
Herrn Jesus zu bekehren Bekenntnis auf die Seite des Herrn Jesus
stellen und somit als auf Ihn Wartende er-
In Matthäus 25 lesen wir in den Versen scheinen, so wie die jungen Frauen auf den
1–13 das Gleichnis von 10 Jungfrauen. Sie Bräutigam warteten.
warteten auf den Bräutigam, um mit Nachdem er eine Zeit auf sich warten
ihm zusammen Hochzeit zu feiern. ließ, schliefen alle Jungfrauen ein.
Das Gleichnis knüpft an den Aber sie wurden geweckt durch
Brauch der damaligen Zeit den Ruf: „Siehe, der Bräu-
an, dass die Freun- tigam!“ Schnell standen
dinnen der Braut den sie auf und schmück-
Bräutigam auf seinem ten ihre Lampen.
Weg zur Hochzeitsfeier Diese Lampen sind
begleiteten und zu der ein Hinweis auf das
Braut brachten. Dann Bekenntnis – das
wurde gemeinsam das Licht oder Zeugnis,
Hochzeitsfest gefeiert. das diejenigen, die
Die 10 Jungfrauen stel- sich zu dem Herrn Je-
len uns also Menschen sus bekennen, in ihrer
vor, die an der Freude Umgebung verbreiten
des Bräutigams teil- (sollen). Plötzlich be-
nehmen möchten. Sie merkten fünf der zehn
sind ein symbolischer Jungfrauen, dass ihre
Hinweis auf solche, die Lampen aufhörten zu
sich zu dem Herrn Je- brennen. Der Docht
sus bekennen, der sich dieser Öllampen brann-
in den Evangelien immer te eine Zeit, um dann zu
wieder mit einem Bräuti- erlöschen, weil kein Öl
gam vergleicht. Wir können da war, das die Flamme
die Jungfrauen mit der Chris- erhalten konnte. Was soll-
tenheit vergleichen, die sich ten sie jetzt tun? Die fünf
zu dem Herrn Jesus bekennt. klugen Jungfrauen, die Öl in ihren Lampen
Zunächst einmal geht es nicht darum, ob hatten, konnten und wollten von ihrem Öl
sie wirkliches Leben aus Gott haben, son- nichts abgeben. So versuchten die fünf tö-

12
Zu spät – oder „die gelegene Zeit auskaufen“

richten Jungfrauen, beim Kaufmann Öl zu geglaubt haben, in den Himmel zu holen.


kaufen. Doch als sie zurückkamen, war der Dann gibt es keine Möglichkeit mehr, geret-
Bräutigam bereits gekommen – die Hoch- tet zu werden.
zeitsfeier hatte begonnen und die Tür war Hast du Öl in deiner Lampe? Vielleicht
verschlossen. Jetzt war es zu spät! gehst du seit Jahren Sonntag für Sonn-
Wenn also die zehn Jungfrauen ein Bild tag mit deinen Eltern und Geschwistern
derjenigen sind, die sich zu dem Herrn Je- in die Zusammenkünfte der Gläubigen,
sus bekennen und die Lampen von dem hast dich aber noch nicht zu dem Herrn
Zeugnis sprechen, das von ihnen ausgeht, Jesus bekehrt. Vielleicht bemerken deine
dann ist das Öl ein Hinweis auf den Heili- Klassenkameraden oder deine Kollegen
gen Geist, der in jedem wahren Gläubigen gar nicht den Unterschied – aber der Herr
wohnt1. Unter denjenigen, die sich zu dem Jesus weiß, ob du an ihn glaubst, oder
Herrn Jesus bekennen, befinden sich wahre ob du nur Mitläufer bist und eine Lampe
Gläubige, die den Heiligen Geist besitzen, ohne Öl hast!
der das Licht ihrer Lampen – ihr Zeugnis
– erhält. Aber es sind auch solche darun- „Heute, wenn ihr seine Stimme
ter, die nur ein äußerliches Bekenntnis, hört, verhärtet eure Herzen nicht!“
jedoch kein wirkliches Leben haben. (Heb 4,7).
Auf den ersten Blick haben sie die
gleiche Lampe und das gleiche
Zeugnis wie die Gläubi- Zu spät, um dem
gen. Auf den zweiten Herrn Jesus mit
Blick aber fällt auf, den Gütern
dass die Lampen zu dienen
kein Licht verbrei-
ten, das durch das Als der Herr Jesus
Öl in den Lampen hier auf der Erde
bewirkt wird – es ist lebte, kam einmal
kein Licht in der Kraft ein Mensch zu ihm
des Heiligen Geistes. und bat Ihn, dafür zu
Bei jedem toten Be- sorgen, dass sein Bru-
kenner wird über kurz der ihm seinen Anteil
oder lang der Augen- an dem gemeinsa-
blick kommen, in dem men Erbe gebe. Aber
das Licht seiner Lam- der Herr Jesus antwor-
pe erlischt, weil das Öl tete ihm, dass er nicht
fehlt! Und dann kann es dazu gekommen sei,
zu spät sein! Während er Erbteiler zu sein. Und er
zu den Kaufleuten läuft, fügt hinzu: „Hütet euch
um Öl zu kaufen – „Öl“ vor aller Habsucht!“
kann man übrigens nur Habsucht – ein aktuel-
bei dem Herrn Jesus erhal- les und wichtiges The-
ten –, kommt der Herr Jesus, ma! Und weil dieses Thema
um alle, die wirklich an Ihn so wichtig ist, erzählt der Herr Jesus

1
Der vielleicht direkteste Hinweis auf die Verbindung von Öl und Heiliger Geist ist in Sacharja 4,2–6 zu finden.
Folge mir nach
13
das Gleichnis von dem reichen Kornbauer schenkt hat, abzugeben zum Nutzen für
(Lukas 12,16–21). andere? Er hat mir doch so viel geschenkt
Dieser Kornbauer war ein Mensch mit ei- – bin ich bereit, Ihn zu fragen, wie und wo-
nem großen Besitztum. Doch wie ging er für ich es verwenden soll? Stelle ich mich
damit um? Als das Land dieses Mannes so mit allem, was ich habe und bin, Ihm zur
viel Frucht brachte, dass er seine Vorräte Verfügung? Es kann sein, dass es dafür ein-
nicht mehr unterbringen konnte, da wurde mal zu spät ist! Deswegen wollen wir auch
das Problem deutlich: Dieser Mann dachte damit heute anfangen!
nur an sich und an seinen eigenen Vorteil.
Das ist die Wurzel der Habsucht. Dieser
Mann, der schon reich war, wollte noch Zu spät, um den Herrn Jesus
größere Scheunen bauen, seine Vorräte zu „salben“
für sich lagern und dann ein Leben der
Sorglosigkeit und Bequemlichkeit führen. In Lukas 24, kamen Frauen zu der Felsen-
Doch dazu würde er keine Zeit mehr haben gruft, in die man den Körper des Herrn
– Gott begegnete ihm und forderte seine Jesus gelegt hatte, nachdem Er am Kreuz
Seele von ihm. In diesem Moment stand er gestorben war. Sie kamen mit der Absicht,
arm und leer vor Gott, weil er keine Schätze seinen Körper zu salben. Dafür hatten sie
für die Ewigkeit gesammelt hatte. Jetzt war Gewürzsalben und Salböle gekauft und
es zu spät – seine Seele war verloren und vorbereitet. Dafür waren sie sehr früh auf-
er würde weder Gelegenheit haben, seinen gestanden. Sie hatten sich viel Mühe gege-
Reichtum für andere zu nutzen, noch ihn ben – aber sie kamen zu spät! Das Grab
selbst zu genießen! war leer und der Herr Jesus war schon auf-
So wird es auch heute demjenigen ergehen, erstanden.
der nur an seinen Besitz denkt, die Not- Nur eine Frau war rechtzeitig gekommen.
wendigkeit aber außer Acht lässt, mit Gott Maria hatte den Herrn Jesus im Haus Si-
ins Reine zu kommen, um einen Schatz im mons in Bethanien im Voraus auf den Tag
Himmel zu haben – sein ewiges Heil. des Begräbnisses mit einer wertvollen Nar-
Auch für gläubige Christen haben diese de gesalbt. Auch Nikodemus und Joseph
Verse etwas zu sagen. Jedem von uns hat von Arimathia waren noch zur rechten Zeit
Gott „Güter“ geschenkt. Jeder hat von Gott gekommen, um den Herrn einzubalsamie-
geschenkte Fähigkeiten, Zeit oder vielleicht ren. Alle anderen, auch die Frauen in Lu-
auch finanzielle Mittel. Die Frage, die diese kas 24 waren zu spät gekommen.
Geschichte aufwirft, ist: Für wen gebrauche Vielleicht fragst du, was uns das zu sagen
ich diese „Güter“ – für mich oder für den hat? Der Herr Jesus ist doch schon lange
Herrn Jesus? Sammle ich diese Schätze wieder im Himmel, wie können wir ihn
nur für mich, um es noch besser zu haben, dann noch salben? Nun – ein Merkmal
um es mir noch schöner zu machen? Setze dieser Salben war ihr guter Geruch. Das
ich alle meine Zeit für mein eigenes Vor- erinnert uns an viele Stellen im Alten Testa-
wärtskommen ein – in der Schule, in der ment, in denen von dem duftenden Wohl-
Ausbildung, im Studium oder im Beruf? geruch steht, der von den Opfern (z.B.
(Benutzerhinweis: Dies ist kein Aufruf zur 1. Mo 8,21) und von dem Räucherwerk
Faulheit!) Nutze ich meine Freizeit nur zu (z.B. 2. Mo 40,38) zu dem HERRN empor-
meinem eigenen Vergnügen oder bin ich stieg. Der HERR roch den lieblichen Geruch!
bereit, etwas von dem, was Gott mir ge- Jetzt fällt es uns nicht mehr schwer, die Pa-

14
Zu spät – oder „die gelegene Zeit auskaufen“

rallele in unsere Zeit zu ziehen: Wenn wir Beschäftigung mit dem Herrn Jesus jeder-
Gott danken für das, was Er für uns getan zeit geschehen. Aber hast du einmal darü-
hat, wenn wir Ihm von dem Herrn Jesus, ber nachgedacht, dass sich der Herr Jesus
dem wahren Opfer, erzählen, ist das für freuen würde, wenn du die Gelegenheiten
Gott zur Freude – wie ein duftender Wohl- nutzt, ihm Dank und Anbetung zu bringen,
geruch, wie der Duft der wertvollen Salbe, wenn du mit anderen Gläubigen zusammen
die Maria ausschüttete! bist? Bist du einfach nur anwesend, wenn
Zweifellos war man sich am Sonntag mit dem Herrn Je-
der Dienst der sus beschäftigt und durch das Brotbrechen
Liebe Marias seinen Tod verkündigt? Oder bist du aktiv
eine ganz be- dabei – mit deinem Herzen und vielleicht
sondere Hinga- auch mit deinem Mund? Geht das Brot
be und nichts und der Becher an
„Alltägliches“ dir vorüber,
– immerhin hat- oder isst du
te sie diese Salbe von dem
einen großen Be- Brot und
trag gekostet. Für trinkst aus
uns stellt sich jedoch dem Becher
auch die und erfüllst da-
grundsätzliche Frage: Nutze mit den Wunsch
ich wie Maria die richtige des Herrn Jesus,
Zeit, um dem Herrn Jesus zu der gesagt hat: „Dies
danken? Brennt mein Herz aus tut zu meinem Gedächtnis.“
Liebe zu Ihm? Dann wird Er mir Der Herr Jesus freut sich, wenn
auch die richtige Zeit und Gelegenheit zei- du die Zeit nutzt, um seinen Wunsch zu
gen, Ihm zu danken und Anbetung zu brin- erfüllen, und der Vater sucht auch dich als
gen. Sicher kann das in der persönlichen Anbeter!

Christian Rosenthal

Gebt nun Acht, wie ihr sorgfältig wandelt,


nicht als Unweise, sondern als Weise, die
gelegene Zeit auskaufend, denn die Tage
sind böse.
Epheser 5,15.16

Wandelt in Weisheit gegenüber denen, die


draußen sind, die gelegene Zeit auskaufend.
Kolosser 4,5
Folge mir nach
15
!
In diesem Heft haben wir drei Fragen Folgendes:
und Antworten zusammengeführt, die „Sobald der Herr seine wahre Kirche bei
sich auf alttestamentliche Begeben- der Entrückung aus der Welt nimmt, wer-
heiten beziehen, aber auch für uns den sich die Ereignisse, die zur endgültigen
heute von großem Interesse sind. Niederlage Satans führen, rasch entwi-
ckeln. Zuerst wird er während der Mitte der

?
siebenjährigen Drangsalszeit aus dem Him-
mel geworfen werden. Dann, am Ende die-
Frage 1: Satan im Himmel ses Zeitabschnitts, wird er für 1.000 Jahre
in dem Abgrund gebunden sein, während
Christus über die Erde herrscht.
„Und es geschah eines Tages, da kamen Satans letzter Anlauf wird am Ende jener
die Söhne Gottes, um sich vor den HERRN tausendjährigen Regierung unseres HERRN
zu stellen; und auch der Satan kam in ihre stattfinden, wenn er für einen kurzen Zeit-
Mitte“ (Hiob 1,6). – Wieso kann Satan vor raum losgelassen wird. Diese Freilassung
den HERRN treten, wenn Gott vollkommen wird sowohl für die Menschheit als auch für
heilig ist und nichts Unreines, Sündiges Satan die letzte Gelegenheit sein, sich öf-
dulden kann? Also erst recht nicht den Wi- fentlich gegen Gott aufzulehnen. Feuer von
dersacher, Satan! Gott aus dem Himmel wird die Rebellion
beenden.

!
Und dann wird Satans endgültige und
völlige Niederlage kommen, wie sie mit
Antwort: einfachen Worten in Offenbarung 20,10
beschrieben wird: ‚Und der Teufel, der sie
Du hast recht, dass Gott heilig ist und nichts verführte, wurde in den Feuer- und Schwe-
Sündiges dulden kann. Das bedeutet auch, felsee geworfen, wo sowohl das Tier ist als
dass Gott Sünde richten muss. Aber Gott auch der falsche Prophet; und sie werden
richtet den Sünder durchaus nicht „auf der Tag und Nacht gepeinigt werden von Ewig-
Stelle“. Sonst würde kein Mensch mehr auf keit zu Ewigkeit’“ (S. 115/116).
der Erde leben. Dies gilt in gewissem Sinn
auch für Satan. Noch hält sich der gefallene

?
Engelfürst in dem geschaffenen Himmel,
dem Bereich der Engel, auf. Aber, anders
Frage 2: Eine Stadt mit
als bei Menschen, gibt es für Satan keine Kleidern?
Rettungsmöglichkeit. Das Urteil über ihn
steht fest und wird unweigerlich vollzogen Hesekiel 16,10-13: Was bedeuten die Klei-
werden, wenn Gottes Zeit gekommen ist. der, Schuhe, Ketten, Ringe, Leinwand in
Der Herr Jesus hat diesen Augenblick schon Bezug auf eine Stadt?
vorausgesehen, als Er auf der Erde war, in-
dem er sagte „Ich schaute den Satan wie
einen Blitz vom Himmel fallen“ (Lk 10,18).
Auch Paulus prophezeit diesen Zeitpunkt in
Römer 16,20: „Der Gott des Friedens aber Antwort:

!
wird in kurzem den Satan unter eure Füße
zertreten.“ Die Propheten reden oft in einer „Bilder-
sprache“. Dies ist besonders auch bei dem
Die Verse kündigen Gottes endgültigen Propheten Hesekiel der Fall (dessen Dar-
Sieg über seinen Erzfeind an. Grant W. stellungen nicht immer leicht zu verstehen
Steidl schreibt darüber in seinem Buch sind). Auch an dieser Stelle redet Hesekiel
„Konflikt“, das im CSV noch erhältlich ist, bildhaft. In Kapitel 15 hatte Hesekiel Jeru-

16
!!
Post von Euch

salem mit einem Weinstock verglichen. Der

?
Weinstock hat nur eine Aufgabe: Frucht zu Frage 2: Ist Ironie erlaubt?
bringen. Sein Holz ist zu nichts zu gebrau-
chen. Doch Jerusalem hatte keine Frucht
für Gott gebracht. So zeigt Hesekiel das, Ist Ironie – im Unterschied zur Lüge – für
was die Einwohner Jerusalems nicht getan Gläubige erlaubt oder nicht? Wenn man
hatten: Etwas Gutes für Gott hervorbrin- das Gegenteil des Gemeinten sagt, handelt
gen. es sich doch auch um eine Lüge, oder?

Das Kapitel 16 zeigt das, was sie wohl ge-


tan hatten: Es gab nicht nur nichts Gutes,
sondern ein Leben in der Sünde kenn- Antwort:
zeichnete die Menschen dieser Stadt. Um
dies zu veranschaulichen, personifiziert He- Die Frage läuft letztlich darauf hinaus: Sind
sekiel die Stadt Jerusalem (mit der „Stadt“ Lüge und Ironie – moralisch gesehen – das-
sind natürlich nicht die Steine, Straßen und selbe? Doch das sind sie sicher nicht. Das
Häuser, sondern die Menschen jener Stadt entscheidende Kennzeichen der Lüge ist
gemeint). Hesekiel vergleicht Jerusalem mit – wie in einem Artikel vor einigen Jahren
einem unerwünschten weiblichen Baby, deutlich gemacht („Vom Lügen“ in: „Fol-
dass man nach der Geburt einfach auf dem ge mir nach“ Nr. 5/2000, Seite 8/9): „ein
Feld ausgesetzt und so dem sicheren Tod Verhalten, das Täuschung zum Ziel hat“.
preisgegeben hatte. Es wird „eine Botschaft vermittelt, die zu
falschen Schlüssen führt“.
Ab Vers 6 beschreibt Hesekiel dann, wie
der HERR sich in Liebe und Erbarmen die- Gerade das tut Ironie nicht. Bei Ironie weiß
ses hilflosen Wesens angenommen hatte. mein Gesprächspartner genau, dass ich
Unter seiner liebevollen Fürsorge wuchs eine Aussage nicht wörtlich meine. Wenn er
dieses kleine Mädchen zu einer schönen das nicht verstünde, wäre es nicht sinnvoll,
jungen Frau heran. Doch wie beantwortete das Stilmittel der Ironie einzusetzen. Ironie
sie alle die Güte Gottes? Was macht sie mit verliert jeden Sinn, wenn der andere sie für
der Schönheit, die sie nur Ihm verdankte „bare Münze“ nimmt. Wie in dem damali-
(„sie war vollkommen durch meine Herr- gen Artikel erwähnt, kommt Ironie auch in
lichkeit, die ich auf dich gelegt hatte, spricht der Bibel vor. Hier ein Beispiel: Nachdem
der Herr“ – V.14)? die Freunde Hiobs seine Lage mehr oder
weniger töricht kommentiert haben, ant-
Sie vertraut auf ihre eigene Schönheit und wortet Hiob: „Wirklich, ihr seid die Leute,
wird zu einer Hure (ab Vers 15). Damit will und mit euch wird die Weisheit aussterben“
der HERR sagen, sie wendet sich von mir, (Hiob 12,1). Es ist deutlich, dass Hiob nicht
dem wahren Gott, dem sie alles verdankt, wirklich der Meinung war, die „letzten Wei-
ab und wendet sich anderen Göttern (Göt- sen“ vor sich zu haben. Ironie ist also keine
zen) zu. Die von dir in der Frage genannten Lüge. Trotzdem – wir sollten als Christen
Dinge beziehen sich also nicht wörtlich auf auch mit Ironie vorsichtig umgehen. Insbe-
die Stadt, sondern dienen der Beschrei- sondere Personen gegenüber (kleine Kin-
bung der Person, die symbolisch für die der, Ausländer, u.a.), die womöglich das
Einwohner der Stadt stehen. Stilmittel der Ironie nicht verstehen oder
missverstehen könnten.

Michael Vogelsang

Folge mir nach


17
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Folge mir nach
18 19
Bibelstudium
Kleine Propheten unter der Lupe
Der Prophet Zephanja unter der Lupe

W er sich mit dem Propheten Zephanja intensiv beschäftigen möchte,


hat womöglich Schwierigkeiten, entsprechende Studierhilfen zu finden.
Der vorliegende Artikel will in diese Lücke hineinstoßen und etwas
dazu beitragen, dass der sogenannte kleine Prophet Zephanja keine
„unbekannte Größe“ bleibt. Man wird von den Erklärungen aber nur
dann nachhaltig profitieren, wenn man sie neben der geöffneten Bibel
verwendet.

Einleitung Invasion hinausblickt auf den großen Tag


des HERRN, der bis heute noch zukünftig
Der Prophet Zephanja wohnte wahr- ist 1. Dieser Tag bringt schreckliche Ge-
scheinlich in Jerusalem (vgl. Kap. 1,4.10– richte, aber schließlich auch den Segen
12). Aus seinen Lebensumständen erfah- des Tausendjährigen Friedensreiches
ren wir sonst so gut wie nichts. Der Bote (Kap. 3).
tritt hinter die Botschaft zurück. Er war
der letzte der kleinen Propheten, der vor Kapitel 1
der Verschleppung der Juden nach Ba-
bylon eine Botschaft anvertraut bekam. Vers 1: Unter den inspirierten Prophe-
Nahum, Habakuk und Jeremia waren ten ist es nur Zephanja, der seine Ab-
seine Zeitgenossen. stammung ganze vier Generationen zu-
rückverfolgt. Er endet bei Hiskia, dem
Zephanja schreibt viel über das Gericht bekannten gottesfürchtigen König von
Gottes. Dieses trifft sowohl das Volk Got- Juda. Zephanja weist damit also nach,
tes als auch die gottlosen Nachbarvölker dass er – als Einziger dieser Propheten
der Juden (Kap. 1.2). Zephanja kündigt – aus königlicher Linie stammt. Das
das Gericht an und erläutert die Ursache half ihm gewiss, einen guten Einblick in
dafür. Eine erste Erfüllung fanden seine die Aristokratie jener Tage zu gewinnen
Weissagungen in den Feldzügen der Ba- (vgl. V. 8).
bylonier, die unter anderem im Jahr 586
v. Chr. Jerusalem zerstörten und die Ju- Vers 1 gibt auch die Wirkungszeit des
den in die Gefangenschaft führten. Doch Propheten an: Er weissagte in den Tagen
aus dem ganzen Buch Zephanja wird des Königs Josia, der von 640–609 v.Chr.
deutlich, dass er über die bevorstehende über Juda regierte. Josias Geschichte
1
Es ist wichtig, diese doppelte Reichweite der Prophetie im Auge zu behalten. Siehe dazu auch den
„Leitfaden zum Studium der kleinen Propheten“, FMN 06/2003, Seite 24. Der Leitfaden bietet auch eine
Erklärung zu dem „Tag des HERRN“ und vieles andere mehr.

20
Bibelstudium – Zephanja

wird in 2. Könige 22–23 und 2. Chronika schaft Zephanjas weist starke Parallelen
34–35 ausführlich geschildert. Es ist zum zum fünften Buch Mose auf 2, was für
Verständnis des Propheten Zephanja die damaligen Zuhörer gewiss beeindru-
hilfreich, einen Blick in diese Kapitel zu ckend war. Tatsache ist jedenfalls, dass
werfen. Zephanja vor der Zerstörung Ninives im
Jahr 612 v. Chr. weissagte, denn dieses
Josia wurde mit 8 Jahren König, mit 16 Ereignis kündigte er an (2,13).
begann er Gott zu suchen und mit 20 fing
er an, den Götzendienst im ganzen Land Verse 2–3: Gott will sowohl die Bewohner
auszurotten. Kurz darauf begann Jere- des Landes (Menschen und Tiere) aus-
mia seinen Dienst. Als 6 Jahre später bei rotten als auch des Himmels (Vögel) und
der Tempelrenovierung das Gesetz ent- des Meeres (Fische) sowie den Götzen-
deckt wurde, war Josia erschüttert, als dienst (der ein Anstoß zum Fall ist, vgl.
er die darin enthaltenen Gerichtsandro- 2. Chr 28,23) und den Gesetzlosen. Das
hungen las. Doch die Prophetin Hulda wird sich vollständig am Tag des HERRN
versicherte ihm, dass er zu seinen Leb- erfüllen. Dann wird Gott äußerst massiv
zeiten Frieden haben werde. Josia wurde in seine Schöpfung eingreifen. Sehr viele
aber durch den Gesetzesfund zugleich Menschen werden umkommen (vgl. Jes
motiviert: Er ließ das Volk in einen Bund 13,9.12). Dieses schreckliche Gericht
vor Gott treten, verdrängte den Götzen- wird nach der Entrückung der Gläubigen
dienst noch weiter und feierte ein Pas- furchtbare Wirklichkeit werden. Davor
sah, wie es seit den Tagen der Richter müssen wir unsere Mitmenschen war-
nicht mehr geschehen war. Alles schien nen. Wir dürfen ihnen aber auch sagen,
in dieser Zeit sehr positiv zu sein, zumal dass jeder, der heute an den Herrn Jesus
auch die Macht des Erzfeindes Assyrien glaubt, errettet wird von dem kommen-
zerfiel und das Land wirtschaftlich auf- den Zorn (1. Thes 1,10).
blühte.
Verse 4–6: Auch das Volk Gottes wird
Aber wie sah es bei den Menschen im In- nicht verschont werden. Gott, der einst
nern aus, wie war der moralische Zustand seine Hand über Ägypten ausstreckte,
des Volkes Gottes? Alles andere als gut. um sein Volk zu erlösen (2. Mo 7,5), wird
Jeremia und Habakuk – Zeitgenossen sie gegen Juda und Jerusalem im Zorn
Zephanjas – zeigten das deutlich (Jer 1,3 ausstrecken, weil sie Ihn nicht geehrt ha-
ff.; Jer 3,6 ff.; Hab 1,2 ff.). So sprach Je- ben. In den Versen 4-6 werden verschie-
remia davon, dass Juda nicht mit seinem dene Gruppen genannt, die Gott aus-
Herzen, sondern nur mit Falschheit zu rotten will (die Bibelstellen in Klammern
Gott umgekehrt war (Jer 3,10). Und Ze- zeigen die entsprechenden Bemühun-
phanja schlug in dieselbe Kerbe. Wann gen des Königs Josia): Baalsdiener (2.
Zephanja nun in der Regierungszeit Jo- Kön 23,5); Götzenpriester (2. Kön 23,5);
sias genau prophezeite, lässt sich nicht Priester, die auf den Höhen opferten (2.
bestimmen. Gut möglich ist es, dass sei- Kön 23,8.20); Sternanbeter (2. Kön 23,5);
ne Weissagung mit der Auffindung des Religionsmischer (vgl. 2. Kön 23,3);
Gesetzes zusammenfiel. Denn die Bot- Gleichgültige (vgl. 2. Kön 23,3). Von den

2
Siehe z.B. Zephanja 1,13 und 5. Mose 28,30.39;1,15 u. 28,53.55.57;1,17 u. 28,29;1,18 u. 32,22;3,5 u. 32,4;
3,17 u. 28,63;3,19 u. 26,19.
Folge mir nach
21
Gleichgültigen spricht der sechste Vers. Herren, indem sie Gewalt und Betrug
Es wird gezeigt, was sie tun und was sie gebrauchen. Dafür wird Gott sie zur Re-
nicht tun: Sie weichen vor Gott zurück, chenschaft ziehen.
suchen Ihn nicht und fragen nicht einmal
nach Ihm. Diese drei Punkte sind cha- Aus diesen Versen können wir sicher
rakteristisch für den gottlosen Menschen manches lernen. Ich möchte an dieser
(Ps 14,2–4). Josia tat exakt das Gegen- Stelle nur eine Anwendung zu der fremd-
teil (2. Chr 34,2.3.21). ländischen Kleidung machen. Die Klei-
dung ist das, was das äußere Auftreten
Verse 7–9: Als die Juden diese harte eines Menschen prägt. Kleider machen
Botschaft hörten, mag sich Protest ge- Leute, sagt ein Sprichwort. Die Kleidung
regt haben. Doch der Prophet gebot Stil- spricht daher bildlich davon, wie ein
le. Der Tag des HERRN stand bevor. Gott Mensch sein Leben vor anderen führt.
würde sein Volk zum Schlachtopfer ma- Kann man an deinem Leben erkennen,
chen, und die Nationen (die Geladenen) dass du zu dem Volk Gottes gehörst?
würden sie verzehren. Nach dieser allge- Kinder Gottes sind berufen, den Herrn
meinen Gerichtsankündigung nennt Ze- Jesus Christus anzuziehen. Dazu gehört,
phanja verschiedene Gruppen, die Gott dass man sich taufen lässt (Gal 3,27)
„heimsuchen“ wird. Dabei wird in den und die Wesenszüge des Herrn Jesus
Versen 7–13 besonders ihr Lebensstil im Alltag zeigt (Röm 13,14; Kol 3,12; Eph
getadelt, während es bei der Aufzählung 4,24). Sollte dein Verhalten jedoch den
in den Versen 4–6 um religiöse Fragen Prinzipien der Welt entsprechen, trägst
ging. du „fremde Kleider“.

Die, die eine hohe Verantwortung ha- Verse 10–13: Der Prophet zeigt nun die
ben, werden zuerst genannt: Fürsten Reaktionen, die das Gericht hervorrief:
und Königssöhne. Der König Josia wird überall Trauer und Geschrei. Die Kauf-
bezeichnenderweise nicht erwähnt, da leute verschwanden aus Jerusalem, Sil-
er aufgrund seiner Gottesfurcht kein Un- ber wurde nicht mehr durch ihre Gassen
glück sehen sollte (2. Chr 34,26 ff.). In transportiert. In jener Zeit machte Gott
Vers 8 ist zudem von denen die Rede, sich auf, die Menschen zu suchen. Es
die Kleidung aus fremden Ländern an- ist nicht die Tätigkeit der Gnade, die
zogen. Sie gehörten wahrscheinlich zu dem verlorenen Sünder nachgeht (vgl.
den oberen Zehntausend, die sich etwas Lk 15,8–10), sondern Gott spürt die Un-
Ausgefallenes leisten konnten. Indem sie gläubigen auf, um sie zu richten (vgl. Am
sich so kleideten, bekundeten sie Sym- 9,2–4). Es trifft die Männer, „die auf ih-
pathie zu den heidnischen Nationen und ren Hefen liegen“. Hefe sind unreine und
distanzierten sich von dem Volk Gottes, bittere Stoffe, die sich beim Gären des
denen der HERR verschiedene Kleider- Weins bilden und als Bodensatz zurück-
vorschriften gegeben hatte (4. Mo 15,38; bleiben. Hat sich Hefe abgesetzt, muss
5. Mo 22,11 usw.). Um zu Reichtum zu der Wein in andere Gefäße gegossen
gelangen, schreckten viele nicht davor werden (Jer 48,11.12). Geschieht das
zurück, über die Schwelle zu springen, nicht, bleibt der Wein also auf den Hefen
d.h. gewaltsam in andere Häuser einzu- „liegen“, wird er unrein und schlecht. Und
dringen. Untergebene arbeiteten für ihre das spricht bildlich von dem schlechten

22
Bibelstudium – Zephanja

moralischen Zustand dieser bequemen lässt. Das Wort Salomos wird sich als
Männer, die zwar nicht die Existenz wahr erweisen: „Vermögen nützt nichts
Gottes leugneten, aber sein Eingreifen am Tag des Zorns“ (Sprüche 11,4; siehe
in das Zeitgeschehen. Sie mussten an auch Jes 2,20-21 und Hes 7,19). Und
ihren eigenen Besitztümern schmerzlich 1. Petrus 1,18-19 zeigt, dass wir nicht
erfahren, dass Gott ein handelnder Gott mit Silber und Gold erlöst worden sind,
ist. weil dazu etwas viel Wertvolleres nötig
war: das kostbare Blut Christi.
Diese Verse sollten uns motivieren, unser
Verhältnis zu Geld und Gut zu überprü- Kapitel 2
fen. Natürlich ist es an sich nicht ver-
kehrt, Handel zu treiben, Waren zu trans- Verse 1–3: Nach der schrecklichen Ge-
portieren oder ein Haus zu bauen. Aber richtsandrohung der vorigen Verse folgt
wenn unsere Gedanken nur darum krei- jetzt der Aufruf an die schamlose Nati-
sen, handeln wir töricht – wie der reiche on (V. 1–2) sowie an die Sanftmütigen
Bauer in Lukas 12,16-21. Was Jünger des Landes (V. 3), Konsequenzen dar-
Jesu vielmehr kennzeichnen soll, finden aus zu ziehen. Die Nation, die unver-
wir direkt nach diesem Gleichnis: Sie sol- froren sündigte (vgl. 3,5 und Jes 3,9),
len der Fürsorge des himmlischen Vaters sollte in sich gehen, um zur Buße zu
vertrauen, nach Gottes Reich trachten gelangen. Und das sollten sie tun, be-
und sich einen Schatz im Himmel sam- vor der Beschluss des Zornes Gottes
meln (Lk 12,22-34). sich verwirklichte, was so plötzlich ge-
schehe, wie Wind mit einem Mal Spreu
Verse 14–18: Diese Verse belegen deut- aufwirbelt (1,18; 2,2). Die Sanftmütigen
lich, dass Zephanja nicht nur den Ein- des Landes hingegen werden bestärkt,
fall der Babylonier vor Augen hatte, der ihren Kurs weiter zu verfolgen, damit
bereits einige Jahre nach der Prophe- sie so vielleicht dem Zorn entrinnen.
zeiung stattfand, sondern den großen Der gläubige Überrest der Juden hofft
Tag des HERRN. In den Versen 15 und 16 also, vor dem Zorn Gottes auf der Erde
nennt Zephanja 11 Kennzeichen dieses verborgen zu werden; wir Christen aber
nahen Tages. Die Menschen werden wie wissen sicher, dass uns der kommen-
die Blinden einhergehen, d.h. sie wer- de Zorn nicht erreichen wird, weil der
den erfolglos versuchen, einen Ausweg Herr Jesus uns vor den Gerichten in
aus der Katastrophe zu finden. Ihr Blut den Himmel entrücken wird (Röm 5,9;
wird wie Staub verschüttet werden. Die- 1. Thes 5,9; Off 3,10).
ser Vergleich weist nicht auf die Menge
des Staubes hin (wie in 1. Mo 13,16), Verse 4–7: Von Vers 4 bis zum Ende des
sondern auf die Wertlosigkeit (wie in Kapitels geht es um verschiedene Völ-
2. Kön 13,7): Die Feinde werden also ker, die Gott durch die Babylonier richten
das Blut der Juden so hoch achten wie würde und auch gerichtet hat. Aber am
den Staub unter ihren Füßen. Die Edel- Tag des HERRN wird noch einmal Gericht
metalle werden den Bewohnern des ver- ausgeführt. Diesen Blickwinkel muss
heißenen Landes nichts helfen, denn sie man im Auge behalten, sonst kann man
haben es mit Gott zu tun, der sich nicht diese Verse nicht richtig verstehen und
durch Tributzahlungen beschwichtigen auslegen.

Folge mir nach


23
Die Verse 4 bis 7 stellen die Philister vor, und Ammoniter den Götzen dienten. Dem
die sich im verheißenen Land aufhielten wollte der HERR ein Ende bereiten. Aber
und es für sich beanspruchten (vgl. V. 5). nicht nur das. Der Götzendienst wird glo-
Vier ihrer fünf Fürstenstädte (Jos 13,3) bal verschwinden, damit der wahre Gott
werden in Vers 4 genannt. Die ersten aus jedem Winkel der Erde angebetet
drei Städte vermitteln von ihrer Wortbe- wird. Es ist deutlich, dass sich das bis
deutung im Grundtext her Festigkeit und heute nicht erfüllt hat, denn in verschie-
Stärke, aber sie werden dennoch fallen. densten Religionen werden immer noch
Asdod sogar am hellen Mittag. Der Feind zahlreiche Götter verehrt. Doch schon in
ist so überlegen, dass er den Schutz der wenigen Jahren kann das alles Vergan-
Dunkelheit nicht zu nutzen braucht (vgl. genheit sein, wenn der Tag des HERRN
Jer 15,8). Ekron heißt Entwurzlung: Die gekommen sein wird! Dann werden die
Stadt macht also ihrem Namen alle Ehre. Menschen den alleinigen Gott von ihrem
Gott vernichtet die Philister und degra- Wohnort aus anbeten, aber auch zu der
diert ihr Gebiet zu einem Weideplatz für erwählten Stadt Jerusalem und dem Hei-
Kleinvieh. Dort lagert und weidet, bildlich ligtum hinaufziehen (Sach 14,16–19).
gesprochen, auch der Überrest der Ju-
den, wenn Gott sich ihrer angenommen Verse 12–15: In Vers 12 geht es um Äthi-
und ihre Gefangenschaft gewendet hat. opien, die südlichste Nation, die die Ju-
Der in der Bibel häufig vorkommende den damals kannten. Das zeigt, wie weit-
Ausdruck „die Gefangenschaft wenden“ reichend das Gericht Gottes ist. Die Ur-
hat nicht zuerst etwas mit einer buch- sache für das Schlagen Äthiopiens wird
stäblichen Gefangenschaft zu tun, son- – wie bei den Philistern – nicht genannt.
dern bezeichnet eine Wende aus einer
notvollen Lage zum Guten (s. z.B. Hiob Dem Erzfeind des Volkes Gottes im
42,10). Norden wird mehr Raum eingeräumt:
Assyrien mit der Hauptstadt Ninive. Die
Verse 8–11: Nach dem Blick zu den Phi- Weltreichmetropole Ninive würde derart
listern im Westen wendet sich der Pro- verwüstet werden, dass Pelikane und
phet zwei Völkern im Osten zu: Moab Eulen es sich auf den zertrümmerten
und Ammon. Gott hatte gehört, wie sie Säulenknäufen gemütlich machen könn-
hochmütig gelästert, geschmäht und ten. Die Stadt Ninive, die stolz frohlockte,
großspurige Reden gegen Gottes Volk die sich hinter der starken Befestigung
und sein Gebiet geführt hatten. Der Ur- sicher fühlte und Worte sprach, die nur
sprung dieser beiden Völker lag in einer Gott sagen darf (V. 15; vgl. Jes 45,18),
schändlichen Verbindung zwischen Lot soll zu einem Lagerplatz für wilde Tiere
und seinen Töchtern (1. Mo 19,36–38) werden. Die Vorübergehenden würden
und somit in einer Sünde, die auf den ihre Verachtung zeigen.
Einfluss des unmoralischen Sodoms zu-
rückzuführen ist. Es ist daher nicht von Im Jahr 612 v.Chr. wurde Ninive durch
ungefähr, dass Moab im Gericht wie So- die Babylonier und Meder eingenommen
dom und Ammon wie Gomorra werden und zerstört. Ob es in der Endzeit eine
sollte. Stadt geben wird, die den Namen Ninive
trägt, muss offen bleiben. Jedenfalls wird
Vers 11 macht klar, dass die Moabiter es eine Stadt geben, die den Charakter

24
Bibelstudium – Zephanja

Ninives haben wird – denn auch die Ver- Treuer sein Recht ans Licht (V. 5). Aber
se 13–15 haben nicht nur die besagte die Ungerechten schämten sich trotzdem
historische Dimension. ihres Unrechts nicht, obwohl sie wissen
mussten, dass böse Taten Konsequen-
Kapitel 3 zen haben. Denn Gott hatte verschiedene
gottlose Nationen gerichtet und ihre Städ-
Verse 1–7: Jetzt wendet sich Zephanja te verwüstet. Das wollte Er seinem Volk
Jerusalem zu (s. V. 5). Die Bewohner der ersparen. Doch sie waren eifrig darin, ihre
Stadt sind widerspenstig gegen Gott, ha- Sünden auszuleben.
ben sich selbst befleckt und bedrücken
andere. Gott hatte sich um sein Volk be- Vers 8: Nachdem die Unbußfertigkeit
müht, indem Er zu ihnen durch Prophe- des Volkes dokumentiert wurde, konnte
ten redete und mit ihnen handelte. Doch nur Gericht folgen. Das ist so selbstver-
ohne Erfolg. – Um uns näher zu sich zu ständlich, dass es nun überhaupt nicht
bringen, redet Gott auch heute noch mehr erwähnt wird. Stattdessen finden
durch sein Wort zu uns und geht mit uns wir in Vers 8 ein Wort an den Überrest
Wege der Zucht. Beides finden wir in He- (vgl. 2,3). Er sollte auf Gott harren, der
bräer 12. Wir werden dort aufgefordert, an seinem Tag auch die (feindlichen) Na-
das Reden Gottes nicht zurückzuweisen tionen richten wird und damit den Weg
(Heb 12,25) sowie unter der Zucht nicht ebnen würde, dass die Treuen des Vol-
zu ermatten, noch sie gering zu achten, kes gesegnet werden (vgl. 2,7.9). Nach
sondern uns durch sie formen zu lassen Offenbarung 16,12–16 werden sich die
(Heb 12,5.11). Sehen wir uns vor, dass es Könige der Erde unter dämonischen
nicht etwa von mir oder dir heißen muss: Einfluss versammeln, aber Zephanja 3,8
„Du hast ja die Zucht gehasst und hinter zeigt, dass dadurch nur der Ratschluss
dich geworfen meine Worte“ (Ps 50,17). Gottes erfüllt wird, der die Ausgießung
seines Zornes auf die versammelten Na-
Die Fürsten, die zum Wohl des Volkes tionen beschlossen hat.
agieren sollten, waren wie brüllende Lö-
wen, die Menschen verzehrten (Hes 19,1– Verse 9–15 3: Ähnlich wie in Kap. 2,11
2; Ps 10,9). Die Richter, die anderen Recht wird hier gezeigt, was dem Gericht folgen
verschaffen sollten, sprachen Unrecht, wird: Die Nationen werden nicht mehr
um Besitz an sich zu reißen (Mi 7,3). Und schmähen, lästern und sich beweihräu-
die Propheten? Statt schlicht und treu chern (2,8.10.15), sondern zu dem allei-
Gottes Wort zu predigen, verkündeten sie nigen Gott beten. Diese gewaltige Um-
das, was ihr Ansehen und Einkommen wandlung ihrer Lippen resultiert aus einer
erhöhte (Mi 3,5). Und ausgerechnet die Veränderung ihrer Herzen (vgl. Mt 12,34),
Priester waren es, die das Heiligtum ent- die nur Gott bewirken kann und bewirken
weihten und das Gesetz Gottes verbogen wird. Aber auch ihre Hände sind nicht
(Hes 22,26; Mal 2,7.8). Aber Gott bleibt mehr dieselben. Jetzt dienen sie Gott.
treu, Er kann sich selbst nicht verleugnen. Dazu gehört, dass sie die Zerstreuten Is-
Er stellte durch das Wort der wahren Pro- raels in ihr Land zurückbringen, Gott zur
pheten und das Werk Josias und anderer Freude und Ehre.

3
Zu den Versen 9–20 wurden im „Streifzug durch den Propheten Zephanja“ einige praktische Anmerkungen
gemacht, siehe FMN 06/2004, Seite 34–35.
Folge mir nach
25
Bibelstudium – Zephanja

In Vers 11 wird Jerusalem angesprochen. ihnen. Es geht Zephanja besonders um


Die Ungerechten schämten sich der Sün- die Bewohner Jerusalems (s. V. 18), die
den nicht, die in dieser Stadt getan wur- den Festen des HERRN nachtrauerten.
den (3,5). Bei den Treuen war das sicher Gott wird sie sammeln und dafür sorgen,
anders. Doch die Zeit ihres Schämens dass in den Ländern, wohin sie vertrieben
wird ein Ende finden, denn Gott wird wurden, mit Achtung von ihnen gespro-
die Stolzen von dem heiligen Berg Zion chen werden wird. Die Worte Zephanjas
wegnehmen. Zurück bleibt durch Gottes gehen sehr weit und umfassen auch die
Gnade ein Volk, das sich seiner eigenen zehn Stämme, die Gott in den letzten Ta-
Schwachheit bewusst ist und sein gan- gen zurückführen wird, damit ganz Israel
zes Vertrauen auf Gott setzt. Wie bei den (vgl. V. 13–15) im Tausendjährigen Reich
Nationen werden sich auch bei den Isra- den versprochenen Segen in ihrem Land
eliten Worte und Werke verändern (V. 13). genießen kann. Gott hat geredet. Seine
Und ihre Umstände. Kein Feind wird sie Worte werden zu seiner Zeit vor den Au-
mehr aufschrecken, wie das so oft in ih- gen des irdischen Volkes Gottes erfüllt
rer Geschichte der Fall war. Es wird kein werden (vgl. Jes 52,8).
Geschrei und Gejammer in den Gassen
Jerusalems zu hören sein (1,10.16), son- Schluss
dern Freudenjauchzen. Denn drei Dinge
sind verschwunden: die Gerichte Gottes, Nachdem wir den Propheten Zephanja
die Feinde und das Unglück (V. 15). In durchgearbeitet haben, können wir sei-
der Mitte Jerusalems, da wo der Über- ne Botschaft wie folgt umreißen: Gott
rest ist (V. 12), wohnt Gott, um den Segen hatte sich ein Volk aus den götzendie-
zu sichern. nerischen Nationen abgesondert, um ein
Zeugnis für Ihn zu sein. Nachdem sie völ-
Verse 16–20: Viele Propheten wurden lig versagt hatten, musste Er sie richten,
nach Jerusalem mit ernsten, warnenden aber auch die Nationen, die er bis dahin
Worten gesandt. Doch an jenem Tag wird in Langmut getragen hatte. Das Gericht
Jerusalem andere, ermutigende Worte des Tages des HERRN wird dann künftig
hören (V.16) – Worte, die zweifellos auch sowohl die Nationen als auch Israel posi-
eine Ansprache an unsere Herzen ha- tiv verändern. Der Götzendienst wird auf-
ben, denn auch wir brauchen uns nicht hören und das Volk Gottes reichen Se-
zu fürchten oder zu resignieren, da wir gen empfangen, wobei Jerusalem eine
den lebendigen Gott kennen. Gott aber besondere Rolle spielen wird.
wird nicht nur zu Jerusalem reden, son-
dern auch in seiner Liebe schweigen. Wachrütteln will uns die ernste Botschaft
Bewegender Gedanke! Gott freut sich Zephanjas. Wachrütteln im Blick auf uns
über sein Volk an jenem Tag, nachdem selbst: Es kommt nicht auf die Fassade,
Er, gleichsam mit blutendem Herzen, das sondern auf das Herz an. Wachrütteln im
notwendige Gericht an ihnen ausgeführt Blick auf eine verlorene Welt: Der Richter
haben wird. steht vor der Tür. Ob Zephanja das ge-
lingt, hängt allein von uns ab.
Durch die Macht des Feindes wurden
(und werden) die Juden aus ihrem Land Gerrid Setzer
gestoßen. Im Exil lastete Schmach auf

26
Gesetz und Freiheit – wie passt das zusammen?

Gesetz und Freiheit –


wie passt das
zusammen?

A uf den ersten Blick sieht der Ausdruck „Gesetz der Freiheit“ nach
einem Widerspruch in sich selbst aus. Denn entweder ist man frei von einem
Gesetz oder aber man steht unter einem Gesetz.

„Wer aber in das vollkommene Gesetz, das seinem Brief an, um ihnen das Gesetz der
der Freiheit, nahe hineinschaut und dar- Freiheit vorzustellen.
in bleibt, indem er nicht ein vergesslicher
Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, Wenn Jakobus vom vollkommenen Gesetz
dieser wird glückselig sein in seinem Tun“ spricht, meint das nicht, dass das mosa-
(Jak 1,25). ische Gesetz unvollkommen gewesen wäre
„So redet und so tut als solche, die durch (Röm 7,12). Nicht das Gesetz an sich war
das Gesetz der Freiheit gerichtet werden unvollkommen. Aber auf seiner Grundlage
sollen“ (Jak 2,12). konnte niemand vollkommen werden, weil
unter ihm die Segnungen von der Erfüllung
Die Christen in der Anfangszeit der Gesetzesgebote abhing. Kein Mensch,
und das Gesetz mit Ausnahme des Herrn Jesus, konnte
das Gesetz erfüllen. Denn wenn man in
Die Empfänger des Jakobusbriefes lebten einem Punkt schuldig geworden war, war
in den allerersten Tagen der Christenheit. man des ganzen Gesetzes schuldig (Jak
Das Evangelium wurde zunächst nur den 2,10.11). Niemand konnte unter dem Ge-
Juden verkündet, und demzufolge waren setz Leben oder Vollkommenheit erlangen
die ersten Christen auch alle Juden (Apg (Gal 3,10). Deshalb wurde es abgeschafft
2–8; 11,19). Diese Judenchristen hatten (Heb 7,18.19). Ja, es musste abgeschafft
nun ein Problem damit, sich von dem mo- werden, damit Menschen zur Vollkommen-
saischen Gesetz zu trennen. Es war ihnen heit gebracht werden konnten.
ja von Gott selbst gegeben worden – sollte
es Gott dann einfach wieder weglegen? So Das Gesetz der Freiheit
beobachteten sie auch als Christen weiter-
hin die Gesetze (Apg 15,1; 21,20–25). Sie Das Gesetz der Freiheit ist – einfach gesagt –
kannten das Gesetz Moses deshalb ganz ein Ausdruck, der die Offenbarung des Wil-
genau, und daran knüpft Jakobus nun in lens Gottes in der Zeit der Gnade bezeich-
Folge mir nach
27
Gesetz und Freiheit – wie passt das zusammen?

net. Es wird deshalb vollkommen genannt, unsere neue Natur keine Last mehr, seinem
weil es nicht nur die Mindestanforderungen Wort zu gehorchen, sondern wir dürfen
Gottes an den natürlichen Menschen stellt und können es freiwillig tun. Der Wille des
– wie das Gesetz vom Sinai –, sondern den neuen Menschen ist völlig in Übereinstim-
ganzen Willen Gottes für Gläubige enthält. mung mit dem Willen Gottes. Wir haben
Wir sind also unserer neuen Natur nach in eine Natur, deren Wünsche und Neigungen
vollkommener Übereinstimmung mit die- im Einklang mit Gottes Gedanken sind und
sem Gesetz, d. h. mit dem, was Gott ist und die ihre Freiheit darin findet, seinen Ge-
was Er will. Der Gläubige ist freigemacht, danken zu entsprechen. Das vollkommene
nicht auf Grund der Werke des Gesetzes, Vorbild dazu finden wir im Herrn Jesus
sondern auf der Grundlage des Erlösungs- selbst. Er hätte als der wahre hebräische
werkes von Golgatha (vgl. Röm 8,3.4). Knecht die Freiheit wählen können (2. Mo
Von dem Augenblick an, da wir dem Herrn 21,1–6). Aber Er entschied sich aus Liebe
Jesus angehören, sind wir frei von der zu seinem Herrn dafür, weiter zu dienen.
So fand Er seine Freiheit
darin, den Willen Sei-
nes Gottes und Vaters
zu tun (Joh 4,34). Sein
ganzes Leben zeigt uns,
was freiwillige Hingabe
und vollkommener Ge-
horsam Gott gegenüber
sind.

Möchten wir uns doch


mehr mit Ihm beschäf-
tigen, auf diese Weise
nahe in das Gesetz der
Freiheit hineinschauen
und anschließend auch
darin bleiben. Dann
Macht der Sünde und der Macht Satans werden wir in der Lage sein, einen Weg zu
– ob wir das empfinden und praktizieren seiner Ehre und Freude zu gehen, indem
oder nicht. Nun ist es unsere Freude, sei- wir Ihm freiwillig und gerne dienen.
nem göttlichen Willen zu folgen. Es ist für Matthias Krommweh

Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es


durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott,
indem er, seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt
des Fleisches der Sünde und für die Sünde
sendend, die Sünde im Fleisch verurteilte,
Röm 8,3

28
Der Frühaufsteher Gottes

Der Frühaufsteher
Gottes

„M orgenstund‘ hat Gold im Mund“. Manche Dinge kann man


morgens, bevor der Stress des Tages anfängt, gut und in Ruhe erledigen.
Außerdem ist man noch frisch – geistig und körperlich. Es spricht vieles
dafür, die Morgenstunden zu nutzen – wörtlich und im übertragenen Sinn.

Sich morgens zeitig aufzumachen ist ein Aufgaben dieses Tages stellen. Er hätte
Zeichen von Energie. Muss eine Sache denken können: „Gerade heute ein wenig
erledigt werden, sollte man sie so schnell mehr zu ruhen ist gut, denn der Tag wird
wie möglich erledigen. Dieser Grundsatz schon anstrengend genug sein!“ Aber ge-
gilt auch für unser geistliches Leben. Wenn nau das lesen wir nicht! Er war wohl einer
Gott uns einen Auftrag gibt, dann sollten der Ersten, die wach wurden, um seiner
wir ihn auch ohne Verzögerung ausführen. Verantwortung gerecht zu werden.

Von Josua lesen wir wiederholt, dass er Außerdem: Gott wollte das Volk an diesem
sich frühmorgens aufmachte. Tag in das verheißene Land bringen. Auf
diesen Tag hatte Josua schon so lange ge-
Gott hatte diesem Mann eine große Auf- wartet. War es da nicht passend, morgens
gabe übertragen! Er trat in die Fußstapfen früh aufzustehen?
seines väterlichen Freundes Mose, von
dem er zweifellos viel gelernt hatte. Er soll- Hat Gott für uns eine Aufgabe, die wir
te das große Volk Israel als Anführer in das für Ihn tun sollen? Dann lasst auch uns
versprochene Land bringen. Mose hatte morgens früh aufstehen, um vorher noch
mit diesem Volk viel Not gehabt; aber Gott Kraft aus seinem Wort zu erhalten und um
hatte Josua große Verheißungen und Zusi- Weisheit zu bitten. Vielleicht betreten wir
cherungen für diese Aufgabe gegeben. dabei auf geistliche Weise auch das uns
„verheißene Land“, indem wir etwas da-
Frühmorgens – von sehen, wie reich uns Gott durch das
Kraft tanken für die Aufgaben Erlösungswerk des Herrn Jesus gemacht
hat. In Ihm sind wir schon jetzt mit dem
Als jetzt die erste große Aufgabe vor ihm Himmel verbunden und genießen den Se-
stand, nämlich die Überquerung des Jor- gen des Himmels (vgl. Eph 1,3–9; 2,6). Ist
dan, „da machte sich Josua frühmorgens das nicht eine erstklassige Motivation, um
auf“ (Jos 3,1). Er hatte keine Zeit zu ver- in der Stille vor dem Herrn „aufzutanken“
lieren, sondern wollte sich den vielfältigen für die Aufgaben des Tages?!
Folge mir nach
29
Frühmorgens – gemacht. Der geistliche Zustand des ganzen
um Bewahrung bitten für den Kampf Volkes war nicht gut. Gott antwortete mit
einer Niederlage für das Volk. Auch Josua
Auch am Tag des großen Sieges, der Ein- hatte versagt. Denn er hatte auf die eigene
nahme der Stadt Jericho, macht er sich Stärke des Volkes vertraut und nur einen
frühmorgens auf. Die Kinder Israel, und kleinen Teil der Soldaten in den Kampf ge-
Josua mit ihnen, standen vor ihrem ersten schickt – ohne „Rücksprache“ mit Gott.
Kampf. Die erste Feindberührung sollte an
diesem Tag stattfinden. Auch hier hätte der Durch die Niederlage machte Gott Jo-
Gedanke nahe gelegen, sich noch etwas sua klar, dass etwas im Volk Gottes nicht
Ruhe zu gönnen, um seine ganze Energie stimmte. Und Er zeigte Josua den Weg,
für den Kampf einzusetzen. Nein, Josua be- die Sache wieder in Ordnung zu bringen.
stand darauf, früh aufzubrechen. Wieder lesen wir von Josua, dass er sich

Auch wir stehen in ei-


nem Kampf – in einem
geistlichen Kampf ge-
gen geistliche Mächte
der Bosheit. In Epheser
6, 10–20 lesen wir da-
von. Diese Mächte wol-
len uns den Segen des
Himmels rauben – oft
gerade durch Attacken
auf unser Alltagsleben
(vgl. den Unterricht von
Paulus in Epheser 4,17–
6,9 vor der Schilderung
der Waffenrüstung in
Kapitel 6,10–18!). Zwar
hat uns der Herr, wie
auch den Kindern Isra-
el, alle geistlichen Waffen zur Hand gege- frühmorgens aufmachte, um Israel von der
ben. Aber es geht darum, diese auch richtig Sünde, von dem Bann, zu befreien. Wie
zu gebrauchen. Eine erste und besonders das zu geschehen hatte, lesen wir in Josua
wichtige Waffe ist das Gebet. Deshalb ist es 7,16–26.
gut, wenn wir uns morgens früh, jedenfalls
bevor der Kampf losgeht, im Gebet an un- Achan hatte ein direktes Verbot Gottes
seren Gott und Vater wenden und Ihn um einfach übertreten. Und obwohl Gott ihm
Kraft für diesen Kampf bitten. sicher Gelegenheit zur Buße gegeben hat-
te, hatte er seine Sünde nicht aufrichtig be-
Frühmorgens – kannt – denn er gab sie erst zu, als er dazu
Gott gemäße Umkehr nach dem Fall gezwungen war und sie sich nicht mehr
verheimlichen ließ. Für ihn gab es danach
Einer aus dem Volk Israel hatte gesündigt. keine Gnade mehr. Unserem Herrn dürfen
Dafür wurde das ganze Volk verantwortlich wir dankbar sein – wir kennen heute den

30
Der Frühaufsteher Gottes

Weg zurück in den Genuss der Gemein- Jetzt hatte Gott genaue Anweisungen für
schaft mit Gott (denn jede Sünde unter- den Kampf gegeben, und Josua hatte alles
bricht diesen). Dieser Weg führt allein über so vorbereitet, wie es sein sollte.
Umkehr und Bekenntnis.
Schließlich lesen wir von Josua, dass er
Wenn bei uns etwas vorgefallen ist, sollten sich am Tag des Kampfes frühmorgens auf-
wir das Bekenntnis nicht „auf die lange machte, nachdem er die Nacht in der Mitte
Bank schieben“, auch wenn so ein Bekennt- des Volkes zugebracht hatte. Vielleicht woll-
nis sehr unangenehm ist. Denn solange wir te er damit die Moral der Soldaten stärken,
die Sache nicht bekannt haben, ist die Sa- indem er als Anführer ganz nah bei ihnen
che nicht wieder in Ordnung gebracht. war.

Josua stand früh auf; diese Angelegenheit In der Sache des Herrn gibt es keine Zeit
ließ ihm keine Ruhe. Es musste für alle zu verlieren. Wenn Gott eine Aufgabe für
sichtbar werden, dass eine Sünde vorlag. uns hat, sollten wir die Zeit, die Gott uns
Und als dann die Strafe vollzogen war, war schenkt, für IHN verwenden. Wenn wir die
Israel befreit und konnte wieder Gemein- Hälfte der Zeit verschlafen (mit anderen
schaft mit Gott haben. Dingen beschäftigt sind), verfehlen wir das
Ziel.
Ein Christ, bei dem der Genuss der prakti-
schen Gemeinschaft mit seinem Gott unter-
brochen ist, weil eine noch nicht vergebene Wir wollen uns ermuntern lassen, Energie
Sünde vorliegt, kann nicht glücklich sein. aufzuwenden für die Sache des Herrn:
Deshalb lasst uns nicht zögern, die Sache Lasst uns früh aufstehen, um Kraft zu
zu bekennen – unserem Gott und Vater, tanken und um Bewahrung zu bitten für
aber auch demjenigen, gegen den wir kon- den Tag.
kret gesündigt haben. Dann werden wir Lasst uns nicht zögern mit einem Be-
wieder glücklich sein und Freude in unse- kenntnis, „je eher, desto besser“!
rem Herzen haben. Und lasst uns keine Zeit mit irgendwel-
chen Dingen vergeuden – sie fehlt uns
Frühmorgens – keine Zeit verlieren dann für den Herrn.
in der Sache des Herrn
Klaus Brinkmann
Ai musste zum zweiten Mal angegriffen
werden – das lesen wir dann in Josua 8.

Laß mich früh (W. am Morgen.) hören deine


Güte, denn auf dich vertraue ich; tu mir
kund den Weg, den ich wandeln soll, denn
zu dir erhebe ich meine Seele!
Psalm 143,8

Folge mir nach


31
Achimaaz – Priester-
sohn und Königsbote
– Lektionen für Arbeit im
Reich Gottes heute

Ü ber Achimaaz, den Sohn des Priesters Zadok, wird uns nur ein
kurzer Bericht aus seinem Leben gegeben, und zwar im 2. Buch Samuel
in Verbindung mit David. Da er noch ein junger Mann war, sollten sich
vielleicht gerade jüngere Leute einmal mit dem beschäftigen, was uns die
Bibel von ihm erzählt. Dazu müssen wir manchmal sehr genau lesen und
uns auch sein Umfeld ansehen, um die richtigen Nutzanwendungen ma-
chen zu können.

Achimaaz’ Familie men und ihn – wenn möglich – sogar töten


(vgl. 2. Sam 16.17). Viele Menschen hatten
Achimaaz stammte als Sohn Zadoks von sich auf die Seite Absaloms geschlagen.
Eleasar ab, dem dritten Sohn Aarons. Unter ihnen war auch Ahitophel, einer der
Während der Regierung von David gab wichtigsten Berater Davids. Sein Rat wurde
es noch eine andere Priesterfamilie, näm- damals sogar von David dem Wort Gottes
lich die Familie Abjathars. Dieser war ein gleichgestellt (2. Sam 16,23).
Nachkomme Ithamars, des vierten Sohnes Doch eine Reihe von Getreuen nahmen die
Aarons. Abjathar war als Einziger entkom- Beschwerden der Flucht aus Liebe zu David
men, als der König Saul die Priesterfamilie auf sich. Auch Zadok und Abjathar mit ihren
Ahimelechs durch Doeg, den Edomiter, Söhnen Achimaaz und Jonathan sowie die
ausrotten ließ, weil sie David bei seiner Leviten gehörten zu denen, die mit David
Flucht vor Saul unterstützt hatte (1. Sam gehen wollten (2. Sam 15,24–29). In ihrem
22,20-23). Zu Lebzeiten von David waren Eifer hatten sie sogar die Bundeslade aus
beide Familien als Priester vor Gott tätig. Jerusalem mitgenommen. Aber David ließ
sie einschließlich „Personal“ wieder nach
Jerusalem zurücksenden – die Priester und
Bereit in gefährlicher Zeit ihre Söhne sollten als Informanten dienen.
Sollten die Priester aber irgendetwas in
In der Zeit des ersten Auftretens von Erfahrung bringen, was für David wichtig
Achimaaz musste der König David gerade wäre, sollten sie ihm durch ihre Söhne eine
vor seinem Sohn Absalom fliehen. Absalom Botschaft senden (2. Sam 15,36).
wollte seinem Vater das Königtum wegneh-

32
Achimaaz – Priestersohn und Königsbote

Schnelle Königsboten zur schen) Boten. Achimaaz hatte offensichtlich


Rettung Davids dieser Begebenheit auch beigewohnt und
wollte auf Grund seiner Wertschätzung für
Und tatsächlich, die Gelegenheit ließ nicht David unbedingt der Überbringer dieser
lange auf sich warten. Absalom wollte ent- guten Nachricht sein. Joab aber wusste um
gegen dem Rat Ahitophels mit einer riesigen den Befehl Davids, Absalom zu schonen.
Armee über David und seine Getreuen Deshalb war ihm klar, dass diese Botschaft
herfallen und sie vernichtend schlagen. von ihm keineswegs positiv aufgenommen
Eine Magd brachte sofort die Botschaft würde. So wollte er ihn unbedingt davon
nach En-Rogel, wo Achimaaz und Jonathan abhalten. Doch Achimaaz bestürmte Joab
sich aufhielten. Es war nun klar, dass David solange, bis er schließlich nachgab. Er war
keinesfalls mehr in der Wüste übernachten ein hervorragender Läufer und kannte sich
durfte, sondern unverzüglich den Jordan auch in der Gegend gut aus, so dass er den
überqueren und sich dann jenseits des Flus- ersten Boten nicht nur ein-, sondern sogar
ses in Sicherheit bringen musste. Jonathan überholen konnte. War dieser Eifer um
und Achimaaz machten sich auch sofort seinen „Dienstlauf“ von Gott? Die nächsten
auf den Weg; dabei wurden sie jedoch von Ereignisse lassen nicht darauf schließen.
Parteigängern Absaloms beobachtet. Eine
Verfolgung wurde eingeleitet, der sie jedoch
dank der Hilfe Gottes entgehen konnten. Der fallende Bote
Eine Frau verbarg sie in einem Brunnen und
schickte die Verfolger auf einen verkehrten Das Herannahen der beiden Läufer war
Weg. So konnten die beiden ihre Aufgabe von den Wächtern in Davids Zufluchtsort
erfolgreich ausführen und David warnen. Machanaim verfolgt worden. Der Wächter
Sie blieben zunächst im Lager bei David. konnte an dem Laufstil des ersten Läu-
Beide waren schnelle Läufer und kamen fers Achimaaz erkennen. David, der ganz
als Eilboten zum Einsatz (vgl. 1. Kön 1,42). gespannt auf den Ausgang des Kampfes
Aus einem solchen Eillauf des Achimaaz wartete, hielt sich in der Nähe der Wächter
können wir sicher Nutzen ziehen (vgl. 1. auf. Als diese ihm ihre Beobachtungen
Sam 17,15–21). mitteilten, sagte er: „Das ist ein guter Mann,
und er kommt mit einer guten Botschaft“ (2.
Sam 18,27). Offenbar war es damals üblich,
Drängeln zum Dienen – dass bestimmte Boten grundsätzlich für eine
Erfolg versprechend? „gute“ Botschaft geschickt wurden, andere
jedoch eher für eine problematische. Als
Gott half David, und die Anhänger Absa- Achimaaz dann auch als Erster den König
loms wurden besiegt. Absalom selbst war mit erreichte, berichtete er ihm in gut gemeint
seinem „Schmuck“, nämlich seinem langen schonender Weise von dem erfolgreichen
Haupthaar, in einer Terebinthe hängen Ausgang des Kampfes und belog dabei
geblieben und von Joab, dem Heerobersten, seinen König. Hatte er nach dem Grund-
mit einem Speer getötet worden. Nachdem satz: „Lasst uns das Böse tun, damit das
der Anführer tot war, kam die Schlacht zu Gute komme!“ (Röm 3,8) gehandelt? Es
ihrem Ende. ist jedenfalls eine ernste Warnung für jeden
Nun sollte David schnell die Siegesbotschaft Übereifrigen im Reich Gottes.
übermittelt werden. Joab beauftragte damit Damit ist der Bericht über das Tun des Pries-
einen kuschitischen (d.h. vielleicht afrikani- tersohnes Achimaaz zu Ende. Er wird nur

Folge mir nach


33
noch einmal im Verlauf eines Geschlechts- dieses Glaubensgut selbst erwerben.
registers in 1. Chronika 6 genannt. Sein Wenn wir von dem Glaubensgut der Väter
„Kollege“ Jonathan dagegen kommt auch sprechen, wollen wir dabei natürlich im
zu Beginn der Herrschaft Salomos noch zum Auge behalten, dass es sich um die Lehre
Einsatz (1. Kö 1,42). Er hatte sich durch- der Apostel, d.h. um die den Aposteln von
gängig bewährt – offenbar im Gegensatz Gott anvertraute Lehre handelt. Die bloße
zu Achimaaz. Übernahme von Traditionen oder nicht
schriftgemäßen Lehrauffassungen führt uns
Welche Charaktereigenschaften entnehmen ganz schnell auf einen verkehrten Weg.
wir dem biblischen Bericht?
3. Achimaaz liebte seinen König. So ist
1. Achimaaz war der Sohn eines treuen es wichtig, dass auch wir unseren Herrn
Vaters. Jesus von Herzen lieb haben und bemüht
2. Er war bemüht, in die Fußstapfen sind, Ihn immer besser kennen zu lernen.
seines Vaters zu treten und wollte Es ist interessant, wie oft uns die Erkennt-
sowohl Gott als auch dem König in nis der Person des Herrn Jesus und seines
Treue dienen. Willens als Quelle der Kraft für unseren
3. Er liebte seinen König. Glaubensweg in den Briefen der Apostel
4. Er war bei anderen als ein guter Paulus und Petrus vorgestellt wird (2. Kor
Mann bekannt. 4,6; Eph 3,19; Phil 3,8; Kol 1,10; 2. Petr
5. Er stellte seine natürlichen Begabungen 1,2.3). Die Liebe zu dem Herrn Jesus wird
in den Dienst für Gott und für seinen uns über viele Probleme und Schwierigkei-
König. ten hinweg helfen.
6. Er ließ sich auch durch Schwierigkeiten
nicht von seinen Aufträgen zurück- 4. Wenn wir unserem Herrn dienen
halten. möchten, ist es wichtig, so weit es an uns liegt,
7. Er war beharrlich. einen guten Ruf bei unseren Mitgeschwistern,
8. Er stand nicht in Konkurrenz zur aber auch bei den Menschen in unserer
anderen Priesterfamilie. Umgebung zu haben. Timotheus hatte ein
9. Ganz zuletzt versagt er dennoch und gutes Zeugnis von den Geschwistern in Lystra
wird beiseitegesetzt. und Ikonium (Apg 16,2). Auch Ananias hatte
ein gutes Zeugnis von den an seinem Ort
Welche Schlussfolgerungen ziehen wir für wohnenden Juden (Apg 22,12). Uns allen ist
uns aus seinem Verhalten? sicher auch klar, dass wir die Herzen unserer
Mitmenschen viel besser erreichen, wenn wir
1.+ 2. Wenn wir gläubige Eltern haben, uns korrekt und ordentlich ihnen gegenüber
die in Treue Gott nachfolgen möchten, gehen verhalten und auch ein gewisses Mitgefühl
diese Eigenschaften nicht automatisch auf die zum Ausdruck bringen.
Kinder über. Das wird an dem Beispiel der
Söhne des gottesfürchtigen Hohenpriesters 5. Der Herr Jesus hat uns als Schöpfer
Elis, Hophni und Pinehas, deutlich. Es tritt verschiedene Fähigkeiten und Begabun-
aber noch wesentlich deutlicher bei den gen geschenkt: Wir wollen dabei nicht
Söhnen Davids zu Tage. Nur wenn der nur an die Gaben eines Hirten, Lehrers
Glaube unserer Väter in unseren Herzen oder Evangelisten denken, sondern auch
feste Wurzeln bilden kann, werden wir ihren an eine gute Stimme, um andere durch
Fußstapfen folgen können. Wir müssen uns ein Lied ermuntern zu können; ein gutes

34
Achimaaz – Priestersohn und Königsbote

handwerkliches Geschick, um Geschwistern bei geringfügigeren Schwierigkeiten in dem


helfen zu können; die Fähigkeit, mit Kindern Dienst für unseren Herrn „die Flinte ins Korn
gut umzugehen etc. Sicher wäre hier noch werfen“. An vielen Stellen der Bibel werden
manche Seite mit weiteren Möglichkeiten wir zum Ausharren und zur Glaubensenergie
zu füllen. Achimaaz setzte seine Fähigkeit, ermuntert. Eigentlich hatten wir die Absicht,
gut und ausdauernd laufen zu können, für Geschwistern einen Hilfsdienst zu erweisen.
seinen König ein. Plötzlich fängt es an zu regnen. Und schon
nutzen wir den Umstand, um diese Aufgabe
8. Als Achimaaz gemein- auf einen anderen Zeitpunkt
sam mit Jonathan den Auftrag zu verschieben. Möchten wir
bekam, als Bote für David uns durch dieses Beispiel
bereitzustehen, kam bei ihm ermuntern lassen, nicht so
gar nicht der Gedanke auf, schnell vor Schwierigkeiten zu
dass er diese Aufgabe ganz kapitulieren. Andererseits
gut allein ausführen könnte. Er erkennen wir an der Lüge,
fragte auch nicht wie Petrus: die Achimaaz ausspricht, wie
„Was soll aber dieser?“. Er schnell unser zunächst gut
hatte auch keine Vorbehalte gemeinter Eifer zur Sünde
gegen seinen Mitgenossen, führt, wenn wir ihn ohne den
dass dieser aus einer Familie Herrn und seine klare Weg-
kam, die vielleicht durch weisung an den Tag legen.
einen Makel belastet war. Wir sollen nicht im Eigensinn
Wie gut ist es, im Dienst für handeln, wenn Gott uns Hin-
den Herrn Jesus gemeinsam dernisse in den Weg legt oder
zu arbeiten und sich auch an wenn er andere gebrauchen
Gaben zu freuen, die der Herr will. In seiner Güte vermag
Jesus dem Bruder oder der der Herr uns auch dann
Schwester an unserer Seite wieder aufzurichten. Aber
geschenkt hat. Leider mangelt den Ernst einer Übertretung
es uns oft an der Fähigkeit, mit ihren Folgen sollten wir
unsere Geschwister höher doch auch zu unseren Herzen
zu achten als uns selbst. Wir reden lassen.
würden doch manchmal gern
ein wenig mehr im Rampenlicht stehen. Es sind nicht immer so ganz offensichtliche
Dinge, die von allen registriert werden,
6. + 7. + 9. Angesichts der Tatsache, zu denen der Herr Jesus uns gebrauchen
dass Achimaaz sich weder durch seine Ende- möchte. Wir sehen es an diesem kurzen
ckung noch durch die Einwände Joabs von Bericht, den uns die Bibel über diesen Mann
seinen Botengängen abhalten ließ, können gibt. Gott erwähnt dieses treue Verhalten
wir vielleicht Belehrungen in zwei verschie- und empfiehlt es uns zur Nachahmung
dene Richtungen überdenken: Einerseits – und Er warnt uns vor Übereifer und seinen
sollten wir uns die Frage stellen, ob wir schon Folgen.

Rainer Möckel

Folge mir nach


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„Wohin geh ich eigentlich?“
„Wenn nun der Sohn euch frei macht,
werdet ihr wirklich frei sein.“
Johannesevangelium, Kapitel 8, Vers 36

Ein Mann war auf dem Weg nach Hause, oder besser gesagt, er suchte den Weg
zu finden. Sein unsteter, schwankender Gang verriet, dass er zu viel getrunken
hatte. Obwohl er über dreißig Jahre in dem Dorf gelebt hatte, fand er seinen Weg
nicht. Fluchend sagte er schließlich zu einem Vorübergehenden: „Ich hab‘ den
Weg verfehlt. Wohin geh ich eigentlich?“

Der Angeredete war ein


Christ, der den Trinker kann-
te. Er erwiderte mit großem
Ernst: „Dem Verderben entge-
gen!“ Der arme Mann starrte
ihn einen Augenblick verwirrt
an und stöhnte dann:
„Das ist wahr!“ – „Kommen
Sie“, sagte der andere, „ich
bringe Sie nach Hause!“ So
geschah es.

Der Mann aber hat die Worte


„Dem Verderben entgegen!“
nicht mehr aus dem Sinn gebracht. Es wurde der Anlass zu seiner Umkehr zu
Gott, zum Bekenntnis seiner Sünden, zu einer echten Sinnesänderung.

Doch man kann auch verloren gehen, ohne einer Sucht wie Alkohol oder Drogen
verfallen zu sein. Es genügt, dass man Gott gleichgültig gegenübersteht und ver-
säumt, sich um seine ewige Zukunft zu kümmern.

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