Sie sind auf Seite 1von 35

i r n a c h

Fo l g e m t s c h r i ft f ü r j unge C h r i s ten

Zei

r 8. Mai
De

Wechsel
Papst-
Zum

5/2005
Folge mir nach
1
Inhalt/Impressum

Inhalt
Aus aktuellem Anlass:
Der 8. Mai ................................................................................................... 4
Ein Papst geht – ein anderer kommt ............................................................ 9
Zum Nachdenken:
Bei Gott sind alle Dinge möglich ................................................................ 16
Pinnwand .................................................................................................. 18
Bibel praktisch:
Versuchungen für Christen (Teil 2) ............................................................ 20
Bibelstudium:
Der barmherzige Samariter ........................................................................ 25
Jesus Christus:
Gott redet im Sohn .................................................................................... 28
Lebensbeschreibung:
August Philipp Michel ................................................................................ 32
Gute Botschaft:
Sich beugen und trinken ............................................................................ 36

Impressum
Herausgeber: Anschrift der Redaktion:
Christliche Schriftenverbreitung Rainer Brockhaus · Kormoranweg 18 · 46487 Wesel
Hückeswagen Tel.: (02 81) 6 08 19 · Fax: 6 36 17
PF 100 153 E-mail: rbrockhaus@gmx.de
42490 Hückeswagen Internet: http://www.folgemirnach.de
Telefon: (0 21 92) 9 21 00 Herstellung:
Telefax: (0 21 92) 92 10 23 Layout und Satz:
E-mail: info@csv-verlag.de Andre Dietermann, www.dtp-medien.de, Haiger
Druck: Brockhaus Druck, Dillenburg

Folge mir nach erscheint sechswöchentlich;


Abo-Preis 13,-- (zzgl. Porto Inland: 2,50; Porto Aus-
land: 4,--); Musterhefte können jederzeit angefordert Bildnachweis und Bildrechte:
werden; Abonnements und Änderungen im Abonnement
© Nicole Pucknat: 1 (Petersplatz in Rom), 10, 12
bitte an den Herausgeber. Bibelübersetzung: Elberfelder
Übersetzung Version 2003 © R. Dietermann: 4, 7, 8, 22, 36
© imagelibrary: 16, 17, 20, 28, 30, 31

2
Das persönliche Grußwort

N eulich am Rand einer Bibelkonferenz. Thema Hebräerbrief.


Ein junger Christ stellt die Frage nach den Versuchungen, weil in
Kapitel 4,15 gesagt wird, dass wir in dem Herrn Jesus „nicht einen
Hohenpriester (haben), der nicht Mitleid zu haben vermag mit unseren
Schwachheiten, sondern der in allem versucht worden ist in gleicher
Weise wie wir, ausgenommen die Sünde.“ Dass der Herr Jesus sündlos
war, das sei ihm klar, und dass das bei uns anders sei, wisse und sehe
er – leider – auch. Aber was heißt „in allem … wie wir – ausgenom-
men die Sünde“? Woher kamen diese Versuchungen? Welcher Art
waren sie? – Bei sich selbst und für sich selbst sehe er Versuchungen
immer schon verbunden mit Sünde – als Gefahr oder sogar als End-
punkt.
Wir erkennen, dass dies bei unserem Herrn keineswegs der Fall
war, denn „Sünde ist nicht in ihm“ (1. Joh 3,5). Bei Ihm machten
die Versuchungen nur offenbar, dass Er vollkommen rein, gerecht,
gehorsam und heilig war. Dabei empfand Er Versuchungen von außen
viel tiefer, als wir es je können.
Aber diese Fragen, an uns gerichtet, erhalten ebenso Antwort in Gottes
Wort. Damit wir daraus Konsequenzen ziehen für unser Leben. Auf
Seite 20 findet ihr den zweiten und letzten Teil der Erörterung über
dieses Thema der „Versuchungen des Christen“.
Konsequenzen ziehen – das begleitet uns Menschen ein Leben lang.
Immer wieder werden wir dazu herausgefordert, ob es Hinweise „aus
aktuellem Anlass“ sind oder ob es das Vorbild treuer Männer und
Frauen ist. Wir sollten nicht desinteressiert oder unberührt bleiben.
Besonders dann nicht, wenn der Herr Jesus in Gottes Wort vor unsere
Augen und Herzen tritt, in seiner Größe und Schönheit und als das
unübertreffliche Vorbild.

Folge mir nach


3
Der 8. Mai

V
Dresden 1945

iele Gedenkfeiern gab es zum 8. Mai 2005. Man erinnerte sich des
Kriegsendes, des 8. Mai 1945. Das ist jetzt 60 Jahre her. Diesen Tag haben
die wenigsten, die heute leben, bewusst miterlebt. Von den Lesern dieser
Zeitschrift vermutlich nur Einzelne. Aber dieser Tag und das, was mit ihm
in Verbindung steht, hat auch uns Christen – auch den jungen Christen
– etwas zu sagen.
Eine Katastrophe waren Gefangene ihres totalitären Systems
geworden – des Nationalsozialismus –,
Es gibt nur wenige, die bestreiten, dass der sie nicht mehr los ließ und der kein
die Zeit von 1933 bis zum 8. Mai 1945 für Ausbrechen und Abdanken mehr zuließ.
Deutschland eine Katastrophe war. Nicht
nur die Kriegsjahre, sondern auch die poli- Wenn man an die politischen Führer der da-
tische Kultur, die damals in Deutschland im maligen Zeit denkt, die eben nicht nur Politik
wahrsten Sinne des Wortes „herrschende“ verfolgten, sondern ihren Überzeugungen
Ideologie. Frei war niemand mehr, selbst wie einer Religion anhingen, wird man fast
wenn er nicht Gefangener war. Und auch unwillkürlich an die religiösen Verführer
die vermeintlich Freien, die an der Spitze des erinnert, die sich selbst dem Verderben
Staates standen, waren nicht mehr frei. Sie hingeben: „Denn stolze, nichtige Reden
führend, locken sie ... ihnen
Freiheit versprechend, wäh-
rend sie selbst Sklaven des
Verderbens sind; denn von
wem jemand überwältigt ist,
diesem ist er auch als Sklave
unterworfen“ (2. Pet 2,18.19).
Adolf Hitler, Hermann
Göring, Rudolf Heß, Joseph
Goebbels, Heinrich Himmler,
Albert Speer, und wie sie alle
hießen: Sie meinten frei zu
sein. Aber in Wirklichkeit wa-
ren sie Gefangene ihrer selbst;
Gefangene eines ungöttlichen
Systems, das sie selbst auf-
gebaut hatten; Gefangene
Satans, der sie als Instrumente
einsetzte.

4
Der 8. Mai

Der Christ und die von oben auf sie herabzuschauen. Wie ge-
Regierungsmacht sagt – vermutlich hat kaum einer von uns
die Drangsale bewusst miterlebt, durch die
Christen haben sich immer wieder die die damalige Zeit gekennzeichnet war. Und
Frage gestellt: Müssen wir uns einem solch wer wollte für sich heute „die Hand ins
satanischen Werk nicht in den Weg stellen Feuer legen“?
und einen Widerstand organisieren oder
unterstützen? Eine genauso interessante Das also ist nicht gemeint, wenn man auch
Frage, die sich nachdenkliche Menschen antichristliche Machthaber als von Gott ein-
stellen, ist diese: Warum hat Gott keinem gesetzt akzeptiert. Als Christen müssen wir
einzigen der Attentate, die Hitler erledigen uns bewusst blei-
sollten, zum Erfolg verholfen? ben, was schon
Die erste Frage beantwortet Gottes Wort: Jesus in seinem
„Jede Seele ordne sich den obrigkeitli- Verhör gesagt
chen Gewalten unter; denn es gibt keine hat: „Mein Reich
Obrigkeit, außer von Gott, diejenigen ist nicht von die-
aber, die bestehen, sind von Gott einge- ser Welt“ (Joh
setzt“ (Röm 13,1). Der Schreiber dieser 18,36). Auch wir
Zeilen, der Apostel Paulus, lebte in der gehören nicht zu
Regierungszeit des Kaisers Nero, eines grau- dieser Gesellschaft
samen Tyrannen und Christenverfolgers. (Joh 17,16), auch
Man stellt sich sofort die Anschlussfrage: wenn wir in ihr
Ist es denn nicht Lästerung zu sagen, leben (müssen).
Gott habe Adolf Hitler eingesetzt – einen Sich eins zu ma-
solch ungöttlichen und Gott fluchenden chen mit einer
Herrscher? Die Antwort ist: Gott hat nicht ungöttlichen
den Flucher gewollt, aber Er ist es, der Regierung wür-
auch einen Flucher als Herrscher benutzen de bedeuten,
kann, um seine Ziele zu verfolgen. Und Teile der bibli-
jeder Regierende in der heutigen und da- schen Wahrheit
maligen Zeit ist von Gott eingesetzt – ob aufzugeben, um Kriegsgefangene
wir das verstehen oder nicht. Wer sich also in Frieden leben
gegen seine Regierung – handle es sich zu können. Dass man beispielsweise als
um Despoten oder Demokraten – poli- Gemeinschaft von Christen bereit ist, sich
tisch auflehnt, lehnt sich letztlich gegen einen Mitgliedsstatus mit unbiblischen
Gott und sein Handeln auf. Dabei möch- Kriterien aufzwängen zu lassen, um von der
ten wir nicht übersehen, dass sich einige Regierung geduldet zu werden. Das – ge-
Christen damals aus ihrer Glaubenssicht nau das – war Ende der 30er und Anfang
heraus nach langem Ringen zu einem Ja der 40er Jahre ein großes Problem. Und
zum „Tyrannenmord“ entschieden haben. wir sollten nicht denken, dass dies nicht
Zwar teilen wir ihre Schlussfolgerung nicht. wieder auf uns zukommen könnte, wenn
Aber ihre Glaubensnot wollen wir nicht un- ein Regime die Macht ergreift, das anti-
erwähnt lassen. christlich und diktatorisch ist.
Der Glaube, der nötig ist, um solche Zeiten
Dieser Tatbestand bedeutet natürlich mit dem Herrn „überleben“ zu können,
nicht, dass man sich, gewissermaßen po- muss sich vor solchen Prüfungen bil-
litisch, auf die Seite eines solchen bösen den (vgl. Heb 11,1). Die Kraft benötigt
Machthabers stellen darf. Leider haben man erst in den Erprobungen. Aber die
das viele Christen im Dritten Reich getan. Überzeugungen müssen zuvor entste-
Nicht, dass wir irgendeinen Grund hätten, hen. Sonst passiert das, was man in alten
Folge mir nach
5
Dritten Reiches „abschließend deuten“.
Wann schickt Gott Gericht? Wenn es der
Zustand des Volkes Gottes nötig macht.
Und zeigen nicht die Entwicklungen unter
den Christen und gerade auch die kirch-
lichen Entwicklungen damals, dass Gott
wirklich redete? Er machte deutlich: Je
höher man von sich denkt, desto tiefer
fällt man.

Wer war „treu bis zum Tod“ (Off 2,10)?


Ja, es gab solche treuen Zeugen, die be-
reit waren, für ihren Herrn zu sterben.
Und das waren oftmals nicht diejenigen,
die als Lehrer des Wortes Gottes zuvor im
Rampenlicht gestanden hatten. Das waren
diejenigen, die in ihrem Innern gegründet
waren auf das Wort Gottes. Und die in ech-
ter Überzeugung mit ihrem Herrn ausharr-
ten, koste es, was es wolle. Aber waren das
Wjatscheslaw M. Molotow, Joachim von
Ribbentrop, Josef Stalin unterzeichnen deutsch-
viele?
russischen Nichtangriffspakt
Könnte es sein, dass manche Christen
Zeitschriften nachlesen kann: In Heften, vor diesen Stürmen ein bisschen auf ih-
die zuvor Bibelauslegungen brachten und ren Glauben stolz waren? Und dass sie
die klare Botschaft des Wortes Gottes ent- sich nicht mehr bewusst waren, dass der
hielten, finden sich auf einmal Lobreden Glaube allein durch Gottes Wort und den
auf die Politik und das Vaterland. Eine Geist Gottes geformt wird? Gab es viel-
Gefahr, vor der man das Auge nicht leicht manche, die ganz zufrieden mit ihrer
verschließen sollte. Auch nicht im 21. Stellung inmitten der Christenheit waren
Jahrhundert. – getrennt von unbiblischen Volkskirchen
und/oder Liturgien, mit einem deutliche-
Was konnten die Gläubigen damals tun? ren Verständnis als andere Christen? Und
Sie konnten sich, da sie Gott mehr ge- dann zeigte Gott, wo der Einzelne wirklich
horchen sollten als Menschen, trotz des stand ...
Verbotes heimlich versammeln. Das war
mit sehr großer Gefahr verbunden. Das
allerdings ist natürlich viel leichter ge-
schrieben als getan.

Warum griff Gott nicht ein?

Es bleibt noch die zweite Frage. Warum


ließ Gott keines der Attentate gelingen? Auf
diese Frage gibt es keine einfache Antwort.
Die kann endgültig nur Gott selbst geben.
Und doch gibt es Anhaltspunkte. Wir wol-
len hier nur auf einen Punkt eingehen, der Generalfeldmarschall Keitel unterzeichnet die
uns als Christen besonders interessiert, ratifizierende Kapitulationsurkunde am 9. Mai
und nicht die Existenz und die Folgen des 1945 in Berlin-Karlshorst

6
Der 8. Mai

Vor 60 Jahren ist nicht heute – sehr plötzlich zu Ende gehen! Der Apostel
aber was ist heute? Paulus schreibt dazu in 1. Thessalonicher
5,3: „Wenn sie sagen: Friede und
Nun mag ein junger Christ sagen: Das war
damals. Heute sind wir 60 Jahre weiter.
Wohl wahr! Die entscheidende Frage ist
nur: auch im Glaubensmut und in biblischer
Standfestigkeit? Die allgemeine Entwicklung
in der Christenheit tendiert eher zu gleich-
gültiger Ökumene als zu entschiedener
Christus-Orientierung. Lehrmäßige und
moralische Überzeugungen, die biblisch
begründet werden, kann man dort heute
kaum noch erwarten.

Das ist nicht verwunderlich. Wer sich die


letzte Zeit vor dem ersten Kommen des
Herrn anschaut und besonders das letz-
te Bibelbuch des Alten Testaments – den
Propheten Maleachi – der kann Folgendes
erkennen: Es gab solche im Volk Gottes, die
äußerlich am richtigen Ort waren. Sie wa-
ren aus der babylonischen Gefangenschaft
nach Jerusalem zurückgekehrt. Dann waren
mehrere Generationen ins Land gegangen.
Äußerlich waren sie noch am rechten Platz. Aufsichtsturm im KZ Buchenwald
Aber innerlich? Der Prophet brandmarkt bei
diesen Juden ihre Gleichgültigkeit gegen- Sicherheit!, dann kommt ein plötzliches
über den Anforderungen Gottes. Ihr Zustand Verderben über sie, wie die Geburtswehen
war schlimmer als der von manchen, die über die Schwangere; und sie werden nicht
nicht in das Land der Väter zurückgekehrt entfliehen.“ Das ist noch Zukunft – aber
waren. diese Zukunft kann sehr schnell kommen.
Denn das Einzige, was diesem Krieg noch
Vielleicht hängt die heutige Gleichgültigkeit vorausgehen muss, ist die Entrückung der
damit zusammen, dass in Deutschland nie- Gläubigen in den Himmel, die im Kapitel
mand mehr wirklich angefeindet wird wegen davor erklärt wird. Muss dieses Bewusstsein
seines Glaubens. Sicher gibt es das vereinzelt nicht jeden Christen dazu bringen, jede
selbst in unserem Land. Aber im Allgemeinen Gleichgültigkeit abzulegen und konsequent
herrscht der Toleranz-Gedanke: Jeder hat so dem Herrn Jesus zu dienen?
seinen Tick – du hast eben deinen Glaubens-
Spleen. Alles ist möglich. Dadurch werden
junge Menschen nicht wirklich herausgefor- Ein Mahnmal gegen das Vergessen
dert, zu ihrem persönlichen Glauben auch
öffentlich zu stehen. In Verbindung mit dem 60. Jahrestag
des Kriegsendes wurde in Deutschland
60 Jahre äußerer Friede – ein Weg ein Mahnmal errichtet. Denn durch den
in die Gleichgültigkeit Holocaust des Nazi-Regimes sind Millionen
von Juden systematisch vernichtet worden.
Das mag eine Folge von 60 Jahren Frieden Und das Bewusstsein dieser Schandtat soll
sein. Äußerem Frieden. Aber diese Zeit wird immer erhalten bleiben. Das Mahnmal
Folge mir nach
7
Der 8. Mai

besteht aus 2.711 Betonstelen auf einem klarzumachen, unter welchen Umständen
Grundstück von 19.000 Quadratmetern. eine so fürchterliche Entwicklung möglich
Die niedrigsten sind zwanzig Zentimeter ist. Keiner hat das von Deutschland ge-
hoch, die höchsten 4,50 Meter. Der glaubt.“
Architekt, Peter Eisenmann, lehnt jede
Deutung seines Bauwerks ab: Es solle Und genau das ist die Vorhersage der
nichts symbolisieren, keinen Friedhof, kein Bibel! Und zwar sowohl, was die Drangsal
Kornfeld. Das Merkmal der Einzigartigkeit für Juden betrifft (Jer 30,7), als auch,
solle das einzig Gegenständliche seines was das Erstehen einer neuen Tyrannen-
Bauwerks sein: So einen Ort hat es noch Herrschaft betrifft. Natürlich wird niemand
nie gegeben. – So einen Holocaust hat es mehr hinter Adolf Hitler herlaufen. Aber
nie zuvor gegeben ... in Offenbarung 13–18 lernen wir, dass
sich die Machthaber Europas freiwillig in
die Hand eines Diktatoren geben werden,
Es kann wieder der über das ganze Europa herrschen wird
passieren (Off 17,12.13). Und dem werden sich die
Menschen unterordnen. Sie werden dem
Kann ein solches Drama wie der Holocaust Machthaber nachfolgen – zu ihrem ewi-
unter Adolf Hitler noch einmal passieren? gen Verderben. Denn derjenige, der sich
Man möchte sagen: Nein, das ist unmög- diesem ungöttlichen Diktator unterwirft,
lich nach den Erfahrungen und unserer stellt sich zugleich gegen Gott. Und verwirft
Entwicklung. Die deutsch-österreichische den Herrn Jesus Christus. Und das wird
die Masse der Menschen
in Europa tun. Ungöttliche
Verführung und Abfall von
Gott wird es solange geben,
bis Jesus Christus selbst die
Herrschaft auf dieser Erde
antritt.

„Und ich sah den Himmel


geöffnet, und siehe, ein
weißes Pferd, und der dar-
auf saß, genannt Treu und
Wahrhaftig, und er richtet und
führt Krieg in Gerechtigkeit
... Und aus seinem Mund
geht hervor ein scharfes,
zweischneidiges Schwert,
damit er die Nationen damit
schlage; und er wird sie wei-
den mit eiserner Rute, und er
tritt die Kelter des Weines des
KZ Buchenwald Grimmes des Zornes Gottes,
Historikerin Brigitte Hamman sagte dage- des Allmächtigen. Und er trägt auf sei-
gen vor kurzem in einem Interview über den nem Gewand und auf seiner Hüfte einen
Holocaust: „Ich glaube, dass es wieder pas- Namen geschrieben: König der Könige und
sieren kann, und ich glaube auch, dass wir Herr der Herren“ (Off 19,11–16).
uns deswegen so genau mit Hitler und dem
Dritten Reich beschäftigen müssen, um uns Manuel Seibel

8
In der Papst-Zeitwende

Ein Papst geht – ein


anderer kommt: Die
Kirche bleibt
Von Johannes Paul II. zu Benedikt XVI.

D er Papst ist in. Zu diesem Schluss könnte man kommen, wenn man
den Rummel um den verstorbenen Papst und seinen Nachfolger betrach-
tet. Und alle Welt nahm Anteil: die Römisch-Katholischen Kardinäle und
„ihre“ Kirche; hohe Vertreter der Protestantischen (evangelischen) Kirche;
sogar berühmte Evangelikale; Politiker aus aller Welt, ob sie etwas mit
dem Glauben zu tun haben wie der amerikanische Präsident Bush, oder
nicht, wie der deutsche Bundeskanzler Schröder und sein Außenminister
Fischer; junge und alte Menschen; gesunde und kranke Menschen ... Wo-
her kommt dieser Papst-Ansturm? Gibt es eine neue Glaubenserweckung?

Die Welt im Papstboom


das sein mag und wofür auch immer der
Im Moment erleben wir einen Papstboom. Wagen künftig Verwendung finden wird ...
Aktueller und vorerst letzter Höhepunkt Im August findet in Köln der 20.
(denn dieser Rausch verschwindet so Weltjugendtag statt. Ins Leben gerufen hat
schnell, wie er über die Welt hereinbrach) ihn der verstorbene Papst Johannes Paul II.
ist die Versteigerung des „Papst-Autos“. und auch jeweils dazu eingeladen. Und jetzt
Dieser sogenannte „Papst-Golf“ stammt aus wird dieser Event in Köln das Ziel der ers-
dem Jahr 1999. Und als Eigentümer war ten Deutschland-Reise des neu gewählten
Josef Kardinal Ratzinger eingetragen. Bis Papstes Benedikt XVI. Es werden knapp
Januar 2005, als der Wagen in Siegen ver- 1 Million Gäste – hauptsächlich im Alter
kauft wurde. Nachdem aus Ratzinger nun von 15–30 Jahren – erwartet. Vielleicht
Benedikt XVI. und damit der neue Papst auch ein Leser von „Folge mir nach“? Ist
geworden ist, kam der neue Eigentümer etwa der (Römisch-Katholische) Glaube
auf die glorreiche Idee, diesen Wagen über auf dem Vormarsch?
den Online-Markt ebay zu verkaufen. Erlös:
schlappe 188.938,88 Euro.
Nicht schlecht für ein Auto, das nor- Glaubenserweckung?
malerweise keine 10.000 Euro wert ist.
Scheinbar hat es jetzt einen sogenannten Wer sich umschaut, mit Kollegen und
„Heiligenschein“ erhalten, was auch immer Nachbarn sowie mit an Büchertischen vor-
Folge mir nach
9
beieilenden Menschen spricht, weiß genau, wie viele beugten sich inzwischen vor sei-
dass das Gegenteil davon der Fall ist. Aber nem Nachfolger nieder! Und wie handelte
angesichts eines Werteverfalls in unserer Petrus? „Als es aber geschah, dass Petrus
Gesellschaft und fehlender Vorbilder tau- hereinkam, ging Kornelius ihm entgegen,
gen offenbar kirchliche Amtsträger wieder fiel ihm zu Füßen und huldigte ihm. Petrus
dazu, Idole zu sein. Nicht dass die jungen aber richtete ihn auf und sprach: Steh
Menschen deren Wertevorstellungen teilen, auf! Auch ich selbst bin ein Mensch“ (Apg
was Abtreibung und Verhütungsmethoden 10,25.26). Dieser große Apostel lehnte
betrifft. Nicht dass jung und alt jetzt wieder jede Form von Huldigung ab. Wem gehört
regelmäßig in Kirchengebäude strömen sie? Allein dem Herrn Jesus Christus (Phil
würden. 2,9–11).

Aber Events und gerade religiöse Feiern


laden dazu ein, vorübergehend einen Halt Ein Wort an katholische
zu finden. Diese Arten von Veranstaltungen Leser
beruhigen das Gewissen und schaffen einen
Ausgleich. Gerade bei Menschen, die im Wir kämpfen mit diesem Artikel übrigens
„sonstigen“ Leben alles andere als fromm nicht gegen Menschen, im Gegenteil,
sind. Und man hat wieder Traditionen, an wir lieben alle echten Christen in der
die man sich anlehnen kann. So, wie ich Römisch-Katholischen Kirche. Und wir
jetzt von einem Kind hörte:
Diese Mütze vom Papst, die
möchte ich auch einmal haben!
Ob das nicht symptomatisch
ist: Es geht nicht um Inhalte,
sondern um die Form. Es geht
nicht um Glaube, sondern um
Tradition.
Und natürlich gibt es dann
auch solche Menschen, die die-
sen Trubel materiell zu nutzen
wissen. Siehe der Papst-Golf.
Man wird unwillkürlich an die
Stelle erinnert: „Menschen, ...
die meinen, die Gottseligkeit
sei ein Mittel zum Gewinn“ (1.
Tim 6,5).
Der Petersplatz in Rom: Kolonnaden und Brunnen
Wenn dem aktuellen Papst
und seinem Vorgänger so viel Ehre zuteil kämpfen auch nicht gegen diese Kirche als
wird, muss man sich fragen – immerhin Institution. Aber unsere Liebe zu unseren
geben sie ja vor, Nachfolger des Apostels Mitgeschwistern und zu Gottes Wort drängt
Petrus zu sein – ob diese Verehrung bib- uns, den klaren Blick für das zu schärfen,
lisch und damit „kirchlich“ sein kann. Wie was Gott in seinem Wort über die Kirche
viele Tausende von Menschen fielen vor nach seinen Gedanken mitteilt. Und des-
dem lebenden und später vor dem gestor- halb ist es gut, einmal unvoreingenommen
benen Papst Johannes Paul II. nieder. Und Gottes unfehlbares Wort zur Hand zu neh-

10
In der Papst-Zeitwende

men. Allen Römisch-Katholischen Lesern gelobte Person unseres Retters, Jesus


wünschen wir dabei besonders Gottes Christus! „Denn einen anderen Grund
Segen! kann niemand legen, außer dem, der
gelegt ist, welcher ist Jesus Christus“
(1. Kor 3,11).
Die Päpste und Petrus 2. Petrus ist gewissermaßen ein Stein, der
auf diesem Fundament-Felsen als Teil
Wenn sich die Päpste bei diesem Punkt der Versammlung (Gemeinde, Kirche)
von Petrus unterscheiden, liegt es nahe zu sicher liegt und durch diesen Felsen
untersuchen, inwiefern sie tatsächlich die charakterisiert wird. So, wie Petrus zu
Nachfolger von Petrus sind. Denn darauf der Versammlung gehört, gehört auch
berufen sie sich. Es ist unmöglich, in we- heute jeder, der an den Herrn Jesus
nigen Zeilen das Leben und den ganzen glaubt, Gott seine Sünden bekannt hat
Dienst von Petrus zu beschreiben. Aber und eine vollständige Sinnesänderung
es stellt sich die Frage, welche besondere in seinem Leben erlebt hat, zu dieser
Aufgabe Petrus eigentlich besessen hat, auf Versammlung Gottes (vgl. 1. Kor 1,2).
die sich die Römisch-Katholische Kirche 3. Die Versammlung war vor dem Kreuz
beziehen könnte. Die Antwort dazu finden Jesu noch nicht gebildet worden. Der
wir in Matthäus 16 und Johannes 21. Herr Jesus spricht in der Zukunftsform
von ihr.
4. In den Augen Gottes gibt es nur eine
Lehren aus Matthäus 16,18.19 Versammlung! Auch wenn der Mensch
viele Kirchen, Gemeinden und
In Matthäus 16 sagt der Herr Jesus Christus: Versammlungen eingeführt hat – für
„Auch ich sage dir, dass du bist Petrus; Gott gehören alle, die sich bekehrt ha-
und auf diesen Felsen werde ich meine ben, zu der einen Kirche – egal, wo sie
Versammlung bauen, und die Pforten des sich heute kirchlich befinden.
Hades werden sie nicht überwältigen. Ich 5. Während die menschlichen Kirchen,
werde dir die Schlüssel des Reiches der das heißt ihre Organisationsformen,
Himmel geben; und was irgend du auf der untergegangen sind oder einmal verge-
Erde binden wirst, wird in den Himmeln hen werden – diese eine Versammlung
gebunden sein, und was irgend du auf der kann nicht zerstört werden. Sie ist si-
Erde lösen wirst, wird in den Himmeln ge- cher in der Hand Gottes – selbst vor
löst sein“ (Verse 18.19). den Türen des Hades, also dem Tod
Aus diesen Versen lernen wir unter ande- und seiner Macht.
rem: 6. Petrus hatte nicht die Schlüssel der
1. Der Herr Jesus macht einen Versammlung, sondern die Schlüssel
Unterschied zwischen Petrus und der des Königreiches der Himmel. Sein
Grundlage der Versammlung – dem Dienst hängt also gar nicht in ers-
Felsen. Denn Petrus und Felsen sind ter Linie mit der Kirche hier auf der
in der griechischen Sprache zwar zwei Erde zusammen, sondern mit ei-
sehr ähnliche, aber doch unterschiedli- nem ganz anderen Bereich, dem des
che Wörter (Petrus heißt „petros“, der Königreiches der Himmel.
Felsen dagegen „petra“). Nicht Petrus 7. Petrus bekommt auf der Erde eine
ist die Grundlage der Versammlung, besondere Autorität zum Binden (von
sondern einzig und allein die hoch- Sünde an einen Menschen) und zum

Folge mir nach


11
Lösen (das Befreien davon für die- Fazit: Petrus hat mit den
se Erde). Diese Autorität war ihm als Päpsten nichts zu tun!
Apostel gegeben worden – aber nicht
für den Bereich der Versammlung, Das alles zeigt, dass die Überlegungen, der
sondern für den des Königreiches. Papst sei Nachfolger des Apostels Petrus,
Wir lesen nichts davon, dass er diese vollkommen aus der Luft gegriffen sind:
Autorität weitergegeben hat. a) Petrus hatte besondere Aufgaben –
Während aus den Briefen des Apostels aber nicht in erster Linie in Bezug auf
Paulus recht klar hervorgeht, dass er am die Versammlung und die biblische
Ende seines Lebens in Rom war (Phil Lehre darüber!
1,14; 4,22; 2. Tim 1,17), sagt das Neue b) Während die Versammlung aus Juden
Testament nichts über einen Aufenthalt von und Nationen gebildet wird, liegt der
Petrus in Rom. Alles, was dies betrifft, ist eindeutige Schwerpunkt der Arbeit
also menschliche Überlieferung. des Petrus bei den Juden (vgl. auch 1.
Pet 1,1).
c) Petrus ist nicht die Grundlage der
Versammlung – diese ist allein Christus!
d) Petrus spricht an keiner Stelle von
menschlichen Nachfolgern, wohl aber
von dem Wort Gottes, das nach sei-
nem Tod von bleibendem Wert ist
(2. Pet 1,12–15). Dieses allein, unter
der Wirksamkeit des Heiligen Geistes,
sollte nach seinem Tod Führer des
Volkes Gottes sein.

Die Titel des Papstes

Vatikanstaat Wenn nun schon die Ansprüche an die


Nachfolgerschaft von Petrus nicht haltbar
Wenn man dann noch Johannes 21,15–19
sind, liegt es nahe, sich die Titel der Päpste
hinzunimmt („Weide meine Lämmlein
anzuschauen.
... hüte meine Schafe ... weide meine
Schafe“ – und die Herde konnte sich da-
a) Das Oberhaupt der Römisch-
mals nur auf Juden beziehen – andere
Katholischen Kirche
Gläubige kannte Petrus noch nicht), und
Der Papst nennt sich das Oberhaupt der
Galater 2,8 („Apostel der Beschneidung“
Römisch-Katholischen Kirche, also derjeni-
– also der Juden) erkennt man, dass der
gen, die in dieser Volkskirche getauft wor-
Dienst des Apostels Petrus ganz beson-
den sind. Zwar verstehen die sogenannten
ders den Gläubigen aus den Juden galt.
Würdenträger darunter die „Weltkirche“,
Zudem fällt auf, dass Petrus im Verlauf der
aber durch ihre Gesetze distanzieren sie
Apostelgeschichte – ab Kapitel 16 – über-
sich als die „allein selig machende Kirche“
haupt nicht mehr erwähnt wird, obwohl er
bewusst von anderen Kirchen.
offensichtlich noch nicht gestorben war.
Was sagt die Bibel? „Da ist ein Leib und

12
In der Papst-Zeitwende

ein Geist“, schreibt der Apostel Paulus Was sagt die Bibel? „Kindlein, es ist die
an die Epheser (Kapitel 4,4). Derselbe letzte Stunde, und wie ihr gehört habt, dass
Apostel schreibt an die Korinther: „Denn der Antichrist kommt, so sind auch jetzt
auch in einem Geist sind wir alle zu einem viele Antichristen geworden; daher wissen
Leib getauft worden, es seien Juden oder wir, dass es die letzte Stunde ist“ (1. Joh
Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und 2,18). Antichrist heißt übersetzt nicht ein-
sind alle mit einem Geist getränkt worden“ fach „gegen Christus“, sondern anstelle
(1. Kor 12,13). Es gibt nur die eine Kirche, von Christus.
die aus allen wahren Gläubigen besteht. Christus ist das Licht der Welt – jetzt sind wir
Jede Ausgrenzung und Abgrenzung ist sek- das Licht der Welt (Joh 8,12; Mt 5,14). Wen
tiererisch – und damit unbiblisch. Und es hat der Herr Jesus nach seiner Himmelfahrt
gibt nur ein Haupt der Kirche, und das ist „an seine Stelle“ hier auf der Erde gesetzt?
der Herr Jesus selbst (Kol 1,18). Es gibt kei-
ne Hierarchie unter den Gläubigen auf die-
ser Erde. Wir alle sind dem Haupt – Jesus
Christus – gegenüber verpflichtet. Jeder,
der sich zwischen den Gläubigen und den
Herrn drängt, verdrängt den Mittler, den
Herrn Jesus Christus.

b) Bischof von Rom


Der Papst nennt sich auch Bischof von
Rom. Das Wort „Bischof“ kommt von dem
griechischen Wort „epískopos“. Es bedeu-
tet Aufseher, Beobachter etc.
Was sagt die Bibel? Im Neuen Testament
finden wir, dass Aufseher (also, wenn
man so will, „Bischöfe“) in einer ört-
lichen Versammlung eine gewisse
Aufsichtsfunktion ausübten (Phil 1,1; Apg
20,28; Tit 1,7). Auffallend ist, dass wir kei-
nen Fall finden, bei dem ein Aufseher allein
diesen Dienst tat. Immer ist von Aufsehern
in der Mehrzahl die Rede. Mal abgesehen
davon, dass die Kirche in Rom – also alle
Gläubigen – nicht nur aus den Gläubigen Papstkrone (Tiara)
besteht, die es in der Römisch-Katholischen
Kirche dort geben mag, könnte man in Die Kirche (Gemeinde, Versammlung) als
Übereinstimmung mit der Bibel nie von solche. Sie soll jetzt Licht ausstrahlen (vgl.
dem Bischof von Rom reden. 1. Tim 3,15.16; Off 1,20). Aber gibt es eine
Person, die der Herr Jesus dazu ausgewählt
c) Stellvertreter Jesu Christi auf hätte? Dafür finden wir nicht den gerings-
Erden ten Hinweis in der Bibel. Christus ist der
Der Papst wird auch „Stellvertreter Jesu Hohepriester, Er allein ist der Sachwalter
Christi auf Erden“ genannt. Dieser Titel ist (gewissermaßen der Anwalt) der Gläubigen
in sich antichristlich. (1. Joh 2,1.2).
Folge mir nach
13
d) Oberster Priester der Weltkirche ner Meinung nach, auch beim Attentat
(Pontifex maximus) vom 13. Mai 1981. Der Papst sagte spä-
Schließlich trägt der Papst auch den Namen ter: „Ich bin durch die Fürsprache Marias
„Oberster Priester der Weltkirche“. verschont worden. Ich habe gespürt, dass
Was sagt die Bibel? Was hatte der Herr eine göttliche Hand die Geschosskugeln
Jesus Christus seinen Jüngern (in seinem abgelenkt hat.“ Der Papst legte seine
Gebet zum Vater) weitergegeben? „Sie blutbefleckte Schärpe am 13. Mai 1982
sind nicht von der Welt, wie ich nicht von am portugiesischen Wallfahrtsort Fatima
der Welt bin“ (Johannes 17,16). Der Herr nieder. Die Kugel wurde in die Krone der
Jesus hat keine Machtposition, keine weltli- „Jungfrauenstatue“ eingesetzt.
che Funktion ausgeübt. Er ist nicht von der Durch Karol Wojtyla (und nicht nur durch
Welt – wir auch nicht. ihn) bekam Maria erneut eine Funktion,
Christus ist unser alleiniger Hoherpriester die ihr nicht gebührt. Die Bibel sagt: Betet
– alle wahren Gläubigen sind Priester im nur Gott an. Aber Johannes Paul II. hat
geistlichen Haus Gottes (Heb 7,26–28; 1. wiederholt darauf hingewiesen, dass man
Pet 2,5; Off 1,6). auch zu Maria und über Maria zu Jesus
beten könne und solle. Ist damit nicht die
e) Papst einzigartige Mittlerschaft von Jesus Christus
Auch der „schlichte“ Name „Papst“ steht verworfen worden? Maria finden wir nach
im Widerspruch zur Bibel! Denn Papst Apostelgeschichte 1 überhaupt nicht mehr
heißt nichts anderes als „Vater“. in der Bibel. Ihre Verehrung durch die
Was sagt die Bibel? „Nennt auch niemand Päpste und die Römisch-Katholische Kirche
auf der Erde euren Vater, denn einer ist bis hin zu den Aussagen, sie sei sündlos
euer Vater – der im Himmel ist“ (Mt 23,9). und habe in reinem, sündlosen Zustand
Wir haben einen himmlischen Vater, den Jesus empfangen und geboren, sowie sie
Vater unseres Herrn Jesus Christus (Eph sei die Mutter Gottes – obwohl Gott keine
3,14). Mutter haben kann, weil Er ewig in seiner
Existenz ist – unterstreichen noch einmal
Johannes Paul II. und die die ungöttliche Lehre und Haltung dieser
Marienverehrung Kirche.

Die genannten Titel zeigen also erneut,


dass sich der Papst eine Ehre anmaßt, Der neue Papst – Benedikt XVI.
die ihm nach der Bibel nicht zukommt.
Im Gegenteil. Hinzu kommt, dass der Der neue Papst, Josef Kardinal Ratzinger,
verstorbene Johannes Paul II. für sei- jetzt Benedikt XVI., wird in Deutschland
ne Marienverehrung bekannt war. Maria sehr gespalten begrüßt. Einerseits fürchtet
war eine besonders wichtige Person im man, dass er die sehr konservative,
Leben von Karol Wojtyla. Schon mit 9 traditionelle Lehrlinie des Präfekten der
Jahren wurde sie „seine Mutter“. In seinem Glaubenskongregation der Römisch-
Papstwappen befand sich ein großes „M“ Katholischen Kirche fortsetzen wird
und die Worte „Totus tuus“. Das „M“ steht – also das Verbot von Frauenordination,
für Maria und die Worte bedeuten „Ganz von Verhütungsmitteln, Abtreibung und
Dein“. Damit stellte der Papst seine ganze Euthanasie. Andererseits erhofft man sich
Papstregierung unter den Schutz Marias. von seinem Antritt einen neuen Schwung
Dieser Marienglaube beschützte ihn, sei- für die „Gläubigen“ in Deutschland und

14
In der Papst-Zeitwende

für die säkulare Gesellschaft in seinem Bewunderung? Ist es ihr Charisma? Ist es
Heimatland. ihre Lehre – die wir als unbiblisch ablehnen
Die Antrittsworte von Benedikt XVI. müssen? Ist es wirklich innere Überzeugung,
wirkten sehr „demütig“: „Liebe Brüder die zu einer neuen Glaubenswelle führen
und Schwestern, nach dem großartigen könnte?
Papst Johannes Paul II. haben die Herren
Kardinäle mich, einen einfachen, demütigen Die Antwort ist vermutlich so schlicht
Arbeiter im Weinberg des Herrn zum Diener wie ernüchternd: Es ist wohl das innere
Sehnen in vielen Menschen, neben ihrem
ausschweifenden, oberflächlichen Leben
eine Stütze zu haben, die auf Tradition, auf
Werten beruht. Nicht dass man sich diese
Werte zu Eigen machen wollte. Aber schon
das bloße innere Sehnen danach kann das
Gewissen beruhigen.

Und wir, die wir eine lebendige Beziehung


zu dem Herrn Jesus Christus haben? Sicher
vertritt der Papst zum Beispiel in moralischen
der Kirche gewählt. Mich tröstet, dass der
Fragen Standpunkte, die echte Christen
Herr auch mit unzureichenden Mitteln
teilen. Aber das kann und darf uns nicht
regieren und arbeiten kann.“
dahin bringen, ihm in den vielen anderen
Aber kann ein solcher Mann, vor dem
Punkten zu folgen, die im Licht von Gottes
sich bereits Tausende von Menschen
Wort abzulehnen sind. Dabei vergessen wir
niedergekniet haben, mit den anmaßenden
nicht, dass es in der Römisch-Katholischen
Titeln, die wir betrachtet haben, wirklich
Kirche manche, vielleicht sogar viele, wie-
demütig sein? Müsste er dann nicht ein
dergeborene Christen gibt. Und wer woll-
solches Amt ablehnen? Wie ist es mit
te behaupten, dass wir nicht auch einen
einer solchen Person, bei der man auf
Papst im Himmel treffen könnten? Aber
die „Audienz“ warten muss, während
die Stellung der katholischen Kirche ist
man zu jeder Zeit zu dem Gnadenthron
unbiblisch, und deshalb ist Distanz erfor-
Gottes durch Jesus Christus kommen
derlich. Wenn wir etwas von der göttlichen
kann – mit allem, was einen betrifft (Heb
Wahrheit über die Versammlung und den
4,16)? Stellt sich ein solcher Papst nicht
biblischen Glauben gelernt haben, dürfen
an die Stelle Gottes, und das auch noch
wir zusammen mit Römisch-Katholischen
in einer erbärmlichen Weise?! Er stellt sich
Mitchristen anhand von Gottes Wort diese
sozusagen den Menschen in den Weg, so
Punkte weiter prüfen und klarstellen. Und
dass sie oft zu Gott und Jesus Christus gar
wir können viele geblendete Zeitgenossen
nicht mehr direkt beten.
auf den einzigen Retter und Herrn hinwei-
sen – Jesus Christus, den Felsen der Kirche
Gottes.
Glaubenserweckung oder
Manuel Seibel
Traditionalismus?

Wir kommen noch Ausgangsfrage zurück:


Warum erfreuen (oder erfreuten) sich die-
se beiden Päpste auf einmal einer solchen
Folge mir nach
15
Bei Gott sind alle Dinge
möglich

U nser Gott ist ein großer und mächtiger Gott, der sich in seiner All-
macht immer wieder als ein Gott erweist, der Wunder tut. Nichts ist ihm
unmöglich (Lukas 1,37); alle Dinge sind ihm möglich.

In allen drei synoptischen Evangelien wird befreite, ist noch immer derselbe Gott,
die Wahrheit hervorgehoben, dass Gott „bei dem keine Veränderung ist, noch der
nichts unmöglich ist (Mt 19,26; Mk 10,27; Schatten eines Wechsels“ (Jak 1,17b).
Lk 18,27) – sicherlich auch, um unserem
Kleinglauben zu Hilfe zu kommen, der vor Auch in unseren Tagen, am Ende der Gna-
scheinbar unüberwindlichen Hindernissen denzeit, auch angesichts des Niedergangs
und Ungehorsams in der Christenheit, zu
der auch wir gehören, bleibt diese Wahr-
heit bestehen, dass bei Gott alle Dinge
möglich sind. Dieses Bewusstsein stärkt un-
seren Glauben und ist Trost für das verzag-
te Herz, gerade in Tagen der kleinen Kraft
(Off 3,8). Doch die Frage ist, inwieweit wir
in unserem täglichen Leben tatsächlich mit
der Allmacht Gottes rechnen.

„Bei Gott sind alle Dinge möglich.“ Di-


ese Wahrheit gilt auch für dich, der du
trotz allem Fleiß Schwierigkeiten in der
Schule hast und nicht weißt, wie du die
nächste Klausur bestehen sollst.

„Bei Gott sind alle Dinge möglich.“ Dies


gilt auch dir, der du um deinen Arbeits-
platz bangst und nicht weißt, wie du
ohne Einkommen deine Familie ernäh-
so oft verzagt. Doch der Gott, der das Volk ren sollst.
Israel mit starker Hand durchs Rote Meer
führte, die Mauern Jerichos vor ihnen fal- „Bei Gott sind alle Dinge möglich.“ Dies
len ließ, Daniel aus der Löwengrube erret- kannst auch du für dich in Anspruch
tete und Jona aus dem Bauch des Fisches nehmen, der du schwer erkrankt bist

16
Bei Gott sind alle Dinge möglich

Doch so wunderbar die Allmacht Gottes


auch ist, eines tut sie nicht – den verlorenen
Sünder an das liebende Herz Gottes zu-
rückzubringen. Dazu musste der Herr Jesus
aus der Herrlichkeit des Himmels auf diese
mit Fluch beladene Erde kommen. Dazu
musste Er wahrer Mensch werden und am
Kreuz das große Werk der Erlösung voll-
bringen. Im Garten Gethsemane fiel Er auf
sein Angesicht und betete zu seinem Vater,
dass, wenn es möglich wäre, dieser Kelch
an Ihm vorübergehen möge (Mt 26,39).
Dies jedoch war nicht möglich, „denn un-
möglich kann Blut von Stieren und Böcken
Sünden wegnehmen“ (Heb 10,4). Sein
Blut musste am Kreuz fließen, denn „ohne
Blutvergießung gibt es keine Vergebung“
(Heb 9,22b).

Was muss es für Ihn, den einzig Sündlosen,


bedeutet haben, dort am Kreuz zur Sünde
gemacht zu werden und den Kelch des Zor-
nes Gottes zu trinken! Seine heilige Seele
und nicht weißt, ob du jemals wieder schreckte davor zurück. Aber der gehorsa-
ganz gesund werden wirst. me Sohn des Menschen fügte hinzu: „Doch
nicht wie ich will, sondern wie du willst“ (Mt
„Bei Gott sind alle Dinge möglich.“ Dies 26,39). Anbetungswürdiger Herr! Das, was
gilt auch für dich, der du schon jahre- seine göttliche Allmacht nicht vermochte,
lang für einen ungläubigen Angehörigen hat seine grenzenlose Liebe zustande ge-
betest, und sich bis jetzt keine Änderung bracht. Wie wahr ist doch, was wir in Ho-
zeigt. helied 8,6 und 7 finden: „Denn die Liebe ist
gewaltsam wie der Tod, hart wie der Scheol
Wenn wir uns auch bewusst sind, dass bei ihr Eifer; ihre Gluten sind Feuergluten, eine
Gott alle Dinge möglich sind, so wissen wir Flamme Jahs. Große Wasser vermögen
andererseits, dass Gott häufig Wege mit sei- nicht die Liebe auszulöschen, und Ströme
nen Kindern geht – höhere Wege, die wir überfluten sie nicht.“
nicht immer verstehen. Oft greift Er nicht zu-
gunsten seiner Kinder ein und hält sich – wie Es ist diese gleiche Liebe, die jetzt in Für-
es scheint – im Verborgenen, da Er andere sorge für die Seinen „Dinge bewegt“. Er
Ziele mit ihnen verfolgt, die wir vielleicht erst war bereit, für uns ans Kreuz zu gehen.
im Himmel ganz verstehen werden. Doch Jetzt steht Er im Himmel für uns bereit, um
auch dann weiß der Glaube, dass Gott im- uns zu helfen, ja Wunder für uns zu tun.
mer das Beste für die Seinen im Sinn hat, Beides führt uns zur Bewunderung dieser
und „dass denen, die Gott lieben, alle Dinge herrlichen Person.
zum Guten mitwirken, denen, die nach Vor-
satz berufen sind“ (Röm 8,28). Daniel Melui

Folge mir nach


17
Pinnwand

ts el
c h e s Rä Ein
Bibl is g drei
n e m T a Zum Na
ch-Den mor alisches Va
e r h a t an ei nd keinen „Sorgen
sind wie
ken Albert Spee
r (s.a. Artik kuum
el S. 4) war
W
ü r e g e tan u man sie Babys. J schillerndste
n Figuren d eine der
Schw ? hätschelt em
, desto b ehr
des „ Dritten er F
Reiches“. Im ühr ungsriege
gehalten nH eft: gedeihen esser Historiker
und Filmre
mer wieder
haben
d e m vorige Was kan
sie“ (H. Q
ualtinger erklären, w gisseure ve
g au s ). ie es möglic rsucht zu
Lösun ,2–8) n man m dem barbari h war, dass
e m i a (Neh 2 denn noc it Sorgen schen NS R dieser Man
n
Neh hm Eine intere eg
„Indem ih achen? Vorschla ssante Erklä ime gedient hat.
r alle eur g: Historiker r ung gibt d
Trevor-Rop er britische
ihn werft e Sorge grausam od e r: Speer wa
; denn er auf er niederträ r nicht
ist besor weit Schlim chtig, sond
euch“ (1. gt für meres: näm ern „etwas
Pet 5,7). zum Vertre lich leer “. S
ter einer „te o wurde er
Genau davo chnizistisch
rt
eblätte
n spricht au e n Unmoral“
g inneres Vak ch die Bibe .
u c h
rterb uum entsteh l: Wo ein
-
Im Wö gsunfä der von ein t, ist es gera
a h l u n em solchen de Satan,
=Z ( er d (s. Bibelvers Menschen
i e I n s olvenz s Wort ist in age e auf dieser B esitz ergreif
t
Iw ). Diese chaftsl
Seite).
higkeit ärtigen Wirts Medien zu Geistliches „Schwarzbrot“
w n
gegen täglich in de enn wieder Wenn aber der unreine Geist von dem Biblis
w ches R
nahezu er zu hören, lvenz an- Menschen
lesen o d
e
In o
s
hmen entlich schon
ausgefahren ist, durchzieht er dürre
Gegenden, Wie heiß ätsel
t e r n Ruhe suchend, und findet sie nicht.
ein Un Hast du eig gemeldet“? Dann spricht t der Vater
. n von ...
meldet „Insolvenz a lungsunfä- er: Ich will in mein Haus zurückkeh
ren, von wo a)Aaron?
o t t z a h
vor G
u c h d u bist ,23–35 . Doch ich ausgegangen bin; und wenn er kom
mt, fin-
Denn a Matthäus 18 erlässt dir det er es leer vor ... Dann geht er hin
und nimmt b)Ephrai
s
hig. Lie einer Gnade hn darum sieben andere Geister mit sich, ... und
sie gehen
m?
n s I
Gott i
u l d , w enn du chuld habe hinein und wohnen dort; und das Let c) Lea?
S zte jenes
die Sch Jene ganze ja
„ u mich Menschen wird schlimmer als das Ers
bittest. rlassen, da d
te. d)Rehabe
e
ich dir (Vers 32).
Mt 12,43–45 am?
batest “ e) Simso
Lösung n?
aus dem
b) Gome vo
r, c) Am rigen Heft: a) Ah
ram, d) A ab,
braham,
e) Mose
Folge mir nach
18 19
Versuchungen des
Christen
Teil II: Versuchungen zum Bösen
– Widerstehen und Überwinden

B eim letzten Mal haben wir uns mit der Erprobung durch unseren
Gott und Vater beschäftigt, der uns aus Liebe und zum Nutzen in seine
Schule nimmt. Im Gegensatz dazu gibt es andere Versuchungen, die uns
mit List in die verkehrte Richtung ziehen wollen. Was sind das für Listen,
und wie können wir sie abwehren oder überwinden?

1. Versuchungen von innen – hoch kommt, das doch eigentlich gar nicht
Befreiung von der Sünde zu uns als Christen passt: Neid, Heuchelei,
verwirklichen böse Gedanken und vielleicht sogar Taten?
Wie bekommen wir das unter die Füße?
Die jetzt folgenden drei Arten von Versu- Oder anders gesagt: Wie können wir diese
chungen sind grundsätzlich anderer Natur Dinge überwinden?
als die Prüfungen, die das Gute hervorbrin-
gen sowie zeigen sollten und die wir im ver- Der Christ – freigemacht von
gangenen Heft betrachtet haben. Denn sie der Sünde
verführen uns zum Bösen und nicht zum
Guten. Die erste davon beschreibt auch Ja- Auf Golgatha hat der Herr Jesus nicht nur
kobus. Direkt nach dem Hinweis auf die Sie- alle unsere Sünden getragen, sondern ist
gerkrone für den Mann, der die Versuchung auch zur Sünde gemacht worden, Er hat für
von oben erduldet (Jak 1,12), greift er eine die in uns herrschende Sünde gelitten. Vor
ganz andere Versuchung auf, nämlich die Gott ist dieser alte Kapitän „Sünde“ weg,
von innen: verschwunden, richterlich beseitigt. Und so
sollen wir die Sünde in uns auch betrachten:
„Niemand sagt, wenn er versucht wird: Ich als einen besiegten Bewohner unseres Le-
werde von Gott versucht; denn Gott kann bensschiffes (die Sünde wohnt noch in uns),
nicht versucht werden vom Bösen, er selbst der über uns als Christen nichts mehr zu sa-
aber versucht niemand. Jeder aber wird ver- gen hat. „Haltet dafür, dass ihr der Sünde
sucht, wenn er von seiner eigenen Begierde tot seid, Gott aber lebend in Christus Jesus“
fortgezogen und gelockt wird. Danach, wenn (Röm 6,11). Und wenn dann der alte, „in-
die Begierde empfangen hat, gebiert sie die haftierte“ Kapitän unten im Schiff an seinen
Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet Stäben rüttelt und das Kommando wieder
ist, gebiert den Tod.“ (Jak 1,13–15). übernehmen will, können wir zum Herrn
rufen: „Herr, ich danke Dir, dass ich jetzt
Ist das vielleicht die häufigste Versuchung in nicht der Sünde, sondern Dir dienen darf.
unserem Leben? Dass wieder etwas in uns Danke, dass Du mir jetzt durch den Geist in

20
Versuchungen

mir die Kraft geben willst, nein zur Sünde


zu sagen“. Wollen wir es immer wieder neu Oder er benutzt in seiner List (vgl. Eph
praktizieren? 6,11) Mitchristen, um die Wahrheit Gottes
zu verfälschen. Dann müssen wir solch ei-
ner Person „ins Angesicht“ widerstehen, wie
2. Versuchungen von unten – es Paulus bei Petrus in Antiochien tat (Gal
dem Teufel widerstehen! 2,11).

Natürlich ist der Teufel immer gerne mit Vielleicht umgibt er sich auch mit geheuchel-
dabei, wenn wir durch die Sünde in uns ter falscher Frömmigkeit und gibt uns un-
oder durch die Welt versucht werden. Er hat vollständige oder aus dem Zusammenhang
reichlich Fallstricke zur Hand (1. Tim 3,7). gerissene Bibelstellen ein. So versuchte er
Aber er hat auch noch eigene, ganz spezi- den Herrn in Lukas 4,11 mit einem verkürz-
elle Versuchungen parat. Deshalb schreibt ten Zitat, in die Gefahr des geistlichen Hoch-
Jakobus: muts zu stürzen. Der Herr hat ihn auch dort
mit einem Bibeltext in die Flucht geschla-
„Unterwerft euch nun Gott (vgl. Erprobun- gen. Paulus muss die Korinther vor solch
gen von oben!). Widersteht aber dem Teufel, einer falschen Frömmigkeit warnen, damit
und er wird von euch fliehen“ (Jak 4,7). der Satan ihrem Eheleben keinen Schaden
zufügen konnte: „Entzieht euch einander
Der Teufel – ein Ernteräuber nicht, es sei denn etwa nach Übereinkunft
und Lügner voller List eine Zeit lang, um zum Beten Muße zu ha-
ben; und kommt wieder zusammen, damit
Gott hat uns in dem Herrn Jesus ganz reich der Satan euch nicht versuche wegen eurer
gemacht: Wir sind seine Kinder, besitzen Unenthaltsamkeit“ (1. Kor 7,5).
ewiges Leben und den Heiligen Geist, ge-
hören zur Versammlung (Kirche, Gemeinde) Wir wollen uns also vom Teufel nicht den
Gottes, haben eine sichere und herrliche Zu- Segen rauben lassen, sondern ihm „stand-
kunft im Vaterhaus vor uns. Und die Freude haft im Glauben“ (1. Pet 5,9) widerstehen.
an allen diesen Dingen will uns der Teufel
rauben. „Wacht und betet, dass ihr nicht in Versu-
chung fallt“, sagte der Herr den Jüngern,
Er sät Zweifel in unsere Herzen wie bei Eva: nachdem Er selbst die schwere Prüfung
„Hat Gott wirklich gesagt?“ (1. Mo 3,1), (auch vom Teufel) in Gethsemane durch rin-
Zweifel an der Gotteskindschaft, an unse- gendes Beten bestanden hatte (Mt 26,41).
rer ewigen Errettung. Mit einem „Es steht Lasst uns Ihm darin nacheifern und nicht
geschrieben“ oder „Niemand wird sie aus wie Petrus auf uns selbst vertrauen!
meiner Hand rauben“ (Joh 10,28) weisen
wir diese Attacke von uns. Manche Versuchungen
zum Bösen sind so
Oder er will uns den Segen rauben, vom
Heiligen Geist erfüllt zu sein, indem er uns raffiniert, dass wir sie
zu Unfrieden untereinander anstiftet: „Gebt
nicht Raum dem Teufel“ (Eph 4,27). Mit
oft nicht bemerken.
dem Gebet und der Bitte, neu oder weiter Deshalb müssen wir
mit dem Heiligem Geist erfüllt zu werden
(Eph 5,18), d.h. Ihn uneingeschränkt in unser Leben immer
uns wirken zu lassen, dürfen wir ihm entge- wieder am Wort Gottes
gentreten und ihm keinen Kubikzentimeter
überlassen. ausrichten.
Folge mir nach
21
3. Die Versuchung von außen – aber ihre Wege und Ziele zu übernehmen,
fliehen und die Welt überwinden würde uns aus der Gemeinschaft mit dem
Vater treiben (bitte den Artikel „Die Welt –
Vielleicht haben wir ein wenig gelernt, in System Satans oder Gegenstand der Liebe
der Kraft des Herrn der Sünde in unserem Gottes?“ in Folge Mir Nach 6/2002 hierzu
Leben keine Angriffspunkte zu geben und lesen oder z.B. per Email anfordern!).
auch den Bösen zu überwinden, wie es
Johannes den „jungen Männern“ in 1. Jo- Tapfere Flucht – die beste Waffe
hannes 2,14 attestieren kann. Aber er gibt
ihnen noch eine spezielle Warnung mit auf Im Gegensatz zu den beschriebenen Listen
den Weg, weil um sie – und uns – herum des Teufels, dem wir zu widerstehen haben,
eine Atmosphäre herrscht, von der wir uns werden wir im Blick auf die Welt eindeutig
freihalten müssen: zur Flucht aufgerufen:

„Liebt nicht die Welt, noch was in der „Flieht die Hurerei“ (1. Kor 6,18). Nie-
Welt ist. Wenn jemand die Welt liebt, so mand sollte glauben, durch eigene Kraft-
ist die Liebe des Vaters nicht in ihm“ (1. anstrengung eine solche Verführung
Joh 2,15). aushalten zu können. Lasst uns alles ver-
meiden, was uns in dieser Beziehung von
Von Jakobus haben wir bereits Unterricht Gottes Weg (Sexualität ja, aber nur in der
über drei verschiedene Arten von Versu- Ehe) abbringen könnte.
chungen erhalten. Aber auch unter seinen „Flieht den Götzendienst“ (1. Kor 10,14).
Briefempfängern waren solche, die ihre Ver- Die Korinther behielten eine gefährliche
bindung zum Herrn mehr oder weniger auf- Nähe zum Götzenkult und brachten da-
kündigten, indem sie die Welt liebten, und durch nicht nur die Schwachen unter
dabei gar nicht bedachten, dass dies eine ihnen in Gefahr, sondern kamen auch
schlimme Sünde ist: selbst unter den beherrschenden Einfluss
des dämonischen Geschehens dort. Wie
„Ihr Ehebrecherinnen, wisst ihr nicht, dass weit willst du dich noch heranwagen an
die Freundschaft der Welt Feindschaft ge- teuflische Homepages, harte Musik oder
gen Gott ist? Wer nun irgend ein Freund brutale Gewaltvideos? Bis du selbst ge-
der Welt sein will, stellt sich als Feind Gottes fangen bist? Nur die Flucht bringt Segen
dar“ (Jak 4,4). – und nichts anderes!
„Die Geldliebe ist eine Wurzel
Die Welt – eine vergiftete alles Bösen ... Du aber, o
Atmosphäre Mensch Gottes, fliehe
diese Dinge“ (1. Tim
Satan ist Fürst und Gott dieser Welt, die 6,10.11). Nicht das vor
völlig vom Bösen beherrscht wird. Die Din- dem Herrn überdachte
ge in der Welt wie Technik etc. sind dabei Sparen oder die Vor-
nicht das kennzeichnend Böse, sondern die sorge für Kinder oder
Tatsache, dass alles vom Bösen durchtränkt Alter werden hier
ist, dass überall die Sünde vor der Tür la- angeprangert, son-
gert. Davon hat sich ein Christ zu distanzie- dern die Gier nach
ren. Er hält sich zwar in dieser Umgebung Geld, nach Besitz,
auf, aber er soll sich von dieser Welt un- nach Vermögen. Hat
befleckt halten. Den Menschen, mit denen uns diese Sucht vielleicht
wir zu tun haben, dürfen und sollen wir das schon unbemerkt erfasst?
Licht des Evangeliums durch unseren Le- Schuhpaar Nr. 29, CD Nr. 200, Cam-
bensstil und durch Gottes Wort vermitteln, corder jährlich neu – können wir das mit

22
Versuchungen

dem großen Gewinn (groß: gr. „mega“!) jetzt gerade auf uns zukommt. Aber darüber
eines Gott wohlgefälligen Lebens in Ein- hinaus berichtet die Bibel auch von Situati-
klang bringen (1. Tim 6,6)? Wenn nicht, onen, in denen der Teufel von Gott zur Er-
lasst uns den Herrn um Kraft bitten, die probung der Gläubigen „benutzt“ wird. Wie
falsche Haltung zu ändern und vor die- können wir dieses „Vermischen“ von Gut
sen Gefahren zu fliehen. und Böse einordnen?

Die Welt überwinden Der Teufel – ein Handlanger Gottes


in Versuchungen
Der Herr Jesus lässt uns bei diesen Versu-
chungen nicht ohne Hilfe. So zeigt uns Jo- Geht es zu weit zu sagen, dass der Teufel
hannes in seinem ersten Brief ein dreifaches manchmal ein Werkzeug Gottes ist? Doch
Überwinden: vor der Versuchung des Herrn Jesus durch
1. „Denn alles, was aus Gott geboren ist, den Teufel schreibt Matthäus:
überwindet die Welt“ (1. Joh 5,4). Die
Kinder Gottes haben neues, göttliches „Dann wurde Jesus von dem Geist in die
Leben empfangen, das sie grundsätz- Wüste hinaufgeführt, um von dem Teufel
lich in eine andere, bessere Atmosphäre versucht zu werden“ (Mt 4,1).
versetzt. Und als solche haben wir etwas
Besseres, was uns die Welt besiegen Der Geist Gottes führt den Herrn in die Wüs-
hilft. te, damit Er dort von dem Teufel versucht
2. „Und dies ist der Sieg, der die Welt über- wird! Der Gedanke, dass Gott den Teufel zur
wunden hat: unser Glaube“ (ebenfalls Erprobung seiner Heiligen tätig werden lässt,
Vers 4). Das feste Vertrauen auf Gottes wird auch in der Geschichte Hiobs deutlich
Aussagen („die ganze Welt liegt im Bö- (Hiob 1). Und auch die schwer geprüften
sen“, „der aus Gott Geborene bewahrt Gläubigen in Smyrna kannten etwas von
sich“ usw.) ist ein Bollwerk gegen die im diesem Wirken des Teufels zu ihrer Prüfung:
Vergleich dazu schwache Welt. „Siehe, der Teufel wird einige von euch ins
3. „Wer ist es, der die Welt überwindet, Gefängnis werfen, damit ihr geprüft werdet,
wenn nicht der, der glaubt, dass Jesus und ihr werdet Drangsal haben zehn Tage“
der Sohn Gottes ist?“ (Vers 5). Die beste (Off 2,10). Die Prüfung an sich war nicht zum
Medizin gegen jede Verführung zum Bö- Bösen, sondern zum Guten, aber doch ist der
sen ist die Beschäftigung mit dem Herrn Teufel mit auf der Bühne. Doch er kann nie
Jesus selbst. Lies morgens ein Kapitel mehr tun als Gott zulässt. Hinter allem steht
aus den Evangelien und geh mit diesem Gott in seiner grenzenlosen Liebe zu den Sei-
Schatz in den Alltag – die Verführungen nen. Auch am Ende der Prüfungen bei Hiob
bleiben, aber der Sohn Gottes ist stärker! steht nicht ein Sieg des Teufels, sondern das
Erkennen, „dass der Herr voll innigen Mitge-
4. Die „Mischformen“ – unsere fühls und barmherzig ist.“ (Jak 5,11).
Alltagserfahrungen Vielleicht führt uns der Herr in Situationen,
wo Er prüfen will, ob wir zum Beispiel den
„Wir mögen zwischen den verschiedenen Bösen überwunden haben, oder ob wir
Formen des Bösen unterscheiden, tatsäch- wirklich die Befreiung von der Sünde aus-
lich gehen sie in der Praxis oft völlig inein- leben. Dann stellt Er uns vielleicht die Welt
ander über“1. Der Teufel, die Sünde und die in ihrer Attraktivität oder die Sünde in ihrer
Welt bilden gerne ein gefährliches Trio, das scheinbaren Harmlosigkeit durch den Teufel
wir nur durch ernstes Beten und Gottesfurcht vor. Wenn wir auch dann mit Herzensent-
von uns abschütteln können – ohne lange zu schluss bei dem Herrn verharren, wird Er
überlegen, welche Art von Versuchung denn uns neu den Sieg schenken.
1
W. Kelly, Was von Anfang war, Schwelm 1982, S. 396
Folge mir nach
23
Versuchungen

5. Der Herr Jesus – unser Vorbild Dürfen wir dann nicht Gottes manchmal
harte Wege mit uns auch aus seiner lie-
Am wertvollsten ist es zu sehen, dass auch benden Vaterhand annehmen?
der Herr Jesus in allen Dingen versucht In einer Versuchung konnte Jesus nicht
worden ist „in gleicher Weise wie wir, ausge- versucht werden: in der Versuchung zur
nommen die Sünde“ (Heb 4,15): Sünde. Sünde ist nicht in Ihm, Er kannte
Er hat dem Teufel mit einem dreifachen und tat sie nicht (1. Joh 3,5; 2. Kor 5,21;
Zitieren aus Gottes Wort widerstanden, 1. Pet 2,22). Er blieb das reine Lamm
so dass er von Ihm wegging (Lk 4); wir Gottes, das dann mit unseren Sünden
dürfen ebenfalls das Schwert des Geistes, beladen und für uns zur Sünde gemacht
Gottes Wort, benutzen (Eph 6,17). wurde! Im Gegensatz dazu kann zwar das
Er hat sich dem Zugriff der Welt, der Öf- neue Leben in uns als von neuem Gebo-
fentlichkeit, entzogen, als man Ihn groß renen „nicht sündigen“ (1. Joh 3,9), aber
herausstellen oder gar zum König ma- wir bleiben doch fortwährend in der Ge-
chen wollte (Mk 1,37; Joh 6,15); diesen fahr, den alten Kapitän in uns mitregieren
Rückzug dürfen auch wir praktizieren, zu lassen. Lasst uns mehr dieses göttliche
und wir müssen erst recht – anders als Leben in uns wirksam werden, um dann
der Herr – vor der Sünde in der Welt flie- „so zu wandeln, wie er gewandelt ist“
hen. (1. Joh 2,6)
Die Verwerfung seines Volkes, eine Prü-
fung von Gott für Ihn, hat Er mit einem Jetzt kann Er denen helfen, die versucht wer-
„Ja, Vater“ preisend angenommen (Mt den (Heb 2,18), weil Er selbst als Mensch
11,26)! Und in Gethsemane hat Er auch Erfahrungen in Versuchungen gemacht und
den Kelch der Leiden auf dem Kreuz wil- darin gelitten hat. Und in dieser Gewissheit
lig aus des Vaters Hand angenommen: dürfen wir ohne Furcht und mit Vertrauen
„Nicht was ich will, sondern was du auf unseren treuen Herrn ein Überwinder-
willst“ (Mk 14,36). Wunderbarer Herr! leben führen!
Martin Schäfer

Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott


versucht; denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, er
selbst aber versucht niemand. Jeder aber wird versucht, wenn er
von seiner eigenen Begierde fortgezogen und gelockt wird.
Jakobus 1,13.14
Versuchungen – Ein Überblick
Von wo? Von wem? Gegen wen? Wie reagieren?

Zum Guten:
Von oben Gott unser Selbstvertrauen „Ja, Vater“

Zum Bösen:
Von unten Teufel Sohn Gottes Widerstehen
Von außen Welt Vater Fliehen
Von innen Sünde / „Fleisch“ Geist Gottes Befreiung von der
Sünde praktizieren.

24
Bibelstudium
Der barmherzige Samariter
I n Lukas 10,30–37 erzählt der Herr Jesus die Geschichte vom
barmherzigen Samariter. Die nachfolgenden Zeilen sollen Anregung
geben, noch einmal intensiv über diese bekannte Begebenheit
nachzudenken.
1. Warum erzählt der Herr diese Geschichte?

Ein Gesetzgelehrter war zu dem Herrn Jesus gekommen und hatte Ihm eine Frage
gestellt. Leider war es keine echte Frage. Nein, er hatte die Frage gestellt, um den
Herrn Jesus zu versuchen. Er wollte Ihn „testen“, wollte Ihm eine Fangfrage stellen.
Der Herr Jesus reagiert in Ruhe und in Gelassenheit und gibt dem Fragesteller eine
wichtige Lektion.

2. Wie bekommt man ewiges Leben?

Die Frage des Gesetzgelehrten lautete: „Lehrer, was muss ich tun, um ewiges Leben
zu erben.“ Die Antwort auf der Grundlage des Gesetzes war klar und deutlich im Alten
Testament angegeben, und der Fragesteller konnte sie selbst geben. Doch während
er die Antwort gab, wurde ihm bewusst, dass er auf diesem Weg sein Ziel niemals
erreichen konnte, Jesus zu Fall zu bringen. Deshalb – und um sich zu rechtfertigen
– verlangte er eine weitere Erklärung: „Wer ist mein Nächster, den ich lieben soll wie
mich selbst?“

Der Herr Jesus beantwortet diese Frage mit der Geschichte von dem barmherzigen
Samariter. In seiner Antwort macht er klar, dass es um die Barmherzigkeit geht und
nicht um eine Definition des Begriffes „Nächster“. Wer Barmherzigkeit hat, wird
erkennen, wie er sie dem Nächsten gegenüber zeigen kann. Doch in seiner Antwort
malt der Herr Jesus gleichzeitig ein Bild von dem verlorenen Zustand des Menschen
und von der einzigen Hilfsmöglichkeit, die dem Sünder zur Verfügung steht, um ewiges
Leben zu bekommen. Das war eine klare Botschaft – auch an den Gesetzgelehrten.
Über die Weisheit des Herrn Jesus können wir nur staunen!

3. Was ist die Situation des gewissen Menschen, der von Jerusalem nach Jericho
hinab ging?
Es ist ein gewisser Jeder Einzelne ist dem Herrn Jesus bekannt.
Mensch.
Er ging von Jerusalem Die Menschen haben sich von Gott abgewendet und
nach Jericho hinab. befinden sich auf einem Weg, der aus der Gemeinschaft
mit Gott zu dem Ort des Fluches (Jericho, s. Jos 6,26)
führt. Das ist grundsätzlich wahr für jeden Menschen.
Folge mir nach
25
Er fiel unter Räuber. Auf diesem Weg versucht der Teufel, den Menschen
Schaden zuzufügen. Er beraubt den Menschen aller
Segnungen, die Gott ihm geben wollte.
Er wurde ausgezogen. Der Mensch verliert alle Ehre und steht schließlich nackt da vor
Gott.
Er blieb halb tot Der Zustand des Menschen ist: tot für Gott. Da gibt es
liegen. keine Lebensregung, die Gott erfreuen würde.
Die Räuber ließen ihn Schließlich lässt der Teufel den Menschen hilflos und allein
liegen. zurück.

4. Wer oder was kann nicht helfen?

Ein Priester und ein Levit kamen an dem Menschen vorbei, der halb tot dort lag.
Sie wollten und konnten ihm jedoch nicht helfen. Auf der einen Seite hatten sie kein
Erbarmen und kannten keine Barmherzigkeit (vgl. Mt 9,13) – sie wollten gar nicht
helfen. Auf der anderen Seite wären sie durch den Kontakt mit einem Gestorbenen
selbst verunreinigt worden und das hätte sie in ihrem Dienst als Priester und Leviten
beeinträchtigt. Diese Gefahr war ihnen zu groß, denn sie konnten aus der Entfernung
nicht erkennen, ob es sich um einen Toten oder um einen Halbtoten handelte. So
gingen sie an der entgegengesetzten Seite vorüber. Ihr Ansehen als Priester und
Leviten war ihnen wichtiger als das Heil des Menschen, der unter die Räuber gefallen
war.

Der Priester. Der Priester war der Stellvertreter des Gesetzes. Auf
dem Weg des Gesetzes kann dem verlorenen Menschen
unmöglich geholfen werden.
Der Levit. Der Levit verkörpert als Diener die eigenen Anstrengungen
und Werke. Auch mit eigenen Anstrengungen kann sich
kein Verlorener retten.

5. Wer ist es, der helfen kann?

Sollte denn der hilflose Mensch dort liegen bleiben und sterben? Nein – Gott sei Dank
dafür. Es gibt einen, der helfen kann: den barmherzigen Samariter.

Es ist ein Samariter. Der Herr Jesus, der als Verachteter – die Juden
verachteten die Samariter – hier auf dieser Erde gelebt hat.
Er war auf der Reise. Der Herr Jesus ging über diese Erde mit einem festen Ziel
vor Augen: das Erlösungswerk am Kreuz auf Golgatha zu
vollbringen und dann zurückzukehren in den Himmel. Er
war als der Fremdling vom Himmel hier auf der Erde.
Er kam zu ihm. Der Herr Jesus wurde Mensch (vgl. Heb 2,14).
Er sah ihn. Der Herr Jesus nimmt Kenntnis von dem Menschen in
seinem Sündenelend.

26
Bibelstudium – Der barmherzige Samariter

Er trat hinzu. Der Herr Jesus hat die Stelle des Sünders im Gericht
Gottes eingenommen. Er hat die Strafe für die Sünden
getragen und wurde zur Sünde gemacht.
Er ist ein wunderbarer Heiland!

6. Was tut der barmherzige Samariter?

Der Herr Jesus möchte den Sünder gerne retten. Wer seine Hilfe annimmt, der erfährt
eine vollkommene Errettung.
Er verband seine Der Herr Jesus vergibt die Sünden. Nie wieder werden
Wunden. sie zur Sprache gebracht werden.
Er goss Öl und Wein Der Herr Jesus vergibt nicht nur die Sünden, sondern
darauf. er rechtfertigt auch. So wie Öl und Wein dafür sorgen,
dass keine hässlichen Narben übrig bleiben, so bedeutet
Rechtfertigung: so vor Gott stehen, als hätte man
niemals gesündigt.
Er setzte ihn auf sein Der Herr Jesus, der den Platz des Sünders
eigenes Tier. eingenommen hat, erhöht den Sünder, der an Ihn glaubt,
zu sich (vgl. Heb 2,11).
Er brachte ihn in die Der Herr Jesus rettet den Sünder, aber Er möchte ihn
Herberge. auch dorthin bringen, wo er versorgt ist und wo er sich
zu Hause fühlt – in die Gemeinschaft mit sich selbst und
mit den Gläubigen.
Er trug Sorge für ihn. Der Herr Jesus ist besorgt für die Seinen. Er ist heute
vom Himmel aus tätig für die, die sich zu Ihm bekehrt
haben, um ihnen zu helfen.
Er bezahlte 2 Denare. Der Herr Jesus hat uns Hilfsmittel hinterlassen – sein
Wort und das Gebet. Er tut auch einen doppelten
Dienst für uns – er ist unser Sachwalter und unser
Hoherpriester.
Er versprach, wieder zu Der Herr Jesus wird wiederkommen. Das hat Er
kommen. versprochen und Er wird es auch einhalten.

7. Was zum Schluss bleibt!

Der Herr Jesus endet mit den Worten: „Geh hin und tu du ebenso.“ Wer den Herrn Jesus
angenommen hat als seinen persönlichen Heiland, hat genau das an sich selbst erfahren,
was der barmherzige Samariter an diesem Halbtoten getan hat. Ein solcher Mensch ist
gerettet für immer! Aus Dankbarkeit und Liebe zu seinem Erretter darf er jetzt genauso
handeln, wie sein Heiland gehandelt hat! Er darf Barmherzigkeit üben und wird dabei
feststellen, dass es sehr viele „Nächste“ gibt, die Barmherzigkeit brauchen. Die Frage
nach dem Nächsten, die der Gesetzgelehrte zu seiner Rechtfertigung stellte, wurde zum
Vorwurf für ihn. Es fehlt nicht an „Nächsten“ – aber oft fehlt es an Barmherzigkeit. Da wo
Liebe geübt wird, da wird es viele geben, die angezogen werden und denen dann in der
Gesinnung des barmherzigen Samariters geholfen werden darf.
Christian Rosenthal
Folge mir nach
27
Gott redet im Sohn –
auf diese Person
dürfen wir hören!

S icher gehört der Hebräerbrief zu den Briefen, die schwer zu verstehen


sind. In diesem Artikel wollen wir uns trotzdem oder gerade deshalb mit
dem Anfang dieses Briefes befassen. Dabei haben wir im Auge, dass der
Brief in erster Linie an die Hebräer gerichtet ist, an solche, die aus dem
Judentum kamen. Daher auch die vielen Zitate aus dem Alten Testament.
Und doch spricht dieser Brief in vieler Hinsicht auch zu uns.

Gerade die ersten Verse dieses Briefes wer- te das Reden Gottes nicht auf. Immer und
den viele gut kennen. Sie zeigen uns in sehr immer wieder redete Gott auf verschiedene
schöner Weise viele Herrlichkeiten unseres Weise zu dem Herzen des Volkes.
Heilandes und Herrn, des Sohnes Gottes.
Wir wollen aber den Bogen weiter bis in Vers 2: Gott redet in der Person
Kapitel 2 spannen. Lies daher bitte Kapitel des Sohnes
1 bis Kapitel 2,4.
Nun lesen wir in Vers 2, dass Gott am Ende
Vers 1: Gott redete durch der Tage (damit ist das Ende der damaligen
Propheten Zeitepoche gemeint) nicht mehr durch Pro-
pheten gesprochen hat. Nein, sein Reden
Der Schreiber fängt sofort mit seinem The- ging noch viel weiter! Er redete jetzt sogar
ma an, was ja in anderen Briefen oft nicht direkt in dem Sohn. (Nicht nur durch die
der Fall ist. Meist nennen die Schreiber erst Worte des Sohnes redete Gott, sondern
ihren Namen und den der Empfänger. Hier in der Person des Sohnes selbst!) Im Alten
beginnt Er damit, dass Gott schon in den Testament benutzte Gott oft gestandene
Zeiten vorher, unter den Vätern des Volkes Männer Gottes als sein Sprachrohr. Und
Israel, geredet hat. Dazu hat Gott Prophe- wir finden auch, dass das Volk hin und wie-
ten als Sprachrohr benutzt. Sie redeten der einen gewissen Respekt vor ihnen hat-
in ihrem Dienst das Wort, das direkt von te. Ein Prophet war eben nicht irgendwer.
Gott kam. Somit wurde das Volk Israel in Nein, er war ein Mann Gottes. Doch hier ist
das Licht Gottes gestellt. Oft waren es War- jetzt die Rede von dem Sprechen Gottes in
nungen, die die Israeliten beachten sollten, seinem Sohn. Wie viel mehr war das! Nicht
damit das Gericht nicht über sie kommen mehr nur ein gewöhnlicher Mensch war es,
würde. Aber leider wissen wir aus der Bibel, der zu anderen Menschen sprach. Nein,
dass dieses Rufen Gottes bei seinem Volk hier war es der Sohn Gottes selbst, in dem
oft auf taube Ohren stieß. Und doch hör- Gott redete. Und weil dies so bedeutsam

28
Gott redet im Sohn – auf diese Person dürfen wir hören!

ist, verweilt der Schreiber bei diesem Punkt ken lassen! Hören wir auf das Reden Got-
etwas länger. tes im Sohn?

Es fällt auf, dass der Gedankengang in Doch wollen wir nicht nur den tiefen Ernst
den ersten Versen ununterbrochen weiter dieser Sprache erkennen. Untersuchen wir
geht. Mit der Erwähnung des Sohnes hat einmal die Verse zwei und drei. Dort wird
der Schreiber ein „Thema“, das ihn so uns die Person des Sohnes näher vorge-
erfüllt, dass er nicht anders kann, als uns stellt. Der Herr Jesus wird uns durch die
von dieser einmaligen Person zu berichten. Beschäftigung mit Ihm größer und wertvol-
In der Mitte von Vers 2 könnte man auch ler. Und wenn wir sehen, welch eine herr-
eine Klammer setzen, welche dann erst liche Person er ist – fällt es uns dann nicht
am Ende von Vers 14 geschlossen würde. auch leichter, auf seine Stimme zu hören?
Ohne Klammer würde man (frei übersetzt)
etwa so lesen: „Gott hat zu uns geredet im Sieben Herrlichkeiten des Herrn
Sohn. Deswegen sollen wir umso mehr auf Jesus in den Versen 2 und 3
das achten, was wir gehört haben.“
Die genannten zwei Verse enthalten sieben
Doch was uns hier mitgeteilt wird, ist von verschiedene Herrlichkeiten des Herrn Je-
höchster Bedeutung. Denn uns wird der sus. Wir wollen sie hier nur kurz vorstellen.
Sohn vorgestellt, und es werden atembe- Es wäre jedoch schön, wenn du einmal ein-
raubende Würden unseres Erlösers aufge- gehender über sie nachdenkst. Vielleicht ist
führt. Und dies ist notwendig. Denn Pro- es dir möglich, auch mal ein gutes Buch
pheten waren Männer Gottes, auf ihre Wei- zu lesen, welches diese Verse zum Thema
se also große Persönlichkeiten. Und diese hat.
redeten zum Volk Israel. Aber dieses Volk
hörte oft nicht auf dieses Reden und die Erbe aller Dinge
Folgen mussten sie selbst verspüren. Hier Das Erste, was von dem Herrn Jesus gesagt
war aber jemand, der nicht nur ein Prophet wird, ist, dass Er der Erbe aller Dinge ist.
war. Er ist der Sohn Gottes selbst, in dem Gott hat es schon immer in seinem Herzen
Gott zu ihnen redete. Er war unendlich viel gehabt, seinen Sohn, der bereit war, als
größer als alle anderen. Ja, und auf diesen Mensch auf die Erde zu kommen, als Erben
sollen wir umso mehr achten! über alles zu setzen. Jetzt ist dies noch vor
den Augen der Menschen verborgen, aber
Kapitel 1 berichtet nicht das, was Gott bald, wenn der Herr Jesus wieder auf die
durch den Sohn geredet hat, sondern viel Erde kommt, um sein Reich aufzurichten,
mehr werden wir auf die Person selbst hin- werden alle Menschen sehen, dass Er der-
gewiesen, in der Gott zu uns spricht. Aus jenige ist, der alles von Gott ererbt hat. Er
dem normalen Leben lernen wir schon: Je ist dann gesetzt über alle Dinge! Und über
höher eine Person steht oder je mehr Auto- diese wird Er in Aufrichtigkeit oder Gerad-
rität sie hat, umso mehr müssen wir ihrem heit (Vers 8) herrschen. Was wird das sein,
Wort Folge leisten, um unangenehme Kon- wenn Ihm alle dienen werden!? Welch eine
sequenzen zu vermeiden. Wie viel mehr herrliche Person muss doch Jesus Christus
trifft das auf Worte des Herrn Jesus zu! Es sein, dass Er solch einen Platz bekommt!
wird gleichsam gesagt: Die Person des Soh- Und diese Person redet zu dir!
nes steht so hoch, hat so viel Autorität, sieh
zu, dass du auf sie hörst! Wenn du nicht
hörst, wird es schlimme Folgen für dich Durch den er die Welten
haben! Das ist die warnende Botschaft, die gemacht hat
hinter diesen Versen steht. Und wir wollen Als Nächstes erwähnt der Schreiber, dass
sie auch auf unser Herz und Gewissen wir- der Herr Jesus der ist, der die Welten ge-
Folge mir nach
29
macht hat. Sowohl alles irdisch sichtbare Der Abdruck seines Wesens seiend
als auch das gesamte Universum sind darin Sicher kommt dieser Punkt dem gerade
eingeschlossen. Der Sohn ist es, der dieses erwähnten sehr nah. Und doch scheint es,
für uns oft so Unfassbare gemacht hat! In dass der Gedanke weiter geht. Hier wird
Kolosser 1,16 lesen wir: „Alle Dinge sind der Sohn als der direkte Abdruck des We-
durch ihn und für ihn geschaffen.“ Ja, in sens Gottes bezeichnet. So wie ein Stem-
unendlicher Schöpfermacht hat Er alles ge- pelabdruck uns genau das Bild des Stem-
schaffen. Bedenke: Dieser große Schöpfer pels selbst zeigt. Genauso ist der Sohn der
redet zu dir! Abdruck Gottes. Er kommt Gott nicht nur
gleich: Er ist Gott! Wunderbare Tatsache!
Schauen wir auf den Herrn Jesus, so se-
Welcher die Ausstrahlung seiner hen wir Gott selbst! Er gibt das Wesen
Herrlichkeit ist Gottes wieder, weil Er Gott ist! Gott selbst
Überdies ist der Herr Jesus die Ausstrahlung spricht zu dir!
Gottes. Die Herrlichkeit, die von dem ewi-
gen Gott ausgeht, strahlt durch Ihn zu uns.
Alle Dinge durch das Wort
seiner Macht tragend
Nachdem zu Anfang der Herr Jesus
als Schöpfer vorgestellt wird, ergänzt
hier der Autor die Tatsache, dass Er
die ganze Schöpfung am Leben er-
hält. Er trägt sie durch seine eige-
ne Macht. In Ihm ist diese Schöp-
ferkraft, die die Macht hat, alles zu
erhalten. Wir Menschen zerstören
die Schöpfung zunehmend. Er aber
erhält sie noch bis heute. Bist du dir
dessen bewusst und hast du Ihm
dafür schon einmal Ehre erwiesen?
Denke weiter daran: Dieser Erhalter
spricht persönlich zu dir!

Durch sich selbst die Reini-


gung der Sünden bewirkt
Diese Herrlichkeit hat direkt mit
uns zu tun, mit unseren Sünden.
Ungehindert strahlt die Herrlichkeit Gottes Sie brachten uns in die Gottesferne, weg
durch den Sohn zu uns. Er ist dieser „Ab- von Gottes Angesicht. Doch der Sohn, der
glanz“! So dürfen wir diesen Sonnenstrahl Schöpfer ist und „Abdruck des Wesens
der unendlichen Größe Gottes direkt wahr- Gottes“ ist, Er ist es, der die Reinigung
nehmen, indem wir uns ihm aussetzen. Das von unseren Sünden bewirkt hat, so dass
Beschäftigen mit diesem Sohn lässt uns wir jetzt zum Herzen Gottes gebracht wor-
diese Herrlichkeit genießen! Hast du dies den sind. Und: Er hat dies durch sich selbst
persönlich schon einmal erfahren? Lass dich bewirkt. Nicht durch ein Wort, sondern in
ermuntern, den Herrn Jesus genauer zu be- seiner eigenen Person ist Er das Sündop-
trachten, um dich so der Herrlichkeit Gottes fer geworden. Indem Er sich hingegeben
auszusetzen. Und bedenke weiter: Er, der hat und am Kreuz in den drei Stunden
diese Herrlichkeit wiedergibt, spricht zu dir! der Finsternis die Gottesferne erlitt, wur-

30
Gott redet im Sohn – auf diese Person dürfen wir hören!

den unsere Sünden gesühnt und wir von


ihnen gereinigt. Er hat sich für uns völlig
hingegeben und die Strafe Gottes für un-
sere Sünden getragen. Ist dies nicht ein
Grund, Ihm aus tiefem Herzen zu danken,
Ihn anzubeten? Welch eine Liebe strahlt
doch aus seinem Herzen! Und Er, der dich
so liebt, spricht zu dir!

Sich gesetzt hat zur Rechten der


Majestät in der Höhe
Der letzte Punkt in dieser Aufzählung hat
noch einmal die Größe des Sohnes zum
Thema. Er, der Mensch auf dieser Erde
war, der die Reinigung unserer Sünden be-
wirkt hat, hat sich in eigener Kraft gesetzt
zur Rechten Gottes. Somit hat Er den Platz
der höchsten Ehre eingenommen. Einen
höheren Platz gibt es nicht. Als Gott ist un-
ser Herr immer über allen. Aber hier wird
der Gesichtspunkt gezeigt, dass Er diesen
Platz als Mensch einnimmt. Als vollkom-
mener Mensch hat Er diesen Platz der Ehre
eingenommen. Wie hoch ist Er doch! Bitte für die Gläubigen. Der Sohn ist unendlich
bedenke: Dieser erhobene Herr spricht zu viel mehr! Das zeigen die sieben Zitate aus
dir! Wie reagierst du darauf? dem Alten Testament, die in den Versen 5
bis 14 angeführt werden.
Die sieben verschiedenen Herrlichkeiten
des Herrn Jesus zeigen uns seine Größe! Der Schreiber verbindet diese Tatsache
Er ist über allem, hat alle Macht und hat mit der ernsten Ermahnung am Anfang
alles für uns bewirkt! von Kapitel 2. Das durch Engel geredete
Wort (das Gesetz) war wichtig. Wenn man
auf dieses nicht hörte, hatte das jedenfalls
Der Sohn ist besser als die Engel eine gerechte Vergeltung zur Folge. Die
Strafe blieb nicht aus. Aber heute redet
Die weiteren Verse zeigen nun, dass der der Sohn selbst zu uns! Deswegen sollen
Sohn auch im Vergleich zu den Engeln wir umso mehr auf das achten, was wir
viel besser ist. Engel sind Diener Gottes gehört haben! Beachten wir es nicht, wird
und sind im Alten Testament manches Mal das Konsequenzen haben. Eine sehr erns-
Menschen begegnet. Sie hatten dann den te Tatsache! Bitte frage dich persönlich:
Auftrag Gottes, eine Botschaft weiterzuge- Hörst du in deinem Leben auf die Stim-
ben. Insofern waren die Engel unter dem me des Sohnes Gottes? Hörst du auf sein
Volk Israel sehr geachtet. Auch hatten sie Wort? Beachte es! Dazu wollen wir uns
bei der Gesetzgebung eine wichtige Rol- gegenseitig ermuntern.
le, was uns Kapitel 2,2 andeutet (vgl. Apg
7,53). Aber im Vergleich zu Ihm waren sie Christoph vom Dorp
nur Diener. Er war der, der zur Rechten
Gottes saß! Die Engel hingegen: Sie wa-
ren „nur“ dienstbare Geister, ausgesandt
Folge mir nach
31
August Philipp Michel
– vom Geldfälscher
zum Evangelisten

H ätte er den Beamten der königlich


preußischen Finanzverwaltung nicht selbst
gezeigt, dass es sich bei den Geldschei-
nen, die sie gerade in Händen hielten, um
Fälschungen handelte, er wäre wahr-
scheinlich nicht aufgeflogen. Selbst im
Zeitalter von Farbkopierer und Bildbe-
arbeitungssoftware gilt er nach Aussage August Michel mit Hund Pluto
eines Kriminalkommissars noch als König
unter den Geldfälschern.

Was war das für ein Mann, dieser August nach Meinung vieler seiner Zeitgenossen,
Philipp Michel, den die Gnade Gottes vom sehr reich werden können.
Geldfälscher zum Evangelisten werden ließ?
Der wilde Michel
Kindheit und Jugendzeit
Doch August Michel stand der Sinn nach
Viel wissen wir nicht aus der Zeit seines anderen Zielen. Und so lieferte der begabte
Lebens vor der Bekehrung. Er wurde am 20. Druckvorlagenhersteller sein Meisterstück
März 1820 als siebtes Kind des Arztes Ernst als Geldfälscher und Falschmünzer ab. Die
Martin Michel und seiner Frau Anna Christine Münzpresse hatte er in das Türblatt seiner
in Siegen geboren. Als er drei Jahre alt war, Stube eingebaut. Jeder, der die Türklinke
starb der Vater. Seine Mutter mühte sich nach betätigte, presste so unbemerkt eine falsche
Kräften, ihren Sohn nach den Gedanken Münze und wurde zum Mittäter. Auch die
Gottes zu erziehen. Doch fehlte dem siebten Druckvorlagen für die Geldscheine waren
Kind spürbar die strenge Hand des Vaters, im Türblatt versteckt.
die seinem ausgeprägten Eigenwillen die
Grenzen hätte zeigen können. Weil August Michel keine Schlägerei und
keine Mutprobe ausließ, hieß er bald überall
Nach dem Besuch der Lateinschule erlernte im Siegerland nur noch „der wilde Michel“.
er das Lithographenhandwerk, bei dem Schon die Nachricht, er sei mit seinen Gesellen
er aus Schieferplatten Druckvorlagen im Anmarsch, verbreitete an manchen Orten
herzustellen hatte. Dabei kam ihm seine Angst und Schrecken. Jeder fürchtete, das
ausgeprägte künstlerische Begabung sehr nächste Opfer seiner Streiche zu werden. Er
zugute. Schnell hatte August Michel den selbst hat später kaum über diese Zeit seines
Ruf, die besten Druckvorlagen weit und Lebens erzählt. So lässt sich die Wahrheit
breit zu fertigen. Der junge Mann gründete über manche abenteuerliche Episode aus
ein eigenes Unternehmen und hätte damit, dieser Zeit nur schwer überprüfen. Einige

32
August Philipp Michel – vom Geldfälscher zum Evangelisten

betrachteten ihn als eine Art Robin Hood Jahren Haft verurteilt, im Zuchthaus in
oder Michael Kohlhaas des Siegerlandes, der Münster. Hier kamen ihm die Worte seiner
es mit den Regierenden aufnahm und tat, Mutter wieder in den Sinn und er erkannte,
was ihm selbst Recht erschien. Tatsächlich dass er so, wie er war, keinen Platz bei Gott
ging es ihm, so weit wir wissen, zu keiner in der Ewigkeit erlangen konnte.
Zeit darum, auf ungesetzliche Weise reich
zu werden. Doch am ehesten wollte August Eine Zeit lang versuchte er, sich durch ein
Michel wohl einfach seinen Spaß haben und duldsames Leben das Wohlwollen Gottes
jedem beweisen, was für ein toller Kerl er zu verdienen. Doch immer wieder brach
war. sein widerspenstiges Wesen durch. Tiefe
Selbstzweifel befielen ihn, zeitweise trug er
Der Wendepunkt sich sogar mit Selbstmordgedanken. Da
hörte er eine Predigt des Gefängnispfarrers
Liest man die Geschichte der Könige von über Jesaja 43,1: „Fürchte dich nicht, denn
Israel und Juda, ist häufig von einer
ersten und einer zweiten Geschichte
ihres Lebens die Rede. So heißt es
zum Beispiel von Asa in 1. Chronika
16: „Und siehe, die Geschichte
Asas, die erste und die letzte, siehe,
sie ist geschrieben in dem Buche der
Könige von Juda und Israel“ (Vers
11).

Bei Asa spricht seine erste Geschichte


von der Zeit in seinem Leben, in der
er tat, was Gott von ihm wollte. Die
Letzte handelt davon, wie Asa nach
allen wunderbaren Erfahrungen
mit Gott am Ende seines Lebens August Michels Wohnhaus
erkrankte. Doch statt den Herrn
zu suchen, suchte er Hilfe bei den Ärzten ich habe dich erlöst; ich habe dich bei
(2. Chr 16,12). deinem Namen gerufen, du bist mein.“

Auch August Michel hatte eine erste und Durch die Gnade errettet
eine letzte Geschichte. Doch bei ihm war es
anders als bei Asa. Bei ihm steht zuerst ein Dieses Wort traf den Gefangenen mitten ins
Leben in der Sünde, fern von Gott. Doch Herz. August Michel begann, in der Bibel
dann kehrte er um. Die letzte Geschichte zu lesen. Irgendwann stieß er dabei auf
August Michels ist die Geschichte seines Epheser 2,8: „Denn durch die Gnade seid
Dienstes für Gott. Doch wie kam es dazu? ihr errettet, mittels des Glaubens; und das
nicht aus euch, Gottes Gabe ist es.“
Beim Namen gerufen
Das war der Durchbruch. August Michel fiel
Einige Male ging August Michel der Polizei in seiner Zelle auf die Knie und schüttete
ins Netz, doch immer wieder entkam er sein Herz vor Gott aus. Er bekannte Gott
seiner gerechten Strafe. Einmal verschlug es seine Verbrechen und fand Jesus Christus
ihn auf der Flucht sogar bis nach Frankreich. als seinen Heiland, der für alle seine Schuld
Für den heimatverbundenen Michel eine am Kreuz von Golgatha das Gericht Gottes
Weltreise. Doch am Ende saß er, zu zwanzig getragen hat.
Folge mir nach
33
Die Suche nach Heilsgewissheit die er in besonderer Weise fürbittend ein-
trat, oft unter Tränen. Auch die Arbeit auf
Doch immer noch fand August Michel keine den Missionsfeldern und die Jugend waren
rechte Ruhe. Er war der Meinung, zu einer ihm ständige Gebetsanliegen.
echten, umfassenden Sündenvergebung
gehöre das Bekenntnis der Schuld gegen- Hirte und Evangelist
über demjenigen, gegen den er gesündigt
hatte. Wo immer August Michel die Mög- „Das Gebet des Glaubens wird den Kranken
lichkeit dazu fand, bat er um Vergebung. heilen, und der Herr wird ihn aufrichten,
Was war aber mit den Menschen, die mitt- und wenn er Sünden begangen hat, wird
lerweile gestorben waren, die er nicht mehr ihm vergeben werden.“ Dieses Wort aus
um Vergebung bitten konnte? Besonders dem Jakobusbrief (Kapitel 5,15) hatte für
die Schuld gegenüber der Mutter drückte August Michel große Bedeutung. Denn sein
ihn sehr. Wieder kam Gott dem Suchenden vornehmstes und wohl auch gesegnetstes
zu Hilfe, diesmal in Gestalt des Reichsgra- Arbeitsfeld waren die Zimmer der Kranken
fen Karl, Graf zu Salm-Horstmar. Dieser und Sterbenden. Unzähligen hat er in den
Adelige hatte sich seit seiner Bekehrung in schweren Stunden der Krankheit Trost und
besonderer Weise der Gefangenenmission neue Glaubenszuversicht gegeben, weil er
verschrieben und führte August Michel zur den Blick der Kranken einfühlsam auf den
völligen Heilsgewissheit. Vater der Erbarmungen und Gott allen Tros-
tes lenkte. Wann immer es möglich war,
Dieser Graf war es auch, der sich für die machte er sich im Gebet eins mit der Not der
Begnadigung August Michels einsetzte und Niedergebeugten.
sie schließlich in einer Privataudienz beim Und mancher, der sein Leben lang dem
König von Preußen auch erwirkte. Wort vom Kreuz ablehnend gegenüberstand,
hat durch den anhaltenden und ausdauern-
Ein Täter des Wortes den Dienst und das Gebet August Michels
noch auf dem Sterbebett Frieden mit Gott
Vom ersten Tag in Freiheit an hatte das Le- gefunden. Denn August Michel gab keinen
ben August Michels eine ganz neue Ausrich- auf. Egal, wie abweisend ihm die Menschen
tung. Brachte ihn seine Widerspenstigkeit begegneten, wenn es galt, war er da. Dann
vor seiner Bekehrung in manche Bedräng- scheute er auch vor unangenehmen Wahr-
nis, wurde das neue Leben des Bekehrten heiten nicht zurück, um einen verlorenen
schon in seinem Verhalten im Gefängnis Sünder zu überführen und zur Umkehr zu
sichtbar. Und auch in Freiheit war es seine bringen. Er wiegte niemand in trügerischer
tägliche Bitte, in Demut und Abhängigkeit Sicherheit. „Du musst sterben“, sagte er bei-
von seinem Herrn ein Täter des Wortes zu spielsweise einmal einem Sterbenden, der
sein, um dadurch seinen Herrn und Heiland noch keine Vergebung seiner Sünden hat-
zu ehren. Die Treue im Kleinen kennzeich- te, ohne Umschweife. „Aber nicht wahr, du
nete seinen ganzen weiteren Lebensweg. weißt, was ich für ein Mensch gewesen bin?
Wenn aber der Michel im Zuchthaus Gnade
Ein ernster Beter gefunden hat, sollte da für dich nicht auch
Gnade vorhanden sein?“
Viele Stunden verbrachte Michel im Gebet.
Seine Gebete waren eine kindlich zutrauli- Widersteht dem Teufel
che Aussprache mit Gott, einfach und na-
türlich, kurz und bündig, herzlich und – bei Es war ein Anliegen August Michels, das
Gebeten in der Öffentlichkeit – die Herzen Wort Gottes im täglichen Leben praktisch
bewegend. Ein spezielles Gebetsanliegen in die Tat umzusetzen und dem Herrn Je-
blieben ihm zeitlebens die Gefangenen, für sus konsequent treu zu sein. So wurde er

34
August Philipp Michel – vom Geldfälscher zum Evangelisten

eines Tages gefragt, ob er in der Lage sei, Lust, abzuscheiden und bei
einen wichtigen Brief mit einer vertrauli- Christus zu sein
chen geheimen Botschaft so zu öffnen und
anschließend wieder zu schließen, dass die Die letzten Lebensjahre August Michels
Manipulation nicht auffiele. „Ja, das kann waren von schwerer Krankheit gekenn-
ich, aber ich tue es nicht“, antwortete Mi- zeichnet. Doch auch hier zeigte sich, wie
chel. Da bat der Besucher, er möge ihm der Glaube an den Sohn Gottes als seinen
doch wenigstens erklären, wie so etwas gin- Erretter einen Menschen verändert. War er
ge, damit er es selbst tun könne. „Da ist die in seiner Jugend oft voller Ungeduld, ertrug
Tür! Wenn Sie sich nicht hinausmachen, er jetzt die größten Schmerzen, die der Pro-
schmeiße ich Sie hinaus!“, antwortete Mi- statakrebs verursachte.
chel barsch.
„Indem ich Lust habe, abzuscheiden und
Mehrfach versuchten Besucher, ihn wie- bei Christus zu sein, denn es ist weit bes-
der zur Falschmünzerei zu verführen oder ser.“ (Phil 1,23) Dieser Wunsch des Apos-
zumindest die Anleitung dazu von ihm zu tels Paulus wurde dabei immer mehr auch
erschleichen. Bei solchen Versuchungen re- der Wunsch August Michels. „Herr, vergiss
agierte August Michel äußerst unwirsch. Der deinen August nicht“, betete er manches
sonst so liebevolle und einfühlsame Mann Mal, wenn die Schmerzen unerträglich
konnte dann sehr rabiat werden. Hatte er wurden.
dem ersten Versucher noch das Evangelium Heimzugehen an dem Tag, an dem die
derart eindringlich gepredigt, dass der Besu- Menschen der Kreuzigung des Herrn Jesus
cher vor Schreck erstarrte, schickte er dem gedenken, war ihm dabei etwas Besonde-
Zweiten seinen Hund hinterher, um den un- res. Am Karfreitag des Jahres 1900 erfüllte
liebsamen Gast loszuwerden. Noch mit 70 Gott seinem treuen Diener diese letzte Bitte
Jahren fasste er einmal einen Besucher am
Genick und warf ihn eigenhändig aus dem
Haus hinaus.

Ein Original Gottes

Eines Tages unterhielt sich August Michel


mit etlichen Gästen über Gottes Wort. Die
Kaffeetafel war bereits gedeckt. Die Runde
war so ins Gespräch vertieft, dass irgend-
wann einer zu Kaffee und Kuchen griff und
es sich schmecken ließ. Andere folgten
seinem Beispiel, ohne etwas zu bemerken.
„Wir haben ja überhaupt noch nicht für die
guten Gaben gedankt“, stellte plötzlich ei-
ner der Gäste fest. Betretenes Schweigen
machte sich breit. Da betete August Michel: und erlöste ihn von seiner schweren Krank-
„Herr, du siehst, wie sehr wir mit Dir und mit heit. Über 2000 Gläubige folgten bei der
Deiner herrlichen Person beschäftigt sind. Beerdigung dem Sarg, um dem Mann das
Und nun haben wir darüber angefangen, zu letzte Geleit zu geben, der vielen von ihnen
essen, ohne Dir zuerst für all die guten Ga- der Wegweiser zu Jesus Christus und damit
ben zu danken. Und es hat uns auch noch zum ewigen Leben geworden war.
geschmeckt! Herr, das möchten wir dir doch
bekennen und um Vergebung bitten. Und Stefan Busch
nun segne doch bitte diese Speise. Amen.“
Folge mir nach
35
„Sich beugen und trinken“
„Wen da dürstet, der komme; wer da will, nehme das
Wasser des Lebens umsonst.“
Offenbarung, Kapitel 22, Vers 17

Am Ende eines warmen Arbeitstages kehrte ich in einem Motel ein. In der Eingangshalle
sah ich einen Trinkbrunnen. Da ich sehr durstig war, lief ich darauf zu und sah ein Schild
mit der Aufschrift: „Sich beugen und trinken!“ – Das begriff ich nicht. Ich schaute umher
und suchte nach einem Hahn, um das Wasser fließen zu lassen.

Einige Augenblicke suchte ich vergeblich und ging dann zum Empfang, um meinen Zim-
merschlüssel zu holen. „Könnten
Sie mir auch sagen, wie der
Trinkbrunnen funktioniert?“,
fragte ich die Dame hinter dem
Schreibtisch. – „Wie auf der Tafel
steht: Sich beugen und trinken!“
– Da ich starken Durst hatte, ging
ich nochmals zurück. Ich las wie-
der die Aufschrift: „Sich beugen
und trinken!“

Da stand ich, konnte kaum war-


ten und wollte unbedingt Wasser,
aber wie? – Vielleicht musste ich
einfach das tun, was auf der Tafel stand. Ich beugte mich vornüber, und schon kam mir ein
Strahl frisches Wasser entgegen!

Als der Durst gestillt war, sah ich mir den Brunnen genauer an. Wenn ich mich vorbeugte,
wurde die Wasserzufuhr durch einen Fotosensor automatisch freigegeben.

Ist es nicht mit der Errettung von der Hölle genauso? Die Bibel sagt einfach: „Glaube an
den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden, du und dein Haus“ (Apostelgeschichte, Ka-
pitel 16, Vers 31). Nur zuschauen oder sich abmühen rettet keinen Menschen. Man muss
sich vor dem Sohn Gottes beugen – und von dem Wasser des Lebens Gottes trinken.

36