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7/2005
Folge mir nach
1
Inhalt/Impressum

Inhalt
Aus aktuellem Anlass:
Offene Augen – „Sportwagen und Ziegelstein“ ............................................. 4
Den Willen Gottes erkennen (Teil II) ............................................................. 6
Bibel praktisch:
Gibt es etwas Gutes im Menschen ............................................................. 10
Erlebnisse mit Michael ............................................................................... 12
Die mich früh suchen (Teil II) ..................................................................... 14
Zum Nachdenken:
Pinnwand .................................................................................................. 18
Bibelstudium:
Was bald geschehen muss – Die zukünftigen Ereignisse (Teil I) ................... 20
Jesus Christus:
Die Freuden des Herr Jesus ...................................................................... 25
Post von euch/Fragenbeantwortung:
Hebräischer Knecht ................................................................................... 27
Zum Nachdenken:
Die Hugenottin Blanche Gamond – trotz Folter treu .................................. 30
Buchbesprechung:
In Christus gesegnet – ein Auslegung zum Epheserbrief ............................. 34
Gute Botschaft:
Noch eine Chance ... ................................................................................ 36

Impressum
Herausgeber: Anschrift der Redaktion:
Christliche Schriftenverbreitung Rainer Brockhaus · Kormoranweg 18 · 46487 Wesel
Hückeswagen Tel.: (02 81) 6 08 19 · Fax: 6 36 17
PF 100 153 E-mail: rbrockhaus@gmx.de
42490 Hückeswagen Internet: http://www.folgemirnach.de
Telefon: (0 21 92) 9 21 00 Herstellung:
Telefax: (0 21 92) 92 10 23 Layout und Satz:
E-mail: info@csv-verlag.de Andre Dietermann, www.dtp-medien.de, Haiger
Druck: Brockhaus Druck, Dillenburg

Folge mir nach erscheint sechswöchentlich;


Abo-Preis 13,-- (zzgl. Porto Inland: 2,50; Porto Aus-
land: 4,--); Musterhefte können jederzeit angefordert Bildnachweis und Bildrechte:
werden; Abonnements und Änderungen im Abonnement
© R. Dietermann: 4 oben, 14, 16, 36
bitte an den Herausgeber. Bibelübersetzung: Elberfelder
Übersetzung Version 2003 © imagelibrary: 5, 7, 10, 12, 15, 25
© Project Photos: 1, 4, 33

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Das persönliche Grußwort

W as wird mir die Zukunft bringen? Das ist eine Frage, die junge
und alte Menschen, Arme und Reiche, Frauen und Männer, Eltern und
viele Kinder, Deutsche und Ausländer – eigentlich jeden beschäftigt. Kann
es darauf eine konkrete Antwort geben?
Viele schauen, um eine solche Antwort zu erhalten, in das Horoskop
einer Zeitung oder eines Magazins etc. Andere gehen noch weiter und
versuchen sich an okkulten Sitzungen, gehen zu einem Wahrsager oder
lassen sich Karten legen. Das alles ist jedoch außerordentlich gefährlich.
Denn keine dieser Methoden hat die Bestätigung von oben, vom Herrn
Jesus. Im Gegenteil: Man lässt sich damit auf den Teufel ein. Bitte nicht!
Gibt es dann überhaupt keine Antwort?
Doch – es gibt Antworten auf die Eingangsfrage. Die Bibel, Gottes
Wort, ist uns dabei behilflich. Nicht, dass man dort „schwarz auf weiß“
nachlesen könnte: Morgen passiert dies, übermorgen jenes. Dafür
musst du dich ganz persönlich von dem Herrn durch sein Wort und
seinen Geist leiten lassen (S. 6) – heute und morgen! Aber was sich für
gewaltige Ereignisse auf dieser Erde ereignen werden, davon berichtet
die Bibel ganz ausführlich. Dazu empfehlen wir von Herzen die neue
Bibelstudienreihe „Was bald geschehen muss“ (S. 20).
Eine kurze, direkte Frage zum Schluss, die direkt mit deiner ganz per-
sönlichen Zukunft zu tun hat: Hast du die Chance zur Bekehrung schon
genutzt (sie hängt von dir, nicht von Gott ab!)? Denn sonst helfen dir
die ganze Bibel und auch der Zukunfts-Artikel in „Folge mir nach“ nicht
weiter. Das lehrt die erschütternde Geschichte auf der Rückseite dieses
Heftes. Du hast doch schon klar Schiff gemacht in deinem Leben, oder?
Heute kannst du es noch tun. Das Morgen steht nicht in den Sternen,
sondern in Gottes Hand. Aber nicht in der deinen!

Folge mir nach


3
Offene Augen
„Sportwagen und Ziegelstein –
die Augen offen halten!“

I m Editorial eines christlichen Jugendmagazins1 las


ich vor einiger Zeit folgende Begebenheit, die mich sehr
nachdenklich stimmte.

„Ein junger und erfolgreicher Angestell- henden Reifen zurück zu dem Punkt, an
ter fuhr auf einer Straße am Stadtrand, dem der Stein geworfen worden war.
wobei er mit seinem erst wenige Tage alten
Sportwagen ein bisschen zu schnell unter- Der wütende Fahrer sprang aus dem
wegs war. Er beobachtete ständig aus den Wagen, schnappte sich das erstbeste Kind,
Augenwinkeln heraus die Räume zwischen drückte ihn gegen ein geparktes Fahrzeug
den parkenden Autos, um zu verhindern, und schrie: „Was sollte das? Wie heißt
dass ihm ein Kind vor den Wagen läuft. du? Weißt du, was du angerichtet hast?
Jedes Mal, wenn er meinte, etwas zu sehen, Das ist ein neuer Wagen, und diese Beule
verlangsamte er das Fahrzeug. wird viel Geld kosten. Warum hast du das
gemacht“?
Während sein Auto an den parkenden
Wagen vorbeifuhr, tauchte kein Kind auf, Der kleine Junge stotterte: „Bitte ... es tut
mir Leid. Ich wusste nicht, was ich tun sollte.
Ich habe den Stein geworfen, weil keiner
anhalten wollte.“ Wahrend die Tränen
sein Gesicht hinunter liefen, zeigte er auf
einen Punkt hinter dem geparkten Wagen.
„Das ist mein Bruder, er ist über die Kurve
hinaus gerollt und aus seinem Rollstuhl
gefallen. Ich kann ihn nicht hochheben.“ Er
schluchzte und bat den verblüfften Mann:
„Würden Sie mir bitte helfen ihn wieder in
den Rollstuhl zu bekommen? Er hat sich
statt dessen flog plötzlich ein Ziegelstein verletzt und ist zu schwer für mich.“
krachend vor die Tür des Sportwagens!
Impulsiv trat er auf die Bremse, legte den In seinem Inneren bewegt musste jetzt auch
Rückwärtsgang ein und fuhr mit durchdre- der Fahrer schlucken. Er hob den behin-
1
Jugend für Christus, Nr. 99 – 3. Quartal 2002, Seite 3

4
Offene Augen

derten Jungen hoch und setzte ihn wieder einmal im Leben begegnen: dem Mann auf
in seinen Rollstuhl, zog sein Taschentuch der Straße, dem Kind auf dem Spielplatz,
heraus und wischte die Blutflecken von der Frau an der Information, der Familie im
den Schürfwunden weg. Er war so betrof- Urlaub ...
fen, dass er dem Jungen nur noch wortlos
hinterher sehen konnte, während dieser
seinen Bruder im Rollstuhl nach Hause
schob. Langsam und in Gedanken versun-
ken ging er zu seinem Sportwagen zurück.

Obwohl die Beschädigung sehr deutlich


sichtbar war, ließ der Fahrer die verbeulte
Seite nie reparieren. Er behielt die Beule,
um sich ständig an etwas zu erinnern: Gehe
nie so schnell durchs Leben, dass dich erst
jemand mit einem Ziegel bewerfen muss,
um deine Aufmerksamkeit zu erhalten.
Gottes leise Stimme spricht zu unserem
Herzen, und zu unserer Seele. Manchmal,
wenn wir meinen, keine Zeit zum Hören zu
haben, muss Er uns mit einem Ziegelstein
bewerfen.
Höre auf seine leise Stimme ... und warte
nicht auf den Ziegel!“

Viele dieser Menschen sind einsam und


Sind wir bereit für unseren Nächsten? in Not, und niemand hat Zeit für sie. Nie-
mand sieht sie. Niemand registriert sie. Nie-
Beim Lesen dieser Begebenheit musste ich mand hilft ihnen. Außer dem Herrn Jesus.
spontan an die Geschichte denken, die der Und wir? Gleichen wir dem jungen Mann,
Herr Jesus selbst in Lukas 10 erzählt hat. dem zuerst seine Arbeit und sein Sportwa-
Mancher kennt sie unter der Überschrift gen wichtiger war als die Not des kleinen
„der barmherzige Samariter“. Wir lesen Jungen? Oder lernen wir von unserem
diese Geschichte gern, weil sie uns den Herrn, der seinen Weg ging, „wohltuend
Herrn Jesus zeigt, der seine Barmherzigkeit und heilend“? Er war „innerlich bewegt“,
an uns groß gemacht hat, indem Er uns als er die Not und das Elend des unter die
errettet hat. Aber haben wir schon einmal Räuber gefallenen sah.
daran gedacht, dass der eigentliche Anlass
für die Geschichte die Frage des Pharisäers Wir dürfen uns heute gegenseitig neu Mut
war: „Und wer ist mein Nächster“? machen, mit offenen Augen durch diese
Auch in unserem Leben gibt es viele Welt zu gehen, um Menschen zu helfen, die
„Nächste“. Es sind Menschen, die neben in Not sind. Vor allem aber, um ihnen von
uns leben, unsere Familie, unsere Schul- dem Einen zu sagen, der sie liebt und retten
kameraden unsere Kommilitonen, unsere möchte.
Arbeitskollegen, unsere Nachbarn ... Es
sind Menschen, denen wir vielleicht nur Ernst-August Bremicker
Folge mir nach
5
Gottes Willen erkennen (Teil II)
– weitere Gedanken zum Thema
E rinnerst du dich noch an die „großen Fünf“ im letzten Artikel?
Vielleicht hast du gedacht: „Mensch, dazu hätte ich noch unendlich
viele Fragen und Gedanken!“ Genau, ich auch. Deswegen gibt es auch
noch diesen Artikel. Ich bin mir bewusst, das Thema auch jetzt nicht
erschöpfend zu behandeln – wer könnte das schon? Aber es ist mein
Wunsch, dass dir die Gedanken etwas weiterhelfen auf dem Glaubensweg.

Die richtigen Fragen stellen wir gerechnet haben; solche, die völlig
überraschend kommen; und solche, die
Bei dem Prozess, Gottes Willen zu erken- sich langsam im Lauf der Zeit abzeichnen.
nen, werden wir nicht umhin kommen,
über gewisse Fragen nachzudenken. Es 1. Biblisches Beispiel für den ersten Fall:
müssen nur die richtigen Fragen sein. Im Josua 1. Es war für Josua abzusehen,
Folgenden sind einige Fragen aufgeführt, dass er nach Gottes Gedanken nach
die dir dabei helfen können, zu richtigen Moses Tod die Führung des Volkes über-
Entscheidungen zu kommen. (Diese Liste nehmen würde. Persönliches Beispiel:
von Fragen erhebt keinen Anspruch auf Wenn du heiratest, sind die grundlegen-
Vollständigkeit.) den Veränderungen in deinem persönli-
Dient diese Entscheidung (die ich treffen chen Leben absehbar und nicht unbe-
will) zur Ehre Gottes? kannt. Macht die Tatsache, dass eine
Könnte ich diese Entscheidung vor dem Veränderung absehbar ist, die Verände-
Herrn und den Geschwistern rechtferti- rung weniger groß und die Führung des
gen bzw. erklären (sodass mein aufrich- Herrn weniger nötig? Durchaus nicht!
tiges Ringen um den Willen Gottes deut- 2. Biblisches Beispiel für den zweiten Fall:
lich wird – auch wenn nicht jeder meine Matthäus 2,13. Die Flucht nach Ägypten
Entscheidung „verstehen“ muss)? kam für Joseph und Maria völlig über-
Dient diese Entscheidung meinem geist- raschend. Persönliches Beispiel: eine
lichen Wachstum oder ist sie ihm hin- plötzliche Kündigung; der Herr legt dir
derlich? „plötzlich und unerwartet“ eine Aufgabe
Habe ich für die Entscheidung die nötige „vor die Füße“.
und mögliche Zeit mit Gebet und Nach- 3. Die dritte Kategorie ist weit weniger „dra-
sinnen etc. aufgebracht? matisch“ als die anderen, weil sie fort-
schreitend in unserem Leben auftaucht.
Veränderungen Es besteht die Gefahr, die Notwendigkeit
zur Veränderung zu übersehen. Umso
Wenn du wirklich den Willen Gottes für nötiger ist hier das Gebet, dass der Herr
dein Leben erfahren willst, musst du mit uns zeige, wo Er Veränderung in unse-
Veränderungen in deinem Leben rechnen. rem Leben (Verhalten, Gewohnheiten,
Diese Veränderungen lassen sich grob in Beziehungen etc.) wünscht.
drei Kategorien einteilen: die, mit denen

6
Gottes Willen erkennen (Teil II)

Geöffnete und geschlossene Türen b) Gottes Antwort heißt „warten“. Dann


brauchen wir Geduld. Die Antwort im
Als Christen reden wir häufig von „geschlos- Einzelfall wird der Herr dir klarmachen
senen“ oder „geöffneten Türen“. Das hat (nicht mir oder Schwester Kunigunde).
auch durchaus etwas mit unserem Thema Siehe auch Apostelgeschichte 16,6–10.
zu tun. Nur ist es mit den geöffneten und Bedeutet eine „geöffnete Tür“ immer, dass
Gott will, dass wir sie benutzen? Frei nach
Paulus: Das sei ferne! Gegenbeispiel: Jona
1,3 (da waren alle Türen offen!). Aber
wenn alles (die großen Fünf) in die Rich-
tung weisen, dürfen wir den Weg ernsthaft
erwägen.

Wenn eine geöffnete Tür offenkundig vom


Herrn ist und wir gehen hindurch, bedeu-
tet das dann „Segeln auf ruhiger See“? Du
wirst aus eigener Erfahrung wissen, dass
die Antwort „nein“ ist. Dann gilt es nicht
zu zweifeln an einer mit dem Herrn getrof-
fenen Entscheidung. Biblische Beispiele:
Matthäus 14,22–33; 1. Korinther 16,9.

Geistliche Reife

Mit zunehmender geistlicher Reife werden


auch die Möglichkeiten vielfältiger, Gottes
Willen zu erkennen. Auch im natürlichen
Bereich kann ich von einem Erwachsenen
Dinge erwarten, die für ein Kind noch nicht
in gleichem Maße möglich sind, wie z.B.
ein gesundes Urteil, eine gewisse Unab-
hängigkeit von Umständen und Menschen-
geschlossenen Türen nicht ganz so einfach, meinung, Beherrschung unserer Gefühle,
wie es auf den ersten Blick den Anschein Akzeptieren von Verantwortung. Das ist
haben mag. Einige Fragen dazu wollen wir auch im geistlichen Bereich so. Deshalb ist
uns ansehen: die Art und Weise, wie wir Gottes Willen
Welche „Türen“ sollen wir überhaupt in erkennen, auch abhängig von unserem
Angriff nehmen? Wenn du die „großen geistlichen Wachstum – weg von einem
Fünf“ in Ruhe vor dem Herrn erwogen Geschoben- oder Gezogenwerden durch
hast, kannst du sicher die „Tür“, vor der du den Herrn, hin zur Leitung durch Einsicht,
dann stehst, aufzumachen versuchen. auch in die jeweiligen Situationen: Psalm
Wenn die Tür verschlossen ist, wie oft soll 32,8, 1. Chr. 12,32.
ich es versuchen, bevor ich aufgebe? Wann
ist Ausharren nötig, wann wird es Eigen- Das Übereinstimmungsprinzip
wille? (Biblisches Beispiel: Paulus und sein
Dorn für das Fleisch, 2. Kor 12,7). Wenn Während ich nie genau im Voraus wissen
eine Tür verschlossen bleibt, gibt es zwei kann, wie Gottes Wille für mich persönlich
Möglichkeiten: im Einzelnen aussieht, so kann ich doch
a) Gott verbaut uns deutlich den Weg. Dann über eines sicher sein: Der Wille Gottes
sollten wir die „Tür“ in Ruhe lassen! für mein persönliches Leben wird nie zu
Folge mir nach
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Gottes Charakter und zu seinem Wort im -3- : Wir wollen etwas eigentlich nicht tun,
Widerspruch stehen. aber es ist dennoch Gottes Wille.

Die 99%-Regel In beiden Fällen geht es darum, letztlich


unseren Willen dem Willen Gottes unterzu-
Jeder, der ernsthaft zur Ehre Gottes und ordnen.
des Herrn leben möchte, wird zugeben
müssen, dass er in 99% der Fälle genau Die „Woll-Vliesmethode“ (Richter 6)
weiß, was Gott in dieser Situation von ihm
will. Es ist das 1%, die schwierigen Ent- Ist das Vorgehen Gideons, nämlich Gott
scheidungen, für die wir Gottes besondere ein Vlies vorzulegen, eine für Christen gute
Leitung suchen. Methode, den Willen Gottes zu erfahren?
Oder betest du täglich intensiv darum, ob Beispiel: Wenn der nächste Anrufer ein
Gott will, Mann ist, nehme ich die neue Stelle an;
dass du pünktlich zur Ausbildung/am wenn es eine Frau ist, sage ich ab.
Arbeitsplatz erscheinst? Die Antwort ist ein deutliches Nein. Natür-
dass du deine Aufgaben gewissenhaft lich kann Gott uns unter Umständen einmal
und ordentlich erfüllst? so leiten, aber das ist dann erstens die Aus-
dass du den Kollegen und Mitmenschen nahme und zweitens ein Beweis unseres
als Christ in der Gesinnung Christi niedrigen geistlichen Zustandes.
begegnest? Warum sollten wir eine solche „Führung“
dass du heute zu seiner Ehre und als nicht suchen?
Zeugnis für Ihn lebst? 1. Nach Pfingsten, d.h. seit dem der Gläu-
bige den Heiligen Geist besitzt, der ihn
Du kannst und sollst allerdings dafür beten, leitet, kennt die Bibel kein weiteres
dass Er dir dazu Kraft und Freude schenkt. Beispiel von „Lose werfen“ oder „Vlies
vorlegen“. Das gehörte zur Haushaltung
Gottes Wille und unser Wille – vier des AT.
Möglichkeiten 2. Gideon wusste genau, was Gott von
nach Gottes nicht nach ihm wollte. Eigentlich war nur Gehor-
Willen Gottes sam gefragt.
Willen Durch die Aktion mit dem Vlies wurde die
nach unserem Sache nicht deutlicher – im Gegenteil, sie
-1- -2- wurde unsicher. Gideon versucht es noch
Willen
nicht nach ein zweites Mal. Jedoch ist unser Gott
-3- -4- auch ein gnädiger Gott und weiß, dass wir
unserem Willen
manchmal eine zusätzliche Bestätigung für
-1- : der erstrebenswerte Idealfall > das, die an sich bereits deutliche Wegweisung
was wir wollen, entspricht auch benötigen – zum Beispiel durch ein „zufäl-
dem Willen Gottes. Wir handeln im liges“ Bibelwort, durch andere oder auch
Bewusstsein, seinen Willen zu tun. durch die Erfüllung einer Bitte um einen
-4- : Auch dieser Fall ist eindeutig > wir zusätzlichen „Baustein“ in der Gesamtsi-
lehnen eine Sache ab und sind über- tuation.
zeugt, dass sie nicht Gottes Wille ist.
Die Entscheidung ist klar. Zeichen und Wunder

Die Fälle -2- und -3- sind problematischer, Manchmal hätten wir es gerne, wenn uns
aber nicht selten. Gott in außergewöhnlicher Weise durch
-2- : Wir möchten etwas tun, aber es ist „Zeichen und Wunder“ seinen Willen klar
nicht Gottes Wille. machen würde. Doch das ist eben nicht die

8
Gottes Willen erkennen (Teil II)

Regel. Selbst wenn wir die „wunderbaren“ eine „ruhige Seefahrt“ wird. Das eine oder
Führungen Gottes in der Bibel betrachten, andere, oder auch beides, mag außerge-
kommen wir zu dem Ergebnis: wöhnlich schwierig erscheinen. Für die
1. Gott entscheidet, wie Er zu uns redet, Nachfolge des Herrn bedarf es mitunter
der Mensch kann das nicht bestimmen auch einer Portion Mut. Dazu hat Er uns
oder festlegen. auch aufgerufen: „Seid guten Mutes“
2. Auch in der Bibel, besonders im Neuen (Mt 9,2.22; 14,27; Mk 6,50; 10,49; Joh
Testament, sind diese wunderbaren 16,33).
Führungen Gottes die Ausnahme.
(Die Befreiung von Petrus durch einen Gehorsam
Engel war die Ausnahme – Apg 12; vgl.
die Befreiung des Paulus durch „nor- Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zuge-
male“ Maßnahmen – Apg 9,30; 2. Kor ben, dass in vielen Fällen das Problem nicht
11,32.33) darin besteht, Gottes Willen zu erkennen,
3. Wenn Gott so außergewöhnlich leitete, sondern ihn zu tun. In dem Fall erwartet
war für die Betroffenen immer völlig Gott einfach Gehorsam. „Dies ist der Weg,
klar, woher diese „Wunder“ kamen – ein wandelt darauf!“ (Jes 30,21).
wichtiger Punkt!
Wenn wir auch nicht sagen können, dass Fazit zu Führung und Gewissheit
Gott nie auf außergewöhnliche Weise ein-
greift, so sollten wir das jedoch nicht erwar- So gut ich selbst die Frage nach konkreter
ten, sondern im täglichen Umgang mit Führung nachvollziehen kann – wir sollten
unserem Herrn lernen, auf Ihn zu hören. nie das Vertrauen in Gottes Person durch
einen „Orakel-Werkzeugkasten“ („100 Tipps
Warten & Tricks – Gottes Führung zu erfahren“)
ersetzen, der uns letztlich von Methoden
Das Warten auf Gottes Führung gehört zu abhängig und von Gott selber unabhängig
den schwierigsten Aspekten dieses Themas. machen würde.
Aber es ist die Sache wert! Gott wirkt nach
seinem Zeitplan, und wenn wir ernsthaft Wenn wir die „Kanäle“ abgecheckt haben,
seinen Willen erkennen wollen, müssen wir durch die Gott normalerweise zu uns
uns schon diesem Zeitplan fügen. Wir glei- spricht, und wir keine absolute Gewissheit
chen oft kleinen Kindern auf einer langen über den einzuschlagenden Weg haben,
Autofahrt, die ihre Eltern ständig mit der dürfen und müssen wir nach bestem
Frage nerven: „Wann sind wir endlich Wissen und Gewissen entscheiden – und
da?“ Mama und Papa geben immer diesel- wir können absolut gewiss sein, dass Gott
ben vagen Antworten, die wir manchmal unser Leben in seiner Hand hat.
meinen, auch von Gott zu bekommen:
„bald“, „noch einen kleinen Augenblick“. Der Liederdichter des folgenden Liedes
Doch am Ziel angekommen sind wir immer, drückt einerseits unsere Gefühle bei man-
oder? Das Problem war eigentlich nie, ob cher Entscheidung gut aus. Andererseits
wir das Ziel auch erreichen, sondern das gibt er uns eine schöne Ermunterung:
Problem war unsere Ungeduld!
Oft haben wir gesonnen,
Mut ob wir es recht gemacht –
was wir mit Dir begonnen,
Gott wird uns in unserem Leben leiten. hast Du zum Ziel gebracht.
Aber nirgendwo sagt Gottes Wort, dass
das Erkennen seines Willens einfach ist,
oder dass das Befolgen seines Willens Michael Vogelsang
.
Folge mir nach
9
Gibt es etwas Gutes
im Menschen?
W ir leben in einer Zeit, in der biblischen Aussagen im Allgemeinen
nicht mehr viel Wert beigemessen wird. Auch wenn wir in einem
christlichen Land leben, werden doch biblische Grundsätze und biblische
Aussagen immer mehr aufgegeben. Dass echte Christen auch von diesem
Geist beeinflusst werden, bleibt leider nicht aus.

Eine wichtige Frage, die immer wieder ge- „sehr gut“ gemacht hatte (1. Mo 1,31). Der
stellt wird, ist diese: Gibt es etwas Gutes Mensch wurde ohne jede Sünde geschaffen!
im Menschen? Damit haben sich schon Aber er hat das Gebot Gottes in 1. Mose 2
Unzählige beschäftigt. Und sicher wirst nicht beachtet und doch von der Frucht des
auch du schon in irgendeiner Weise mit Baumes der Erkenntnis des Guten und Bö-
dieser Frage konfrontiert worden sein. sen gegessen. Er fiel in Sünde. Durch diesen
Vielleicht gab es über dieses Thema mal Ungehorsam sind nun alle seine Nachkom-
eine Unterhaltung mit deinen Freunden. men in die Stellung von Sündern gesetzt
Oder in der Schule habt ihr über das Wesen worden. Somit hat jeder Mensch eine böse
des Menschen, ja vielleicht sogar über den Natur, die Sünde, in sich wohnen. Aus
„guten Kern“ des Menschen gesprochen, dieser Quelle kommen die sündigen Taten
den man fördern muss, damit er sich weiter hervor. Beides macht den Menschen total
gut entwickelt. verderbt. Was das bedeutet, wird uns in un-
serem Abschnitt gezeigt. Es geht dabei um
Es ist wirklich eine Frage, über die es sich verschiedene Punkte:
lohnt, einmal nachzudenken: Ist etwas
Gutes im Menschen? Wir wollen gemeinsam Da ist kein Gerech ter.
untersuchen, was Gottes Wort in Römer 3
über den Menschen sagt. Gemeint ist dort Die erste Angabe über den sündigen Men-
der in Sünde gefallene Mensch (vgl. 1. Mo schen zeigt den Zustand, in dem der Mensch
3). Ausnahmslos alle Menschen gehören jetzt vor Gott steht. Und die Aussage Gottes
dazu. Schlag bitte die Bibel auf und lies ist klar. Kein Mensch ist gerecht vor ihm. Kei-
Römer 3,10–18! ner kann von seinem Zustand und seinem
Nicht wahr? Diese Verse muss man erst ein- Wesen her dem göttlichen Maßstab entspre-
mal verdauen! Ohne lange Vorrede schreibt chen.
hier Paulus – geleitet durch den Heiligen
Geist – das auf, was Gottes Beschreibung für Da ist keiner, der verständig ist.
den Menschen ist. Nein, neu war dies nicht.
Diese Aussagen sind einfach eine Wieder- Diese Aussage bezieht sich mehr auf das Den-
holung dessen, was schon in verschiedenen ken des Menschen. Der sündige Mensch ist
Stellen des Alten Testaments gesagt wurde. nicht dazu in der Lage, von seinem Denken
Paulus fasst diese Verse einfach nur zusam- oder Verstehen her auch nur irgendwie göttli-
men. che Dinge wirklich zu erfassen. Jegliches Ver-
Natürlich war es so, dass Gott den Menschen stehen in diesem Bereich ist ihm unmöglich.

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Gibt es etwas Gutes im Menschen?

Da ist keiner, der Gott sucht. seinem „Schlund“ (= Mund) hervorkommt


und schließlich über seine Zunge geht und
Und selbst das Suchen nach Gott und sei- von seinen Lippen ausgesprochen wird, ist
nen Interessen liegt dem Menschen fern. ganz verderbt. Sowohl der Ausdruck „of-
Das Suchen bezieht sich noch mehr auf das fenes Grab“ als auch das
Innere des Menschen, auf das Herz selbst. Wort „Schlangengift“ deu-
Der Mensch ist nicht nur nicht dazu in der ten uns an, wie die Rede
Lage, göttliche Dinge zu verstehen, sondern des Menschen durch das
er will es auch gar nicht erst, denn das hie- Dunkel des Todes gekenn-
ße, Gottes Ansprüche an ihn anzuerkennen. zeichnet ist. Sein Reden ist
Darum hat er kein Verlangen nach dem voll Fluchen. Die Bitterkeit
wahren Gott. deutet auf das Ungenieß-
bare hin.
Alle sind abgewichen.
Die Verse 15–18 zeigen
Mit dieser Aussage steht mehr der Weg des mehr die Wege oder Hand-
natürlichen Menschen vor unseren Blicken. lungen des natürlichen
Sieht Gott diesen Weg, so muss er klar sa- Menschen. Das Ergebnis
gen: Der Mensch ist abgewichen. Er ist nicht in all seinem Tun ist Un-
(mehr) auf dem richtigen Weg, dem Weg, friede: Das kennen wir aus
der Gott gefällt. dem heutigen Zustand der
Welt zur Genüge. Zerstörung, verbunden
Sie sind allesamt untauglich mit Elend und Armut, ist eine weitere Folge
geworden. davon. Und schließlich – in unseren Versen
ist das der erste Punkt – sind Totschlag und
Fragt man jetzt noch nach der Brauchbar- Mord das Ergebnis. Warum ist das so? Weil
keit des sündigen Menschen, so ist auch hier bei dem sündigen Menschen keine Got-
nichts für Gott vorhanden. Nicht ein Funken tesfurcht vorhanden ist! Wenn diese fehlt,
von Tauglichkeit ist da. Der Mensch ist abso- kommt es sehr schnell zu Mord und Tot-
lut nicht fähig, für Gott etwas zu tun. Er kann schlag.
es einfach nicht. Erschütternd und gleichzeitig ernüchternd
sind diese Verse. Ohne Wenn und Aber
Da ist keiner, der Gutes tut. zeigen sie uns deutlich, wie Gott den gefal-
lenen Menschen sieht. Und wenn wir jetzt
Wenn es um das Tun, die Handlungen des noch einmal unsere Anfangsfrage wiederho-
Menschen geht, stellt Gott auch wieder len: „Gibt es etwas Gutes im Menschen?“,
fest, dass kein Mensch von sich aus Gutes so müssen wir aus diesen Versen die klare
tut. Viele Menschen meinen, sie täten doch Antwort „Nein“ geben. Es ist wirklich nichts,
auch gute Dinge, aber die göttliche Aussage aber auch gar nichts Gutes im Menschen!
ist genau anders: Da ist keiner, der Gutes tut,
ja auch nicht einer! Wollen wir diese Tatsache tief in unseren
Herzen festhalten. Dies ist zwar schmerz-
Nach diesem Zitat aus Psalm 14 und 53 lich und demütigend für uns – auch für uns
folgen in Römer 3 weitere Zitate aus den Gläubige, denn es zeigt, woher wir kommen
Psalmen und auch dem Propheten Jesaja, –, aber es wird dazu führen, dass wir uns
die ebenfalls das durch und durch schlechte in allen Dingen immer wieder auf unseren
Wesen des gefallenen Menschen zeigen: Herrn stützen. Denn nicht aus uns kommt
etwas Gutes, sondern nur aus Ihm und von
In den Versen 13–14 geht es um die Sprache Ihm!
(das Sprechen) des Menschen. Das, was aus Christoph vom Dorp
Folge mir nach
11
Erlebnisse mit Michael

A ngeregt durch den Artikel „Diagnose Krebs“ (FMN 2/2004, S.


4) möchte ich gern von einem Erlebnis berichten, das ganz deutlich
dokumentiert, dass unser Gott Kraft zum Tragen von Leid gibt, in
einer Weise, die wir uns kaum vorstellen können. Weil mich das sehr
beeindruckt hat, steht dieses Erlebnis noch so lebendig vor mir, als sei es
erst ein oder zwei Jahre her, obwohl nun schon 19 Jahre vergangen sind.

Ein junger Bruder war im Alter von 17 Reife zum Abschluss zu bringen, und wollte
Jahren nach Jena in die Kinderklinik ge- dann eine Lehre beginnen. Zuvor musste
kommen. Ein paar Monate zuvor war die er jedoch noch zu einer Abschlussuntersu-
Diagnose gestellt worden: Hodenkrebs. chung nach Jena. Dabei wurde aber festge-
Nachdem er bereits in verschiedenen Kran- stellt, dass nicht alle Metastasen abgetötet
kenhäusern behandelt worden war, wurde worden waren. Diese hatten sich wieder
er schließlich nach Jena überwiesen, weil vermehrt und auch die Lunge befallen. Mi-
hier ein Zentrum für die Tumorbehandlung chael hatte es wohl schon geahnt, weil es
an Kindern vorhanden ist. Er musste sich ihm nicht so gut ging.
über einen längeren Zeitraum einer Che- Sein Vater, leider ungläubig, war fassungs-
motherapie unterziehen. In den Pausen los über diese Tatsache. Seine Mutter, die
zwischen diesen Behandlungen wohnte er durch die zurückliegenden Ereignisse und
oft gemeinsam mit seiner Mutter in unse- das Vorbild ihres Sohnes wieder näher zu
rem Haus. In dieser Zeit entwickelte sich ihrem Herrn gefunden hatte, war auch
eine recht enge Beziehung zu ihm. Bereits recht niedergeschlagen, fand aber doch
vor seiner Erkrankung hatte er den Weg zu eine gewisse Ruhe und auch Trost durch
dem Herrn Jesus gefunden. Nun erwies das Wissen, dass Gott keinen Fehler macht.
sich sein Glaube immer mehr als eine Quel- Aber Michael selbst hat mich durch seine
le der Kraft, dieses Leid zu tragen. Schon in Ruhe enorm beeindruckt. Seine Eltern wa-
der Zeit seiner Behandlung konnte ich fest- ren nach Hause gefahren, weil sie sich in
stellen, wie dieser Glaube gefestigt wurde. ihren eigenen vier Wänden in diese Situati-
Nach ungefähr einem Jahr hatte die Che- on hineinfinden wollten.
motherapie zu einem gewissen Erfolg ge-
führt. Der Hodenkrebs wurde als klinisch Ein beeindruckender Weitblick
geheilt eingeschätzt. Er hatte Gelegenheit,
seine Schulausbildung mit der Mittleren So saß ich an diesem Abend noch lange

12
Erlebnisse mit Michael

mit Michael auf unserem Balkon. Er sagte: Schwachheit Kraft gewannen, im Kampf
„Ich habe keine Angst vor den Ereignissen, stark wurden“ (Heb 11,34).
die nun mit hoher Sicherheit vor mir ste-
hen, denn ich weiß, was mich erwartet. Keine Ausnahmeerscheinungen
Wenn der Herr mich abruft, werde ich bei
Ihm sein. Ja, bei dem Herrn Jesus zu sein, Dass Michael keine Ausnahmeerscheinung
ist etwas Herrliches. Ich freue mich darauf. ist, möchte ich damit dokumentieren, dass
Das Einzige, das mir etwas Kummer berei- in diesem Jahr noch zwei weitere Personen
tet, ist der Gedanke an meine Eltern. Wie aus meiner Umgebung durch den Herrn
wird es mit meinem Vater? Findet er noch Jesus infolge einer solchen Krankheit von
den Weg zum Heiland? Und wie wird mei- dieser Erde abgerufen wurden, die in ähnli-
ne Mutter mit diesem Leid fertig?“ Noch cher, tapferer Weise im Glauben diese Nöte
eine ganze Weile haben wir uns über die bewältigten.
Kraft des Glaubens und die wunderbare Wir dürfen uns alle durch derartige Vor-
Hoffnung, die wir als Christen haben dür- bilder ermutigen lassen. Den Ausgang ih-
fen, unterhalten. res Wandels anschauend, dürfen wir ihren
Glauben nachahmen, ob wir nun älter oder
„Damit die Bewährung [oder Erpro- jünger sind. Auch wenn dieses Zitat aus
bung] eures Glaubens, viel kostbarer dem 13. Kapitel des Hebräerbriefes sich
als die des Goldes, das vergeht, aber auf Führer unter den Gläubigen bezieht,
durch Feuer erprobt wird, befunden dürfen wir es sicher auch in dieser Hinsicht
werde zu Lob und Herrlichkeit und anwenden.
Ehre in der Offenbarung Jesu Christi; Vielleicht wendest du ein, dass du eine
den ihr, obgleich ihr ihn nicht gese- solche Glaubenskraft nicht besitzt, um in
hen habt, liebt; an welchen glaubend, dieser Weise mit den Problemen umgehen
obgleich ihr ihn jetzt nicht seht, ihr zu können. Doch darum brauchen wir uns
mit unaussprechlicher und verherr- keine Sorgen zu machen. Wenn wir un-
lichter Freude frohlockt“. ser Vertrauen auf den Herrn Jesus setzen,
1. Petrus 1,7-8 kommt Er uns zu Hilfe, dass wir nur staunen
können. Der Herr schenkt die Kraft immer
Die Unterredung fand im Juni statt. Im Sep- genau dann, wenn wir sie nötig haben.
tember hat sein Herr ihn im Alter von 19 Eine der oben erwähnten Personen hat mir
Jahren heimgerufen. Da Michael nicht nur selbst erzählt, dass es oft ihr Gebet gewe-
im Verborgenen seinen Glauben ausgelebt sen ist, „Herr lass mich bitte nicht in solche
hat, waren auch viele seiner Schulfreunde Leiden kommen. Ich werde bestimmt nicht
zur Beerdigung gekommen. Dabei flossen damit fertig, aber ich möchte dich doch
viele Tränen. Sie alle hatten Michael sehr nicht verunehren.“ Als dann jedoch diese
geschätzt. Ich werde auch nicht vergessen, Krankheit an sie herantrat, war ich durch
dass wir an seinem Geburtstag im Januar das stille Vertrauen beeindruckt, das ich
zwei seiner Schulfreunde am Grab antra- Tag für Tag miterleben durfte.
fen. Für sie war er ein Wegweiser zum Heil
geworden. Sie hatten nach seinem Heim- Rainer Möckel
gang auch Frieden mit Gott gefunden.

So erleben wir auch heute noch die


Wahrheit des Schriftwortes: „Die aus der

Folge mir nach


13
Die mich früh suchen (Teil II)
Gott suchen? – Ich bin doch
schon Christ!

D ass der Ungläubige Gott suchen soll, haben wir in einem Artikel im
vorigen Heft gesehen. Aber ob die entsprechenden Verse uns Christen
nicht vielleicht auch etwas zu sagen haben?

Gott suchen – eine Verpflichtung die sich für Ihn und seine Sache einsetzen!

a) Die Verantwortung des Menschen, In Kolosser 3,1 werden Gläubige aufge-


Gott zu suchen. fordert, „zu suchen,was droben ist, wo der
Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.“
„Richtet nun euer Herz und eure Seele da- Wir können sicher nachempfinden, wie es
rauf, den HERRN, euren Gott, zu suchen!” jemandem ergeht, der sich für längere Zeit
(1. Chr 22,19a). – Auch Gläubige werden fern der Heimat aufhält. Ist er nicht oft in
an verschiedenen Stellen der Schrift aufge- Gedanken in seiner Heimat? Sein ganzes
fordert, zu suchen. In Matthäus 6,33 heißt Sinnen ist auf die Heimat gerichtet. Ähn-
es: „Trachtet aber zuerst nach dem Reich lich verhält es sich mit der neuen Natur. Ist
Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und nicht auch ihr Sinnen und Trachten auf ihre
dies alles wird euch hinzugefügt werden.“ Heimat, den Himmel, gerichtet? Suchen
Sind wir uns bewusst, dass wir uns als sol- wir, was droben ist, wo der Christus ist, und
che, die sich zu Ihm bekennen, schon in sinnen wir auf das, was droben ist? Oder
seinem Reich befinden, und trachten wir ist all unser Trachten und Sinnen auf das
danach, es in unserem Leben zu verwirk- gerichtet, was auf der Erde ist (V. 2)?
lichen? Dann haben wir die Verheißung,
dass uns alles andere hinzugefügt wird. b) Die Verantwortung des Menschen,
Gott mit seinem ganzen Herzen und
Lassen die Worte des Apostels Paulus mit seiner ganzen Seele zu suchen.
in Philipper 2,21 nicht ein wenig Enttäu-
schung erkennen, wenn er feststellen muss: „Aber ihr werdet von dort den HERRN, dei-
„Denn alle suchen das Ihre, nicht das, was nen Gott, suchen; und du wirst ihn finden,
Jesu Christi ist“? Ist es nicht auch von uns wenn du mit deinem ganzen Herzen und
oft wahr, dass wir so mit uns und unseren mit deiner ganzen Seele nach ihm fragen
Interessen beschäftigt sind, dass wir die In- wirst”. (5. Mo 4,29) – Suchen wir als Gläu-
teressen des Herrn ganz vergessen? Doch bige unserem Herrn und Heiland in allem
wie erfreut es sein Herz, und hat es auch zu gefallen und mit ganzem Herzen und mit
den Apostel erfreut, wenn Er solche findet, ganzer Seele zu dienen? Der Herr möchte

14
Die mich früh suchen (Teil II)

unser ganzes Herz; Er gibt sich mit halben den Herrn als persönlichen Heiland ange-
Sachen nicht zufrieden. Geteilte und lau- nommen haben, nun aber nebenher auch
warme Herzen sind Ihm ein Gräuel. „Nie- die Welt und ihre Vergnügungen genießen
mand kann zwei Herren dienen; denn ent- möchten und die entschiedene Nachfolge
weder wird er den einen hassen und den dem Herrn nach auf spätere Jahre auf-
anderen lieben, oder er wird einem anhan- schieben. Das ist ein großer Verlust für dich
gen und den anderen verachten. Ihr könnt und auch für deinen Herrn!
nicht Gott dienen und dem Mammon“ (Mt
6,24). Gibt es in deinem oder meinem Le-
ben vielleicht noch Bereiche, die wir ohne Täglich sein Angesicht suchen!
Ihn genießen möchten? Lasst uns Ihm dies
bekennen und liefern wir uns Ihm völlig Der Herr fordert uns auf, Ihn früh zu suchen,
aus! und verbindet damit eine Verheißung. Das
Wörtchen „früh“ lässt sich auch auf den
c) Die Verantwortung des Menschen, Beginn eines Tages beziehen. Indem wir
früh zu suchen. unseren Tag mit Ihm beginnen, wird uns
bewusst, dass wir seine Gnade und Hilfe für
„Die mich früh suchen, werden mich fin- jeden Schritt, den wir unternehmen, und
den” (Spr 8,17; vgl. auch Ps 63,1 und Jes für jede Aufgabe, die Er uns gibt, nötig ha-
26,9a). – Auch Gläubige können und sol- ben. Besonders am Morgen, wenn wir noch
len den Herrn früh suchen, und zwar in nicht von all den Sorgen und Problemen
dreierlei Hinsicht: des Tages in Beschlag genommen sind,
in Bezug auf das ganze Leben, kann der Herr deutlich zu unseren Herzen
in Bezug auf einen Tag reden und sich selbst unseren Herzen groß
und in Bezug auf die Art und Weise, machen. Es ist ein großes Geschenk, dass
wie sie Fragen und Schwierigkeiten an- wir Ihn täglich aufsuchen dürfen!
gehen und bewältigen.

Mit dem Herrn fang’ alles an!


Ein für allemal Ihm folgen!
Das Wörtchen „früh“ hat vielleicht noch
Wie schön, wenn Gläubige schon früh eine dritte Bedeutung. Im Leben eines
im Leben den Herrn suchen und Ihm mit Gläubigen gibt es viele Entscheidungen
Herzensentschluss und Entschiedenheit
nachfolgen! Welch segensreiche Folgen hat
ein Leben, das dem Herrn schon in jun-
gen Jahren übergeben wird. Und welch
ein Verlust andererseits ist das Leben eines
Gläubigen, das sich selbst oder der Welt ge-
lebt wird! Wie viel Leid und Enttäuschungen
bleiben dem erspart, der schon von früh-
ster Jugend an treu dem Herrn nachfolgt!
Die Bekehrung ist entscheidend, aber sie
ist nicht alles. Sie ist nur der Beginn eines zu treffen und Probleme zu lösen. Wie
Lebens der Nachfolge dem Herrn nach. gehen wir die Dinge an? Versuchen wir
Vielleicht gehörst auch du zu denen, die ihnen zuerst in eigener Kraft und mensch-

Folge mir nach


15
licher Weisheit zu begegnen oder gehen Freimütigkeit nahen, denn wir haben freien
wir „früh“, von Anfang an, mit unseren Zugang zum Thron der Gnade (Heb 4,16),
Problemen zu Ihm? Er wird uns nicht im d.h. zu Gott selbst. Von diesem Vorrecht
Stich lassen. Sobald wir Ihn um Rat und sollten wir möglichst oft Gebrauch machen
Hilfe fragen, wird unser Herz ruhig und still. und die Gemeinschaft mit Ihm im Gebet
Er wird sich unser annehmen, auch wenn suchen. Haben wir Ihn heute schon in die-
Er uns manchmal warten lassen muss oder ser Weise gesucht?
eine Lösung, einen Ausweg zeigt, den wir
nicht erwartet haben. Es ist noch immer
wahr, dass der Herr sich von dem finden Suchen wir Ihn in der Mitte
lässt, der Ihn früh sucht. seines versammelten Volkes?

Darüber hinaus können wir den Herrn auch


Suchen wir Gottes Führung in in der Mitte seines versammelten Volkes
seinem Wort und durch Gebet? finden. Er hat seine Gegenwart dort verhei-
ßen, wo zwei oder drei zu seinem Namen
Der Herr Jesus möchte nicht, dass wir hin versammelt sind (Mt 18,20). Doch zu
Ihn nur zu bestimmten Zeiten in unserem seinem Namen hin versammelt zu sein,
Leben suchen, zum Beispiel bei unserer bedeutet nicht nur, seinem Namen gemäß
Bekehrung oder in Notsituationen, sondern zusammenzukommen, sondern setzt auch
Er möchte, dass wir Ihn täglich suchen. Der Herzen voraus, die sich nach Ihm ausstrek-
Kompass eines Gläubigen muss jeden Tag ken und Ihn selbst in allem suchen (vgl. Jes
26,8b).

Beispiele aus der Schrift

Unter den Königen von Juda gab es eini-


ge, von denen gesagt wird, dass sie Gott
suchten. Wir wollen uns zunächst zwei
nachahmenswerte Beispiele ansehen und
im Anschluss daran das Beispiel eines Kö-
nigs betrachten, der Gott in seiner Not lei-
der nicht suchte.

a) König Josaphat (2. Chr 20)

Josaphat war ein gottesfürchtiger König. Er


neu ausgerichtet werden. Aber zu diesem tat was recht war in den Augen Gottes. So
Zweck benötigen wir einen Referenzpunkt lautet das Urteil Gottes über sein Leben.
(Bezugspunkt). Dieser ist das Wort Gottes, Seine Gottesfurcht zeigte sich besonders in
durch das der Herr zu uns spricht und sich dem Augenblick, als er und sein Volk von
uns immer wieder neu offenbart. Suchen Feinden bedroht wurden. Die Moabiter und
wir die Führung Gottes in seinem Wort? Ammoniter waren ins Land eingefallen und
marschierten auf Jerusalem zu. Angesichts
Auch im Gebet dürfen wir das Angesicht dieser Bedrohung bekam es Josaphat mit
des Herrn suchen. Wir dürfen Ihm mit

16
Die mich früh suchen (Teil II)

der Furcht zu tun. Dies ist verständlich und er begann, den Gott seines Vaters David zu
ganz menschlich. Doch die Furcht muss in suchen. Es war nur der Anfang. Er würde
die Arme Gottes treiben! Josaphat tat das Gott noch in vielen Jahren seines Lebens
einzig Richtige. Anstatt auf die Stärke sei- „suchen“. Aber in diesem entscheidenden
ner Truppen zu vertrauen oder Hilfe bei Alter stellte er die Weichen und entschied
Verbündeten zu suchen, richtete er sein sich für Gott. Wir können annehmen, dass
Angesicht darauf, den HERRN zu suchen. In er sich in dieser Zeit bekehrte und in sei-
vollem Bewusstsein seiner eigenen Hilflo- nem Herzen den Entschluss fasste, dem
sigkeit suchte er das Angesicht Gottes im HERRN zu folgen.
Gebet. Es war sein Anliegen, Gott mit in
diese schwierigen Umstände hineinzuneh-
men. Das ist Gottesfurcht. Richten wir in b) König Asa (2. Chr 16)
Notsituationen auch unser Angesicht da-
rauf, Gott zu suchen? Oder vertrauen wir Da König Asa angesichts der Bedrohung
auf unsere eigene Stärke und Klugheit? durch den König von Israel auf Menschen-
hilfe vertraute anstatt auf Gott, musste Gott
Die persönliche Gottesfurcht Josaphats seine züchtigende Hand auf ihn legen.
hatte positive Auswirkungen auf das Er erkrankte an seinen Füßen und wur-
ganze Volk. Ganz Juda suchte den HERRN de schwer krank. Doch auch dann suchte
und legte Ihm seine Not vor. Und was tat er seine Hilfe nicht bei Gott, sondern bei
Gott? Er ließ ihr Gebet und Flehen nicht Ärzten. Gott hätte ihm Genesung von sei-
unerhört, sondern kam dem Volk zu Hilfe. ner Krankheit schenken können, wenn er in
Gott nahm die Sache in seine Hand und Buße und aufrichtigem Bekenntnis zu Ihm
vernichtete die Feinde. gekommen wäre, aber diesen Weg wollte er
nicht gehen. Stattdessen verhärtete er sein
b) König Josia (2. Chr 34) Herz und suchte in seiner persönlichen Not
lieber Menschenhilfe als den allmächtigen
Bevor der Heilige Geist auf Einzelheiten des Gott. Bis zu seinem Tod weigerte er sich,
Lebens Josias zu sprechen kommt, stellt Er Buße zu tun und zu Gott umzukehren. Wie
ihm ein dreifaches Zeugnis aus – gleichsam bedauernswert!
als Überschrift über sein Leben.
1. Josia tat, was recht war in den Augen Auf uns übertragen bedeutet das natürlich
Gottes. nicht, dass wir menschliche Hilfe, zum Bei-
2. Er wandelte auf den Wegen seines Va- spiel in Form ärztlicher Behandlung, gänz-
ters David. lich ablehnen sollen. Aber sie muss gepaart
3. Er wich nicht zur Rechten noch zur Lin- sein mit unserem Vertrauen auf Gott, der
ken ab. Josia ist der einzige König in der hinter allem steht und fähig ist, uns in je-
Schrift, von dem dies gesagt wird. Er war der Lage zu helfen. Er ist es auch, der den
kein Mann falscher Extreme, sondern wan- Ärzten die zur Diagnosestellung und Be-
delte „mitten auf den Steigen des Rechts“ handlung von Krankheiten nötige Weisheit
(Spr 8,20). schenkt.

Josia war sehr jung, als er König wurde, Gott suchen – eine lohnende und geseg-
gerade einmal acht Jahre alt. Als er sechs- nete Tätigkeit für Christen!
zehnJahre alt war und – wie die Schrift sagt
– noch ein Junge, lesen wir von ihm, dass Daniel Melui

Folge mir nach


17
Pinnwand

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sollte.

Folge mir nach


18 19
Bibelstudium
Was bald geschehen muss –
Die zukünftigen Ereignisse (Teil I)
E ndzeit, die Entrückung der Gläubigen, die große Drangsal, das wieder entstandene
Römische Reich, die Hure Babylon, die Zahl des Tieres: 666, der Antichrist, ein Tempel in
Jerusalem, der Assyrer, ein neuer Weltkrieg, das Wiederkommen Christi, das Tausendjährige
Reich … – viele kennen solche Schlagworte, die der Bibel entnommen sind. Die einen sprechen
von Panikmache und verdrängen den Bezug der biblischen Prophetie zur Gegenwart. Die
anderen bauschen biblische Aussagen zu fantasievollen Weltuntergangs-Utopien auf. Um vor
solchen Fehlentwicklungen bewahrt zu bleiben, brauchen wir einen gründlichen Überblick über
die prophetischen Aussagen der Bibel. Gott teilt uns mit, „was bald geschehen muss“ (Off 1,1),
damit wir besser verstehen lernen, was unsere Hoffnung ist, was die Welt ist und wer der Herr
ist.
In dieser ersten Folge unserer vierteiligen Reihe
denken wir zunächst über die biblische Pro- Ziel der Prophetie
phetie im Allgemeinen nach, um dann einen
Überblick über die zukünftigen Ereignisse Die Propheten des Alten und Neuen Testa-
zu geben. Bevor wir die Prophetie in den wei- ments stellten die Menschen in das Licht
teren Folgen im Detail untersuchen können, Gottes. Die Untreuen sollten wachgerüttelt
müssen wir den großen Rahmen aufzeigen, werden und Buße tun (vgl. z.B. Jer 35,15); die
in den die zukünftigen Ereignisse eingebettet treuen Gläubigen sollten tiefer in die Gedan-
sind. Dabei geht es um Weltgeschichte aus ken Gottes eingeführt (vgl. 1. Mo 18,17–19;
biblischer Sicht, um die verschiedenen Zeit- Ps 25,14; Am 3,7; Off 1,1) und angespornt
alter, den Zerfall Israels und die Entwicklung werden (vgl. 2. Pet 3,11–14).
der Weltreiche.
Oft sprachen die Propheten von damals
aktuellen Ereignissen, die dem Zuhörer die
1. Biblische Prophetie Möglichkeit gaben, an dem was er sagte zu
erkennen, ob der Prophet echt war oder nicht
Ursprung der Prophetie (5. Mo 13,1–5; 18,20–22; Jer 28,9). Weitere
Aspekte oder die volle Erfüllung ihrer Aussa-
Gott steht über Raum und Zeit. Er kennt die gen konnten aber durchaus in einer späteren
Zukunft (Jes 42,9; 46,10) – und teilt sie uns Zeit liegen.
mit. Zuverlässige Prophezeiungen können
nur im Wort Gottes gefunden werden (Jes Studium der Prophetie
45,11). Tatsächlich enthält die Bibel viele
Weissagungen, die sich bereits erfüllt haben Wir staunen heute über Bücher aus dem 19.
(z.B. über Geburt, Leben und Sterben Jesu). Jahrhundert, in denen gottesfürchtige Brüder
Was über die für uns noch zukünftigen Ereig- wie selbstverständlich über Dinge schrie-
nisse geschrieben steht, wird genauso sicher ben, die damals noch undenkbar waren, bei-
eintreffen. „Prophetie ist die Geschichte, die spielsweise, dass Israel wieder einen eigenen
Gott uns von der Zukunft gegeben hat“ (J. N. Staat gründen würde. Doch das Studium der
Darby)1. Prophetie ist eben keine spekulative Sache,
1
J. N. Darby, The Hopes of the Church of God

20
Was bald geschehen muss (Teil I)
solange man – durch sorgfältiges Vergleichen 2. Die Zeit der Gerichte: Nachdem die
der verschiedenen Bibelstellen – das Wort Gläubigen weggenommen sind, werden
Gottes mit dem Wort Gottes erklärt (vgl. 2. Pet die Zurückgebliebenen von furchtbaren
1,20–21). Gerichten getroffen, vor allem die ungläubi-
gen Juden und Christen. Wer das Evange-
Themen der Prophetie lium bis zur Entrückung bewusst abgelehnt
hat, kann sich danach nicht mehr bekehren.
Die Aussagen der Prophetie haben alle einen Andere Menschen kommen zum Glauben.
Bezug zur Erde. Der Mittelpunkt von Gottes Die Drangsalszeit dauert 7 Jahre. In den
Plan mit dieser Erde ist Christus. Er ist daher letzten 3 ½ Jahren – der „großen Drang-
auch der Mittelpunkt der Prophetie (vgl. Off sal“ – wütet Satan durch den Herrscher des
19,10b). Durch die Propheten weist der Hei- wieder entstandenen Römischen Weltrei-
lige Geist auf Ihn hin, auf seinen Tag – den ches und den Antichristen in besonderer
„Tag des Herrn“ –, auf die Gerichte und auf Weise. Am Ende wird der Angriff eines nörd-
sein Tausendjähriges Reich. lichen Nachbarvolks auf Israel der Anlass
dafür, dass sich die ganze (westliche) Macht
Israel, sein irdisches Volk, und dessen Land der Welt im Nahen Osten zusammenzieht,
mit seiner Hauptstadt Jerusalem ist ein großes um Krieg zu führen – letztlich gegen den
Thema der Prophetie. Das Neue Testament wiederkommenden Herrn Jesus Christus
spricht außerdem über die Zukunft der Chri- selbst.
stenheit.
3. Die Erscheinung Christi: Der Höhepunkt
Schließlich geraten die Völker und Weltreiche, der Gerichte ist erreicht, wenn der Herr
die mit Israel in Berührung kommen, in das Jesus mit allen seinen Heiligen sichtbar
Visier der Prophetie. Je enger sie mit Israel in erscheint und alle seine Feinde vernichtet.
Verbindung stehen, desto häufiger und deutli- Die gläubigen Juden werden dadurch aus
cher werden sie erwähnt (z.B. Assyrien, Ägyp- ihrer Drangsal befreit. Sie erkennen Ihn und
ten), weiter entfernte Reiche werden weniger gehen in das Reich ein, das Er nun aufrich-
deutlich gekennzeichnet (z.B. Westeuropa, tet.
Russland) oder liegen grundsätzlich außer-
halb des prophetischen Gesichtskreises (z.B. 4. Das Tausendjährige Reich: Christus regiert
Amerika, Australien). dann 1000 Jahre über die ganze Erde. Die
Versammlung herrscht vom Himmel her
mit Ihm. Jerusalem und Israel sind der Mit-
telpunkt der Erde. Große Umwälzungen,
2. Die zukünftigen Ereignisse im selbst in der Natur, bringen einen unge-
Überblick kannten Segen für alle Menschen. Durch
eine unmittelbare gerechte Bestrafung alles
Was erwartet uns und was kommt auf diese Bösen wird der globale Friede gesichert.
Erde zu? Kurz zusammengefasst, stehen fol- Doch am Ende der 1000 Jahre stellt Gott
gende Ereignisse bzw. Zeitabschnitte an: die Menschen, die inzwischen geboren
wurden, auf die Probe. Viele empören sich
1. Die Entrückung: Der Herr Jesus kommt gegen Ihn – und werden getötet.
– für die Ungläubigen unsichtbar –, um die
Seinen zu sich in den Himmel zu nehmen. 5. Der ewige Zustand: Nach den 1000
Die gestorbenen Gläubigen werden aufer- Jahren wird die erste Schöpfung aufgelöst.
weckt und gemeinsam mit den lebenden Alle Ungläubigen werden vor dem großen
von der Erde entrückt. Diese Hoffnung der weißen Thron gerichtet und enden im Feu-
Versammlung (Gemeinde, Kirche) kann ersee. Neue Himmel und eine neue Erde
jeden Augenblick Wirklichkeit werden. (Die bilden den ewigen Zustand, in dem es keine
Entrückung an sich ist also nicht Gegen- Sünde mehr gibt. Auf der neuen Erde leben
stand der Prophetie.) alle Gläubigen; nur die Versammlung gehört
in Ewigkeit dem Himmel an.
Folge mir nach
21
3. Der große Rahmen Ereignisse über. Deshalb ist eine Kenntnis der
Geschichte Israels und der Weltreiche, die mit
Die prophetischen Ereignisse gehören in den ihnen zu tun haben, von großer Bedeutung für
Gesamtzusammenhang der Bibel. Man wird das Verständnis der Prophetie.
sie nur dann klar erkennen können, wenn man
den „großen Rahmen“ sieht, in dem sie statt- Der Zerfall Israels
finden.
Nach der Regierung des Königs Salomo
Verschiedene Zeitalter wurde das 12-Stämme-Reich Israel in 2 und
10 Stämme geteilt. Das 10-Stämme-Reich
Zunächst ist festzuhalten, dass Gott in ver- wurde Gott sogleich untreu, indem es offizi-
schiedenen Zeitaltern (oder Epochen, Haus- ell Götzendienst übte (1. Kön 12,26 ff.). Gott
haltungen) den Menschen auf unterschied- beantwortete diese Untreue mit der assyri-
liche Weise begegnet. Jedes Zeitalter hat schen Gefangenschaft und der Zerstreuung
seinen eigenen Charakter und endet – durch der 10 Stämme (2. Kön 17,21 ff.). Sie werden
das Versagen des Menschen – im Gericht. Die erst nach der Erscheinung Christi in ihr Land
folgende Tabelle zeigt, wie man die verschie- zurückkehren (Hos 11,10.11).
denen Epochen unterscheiden kann.

Zeitalter Anfang Ende


1. Unschuld Eden Vertreibung des Menschen aus dem
Garten Eden
2. Gewissen Kain und Abel Große Flut
3. Regierung Noah (nach der Flut) Sprachenverwirrung in Babel
4. Verheißung Abraham Knechtschaft in Ägypten
5. Gesetz Mose Zerstörung Jerusalems (70 n. Chr.)
6. „Das Ende der Zeitalter“
a) Gnade Pfingsten Entrückung
b) Drangsal Entrückung Erscheinung Christi und Gericht der
Lebendigen
7. Tausendjähriges Reich Reichsaufrichtung Großer weißer Thron

In den verschiedenen Zeitaltern bis zum Das 2-Stämme-Reich wurde ebenfalls untreu
„Gesetz“ hat Gott den Menschen erprobt und Gott ließ sie durch Nebukadnezar für 70
– die Feindschaft des Menschen gegen Gott Jahre nach Babylon wegführen (Jer 25,11).
ist nur gewachsen. „Zuletzt aber sandte er
seinen Sohn zu ihnen“ (Mt 21,37). Sie kreuzig- Die „Zeiten der Nationen“
ten Ihn. Seitdem ist die Erprobung des Men-
schen abgeschlossen, und die Bibel spricht Die Herrlichkeit Gottes verließ Jerusalem (Hes
von unserer Zeit als „dem Ende der Zeitalter“ 10,4.18.19; 11,23), und Nebukadnezar bekam
(1. Kor 10,11; Heb 9,26). eine universelle Herrschaft (Dan 2,37.38).
Damit beginnen die „Zeiten der Nationen“.
Vergangenheit und Gegenwart Diese „Zeiten der Nationen“ gehen erst dann
zu Ende, wenn der Herr Jesus erscheint, um
Die Zukunft muss grundsätzlich als Fortset- – ausgehend von Israel – sein Reich aufzurich-
zung des Vergangenen begriffen werden. ten (Lk 21,24).
Man kann sie nicht isoliert betrachten. In der
Bibel geht die Beschreibung vergangener Die 2 Stämme kehrten nach 70 Jahren Gefan-
Ereignisse oft nahtlos in die Vision zukünftiger genschaft aus Babylon in ihr Land zurück

22
Was bald geschehen muss (Teil I)
und bauten den Altar, den Tempel, Jerusalem Inzwischen sind die zerstreuten und überall
und deren Stadtmauern wieder auf (2. Chr gejagten Juden wieder in ihr Land zurückge-
36,22.23; Esra; Neh). Doch die Herrlichkeit kehrt. Doch erwartet sie dort das endgültige
Gottes kehrte nicht zurück (Hag 2,3). Als Chri- Gericht. Nur ein Überrest wird den Messias
stus geboren wurde, waren sie nach wie vor annehmen und in sein Reich eingehen.
unter der Herrschaft eines Weltreiches: des
Römischen Reiches. Die Weltreiche

Die 2 Stämme (Juda und Benjamin) verwarfen In den „Zeiten der Nationen“ redeten die Pro-
Christus und kreuzigten Ihn. Auch die letz- pheten Daniel und Sacharja prophetisch von
ten Aufrufe zur Umkehr durch den Heiligen vier Weltreichen (Dan 2; Dan 7; Sach 6). Die
Geist lehnten sie hartnäckig ab und steinigten Weissagungen Daniels sind in den folgenden
Stephanus. Die Folge davon war die Zerstö- Tabellen zusammengefasst.
rung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. durch die
Römer (Mt 23,37.38).

Weltreich Dan 2: Das Bild eines Dan 7: Das Bild wilder Tiere
Menschen
1. Babylon Haupt von Gold Erstes Tier
Absolute Herrschaft Löwe und Adler: Kraft und
Schnelligkeit
Plötzlich (ängstliches) Menschenherz:
Angriff der Medo-Perser 539 v. Chr.
2. Medo- Brust und Arme von Silber Zweites Tier
Persien Weniger glanzvoll Bär: Schwerfälliger und weniger
Doppelreich majestätisch, aber mächtig
Auf einer Seite aufgerichtet: Die Perser
haben die Oberhand
Rippen im Maul usw.: Raubgieriger,
gefräßiger Eroberungsdrang
3. Griechenland Bauch und Lenden von Erz Drittes Tier
Weniger glanzvoll, da Leopard mit 4 Vogelflügeln:
von kurzer Dauer Schnelligkeit (in etwas mehr als 10
Jahren erobert sich Alexander der
Große ein riesiges Weltreich)
4 Köpfe: Zerfall in die
4 „Diadochenreiche“
4. Rom Schenkel von Eisen und Füße Viertes Tier
von Eisen und Ton Brutale Gewalt
Eisen: Grausame Härte Tier mit 10 Hörnern: siehe Off 13,1–10;
2 Schenkel: Teilung 395 17,8 ff.: Das Römische Reich wird
n. Chr. in Ost- und wieder entstehen
Weströmisches Reich Ein kleines Horn: Ein Diktator
Zehen mit Ton ver- (vgl. Off 17,11–13)
mischt: Am Ende führt
die Vermischung der
verschiedenen Völker zur
Teilung in getrennte
Reiche
Tausendjähri- Der Stein Der Sohn des Menschen und sein
ges Reich Der Messias richtet sein Reich
Reich auf
Folge mir nach
23
Was bald geschehen muss (Teil I)
In Kapitel 8 seines Buchs macht Daniel detail- das „Land der Zierde“ (Israel) ständig zwi-
lierte Aussagen über das medo-persische und schen die Fronten geriet.
das griechische Weltreich und über das, was
auf das griechische Reich folgte: Es zerfiel in Ab Kapitel 11,40 spricht Daniel über die
vier kleinere Reiche, wobei der Herrscher aus zukünftige „Zeit des Endes“ (V. 40) und zeigt,
einem dieser Reiche – aus Assyrien – Israel dass es dann wieder so sein wird, wie in der
besondere Mühe bereitete. Vergangenheit:

Was der Prophet sah (Dan 8) Erklärung


V. 1-4: Widder am Fluss Medo-Persien
2 Hörner: Doppelreich (Meder und Perser)
Ein Horn steigt zuletzt höher: Die Perser gewinnen
die Oberhand
Das medo-persische Reich dehnt sich, vom Osten
kommend, unaufhaltsam nach Westen, Norden und
Süden aus
V. 5-7: Ziegenbock (s. auch V. 21) Griechenland
Großes Horn: Der erste König: Alexander der Große
„Vom Westen her“: Eroberungszug durch Kleinasien
nach Osten
„Berührte die Erde nicht“: Erobert „wie im Flug“
Vernichtung des Widders durch Alexander den Großen
V. 8: Das große Horn zerbricht und Nachdem Alexander „stark geworden“ ist, stirbt er
vier Hörner wachsen (s. auch V. überraschend
22) Zerfall des Reiches in die 4 „Diadochenreiche“ seiner
Generäle
V. 9-14: Ein kleines Horn wird Antiochus IV. Epiphanes aus Assyrien geht aus einem
groß der 4 Diadochenreiche hervor und stößt nach Ägyp-
ten (Süden), Mesopotamien (Osten) und Israel (die
Zierde) vor
Er hasst Israel („Heer des Himmels“), dessen Got-
tesdienst und dessen Gott („Fürst des Heeres“);
unter anderem entweiht er den Tempel und verbietet
die Opfer
V. 23-25: Die Zeit des Endes (s. V. Noch zukünftig: Ein neuer Herrscher Assyriens rich-
17.19) tet – durch die Macht eines anderen Reiches – Israel
erneut zu Grunde und wird dann durch den Herrn
selbst „ohne Menschenhand“ zerschmettert

Der König des Nordens und der König des V. 40–41: Der König des Nordens zieht
Südens gegen den König des Südens aus und
„überschwemmt“ dabei Israel und weitere
Im 11. Kapitel seines Buchs nimmt Daniel benachbarte Länder. Nur wenige entkom-
zwei der vier „Diadochenreiche“, in die das men.
Griechische Weltreich zerfiel, näher unter V. 42–43: Ägypten unterliegt (Libyen und
die Lupe: Das nördlich von Israel gelegene Äthiopien auch).
Assyrien (heute ungefähr das Gebiet von Irak/ V. 44–45: Ein Gerücht, das ihn wütend
Syrien) und das südlich gelegene Ägypten. macht, lässt den Assyrer nach Israel
Sie werden der „König des Nordens“ und der zurückziehen. Dort wird er plötzlich ver-
„König des Südens“ genannt. In Kapitel 11,1– nichtet (durch den wiederkommenden
39 beschreibt er ausführlich, wie sich diese Herrn selbst).
Reiche in der Zeit von Kyros bis Antiochus Kap. 12,1–3: Nach der Drangsal erwacht
Epiphanes immer wieder bekriegten, während Israel als Nation zu neuem Leben.
Joachim E. Setzer

24
Die Freuden des Herrn Jesus

Die Freuden des


Herrn Jesus
H ast du nicht auch den Wunsch, den Herrn Jesus immer besser
kennen zu lernen? Viele Taten und Worte sind dir bestimmt gut bekannt.
Die Bibel schweigt aber auch nicht über die inneren Gefühle des Herrn
Jesus. Über die Traurigkeit und den tiefen seelischen Schmerz, den Er
besonders auf seinem Weg zum Kreuz gefühlt hat, hast du dir vielleicht
schon oft Gedanken gemacht, über seine Freude möglicherweise weniger.
Dieser Artikel soll zum Studium dieses frohmachenden Themas anregen.

Die Freude des Herrn: über die Gegenstände für seine unendliche Liebe
Menschen seiner Schöpfung. zu haben, Geschöpfe, denen Er seine
Gedanken mitteilen konnte. Leider gaben
Wir finden einige Stellen in der Bibel, Ihm diese lange keinen Anlass zur Freude.
die von der Freude Gottes und seines Auch als der Herr Jesus dann auf die Erde
Sohnes sprechen. Wenn wir diese Stellen kam, bot sich Ihm ein trauriger Anblick.
lesen, stellen wir mit Erstaunen fest, dass Seine Geschöpfe hatten sich von Ihm
seine Freude tatsächlich oft in engem abgewandt. Gab es jetzt gar keine Freude
Zusammenhang mit uns, den Seinen mehr für den Mensch gewordenen Sohn
steht, aber auch ganz allgemein mit Gottes? Doch, die Quelle seiner Freude, als
den Menschen. Schon von Beginn der Er auf der Erde war, lag besonders in der
Gemeinschaft mit seinem Vater.

… in der Gemeinschaft mit


seinem Vater.

Das Herz des Herrn freut sich und seine Seele


frohlockte, weil Er seinen Gott stets vor sich
stellte und weil sein Gott zu seiner Rechten
war. Fülle von Freuden fand Er in der
Gegenwart Gottes (Ps 16,8.9.11). Das Wort
Gottes und seine Gedanken waren Ihm zur
Wonne und zur Freude seines Herzens (Jer
15,16). Es war seine besondere Freude, die
Schöpfung an war seine Freude bei den Gemeinschaft mit seinem Vater zu genießen
Menschen. Das finden wir in Sprüche und Ihm zu dienen. Daraus schöpfte Er die
8,31 („und meine Wonne war bei den Kraft, den Weg der Leiden zu gehen, den
Menschenkindern“). Und Sprüche 8,22– sein Vater Ihn gehen ließ.
31 dürfen wir als ein prophetisches Wort
über den Herrn Jesus, den Sohn Gottes, Auch hier können wir einen Bezug zu uns
verstehen. Er empfand Freude darüber, herstellen. Denn genau diese Freude, die
Folge mir nach
25
Die Freuden des Herrn Jesus
Er empfand, weil Er die Gebote seines waren, schon bezahlt war, kamen diese
Vaters hielt und seine Liebe genießen verirrten Schafe nicht allein zurück zu Gott.
durfte, soll in uns sein. Und unsere Freude Jesus musste jedem einzelnen verlorenen
wird völlig werden, wenn wir seine Gebote Schaf nachgehen, bis Er es fand. Aber „wenn
halten, in seiner Liebe bleiben und dann Er es gefunden hat, legt Er es mit Freuden
die Gemeinschaft mit dem Sohn und auf seine Schultern“ (Lk 15,4.5). Freude ist
dem Vater genießen (Joh 15,10.11; 1. im Himmel über einen Sünder, der Buße
Joh 1,3). Wenn wir uns als gute Knechte tut, aber ganz besonders freut sich der gute
und treue Verwalter der uns anvertrauten Hirte selbst, der sein eigenes Leben für das
Talente erweisen, werden wir in seine verlorene und auf eigenwilligen Wegen
Freude eingehen (Mt 25,21.23). Der Herr verirrte Schaf gegeben hat.
verbindet sich in seiner Freude mit seinen
treuen Knechten, die, wie Er, Gott dem … über sein wiederhergestelltes
Vater in ihrem Leben gedient haben. Und Volk Israel.
doch wird Er auch darin den Vorrang
haben, denn Er hat allezeit das dem Vater Es wird in Zukunft noch einen besonderen
Wohlgefällige getan (Joh 8,29), was keiner „Tag der Freude seines Herzens“ geben
von uns von sich behauptet. Von dem Herrn (Hld 3,11), wenn auch sein irdisches Volk
Jesus heißt es in Psalm 45,8: „Gerechtigkeit Ihn als den Messias und rechtmäßigen
hast du geliebt und Gottlosigkeit gehasst: Herrscher anerkennen wird. Das wird ein
Darum hat Gott, dein Gott, dich gesalbt mit besonderer Augenblick für den Herrn Jesus
Freudenöl, mehr als deine Genossen.“ sein, wenn sie auf Ihn blicken werden,
den sie durchbohrt haben, und wenn
… über den Schatz im Acker. sie Ihn fragen werden: „Was sind das für
Wunden in deinen Händen?“ Dann wird Er
Jetzt kommt etwas Wunderbares: auch wir antworten: „Das sind die Wunden, womit
sind Gegenstand seiner Freude. Als Er auf ich geschlagen worden bin im Hause derer,
die Erde kam, fand Er einen Acker vor, der die mich lieben“ (Sach 12,10; 13,6). Das
Ihm sozusagen geraubt worden war. Ein Volk, das Ihn damals durchstochen hat,
anderer hatte davon Besitz ergriffen. Aber wird Ihn dann lieben. Welch eine Freude
in diesem Acker war ein Schatz verborgen. für den Herrn! Er wird frohlocken über
Und als Er diesen verborgenen Schatz fand, Jerusalem und sich mit Wonne freuen über
zu dem du und ich und alle, die an Ihn sein Volk, Er wird schweigen in seiner Liebe
glauben, gehören dürfen, erfüllte Freude (Jes 65,19; Jer 32,41; Zeph 3,17).
sein Herz. Unvorstellbar für uns, dass Er
an armseligen und sündigen Menschen wie Wie wunderbar: Die Seinen sind Gegenstand
dir und mir solche Freude haben kann. Er seiner Freude. Was ist der Gegenstand
verkaufte sogar alles, was Er hatte, um den unserer Freude? Kennen wir auch eine
im Acker verborgenen Schatz zu besitzen Freude, die mit seiner Person in Verbindung
(Mt 13,44). Wissen wir, was das bedeutet? steht? Johannes der Täufer kannte etwas
Er musste, um diesen Acker zu erwerben, von dieser Freude, die er empfand, als er
das Kreuz erdulden – sterben (Heb 12,2). die Stimme des Heilands hörte (Lk 1,44;
Das war der Kaufpreis des Ackers. Was hat Joh 3,29). Und die Jünger freuten sich, als
der Herr eigentlich an mir gefunden, dass sie den Herrn sahen (Joh 20,20). Er freut
Er diesen Preis bezahlt hat? sich an uns, freuen wir uns an ihm!

… über das verlorene Schaf. Marco Leßmann

Aber damit noch nicht genug. Auch wenn


der Kaufpreis für Menschen, die verloren

26
Post von Euch

!
Liebe M.,
Hebräischer Knecht die Vorschriften über den hebräischen
Knecht in 2. Mose 21 und 5. Mose 15

?
Liebe FMN-Redaktion, haben schon immer die Herzen von
noch einmal muss ich Euch in Anspruch gläubigen Lesern angesprochen, weil sie
nehmen! Ich möchte nämlich sicher so gut erkennbar den Einen vorstellen, der
gehen, dass ich die Geschichte über den in ganzer Wirklichkeit der Knecht war, der
„hebräischen Knecht“ richtig aufgefasst seinen Herrn liebte, der seine Frau und
habe. seine Kinder liebte und deshalb „auf ewig“
diente.
Zum Ersten: Wenn nun bei der Beschäftigung mit
Lässt 5. Mose 15,1.12 den Schluss zu, diesem Gegenstand Fragen – auch solche
dass das 7. Jahr der Freilassung mit praktischer Art – aufkommen, so möchte
dem Sabbatjahr zusammenfiel, oder ich versuchen, einige Gedanken dazu
war die Zählung der Dienstjahre eine vorzustellen. Ich hoffe, dass sie auch die
Extraangelegenheit, die unabhängig vom Fragen einigermaßen zufriedenstellend
Sabbat- u. Jubeljahrrhythmus erfolgte? beantworten.
Zweitens: Unterschied zwischen einem
Knecht, der im 7. Jahr frei wird, und dem,
der erst im Jubeljahr frei wird (3. Mo 25,40): Zu Frage I.
Musste ein Knecht etwa seinen „Modus“ 1) Aus den Texten des 2., 3. und 5. Buches
sozusagen vorher festlegen? Mose zu den Erlassjahren (Sabbatjahr
Drittens: Erfolgte die „Bezahlung“ des und Jubeljahr) erkenne ich nicht, dass
hebräischen Knechtes erst nach Ende der hebräische Knecht im Sabbatjahr
der 6-jährigen Dienstzeit mit Naturalien frei ausgeht, sondern im 7. Jahr nach
(5. Mo 15,13 ff.) oder musste der Käufer 6-jährigem Dienst. Er – und auch sein
dem sich Verkaufenden auch am Anfang Gläubiger – musste bei seiner materiellen
einen Geldbetrag bezahlen (2. Mo 21,32)? Not nicht warten bis zu einem Sabbatjahr,
Während der 6 Dienstjahre hatte er ja um dann 6 Jahre Dienst zu leisten und
offensichtlich sein Auskommen (2. Mo im folgenden Sabbatjahr wieder frei zu
21,11). sein.
Und die letzte Frage: Wie war das Los von 2) Das Sabbatjahr scheint eher ein Ruhejahr
Frau und Kind, wenn der hebräische Knecht für das Land zu sein (keine Ernte) und
ohne sie nach 6 Jahren frei ausgehen wollte? ein „Ruhejahr“ für den Israeliten, der
Kamen sie im Jubeljahr frei oder sollten sie Schulden hatte (5. Mo 15,2), weil diese
„ewig“ dem Haus des Dienstherrn gehören ihm jetzt erlassen wurden.
wie die Knechte von den Beisassen oder 3) Das Jubeljahr war ebenfalls ein Jahr der
Fremdlingen (3. Mo 25,46)? Ruhe für das Land, zum anderen aber
auch ein Jahr, wo der Verarmte, der sich
Ich wäre Euch sehr dankbar, wenn Ihr mir als Knecht verkauft hatte, weil er alles,
in diesen Fragen etwas unter die Arme auch sein ganzes Erbteil (Land) verloren
greifen könntet und bin gespannt darauf. hatte, wieder zu seinem Eigentum kam
(3. Mo 25,41). Auch er selbst musste im
Mit freundlichem Gruß Jubeljahr immer freigelassen werden,
M.S. selbst wenn die Zeit der 6 Jahre von 5.
Folge mir nach
27
!!
Mose 15 noch nicht abgeschlossen war. Warum nicht? Vielleicht liegt die Antwort
Allerdings finden wir keine eindeutige darin, dass 2. Mose 21 in erster Linie
„Synchronisierung“ der von Ihnen ein Hinweis auf das Kommen und die
genannten Vorschriften, so dass wir das Person des Herrn Jesus ist, während wir
nur schließen können. aus 3. Mose 25 und 5. Mose 25 stärker
die Anwendung auf das Volk Israel (und
4) Zusätzlich: Die Schrift zeigt im damit auch auf uns) finden. Der Herr
weiteren Verlauf des von Ihnen schon Jesus hat sich zum Knecht erniedrigt
angeführten Kapitels 3. Mose 25, dass – freiwillig. Wir sollen nie einen unserer
ein Israelit sich zu jedem Zeitpunkt Mitgeschwister als unseren Diener
verkauft haben konnte, wenn oder weil betrachten.
er verarmt war (Verse 50–52); hier wird
nämlich eine Berechnung der möglichen
Lösungssumme von den Jahren
abhängig gemacht, die noch bis zum Zu Frage III.
Jubeljahr bleiben (vgl. 3. Mo 25,15.16).
Auch die parallel zu verstehende Der hebräische Knecht hatte sich wegen
Handlung beim Kreditgewähren in 5. Verarmung im Allgemeinen an den
Mo 15,7–10, besonders Vers 9, (in Schuldherrn verkauft (der ihn vielleicht
Verbindung mit 3. Mo 25,37.50–52), aber „weiterverkaufte“) und diente wie
kann diesen Gedanken stützen. ein Tagelöhner, wurde also auch in
den Jahren seines Dienstes nach den
Grundsätzen des Tagelöhners (3. Mo
25,40) entlohnt. Am Ende der Dienstzeit
Zu Frage II. ging er nicht nur frei aus, d.h. ohne
verbliebene Schulden, sondern Gott
Siehe die Antwort zu Frage I, 1) und 3) bestimmte in seiner Güte noch, dass er
von dem Segen Gottes für den Herrn,
Der „Modus“ ergab sich aus der Schwere dem er gedient hatte, auch einen Teil
seiner sozialen Situation. Da die bekam: Der Herr sollte ihn nicht leer
Vorschrift, von der wir in 2. Mose 21 entlassen, sondern ihm reichlich von
lesen, ganz am Anfang der Gebote den Erträgen des Landes „aufladen“ (3.
vom Sinai zu finden ist, scheint sie die Mo 25,14).
„normale“ Ordnung darzustellen. 3.
Mose 25 ist vielleicht in diesem Sinn
eine Erweiterung der Vorschrift von 2.
Mose 21, da es Fälle geben mochte, bei Zu Frage IV.
denen 6 Jahre Dienst nicht reichten, um
die Schuld abzutragen. Dann war das In 2. Mose 21,4 heißt es, dass nur die Frau,
Gesetz aus 3. Mose 25 anzuwenden. die der Herr seinem Knecht gegeben
hatte, und ihre gemeinsamen Kinder
Es ist übrigens auffallend, dass nur 2. Mose dem Herrn gehören sollen, d.h. sie
21 von einem hebräischen „Knecht“ blieben im Stand der Knechte, d.h. als
(dort auch nur von einem männlichen!) Tagelöhner, bei ihrem Herrn. Dieser
spricht. Weder 3. Mose 25 noch 5. Mose Herr hatte nun nach den gleichen
15 nennen den Israeliten „Knecht“. Grundsätzen für sie zu sorgen. Mir

28
Post von Euch

! !
scheint, dass dann die Anweisungen in Versammlung) und seine Kinder (die
2. Mose 21,7–11 entsprechend beachtet Gläubigen individuell) zurückzulassen.
werden mussten, und dass außerdem Er liebte sie. Das ist es, was uns immer
die Frau als Frau des hebräischen zur Bewunderung treibt.
Knechts, eines Israeliten, (ob sie nun
selbst aus Israel oder vielleicht „von Die gesamten Anordnungen Gottes zu
den Nationen“ oder den „Beisassen diesen Fragen zeigen die barmherzige
stammte) sowie ihre Kinder jedenfalls im Fürsorge Gottes für die Armen und
Jubeljahr frei ausgehen mussten. Verarmten seines Volkes, genau so wie wir
Ob aber wirklich ein Knecht, dem sein das auch in Bezug auf Witwen und Waisen
Herr eine Frau gegeben hat, sie und von Gott kennen.
ihre gemeinsamen kleinen Kinder
nach maximal knapp 6 Jahren Ehe Herzliche Grüße in unserem Herrn Jesus
zurücklässt? Christus
Müssen wir hier nicht auch bedenken,
dass sich manche prophetischen Stellen Dein Rainer Brockhaus
im Alten Testament nur im Hinblick
auf ihre Erfüllung durch den Herrn
Jesus erklären lassen? Für Ihn kam es
nicht in Frage, seine Frau (die irdische
Braut, Israel, die himmlische Braut, die

Liebe „Folge-mir-nach“-Leser,

immer mal wieder erhalten wir Zuschriften, bei denen die Absenderadresse
nicht zu erkennen ist. Natürlich verstehen wir den Wunsch, anonym
bleiben zu können. Manchmal bietet es sich jedoch bei Themen an, eine
persönliche Antwort zu schreiben, ohne im Rahmen des Heftes auf bestimmte
Punkte einzugehen. Leider können wir in diesen Fällen, wenn uns keine
Absenderadresse bekannt ist, auch keine Antwort schreiben. Jeder, der uns
schreibt, darf davon ausgehen, dass sein Name auf Wunsch anonym bleibt.
Wir bitten Euch also, uns grundsätzlich Eure Adresse mitzuteilen, so dass wir
jedem antworten können.

Herzliche Grüße in dem Herrn Jesus


Eure „Folge-mir-nach“-Redakion

Folge mir nach


29
Die Hugenottin
Blanche Gamond –
trotz Folter treu
B lanche Gamond musste für ihren Glaubens viel
erdulden: Sie wurde von Soldaten im Elternhaus schika-
niert, verbrachte Monate unterm freien Himmel, kam in
ein finsteres Gefängnis und wurde schrecklich gefoltert.
Doch nichts erschütterte den Glauben dieser Frau, die
schon in jungen Jahren Unvorstellbares erlebte.

Eine schwere Zeit Dragoner ein. Acht dieser gefürchteten


Gesellen ließen sich im Haus Gamonds
Blanche Gamond war das zweite Kind von
Michel Gamond und seiner Frau Benoite,
die beide wohlhabende Hugenotten
(französische Protestanten) waren. Blanche
wurde 1664 in Saint-Paul-Trois-Châteaux
geboren. In dieser Zeit herrschte in Frankreich
Ludwig XIV., bekannt als Sonnenkönig,
der direkt nach seiner Machtergreifung im
Jahr 1661 damit begann, die Hugenotten Saint-Paul-Trois-Châteaux
zu unterdrücken. Ludwig war Katholik
und wollte alle Menschen in seinem nieder. Sie schlugen Möbel zusammen
Herrschaftsgebiet zum Katholizismus und feierten Orgien auf Kosten ihrer
führen, um durch eine einheitliche Religion unfreiwilligen Gastgeber, die alle Hände
seinen Thron zu festigen. Wer sich diesem voll zu tun hatten, ihnen Brot zu reichen,
Ansinnen widersetzte, musste mit schweren Suppe zu kochen oder Wein aus dem Keller
Repressalien rechnen. Eine davon war zu holen. Die angetrunkenen Soldaten
die zwangsweise Einquartierung von belästigten zudem die neunzehnjährige
Soldaten, den so genannten Dragonern, Blanche, deren kräftiges, rotblondes
die in den Häusern der „Ketzer“ ihr Haar sie begeisterte. Und immer wieder
Unwesen trieben, um sie zur Aufgabe ihres neu stießen die Dragoner fürchterliche
Glaubensbekenntnisses zu treiben. Drohungen gegen die Gamonds aus, die
damit rechnen mussten, dass auch ihre
Die Dragoner kommen Füße in offenes Feuer kämen oder dass sie,
mit Pferdehalftern um den Hals, durch die
Im Februar 1683 rückten in Saint- Gassen geschleift würden.
Paul-Trois-Châteaux sechs Kompanien Wann endlich würde dieser Albtraum zu

30
Die Hugenottin Blanche Gamond – trotz Folter treu

damit offiziell zu einem rein katholischen


Staat. Über die Hugenotten wurden die
schwersten Strafen verhängt: lebenslange
Haft im Kerker oder auf Galeeren. Viele
wurden auch ermordet. Die Gamonds
flohen nach Orange, da diese Stadt nicht
unter französischer Herrschaft stand. Aber
nach kurzer Zeit marschierten die Truppen
des Sonnenkönigs auch dort ein, worauf
die Gamonds in die Wildnis enteilten.
Wochenlang blieb in der
freien Natur Hygiene für
Blanche ein Fremdwort –
Hunger und Durst dage-
gen nicht. Schließlich
wagte sie den Versuch,
in die Schweiz zu fliehen,
wurde aber von königli-
chen Reitern aufgespürt
und ins Zuchthaus nach
Ludwig XIV., bekannt als Sonnenkönig Grenoble gebracht. Dort
warf man sie mit ande-
Ende sein? „Heute schon“, sagten ren Frauen in ein unter-
ihre Peiniger, „alles kann von jetzt irdisches Loch, wo ihnen
auf gleich vorbei sein. Ihr müsst Heinrich IV. Ratten begegneten und
nur zum katholischen Glauben Angstschreie entlockten.
wechseln!“ Der Bischof bot ihnen sogar an, Am 16. Juli 1686 wurde
allen entstandenen Schaden zu ersetzen, Blanche Gamond schuldig gesprochen. Was
wenn sie abschwören würden. Doch das war ihr Vergehen? Nichts anderes als Treue
wollten sie nicht. Das konnten sie nicht. dem Herrn Jesus und seinem Wort gegen-
„Aber der König gebietet es“, herrschte ein über! Das niederschmetternde Urteil lau-
Offizier Blanche Gamond einmal an. „Mein tete: lebenslange Haft, Beschlagnahmung
Herr“, antwortete sie, „solange der König des Vermögens, eine hohe Geldbuße
nichts verlangt, was gegen mein Gewissen und Abrasieren der Haare. Als der
oder gegen meinen Gehorsam geht, Gefängnisverwalter mit drei Chirurgen
den ich Gott schulde, gehorche ich ihm. kam, um ihre Haarpracht zu entfernen,
Aber sobald mich die Befehle des Königs sagte sie zu dem Gefängnisverwalter: „Mein
zwingen, das göttliche Wort zu verletzen, Herr, glaubt Ihr etwa, man werde mir mit
folge ich den Aposteln und sage ohne den Haaren meine Kraft abschneiden, wie
Furcht: ‚Man muss Gott mehr gehorchen es bei Simson der Fall war? Meint ihr, mich
als den Menschen.’“ dadurch willfährig zu machen? Glaubt das
nicht, mein Herr! Gott wird meine Kraft
Gefangennahme und Verurteilung und meinen Mut verdoppeln.“ Es wurde
ihr befohlen, sich niederzuknien. Einer
Diese Soldaten gingen, andere kamen. Im der Männer wickelte sich die rote Haarflut
Jahr 1685 widerrief Ludwig der XIV. das um den entblößten Unterarm und begann
Edikt von Nantes1 und machte Frankreich mit aller Kraft daran zu reißen; ein ande-
1
Dieses Edikt gewährte den Hugenotten Religionsfreiheit. Es wurde 1598 von Heinrich dem IV. erlassen.
Folge mir nach
31
rer verwendete die Schere, die er dicht am Oberkörper an einen Balken gefesselt
Kopf ansetzte. Die rote Beute verschwand wurde. Dann entlud sich die grausame Wut
in den Taschen der Ärzte, denen jedoch von sechs Mägden, die mit Weideruten
die Arbeit nicht gründlich genug erschien; wild auf sie eindroschen und dabei riefen:
denn einer von ihnen entnahm seinem „Bete zu deinem Gott!“ Später schrieb die
Kästchen Rasiermesser, deren Klingen von Dulderin in ihren Memoiren: „Ich erhielt
Rost überzogen waren, und fuhr damit der den größten Trost, den ich im Leben
jungen Frau rücksichtslos über den Kopf. empfangen habe: die Ehre, um Christi
Sie blutete. Sie schrie. Sie litt unbeschreib- willen geschlagen und zugleich mit seinen
liche Schmerzen. Tröstungen und Gnaden erfüllt zu werden!
Könnte ich doch die Fluten von Trost und
Die Haft in Valence den unfassbaren Frieden beschreiben,
die mir zuströmten. Man kann das nur
Aber es sollte noch schlimmer für verstehen, wenn man die gleiche Prüfung
sie kommen. 1687 wurde sie in ein erlebt hat.“
Krankenhaus nach Valence verlegt, das
als Strafanstalt fungierte, und von dem Bei einer anderen Gelegenheit gab man
berüchtigten „Unmenschen“ La Rapine Blanche Gamond einen angebrochenen
geführt wurde. Bereits am ersten Tag wurde Leuchter, damit sie ihn blank poliere. Als
sie so brutal zusammengeschlagen, dass sie sie das gründlich tun wollte, brach das gute
sich abends nicht mehr ausziehen konnte. Stück entzwei. Die Schwestern bebten vor
Der Alltag war angefüllt mit sinnloser Empörung und schrieen: „Dafür wird man
und kräftezehrender Putzarbeit. Verpflegt dir alle Knochen und Rippen brechen.“
wurde sie mit abgestandenem Wasser La Rapine geriet in fürchterliche Raserei
und bitterem Brot, das nur qualvoller und wollte die Unschuldige mit seiner
Hunger herunterzwingen konnte. In ihrem Ochsenpeitsche totschlagen. Es konnte sich
Schlafgemach hauste allerlei Ungeziefer, nur noch um Stunden handeln, bis „der
das sie auch tagsüber quälte, da es den größte Schurke unter den Henkern“ eine
Häftlingen streng untersagt war, sich von weitere tapfere Christin umgebracht haben
den Plagegeistern zu reinigen. würde. Aber dazu kam es nicht. Noch am
selben Abend hörte La Rapine, dass ein
Die „Krankenschwestern“, die sie umringten, Haftbefehl gegen ihn erlassen worden
ließen sich ständig neue Gemeinheiten war. Hals über Kopf stürzte er davon und
einfallen. So schlug eine von ihnen mit ihrer kehrte nicht wieder zurück. So rettete Gott
Rute auf die Finger von Blanche Gamond Blanche Gamond auf wunderbare Weise
und einer Leidensgenossin, als diese ein und bewies, dass Er im Regiment sitzt.
schweres Fass Wasser transportierten. Das
Wasser schwappte über. Die Schwestern Die Flucht
schrien Zeder und Mordio. Zwei rannten
los, um La Rapine zu holen, der kurz darauf Die Häftlinge, von dem Schreckgespenst
kochend vor Wut erschien und Blanche befreit, atmeten auf. Doch ihr Martyrium
Gamond wüst beschimpfte. Er verprügelte war noch nicht zu Ende, zumal einige
sie aber nicht mit seiner gefürchteten Schwestern sich befleißigten, in die
Ochsenpeitsche, sondern wies das Fußstapfen ihres geflohenen Aufsehers
Küchenpersonal an: „Gebt ihr die Ruten, zu treten. In dem Zimmer, wo Blanche
dieser Hugenottenhündin. Aber schont sie Gamond lag, wurde nun vermehrt über
nicht! Wenn ihr sie schont, kommt ihr an die einen Fluchtversuch nachgedacht. Doch wie
Reihe!“ Sofort wurde Blanche Gamond in sollten sie aus der Krankenstube im vierten
die Küche beordert, wo sie mit entblößtem Stock entwischen? Und was hatte sie alles

32
Die Hugenottin Blanche Gamond – trotz Folter treu

zu erwarten, wenn sie ergriffen würden? hende Eisenstange hingehalten“, so schrieb


Blanche Gamond erhob Bedenken. Sie half Blanche Gamond später, „ich hätte sie in
dann aber doch mit, Leintuch in Streifen der Mitte ergriffen. Ich hatte keine Ruhe,
zu schneiden und so zusammenzunähen, weder bei Tag noch bei Nacht ... Doch Gott
dass sie sich damit an der Hauswand rechne ihnen ihre Sünde nicht an!“
herunterhangeln konnten. Sechs Frauen
gingen in einer kühlen Septembernacht Ein besonderer Novembertag
das Wagnis ein. Als Blanche Gamond die
Tücher ergriff, um sich abwärts zu schwin- Unterdessen veränderte die Regierung
gen, ließen sie ihre Kräfte im Stich. Mit ihre Praxis den Hugenotten gegenüber.
den Worten „Herr Christ, nimm meinen Manche konnten freigekauft werden und
Geist auf“ stürzte sie auf die Steinfliesen ihre Auswanderung ins Ausland wurde
herab. Wie mit Messern fuhr es ihr durch begünstigt. Am späten Abend des 26.
den ganzen Leib, vor allem ein Schenkel Novembers 1687 suchte der Rektor
schmerzte stark. Für Augenblicke verlor sie Blanche Gamond auf und fragte, ob sie
das Bewusstsein. Liebende Hände halfen den Mut habe, das Gefängnis zu verlassen.
ihr auf und schleppten sie mühevoll zu der Gepriesen sei Gott, sie war eine freie Frau!
Stadtmauer. Mit den letzten Kräften wurde Ihre Eltern hatten das Lösegeld bezahlt.
die Schwerverletzte auf die Mauer gehievt. Sie freuten sich sehr, ihre Tochter wieder in
Oben angekommen, sah Blanche Gamond, die Arme schließen zu können, auch wenn
dass es auf der anderen Seite metertief nach ihr erbärmlicher Gesundheitszustand sie
unten ging. In diesen Abgrund zu springen, entsetzte. Bald wanderten die Gamonds in
konnte sie nicht überleben. Es blieb keine die Schweiz aus, wo sie Glaubensfreiheit
andere Wahl – sie musste wieder herab- genossen. Dort verfasste Blanche Gamond
gelassen werden. Da lag sie dann, ganz ihre detaillierte Lebenserinnerung. Am 09.
allein an der Mauer, sich krümmend vor Mai 1718 ging sie in Zürich heim. Obgleich
Schmerzen. Sie hatte nicht einmal die Kraft,
Zürich
ihr zertrümmertes Bein zu bedecken. Ihr
Angesicht war das Angesicht einer Toten.
Sie betete unablässig und hoffte instän-
dig, dass sie jemand vor dem Suchtrupp
rettete. Doch unter den Menschen, die im
Morgengrauen langsam die Straßen füll-
ten, war kein „barmherziger Samariter“.
Niemand wollte mit der Hugenottin etwas
zu tun haben. Ein vorübergehender Mann
warf ihr einen flüchtigen Blick zu und
meinte spöttisch: „Ihr lägt auch besser
daheim als hier auf der Straße. Das sähe
auch anständiger aus.“ Es wurde ihr sogar
der Wunsch verwehrt, hinter einem Busch
in Ruhe sterben zu dürfen. Sie kam zurück Blanche Gamond gestorben ist, redet ihr
ins gefürchtete Krankenhaus. Glaube noch heute. Durch ihr Vertrauen
und ihre Treue zu ihrem Herrn hat sie
Dort wurde sie von Ärzten be- und auch Ihn geehrt, und Er selbst wird ihr seine
misshandelt. Einer der Doktoren wusch Belohnung und Anerkennung gewiss nicht
ihre Wunde gern mit einer ätzenden versagen.
Flüssigkeit aus, was ihr eine große Pein Gerrid Setzer
bereitete. „Hätte man mir eine rotglü-
Folge mir nach
33
In Christus ge- ausführlicher behandelt werden müssen
– zum Beispiel in Kapitel 4 die Thematik
segnet – eine
der Einheit, Trennung, Spaltung – werden
Auslegung zum die einzelnen Verse in sehr übersichtlicher
Epheserbrief Weise und kurz gefasst erklärt.
von Arend Remmers Die Lehre des Epheserbriefs gehört ja nun
zu den Themen, die nicht alle auf den
ersten Blick zu verstehen sind. Während es
Das Neue Testament
im Kolosserbrief, der direkten Ergänzung
enthält genau zwei
dieses Briefs, mehr um das Haupt der
Briefe, die die Lehre
Versammlung, Christus selbst, geht,
über die Versammlung
schreibt Paulus den Ephesern von der
(Gemeinde, Kirche) entfalten: den Epheser-
herausragenden Stellung der Versammlung,
und den Kolosserbrief (wenn es auch in
von ihrer himmlischen Herkunft, ihrer
anderen Teilen des Neuen Testaments
Zukunft, ihrem himmlischen Wesen,
Aussagen über die Versammlung
von dem großartigen Segen, der allein
oder Anweisungen für die Praxis des
der Versammlung gilt. Arend Remmers
Versammlungslebens gibt). In ihnen
schreibt: „Vielleicht ist es deshalb für
offenbart der Apostel Paulus göttliches
uns ein so schwieriger Brief, weil wir so
Licht über einen Organismus, der in der
wenig in der Lage sind, uns von unserer
Zeit des Alten Testaments vollständig
Erdgebundenheit zu lösen, obwohl wir
unbekannt war. Keine einzige Verheißung,
als Kinder Gottes alles in diesem Brief
Prophezeiung oder Offenbarung in der Zeit
Genannte unser Eigen nennen dürfen“
vor dem Kommen des Herrn hat einen
(Seite 11).
direkten Bezug zu der Versammlung Gottes.
Umso wichtiger ist es für uns, die wir in der
Zeit leben, in der diese Versammlung Gottes
Die Versammlung – wer oder was ist
auf der Erde ist, die göttlichen Gedanken
sie?
über sie besser kennen zu lernen.
Die Versammlung ist – neben anderen
Themen wie dem Königreich Gottes – das
große Thema Gottes im Neuen Testament.
Die Lehre über die Versammlung – im
Deshalb ist es wichtig, sich auch als junger
Epheserbrief
Mensch mit diesem großen Thema zu
Dazu ist das Buch „In Christus geseg-
beschäftigen.
net – eine Auslegung zum Epheserbrief“
Wer ist die Versammlung? „Die Versamm-
eine sehr große Hilfe. Das Buch zeich-
lung als Leib Christi und als Haus Gottes
net sich dadurch aus, dass es über jeden
wird im NT unter drei verschiedenen As-
Vers hilfreiche Bemerkungen macht,
pekten betrachtet: erstens als gegenwärtig
ohne die großen Linien außer Acht zu
auf der Erde existierend, wozu alle leben-
lassen. So muss der Leser nicht erwarten,
den Gläubigen gehörten (z.B. Kap. 4,4;
dass einzelne Worte detailliert analysiert
1. Kor 3,17; 12,28), zweitens ... nach Got-
werden. Bis auf wenige Schwerpunkte, die
tes Ratschluss als vollendet in der Herrlich-

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Buchbesprechung

keit (vgl. Mt 16,18), und drittens als örtli- Das Buch kostet 12,00 €. Für FMN-Leser
che Realisierung und dementsprechend gibt es das Buch bis zum 30. Oktober zum
als gottgemäßer Ausdruck der gesamten Sonderpreis von 10,00 €. Es kann über
Versammlung auf der Erde (Mt 18,17; unsere Kontaktadresse oder direkt bei der
1. Kor 1,2; 3,16; 12,27)“ (Seite 51). Christlichen Schriftenverbreitung bestellt
Wir empfehlen das Studieren des werden. Bitte bei der Bestellung das
Epheserbriefes mit Hilfe dieses gut zu Stichwort „Sonderpreis FMN“ angeben.
lesenden und bei aller Überblicksform auch Viel Freude beim Entdecken dieser wichtigen
für ein gründliches Bibelstudium hilfreichen Belehrungen über die Versammlung
Bibelkommentars sehr. Das Buch hat 203 Gottes!
Seiten, ein ausführliches Inhaltsverzeichnis
und zitiert jeden einzelnen Vers des Briefes Manuel Seibel
(Elberfelder Übersetzung 2003, CSV
Hückeswagen).

Buchauszug immer die Gefahr, dass ein an sich berech-


Im Folgenden zitieren wir aus der Auslegung tigter Zorn in Erregung, Wut oder Hass und
über Kapitel 4 (Vers 27), die deutlich macht, damit in Sünde ausartet und wir dadurch
wie praktisch der Epheserbrief und auch dem Teufel eine Wirkungsmöglichkeit ver-
der Kommentar sind: schaffen (vgl. Vers 31).
Wir werden daher nicht vor dem Zorn an
„Zürnt, und sündigt nicht. Die Sonne gehe sich gewarnt, sondern vor seinem Ausarten
nicht unter über eurem Zorn, und gebt in Sünde. Deshalb wird auch hinzuge-
nicht Raum dem Teufel. fügt: „Die Sonne gehe nicht unter über
Im Unterschied zur Wut ist Zorn nicht eurem Zorn, und gebt nicht Raum dem
immer ein Zeichen von Bosheit. Wir wissen Teufel“. Was für ein zu Herzen gehender
um den Zorn Gottes über das Böse, und Hinweis auf die Notwendigkeit des tägli-
auch der Herr Jesus wurde zornig über die chen Selbstgerichts und – falls erforderlich
Herzenshärtigkeit der Menschen (Mk 3,5). – des Bekenntnisses unserer Verfehlungen,
Auch bei uns darf und soll es eine heilige das besonders am Abend, bevor wir schla-
Entrüstung, einen heiligen Zorn, geben, fen gehen, notwendig ist, damit wir uns in
wenn wir miterleben, wie der Name des Frieden niederlegen und auch in Frieden
Herrn Jesus gelästert wird. Es ist traurig, am nächsten Morgen aufstehen können
dass es Christen gibt, die dabei unbeein- (vgl. Ps 4,9)! Was für eine ernste Warnung
druckt und gleichgültig sein können, anstatt aber auch vor der List des Teufels, der zwar
betrübt und gottgemäß erzürnt zu sein. leicht bei uns Eingang findet, von dessen
Doch wenn wir nicht in der Gemeinschaft Einfluss wir uns aber nicht so leicht lösen
mit dem Herrn leben, besteht bei uns und befreien können“ (Seite 141-142).
Folge mir nach
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Noch eine Chance ...
„Verachtest du den Reichtum seiner Güte und Geduld
und Langmut und weißt nicht, dass die Güte Gottes
dich zur Buße leitet?“
Römerbrief, Kapitel 2, Vers 4

Der junge Mann lag mit halb geöffneten Augen im Bett. Der Arzt gab keine Hoffnung
mehr. Plötzlich fragte der Kranke: „Bin ich sehr krank?“ – „Ja, mein Junge, du bist sehr
krank“, antwortete seine Mutter. Eine unsägliche Angst zeigte sich in den Zügen des
jungen Mannes. „Mutter“, flehte er, „sag mir, dass ich nicht sterben muss! Oh, ich kann
nicht sterben! Ich will nicht sterben!“

Dann ging sein Blick zu mir. Ich fragte ihn: „Georg, was soll ich von Gott für dich er-
bitten?“ – „Beten Sie, dass der
Herr mir noch einmal eine Ge-
legenheit gibt!“ Wir flehten zu
Gott, Georg noch einmal eine
Chance zu geben, mit Gott ins
Reine zu kommen. Georg flü-
sterte: „Nicht sterben! Ich kann
nicht sterben! Noch eine Gele-
genheit, ... eine einzige!“ – Ta-
gelang schwebte Georg zwischen
Leben und Tod. Doch allmählich
kehrten seine Kräfte zurück. Gott
hatte die Gebete erhört.

Und wie nutzte Georg diese


Chance? Er hatte sich so ge-
fürchtet, ohne den Herrn Jesus
zu sterben, doch jetzt scheute er
sich nicht, ohne Ihn zu leben. Den Gedanken an seine Sünden und an Gottes Gerechtig-
keit verdrängte er.
dem Kalender „Der Herr ist nahe“,

Bald darauf beschloss Georg, zur See zu gehen. Ich fragte ihn: „Willst du wirklich ohne
Gott und gegen den Willen deiner Mutter fortgehen? Denk daran, Georg, Gott lässt sich
13. August 2005, entnommen

nicht spotten!“ – „Den Gedanken, mich zu bekehren, habe ich bestimmt nicht aufgege-
ben“, antwortete er, „aber jetzt will ich erst mal zur See fahren. Wenn ich zurückkomme,
wollen wir darüber reden.“

Nach einiger Zeit kam ein Brief – von seinem Kapitän. Während eines Sturms war Georg
über Bord gespült worden. Alle Rettungsversuche waren vergeblich geblieben.

Die Chance zur Umkehr hatte Georg offensichtlich – verpasst!


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