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Elliot

Jim

m Kongo
issioni
M

1/2006
Folge mir nach
1
Inhalt/Impressum

Inhalt
Aus aktuellem Anlass:
Missionsarbeit im Kongo............................................................................... 4
Missionare gesucht ..................................................................................... 11
Zum Nachdenken:
Pinnwand................................................................................................... 18
Bibelstudium:
Was bald geschehen muß (Teil III).............................................................. 20
Post von euch:
Im Wörterbuch geblättert – K wie Kaff ....................................................... 26
Bibel-Lexikon:
Aussatz ...................................................................................................... 27
Lebensbeschreibung:
Jim Elliot . .................................................................................................. 26
Gute Botschaft:
Die einzige Chance .................................................................................... 35
Anatomie eines Missionars ......................................................................... 36

Impressum
Herausgeber: Anschrift der Redaktion:
Christliche Schriftenverbreitung Rainer Brockhaus · Kormoranweg 18 · 46487 Wesel
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ments und Änderungen im Abonnement bitte an den Herausge- © Michael Hardt: 4, 5 , 6, 7, 8, 9
ber. Bibelübersetzung: Elberfelder Übersetzung Version 2003


Das persönliche Grußwort

D as vor euch liegende Heft ist wieder einmal einem Schwer-


punktthema gewidmet – dem Thema Mission. Dieses Thema sollte
jedem Christen am Herzen liegen. Lautete nicht einer der letzten
Aufträge des Herrn an seine Jünger: „Geht hin in die ganze Welt und
predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung“ (Mk 16,15)? Wir
können für Missionare beten, sie auf mancherlei Weise unterstützen.
Aber dabei wollen wir nicht vergessen, im Gebet zu fragen, welche
„Mission“, welchen Auftrag der Herr für uns hat.

Ob es treue Männer der Vergangenheit waren (Jim Elliot, Seite 28)


oder Missionsdienst im heutigen Kongo (Seite 4), die Kennzeichen
eines Missionars sind in vieler Hinsicht zeit- und kulturunabhängig
(Seite 11). Wenn das Thema Mission dich etwas aus deiner Ruhe
aufgescheucht hat und Fragen in deinem Leben wachgeworden sind,
dann gibt es gute Literatur, um dafür zu sorgen, dass die Fragen und
die heilsame Unruhe nicht zu schnell wieder einschlafen.
(s. Artikel über Jim Elliot oder auch folgende empfehlenswerte Titel:
C H Mackintosh, Anregungen zum Thema Evangelisation
(93 Seiten; Euro 3,50);
Cor Bruins, So sende ich auch euch. (160 Seiten, Euro 6,10).

Wir wünschen allen Lesern eine missionarische Gesinnung und ein


gesegnetes Jahr 2006 im Dienst für Jesus Christus.

Folge mir nach



Missionsarbeit im Kongo

J unge Menschen interessieren sich für Missionsarbeit. Was bedeutet das


eigentlich konkret: Missionsarbeit? Welche Aufgaben übernimmt ein Mis-
sionar? Ist das auch heute noch eine Aufgabe, die man „anstreben“ kann?
Wir haben Michael Hardt gebeten, über seine Arbeit in der Demokrati-
schen Republik Kongo einen Bericht für junge Christen zu verfassen. Der
Kongo ist nur eines der vielen Missionsländer. Aber es veranschaulicht die
äußeren und inneren Umstände vieler Länder sehr gut.

Einerseits komme ich der Bitte, etwas über 3. Und gibt es da wilde Tiere?
die Arbeit im Kongo zu schreiben, nur Durchaus. Aber Löwen und Elefanten bin
ungern nach. Ich habe nie dort gelebt und ich dort noch nie begegnet. Man hat es eher
kenne das Land nur von Besuchen (bisher mit Giftschlangen zu tun, und besonders
war ich sechsmal dort, jeweils für zwei mit Mäusen, die einem den Schlaf rauben
bis drei Wochen). Andererseits ist es eine können. Dazu kommen natürlich allerlei
Freude, etwas davon zu berichten, wie die Insekten – reise nie ohne Moskitonetz!
Menschen dort leben (oft bitterarm – und
dennoch reich im Glauben), und davon,
was der Herr dort getan hat und noch tut.

Das Land

1. Über welchen Kongo reden wir


hier?
Richtig – es gibt zwei Länder, die Kongo
heißen. Hier geht es um die „Demokra-
tische Republik Kongo“ (die früher Zaire
hieß, oder auch „Belgischer Kongo“). Der Konferenz in Mingala. 600 – 700 Personen
andere Kongo (Republik Kongo) ist kleiner sitzen auf Holzbänken unter den Palmen:
und liegt direkt „daneben“. Also gut – west- Brüder, Schwestern und Dorfbewohner.
lich. Die beiden Hauptstädte (Kinshasa Dazu etwa 250 – 300 Kinder.
und Brazzaville) sind nur durch den Fluss
Kongo getrennt.
4. Ist der Kongo so groß wie Deutsch-
2. Wie viele Menschen leben im land?
Kongo? Viel größer. Der Kongo ist mehr als 6,5 mal
Im Moment etwa 60 Millionen. Das sind so groß wie Deutschland. Der Umfang bzw.
eine ganze Menge, aber weniger als in die Landesgrenze ist über 10700 km lang
Deutschland. (d.h. etwa ¼ mal um den Erdball). Diese


Missionsarbeit im Kongo

gewaltigen Dimensionen haben auch Aus- maße man kaum beschreiben kann. Zu
wirkungen für die Arbeit in diesem Land, den Spuren dieses Krieges gehört, dass es
aber dazu später mehr. fast keine Straßen mehr gibt – und dass die
staatliche Verschuldung enorm angestiegen
ist.

7. War der Bürgerkrieg wirklich so


schlimm – und ist er nun vorbei?
Er war schlimmer, als es sich ein Mensch
vorstellen kann. Man schätzt die Anzahl
Während des
Bibelstudiums greift eine
der Toten auf 3,5 Millionen Menschen (das
Schlange an. Sie lässt sind mehr als 10-mal so viele Opfer wie die
sich aus einer Palme in des Tsunami Seebebens in allen Ländern
die Zuhörermenge fallen. zusammen genommen). Noch heute ster-
Ein Aufschrei, ein kurzer ben etwa 1.000 Menschen pro Tag an den
heftiger Kampf – und die indirekten Folgen dieses Krieges (Hunger
Schlange ist tot. Ihr Biss und Krankheit).
ist tödlich – innerhalb von
Minuten. Aber der Herr
bewahrte uns.
8. Wird das Leben nicht langsam einfa-
cher (durch Technik, Straßen, etc.)?
Eigentlich kaum. Es gibt zwar inzwischen
in vielen Städten und Dörfern ein Mobil-
5. Welche Sprache spricht man dort
telefonnetz, aber daran, dass es in diesem
eigentlich?
riesigen Land weder ein Straßennetz noch
Das kommt ganz darauf an, wer „man“ ist.
einen funktionierenden Postdienst gibt,
Die offizielle Sprache ist französisch, aber
ändert das nichts.
das heißt längst nicht, dass alle französisch
sprechen. Im Osten wird suaheli gespro-
chen, im Westen kikongo. In den Kasaipro-
vinzen Tshiluba und Otetela spricht man
tschiluba und in der Gegend von Kinshasa
schließlich lingala. Man schätzt, dass es im
Kongo 221 Sprachen gibt. Natürlich hat
auch das Auswirkungen für die geistliche
Arbeit dort.

6. Warum sind die Menschen so arm?


Dumme Frage? Überhaupt nicht. Eigent-
lich ist das Land nämlich reich an Boden-
Früher war hier eine Hauptstraße. Heute
schätzen, besonders Diamanten, aber auch quält man sich per Jeep oft meterweise
Kupfer und Zink. Dasselbe gilt für Agrarpro- vorwärts. Hier muss der Weg erst
dukte wie Kaffee, Zucker, Palmöl, Maniok, freigeschaufelt werden.
Bananen, Mais, usw.
9. Wie sieht es mit medizinischer Ver-
Dennoch ging es seit Mitte der 80er Jahre sorgung aus?
mit der Wirtschaft steil bergab. 1998 kam Kurz gesagt: schlimm. In den Städten gibt es
noch ein Bürgerkrieg dazu, dessen Aus- zwar Krankenhäuser, aber man muss einen
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– wenn auch für uns geringen – Betrag Volk, die man in Europa im Allgemeinen
bezahlen, um behandelt zu werden. Kon- nicht mehr kennt. Im Kongo lehnt man
kret kann das heißen, dass dein Bruder, kein Traktat ab. Und wenn jemand mitten
deine Schwester, dein Vater oder deine auf dem Marktplatz ein bekanntes Lied
Mutter stirbt, weil die Untersuchung im anstimmt, dann singen alle mit. Es ist ein-
Krankenhaus 20 Dollar kostet. fach unglaublich. Sonntags, und auch wäh-
rend der Woche, hört man überall christli-
Auf jeder Konferenz trifft man Gläubige, che Lieder, alle paar hundert Meter gibt es
die krank sind, sich aber die notwendige irgendeine Gruppe von Gläubigen.
Behandlung oder Operation nicht leisten
können. Im Dezember wurde mir ein junger Natürlich gibt es auch heidnische Einflüsse,
Mann gezeigt, vielleicht 16, der elend in die oft durch lange Tradition tief verwurzelt
einer Ecke saß. Er hatte eine Blinddarm- sind (und zuweilen mit christlichen Dingen
entzündung – aber hatte die 20 Dollar nicht vermischt werden).
aufbringen können … Als er den Betrag
dann bekam, war er sehr dankbar. Jetzt Und manchmal gibt es gar keine Strasse.
brauchte er „nur“ noch drei Tagereisen weit Ein Bruder läuft vor und sucht einen ‚Weg’
zu laufen, um ein Krankenhaus zu errei- durch den Wald.
chen … Das ist nur ein Fall von vielen.

10. Und Schulen?


Schulen gibt es zwar, aber der Staat über-
nimmt praktisch keine Verantwortung mehr
dafür. Wer eine Tafel auftreiben kann, und
wenn möglich noch eine Art Haus, mit oder
ohne Dach, kann eine Schule aufmachen.
Kinder bringen dem Lehrer etwas mit (eine 12. Wozu dann heute noch Missions-
Möhre, oder einen Maiskolben, etc.). arbeit?
Wenn dem so ist, wird mancher sagen,
Heute noch missionarische Arbeit? warum dann nicht lieber in Deutschland
oder England evangelisieren? Ist es über-
11. Ist der Kongo heidnischer oder haupt noch nötig, „Missionsarbeit“ zu
christlicher als Deutschland? betreiben? Das kommt ganz darauf an, was
Der Kongo ist heute – für uns Deutsche ist man unter Missionsarbeit versteht. Es geht
das vielleicht erstaunlich – ein sehr christ- heute weniger darum, als Pioniere in den
liches Land. Es gibt einerseits sehr viele Dschungel vorzudringen und dort die Spra-
wahre Gläubige und andererseits sehr che der Eingeborenen zu lernen, um ihnen
viele Namenschristen, die an einem christ- dann das Evangelium zu bringen (obwohl
lichen Bekenntnis festhalten. So begegnet es immer noch Regionen gibt, wo das noch
man überall Zeichen christlichen Einflus- nötig ist). Aber es ist dringend nötig, die
ses. Geschäfte tragen sehr häufig Namen gesunde Lehre möglichst einfach und klar
biblischer Herkunft. So sieht man etwa zu vermitteln.
neben einer Boutique „Gott ist gut“ den
Frisörladen „Preist den Herrn“, usw. Wir Wie gesagt, Gläubige, Gemeinden, und
lächeln vielleicht darüber, aber immerhin christliche Lieder gibt es viele. Was man
gibt es eine gewisse Gottesfurcht unter dem selten antrifft, ist ein gesundes und voll-


Missionsarbeit im Kongo

ständiges Evangelium (inklusive Heilsge- Vielleicht mal ein Beispiel dazu: In einer
wissheit und Befreiung von der Macht der Versammlung, wo ich auf der Durchreise
Sünde), und noch weniger ein gutes Ver- vorbeikam, baten die Geschwister um
ständnis der biblischen Lehre über die Ver- eine kleine Konferenz. Von den vorge-
sammlung (Gemeinde, Kirche) Gottes. schlagenen Themen suchten sie sich „Das
Passah“ aus. Also studierten wir 2. Mose
13. Können das nicht die einheimi- 12. Aber fast niemand beteiligte sich. Wie
schen Geschwister tun? entmutigend – dachte ich. Nachher, auf
Natürlich! In einem gewissen Maß ja. Wir die Frage „Warum habt ihr denn nichts
sind dankbar, dass es im Kongo Brüder gibt, gesagt, und kaum Fragen gestellt?“ sagten
die eine evangelistische Gabe haben und sie: „Das Thema war so neu für uns. Wir
sie auch einsetzen. Auch gibt es Brüder, die hatten noch nie gehört, dass all diese
gute Belehrung geben in den Versammlun- Dinge eine symbolische Bedeutung haben
gen. Aber das sind wenige – und es gibt und auf den Herrn Jesus hinweisen, aber
über 120 Versammlungen, die besucht auch helfen, etwas von den Gedanken
werden möchten. Dazu kommt, dass Gottes über das Gedächtnismahl (1. Kor
11) zu verstehen. Es gibt hier auch keine
während der letzten Jahre keine systema- Bücher dazu. Aber wenn wir nächstes Mal
tische Belehrung möglich war, Konferenz haben, dann nehmen wir das-
es praktisch keine belehrende Literatur selbe Thema, und dann beteiligen wir uns
gibt, und auch“. Dabei ist zu berücksichtigen, dass
es in der Kisongi-Sprache nur das Neue
Testament gibt.

Der Bedarf an direkter, einfacher Belehrung


ist riesig, aber auch die Verbreitung von
Bibeln, einfacher Literatur und logistischer
Unterstützung ist nötig. Viele Versammlun-
gen hätten keinen Raum, um sich zu ver-
sammeln, und praktisch niemand hätte die
Mittel, um zu reisen und Versammlungen
zu besuchen, wenn nicht etwas Hilfe aus
dem Ausland gebracht würde.

14. Zerstören die ausländischen


Missionare nicht die afrikanischen
Gebräuche?
Missionare gehen nicht nach Afrika, um
Hier eine ‚Seifenfabrik’: aus Palmöl und Afrikaner in Deutsche oder Europäer zu
Asche wird eine Art Seife produziert. verwandeln (jedenfalls sollten sie das nicht
tun). Es geht nicht darum, Sitten zu ändern,
die Brüder, die die Verantwortung tragen sondern die „gesunde Lehre“ zu bringen.
in den Versammlungen meistens 25 bis
35 Jahre alt sind (die Lebenserwartung ist Einerseits mag es vorgekommen sein, dass
nicht hoch: 49 Jahre – in Deutschland liegt Missionare über das Ziel hinausgeschossen
sie bei 76 Jahren). sind und diese beiden Punkte nicht sauber

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getrennt haben. Anderseits bedauert man ohne dort zu wohnen. Für andere Arbeiten
es heute in unserer Gesellschaft, dass durch mag es sich anbieten, vor Ort zu wohnen.
den Einfluss von Missionaren, wie man es Paulus wohnte 3 Jahre in Ephesus und 18
sieht, wertvolle (heidnische) Kultur – und Monate in Korinth, aber nur 7 Tage in Troas
damit meint man Götzendienst und Okkul- (Apg 20,6).

Inhalt der Arbeit

16. Welche Arbeiten werden denn nun


konkret unternommen?
Die Palette ist weit gefächert. Im Moment
besonders notwendig sind Seminare (d.h.
Kleinkonferenzen), bei denen man sich mit
den (jungen, s.o.) Brüdern trifft, die in ihren
eigenen Versammlungen Belehrung geben.
Das bedeutet praktisch oft, dass solche
Generell ist die Kost im Dschungel einfach Brüder tage- oder auch wochenlang zu
(Bananen, Erdnüsse, Maniok, usw.). Aber zu
Fuß, mit dem Fahrrad oder oben auf Lkws
besonderen Anlässen wird ein Affe gejagt…
durch den Dschungel reisen, um sich an
tismus – zerstört wird. Es gibt im Westen einem gemeinsamen Ort zu treffen.
sogar Bestrebungen, die alten heidnischen
Gebräuche in Afrika wieder zu lehren … Außerdem müssen Versammlungen be-
Nun, dazu braucht man wohl nicht viel zu
sagen. Nach diesem Argument hätte Paulus
es bedauern müssen, dass die armen Thes-
salonicher ihres wertvollen Götzendienstes
beraubt worden waren … (1. Thes 1,9).
Das Gegenteil tut er!

Aber es bleibt eine Herausforderung,


immer wieder zu unterscheiden zwischen
heidnischen Sitten, die christlichem Verhal-
ten weichen müssen, einerseits, und Lan-
dessitten, die man bestehen lassen sollte,
…und in der Konferenzküche schmackhaft
andererseits.
zubereitet.

15. Kann man überhaupt in einem


Land arbeiten, ohne dort zu wohnen? sucht werden, Bibeln müssen transportiert
Ja! Die Lehre, dass jeder nur in dem Land werden, auch Kalender und Liederbücher
arbeiten darf, wo er gerade herstammt (das alles in mindestens fünf Sprachen), es
oder wohnt, ist der Bibel fremd. Aber es wird Kinderarbeit betrieben, und Hirten-
kommt natürlich darauf an, welche Arbeit dienst ist notwendig.
man meint. Man kann, wie es in der Apos-
telgeschichte heißt, „Gegenden durchzie- 17. Gibt es gute Literatur?
hen“ und dort die „Brüder ermuntern“ und
die „Versammlungen befestigen“ – eben Fast nicht. Im Bürgerkrieg wurde praktisch


Missionsarbeit im Kongo
alles gestohlen (im Kongo kann man Bibeln den Versammlungen bestürmt werden, zu
und Betrachtungen immer leicht verkaufen) einer Konferenz zu kommen. Die Erntefel-
oder verbrannt. der sind groß …

In einer örtlichen Versammlung hatte nie- 19. Was sind die besonderen Probleme
mand eine Bibel. Jede Woche kam ein junger Menschen?
Bruder mit dem Fahrrad. Er hatte eine Zunächst das Überleben. Viele haben
Bibel. Wenn er da war, versammelte sich Hunger. Man kann es sich nur schwer vor-
das ganze Dorf und er las vor. In ande- stellen, aber die Frage, wo heute ein Stück
ren Versammlungen gibt es ein oder zwei Brot herkommen könnte (oder wenn heute
Bibeln, die mit, sagen wir, Hesekiel anfan- nicht, dann hoffentlich morgen), ist immer
gen und mit Sacharja aufhören. in den Herzen.

Mittlerweile gibt es in der Hauptstadt Kins- Abgesehen davon, und von dem Problem,
hasa ein kleines Depot mit Bibeln und etwas zum Anziehen zu haben, gibt es viele
Literatur. Aber der Weg von dort
zu den Versammlungen im Dschun-
gel ist weit. Erst mit dem Flugzeug
nach Mbuji Mayi, dann per Jeep
oder Lastwagen tagelang durch den
Schlamm. Und wenn man ankommt,
hat man viel zu wenig.

Mal ganz konkret: Kürzlich konnten


wir genug Literatur mitbringen, um
jede Versammlung in der Gegend
mit einer (!) französischen und einer
(!) tschiluba Bibel zu versorgen. Dazu
kamen einige Kalender und einige Das tägliche Brot wird mühsam verdient: hier junge Leute,
kleine Broschüren. Alles zusammen- die mit einem Fahrrad zentnerschwere Lasten befördern
genommen macht ungefähr 10–15 (Kabinda – Mbuji Mayi: etwa 120 km), um so ein paar
cm auf einem Bücherregal aus (pro Pfennige zu verdienen.
Versammlung). Dann bauen die
Brüder einen kleinen Schrank aus Holz. andere Herausforderungen: Angehörige,
Dort werden diese wenigen Hefte aufbe- die (jung) sterben, Krankheiten, usw. Es
wahrt. Die Geschwister dürfen sich dann ist beeindruckend, dass viele junge Gläu-
der Reihe nach eins dieser Hefte ausleihen, bige trotz allem so fröhlich sind. Wenn sie
sie lesen, und dann wieder zurückbringen. singen, dann singen sie mit ganzer Kraft
und Stimme – und die Gesichter leuchten.
18. Gibt es Zusammenkünfte und Ob sie ihren Glauben mehr leben als wir?
Konferenzen?
Es gibt über 120 Versammlungen, dazu Oft geht es auch darum, eine Art Schule
viele Gruppen, die um Besuche bitten und oder Ausbildung zu finden, später einen
Interesse für die Wahrheit der Bibel zeigen. (ehrlichen!) Broterwerb. Und dann, ach
Konferenzen gibt es, aber nur wenige. Man ja, die Heiratsgabe! Oft wollen junge Men-
kann kaum beschreiben, wie Besucher in schen heiraten, aber die Familie der Braut

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Missionsarbeit im Kongo

verlangt einen Brautpreis, der nicht bezahl- Es gibt Fetischisten (Zauberer), die durch
bar ist. satanische Mächte in der Lage sind, Blitze
zu steuern (ich sehe noch den verkohlten
Hindernisse Baum hinter dem Haus eines Bruders, der
durch einen solchen Blitz getötet werden
20. Was sind die Haupt-Herausforde- sollte, vor mir). Die Brüder dort sagen, dass
rungen für die Arbeit dort? diese Blitze stärker sind als jeder Blitzablei-
Zuerst das schiere Ausmaß: so viele Ver- ter – aber nicht so stark wie Gebet. Solche
sammlungen, oft mit 100–300 Personen, Zauberer können auch Schlangen und
dann die riesigen Entfernungen, fehlende Krankheiten schicken. Aber der Herr steht
Infrastruktur (keine Straßen). Dazu kommt über allem.
eine so bittere Armut, dass man wirklich
„Weisheit von oben“ braucht, damit den 22. Wofür können wir besonders
allerdringendsten Bedürfnissen begegnet beten?
werden kann und kein Neid entsteht, weil Praktisch enthält jede der 21 Fragen und
eben alle arm sind. Antworten mindestens ein dringendes
Gebetsanliegen – vielleicht willst du dir
21. Zauberei – gibt es das wirklich jetzt sofort einen Punkt aussuchen und
noch? dafür beten? Unsere Geschwister im Kongo
Natürlich gibt es okkulte Mächte (auch in werden es dir danken.
Deutschland). Aber in Afrika wird man
manchmal sehr direkt damit konfrontiert. Michael Hardt

So wird mein Wort sein, das aus meinem


Mund hervorgeht: Es wird nicht leer zu mir
zurückkehren, sondern es wird ausrichten,
was mir gefällt, und durchführen, wozu ich
es gesandt habe.
Jesaja 55,11

10
Missionare gesucht

I m Berufsleben stehen viele junge und ältere Menschen arbeitslos „auf der
Straße“. Im geistlichen Bereich hat jeder Christ eine Aufgabe, eine Stelle.
Eigentlich. Manche Stellen bleiben leider unbesetzt. Zumindest unterbesetzt.
Dazu gehört auch die „Aufgabe“ des Missionars. Es lohnt sich daher, einige
Aspekte dieser besonderen Aufgabe zu durchdenken. Dabei werden in diesem
Artikel die Überlegungen erfahrener Missionsarbeiter mit berücksichtigt.

„Und er sprach zu ihnen: Geht hin


in die ganze Welt und predigt das
Evangelium der ganzen Schöpfung“
(Mk 16,15)

Wenn wir über die Missionarsarbeit nach- könnte, dass wir auch diese Anstrengungen
denken, wollen wir nicht die notwendige intensivieren, umso besser! Jeder Einzelne
evangelistische Arbeit in Deutschland ver- von uns soll Zeuge Jesu Christi sein.
gessen. Wenn dieser Artikel dazu führen Der Auftrag des Herrn, das Evangelium der

Gesucht
Und er sprach
zu ihnen: Missionare/innen
Geht hin in Folgende Voraussetzungen sollten gegeben sein:
die ganze Bekehrung Lehrfähigkeit
Welt und Treue „Evangelist, Hirte, Lehrer“
Ein gutes Zeugnis Praktische Fertigkeiten
predigt das Geduld, Ausdauer Kaufmännische Fertigkeiten
Körperliche Robustheit Sprachkenntnisse
Evangelium „Broterwerb“ Landeskenntnisse
der ganzen Bibelkenntnis

Schöpfung. Wir bieten:


Mk 16,15 Kein Gehalt und doch ein Gehalt und
keine Anerkennung und doch Anerkennung.

Folge mir nach


11
ganzen Schöpfung zu predigen, gilt auch bewähren – und dann wachsen die Aufga-
heute noch. Mit der „ganzen Schöpfung“ ben. Wie auch immer der souveräne Herr
sind natürlich nicht Bäume und Kühe, son- führt – Er ist es, der dich beruft und in sei-
dern Menschen gemeint. Und das nicht nur nen Dienst stellt! Dabei wird jeder Diener
in Deutschland, sondern auch in Honduras, Wert darauf legen, in Gemeinschaft mit
Indonesien, Liechtenstein, auf Mallorca, seinen örtlichen Geschwistern zu han-
im Tschad, in Alaska ... Diese Menschen, deln.
die teilweise noch nie das Evangelium ge- Wir reden nicht von einer Missionarsaus-
hört haben, dürfen wir nicht vergessen. bildung. Die Bibel jedenfalls tut es nicht.
Manchmal ist man erstaunt, dass manche Und es ist interessant, dass die Beispiele
afrikanische Länder wie z.B. die Demokra- von „Prophetenschulen“, die wir im Alten
tische Republik Kongo christlicher sind als Testament finden, keinen einzigen Hinweis
Deutschland. In diesen Ländern ist viel- darauf enthalten, dass „aus ihnen“ ein Pro-
leicht nicht mehr der „klassische“ Missionar phet Gottes hervorkam. Wir müssen uns
gefragt. Aber es gibt noch manche heidni- dem Herrn zur Verfügung stellen: Wann,
sche Länder auf dieser Welt, sogar Länder, wo, wie, wohin Er uns ruft, das dürfen wir
in denen die Menschen nach Missionaren Ihm überlassen.
rufen.
Hast du schon einmal daran gedacht, ob
der Herr dir eine missionarische Aufgabe Ziel und Arten der Missionsarbeit
anvertrauen möchte? Natürlich gibt es da-
für ein paar „Stellenanforderungen“. Ziel der Missionsarbeit ist im Übrigen nicht,
so lange wie möglich an einem Ort zu ver-
weilen. Der längste Aufenthalt des Apostels
Schon mal darüber nachgedacht ...? Paulus in einer Stadt dauerte beispielsweise
3 Jahre! So wird ein Missionar immer an-
Zunächst geht es um den Ruf des Herrn, streben, die Gläubigen im Missionsgebiet
dass Er dich in dieser Arbeit verwenden zu einem selbstständigen Leben mit dem
will. In aller Regel läuft das nicht so ab, Herrn Jesus anzuleiten. Sich überflüssig
dass der Herr Jesus einen Gläubigen von gemacht zu haben ist eine Auszeichnung!
jetzt auf gleich von seinem Wohnort in ein Es gibt verschiedene „Arten“ von Missi-
5.000 Kilometer entferntes Gebiet schickt onsarbeit. Es gibt Missionare, die ihren
– auch wenn das einmal der Fall sein kann. „normalen“ Beruf ganz aufgeben. Petrus
und Johannes sind Beispiele dafür, Paulus
hat dies zeitweise so gehalten. Angesichts
des zeitlichen Aufwandes – sei es, was die
längerfristige Arbeit im Land oder auch
den notwendigerweise häufigeren Be-
such von außen betrifft – dürfte dies der
normale Weg sein. Zum anderen gibt es
die Möglichkeit, als „Zeltmacher“ so viel
zu arbeiten, dass man mehr oder weniger
davon leben kann. Die übrige Zeit wird in
die Missionsarbeit investiert, wie zuweilen
Gewöhnlich zeigt der Herr seinen Jüngern bei Paulus (vgl. Apg 18; 2. Thes 3,8). Das
Aufgaben im Kleinen. Dort können sie sich mag jemand tun, weil er andere Geschwis-

12
Missionare gesucht

ter finanziell entlasten will oder um durch Das ist wohl das wesentliche Kenn-
einen „normalen“ Beruf Tuchfühlung zum zeichen eines Dieners – und damit
Lebensalltag zu behalten. Schließlich gibt zugleich eine wichtige Voraussetzung.
es drittens solche, die ganz normal ihrem Wer nicht in seinem persönlichen,
Beruf nachgehen und ihre Freizeit für die praktischen Leben treu ist, kann keine
Arbeit im Werk des Herrn einsetzen. Aufgaben für den Herrn übernehmen.
Keines der drei Konzepte ist besser oder Wer aber im Kleinen gezeigt hat, dass
schlechter als die jeweils anderen. Jeder er treu leben möchte, wird vom Herrn
muss selbst vor dem Herrn erkennen, wel- Jesus weitere Aufgaben anvertraut be-
chen Weg der Herr für ihn vorgesehen hat. kommen.
Nicht immer bietet sich das „Zeltmacher-
Prinzip“ an. Hier bedarf es einer nüchter- Ein gutes Zeugnis: „Dort war ein
nen Entscheidung. Es ist von großem Wert, gewisser Jünger, mit Namen Timo-
um nicht zu sagen selbstverständlich, sich theus …, der ein gutes Zeugnis hatte
einmal mit aktiven Missionaren bzw. Brü- von den Brüdern in Lystra und Iko-
dern, die regelmäßig in Missionsgebiete nium. Paulus wollte, dass dieser mit
reisen, vor einem Missionseinsatz auszu- ihm ausgehe“ (Apg 16,1.2). Es ist
tauschen. Durch ein solches, intensives Ge- kaum vorstellbar, dass jemand, der in
spräch kann falschen Vorstellungen entge- der örtlichen Versammlung das Ver-
gengewirkt werden. Dass man mit Brüdern trauen der Geschwister nicht besitzt,
spricht, die das vorgesehene Missionsland vom Herrn für Aufgaben an anderen
kennen oder dort wohnen, versteht sich Orten benutzt wird. Durch ein Leben
von selbst. mit dem Herrn, durch treues Dienen
im Kleinen und vertrauensvolles Mit-
einander mit anderen erwirbt man das
Persönliche Voraussetzungen Vertrauen der örtlichen Geschwister
– nicht kriecherisch, sondern durch
Ein Missionar muss bestimmte persönliche persönliche Glaubensüberzeugung.
Voraussetzungen erfüllen: Timotheus war ein Vorbild für andere!

Bekehrung: „Er aber sprach: Wer bist Geduld, Ausdauer: „Johannes aber
du, Herr? Er aber sprach: Ich bin Je- trennte sich von ihnen und kehrte
sus, den du verfolgst … Und sogleich nach Jerusalem zurück“ (Apg 13,13).
predigte er in den Synagogen Jesus, Der Missionsdienst ist anstrengend
dass dieser der Sohn Gottes ist“ (Apg und häufig nicht von schnellem „Er-
9,5.20). Das ist die Grundvorausset- folg“ gekrönt. Daher ist es unabding-
zung für jeden Dienst für den Herrn. bar, dass Missionare Geduld und Aus-
Paulus konnte das Evangelium erst dauer in ihrem Leben geübt haben.
verkündigen, nachdem er sich bekehrt
hatte. Körperliche Robustheit: „Heute
ist der vierzehnte Tag, dass ihr ab-
Treue: „Dafür halte man uns: für Die- wartend ohne Essen geblieben seid
ner Christi und Verwalter der Geheim- und nichts zu euch genommen habt“
nisse Gottes. Im Übrigen sucht man (Apg 27,33). Nicht jeder muss diese
hier an den Verwaltern, dass einer für Strapazen einer Schiffsfahrt in Ge-
treu befunden werde“ (1. Kor 4,1.2). fangenschaft durchmachen, wie Pau-

Folge mir nach


13
lus. Aber jemanden, der häufig krank Nach dem Studium mancher „normaler“
oder kränkelnd ist, kann man sich Stellenanzeigen meint man zu dem Schluss
nur schwer in teilweise harten und kommen zu müssen, dass dort eine „Eier
an der Gesundheit zehrenden Reise- legende Wollmilchsau“ gesucht wird. Mög-
umständen vorstellen. Insofern sind lichst unter 30, mit 15 Jahren Berufserfah-
rung, Dr.-Titel usw. So ist es im
geistlichen Bereich nicht. Wenn
besonders jüngere Gläubige
gefordert sind, aber bereits ein
gutes Zeugnis unter den Ge-
schwistern vorhanden sein soll,
so schließt sich das nicht aus.
Es geht nicht darum, dass nur
solche Gläubige für den Mis-
sionsdienst in Frage kommen,
die seit Jahren mit dem Wort
dienen. In der Anfangszeit des
Christentums haben sich Men-
schen bekehrt und danach
praktisch sofort mit der Missi-
onsarbeit begonnen. Von dem
Augenblick unserer Bekehrung
es gerade jüngere Menschen, die für an dürfen und sollen wir auch heute die
solche Strapazen geeignet sind! richtige innere Haltung zum Evangelisieren
Etwas anderes ist es natürlich, wenn einnehmen – auch schon in der Jugend-
man zum Beispiel von zu Hause aus zeit! Darauf kommt es an!
missionarisch arbeitet – sagen wir
durch die Übersetzung eines missiona-
rischen Buches oder durch Korrespon- Fachliche Voraussetzungen
denz. Dafür gelten solche „Anforde-
rungen“ nicht. Neben den genannten persönlichen Vor-
aussetzungen gibt es auch fachliche, wenn
„Broterwerb“: Elisa, die Jünger, etc. man so will. Denn Missionsarbeit bedeutet
waren alle beschäftigte Leute, als der nicht, dass man sich einfach in ein Land
Herr sie rief. Sie arbeiteten für ihr Aus- aufmacht und dort schaut, was da gerade
kommen, ihren Broterwerb. Das zeigt, so passiert …
dass nicht die Suche nach „Broter-
werb“ Motivation für Missionarsarbeit Bibelkenntnis: „Weil du von Kind
ist (siehe auch Paulus). Ganz praktisch: auf die heiligen Schriften kennst“ (2.
Wer in die Mission gehen möchte, Tim 3,15). Die wohl entscheidende
sollte vorher gewissenhaft gearbeitet Voraussetzung ist, dass man die Bibel
haben – sei es in der Automechanik, kennt. Es geht nicht darum, dass man
Krankenpflege oder Buchführung. Ge- die Bibel auswendig aufsagen kann
rade in diesen Bereichen sind Missio- – dazu ist niemand in der Lage. Aber
nare oft gefordert. es ist wichtig, dass du die Lehre der
Schrift kennst, über die Bekehrung,

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Missionare gesucht

die neue Geburt, über das persönliche es gut, wenn man in allen drei Berei-
Glaubensleben, über die Versamm- chen schon einmal tätig war. Damit ist
lung, über den Heiligen Geist, über nichts Außergewöhnliches gemeint,
das Wiederkommen Jesu, usw. Auf sondern: anderen eine Bibelstelle er-
alle diese Punkte wirst du angespro- klärt haben; Ungläubigen das Evange-
chen werden – und solltest verständ- lium weitergesagt haben; anderen in
liche Antworten geben können. persönlichen Nöten geholfen haben.

Lehrfähigkeit: „Dies gebiete und Praktische Fertigkeiten: „Als aber


lehre“ (1. Tim 4,11). In der Mission Paulus eine Menge Reiser zusammen-
ist es nötig, andere zu unterweisen, sie raffte …“ (Apg 28,3). In aller Regel
im Wort Gottes zu belehren. In diesem wird man, gerade in sogenannten Ent-
Sinn sollte man nicht „vor lauter Angst wicklungsländern, Hand anlegen müs-
sterben“, wenn man vor mehr als 3 sen. Jemand, dessen hervorstechen-
Menschen etwas erklären will. Keiner des Kennzeichen zwei linke Hände
von uns hat damit angefangen, vor sind, wird da Probleme bekommen.
einer Zuhörerschaft von 1.000 Leuten Es geht hier nicht darum, der perfekte
etwas zu sagen. Aber du solltest dich Handwerker zu sein. Aber man soll-
nicht vor Menschen fürch-
ten, wenn die Missionsarbeit
einen solchen Lehrdienst
einschließt, was nicht not-
wendigerweise der Fall sein
muss bzw. sein soll (nämlich
bei Schwestern, vgl. 1. Tim
2,12).

„Evangelist, Hirte, Leh-


rer“: „Wie ich nichts zurück-
gehalten habe von dem,
was nützlich ist, dass ich es
euch nicht verkündigt hätte,
öffentlich und in den Häusern, indem te wissen, dass Hammer und Nagel
ich sowohl Juden als auch Griechen zusammengehören, wenn man über
die Buße zu Gott und den Glauben einen längeren Zeitraum in einem Ent-
an unseren Herrn Jesus Christus be- wicklungsland arbeiten möchte …
zeuge“ (Apg 20,20.21). Im Missions-
dienst ist – vielleicht mehr als in jedem Kaufmännische Fertigkeiten: „Und
anderen Bereich des Dienstes für den legten den Erlös des Verkauften nieder
Herrn – eine Berücksichtigung aller zu den Füßen der Apostel“ (Apg 4,35).
drei Bereiche nötig. Denn du wirst In der Mission sind Verwaltungstätig-
Menschen das Evangelium weiter- keiten nicht zu entbehren. Gerade in
sagen. Du wirst die Wahrheit Gottes Entwicklungsländern ist der Umgang
vorstellen, und auch mit vielfältigen mit Geld keine einfache Sache. Auch
Fragen und Problemen in den einzel- manche Einrichtungen z.B. sozialer Art
nen Häusern zu tun haben. Daher ist sind zu führen. Man muss unbedingt

Folge mir nach


15
in der Lage sein, anvertraute Spenden eine Begabung für das Erlernen frem-
ordnungsgemäß weiterzuleiten und der Sprachen geben.
darüber eine sorgfältige schriftliche
Abrechnung mit Quittungen usw. vor- Landeskenntnisse: „Seit vielen
zulegen. Jahren habe ich großes Verlangen,
zu euch zu kommen, wenn ich nach
Sprachkenntnisse: „Und wie hören Spanien reise“ (Röm 15,23.24). Es
wir sie, jeder in unserer eigenen wäre ungewöhnlich, wenn die Idee,
Mundart, in der wir geboren sind?“ in einem Land zu missionieren, wie
(Apg 2,8). In vielen Ländern dieser ein plötzlicher Regenschauer über
Welt werden weder Deutsch noch dich kommen würde. Normalerweise
Englisch, Französisch oder Spanisch weckt Gott im Herzen das Interesse
gesprochen. Und die vielen anderen für ein bestimmtes Gebiet. Dann wird
man sich mit den dort herrschenden
Lebensumständen vertraut machen,
sich informieren. Du solltest in diesem
Sinn wissen, worauf du dich einlassen
möchtest.

„Wir bieten“

Natürlich fragt man sich bei einer norma-


len Stellenanzeige, was für den Einsatz bei
dem bestimmten Unternehmen geboten
wird. Und wenn die Anforderungen beson-
ders hoch sind – wie die in diesem Artikel
genannten – muss das Gehalt auch beson-
ders ansprechend sein. Aber wie heißt es
Sprachen beherrscht fast keiner von so schön in der heutigen Zeit: Es kommt
uns – das wird nicht von dir erwartet. nicht nur auf das Geld an, sondern auf den
Aber häufig gibt es eine Sprache – die Mix … Im geistlichen Bereich sollte man
drei letztgenannten vor allem – die sich jedenfalls nicht engagieren, wenn man
eine Verständigung im Land möglich Geld und Ansehen sucht.
machen, zumindest für den Einstieg.
Insofern sind Sprachkenntnisse unab- Kein Gehalt: „Der Herr hat für die,
dingbar (in dem angeführten Zitat aus die das Evangelium verkündigen, an-
Apostelgeschichte 2 handelt es sich geordnet, vom Evangelium zu leben“
nicht um erlernte Sprachkenntnisse, (1. Kor 9,14). Der Herr wird seine Die-
sondern um die Gabe des Sprachen- ner versorgen, auch und gerade Mis-
redens). So ist es gut, wenn du dir sionare. Aber man sollte sich nicht der
schon frühzeitig Fremdsprachenkennt- Illusion hingeben, dass man im Dienst
nisse aneignest, nicht erst vier Wochen für den Herrn materiell reich würde.
vor dem geplanten Aufenthalt! Heute Der Herr schenkt durch Gaben oft ge-
geht es nicht mehr um die Gabe des nau so viel, wie nötig ist – ein regelmä-
Sprachenredens, aber Gott kann dir ßiges, üppiges Gehalt gibt es nicht!

16
Missionare gesucht

Keine Anerkennung: „Durch Ehre geh ein in die Freude deines Herrn“
und Unehre, durch böses Gerücht (Mt 5,3). Wenn du in dieser Welt
und gutes Gerücht, als Verführer und auch nur wenig Anerkennung finden
Wahrhaftige; als Unbekannte und wirst, so doch beim Herrn! Er schätzt
Wohlbekannte“ (. Kor 6,8.9). Ehre jede Tat, die für Ihn getan wird. Und
und Anerkennung wird es oftmals Er wird dir seine Anerkennung für
nicht geben. Natürlich – so wie Paulus Treue ganz deutlich – auch vor ande-
beides kannte – Ehre und Unehre – so ren – ausdrücken. Können wir etwas
wird auch ein Missionar beides ken- anderes wünschen als seine Anerken-
nen. Manchmal sogar schmeichleri- nung?
sche Unterordnung. Aber häufig wirst
du eher Kritik ernten als Lob. Die Anatomie eines Missionars
Kürzlich las ich in einem Heft etwas von
Doch ein Gehalt: „Wenn das Werk der „Anatomie eines Missionars“. Dieser
jemandes bleiben wird, das er darauf Gedanke hat mich so fasziniert, dass ich
gebaut hat, so wird er Lohn empfan- ihn auf der Rückseite des Heftes etwas ab-
gen“ (1. Kor 3,14). Keiner sollte mei- gewandelt weitergeben möchte.
nen, für unsere Arbeit für den Herrn Es lohnt sich, sein Leben für den Herrn
gäbe es keinen Lohn. Es gibt diesen! einzusetzen. Und der Herr sucht solche,
Auch Mose schaute auf die Beloh- die bereit sind, als Missionare für Ihn tätig
nung. Und du darfst es tun. Tatsäch- zu werden. Nicht jeder hat diesen Auftrag.
lich wird das „Gehalt“ auch auf dieser Aber vielleicht gerade du!? Sicher hat sich
Erde ausgezahlt – aber nicht so sehr diese Arbeit in den letzten Jahren gewan-
heute, sondern zum größten Teil, delt. Vielleicht ist es heute nicht mehr immer
wenn wir mit dem Herrn Jesus über gefragt, über Jahre in einem fremden Land
diese Erde herrschen werden. zu leben. Aber es bedarf der Missionare, ob
sie nun für längere Zeit in ein Land gehen,
Doch Anerkennung: „Da sprach oder durch Besuchsreisen dem Ruf des
sein Herr zu ihm: Wohl, du guter und Herrn folgen. Vielleicht für eine nur noch
treuer Knecht! Über weniges warst du kurze Zeit der Gnade ...
treu, über vieles werde ich dich setzen; Manuel Seibel

Du aber sei nüchtern in allem,


leide Trübsal, tu das Werk eines
Evangelisten, vollführe
deinen Dienst.
2. Timotheus 4,5
Folge mir nach
17
Pinnwand

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Folge mir nach


18 19
Bibelstudium
Was bald geschehen muss –
Die zukünftigen Ereignisse (Teil III)
I n den beiden vorhergehenden Folgen haben wir den großen Rahmen der Prophetie
abgesteckt. Durch die Betrachtung verschiedener Schlüsseltexte konnten wir die
wesentlichen „Bausteine“ sammeln, die es jetzt zusammenzusetzen gilt, um die zukünftigen
Ereignisse im Einzelnen erfassen zu können. Wir gehen dabei allerdings nicht streng
chronologisch vor, da das vielfach gar nicht möglich ist, sondern thematisch. In dieser Folge
geht es um die Entrückung und die Zeit der Gerichte.

Die zukünftigen Ereignisse im Ein- Darüber belehrt uns vor allem der 1. Brief an die
zelnen Thessalonicher. Paulus erklärt dort zunächst,
dass wir mit Ihm erscheinen werden (1. Thes
1. Die Entrückung 3,13; 4,14). Das setzt jedoch voraus, dass Er
uns vorher zu sich holt (1. Thes 4,15–18).
Er kommt bald
Bei der Entrückung kommt der Herr noch
Es gibt keine Prophezeiung, die noch erfüllt nicht auf die Erde. Er kommt uns zwar entge-
werden müsste, bevor der Herr zur Entrü- gen, entrückt uns aber dann von dieser Erde.
ckung der Gläubigen kommt. Diese Hoffnung Wir werden „entrückt werden in Wolken dem
der Versammlung stellt das Neue Testament Herrn entgegen in die Luft“ (1. Thes 4,17). Die
als nahe bevorstehend dar. Schon die ersten ungläubige Welt wird Ihn zu diesem Zeitpunkt
Christen haben – zu Recht – täglich mit dem noch nicht sehen.
Kommen des Herrn gerechnet (vgl. z.B.
1. Thes 1,9–10).
Auferweckung und Verwandlung
„Der diese Dinge bezeugt [die im Buch der
Offenbarung stehen], spricht: Ja, ich komme Die Entschlafenen werden mit einem Körper,
bald. – Amen, komm Herr Jesus!“ (Off 22,20). der für den Himmel passend ist, auferweckt
und wir, die Lebenden, werden verwandelt,
d.h. wir bekommen auch diesen Körper. Das
Er kommt für uns geschieht in einem Nu, in einem Augenblick
(1. Kor 15,51–53). Die Auferweckten und die
Als der Herr Jesus das erste Mal auf diese Verwandelten werden dann gleichzeitig in die
Erde kam, wurde Er verworfen. Er wird wieder- Luft entrückt (1. Thes 4,15–17).
kommen! Sein zweites Kommen umfasst zwei
Phasen, die zeitlich auseinander liegen:
1. sein Kommen für uns – zur Entrückung der Alle Gläubigen werden entrückt
Gläubigen vor den Gerichten
2. sein Kommen mit uns – um sein Reich auf- Die Menge derer, die aus den Toten auferste-
zurichten und mit uns zu herrschen. hen, umfasst alle „die, die des Christus sind
bei seiner Ankunft“ (1. Kor 15,23), d.h. alle
Gläubigen, die bis dahin gelebt haben. Auch

0
Was bald geschehen muss (Teil III)
die Gläubigen des Alten Testaments sind „des seinem Richterstuhl offenbar (2. Kor 5,10;
Christus“, d.h. gehören Ihm. Zu Lebzeiten Röm 14,10). Wir werden nicht mehr gerichtet,
wussten sie zwar nichts von der Entrückung, da der Richter selbst, Christus, unser Gericht
aber sie werden doch mit dabei sein (s. auch getragen hat, aber wir werden offenbar. Unser
Heb 11,40). ganzes Leben, alles, was wir getan, gesagt
und gedacht haben, läuft wie ein Film vor uns
ab. Gott hat alles gesehen! Für alles Gute, was
Der Heilige Geist Er in uns bewirken konnte, werden wir belohnt.
Alles Böse „verbrennt“; dafür gibt es keinen
Wir, die zu der Versammlung, der Braut Christi, Lohn (vgl. 1. Kor 3,12–15). Je treuer wir gelebt
gehören, können von der Entrückung wissen. haben, desto größer ist unsere Belohnung.
Der Heilige Geist möchte diese Hoffnung in
uns beleben. „Der Geist und die Braut sagen: Durch das Offenbarwerden vor dem Richter-
Komm! Und wer es hört, [stimme mit ein und] stuhl Christi werden wir in Übereinstimmung
spreche: Komm!“ (Off 22,17). mit Ihm gebracht. Wir beurteilen dann alles
so, wie Er es schon immer gesehen hat und
Mit der Versammlung verlässt auch der Heilige verstehen alle Wege, die Er uns im Leben hat
Geist diese Erde, so dass dann die Gesetzlo- gehen lassen.
sigkeit überhand nehmen wird, weil Er „aus
dem Weg ist“ (2. Thes 2,7).
Die Hochzeit des Lammes

Zu spät! Die Braut ist dann für den Bräutigam, den


Herrn Jesus, das Lamm Gottes, bereitet.
Satan kann sich dann voll entfalten und die Solange sie noch auf der Erde lebte, war sie
verführen, „die verloren gehen, darum, dass mit Christus verlobt und hielt sich rein von
sie die Liebe zur Wahrheit nicht annahmen, der Welt (2. Kor 11,2). Im Himmel findet die
damit sie errettet würden. Und deshalb sendet „Hochzeit des Lammes“ statt (Off 19,6–9).
ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns,
dass sie der Lüge glauben, damit alle gerich- Auf diesem Hochzeitsfest sind alle entrück-
tet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, ten Gläubigen vertreten: Die Versammlung ist
sondern Wohlgefallen gefunden haben an die Braut, die alttestamentlich Gläubigen sind
der Ungerechtigkeit.“ (2. Thes 2,10–12). Das die Geladenen, die Hochzeitsgäste. (Vor der
heißt, für die Menschen, die die Wahrheit Schilderung der Hochzeit fasst das Buch der
gekannt und abgelehnt haben, ist es zu spät! Offenbarung diese beiden Gruppen im Bild
Sie können sich nicht mehr bekehren. Sie der 2x12 = 24 Ältesten zusammen; zuletzt in
haben alle Chancen verspielt. Plötzlich ist die Off 19,4).
Tür verschlossen (vgl. Mt 25,10–12).
Zeitlich gesehen findet die Hochzeit des
Es ergeht ihnen wie dem Pharao, der immer Lammes allerdings erst kurz vor der Erschei-
wieder sein Herz verhärtete – bis Gott sein nung Christi statt, nachdem auf der Erde die
Herz verhärtete. Gott könnte die Ungläubigen, falsche Braut gerichtet wurde. Die falsche
die das Evangelium in der Gnadenzeit abge- Braut ist das, was nach der Entrückung bean-
lehnt haben, sofort in die Ewigkeit abberufen. sprucht, Versammlung zu sein (Off 17–18).
Er wird sie aber ins Gericht bringen, indem Er
sie mit einem verhärteten Herzen weiterleben
lässt. 2. Die Zeit der Gerichte
Sieben schwere Jahre
Der Richterstuhl Christi
Nach der Entrückung (wahrscheinlich bald
Wenn wir zum Herrn gehen, werden wir vor danach) folgen sieben schwere Jahre, die
Folge mir nach
1
„Drangsal“. Wie in der Geschichte Josephs letzte Hälfte ist die schrecklichste Zeit. Der
auf die 7 fetten Jahre 7 magere Jahre folgen Herr nennt sie die „große Drangsal Jakobs“
(1. Mo 41), so folgen auf die Zeit der Gnade (Mt 24,21). Sowohl im Propheten Daniel als
buchstäblich 7 Jahre des Gerichts. Das ist die auch in der Offenbarung wird diese Zeit mit
letzte „Jahrwoche“ Daniels (Dan 9,27). „einer Zeit, Zeiten und einer halben Zeit“ (= 1 +
2 + 0,5 Jahre) oder mit 42 Monaten oder 1260
Die Gerichte treffen vor allem die Juden und Tagen beschrieben (Dan 7,25; 12,7; Off 11,2f;
die Christen, also Israel und das christli- 12,6.14; 13,5).
che Abendland. Das Alte Testament und die
Evangelien berichten besonders das, was die
Juden betrifft – die „Drangsal Jakobs“ –, wäh- Satanische „Dreieinheit“
rend die Offenbarung stark auf das Gericht
der Christenheit fokussiert (Off 6–19). Zu Beginn der 3,5 Jahre wird Satan aus dem
Himmel auf die Erde geworfen (Off 12,7–17).
Das Buch der Offenbarung unterscheidet zwi- Er hat dann keinen Zugang mehr zum Himmel
schen zwei Phasen: (wie heute noch) und er „hat große Wut, da er
1. Gerichte der Vorsehung Gottes: Das sind weiß, dass er wenig Zeit hat“ (Off 12,12).
katastrophale Ereignisse, die die Men-
schen noch einer Anhäufung unglückli- Mit zwei Menschen, die von ihm inspiriert sind,
cher Umstände zuschreiben werden. Dazu bildet er eine satanische „Dreieinheit“:
gehören Revolutionen, Kriege, Naturkatas-
trophen usw. mit dem Herrscher des wieder entstande-
2. Gerichte durch ein unmittelbares Eingreifen nen Römischen Reiches, dem „ersten Tier“
Gottes: Das sind Ereignisse, die nur noch (Off 13,1–10) und
durch ein direktes Eingreifen Gottes zu mit dem Antichristen in Israel, dem „zweiten
erklären sind. Tier“ (Off 13,11–18).

Alle drei – Satan, das erste und das zweite Tier


Juden in Israel – lassen sich anbeten.

Da die Juden während der Zeit der „Drang-


sal“ in ihrem Land eine Zielscheibe der Das Römische Reich
Gerichte Gottes bilden, ist klar, dass sie
vorher in ihr Land zurückkehren müssen. Das Römische Reich, das zur Zeit Jesu
Dabei handelt es sich im Wesentlichen um herrschte, später aber untergegangen ist,
die zwei Stämme (Juda und Benjamin), die entsteht also wieder. Im Gegensatz zu allen
auch zur Zeit Jesu im Land waren, aber 70 anderen Völkern, die nach Freiheit und Unab-
n. Chr. wieder zerstreut und weltweit verfolgt hängigkeit streben (vgl. „alle Bäume“ in Lk
wurden. Sie sind als Nation wiederherge- 21,29–31), schafft Europa (das Gebiet des
stellt, der „Feigenbaum hat ausgeschlagen“ weströmischen Reiches) zunächst einen
(Lk 21,29–31), die toten Gebeine sind, wie Staatenbund. Schließlich geben die einzelnen
Hesekiel sagt, zusammengerückt und mit Herrscher alle Macht einem einzigen Mann:
Sehnen und Fleisch überzogen – aber es ist dem (ersten) „Tier“ (Off 17,12.13).
noch kein Leben in ihnen (Hes 37,1–8), d.h.
sie sind ungläubig und verwerfen Christus So erhebt sich aus der unruhigen Masse der
nach wie vor. Völker das Römische Reich – das „erste Tier“
steigt „aus dem Meer“ herauf (Off 13,1).

Die große Drangsal


Israels Bündnis mit Rom
Der Prophet Daniel unterteilt die letzte „Jahr-
woche“ in zweimal 3,5 Jahre (Dan 9,27). Die Wie zur Zeit Jesu steht Israel dann wieder


Was bald geschehen muss (Teil III)
unter römischer Herrschaft. Der Antichrist, Die „Hure Babylon“
der der Herrscher Israels ist, fungiert als eine
Art Propaganda- oder Religionsminister des Was wird aus der Christenheit in jener Zeit?
(ersten) Tieres, des römischen Herrschers. Nun, das, was nach der Entrückung davon
Diese Funktion erhält der Antichrist im befes- übrig geblieben ist, wird die „Hure Babylon“
tigten Römischen Reich – das „zweite Tier“ genannt. Sie ist das satanische Gegenstück
steigt „aus der Erde“ herauf (Off 13,11). zur Braut Christi. Der Beschreibung in Off
17,1–14 zufolge weist sie die Kennzeichen der
Schon zu Beginn der letzen Jahrwoche schlie- römisch-katholischen Kirche auf, obwohl sie
ßen Rom und Israel einen Bund (Dan 9,27), der eine (ökumenische) Welteinheitskirche ist. Sie
Israel vor der „überflutenden Geißel“, d.h. einer hat ihren Sitz in Rom, der großen „Siebenhü-
Invasion ihrer benachbarten Feinde und beson- gelstadt“ (Off 17,9.18).
ders dem Assyrer, schützen soll (Jes 28,15).
Politisch und militärisch liegt die Macht in den Zunächst übt diese Kirche einen großen Ein-
Händen Roms; Israel ist vom Westen abhän- fluss auf das Römische Reich aus. Doch dann
gig. Doch in religiöser Hinsicht hat der Anti- geben die einzelnen Herrscher ihre Macht
christ die Weltführung. dem Tier (Off 17,13), das „aus dem Abgrund
heraufsteigt“ (Off 17,8) bzw. von Satan, der
gerade aus dem Himmel geworfen wurde,
Der Antichrist inspiriert wird. Danach hassen diese Herr-
scher „die Hure“ und sie werden sie „öde und
Das zweite Tier, der Antichrist – oder „der nackt machen�“ (Off 17,16).
falsche Prophet“, der „Mensch der Sünde“,
der „Sohn des Verderbens“ u. ä. – geht in Zu diesem Zeitpunkt haben die Namens-
seiner religiösen Verführung so weit, dass er christen bereits ihr totes Bekenntnis aufge-
sich nach 3,5 Jahren selbst göttlich verehren geben – denn der „Abfall“ vom christlichen
lässt (2. Thes 2,3.4). Gleichzeitig stellt er im Glauben geht dem Offenbarwerden des
Tempel ein Bild des römischen Herrschers Antichristen voraus (2. Thes 2,3.4). Trotzdem
auf, das ebenfalls angebetet werden muss ist anzunehmen, dass neben der jüdischen
(Off 13,14.15). Es ist so ähnlich wie unter Religion auch die christliche Religion offiziell
Nebukadnezar (Dan 3): Wer das Bild nicht verboten wird, sobald sich der Antichrist als
anbetet, wer nicht dieser einen neuen Weltre- satanisch offenbart, indem er sich und das
ligion beitritt, wird mit dem Tode bestraft. Mit Bild des Tieres im Tempel verehren lässt.
dem Aufstellen des „Gräuels der Verwüstung“
im Tempel beginnt für die gläubigen Juden die Die Hure verliert also ihren religiösen Einfluss,
große Drangsal (Mt 24,15–22). obwohl sie – als die „große Stadt“ – einen
wirtschaftlichen Einfluss auf das Tier behält,
Anfangs hatte sich der Antichrist als der ver- bis sie am Ende durch den Herrn selbst end-
heißene Messias ausgegeben. So wurde er gültig gerichtet wird (Off 18).
auch vom jüdischen Volk angenommen und
zum König gemacht. Doch jetzt schafft er den
jüdischen Gottesdienst ab (Dan 9,27; 12,11). Die zwei Zeugen

Zurück nach Israel: Auch wenn das Judentum


Ein Tempel in Jerusalem in den letzten 3,5 Jahren verboten ist, erhält
Gott sich doch ein Zeugnis in Jerusalem, das
Zu jenem Zeitpunkt gibt es folglich wieder nicht ausgelöscht werden kann. Offenbarung
einen Tempel in Jerusalem und einen jüdi- 11,1–13 spricht von „zwei Zeugen“, die wie
schen Gottesdienst. Der Ort, wo der Tempel Mose und Elia auftreten. Erst am Ende der
stehen muss, ist genau definiert. Heute stehen 3,5 Jahre lässt Gott es zu, dass das Tier sie
dort noch der sogenannte „Felsendom“ und tötet (Off 11,7). Die Bilder davon gehen um die
die Al-Aksa-Moschee. ganze Welt und alle freuen sich (Off 11,8–10).

Folge mir nach


3
Doch nach drei Tagen werden sie – ähnlich Flucht des jüdischen Überrests
wie einst der Herr – auferweckt und in den
Himmel aufgenommen. Darauf folgt das end- Gerade in der letzten 3,5 Jahren, der großen
gültige Ende (Off 11,11–14). Drangsal, werden die Gläubigen sehr ver-
folgt. Die Gläubigen in Judäa müssen sofort
fliehen, wenn der Antichrist das Standbild im
Das Evangelium in der Drangsalszeit Tempel aufstellt (Mt 24,15–22). Der auf die
Erde geworfene Satan initiiert eine große Ver-
In der Drangsalszeit verkündigen gläubige folgungswelle, doch die Frau (= die gläubigen
Juden ein Evangelium, das nicht so umfas- Juden) kann „in die Wüste“ fliehen (Off 12,13–
send ist, wie das Evangelium der Gnade, das 17): nach Moab (heute Süd-Jordanien; Jes
wir gehört haben. Es ist das „Evangelium des 16,4), Mesech (heute Türkei) und Kedar (heute
Reiches“ (Mt 24,14) und das „ewige Evange- Nord-Jordanien und angrenzende Gebiete; Ps
lium“ (Off 14,6.7), d.h. die Menschen sollen 120,5).
Christus, den König des kommenden Reiches,
anerkennen und erwarten, und sie sollen Gott,
den Schöpfer, anerkennen. Überrest in Jerusalem

Die Verkündiger bringen in kürzester Zeit das Doch nicht alle gläubigen Juden können
zustande, was wir Christen nicht geschafft aus Judäa fliehen; einige bleiben zurück (Off
haben: Sie erreichen die ganze Welt. Dadurch 12,17). Viele von ihnen werden getötet (Off
bekehren sich viele Menschen, die das Evan- 13,15). Gott wird sich aber selbst im Zentrum
gelium der Gnade nicht hören konnten. des Bösen einen Überrest bewahren (vgl. die
zwei Zeugen in Jerusalem).

Die Gläubigen in der Drangsalszeit


Erster Angriff des Assyrers
So entstehen fünf verschiedene Gruppen von
Gläubigen. Das Buch der Offenbarung unter- Ganz am Ende passiert das, was Israel und
scheidet drei Gruppen, die lebend in das Tau- Rom befürchtet und weswegen sie einen Bund
sendjährige Reich eingehen: gemacht haben: Der „Assyrer“, der König des
Nordens, greift Israel an. (Zur Orientierung:
1. ein Überrest aus ganz Israel (Off 7,1–8; Das alte Assyrien lag ungefähr auf dem Gebiet
symbolisch: 144.000) des heutigen Irak und Syrien.)
2. ein Überrest aus den Nationen (Off 7,9–12)
3. ein Überrest aus Juda (Off 14,1–5; symbo- Zunächst verbündet sich der Assyrer mit
lisch: 144.000). seinen Nachbarstaaten (Ps 83,1–9). Im Hinter-
grund wird er von einer Großmacht unterstützt
Außerdem gibt es zwei Gruppen von Gläubi- (Dan 8,23.24): von Russland, dem „König des
gen, die aufgrund der Verfolgungen sterben: äußersten Nordens“, der aber erst später
selbst in Erscheinung tritt (Hes 38,5–9; 39,2).
1. solche, die während der ersten 3,5 Jahre
(Off 6,9–11), „um des Zeugnisses Jesu und Dann greifen plötzlich Ägypten und Assyrien,
um des Wortes Gottes willen enthauptet die verfeindeten Könige des Südens und des
worden waren“ (Off 20,4a) Nordens, das zwischen ihnen liegende Israel
an. Der Assyrer „überschwemmt“ förmlich
2. solche, die während der letzten 3,5 Jahre das Land mit seiner Invasion (Dan 11,40.41;
„das Tier nicht angebetet hatten noch sein Jes 8,7.8; 28,17.18; 59,19). Er belagert Jeru-
Bild, und das Malzeichen nicht angenom- salem (Mich 4,14). Später nimmt er Jerusalem
men hatten an ihre Stirn und an ihre Hand“ ein und führt die Hälfte der Bevölkerung in
(Off 20,4b). Gefangenschaft (Sach 14,1.2).

4
Was bald geschehen muss (Teil III)
Der Assyrer erobert Ägypten ten Brüdern gegen die Assyrer zu Hilfe zu
kommen (Mich 5,2). Tatsächlich bringen sie
Schließlich zieht der Assyrer weiter (nur wenige die assyrische Besatzungsmacht (die zurück-
Soldaten bleiben in Israel) und erobert Ägyp- gebliebenen Soldaten) in Not (Sach 12,2.3).
ten (Dan 11,42.43). Doch inzwischen rüstet
sich das Römische Reich zum Krieg.
Rückkehr des Assyrers

Die römische Invasion Der Assyrer hat inzwischen Gerüchte (über


die römische Invasion und die Rückkehr der
Aufgrund des Bündnisses mit Israel startet Juden) gehört und kehrt deshalb von Ägypten
Rom eine Riesen-Invasion (Off 19,19; 16,13– nach Israel zurück. Wieder belagert er Jerusa-
16). „Das Tier und die Könige der Erde“, d.h. lem (Dan 11,44.45; Jes 29,1–8).
Rom mit einer großen Militärallianz, kommen
über das Mittelmeer nach Israel und versam- Die gläubigen Juden sind in Jerusalem ein-
meln sich in Harmagedon. geschlossen. Rings um die Stadt sind der
Assyrer mit seinen Bündnispartnen und Rom
Jetzt überschlagen sich die Ereignisse. Das mit seinen Alliierten zum Krieg versammelt.
Erscheinen Christi steht unmittelbar bevor, Doch dieser Weltkrieg kommt gar nicht mehr
und aus dem Aufmarsch gegen den Assyrer zustande, da jetzt der Herr selbst erscheint!
und seine Verbündeten aus Nahost wird plötz-
lich ein Kriegszug gegen den, „der auf dem Joachim E. Setzer
Pferd saß“: gegen den Herrn selbst.

Rückkehr des geflohenen Überrestes

Vorher noch kehren die geflohenen Juden


nach Jerusalem zurück, um ihren bedräng-

Siehe, ich komme bald, und mein Lohn


mit mir, um einem jeden zu vergelten,
wie sein Werk ist. Ich bin das Alpha und
das Omega, der Erste und der Letzte, der
Anfang und das Ende.
Offenbarung 22,12.13
Folge mir nach
5
Post von Euch

vor fast 200 Jahren, und zwar aus dem


Kaff hebräischen kafar = Dorf (wohl über die
jüdische Umgangssprache, das Jiddische).
Liebe „Folge-mir-nach-Redaktion“, Es kann auch aus der Zigeunersprache
stammen: gaw = Dorf (was vielleicht auch
in „Folge mir nach“ 7/2005 wurde auf Seite dem Jiddischen entnommen ist). Somit
18 der Begriff „K wie Kaff“ auf Nazareth wurde der Herr Jesus in aller Niedrigkeit
angewandt gemäß der Stelle in Johannes in einem Kafar = Dorf groß, und nicht in
1,46: „Kann aus Nazareth etwas Gutes einer bedeutenden Stadt wie Jerusalem.
kommen?“. Vielleicht hat es manchen
Leser irritiert, diesen Ausdruck mit dem Das Wort Kafar (Kafr/Kfar) kommt übrigens
damals unbedeutenden aber doch so sehr auch in vielen heutigen israelischen
bedeutenden Ort Nazareth zu verbinden. Ortsnamen vor. So heißt das Dorf in der
Das ist aber gar nicht so abwegig. Nähe der Ruinen des alten Kapernaum

Nach Mackensen,
„Ursprung der
Wörter“, ist das
Wort Kaff in der
1. Hälfte des 19.
Jahrhunderts
entstanden, also

ert
r b u c h geblätt
te
Im Wör s letzte
a ff . „ D as ist da gangs-
K wie K ies ist ein um für Kafr Nahum (Dorf des Nahum) oder das
Kaff “. D er Ausdruck Dorf, wo Kana in Galiläa war, Kafr Kanna
ch es
sprachli Ort, langweilig inlich (Dorf Kana). Einigen Lesern von „Folge mir
„elend e r rsc e
h
( W a h rig). Wah , in jeder nach“ dürfte auch Kfar (Kafr) Yasiv bekannt
Dorf “ Land sein, wo wir Gläubige kennen. Also auch in
in jedem rte,
gibt es gendwelche O ner diesem Fall ein Kafar = Dorf, so wie auch
ir h
Gegend d deren Bewo aut. in jenen Tagen Nazareth ein Kafar war. Und
f d ie u n ra bs c h davon ist Kaff abgeleitet.
au
rä c h t lich he en
man ve rael gab es ein hts
Is r nic
Auch in em scheinba
u s d e . (Siehe
Ort, a m en konnt Im Herrn verbunden
om e).
Gutes k auf dieser Seit Hartmut Fuchs
s m
Bibe lv e r do a
r t k
ch g e rade von nd der Welt
Do eila
er der H
einer, d ollte.
s
werden
26
Begriffe

Aussatz
Aussatz
Diese abstoßende und über Jahrtausende Aussatz – anstatt im Inneren verborgen zu
unheilbare Krankheit wird in der Schrift oft bleiben – sich vollständig seinen Weg nach
erwähnt. Manche Personen bekamen den außen gebahnt hat. Bildlich spricht das
Aussatz als direktes Gericht von Gott, wie von jemandem, der seine Sünde ehrlich
z. B. Mirjam (obwohl sie durch die Gnade bekennt. Übrig bleibt nur noch die Wirkung
nachher geheilt wurde), Gehasi und Asarja. der Verschmutzung.
In dem Fall von Gehasi haftete die Krankheit
sogar an allen seinen Nachkommen. Gesetze wurden nicht nur für den Aussatz
Gottes Kraft alleine konnte den Aussätzigen der Person gegeben, sondern auch in
heilen, wie es bei Naaman, dem Syrer, Bezug auf Aussatz an der Kleidung, darin
geschah, und bei den vielen Aussätzigen, sehen wir Sünde, die das Umfeld einer
die der Herr Jesus heilte, während er auf Person betrifft. Die Kleidung sollte gereinigt
der Erde lebte. Asarja wohnte in einem oder verbrannt werden. Nachdem das Volk
Krankenhaus, und allen Aussatzkranken Israel in das Land Kanaan gekommen sein
war es vorgeschrieben, ihren eigenen würde, würde es noch eine weitere Form
Zustand durch den Ruf „Unrein, unrein!“ geben: Aussatz an einem Haus. Darin
zu verkünden (3. Mo 13,45). sehen wir Sünde, die in einer christlichen
Versammlung auftreten kann. Sie muss
Aussatz ist ein anschauliches Bild der Sünde entfernt werden, oder die Versammlung
und ihrer tückischen Wirkung. Wie der muss aufgelöst werden. Dem Haus Gottes
Aussatz bewirkt die Sünde einen unreinen geziemt Heiligkeit!
Zustand. In 3. Mose 13 und 14 werden den
Priestern Anweisungen darüber gegeben, (Quelle: Concise Bible Dictionary, deutsche
wie Aussatz erkannt und ein Aussätziger Fassung: www.bibelkommentare.de)
behandelt werden sollte. Die beiden
Verse in 3. Mose 13,1.13 scheinen auf
den ersten Blick widersprüchlich, sind
aber sehr bedeutsam: Wenn der Aussatz
die ganze Haut bedeckte, sich ganz in
weiß verwandelt hatte, sollte der Priester
erklären: „Er ist rein“. Das bedeutet,
die Verunreinigung hört auf, sobald der

Folge mir nach


7
Jim Elliot –
Märtyrer und Vorbild
A ls Jim Elliot vor fünfzig Jahren, am 8. Januar 1956, im Alter von 29
Jahren zusammen mit vier weiteren Missionaren von Auca-Indianern in
Ekuador ermordet wurde, erfüllte sich das Glaubensleben dieses jungen
Menschen, der auch uns heute noch viel zu sagen hat. Dieser Rückblick
auf sein Leben soll deshalb besonders ein Appell für uns heute sein. Sein
Tagebuch vermittelt beeindruckend den Werdegang und die innere Hal-
tung dieses jungen Mannes und ist deshalb Basis dieses Rückblicks.
Jugend für Christus

Philip James Elliot wurde am 8. Oktober und trainierte er seinen Körper, obwohl
197 in Portland, Oregon in den USA sein Studium ganzen Einsatz forderte. Am
geboren. Seine Eltern waren überzeugte Ende des ersten Studienjahres schreibt er
Christen – sein Vater wirkte als Evangelist in sein Tagebuch: „Es ist ein nützliches Jahr
– und übten oft Gastfreundschaft an Mis- gewesen; ich bin meinem Erlöser näherge-
sionaren. Mit sechs Jahren bekehrte sich rückt und habe Schätze entdeckt in seinem
Jim zum Herrn. Bei seinen Eltern erlebte er Wort“.
auch Christus als Mittelpunkt von Familie,
Gemeinde und dem Einzelnen. Ich bin besorgt über jede Sache
und jeden Menschen, der Dich auf
Die Haltung seines Vaters wird in einem Deinem Weg zu den ewigen Gütern
Brief an seinen Sohn deutlich: „Ich bin
und an einem gänzlich gottgeweihten
besorgt über jede Sache und jeden Men-
schen, der Dich auf Deinem Weg zu den Leben hindern könnte.
ewigen Gütern und an einem gänzlich gott- Fred Elliot an seinen Sohn Jim
geweihten Leben hindern könnte“1.

Bereits in seiner Zeit auf der High School Weg-Führung nach Ekuador
in Benson begann er seiner Umgebung die
Botschaft von Christus zu vermitteln und Schon durch die Kontakte im Elternhaus
nutzte seine Zeit zum Bibelstudium und wurde sein Interesse an Missionsarbeit ge-
zum Gebet. weckt. Doch während seines Studiums ver-
Als er 1945 auf das Wheaton College in Il- tiefte sich sein Eindruck, dass Gott ihn au-
linois kam, fasste er den festen Entschluss, ßerhalb der USA benutzen wollte: „In den
Gott hingegeben zu leben und diesem Le- fremden Ländern gibt es einen Gottesar-
bensmotto alles unterzuordnen. Diszipli- beiter auf je 50 000 Menschen, während es
niert pflegte er die stille Zeit – und ernährte in den USA einen auf 500 gibt“3. „Der Herr
1 Elisabeth Elliot, Im Schatten des Allmächtigen, Wuppertal 1973, S. 33
2 ebenda, S. 12
3 ebenda, S. 16

8
Jim Elliot – Märtyrer und Vorbild

legte mir schwer die Not der noch unerreich- und so beschloss er am 4. Juli 1950, für 10
ten Millionen Innerasiens auf die Seele“4. Tage in die Stille zu gehen, um Klarheit zu
Auch wenn er während dieser Zeit die Zu- bekommen. Diese gab ihm der Herr durch
sammenkünfte der Christen in seiner Um- 2. Mose 23,20. Es sollte noch zwei Jahre
gebung besuchte und nach besten Kräften dauern, bis er schließlich am 4. Februar
mitwirkte, wurde ihm doch 1948 klar, „dass 1952 per Schiff nach Ekuador aufbrach,
die allgemeine Zielrichtung meiner missio- zunächst mit dem Ziel, unter den Ketschua-
narischen Arbeit der südamerikanische Indianern zu arbeiten.
Urwald“ sein sollte5. Dann hörte er durch
den Bericht eines Missionars zum ersten Hingabe an den Herrn
Mal von den Aucas (heute Waorani oder
Huaorani genannt), die völlig unberührt in Ohne seinen Märtyrertod hätten wir wohl
den Urwäl- nur wenig von Jim Elliots Tagebüchern
dern Ekua- erfahren, in denen er ganz persönlich
dors leb(t)en und ohne einen Gedanken an spätere
und die jede Veröffentlichung zu verschwenden, sei-
Annäherung ne Eindrücke und Erlebnisse notiert hat.
von Weißen Sicher war er auch schon von seinen na-
mit Töten türlichen Begabungen her ein außerge-
beantwor te- wöhnlicher Mensch – sprachbegabt, ein
ten (bis heute guter Dichter (er hat später viele Lieder in
gibt es Stam- Indianer der Ketschua-Sprache gedichtet) und auch
mesfehden ein brillanter Denker. Dennoch wird man

mit tödlichem Ausgang, und noch in den von dem Geist, den seine Eintragungen at-
achtziger Jahren wurde ein katholischer men, auch als Normalbegabter profitieren.
Priester von den Huaorani ermordet). Dabei steht besonders seine unbedingte
Auch die benachbarten, friedlicheren Ket- Hingabe an den Herrn immer wieder vor-
schua-Indianer traten in seinen Blickkreis, an. Einige sehr persönliche Bitten aus sei-
4 ebenda, S. 23 nem Tagebuch geben einen Eindruck von
5 ebenda. S. 43 seinen Empfindungen – die sicher nicht
Folge mir nach
29
einfach übernommen werden können: „Eine der großen Segnungen des
Himmels ist, dass wir ihn jetzt schon
„Herr, zünde an den toten Reisighaufen
meines Lebens, gib, dass ich aufflamme genießen können – wie es im Ephe-
und für dich verbrenne. Verzehre mein serbrief beschrieben wird. Der ist
Leben, Gott, denn es ist dein. Ich trachte kein Tor, der weggibt, was er nicht
nicht nach einem langen Leben, sondern behalten kann, um zu gewinnen, was
nach einem erfüllten, gleich dir, Herr Je- er nicht verlieren kann.“
sus“ (1948)6.
kann. So lehnte er den einträglichen Posten
„Vater, nimm mein Leben, ja mein Blut,
des Geschäftsführers der Studentenzeitung
wenn du willst, und verzehre es in deinem
ab, da er seine freie Zeit nicht dafür opfern
Feuer. Ich will es nicht behalten, denn es ist
wollte. „Vater, gib, dass ich mich nicht zer-
nicht mein, dass ich es für mich behielte.
splittere und vergeude in Nebensächlich-
Nimm es Herr, nimm es ganz. Gieß mein
keiten, in Dingen, die unwesentlich sind.
Leben aus als eine Opfergabe für die Welt.“
Lass dein Wort in Kraft auf mich wirken“9.
(1948)7
Eine Zeitlang öffnete er sich doch der einen
Berühmt geworden ist ein Satz, der im Zu-
oder anderen Aktivität mit seinen Kommili-
sammenhang gelesen noch beeindrucken-
tonen, aber später schreibt er: „Die Kame-
der ist:
radschaft mit der fidelen Clique ist verlo-
„Eine der großen Segnungen des Himmels
ckend und sehr amüsant, aber heute Abend
ist, dass wir ihn jetzt schon genießen kön-
merke ich, dass meine Seele dadurch ziem-
nen – wie es im Epheserbrief beschrieben
lich abgelenkt wird und von Erregungen er-
wird. Der ist kein Tor, der weggibt, was er
füllt ist. Es ist nichts Schlimmes – aber eben
nicht behalten kann, um zu gewinnen, was
auch nichts Gutes“10.
er nicht verlieren kann“ (1948). Nur wer
weiß, was es zu gewinnen gilt, ist bereit,
Manchmal sind es die „kleinen Füchse“,
alles andere zu verlieren!
die den Weinberg des Segens behindern:
„Schaute in eine Lebensbeschreibung von
Während seiner Vorbereitung auf die Aus-
Wilhelm Farel, einem beachtenswerten Re-
reise kann er schreiben: „Nur das eine
formator, und flog das Buch bis zum Ende
weiß ich, dass mein eigenes Leben voll ist,
durch. Drei Stunden waren vergangen, als
denn ich habe alles getan, was ein junger
ich mich der Bibel und dem Gebet zuwand-
Mensch nur tun kann, wenigstens dieser
te. Ich hoffe, dass wird mir eine Lehre sein,
junge Mann. Ich bin bereit, vor Jesus hin-
denn erst nach beträchtlichen Schwierigkei-
zutreten“8.
ten und besonderer Konzentration konnte
ich die Kraft des Wortes langsam wieder spü-
Weg mit jeder Bürde!
ren“11. Auch die Beschäftigung mit nützlicher
Literatur – und sicher sind Biographien von
Wie jeder andere junge Mensch war auch
treuen Männern und Frauen des Glaubens
Jim Elliot manchen Verlockungen und Ver-
nützlicher als weltliche Romane – darf die
suchungen ausgesetzt. Er war sich dessen
Bibel nicht vom ersten Platz verdrängen.
bewusst, wie selbst scheinbar Harmloses
den Blick für das Wesentliche verstellen
Dennoch war auch Jim nicht immer oben-
6 ebenda, S. 4 auf: „Schwierigkeit, aus dem Wort auch
7 ebenda, S. 5 nur den kleinsten Zuspruch zu bekommen.
8 ebenda, S. 8
9 ebenda, S. 40
Kein Gebetseifer. Wenn ich überhaupt et-
10 ebenda, S. 48 was aus der Schrift gewinnen will, muss ich
11 ebenda, S. 64 mich zum Bibelstudium sehr zwingen“1.
1 ebenda, S. 59

30
Jim Elliot – Märtyrer und Vorbild

„Heute morgen starkes Gefühl von Nutz- feststand, bedeutete dies weitere Distanz.
losigkeit. Freude durch Gebet. Ach, lass Aber er war sich völlig sicher, allein gehen
mich dich erkennen, Herr – lass mich dich zu sollen, und ordnete diesem erkannten
schauen, nur einen kurzen Augenblick, wie Willen Gottes sein eigenes Wollen unter:
du thronst in der Herrlichkeit, lass mich „Wenn es mein eigener Beschluss gewesen
darin Ruhe finden trotz all des Verkehrten, wäre, als Lediger hinauszugehen, dann wür-
das mich hier umbrandet.“13 de ich meinen Plan bestimmt ändern. Aber
der Lenkende ist Gott, Betty. Er weiß: Lie-
Ob wir nicht alle ein wenig von seinen Er- ber ginge ich mit Dir zusammen. Doch sein
fahrungen und den Konsequenzen lernen Auftrag ist das höchste“16. Das war nicht nur
sollten?! für sie eine harte Schule: „Manchmal packt
mich ein an Wahnsinn grenzendes sinnli-
Liebe muss warten ches Verlangen; nicht immer, Gott sei Dank,
aber doch so häufig, dass der Verzicht auf
Schon während seines Studiums in Whea- sie um des Werkes willen zu einer harten,
ton lernte Jim Elliot in den Griechischstun- brennenden Realität wird. Hierin spüre ich
den Elisabeth Howard ken- gerade jetzt, mehr denn
nen und nahm Kontakt zu je, Jesu Forderung: „Wer
ihr auf. Dabei hielt er seine nicht absagt allem ...“. Ja,
Gefühle so im Zaum, dass ich danke Gott für das
Elisabeth von seinen Zunei- Vorrecht, um seinetwillen
gungen zunächst nichts ver- etwas aufzugeben“17.
spürte. Die beiden lernten
sich als ernsthafte Christen Gott rief auch Elisabeth zur
schätzen („ein ungeheures Missionsarbeit nach Ekua-
Gottvertrauen lebt in ihr“14) dor. Doch erst nach länge-
und tauschten sich oft aus. Wheaton College rem Warten verlobten sie
Doch beide waren sich ei- sich am 1. Februar 1953
nig, dass die Hingabe an Christus Vorrang und heirateten einige Monate später. Ihr
hat vor einer Verbindung zueinander. So erstes Domizil war für mehrere Monate ein
schenkte er ihr ein Gesangbuch mit dem 30-qm-Zelt auf einer völlig abgelegenen,
Hinweis auf ein Lied, das davon spricht, gerade erst gegründeten Missionsstation.
dass kein „Objekt“ (Person oder Sache) dem Im Februar 1955 wurde die Tochter Valerie
Herrn übergeordnet sein darf (engl. „Have I geboren. Doch die Ehe, die der Herr ihnen
An Object, Lord, Below“, Liederbuch „Spi- erst nach jahrlanger Wartezeit schenkte,
ritual Songs“ No. 364, „Hält etwas mich hier sollte nur von kurzer Dauer sein...
unten fest“). Und diese Rangfolge wählten
Jim und Elisabeth – freiwillig. Unter den Ketschua-Indianern

Das bedeutete für beide viel Schmerz: „Vor Nach dem Eintreffen in Ekuador und dem
einer Stunde ist sie fortgefahren. Sich von ihr Erlernen der spanischen Sprache begann
zu trennen, ist schrecklich. Wie bitter ist Liebe, Jims eigentlicher Missionseinsatz, den er
der man keinen Ausdruck geben darf!“15 ohne Bindung an eine Missionsgesellschaft
praktizierte: „Es ist eine ganz freie Art von
Als dann sein Plan, nach Ekuador zu gehen, Arbeit – keine Organisation steht hinter ei-
13 ebenda, S. 39 nem, man hat nicht einmal einen Briefkopf,
14 ebenda, S. 31 der einem das Gefühl gibt, dass man zu et-
15 ebenda, S. 53 was ‚gehört‘. Aber es beglückt einen, dass
16 ebenda, S. 79 man aufsehen darf zu Gott“18. In einem
17 ebenda, S. 81
18 ebenda, S. 91
Ketschua-Dorf, Shandia, stürzte sich Jim
Folge mir nach
31
Elliot in die Arbeit, zu der auch die Führung kamen Indianer zum Glauben, und am 30.
der Grundschule und die ärztliche Versor- Mai 1954 schreibt er: „Zum ersten Mal ha-
gung der Bevölkerung gehörte. Nach eini- ben wir eine Abendmahlsfeier in ketschua-
gen Anfangshürden konnte er schon bald nischer Sprache gehalten“1, und am 17.
auch Bibelunterricht in der Ketschua-Spra- Juli konnte er schon von 5 Teilnehmern
che erteilen. Durch Überschwemmungen berichten. Diese Feiern hatten einen be-
wurde die Siedlung fast komplett zerstört merkenswert schlichten und zugleich tiefen
und musste neu aufgebaut werden. Jim Charakter: Ohne Predigt oder Belehrung
erlitt einen Malariaanfall und bekam die wurden einfach Loblieder gesungen, und
Folgen zu spüren: „Ich es wurde gebetet, „und die neu im Glau-
brachte es nicht fertig, ben Stehenden begriffen so allmählich, was
auch nur zwei Sätze zu Anbeten heißt und welchen Sinn es hat
beten“19. – schlicht und aufrichtig brachten sie dem
Da auch die Missions- Herrn die Liebe ihrer Herzen dar“.
station zerstört war,
nutzten sie die Zeit zu Jim Elliot sah seine Missionarstätigkeit
einer Erkundungsfahrt nicht als dauerhaft an, sondern begann
in südlichere Gegenden, früh, einheimische Brüder zu lehren, damit
wo man tatsächlich auf sie allmählich die geistliche Verantwortung
Seit 1987 können
eine große Familie stieß, übernehmen konnten.
diese Ketschua-
die um die Gründung ei-
Indios die Bibel in ner Schule bat. Jim und
ihrer Mutterspra- Elisabeth ließen sich dort
che lesen. als Pioniermissionare
nieder.
Wie gut, dass Jim in seiner Studienzeit viel
Gottes Wort gelesen hatte, denn jetzt im

„Gelder brauchen wir hier nicht,


wirklich nicht, auch keine
zusätzlichen Mitarbeiter. Wir
brauchen Kraft des Geistes und
seelische Stärke“.
Jim Elliot an seinen Bruder Bob
Der Große Auftrag: Die Aucas
Missionsalltag war es schwierig mit gründli- Im September 1955 berichteten die beiden
cher Bibellese: „Es kostet Mühe, sich freizu- Missionspiloten Ed McCully und Nate Saint
machen und Zeit herauszuschlagen, allein von einigen Aucahäusern, die nur wenige
schon zum Lesen“0. Flugminuten von Arajuno, dem Außen-
posten der Missionare, entfernt waren. Jim
Danach kehrten beide nach Shandia zu- sah die Erfüllung seiner intensiven Gebete
rück, das mit vereinten Kräften (so half näher kommen: „Und das führt mich zu
auch Jims Vater mit) wieder aufgebaut der anderen Frage, die ich so oft vor dich
wurde. Der Herr segnete die Arbeit dort, es gebracht habe: die Aucas. O Herr, wer ist
19 ebenda, S. 107 dieser Aufgabe gewachsen?“ „Mich von
0 ebenda, S. 114 neuem dargeboten für die Arbeit bei den
1 ebenda, S. 116
 ebenda, S. 118
Aucas“3.
3 ebenda, S. 88 Von einer geflüchteten Aucafrau lernten sie

3
Jim Elliot – Märtyrer und Vorbild

einige einfache Sätze, und dann begannen er nicht zurückkehrt. ‚Wenn Gott es will,
die Männer, die Auca-Siedlung zu überflie- Liebste’, sagte Jim, ‚ich bin bereit, für die
gen und dabei Geschenke abzuwerfen und Aucas zu sterben’“. „Seinen Auftrag wollen
ihnen einige Worte zuzurufen. So kamen wir ausführen, indem wir das Evangelium
erste Kontakte zustande. Jim war in großer zu diesen Menschen bringen. Sie haben
Erregung. Seine Frau erinnert sich: „Wenn in ihrer Sprache nicht einmal ein Wort für
er mit Nate (Saint) von einem Aucaflug Gott.“6 Sie verlebten noch den Neujahrs-
zurückkam, war er so erregt, dass er kaum tag gemeinsam und verabschiedeten sich
etwas essen konnte – ich glaube, ich hätte am . Januar: „Als er die Hand auf die
ihm Heu vorsetzen können, er hätte nicht Klinke legte, hätte ich beinahe laut gesagt:
darauf geachtet“4. ‚Weißt du, dass du diese Tür vielleicht nie
wieder aufmachen wirst?’“7
„Seinen Auftrag wollen wir ausführen, Am . Januar landeten die fünf Missiona-
indem wir das Evangelium zu diesen re Jim Elliot, Nate Saint, Roger Youderian,
Ed McCully und Peter Fleming in „Palm
Menschen bringen. Sie haben in
Beach“, Jim watete durchs Wasser zwei
ihrer Sprache nicht einmal ein Wort wartenden Frauen und einem Mann der
für Gott.“ Aucas entgegen – und nahm einen Auca
an der Hand. Das Treffen verlief friedlich,
Elisabeth sah das Unternehmen nicht ohne so dass die fünf entschieden, sich einige
Sorge und fragte zweifelnd, ob es Gottes Tage später nochmals dort einzufinden. Am
Plan sei, sie schon so bald von der Arbeit Sonntag, den 8. Januar 1956 stiegen sie
unter den Ketschua-Indianern zu den Au- zum Flug auf, sahen, wie sich ca. 10 Aucas
cas zu senden. Doch Jim wollte, dass aus dem Ufer näherten, und landeten wieder
„jedem Stamm und Sprache und Nation“ an dem Sandufer. Doch in dem Aucadorf
Menschen zum Glauben kämen. Er sah hatte der Dorfälteste nach der Heimkehr
sich jetzt gerufen, und so konnte auch Eli- der drei ersten Aucas eine weit reichende
sabeth ihrem Mann freudigen Herzens pla- Entscheidung getroffen: Die Fremden sei-
nen helfen. en – wie alle Fremden in
Am 7.11.1955 flogen sie der Vergangenheit – zu
zum zweiten Mal zu den töten. Er und vier weitere
Aucas und erlebten, wie ein junge Männer traten aus
Mann aus diesem feindlich dem Busch und töteten
eingestellten Stamm ihnen alle fünf Missionare, de-
zuwinkte. Jim betete: „O ren Leichen man später
Herr, sende mich bald zu Indianer
im Fluss fand. Obwohl
den Aucas“5. Einige Zeit diese alle Schusswaffen
später entdeckte Nate Saint ein Sandufer bei sich führten, hatten sie nur Warnschüs-
an dem Curaray, dem Fluss in der Nähe se abgegeben – sie hatten sich gegenseitig
der Siedlung, wo sie landen konnten. Ob verpflichtet, die Waffen nicht gegen Men-
jetzt der lang ersehnte Traum Wirklichkeit schen zu verwenden.
wurde?
Alle beteiligten Missionare und deren Märtyrerblut – Samen der Kirche
Frauen wussten um die Möglichkeit, dass
Schlimmes geschehen könnte: „Wir began- Das Leben der fünf Missionare fand ein jä-
nen, von der Möglichkeit zu sprechen, dass hes Ende. Doch damit hatte Gottes Wirken
noch keineswegs aufgehört. Im Gegenteil,
24 ebenda, S. 17 gerade die Tatsache, dass Jim Elliot und
5 ebenda, S. 13 seine Freunde sich ohne Gegenwehr töten
6 ebenda, S. 134,135
7 ebenda, S. 137
ließen, überzeugte die Aucas von ihren
Folge mir nach
33
Jim Elliot – Märtyrer und Vorbild

friedlichen Absichten. So konnte Elisa- dem Teil des Reiches Gottes, in den Er uns
beth Elliot zusammen mit ihrer Tochter und gesetzt hat, um Frucht für Ihn zu bringen.
mit Rachel Saint, der Schwester von Nate
Saint, 1958 ungefähr ein Jahr in dem Dorf Martin Schäfer
der Mörder der fünf Männer leben und die
Auca-Sprache erforschen. Später segnete Buchempfehlungen (Themenschwer-
der Herr diesen Einsatz – alle fünf Mörder, punkt in Klammern)
Dyuwi, Kimo, Dawa, Gikita und Mincaye,
bekehrten sich. Elisabeth Elliot, Im Schat-
ten des Allmächtigen – das
Neun Jahre später Tagebuch Jim Elliots, CLV,
konnte das Mar- 283 S., € 4,90 (Biogra-
kus-Evangelium phie Jim Elliots, mit vielen
in der Sprache der Zitaten aus seinen Tagebü-
Huaorani heraus- chern)
gegeben werden.
Kimo, der ehema-
lige Mörder, be- Elisabeth Elliot, Durchs Tor
tete: „Gott, Vater, der Herrlichkeit, Aussaat
Du lebst. Dies ist 1995, 204 S., € 3,95 (Be-
Dein Tag, und wir schreibung der letzten Wo-
Bewaffneter Ketschua
alle sind gekom- chen im Leben der 5 Auca-
Indianer
men, um Dich an- Missionare)
zubeten.“28

„Gott nahm fünf gewöhnliche junge Men- Elisabeth Elliot, Die Mörder
schen von außergewöhnlicher Hingabe meine Freunde – meine
und benutzte sie zu seiner eigenen Verherr- Zeit bei den Aucas, CLV,
lichung. Sie hatten nie das Vorrecht be- 160 S., € 7,50
kommen, dem sie so enthusiastisch nach-
strebten, nämlich den Huaorani von dem
Gott zu erzählen, den sie liebten und dem
sie dienten. Aber auf jeden Huaorani, der
heute durch die Bemühungen anderer auf
Gottes Weg kommt, kommen tausend Wei-
ße, die Gott aufgrund ihres Beispiels treu- D.&N. Jackson, Unter-
er folgen. Den Erfolg, der ihnen im Leben nehmen Auca, CLV, 160 S.,
versagt wurde, hat Gott vervielfacht und € 3,50 (über Nate Saint,
wird ihn vervielfachen zum Gedächtnis ih- Jugendbuch)
res Gehorsams und ihrer Treue“29

Das Glaubensleben von Jim Elliot – und


das seiner Freunde – sollte auf jeden von
uns nicht ohne Eindruck bleiben. Auch 50 Alle Bücher können beim
Jahre nach seinem Tod appelliert er an uns, CSV-Verlag bestellt werden.
unsere „Leiber Gott darzustellen als ein Darüber hinaus weisen wir auf den Artikel
heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer“ von Torsten Enseroth über Jim Elliot hin,
(Röm 12,1) – im täglichen Leben und in der im Heft 8/99 veröffentlicht wurde.

28 www.plymouthbrethren.org
29 Steve Saint (Sohn von Nate Saint) in Christianity Today. Com, 1996

34
Die einzige Chance

Die einzige Chance


Es ist kein Gott Der Tor spricht in seinem Herzen:
Es ist kein Gott! Psalm 14, 1
„Lass uns wetten, ob es Gott gibt oder nicht“, forderte eines
Tages ein Freund Blaise Pascal (163–166) auf. Der berühmte
Mathematiker ging darauf ein. „Was bekomme ich, wenn ich die
Wette gewinne“, wollte der Freund daraufhin wissen. „Nichts!“,
erwiderte Pascal. „Du magst dann zwar Recht haben, aber
du hast trotzdem verloren. Und ich auch. Denn wenn es Gott
Der Tor spricht in seinem Herzen:

nicht gibt, ist das Leben sinnlos und leer.“ „Und wie sieht dein
Gewinn aus, wenn du Recht hast?“ „Dann haben wir beide
gewonnen“, antwortete Pascal voller Freude.

Diese Schlussfolgerung leuchtete dem Freund zwar ein, aber


die Frage nach der Existenz Gottes war für ihn damit noch
nicht geklärt. „Stimmt!“, gab Pascal unumwunden zu. „Aber es
macht deutlich, dass du dich entscheiden musst und dass deine
Entscheidung für dein Leben Folgen hat. Du musst zwischen
zwei Antworten wählen, die mathematisch gesehen mit gleicher
Wahrscheinlichkeit richtig sind. Die eine Antwort hat gute Fol-
gen, die andere schreckliche.“ Nachdenklich blickte der Mathe-
matiker seinen Freund an, bevor er die ernste Frage stellte: „Wie
kannst du da noch zögern, die richtige Antwort zu wählen?“
„Und wenn ich mich irre?“, versuchte der Freund einen letzten
Einwand. „Macht nichts“, versetzte Pascal, „dann bist du einer
schönen Illusion gefolgt. Doch im gegenteiligen Fall wählst Du
ohne „wenn und aber“ das Nichts. Und das Nichts macht mit
Sicherheit nicht glücklich.“ „Dann muss ich also an Gott glau-
ben?“, fragte der Freund immer noch widerstrebend. „Du musst
nicht an Gott glauben“, antwortete Pascal. „Aber es ist deine
einzige Chance!“

Wir können Gott und seine Existenz nicht wissenschaftlich-


logisch beweisen, obwohl sowohl die Schöpfung als auch die
Auferstehung des Herrn Jesus überdeutlich Gott erkennbar
machen. Deshalb ist Glauben auch kein Sprung ins Dunkle,
sondern ein Sich-zu-eigen-machen der glaubwürdigen Botschaft
Gottes. Aber wir wissen wohl, dass wir uns hier auf dieser Erde
für oder gegen Gott entscheiden müssen. Eine Entscheidung
mit weit reichenden Folgen.
Himmel oder Hölle! Und wie hast Du Dich entschieden?
Stefan Busch
Folge mir nach
35
Die Anatomie eines Missionars

Brille: das Wort Auge: geschärft, um das Gute


Gottes schärft den und die Gefahr zu sehen.
Blick.
Kopf: den Verstand nicht
ausschalten – aber Christus
unterordnen.

Hände: ständig im Einsatz Ohren: bestens geschult


für Christus und die zum Zuhören.
Menschen.
Mund: Worte des
Lebens und der Güte
werden gesprochen.
Schultern: breit genug,
um Verantwortung zu
Kinn: nicht Eigenwille und übernehmen und Lasten
Durchsetzungsfähigkeit, zu tragen.
sondern Unterordnung
unter Gott.
Herz: voller Liebe
und Mitleid.

Beine: kräftig genug,


um jeden Weg, den
der Herr zeigt, zu
gehen.

Knie: oft gebeugt


zum Gebet.

Füße: hinterlassen
Fußspuren (des
Friedens), in denen
andere nachfolgen.

36

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