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Warum
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Der P

3/2006
Folge mir nach
1
Inhalt/Impressum

Inhalt
Aus aktuellem Anlass:
Bloß weg? ................................................................................................... 4
Warum ich glaube . ...................................................................................... 7
Bibel praktisch:
Heute schon gewundert? ............................................................................. 9
Sonne, Mond und Regenbogen.................................................................. 12
Bibel-Lexikon:
Altar . ......................................................................................................... 17
Zum Nachdenken:
Pinnwand................................................................................................... 18
Bibelstudium:
Der Prediger (Teil I)..................................................................................... 20
Fenster zum Prediger (Teil I)........................................................................ 23
Post von euch:
Kleidung .................................................................................................... 26
Jesus Christus:
Alles an Ihm ist lieblich . ............................................................................. 28
Bibel praktisch:
Kamel, Schwein oder Schaf? . .................................................................... 31
Sind Schafe wirklich dumm?....................................................................... 34
Gute Botschaft:
Pardonné – Vergeben . ............................................................................... 36

Impressum
Herausgeber: Anschrift der Redaktion:
Christliche Schriftenverbreitung Rainer Brockhaus · Kormoranweg 18 · 46487 Wesel
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Folge mir nach erscheint sechswöchentlich; Abo-Preis 13,– Bildnachweis und Bildrechte:
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ments und Änderungen im Abonnement bitte an den Herausge- © PixelQuelle.de: 4, 16, 28, 35
ber. Bibelübersetzung: Elberfelder Übersetzung Version 2003


Das persönliche Grußwort

B ibelstunde und Elternabend

In einigen Tagen soll in der örtlichen Bibelstunde 1. Petrus 3,18 ff. besprochen
werden, ein recht schwieriger Text, der schon zu manchen Missverständnis-
sen geführt hat. Deshalb gilt es, sich mit dem Text genau zu beschäftigen
und zu erkennen, was der wirkliche Sinn der Stelle ist. Im Moment kann
ich diese Aussagen zwar in meinem Alltag kaum konkret anwenden, aber
ganz allgemeine, objektive Kenntnis des Wortes Gottes wird mir früher oder
später immer von Nutzen sein.

Morgen Abend findet ein Elternabend anlässlich des anstehenden Sexual-


kundeunterrichts in der Klasse unserer Tochter statt. Hier „brauchen“ wir
plötzlich Gottes Wort in einer ganz konkreten, subjektiven, nämlich uns per-
sönlich betreffenden Situation als Hilfestellung für die brisante Thematik.
Gottes Schöpfungsordnung und seine unveränderlichen Gedanken zu Liebe
und Ehe müssen die Basis für die Lagebeurteilung sein – und für ein even-
tuell angebrachtes Wort „in Gnade, mit Salz gewürzt“ (Kol 4,6). Die Praxis
für diese Situation darf und muss sich also auf die Lehre des Wortes Gottes
stützen. Dazu müssen wir sie aber kennen ... Auch die aktuelle Ausgabe von
„Folge mir nach“ möchte in beiden Richtungen Hilfestellung leisten.
Einerseits: Wer hat schon einmal den Prediger gelesen und ist gleich aus
allem schlau geworden? Die neue Reihe über dieses Buch der Bibel bietet
einen Leitfaden zum Verständnis, ganz allgemein und objektiv – aber wer
weiß, ob da nicht auch ganz konkrete Situationen unseres Lebens plötzlich
beleuchtet werden (S. 20)?

Andererseits: Die materialistische, diesseitsbezogene Denkhaltung in Schule


und Universität kann einem manchmal ganz schön zu schaffen machen. Da
kann ein Kurzbrief argumentative Hilfe für konkrete Situationen geben (S.
7). Und sollte jemanden unter den Leserinnen das Dauerthema „Outfit und
Kleidung“ nicht konkret interessieren (S. 26)?

Allen Leserinnen und Lesern wünschen wir in diesem Sinn eine segensrei-
che Lektüre (Ferien und Feiertage eignen sich ja ideal zum Auftanken ...).

Folge mir nach



Bloß weg?

D er junge Mann knallte die Haustür des Elternhauses betont kräftig zu,
als wollte er seinen Worten an seinen Vater noch einmal besonderen Ausdruck
verleihen. Nein, so ging es wirklich nicht mehr weiter. Ab jetzt würde er allein
entscheiden und sich nicht mehr von den Eltern reinreden lassen, was aus
seinem Leben werden sollte.

Er hatte den Vater lange gedrängt, ihm schon zu Lebzeiten sein Erbe auszuzah-
len. Nach langem Zögern hatte der Vater ihm dann das ersehnte Geld vor einigen
Tagen endlich gegeben. Daraufhin hatte er die Katze aus dem Sack gelassen und
den Vater über sein Vorhaben aufgeklärt: Er würde das Elternhaus verlassen und
sein eigenes Leben leben. Bloß weg!!

Du auch? sogar Regeln für ihre Kinder auf, die über


die Gebote des Wortes Gottes hinausgehen
Weißt du, es gibt vielleicht manche Jugend- und „schärfer“ sind, als Gott es wirklich
liche, die ihrem Elternhaus liebend gerne gesagt hat. Und tatsächlich: Keine Eltern
sofort den Rücken kehren würden. Nein, sind ohne Fehler.
nicht dass sie es tatsächlich auch sogleich
täten, denn normalerweise fehlt das Geld
dazu, und die Eltern lassen sich in der Gehorchen und ehren
Regel nicht so leicht überreden, ein Erbe
vor der Zeit auszuzahlen wie der Vater in Dennoch gilt Epheser 6,1–3: Ihr Kinder,
Lukas 15. Aber hast du so vielleicht auch gehorcht euren Eltern im Herrn, denn das
schon einmal gewünscht, endlich aus der ist recht. „Ehre deinen Vater und deine
„Enge“ des Elternhauses herauszukom- Mutter“, welches das erste Gebot mit Ver-
men? Dass doch endlich die ständigen Pre- heißung ist, „damit es dir wohl ergehe und
digten der Eltern aufhören würden und du du lange lebest auf der Erde“ (vgl. 2. Mo
deine Ruhe haben könntest!? Vielleicht war 20,12; 5. Mo 5,16). Diese Verse haben
das auch der Auslöser zur „Flucht“ bei dem zwei Teile, die es in sich haben ...
jungen Mann aus Lukas 15.

Dabei kann es durchaus sein, dass gläu- 1. Gehorchen


bige Eltern es ihren jugendlichen Kindern
wirklich schwer machen, indem sie wenig Zunächst sagt der Heilige Geist durch
Verständnis für sie und ihre Probleme Paulus, dass die Kinder den Eltern gehor-
aufbringen, sie sogar oft noch wie kleine chen sollen, weil das „recht“, das heißt
Kinder behandeln, ihr ganzes Leben mit richtig, ist. So entspricht es den Gedanken
Vorschriften überschütten und jede Klei- Gottes, der Ordnung in seiner Schöpfung.
nigkeit reglementieren. Vielleicht stellen sie In Kolosser 3,20 drückt Paulus es ähnlich


Bloß weg?

aus: „Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern in oder Verbot bezieht, dann geht das Ehren
allem, denn dies ist wohlgefällig im Herrn.“ der Eltern viel weiter. Der Gehorsam den
Dass das Gehorchen „recht“ und „wohlge- Eltern gegenüber bezieht sich auf die Zeit
fällig“ ist, zeigt, dass es dem Herrn Jesus der Erziehung im Elternhaus, aber das
gefällt, wenn Kinder gehorchen. Er möchte Ehren der Eltern geht sogar über deren Tod
nicht, dass sie gehorchen, um einer Strafe hinaus!
der Eltern zu entgehen, sondern weil sie
wissen, dass es Ihm gefällt. Natürlich haben Eltern auch ihre eigene
Verantwortung, wie sie sich weise gegen-
Gehorchen bedeutet ganz allgemein, auf über ihren Kindern verhalten und mit der
das zu hören und das zu beachten, was ihnen von Gott gegebenen Autorität umge-
andere, in diesem Fall die Eltern, sagen. hen. Aber das steht auf einem anderen
Vielleicht hilft dir das, diese unmoderne Blatt.
Vokabel nicht einfach in die Kleinkinder-
zeit zu verbannen, denn deine Eltern sind
dir auch weit darüber hinaus gottgewoll- Und wenn es schwierig wird?
ter Maßstab für dein Leben – in Wort und
Tat. Die Belehrung von Epheser 6,1–3 gilt nicht
nur für Kinder von Eltern, mit denen man
Nur nebenbei: Dass Kinder ihren Eltern immer gut auskommt. Nochmals – unter
ungehorsam sind, ist leider auch eines der Umständen können es Eltern ihren Kin-
Zeichen der letzten Tage der Christenheit dern nicht leicht machen zu gehorchen
(vgl. . Tim 3,). Lass dir das als Ansporn und die Eltern zu ehren. Aber auch wenn
dienen, gegen den Strom zu schwimmen! deine Eltern ständig und – wie du vielleicht
meinst – kleinlich auf irgendwelchen altmo-
Gottes Wort gibt allerdings auch noch dischen Vorschriften bestehen (übrigens,
eine Einschränkung für den Gehorsam. nur damit wir uns richtig verstehen: Gebote
Sowohl Epheser 6,1 als auch Kolosser 3,0 aus Gottes Wort sind nie „altmodisch“!),
beschränken den Gehorsam auf einen hat dieser Vers
Gehorsam „im Herrn“. Dieses „im Herrn“
bedeutet, dass das Gebot des Gehorsams
Gültigkeit. Viel-
leicht erhält
Verirrungen,
nicht gilt, wenn Gottes Wort ausdrücklich
etwas anderes sagt. Die bekannte Stelle
gerade dann die
Verheißung, die wer sieht
aus Apostelgeschichte 5,9 sagt: „Man
muss Gott mehr gehorchen als Menschen.“
Gott hier gibt,
eine besondere sie ein? Von
Dieser Satz darf allerdings nicht zu einer
Rechtfertigung für x-beliebigen Ungehor-
Bedeutung.
Denn manche verborgenen
sam werden! Kinder haben
sich ihren ElternSünden rei-
auch unter-
2. Ehren geordnet, als nige mich!
diese sich ihnen
Gott sagt im zweiten Teil von Epheser 6,1–3 gegenüber nicht Psalm 19,13
dann aber auch, dass man Vater und Mutter gut verhalten
ehren soll. Dieser zweite Teil wird sogar als haben – und mit welchem Segen! Denn
ein „Gebot“ bezeichnet. Und dieses Gebot im Beobachten von Gottes Anweisungen
gilt über die eigentliche Kindheit hinaus liegt großer Lohn (vgl. Ps 19,1; Jer 35,18-
letztlich ein Leben lang. Wenn das Gehor- 19). Auf der anderen Seite haben sich auch
chen sich eher auf ein bestimmtes Gebot manche Kinder den elterlichen Geboten
Folge mir nach
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Bloß weg?

standhaft widersetzt und bereuen es heute zeugt, dass Gott uns diese Geschichte aus
bitter. Dabei müssen sie nicht einmal so weit der Kindheit des Herrn auch mitgeteilt hat,
gegangen sein, dass sie – wie der Sohn in um Kindern und Jugendlichen ein Vorbild
Lukas 15 – das Elternhaus verlassen haben für das richtige Verhalten gegenüber den
und in die Welt gegangen sind. Es können Eltern zu geben. Denn ein Gebot ist schön
zum Beispiel auch schlechte Kontakte oder und gut, aber wie füllt es sich erst einmal
falscher Umgang mit Medien gewesen sein, mit Leben, wenn man ein vollkommenes
die zu einem langen Weg ohne den Herrn Beispiel hat – und dieses Beispiel ist kein
Jesus führten und vielleicht sogar zu einem geringeres als das Vorbild des Herrn Jesus
ungläubigen Ehepartner ... selbst.

Er war als Mensch – auch als Kind und


An die eigene Nase packen Jugendlicher – vollkommen. Vollkommen
heißt, dass Er ohne Sünde war und nichts
Liegt das Problem wirklich nur bei den als nur den Willen Gottes getan hat. Dieser
Eltern? Sicher, sie machen Fehler, verbie- Wille beinhaltete, sich seinen irdischen
ten vielleicht mehr als nötig, es kann sogar Eltern unterzuordnen. Seine Eltern aber
sein, dass sie noch nicht einmal selbst alles waren nicht vollkommen – wie alle Eltern.
tun, was sie predigen. Aber: Liegt das Pro- Sie waren sündige Menschen. Und den-
blem, das du mit ihnen hast, nicht viel noch – Er hat sich diesen unvollkommenen
tiefer? Oder die Gründe, die dich schon Eltern untergeordnet.
einmal dazu veranlasst haben, dich vom
Elternhaus fortzuwünschen? Wie steht es
denn mit deinem Glaubensleben? Mit dem Lektion für uns – versprochener
Gebetsleben? Mit der Freude am Bibelle- Segen!
sen, am Herrn Jesus? Hast du vielleicht ein-
fach „keinen Bock“ mehr auf das „fromme Eigentlich könnten wir hiermit schon auf-
Getue“ und die Zusammenkünfte, und hören. Denn ein Blick auf den Herrn Jesus
deswegen auch kein Ohr mehr für das, was macht alles klar, und uns wird ganz deutlich,
die Eltern sagen? wie wir uns nach seinem Wunsch verhalten
sollen. Auch gegenüber den Eltern.

Das vollkommene Beispiel Obwohl wir ja mit der Fragerei aufhören


wollten, ist vielleicht doch noch eine Frage
Doch hören wir an dieser Stelle besser mit erlaubt: Liebst du den Herrn Jesus? In
der Fragerei auf und schauen einfach, was Johannes 14,21 sagt der Herr Jesus: „Wer
wir von dem Herrn Jesus lernen können. meine Gebote hat und sie hält, der ist es,
Denn wie immer ist es am besten und lehr- der mich liebt“... In Epheser 6,1 ist ja direkt
reichsten, wenn man auf Ihn schaut und von einem Gebot die Rede. Der Herr Jesus
von Ihm lernt – auch als Jugendliche. selbst wird uns die Kraft geben, dieses
Gebot zu erfüllen. Wir müssen nur wollen
Gottes Wort schweigt bis auf einen kurzen und am besten gleich damit anfangen.
Bericht in Lukas 2,41–52 über das Leben Erstens wird es Freude machen, und zwei-
des Herrn Jesus als Kind oder Jugendli- tens wird der Herr Jesus es segnen – ganz
cher. Aber gerade diese einzige Erwähnung bestimmt, denn Er hat es versprochen.
der Kindheit und Jugend des Herrn zeigt
ganz deutlich, dass Er seinen Eltern unter- Henning Brockhaus
geordnet war – obwohl er der Sohn Gottes
und ihr Schöpfer war! Ich bin davon über-


Warum ich glaube

Kinderglaube, oder glauben wie wussten Willensentschluss fassen, „Ja“ zu


ein Kind?1 Gott und zu Gottes Wort zu sagen.

Als Kind erzählten mir meine Eltern Ge-


schichten vom Herrn Jesus, der die Kinder Glauben – woran denn?
liebt. Ich glaubte sie. Warum? Einfach, weil
ich meinen Eltern glaubte. In der Schule Der Christ glaubt nicht an etwas, sondern
kamen andere Stimmen hinzu, aber sie an jemanden. Der Christ glaubt an Gott,
übertönten das Gelernte nicht. Ich glaubte und zwar an den Herrn Jesus Christus. Es
Gott – auch wenn das nicht immer einfach gibt keinen anderen Mittler zwischen Gott
war oder gelang. In der Oberstufe dann die und den Menschen (1. Timotheusbrief,
für mich größte Herausforderung: Wo fin- Kapitel , Vers 5). Was mir als Kind keine
det mein Glaube Platz zwischen Barth und Probleme bereitete, war und ist für mich
Bultmann, Sölle und Küng? Welcher auf- immer wieder eine Herausforderung: den
geklärte Mensch kann sich noch erlauben Absolutheitsanspruch des Herrn Jesus an-
zu glauben? Der zuerst erlernte und dann zuerkennen.
angeeignete Glaube wurde – Gott sei Dank
– zur eigenen Überzeugung. Die Geschich-
ten aus der Bibel glaube ich heute noch. Glauben – wie geht das?
Der Herr Jesus liebt nicht nur die Kinder,
er liebt jeden Menschen – wenn er wie ein Gott setzt die Maßstäbe. Als Kind merkte
Kind wird und ihm einfach glaubt (Matthä- ich, dass mein Leben nicht zu Gott passte,
us-Evangelium, Kapitel 18, Vers 3). weil da Sünde war. Zum Glück wusste ich
auch, dass Gottes Sohn, Jesus Christus,
gestorben ist, um Sünden vergeben zu
Glauben – was ist das überhaupt? können. Ich bekannte ihm meine Sün-
den, bat ihn um Vergebung und erkannte
Glaube ist Überzeugung. Überzeugtsein ihn als Herrn an. Dann, in der Oberstufe,
von etwas Unsichtbarem. Wer glaubt, der war es eine mühsame, aber letztlich klare
weiß, dass er Gott kennt. Als Kind fiel mir Erkenntnis, dass Gott das Maß aller Din-
das nicht schwer; später musste ich den be- ge ist. Ein selbstgemachtes Gottesbild, ein

1
Erschienen am 10.12.2005 in der Westfalenpost Regionalteil Kreis Soest, Rubrik „Warum ich glaube“.

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Warum ich glaube

selbstdefinierter Glaube müssen verhäng- ne hat die Wahl: Leben mit Gott (jetzt und
nisvoll daneben gehen. Gott hat das letzte im Himmel) oder Leben ohne Gott (jetzt
Wort (Offenbarung, Kapitel 0, Vers 11 ff.). und in der Hölle).
Was ich als Kind glaubte, hatte auch noch
Bestand, als ich Gottes Wort mit Verstand
befragte. Glauben – und Sie?

Glaube ist nicht nur für Kinder. Ein


Glauben – warum also? bewusster Willensentschluss mit Herz und
Verstand ist Gott wertvoll. Er verlangt nur
Drei Antworten: Ohne Glauben – diesen Glauben. Glauben, der dadurch betätigt
Glauben nach der Bibel – kann man Gott wird, dass der Mensch – Kind oder Er-
nicht gefallen (Hebräerbrief, Kapitel 11, wachsener – sich dem Herrn Jesus unter-
Vers 6). Ohne Glauben werden Sünden ordnet und um Vergebung seiner Sünden
nicht vergeben (Apostelgeschichte, Kapitel bittet. Dann nimmt Gott Sie auf wie ein
10, Vers 43). Schließlich: So sehr hat Gott Kind. Weil er Sie liebt. Zu Ihrem Glück.
die Welt geliebt, dass er seinen eingebo-
renen Sohn gab, damit jeder, der an ihn
glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Thorsten Attendorn
Leben habe (Johannes-Evangelium, Kapi-
tel 3, Vers 16). Jedes Kind, jeder Erwachse-

Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er


seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder,
der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern
ewiges Leben habe.
Johannes 3,16

Ohne Glauben aber ist es unmöglich, ihm


wohlzugefallen; denn wer Gott naht, muss
glauben, dass er ist und denen, die ihn suchen,
ein Belohner ist.
Hebräer 11,6
Diesem geben alle Propheten Zeugnis,
dass jeder, der an ihn glaubt, Vergebung
der Sünden empfängt durch seinen Namen.
Apostelgeschichte 10,43

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Heute schon
gewundert?

H eute schon gewundert? Ich kann mir


dein etwas verdutztes Gesicht gut vorstellen.
Ja, du hast richtig gehört. Die Frage lautet:
Heute schon gewundert? Vielleicht muss ich
sie doch etwas genauer stellen. Ich frage dich:
Hast du dich heute schon darüber gewundert, was Gott dir alles geschenkt hat? Dabei
denke ich nicht an das neue Fahrrad, die Funkuhr oder die schicke Jacke. Ohne Zweifel
alles Dinge, die Gott uns geschenkt hat und für die wir Ihm dankbar sein sollten. Nein,
Gottes Wundertaten und Wundergaben sind besser und nachhaltiger als Konsumgüter ...

1. Wunderbare Werke (Ps 139,14) sichtbare Zeichen des Bundes, den Gott
einst mit Noah einging (vgl. 1. Mo 9,8–17).
Hast du schon einmal über die wunder- Ist der Regenbogen nicht der deutlichste
baren und vielfältigen Schöpfungswerke Beweis dafür, dass Gott die Schöpfung trotz
Gottes nachgedacht? Sie sind wirklich zu der Unmoral und Gewalttat des Menschen
zahlreich, um sie alle aufzuzählen (vgl. Ps in seiner Gnade aufrecht erhält? In der Tat
40,6). Doch man muss nicht nach großen ein Wunderwerk Gottes!
und eindrucksvollen Dingen Ausschau hal-
ten, auch wenn Gott uns seine Größe von Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Doch
Zeit zu Zeit in besonderer Weise vor Augen eines steht fest. Es lohnt sich noch immer,
führt. Nein, es sind gerade die kleinen und mit offenen Augen durch die (Schöpfungs-)
unscheinbaren Wunderwerke der Natur vor Welt zu gehen und Gott darin zu bewun-
deiner Haustür, die dich wieder vermehrt ins dern. Probiere es doch selbst einmal aus!
Staunen versetzen sollen.
In Psalm 139 wird David dahin geführt,
Ist es nicht faszinierend, den Gott zu preisen, als er darüber
Wechsel der Jahreszeiten in der nachdenkt, auf welch erstaunli-
Natur mitzuverfolgen? Oder ist che, ausgezeichnete Weise Gott
nicht das komplexe Zusammen- ihn selbst gemacht hat (V.14).
spiel der Gestirne einzigartig, Es wird ihm bewusst, dass Gott
dessen Auswirkung am Sternen- jedes Organ seines Körpers auf
himmel bei klarer Nacht zu be- wunderbare Weise gebildet hat.
obachten ist? Sie alle bewegen Nichts blieb dabei dem Zufall
sich auf festgelegten Bahnen, überlassen. Gott hat ihn ganz
ohne außer Kontrolle zu geraten nach seinem Willen „entwor-
– von unsichtbarer Hand gesteu- fen“. Und das gilt nicht nur für
ert. Sicherlich hast du schon ei- David. Es ist wahr von jedem
nen Regenbogen gesehen – das Menschen, auch von dir.
Folge mir nach
9
2. Wunderbares Handeln niederschrieben, in die Feder eingab. Hast
(Ri 13,19; Jes 29,14) du schon einmal über die Harmonie und
Ausgewogenheit der göttlichen Wahrheit
Nicht nur die Werke Gottes, auch sein Tun nachgedacht? Wenn wir auch manchmal
ist wunderbar – sei es in Bezug auf einzelne Widersprüche zu entdecken meinen, so sind
Menschen, sei es in Bezug auf ganze Völker sie nur auf unser begrenztes Verständnis zu-
oder sei es in Bezug auf die Zukunft dieser rückzuführen. Gottes Wort widerspricht sich
Erde. Stets ist es zu seiner Verherrlichung. nie. Was auf den ersten Blick wie ein Wi-
Hast du darüber schon einmal nachge- derspruch aussieht, spiegelt beim genaueren
dacht? Denk nur an die Wege, die Er mit Hinsehen die göttliche Harmonie des Wor-
seinem irdischen Volk Israel ging und noch tes Gottes wider.
gehen wird! Oder an die herrliche Zukunft
der Versammlung (Gemeinde, Kirche) Got- Die Zeugnisse Gottes ergeben ein wun-
tes! Doch was immer Er mit uns Menschen derbares Bild gesunder Worte (vgl. . Tim
oder mit dieser Erde tut, es 1,13), die eine Person zum
gründet sich auf das, was Er
mit seinem geliebten Sohn Ist für den Zentralthema haben: die
Person unseres Herrn Jesus
am Kreuz tat. Dort musste Christus. Er ist es, von dem
der Gerechte für uns, die
Ungerechten, leiden (vgl.
HERRN eine die Schriften zeugen (vgl.
Joh 5,39). Er ist das ewige

Sache zu
1. Pet 3,18). Dort musste Wort, durch das sich Gott
Er, der Sünde nicht kannte, auf vollkommene Weise
für uns zur Sünde gemacht ausgedrückt hat (vgl. Joh
werden (vgl. . Kor. 5,1).
Gerade dort handelte Gott
auf wunderbare Weise.
wunderbar? 1,1–3.14). Es lohnt sich, Ihm
und seiner Herrlichkeit in
seinem Wort nachzuspüren!
1. Mose 18,14 Gerade das Alte Testament
zeugt mit seinen Bildern
Bist du dir bewusst, dass
Gott auch für dein Leben wie Stiftshütte, Opfer oder
einen Plan hat? Einen Weg, den Er nur mit auch Personen in besonderer Weise von
dir geht? Auch dein Leben soll ja zu seiner Ihm. Wenn wir uns (aufs Neue) mit Ihm in
Ehre und zu deinem Segen sein, auch wenn seinem Wort beschäftigen, werden wir mit
es für dich manchmal gar nicht so aussieht. Sicherheit über die wunderbaren Zeugnisse
Doch wenn du Ihm die Führung überlässt, Gottes staunen!
wird Er auch in deinem Leben wunderbar
handeln. 4. Wunderbarer Rat (Jes 28,29)

3. Wunderbare Zeugnisse Gott ist wunderbar in seinem Rat und groß


(Ps 119,129) an Verstand. Er ist der vollkommene Berater
(vgl. Jes 9,5). Inmitten der Ratlosigkeit die-
Gott, der ein unzugängliches Licht bewohnt ser Welt gibt es einen, der stets guten Rat
(vgl. 1. Tim 6,16), hat sich in seinem Wort zu geben weiß: unser Gott. Wie viele bit-
auf wunderbare Weise offenbart. Er benutz- tere Erfahrungen könnte Er uns ersparen,
te dazu Menschen unterschiedlichen Alters, würden wir stets Rat bei Ihm einholen! Er
unterschiedlicher Herkunft und mit unter- wartet darauf. Er möchte, dass auch du Rat
schiedlichen Berufen. Doch das Gesamtbild, bei Ihm suchst, wenn du ratlos bist. In Jesa-
das sie zeichnen, kann harmonischer nicht ja 45,11 spricht Gott: „Über das Zukünftige
sein. (K)ein Wunder, war es doch der gött- fragt mich; meine Kinder und das Werk mei-
liche Schreiber, der ihnen die Worte, die sie ner Hände lasst mir anbefohlen sein!“ Wir

10
Heute schon gewundert?
wollen uns gegenseitig ermuntern, (wieder) 7. Wunderbare Person
vermehrt Rat bei Ihm zu suchen! Er wird uns (Mt 21,42; Mk 12,11)
nicht enttäuschen.
„Wunderbarer“ ist einer der Namen des
5. Wunderbare Kenntnis (Ps 139,6) Herrn Jesus (vgl. Ri 13,18; Jes 9,5). Die-
ser Name drückt das aus, was Er wirklich
David konnte es kaum fassen, dass Gott ist. Nicht nur seine Werke, sein Handeln
ihn durch und durch kannte und vertraut und sein Rat sind unfassbar, Er selbst, sei-
war mit seinen Gedanken, seinen Wegen ne Person, ist wunderbar. Und das nicht nur
und seinen Worten. Als David darüber in den Augen seines Volkes, das Er aus der
nachdachte, musste Er sagen: „Kenntnis, zu Finsternis in das wunderbare Licht Gottes
wunderbar für mich, zu hoch: Ich vermag sie geführt hat (vgl. 1. Pet 2,9), sondern auch
nicht zu erfassen!“ Ist es nicht eine wunder- und gerade in den Augen Gottes, der sich
bare Kenntnis, sich ganz und gar von Gott in Ihm vollkommen offenbart hat. Aus wel-
gekannt zu wissen, keine Geheimnisse vor chem Blickwinkel man Ihn auch betrachten
Ihm zu haben? mag, stets ist Er wunderbar. Ist Er das auch
in deinen Augen?
Doch schon allein das Vorrecht, Gott zu ken-
nen, ist unermesslich groß. Viele Menschen In den Evangelien lesen wir an manchen
suchen verzweifelt nach der „wahren Religi- Stellen, dass sich Menschen über Ihn ver-
on“, nach dem wahren Gott, doch sind sie wunderten. Sie hatten etwas Wunderbares
oft dermaßen in Irrlehren verstrickt, dass sie in seiner Person gesehen, oftmals ohne Ihn
sich aus eigener Kraft nicht mehr daraus be- jedoch im Glauben anzunehmen. Andere
freien können. Ist es nicht reine Gnade, dass dagegen glaubten an Ihn. Denken und lesen
Gott gerade dir und mir die Augen geöffnet wir doch einmal unter diesem Gesichtspunkt
hat, um Ihn zu erkennen? intensiv über Ihn nach!

6. Wunderbare Gütigkeiten (Ps 17,7)


Zusammenfassung
Unser Gott ist ein Gott, der es gut mit Seinen Wenn wir über all das Wunderbare nachden-
Kindern meint. Es ist allein seinen Gütigkei- ken, das Gott uns in seiner Gnade schenkt
ten zu verdanken, dass wir noch nicht aufge- oder schauen lässt, dann kommen wir zu
rieben sind (vgl. Klgl 3,22). zwei Schlüssen:

Wie oft ist seine bewahrende Gnade tätig für 1. dass für den Herrn keine Sache zu
uns! Oftmals eilt sie voraus und bewahrt uns wunderbar ist (vgl. 1. Mo 18,14),
vor Bösem oder Gefahren, die uns nicht ein-
mal bewusst sind. Und selbst wenn Er uns in 2. dass es für uns aber wohl Dinge gibt,
seiner Liebe manchmal Leid zufügen muss, die zu groß und zu wunderbar sind
gibt Er uns gleichzeitig die nötige Kraft, um und die wir nicht zu erfassen vermö-
es zu ertragen. Und es gehört auch zu seinen gen (vgl. Hiob 42,3; Ps 131,1).
Gütigkeiten, dass es den meisten von uns
äußerlich gut geht, dass wir in einem Land Möge der Herr uns die Augen öffnen für all
leben, in dem Ruhe und Ordnung herrscht die wunderbaren Dinge, damit wir das Stau-
und in dem das Evangelium frei verkündigt nen darüber nicht verlernen, sondern Ihn
werden kann. Der Herr will uns die Augen immer wieder neu dafür preisen und loben!
öffnen für all das Gute, das wir täglich aus
seiner Hand entgegennehmen, um Ihm be- Daniel Melui
wusster dafür zu danken!
Folge mir nach
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Sonne, Mond und
Regenbogen – Lektionen
aus dem „Buch“ der Schöpfung

L icht ist etwas Einzigartiges und Wichtiges in der Schöpfung.


Nichts geht ohne Licht. Zugleich eröffnet sich uns durch die Beschäf-
tigung mit dem Universum Gottes ein Blick auf die Größe unseres
Schöpfers. Die beiden Bücher Gottes, auf der einen Seite die
Schöpfung und auf der anderen Seite die Bibel, machen uns diese
Tatsachen ganz deutlich.

„Und Gott sah das Licht, dass es gut war. schen Erde und Sonne, kommt es zu einer
Und Gott schied das Licht von der Finster- Sonnenfinsternis, die je nach Stellung des
nis“ (1. Mo 1,4). Gerade 1. Mose 1 zeigt Mondes zu einer totalen oder zu einer par-
uns, dass es für uns als Gottes Leute dabei tiellen Sonnenfinsternis führt. Sie ist in der
um mehr geht als um astronomische Fach- Regel nur über einen Zeitraum von weni-
informationen. Deshalb sind diese Texte gen Minuten wahrnehmbar.
eigentlich Pflichtlektüre für jeden Christen.
Einen kleinen Beitrag zum Einstieg soll Sonnenfinsternis – der Kosmos
dieser Artikel bieten. fasziniert und lehrt

Licht – Quelle des Lebens • Bei einer totalen Sonnenfinsternis steht


der Mond genau zwischen Erde und
Licht ist zum einen die Voraussetzung für Sonne, so dass die Sonne aus Sicht der
viele biologische Vorgänge. Licht dient Erde für einen kurzen Augenblick völlig
aber zum anderen auch dazu, dass wir die verdeckt ist.
Dinge um uns her wahrnehmen können. • Eine partielle Sonnenfinsternis entsteht,
Am vierten Schöpfungstag machte Gott die wenn der Mond nicht genau vor der
Lichter zur Beherrschung des Tages und Sonne steht, sondern etwas darüber
zur Beherrschung der Nacht, nämlich die oder darunter. Er verdeckt sie daher nur
Sonne und den Mond. Das Licht der Son- teilweise. Wird nur ein geringer Teil der
ne, das sich mit einer Geschwindigkeit von Sonne bedeckt, bleibt eine solche Son-
etwa 300.000 km/s ausbreitet, kann nur nenfinsternis in der Regel unbemerkt
die Erde erreichen, wenn sich kein Hinder- • Ein besonderer Fall ist die ringförmige
nis in den Weg stellt. Das macht deutlich, Sonnenfinsternis. Da sowohl die Um-
dass sich das Licht im Normalfall geradlinig laufbahn der Erde um die Sonne als
ausbreitet. Schiebt sich z. B. der Mond zwi- auch die Umlaufbahn des Mondes um

12
Sonne, Mond und Regenbogen

Umlaufbahnen von Erde und Mond


um die Sonne
In den Positionen des Mondes 1 und 4
kommt es zu einer Mondfinsternis. In den
Positionen 2 und 3 zu einer Sonnenfinster-
nis

Eigentlich ist der Ausdruck Sonnenfinster-


nis falsch, da ja das Licht der Sonne nicht
erlischt, sondern das Licht der Sonne wird
nur durch den zwischen Sonne und Erde
stehenden Mond verdeckt.

Es fällt nicht schwer, aus Gottes Wort zu er-


kennen, dass die Sonne ein Hinweis auf den
Herrn Jesus ist. Er wird in Maleachi 3,20
Partielle Sonnenfinsternis als „Sonne der Gerechtigkeit“ bezeichnet.
Und in Matthäus 17,2 leuchtete sein An-
die Erde leicht elliptisch sind, ändern gesicht wie die Sonne. Der Mond dagegen
sich die Entfernungen von Sonne und als bestrahlter Himmelskörper ohne eigene
Mond zur Erde. Bei einer großen Entfer- Lichtquelle scheint ein Hinweis auf abgelei-
nung zwischen dem Mond und der Erde tete Autorität zu sein; er soll die Nacht auf
und einer gleichzeitig geringen Entfer- der Erde beherrschen (1. Mo 1,16). Doch
nung zwischen der Sonne und der Erde, diese Funktion erfüllt er nur, wenn er sich
ist die „Mondscheibe“ nicht mehr groß nicht zwischen Sonne und Erde stellt.
genug, um die ganze „Sonnenscheibe“
abzudecken. In dem Moment, wenn der Übertragen auf unser Christenleben kön-
Mond genau vor der Sonne vorbeizieht, nen wir es vielleicht in folgender Weise an-
erfolgt statt einer totalen eine ringförmi- wenden. Wir kommen nur unserer Aufgabe
ge Sonnenfinsternis, bei der der äuße- als Zeugen des Herrn Jesus nach, wenn wir
re Rand der Sonne sichtbar bleibt. Ein uns nicht mit unserer Person in den Vor-
solches Ereignis ist nur deshalb möglich, dergrund drängen, also zwischen anderen
weil der Mond von der Erde aus nahezu Menschen und dem Herrn Jesus stehen. In
genau so groß erscheint wie die Sonne. uns selbst haben wir keine Leuchtkraft. Wir
können nur etwas von dem Licht weiterge-
Im ganzen Sonnensystem gibt es Son- ben, mit dem der Herr Jesus in unsere Her-
nenfinsternisse, jedoch sind sie nirgends zen geleuchtet hat. Sein Licht muss auf uns
so ausgeprägt wie jene auf der Erde. Dies fallen und dann von uns weiter zu anderen
hängt mit der runden Mondform, der ex- gelenkt werden.
akten Mondgröße und der exakten Entfer-
nung zur Sonne zusammen.
Folge mir nach
13
Mondfinsternis – Die Erde licht „weiß“. Durch bestimmte optische
verdrängt das Licht ... im Leben Mittel, z.B. einen Filter, kann man dieses
eines Christen weiße Licht in einfarbiges (monochroma-
tisches) Licht (Licht einer Wellenlänge)
Bei der Mondfinsternis ist der Sachverhalt zerlegen. Jede dieser monochromatischen
etwas anders. Der Mond ist ein Erdtrabant,
der von sich selbst kein Licht ausstrahlt. Er
reflektiert nur das Licht der Sonne. In dem
Moment, wo sich die Erde zwischen Son-
ne und Mond „schiebt“, trifft kein Licht auf
den Mond, welches dann reflektiert werden
könnte. In dem obigen Bild erkennen wir,
dass es nur in den Positionen 2 und 3 zu
einer „Sonnenfinsternis“ und in den Po-
sitionen 1 und 4 zu einer Mondfinsternis
kommen kann.

Auch das Phänomen der Mondfinsternis Lichtkomponenten entspricht einem spe-


können wir auf das Leben eines Christen zifischen Farbeindruck, den sogenannten
anwenden. Wenn wir uns nicht im Licht Spektralfarben oder Regenbogenfarben.
des Herrn Jesus aufhalten, der von sich Mit zunehmender Wellenlänge ändert sich
selbst sagt: „Ich bin das Licht der Welt“, die Farbe von violett über blau, grün, gelb,
können wir auch kein Licht weiterstrahlen orange bis hin zu rot.
(reflektieren). Die an sich harmlosen und
auch notwendigen Dinge der Erde können Regenbogen und Lichtbrechung
in unserem Leben überdimensional stark
werden und sich zwischen uns und den Diese Tatsache tritt an einer Naturerschei-
Herrn stellen. Wenn unser Trachten, unsere nung, die auch in der Bibel beschrieben
ganze Neigung dem Beruf oder einer Frei- wird, deutlich zu Tage. Alle haben schon ei-
zeitbeschäftigung gelten (vgl. Kol 3,1.2), nen Regenbogen gesehen, wie er sich nach
werden der Herr und sein Wort an Einfluss einem vorübergegangenen Regenschauer
und Leuchtkraft verlieren. Durch Gottes herrlich in diesen Spektralfarben am Him-
Wort werden wir aber dazu aufgefordert, mel präsentiert.
wie Himmelslichter in der Welt zu scheinen Wie entsteht nun ein solcher Regenbogen?
(Phil 2,15)! Die Regentropfen wirken wie kleine opti-
sche Linsen oder Prismen. Wenn es regnet
Licht – elektromagnetische und gleichzeitig die Sonne scheint, fällt
Strahlung Licht auf die Regentropfen. Lichtstrahlen
treten in die Tropfen ein, werden an der
Licht besitzt darüber hinaus noch sehr viele Innenseite gespiegelt und treten wieder
andere interessante Eigenschaften. So ist aus. Weil nun die Farben, die im weißen
das Licht ein Teil der elektromagnetischen Sonnenlicht enthalten sind, beim Ein- und
Strahlung, die vom menschlichen Auge Austritt in den Tropfen unterschiedlich stark
wahr­genom­men werden kann. Es setzt abgelenkt werden, kommt es zum farbi-
sich aus einem Spektrum verschiedener gen Regenbogen. Er ist immer an der der
Wellenlängen im Bereich von 380 nm (Na- Sonne genau entgegengesetzten Seite des
nometer) bis 780 nm zusammen. In dieser Himmels in einem bestimmten Winkelab-
Mischung erscheint das normale Sonnen- stand (42°) um den Sonnengegenpunkt

14
Sonne, Mond und Regenbogen

Der Nebenbogen – eine


„Spezialität“ des Schöpfers

Oft ist zusätzlich zum Hauptbogen noch


ein weiter außen liegender blasserer
Nebenbogen zu sehen, der fast wie ein
Spiegelbild des ersten Bogens wirkt,
da seine Farbreihenfolge genau um-
gekehrt wie die des Hauptbogens ist.
Wie beim „normalen“ Regenbogen wird
auch beim Nebenbogen das Licht in Re-
gentröpfchen gebrochen. Bei einem be-
stimmten Eintrittswinkel wird aber ein Teil
des Lichtstrahls nicht nur einmal, sondern
zweimal an der Grenzschicht des Tropfens
reflektiert. Wenn diese Lichtstrahlen den
zu sehen. Als Sonnengegenpunkt bezeich- Tropfen wieder verlassen, kreuzen sie die
net man einen gedachten Punkt auf der ursprüngliche Richtung des Sonnenlichts.
Verbindungslinie Sonne-Beobachter. Der Da der blaue Lichtstrahl wieder stärker ge-
Sonnengegenpunkt variiert demnach mit brochen wird als die anderen Farben, bildet
dem Lauf der Sonne. Bei Sonnenauf- und er nach dem Überkreuzen einen etwas grö-
-untergang, wenn die Sonne am Horizont ßeren Winkel und im Nebenbogen liegt die
steht, ist der Gegenpunkt am gegenüberlie- blaue Farbe daher außen.
genden Horizont. Da dieser Sonnengegen-
punkt bei hochstehender Sonne hinter dem
Horizont liegt, kann man im Hochsommer
mittags keinen Regenbogen beobachten. In
den Wintermonaten hingegen kann er den
ganzen Tag über entstehen. Je höher die
Sonne am Himmel steht, desto flacher ist
der Regenbogen, bei tiefstehender Abend-
sonne wölbt er sich entsprechend hoch.
Auch die Spannbreite des Bogens ist vom
Sonnenstand abhängig. Je tiefer die Son-
ne, umso breiter der Regenbogen. Blaues
Licht wird stärker gebrochen als rotes und
liegt dadurch beim Austritt aus dem Tropfen
näher am ursprünglichen Strahl. Im Regen-
bogen sehen wir daher den blauvioletten Scheint die Sonne auf eine Nebelwand,
Streifen am weitesten innen, gefolgt von kann es zu einer weiteren Spezialität kom-
grün, gelb und ganz außen rot. Manchmal men, dem sogenannten Nebelbogen.
erscheint der Regenbogen mit einem recht Nebel besteht ja auch aus kleinen Wasser-
ausgeprägten kräftigen roten Farbstreifen, tröpfchen. Sie sind viel kleiner als die Re-
manchmal sind die Farben blasser, dafür gentropfen. Bei derartig kleinen Tröpfchen
ist der Bogen breiter. Das hängt mit der überlagern sich die Regenbogenwinkel der
Größe der Wassertröpfchen zusammen. einzelnen Spektralfarben so, dass sie zu-
Je kleiner die Tröpfchen, desto blasser sind sammen weißes Licht ergeben. Es entsteht
die Farben. ein weißer Bogen.

Folge mir nach


15
Sonne, Mond und Regenbogen

Der Regenbogen – Symbol der Gnade lismus“ ganz deutlich vor unsere Herzen
und der „Vielfarbigkeit“ des Herrn gestellt. In Markus 4 wird von einer Fahrt
über den See Genezareth berichtet, bei der
Im ersten Buch Mose lesen wir davon, dass der Herr Jesus im Schiff schläft, müde vom
Gott den Bogen zum Zeichen des Bundes rastlosen Dienst. Plötzlich erhebt sich ein
in die Wolken setzt, dass Er die Erde nie heftiger Sturm, so dass das Schiff in Seenot
wieder durch gerät. Als Ihn die Jünger in großer Angst
eine Flut aufwecken, ist Er in der Lage, dem Sturm
verderben will und den Wellen zu gebieten. Und diese
(1. Mo 9,13). gehorchen Ihm. Sofort entsteht eine gro-
Diese Verhei- ße Stille. Wir können unseren Herrn nur
ßung hat Gott immer wieder staunend betrachten. Und
den Menschen dieser ewige Gottessohn ist freiwillig als
aus reiner Mensch am Kreuz auf Golgatha für unsere
Gnade gege- Sünden gestorben!
ben.
Aber dürfen Licht und Licht ist nicht dasselbe
wir nicht im
Hinblick auf „Denn bei dir ist der Quell des Lebens, in
den Herrn Jesus auch daran denken, dass deinem Licht werden wir das Licht sehen“
wir Ihn in den unterschiedlichen „Farben“ (Ps. 36,10). „Sende dein Licht und deine
sehen können? Wir sehen Ihn als den Herrn Wahrheit; sie sollen mich leiten, mich brin-
der Welt, als Richter, als den guten Hirten, gen zu deinem heiligen Berg und zu deinen
als Heiland und in vielen anderen Eigen- Wohnungen“ (Ps. 43,3). Dieses „geistli-
schaften oder Diensten. In der Summe all che“ Licht gibt uns Christen tiefe Freude
dieser wunderbaren „Farben“ ist unser Herr über die Wahrheit aus Gottes unsichtbarer,
das herrliche Licht aus dem Himmel. aber genauso wirklicher Welt – eine Freude
über eine Person, die den Glanz des Him-
Die Natur des Lichtes – nur auf mels überstrahlt (vgl. Paulus’ Bekehrung in
zweierlei Weise erklärbar Apostelgeschichte 9).
Lasst uns gegenseitig durch diese kurzen
Eine weitere Besonderheit des Lichtes ist, Hinweise aus der Schöpfung anspornen,
dass man es nicht allein entweder als En- die großen „Taten [o. ,Werke’] des Herrn“
ergie oder aber als Materie klassifizieren zu erforschen (Ps 111,2) und sich immer
kann, was sonst grundsätzlich der Fall ist. wieder mit dem Herrn Jesus selbst zu be-
Licht kann nämlich einerseits als Welle (En- schäftigen, „nach ihm zu forschen in sei-
ergie) definiert werden, andererseits kann nem heiligen Tempel“ (Ps 27,4). Es wird
man jedoch auch nachweisen, dass es aus nie langweilig sein. Wir werden immer wie-
einzelnen Teilchen besteht (Materie). der Neues entdecken. Und wie wird es erst
Diesen „Dualismus“ finden wir auch in sein, wenn wir Ihn sehen, wie Er ist?
Bezug auf unseren Herrn Jesus Christus.
Die Bibel bezeugt klar, dass Er sowohl ewi- Rainer Möckel
ger Gott als auch wahrer Mensch ist. Wir
können das mit unserem Verstand nicht Buchempfehlung: Werner Gitt:
begreifen. Matthäus sagt uns ganz deutlich, Signale aus dem All – Wozu gibt es Sterne?
dass niemand den Sohn erkennt als nur der 224 S. € 2,50
Vater. Aber aus verschiedenen Berichten
in den Evangelien wird uns dieser „Dua-

16
Begriffe

Altar
Altar
Der Altar war eine Art Tisch, auf dem Gott det werden, denn durch den Einsatz eines
Opfer dargebracht wurden. Die Heiden Meißels zum Behauen der Steine wäre der
imitierten dies und verehrten auf ähnli- Altar entweiht worden (. Mo 0,5–6).
che Weise ihre falschen Götter. Auf dem Auf der Grundlage menschlichen Wirkens
ersten Altar, von dem wir in der Schrift kann man Gott nicht nahen. Gegen diesen
lesen, opferte Noah, nachdem er die Arche Grundsatz ist in der bekennenden Christen-
verlassen hatte, reine Tiere und Vögel als heit sehr oft gehandelt worden.
Brandopfer (1. Mo 8,0). Abraham, Isaak Eine weitere Vorschrift war, dass man nicht
und Jakob bauten dem Herrn ebenfalls auf Stufen zum Altar hinaufsteigen sollte,
Altäre. Diese wurden wahrscheinlich aus damit nicht die Blöße des Menschen gese-
Stein oder Erde errichtet. Es ist bemer- hen wird. Menschliche Erfindungen sind
kenswert, dass wir nur selten davon lesen, also im Gottesdienst durch ein göttliches
dass sie auf diesen Altären Gott opfer- Verbot untersagt, denn in der Gegenwart
ten. Manchmal wird einfach gesagt, dass Gottes bringen sie nur die Eigenschaften
sie ihrem Herrn einen Altar bauten, und der gefallenen Natur hervor (vgl. Kol ,0–
zuweilen wird hinzugefügt, dass sie den 3).
Namen des Herrn anriefen. Es scheint Als das Zelt der Zusammenkunft gebaut
so, dass die Altäre erbaut wurden, um an wurde, gab es detaillierte Anweisungen für
diesem Ort auf der Grundlage eines Opfers Mose. Er sollte alles genau nach dem ihm
Gott zu nahen. auf dem Berg gezeigten Muster machen.
Mose wurde der Auftrag gegeben, an jedem
Ort, an dem Gott seinen Namen wohnen
ließ, einen Altar aus Holz oder Stein zu (Quelle: Concise Bible Dictionary, deutsche
bauen, um dort Schafe und Ziegen als Fassung: www.bibelkommentare.de)
Brandopfer und Friedensopfer zu bringen.
Diese aus Stein erbauten Altäre durften auf
keinen Fall aus behauenen Steinen gebil-

Folge mir nach


17
Pinnwand

h e s R ätsel
B iblisc G
Der G laube
r falsch? Biblisch
Richtig ode R F Frageb es Rätse is
Verw aube ab t ...
ähn t. l l
d e r B ib el nicht erw n t. R F
ogen z
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k li c h e in e Alternative SammelsuriumvonAussagenglaubt,sondern der We
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„Alternativ durchdenGlaubenaufderBasisvonGottesWort. enen O
rte“?

Folge mir nach


18 19
Bibelstudium

Der Prediger (Teil I)

D as Buch Prediger gehört zu den schwierigen Büchern der Bibel. Diesen


Eindruck werden sicher viele Leser auch schon gewonnen haben. Wir werden
sehen, dass wir einen Schlüssel benötigen, um das Buch des Predigers richtig zu
„öffnen“. Den Schlüssel werden wir finden. Die Schwierigkeit besteht allerdings
darin, diesen Schlüssel konsequent auf die einzelnen Verse anzuwenden. Denn
obwohl für den größten Teil der Verse die Bedeutung auf der Hand liegt, ist nicht
immer klar zu erkennen, worin die Zielrichtung der Gedankengänge besteht.

Wer ist der Prediger?

Um das Buch Prediger nun etwas detail- Schon die Überschrift dieses Buches
lierter zu betrachten, wollen wir uns ihm macht uns neugierig. Wer sich „der
mit folgenden Fragen nähern: Prediger“ nennt, muss eine besondere
1. Wer ist der Prediger (Autor des Bu- Botschaft haben. Nun, das Wort „Pre-
ches)? diger“ ist die Übersetzung des schwer
2. Wie schreibt der Prediger (Charakter zu übersetzenden hebräischen Wortes
des Buches)? „qohelet“. Es bedeutet so viel wie „Weis-
3. Warum schreibt der Prediger? Oder: heits-Lehrer“ oder „Prediger in einer Ver-
Warum ist dieses Buch Bestand- sammlung“. Damit wird klar, dass der
teil der Bibel („Berechtigung“ des Prediger etwas über die Weisheit zu be-
Buches)? richten hat. Und wir werden sehen, dass
4. Was schreibt der Prediger (Inhalt des das tatsächlich auch der Inhalt des Bu-
Buches)? ches ist. Stellen wir uns also einen Mann
Beim Erörtern dieser Fragen sind wir vor, der Leute zusammenruft, um sie et-
gespannt, ob wir auch etwas von Chris- was über die Weisheit zu lehren.
tus in diesem Buch finden. Und schon
jetzt dürfen wir gewiss sein, dass wir Ihn So wichtig wie die Botschaft eines Pre-
finden werden1 – wenn auch nur in ver- digers auch ist – der Zuhörer interessiert
steckten Hinweisen. Der Herr Jesus freut sich natürlich auch dafür, um welche
sich darüber, wenn Er unter den Seinen Person es sich dabei konkret handelt.
solche findet, die nicht nur für sich selbst Obwohl der Name in dem Buch nirgend-
etwas suchen, sondern die in den Schrif- wo genannt wird, gibt es uns Hinweise,
ten nach Ihm forschen. die einen eindeutigen Schluss zulassen:

„Und ... er erklärte ihnen in allen Schriften das, was ihn betraf“ (Lk 24,27).
1

0
Der Prediger (Teil I)

1. Der Prediger war ein Sohn Davids „Haschen nach Wind“ und „Eitelkeit“
(vgl. Kap. 1,1). sind weitere Ausdrücke, denen wir im
2. Er war König über Israel (vgl. Kap. Buch Prediger häufig begegnen. Dadurch
1,1.12). könnte der Eindruck entstehen, dass der
3. Er war König in Jerusalem (vgl. Kap. Prediger überhaupt keinen Sinn in dem
1,1.12). Leben des Menschen sieht. Aber das ist
4. Er war weiser als seine Vorfahren (vgl. in Wirklichkeit nicht seine Überzeugung.
Kap. 1,16 mit 1. Kön 3,12). Seine stetige Schlussfolgerung: „Alles
5. Er hatte viele Frauen (vgl. Kap. 2,8 mit ist Eitelkeit“ darf nicht absolut verstan-
1. Kön 11,1–3). den werden. Sie meint vielmehr, dass es
6. Er war mächtiger als seine Vorfahren aus seiner Sicht nichts gibt, dass einen
(vgl. Kap. 2,9 mit 1. Kön 3,13). bleibenden Wert hat. Es gibt durchaus
7. Er verfasste viele Sprüche (vgl. Kap. Dinge, die der Prediger schätzt und an
12,9 mit Spr 1,1 und 1. Kön 5,12.13). denen er Freude hat. Aber er merkt, dass
diese Freude nicht bleibend ist.
Alle angeführten Merkmale und Verse Dazu wieder ein Beispiel: „Und was ir-
deuten darauf hin, dass Salomo der Pre- gend meine Augen begehrten, entzog ich
diger ist. Kein anderer konnte die Rolle ihnen nicht; ich versagte meinem Her-
des Weisheits-Lehrers besser besetzen zen keine Freude, denn mein Herz hat-
als Salomo. te Freude von all meiner Mühe, und das
war mein Teil von all meiner Mühe“ (Kap.
Wie schreibt der Prediger? 2,10). Dieser Vers macht deutlich, dass
es tatsächlich Freude im Leben des Pre-
Damit kommen wir zu den Schlüsselwör- digers gab. Doch sie war nur von kurzer
tern dieses Buches. Beim Lesen fällt uns Dauer und brachte ihn nicht weiter auf
auf, dass der Prediger gewisse Wörter der Suche nach dem Sinn des Lebens.
wiederholt benutzt. Wenn wir diese gut Wir hören die Frage: „Was für einen Ge-
verstehen, wird sich das Buch für uns „öff- winn hat ...“ dieses und jenes Bemühen?
nen“. Eins dieser Wörter haben wir gerade Damit deutet der Prediger auf etwas hin,
im Zusammenhang mit der Person des das „übrig bleiben“ sollte. Doch er findet
Predigers erwähnt: Weisheit. Doch was nichts dergleichen.
versteht der Prediger unter diesem Be- Das Haupt-Schlüsselwort, das dem gan-
griff? Er meint nicht die theoretische Weis- zen Buch seinen besonderen Charakter
heit der Gelehrten. Er studiert nicht eine verleiht, lautet: „unter der Sonne“. Da-
Wissenschaft, sondern ist auf der Suche mit wird klar, dass die Suche nach dem
nach der praktischen Lebens-Weisheit, bleibenden Wert des Lebens unter dem
um den Sinn des Lebens zu erfassen. Blickwinkel des irdischen und menschli-
Nehmen wir als Beispiel einmal Kapi- chen Horizonts geschieht. Der Prediger
tel 1,18: „Denn wo viel Weisheit ist, ist lässt die Offenbarung Gottes (das, was
viel Verdruss; und wer Erkenntnis mehrt, Gott uns in seinem Wort mitgeteilt hat)
mehrt Kummer.“ In diesem Vers möch- völlig außer Acht.
te der Prediger nicht vor dem Studieren Damit sind wir an dem Kernpunkt ange-
einer Wissenschaft (z.B. Physik) warnen. kommen, der uns hilft, die Aussagen des
Nein, er spricht aus Erfahrung: Das in- Autors richtig zu beurteilen: Salomo –
tensive Studium der Lebens-Weisheit, obwohl er das Gesetz Moses kannte und
die den wahren Sinn des Lebens erklären eine persönliche Glaubens-Beziehung zu
soll, führt – ohne die Offenbarung Gottes Gott hatte – versetzt sich in die Stellung
– zu Verdruss. eines Menschen, der untersucht, wie
Folge mir nach
1
sein Leben aussehen würde ohne das ist eine ernstzunehmende Aufforderung,
Licht der Offenbarung Gottes, d.h. ohne die den Segen Gottes zur Folge hat. Sie
die Gedanken und den Willen Gottes zu gilt sowohl für Ungläubige als auch für
berücksichtigen. Gläubige – für Ungläubige in dem Sinn,
Das soll nicht falsch verstanden werden: dass man sich nicht früh genug zu Gott
Der Prediger lässt nicht Gott außer Acht. bekehren kann, um Ihm zu dienen (vgl.
Nein, er kennt und fürchtet ihn. Das be- 1. Thes 1,9); für Gläubige, damit man in
stätigen viele Verse in diesem Buch. jungen Jahren, wo man die größte Auf-
Wenn er bei seinen Untersuchungen nahmefähigkeit besitzt, die Zeit nutzt,
feststellt, dass die Erde voll von Unge- um Gott und sein Wort besser kennen zu
rechtigkeit ist, dann beschuldigt er nicht lernen.
Gott. Im Gegenteil: Obwohl er vieles nicht Zwei Verse, die zeigen, dass der Prediger
erklären kann, z.B. dass der Gottlose oft Aussagen macht, die im absoluten Sinn
lange lebt und der Gerechte früh stirbt, nicht wahr sind, stehen in Kapitel 2,24
ist er sich bewusst, „dass es denen, die und 3,19. Zuerst zu Kapitel 2,24: „Es gibt
Gott fürchten, wohl ergehen wird, weil nicht Besseres für den Menschen, als
sie sich vor ihm fürchten; aber dem Gott- dass man esse und trinke und seine See-
losen wird es nicht wohl ergehen“ (Kap. le Gutes sehen lasse bei seiner Mühe.“
8,12.13). Kinder Gottes würden dazu sagen: Der
Der Prediger kennt also Gott. Doch die Prediger hat den Sinn des Lebens noch
eigentliche Weisheit Gottes lässt er bei nicht erfasst. Essen – Trinken – Genießen:
seinen Überlegungen außer Acht. Fast Ist das das Beste für uns Menschen?
alle seine Aussprüche haben ihren Ur- Niemals (vgl. 1. Kor 15,32)!
sprung in der menschlichen Weisheit. Kapitel 3,19: „Denn was das Geschick
Das sollte man unbedingt beachten, be- der Menschenkinder und das Geschick
sonders beim Vergleich mit dem Buch der Tiere betrifft, so haben sie einerlei
der Sprüche. In dem Buch der Sprüche Geschick: Wie diese sterben, so sterben
finden wir die göttliche Weisheit, in unse- jene, und einen Odem haben sie alle;
rem Buch (überwiegend) die menschliche und da ist kein Vorzug des Menschen vor
Weisheit. Deshalb ist bei der Anwendung dem Tier, denn alles ist Eitelkeit.“ Auch
der einzelnen Verse eine gewisse Vor- diese Aussage steht im Widerspruch zu
sicht geboten. Wenn der Prediger z.B. der offenbarten Wahrheit des Wortes
sagt: Diese Sache ist besser als jene (vgl. Gottes. Mensch und Tier müssen zwar
Kap. 4,2–6; 6,3; 7,1–9; 9,4), oder: Das beide sterben, aber sie haben nicht einen
Beste, was man tun kann, ist dieses: … Odem. Von dem Tier wird nur gesagt,
(vgl. 2,24; 5,18; 9,9), dann mag das von dass es eine lebendige Seele besitzt.
seinem Blickwinkel aus betrachtet zwar Allein der Mensch wurde im Bild Gottes
stimmen. Es ist aber nicht unbedingt die geschaffen, und nur ihm hauchte Gott
absolute, göttliche Wahrheit. Im Licht der den Odem des Lebens in seine Nase
vollen Offenbarung Gottes betrachtet sind (vgl. 1. Mo 2,7). – Ein außerordentlicher
manche Empfehlungen und Schlussfol- Vorzug vor dem Tier! – Deshalb besteht
gerungen des Predigers gut und richtig, auch ein großer Unterschied beim Tod:
andere dagegen sogar falsch. Die Existenz des Tiers hört auf; der Geist
„Gedenke deines Schöpfers in den Ta- des Menschen dagegen kehrt zu Gott
gen deiner Jugendzeit, ehe die Tage des zurück (vgl. Kap 12,7).
Übels kommen, und die Jahre herannah- Zu solchen verkehrten Aussagen kommt
en, von denen du sagen wirst: Ich habe der Mensch, wenn er die Welt-Geschich-
kein Gefallen an ihnen“ (Kap. 12,1). Das te nur mit dem menschlichen Auge „un-


Der Prediger (Teil I)

Den Prediger ri
chtig einordnen
Prediger, Sprüch
(Teil I)
e, Hohelied

„Worte des P
redigers,
des Sohnes
Davids, des
Königs in Je
Geistliches Wac rusalem.“
hstum Prediger 1,1
Der Prediger ste
llt uns den Men
vonseiten Gottes. schen „unter der
Die Schlussfolger Sonne“ vor, ohne
Die Sprüche zeig ung dieses Buch besondere Offen
en uns den Sohn es lautet: „Fürchte barung
seinem Bundesna der Weisheit, in Gott“ (12,13).
hmen Jahwe, HER seiner Beziehung
leben soll. R, genannt wi
rd). Er wird hier zu Gott (der hier
belehrt, wie er in mit
Das Hohelied ge dieser Welt
ht viel weiter und
Liebe zwischen ein zeigt uns im Bild
er Seele und ihre die Gemeinschaft
m Ehemann, dem und die Beziehung
Herrn Jesus Chris der
Persönlicher Ni tus für uns Chris
edergang Salom ten.
Das Hohelied kann os
als ein Buch der
gungen für seinen Jugendzeit Salom
Herrn noch leben os gesehen werd
Die Sprüche sind dig waren. en, in der seine Zu
das Buch der Reife nei-
denen Fallstricke , also eines Manne
und nützliche Be s, der in der Welt leb
Der Prediger kling lehrungen für sein t, die dort vorhan
t auf traurige Weis e Nachkommen we -
man alle Freuden e wie ein enttäusch itergeben kann.
der Welt versucht tes Fazit am Ende
hat und dann aner eines Lebens, in
kennen muss, da dem
Beziehung zur ss „alles Eitelkeit“
Stiftshütte ist.
Der Prediger lässt
uns an den Vorhof
Zusammenkomm denken, den einzig
ens des Volkes (2 en Ort „unter der
Die Sprüche entsp . Mo 29,43; Pred Sonne“, den Ort
rechen dem Heili 12,9). des
Belehrungen dies gtum, wo das Li
es Buches ein Li cht des Leuchter
Welt leiten soll. cht sind, das uns s brannte. So, wi
in unserem Verh e die
Das Hohelied führ alten vor Gott un
t uns in das Aller d in der
im tiefsten Sinn. heiligste ein, den
Interessanterweise Ort der Anbetung
des Heiligen. heißt es eigentlich und der Gemeinsc
: Das Lied der Li haft
eder, und das He
ilige

sondez les Écritur


es

Folge mir nach


3
ter der Sonne“ betrachtet. Sowohl der pekt dieses Buches ist dieser, dass der
Sinn des Diesseits als auch das Jenseits Prediger indirekt auf die Person des
bleiben ihm letztlich verborgen. Herrn Jesus hinweist. Er zeichnet ein
dunkles Bild von dem, was unter der
Warum ist dieses Buch Bestand- Sonne geschieht. Im Gegensatz dazu
teil der Bibel? wird deutlich, wie wunderbar es ist, die
Offenbarung Gottes in der Person des
Das Buch Prediger gehört zu den fünf Herrn Jesus zu kennen. So scheint es
Büchern des Alten Testaments, in denen die Absicht des Heiligen Geistes zu sein,
menschliche Empfindungen im Vorder- dass der Leser den Aussagen des Pre-
grund stehen. Diese Reihe fängt mit Hiob digers die Sicht Gottes gegenüberstellt.
an, in dem die Empfindungen des Leids Dadurch wird der begrenzte irdische
ausführlich beschrieben werden, und en- Blick für die unendliche Weite des Him-
det mit dem Hohenlied, in dem die Emp- mels geöffnet.
findungen der Liebe in Verlobung und Ehe Unter dem zuletzt genannten Aspekt
beschrieben werden. In allen Büchern ist dürfen wir als Gläubige der Gnadenzeit
die Stimme des Menschen nicht zu über- einen besonderen Nutzen aus diesem
hören. Doch keins dieser Bücher ist (aus Buch ziehen. Denn auch unsere Sicht
bereits genannten Gründen) so außerge- beschränkt sich allzu oft auf die Dinge
wöhnlich wie das Buch Prediger. unter der Sonne. Vielleicht suchen wir
Das Buch Prediger könnte man „Pre- unsere tägliche Erfüllung hier auf dieser
Evangelium“ nennen. Das heißt, es steht Erde. Haben wir bemerkt, dass dann ein
dem Evangelium voran, denn es macht ungestillter Durst bleibt? Gott sei Dank,
den Menschen nachdenklich und bringt dass wir die Person kennen, die allein
ihn dazu, den Wert des Evangeliums zu unsere Bedürfnisse stillen kann!
erkennen. Bedenken wir einmal, wie viele „Wenn du die Gabe Gottes kenntest, und
Menschen oberflächlich in den Tag hinein wer es ist, der zu dir spricht: Gib mir zu
leben. Manche vermitteln sogar den Ein- trinken, so würdest du ihn gebeten ha-
druck, als gehe es ihnen sehr gut. Und tat- ben, und er hätte dir lebendiges Wasser
sächlich fragen nur wenige nach dem Sinn gegeben. … Wer irgend aber von dem
des Lebens und nach der Ewigkeit. Gerade Wasser trinken wird, das ich ihm geben
dieses Buch weckt in solchen Menschen werde, den wird nicht dürsten in Ewig-
das Bedürfnis, Fragen wie die des Predi- keit; sondern das Wasser, das ich ihm
gers zu stellen. Auf diese Weise werden geben werde, wird in ihm eine Quelle
sie zubereitet, ihren Mangel zu erkennen. Wassers werden, das ins ewige Leben
Denn jeder Mensch hat ein Bedürfnis der quillt“ (Joh 4,10.14). Diese Verse bilden
Seele, das „unter der Sonne“ nicht gestillt den großen Gegensatz zu dem Buch
werden kann. Damit fällt diesem Buch ein Prediger. Der Herr Jesus gibt uns Leben,
wichtiger Platz in Gottes Wort zu. ewiges Leben und den Genuss dieses
Mit diesem Buch verbindet der Heilige Lebens durch den Heiligen Geist. Freude
Geist ferner eine Warnung. Der Prediger und Erfüllung sind damit für immer „ga-
hatte enttäuschende Erfahrungen ge- rantiert“.
macht bei der Suche nach dem Sinn des
Lebens, weil er ihn dort gesucht hatte, Was schreibt der Prediger?
wo er nicht zu finden ist. Mit einem Wort:
Suche dein bleibendes Glück nicht unter Der Inhalt des Buches Prediger besteht
der Sonne! in einer Vielzahl von Themen, die sich
Doch der schönste und wichtigste As- teilweise in ähnlicher bzw. variierter Form

4
Der Prediger (Teil I)

wiederholen, um sie zu vertiefen. Deshalb Vieles sieht nach einer Untersuchung


fällt es nicht leicht, eine Einteilung vor- aus, anderes wie eine Schlussfolge-
zunehmen. Wie einleitend erwähnt, wird rung. Manches gibt er auch in Form ei-
in diesem Buch die Frage erörtert: „Wel- ner Empfehlung oder Warnung an seine
chen bleibenden Sinn hat das Leben auf Zuhörerschaft weiter. Die folgende Ein-
dieser Erde?“ Auf der Suche nach einer teilung soll die Hauptlinie dieses Buches
Antwort stellt der Prediger viele mensch- wiedergeben:
liche Überlegungen an, deren Zielrich-
tung nicht immer sofort erkennbar ist.

Kapitel Thema
1 Einleitung
2,1–11 1. Untersuchung: Welchen bleibenden Wert hat es, wenn man sich alle
Freuden und jeglichen Genuss auf der Erde leistet?
2,12–26 2. Untersuchung: Welchen bleibenden Wert hat es, wenn man sich ab-
müht und anschließend alles einem anderen überlassen muss?
3,1–15 3. Untersuchung: Welchen bleibenden Wert hat die Mühe, wenn der
Mensch die Zeit(en) nicht in seiner Hand hat?
3,16–4,6 4. Untersuchung: Welchen bleibenden Wert hat die Mühe, wenn sie durch
Unrecht beeinträchtigt wird?
4,7–12 5. Untersuchung: Welchen bleibenden Wert hat die Mühe, wenn man kei-
nen Gefährten hat, mit dem man die Früchte seiner Arbeit teilen kann?
4,13–16 6. Untersuchung: Welchen bleibenden Wert haben die höchsten Ehrun-
gen der Welt, wenn sie nur von kurzer Dauer sind?
4,17–5,6 7. Untersuchung: Viele Worte zu machen ist wertlos, da sie Unüberlegtes
beinhalten, worüber Gott zürnen mag.
5,7–6,12 8. Untersuchung: Welchen bleibenden Wert hat der Reichtum?
7,1–22 9. Untersuchung: Welche Charakterzüge trägt die Weisheit?
7,23–8,9 Zwischenbilanz: Weisheit ist nicht zu finden – überall ist die Verdorben-
heit des Menschen anzutreffen.
8,10–17 10. Untersuchung: Welchen bleibenden Wert hat die Gerechtigkeit, wenn
sie kein langes Leben garantiert?
9,1–10 11. Untersuchung: Welchen bleibenden Wert hat die Mühe, wenn alle
dasselbe Schicksal trifft?
9,11–12 12. Untersuchung: Welchen bleibenden Wert hat die Mühe, wenn der
Mensch seinen Erfolg nicht in seiner eigenen Hand hat?
9,13–10,3 13. Untersuchung: Welchen bleibenden Wert hat die Mühe, wenn das,
was man in Weisheit aufbaut, immer von Torheit verdorben wird?
10,4–20 14. Untersuchung: Welchen bleibenden Wert hat die Mühe, wenn die Tor-
heit mächtig und sehr verbreitet ist?
11–12 Schlussfolgerungen des Predigers

Anhand dieser Einteilung soll im Folgenden der Inhalt des Buches Prediger kom-
mentiert werden, um das Wesentliche zu beleuchten.
Hartmut Mohncke

Folge mir nach


5
Liebe A.,
ichbindankbar,dassdudemHerrnJesusgehörstunddichentschiedenhast,Ihmnachzufolgen.Du
hastIhmdeinHerzgeöffnet.AberhatderHerrJesusdeinganzesHerzinBesitzgenommen,
odergibtesdadämmrigeEcken,wodasIchnochnichtPlatzgemachthat?EchtesGlückwirst
dunurdannfinden,wennderHerrallesistindeinemLeben.Erhatsichganzfürdichhingegeben.
GibdichIhmdeshalbauchganzhin–alsAntwortaufseineLiebe!Dasbedeutetauchzulernen,
mehrundmehrdieEigenschaftendesHerrnJesusauszuleben.Undsiehdabeinichteinfachauf
andere,Erhatjedenganzindividuellgeschaffen.JederEinzelneisteinWunderwerkausGottes
Schöpferhand, mit Fähigkeiten, Ihm zu dienen.

Den Körper annehmen oder stylen?


DeinganzerKörpergehörtdemHerrn.Wiegehstdumitihmum?PflegstduihnfürdenHerrn?
GebrauchstduihnfürdenHerrn?PauluswolltedieChristeninKorinth„demChristusalseine
reineJungfraudarstellen“(2.Kor11,2).SchmückdichwieSara(1.Pet3,4–6)unddiegottes-
fürchtigenFrauenderBibelmiteinemstillenGeist.DerHerrwirddirdasrichtigeEmpfindenfür
den Ihm gefallenden Lebenswandel geben.
Gottistdergrößte„Künstler“allerZeiten.Erhatdichgeschmackvollgeschaffen:DieHaarfarbe
passendzurHaut,dieAugenleuchtendundnichtdunkelumrandet(wievoneinerdurchgefeierten
Nacht).Stelldirvor,wirgingenineineAusstellungvonberühmtenMalernundwürdenz.B.in
einemGemäldevonRembrandtÄnderungenvornehmen,weilunsdasBildnichtganzgefällt.Ist
nichtGottdergrößere„Künstler“?ZeigdeineLiebezuGott,indemdudichsoannimmst,wie
Erdichgeschaffenhat.Duhastesnichtnötig,dichzuschminkenunddieHaarezustylen,um
dasangeblichBesteherauszuholen.SomöchteichpersönlichzumBeispielbeimeinenallmählich
sprießendengrauenHaarenunddereinenoderanderenFalteimGesichtnichtgleichdenSpiegel
zusprühen, sondern auch dies von Gott annehmen.
WersichständigmitanderenvergleichtundsichvonihrerMeinungbestimmenlässt,istunfrei(auch
fürdenHerrn).Versuchnicht,wiedasIdealauszusehen,dasdieGesellschaftfordert.Dasändert
sichständig,undduwirstdabeinurseelischkrank.Undwerbestimmtüberhauptübereinsolches
Ideal – der Mensch oder Gott?
Gotthatjedenfallseinanderes„Ideal“:deninneren,verborgenenSchmuckeinergläubigenFrau,den
„sanftenundstillenGeist“(1.Pet3,4).DerumgehängteSchmucknimmtschnelldeminnerenWert
dieWirkung,weildasaußensichtbaremehr(oftblendendoderfunkelnd)indieAugenfällt.

6
Post von Euch: Kleidung

Auch mal etwas knappe Kleidung?


GottistkeinGottderUnordnung(1.Kor14,33).DiesenCharakterdarfstdudurchordentli-
che,geschmackvolleKleidungzeigen.ZiehdieAufmerksamkeitanderernichtaufdeinenKörper
durchfreizügigeundaufreizendeKleidung.EnganliegendeoderkurzgeschnitteneKleidung,die
inersterLiniedieweiblichenKörperformenbetont,verführtMännerzumHinguckenundzu
unreinenGedankenundbringtsiedadurchzuGedankensünden.DuwillstdochniemandenzumSün-
digenverführen!GottesLiebewirdvondirverkörpert,wenndudeinErscheinungsbild,dasOutfit,
unterKontrollehältst.DeineAufgabeistes,anderedurchdeinAuftreteninderNachfolge
desHerrnzustärken.UnddukannstauchanderezumHerrnalszuihremHeilandziehen
(1.Petr3,1.2).SexuelleAnziehungmachtnichtdenWertdeinerPersonaus.Dieseistfürdie
Ehebestimmt.DeshalbwarntderHerrdieMänner:„Jeder,dereineFrauansieht,siezubegeh-
ren,hatschonEhebruchmitihrbegangeninseinemHerzen“(Mt5,28).AnderezumSündigen
verführenistebenfallsSünde.Außerdem:MitsexuellerAnbiederungkannmankeinetiefgehende
Liebe und dauerhafte Beziehung erzeugen.
Wenndudichaufmachst,umKleidungzukaufen,bittedenHerrnumdierechteEntscheidung
beiderAuswahl.Ichweiß,dassesheutenichtsoleichtist,etwasAnsprechendesundzugleich
Ordentliches zu finden. Dennoch: Geh „mit dem Herrn“ einkaufen.

Miss ...? (oder „Wer ist die Schönste im ganzen Land?“)


NunnochetwaszumThemaNeid:Wennduimmeraufdasguckst,wasanderebesitzenunddu
nicht,stelltsichschnellUnzufriedenheitein.DarausentstehenschlechteGedankenüberdenNächs-
ten,waseineguteFreundschaftniemalsfördert.Alleinschondiehübsche,geradeNasemeiner
Schwesterkannmichreizen,neidischzusein.Aberdenkeinmal,wievielÄrgersievielleichtmit
ihrerNasehat.StändigesNasenblutenundderdummeHeuschnupfennochdazu,machenihrsoviel
Mühe.WaskannichGottdankbarseinfürmeineetwasknollige,abersonstfriedlicheNase.
Gotthatdichsogemacht,wiedudichimSpiegelsiehst.DankIhmimmerwiederfürdeineGesund-
heit,soweitderHerrsiedirgeschenkthat.DannwirdErdichauchvorderVerführungderWer-
beplakatebewahren,aufdenenoftmagersüchtigschlankeMädchenundnächstesJahrwiederein
neuesIdealdenletztenModeschreianpreisen.Duhastesgut,derHerrsorgtfürdeinentäglichen
Bedarf(1.Tim6,8).ZufriedenheitmitdemKörper,mitderNahrungundKleidungwirdpositiv
auf deine Mitmenschen wirken.
„Alles,…wasrein,alles,waslieblichist,…wennesirgendeineTugendundwennesirgendeinLob
gibt, dies erwägt“ (Phil 4,8).
Deine S.F.

Folge mir nach


7
„Alles an Ihm ist
lieblich“

D as Werk vom Kreuz war für Gott ein duftender Wohlgeruch, bezeugt
im Alten und Neuen Testament. Gott blickte mit Wohlgefallen auf das
Opfer, welches der Herr Jesus stellte. Gott roch den lieblichen Geruch.

Auch das Leben des Herrn Jesus war eine ihre Felle zu Röcken verarbeitet werden
einzige Verherrlichung Gottes. Diese ein- konnten, geschlachtet werden. Abel brachte
malige Person zu betrachten, ob in seinem das Opfer von den Erstlingen seiner Herde
Leben oder in den Stunden am Kreuz, in und von ihrem Fett, vorzügliche Hinweise
seiner Auferstehung oder als Verherrlichter auf das Opfer unseres Herrn. Gott sah dies
zur Rechten Gottes, darf mehr und mehr alles und blickte auf die Opfergabe von
Inhalt unseres persönlichen und auch ge- Abel und dachte an seinen geliebten Sohn,
meinschaftlichen Lebens als Kinder Gottes der am Kreuz sterben würde.
sein. Die Bibel spricht von Ihm vom ersten
bis zum letzten Blatt.
Noahs Opfer (1. Mose 8,21)
An vielen Stellen der Bibel ist – direkt oder
indirekt – die Rede von diesem Wohlgeruch, Die Erde war durch eine gewaltige Flut ge-
dem lieblichen Geruch der Person und des wissermaßen gereinigt worden – Gott woll-
Werkes des Herrn Jesus. Er ist dies für Gott te den Menschen, den er gemacht hatte,
gewesen. Aber wir dürfen darin Gemein- der aber zu einem Feind Gottes geworden
schaft haben mit unserem himmlischen war, von dem Erdboden vertilgen, „Noah
Vater: „Und zwar ist unsere Gemeinschaft aber fand Gnade in den Augen des Herrn“
mit dem Vater und seinem Sohn, Jesus (1. Mose 6,7.8). Acht Menschen wurden
Christus“ (1. Joh 1,3). So erleben wir selbst durch die Arche gerettet. Diese brachten
etwas von diesem „Duft“ Christi, wenn wir Gott nach der Flut ein Opfer, ein Opfer von
einige dieser Stellen einmal anschauen. reinen Tieren, die Noah mit in die Arche
genommen hatte. Gott hatte ihm das ge-
sagt, und er war gehorsam. Für Gott war es
Abels Opfer (1. Mose 4,4) ein lieblicher Geruch (1. Mo 8,1), es war
das Opfer reiner Tiere, eine Vorausschau
Abel hatte Gott ein Opfer gebracht, ein auf das „ein für allemal geschehene Opfer
Opfer von seiner Herde, ein Opfer, das ge- des Leibes Jesu Christi“ (Heb 10,10).
schlachtet werden musste. Er hatte seinen
Eltern offenbar gut zugehört und verstan- Das beständige Brandopfer
den, warum sie, die ersten Menschen auf (2. Mose 29,41.42)
dieser Erde, mit Röcken von Fell bekleidet
wurden. Auch diese Tiere mussten, bevor Gott wollte, dass Ihm sein Volk ein bestän-

8
„Alles an Ihm ist lieblich“

diges Brandopfer darbrachte, das heißt, verrichtete seine Aufgabe. Gott sorgte in
dass auf dem Brandopferaltar ständig ein jeglicher Weise für diese Diener, gab ihnen
Opfer für Gott verbrannt wurde. Es zeigt auch das, was sie täglich an Nahrung be-
uns, dass das Werk des Herrn Jesus bestän- nötigten. Was auch Aaron und seine Söhne
dig vor den Augen Gottes redet (vgl. Heb nicht essen durften, war das Fett des Erst-
12,24). Immer und ohne Unterbrechung geborenen von den Rindern, Schafen oder
sieht Gott dieses Opfer, das der Herr Je- Ziegen. Dieses sollte als Feueropfer geräu-
sus für Ihn auf dem „Kreuzaltar“ gebracht chert werden.
hat, in seinem unschätzbaren Wert. Es wird Das Fett ist der
Gott in Ewigkeit erfreuen. Energiespei-
cher der Tie-
re. Es ist ein
Das Fest der Erstlingsgarbe Hinweis auf
(3. Mose 23,13) die Hingabe
des Herrn Je-
In diesem Kapitel erfahren wir etwas über sus, der seine
die Feste des Herrn, die Jahr für Jahr ge- ganze Energie
feiert werden sollten. Dies geschah immer in den Dienst
mit dem Ziel, an das zu erinnern, was Gott seines himm-
für das Volk getan hatte. Eins dieser Feste lischen Vaters gestellt hat. Bei jeglichem
war das Fest der Erstlingsgarbe, welche Dienst, den Menschen für Gott verrichten,
uns an den Erstling erinnert, Christus (1. muss die Person des Herrn im Vordergrund
Kor 15,20.23). Sie wurde „am anderen stehen. Er ist es, der letztlich der Inhalt je-
Tag nach dem Sabbat“, also am Sonntag, des Dienstes ist – auch die Motivation für
dem ersten Tag der Woche, gebracht, ein jede Arbeit. Er soll in allem den Vorrang
Hinweis auf den Erstgeborenen aus den haben, Ihn sollen wir vor den Augen und
Toten, den Auferstandenen. So war sie Herzen der Menschen groß machen.
„zum Wohlgefallen“ vor dem Herrn, ein
lieblicher Geruch für Gott. Und kommen
wir nicht auch an diesem Auferstehungstag Wiedereinsetzung der Opfer
des Herrn zusammen in dem Bewusstsein (Esra 6,10)
dieses lieblichen Geruchs, wenn wir das
Brot brechen (1. Kor 10,16) und in beson- Das Volk Israel hatte das verheißene Land
derer Weise an den geliebten Sohn Gottes erreicht, in Besitz genommen und auch Op-
denken und Ihn gewissermaßen „als Erst- fer dargebracht. Aber im Laufe der Jahre
lingsgarbe weben“? wandte es sich immer weiter von Gott ab.
Es kam die Zeit der Richter und der Könige,
aber es gab kein Mittel, dieses Volk in der
Dienst für den Herrn Nähe Gottes zu halten. Zwar gab es Einzel-
(4. Mose 18,17) ne, die an Gott festhielten, und auch einige
Könige, die das Volk zu Gott zurückführten,
Wenn es um den Dienst für den Herrn geht, aber insgesamt ging der Weg immer weiter
begegnen wir wieder diesem lieblichen Ge- bergab. Die 10 Stämme des Volkes Israel,
ruch. Aaron, seine Söhne und die Leviten die das Nordreich bildeten, wurden in der
sollten den Dienst verrichten in seinen Zeit des Königs Hosea nach Assyrien weg-
unterschiedlichen Ausprägungen. Jeder geführt (2. Kön 18). Die zwei Stämme des

Folge mir nach


29
„Alles an Ihm ist lieblich“

Königreichs Juda wurden unter Jojakim danken zu dem Hügel Golgatha? Sehen
und unter Zedekia nach Babel weggeführt wir dort und auch auf dem Weg dorthin
(2. Chr 36). nicht unseren Herrn Jesus in seiner völli-
gen Hingabe? Dann dürfen wir etwas von
In seiner Gnade gab Gott es dem persi- dem Duft, der zum Himmel emporstieg,
schen König Kores ins Herz, das Haus Got- empfinden.
tes in Jerusalem wieder aufbauen zu lassen
als ein Haus, wo man Schlachtopfer opfert.
Nach Esra 4,24 hörte die Arbeit jedoch wie- Völlige Hingabe (Eph 5,2)
der auf, bis der König Darius von Persien
den Befehl zum Weiterbauen gab. Er tat es Was uns die vielen Opfer im Alten Testa-
mit der bemerkenswerten Aussage: „damit ment andeuten, finden wir jetzt vollendet.
sie dem Gott des Himmels Opfer lieblichen Christus hat uns geliebt und sich selbst für
Geruchs darbringen“ (Esra 6,10). uns hingegeben. Er selbst hat sich darge-
bracht als Schlachtopfer. Im alten Bund
Ein heidnischer König sagte diese Worte, wurden Tiere geschlachtet, ihr Blut wurde
nachdem Jahrhunderte lang nichts mehr an den Altar gesprengt, der Leib des Tie-
zu lesen war von diesem lieblichen Ge- res zerlegt in seine einzelnen Stücke, und
ruch! Zeigt uns das nicht, wie gnädig und das Fett wurde auf dem Opferaltar vor Gott
gütig unser Gott ist?! Auch heute leben wir geräuchert. Alles deutet auf das eine, voll-
in einer Zeit, in der nur wenige etwas von kommene Opfer hin, auf Christus. Aber
dem wahren Gott und seinem Sohn, Jesus Christus hat sich selbst geopfert, „Gott zu
Christus, wissen wollen. Aber Gott sucht einem duftenden Wohlgeruch“. Nichts hielt
auch heute noch Menschen, die diesen lieb- Ihn auf. Jesus nun, der alles wusste, ging
lichen Geruch des Werkes des Herrn Jesus den Weg ans Kreuz. „Und sich selbst das
erkennen und ihn sozusagen in Anbetung Kreuz tragend, ging er hinaus zu der Stät-
vor Gott bringen. Steigt er aus meinem und te ... Golgatha“ (Joh 19,17). In der Mitte,
deinem Herzen hinauf zu Gott? zwischen zwei Verbrechern, die wegen ver-
dienter Strafe gekreuzigt wurden, hing Er,
als sei Er der Größte der Verbrecher. Nie-
Alles an ihm ist lieblich (Hoh 5,16) mand sah in diesem Augenblick, dass dort
die größte Verherrlichung Gottes vollbracht
Wenn wir beim Lesen dieses Buches daran wurde, die je geschehen ist. Aber Gott, der
denken, dass hier bildlich auch die Bezie- Vater unseres Herrn Jesus Christus, Er roch
hung zwischen wiedergeborenen Christen den lieblichen Geruch dieses Werkes. Der
und dem Herrn Jesus dargestellt wird, Herr Jesus konnte sagen: „Ich habe dich
kommen wir wie die Braut in diesem „Lied verherrlicht auf der Erde; das Werk habe
der Lieder“ am Ende zu dem Schluss: „Al- ich vollbracht, das du mir gegeben hast,
les an ihm ist lieblich“. Wenn wir uns mit dass ich es tun sollte“ (Joh 17,4).
seiner Person beschäftigen, dürfen unsere
Herzensempfindungen wie eine kostbare
Narde sein (1,12). Die Beschäftigung mit Der Wohlgeruch der Person und des Wer-
seinen Leiden sind vorgebildet, wenn von kes Jesu Christi – ein Gegenstand ewiger
Myrrhe die Rede ist (3,6; 4,6). Wenn wir Anbetung für uns. Und auch junge Christen
von dem „Myrrhenberg“ und „Weihrauch- dürfen in diese Anbetung einstimmen!
hügel“ (4,6) lesen, gehen dann unsere Ge-
Michael Simmer

30
Kamel, Schwein oder
Schaf?

P riscilla hat sich intensiv mit der Bergpredigt beschäftigt und erkannt, dass sie
als Jüngerin des Herrn Jesus eigentlich Licht in ihrer Umgebung sein sollte. Aber
nicht selten sieht sie alles schwarz und hat keinen Funken Freude in sich. Johannes
dagegen führt ein brillantes Christenleben vor, das seine gläubigen Freunde
beeindruckt. Er selbst aber weiß, dass es bei ihm im Herzen ganz hohl ist und dass
er sich am liebsten mit vollen Zügen ins Vergnügen stürzen möchte – und es auch
manchmal heimlich tut. Wie können die beiden – und vielleicht auch wir – das
Dilemma einer glücklosen Jüngerschaft lösen?

Der Mensch ist, was er isst Der Schaf-Christ – Kennzeichen 1:


Gut verdauen
Essen wird in Gottes Wort nicht nur als ein
Ausdruck der Gemeinschaft geschildert (vgl. Gottes irdisches Volk erhielt genaue Vor-
zum Beispiel Off 3,0), sondern auch als schriften darüber, welche Tiere es essen
ein Bild für die Aufnahme geistlicher Nah- durfte. Dabei werden in 3. Mose 11,1–8
rung (vgl. zum Beispiel Joh 6,56: „Wer mein zwei wesentliche Merkmale erwähnt: Die
Fleisch isst ...“). Und dann ergibt sich daraus Tiere mussten Wiederkäuer sein, und sie
natürlich auch, dass die jeweilige Gemein- mussten ganz gespaltene Hufe haben, wie
schaft, das angebotene Essen, der „Inhalt“ zum Beispiel Schafe, Kühe oder Ziegen.
abfärbt auf den oder die Teilnehmer. Des- Aus 1. Korinther 9,10 und anderen Stellen
des Neuen Testaments können wir entneh-
men, dass diese Vorschriften für uns Chris-
ten zwar keine direkte, aber sehr wohl eine
übertragene, geistliche Bedeutung haben.
Diese wollen wir herausarbeiten und dann
für unsere Fragestellung nutzen.

Jeremia spricht davon, dass er einmal Got-


tes Worte gegessen hat (Jer 15,16), und
auch der Herr Jesus nennt sich das „Brot
des Lebens“, also die Nahrung für seine
halb gibt uns Gott im Alten Testament, dem Jünger. Wann haben wir zum letzten Mal
„Bilderbuch“ des Neuen, in 3. Mose 11 Un- für uns persönlich in Ruhe einen Text aus
terricht, wie wir durch geeignete Nahrungs- der Bibel gelesen? Und wie sieht es mit der
aufnahme ein echtes und überzeugendes Regelmäßigkeit der Bibellese aus? Nah-
Leben als Christen führen können. Zugleich rungsaufnahme ist also die erste Vorausset-
warnt es uns vor Schäden verschiedener zung für Wachstum, sonst folgt der geistliche
Art. Hungertod!
Folge mir nach
31
Aber dann sollen wir auch über das Gelese- und aller Einsicht, damit ihr prüfen mögt,
ne oder Gehörte gründlich nachdenken, es was das Vorzüglichere ist, damit ihr lauter
„wiederkäuen“: „Über deine Satzungen will und ohne Anstoß seid auf den Tag Christi“
ich sinnen“ (Ps 119,48). Wie geht das denn (Phil 1,9–10).
eigentlich? Zum Beispiel kann man sich ei- „Deshalb hören auch wir nicht auf,... für
nige Fragen zu den gelesenen Bibeltexten euch zu beten und zu bitten, damit ihr erfüllt
stellen und beantworten, um das Gelesene sein mögt mit der Erkenntnis seines Willens
wirklich in sich aufzunehmen: in aller Weisheit und geistlicher Einsicht,
Was ist der sachliche Zusammenhang um würdig des Herrn zu wandeln zu allem
des Abschnittes? Wohlgefallen“ (Kol 1,9–10).
An wen richtet sich der Text in „erster
Instanz“? Wer zum Beispiel verstanden hat, dass der
Was sagt er mir über den Herrn Jesus? Herr Jesus sich für uns hingegeben hat, um
Welche Aussagen (zum Beispiel über die uns aus dieser gegenwärtigen bösen Welt
Zukunft oder über die Christen) werden herauszunehmen (Gal 1,4), sollte sich prü-
gemacht? fen, ob er in seinem Alltag diesem Ziel Got-
Was für praktische Hinweise kann ich für tes entspricht – und gegebenenfalls neu oder
mich mitnehmen? nun endlich auf Abstand gehen zu weltlichen
Muss ich mein Christenleben gegebe- Veranstaltungen oder Freunden.
nenfalls korrigieren?
Innere Zunahme an Verständnis von Got-
Lasst uns mit neuer Motivation, mit Freude tes Gedanken und ein dementsprechender
und mit der nötigen Ruhe Gottes Wort le- Lebensstil sollten immer parallel zueinander
sen, damit es unser Denken und unser Herz verlaufen und nicht auseinander klaffen. Wie
erfüllt! Dann tragen wir eines der beiden Paulus für die Philipper und Kolosser bat,
Kennzeichen eines „Schaf-Christen“. dürfen (und müssen!) wir den Herrn immer
wieder um Kraft für eine solche Jüngerschaft
„im Gleichschritt“ zwischen Theorie und
Der Schaf-Christ – Kennzeichen 2: Praxis bitten – und auch füreinander!
Lebensstil anpassen

Die Tiere mussten außerdem auch ganz ge- Der Kamel-Christ


spaltene Hufe haben. Das befähigt die Tiere,
sich abzustützen und so bei abschüssigem Groß und majestätisch geht das Kamel, ein
Gelände den Halt nicht zu verlieren. Ge- Wiederkäuer, durch die Wüste. Es hat kei-
stärkt durch gut verdaute Nahrung konnten ne gespaltenen Hufe und kann deshalb am
sie jetzt mit gespaltenen Hufen ein Abrut-
schen, Abgleiten und Versacken verhindern
und auf festem Boden laufen. So kann auch
ein Christ durch ein Leben mit seinem Herrn
und genährt durch Gottes Wort in der Kraft
des Heiligen Geistes den Anforderungen
des Lebens entsprechen, ohne in die „Täler
der Sünde“ abzurutschen.

Eine gute Aufnahme von Gottes Wort soll-


te immer einen entsprechenden Lebensstil
nach sich ziehen:
„Um dieses bete ich, dass eure Liebe noch
mehr und mehr überströme in Erkenntnis

32
Kamel, Schwein oder Schaf?

besten im Wüstensand laufen, aber nicht gut Leben wir vielleicht manchmal nach außen
auf festem Boden. hin tadellos (entspricht: gespaltene Hufe)?
Sonntags besuchen wir in einwandfreiem
Sind auch wir manchmal ganz erfüllt von Äußeren die Zusammenkünfte der Christen,
Gottes Wort, haben es vielleicht auf einem singen im Chor mit und helfen auch bei der
Jugendtag oder in einem Zusammenkom- Renovierung des Versammlungsraums flei-
men der Gläubigen mit großer Freude ßig mit. Vielleicht bemühen wir uns auch
aufgenommen (entspricht: wiederkäuen)? krampfhaft, das Böse in uns in Schach zu
Aber statt dann mit Freude den Weg mit halten. Aber innen sind wir vielleicht völlig
dem Herrn zu gehen, in der Kraft, die Er leer (entspricht: kein Wiederkäuer), haben
schenken will, quälen wir uns mit Seufzen die Bibel seit Wochen oder Monaten kaum
und Stöhnen durch unser Leben, sehen im-
mer die vielen Probleme und haben keinen
Halt im Alltag (entspricht: keine gespaltene
Hufe). Und dann stellen wir fest, dass wir
das gar nicht verwirklichen, was wir aus der
Bibel meinten, verstanden zu haben. Ganz
im Gegenteil – wir verspüren die Unfähig-
keit, das Alltagsleben („Wüste“) mit unserem
Herrn zu leben.

Niedergeschlagen überdenken wir unser Le-


ben: Haben wir es vielleicht ohne wirkliche
Nähe zum Herrn verbracht, ohne genügend
stille Zeit vor Ihm am Morgen? Dann kön-
nen wir uns natürlich nicht „im Herrn freu-
en“ (Phil 4,4). Oder haben wir nicht mehr gelesen, geschweige denn richtig über ihre
daran gedacht, dass Christus in der Herr- Botschaft – auch die der Befreiung von der
lichkeit als unser Kampfpreis Motivation Macht der Sünde – nachgedacht. Und als
und damit Kraft für ein Leben mit Ihm gibt Folge liegen unsere Interessen tatsächlich
(Phil 3,14)? Dann dürfen wir neu mit Ihm ganz woanders: zwielichtige Chatrooms
anfangen, und in der Kraft des Geistes auch oder Internetseiten, Discobesuche, Stamm-
das gut verdaute Wort Gottes „mit Freude tisch, usw.. Glücklich? Weit gefehlt! Aber wie
und mit fröhlichem Herzen“ (5. Mo 28,47) kommen wir aus einem solchen Kreislauf
ausleben! Das wird dann nicht nur Priscilla heraus?
froh machen.
Wir dürfen auch in einer solchen verkorks-
ten Lage zu dem Herrn beten, ja schreien,
Der Schweine-Christ und Er wird uns hören, uns unsere Sünden
vergeben. Und dann wird Er uns auch die
Super, diese sogar ganz gespaltenen Hufe Kraft geben, um die Texte der Bibel nicht
des Schweins! Ideal für einen stabilen nur aufzunehmen, sondern auch gut zu ver-
Gang. Doch jeder weiß: Die Schweine lie- stehen und als festen Bestandteil unseres
ben den Dreck über alles (vgl. 2. Pet 2,22). Denkens und unseres Willens festzuhalten.
Und Gottes Wort nennt in 3. Mose 11 den Sein Heiliger Geist wohnt in jedem Christen.
Grund, warum das Volk keine Schweine es- Er gibt uns Verständnis des Wortes Gottes
sen durfte: Es war kein Wiederkäuer. Auch (Joh 16,13) und auch die Kraft, Gott wohl-
wir Christen können leider manchmal zu gefällig zu leben (Gal 5,24.25) und Nein zur
„Schweine-Christen“ werden: Sünde zu sagen.
Martin Schäfer
Folge mir nach
33
Sind Schafe wirklich
dumm?

„D u dummes Schaf!“, werden wir manchmal geschimpft, wenn wir


etwas falsch gemacht haben oder ungeschickt waren. Nun scheinen Schafe
im Vergleich mit uns Menschen ja auch wirklich dumm zu sein ...

Was Schafe alles nicht können mer hüpften unbeholfen hin und her und
steckten ihre vorwitzigen Nasen überall
Schafe haben zum Beispiel keinen eigenen hin. Das eine oder andere Schaf musterte
Orientierungssinn. Wenn sie einmal vom uns auch mal neugierig. Doch so sehr wir
Weg abgekommen sind und den Anschluss die Tiere auch anzulocken suchten, selbst
an ihre Herde verloren haben, finden Scha- die kleinsten Lämmer reagierten nicht auf
fe nicht wieder alleine zurück. unser Rufen. Sie ließen sich in ihrem mun-
Schafe können sich auch nicht gegen wilde teren Treiben nicht stören. Doch als der Ei-
Tiere schützen. Während sich Rinder mit gentümer des Schafhofes den Stall betrat
den Hörnern nach außen im Kreis aufstel- und seine Tiere begrüßte, horchten alle
len oder Pferde einen Kreis bilden, bei dem sofort auf.
sie den Feind mit den Hinterhufen treten „Ich hab heute so viel für die Klassenarbeit
können, bleiben Schafe einfach stehen gepaukt, jetzt brauche ich mal ein paar
oder laufen wild durcheinander. Minuten für mich“, sagst du vielleicht und
Und fällt einmal ein Schaf auf den Rücken, schnappst dir dein Fahrrad. Oder hörst
kann es sich nicht wieder selbst auf die Bei- eine gute CD, telefonierst mit deinem
ne helfen. Ein Schaf kann noch nicht einmal besten Freund … Alles völlig in Ordnung,
gutes Gras von schlechtem unterscheiden. außerdem haben selbst Schüler heute lei-
Auf sich alleine gestellt, sind Schafe völlig der oft schon einen so dicht gedrängten
hilflose Tiere. Wirklich dumm, oder? Terminkalender, dass kaum noch Zeit zum
Atmen bleibt. Aber bleibt dabei auch noch
Aber schauen wir uns doch einmal ein paar Zeit fürs Bibellesen? Wie gut, wenn wir uns
Punkte an, die uns der Herr Jesus selbst in jeden Tag eine Zeit frei halten, um in Got-
Gottes Wort über Schafe berichtet. Viel- tes Wort zu lesen und es auf uns wirken zu
leicht sind Schafe in Wirklichkeit doch viel lassen. Es ist äußerst wichtig, auf die Stim-
schlauer, als wir klugen Menschen immer me unseres guten Hirten zu hören. Das ist
meinen. Hören wir mal, was unser Herr wirklich nicht dumm!
über die „dummen Schafe“ sagt: Schafe
… Schafe kennen die Stimme ihres
Hirten (Joh 10,4)
Schafe hören die Stimme ihres
Hirten (Joh 10,3) Eine alte Anekdote berichtet, dass der
Chef der Bank von England einmal gefragt
Im Urlaub durften wir einmal in den Stall wurde, wie es komme, dass es in seiner
eines Schafhofes sehen. Das war ein Blö- Bank keine Probleme mit Falschgeld gebe.
ken und Mähen. Die neu geborenen Läm- „Bestimmt lassen sie ihre Mitarbeiter oft

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schulen, damit sie die Merkmale der vie- waren oder denen er begegnete. Folge mir
len Fälschungen kennen“, vermutete der nach! Diese Aufforderung richtet er auch
Fragesteller. „Nein“, antwortete der Bank- heute noch an dich und mich. Wir können
direktor. „Aber meine Mitarbeiter prägen es nur tun, indem wir das, was Er uns in
sich immer wieder neu die Kennzeichen seinem Wort zeigt, in unserem Leben täg-
der echten Banknoten ein.“ lich verwirklichen. In Abhängigkeit von Ihm
Nicht anders machen es die Schafe. Sie und mit seiner Hilfe, denn aus eigener Kraft
hören nicht nur die Stimme ihres Hirten, werden wir es nicht schaffen. Ob wir doch
sie kennen seine Stimme auch, das heißt, etwas von den dummen Schafen lernen
sie sind in der Lage, die Stimme ihres Hir- können?
ten von den Stimmen anderer Menschen
zu unterscheiden. Wie machen sie das?
Können sie so viele verschiedene Stimmen
unterscheiden? Nein, sie kennen einzig
und allein die Stimme ihres Hirten. Jede
Stimme, die anders klingt, ist nicht die ihres
Hirten.

Und wie steht es bei uns mit dieser Fähig-


keit? Gegen gute Bücher ist nichts einzu-
wenden, schon gar nicht, wenn sie uns den
Herrn Jesus näher bringen. Doch nur in
Gottes Wort selbst können wir die Stimme
unseres Herrn so gut kennen lernen, dass
wir sie aus den vielen, oft sehr christlich
klingenden Stimmen heraus hören können.
„Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, son- Schafe folgen keinem Fremden
dern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; (Joh 10, 5)
denn viele falsche Propheten sind in die
Welt ausgegangen“ (1. Joh. 4,1). Gar keine Schafe entwickeln ein bedingungsloses
dumme Eigenschaft der Schafe, oder? Vertrauen zu ihrem Hirten. Egal, wohin
er sie führt, sie laufen hinter ihm her. Und
Schafe folgen ihrem Hirten nur hinter ihm. Einem Fremden werden sie
(Joh 10,4) nicht folgen.
Auch heute noch ist es ein beeindrucken- Menschen, die uns hinter sich her ziehen
des Bild, einen Schafhirten mit seiner Her- wollen, begegnen wir heute zuhauf. Doch
de auf der Wanderschaft zu beobachten. dass sie uns in die Irre führen, bemerken
Der Hirte geht vorne weg, den Hirtenstab wir nicht immer rechtzeitig. Die wirksams-
in der Hand. Dahinter folgen die Schafe. te Methode, wirklich nur unserem guten
Sie laufen nicht schneller als er und über- Hirten, dem Herrn Jesus zu folgen, ist, sich
holen ihn, sie laufen auch nicht neben dem täglich neu mit ihm zu beschäftigen und
Hirten her, denn dann könnten sie ihn aus sich im Gebet seiner bewahrenden Gnade
dem Auge verlieren, wenn er einmal unver- anzubefehlen. Nur wenn wir IHM vertrau-
mutet stehen bleibt. en und IHM nachfolgen, werden wir das
Ziel erreichen.
Folge mir nach, nicht nur der Titel dieser
Zeitschrift. Dreizehnmal richtet der Herr Und da sage noch einer, Schafe wären
Jesus diese Aufforderung in den Evange- dumm!
lien an Menschen, die zu ihm gekommen Stefan Busch
Folge mir nach
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Pardonné – Vergeben
Ein kleiner französischer Dorffriedhof. Hier befindet sich ein Grab mit einem gravierten
Stein. Nur ein Wort steht darauf: „Pardonné“ – VERGEBEN!

Wer liegt darunter? Das weiß keiner mehr. Sein Alter, seine Herkunft, sein Beruf? Un-
bekannt. Aber das eine steht fest: VERGEBEN! Gott hat ihm vergeben! Vergessen von
den Menschen, aber Gott kennt ihn!

VERGEBEN – das heißt zu-


nächst: Er war schuldig. Er hatte
durch seine Sünden gegen Gott
gehandelt. Er hatte den ewigen
Tod, die Verdammnis verdient.

VERGEBEN – das heißt aber


auch: Er hatte selbst verstan-
den, dass er ein Sünder war. Er
war mit seinen Sünden zu Gott
gekommen und hatte sie Ihm
bekannt. Und Gott hatte ihm
vergeben und ihn errettet!

VERGEBEN – das heißt jetzt


für diesen Unbekannten: Sein
Körper liegt in der Erde, aber
seine Seele ist bei dem Herrn Je-
sus. Und bald wird Jesus Christus in den Luftraum herunterkommen, um alle die zu sich
zu holen, die an Ihn geglaubt haben. Dann wird auch dieser Mensch auferweckt werden.
Sein Körper und seine Seele werden zusammen bei dem Herrn Jesus sein – im Himmel,
in der Herrlichkeit des „Vaterhauses“!

Das sind glückliche Leute, auf deren Grabstein dieses Wort stehen könnte:
VERGEBEN! Kennst du diese Vergebung?

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