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eln und C
Humm

2/2007
Folge mir nach

Inhalt/Impressum

Inhalt
Aus aktuellem Anlass:
Die neue homosexuelle Welle....................................................................... 4
Bibel praktisch:
Hummeln und Christen ............................................................................. 11
Ich aber und der Knabe wollen anbeten . ................................................... 12
Bibel-Lexikon:
Elihu, Esra, Esther, Erbauung, Epaphroditus, Esel . .................................... 15
Zum Nachdenken:
Pinnwand................................................................................................... 18
Bibelstudium:
Das Wort Gottes II ..................................................................................... 20
Zum Nachdenken:
Haushaltungen II ....................................................................................... 24
Post von euch:
Was ist das „Haus meiner Mutter“ (Hohelied 3,4)....................................... 30
Lebensbeschreibung:
Jan Hus – Märtyrer für Christus ................................................................. 31
Gute Botschaft:
Verloren! Verloren! ..................................................................................... 36

Impressum
Herausgeber: Anschrift der Redaktion:
Christliche Schriftenverbreitung Rainer Brockhaus · Kormoranweg 18 · 46487 Wesel
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Das persönliche Grußwort

M it Pfarrern Fußball spielen


Mein Gesprächspartner hörte sich höflich einige erläuternde Worte an,
mit der ich ihm eine evangelistische Lektüre überreichte, und antwor-
tete dann sinngemäß: „Ich spiele mit zwei Pfarrern Fußball, mit dem
einen dienstagabends, mit dem anderen freitagmorgens. Da kommt
man auch in interessante Unterhaltungen.“ Vielleicht meinte er es wirk-
lich aufrichtig. Aber war es nicht vielleicht eher eine Alibi-Funktion, die
diese beiden „frommen“ Fußballkollegen für ihn darstellten? Hoffent-
lich lässt er sich noch von der Notwendigkeit der eigenen Bekehrung
überzeugen und geht nicht – mit oder ohne die beiden Pfarrer – ewig
verloren!

Aber sind wir als bekehrte Christen nicht manchmal genauso


veranlagt? Wir besuchen Bibel- oder Jugendstunden, hören der
häuslichen Familienandacht zu, praktizieren die stille Zeit – und
meinen, unser Christentum sei damit doch wohl Gott und Menschen
wohlgefällig. Was haben wir von echtem Christ-sein verstanden,
einem Leben mit und für den Erlöser? Und geht uns das Wort Gottes
noch wirklich lebensverändernd unter die Haut, oder haben wir unser
Inneres mit einer alles abweisenden Sympatex-Schicht versehen? Sind
wir auch dann echt, authentisch, wenn uns niemand sieht, wenn wir
allein auf weiter Flur stehen, oder kommen wir nur in der Masse der
– sicher wertvollen – christlichen Freunde und Mitgeschwister klar?
Ergreifen wir Besitz von den Reichtümern der Bibel und knien wir uns
in ein Thema oder einen Text hinein, bis wir ihn verstanden haben
– oder überlassen wir diese Mühe und den Segen lieber anderen?

„Folge mir nach“ soll auch in dieser Folge Impulse geben, um falsche
Trends abzuwehren (Homosexualität). Aber ganz besonders sollen
Impulse für gute „Trends“ und Aktivitäten weitergegeben werden
(„Haushaltungen“, „Ich aber und der Knabe“ u.a.). Der beste und
eigentlich einzige Weg zu echter Nachfolge ist immer zuerst das
Studium des Wortes Gottes (S. 17). Last but not least geben uns die
Gläubigen aus Zeiten der Verfolgung (Jan Hus) einen Impuls, im
Glaubensvertrauen in jeder Lage unserem Herrn treu zu bleiben.

Das wünschen wir Euch und uns auch als Resultat der Lektüre dieses
Heftes.

Folge mir nach



Die neue homosexuelle
Welle

S exuelle Freizügigkeit ist modern. Filme, die homosexuelle


Handlungen preisen, werden ausgezeichnet. Schon seit Jahren werden
gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften vom Staat anerkannt.
Selbst Pfarrer dürfen, wenn auch im Moment nur in Ausnahmefällen,
ihre homosexuellen Partnerschaften ausleben. Jungen Menschen wird
schon in der Schule beigebracht: Einer ist heterosexuell, der andere
homosexuell, der dritte bisexuell – alles ist gut, so lange man sich
damit wohlfühlt und nicht unterdrückt wird. Ist das so? Und: Gibt es
einen Ausweg für Betroffene?

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Martin Schäfe


Die neue homosexuelle Welle

Die Trends damit begonnen, homosexuelle oder


lesbische Filmserien auszustrahlen Und
Vor rund 13 Jahren fuhr ich von Frankfurt das schwappt auf den gesellschaftlichen
mit dem Zug nach Düsseldorf. Mein Konsens über, wie er in Schule und Beruf
Sitznachbar gab sich als Pastor einer evan- diskutiert wird.
gelischen Kirche in meiner Nachbarschaft Zwar ist die homosexuelle Neigung nur bei
2–10 % der Bevölkerung vorhanden, und
die meisten Menschen hegen bis heute
eine natürliche Abneigung gegen entspre-
chende Praktiken. Aber die veröffentliche
Meinung spricht eine andere Sprache.
Christliche Jugendliche werden mit diesem
Trend immer häufiger konfrontiert und das
bereits an Schulen. Mit ihrer Überzeugung,
das Ausleben von Homosexualität sei
Sünde und abnormal, werden sie in die
Ecke gedrängt.

Was die Bibel sagt

zu erkennen. In dem Gespräch erzählte er Volkskirchen oder andere


mir, er sei auf dem Weg nach Amsterdam. Glaubensgemeinschaften mögen begin-
Dort sei es wenigstens möglich, gleich- nen zu wanken oder bereits umgefallen
geschlechtliche Partner auch kirchlich sein; die Bibel als Fundament unseres
zu trauen. Genau das werde er am kom- Glaubens(lebens) lässt uns über dieses
menden Wochenende tun. In Deutschland Thema nicht im Unklaren!
war das damals offensichtlich noch nicht 1. „Und Gott schuf den Menschen in
erlaubt. seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn;
Heute sieht die Situation anders Mann und Frau schuf er sie. Und Gott
aus. Seit 2001 erkennt der Staat segnete sie, und Gott sprach zu ihnen:
Lebenspartnerschaften von homosexuel- Seid fruchtbar und mehrt euch“ (1. Mo
len Paaren an. In manchen evangelischen 1,27.28). Gott hat den Menschen mit
Kirchengemeinden gibt es nicht nur homo- zwei unterschiedlichen Geschlechtern
sexuelle Pastoren. Sie dürfen nun sogar geschaffen. Und Er verbindet damit von
unter bestimmten Voraussetzungen zusam- Anfang an den Auftrag, als Ehepaar
men mit ihrem gleichgeschlechtlichen zusammen – das heißt Mann und Frau
Partner im Pfarrhaus wohnen. Damit ist die – fruchtbar zu sein, um Kinder zu zeugen
Praxis eines homosexuellen Lebenswandels und zu bekommen. Es ist unstrittig, dass
staatlich anerkannt und kirchlich abgeseg- dies nur durch Mann und Frau möglich
net. ist. Das ist von Gott so gewollt.
Hinzu kommt, dass in der letzten Zeit gerade 2. Gottes Partnerschaftsgebot lautet:
solche Filme international besonders ausge- „Darum wird ein Mann seinen Vater
zeichnet worden sind, die Homosexualität und seine Mutter verlassen und seiner
verherrlichen und als Normalität darstel- Frau anhangen, und sie werden
len. Dann haben auch manche TV-Sender ein Fleisch sein“ (1. Mo 2,24). Gott

Folge mir nach



bestimmt das Zusammenleben von davon, dass Christen „ohne natürliche
Mann und Frau (übrigens auch von Liebe“ sein würden.
Vater und Mutter – die Bibel kennt Das sind harte Worte! Denn Gott sagt
nicht zwei Väter oder zwei Mütter eines damit: Menschen, die homosexuell
Kindes) zur einzigen Lebensform der leben – Weichling und Knabenschänder
sexuellen Gemeinschaft. sind Ausdrücke für die beiden schwulen
3. Im Gesetz Moses findet sich mehrfach Partner innerhalb einer solchen Beziehung
das Verbot, dass Mann mit Mann oder – werden nicht in das Reich Gottes einge-
Frau mit Frau Intimverkehr haben: hen. Das heißt nichts anderes, als dass sie
„Und wenn ein Mann bei einem Mann ewig verloren gehen!
liegt, wie man bei einer Frau liegt, so Gibt es keine Chance für sie? Doch! Für
haben beide einen Gräuel verübt; sie jeden Menschen gilt: „Wenn wir unsere
sollen gewiss getötet werden, ihr Blut ist Sünden bekennen, so ist er [Gott] treu und
auf ihnen“ (3. Mo 20,13; 18,22; usw.). gerecht, dass er uns die Sünden vergibt
4. Nun mag man einwenden: Wir leben und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit“
aber als Christen nicht unter Gesetz. (1. Joh 1,9). Es gibt für jeden Menschen
Das ist wahr. Dennoch haben sich die die Möglichkeit, umzukehren, einen
moralischen Wertgrundsätze Gottes, die Sinneswandel vorzunehmen und mit der
schon vor der Zeit des Gesetzes in der Bekehrung ein Leben zu beginnen, das
Schöpfung verankert wurden, bis heute Gott gefällt. Dafür ist Jesus Christus am
nicht geändert! Daher finden wir Gottes Kreuz gestorben. Und manche der Christen
Urteil über homosexuelles Verhalten in Korinth haben gerade eine solche
auch im Neuen Testament wieder: Umkehr erfahren (1. Kor 6,11)!
„Gott hat sie hingegeben in schändli-
che Leidenschaften; denn sowohl ihre
Frauen haben den natürlichen Verkehr Wie reagieren?
mit dem widernatürlichen vertauscht,
als auch ebenso die Männer, den natür- Es ist für junge Menschen nicht leicht, in
lichen Verkehr mit der Frau verlassend, dieser gesellschaftlichen Verwirrung über-
in ihrer Wollust zueinander entbrannt haupt die richtige Orientierung zu bekom-
sind, indem sie, Männer mit Männern, men und zu behalten. Daher habe ich diese
Schande trieben“ (Röm 1,26.27). biblischen Aussagen an den Anfang gestellt.
Gottes Urteil darüber ist also: Es ist eine Die Bibel ist klar und eindeutig. Auch wenn
Schande. sogar Kirchen heute etwas anderes lehren:
5. Nun bezieht sich Römer 1 besonders Wir müssen und wollen bei der biblischen
auf heidnische Menschen. An einer Bewertung von Homosexualität bleiben!
anderen Stelle sind wir jedoch mitten Allerdings gibt es inzwischen Gesetze,
in der Christenheit. Paulus schreibt an die es jungen und älteren Christen nicht
die Korinther: „Oder wisst ihr nicht, leicht machen, sich anderen Menschen
dass Ungerechte das Reich Gottes nicht gegenüber richtig auszudrücken. In vielen
erben werden? Irrt euch nicht! Weder Unternehmen ist es verboten, sich diskrimi-
Unzüchtige noch ... Ehebrecher, noch nierend über Homosexualität zu äußern.
Weichlinge, noch Knabenschänder ... Das gehört zu den sogenannten Diversity-
werden das Reich Gottes erben“ (1. Kor Grundsätzen. Niemand darf wegen Rasse,
6,9.10). Und in seinem letzten Brief, an Hautfarbe, Geschlecht, Religion und sexu-
Timotheus, spricht Paulus noch einmal eller Orientierung Nachteile erleiden oder


Die neue homosexuelle Welle

diskriminierend behandelt werden. An diese Steht Homosexualität auf einer


Gesetze haben wir uns zu halten. Denn Stufe mit Rasse, Geschlecht etc.?
auch Gottes Wort fordert uns nicht auf, in
Unternehmen gegen diese Sünden vorzuge- Eine Frage, die heute immer wieder auf-
hen. Im Alltag sind solche Äußerungen zwar geworfen wird, ist, ob man die sexuelle
nicht verboten. Aber der Gleichbehandlun Orientierung, wie das heute genannt
gsgrundsatz, den das Grundgesetz aufstellt, wird, genauso wenig beeinflussen kann
wird immer mehr dahin ausgelegt, dass er wie Rasse, Hautfarbe und Geschlecht.
auch die Lebensform der Homosexualität Aber dahingehende Vermutungen sind
schützt. Und es wird allemal als „politisch bislang wissenschaftlich nicht belegt
inkorrekt“ angesehen, Gottes Meinung zu worden, auch wenn manche sogenann-
diesem Thema zu vertreten. ten „Laboruntersuchungen“ in diese
Wichtig aber ist, dass man sich innerlich Richtung argumentieren. Tatsächlich zeigen
nicht durch die aktuelle Stimmungslage die Untersuchungen der letzten Jahre
dahingehend beeinflussen lässt zu meinen, jedoch, dass das Gegenteil der Fall ist.
Homosexualität gehöre zur Freiheit des Untersuchungen von Wissenschaftlern, die
Menschen. Gott sieht einmal Vorreiter waren
das anders. Und wir in der Bewegung
wollen uns auf die zur Unterstützung
Seite Gottes stellen! schwuler Menschen,
Es ist zwar wahr, dass ihre Homosexualität
Gott dem Menschen auch auszuleben,
den Willen lässt, sich sind inzwischen zum
auch gegen die gött- Ergebnis gekommen,
lichen Anweisungen dass man homosexu-
zu entscheiden. Aber elles Verhalten, wenn
sich diese „Freiheit“ man denn wirk-
zu nehmen heißt, sich lich will, verändern
gegen Gott zu stellen. kann. Ein Beispiel
Wer dem Herrn Jesus dafür ist Robert L.
nachfolgen möchte, Spitzer, Professor für
lässt sich nicht für Psychiatrie und Leiter
homosexuelle Handlungen „anwerben“. des biometrischen Forschungszentrums
Ich werde es nie vergessen, wie ich vor am staatlichen psychiatrischen Institut der
über 20 Jahren in einem Schwimmbad Stadt New York in den USA, der aufgrund
regelrecht angegangen worden bin, mit einer Befragungsreihe seine vorher sehr
einem ein paar Jahre älteren Mann ein sol- ausgeprägte Überzeugung, Homosexualität
ches „Spiel“ zu treiben. Junge Menschen sei in einer Persönlichkeit unveränderbar
– ob männlich oder weiblich – brauchen verankert, deutlich revidierte.1
heute viel Rückgrat, um sich den sündigen Er befragte 200 Interviewteilnehmer,
Verführungen dieser Gesellschaft nicht zu die aussagten, sie hätten ihre homo-
öffnen, sondern standhaft ein moralisch sexuelle Orientierung zugunsten einer
reines Leben zu führen. heterosexuellen Orientierung verändert.
Interessanterweise war der ganz überwie-

1
Robert L. Spitzer: „Can some gay men and lesbians change their sexual orientation? (2001, 2003 veröffentlicht).

Folge mir nach



gende Teil dieser Menschen glaubensgetrie- schwarze Hautfarbe, seine Rasse etc. kei-
ben in diesem Veränderungsprozess. 93 % neswegs verändern kann, ist dies auf sexu-
gaben an, dass ihnen ihre Religion „außer- ellem Gebiet offensichtlich möglich!
ordentlich wichtig“ oder „sehr wichtig“ war. Brauchen wir Statistiken, um zu wissen,
Für 81 % war der schwule Lebensstil emo- dass die Bibel recht hat? Natürlich nicht!
tional unbefriedigend, für 79 % bestand ein Aber angesichts der Tatsache, dass heute
religiöser Konflikt. 67 % der Männer und immer wieder damit argumentiert wird,
35% der Frauen hatten den Wunsch zu hei- dass Homosexualität angeboren sei – sozu-
raten oder verheiratet zu bleiben. sagen in den Genen liege – helfen diese
Bemerkenswert ist auch die zeitli- Untersuchungen auch jungen Christen in
che Entwicklung auf diesem Gebiet. der Argumentation mit Gleichaltrigen, um
Durchschnittlich begann die homosexu- noch deutlicher darzulegen, dass es keine
elle Anziehung im Alter von 12 Jahren homosexuelle Identität im Wesenssinn gibt,
(!). Die Bemühung um Veränderung kam wohl aber eine homosexuelle Neigung
dann im Alter von 30 Jahren, der Beginn (Homophilie), die zu homosexuellem
der Veränderung in den Gefühlen im Alter Verhalten (Homosexualität) führen kann.
von 32 Jahren. Mit 35 war dann das Ende
der Veränderungsbemühung (für 78 %
der Probanden) erreicht. Das zeigt nicht Ursachen für homosexuelles
nur, wie früh Menschen zu homosexuel- Verhalten
len Handlungen kommen oder verführt
werden. Es wird auch deutlich, wie lang Wie können solche homosexuellen
und schwer ein Weg zurück ist! Neigungen entstehen? Untersuchungen2
Interessant ist auch, dass immerhin 66 % mit jungen Leuten, die eine homosexuelle
der Männer und 44 % der Frauen sagten, Orientierung haben, zeigen, dass homose-
dass sie nach dem Veränderungsprozess xuelles Verhalten fast immer mit tiefer lie-
eine gute heterosexuelle Beziehung erle- genden sozialen Bedürfnissen verbunden
ben. Das mag nach wenig aussehen. ist, die nicht gestillt werden. So ist es nicht
Aber wenn man den Druck der heutigen von ungefähr, dass homosexuell orientierte
Gesellschaft zum „Outing“ kennt, und auch Jugendliche häufiger als heterosexuelle
die Kraft sexueller Gewohnheiten, wirkt Jugendliche psychische Probleme haben
dieser Prozentsatz nicht mehr so niedrig. und Problemverhalten in unterschiedlicher
Er zeigt aber doch, welche gewaltigen Form zeigen.
Anstrengungen notwendig sind, um ein Dokter Cor Reumermann nennt fol-
einmal eingefahrenes sexuelles Verhalten gende sieben möglichen psychologischen
zu verändern. Faktoren3 für das Entstehen homosexueller
Dieses Datenmaterial, verbreitet von Neigungen:
jemanden, der früher das Gegenteil wis- a) eine dominierende Mutter;
senschaftlich behauptete, macht eben b) ein schwacher/passiver Vater4;
auch deutlich: Es ist möglich, seine sexu- c) eine überbeschützende Mutter;
elle Orientierung zu ändern. Während man d) brutale Eltern;
durch sein Verhalten seine weiße oder e) schlechte eheliche Beziehungen;

2
Vgl. z.B. Joseph Nicolosi und Linda Ames Nicolosi: Herausforderung Adoleszenz, 2005.
3
Folge mir nach 3/1993, S. 29 (Artikel ist online unter www.folge-mir-nach.de verfügbar).
4
Zuweilen ist auch ein überharter Vater, auch eine Art „Übervater“, verbunden mit einer zu hohen Erwartungshal-
tung an die Kinder, Ursache für homosexuelles Verhalten.


Die neue homosexuelle Welle

f) Eltern, die eine Tochter als Sohn erzie- Erziehung schon vor der Pubertät. Alle
hen oder einen Sohn als Tochter; Eltern sollten immer wieder den Herrn
g) Mangel an gesunder sexueller um Weisheit und Kraft bitten, ihre Kinder
Erziehung, besonders wenn Sexualität in einer Atmosphäre der Liebe, der
streng als Tabu betrachtet wird. Geborgenheit und des Vertrauens zu erzie-
Man könnte noch hinzufügen, dass miss- hen. Dazu gehört sicher auch, sich vor den
brauchte Kinder und Jugendliche, die sehr aufgezählten Deformationen bewahren und
früh sexuelle Erfahrungen gemacht haben, warnen zu lassen. Und alle Christen sollten
andererseits auch solche Menschen, die für „gesunde“ Ehen und Familien beten!
sich überfordert fühlen, leichter zu homose- Trotzdem sieht die Realität leider manch-
xuellen Empfindungen neigen. Öfter haben mal anders aus, und so leben auch manche
Betroffene berichtet, dass sie in ihrer Kind- Kinder von Christen in äußerst schwierigen
und Jugendzeit viel gehänselt wurden, Familienverhältnissen, die zu den beschrie-
von ihren Eltern nicht für voll genommen benen traurigen Ergebnissen führen
wurden bzw. sich in der Schule, bei Hobbys können. Bist du davon betroffen? Dann bete
und auch zu Haus überfordert bzw. minder für dich selbst um Kraft, dem Herrn treu zu
bleiben, und suche gläubige Freunde, die
dir helfen, ein Leben nach Gottes Normen
zu leben. Und bete für deine Eltern! Wissen
wir um solche Situationen? Dann gilt auch
hier: „Betet unablässig“ (1. Thes 5,17).
Zugleich gilt es, viel Einfühlungsvermögen
für Betroffene zu zeigen und nicht durch
Unvorsichtigkeit Porzellan zu zerschlagen.

Ein Weg aus der Sackgasse

Wenn nun – aus welchen Gründen auch


immer – ein junger Mensch sich für einen
homosexuellen Lebenswandel geöffnet hat,
führt ihn in aller Regel ein scharfer Verweis
und ein ständiger Hinweis darauf, dass er sün-
digt, nicht zurück. Als Jugendzeitschrift sehen
wir uns außerstande, Therapievorschläge zu
unterbreiten. Dafür gibt es Fachleute. Das,
bemittelt vorkamen. Nicht selten war was wir weitergeben wollen, sind letztlich
ein herrischer oder ständig abwesender Hilfestellungen, die man nachlesen kann.
Vater bzw. gestörte Verhältnisse der Eltern Nötig ist eine bedingungslose Annahme der
mit ein Anlass, sich für homosexuelle homosexuellen Kinder vonseiten der Eltern.
Zuwendungen zu öffnen. Hinzu kommt Nicht selten wird sie mit dem Bekenntnis
noch das „Hineinrutschen“ durch Neugier. der Eltern oder anderer entscheidender
Diese vielen Ursachen zeigen: Es gibt nicht Bezugspersonen einhergehen müssen, dass
den einen Musterfall; die Hintergründe sie versäumt haben, sich selbst richtig zu ver-
können ganz unterschiedlich sein. halten. Das kann einschließen, dass sie die
Ein wichtiger Punkt ist aber offenbar die Bedürfnisse ihrer Kinder wenig oder sogar

Folge mir nach



Die neue homosexuelle Welle

gar nicht beachtet haben. Jemand, der mit über den Erziehungsberechtigten. Konflikte
jungen Leuten arbeitet, um ihnen den Weg sind geradezu vorprogrammiert, wenn, wie
von einer homosexuellen Lebensweise hin es ja auch leider in zunehmendem Maß
zu einer heterosexuellen Orientierung zu unter Christen vorkommt, Scheidungen
weisen, schlägt Eltern vor, solche Kinder und Wiederheirat oder andere unbiblische
trotz dieses sündigen Verhaltens der elter- Arten von Partnerschaft vorliegen.
lichen Liebe zu versichern. Erfahrungsberichte zeigen, dass ein homo-
Vielleicht denken manche Christen: „Aber sexuell empfindender junger Mann auf dem
wir müssen Sünde doch Sünde nennen!“ Weg der Umkehr gerade junge Männer
Und das ist unzweifelhaft wahr. Aber die – aber eben heterosexuell lebende – als
Tatsache, dass in dem Leben des jungen Freunde braucht. Diese können ihm durch
Menschen, vielleicht ausgelöst durch das ihr Verhalten und durch geeignete Hinweise
Versagen anderer, etwas schief gelaufen ist, zeigen, dass es ein erfülltes, glückliches
sollte uns davor bewahren, in harter, lieblo- Leben gibt, das auch den Anforderungen
ser Weise zu reagieren. Es ist den so han- der Bibel entspricht. Dann braucht man
nicht einen Freund, der die idealisierten
eigenen Träume darstellt. Sondern man
erkennt, dass man eigentlich heterosexuell
veranlagt ist, aber durch Probleme mit sich
selbst und dem anderen Geschlecht auf
einen homosexuellen Weg geführt worden
ist. Und das macht es leichter, diese homo-
sexuellen Versuchungen weniger und weni-
ger auszuleben.

Eine Hilfe sein


delnden jungen Menschen nicht abzuspre-
chen, dass sie Gefühle homosexueller Art Gott ermöglicht jedem die Umkehr. Alle,
haben. Diese können sich sogar derart im die vor einem solchen Weg aus reiner
Leben eines Menschen verankert haben, Gnade bewahrt worden sind, sollten die
dass er sie nicht ohne weiteres abstoßen Augen offen halten, um solchen Menschen
kann. Man muss daher in empfindsamer eine Hilfe zu sein. Durch ein offenes Ohr.
Weise den sehr langwierigen, für beide Dadurch, dass wir durch unser Leben eine
Seiten schwierigen Weg gehen, die dem klare Orientierung bieten. Ohne sofort auf
sündigen Verhalten zugrunde liegenden alles ein Patentrezept anbieten zu müssen.
Bedürfnisstörungen zu finden und ihnen zu Dadurch, dass wir versuchen, die Nöte
begegnen. Erst dann wird man in aller Regel und Bedürfnisse eines jungen Menschen
Erfolg haben, auch das sexuelle Verhalten erst einmal zu verstehen. Junge Menschen
zu korrigieren. Daran muss sich natürlich können anderen dabei eine große Hilfe sein.
auch ein aufrichtiges Bekenntnis der Sünde Indem sie integrieren, aufnehmen, zuhören
anschließen. Jugendliche gehen, wie wir und in die richtige Gesellschaft führen.
gesehen haben, zuweilen schon im Alter „Wodurch wird ein Jüngling seinen Pfad in
von 12 Jahren einen eigenen, homosexu- Reinheit wandeln? Indem er sich bewahrt
ell orientierten Weg. Dieser Weg verbindet nach deinem Wort“ (Ps 119,9).
sich mit Misstrauen, ja oft mit Hass gegen-
Manuel Seibel

10
Was Hummeln und
Christen gemeinsam
haben

L ange Zeit konnte man mit den konventionellen aero-


dynamischen Theorien nicht erklären, warum Hummeln fliegen
können, und auch heute sind noch nicht alle Rätsel gelöst. Zum
Glück wussten während dieser Zeit die Hummeln nichts davon ...
Sie fliegen so, wie Gott sie geschaffen hat.
Manchmal haben wir eine Aufgabe, die wie kennen wir die Verheißungen, die Gottes
ein riesengroßer Berg vor uns steht. Von Wort mit dem glaubensvollen Gebet
welcher Seite aus wir uns diesem Berg auch des Gläubigen verbindet. Doch dieses
nähern, immer haben wir das Gefühl, den Wissen ist manches Mal keine lebendige
Gipfel nicht erreichen zu können. Natürlich Glaubenswirklichkeit für uns. In solchen
wissen wir, dass wir der Allmacht unseres Augenblicken menschlicher Schwachheit
Herrn und Heilandes Jesus Christus ver- darf uns das Beispiel der Hummel eine
trauen dürfen. Wir wissen auch, dass bei Hilfe sein.
dem Herrn kein Ding unmöglich ist. Doch Denn als Christen dürfen wir es wie die
statt Ihm glaubend zu vertrauen, stellen Hummel machen, die einfach fliegt, auch
wir menschliche Berechnungen auf, legen wenn der Mensch im Moment nicht in
Pläne zurecht oder diskutieren über unter- der Lage ist, alle Gründe dafür zu klären
schiedliche Handlungsmöglichkeiten. ... Lassen wir uns nicht von wissenschaft-
lichen Erkenntnissen oder menschlichen
Natürlich: Wir sollen unseren Verstand nicht Berechnungen entmutigen, sondern auf
ausschalten! Aber wie schnell lassen wir uns die Allmacht unseres Herrn vertrauen und
von der Macht menschlicher Argumente im Glauben den nächsten Schritt wagen.
und Kalkulationen niederdrücken, obwohl Egal, ob Menschen die Aufgabe für lösbar
wir das Wort des Herrn kennen, dass dem halten oder nicht.
Glaubenden alles möglich ist. Vielleicht
legen wir unsere Last sogar im Gebet dem Dem Glaubenden ist alles möglich.
Herrn vor. Aber wenn wir ehrlich sind, Markus 9,23b
werden wir zugeben, dass wir nicht wirklich
damit rechnen, dass der Herr die Dinge in Stefan Busch
die richtigen Bahnen lenkt. Mit dem Kopf
Folge mir nach
11
Ich aber und der
Knabe wollen anbeten

D ie Überschrift ist ein Zitat aus 1. Mose 22. Dort wird


berichtet, wie Abraham sich auf Gottes Befehl hin mit seinem Sohn
Isaak aufmachte, um ihn zu opfern.

Im Licht des Neuen Testamentes verste- entnehmen es der zweimaligen Aussage


hen wir, dass uns diese Begebenheit etwas „Und sie gingen beide miteinander“. Das
von der unbegreiflichen Liebe Gottes zeigt, betraf sicher die ganze Begebenheit, von
der seinen eingeborenen Sohn am Kreuz der uns in Kapitel 22 berichtet wird..
von Golgatha geopfert hat. Wie im Bild
bei Abraham und Isaak bestand auch zwi-
schen Gott, dem Vater, und dem Sohn im Ansporn für heute
Hinblick auf dieses Werk von Golgatha
eine wunderbare Gemeinschaft. Vergleichen wir die Situation mit der, wenn
sich junge Christen gemeinsam mit allen
Doch wir wollen uns an dieser Stelle vor- Geschwistern am Ort, also auch mit ihren
wiegend nur mit der Aussage beschäfti- Eltern, zum Namen des Herrn Jesus hin
gen „Ich aber und der Knabe … wollen versammeln. Aus dem Mund des Herrn
anbeten“. Da gehen Vater und Sohn an Jesus selbst wissen wir, dass dort, wo zwei
einen von Gott bestimmten Ort, um dort oder drei zu seinem Namen hin versammelt
anzubeten. Alles verlief in Harmonie und sind, Er selbst in der Mitte ist (Mt 18,20). Es
Frieden. Der Vater traf bereits frühmorgens ist ein besonderer Platz. Gottes Wort for-
die erforderlichen Vorbereitungen. Dann dert uns auf, diese Zusammenkünfte nicht
machten sie sich in Ruhe auf den Weg. Wir zu versäumen.
empfinden jedenfalls nichts von Unruhe
oder Unfrieden. Vielleicht darf ich dich in diesem
Isaak war ganz gewiss kein kleiner Junge Zusammenhang fragen, „Suchst du gern
mehr. Während seines Heranwachsens hat diesen Platz auf? Empfindest du in diesen
er mitverfolgen können, dass das Leben Zusammenkünften etwas davon, in der
seines Vaters durch Zelt und Altar gekenn- Nähe des Herrn Jesus zu sein?
zeichnet war. Diese beiden Dinge reden
von Abrahams Leben, abgesondert von
den Bewohnern Kanaans, in Gemeinschaft Zuerst eine Frage an die Eltern
mit Gott,. Und dies war nicht ohne
Auswirkungen auf den Sohn geblieben. Aber vielleicht muss ich zuerst die Eltern
So war auch der gemeinsame Weg nach fragen, ob sie ihren Kindern etwas
Morija durch diese Harmonie geprägt. Wir davon vermittelt haben? Eltern haben

12
Ich aber und der Knabe wollen anbeten

die Verantwortung zu helfen, dass lernen, fällt ihnen oft auch später nicht
bereits ihre kleineren Kinder etwas von schwer (Spr. 22,6). Vielleicht können Eltern
dem Besonderen dieser Stunden in der auch schon beizeiten das Interesse dadurch
Gegenwart des Herrn Jesus empfinden. In wecken, dass sie sich danach erkundigen,
Psalm 122,1 lesen wir „Ich freute mich, als was sie sich gemerkt haben oder was sie
sie zu mir sagten: Lasst uns zum Hause des besonders beeindruckt hat. So können wir
Herrn gehen!“ Das muss als erstes natür- „miteinander gehen“, wie es Abraham und
lich bei den Eltern so sein. Dann müssen Isaak taten.
aber auch die Kinder etwas davon verspü-

Dann eine Frage an die


Heranwachsenden

Zunächst besuchen Kinder die


Versammlungsstunden, weil es
der Wunsch ihrer Eltern ist. Aber
irgendwann, wenn Kinder eine per-
sönliche Beziehung zu dem Herrn
Jesus gefunden haben, muss es zu
einem eigenen Entschluss werden.
16 Jahre war Josia alt, als er anfing,
den Gott seines Vaters David zu
suchen (2. Chr 34,3).
ren. Ich glaube, das beginnt schon, wenn
wir die Vorbereitungen treffen, zu den Vielleicht ist mancher Leser auch gerade in
Versammlungsstunden zu gehen. Es setzt diesem Alter. Ist das auch Dein Anliegen?
sich fort, wenn wir dorthin unterwegs sind Josia wurde es nicht langweilig, Gott zu
und zieht sich hin, bis wir wieder zu Hause suchen. Sein Interesse am Haus Gottes
sind. wuchs, und er gab sich Mühe, es wieder in
einen solchen Zustand zu versetzen, dass
Vor diesem Hintergrund werden sich die Israeliten gerne dorthin gingen, um
Eltern überlegen, ob sie das Empfinden Gott anzubeten. So war sein Wunsch und
des Besonderen bei ihren Kindern fördern, Handeln auch für andere nützlich.
wenn sie diese Zeit mit Bilderbüchern
und Spielzeug „erträglicher“ zu gestalten Welch schöne Auswirkungen hat es, wenn
suchen. Ganz bestimmt sind Kinder in junge Leute Interesse für die Dinge und
ihrem Wesen sehr unterschiedlich; und sie Angelegenheiten unseres himmlischen
sollen empfinden, dass man sich darüber Vaters haben. Das war bei dem Herrn
freut, dass sie mitkommen. Manchen fällt Jesus schon als Kind deutlich geworden
es sehr schwer, nur eine Viertelstunde still (Lk 2,49). Mit einer solchen Einstellung
zu sitzen, und da mag ein Bilderbuch oder wird es keine bloße Pflichtübung sein, die
ein kleines, geräuschloses Spielzeug hilf- Zusammenkünfte zu besuchen. Und für die
reich sein; andere kommen auch über eine älteren Geschwister ist es eine Ermunterung
längere Zeit ganz gut ohne solche Hilfsmittel und Freude, wenn sie das bemerken. Vor
zurecht. Doch wir sollten immer bedenken: allen Dingen werden jedoch unser Herr
Was Kinder schon in ganz jungen Jahren Jesus und unser Gott daran Freude haben.

Folge mir nach


13
Ich aber und der Knabe wollen anbeten

Wachstum gewünscht! Um etwas bringen zu können, muss


ich gesammelt haben.
So wie körperliches Wachstum ganz natür-
lich ist, so sollte es auch in der Erkenntnis Wenn der Israelit mit einem Opfer kommen
unseres Herrn und seiner Gedanken sein. wollte, musste er sich dieses zuerst besitzen
Andere sollen merken, dass ich dem Herrn bzw. erwerben. Das gilt natürlich auch in
Jesus nachfolgen und für Ihn leben möchte. der heutigen Zeit in geistlicher Hinsicht.
Wir können dies in der Taufe ausdrücken. Wir müssen uns mit Gottes Wort beschäf-
tigen, um zu verstehen, welchen Wert der
Aber schließlich kommt der Augenblick, Herr Jesus und sein Werk für Gott haben.
wo einem jungen Christen bewusst werden Nur dann können wir Ihm etwas davon
muss: „Der Vater sucht Anbeter, die ihn in bringen. Anbetung bedeutet auch, Anteil
Geist und Wahrheit anbeten (Joh 4,23). zu haben an der Freude Gottes über seinen
„Wer Lob opfert, verherrlicht mich“ (Ps Sohn. Wir dürfen Gott sagen, was wir
50,23). Was mag es für unseren Gott an Herrlichem in seinem Sohn entdeckt
sein, wenn Er in den Herzen junger Leute haben, und dürfen Ihm danken für seine
solche Empfindungen bemerkt, und wenn unaussprechliche Gabe. Der Heilige Geist
dann junge Brüder in Worten ausdrücken möchte uns die Person des Herrn Jesus
möchten, was in ihrem Herzen ist, wenn wertvoll machen und uns an alles erinnern,
sie die „Frucht der Lippen“, die „Opfer was Er uns gesagt hat (Joh 14,26; 16,14).
des Lobes“, die Gott gefallen (Heb 13,15), Aufrichtige Beschäftigung mit der Bibel ist
vor Ihn bringen wollen? Welches Alter ist immer mit Gewinn und Freude verbun-
dafür erforderlich, 17, 20 oder 30 Jahre? den.
Die Grundlage wird in der Regel viel früher
gelegt. Wie gut ist es, wenn wir infolge der Wir wollen uns noch einmal daran erinnern:
Gewöhnung geübte Sinne haben (Heb Der Grundstein für eine solche Entwicklung
6,14). wird oft bereits im Kindesalter gelegt. Dazu
können gläubige Eltern ganz wesentlich bei-
Sicher können wir in der Stille für uns per- tragen, indem sie selbst geistliche Vorbilder
sönlich den Herrn Jesus und Gott anbeten, für ihre Kinder sind. Ohne die persönliche
seine Größe und seine Liebe bewundern. Bereitschaft der Kinder nützt jedoch auch
Aber wie wertvoll ist es für den Herrn alles Bemühen der Eltern nicht. Lass dich,
Jesus, wenn wir es gemeinsam mit unseren junger Bruder, junge Schwester, durch
Geschwistern tun, besonders dann wenn dieses Wort anspornen: „Ich aber und der
wir in Übereinstimmung mit dem Wunsch Knabe wollen …anbeten.“ Damit soll kei-
des Herrn Jesus seinen Tod verkündigen. neswegs gesagt werden, dass für ein älter
gewordenes Kind Gottes dieser Weg ver-
Natürlich gilt das auch für junge Schwestern, sperrt wäre. Gottes Gnade ist unendlich
allerdings mit der Einschränkung, dass groß. Er wartet darauf, dass alle Gläubigen
die Frauen in den Zusammenkünften der mit ganzen Herzen seinem Wort Folge lei-
Gläubigen schweigen sollen. Aber es ist sten: Der Vater sucht Anbeter, die Ihn in
ganz wertvoll, wenn sich in den Herzen Geist und Wahrheit anbeten (Joh 4,23).
wahre Anbetung Gottes und des Herrn Auch heute noch.
Jesus findet .
Rainer Möckel

14
Elihu, Epaphroditus,
Erbauung, Esra,
Esther, Esel
Elihu
5. Ein Bruder von David und Fürst von
Juda (1. Chr 27,18). Vielleicht derselbe wie
Eliab, Nr. 3.

Epaphroditus
1. Ein Sohn Barakeels des Busiters, vom
Geschlecht Ram. Er wird plötzlich in der
Geschichte Hiobs eingeführt. Er war jung
und sprach erst, als Hiob und seine drei
Freunde aufgehört hatten zu reden. Sein Epaphroditus brachte Paulus eine Gabe
Zorn entbrannte gegen Hiob, weil dieser von Philippi. Der Apostel nennt ihn
eher sich selbst rechtfertigte als Gott; und „meinen Bruder und Mitarbeiter und
gegen seine drei Freunde, weil diese ein Mitstreiter“. Als er bei Paulus in Rom war,
Urteil über Hiob fällten, obgleich sie seine wurde er sehr krank, „dem Tod nahe“. Die
Angelegenheit nicht verstanden. Nach den tiefe Zuneigung zwischen Epaphroditus
Worten Elihus handelt Gott in Gnade und und den Heiligen in Philippi wird sehr
Segen, um den Menschen vom Bösen deutlich durch seine Besorgnis, dass sie
zu befreien, ihn zu züchtigen und ihn zu von seiner Krankheit gehört haben könn-
beugen. Hiob war ein gerechter Mann, ten und dadurch selbst in Sorge um ihn
aber er musste in der Schule Gottes seine waren. Durch seine Verbindung zu Paulus
Lektion lernen (Hiob 32–36). als einem Gefangenen setzte er sein Leben
aufs Spiel (Phil 2,25; 4,18).
2. Ein Sohn Tochus und ein Vorfahre
Samuels (1. Sam 1,1). In 1. Chronika
6,12.19 offenbar Eliab und Eliel genannt. Erbauung
3. Einer der Häupter der Tausende von
Manasse, der sich David in Ziklag anschloss Das griechische Wort οικοδομέω bedeutet
(1. Chr 12,21). „bauen, erbauen“. Das gleiche Wort wird
für den Bau des Tempels in Jerusalem ver-
4. Ein Sohn von Schemaja, ein Korhiter aus wendet (Joh 2,20). Der Herr gebrauchte
der Familie Obed-Edoms, ein tapferer Mann es, als er sagte, dass Er seine Versammlung
und einer der Torhüter (1. Chr 26,7). bauen würde (Mt 16,18). Οικοδομή kommt
Folge mir nach
15
oft in den Briefen vor, wenn dazu ermahnt zunächst große Trauer, doch anschließend
wird, dass alle Dinge in der Versammlung auch Ermutigung und sogar große Freude,
zur Erbauung geschehen sollten (Röm wie sie seit den Tagen Josuas, des Sohnes
14,19; 15,2; 1. Kor 14,3–26; Eph 4,16.29). Nuns, nicht gekannt worden war.
Die Gaben in der Versammlung waren Bis auf die Erwähnungen in Nehemia
ebenfalls zur Erbauung des Leibes Christi 12,26.36 wird in der Heiligen Schrift nicht
(Eph 4,12). In Zeiten des Niedergangs oder mehr von Esra gesprochen. Josephus
sogar Abfalls werden die Christen ermun- teilt uns mit, er sei in fortgeschrittenem
tert, sich selbst zu erbauen auf ihren aller- Alter in Jerusalem gestorben. Ein früherer
heiligsten Glauben (Judas 20). So wie ein Geschichtsschreiber berichtet uns allerdings
Gebäude wächst und verstärkt wird, so von einem Grab nahe der Zweigstelle des
wird der Leib Christi auferbaut durch den Euphrat und des Tigris, welches das Grab
Dienst des Geistes durch das Wort, bis alle Esras sein könnte.
„zu dem erwachsenen Mann, zu dem Maß 2. Nachkomme Judas und Kalebs (1. Chr
des vollen Wuchses der Fülle des Christus“ 4,17)
hingelangen (Eph 4,13).

Esra Esther
Der persische Name von Hadassa, der
1. Sohn Serajas und Nachkomme Aarons, Tochter Abichails, des Sohnes Simeis, des
Priester und Schriftgelehrter. Er hatte „sein Sohnes Kis, eines Benjaminiters. Sie war
Herz darauf gerichtet, das Gesetz des Herrn eine Waise und wurde von ihrem Vetter
zu erforschen und zu tun und in Israel Satzung bzw. Onkel Mordokai aufgezogen. Sie war
und Recht zu lehren“ (Esra 7,10). Er war unter schön und wurde als passend befunden,
den Weggeführten in Babylon. Ihm wurde dem Persischen König Ahasveros vorge-
auf seine Bitte hin gewährt, nach Palästina führt zu werden, der auf der Suche nach
zurückzuziehen. Reiche Geschenke an Silber einer neuen Ehefrau war, und der wahr-
und Gold wurden ihm für den Dienst am scheinlich der in der Geschichte unter dem
Haus Gottes mitgegeben. Er erwies seinen Namen Xerxes bekannte König ist. Gott gab
Glauben darin, dass er auf eine Eskorte für ihr Gnade in den Augen des Königshofes
ihn und seine Gefährten als Begleitung ver- und veranlasste den König, sie als seine
zichtete. Er rechnete auf die „gute Hand Gemahlin zu erwählen, obwohl sie zu
Gottes“, die über ihm war. Seine Gottesfurcht den Völkern gehörte, die erobert worden
erwies sich außerdem darin, dass er sich tief waren. Allerdings wusste Ahasveros nichts
beugte und Gott um Hilfe anrief, als er von von der jüdischen Abstammung Esthers.
der Verbindung der Priester mit heidnischen
Frauen erfuhr (Esra 7–10). Mordokai, der sich im Gegensatz zu allen
Nach dieser Begebenheit hören wir zwölf anderen Bürgern nicht vor Haman, einem
Jahre lang nichts mehr von ihm. Dann auserwählten Beamten von Ahasveros, nie-
allerdings finden wir ihn auf einem Gerüst derbeugte, rief dessen Zorn hervor, worauf
von Holz stehen (Neh 8,1–18). Er las dem Haman bei dem König einen Erlass zur
Volk aus dem Gesetz vor. Dabei gaben Vernichtung aller Juden des Reiches an
die Leviten den Sinn des Wortes in den einem bestimmten Tag erwirkte.
einzelnen Sprachen an. Dies verursachte Esther wurde daraufhin von Mordokai beauf-

16
Begriffe

tragt, den König um die Rettung des Volkes res Tier und wird für sehr intelligent gehalten
zu bitten. Hierfür ließ Esther alle Juden ver- (vgl. Jes 1,3). Es wird daher sehr geschätzt
sammeln, um drei Tage und drei Nächte zu und gut behandelt. Der Esel wurde sowohl
fasten. Dann wollte sie zu dem König hinein- von Männern als auch von Frauen zum
gehen, „was nicht nach dem Gesetz ist; und Reiten genutzt oder als Lasttier eingesetzt.
wenn ich umkomme, so komme ich um!“(Est Bei Angaben über die Besitztümer von
4,16). Gott gab ihr Gnade in den Augen Männern der Bibel wird oft auch die Anzahl
des Königs und er reichte ihr das goldenen der Esel genannt (1. Mo 12,16; Hiob 1,3;
Zepter entgegen, nach der damaligen Sitte 42,12; Esra 2,67; Neh 7,69). Es gibt fünf
das Zeichen der Gunsterweisung. Bei einem hebräische Worte für den Hausesel und
Gastmahl teilte sie dem König dann mit, dass den wilden Esel, welche sich auf seine
Haman sie und ihr Volk verkauft habe. Stärke oder seine Farbe beziehen.
Der König wurde sehr zornig und befahl,
Haman mit dem Tod am Galgen zu bestra-
fen. In einer weiteren Gunsterweisung
an Esther gab Ahasveros allen Juden die
Möglichkeit, gegen das per Dekret festge-
schriebene Vernichtungsurteil zu kämpfen:
Ihnen wurde gestattet, sich der Angriffe der
Feinde zu erwehren.

Als der König in einer schlaflosen Nacht beim


Lesen der Reichschroniken daran erinnert
wurde, wie Mordokai ihn vor einem Anschlag
auf sein Leben gerettet hatte, –– eine bemer-
kenswerte Vorsehung Gottes! – ließ er diesen Die „weißroten Eselinnen“, die in Richter 5,10
ehren und nun in die Stellung Hamans erwähnt werden, sind im Orient noch immer
erheben. Dies brachte den Juden große von großem Wert. In manchen Teilen wird
Vorteile ein, da die Fürsten der Landschaften das Fleisch des Esels als Lebensmittel hoch
Mordokai fürchteten. Als der zur Vernichtung geschätzt, aber es war den Juden verboten,
des Volkes bestimmte Tag erreicht war, das Fleisch der Esel zu essen, weil es unrein
waren die Juden, anstatt selbst vernichtet zu ist. Aber es wurde dennoch in der schreck-
werden, nicht nur in der Lage, sich zu vertei- lichen Hungersnot während der Belagerung
digen, sondern konnten sich sogar an ihren Samarias gegessen (2. Kön 6,25).
Feinden rächen. Es wurde ein Festtag und ein
Tag der Freude für die Juden. Zur Erinnerung Der Wildesel ist sehr wild und flink und wird
ernannten Mordokai und Esther diese Tage nur selten gezähmt. Er ist folglich ein pas-
der Befreiung zu jährlichen Festtagen. sendes Bild für die natürliche Geburt des
Menschen (Hiob 11,12). Der Herr fragte

Esel Hiob: „Wer hat den Wildesel frei entsandt


und wer gelöst die Fesseln des Wildlings?“
(Hiob 39,5; Jer 2,24; Dan 5,21).

Im Orient nimmt der Esel den Platz ein, (Quelle: Concise Bible Dictionary, deut-
welchen das Pferd bei den europäischen sche, überarbeitete Fassung des Originals:
Völkern besitzt. Es gilt dort als ein viel edle- www.bibelkommentare.de)

Folge mir nach


17
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letzten Heft:
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18
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Folge mir nach


19
Bibelstudium
Das Wort Gottes II –
lebendig und wirksam

B eim letzten Mal haben uns die Bilder Wasser, Milch, Leuchte
und Schwert Lektionen über den Nutzen und Gebrauch der Bibel
erteilt. Die Wirkungen des Wortes sind manchmal überraschend
schonungslos und heilsam, wie die weiteren Beispiele zeigen ...

5. Spiegel: Das Wort als Mittel zur


Selbsterkenntnis
Beispiel: Die im Ehebruch ergriffene
Im Jakobusbrief wird das Wort mit einem Frau
Spiegel verglichen, in dem der Mensch
sich selbst sieht und sein wahres Wesen Unermüdlich versuchten die Pharisäer
erkennt (Kap. 1,23). und Schriftgelehrten, den Herrn Jesus
zu einer Aussage oder Tat zu bewegen,
Gottes Wort zeigt dem Menschen, was er weswegen sie Ihn anklagen konnten. So
in Gottes Augen ist. Es zeigt dem Sünder, auch in Johannes 8, wo sie eine Frau vor
dass er ohne den Retter auf dem Weg Ihn stellten, die sie im Ehebruch ergriffen
ins Verderben ist und mit Gott versöhnt hatten (V.3,4). Nachdem sie ihr Urteil
werden muss, wenn er nicht ewig verloren zu der Tat der Frau abgegeben hatten,
gehen möchte. Es zeigt dem Gläubigen, nämlich dass sie – wie Mose im Gesetz
was in seinem Leben im Selbstgericht geboten hat (3. Mo 20,10; 5. Mo 22,22–
bekannt und beseitigt werden muss, 24) – zu steinigen sei, versuchten sie den
um ungetrübte Gemeinschaft mit Gott Herrn zu einem widersprüchlichen Urteil
genießen zu können. Wenn der Mensch zu bewegen. Dabei dachten sie, seine
danach handelt und tut, was Gottes Wort Gnade gegen ihr Gesetz ausspielen zu
ihm zeigt, wird dieser Gehorsam zum können. Doch wieder einmal zeigte es
Segen führen (V.25; Joh 13,17). Wenn er sich, dass sie seiner göttlichen Weisheit
aber nicht danach handelt und vergisst, nicht gewachsen waren. Als der Herr
wie er vor Gott ausgesehen hat, bleibt ihnen zunächst nichts antwortete,
alles Hören nutzlos (V.24). fuhren sie fort, Ihn zu fragen. Schließlich
antwortete Er ihnen, indem er ihnen ihre
Lasst uns nicht vergessliche Hörer eigenen Sünden ins Bewusstsein rief:
sein, die sich selbst betrügen, sondern „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe
Täter des Wortes! Nur so werden wir in zuerst einen Stein auf sie“ (V.7). Doch
unserem persönlichen Glaubensleben das brachte ihre selbstgerechten Herzen
Fortschritte machen. durcheinander. Der Herr hält ihnen den

20
Bibelstudium

Spiegel des Wortes vor, sie müssten sich Worten auch die prüfende und läuternde
als Mit-Sünder erkennen – und kneifen, Kraft des Geistes zum Ausdruck. Ein
indem sie einer nach dem anderen solches Beispiel finden wir in Matthäus
weggehen. Wenn wir unsere Fehler 16,21–23.
durch das Wort Gottes erkennen, lasst
uns nicht die Bibel zuklappen, sondern Der Herr begann seinen Jüngern zu
alles Falsche Ihm bekennen, um dann zeigen, was Ihm in Jerusalem widerfahren
wieder froh die Nachfolge hinter Ihm würde. Er würde vieles zu leiden haben,
her fortsetzen zu können. Ein solcher getötet und am dritten Tag auferweckt
Gebrauch des Spiegels lohnt sich ... werden (V.21). Petrus, der den Herrn
soeben noch als Christus, den Sohn
des lebendigen Gottes, bekannt hatte,
6. Feuer: Läuterung durch das Wort meinte in seinem fleischlichen Eifer
nun, Ihn von diesem Weg der Leiden
Feuer ist in der Bibel oft ein Bild der abhalten zu müssen. Dabei verstieg
prüfenden Heiligkeit Gottes, die alles er sich sogar dazu, den Herrn tadelnd
verzehrt, was nicht in Übereinstimmung zurechtzuweisen. „Er nahm ihn beiseite
mit Gott ist, aber alles läutert, was zu und fing an ihn zu tadeln, indem er sagte:
seiner Ehre geschieht (5. Mo 4,24; Jes Gott behüte dich, Herr! Dies wird dir nicht
10,17; 33,14; Heb 12,29). In Jeremia widerfahren“ (V.22).
23,29 wird das Wort Gottes mit Feuer
verglichen, und zwar in seiner prüfenden Der Herr antwortet auf diese Worte
und läuternden Kraft. von Petrus in ungewohnter Schärfe –
sozusagen mit Feuer:: „Geh hinter mich,
Diese Wirkung kann jeder selbst erleben, Satan! Du bist mir ein Ärgernis, denn
der sich seinen Aussagen im Geist der du sinnst nicht auf das, was Gottes,
Demut und des Gehorsams unterwirft. Er sondern auf das, was der Menschen ist“
wird die Erfahrung machen, dass das Wort (V.23). Diese Worte des Herrn entlarvten
nicht nur seine Worte und Taten, sondern und verurteilten den Geist, der aus
auch die ihnen zugrunde liegenden Petrus sprach. Sie richteten aber auch
Beweggründe und Überlegungen des die fleischliche Gesinnung, die Petrus
Herzens beurteilt. Es ist ein Beurteiler und offenbarte.
Richter der Gedanken und Gesinnungen
des Herzens. Nichts bleibt vor ihm Daraufhin fährt der Herr fort und stellt
verborgen; alles ist bloß und aufgedeckt seinen Jüngern die Kennzeichen wahrer
vor dem, der durch dieses Wort spricht Jüngerschaft vor (V.24,25). Nur derjenige,
(Heb 4,12.13). Hast du die prüfende und der sich selbst verleugnet, sein Kreuz
läuternde Wirkung des Wortes schon aufnimmt und Ihm nachfolgt, kann
persönlich erlebt? wirklich sein Jünger sein. Oder anders
gesagt: Nur derjenige, der sich dafür hält,
der Sünde tot und der Welt gekreuzigt zu
Beispiel: Der fleischliche Eifer von Petrus sein – und das ist nur in der Kraft des
Geistes möglich – kann in Neuheit des
Der Dienst des Herrn auf dieser Erde Lebens seinen Lebensweg gehen. Ein
war von Gnade gekennzeichnet (vgl. Lk solcher erweist sich als Schüler des
9,51–56). Doch zuweilen kam in seinen Meisters (vgl. Röm 6,6.11; Gal 5,16.24;

Folge mir nach


21
6,14; Röm 6,4). Sind diese Kennzeichen Lebens bestimmend sein? Und sollten
wahrer Jüngerschaft in deinem Leben wir nicht alle bereit sein, uns der Kraft
erkennbar? dieses Wortes auch auszusetzen, damit
Er in unserem Leben wirklich das Sagen
bekommt?!
7. Hammer: Die Kraft des Wortes

In bildhafter Beschreibung der Gewalt Beispiel: Die Gewalt in den Worten des
und Autorität des Wortes Gottes wird Herrn
es auch als ein Hammer bezeichnet, der
Felsen zerschmettert (Jer 23,29). Das Der Herr Jesus hat alle Gewalt im Himmel
Wort besitzt eine von Gott gegebene und auf der Erde (Mt 28,18). Diese
Kraft und Autorität, die es in die Lage Gewalt oder Autorität, die Ihm gegeben
versetzt, Felsen zu zerschmettern. ist, wird auch in seinen Worten deutlich.
Dies sieht man an vielen Stellen in den
Auch in unserem persönlichen Leben Evangelien.
kann es manchmal solche „Felsen“ geben
– (schlechte) Gewohnheiten, Haltungen Der Herr lehrte die Volksmengen wie
oder Eigenschaften, die unverrückbar zu einer, der Gewalt oder Vollmacht hat
sein scheinen. Sie haben sich (im Lauf der (Mt 7,29; Mk 1,22). Sein Wort war mit
Zeit) in unserem Leben festgesetzt, und Gewalt (Lk 4,32). Im Gegensatz zu den
plötzlich stellen wir fest, dass wir sie aus Schriftgelehrten, die dem Volk jüdische
eigener Kraft nicht mehr „bewegen“ und Überlieferungen und Traditionen
vermeiden können. Vielleicht haben wir „predigten“, lehrte der Herr sie in der
uns nach vielen vergeblichen Versuchen, Kraft des Geistes wie einer, der Gewalt
sie aus unserem Leben zu räumen, sogar hat, so dass sie sehr über seine Lehre
mit ihnen abgefunden. Was solch ein erstaunten. Mit Vollmacht und Kraft gebot
Fels konkret darstellt, mag in deinem Er selbst den unreinen Geistern, und sie
und meinem Leben ganz verschieden gehorchten Ihm (Mk 1,27; Lk 4,36).
sein. Doch ist es etwas, das unseren
Glaubenslauf behindert und uns vom Als Sohn des Menschen hatte der Herr
Herrn abzieht. Gottes Wort angewandt auch die Gewalt, auf der Erde Sünden
in der Kraft des Geistes ist imstande, zu vergeben – etwas, das nur Gott
solche „Felsen“ zu zerschmettern. Und vorbehalten war und Ihn als solchen
der Herr schenkt die nötige Kraft, um auszeichnete. Für Ihn stellte es keine
die „Brocken“ aus unserem Leben zu Schwierigkeit dar, Kranke zu heilen oder
räumen. Sünden zu vergeben (Mt 9,2–8; Mk 2,5–
12; Lk 5,20–26).
Denk doch einmal darüber nach, was
in deinem Leben solche „Felsen“ sind. Auch über die Naturgewalten hatte der
Wenn du dann vielleicht den einen oder Herr Autorität. Denken wir nur an die
anderen entdeckt hast, dann lass dich stürmische Überfahrt über den See
fragen: Sollte das Wort Gottes nicht auch Genezareth und das gebietende Wort des
in deinem (und meinem) Leben die Gewalt Herrn, das Wind und See augenblicklich
haben, „Felsen“ zu zerschmettern? beruhigte (Mt 8,23–27; Mk 4,35–41; Lk
Sollte es nicht in allen Bereichen des 8,22–25).

22
Bibelstudium

8. Same: Frucht durch das Wort Auf der anderen Seite wird Gott mit
seinem Wort zum Ziel kommen – auch
Man streut Samen aus, um Frucht zu in unserem Leben (vgl. Phil 1,6). Es
gewinnen. Das Ausstreuen des Samens wird nicht leer zu Ihm zurückkehren,
ist in den Evangelien häufig ein Bild sondern ausrichten, was ihm gefällt, und
der Verkündigung des Wortes Gottes, durchführen, wozu Er es gesandt hat
besonders des Evangeliums, in der (Jes 55,11).
Absicht, Frucht zu gewinnen (Mt 13;
Mk 4; Lk 8). In den Briefen des Neuen
Testaments ist das Wort Gottes der Beispiel: Der göttliche Sämann
Same, durch den ein Mensch von
neuem geboren wird (Jak 1,18; 1. Pet Der Herr Jesus ist der göttliche Sämann,
1,23). Es wirkt im Herzen des Menschen der ausging, um zu säen (Mt 13,3; Mk
und bewirkt dessen Umkehr zu Gott. 4,3; Lk 8,5). Was Er säte, war das Wort
Lebendiger Glaube gründet sich immer Gottes. Obwohl Er es verkündigte wie
auf Gottes Wort. kein anderer, brachte es nicht in
jedem Fall Frucht hervor. Dies
Gott möchte, dass die hing entscheidend davon
Seinen Frucht bringen. ab, wie der „Boden“
Frucht ist die Antwort beschaffen war, auf den
unserer Herzen auf es fiel.
seine Liebe. Diese
Antwort ist nicht bei Der Herr Jesus ist
jedem gleich. Doch nach vollbrachtem
ist es etwas – eine Tat, Werk in den Himmel
ein Wort oder Verhalten zurückgekehrt. Doch
–, das aus Liebe zu Ihm noch immer streut Er
geschieht und in dem Er den Samen des Wortes
Wesenszüge des Herrn aus, wenn auch nicht
Jesus entdeckt. Weißt du, mehr persönlich (vgl. Mk
dass der Vater verherrlicht wird, 16,20). Dazu möchte Er nun
wenn wir viel Frucht bringen (Joh 15,8)? seine Diener benutzen, die Er auf der
– Der Heiland hat so viel für dich getan. Erde zurückgelassen hat, um für Ihn
Was tust du für Ihn? zu zeugen. Er hat auch seinen Geist
gesandt, der in den Gläubigen wohnt und
Der Heilige Geist wirkt durch das Wort durch das Wort wirkt. Und noch immer
in den Herzen der Menschen, um Frucht ist es sein Bestreben, in denen, die das
hervorzubringen. Er tut dies sowohl in Wort hören oder lesen, Frucht für Gott
den Herzen der Gläubigen, um Christus hervorzubringen. Möge der Herr Gnade
in ihnen zu gestalten, als auch an den schenken, dass der Zustand unserer
der Ungläubigen, um sie zur Buße zu Herzen der guten Erde gleicht, in der das
führen. Dabei kommt es jedoch auf den Wort gedeihen und viel Frucht bringen
Herzenszustand des Einzelnen an, ob kann!
das Wort – der ausgestreute Same – viel,
wenig oder gar keine Frucht bringt. Daniel Melui

Folge mir nach


23
Haushaltungen II –
Angriff und Verteidigung

D er erste Teil der Serie über „Haushaltun-


gen“ war eine Einführung in die Thematik. Was
sind Haushaltungen oder Verwaltungsarten
eigentlich? Dieses Wort ist die Übersetzung
des griechischen Wortes oikonomia. Wir haben
gesehen, dass es darum geht, dass Gott mit
den Menschen nicht in jeder Zeit in derselben
Art und Weise handelt. Es wurde gezeigt, dass
die Offenbarung Gottes und die Wege Gottes
mit den Menschen nicht immer dieselben sind.
Darüber hinaus wurde im ersten Teil auch noch
ein Überblick über die sieben verschiedenen
Haushaltungen gegeben.
Im zweiten Teil wird nun die Frage beantwor-
tet: Bedeutet die Tatsache, dass es verschiedene
Haushaltungen gibt zugleich, dass es verschie-
dene Wege der Errettung geben kann? Darüber
hinaus wird erklärt, wie man die Bibel richtig
lesen und „verstehen“ kann: akzeptiert man,
dass sie (ganz wörtlich) das meint, was sie sagt,
so entdeckt man „automatisch“, dass es ver-
schiedene Haushaltungen gibt.

24
Haushaltungen II

Verschiedene Wege der Menschen im Alten Testament nicht. Wohl


Errettung? – Ein Angriff hatten die Propheten von Christus und von
auf die Lehre der seinen Leiden gesprochen. Aber erstens
hatten die Propheten selber kein volles
Haushaltungen Verständnis über die Bedeutung dieser
prophetischen Voraussagen (1. Pet 1,11).
Gott hat zu verschiedenen Zeiten – oder Und zweitens konnte die Botschaft einer
in verschiedenen „Haushaltungen“1 in vollbrachten Erlösung noch gar nicht ver-
unterschiedlicher Weise mit den Menschen kündigt werden, denn sie war noch nicht
gehandelt. Diese Tatsache wird oft bestrit- geschehen.
ten. Es müsse dann ja verschiedene Wege
der Errettung geben, wird eingewendet. Wie konnten dann die Menschen im Alten
Aber stimmt das? Testament zu Gott kommen und gerecht-
fertigt werden? Nehmen wir einmal den
Fall Abrahams: Wie konnte er gerechtfer-
Heute tigt werden? Über diese Frage lässt uns
das Wort Gottes nicht im Dunkeln: Paulus
Natürlich wird heute ein Evangelium ver- beweist in Römer 4 am Beispiel Abrahams,
kündigt, das es in anderen Haushaltungen dass auch die Gläubigen im Alten Testamen
nicht gab: das Evangelium der Gnade. aus Glauben gerechtfertigt wurden, und
Dieses sagt aus: Christus ist gestorben, nicht aus Werken (oder irgendwie sonst):
begraben und auferstanden, das Werk der „Abraham aber glaubte Gott, und es wurde
Erlösung ist vollbracht und von Gott aner- ihm zur Gerechtigkeit gerechnet“ (Röm
kannt worden. Denn Gott hat Christus auf- 4,3).
erweckt und Ihm den Ehrenplatz zu seiner
Rechten gegeben (Eph. 1,20). Daher wird Aber wie passt das nun zusammen? Nun,
nun jedem das Heil in dem Herrn Jesus es gab natürlich einen Unterschied in dem
angeboten. Jeder kann errettet werden, „Glaubensinhalt“: Das, was Abraham
und zwar aus reiner, unverdienter Gnade. glaubte, war nicht das Evangelium der
Gnade Gottes (das kannte er nicht). Der
Was muss man dann tun, um diese gerade zitierte Vers gibt die Antwort:
Errettung zu bekommen? Gar nichts – nur Abraham glaubte „Gott“. Die Offenbarung
Gott glauben. Mit anderen Worten: Gottes geschah nicht mit einem Mal, son-
Das Mittel, um diese Errettung zu dern in Fortsetzungen und zunehmend – bis
bekommen, ist der Glaube (Eph 2,8). Christus kam (Heb 1,1). Dementsprechend
Die Grundlage, auf der Gott die Schuld änderte sich auch die Botschaft Gottes im
vergeben kann, ist das Werk Christi am Lauf der Zeit, aber der Weg zu Gott bleibt
Kreuz. in allen Zeiten derselbe: der Glaube.
Das Motiv Gottes ist Gnade.

Die Grundlage
Damals
Auch die Grundlage der Errettung bleibt
Dieses Evangelium der Gnade kannten die unverändert: das Werk Christi am Kreuz

1
„Haushaltungen Teil 1, Folge Mir Nach [1/2007].

Folge mir nach


25
von Golgatha. Aber, so mag man einwen- werdet Ihr sagen. „Genau das, was
den, das kannten die Menschen im Alten er auch aussagt!“ Nun gut, dann
Testament doch noch gar nicht. Natürlich frage ich weiter: Was bedeutet
– sie nicht, aber Gott kannte es. Und ein Wort? „Noch dümmere
Gott sah es im Voraus. Und im Blick auf Frage!“, werdet ihr sagen.
dieses große Werk konnte er schon damals „Natürlich genau das, was
Sünden vergeben – und dennoch gerecht dieses Wort sonst auch
sein, denn ein Anderer würde diese Sünden bedeutet – ist doch
der Glaubenden tragen. klar!“ Und wenn
ein Wort mehrere
Das wird klar ausgedrückt in Römer 3,25: Bedeutungen
Gott konnte diese „vorher“ geschehenen haben kann,
Sünden „hingehen lassen“ oder vergeben, z.B. ein „Ton“:
weil Er damals schon Christus und den Wert Es kann sich auf
des vergossenes Blutes im Blick hatte. einen Laut oder auf
eine Farbe beziehen? „Nun“,
werdet ihr sagen, „dann entscheidet natür-
Zusammenfassung lich der Zusammenhang“.

Was sich ändert im Lauf der Das alles sind ganz einfache Regeln der
Haushaltungen: „Hermeneutik“, also des Verstehens von
Das Maß der Offenbarung Gottes (also Sprache. Die meisten von uns haben viel-
das, was über Gott bekannt war). leicht noch nicht einmal darüber nachge-
Gottes Botschaft an die Menschen, und dacht und dennoch beachten sie diese
daher: Regeln tagtäglich in Gesprächen, Briefen,
Der Glaubensinhalt, also das, was die Dokumenten, E-Mails, usw.
Menschen glauben sollten.
Wie kommt es dann, dass diese einfa-
Was sich nicht ändert im Lauf der chen Regeln plötzlich so schwierig zu sein
Haushaltungen: scheinen, wenn es um das Verständnis
Gott selbst (Er war immer schon Vater, bestimmter Bibelstellen geht? Ohne weiter
Sohn und Heiliger Geist). auf Einzelheiten einzugehen, nur ein paar
Das Mittel der Errettung (der Glaube). Beispiele, die uns zeigen, was dabei „her-
Die Basis der Errettung (das auskommt“, wenn man diese Grundregeln
Erlösungswerk Christi). nicht beachtet:
Man liest „Israel“ und versteht
„Kirche“2.
„Wie lese ich die Man liest „Land Kanaan“ und versteht
„Himmel“.
Bibel?“– Eine weitere
Man liest „Zion“ und versteht wieder
Begründung der Lehre der „Kirche“.
Haushaltungen Man liest von Tieren, die friedlich bei-
einander leben und versteht „Friede
Was bedeutet ein Satz? „Dumme Frage!“, und Schutz für Gläubige“

2
Im normalen Sprachgebrauch würde man diese Begriffe ja auch nicht durcheinanderwerfen: Israel ist ein Land oder
ein Volk. Die Kirche hat mit dem christlichen Glauben zu tun, ist also etwas ganz anderes.

26
Haushaltungen II

Man liest Weinstock und vom


Feigenbaum (Sach. 3,10)
... – und versteht „geistliche
Segnungen“.

Warum so kompliziert?

Grundsätzlich ist man zwar ein-


verstanden, dass man die norma-
len Regeln des Textverständnisses
anwendet, aber man macht oft
Ausnahmen, gerade wenn es um
die prophetischen Bücher geht.
Woran liegt das?

Es gibt eine ganz einfache Antwort: folgerte man, dass Gott sie nicht so buch-
Die Propheten des Alten Testamentes stäblich gemeint haben konnte und dass sie
hatten vorhergesagt, dass das Volk Israel sich stattdessen wohl schon erfüllt hätten
wieder gesammelt und in das Land Israel – in irgendeinem übertragenen Sinn, in
zurück gebracht werden würden, und dass einer „geistlichen“ Bedeutung. Aber ist es
der Messias dort von Jerusalem aus über sie fair, Gottes Wort so zu behandeln?
und über alle anderen Staaten (‚Nationen’)
regieren würde. Außerdem hatte Christus
versprochen wieder zu kommen, und zwar Der verschlossene Brief

a) zur Entrückung (Joh 14,2), und Nehmen


b) um in Herrlichkeit und Macht zu wir an, der
erscheinen (Mt 24,30). Po s t b o t e
bringt mir
Doch haben sich diese Prophezeiungen bis einen dicken
heute nicht erfüllt. Brief. Aber
a n s t a t t
Petrus hatte vorhergesagt, dass Spötter diesen Brief
fragen würden, wo eigentlich „die zu öffnen und sorgfältig durchzulesen,
Verheißung seiner Ankunft“ bleibe (2. gehe ich wie folgt vor: Ich schaue mir den
Petrus 3,3.4). Es sollte nicht lange dauern, Absender an. Da ich den Absender recht gut
bis selbst herausragende christliche Führer kenne, weiß ich eigentlich schon (so meine
anfingen, an diesen Verheißungen zu ich), was in diesem Brief steht. Ich male mir
zweifeln. Selbst der bekannte Kirchenvater genau aus, was der Brief sagen will. Dann
Augustinus (352–430) verwarf, was er öffne ich den Brief. Ich fange an zu lesen.
vorher gelehrt hatte, nämlich dass Christus Dabei komme ich an einen merkwürdigen
buchstäblich wiederkommen würde und ein Satz, der nicht so recht zu dem passt, was
wirkliches 1000-jähriges Reich aufrichten ich mir vorher überlegt hatte. Also ent-
würde. Mit anderen Worten: Da bestimmte scheide ich, dass etwas anderes gemeint
Prophezeiungen sich nicht erfüllt hatten, sein muss und fange an, den Wörtern nach

Folge mir nach


27
und nach andere Bedeutungen zu geben ... Symbole oder Gleichnisse handelt, müssen
– bis der Satz genau (oder nahezu genau) diese als solche verstanden werden. Aber
das aussagt, was ich mir vorher überlegt wo der Zusammenhang nicht ganz deut-
hatte! lich und für andere nachvollziehbar ein
Gleichnis oder eine Symbolik „verlangt“,
Wer kann nur auf solch eine Idee kommen? bedeuten die Wörter genau das, was sie
Nun, man kann sich hier leicht täuschen. sonst auch bedeuten und nicht etwas
Wie schnell geschieht es, dass man „vor- ganz anderes (z.B. bedeutet „Israel“ nicht
eingenommen“ ist. Und wenn dann eine „Kirche“ oder „Versammlung“).
Bibelstelle nicht „passt“, dann biegt man
eben so lange, bis sie passt ... Wenn man
von der Prämisse (Annahme) ausgeht, dass Geistliche Anwendungen
alle Prophetie schon
erfüllt ist, dann muss Aber, so wird mancher einwenden, haben
die betreffenden Stellen denn die Dinge, die Israel betreffen,
„vergeistlichen“. Wenn nicht auch eine geistliche Bedeutung für
es beispielsweise heißt: Christen? Ist die Wüstenreise Israels nicht
„Und der Wolf wird bei ein Bild des Weges der Gläubigen durch
dem Lamm weiden“ (Jes eine geistliche Wüste? Und illustriert die
11,6), dann hat man babylonische Gefangenschaft nicht den
nur zwei Möglichkeiten: Zustand der Christenheit heute, und steht
Entweder, man gibt zu, die Rückkehr eines Überrestes aus dieser
dass diese Prophezeiung Gefangenschaft nicht für die Rückkehr eini-
noch nicht erfüllt ist, ger Christen zu biblischen Grundsätzen?
oder man fängt an, sie Natürlich. Alle dies Anwendungen sind
zu vergeistlichen und richtig und nützlich, wie 1 Korinther 10 klar
schreibt den Satz um, etwa so: „Und es wird zeigt (s. besonders Vers 11: „alle diese Dinge
Friede sein“, oder „Und der Gläubige soll aber widerfuhren jenen als Vorbilder … zu
nicht zu Schaden kommen“ (wobei eigent- unserer Ermahnung“). Aber: in keinem Fall
lich selbst das heute noch nicht zutrifft). heben diese geistlichen Anwendungen die
buchstäbliche Bedeutung auf.
Es geht mir nicht darum, mich über
andere Gläubige oder über Bibelausleger Und genauso ist es mit der Prophetie:
lustig zu machen, ganz bestimmt nicht. zunächst einmal ist Prophetie buchstäb-
Aber wir müssen doch sehen, wie gefähr- lich gemeint. Wenn Gott Israel verspricht,
lich es wird, wenn wir Texten ein falsches dass er ihnen das Land wiedergeben wird,
Schriftverständnis überstülpen und sie auf das sie jedes Anrecht verloren hatten,
dann entsprechend falsch vergeistlichen dann ist das ganz buchstäblich zu verste-
und ihnen den wirklichen Sinn nehmen. hen. Dass wir diese Prophezeiungen für
geistliche Anwendungen nutzen (etwa in
dem Sinne, dass Gott uns segnet, obwohl
Symbole wir keinerlei Anrecht hatten) ist durchaus
legitim. Probleme gibt es, wenn man sagt,
Natürlich gibt es in der Bibel viele Symbole, dass diese geistlichen Anwendungen die
auch Gleichnisse usw. Aber das ist abso- buchstäbliche Bedeutung ersetzen (‚Substi
lut kein Widerspruch. Wenn es sich um tutionstheologie’).

28
Haushaltungen II

Das Zeugnis der erfüllten Prophetie 3. Es würde eine Zeit kommen, in der
Gott diesem Volk ein neues Herz geben
Dass auch Prophezeiungen zunächst einmal würde und sie in „dieses Land“ zurück
buchstäblich gemeint sind, wird gerade bringen und dort in Ruhe wohnen
auch durch die schon erfüllte Prophetie lassen würde (Jer 32,15.22.41).
bestätigt. Als Gott sagte, dass der Messias
in Bethlehem geboren werden würde Was bedeutet nun der Ausdruck „dieses
(Micha 5,1), da bedeutete Bethlehem eben Land“? Nach den normalen Regeln des
Bethlehem und nicht „ein kleines Dorf“ Textverständnisses bedeutet es in allen drei
oder etwas anderes. Interessanterweise Fällen dasselbe: der geographische Ort, das
verstanden die Schriftgelehrten das sehr Land Israel. Man merkt hier ganz deutlich,
genau (Mt 2,6). Ebenso verhält es sich mit wie man dem Propheten Jeremia Gewalt
den anderen Vorhersagen: Seine Hände antun würden, würde man behaupten,
und Füße wurden durchgraben (Ps 22,16), dass „dieses Land“ in den ersten beiden
seine Kleider wurden verlost (Ps 22,18), in Fällen das geographische Israel meint, im
seinem Durst gab man Ihm Essig zu trinken dritten Fall aber plötzlich als „geistliche
(Joh 19,28–30) – alles ganz buchstäblich. Segnungen“ zu verstehen sei.

Sind wir nicht besser bedient, wenn wir


Ein Beispiel: „dieses Land“ einfach Gott vertrauen, dass Er auch die
Verheißungen noch erfüllen wird, die bis
Der Prophet Jeremia traf drei Grundaussagen heute unerfüllt geblieben sind?
in Bezug auf „dieses Land“
Das prophetische Wort ist eben
eine Lampe. Sie wirft Licht auf die
Zukunft und auf unseren Weg bis
dahin. Wir tun gut daran, auf dieses
prophetische Wort zu achten (1.
Pet 1,19). Und dazu gehört auch,
dass man die Aussagen des pro-
phetischen Wortes so nimmt und
versteht, wie Gott sie uns gegeben
hat, nämlich buchstäblich3 und
nicht „vergeistlicht“. Dann wird
man schnell feststellen, dass Gottes
Heilplan zwei große Teile beinhal-
tet: einen für Israel und einen für
1. Gott hatte Israel aus Ägypten herausge- die Versammlung (Gemeinde, Kirche). Das
führt und ihnen „dieses Land“ gegeben möchte ich in Teil 3 dieser Serie zeigen.
(Jer. 2,7; 7,7).
2. Das Volk hatte das Anrecht auf „dieses Michael Hardt
Land“ verloren und würde von den
Babyloniern deportiert (d.h. gefangen
weggeführt) werden (Jer 16,13; 25,9).
3
Natürlich kommen auch in der Prophetie Symbole vor (z.B. die Hunde in Ps 22,16), aber das haben wir ja schon
besprochen.
Folge mir nach
29
Post von Euch

?
wird, die Gott von jeher mit Israel gehabt
Was ist das „Haus meiner Mutter“? hat. Gott wird diesen kleinen Überrest, diese
kleine Gruppe von Menschen nach Römer

!
Was ist in Hohelied 3,4 unter „Haus meiner 11 „ganz Israel“ nennen. Der Überrest wird
Mutter“ zu verstehen? Hamilton Smith sagt in dem Haus seiner Mutter wohnen, d.h. er
in seiner Auslegung, dass mit „Mutter“ das wird gegründet sein auf die Beziehungen,
Volk Israel gemeint ist und verweist auf die Gott ehemals mit Israel aufgrund der
Offenbarung 12. Dort wird aber von einer gegebenen Verheißungen hatte.
„Frau“ gesprochen?
Die Stelle in Offenbarung 12,1.2.13 beschreibt
Antwort: eine Frau, die in Geburtswehen liegt und

!
Viele geschätzte Bibelausleger haben zu einen Sohn gebiert, und damit ist diese
Recht darauf hingewiesen, dass die Braut im Frau eine Mutter. Dieses männliche Kind ist
Hohenlied ein Bild des Volkes Israel ist, und Christus, der alle Nationen mit eiserner Rute
nicht ein Bild der Versammlung (Gemeinde). weiden wird (Vers 5). Christus ist als Mensch
Die Versammlung gehört zu dem Geheimnis, aus dem Volk Israel hervorgekommen, er ist
das Gott erst im Neuen Testament offenbart ein Nachkomme Abrahams (Mt 1,2; Röm
hat (vgl. Röm 16,25; Eph5,32). 8,5). Der Herr Jesus ist ein Sohn dieser
„Mutter“, und der Überrest ist eine Tochter
Würde man die Meinung vertreten, die Braut dieser „Mutter“. Aus diesem Grund kann der
im Hohenlied sei ein Bild der Versammlung, Bräutigam zu seiner Braut auch „Schwester“
käme man spätestens bei Kapitel 3,4 in sagen (Hld 4,12).
große Auslegungsschwierigkeiten: Wer
könnte „die Mutter der Versammlung“ Die Verbindung, die H. Smith in seiner
sein? Das Neue Testament zeigt, dass die Auslegung (Seite 53) zwischen Hohelied
Versammlung zwar als „Frau“ (vgl. Eph 5) 3,4 und Offenbarung 12,1.2 sieht, ist also
gesehen wird, aber es wird von ihr weder durchaus gerechtfertigt. In beiden Fällen ist
als „Mutter“ gesprochen, noch davon, dass die Mutter ein Bild des Volkes Israel.
sie eine Mutter habe.
Ich möchte noch darauf hinweisen, dass
Das Bild der „Mutter“ mit ihren zwei Töchtern in der Offenbarung vier Frauen vorgestellt
begegnet uns noch einmal in Hesekiel 23. werden, die jeweils symbolisch eine
Dieses Kapitel sagt ausdrücklich, dass die Körperschaft von Personen darstellen:
zwei Töchter das Zweistämmereich und 1. Jesabel: das päpstliche System (Off 2,20)
das Zehnstämmereich sind. Folglich stellt 2. Die Frau als Königin und Mutter: das
die Mutter, aus denen diese beiden Reiche Volk Israel (Off 12,1–2)
hervorgekommen sind, das Volk Israel in 3. Die große Hure: die bekennende Kirche
seinem ursprünglichen Zustand dar, wie in ihrem abgefallenen Zustand (Off 17,1)
es aus Ägypten heraufgezogen war. In der 4. Die Braut, die Frau des Lammes: die
Endzeit begegnen wir einer Tochter, also verherrlichte Versammlung (Off 19,7;
dem Überrest in Jerusalem, der Hauptstadt 21,9)
des Zweistämmereiches, das den Messias
annehmen wird. Diese Unterscheidung hilft, die prophetische
Sprache der Offenbarung besser zu
Das Hereinführen des Bräutigams in das verstehen.
Haus der Mutter deutet an, dass der Überrest Andreas Hardt
in der Endzeit die Beziehungen anerkennen

30
Jan Hus – Märtyrer
für Christus
J an Hus (oder Johannes Huss) war ein Vorläufer
der Reformation, der bereit war, aufgrund von Anfeindungen für
seinen Herrn zu sterben. Sein Glaubensmut leuchtet hell bis in die
heutige Zeit hinein und spornt uns an, konsequent an dem vor uns
liegenden Wettlauf des Glaubens teilzunehmen.

Um das Jahr 1370 Sündenvergebung durch die Priester und


wird Jan Hus in vieles andere mehr.
einem kleinen böh-
mischen Dorf gebo- Das entfacht den Unmut seiner Landsleute
ren. Früh zeigen sich gegen den Papst. Verkäufer von
seine herausragen- Ablassbriefen werden in Prag beschimpft
den Fähigkeiten, und sogar misshandelt. Es nimmt nicht
und so kommt er Wunder, dass Jan Hus bei Papst Johann
als junger Mann XXIII. immer mehr in Misskredit gerät und
nach Prag, um dort schließlich unter den großen Kirchenbann
Jan Hus an der berühm- gestellt wird. Obwohl Hus damit völlig
Phantasieporträt eines
ten Universität zu außerhalb der Kirche steht, fährt er uner-
unbekannten Meisters aus studieren. Er will müdlich fort zu predigen und das bloßzu-
dem 16. Jahrhundert. Priester werden. In stellen, was er als schriftwidrig erkannt hat.
Prag lernt er die Schriften des gottesfürch- Ganz Böhmen gerät in Bewegung, und die
tigen John Wycliff kennen, die ihn beein- Sache zieht zunehmend Kreise.
drucken und nachhaltig prägen1.
Auch der römisch-
Hus wird zum Prediger in der deutsche König
Bethlehemskapelle der Universität Prag Sigismund wird
berufen Viele wollen den ernsten und doch auf Hus aufmerk-
freundlichen Mann hören, da er das Wort sam und lädt ihn
Gottes nicht doziert, sondern es zu Herz vor das Konzil von
und Gewissen reden lässt. Er scheut sich Konstanz (1414-18).
auch nicht, falsche Lehren und Praktiken Dort soll er seine
der katholischen Kirche anzuprangern. Hus Ansichten vor hohen
verurteilt öffentlich den Ablasshandel, die König Sigismund Würdenträgern der
Kreuzzüge, die Lehre vom Fegefeuer, die Welt und Kirche

1
John Wycliff (1330–1384) war ein gläubiger Gelehrter, der als Erster die Bibel ins Englische übersetzte. Seine
Schriften wurden als ketzerisch verurteilt, da er viele Irrtümer der Kirche anprangerte und das Evangelium der
reinen Gnade Gottes ausbreitete.
Folge mir nach
31
verteidigen. Sigismund stellt Hus einen nimmt aber nichts gegen diese teuflischen
Schutzbrief aus, der ihm eine sichere An- Machenschaften.
und Abreise gewährt. Alle Beamten seines
großen Reiches werden aufgefordert, den In seiner einsamen Zelle wird Hus massiv
Mann aus Prag gut zu behandeln. bearbeitet, damit er seine vermeintlichen
Irrtümer widerrufe. Ein Widerruf wäre im
Sinn der Kirche, denn auf diese Weise
Konstanz würde wahrscheinlich die Glut des böh-
mischen Schwelbrandes zum Erlöschen
Am 11. Oktober 1414 bricht Hus nach kommen. Sollte Hus hingegen zum Mär-
Konstanz auf. Er weiß, dass es – trotz des tyrer werden, könnte das einen Sturm der
königlichen Geleitbriefs – ein gefährliches Entrüstung mit ungeahnten Folgen entfes-
Unterfangen ist und trifft Anordnungen seln. Und so werden bei Hus die üblichen
über seine wenigen Habseligkeiten. In allen milderen Mittel der Inquisition angewandt,
größeren Städten macht er einen Anschlag um seinen Starrsinn zu brechen. Doch Hus
an den Kirchentüren: „Magister Jan Hus lässt sich trotz Krankheit und Schmerzen
begibt sich soeben nach Konstanz, um nicht einschüchtern. Standfest ist er, aber
den Glauben zu bekennen, den er bislang auch demütig und ergeben. In seinen Brie-
gehalten hat, jetzt hält, und, wenn es der fen redet er von Vergebung für seine hin-
Herr Jesus Christus gibt,
halten wird bis zum Tod
… Magister Jan ist bereit,
jedem Widersacher
auf diesem Konzil
Rechenschaft zu geben
von seinem Glauben.“
Am 3. November, bevor
das Konzil eröffnet ist,
erreicht Hus Konstanz,
wo 12.000 Menschen
auf den Beinen sind, um
den bekannten Prediger
zu sehen.

Dann geschieht das


Unerhörte: Einige
Bischöfe sorgen dafür,
dass Hus unter der
Anklage der Ketzerei in
ein Gefängnis gewor-
fen wird. Die Zusage des Königs wird terlistigen Feinde sowie von der Unterord-
einfach mit der Begründung ignoriert, nung unter den guten Willen Gottes. Das
dass kein Schutzbrief von irgendeinem heimlich von Freunden gemachte Angebot,
weltlichen Machthaber zum Schaden des ihm zur Flucht zu verhelfen, lehnt er ab,
katholischen Glaubens ausgestellt werden weil er von der Wahrheit des Evangeliums
dürfe. Sigismund protestiert zwar, unter- öffentlich Zeugnis ablegen möchte.

32
Jan Hus – Märtyrer für Christus

Verhöre vor dem Konzil 8. Juni 1415: dritter Verhandlungstag. Hus


ist sehr erschöpft. Heftige Zahnschmerzen
Immer wieder erinnert der Gefangene seine haben ihm den Schlaf geraubt und auch
Peiniger daran, dass ihm eine Verhandlung die sechsmonatige Haft ist nicht spurlos an
vor dem ganzen Konzil zugesagt worden ihm vorübergegangen. Aber in dem Verhör
war. Da sich auch Fürsten, Edelleute und zeigt er keine Schwäche. Die scharfsinnig-
nicht zuletzt König Sigismund dafür einset- sten Theologen und Philosophen können
zen, wird Jan Hus am 5. Juni 1415 zum ihn nicht dazu bringen, Zugeständnisse zu
ersten Mal vor das Konzil geführt, das in machen; er bleibt fest bei dem, was er aus
dem Speisesaal eines Klosters tagt. Bevor Gottes Wort erkannt hat. Da eine weitere
der gefesselte Zeuge Jesu Christi den Raum Verhandlung nicht mehr sinnvoll erscheint,
betritt, wird das Konzil darüber informiert, wird Hus in seinen Kerker zurückgeführt.
was die bisherigen Untersuchungen und Kaum hat er den Saal verlassen, verkün-
Verhöre ergeben haben.
Hus werden die Anklagepunkte vorgestellt
und er wird aufgefordert, dazu Punkt für
Punkt Stellung zu nehmen. Der Angeklagte
beteuert, dass viele Beschuldigungen
gar nicht zuträfen und versucht, seine
Überzeugungen durch die Schrift zu bewei-
sen sowie durch Zitate der allgemein aner-
kannten „Kirchenväter“ zu untermauern. Er
betont, dass er nur etwas von seinen Worten
widerrufen werde, wenn man ihm zeige,
dass sie im Widerspruch zum Wort Gottes Jan Hus auf dem Konzil zu Konstanz
stünden. Doch immer und immer wieder det Sigismund: „Ihr habt gehört, welche
wird er durch laute Zwischenrufe unterbro- Anklagen gegen Hus vorgebracht worden
chen. „Verbrennt ihn! Verbrennt ihn!“, hallt sind … Nach meinem Urteil verdient er für
es durch den Speisesaal. Als schließlich ein jede von ihnen den Tod.“
großer Tumult entsteht, verstummt er, wie
auch sein großer Meister vor einem unge- Hus muss sterben; das steht schon jetzt fest.
rechten Gerichtshof verstummte. Doch er wird nicht sofort hingerichtet, son-
dern von verschiedenen Personen höch-
Am 7. Juni beginnen die Verhandlungen sten Ranges und Ansehens in seiner Zelle
von neuem. Sigismund ist dieses Mal selbst besucht. Alle Hebel werden in Bewegung
zugegen, um die Ordnung aufrechtzuerhal- gesetzt, ihn zum Abschwören zu überre-
ten. In den Verhandlungen wird Hus von den. Einer der Kardinäle legt ihm eine sehr
den alten, ehrwürdigen Herren beschimpft geschickt abgefasste Widerrufsformel vor,
und verlacht. Der König fordert ihn ulti- die es ihm so leicht wie möglich machen soll.
mativ auf, nicht hartnäckig an seinen Doch Hus ist in seinem Gewissen gebun-
Ketzereien festzuhalten. Doch der Streiter den an Gottes Wort und ist nicht gewillt,
Christi erwidert: „Ich bin nicht hierher auf Kosten der Wahrheit Kompromisse
gekommen, um an Irrtümern festzuhalten. zu machen. Es bleibt daher nur noch der
Man beweise mir, dass ich geirrt habe, und unvermeidliche Schlussakt dieses Dramas
ich will mich in aller Demut eines Besseren übrig!
belehren lassen.“

Folge mir nach


33
Die Hinrichtung Gewändern bekleidet und, mit einem
leeren Abendmahlskelch in der Hand, zum
Am 6. Juli 1415 bricht der letzte Erdentag Hochaltar geführt – gerade so, als hätte er
für Jan Hus an. Sein Weg führt in den eine Messe zu zelebrieren. Am Altar wird
Dom von Konstanz, der bis auf den letzten Hus der Kelch abgenommen, die Gewänder
Platz besetzt ist. Unter den Anwesenden: werden ihm ausgezogen und ein Kreuz
König Sigismund und seine Adligen, die in seine Haare geschnitten. Er wird zur
hohen Würdenträger des Reiches mit ihren Domtüre hinaufgestoßen, dort setzt ihm
Abzeichen und die Kardinäle mit ihren glän- der Bischof von Konstanz eine kegelförmige
zenden Gewändern. Nach der Messe wird mit Teufeln bemalte Papiermütze auf den
Hus hineingebracht und auf einen erhöh- Kopf, auf der geschrieben steht:„Erzketzer“.
ten Platz geleitet. Alle Anklagenpunkte Jan Hus, der alles in Ruhe mit sich gesche-
werden verlesen. Hus darf dagegen seine hen lässt, erinnert daran, dass Christus für
Stimme nicht erheben, sondern muss sich ihn die Dornenkrone getragen habe; und
so wolle er um seiner Wahrheit willen diese
leichtere tragen. Als Bischöfe ihm lauthals
zurufen, dass seine Seele den höllischen
Teufeln übergeben würde, sagt er: „Ich aber
übergebe meinen Geist in deine Hände, o
Herr Jesus Christus; dir befehle ich meine
Seele, die du erlöst hast.“

Die abstoßende Zeremonie endet mit der


Erklärung, dass Hus nun außerhalb der
Kirche stände und darum der weltlichen
Macht übergeben werde. Diese soll das
Todesurteil aussprechen und vollziehen,
damit die Kirche behaupten kann, sie habe
kein Blut vergossen. Die Vertreter der welt-
lichen Obrigkeit erklären ohne Zögern, dass
Hus verbrannt werden müsse.

2000 Bewaffnete mit dem Pfalzgrafen


Ludwig an der Spitze und eine große
Volksmenge begleiten Hus auf seinem
letzten Gang zu einer Wiese in der Nähe
des Rheins. Es wird ein Umweg einge-
schlagen, um Hus zu zeigen, wie seine
still anhören, dass er ein hartnäckiger und Bücher am bischöflichen Palast verbrannt
unverbesserlicher Ketzer sei, der durchaus werden. Hus lächelt nur darüber. Als er den
nicht in den Schoß der Kirche zurückkeh- Scheiterhaufen sieht, fällt er auf seine Knie
ren wolle. und betet innig. Er wird mit nassen Stricken
und mit einer rostigen Kette um den Hals
Sofort wird mit einer Entweihungshandlung an ein Brett gefesselt. Holz und Stroh wird
begonnen, die sieben Bischöfe aus- geschichtet und mit Pech übergossen. In
führen: Hus wird mit priesterlichen letzter Minute wird er noch einmal gefragt,

34
Jan Hus – Märtyrer für Christus

Denn ich
schäme mich
des Evange-
liums nicht,
denn es ist
Gottes Kraft
zum Heil
jedem
Glaubenden
Römer 1,16

Jan Hus auf dem Scheiterhaufen (Spiezer Chronik, 1485)

ob er dem Feuertod durch Abschwören Ein Appell an uns


entgehen will. Doch er weigert sich auch
jetzt! Dieser kurze Blick auf einen markanten
Punkt in der Geschichte der Christenheit
Die Henker zünden das Feuer an. Der führt uns zu der Frage, ob die christlichen
Holzstoß flammt auf. Zweimal hört man Tugenden, die wir bei Jan Hus gesehen
den Märtyrer rufen: „Jesus Christus, Sohn haben, auch bei uns zu finden sind. Sicher
des lebendigen Gottes, erbarme dich lebte Jan Hus in einer ganz anderen Zeit.
meiner.“ Dann erhebt sich ein Wind und Vieles hat sich seitdem verändert. Aber
der Rauch erstickt seine Stimme, mit der Treue, Hingabe, Leidensbereitschaft, Mut
er bis zum Schluss das Lob seines Herrn und Entschiedenheit sind auch heute noch
singt. Nach kurzem Leid ist die Seele dieses sehr gefragt. Das, was Paulus an Timotheus
treuen Mannes bei Christus im Paradies, geschrieben hat, wollen daher auch wir
während die Asche seines verbrannten neu ins Herz fassen: „Schäme dich nicht
Körper in den Rhein gestreut wird. des Zeugnisses unseres Herrn …, sondern
leide Trübsal mit dem Evangelium, nach
der Kraft Gottes“ (2. Tim 1,8).

Gerrid Setzer
Folge mir nach
35
Verloren! Verloren!
„Heute, wenn ihr seine Stimme hört,
verhärtet eure Herzen nicht“
Hebräer, Kapitel 4, Vers 7

Ein schwedischer Evangelist erzählt von einem erschütternden Erlebnis:

Bei einem Evangelisationsvortrag war ein junger Mann sichtlich von der Botschaft
beeindruckt. Nach Beendigung des Vortrags ging ich auf ihn zu und bat ihn, heute auf
die Stimme des Herrn zu hören und ihr zu folgen. Doch er antwortete: „Heute noch
nicht!“

Seine Kameraden gingen


schließlich fort. Er selbst blieb
noch ein wenig zurück, tief
ergriffen von dem, was er
gehört hatte. Ich nahm seine
Hand, sah ihm ernst ins Gesicht
und sagte: „Übergib doch dein
Leben jetzt dem Herrn!“ Aber
er konnte und wollte sich noch
nicht entscheiden. Zuletzt bat
ich ihn, doch das nächste Mal
wiederzukommen, aber auch
das wollte er nicht versprechen.
– Und dann ging er fort.

Einige Tage später wurde ich


gebeten, im Krankenhaus einen Mann zu besuchen, der mich zu sprechen wünschte.
Aus dem Kalender „Der Herr ist nahe“

Dort fand ich den jungen Freund wieder. Von seinem Anblick tief bewegt, fragte ich
ihn: „Nilsen, bist du errettet?“ Er gab keine Antwort. Noch einmal fragte ich: „Ist deine
Sache mit Gott in Ordnung?“ Er antwortete wieder nicht. Ich wollte für ihn beten,
aber ich konnte es nicht. Plötzlich sagte Nilsen: „Ich habe Sie nicht gerufen, damit Sie
für mich beten sollen. Aber warnen Sie meine Kameraden! Meine Gnadenstunde war
am Sonntagabend.“ Als er starb, hörte man noch seinen verzweifelten Ruf: „Verloren!
Verloren!“

Wir können uns nicht zu jeder beliebigen Zeit bekehren, sondern müssen es tun, wenn
Gott ruft. Heute.

36