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An der Frage, ob die Bibel wirklich Gottes inspiriertes, unfehlbares Wort ist, s

cheiden sich heute die Geister - leider auch unter solchen Christen, die sich al
s "bibeltreu" bekennen. Was hat der Herr Jesus selber über diese Frage gelehrt?
Wann sind wir "Jesus-treu" in unserem Glauben?
1. Der Herr Jesus lehrt die Inspiration und absolute Wahrheit der Bibel
a) Er lehrt die Inspiration und Wahrheit des AT
Zig Mal in den Evangelien spricht der Herr Jesus davon, dass mit ihm erfüllt wird
, was geschrieben steht , nämlich das, was die alttestamentlichen Propheten voraus
gesagt haben. Dadurch lehrt er eindeutig, dass die Propheten tatsächlich vom Hei
ligen Geist inspiriert waren. Er sagt, dass alle Propheten weissagten (Mt 11,13),
also wirklich Worte Gottes redeten. Siehe z.B. Mt 11,10; 13,14; 26,24.31; Mk 7,6
; 9,12-13; 14,49 u.v.m. Damit ist das geschriebene Wort der Propheten gemeint. D
er Herr lehrte also die Wortinspiration, bzw. - als Fremdwort die Verbalinspirat
ion (siehe dazu Mk 12,36).
Immer wieder beruft Jesus sich auf die Autorität der Schrift: Denn es steht gesch
rieben ... (z.B. Mt 4,4ff; 21,13; Lk 10,26; Joh 10,34 etc.), Habt ihr nicht gelese
n ...? (Mt 12,3.5; 19,4; 21,16.42; 22,31; Mk 2,25; 12,10.26; Lk 6,3; 10,26). Sein
Handeln, z.B. die Tempelreinigung (Mt 21,13), gründet er auf diese Autorität.
An vielen Stellen bestätigt der Herr Jesus alttestamentliche Ereignisse, darunte
r auch viele Wunder, die von Kritikern als Märchen abgetan werden: Die Schöpfung
(Mk 10,6), Kain und Abel (Mt 23,35), die Sintflut (Mt 24,38), das Gericht über
Sodom und Gomorra (Lk 17,29), Mose und der brennende Dornbusch (Mk 12,26), das M
anna in der Wüste (Joh 6,31), Jona im Bauch des Fisches (Mt 12,40) etc. Er sagt
sogar: Wenn ihr aber Moses Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten g
lauben? (Joh 5,46-47).
Der Herr Jesus betont die Wichtigkeit jedes einzelnen Wortes und Buchstabens des
ATs, z.B.: Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, s
oll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles g
eschehen ist (Mt 5,18). Und ausdrücklich: Die Schrift kann nicht aufgelöst werden (
Joh 10,35b). Er lehrte also nicht nur die Inspiration, sondern auch die Bewahrun
g der Schrift.
Der Herr Jesus lehrt eindeutig, dass die AT-Autoren von Gott inspiriert waren, z
.B.: David selbst hat im Heiligen Geist gesagt ... (Mk 12,36). Dann zitiert er ein
en Psalm Davids und lehrt damit, dass die Schriften von David verbalinspiriert s
ind. In anderen Psalmen schrieb derselbe inspirierte David: Das Gesetz des HERRN
ist vollkommen ... Die Vorschriften des HERRN sind richtig (Ps 19,8-9). Und in Ps
alm 119,160 schreibt der inspirierte Psalmist: Die Summe deines Wortes ist Wahrhe
it. Unter der Inspiration des Heiligen Geistes lehren die Psalmisten also die Unf
ehlbarkeit der Bibel!
Der Herr lehrt auch, dass die Bücher Mose wirklich von Mose geschrieben wurden (
Joh 5,46) und dass Jesaja der Verfasser des ganzen Buches Jesaja ist - denn er z
itiert aus den verschiedenen "Teilen" Jesajas und nennt den Autor stets "Jesaja"
(Mt 13,14; 15,7; vgl. Mt 3,3; Joh 12,39ff). Wer lehrt, es habe einen "Deuteroje
saja" gegeben, weiß es besser als Jesus selbst!
b) Er lehrt die Göttlichkeit seiner eigenen Worte
Er sagt: Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber sollen nicht v
ergehen (Mt 24,35). Damit erklärt er seine eigenen Worte für genauso ewig wie die
Worte des Gesetzes (vgl. Mt 5,18).
Jesus betet zum Vater: Die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben
... Ich habe ihnen dein Wort gegeben ... Heilige sie durch die Wahrheit! Dein W
ort ist Wahrheit (Joh 17,8.14.17).
Immer wieder sagt er: Amen, Amen, ich sage euch ... (31 mal bei Matthäus, 13 mal b
ei Markus, 6 mal bei Lukas, 25 mal bei Johannes), und drückt damit die göttliche
Endgültigkeit seiner Worte aus. Für die Juden war klar, dass das zweifache Amen d
as Siegel absoluter göttlicher Endgültigkeit bedeutet.
c) Er beglaubigt im Voraus die Schriften der Apostel (das NT)
Der Herr kündigte die Niederschrift des NT an: Der Beistand aber, der Heilige Gei
st, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und eu
ch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe (Joh 14,26).
Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze
Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören
wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen (Joh 16,13).
Nirgends lehrt der Herr Jesus eine andere Offenbarungsquelle Gottes als allein d
ie inspirierte Schrift keine Erfahrungen, rein persönliche Visionen, spätere Pro
pheten (nur falsche) oder dergleichen. Daher ist klar, dass auch zu neutestament
licher Zeit Gottes Offenbarung allein in der vom Heiligen Geist inspirierten Sch
rift gegeben ist. Genau das lehren die Apostel Paulus (z.B. Röm 16,26) und Petru
s (2Petr 1,20-21).
2. Der Herr Jesus lehrt die Notwendigkeit der Bibel für das ewige Leben
a) Wir müssen an den Jesus der Bibel glauben
Er sagt: Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leib werden S
tröme lebendigen Wassers fließen (Joh 7,38).
b) Das Wort Gottes schafft ewiges Leben
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich ge
sandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus
dem Tod in das Leben übergegangen (Joh 5,24).
Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ic
h zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben (Joh 6,63).
Der Sämann sät das Wort ... (Mk 4,14; ein Bild für die Evangeliumsverkündigung und
Errettung)
c) Wir müssen uns von Gottes Wort ernähren
Jesus sagte: Es steht geschrieben: Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, s
ondern von jedem Wort, das durch den Mund Gottes ausgeht (Mt 4,4).
d) Wir müssen das Wort Gottes kennen, studieren und verstehen
Die häufigste Frage Jesu lautet: Habt ihr nicht gelesen ...? (Mt 12,3.5; 19,4; 21,
16.42; 22,31; Mk 2,25; 12,10.26; Lk 6,3; 10,26). Er sagte auch: Ihr irrt, weil ih
r die Schriften nicht kennt (Mt 22,29).
e) Nur der Herr Jesus kann uns die Bibel verständlich machen
Dann öffnete er ihnen das Verständnis, damit sie die Schriften verständen (Lk 24,4
5).
f) Wir müssen Gottes Wort Jesu Worte hören, glauben und tun
Meine Mutter und meine Brüder sind die, welche das Wort Gottes hören und tun (Lk 8
,21).
Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger (Joh 8,31).
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn jemand mein Wort bewahren wird, so wird e
r den Tod nicht sehen in Ewigkeit (Joh 8,51).

l. These: Die Vertrauenswürdigkeit der Bibel wird von Jesus garantiert.


a) Jesus bestätigt die Autorität des alten Testaments
Zunächst die historische Zuverlässigkeit: Ob Jesus vom Brudermord des Kains spri
cht oder von der Sintflut, ob er an die Person des Abraham erinnert, oder sich a
uf die Zerstörung von Sodom und Gomorra bezieht, immer behandelt Jesus diese Per
sonen und diese Ereignisse als reale Geschichte. Und er macht überhaupt keinen U
nterschied zwischen den älteren und den jüngeren Passagen des Alten Testaments.
Sie werden durchgängig behandelt als ernstzunehmende Berichte über echte Persone
n und wirkliche Ereignisse. Die Art und Weise wie Jesus alttestamentliche Geschi
chten einsetzt, macht völlig klar, dass er sie nicht als Legenden oder Lehrerzäh
lungen oder Symbole versteht, sondern immer als echte Geschichte. Und dabei fäll
t auf, dass Jesus besonders gern jene Berichte anführt, an denen der sogenannte
moderne Zeitgenosse besonderen Anstoß nimmt, zum Beispiel Jona im Bauch des groß
en Fisches. In Matthäus 12, 41 können Sie lesen, wie Jesus sagt:
Jesus macht völlig klar, dass er alttestamentliche Geschichten nicht als Legende
n oder Lehrerzählungen oder Symbole versteht, sondern immer als echte Geschichte
"Die Leute von Ninive werden auftreten beim jüngsten Gericht mit diesem Geschlec
ht (also mit seinen Zeitgenossen) und werden es verdammen. Denn sie taten Buße n
ach der Predigt des Jona. Und siehe, hier" - und damit meint Jesus sich selbst -
"hier ist mehr als Jona."
Die Verwendung der Jonageschichte lässt keinen anderen Schluss zu, als dass Jesu
s sie für ein reales Ereignis hält. Er spricht vom jüngsten Gericht, in dem Jesu
s selbst als Richter auftreten wird. In diesem realen Gericht werden die Leute v
on Ninive als reale Zeugen erscheinen. Ein Ausleger, T.T. Perowne, hat dazu gesa
gt:
"Sollen wir wirklich annehmen, dass imaginäre Personen (also unwirkliche Persone
n) die durch die imaginäre Predigt eines imaginären Propheten eine imaginäre Umk
ehr vollzogen, sollen wir wirklich annehmen, dass die an jenem Gerichtstag auftr
eten werden, um die wirkliche Schuld von Jesu wirklichen Hörern zu verdammen?"[2
]
Und dann sehen wir, wie Jesus im nächsten Vers noch eine weitere Person anführt,
nämlich die Königin von Saba. Sie wird bei derselben Veranstaltung auftreten wi
e die Leute von Ninive (Mt 12, 42):
"Die Königin vom Süden wird auftreten beim jüngsten Gericht mit diesem Geschlech
t und wird es verdammen. Denn sie kam vom Ende der Erde, um Salomos Weisheit zu
hören und siehe, hier ist mehr als Salomo."
Sie sehen, Jesus behandelt die Königin von Saba und Salomo, an deren Existenz ka
um einer zweifeln wird, genauso realistisch wie die Vorgänge um den Propheten Jo
na. Und wir könnten viele ähnliche Beispiele anführen, etwa Noah, oder den Schöp
fungsbericht.
Jesus bestätigt deutlich die historische Zuverlässigkeit des alttestamentlichen
Befundes, und er bestätigt auch die Autorität der alttestamentlichen Lehre. Das
ist ebenfalls sehr wichtig. Überlegen Sie: Als Jesus die Händler aus dem Tempelb
ezirk hinauswarf, begründet er es mit Worten aus dem Alten Testament! Mit den th
eologischen Experten seiner Zeit hat Jesus harte Kontroversen ausgetragen. Und n
un dachten viele Zeitgenossen: "Nun, wenn er sich mit den Gesetzeslehrern so hef
tig auseinandersetzt, dann wird er wohl auch eine kritische Haltung gegenüber de
m Gesetz, gegenüber dem Alten Testament haben." Aber genau das Gegenteil stimmt.
Die theologischen Meinungsmacher hatten sich schon damals ziemlich weit vom Wor
t Gottes im Alten Testament entfernt. Sie hatten schon damals Gottes Wort mit me
nschlichen Meinungen und Traditionen vermischt. Und gegen diese Verfälschungen u
nd Verzerrungen des Alten Testaments ist Jesus massiv angegangen. Eine klassisch
e Passage finden Sie in Markus 7 von Vers 8 an. Da sagt Jesus:
"Ihr verlasst Gottes Gebot und haltet der Menschen Satzungen. Wie fein hebt ihr
Gottes Gebot auf, damit ihr Eure Satzungen aufrichten könnt."
Gottes Wort wird dem Menschenwort deutlich entgegengesetzt. Und auch an einer Sc
haltstelle der Bergpredigt, nämlich Matthäus 5, 17, warnt Jesus ausdrücklich dav
or, die Lehre des Alten Testaments gegen seine eigene Lehre auszuspielen. Da sag
t er diesen berühmten Satz:
"Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten au
fzulösen. Ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen."
Kein Gegensatz zwischen mir und dem Alten Testament, sagt Jesus. Und dann fährt
er in Vers 18 fort:
"Wahrlich, ich sage euch, bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der
kleinste Buchstabe, noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis alles geschieht."
Und erst, nachdem Jesus so die völlige Einheit zwischen seiner Lehre und der Leh
re des Alten Testaments deutlich gemacht hat, folgen dann ab Vers 21 in Matthäus
5 die sogenannten Antithesen, wo Jesus sagt: "Ihr habt gehört, dass zu den Alte
n gesagt ist ...". Es folgt dann meistens ein Bibelzitat oder ein Teil eines Bib
elzitats, dem sich die Antithese Jesu anschließt.
Wie sind diese Antithesen zu verstehen?
Sie wenden sich gegen den Missbrauch und die Verdrehung des Alten Testaments dur
ch die Pharisäer und Schriftgelehrten.
Mit ihnen bringt Jesus die ursprüngliche Zielrichtung des alttestamentlichen Geb
ots wieder in Erinnerung.
In einigen Fällen gehen die Antithesen in der Tat über das alttestamentliche Geb
ot hinaus und schreiben es aufgrund der neuen heilsgeschichtlichen Epoche, die m
it Jesus angebrochen ist, fort. Aber wo Jesus das Alte Testament autoritativ for
tschreibt, da geschieht es nie als Kritik am Alten Testament. Ich habe einen fün
fjährigen Sohn, der darf jetzt noch nicht alleine in die Innenstadt von Osnabrüc
k fahren. Das werden Sie verstehen. In einigen Jahren werde ich dieses Verbot au
fheben, weil dann eine neue Situation eingetreten sein wird. Und dann darf Lukas
alleine in die City von Osnabrück. Wenn Jesus das alttestamentliche Gebot forts
chreibt, dann nie, weil es vorher falsch war, sondern weil mit seinem Kommen ein
e neue Situation eingetreten ist.
Wenn Jesus das alttestamentliche Gebot fortschreibt, dann nie, weil es vorher fa
lsch war, sondern weil mit seinem Kommen eine neue Situation eingetreten ist
Sie können sich das am Scheidungsrecht klarmachen. Ursprünglich hatte Gott die l
ebenslange Einheit der Ehe vorgesehen. Jesus zitiert in Matthäus 19 dazu den Sch
öpfungsbericht. Dann aber machte sich durch die Sünde der Menschen im Laufe der
Jahre eine willkürliche Scheidungspraxis in Israel breit. Und dem begegnet Gott
mit dem alttestamentlichen Scheidungsrecht, wo der Scheidebrief überreicht werde
n muss. Gott rechtfertigt die Scheidung nicht. Aber er will mit dieser Scheidung
sordnung die menschliche Willkür eindämmen. Mit dem Kommen Jesu hat sich diese S
ituation wieder verändert. Und wer nun zu Jesus gehört, wer in Verbindung mit de
m Weinstock (Joh 15) lebt, für den gilt wieder die Situation vom Anfang. Deswege
n ist es für einen Christen von Jesus her nicht mehr erlaubt, sich von seinem Eh
epartner scheiden zu lassen und dann erneut zu heiraten. So stellt Jesus den urs
prünglichen Zustand wieder her und schreibt das alttestamentliche Gebot aufgrund
der neuen heilsgeschichtlichen Situation fort.
Jesus bestätigt - und wir könnten das an vielen anderen Punkten nachweisen - die
Autorität der alttestamentlichen Lehre. Er hat das in dem Spitzensatz von Johan
nes 10, 35 einmal zusammengefasst: "Die Schrift kann nicht gebrochen werden." Wa
rum nicht? Weil die alttestamentlichen Schriften göttliche Qualität haben. Das i
st das Nächste, was wir festhalten:
b) Jesus bestätigt die göttliche Inspiration des Alten Testaments
Jesus hat die göttliche Inspiration des Alten Testaments immer wieder betont. Da
s Grundprinzip finden Sie in Markus 12, 36: Da zitiert Jesus Psalm 110, einen Ps
alm Davids. Und er schickt dem folgende Einleitung voran: "David selbst hat durc
h den Heiligen Geist gesagt ..." Merken Sie: Jesus unterschlägt nicht den David.
Er unterschlägt nicht die menschlichen Verfasser der Bibel. Jesus lehrt nirgend
wo eine mechanistische Diktattheorie. Aber er macht zugleich deutlich: Der eigen
tliche Autor, der hinter allen biblischen Schriften steht, ist Gott selbst. Er l
eitet die Verfasser mit ihren Begabungen und Schreibstilen. Er gebraucht sie dur
ch seinen heiligen Geist. Und diese göttliche Autorschaft ist es, die den Schrif
ten der Bibel das Siegel der absoluten Vertrauenswürdigkeit aufdrückt.
Dabei müssen wir noch einen Schritt weitergehen: Wenn Jesus von der Sache der In
spiration redet, dann meint er nicht in erster Linie die Schreiber, wie wir viel
leicht vermuten könnten. Nein, er meint in erster Linie die Schriften. Mose und
David waren fehlerhafte Menschen. Sie haben möglicherweise auch andere Sachen ge
schrieben, die nicht in die Bibel kamen und nicht Heilige Schrift wurden. Aber w
as in die Bibel hineingekommen ist unter der providentia dei, das ist inspiriert
, das trägt Gottes Siegel, das ist Gottes Wort. Jesus redet also in erster Linie
nicht von der Inspiration der Schreiber, sondern von der Inspiration der Schrif
ten. Jesus redet also letztlich von der Inspiration der Wörter. Denn die Schrift
en bestehen aus Wörtern. Und damit lehrt Jesus, auch wenn man es kaum auszusprec
hen wagt, die Wortinspiration. Und wenn Sie dann das Wort "Wort" auch noch ins L
ateinische Jesus macht deutlich: Der eigentliche Autor, der hinter allen biblisc
hen Schriften steht, ist Gott selbst
übersetzen, kommen Sie eben zur Verbalinspiration. Es ist keine pietistische Erf
indung. Es ist nicht eine übersteigerte Theorie der Orthodoxie. Sondern die Insp
iration der Schriften - eben mit ihren Worten und Wörtern - wird von Jesus selbs
t gelehrt. Und das hat eine enorme Konsequenz, denn es bedeutet: Was die Schrift
sagt, sagt Gott. So kann Jesus auch von der Schrift fast wie von einer Person r
eden. Er sagt einmal: "Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt ..." (Johannes 7
, 38).
Sehen Sie: Gott hat seinen eigenen Sohn als Mensch in die Welt gegeben. Und so h
at Gott sein eigenes Wort als Schrift in die Welt gegeben. Wir dürfen Buchstaben
und Geist nicht auseinander reißen. Und daher rührt die Kraft der Schrift. Dami
t wird die Schrift zur entscheidenden Waffe in der Wüstenschlacht gegen den Teuf
el. Dort begegnet Jesus dem Satan nicht mit einem spektakulären Wunder, sondern
er hält ihm dreimal die Autorität der Bibel entgegen: "Es steht geschrieben ...
"
Wir haben also ein klares Zwischenergebnis. Kein anderer hat die göttliche Quali
tät der alttestamentlichen Schriften so eindeutig untermauert wie Jesus selbst.
Die historische Zuverlässigkeit, die lehrmäßige Autorität, die göttliche Inspira
tion. Um noch ein letztes Mal John Wenham zu zitieren:
"Jesu Worte zum Thema bilden zusammen eine große Lawine von zunehmender Überzeug
ungskraft, der man auf ehrlichem Wege nicht mehr entkommen kann."
Wohl gemerkt, Jesus hat die Schrift nicht um ihrer selbst willen verehrt, aber e
r hat ihren Autor geehrt. Und Jesus hat es nie zugelassen, dass ein Keil getrieb
en wurde zwischen den Autor und sein Produkt, zwischen die Heilige Schrift und d
en lebendigen Gott. Was die Schrift sagt, sagt Gott.
c) Jesus behauptet die göttliche Qualität seiner eigenen Worte.
Wie aber steht es nun um die göttliche Qualität des Neuen Testamentes? Das Neue
Testament war ja zur Erdenzeit Jesu noch nicht geschrieben. Was können wir, ausg
ehend von Jesus, zur Vertrauenswürdigkeit des Neuen Testaments sagen?
Das hat ja die Schriftgelehrten immer auf die Palme gebracht, dass Jesus für sei
ne eigenen Worte göttliche Qualität beanspruchte. Dass er seine eigenen Worte gl
eichwertig neben die Heiligen Schriften des Alten Testaments stellte. Dass Jesus
mit dem Anspruch auftrat: "Ich bringe die letztgültige Exegese des Alten Testam
ents. Amen, Ich sage euch ..." Das steht 31 mal bei Matthäus, 13 mal bei Markus,
6 mal bei Lukas, 25 mal bei Johannes. "Amen, ich sage euch ..." In unseren Ohre
n klingt das harmlos, in den Ohren eines Juden darf so nur Gott selbst reden. Un
d Jesus hat so gesprochen. Und in Matthäus 24, 35 hat er gesagt:
"Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen."
Ja, selbst im jüngsten Gericht (Johannes 12, 48) werden die Worte Jesu das entsc
heidende Kriterium für das Urteil sein. Also, Jesus behauptet nicht nur die Auto
rität des Alten Testaments, sondern er behauptet die göttliche Qualität seiner e
igenen Worte.
d) Jesus beglaubigt die Autorität der neutestamentlichen Schreiber
Er hat ja seine Worte nicht selbst aufgeschrieben, sondern sie seinen Jüngern ei
ngeschärft. Und er hat angekündigt, dass seine Leute seine Worte und Werke zuver
lässig weitergeben werden. Er beglaubigt die Autorität der neutestamentlichen Sc
hreiber. Und er hat seinen Jüngern nun eine besondere Verantwortung als Zeugen a
ufgetragen. In Johannes 15, 27 nennt er sie in einem Atemzug mit dem Heiligen Ge
ist:
Selbst im jüngsten Gericht werden die Worte Jesu das entscheidende Kriterium für
das Urteil sein
"Und auch Ihr (genauso wie der Heilige Geist, von dem er vorher gesprochen hat),
seid meine Zeugen, denn Ihr seid von Anfang an bei mir gewesen."
Damit kündigt Jesus seinen Zeugen nicht nur ihre besondere Verantwortung, sonder
n auch ihre besondere Fähigkeit und Befähigung an. Im ganzen hohenpriesterlichen
Gebet wird das deutlich, und zum Beispiel auch in Johannes 14, 26:
"Der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der
wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe."
Und in Johannes 16, 12-13 macht Jesus dann noch mal deutlich: Der Heilige Geist
wird euch auch N e u e s lehren. Er wird euch Dinge klarmachen, die Ihr jetzt no
ch nicht fassen könnt. Und dieses Leiten, Lehren, Erinnern und Neuoffenbaren dur
ch den Heiligen Geist kommt dadurch endgültig zum Ziel, dass die Schriften des N
euen Testaments geschrieben werden und den biblischen Kanon abschließen.
Die Apostel und ihre Mitarbeiter haben begriffen, was Jesus von ihnen wollte. Si
e haben diese Aufgabe angenommen und sie waren sich immer ihrer besonderen Autor
ität bewusst. Und wenn wir nachprüfen wie sie über Inspiration gedacht haben, wi
rd man sehen: sie waren gute Schüler ihres Meisters. Sie wussten, dass die altte
stamentlichen Schriften von Gott selbst inspiriert waren. Und umso mehr muss es
nun überraschen, dass die Apostel ihre eigenen Schriften gleichberechtigt neben
die Schriften des Alten Testamentes stellen. Sie wussten genau: Unsere Schriften
sind genauso inspiriert.
So kann Paulus in l. Korinther 2, 13 sagen: "Wir sprechen mit Wörtern, die der h
eilige Geist lehrt." Paulus war ein großartiger Theologe. Paulus hat bewusst ged
acht, geschrieben, argumentiert. Aber er sagt gleichzeitig: Wir sprechen mit Wör
tern, die der Heilige Geist lehrt, nicht mit Wörtern, die menschliche Weisheit l
ehrt. Die Apostel und ihre engsten Mitarbeiter standen in einer einzigartigen Nä
he zu Jesus, in einer einzigartigen Beauftragung durch ihn. Und sie bringen Gott
es schriftliche Offenbarung zu ihrem endgültigen Abschluss. Der Abschluss des Ka
nons ist bereits im Neuen Testament angelegt und wird indirekt angekündigt. Die
Apostel und ihre engsten Mitarbeiter hatten die Autorität, diese Überlieferung w
eiterzugeben. Und ihre Schriften haben sich Schritt für Schritt in der Gemeinde
durchgesetzt. Ich möchte Sie nur auf eine Tatsache der Kanonsgeschichte aufmerks
am machen: Schon die frühesten Kirchenväter, also bereits am Anfang des zweiten
Jahrhunderts, sagen deutlich, dass sie die neutestamentlichen Schriften als ein
göttliches Gegenüber betrachten. Dort die göttlichen Schriften der Apostel; hier
wir, die Kirchenväter des zweiten Jahrhunderts, die keine vergleichbare Autorit
ät beanspruchen können.
Die Apostel waren sich immer ihrer besonderen Autorität bewusst
Unsere Frage lautete: Was ist die entscheidende Begründung für die Vertrauenswür
digkeit der Bibel? Und die Antwort darauf haben wir zusammengefasst in einer ers
ten These: "Die Vertrauenswürdigkeit der Bibel wird von Jesus garantiert." Er be
stätigt die Autorität des Alten Testaments. Er behauptet die göttliche Qualität
seiner eigenen Worte. Er beglaubigt die Autorität der neutestamentlichen Schreib
er. Das ganze Leben von Jesus war ein großes Plädoyer für die göttliche Autoritä
t der Heiligen Schrift.
Deswegen ist es heute nicht konsequent, wenn wir sagen: "Ich glaube ja an Jesus.
Ich halte mich an ihn, das zählt. Aber mit der Bibel muss ich es nicht so genau
nehmen." Damit kommen wir zu einer zweiten These.
2. These: Die Vertrauenswürdigkeit der Bibel wird auch von Christen relativiert
Was sind die Ursachen dafür? Zunächst ist da die Schlangenfrage, die seit dem Sü
ndenfall im Herzen jedes Menschen lauert: "Sollte Gott gesagt haben?" In dem Aug
enblick, wo Gottes Wort meiner Bequemlichkeit widerspricht, neige ich dazu, der
Bibel zu widersprechen. Wo die Bibel unsere Pläne in Frage stellt, neigen wir da
zu, die Vertrauenswürdigkeit der Bibel in Frage zu stellen. Der erste Grund für
diese Anmaßung liegt in unserem Herzen. Hinzu kommt nun ein starker Druck seiten
s der Gesellschaft. Biblische Positionen werden immer selbstverständlicher und f
recher an den Pranger gestellt. Das biblische Eheverständnis, die biblischen Aus
sagen zur Homosexualität etwa, oder auch der Absolutheitsanspruch Jesu. Und wer
mit den Leuten redet, der merkt, dass sich die Situation zuspitzt. Galten noch v
or 10 bis 15 Jahren die biblischen Positionen zu diesen Fragen als veraltet, so
gelten sie heute etwa in dem, was die Bibel über Homosexualität sagt, als mensch
enverachtend. Das ist ein Unterschied.
Das Handwerkszeug zur Zertrümmerung der Bibel haben tragischerweise die Theologe
n in Gestalt der historisch-kritischen Theologie selbst geliefert. Das ist die T
heologie die in den letzten 250 Jahren die deutsche Szene beherrscht hat, deren
Kernstück die sogenannte historisch kritische Methode ist. Diese Methode ist kei
n neutrales Instrument, sondern stellt in sich selbst eine geschlossene Weltansc
hauung dar, ein Glaubensbekenntnis. Dieses Glaubensbekenntnis hat zu Anfang des
20. Jahrhunderts Ernst Trölsch formuliert. Es hat drei Säulen.
Säule: Der Mensch zitiert die Bibel vor seinen Richterstuhl. (prinzipielle Kriti
k)
Säule: Wunder sind unmöglich. (Kriterium der Analogie)
Säule: Gott kann oder Gott will nicht wirklich in diese Welt eingreifen. (Kriter
ium der Korrelation).
Der Mensch zitiert die Bibel vor seinen Richterstuhl. Wunder gibt es nicht. Gott
greift nicht ein. So wird offenkundig: Das Glaubensbekenntnis der historisch-kr
itischen Methode steht gegen das Glaubensbekenntnis der Bibel. Und trotzdem hat
die historisch-kritische Theologie nahezu das Monopol an den Das Glaubensbekennt
nis der historisch kritischen Methode steht gegen das Glaubensbekenntnis der Bibel
Universitäten erobert. Die Folgen wirken sich in unserer Gesellschaft bis hinein
in die Schulen und Kindergärten aus. Wer an der Zuverlässigkeit der Bibel festh
ält, gerät unter Druck und wird als "Fundamentalist" abgestempelt. Aber nicht al
s Fundamentalist im alten Sinne, sondern im neuen. Man rückt uns in der Gesellsc
haft Seite an Seite mit den gewalttätigen islamischen Fundamentalisten. Und soga
r Bundespräsident Herzog hat vor kurzem sinngemäß behauptet, dass er jegliche Ar
t von Fundamentalismus ablehne. Wer den Absolutheitsanspruch Jesu betont, kann a
lso schnell zur Gefahr für den Tarum einer multikulturellen Gesellschaft werden.
Ich habe das vor kurzem [1995] selbst erlebt. Wir hatten eine Jubiläumsveranstal
tung in unserer Gemeinde zum Gedenken an einen Pfarrer der Pauluskirche, der sic
h damals im Widerstand gegen die Nationalsozialisten mutig eingesetzt hatte. In
der Predigt sprach ich nicht nur über den Kirchenkampf damals, sondern auch über
den Kirchenkampf heute und betonte im Zuge der Schriftauslegung, dass Jesus Chr
istus der einzige Weg zur Rettung sei und dass es für jeden Moslem, Buddhisten u
nd Hinduisten und auch für jeden, der dort in der Kirche saß, darauf ankomme, si
ch persönlich zu Jesus Christus zu bekehren. Hinterher, beim Festakt in einem Se
itengespräch, wurde ich vom Oberbürgermeister der Stadt Osnabrück massiv angegri
ffen:
"Wie können Sie so etwas behaupten?! Sie sind Vertreter einer öffentlichen Organ
isation! Sie haben eine Verantwortung für den öffentlichen Frieden!"
Da predigt ein Pastor über Johannes 14, 6 und er wird dafür vom Oberbürgermeiste
r seiner Stadt angegriffen. Ich habe dem Oberbürgermeister daraufhin sinngemäß g
esagt:
"Wenn das, was Sie hier sagen, Praxis in unserer Stadt wird, dann ist das das En
de der Gewissensfreiheit und der Verkündigungsfreiheit der Kirche."
Wer an der Vertrauenswürdigkeit der Bibel festhält, gerät unter Druck auch inner
halb der Kirche. Der Präses der Rheinischen Kirche - das ist so etwas wie ein Bi
schof - hat vor einigen Monaten sinngemäß geschrieben:
Wer Lektor in der Rheinischen Landeskirche werden will, darf nicht davon ausgehe
n, dass die ganze Bibel Gottes verbindliches Wort ist
"Wer Lektor in der Rheinischen Landeskirche werden will, darf nicht davon ausgeh
en, dass die ganze Bibel Gottes verbindliches Wort ist."
Also, Sie können alle möglichen Dinge denken und behaupten, um in der Rheinische
n Landeskirche Lektor zu werden, nur dürfen Sie nicht offen sagen, dass die Bibe
l Gottes verbindliches Wort sei. Eine bedrückende Bilanz. Sie macht deutlich: de
n bibeltreuen Christen weht in unserer Gesellschaft der Wind zunehmend schärfer
ins Gesicht. Und da ist die Versuchung groß, unsere Treue zur Bibel ein bisschen
zurückzunehmen, ein wenig zu relativieren. Wie schnell setzt da die Schere an:
entweder im Kopf oder im Kehlkopf. Entweder wir denken bestimmte Dinge gar nicht
mehr oder wir sagen sie zumindest nicht mehr.
Aber nicht nur die Gesellschaft macht uns zu schaffen. Auch in den eigenen Reihe
n breitet sich unverhohlen eine Form von Subjektivismus aus. Je nach Geschmack,
Vorliebe und persönlicher Erfahrung werden bestimmte Aussagen der Bibel akzeptie
rt und andere für zeitbedingt oder unwichtig erklärt, also relativiert:
etwa Jesu Aussagen über die Zuverlässigkeit der biblischen Anfangsgeschichte.
etwa die biblische Auffassung, dass der Geschlechtsverkehr seinen Platz nur in d
er Ehe hat (Gilt das noch in allen unseren Jugendbibelkreisen?);
die biblische Aussage, dass ein Christ nur einen Christen heiraten soll (Wir sol
lten nicht am fremden Joch ziehen mit den Ungläubigen, 2Kor 6,14);
oder die neutestamentliche Lehre, dass der Mann in der Ehe eine liebevolle Führu
ngsverantwortung wahrzunehmen hat;
oder die Betonung des Apostel Paulus, dass die Hauptverantwortung für die Gemein
deleitung, wenn es um gemeindeleitende Lehre geht, nur von Männern wahrgenommen
werden soll.
Diese und andere Punkte sind in der Bibel klar beschrieben. Sie werden dort eind
eutig gelehrt. Aber ihre Verbindlichkeit wird auch von manchen Evangelikalen rel
ativiert oder einfach nicht zur Kenntnis genommen.
Evangelikaler Pragmatismus
Eine weitere Tendenz, die die Vertrauenswürdigkeit der Bibel relativiert, ist da
s, was ich den "Evangelikalen Pragmatismus" nenne. Dieser evangelikale Pragmatis
mus verfolgt meist sehr ehrenwerte und gute Ziele, aber zur Erreichung dieser Zi
ele nimmt er Wege und Methoden in Kauf, die von der Bibel oft nicht abgedeckt si
nd, oder ihr sogar widersprechen.
Nehmen wir das Beispiel Evangelisation: Wir haben einen klaren biblischen Auftra
g. Und nun werden immer wieder Stimmen laut, die sagen: "Lasst uns doch mit der
Römisch-Katholischen Kirche zusammenarbeiten", ich vergröbere jetzt diese Voten,
"dann erreichen wir mehr Leute. Lasst uns doch ruhig liberale Kirchenführer in
unsere Komitees mit aufnehmen, dann bekommen wir mehr Anerkennung in der Gesells
chaft und man kann uns nicht so schnell den Sektenvorwurf anhängen." Das ist Pra
gmatismus. Er sucht den kürzesten Weg zum Ziel. Er ist gut gemeint, aber er hat
einen großen Fehler. Der Pragmatismus setzt beim Menschen an, bei dem, was jetzt
in dieser Situation menschlich gesprochen dem Evangelium nützlich sein könnte.
Der Pragmatismus setzt nicht bei der Heiligkeit Gottes und seiner Gebote an.
Das Neue Testament warnt uns eindrücklich davor, gemeinsame Sache mit Irrlehrern
zu machen. Und die Römisch-Katholische Kirche - auch wenn es in ihren Reihen ec
hte, aufrechte Christen geben mag - ist als Institution von ihren Bekenntnissen
her eine Institution der Irrlehre. Und deshalb, denke ich, dürfen wir hier keine
n Schulterschluss vornehmen. Pragmatismus setzt sich schnell über solche Warnung
en hinweg, da es ja um ein gutes Ziel geht. Pragmatismus bildet sich ein, in man
chen Situationen eben doch etwas klüger zu sein, als die Bibel. Man solle sich d
och nicht so gesetzlich an den Buchstaben klammern! Wie schnell können wir in di
esen Pragmatismus hineinrutschen!
Ein in christlichen Kreisen bekannter Psychologe hat vor einiger Zeit in einer c
hristlichen Zeitschrift einen Aufsatz zum Thema Scheidung veröffentlicht. Und da
betont er:
Jesus hat das zwar gesagt, das sehe ich auch aber angesichts der Umstände müssen
wir aus christlicher Nächstenliebe manchmal doch bewusst von dem abweichen, was
Jesus gesagt hat.
"Jesus hat die Scheidung für Christen untersagt. Aber: da es so viele schwierige
Fälle gibt, rate ich als Psychologe und als Seelsorger in bestimmten Fällen tro
tzdem zur Scheidung. Und ich lehre auch die Seelsorger so und schule sie entspre
chend."
Er hat das bestimmt gut gemeint. Aber: Was ist hier abgelaufen? Jesus selbst, di
e Bibel stellt ein Gebot auf und sagt: "Im Reich Gottes gibt es für Christen ein
neues Scheidungsrecht." Und der christliche Psychologieprofessor schreibt: "Jes
us hat das zwar gesagt, - das sehe ich auch - aber angesichts der Umstände müsse
n wir aus christlicher Nächstenliebe manchmal doch bewusst von dem abweichen, wa
s Jesus gesagt hat." Das ist evangelikaler Pragmatismus. Gut gemeint, aber er se
tzt beim Menschen an, bei seinen Bedürfnissen, und relativiert damit letztlich d
ie Vertrauenswürdigkeit der Bibel. Dieser Pragmatismus und Subjektivismus konnte
sich in den letzten Jahren ausbreiten und das Denken vieler Christen prägen, we
il die Vertrauenswürdigkeit der Bibel noch von einer letzten Tendenz angenagt wi
rd, die ich hier nennen möchte, und das ist die Lehrmüdigkeit.
Lehrmüdigkeit
Ach, was sollen wir uns ständig um lehrmäßige Fragen streiten! Wozu brauchen wir
immer diese langen Bibelarbeiten? Was sollen die vielen Worte? Hauptsache, wir
haben die dogmatischen Grundbegriffe drauf und sind evangelistisch durch die "Vi
er geistlichen Gesetze" ausgerüstet. Das müsste doch reichen!
Der amerikanische Theologe David F. Wells hat die Situation der Evangelikalen in
Amerika untersucht. Und als ich das las, hat es mich aufgeschreckt, weil ich im
mer dachte: Das trifft fast genauso auf unsere deutsche Situation zu! Wells hat
einen Aufsatz geschrieben unter dem Titel "The Bleeding of the Evangelical Churc
h." Das heißt: "Das Ausbluten der Evangelikalen Kirche."
Die Verbindlichkeit der Bibel wird zwar behauptet, aber die praktische Gemeindea
rbeit wird längst von anderen Faktoren bestimmt
Wells hat beobachtet, dass die Verbindlichkeit der Bibel zwar behauptet wird, wi
e ein Etikett Aber die praktische Gemeindearbeit wird in vielen evangelikalen Ki
rchen längst von anderen Faktoren bestimmt. Die Seelsorge wird weitgehend von de
r Psychologie dominiert, natürlich unter Einbeziehung der Bibel, aber die gibt n
icht mehr den Ton an. Der Gemeindeaufbau orientiert sich immer stärker an Manage
ment-Konzepten und Erkenntnissen der Kommunikationswissenschaft, natürlich unter
Einbeziehung der Bibel, aber sie gibt nicht mehr den Ton an. Aber das ist gerad
e die entscheidende Frage: Wer gibt den Ton an? Wells schreibt dann weiter, und
ich zitiere wörtlich:
"Unsere Techniken für Gemeindewachstum, Techniken für Seelsorge, für die Predigt
, all dieses wird weitgehend entwickelt ohne die Heilige Schrift zu befragen, so
als wäre die Bibel allein nicht in der Lage, die Gemeinde des 20. Jahrhunderts
zu ernähren und zu führen. Wir müssen es wieder entdecken, was es bedeutet, sich
von der Welt zu unterscheiden. Und wir müssen uns selbst wieder zu Gefangenen v
on Gottes biblischer Wahrheit machen. Selbst, wenn wir damit quer zur Kultur uns
erer Zeit stehen sollten."
Ich komme zum Schluss. Die Vertrauenswürdigkeit der Bibel war unser Thema. Sie w
ird garantiert von Jesus selbst. Und doch stellen wir immer wieder bei uns selbs
t und bei anderen Christen mit Erschrecken fest, dass das, was Jesus festschreib
t, in unserer Lebens- und Gemeindepraxis allzu oft relativiert wird, missachtet,
vergessen, untergraben, eingeschränkt.
Wie kommen wir da heraus? Wie kommen wir aus unserem praktizierten Misstrauen ge
genüber der Bibel heraus? Ich sehe nur einen Weg: Wir müssen uns das Schriftvers
tändnis Jesu zu eigen machen. Wir müssen uns auch bezüglich des Schriftverständn
isses in die Nachfolge Jesu begeben. Wir müssen die Vertrauenswürdigkeit, Verbin
dlichkeit und Autorität der ganzen Bibel akzeptieren. Das ist nicht in erster Li
nie eine intellektuelle Frage, sondern es ist in erster Linie eine Frage des Geh
orsams. Und das hat dann natürlich massive Folgen für unser Denken. Wenn unser L
eben Jesus gehören soll, dann will er unser Denken immer umfassender unter seine
Regie bringen (vgl. 2Kor 10,5). Und je stärker unser Denken von ihm geprägt ist
, umso deutlicher wird sich das in unserem praktischen Gehorsam widerspiegeln. S
purgeon hat seine Leute geradezu beschworen, als er sagte:
"Glauben Sie durch und durch an das von Gott eingegebene Buch! Glauben Sie alles
darin! Glauben Sie es völlig! Glauben Sie es mit der ganzen Kraft ihres Wesens.
"
Wenn wir uns das zu Herzen nehmen, dann heißt das: Die geistliche Gesundheit und
Lebendigkeit der Evangelikalen in Deutschland entscheidet sich nicht an neuen P
rogrammen für Gemeindeaufbau und Gottesdienstgestaltung. Sie entscheidet auch ni
cht sich an den Strategien unserer Evangelisationen. So wichtig das alles ist, a
ber die geistliche Gesundheit unserer Gemeinden entscheidet sich an unserer Hing
abe an Jesus, und das heißt praktisch: an unserem alltäglichen Gehorsam gegenübe
r jener Bibel, für deren absolute Verlässlichkeit Jesus sich verbürgt hat. Und w
enn das Markenzeichen "bibeltreu" unser Leben wirklich prägt, dann wird alles an
dere, was wir sonst noch tun, einen neuen Glanz bekommen, eine neue Vollmacht un
d gewiss auch eine neue Durchschlagskraft.
Die geistliche Gesundheit und Lebendigkeit der Evangelikalen hängt am täglichen
Gehorsam gegenüber jener Bibel, für deren absolute Verlässlichkeit Jesus selbst
sich verbürgt hat
So lassen Sie mich schließen mit dem klassischen Vers des Apostel Paulus, in dem
er die Würde und Vertrauenswürdigkeit der Bibel zusammengefasst hat. Da schreib
t er an seinen Schüler Timotheus in 2Timotheus 3, 16: "Die ganze Schrift ist von
Gott eingegeben und nütze zur Lehre, zur Überführung von Schuld, zur Besserung,
zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu
jedem guten Werk völlig ausgerüstet."