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Bionik

Auf den Spuren des Schöpfers Winfried Borlinghaus


Die Natur als Vorbild
Bionik ist ein moderner Begriff für eine uralte menschliche Praxis. Er beschreib
t das Abschauen von Ideen aus der Natur - speziell der belebten Natur -, um dies
e Ideen für die Technik nutzbar zu machen. Der Begriff setzt sich also ganz einf
ach aus Biologie und Technik zusammen. Im Gegensatz zur Biotechnologie, wo man s
ich Organismen direkt zu Nutze macht, oder zur technischen Biologie, die die Eig
enschaften von Lebewesen physikalisch untersucht und beschreibt, schauen Bionike
r gezielt nach technisch verwertbaren Mechanismen und Konstruktionen in der Natu
r. Dabei geht es nicht einfach nur darum, etwas nachzubauen, was man in der Natu
r vorfindet (was nicht möglich ist, weil der Mensch kein Leben schaffen kann), s
ondern darum, neue konstruktive Prinzipien zu entdecken, die sich technisch umse
tzen lassen. Solche Entdeckungen tragen dazu bei, bisherige Techniken zu optimie
ren oder gar zu revolutionieren.

Geschichte der Bionik


Bereits Leonardo da Vinci könnte man aufgrund seiner technischen Modelle und Ver
suche als frühen Bioniker bezeichnen. Der Begriff "Bionik" wurde allerdings erst
1960 von dem amerikanischen Luftwaffen-Major J.E. Steele auf einem Kongress in
Dayton eingeführt. Schon in den Sechzigerjahren begannen auch in Deutschland For
scher, wie Ingo Rechenberg in Berlin, sich verstärkt mit dem Thema Bionik zu bes
chäftigen. So richtig boomte die Bionik allerdings erst seit Ende der Achtzigerj
ahre, als sich die Industrie verstärkt dafür zu interessieren begann und entspre
chende Forschungsprojekte förderte. Das wichtige Ziel heißt Energie- und Werksto
ffersparnis, und hier hinkt die menschliche Technik der Schöpfung meilenweit hin
terher. Um diesen Abstand zu verkleinern, fand schließlich 1992 in Wiesbaden ein
erster Bionik-Kongress statt, der inzwischen zu einer guten Tradition geworden
ist.

Evolutionsstrategien
Die intensive Beschäftigung mit genialen Konstruktionen bei Lebewesen provoziert
natürlich die Frage nach der Herkunft dieser Ideen! Eine besondere Rolle spielt
dabei, wie kaum anders zu erwarten, die Evolution bzw. die sogenannten Evolutio
nsstrategien. Das Streben richtet sich deshalb nicht nur auf die möglichst effiz
iente Anwendung der entdeckten Strukturen und Techniken, sondern man möchte mehr
. Die Natur soll in ihrer Genialität noch übertroffen und die vermutete natürlic
he Entwicklung durch menschliche Intelligenz beschleunigt werden. Man möchte der
Evolution "Beine machen", wie es in einem Filmbeitrag hieß. In kurzen Zeiträume
n will man zu perfekteren Ergebnissen kommen, als das in der Natur im Verlauf vo
n Millionen von Jahren der Fall gewesen sein soll.
Je mehr man allerdings feststellt, wie komplex die untersuchten Lebewesen sind,
desto mehr Zweifel sind angebracht, ob sich solche Konstruktionen überhaupt weit
er optimieren lassen und ob sie sich tatsächlich einfach nur selbst organisiert
haben. So heißt es im "Spiegel": "Voller Neid blicken Ingenieure auf derart geni
ale Leistungen der Baumeisterin Natur, neben denen sich ihre Kreationen so plump
ausnehmen wie ein Faustkeil neben einem Präzisionsfräskopf. Stümperhaft erschei
nt etwa die Tragfläche eines Segelflugzeugs, verglichen mit einem Libellenflügel
..."
Konstruktion und Konstrukteur
Für Bioniker liegt es also auf der Hand, nach dem Konstrukteur derjenigen Konstr
uktionen zu fragen, die man permanent neu entdeckt und bewundert. Dabei ist es ü
blicherweise so, dass man die "Natur" selbst oder die "Evolution" mit Eigenschaf
ten versieht, die eigentlich nur einem intelligenten Wesen zustehen. Wer oder wa
s ist die Natur, dass man sie zum Beispiel als "Baumeisterin" bezeichnet? Warum
bezeichnet man dann zum Beispiel eine Hängebrücke nicht als Baumeister, sondern
denjenigen, der sie konstruiert hat? Es ist deshalb kein Rückschritt, sondern ei
ne vernünftige Überlegung, den in der Bibel beschriebenen Schöpfer auch im Zusam
menhang mit der Bionik wieder ins Gespräch zu bringen.
Für Ingenieure ist klar, dass jede technische Entwicklung Geist und Intelligenz
erfordert. Sollte das ausgerechnet für die Natur, die doch um ein vielfaches gen
ialer und effizienter funktioniert als jede menschliche Erfindung, nicht gelten?
Gibt es vielleicht doch einen Konstrukteur, der seine Ideen in die Natur eingeb
racht hat? Es besteht deshalb heute die große Chance und der Bedarf, neu über de
n Zusammenhang von Glaube und Wissenschaft nachzudenken.
Einige Beispiele sollen die neue Faszination an Lebewesen und ihrer "technischen
" Merkmale veranschaulichen.

Bäume Träger- konstruktion Astgabel


Selbst scheinbar äußerst simple Konstruktionen, wie Astgabeln von Bäumen, entpup
pen sich bei näherem Hinschauen als hervorragend konstruierte Tragwerke. Claus M
attheck hat in jahrelanger Arbeit Wesentliches dazu beigetragen, diese Systeme z
u verstehen. Die Kerbspannung wird durch spezielles Zellwachstum an jedem Punkt
der Verbindung Ast-Stamm auf nahe Null reduziert, so dass ein optimales statisch
es System entsteht. Wenn bei einem Sturm ein Teil der Baumkrone abbrechen sollte
, setzt in den folgenden Jahren ein verstärktes Wachstum an den statisch kritisc
hen Stellen ein, bis das Gesamtsystem wieder optimal funktioniert. So diente die
Astgabel als Vorbild für die Trägerkonstruktion im Stuttgarter Flughafengebäude
. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Mit außergewöhnlich geringem Materialaufw
and konnte ein großes Hallendach sicher abgestützt werden. Auch für den Maschine
nbau und die Medizintechnik sind die gewonnenen Erkenntnisse von großer Bedeutun
g. Diverse Motorteile, aber auch Prothesen und künstliche Gelenke, können entspr
echend verbessert und haltbarer hergestellt werden.

Lotusblatt Selbstreinigung
Der sogenannte Lotuseffekt ist neben dem Klettverschluss vielleicht das bekannte
ste Beispiel für praktische Bionik. Wer kennt nicht das Phänomen, dass beim Gieß
en von Kohlpflanzen das Wasser wie Quecksilber abperlt? Dieser Effekt tritt beso
nders prägnant bei der Lotuspflanze auf. Wer genauer hinschaut, bemerkt, dass da
s Wasser nicht in Schlieren am Blatt herunterläuft, sondern sich zu kleinen Küge
lchen zusammenzieht, um dann regelrecht abzurollen. Bei einem Regenguss wird so
die Blattoberfläche sehr effizient von Staubpartikeln gereinigt. Der abrollende
Tropfen nimmt nämlich feinste Schmutzpartikel auf und transportiert sie als zusä
tzliche Nährstoffe zum zentralen Wurzelbereich (Kohlpflanzen). Die Blattoberfläc
he ist nach dem Regen immer perfekt gereinigt und steht wieder uneingeschränkt f
ür die Photosynthese zur Verfügung. Was Bioniker besonders daran interessiert, i
st der damit verbundene "Selbstreinigungseffekt". Wie kommt es jedoch dazu? Die
Lösung liegt wie so häufig im mikroskopisch kleinen Detail. Die Oberfläche eines
solchen Blattes hat winzige Noppen, die mit einer speziellen Wachsschicht überz
ogen sind. Diese spezielle Oberflächenform ergibt in Verbindung mit der Oberfläc
henspannung des Wassers den Effekt der "Selbstreinigung". Die Idee ist genial: n
icht die superglatte Oberfläche lässt sich am besten reinigen, sondern die mikro
genoppte! So gibt es bereits etliche Versuche, diesen Effekt technisch nutzbar z
u machen. Versuche mit Lacken und Farben, Keramik und sogar mit einem Honiglöffe
l sind recht vielversprechend und könnten in Zukunft den Reinigungsaufwand und d
amit Energie und Rohstoffe einsparen helfen.

Schmetterling - Facettenaugen
Das Prinzip der Mikronoppen findet sich sogar an ganz unerwarteter Stelle: bei d
en Facettenaugen von Nachtfaltern und anderen nachtaktiven Insekten! Das Auge ei
nes solchen Tieres besteht nicht nur aus hunderten von Einzelobjektiven mit je c
a. 0,02 mm Durchmesser, sondern jedes Facetten-Einzelauge ist wieder mit einer e
xtrem fein genoppten Oberfläche versehen. Der Abstand dieser "Noppen" beträgt nu
r etwa 0,0002 mm! Weil dies im Bereich der Wellenlängen des sichtbaren Lichtes l
iegt, bewirkt diese Oberfläche eine Verminderung der Reflexion und erhöht dadurc
h die Lichtdurchlässigkeit der Augenlinsen. Ingenieure, die solare Energiesystem
e entwickeln, wenden mittlerweile erfolgreich dieses Prinzip durch entsprechende
Prägetechniken an. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Lichtdurchlässigkei
t von Glas kann von 91,5% auf 98% gesteigert werden, und die reflexionsbedingten
Energieverluste zum Beispiel von Solaranlagen können deutlich verringert werden
!
Eine technisch so perfekt gestaltete Struktur, wie das "Mottenauge", lässt sich
mit den üblichen Evolutionsmechanismen nicht mehr erklären. Das gilt umso mehr,
als das Mikronoppenprinzip bei völlig unterschiedlichen Lebewesen beobachtet wer
den kann und sich somit auch noch unabhängig voneinander entwickelt haben müsste
. Die bereits äußerst geringe Wahrscheinlichkeit, dass ohne intelligenten Schöpf
er solches entsteht, sinkt damit weiter ab.

Libelle Genialer Flugkünstler


Libellen lassen jeden Luftfahrtingenieur vor Neid erblassen. Enorme Beschleunigu
ngen von bis zu ca. 10-facher Erdbeschleunigung (g = 9,81 m/s2), Drehungen um di
e eigene Achse, Rückwärtsflug und schnellste Richtungswechsel bei hohen Fluggesc
hwindigkeiten von bis zu 60 km/h gehören genauso zur Tagesordnung, wie der kurzz
eitige Segelflug. Zur Dämpfung der Beschleunigungskräfte haben Libellen speziell
flüssigkeitsgelagerte Organe, die Vorbild für moderne Kampfanzüge von Jet-Pilot
en sind. Libellen haben einen Klettverschluss zwischen Hinterkopf und "Rücken",
der es ihnen ermöglicht, bei der Paarung die passende Stellung einzunehmen, und
der nützlich sein kann, wenn schwerere Beute im Flug transportiert werden muss.
Der Bremer Bioniker Roland Stern hat allein zum Libellenflügelgelenk eine fast 2
00-seitige wissenschaftliche Arbeit verfasst, die Freiheitsgrade und Mechanik de
s Gelenkes beschreibt. Man kann nach solcher Lektüre nur staunend feststellen, d
ass das Libellenflügelgelenk ein mechanisches Meisterwerk ist. Untersuchungen de
s Libellenfluges und der Flügel legen außerdem nahe, dass diese Tiere spezielle
Sinneszellen besitzen, die den Abriss der Strömung registrieren und entsprechend
e Warnmeldungen an das Gehirn weiterleiten, so dass die Libelle ihre Flügelstell
ung korrigieren und einen Absturz verhindern kann. Bei der Libelle ist also mit
weiteren biologischen und bionischen Überraschungen zu rechnen. Auch hier gilt:
je komplexer das System, umso unwahrscheinlicher ist seine Entstehung allein dur
ch Selbstorganisationsprozesse.
Eisbär Ideales Solarkraftwerk
Die Haare des Eisbären sind nicht bloß weiß, weil er dadurch hervorragend in sei
ner Umwelt getarnt ist, sondern seine Haare sind mit lichtleitenden Zellen verse
hen, die die Sonnenstrahlen fast wie eine Glasfaser auf die Oberfläche seiner Ha
ut lenken. Die Haut des Eisbären wiederum speichert die Wärme, denn sie ist idea
lerweise schwarz gefärbt. Das Fell des Eisbären wirkt nun zusätzlich als Isolier
ung, die verhindert, dass die gewonnene Wärme verloren geht. Dieses System funkt
ioniert so effektiv, dass Klimatechniker daraus die transluzente (auch "transpar
ente") Wärmedämmtechnik entwickelt und entsprechende Baustoffe nach dem Vorbild
des Eisbärenfells konstruiert haben. Es grenzt an ein Wunder, dass Eisbären in m
itteleuropäischen Zoos die Sommerhitze überstehen. Eigentlich müsste man sie im
Sommer rasieren und weiß anstreichen um ihnen Kühlung zu verschaffen.

Stabheuschrecke Neuronales Netzwerk


Diese Tiere gelten bei Bionikern und Biologen als dankbare Labortiere zur Unters
uchung von Bewegungsabläufen. Deshalb ist die Stabheuschrecke Carausius morosus
auch Vorbild zur Entwicklung 6-beiniger Laufroboter, wie Tarry II und vieler and
erer. In einer eindrücklichen Fernsehsendung des Bayrischen Rundfunks von 1995 w
urde zum Beispiel die Entwicklung eines solchen Laufroboters detailliert geschil
dert. Zunächst hat es viele Monate gebraucht, bis Mitarbeiter der Universität Bi
elefeld die biologische Funktionsweise elektrophysiologisch und mechanisch erfor
scht und analysiert haben. Entsprechende mathematische Minimalmodelle wurden dar
aufhin entwickelt. Die Modellrechnungen dienen zur künstlichen Erzeugung eines n
euronalen Netzes, denn man hat herausgefunden, dass die Stabheuschrecke mittels
eines "dezentralen Prinzips" die zur koordinierten Bewegung erforderlichen zahll
osen Daten erfasst und verarbeitet. Die Nervenzellen sind dabei bis heute den mo
dernsten Computern haushoch überlegen! Die Forschungsergebnisse aus Bielefeld we
rden schließlich zur Vorgabe für die Technische Universität München, die ihrerse
its mit hohem Aufwand an Technik und Intelligenz an die mechanische Umsetzung ge
ht. Das Ergebnis erscheint trotz jahrelanger Arbeit vieler hochkarätiger Wissens
chaftler im Vergleich zum natürlichen Vorbild sehr bescheiden. Der Sprecher eine
s Filmbeitrages bemerkt: "Vor allem die perfekte Beinkoordination des Insekts st
ellte die Regeltechnik vor eine größere Herausforderung. (...) Noch werden Stolp
ersteine nicht nach hinten weitergemeldet und dann einfach übergangen. Während s
ich Bein für Bein über ein Hindernis hinwegrechnet, warten die anderen. Im Unter
schied zum Insekt verarbeiten die Computer parallele Informationen nicht schnell
genug. So kann die Laufmaschine von Kurven oder gar Klettern vorerst nur träume
n."

Produkt der Evolution?


Trotzdem präsentiert man stolz das technische Ergebnis: "Ein Produkt der Technik
, das einen staunen lassen kann." Was den Zuschauer allerdings verwundert, ist d
ie Beschreibung der besagten Stabheuschrecke als eher primitiv erscheinendes "Ur
altprodukt der Evolution". Wie kann es sein, dass etliche hochintelligente Mensc
hen Jahre zusammenarbeiten müssen, um nur nachzubauen, was in der Natur bereits
vorhanden ist, um dann ein Ergebnis zu erzielen, welches um Größenordnungen schl
echter ist als das natürliche Vorbild? Es ist kaum nachvollziehbar, wie einersei
ts bei einem solchen Aufwand die schöpferische Intelligenz der Menschen als beso
ndere Leistung gewürdigt werden muss, sich andererseits die Stabheuschrecke ohne
jede schöpferische Intelligenz quasi von selbst entwickelt haben soll. Das Haup
targument für die Wahrscheinlichkeit eines solchen Vorganges ist letztlich immer
die Annahme "endlos" langer Zeiträume, die für Versuch und Irrtum zur Verfügung
gestanden haben und schließlich die gesamte Vielfalt des Lebens einschließlich
des Menschen hervorgebracht haben sollen. Beschleunigende Effekte bei der Ausbil
dung von Varianten kann man zwar durch die gegebene Modularität (Baukastenprinzi
p) biologischer Systeme nachweisen, doch verlagert man dadurch nur das Problem.
Denn wie sind diese Module zustande gekommen?

Selbstorganisation?
Rolf Reiner beantwortet die Frage im BIONA-Report 8: "Die Module selbst können w
ieder aus Modulen aufgebaut sein. Alle diese Eigenschaften waren nun nicht a pri
ori vorhanden, sondern entwickelten sich erst im Laufe der Evolution. Dass und w
ie sie sich entwickelten, ist eine der faszinierendsten Fragen, mit denen sich N
aturwissenschaftler auseinandersetzen." Mit der wie auch immer strukturierten Ko
mplexität einzelner Lebewesen und deren gegenseitiger ökologischer Abstimmung au
feinander sinkt die Wahrscheinlichkeit für die "Selbstorganisation" wieder auf e
inen äußerst unwahrscheinlichen Wert ab. Statistisch gesehen bereitet selbst die
Entstehung eines Bakteriums ohne Schöpfer große Schwierigkeiten. Reiner errechn
et dafür eine "Unwahrscheinlichkeit" von ca. 10 2,4 Millionen Sequenzalternative
n, die zur Auswahl stünden und von denen eine "getroffen" werden müsste. "Die Wa
hrscheinlichkeit dafür ist so gering, dass Zufall und Selektion als alleinige Pr
inzipien zur Erklärung der Evolution nicht ausreichen." Sicherlich hat er nicht
ganz Unrecht, wenn er als Gegenargument die Modularität und Hierarchisierung von
einzelnen "Bauteilen" anführt. Sie ergeben zwar eine drastische Reduzierung der
Unwahrscheinlichkeit von Selbstorganisationsprozessen, doch bleibt ja die Frage
nach der Entstehung dieser Struktur, die wiederum sehr unwahrscheinlich ist.

Ist Veränderung gleich Entwicklung?


Es ist nicht zu bestreiten, was Charles Darwin und Alfred Russell Wallace beobac
htet haben: Lebewesen sind veränderlich und haben die Fähigkeit, sich bestimmten
Umweltbedingungen durch Mutation (zufällige Erbgutveränderungen) und Selektion
anzupassen. Die Frage bleibt jedoch, woher sie diese Anpassungsfähigkeit haben u
nd welche Grenzen dieser Anpassungsfähigkeit gesetzt sind. Es ist schließlich ei
n gewaltiger Unterschied, ob aus einem Wolf ein Dackel gezüchtet werden kann ode
r ob der Fisch "an Land geht". Ohne die genetischen Zusammenhänge zu kennen, bem
erkte Charles Darwin in seinem berühmten Werk "Die Entstehung der Arten": "Wir s
ehen auch, dass die Art der Lebensverhältnisse für die Bestimmung der besonderen
Form der Variation von geringerer Bedeutung ist als die Beschaffenheit des Orga
nismus." Er erkannte also, dass die Arten selbst das Potential besaßen, Variatio
nen zu bilden. Und von Veränderungen im Kleinen (Mikroevolution) schloss er auf
Veränderungen im Großen (Makroevolution), weil sich konstruktive Übereinstimmung
en und Ähnlichkeiten bei verschiedensten Lebewesen finden. Diese Interpretation
des natürlichen Befundes ist zwar nicht unlogisch, aber auch nicht zwingend und
keinesfalls durch direkte Beobachtung belegt.

... jedes nach seiner Art


Es ist aber genauso legitim anzunehmen, ein Schöpfer habe bestimmte Lebenstypen
geschaffen und sie mit der Fähigkeit zur begrenzten Variation ausgestattet, um i
hnen damit auch unter veränderten Umweltbedingungen eine Überlebenschance zu geb
en. Dabei entspricht der Artbegriff der Bibel sicherlich nicht der heute übliche
n biologischen Definition einer Art! Das kann bei einem Text, der so alt ist, sc
hlecht der Fall sein. Bezieht man die Bibel in die naturwissenschaftlichen Überl
egungen mit ein, so kreierte der Schöpfer genetisch vielseitige "Arten", die weg
en ihrer Variabilität nicht exakt den heute lebenden biologischen Arten entsprec
hen können, die aber in Form einer vielseitigen DNS alle dafür erforderlichen Ba
upläne enthielten. Das widerspräche weder dem biblischen noch dem naturwissensch
aftlichen Befund.
Ähnlichkeit wäre dann kein Hinweis auf einen Entwicklungsstammbaum, sondern ein
Hinweis auf den intelligenten Schöpfer, der bestimmte Konstruktionsmerkmale ents
prechend den Anforderungen zugewiesen hat. Seit dem in der Bibel berichteten Sün
denfall und der damit verbundenen "gestörten Verbindung" zwischen Geschöpfen und
Schöpfer ist eine negative Tendenz zu erwarten. Trotz Variantenbildung verarmen
die Lebewesen allmählich in genetischer Hinsicht. Sie entwickeln sich nicht "hö
her", sondern eher "tiefer". Das gilt ebenso für den Menschen. Die Evolutionsthe
orie lässt dagegen eine ständige "Höherentwicklung" des Lebens erwarten, was so
in der Praxis nicht bestätigt werden kann. Jährlich sterben viele Arten unwieder
bringlich aus, während neue vergleichsweise sehr selten definiert werden können.
Im Grunde entsprechen sie dann nur einer genetischen Variation, ohne eine echte
organische Neukonstruktion zu enthalten. Eine solche bisher noch nicht beobacht
ete Neukonstruktion wäre zum Beispiel die Vogelfeder, die aus der Reptilschuppe
hervorgegangen sein soll.

Vögel - Aerodynamische Perfektion


Vögel sind in rein technischer Hinsicht absolute Meisterwerke der Leichtbaukunst
und der Aerodynamik. Viele Vögel haben eine sogenannte Rückstrombremse in Form
einer speziellen Federtasche auf den Flügelflächen eingebaut, um ein Abreißen de
r Strömung beim Langsamflug zu verhindern. Abgesehen von Knochenbau, Muskulatur
und Steuerung durch Sinne, Nerven und Gehirn ist die Vogelfeder eine sehr bemerk
enswerte Konstruktion. Völlig unklar ist im Gegensatz zu den üblichen populärwis
senschaftlichen Darstellungen, wie die Evolution der Vogelfeder verlaufen sein s
oll. Als von der Schuppe komplett unterschiedliche Konstruktion bleibt die Entst
ehung, wenn man einen Schöpfer ausschließt, ein großes Rätsel. Hypothetische Zwi
schenstufen bedeuten praktisch immer einen Selektionsnachteil für das betreffend
e Tier, denn eine zum Beispiel ausgefranste Schuppe fördert lediglich die Besied
lung mit Parasiten. Erst das endgültige "System Vogel" ergibt Sinn und bedeutet
dadurch einen biologischen Vorteil. Schließlich genügt es nicht, wenn ein Dinosa
urier Federn bekommt. Aerodynamik, flugtauglicher Sehsinn, Knochenbau etc. müsse
n parallel ebenfalls eine Entwicklung in Richtung Vogel durchmachen, ohne dass e
s durch negative Mutationen (die die Regel sind), zu Rückschlägen kommt. Dies an
zunehmen, erfordert, objektiv betrachtet, nicht weniger Glauben als der an einen
Schöpfergott!

Alles Zufall? Der Affenversuch


Bringt der Zufall wirklich sinnvolle Ergebnisse zustande? Richard Dawkin, ein be
kannter Evolutionstheoretiker, sagt ja! Der sogenannte Affenversuch "belegt", da
ss Mutation und Selektion funktionieren. Hierzu schreibt ein Affe zufällig ein c
a. 50 Buchstaben umfassendes Zitat auf der Schreibmaschine. Wie bringt er das zu
stande? Der Versuchsleiter legt die Anzahl der Buchstaben und die Einteilung in
Worte fest. Dann beginnt der Affe zu tippen, bis er oft genug getroffen hat. Unb
estritten ist die so produzierte Buchstabenfolge zufällig entstanden, die Anzahl
jedoch schon nicht mehr. Dieser Zufallsprozess soll die Mutation, also die zufä
llige Veränderung des Erbgutes, simulieren. Der Versuchsleiter vergleicht nun da
s Ergebnis mit dem gewünschten Zitat. Er stellt fest, dass der Affe zufällig ein
ige Buchstaben an der richtigen Stelle getroffen hat. Weil diese Buchstaben an d
er betreffenden Stelle richtig sind (vergleichbar mit einem Selektionsvorteil),
werden sie unverändert für den nächsten Versuch übernommen. Das soll die geschle
chtliche Fortpflanzung nachahmen. Das besser Angepasste hat sich somit durch den
Kampf ums Dasein die größte Chance bewahrt und diese per geschlechtlicher Fortp
flanzung an die nächste Generation weitergegeben. Der Affe tippt wieder und wied
er nach demselben Schema. Am Ende hat er tatsächlich nach wenigen hundert Durchg
ängen das gewünschte Zitat geschrieben, ohne je zu wissen, was er wirklich tat g
enau wie die nicht denkende Natur.

Kein Zufall!
Ein solcher Versuch hat näher betrachtet mit Zufall reichlich wenig zu tun. Wenn
solche Versuche die zufällige Entwicklung des Lebens belegen sollen, dann müsst
e zumindest jeder "Zwischenunsinn" sinnvoller sein als der Unsinn davor. Selekti
on kann nur "auswählen", was wirklich funktioniert. Das heißt, jedes Zwischenpro
dukt muss eine sinnvolle Konstruktion sein und nicht erst das Endprodukt! Außerd
em gibt es im Verlauf einer angenommenen Evolution des Lebens keinerlei sinnvoll
e Zielvorgaben wie das in solchen Versuchen immer der Fall ist. Damit gibt es au
ch keine klaren Prüfkriterien, ohne die ein solcher Versuch nicht funktioniert.
Es handelt sich also maximal um gesteuerten oder genutzten Zufall! Der Mensch üb
ernimmt nämlich die wesentlichen Entscheidungen, wie Versuchsaufbau, Versuchsabl
auf und Überprüfung der Zwischenergebnisse. Das gilt auch für technisch anspruch
svollere Versuche wie: programmierte Roboter, die Teelichter zusammenschieben, e
volutionsstrategische Optimierungen, wie Rohrkrümmer, Strahltriebwerke etc.
Die Ergebnisse sind beeindruckend, aber sie sind nie wirklich zufällig entstande
n! Die beteiligten Ingenieure und Wissenschaftler wissen immer schon im Voraus,
was optimiert werden soll und wozu. Dann werden vor dem Versuch entsprechende St
rategien und mathematische Modelle entwickelt. Wer deshalb solche Beispiele mit
"das blinde Spiel des Zufalls" überschreibt, führt bewusst in die Irre.

Glaube und Wissenschaft Feinde oder Freunde?


Die Frage, wie das Leben entstanden ist, kann nicht weltanschaulich neutral bean
twortet werden, wie solche Versuche als "Beweis" für die Selbsterschaffung des L
ebens belegen. Es ist gar nicht die Frage, ob man glaubt oder wissenschaftlich d
enkt, sondern an wen oder was man glaubt, wenn man wissenschaftlich denkt.

Methodischer Atheismus
Es ist durchaus nachweisbar, dass es sich bei einem methodischen Atheismus, dem
sich die meisten aufgeklärten Wissenschaftler verpflichtet fühlen, um eine nicht
wissenschaftliche Annahme handelt.
"Setzt man voraus, dass die Evolution ohne äußeren Planer vonstatten geht, dräng
t sich die Selbstorganisation als in der Biologie dominantes Prinzip auf" (R. Rein
er).
Die Entwicklung des Lebens geht nach dieser Annahme ohne äußeren Planer, also oh
ne Schöpfer vonstatten. Es handelt sich um eine Denkvoraussetzung, die man im Vo
rfeld trifft, um auf diesem Hintergrund die naturwissenschaftlichen Beobachtunge
n einzuordnen und zu interpretieren. Diese Annahme ist kein Ergebnis neutraler w
issenschaftlicher Schlussfolgerungen! Nichts spricht dagegen, alternativ auch au
f dem Hintergrund eines Schöpfungsglaubens Wissenschaft zu betreiben. Wenn es da
rum geht, das Leben zu verstehen, sollten beide Seiten sich zumindest darüber im
Klaren sein, dass der Glaube die entscheidenden Weichen für die Interpretation
der Beobachtungen stellt.

Vernunft des Schöpfers


Ist es der Glaube an die Vernunft des Menschen oder der Glaube an die Vernunft d
es Schöpfers, der die wissenschaftliche Forschung motiviert und begleitet? Es is
t nicht hinnehmbar, wenn schöpfungsgläubige Wissenschaftler häufig herablassend
behandelt und ihre Arbeiten aufgrund ihrer christlichen Denkvoraussetzungen nich
t gewürdigt werden. Gibt es doch in der Natur viele Indizien, die nicht gegen, s
ondern für einen Schöpfer sprechen.
"Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird se
it der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt (Anm
.: zum Beispiel beim Blick durch ein Raster-Elektronen-Mikroskop), so dass die M
enschen keine Entschuldigung haben" (Römerbrief 1, 20).
Dass Naturwissenschaft und der Glaube an den Schöpfer auch im 21. Jahrhundert ke
in Widerspruch sein muss, zeigt die Bemerkung des Physikers Andy McIntoshs: "Kön
nen wir im Ernst sagen, dass die Vögel, die täglich starten und landen, nicht ge
plant wurden? (...) Wenn wir Vögel und Flugzeuge zusammen betrachten, sagen wir
dann immer noch, das eine wurde geplant und das andere nicht?"

Literaturempfehlungen:
Junker, Scherer: Evolution ein kritisches Lehrbuch, Weyel-Verlag: Gießen, 5. aku
telle Auflage 2001.
Nachtigall, W. und Blücher, Kurt G.: Das große Buch der Bionik Die Natur als Ing
enieurbüro, Deutsche Verlagsanstalt: Stuttgart München 2000.
Biologie Technik, Siemens Forum u. Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannhe
im, 1999.