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Herbert Gottschalk

DER ABERGLAUBE

- Wesen und Unwesen -

1. ABERGLAUBE – STIEFKIND DER VERNUNFT

Obgleich wir Menschen unser Dasein mit den Maßen der Vernunft messen, geistert Aberglaube
durch unser Leben. Es gab Situationen, in denen er Weltgeschichte machte. Er ist alt wie die
Kulturmenschheit und groß wie die Angst unseres Herzens. Viele von uns lachen über den
Aberglauben und spielen zugleich wie Kinder damit. Sie meinen vor ihm sicher zu sein, und doch
sind die meisten Menschen im letzten Winkel ihrer Seele abergläubisch. Sie reden abfällig über
ein Zeitungshoroskop und lesen es trotzdem. Sie klopfen dreimal gegen Holz, um das Schicksal
zu berufen, hängen ein Maskottchen ins Auto, um Unfälle abzuwenden, stellen sogenannte
Erdentstrahler unters Bett, um besser schlafen zu können, und bevorzugen oft den Wunderdoktor
vor dem ordentlichen Arzt. Sie fürchten sich vor der schwarzen Katze, vor der Zahl 13, drücken
jemandem die Daumen, wünschen ihm Hals und Beinbruch. Das vierblättrige Kleeblatt, der
Schornsteinfeger und das Hufeisen sind ihnen Zeichen des Glücks. Und dabei sind das noch die
harmlosesten Formen modernen Aberglaubens. Man könnte fast von konventionellen
Gewohnheiten reden, käme es auf bestimmte äußerliche Verrichtungen und nicht auf die
dahinterstehende seelisch geistige Haltung an.

Es genügt nicht, daß der moderne Mensch im allgemeinen zwischen Glauben und Aberglauben
unterscheidet. Man wird immer wieder feststellen können, daß der Glaube des einen dem
anderen als Aberglaube erscheint und umgekehrt Aberglaube für Glaube gehalten wird. Die
Grenzen verschieben sich. Wo ist der gültige Maßstab zu finden? Man sollte meinen, daß er im
letzten Stand wissenschaftlicher Erkenntnis liegt.

Das mag für den vernünftig Denkenden stimmen. Aber nur ein kleiner Teil der Menschen weiß
trotz aller Publikationsmittel über die Wahrheit der Wissenschaft als ständiger Selbstkorrektur des
Lebens Bescheid. Und auch diese richten sich in ihrem persönlichen Leben nur selten nach der
Theorie wie wenig erst die anderen. Der Mensch ist eben kein reines Vernunftwesen.

Er hat unbewußt alles in sich zu verarbeiten, was die Überlieferung auf ihn gehäuft hat. Dazu
gehört auch das Erbe der Seele. Aus der Psychologie wissen wir, daß die seelische Entwicklung
beim einzelnen nie mit den Erkenntnissen der Vernunft Schritt hält. Das Unbekannte,
Untergründige und Naturhafte der Primitivperson hält uns mit starken Stricken am Menschlich
Allzumenschlichen, das sich durch die Jahrtausende stets wiederholt, mag es in noch so
verschiedene Gewänder gekleidet sein. Andernfalls hätten wir kaum noch Konflikte. So aber liegt
der Mensch beständig mit sich selbst im Kampf. Und je nach seiner inneren Überwindungskraft
bewältigt er die Probleme.

Daraus ergeben sich die unzähligen Meinungen, die nie auf einen Nenner gebracht werden
können. Darum leben unter uns längst vom Wissen überholte Standpunkte neben modernen, oft
in ein und derselben Persönlichkeit verkörpert. Man könnte sagen: Vernunft schützt nicht vor
Aberglauben. Sie hindert den einzelnen nicht, an das eine oder das andere zu glauben. Leider
aber wirkt der Aberglaube ansteckend. Seine kritiklosen Vertreter führen die Menschen irre,
machen ihr tägliches Leben von Hirngespinsten abhängig, schädigen Besitz und Gesundheit und
untergraben selbst das Ansehen der Wissenschaft.

Manch einer wird solche Worte denn doch für zu hart halten. So ein bißchen Spielerei mit dem
Wochenhoroskop sollte jemandem schaden? Für sich selbst hat er sogar vielleicht recht. Aber
das ist nur ein harmloser Anfang. Der Weg führt uns im folgenden von den kleinen
Gesellschaftsspielen bis zu den Abgründen des Wahns, die immer wieder unschuldige
Menschenleben forderten.

2. Der Aberglaube im Alltag

Im allgemeinen ist es uns gar nicht bewußt, wie sehr das Alltagsleben mit alten abergläubischen
Bräuchen durchsetzt ist. Wir geben ihnen trotz Vernunft und Logik fast unbewußt nach, oft ohne
den ursprünglichen Sinn noch zu kennen.

Wer eine Entscheidung nicht selbst treffen möchte, bedient sich einer Münze als Orakel. Kopf
oder Adler heißt es dann. Vorher wird ausgemacht, was man als Kopf und was als Adler gelten
lassen will. Das Geldstück wird in die Luft geworfen, die Seite, auf die es fällt, entscheidet.

Man kann eine Entscheidung auch durch das Ziehen eines Loses herbeiführen. Schon die
Gladiatoren im alten Rom bestimmten die Art ihres Kampfes durch das Los. Heute werden
meistens verschieden lange Streichhölzer als Lose verwendet. Wer das längere Streichholz zieht,
hat den Vortritt oder hat gewonnen.

Wenn wir jemandem Hals und Beinbruch zum Gelingen wünschen, wollen wir die neidischen
Dämonen überlisten. Wer sie herbeiruft, gewinnt ihre Sympathie. Da Dämonen dumm sind,
merken sie nicht, daß sie angeführt werden.
Wer mit dem linken Fuß aufsteht, setzt sich den ganzen Tag über dem Verdruß aus. Bei den
frühen Völkern wurde schon immer links mit falsch und ungünstig gleichgesetzt.

Jemandem die Daumen halten bedeutet ihm Erfolg wünschen. Der Daumen als Glücksfinger
beschützt die übrigen vier Finger, wenn man ihn darüber einschlägt, wie man es bei diesem
Ausspruch zu tun pflegt. Den vier Fingern kann also nichts Böses geschehen.

Nach einer lobenden Äußerung muß man dreimal auf Holz klopfen, damit Unglück abgewendet
wird. Denn wenn die neidischen Dämonen auf das Glück des Menschen aufmerksam werden,
versuchen sie es zu verhindern. Böse Geister scheuen den Lärm, daher verscheucht sie das
Klopfen. Auf diesen Dämonenaberglauben gehen auch die Böller in der Silvesternacht, der
Polterabend vor den Hochzeiten und der Kanonendonner zurück, der etwa bei der Geburt eines
Königssohnes üblich ist und auch bei Staatsempfängen eine Rolle spielt.

Das Stolpern hat einen bösen Beigeschmack. Wer stolpert, soll umkehren, besagt eine alte
Redensart. Gemeint war das Stolpern über die Hausschwelle, unter der die Ahnen hausen.
Dadurch kann der »Hausgeist« verärgert werden und sich rächen, indem er Mißerfolge
herbeiführt.

Wer den bösen Blick besitzt, bringt jedem Unheil, den er ansieht. Dieser Aberglaube ist vor allem
im Orient, aber auch in Italien und Frankreich weit verbreitet.

Eine Braut darf sich auf dem Weg zur Trauung nicht umblicken, da die bösen Geister hinter ihr
hergehen. Ihnen ins Gesicht zu sehen, bringt Unglück.

Ein vierblättriges Kleeblatt erinnert an ein Kreuz und gilt daher als Zeichen des Glücks.
Auch der Schornsteinfeger bringt Glück, ein Aberglaube, der mit der glückbringenden Bedeutung
des Herdes zusammenhängt.

Wer einem Hasen eine Pfote abschneidet und sie in sein Haus hängt, der ist vor Unglück und
Unfruchtbarkeit sicher. Denn der Hase als heiliges Tier der Venus wehrt vor allem Unfruchtbarkeit
ab.

Spinne am Morgen bringt Kummer und Sorgen, heißt es im Volksmund. Dabei ist der Ausspruch
nicht auf die Spinne bezogen, sondern auf das Spinnen. Wer schon am Morgen am Spinnrad
sitzen muß, dem geht es nicht gut. Später wurde dieser Spruch auf Spinnen im Sinne von
Spintisieren bezogen. Wer schon am Morgen grübelt, darf keinen guten Tag erwarten. Spinnen
am Abend dagegen, zumal im geselligen Kreise, verspricht Freude und Entspannung.

Maikäfer bringen Glück, erzählen noch heute die Eltern ihren Kindern. Marienkäfer tragen auf
ihrem Rücken sieben Punkte, die sich zur heiligen und glückbringenden Zahl Sieben vereinigen.
Sie sind daher Vorboten des Gelingens.

Wenn ein Käuzchen schreit, ist's zum Sterben nicht mehr weit, besagt ein alter Volksspruch. Er
entstand zu einer Zeit, als die Menschen mit den Hühnern zu Bett gingen und nur diejenigen
wachten, die etwa einen Kranken zu pflegen hatten oder selbst krank waren. Daß Käuzchen vom
Licht angezogen werden, wußte man damals noch nicht.

Salz verschütten bringt Unglück. Da in alten Zeiten das Salz wegen seiner Seltenheit als etwas
Besonderes galt, mußte damit sparsam umgegangen werden. Im Orient wird es noch heute als
heilig angesehen.

Eine Schere darf man nicht verschenken, denn sie zerschneidet die Freundschaft. Sie ist ein
Werkzeug der Hexen.

Glück im Spiel, Unglück in der Liebe, prophezeit ein oft zitierter Ausspruch. Er wird verständlich,
wenn man bedenkt, dag derjenige, der sich dem Spiel hingibt, wohl nur wenig Zeit für die Liebe
haben dürfte.

Wer einen Spiegel zerschlägt, hat sieben Jahre Pech. Denn er hat seine »zweite
Erscheinungsform« vernichtet. Die Glückszahl Sieben hebt sein Pech wieder auf. Befindet sich
ein Toter im Hause, müssen Spiegel verhängt werden, da der Tod, der durch das Spiegelbild
doppelt anwesend ist, sonst noch ein zweites Opfer fordern könnte.

Scherben bringen Glück, denn das Klirren vertreibt die Dämonen und Kobolde.

Glück bringen auch Hufeisen. Sie werden mit Vorliebe vor dem Eingang eines Hauses und selbst
auf der Kühlerhaube eines Autos angebracht. Die Glücksindustrie unserer Tage liefert solche
Hufeisen in jeder gewünschten Größe. Ihre Bedeutung ist alt. Sie geht auf die Zeiten zurück, als
den Germanen das Pferd noch heilig war. Außerdem symbolisiert Eisen Kraft und die Form des
Hufeisens das Mondhorn.

Maskottchen in unseren Autos ersetzen die einstigen Teufelsfratzen, die den Dämonen Angst
machen sollten.

Wenn Bilder von der Wand fallen, die Personen darstellen, ist es gefährlich, in dem Hause zu
bleiben. Denn der Tod geht um. Bei manchen Völkern glaubt man daran, dag die Toten in die
Bilder einziehen oder dag Bilder von Todesbringern bevölkert werden.

Perlen bedeuten Tränen, weil sie den Tränen so ähnlich sehen,


Der Speichel galt von jeher als Gegenzauber. Auch das »Toi, toi, toi! « gehört hierher. Es gilt als
die Lautnachahmung des Spuckens. Wer etwa schon vom Unheil betroffen ist, kann es damit
wieder ausstoßen. Im Allgäu soll es Bäuerinnen geben, die aus diesem Grund auf alles spucken,
was sie weggeben, auch auf ihr Obst, das sie auf den Markt bringen. Selbst Briefe, die Erfolg
bringen sollen, werden vor ihrem Absenden bespuckt.
Das Kaffeesatzorakel wird noch oft von sogenannten »sachverständigen« Frauen ausgeübt und
zum Geschäft gemacht. Wenn der Kaffee ausgetrunken ist, wird die Tasse mit dem Kaffeesatz
langsam gedreht und für einige Minuten umgekehrt, damit sich Formen bilden können. In den so
entstandenen Gebilden werden Zeichen und Figuren gesehen und zur Deutung der Zukunft
verwendet. In den Balkanländern und im Orient eignet sich der türkische Kaffee wegen seiner
großen Reste besonders für diese Prozedur. Das Kaffeeorakel ist in diesen Ländern sehr beliebt.
Das suggestive Moment spielt dabei die Hauptrolle.
So glauben die suchenden und irrenden Menschen einen Blick in ihre Zukunft tun zu können und
ihr Dasein durch Wahrsagerei magisch abzusichern.

Der Volksaberglaube

Schauen wir uns zur Verdeutlichung die Volksmeinungen in und um Worms aus dem 18.
Jahrhundert an, die zumindest noch 1916 lebendig waren, als G. Lehnert in den »Hessischen
Blättern für Volkskunde« darüber berichtet hat. Auf Befragen stellten wir fest, daß von diesen
Gebräuchen noch heute in weiten Schichten der Bevölkerung manches weiterwirkt. Kurz gefaßt,
ergibt sich folgende Übersicht:

1. Wenn das Feuer mit Prasseln auflodert, so bedeutet das Streit.


2. Wenn Salz verschüttet wird, ebenfalls.
3. Wenn gelbe Flecken an den Fingern entstehen, desgleichen. Sind die Flecken so groß, dag
man sie mit einem Finger nicht bedecken kann, so wird der Streit groß, im anderen Falle ist er
nicht von Belang.
4. Wenn das linke Ohr gellt, so wird übel von einem gesprochen, gellt aber das rechte Ohr, so ist
das Gespräch gut und angenehm.
5. Aus dem Hause, wo sich eine Wöchnerin befindet, darf kein Feuer, kein Salz und Brot
abgegeben werden, damit sie nicht behext werde.
6. Wer den Nagel einer Egge, der auf der Straße gefunden wird, bei sich trägt, der kennt alle
Hexen.
7. Die rote Milch einer verhexten Kuh muß kochend mit Ruten gepeitscht werden, dann wird die
Hexe durch Schmerzen gezwungen, sich zu melden und die Kuh zu heilen,
8. Wer sein Wasser lägt und nicht dabei dreimal ausspeit und gegen Hexereien schändet, der
wird behext, wenn eine Hexe am Urin vorbeikommt.
9. Wer ungewaschen aus dem Hause geht, steht in Gefahr, behext zu werden.
10. Wenn in der Walpurgisnacht mit geweihten Glocken geläutet wird, so können die Hexen, die
auf den Kreuzstraßen in Gegenwart des Teufels ihre Tänze halten, nicht schaden.
11. Beim Sterben eines Menschen müssen die Fenster geöffnet werden, damit die Seele
hinausfliegen kann.
12. Wenn bei der Beerdigung eines Toten der Sarg beim Verschließen einen hohl dumpfen Ton
von sich gibt, stirbt bald jemand aus der Familie.
13. Wenn es unter dem Totengeläute schlägt, so stirbt bald jemand aus der Gemeinde.
14. Wenn die Kinder der Wöchnerinnen nicht zu gewissen Zeiten gesegnet werden, können sie
mit Wechselbälgen vertauscht werden.
15. Wer ungesunde oder mit Wasser gemischte Milch verkauft, dessen Vieh wird behext.
16. Wenn man von Läusen, von Eiern, von gelbem Obst, von großem Gewässer und von Blumen
träumt, so bedeutet es Unglück.
17. Wer im Traume Fische fängt, hat Hader und Streit zu erwarten. Sind die Fische faul, so
schlägt der Streit bös aus, sind sie aber frisch, günstig.
18. Wer traurige Dinge träumt, der hat einen fröhlichen Tag, wer aber das Gegenteil träumt, der
hat einen schlimmen Tag zu erwarten.
19. Wenn man träumt, daß jemand gestorben sei, dem bedeutet es ein langes Leben.
20. Ein großes Feuer, eine grüne Wiese und grünes Obst im Trau¬me vorgestellt, bedeutet
Glück.
21. Wenn Pferde von Hexen geritten und Kühe gemolken werden, so braucht man Streichmittel.
22. Wer Warzen hat, der läute einen Toten zum Grabe, dann wasche er sicl t am fließenden
Wasser, und sie werden von selbst abfallen.
23. Wer große Ängste hat, der berühre einen Toten an der großen Zehe, und er wird auf immer
von Ängsten befreit sein.
24. Wer unheilbare Geschwüre an sich hat, der wische sich mit der Hand eines Toten dreimal
darüber her, dann heilt das Geschwür.
25. Wenn jemand Tränen über einen Toten fallen läßt, dann kann der Tote nicht ruhen. Ein
klägliches Gewimmer über einen schon lange begrabenen Toten stört denselben in seiner Ruhe.
26. Die Toten müssen mit den Gesichtern gegen Morgen gekehrt werden, sonst werden sie von
den Winsel immer in Schrecken gesetzt, die von Abend her schwärmen.
27. Kämme, Rasiermesser, Waschtücher, die bei einem Toten gebraucht werden, müssen in den
Sarg gelegt und mit dem Toten verscharrt werden.
28. Wenn eine schwangere Frau ein Kind aus der Taufe hebt, so muß entweder das ihrige oder
das aus der Taufe gehobene Kind sterben.
29. Wenn ein Laib Brot auf die braune Seite gelegt wird, so können Hexen in das Haus.
30. Wenn eine Henne mit gelben Füßen über einen Gelbsüchtigen fliegt, so wird er unheilbar.
31. Um unter Eheleuten Trennung zu stiften, wird ein Hakschloß zugedrückt, wenn sie vom
Priester zusammengegeben werden.
32. Wer ein weichgesottenes Ei ißt und die Schalen nicht zusammendrückt, der ist den
nachteiligen Folgen der Hexerei ausgesetzt.
33. Wenn dem Verstorbenen ein Kleidungsstück vor den Mund kommt, so muß jemand aus der
Familie sterben.
34. Wenn ein Kind gelobt wird, so glaubt man, es sei beschrien. Um aber das Beschreien zu
verhindern, wird es auf die Kirchweihe geladen.
35. Wenn ein Toter im Hause ist, so muß man an alle Weinfässer anklopfen, damit der Wein nicht
absteht.
36. Wenn zwei Leute ehelich zusammengegeben werden, so sieht man auf die brennenden
Lichter. Derjenige muß zuerst sterben, dessen Licht am schwächsten brennt.
37. Eine Wöchnerin darf vor sechs Wochen an keinen Brunnen gehen, sonst wachsen rote
Würmer in demselben.
38. Wenn dreizehn Personen an einer Tafel speisen, so muß einer davon sterben.
39. Die Wirbelwinde auf den Straßen sind Wirkungen der Hexen. Wer ein Messer mit drei
Kreuzen hineinwirft, der erkennt die Hexe, die diesen Wirbel verursacht hat.
40. Stößt ein Maulwurf in einem Hause oder zirpt eine Grille oder Heuschrecke, so muß jemand
im Hause sterben.
41. Kräht eine Henne, so stirbt jemand in der Familie, schreit ein Käuzchen auf dem Hause,
ebenfalls.
42. Wenn jemand bei Regenwetter stiehlt und der Fußstapfen wird herausgeschnitten und in den
Schornstein gehängt, so welkt der Dieb nach und nach wie sein Fugstapfen im Schornstein.
43. Wenn zwei Kinder, die noch nicht reden können, einander küssen, so muß eines davon
sterben.
44. Um bei der Nacht alle Anfälle von Hexereien von sich abzuwenden, muß man beim
Schlafengehen die Schuhe wechseln.
45. Kein ausgekämmtes Haar darf auf die Straße geworfen werden, wenn man vor Hexereien
sicher sein will.

Die schwarze Katz.

Bestimmte Menschen und Tiere, die unseren Weg kreuzen, wurden schon immer mit Glück und
Unglück in Beziehung gebracht Die Katze ist neben dem Kanarienvogel und Hund das
beliebteste Haustier. In der ägyptischen und fernöstlichen Mythologie fungiert sie als Orakel und
gilt als heiliges Tier. Viele Götter wie Osiris und Ra werden mit Katzenkopf dargestellt. Germanen
und Slawen sahen in der Katze einen Unglücksboten. Das gilt besonders für Rußland, wo man
der Katze dämonische Eigenschaften zuschreibt. In vielen alten Prozeßakten, wie sie etwa noch
im Stadtarchiv von Lemgo aufbewahrt werden, wird sie die Begleiterin der Hexen und des Teufels
genannt. Im späten Mittelalter wurden Katzen daher oft auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Denn
hundertjährige Hexen, meinte man, verwandeln sich in Katzen und neunjährige Katzen in Hexen.
Der schleichende Gang, die funkelnden Augen und ihr elektrisch geladenes Fell verleihen der
Katze etwas Unheimlicnes. Der Volksmund spricht von der falschen Katze, und in der Schweiz
heißt es: »Die schwarze Katz, das schwarze Huhn soll kein Bauer aus dem Hause tun.« Putzt sie
sich unter dem Fenster eines Kranken, muß dieser sterben. Miaut sie vor einem Haus, bedeutet
es Unglück. Wenn ein Mann seine Frau betrügt, hat die Frau ihre Katze schlecht behandelt. Läuft
die Katze mit einem krummen Buckel herum, ist Besuch zu erwarten. Dreifarbige Katzen sollen
das Haus am ehesten vor Unglück und Feuer schützen. Vielfach besteht die Meinung, dag das
Töten von Katzen Unglück bringe. Nur beim Bau eines Hauses durften sie in vergangenen Zeiten
als Opfertier getötet und im Johannisfeuer verbrannt werden.
Bräuche dieser Art wurden aus dem Harz und dem Teufelsmoor noch zu Beginn unseres
Jahrhunderts berichtet.

Der Katzenaberglaube ist noch heute so groß, dag viele Menschen, denen morgens eine
schwarze Katze über den Weg läuft, umkehren oder sich bekreuzigen. Von einem berühmten
Sänger aus London wird erzählt, er sei beim Verlassen des Hauses umgekehrt, nachdem eine
schwarze Katze seinen Weg gekreuzt hatte, und habe sein Konzert abgesagt.
Von einem Landarzt aus Oberschlesien heißt es, daß er bei seinen Krankenbesuchen stets ein
Gewehr bei sich trug. Er schoß auf alle schwarzen Katzen, die ihm unterwegs begegneten, um
das Böse aus der Umgebung seiner Patienten zu verbannen.

Neujahrsaberglaube
Bei den vielen Neujahrsbräuchen spielt das Blei seit dem frühen Mittelalter eine große Rolle. Es
wurde auch als Mittel zur Hexenerkennung verwendet. Das Bleigießen ist heute zu Neujahr eine
beliebte Belustigung. In den Geschäften werden allerorten Bleitalismane mit einem Löffel zum
Einschmelzen verkauft. Das geschmolzene Blei wird in ein Gefäß mit kaltem Wasser geschüttet.
Aus den Formen der zersplitterten Bleiteile wird die Zukunft gedeutet.

Viele Menschen befragen in der Silvesternacht das Hutorakel. Unter neun Hüten werden
verschiedene Gegenstände versteckt. Wenn die Uhr zwölf schlägt und das neue Jahr ankündigt,
darf der Fragende einen Hut wählen. Wenn er darunter einen Ring findet, wird er im kommenden
Jahr heiraten. Findet er eine Puppe, wird er Kinder bekommen. Eine Tasche deutet auf Reisen,
ein Kamm auf Glück, ein Stück Kohle kündet Unheil an, eine Schüssel Häuslichkeit und ein
Messer Streit. Ein Gebetbuch ist das Symbol für Zufriedenheit und ein Knopf für Geld.

Das heiratslustige Mädchen wirft in der Silvesternacht vor dem Zubettgehen ihren Schuh über
ihre nackte Schulter. Wenn die Spitze des Schuhes der Tür zugekehrt ist, wird das Mädchen im
kommenden Jahr heiraten.

In manchen Landesteilen geht das Mädchen in der Silvesternacht vor dem Schlafengehen durch
den Hühnerstall. Wenn der Hahn sich bei ihrem Eintreten als erster bewegt, bekommt sie im
folgenden Jahr einen Mann. Wenn es die Hennen sind, muß sie mit dem Heiraten noch warten.

Die Kristallkugel
Eine besondere Form der Wahrsagerei ist das Kristallsehen. Seit dreitausend Jahren wird es in
Indien, China, Japan und den Südseeinseln ausgeübt. Dabei werden nicht nur Kristallkugeln
verwendet, sondern auch Spiegel, polierte Hölzer, Fingernägel und blanke Wasserflächen. Bei
uns spielte es im Mittelalter eine große Rolle und ist auch heute noch ein sehr einträgliches
Gewerbe. Katharina von Medici (1519 -1589) war eine Anhängerin dieser Wahrsagekunst. Der
1527 in London geborene John Dee galt darin als großer Meister. Graf Cagliostro (1743 - 1795)
bediente sich in seiner »Ägyptischen Loge« unschuldiger Knaben und Mädchen zur Kristallschau.
Er ließ sie eine mit klarem Wasser gefüllte Kristallflasche oder auch ihre mit Öl eingeriebenen
Hände anstarren, um bunte, magische Visionen zu erzeugen. Vor Jahren zog ein vielgefeierter
Zauberer mit seiner hübschen Assistentin Miß Moi Yo Miller aus Melbourne durch die
europäischen Varietes. Die Assistentin hielt auf der Bühne eine Kristallkugel in ihren Händen und
weissagte daraus mit verblüffender Überzeugung.

Heute bedienen sich die Zauberkünstler zum Kristallsehen fast nur noch richtiger Kristalle. Durch
die Lichtreflexe des Kristalls und durch die starke Vertiefung in sein Inneres treten bei Menschen,
die zur Bilderschau veranlagt sind (Eidetiker), Bildvorstellungen auf, die bis zu Visionen
gesteigert werden können. Beim Spiegelsehen und Wassersehen vollzieht sich der Vorgang
ähnlich. Das Kristallsehen ist wiederholt von der psychologischen Wissenschaft untersucht
worden, und es gibt darüber zahlreiche Publikationen. Sie gleichen sich in der Annahme, daß es
sich um Nachbilder der Wirklichkeit oder um Erinnerungen handelt, die durch das Fixieren des
Kristalls aus dem Unbewußten gelöst werden. Auf diese Weise können innere Bilder und Ideen
zu Objekten der Anschauung werden. Es wird aber auch nicht bestritten, daß solche Visionen auf
telepathischem Wege übertragen werden können. Denn durch die Fixierung erfolgt bei sensiblen
Menschen eine Art Trancezustand, der Inneres nach außen kehrt und offen macht für
Gedankenübertragungen. Diesen Aspekt der Kristallschau wollen wir aber der Parapsychologie
überlassen und hier lediglich auf den abergläubischen Mißbrauch hinweisen, der in den meisten
Fällen zutreffen dürfte.

Traumorakel
Träume sind Gegenstand wissenschaftlicher Erforschung und für das Leben des Menschen
ebenso wichtig wie sein gesundes Tagesdasein. Sie sind aber auch Inbegriff eines
weitverbreiteten Orakelaberglaubens. Und nur um ihn geht es hier.

Der Mensch träumt, damit die Nacht das am Tage strapazierte Gleichgewicht zwischen inneren
und äußeren Kräften wiederherstellt. Er muß mit vielem fertig werden, was er verdrängt oder
nicht verarbeitet hat. Es wird in seinem persönlichen Unbewußten gespeichert und wartet auf
Bewältigung. Unsere Träume nehmen sich dieser am Tage nicht zum Zuge gekommenen Reize
und Erlebnisse an und kleiden sie in die symbolischen Traumbilder des Fliegens, des Alpdrucks
oder der Verfolgung. Das Traumleben wird somit zum Spiegelbild unseres ganzen Daseins,
unserer Person, zu der neben dem Tag auch die Nachtseite gehört. Der Mensch lebt nicht allein.
Er wird in eine Mitwelt hineingeboren, die ihn von Kindheit an formt und mit der er mit
zunehmendem Selbstbewugtsein fertig werden muß. Und sie ist nicht immer freundlich und
bejahend, sondern auch feindlich und trostlos. Sie spielt in den Träumen die größte Rolle. So
kommen die vielen Schattierungen und Stufungen der Wunsch-¬und Furchtträume zustande. Sie
werden durch das Erbe unserer Väter und Ahnen, das wir alle in uns, in unserem kollektiven
Unbewußten tragen, weiter kompliziert. Wir leiden, hoffen und arbeiten weiter an den
Erfahrungen der gesamten Menschheit, und wenn es nur in den verborgenen Schächten der
Seele geschieht.
Und schließlich ist zu bedenken, daß der Mensch nicht von dieser Welt ist. Er kennt weder das
Woher noch das Wohin. Aber er ahnt aus der Selbstgewißheit seines Erlebens und Glaubens,
daß es ein Vorher gab und ein Nachher geben wird. Sonst wären Geburt und Tod nicht da und
das Dasein gegenstandslos. Erst durch diese Aktualität des Ewigen bekommt es seinen Sinn.
Das Ahnen dieses Ursprungs befähigt den Menschen zu Wahrträumen und zu Traumbildern mit
Offenbarungsgehalt.
Träume sind verschlüsselt, sind Chiffren unseres Innenlebens. Nur der Kundige kann sie lösen.
Früher wurden sie von Priestern gedeutet. Heute übernimmt der Seelenarzt im Bedarfsfall diese
Aufgabe. Dem Uneingeweihten fällt es schwer, damit etwas anzufangen. Deshalb sagt der
Volksmund, Träume sind Schäume.
Den Menschen trieb schon immer die Neugierde zur Enträtselung des Unbekannten, besonders
dann wenn er vom abergläubischen Drang nach Beeinflussung seines Schicksals geleitet wurde.
Dem kam der Traumdeuter auf den Jahrmärkten entgegen. Ohne zureichende Kenntnis sagte er
gegen Bezahlung die Zukunft voraus. Oft machte er die Deutung von der Höhe des Honorars
abhängig.

Mit dieser Zunft der Traumdeuter kamen Traumlexika in Gebrauch, die als sogenannte
Volkstraumbücher noch heute verbreitet werden. Wir kennen sie etwa als das »Große arabische
Traumbuch«, das »Goldene ägyptische Traumbuch« oder auch als das »Echte Zigeuner
Traumbuch«. Danach bedeutet ein schönes Kleid tragen, in behagliche Verhältnisse kommen;
ein Kloster sehen, Ruhe und Frieden; Kohlen sehen, Reichtum und Glück; Krähen fliegen sehen,
einen nahen Tod usw.
Solche Deutungen arten meistens zum abergläubischen Gesellschaftsspiel aus, das sich der
eigenen Traumbilder zur Unterhaltung bedient.

Gewiß gibt es Traumsymbole. Sie wurden von zahlreichen psychologischen Schulen erforscht.
Aber sie werden zu Wahrsagezwecken mißbraucht. Jedes Traumdeuten ist von großen
Schwierigkeiten begleitet, die nur ein Seelenarzt und Therapeut meistern kann. Es hängt auch
von der weltanschaulichen Haltung des Deutenden ab. Eine Beschäftigung damit setzt ein
zureichendes Wissen um die Beziehungen zwischen Körper, Geist, Seele, Gemeinschaft und
Erbe voraus. Es kann nie durch Leichtgläubigkeit und Simplifizierung ersetzt werden. Einer
unserer führenden Religionsforscher bemerkte zu Recht, es sei kein besonderes Zeichen
würdiger Haltung, wenn ein Mensch um jeden Preis das Geheimnisvolle, Besondere und
Außerordentliche sucht. Traumdeuten als therapeutischer Weg zur Selbsterkenntnis kann nur
bejaht werden. Als Wahrsageorakel ist es vom Übel.

Die Wünschelrute zeigte Moses die Wasserstelle


Bekanntlich wird das Wünschelrutengehen heutzutage vielfach als Beruf ausgeübt. Der
Rutengänger wird engagiert, um eine Wasserader oder Bodenschätze aufzuspüren. Die Rute,
meist ein gegabelter Zweig vom Haselnußstrauch, schlägt über der gesuchten Stelle mit der
Spitze nach unten aus. Neben manchen Mißerfolgen haben die Rutengänger nach eigenen
Angaben auch viele Erfolge zu verzeichnen. Die Theorien über das Funktionieren der Rute sind
noch widersprüchlich, die häufigste Erklärung besteht in der Annahme, daß gewisse Strahlen
aufgefangen werden. Skeptische Stimmen gegen die Wünschelrute fehlen nicht, aber
unbestreitbar war sie in vielen Fällen hilfreich. Die Wissenschaft vermochte dieses Phänomen
noch nicht zu enträtseln. Den Bedürfnissen der Zeit entsprechend, setzt man häufig den
Rutengänger als Helfer für Industrie und Bauwesen ein. Sind solche Auftraggeber abergläubisch?

Die Rute soll schon Moses in der Wüste auf das Wasser aufmerksam gemacht haben, und die
Überlieferung weist sie in vielen Kulturen des Altertums, darunter auch in China, nach. Ende des
15. Jahrhunderts widmete man ihr in Deutschland ein Buch, in dem sie als göttlich gepriesen
wurde. Ihr geheimnisvolles Wirken bewegte die Jahrhunderte und nährte den Aberglauben. So
glaubte man im 18. Jahrhundert mit ihrer Hilfe alles erfahren und finden zu können, was der
Mensch nicht enträtseln konnte. Sie identifizierte angeblich den Dieb, verriet geheimnisvolle
Schätze, fand verirrte Kinder und wußte sogar, ob ein Planet bewohnt sei oder nicht. Es bedarf
wohl keines Kommentars, daß solche Annahmen reiner Unsinn sind und daß davon echtes
Rutengängertum als Versuch zur Entdeckung einer möglichen Kausalität zwischen Mensch, Erde
und Wasser unterschieden werden muß.

Weiß das Pendel die letzten Dinge?


Der erste überlieferte Versuch mit dem siderischen Pendel stammt aus dem alten Rom. Zur Zeit
des Kaisers Valens (364 - 378 n. Chr.) waren einige Höflinge neugierig, wer wohl sein Nachfolger
werden würde. Sie nahmen einen an einem Bande hängenden Ring und ließen ihn über einem
Kübel schwingen, an dessen Rand das Alphabet eingraviert war. Als Ergebnis erhielten sie den
Namen THEO. Dieser Versuch wurde bekannt und die Höflinge wegen Hochverrats zum Tode
verurteilt. Die geschworenen Pendler werden sagen, das Pendel hatte recht, aber es ist doch
wohl eher als eine Kuriosität der Weltgeschichte zu betrachten, daß ausgerechnet der Gote
Theodosius Nachfolger des Kaisers wurde. Anderthalb Jahrtausende vergingen, ehe das Pendel
im 18. Jahrhundert wieder erwähnt wurde. In Goethes »Wahlverwandtschaften« pendeln
Charlotte und Ottilie. Auch das 19. Jahrhundert weiß von einigen Pendlern zu berichten, darunter
einem Mann namens Ritter, der ein Pendel aus Schwefelkies verwendete. Aufsehen erregte 1913
das Buch von Friedrich Kallenberg über »Offenbarungen des siderischen Pendels«, in dem er
dem Pendel jene Bedeutung zuschrieb, die ihm bis heute nachgesagt wird. Seiner Meinung nach
gab es Auskunft über alle erfahrenswerten Dinge, gleich, ob man es über Fotografien,
Handschriften oder Gebrauchsgegenständen schwingen ließ. Kallenberg glaubte, daß er eine
revolutionäre Entdeckung gemacht habe und mit Hilfe des Pendels auch die Letzten Dinge zu
entschleiern seien. So verraten angeblich Kreiskurven das männliche Geschlecht, Ellipsen
dagegen das weibliche. Auch der Gesundheitszustand und das Temperament der dem Versuch
zugrunde liegenden Person bleiben dem Pendel nicht verborgen.
Abbe Mermet findet Wasser in 10 000 km Entfernung
Das Funktionieren des Pendels bringt man in Zusammenhang mit sogenannten Erdstrahlen oder
auch Todesstrahlen und mit den Ausstrahlungen bestimmter Personen. Das gilt auch für das
Rutengehen, aber das Pendeln ist weitaus bequemer. Kann man es doch auch in sitzendem
Zustande und auf weite Entfernung ausführen. Die Pendler und Rutler haben sich gegenwärtig
sogar in einem eingetragenen Verein zusammengeschlossen und geben eine Zeitschrift für
Radiaesthesie heraus. Daß gewisse Einflüsse von Mensch zu Mensch ausgeben, die man als
Strahlungen bezeichnen kann, gilt als erwiesen. ob solche Strahlungen aber auch auf organische
Stoffe übergehen können, bleibt noch ein großes Frage¬zeichen. Die Pendler jedenfalls
behaupten, daß Fingernägel, Haare, ja selbst Fotografien dieselben Strahlen aussenden wie ihr
Besitzer und vom Pendel empfangen werden. Auch das Pendeln über Landkarten soll genügen,
um Bodenschätze ausfindig zu machen. Manche Pendler haben wirklich die Aura der
Glaubwürdigkeit um sich geschaffen. Berühmt wurde der Abbe Mermet aus der Schweiz, der
nicht nur an Ort und Stelle mit seinem Pendel Wasser und Bodenschätze fand, sondern auch
betonte, daß seine Pendelkunst bis zu 10.000 km Entfernung Quellen ausfindig machen und
sogar verlorene Goldstücke zum Vorschein bringen könne. Die von den Rutlern und Pendlern
vorausgesetzten Erdstrahlen oder Reizstreifen sind bisher nicht wissenschaftlich entdeckt
worden. Man behauptet, daß Tiere diese Erdstrahlenzonen meiden. Denn die Wirkung der
Strahlen soll schädlich sein und Krankheiten verursachen, darunter Tuberkulose, Rheuma,
Gemütskrankheiten und sogar den Krebs. Sterben in einem Haus mehrere Personen an Krebs,
so soll es sich um ein »Krebshaus« handeln, das über den diese Krankheit verursachenden
Strahlen gebaut wurde.

Die hellsehende Kraft des Pendels über Fotografien, Haaren, Fingernägeln führt man auf die
sogenannten Od Strahlen zurück, die dem menschlichen Körper, ähnlich dem Heiligenschein,
entströmen sollen und auch allen Dingen zugeschrieben werden, die mit dem Körper in
irgendeiner Beziehung stehen oder gestanden haben. Auf dieser abergläubischen Grundlage
meint man nun alles Lebendige und Tote, auch Vergangenes und Zukünftiges, mit Hilfe des
Pendels enträtseln zu können. Die britische Admiralität soll während des Zweiten Weltkriegs, als
die Seeschlacht um England ihren Höhepunkt erreicht hatte, einen Pendler zur Ermittlung
feindlicher Schiffe erfolgreich beschäftigt haben.

Zehn Mark für einmal pendeln


Abgesehen von vielen ernsthaften Bemühungen um das Geheimnis des Pendelausschlags,
haben die Gefilde des Aberglaubens hier einen willkommenen Zuwachs gewonnen. Groß ist die
Zahl derer, die kritiklos aus der Pendelei über das bloße Gesellschaftsspiel hinaus ein
einbringendes Geschäft gemacht haben.

So berichtet Professor Urbach, daß ein Bekannter sich zu einem Pendler begab, um die
Krankheit seiner Mutter feststellen zu lassen. Die alte Dame könne wegen ihrer Gebrechlichkeit
nicht selbst kommen. Dem Pendler genügte ein Stückchen Papier, das die Mutter berührt hatte.
Als ihm das gebracht wurde, pendelte er darüber mit seinem Metallring und nannte drei
Krankheiten, zwei, die bei Altersschwäche stets eintreten, und eine dritte, die nur durch eine
Röntgenaufnahme festzustellen war. Für diese Gefälligkeit nahm der Pendler zehn Mark. Ein
anderer Fall: Bei dem Pendler erschien ein Mann an Krücken, und der Pendler stellte
Gelenkkrankheiten fest. Da warf der Mann die Krücken fort und vollführte ein paar akrobatische
Kunststücke. Er war kerngesund. Der Pendler ließ sich nicht verblüffen. Er sagte, bei der vorigen
verkrampften Haltung hätten sich Blutstauungen eingestellt, die das Pendel anzeigte.

Um Ausreden beim Versagen des Pendels sind solche Pendler nicht verlegen. Auch der Arzt
könne sich irren, sagen sie, nur daß bei seinem Versagen nicht so viel Geschrei gemacht würde.
Wenn sich das erpendelte Geschlecht eines ungeborenen Kindes später als falsch herausstellt
und statt eines Mädchens ein Knabe geboren wird, heißt es, daß der weibliche Einfluß der Mutter
eben so stark gewesen sei. Falls im Beisein von Publikum Fehlaussagen vorkommen, meint der
Pendler, die negative Einstellung der Anwesenden sei daran schuld.
Auch hier wieder ist es die Angst vor der Krankheit, die Abergläubische zum Pendler treibt. Viele
lassen sich Krankheiten aufschwatzen, die sie überhaupt nicht haben. Noch schlimmer ist es,
wenn sie Behandlungsmethoden erpendeln lassen. Daraus ergeben sich, wie bei jedem
abergläubischen Vertrauen, Ausweglosigkeit und Not. Die verantwortungslosen Pendler aber
nutzen die Angst ihrer Mitmenschen finanziell aus. Leider erfaßt das Gesetz auch in diesem Falle
nur einen winzigen Bruchteil der Schuldigen.

Schützt das Entstrahlungsgerät vor Krankheit?


Auch aus dem Glauben an Erdstrahlen läßt sich Kapital schlagen. So kam ein Mann auf die Idee,
eine Anzahl billiger Metallringe an seine abergläubischen Kunden für einen ansehnlichen Preis zu
verkaufen. Wenn sie am Körper getragen wurden, sollten sie die schädlichen,
krankheitsbringenden Erdstrahlen abhalten. Die Vorschrift besagte, daß man die Ringe alle fünf
Minuten mit Wasser begießen mußte. Das war den Patienten doch wohl zu lästig, daher ging das
vielversprechende Geschäft allmählich ein.
Das bekannteste und allerorten viel verbreitete Mittel gegen Erdstrahlen erfanden
geschäftstüchtige Fabrikanten. Sie stellten Entstrahlungsgeräte her. Man braucht diese nur
unters Bett zu stellen oder unter die Matratze zu legen, dann schirmen sie den Besitzer vor allen
Krankheiten ab. Man schaltet das Entstrahlungsgerät ein und schläft behütet und sorglos.

Wer sich ein solches Gerät nicht leisten kann, soll sich einfach, wie die menschenfreundlichen
Erdstrahlenverfechter empfehlen, auf eine Matratze aus Farnkraut legen. Denn dieses hält die
Strahlen garantiert ab.

Von den vielen Entstrahlungsgeräten nennt Dr. Paul Bauer die »Schweizer Weber Platte«, die
aus zwei Streifen Metallfolien besteht. Spannt man diese unter das Bett, kann man beruhigt
einschlafen. Der »Nord-Süd Gleichrichter« soll sogar das ganze Haus vor schädlicher Strahlung
bewahren. Man braucht ihn nicht elektrisch anzuschließen, weil er ein eigenes, konstantes
Kraftfeld in sich birgt. Man kann ihn für 80 DM erwerben.
Auch Ärzte, die sich ernsthaft mit Strahlenforschung beschäftigen, preisen Entstrahler an. Bauer
nennt den Arzt und Medizinalrat Dr. Mannlicher aus Salzburg, der empfiehlt, zwei Spiegel im
Abstand von 5 Zentimetern einander gegenüberzustellen. Die Spiegel irritieren die Strahlen und
machen sie unschädlich.

Gemeinsam mit einem Diplomphysiker hat Bauer den bekanntesten Apparat gegen Erdstrahlen,
den »Phylax«, untersucht. »Der Physiker konnte nur gequält lächeln. Ein paar Drahtspiralen,
dazu noch kurzgeschlossen, so daß die äußere Markierung >Aus< >Ein< gar nichts
bezweckte.« Den Wert des Kästchens mit dem Inneren schätzt er auf vielleicht 3,50 DM. Das
Gerät aber brachte dem Fabrikanten Dannert, einem überzeugten Rutenmeister, zwischen 80
und 120 DM ein. Die Abschirmung soll 20 Meter im Umkreis betragen. Welch ein Durcheinander
von Strahlen muß es ergeben, wenn in mehreren eng nebeneinanderliegenden Häusern dieses
Gerät aufgestellt wird! Unserem Hausarzt wurde von einem dankbaren Patienten ein
Entstrahlungsgerät geschenkt. Es war eine leere, zugelötete Blechbüchse, die der Arzt unter sein
Bett stellen sollte, um Unheil abzuwenden.

Welche Suggestivkraft das Kästchen auf Abergläubische ausübt, geht aus dem frommen Betrug
hervor, den ein Ehemann vornahm. Die Frau glaubte fest an die Wirkung des Phylax. Ihr Mann
vertauschte den Apparat gegen eine ähnlich aussehende Holzkiste. In dem Glauben, dass es
sich um den “Phylax” handelte, schlief die Frau genauso tief und unbesorgt wie vorher. Ohne den
Apparat hatte sie stetes über Herzklopfen und Beklemmungen geklagt. Aber auch der Ersatz
befreite sie davon.

3. Was ist Aberglaube?

Dieser bunte Streifzug durch die Welt des Aberglaubens will keinen Anspruch auf Vollständigkeit
erheben. Bei einigen Erscheinungsformen haben wir nur kurz Station gemacht, anderen sind wir
ausführlicher durch die Geschichte gefolgt, um ihre gefährlichen Auswüchse aufzuzeigen. Die
sensationellen, manchmal krassen und unschönen Beispiele sollten dazu dienen, das Bild einer
Macht möglichst eindrücklich zu veranschaulichen, die seit den Anfängen die Seele der
Menschen ergriffen hat und sie, wie eine Spinne ihr Opfer, im Netz hält. Dieses Netz umspannt
auch heute noch die ganze Welt. Es hat feine Maschen, denen kaum jemand entschlüpfen kann,
und es läßt sich nur sehr schwer durchschneiden.
Das hat vor allem der Hamburger Johann Kruse in seinem Kampf gegen den gefährlichen
Hexenaberglauben erlebt. Kruse fand bisher in Deutschland keine wirksame Unterstützung und
hat daher sein Lebenswerk mit allen Unterlagen hilfesuchend an die UNESCO geschickt. Nun
hofft er auf »Entwicklungshilfe in Einsicht«. Die ernsthaften Sorgen solcher Männer mögen
Gleichgültige wenig rühren. Doch ist der Aberglaube, statt abzuklingen, in den Jahren nach dem
Kriege unwahrscheinlich angewachsen. Die Selbsttests und Horoskope sind nur ein harmloses
Aushängeschild einer oft dämonischen Macht, die sich kriminell, gesundheitsschädigend oder in
menschlicher Tragik äußert.
Man soll die Krankheit immer an der Wurzel bekämpfen. Der Aberglaube besitzt die Merkmale
einer Neurose, die Mensch um Mensch ergreift. Gerade darum gilt es, die Widerstandskraft im
einzelnen zu stärken. Der Verantwortliche kann dem Angefochtenen nur Hilfe geben, wenn er
sich zuerst einmal selber über die dem Aberglauben günstige Seelenlage klar wird und von dort
aus zu begreifen sucht, worin Aberglaube eigentlich besteht. Doch fragt man sich
berechtigterweise, was wohl solche theoretischen Erörterungen nützen könnten? Sie werden nur
fruchtbar in der Weitergabe von Bildungsstand zu Bildungsstand, von Staat zu Bürger, vom
Seelsorger zum Laien, von Mensch zu Mensch, und zwar in jener Übersetzung, die vom
einzelnen verstanden wird. Theorie muß immer mit dem Risiko der Isolierung rechnen, trotzdem
liegt in ihr der Grund allen praktischen Wirkens. Darum suchen wir uns getrost zu vergewissern,
was Aberglaube, wissenschaftlich betrachtet, eigentlich ist.

Kleine Etymologie
Seit dem 15. Jahrhundert wird in unseren Wörterbüchern das Wort »Aberglaube« verzeichnet.
Einige Autoren behaupten sogar, es wäre schon im 12. Jahrhundert nachweisbar. Jedenfalls
versuchte man damit den lateinischen Begriff »superstitio« ins Deutsche zu übersetzen. Friedrich
Wilhelm Weitershaus weist uns darauf hin, daß die Bezeichnung »aberglaub« 1482 hinter dem
Stichwort »superstitio« eines Straßburger lateinischen Wörterbuchs auftaucht. Damals hatte man
noch eine ängstliche Scheu vor dem, was über den gewohnten Glauben des Volkes hinausging.
Gemeint war eine unrichtige Verehrung der Gottheit, eine Abgötterei.

Martin Luther bevorzugte dann die Bezeichnungen »Mißglaube« und »Afterglaube«. Sie spielen
sogar in der Philosophie des strengen Königsberger Denkers Immanuel Kant eine Rolle und
leben bis in unsere Tage fort. In Krugs »Enzyklopädisch philosophischem Lexikon« von 1838
heißt es dazu: »Aus dem Begriff des Nachfolgenden oder Hintern, welches dem Vorhergehenden
oder Vordern entgegensteht, hat sich dann sehr natürlich der Begriff des Schlechten entwickelt.
Und daher kommt es wohl auch, daß After als Substantiv schlechtweg den Hintern (gleichsam
das abwärts gekehrte Gegengesicht, das man als etwas Schlechtes oder Unziemliches verbirgt)
bedeutet.«
Nach Hoffman Krayer umschließt das Wort Aberglaube den Glauben an die Wirkung und
Wahrnehmung naturgesetzlich unerklärter Kräfte. Sein Bereich wird scharf von dem der
anerkannten Religionssysteme abgegrenzt. Und der bereits zitierte Krug schrieb, die Herleitung
des Wortes »Aberglaube« von »superstitio« entspräche auch dem griechischen Wort
»deisidaimonia« (Dämonen oder Götterfurcht).

Über die landschaftliche Herkunft der Bezeichnung »Aberglaube« sind sich die Etymologen nicht
einig geworden. Viele Forscher streiten sich noch immer um eine befriedigende Definition und
Ableitung. Das Wortelement deckt sich im Mittelhochdeutschen mit »Unklugheit«, im
Neuhochdeutschen mit »Abergunst« (Mißgunst), mit »Abername« (Spottname) und mit
»Aberwitz«.
Der dänische Forscher Alfred Lehmann, Verfasser eines 1925 in 3. Auflage erschienenen
umfangreichen Werkes über den Aberglauben, formulierte: »Aberglaube ist jede allgemeine
Annahme, die entweder keine Berechtigung in einer bestimmten Religion hat oder im Widerstreit
steht mit der wissenschaftlichen Auffassung einer bestimmten Zeit von der Natur.«

Und die Verfasser des Werks »Handbuch des deutschen Aberglaubens« vollzogen 1927 die
zaghafte Definition: »Aberglaube ist der Glaube an die Wirkung und Wahrnehmung
naturgesetzlich unerklärter Kräfte, soweit diese nicht in der Religionslehre selbst begründet sind.«

Viele Begriffe, ja die meisten, werden durch ihre Geschichte erhellt. Beim Begriff »Aberglaube«
ist das leider nur bedingt der Fall. Die Etymologie betreibt nur eine Verwandtschafts und
Entwicklungsforschung der Sprachen und Wörter. Was sie zur Erklärung des Aberglaubens in die
Hand gibt, ist das »Aber«. Es besagt dem Sinn nach soviel wie »verkehrt«. Die Geschichte des
Aberglaubens berichtet über geschehene Fälle, Phänomene, Inhalte. Der Mensch unserer Tage
möchte aber darüber hinaus wissen, was Aberglaube an sich ist. Er interessiert sich für den
Vorgang, den Akt. Er weiß, daß jede Beurteilung von außen hinkt, da jeder seinen Standpunkt
vertritt. Fragen wir also bei der Geschichte des Menschen an, der so sehr seinen Verführungen
ausgesetzt ist.

Das Erbe der Urahnen


Der Mensch lebte in einem archaischen, einem magischen und einem mythischen Dasein, wie
der Schweizer Kulturforscher Jean Gebser in seinem Werk »Ursprung und Gegenwart« so
überzeugend dargelegt hat. Der unbewußte Geist der Menschheit mußte allmählich zum
Naturerleben, zur Befreiung der Seele und zur Entdeckung des Raumes und der Welt
heranreifen. Dem Ahnenerleben wuchs die Fähigkeit des magischen Zaubers und des
mythischen Erlebens zu, aus dem schließlich und immer mehr beschleunigt das heutige rationale
Bewußtsein wurde. Es ist eine Entwicklung, die nach Gebser weit in die Zukunft zu einer neuen
integralen Bewußtseinsstruktur führt, die frei sein wird von Angst und Aberglauben.
Sehen wir uns den noch ganz im magischen Tun verstrickten Vorfahren an. In seinem unbewußt
genannten Seelenbereich schlummerte der Dämonen und Geisterglaube. Die Menschen dieses
Daseins pflegten sich durch eine kultische, religionsähnliche Praxis Kräfte und die Zuneigung der
Götter zu sichern, um deren Zorn und Neid zu entgehen. Soweit wir dieses vergangene
vorhistorische Leben archäologisch und psychologisch rekonstruieren können, zeigt es sich als
gebunden an die Mächte der Natur und des Kosmos. Daher hatte alles Tun und Treiben dieser
mit Vorliebe heidnisch genannten Vorfahren einen religiösen Bezug. Es war eine Art »religio«,
eine Rückbindung an den Ursprung. Ihnen fehlte die einfache Liebe und Bitte zu Gott dem Vater
mit dem freien Eingehen in seinen Willen. Sie lebten in Götterfurcht und Götterangst. Diese
Wirklichkeit war für sie überwältigend. Es war eine naturmagische Seelenverf assung, die aus
den kosmischen Lebenszentren unmittelbar die eigenen Pflichten ablesen konnte, um daraus
eine naturhafte Sicherheit des Tuns und Lassens zu gewinnen. Ihr magisches Treiben umfaßte
alle Handlungen, die auf eine Beeinflussung der sinnlichen und übersinnlichen Welt gerichtet
waren und durch die man eine zwingende Macht auf die Götter ausüben konnte.
Die magischen Praktiken der Beschwörung und Zauberei mußten richtig angewandt werden, um
einen wirksamen Götterdienst zu ermöglichen. Die dazu nötigen Geheimnisse und Fähigkeiten
waren nicht jedermann zugänglich. Sie wurden stellvertretend durch den Medizinmann, Priester
oder Stammesältesten ausgeübt. Der einzelne war Glied einer magisch verbundenen
Gemeinschaft. Er war nicht abergläubisch, wenn er mit seinen Genossen vor Aufgang der Sonne
eine in den Sand gezeichnete Antilope umtanzte, damit ihm das Jägerglück hold sei.
Abergläubisch werden erst wir, die wir jene Furcht und Angst übernommen haben, ohne die alte
Naturverbundenheit und Magie als Kraftquelle noch zu besitzen. Sie bot dem primitiv genannten
Naturmenschen Schutz und Ordnung. In diesem Sinne gedeutet, kann man es verstehen, wenn
die Anthropologie vom abergläubischen Menschen unserer Tage sagt, er lebe zwar unter uns,
sein Geist sei aber in der Vorzeit bei den Primitiven geblieben.

Zauberei und Sitte


Der 1955 in Heidelberg verstorbene Forscher Willy Hellpach formulierte so treffend, Religion
entstehe und bestehe, wo sich eine Vorstellungswelt von magischen Kräften und mythischen
Mächten um den Sinn einer sittlichen Ordnung gruppiert. Die Folgen sind dann sittliche
Verpflichtungen des Lebens.
Eine Lehre mythischen und magischen Inhalts kann allein niemals Religion sein. Es gibt genug
Geheimlehren, Mysterien und Zauberpraktiken, die keine Religion sind. Eine reine Morallehre
ohne magische und mythische Elemente vermag ebensowenig die Bezeichnung Religion für sich
zu beanspruchen.
In den zauberischen Praktiken wird der Mytheninhalt wirksam und gefestigt. Die Beachtung der
magischen Vorschriften führt zum praktischen Einleben in die Unterscheidung von Gut und Böse.
Die förderlichen und schädlichen Mächte werden vom Menschen erlebt. In ihm bildet sich ein
Verhältnis zum Urguten und zum Urbösen heraus. Hilfsbereitschaft und Schadenfreude, Beistand
und Ausbeutung sind Urerfahrungen, die in den Kreis der magischen Verrichtungen einbezogen
wurden. So entsteht und geht durch die gesamte Geschichte eine sittliche Verpflichtung. Noch
heute flößen uns geweihte oder gesegnete Dinge oder Symbole Ehrfurcht ein. Der einfach
empfindende Mensch sieht darin nicht Sinnbilder, sondern durchaus im alten, vorhistorischen
Sinne lebendige Wirkungsträger. Das geht bis zur Grußformel im Alltag, die wie auch etwa
Gesinnungsgleichheit oder Gesinnungsfremdheit zu dem Urbestand moralischer Bindungen
zählt. Wenn wir uns heute unter uns umsehen, stellen wir allerorten übereinstimmend fest, daß
unser Tun und Lassen oder, anders ausgedrückt, unser moralisches Verhalten von einer
Urtriebgüte und von einer Furcht vor Buße abhängig ist. Diese Akte spielen schon in der
Kindererziehung eine große Rolle. Der Rest ist weitgehend mechanische Gewohnheit und eine
nur noch unbewußt vorhandene Berechnung, um für das eigene Tun eine günstige
Gegenleistung zu empfangen. Stark ist natürlich der Glaube an die übersinnlich wirksamen
Kräfte. Als Verbindung zwischen Zauberkräften und bestimmten charakterlichen Bösartigkeiten
besteht er heute wie vor Jahrtausenden. Er formt das moralische Verhalten stets mit.

Das magisch mythische Gefühl


Die Vorstellungen von Himmel und Hölle haben das Menschengemüt mehr beeinflußt als die
gelebte Wirklichkeit des praktischen Alltags. Auch in unserer Zeit der Aufklärung und der
Naturwissenschaften lebt der Mensch sehr stark aus diesem vorhistorischen, imaginären,
magisch mythischen Gefühl. Er sehnt sich auch privat in seiner ganz intimen Sphäre nach dem
Feierlichen, das er ja schon mit dem Handschlag ausübt. Würde man ihm diesen magisch
zeremoniellen Grund des Feierlichen nehmen, müßte er auf Symbole, Auszeichnungen,
Anerkennungen verzichten, würde ihm sein Dasein sinnlos erscheinen.
Selbst im alten Recht spiegelt sich diese Wahrheit. Wir finden sie in den Gottesurteilen ebenso
wie in der Magie der Flamme. In Bremen haben bis1923 Versteigerungen »bei der Kerze«
stattgefunden. Die Brennzeit der Kerze entschied über die Gültigkeit der Zuschläge. Das gleiche
galt für die Rechtsgültigkeit von Testamenten, deren Niederschrift mit der Brenndauer einer
Kerze zusammenfiel. Eide wurden bei brennender Kerze geleistet. Grenzen von Grundstücken
ermittelte man in alten Zeiten durch Kerzenbräuche.

Es gab eine fast unübersehbare Fülle von Bräuchen mit gleicher Funktion. Urkunden legte man,
damit sie rechtsgültig wurden, auf die Erde. Das Abschwören eines Schwures, den die rechte
Hand geschworen hatte, geschah mit der rückwärts nach unten gestreckten linken Hand. Damit
wurde der Eid moralisch ungültig gemacht.

Die Volksmedizin zeigt viele Verknüpfungen zwischen dem Bösen, einer Schuld und der
Krankheit. Auf diesen Beziehungen wurde im Mittelalter die Behandlung von Geisteskranken
aufgebaut. Böse Gesinnung leistet Zauberei, kann verhexen, krank machen. Der Besitz von
bestimmten Zauberkräften erzeugt gute Gesinnung, kann Feen, Schutzgeister und
Heinzelmännchen einsetzen.

Ein Arzt, der mit Magie zu tun hat, muß einen gegenwärtigen Zauber fortzaubern können. Er
bewegt sich immer zwischen Gut und Böse im heidnischen Sinne. Unsere erfahrenen Landärzte
wissen viel darüber zu berichten. Bestimmte Landstriche Bayerns, des Allgäus und auch
Westfalens sollen ganz besonders zu einem solchen vorhistorischen magischen Erleben neigen.

Auch mit dem Geschriebenen, der Schrift, wurde eine besondere Wirksamkeit verbunden. Es
kam darauf an, wie, mit welchem Ritus Verträge, Satzungen, Liebesbriefe verfaßt wurden.
Vorsichtshalber setzte man noch oben, unten, links und rechts kleine Schutzkreuze, um die
Wirksamkeit zu erhöhen.
Ein Forschungsbereich für sich ist das Brauchtum der magischen Gifte. Seit Jahrtausenden wird
solchen Drogen reinigende Kraft zugeschrieben. Mit gleichförmiger Übereinstimmung wird durch
die Jahrhunderte hindurch berichtet, daß solche magischen Gifte das sittliche Gefühl des
Menschen zu heben vermögen. Noch 1911 konnte im amerikanischen Staat Oklahoma auf
diesem Glauben die »Peyotl Kirche« gegründet werden, die Tausende in ergebener Gläubigkeit
um sich scharte. Die zentralamerikanische Kakteenwurzel Peyotl ergibt das
Meskalinrauschmittel. Darüber wird berichtet, daß es den Menschen in eine andere Welt des
visionären Erlebens führt und ihm außerdem ein Gefühl der Zusammengehörigkeit mit den
Menschen gibt, die wie er diese Kaktusfrucht verehren. Die mystischen Fähigkeiten in der
menschlichen Natur werden angeregt, die Verbindung mit der göttlichen Natur der Dinge wird
gegenwärtig.

In den heidnischen Frühkulturen wird die Haltung zu den Mitmenschen durch das Totem, die
Zugehörigkeit zu einem bestimmten Tierahnen, geregelt. Das damit zusammenhängende Ritual
ordnet alle Haltungen und Handlungen der Mitmenschen auf der Ebene des Stammes oder
Klans. Die Moral ist hier sichtbar magisch vorgeordnet. Das gilt gleichermaßen für alle magischen
Völker unserer Gegenwart. Je höher ein Volk und eine Religion steigen, um so mehr verlegen sie
das magische Zaubergeschehen in eine jenseitige Sphäre. Am Ende bleibt nur noch der
»Eigenzauber der Gottheit«, das Wunder, übrig.

Wo diese Magie gebannt im Dienste eines Höheren steht, kann nicht von Aberglaube gesprochen
werden. Wo sie sich aber von der Religion und vom verbindlichen religiösen Hintergrund löst,
entfaltet sich ihre Macht zu profaner, gewöhnlicher Wirksamkeit, die das weite Feld
abergläubischer Möglichkeiten ergibt.

In dieser Formulierung ist Aberglaube vom Absolutheitsanspruch der herrschenden kirchlichen


Lehre her bestimmt. Wie denken die Kirchen darüber?

4. ABERGLAUBE UND CHRISTLICHER GLAUBE

Aberglaube und katholische Glaubenslehre


Nach Auffassung der katholischen Moraltheologie ist alles Aberglaube, was gegen den Kult des
wahren Gottes verstößt. Dazu gehört vor allem das Gesundbeten, die mechanische Anwendung
von religiösen Gegenständen, der gesamte Formelaberglaube als Wiederholung einzelner
Gebetsformeln und schließlich jeder Verstoß gegen die von Christus eingesetzten Zeichen.
Dieser Begriff des Aberglaubens umfaßt jede Weltanschauung, die dem geoffenbarten Gott
widerspricht. Die Bekämpfung des Aberglaubens ist besonders gerichtet auf die Wahrsagerei, die
Totenbeschwörung, den Sternaberglauben, das Kartenlegen, das Wahrsagen aus den Linien der
Hand, das Zauberpendeln, die Zukunftsschau und die Zauberei als schwarze und weiße Magie.
Aberglaube ist Sünde gegen die Tugend der Gottesverehrung.

Nach der gleichen moraltheologischen Auffassung, die Bernhard Häring in seinem Standardwerk
Das Gesetz Christi dargelegt hat, hat dieser Aberglaube seine Wurzeln im angeborenen Trieb
des Menschen zur Enträtselung der Zukunft. Er entspringt seinem Verlangen nach müheloser
Meisterung der Naturgewalten und Lebensschwierigkeiten. Er ist immer eine Gefahr für den
Glauben, für die Seele, für die Sittlichkeit und für die Gesundheit. Der Hokuspokus des Zaubers
kann den Menschen davon abhalten, zum Beispiel rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu
nehmen. Falsche Prophezeiungen können ihn zu fixen Ideen verführen. Ein Verlust der
Verantwortung kann sogar den Weg zum Verbrechen ebnen. Aus manchen katholischen
Gegenden wurde berichtet, es soll vorgekommen sein, daß eine gläubige Bäuerin ihre
Madonnenfigur in den Kuhstall stellte, damit die Kühe mehr Milch geben sollten. Ein vom
gewöhnlichen Nützlichkeitsdenken überspieltes religiöses Gefühl wird pervertiert. An diesem
Beispiel sieht man deutlich, wo sich Glaube und Aberglaube trennen. Schwieriger ist es, sich in
den zahlreichen Grenzfällen zurechtzufinden. Da muß die vom Glauben getragene
Verantwortung entscheiden.

Aberglaube und evangelische Glaubenslehre


Auch die evangelische Kirche sieht überall dort Aberglaube, wo Abwandlungen vom religiösen
Leben eintreten. Maßstab ist der sich legitim wissende Glaube. Voller Besorgnis wird von
protestantischer Seite festgestellt, daß sich heute Tausende geschäftlich, ärztlich und
seelsorgerisch von Hellsehern, Pendlern, Rutengehern und Astrologen beraten lassen.
Besprechen, Beschwören, Liebes und Heilungszauber haben zwar gemessen an früheren
Jahrhunderten abgenommen. Sie unterhöhlen aber noch immer das Selbstbewußtsein vieler
Menschen in allen Volksschichten. Von den Personen, die in den verschiedenen Städten nach
kirchlichen Vorträgen zur Aussprache kamen, waren 30 Prozent bis 80 Prozent abergläubig
beeinflußt. Untersuchungen haben ergeben, daß in den meisten Fällen die Gesamtpersönlichkeit
betroffen ist. Zunächst sinkt die Lebenslust, dann treten Depressionen auf, die tiefgehenden
Neurosen Platz machen können. Eine solche Entwicklung wirkt sich natürlich auf Beruf, Ehe und
Kindererziehung unheilvoll aus. Die Kirche sieht in diesen okkult Behafteten eine ihrer größten
Aufgaben in dieser Zeit.

Es geht nicht darum, abergläubische Praktiken durch Verchristlichung unschädlich zu machen,


sondern darum, den Menschen in die rechte Form „des vernünftigen Gottesdienstes“
hineinzuführen. Die rationale, vernunftmäßige Aufklärung durch Vorträge und Ausspracheabende
mag mit Hilfe exakter naturwissenschaftlicher Beweisführungen vielleicht einige der spiritistischen
Medien und der Wunderheiler entlarven. Der größte Teil des Aberglaubens ist auch nach Ansicht
der protestantischen Kirche wissenschaftlich ebensowenig wegzudiskutieren wie echte
Lebensnöte und Gewissensentscheidungen. Der Weg muß von der Lebensangst und der
Lebensgier zu einem neugewonnenen Gottvertrauen führen. Hilfe und Geborgenheit in der
christlichen Gemeinschaft spielen dabei eine große Rolle. Sie lindern das schmerzliche Gefühl
des Einsamseins und können über Einzelberatung und Gruppenseelsorge zu einem neuen
Lebensgefühl führen. Der Geistliche muß Psychologisches und Theologisches auseinanderhalten
können und begriffen haben, daß es neben einem Zurück zu Gott, einer Anerkennung der Schuld
und Vergebung auch ein Zurück des Menschen zu sich selbst gibt.

Dr. Paul Bauer hat in seinem kürzlich erschienenen Buch über den heutigen Aberglauben die
Gesichtspunkte zusammengefaßt, die für die protestantische Seelsorge am Abergläubischen
erforderlich erscheinen. Die Einzelseelsorge steht dabei im Mittelpunkt. Ihre Aufgabe ist es, durch
geduldige Gespräche und Diskussionen die abergläubischen Widerstände abzutragen.

Es ist auch wichtig, den Abergläubischen in einen anregenden Kreis gläubiger Menschen
einzubeziehen und ihn womöglich durch Gruppenarbeit anzuregen. Eine solche Arbeitstherapie
mit konkreten Aufgaben in der Gemeinde pflegt die besten Erfolge zu zeitigen. Dann folgen als
darüberstehend die Sakramente, in denen das Wort Gottes auf die Tiefenschichten heilend wirkt.

Schließlich betonen die evangelischen Theologen, wie wichtig es sei, die Kirche selbst und die
Gemeinde im weitesten Sinne von abergläubischen Schatten zu reinigen.

Aberglaube und Volksglaube


Unmittelbar mit diesen Gedankengängen ist auch der Volksglaube verbunden. Die Volkskunde
möchte den Inhalt des Aberglaubens ohne religiöse Wertung oder naturwissenschaftliche Kritik
entwicklungsgeschichtlich fassen. Dabei werden häufig Volksglaube und Aberglaube
zusammengeworfen. Der Begriff Volksglaube ist umfassender. Nicht jeder Aberglaube ist ins Volk
gedrungen. Aber sehr vieles im Volksglauben ist reiner Aberglaube.

Wie ein Volk Volkslieder, Volkstänze und Volksbräuche hat, so besitzt es auch seinen
Volksglauben. Goethe sagte - und darauf berufen sich die Volkskundler allzugern - praktisch
genommen lasse sich der Glaube vom Aberglauben überhaupt nicht unterscheiden.
»Beim Glauben kommt alles darauf an, daß man glaube; was man glaube, ist völlig gleichgültig.
Mit dem Wissen ist es gerade das Gegenteil; es kommt gar nicht darauf an, daß man wisse,
sondern was man wisse, wie gut und wieviel man wisse.«

Der Volksglaube ist tief in der Kollektivseele verwurzelt und blüht ebenso im Gemüt der
Großstadtmenschen, deren Denken von Vernunft und Logik stärker geprägt ist. Dieses
Glaubensgut wirkt mit Vorliebe in der Stille, im einzelnen. Es manifestiert nicht nur ein Tun,
sondern auch eine Haltung. Gerade diese Haltung, die oft gläubig ein »gesunkenes Kulturgut«
verteidigt und ohne Konfrontierung mit der Gegenwart der Vergangenheit zugewandt ist,
gefährdet den Menschen. Es gibt viele Praktiken auf der Grenze zwischen Volksglaube und
Aberglaube, die nicht einwandfrei bestimmt werden können. Der Bereich der Volksmedizin ist
mindestens zum Teil umstritten. Gleiches gilt von zahlreichen Kult und Zauberbräuchen, die vom
Christentum geduldet werden.

Dort, wo im Volksgut eine Haltung entsteht, die Unzeitgemäßes rückwärts verteidigt, die, um es
theologisch auszudrücken, statt der Botschaft des Heils und der Erlösung zu folgen, ein
Schuldigwerden im Glauben provoziert, ist der Übergang zum Aberglauben gegeben.

Abgrenzungen zwischen Volksglaube und Aberglaube enthalten Werturteile und Vergleiche. Und
doch ist Volksglaube etwas Eigenes. P. Drews hat es in den Hessischen Blättern für Volkskunde
so treffend gesagt: »Wer mit dem Volke in einigermaßen enger Beziehung gestanden hat, der
weiß, daß die offizielle kirchliche Anschauung, die vom Volke unwidersprochen hingenommen
wird, deshalb noch lange nicht innerlich angeeignet ist. Vielmehr steht neben und unter einer
breiten Gruppe christlicher Gedanken und Anschauungen beim schlichten Manne eine
mindestens ebenso große Gruppe von Ideen, die das Volk sich selbst geschaffen, selbst gebildet
hat und woran die nie rastende, wenn auch noch so konservative Seele des Volkes immer
weiterarbeitet. In dieser Religion lebt das Volk in Wahrheit, sie hat sein Herz, sie bildet seinen
Trost, in sie legt das Volk auch seine Poesie nieder. Vieles, was die kirchliche Unterweisung in
das Volk hineinträgt, wurzelt schlechterdings nicht, es geht spurlos an der Volksseele vorüber;
weniges wird so aufgenommen, wie es gemeint ist, trägt dann aber oft eine beschämend edle
und schöne Frucht, vieles andere aber ergreift die Volksseele und macht es sich in ihrer Weise
zurecht, bildet es um und schafft so etwas, das ein neues Gesicht, einen neuen Sinn und Inhalt
bekommt.«

Volk und Volksglaube haben heute nicht mehr die Kraft von einst. Trotzdem muß man, wenn vom
Volksglauben gesprochen wird, diese Eigenständigkeit sehen und die Unterscheidung vom
Aberglauben nicht nur im Absolutheitsanspruch der christlichen Lehre, sondern auch in der
Struktur des Gewissens und der Beschaffenheit des Seelengrundes suchen. Es kommt doch sehr
auf den einzelnen an, ob etwas Glaube oder Aberglaube ist.

Das Glücksverlangen des Menschen


Nachdem so viel vom Glauben gesprochen wurde, beunruhigt uns immer mehr die Frage, wie der
Glaube faktisch und praktisch den Aberglauben zu überwinden gedenke. Wie steht es mit der
Urangst des Menschen, wie mit seinem Glücksverlangen? Es wird als eine sehr wichtige Quelle
des Aberglaubens angesehen. Auch die Kirche muß dieser Realität Rechnung tragen, wenn sie
eine wirkungsvolle Barriere gegen den Aberglauben schaffen und verhindern will, daß sich immer
mehr Menschen vom Zeugnis des Glaubens abwenden. Der Kirche ist wiederholt der Vorwurf
gemacht worden, daß sie in Urnöten des Daseins vom Glauben her nicht zu helfen vermag. Sie
hat zwar vom Wort her den Aberglauben bekämpft, aber von der Tat her die Ausweglosigkeit
nicht gemeistert, die zum Aberglauben führte und auch weiterhin führt. Solange es Menschen
gibt, werden sie immer ein Verlangen nach Glück und Glückserfüllung in sich tragen. Das
Liebendürfen und Geliebtwerden wird ihre Seelen immer bewegen. Sie werden immer der
Urangst des Herzens ausgeliefert sein.

Das Glücksverlangen hat mit den Urgewalten des menschlichen Herzens, mit den
Tiefenschichten des Unbewußten zu tun und mit der Existenz des Menschen als Urentwurf. Mit
Verstandesweisheiten läßt sich da nichts beschwichtigen, wenn es im Menschen an der
absoluten Macht des Ewigen fehlt, die uns allein vom Bann des Aberglaubens zu befreien
vermag. Sie allein vermag auch die Angst zu meistern, die als Unbehagen, als Ungewißheit und
als Wunsch nach übertriebener materieller Sicherung unseres Daseins immer mehr zunimmt und
durch Gefährdung der Seele den Aberglauben begünstigt.

Das Erlebnis der Urangst


Wo in den Glauben Angst einbricht, formt die Angst den Glauben. Sie macht ihn zum Mittel des
Verlangens nach übernatürlicher Daseinssicherung. Der alte Dämonenglaube bemächtigt sich
des Menschen. Das kann durchaus auf sehr neue und moderne Weise geschehen.

Ein Mensch, der ein drohendes Übel erwartet, verliert sich in Unlustgefühlen, er hat Angst. Dieser
Seelenzustand der Angst unterscheidet sich vom Schreck, der die seelische Reaktion auf ein
ganz bestimmtes, zeitlich begrenztes kurzes Ereignis ist, auf einen Schock des Gemüts.

Auch mit Furcht hat Angst nichts zu tun. Furcht ist immer auf etwas Bestimmtes bezogen. Man
kann befürchten, braucht aber nicht Angst zu haben. Man kann auch Ehrfurcht vor einer Sache
oder einem Objekt empfinden, ein tiefes Gefühl der Verehrung haben. Darin kommt ein Sich
kleiner Fühlen dem Großen gegenüber zum Ausdruck. Im Seelenvorgang »Ehrfurcht« macht sich
ein dämpfender Einfluß der Scheu auf das Selbstgefühl bemerkbar, ein »frommes Schaudern«.
Es ist das Ergriffensein. Es kann den Lebensprozeß fördern, während Angst ihn in jedem Falle
hemmt.

Angst hat Dauer. Das Gemüt des Menschen kann sich in einem andauernden Zustand der Angst
befinden. Eine ängstliche Stimmung kann das Dasein ergreifen und beherrschen. Angst meint
das Bevorstehende. Sie hebt die willensmäßige und verstandesmäßige Steuerung der
Persönlichkeit auf.
Angst hat mit der Sorge das Gequältsein gemeinsam. Während aber Sorge immer Sorgen um
etwas ist, meint Angst immer etwas Unbestimmtes, Unbestimmbares.

Die in die Zukunft gerichtete Angst erweist sich oft als Folge einer Verirrung des Gewissens. Sie
erzeugt ein allgemeines Gefühl des Unbehagens, das das ins Leere gestürzte Dasein durch
Aberglauben absichern möchte.

Der Ruf des Gewissens


Unter Gewissen wollen wir durchaus im Sinne der Existenzphilosophie die Sorge verstehen, die
den Menschen aus der Verlorenheit an die Welt und damit auch an den Aberglauben zurückruft
in die Ordnung der ethischen Werte. Das Gewissen verschafft unserem Wertgefühl Ordnung. Wir
stellen uns aus innerer Freiheit unter eine Pflicht, um das Dasein nicht nur zu bestehen, sondern
auch, um es im Sinne von Gut und Böse, von Recht und Unrecht zu gestalten.

Allgemein wird das Gewissen als ein Ruf, eine Stimme bezeichnet, die wir aus unserem Innern
vernehmen. Sie wertet unser Handeln als gut oder böse. Im Verlauf der Geschichte hat man
verschieden darüber gedacht. Der Philosoph Max Scheler (1874 - 1928) hat sich dann von der
Phänomenologie her besonders intensiv mit der Gewissensforschung beschäftigt und vor allem
das Schulderlebnis untersucht. Seiner Meinung nach ist das Gewissen unfehlbar. Zum Wesen
des Gewissens gehört das Sichersein um die Schuld. Der Mensch ist häufig
Gewissenstäuschungen ausgesetzt. Überall dort, wo unsere sittliche Erkenntnis oder unsere
menschliche Einsicht mit unseren Wünschen und Bedürfnissen nicht übereinstimmt, kommt es zu
einem Nicht Hören auf den Ruf des Gewissens. Wir versuchen dann, uns selbst zu betrügen, um
der wachsenden Schuld zu entgehen. Aus diesem Grunde denken wir uns immer mehr
Rechtfertigungen aus. Ein sittliches Leben, eine ständige Auseinandersetzung mit dem
Gewissensruf, verfeinert unser Schuldgefühl. Beim Wachsen der Schuld stumpft dann das Gefühl
für ihr Vorhandensein zunehmend ab. Daraus erklärt sich auch die Gewissenlosigkeit etwa bei
vielen Berufsverbrechern.
Jede Schuld aber drängt auf eine Wiederherstellung der verletzten Ordnung. In der Seele des
Menschen wird diese Funktion von der Reue ausgelöst. Reue bewirkt in diesem Sinne
verstanden eine Art Selbstheilung der Seele. Sie hilft, die Schuld aus dem Lebenszentrum der
Person zu entfernen, und wirkt befreiend. Von dieser Fragestellung her gesehen, müssen wir das
Gewissen auch als die Einsicht in das Gute verstehen.

Wir erwähnten schon, welche Rolle das Gewissen in der Existenzphilosophie Martin Heideggers
als Ruf zum Selbstseinkönnen spielt. Doch wird der Ruf nur von dem gehört, der ihn versteht, der
»Gewissen haben will«. Das Gewissen ist somit als Entschlossenheit des Daseins verstanden,
zum »Eigentlich Sein«, zum »Man selbst Sein« zurückzukehren. Heidegger zeigt gerade bei
dieser Argumentation eine große Verwandtschaft mit dem dänischen Philosophen und Theologen
Sören Kierkegaard (1813 bis 1855).

Die Psychoanalyse mit Sigmund Freud (1856 - 1939) hat sich besonders für den Ursprung des
Gewissens interessiert und die Verbindung zur Neurose geschaffen. »Das Gewissen ist die
Wahrnehmung von der Verwerfung in uns bestehender Wunscherfüllung«, formulierte Freud.
Nach seiner Lehre ist das Über Ich im Menschen Träger der moralischen Forderungen und des
Ich Ideals. Es formt sich am Elternbild, da in einer gesunden Familie dem Kind die Eltern als
vollkommene Wesen erscheinen. Erst später löst sich das Elternbild allmählich vom eigenen Ich
Ideal. Es übernimmt dann die Einflüsse der Umwelt im weiteren Sinne. Nun werden die Lehrer,
andere Autoritäten oder auch Wirkungsbereiche der Kultur zu Vorbildern. So wächst das
unpersönlich gewordene Ich zum allgemeinen Gewissen heran. je stärker die Bindung an die
Eltern war und je schneller unter dem Einfluß elterlicher Autorität die Verdrängung erfolgte, um so
strenger pflegt nach psychoanalytischer Auffassung das Über Ich als Gewissen über das Ich zu
herrschen.

Ein strenges Über Ich kann aber auch von den Eltern auf die Kinder übertragen werden. Wenn es
gar zu streng ist oder aus anderen Gründen mit den übrigen seelischen Instanzen nicht
harmoniert, entsteht eine anpassungsbehinderte Haltung der Außenwelt gegenüber. Es kommt
zu Triebhemmungen, zu Triebangst und zu Schuldgefühlen, die das Wunscherleben unseres Ich
entmutigen. Das Ich schafft sich gern Abwehrmechanismen gegen einen Einbruch der
Schuldgefühle, es verdrängt das Gewissen. Das ist eine von vielen möglichen Formen der
krankhaften Verirrung. Die betroffene Person wird dadurch für den Aberglauben anfällig. Die
abergläubische Haltung bietet einen Ausweg.

Oft versucht daher der Mensch mit seinem Gewissen und den von ihm diktierten Schuldgefühlen
dadurch fertig zu werden, daß er sie auf seine Umwelt projiziert. Er sucht sich ein Opfer und
erklärt es zum Sündenbock, um dadurch das eigene Gewissen zu beschwichtigen. Die eigenen
Schwierigkeiten werden auf dieses Opfer übertragen, es wird dafür verurteilt.

Solche Verirrungen gruppieren sich in der Regel um Zwangsneurosen als verdrängte sündhafte
Wünsche und um die Melancholie als krankhafte Antwort auf den Verlust eines geliebten
Objektes. Freud und seine Schule haben nachgewiesen und das sollte im Hinblick auf eine
Deutung des Aberglaubens vor allem beachtet werden , daß alle Ich Abwehrmechanismen
gegen Schuldgefühle, ganz gleich, wo und wie sie auftreten, krankhafte neurotische
Verhaltensweisen der Person zur Folge haben.

Während wir bei einem zu starken Über Ich Ich Abwehrmechanismen gegen das Gewissen
schaffen und damit das innere Gleichgewicht verlieren, verfallen wir bei einem zu schwach
ausgeprägten Über Ich leicht der Verwahrlosung und der Kriminalität. Psychoanalytisch
betrachtet ist Schuld also ein krankhaftes Phänomen, das die Entwicklung des Ich behindert, da
es seine Wünsche beschneidet.
Schuldgefühle müssen zutage treten, wenn ein Zurückbleiben hinter den Forderungen der
Freiheit, der Liebe, der Wahrhaftigkeit und der Opferbereitschaft vermieden werden soll. Sie
führen den Menschen zu sich selbst, in seinen Mittelpunkt zurück.
Aberglaube und Fehlleistung
Als einen weiteren Gradmesser für die Beschaffenheit des inneren Menschen in unserer Zeit
können die sich immer mehr ausbreitenden Fehlleistungen angesehen werden. Auch sie hängen
mit der Problematik »Gewissen Verdrängung« und mit der neurotischen Grundstruktur des
abergläubischen Menschen zusammen.

Wenn sich jemand verspricht, wenn er etwas vergißt, etwas verliert, sich verschreibt, sich verliest,
sich vergreift oder etwas unbeabsichtigt beschädigt, sagen wir, er hätte eine Fehlleistung
begangen. Und wem passiert so etwas wohl nicht täglich? Was ist eine Fehlleistung?

Die Tiefenpsychologie würde antworten, daß es sich dabei um Störungen oder Abweichungen im
Vollzug an sich fehlerfrei durchführbarer Leistungen handelt. Solche Störungen können durch
Abgelenktheit, Ermüdung oder Erregtheit eintreten, aber auch durch den Einfluß störender
unbewußter Vorstellungen. Meistens stehen unbewußte Vorstellungen dahinter, die sich als
Zwangsvorstellungen bemerkbar machen.
Bei der Ermüdung handelt es sich um einen rein funktionellen physiologischen Vorgang. Ein
gutes Beispiel dafür ist etwa das Zigarettenrauchen. Ein starker Raucher, der sich das Rauchen
abgewöhnen will, scheitert oft daran, daß er in Augenblicken nachlassender
Bewußtseinsspannung dem eingeübten Automatismus nachgibt: Griff nach der Zigarette.

Jede Handlung beruht bekanntlich auf einer Verbindung von bewußter Absicht und
ausführendem Akt. Unser Bewußtsein handelt nicht selbst, es entwirft nur das Handlungsziel. Die
eigentliche Handlung wird automatisch durch körperliche Vorgänge ausgeführt. Es genügt
meistens ein Bewußtseinsimpuls, um eine entsprechende Handlung auszulösen. Es genügt zu
wissen, was wir schreiben wollen. Das Schreiben selbst ist ein automatischer Prozeß, aufgebaut
auf einem bestimmten eingelernten Rhythmus. Bei Übermüdung und Überanstrengung ist die
Leistungsfähigkeit herabgesetzt, so daß dann, wenn der automatische Prozeß einem allzu
großen Tempo der Bewußtseinsimpulse ausgesetzt wird, Störungen in Form von Kreuzungen
oder Hemmungen auftreten können. Dieser physiologische Teil der Fehlleistungen interessiert für
unsere Fragestellung nicht. Für ein angemesseneres Verständnis des Aberglaubens als
seelischem Vorgang ist der tiefenpsychologische Aspekt der Fehlleistung aufschlußreich, den wir
kritisch beachten müssen.

Fehlleistungen spielen sich zwar bei vollem Bewußtsein ab, können von diesem aber nicht
gesteuert werden. Es sind unnormale, krankhafte Leistungen. Bei jeder Fehlleistung ist uns etwas
mißlungen. Unsere Handlung war falsch gesteuert und ist einen verkehrten Weg gegangen. Wie
beim Aberglauben, der sich der Wahrheit verschließt oder als Folge einer Störung im Bereich des
Glaubens zustande kommt, ist die Fehlleistung ein Irrtum des Bewußtseins.

Irgendwelche seelischen Kräfte wirken dem Bewußtsein entgegen. Der Mensch trägt einen
Gegensatz in sich, der die Fehlleistung erzwingt. Sie erscheint nicht zufällig auf der Bildfläche
unserer Person, sondern wird von seelischen Kräften gesteuert, die sich gegen unser
Bewußtsein, gegen unser Ich, gegen unsere Vernunft richten.

In der Fehlleistung als aktivem Vorgang überschneidet sich ein unbewußter, unwillkürlicher
Vorgang mit einem bewußten, willensmäßigen. Ein Redner eröffnet etwa eine Versammlung mit
den Worten: » Ich erkläre die Sitzung für geschlossen. « In der passiven Fehlhaltung sperrt ein
unbewußter unwillkürlicher Vorgang den bewußten willensmäßigen. Wir können uns an einen
bestimmten Namen nicht erinnern, obwohl er uns auf der Zunge brennt.

Schon Sigmund Freud erkannte in der Fehlhandlung ein neurotisches Phänomen. Wenn wir
bedenken, daß C. G. Jung die Neurose als ein Stoppzeichen vor einem falschen Weg und einen
Mahnruf zum persönlichen Heilungsprozeß bezeichnet hat, wird die Beziehung der Fehlleistung
und Fehlhandlung zum Aberglauben deutlich.
Fehlleistung und Fehlhandlung als Irrtümer des Bewußtseins und Aberglaube als Verirrung des
Glaubens, des Gewissens und als Religionsersatz haben mit unbewußten Kräften zu tun.
Psychologisch betrachtet dürfte es sich um abgespaltene und unbewältigte seelische Energien
handeln, die, statt dem Gesamthaushalt der Person zu dienen, ein Eigenleben gegen das
Bewußtsein, gegen die Vernunft und gegen das Gewissen als Kontrollinstanz führen.

Der Aberglaube kann auch als Phänomen Fehlhandlungen der Person fördern, wenn man
darunter im Sinne der Forschungen von J. H. Schultz seelische funktionelle Fehlhaltungen
versteht. Gemeint sind Fehlreaktionen des beseelten Organismus, bei deren Entstehung und
Fortdauer seelisch nervöse Faktoren eine groge Rolle spielen. Je größer die Störung, um so
tiefer reicht sie ins Unbewußte. Die Neurose ist stereotyp. Sie neigt zur Zwangswiederholung, ist
dem Erleben fremd und der Bewußtseinsverantwortung entzogen. Als mißglückte
Lebensbewältigung zeigt sie im Äußeren einen lebenswidrigen Scheinsinn, birgt aber im Innern
eine Tendenz zur Heilung, was beim Aberglauben der Rückkehr des verirrten Glaubens unter die
Kontrolle des gesund funktionierenden Gewissens entsprechen würde.

Gefährdung des Menschen


Kehren wir zurück zum Menschen der Gegenwart, zu uns. Wir haben unsere innere Geschichte
betrachtet, um dadurch ein besseres Verständnis für unser aktuelles Dasein zu gewinnen. Was
ist dieses Dasein, wenn man es sozialpsychologisch sieht? Wir müssen da gleich mit einer
Menge pessimistisch klingender, aber durchaus nicht pessimistisch, sondern analytisch zu
verstehender Grundfeststellungen beginnen.

Pessimismus ist eine Schwarzseherei, die letzten Endes das menschliche Dasein für sinnlos hält.
Der Optimismus hofft immer auf einen guten Ausgang und hält unsere Welt für die beste aller
Welten, Eine psychologische Analyse der Tatsachen und Geschehnisse ist wertfrei. Sie zeigt den
Zusammenhang der Dinge ohne Gemütsstimmungen.

Der Mensch von heute ist durch die Form seines Daseins gefährdet. Wir wurden zum Glied eines
riesigen Apparates, den der Existenzphilosoph Karl Jaspers so treffend den Apparat der Daseins
und Massenfürsorge genannt hat. Er droht die uns angestammte innere und gewohnte
Daseinswelt, unsere Freiheit und Humanität zu zerstören, denn wir sind als freie Persönlichkeit
durch die Herrschaft der Masse und in unserer individuellen Eigenart durch die um sich greifende
Gleichschaltung, Nivellierung und Typisierung gefährdet. Unser Selbstgefühl ist in Gefahr, weil
trotz aller sozialen Daseinsordnung und der zahlreichen Sicherheiten, die wir uns schon mit den
Lebensversicherungen und Geldrücklagen schaffen, das Gefühl der Angst vor einem
Bedroht¬sein wächst. Das ist keine lebensfremde Meinung, sondern eine Erfahrungstatsache,
die medizinisch und statistisch in allen Kulturländern der Erde nachgewiesen ist. Das Ziel des
Lebens, um das es sich zu leben lohnt, wird vielen von uns immer undeutlicher.

Wir sind auch in unserem leiblichen Dasein als Glied der Familie gefährdet, da die moderne
Rationalisierung auch vor der Ehe und dem Sexualleben nicht zurückschreckt. Die
Tiefenpsychologie hat so viel an Komplexen, Neurosen, Trieben und Minderwertigkeiten
schonungslos enthüllt, daß den feinfühlenden Menschen nur noch ein Schauder über das eigene
Innere und über die Entweihung der letzten Oasen des Intimen überkommen kann.

Wir sind aber auch als geistige Menschen gefährdet, wenn man bedenkt, wieviel an moderner
Sophistik in unsere Umgangssprache einbricht. Wir betreiben fortgesetzt eine Verschleierung und
Unehrlichkeit, wir würdigen den Geist zum bloßen Mittel der Propaganda im Dienste des rein
Nützlichen und des egoistischen Fortkommens herab. Unsere heutige Welt der Technik zwingt
alles, ihr zu dienen. Wir werden zum Mittel und denken statt in Qualität in Quantität. Wie sollen
wir uns in einer Welt heimisch fühlen, die keinen anderen Sinn anerkennt als das
Nützlichkeitsstreben brutaler Ellbogenfreiheit. Unsere moralischen, ethischen und geistigen
Werte werden nicht mehr als einmalig empfunden. Wir glauben nicht mehr daran, daß sie mit
dem einen Menschen oder Erleben unverkennbar und unverwechselbar geboren wurden und mit
ihm zugrunde gehen. Wir bevorzugen nur noch Zweckwerte, die wir beliebig von einem
Menschen auf einen anderen oder auch auf eine Sache übertragen können.

Zu den Gefährdungen des Menschen in unserer Zeit kommt zu allem Unglück das Überschütten
der Bevölkerung mit abergläubischer Schmutz und Schundliteratur verschiedener Art. Ganze
Industrien sind heute tätig, um das abergläubische Bedürfnis zu befriedigen, aber auch, um
Leichtgläubige zu verführen. Und hierin liegt die Gefahr. Leichtgläubigkeit an sich ist noch kein
Aberglaube. Sie fördert ihn aber und kann zur Wegbereiterin werden.

Der Mensch und die Lieblosigkeit


Der in Amerika praktizierende Psychotherapeut Clemens E. Benda hat unsere Gegenwart »das
Zeitalter der Lieblosigkeit« genannt.

Der moderne Mensch spürt, daß ihn sein Wissen und die besonderen technisierten Formen
unseres Daseins um den Glauben gebracht haben. Er verfällt einer »Luxusverwahrlosung«, wenn
man darunter die gesundheitsschädigenden Auswirkungen des technischen Komforts versteht,
der die natürliche Lebensweise nachteilig verändert? Darüber gibt es zahlreiche Untersuchungen,
vor allem von seiten der Soziologie.

Wir haben Jahrhundertelang einer Entwicklung gedient, die uns die perfekte Maschine brachte,
uns aber zugleich zu den Maschinen gemacht hat, die wir täglich erfinden. Nun müssen wir
schmerzlich erkennen, daß die menschlichen Beziehungen nicht von der Verstandeslogik
geregelt werden, sondern vom Herzen und von der Seele.

Benda sagt treffend, Lieblosigkeit sei mehr als nur Verlust der Liebe. Er definiert diesen Begriff
als positiven Zustand der Gefühlskälte und der Rücksichtslosigkeit, der Feindseligkeit und des
Argwohns. Auch diese Atmosphäre ist ein günstiges Sprungbrett in den Aberglauben hinein. Der
einzelne sucht wenigstens sein eigenes Glück zu sichern, um in der kalten Umwelt eine Zuflucht
zu finden. Er glaubt an allerlei Hokuspokus als einen Kompaß, der ihn ganz persönlich vor
Bösem warnt und ihn mit seinen guten Voraussagen innerlich wärmt. Er findet etwa im
Spiritismus eine seinen menschlichen Wünschen entsprechende Ersatzreligion und verfällt den
Mitteln der Quacksalberei, um jung, schön und begehrenswert zu bleiben. Dahinter steht oft die
große Einsamkeit, die nach Geborgenheit und Liebe schreit.

Unsere geistige Situation


Die geistige Situation unserer Zeit ist wiederholt und immer wieder anders gedeutet worden. In
einem Punkt sind sich jedoch alle Kritiker einig. Sie werfen unserer Epoche zunehmenden
Autoritätsverlust vor.

Was ist Autorität? Man besitzt sie nie für sich selbst, sondern immer für andere. Sie bedeutet eine
Beziehung zu anderen Menschen, in denen die Autorität ihr Ziel hat. Sie kann dem einzelnen, der
ihr Träger ist, Würde geben. Sie bleibt aber auch dort bestehen, wo ihr diese Würde fehlt, mit der
sie verbunden sein sollte.

Wo der Autorität Würde fehlt, scheint sie uns eine rein äußere Macht zu sein oder rohe Gewalt.
Und doch müssen wir scharf zwischen Machtstellung und Autorität unterscheiden. Wenn man mit
ihrer Hilfe Gehorsam erzwingt oder wo sie dem persönlichen Vorteil des Übergeordneten in
seinem Verhältnis zum Untergeordneten dient, ist sie ein reines Instrument der Macht. Wo sich
die Persönlichkeit einer sittlichen Haltung und Ordnung verbunden weiß, bleibt sie auch dann
noch Autorität, wenn ihr ihre äußere Macht genommen wird. Das Sittengesetz in Würde und
Ordnung verwirklichen, durch höhere innere Ordnung zum Sachwalter der menschlichen
Ordnung werden heißt Autorität als inneren Besitz gewinnen. Sie wird in ihrer Kraft durch die
Einschränkung auf einen bestimmten Amtsbereich oder auf Teilgebiete nicht gemindert. Sie
überzeugt durch Wahrhaftigkeit.

Was sollen aber die Menschen unserer Tage, insbesondere die Jugendlichen, von der Autorität
halten, wenn das, was sie jetzt verkündet, morgen schon unwahr geworden ist oder widerrufen
wird? Wenn das, woran ich glaube, in Frage gestellt wird, verfalle ich einem Aberglauben, einem
Ersatz.

Welche Therapie ist zu empfehlen? Es wäre zugleich eine Therapie des Aberglaubens. Die
Tiefenpsychologie hat die Antwort bereits gegeben. Bei allem, was wir Menschen tun, sollten wir
mit dem Urgrund, aus dem heraus wir es tun, verbunden sein. Von diesem Urgrund nimmt alle
Erneuerung ihren Ausgang.

Kräfte der Umwelt


Der Mensch ist als Persönlichkeit für das verantwortlich, was er glaubt oder ablehnt. Uns können
aber auch Glaubensformen wie Fehlhaltungen und Neurosen von der Umwelt zugefügt werden.
Unsere Haltung wird mitbestimmt von frühkindlichen Einflüssen der Umgebung, von der Art der
außerfamiliären Erziehung mit ihren Problemen, von der Arbeitswelt, in die wir eingefügt sind.
Viele Quellen können zusammenwirken und Charakteranomalien hervorrufen, die eine
abergläubische Haltung begünstigen. Sie können mit unangepaßten mitmenschlichen
Beziehungen, mit einem belastenden Betriebsklima oder auch mit falschem Arbeitseinsatz zu tun
haben. In allen Fällen liegt ein Mißverhältnis zur Um und Mitwelt vor, das eine seelisch
krankhafte, also neurotische Haltung zur Folge hat.

Viele Handlungen des Menschen werden von sogenannten Massenpsychologie beeinflußt. Wo


gemeinsame soziale, ideologische oder durch Not und Erregung gezeichnete Voraussetzungen
zur Aktivierung der niederen Schichten im Menschen, der Triebe, Affekte und Instinkte führen,
entsteht nach Auffassung der Massenpsychologie der hypnoseähnliche Vorgang der
Massenpsychosen. Wenn die Unzufriedenheit und Erregbarkeit der Masse einen bestimmten
Grad erreicht hat, gehorcht sie blindlings einem Anführer.

Eckart Wiesenhütter hat den Fall eines Geistlichen untersucht, der im Dritten Reich nach
reiflicher Abwägung der Vor- und Nachteile zu einer Ablehnung Hitlers gekommen war. »Als
Mensch, der alles gründlich zu tun oder zu erledigen bemüht war, nahm er sich vor, Hitler auch
von Angesicht zu Angesicht zu sehen und zu beurteilen. Die Gelegenheit bot sich bei einer
Massenversammlung. In dieser wuchs seine Abneigung gegen die Theatralik, die billige
Argumentation und Massensuggestion Hitlers ganz enorm. Zu seinem großen Erstaunen
verhinderte diese Abneigung keineswegs, daß er in der zweiten Hälfte der Rede, von den
Massen mitgerissen, auch >Heil< und >Bravo< brüllte und mitklatschte. Er konzentrierte seinen
Willen darauf, sich diesem Zwang zu entziehen, jedoch umsonst. Noch nach Wochen mußte er
über sich und sein Verhalten den Kopf schütteln und konsultierte einen Psychiater, um eine
Erklärung zu erhalten. Dieser versäumte nicht, in den Träumen nachzuforschen, ob vielleicht der
bewußten Ablehnung eine um so stärkere unterbewußte Befürwortung und Erhöhung Hitlers
entspräche, was dann die Reaktion erklären könnte. Die Nachforschungen blieben vergeblich.
Der Geistliche war auch kein Fanatiker, kein Streiter wider Hitler. Seinem abwägenden und
humorvollen Wesen entsprechend war er vielmehr geneigt, jedem Menschen irgendwie gerecht
zu werden, auch den Abgelehnten als Kind und Geschöpf Gottes zu betrachten, das einen Sinn
im Leben zu erfüllen habe.«

Die Forschung ist sich darüber einig, daß ein Mensch in seiner Ganzheit trotz individueller
Neigungen ein soziales Wesen ist und bleibt, daß er von Störungen, Tendenzen, Anschauungen
beeinflußt wird, die er in ihren Bestandteilen und Ursprüngen weder übersieht noch sich bewußt
machen kann. Von der Masse ist er immer nur in Teilaspekten seiner Person isolierbar. Schon
Sprache, Kultur, Wirtschaft und Politik sind solche allgemeinen Verbindungen. Deshalb sprechen
wir vom Menschen der Gotik, der Renaissance, des Barock, der Moderne. In jedem Kollektiv oder
jeder Sozietät gibt es Dinge, die über den einzelnen hinausgehen und ihn regieren, auch wenn er
sich anders entscheiden möchte. Der westliche Mensch neigt wesentlich zur Isolierung und
Individualisierung. Er kann Fehlhaltungen im Kollektiv entgehen und damit Neurosen vermeiden,
wenn er sich ein festes Ordnungssystem schafft. Der östliche Mensch geht viel mehr im Kollektiv
auf. Ihm erwachsen daraus Nöte, die immer stärker nach individualisierung und Isolierung rufen.
Heute werden von der sozialen Umwelt des Menschen sein Geist, seine persönliche
Verantwortung, seine individuelle Lebensplanung kollektiviert. Der Kultursoziologe Hans Freyer
hat in seinen Untersuchungen wiederholt darauf hingewiesen, daß der heutige Mensch einem
Kleinbetrieb in der Familie einen anonymen Arbeitsplatz in der Fabrik vorzieht, Er lägt sich gern
bis in seinen Lebensstandard hinein verwalten und nimmt auf dem Weg des leichtesten
Widerstandes die Nöte, die Hysterie und die Zerrissenheit der Masse in sich auf. Er ist seelischen
Erkrankungen von außen, Sozialneurosen ausgesetzt, zu denen der Begründer der
Logotherapie, Viktor E. Frankl, auch die provisorische Daseinshaltung, die fatalistische
Lebenseinstellung und das kollektivistische Denken zählt. Viele leben in einer
Atomkriegserwartung. Andere lassen sich bequem schieben, sind lieber untergeordnet als selbst
verantwortlich und übertragen alle Schuld auf die allgemeine Wirtschaftslage oder die Politik. Das
wirtschaftliche, politische, militärische, kulturelle oder religiöse Gebiet kann Fehlhaltungen,
Spannungen, Störungen, Entgleisungen in Form von Kollektivneurosen oder Sozialneurosen in
das Leben des einzelnen hineinprojizieren und ihm damit den Weg in den Aberglauben ebnen.

Der entwurzelte Mensch


Nach dem Zusammenbruch von 1945 spielte die Fehlhaltung durch Entwurzelung eine große
Rolle, die bei Millionen von Menschen in der Bundesrepublik noch nicht überwunden ist.

Hierzu ein therapeutisch untersuchter Fall, den uns Eckart Wiesenhütter berichtet:
Ein Graf mußte in seinen besten Jahren seine ausgedehnten Besitzungen im Osten 1945
verlassen. »Er war ein sehr gesunder, sportlicher, erfolgreicher Mann, war im Krieg in wenigen
Jahren zum Oberstleutnant d.R. aufgestiegen und hatte alle Strapazen des Krieges,
Verwundungen und Wechselfälle des Lebens gut überstanden. Sein gesunder Instinkt hatte ihn
dazu geführt, entgegen dem Rat und der Tradition der Familie eine bürgerliche Frau zu heiraten.
Nun nach der Flucht mußte er mit drei Kindern nach Jahren einer bedrückenden Existenz in
einem Flüchtlingslager in eine Zweizimmerwohnung eines Flüchtlingswohnblocks umziehen und
verdiente sein Brot durch eine Bürotätigkeit. Nach außen und in seiner Haltung blieb er gerade,
offen, umgänglich, freundlich. Aber die Enge und die Subalternität ließen ihn doch innerlich keine
Verwurzelung in dem neuen Leben finden. Immer wieder explodierte er in unkontrollierten
Affektentladungen daheim, die sogar einige Male dazu führten, daß er für wenige Tage in eine
Heil und Pflegeanstalt eingeliefert werden mußte, bis die Tobsucht abgeklungen war. Bald kam
ein labiler Hochdruck hinzu, und noch nicht 45jährig starb er an einem Schlaganfall. Die Ehefrau
wies alle Zeichen einer Neurasthenie auf, die sich erst nach dem Kriegsende entwickelt hatte.
Auch die Kinder zeigten psychische Beeinträchtigungen. Der älteste Sohn kämpfte mit
unbewußten und teils bewußten Haß und Racheimpulsen gegen den Vater, die ihn trotz guter
Begabung in der Schule scheitern ließen. Die zweite Tochter war ein höchst sensibles, blasses,
kränkliches, eingeschüchtertes Wesen von hoher Intelligenz, die aber nicht die geringste
Durchsetzungskraft in der Schule und im Leben aufwies; die kleinste Schwester ging den Weg
einer über die Grenzen von Moralität und guter Erziehung hinausgehenden Raffinesse und
Schmeichelhaftigkeit. Die ganze Familie kann so typisch für eine Abstiegsneurose, vor allem
beim Vater und von diesem ausgehend, angesehen werden. Er konnte die Entwurzelung
innerlich nicht überwinden.«

Die Frage muß immer wieder lauten: Wo sind die Wurzeln des Aberglaubens, die ihn zu allen
Zeiten und bei allen Völkern auf den verschiedensten Zivilisationsstufen trotz aller Aufklärung
wuchern lassen? Unser Graf ging zugrunde, weil er mit seiner Neurose der Entwurzelung und
seinem »affektiven Feld« nicht fertig wurde. Hätte er bei weniger bekenntnishafter Ehrlichkeit
seine innere Ausweglosigkeit durch eine Ersatzbefriedigung zu lindern vermocht? Wo in
ähnlichen Fällen eine solche wesensfremde Situation auf dem Wege der Ersatzbefriedigung
angenommen wurde nach 1945 wurden Tausende solcher Fälle untersucht , zeigten sich bald
kompensatorische Bestrebungen. Seelisch geistige Kompensationen dieses Ursprungs sind zwar
noch kein Aberglaube. Sie schaffen aber eine innere Voraussetzung dafür. Sie schaffen sie sogar
bei den übrigen Familienmitgliedern. Und das ist das Wesentliche an unserer Fragestellung und
an unserem Problem.
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß jeder Mensch, vor allem aber der seelisch Kranke,
der Neurotiker, in der Spannung zwischen individuellem und sozialem Dasein steht. Er kann, je
nach Veranlagung, in seinem Kollektiv untertauchen oder sich ihm weitmöglichst entziehen. Viele
seiner Krankheitsursachen müssen im Verhalten des Kollektivs gesucht werden. Wie der
einzelne seine Störungen und Neurosen in die Kollektivvorgänge hineingibt, so nimmt er an
diesem Kollektiv als Summe menschheitsgeschichtlicher und individueller Prozesse teil. Die
Psychotherapie hat hierzu den generellen Satz formuliert:
»Die Neurosen der Einzelmenschen und Gruppen stehen in Wechselbeziehung zu jeweils
übergeordneten gesamtgesellschaftlichen Reaktionen, Wandlungen und Krisen.«

Daraus ergibt sich eine gegenseitige Verantwortung. Die Seelenwissenschaft ist sich darüber
einig, daß bei einem Nachlassen der kulturellen und religiösen Bindungen das Kollektiv zum
Anlaß von Fehlhaltungen und Neurosen wird, die die Anfälligkeit ebenso für den Aberglauben wie
für Asozialität, Kriminalität, Prostitution, Selbstmord und Alkoholismus fördern. Von der Umwelt
her gesehen ist Aberglaube heute vielfach als ein Prozeß der Entwurzelung und der
Heimatlosigkeit zu verstehen. Enttäuschungen im Kollektiv werfen den Menschen auf sich selbst
zurück. Darauf folgt Vereinsamung und Isolierung, die ihn wieder in das Kollektiv zurücktreiben,
diesmal in die Anonymität des Kollektivs, die sich mit Vorliebe dunkler Wege und Hintertüren
bedient.

Aber auch hier folgt die Therapie auf dem Fuße. Wenn der Mensch mit metaphysischer
Blickrichtung begreift, daß eine restlose Verwurzelung in einer auf ständigen Fortgang bedachten
Welt doch nicht möglich ist und daß es auf ein über das Dasein hinaus Wachsen ankommt,
werden in ihm auch gegen den Aberglauben abwehrende Mechanismen wachsen.

Aberglaube und Wissenschaft


Im Verlauf der bisherigen Betrachtungen ist wiederholt die Frage angeklungen, welche Rolle die
Wissenschaft bei der Eindämmung des Aberglaubens spielt beziehungsweise spielen kann. Man
hat uns gelehrt, insbesondere von den Naturwissenschaften eine Klärung unserer Zukunftsfragen
und Welträtsel zu erhoffen. Kann die Wissenschaft ein wirkungsvoller Bundesgenosse bei der
Bekämpfung des Aberglaubens sein?

Soweit sie Naturwissenschaft ist, ordnet sie die Wirklichkeit nach den Gesetzen der Logik. Sie hat
unser Dasein vom Staubsauger bis zum Düsenflugzeug, von der Rechenmaschine bis zur
Mondrakete perfektioniert. Aber sie gewinnt ihre Erkenntnisse immer nur am Wirklichen. Sie
berührt nirgends das Wirkliche selbst, das Wesen. Ihre Methode ist die des Erklärens, der
Unterscheidung, der Ordnung, der Systematisierung, der Zahl, des Maßes, der Quantität. Sie ist
eine Folge der menschlichen Vernunft, die in Ursache und Wirkung denkt.

Aberglaube aber hat mit der Seele und mit dem besonderen Grund der Seele zu tun. Am
zweckmäßigsten wird er von der Neurose her zugänglich, worunter wir in diesem
Zusammenhang funktionell auftretende Seelenkrankheiten mit körperlich krankhaften
Folgeerscheinungen ohne nachweisbare organische Veränderung verstehen.

Die Naturwissenschaft hilft uns mit ihren Methoden, den Aberglauben zu erfassen und seine
Wirkungsstätten abzugrenzen. Sie bekämpft die Rückständigkeit unserer rationalen Welt. Wenn
heute jemand zum Beispiel in der Wissenschaft überwundene Anschauungen vertreten würde,
wäre er rückständig, nicht abergläubisch. Und wenn jemand falsche Behauptungen aufstellt, weil
er die richtigen Bedingungen nicht kennt, handelt er nicht abergläubisch, sondern in Unkenntnis.

Im Gegensatz zu den Naturwissenschaften sind die Seelenwissenschaften mit der Methode des
Verstehens vertraut. Es ist ein großer Unterschied, ob ich einen Vorgang erklären oder verstehen
möchte. Wenn ich erkläre, leite ich immer von einem vorhandenen Prinzip ab, Wenn ich verstehe,
suche ich den Sinn und die Bedeutung. Ich möchte den Sachverhalt nicht nur von außen
erfassen, sondern auch in seinem Innern, nicht nur in seinem Was, sondern auch in seinem Wie
und in seinem Warum.
Julius von Negerlein hat in seiner »Weltgeschichte des Aberglaubens« zu der Problematik
Aberglaube und wissenschaftliches Denken den sehr treffenden Ausspruch getan:
»Man lacht ihn aus, und doch steht die ganze Welt unter seinem Bann. Man glaubt ihn klein, und
doch bezwingt er die Größten; altersschwach, und doch altert und stirbt er nicht; dumm, und doch
meistert er die Klügsten. Man meint, sich seiner entschlagen zu können, wenn man den Boden
verläßt, den er besitzt; aber, wie das unheimliche Männchen der deutschen Sage, hockt er schon
auf dem Pfahl, der die neue Hütte trägt. Er reitet auf dem Rücken Unzähliger; sie fühlen sich
unfrei und wissen nicht, weshalb. Deshalb muß es die Aufgabe der Wissenschaft sein, seine
Spuren, wo nicht ihn selbst, zu erkennen. Wer ihn zu beseitigen imstande wäre, würde
unermeßliche Kräftemengen für die Zwecke des sittlichen Schaffens auf dieser Welt auslösen
können.«

Aberglaube und Geisteskrankheiten


In diesem Zusammenhang verdient jener Zweig der medizinischen Forschung besondere
Beachtung, der sich mit der Heilung von Geisteskranken befaßt, die Psychiatrie. Sie hat zum
Problem des Aberglaubens einen besonderen Zugang erarbeitet und muß ihm auch praktisch
gewachsen sein, wenn es darum geht, vor Gericht ein entsprechendes Gutachten abzugeben. Es
handelt sich um die Veranlagung der Eidetik. Die darauf aufgebaute Methode ist die wichtigste,
mit der in der Psychiatrie Aberglaube untersucht wird.

Psychiatrisch gesehen ist Aberglaube nicht generell mit seelischer Erkrankung gleichzusetzen. Er
gehört nach Konrad Zucker zu den Möglichkeiten des Erlebens eines jeden Menschen. Es gibt
aber innerhalb der Psychiatrie zahlreiche Erkrankungen des Geistes mit inneren Erlebnissen, die
zu abergläubisch anmutenden Verhaltensweisen führen. Es wird von Fällen berichtet, wo etwa
ein Patient versichert, durch seine Nachbarn unheilvoll beeinflußt zu werden. Ein anderer
zelebriert ein eigenartiges magisches Ritual, geht nur links um den Tisch herum, weil
rechtsherum für ihn Unheil bedeutet. Ein dritter ist überzeugt, daß der an der Wand entdeckte
Fleck den Tod seiner Frau bedeutet. Manche Patienten glauben, vom Teufel besessen zu sein
oder radarüberwacht zu werden. Der Kieler Psychiater Heinz Völkel meint dazu, wenn ein Patient
die normalerweise als frei erlebte Fähigkeit besitzt, den vorgestellten Gegenstand des Fühlens,
des Wertens, des Wollens geistig zu ergreifen, und daran scheitert, dann gerät er in einen
Zustand qualvoller Ratlosigkeit. Sie suggeriert ihm die wahrhafte Erklärung, seine Gedanken
würden von anderen Menschen oder bösen Geistern beeinflußt. Die Ursache der Störung wird
durch eine plausibel gemachte Begründung nach außen verlegt. Die außen objektivierte innere
Not wird dann als real vorhanden angesehen.

Neben diesen Fällen, wo ja nur abergläubische Inhalte durch einen geisteskranken Menschen
übernommen werden, treten höchst beachtliche Phänomene auf. Bei manchen Formen von
Bewußtseinsspaltung (Schizophrenie) und auch neurotischen Störungen im Sinne unserer
vorhergegangenen Ausführungen ist ein Aberglaube zu beobachten, der keinerlei Verbindung mit
der dem Kranken bekannten abergläubischen Tradition hat.

Aus einem Vortrag Heinz Völkels zitieren wir den folgenden Fall: »Ein 24jähriger Student, der an
einer Schizophrenie erkrankt war, hörte eines Morgens im Waschraum, wie das Wort >Ekel<
ausgesprochen wurde. Dieses Wort war in irgendeinem harmlosen Zusammenhang gefallen und
hatte gar nicht ihm gegolten, wurde jedoch von ihm als ganz persönliche Bedrohung im
magischen Sinne eines Wortzaubers erlebt. Er geriet in einen Zustand ratloser Verwirrung, lief
einige Stunden unstet umher und machte sich dann daran, einen Gegenzauber zu organisieren,
um dem Wort, das er offensichtlich als ihm anhaftend erlebte, seine unheilvolle Wirkung zu
nehmen. Er hockte in einer Zimmerecke nieder, legte das Wort >Ekel< in Streichhölzern auf den
Fußboden, betrachtete es eine Weile nachdenklich und wirbelte dann die Hölzer in einem wilden
Affektsturm durcheinander. Von diesem Augenblick an war die Sache für ihn erledigt.«

Dieses Beispiel zeigt, wie leicht bei einer seelisch geistigen Störung die in jedem Menschen
ruhende magische Bereitschaft durchbrechen und die Herrschaft an sich reißen kann. Es ist auch
beobachtet worden, daß nach Abklingen der Defektzustände häufig die abergläubische Haltung
bestehenbleibt und zur Grundlage der eigenen Überzeugungen gemacht wird. Typen dieser Art
finden sich gelegentlich unter Wunderdoktoren, religiösen Schwarmgeistern und Sektengründern.

Visionäre Erlebnisse, Gespenstererscheinungen und auch das »Zweite Gesicht« erklärt die
Psychiatrie mit den eidetischen Veranlagungen des Menschen. E. R. Jaensch, der diese
Erscheinung beschrieben und als erster für die Psychologie fruchtbar gemacht hat, verstand
darunter die Fähigkeit, ein dargebotenes Bild auch später nicht nur als Vorstellung, sondern
leibhaftig und anschaulich zu reproduzieren. Es kann empfindungstreu wiedergegeben werden.
Dabei kann es sich um Gesehenes, Gehörtes oder auch um Tasterlebnisse handeln. Diese nicht
gerade häufige Fähigkeit verliert sich in der Regel mit zunehmendem Alter. Solche subjektiven
Anschauungsbilder, die den Charakter realer Wahrnehmungen können auch eine Verbindung mit
affektbesetzten Antrieben mit Wünschen und Befürchtungen eingehen.

Mit Vorsicht erwähnen wir in diesem Zusammenhang die Untersuchungen von K. Schmeing, der
in dreißigjähriger Arbeit im deutschen Raum über hundert »Spökenkieker« psychologisch
untersucht hat. Die Ergebnisse veröffentlichte er 1954 in seinem Buch Seher und Seherglaube.
Danach sind diese Seher ausnahmslos eidetisch veranlagt. Wenn wir den von der
Parapsychologie inzwischen beanstandeten Untersuchungen Schmeings folgen dürfen, formt die
gesteigerte visuelle Vorstellungskraft in Situationen besonderer Erwartungsspannung unter dem
Gestaltungsdruck von mächtigen Emotionen die visionären Erlebnisse. Heinz Völkel merkt hierzu
an, vorausgesehen wurde nur, was irgendwie auch vorauszusehen war. Wesentliche Ereignisse,
wie die Räumung ganzer Dörfer während des letzten Krieges, sind in den Vorschauerlebnissen
überhaupt nicht enthalten.

Zwangsneurosen und Aberglaube


Wo Zwangsneurosen auftreten, die den Menschen zwingen, eine irrational gefühlte Verpflichtung
zu erfüllen, verwirklichen sich meistens Formen des sozial gefährlichen Aberglaubens. Sie dienen
der Angstbildung und Angstabwehr, was ja einen wesentlichen Aspekt des abergläubischen
Vorgangs ausmacht. Wie sich Aberglaube und Zwangsneurosen verbinden, können wir an einer
Patientin studieren, die R. Brun in seiner »Allgemeinen Neurosenlehre« 1954 beschrieben hat.
Wenn die Dame über eine Brücke ging, mußte sie jedesmal einen bestimmten Ring, den sie von
der Mutter geschenkt bekommen hatte, vom Finger ziehen, ihn dicht über dem Geländer in die
Luft werfen und wieder auffangen. »Wehe, wenn er ins Wasser fallen würde, dann wäre die
Mutter unbedingt verloren! In analytischer Sicht beinhaltet das Spiel mit dem Ring ebensowohl:
>Ich möchte, daß der Ring ins Wasser fiele und die Mutter dadurch sterben müßte<, als das
Gegenteil: >Ich muß alles, was in meiner Macht steht, tun, um der bösen Wünsche gegen die
Mutter Herr zu werden! Ich darf also den Ring unter keinen Umständen ins Wasser fallen lassen!
< Die Triebgefahr, die in diesem Fall eines schweren Mutterprotestes aus der Tiefe der eigenen
Persönlichkeit aufstieg, wurde nach außen projiziert und nun als Schicksalsmacht >magisch<
beschworen.«

Einige Psychiater sehen in der zum Aberglauben führenden Zwangsneurose vorhistorische


Elemente der Magie, des Dämonenglaubens. Jedenfalls decken sich ihre Symptome und ihr
Verlauf auch in psychiatrischer Sicht weitgehend mit denen des Aberglaubens. Beide versuchen
durch Gegenwehr, durch Gegenzauber ein inneres Spannungspotential zu lösen, in beiden
wirken heimliche und hintergründige Schuldgefühle. In beiden Fällen ist die Welt »dämonisiert«,
ihres Vertrautheits und Sicherheitscharakters beraubt. Dem Menschen ist klar, etwas Unsinniges
zu tun, und doch vermag er diesem Zwang nicht zu entrinnen.
Dem steht gegenüber, daß uns Aberglaube nicht nur von außen überkommt, sondern durch
unsere Haltung erst ermöglicht wird. Die Sterne, die Handlinien, das Wetter sind unabhängig
davon vorhanden, ob wir sie zum Anlaß abergläubischer Praktiken nehmen. Der neurotische
Mensch schafft durch seine gelebte Sinnwidrigkeit, durch sein gestörtes Selbstvertrauen und vor
allem durch das Nichtvorhandensein einer überindividuellen Ordnung im Sinne von Überdauern
der eigenen Existenz und von Geborgenheit die abergläubische Haltung.
Für Neurosen anfällige Zeiten, wie sie sich immer wieder nach sozialen oder politischen Krisen,
Revolutionen, Kriegen besonders heftig einstellen, verhelfen durch ihre Beziehungslosigkeit zu
echten Werten dem Aberglauben zu seiner Blüte. Aber da solche sozialneurotischen Situationen
auch von dem bewegt werden, was der einzelne an eigenen Neurosen in diesen Kollektivprozess
hineingibt, bleibt der Verantwortung beim einzelnen und bei seiner Daseinsproblematik.

Aberglaube und Völkerleben


Es gibt zahlreiche Versuche, eine Geographie des Aberglaubens zu entwerfen und seine
Verteilung auf die Länder der Erde zu prüfen. Wenn wir Deutschland betrachten, fällt zum
Beispiel auf, daß westlich der Elbe viele mystische Erscheinungen anzutreffen sind, vor allem das
Zweite Gesicht und Spukphänomene. Östlich der Elbe überwiegt eindeutig das Zaubern und der
Geisterglaube. Der ausgesprochene Spökenkieker ist in Westfalen, in der Heide und in
Oldenburg zu Hause.
In Island dagegen kommt innerhalb des dortigen Aberglaubens Zauber nur selten vor. Rußland
ist für seinen Zauberaberglauben bekannt. Auf dem Balkan wimmelt es von Kobolden, Dämonen,
Baum und Waldgeistern, Wassergeistern und Drachen. Die Besessenheit spielt dort eine
beachtliche Rolle. In Nordasien wird noch heute die Magie großgeschrieben, während der
Aberglaube in Polynesien, wie schon Frobenius nachgewiesen hat, mystisch orientiert ist. Im
großen Erdteil Afrika kommen wiederum magische und mystische Ausprägungen nebeneinander
vor. Der Italiener Ernesto Bozzano hat darüber ein reizendes Büchlein »Übersinnliche
Erscheinungen bei Naturvölkern« geschrieben, das 1948 in deutscher Übersetzung erschienen
ist.

Dennoch reichen diese Unterscheidungen nicht aus, um die Völker psychologisch zureichend
charakterisieren zu können. Hans Weinert hat schon 1943 in seinem Buch »Hellsehen und
Wahrsagen« gegen die zwischen 1933 und 1945 übliche These protestiert, die sogenannte
»Nordische Rasse« sei besonders zur Hellsichtigkeit befähigt. Dr. Zucker hat auf die
Verschiedenheit der religiösen Bekenntnisse im Osten und Westen Europas aufmerksam
gemacht. Der griechisch russische Bilderdienst entfaltet eher zauberisch-magische Neigungen
als der Heiligenkult des katholischen Bekenntnisses oder die Gewissenserforschung der
Protestanten. Es wird aber vor allem der Volksglaube der einzelnen Völker sein, der die Form
ihres Aberglaubens prägt und bestimmt. Eine gewisse Rolle spielen auch der Austausch und die
gegenseitige Übernahme. Im übrigen geht, bedingt durch die Gleichheit der modernen
technisierten Welt, durch alle zivilisierten Völker die gleiche Sorge um die Gefährdung ihrer
seelisch geistigen Mitte, so daß sich der Aberglaube der Stadtbevölkerung in den einzelnen
Ländern nur unwesentlich unterscheidet.

Aberglaube und Darwinismus

HERKUNFT UND ZUKUNFT DES MENSCHEN

Ein kritischer Überblick der dem Darwinismus und Christentum zugrunde liegenden
naturwissenschaftlichen und geistlichen Prinzipien

Von A. E. Wilder-Smith, - Dr. phil., Dr. rer. nat., Dr. es. Sc.

Inhaltsverzeichnis

I. Der Mensch - ein Tier höchster Intelligenz?


a) Was lehrt die Deszendenztheorie?
b) Was lehrt die Bibel?
II Sind die Hauptpostulate des Darwinismus von der Naturwissenschaft her
tragbar?
1. Die Ähnlichkeiten zwischen Menschen, Tieren und allen lebenden Zellen
2. Ist eine Emporentwicklung durch Zufall theoretisch möglich oder wahrscheinlich?
3. Etwas mehr über den zweiten thermodynamischen Hauptsatz
4. Einige Gedanken zur Frage der Umwandlung einer Spezies in eine andere während der
Entwicklung
5. Das Problem der rudimentären Organe

III. Das Problem des Alters der Menschheit nach der Bibel und nach der
Evolutionstheorie.
1. Biblische Chronologie
2. Stammbäume
3. Der Turmbau zu Babel
4. Geologische Zeitrechnung
5. Die C/14 - Datierungsmethode
6. Leitfossilien (Index Fossils)
7. Der Piltdown-Mensch
8. Professor Dr. S. B. Leakey
9. Fußtritte eines Dinosauriers und eines Menschen in einem Flußbett
10. Menschliche Fußtritte in Karbonformationen
11. Das Problem der Zwischenstufen
12. Zeitrechnung und Alter, ihre Zusammenhänge mit der Schöpfung

IV. Gesteuerte Evolution


1. Aufbesserung einer Rasse durch gezielte Züchtung
2. Die synthetische Erzeugung des Lebens und Verleugnung des Postulats eines Gottes
3. Evolution mit Gottespostulat?
4. Einige Folgen der Darwinschen Lehre in der politischen Welt . . .

V. Die Zukunft des Menschen


1. Nihilismus des einzelnen im Darwinismus
2. Stoffwechsel und Individualität
3. Das Tao
4. Die Wesensstruktur des Menschen
5. Metamorphose des Leibes anläßlich der Auferstehung Jesu
6. Die Metamorphose des Menschen

- Vorliegender Beitrag ist ein von mir stark gekürzter Auszug aus dem oben genannten Buch.
Dabei geht es mir weniger um die Darstellung einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung als
um die Folgen der Evolutionstheorie in der politischen Welt. H. Koch, im Mai 2006 -

Vorwort

Von zahlreichen Pfarrern, Predigern und sogenannten Laien bin ich in den letzten Jahren
aufgefordert worden, das schon seit einigen Jahren vergriffene Heft „Die Problematik der
Deszendenzlehre" (Brockhaus-Verlag, Wuppertal 1949) neu herauszugeben. Einige Jahre sind
nun seit der Abfassung dieser Abhandlung vergangen, Jahre des Fortschritts in allen geistigen
Bereichen. Viele neue Erkenntnisse sind auch auf diesem Gebiet gewonnen worden. Trotzdem
stelle ich mit Freude fest, daß die neuen Erkenntnisse mich in meiner ersten These nur bestärkt
haben. Obwohl ich jetzt manches berücksichtigen muß, was vor wenigen Jahren noch unbekannt
war, bleibt die Hauptsache noch fester bestehen als vor fünfzehn Jahren.

Ich weiß, daß die Naturwissenschaft zu dem von Gott geschenkten Glauben nichts beitragen
kann. Doch habe ich auf meinen Reisen oft feststellen müssen, daß es manchen bibeltreuen
Pfarrern und Predigern Not bereitet, denen, die ihnen anvertraut sind, eine wissenschaftlich und
theologisch tragbare Basis zur Bibel als Wort Gottes zu ermöglichen. Es genügt in diesem
technologischen Alter durchaus nicht, dem jungen gläubigen Menschen zu beteuern, daß er
„blind" glauben muß, auch wenn die Bibel sagt, die Welt sei in sieben Tagen erschaffen, Eva sei
aus Adams Seite genommen worden, und eine Schlange habe die ersten Menschen zum
Sündenfall verführt. Man meint, daß die „sicheren Ergebnisse der modernen Naturwissenschaft"
alle diese Berichte der Bibel überzeugend widerlegen. An offenbaren „Unsinn" kann ich jedoch
nicht glauben - und sowohl die Naturwissenschaft als auch die Theologie, die oft hinter der
Naturwissenschaft herhinkt, behaupten, daß es gerade das ist, was viele Bibelchristen tun,
nämlich, daß sie an diesen offenbaren „Unsinn" glauben.
Sicher muß der Glaube, um wirksam zu werden, oft „blind" sein, und die Gebete Alten und Neuen
Testaments beweisen dies. Aber beim besten Willen könnte ich, auch wenn die Bibel mich dazu
auffordern würde, zum Beispiel nicht glauben, daß der Prophet Jona einen Wal veschluckt habe -
das wäge doch „Unsinn", intellektuell unehrlich und deshalb zu verwerfen. Umgekehrt aber, daß
ein großer Fisch den Jona verschluckt habe, ist schon möglich, wenn es auch rein menschlich
gesehen unwahrscheinlich ist. Doch ist diese Angelegenheit nicht unsinnig. Es wird nun
heutzutage oft so getan, als ob der biblische Bericht über die Entstehung der Welt und des
Menschen unglaubwürdig, ja fast unsinnig sei, wenigstens vom naturwissenschaftlichen
Standpunkt aus.

Wenn aber Jesus an die sieben Tage der Schöpfung, an Adam und Eva, an den Garten Eden, an
die Schlange, an den Sündenfall usw. naiv glaubte, dann müssen wir uns ernsthaft fragen, ob
diese Berichte naturwissenschaftlich gesehen unsinnig sind. Die moderne Naturwissenschaft und
die Theologie lehren uns fleißig, daß das Weltbild der Bibel heutzutage unhaltbar geworden sei,
daß also Jesus ein Kind seiner Zeit war und an diese Märchen (Unsinn), wie alle seine
Zeitgenossen, glaubte. Wenn nun der Herr Jesus wirklich an „Unsinn" glaubte, kommt der
gottesfürchtige Christ in intellektuelle Schwierigkeiten, die für seinen Glauben ernsthafte Folgen
haben können. Sagte Jesus uns nicht immer die exakte, präzise Wahrheit, war sein Geist mit
allerlei der Wahrheit nicht entsprechenden Vorstellungen über die Schöpfung erfüllt? Er nannte
sich doch selbst „die Wahrheit"! Wußte der Sohn Gottes alles oder nicht alles, hatte er als
Mensch falsche Vorstellungen über irgend etwas? Konnte man ihn irgendwie täuschen? Judas
versuchte es. War sein Weltbild ein Niederschlag seiner Generation - und also falsch?
Ich glaube es nicht. Ich bekenne mich, auch als Naturwissenschaftler, zu der Überzeugung, daß
Jesus, auch bezüglich seines biblischen Weltbildes, die Wahrheit war und daß auch die
Naturwissenschaft ihn und seine Ideen nie überholt hat noch überholen wird. Durch und für ihn
sind doch alle Dinge erschaffen worden. Er dürfte also Bescheid wissen.
Ich hoffe, daß die nachfolgenden Ausführungen dazu beitragen werden, es dem bibeltreuen
Menschen leichter zu machen zu glauben, daß die großen Linien der modernen Wissenschaft die
Aussagen der Heiligen Schrift auch über Schöpfungsfragen völlig bestätigen, daß man
naturwissenschaftlich durchaus intellektuell ehrlich sein und zur gleichen Zeit an Jesus Christus
von Herzen glauben kann. - A. E. Wilder-Smith

I. Der Mensch - ein Tier höchster Intelligenz?

Seit alters her beschäftigt den Menschen die Frage seiner Herkunft. Heutzutage stehen sich zwei
Meinungen dabei gegenüber: einmal die allgemeine Auffassung, die in allen Universitäten,
Hochschulen und Schulen des Westens sowie auch des Ostens ohne ernsten Widerspruch
gelehrt wird, der Mensch habe sich aus den niederen Lebewesen zu seinem jetzigen Stand nach
den Vorstellungen von Darwin und seinen Schülern emporentwickelt. Der Mensch sei also letzten
Endes nichts anderes als ein Tier höchster Intelligenz. Zum andern aber der Bericht der Bibel,
der den Menschen als fertige Schöpfung hinstellt. Auf die verschiedenen Vorstellungen gewisser
heidnischer Religionen über die Schöpfung kann ich hier nicht eingehen.

Wollen wir über das eine gleich am Anfang ganz klar sein, nämlich daß der Darwinismus und der
Neodarwinismus in den Händen der Atheisten die Hauptwaffen gegen christliche Lehre und
christlichen Glauben überall in der modernen Welt gewesen sind. Die Kommunisten benutzen
offiziell die „Tatsachen" der Evolution, um allen Glauben theistischer oder christlicher Art
unmöglich, ja lächerlich zu machen. Atheismus und Darwinismus sind im Osten offizielle
Staatslehre, und der Darwinismus bietet dafür die wissenschaftliche Basis.

Im folgenden wollen wir untersuchen, ob


a) der moderne Darwinismus den Gottgedanken überflüssig macht und deshalb wirklich als Waffe
in der Hand der Atheisten dienen kann, und
b) ob Gott durch Evolution in der Pflanzen- und Tierwelt die heutige Schöpfung zustande brachte,
d. h. ob man Gott in der Tat in der Evolution am Werke sieht.

Beide Meinungen geben eine Evolution als Tatsache zu. Allerdings werden wir im Laufe unserer
Ausführungen noch prinzipiell prüfen müssen, ob diese in beiden Auffassungen enthaltene
Annahme einer langsamen Evolution von Tieren und Pflanzen nach oben naturwissenschaftlich
zu begründen ist.

A) Was lehrt die Deszendenztheorie?

a) Alle Tiere und Pflanzen, die wir in der heutigen Naturwelt kennen, entstammen einer primitiven
Urzelle. Das Leben, vom primitivsten Anfang an, ist also kontinuierlich, und alle Lebensformen
sind deshalb genetisch verwandt und voneinander abgeleitet.

b) Aber wenn alle Lebensformen von einer Form (Urzelle) abgeleitet sind, haben sich diese
Formen offenbar im Laufe der Zeit verändert. Die Verschiedenartigkeit hat sich aus einer
„genormten" Primitivität herausentwickelt. Die Entwicklungslehre versucht, eine Erklärung der
Methodik dieses Entwicklungsverfahrens darzustellen.

Die postulierte Methodik ist die, daß Modifikationen durch Zufall entstanden sind. Man nennt
diese Veränderungen Mutationen, die dann genetisch, d. h. in der Nachkommenschaft der Zelle,
erhalten bleiben. Die zufälligen Mutationen, die der Zelle oder dem Organismus im Kampf ums
Dasein einen Vorteil verleihen, bleiben also erhalten - die Besitzer der Mutationen haben einen
Vorsprung vor den Nichtbesitzern und können sich deshalb zahlreicher fortpflanzen als die
anderen. Es gibt kleine und große Veränderungen, die durch ionisierende Strahlen oder auch
durch chemische Substanzen hervorgerufen werden. Einige entstehen ohne besonders
feststellbare Ursache bei der Zellteilung. Die Distribution dieser Veränderungen wird dem Gesetz
des Zufalls zugeschrieben. Mutationen (Megamutationen) erklären die sprunghaften
Erscheinungen von neuen Spezies, die man in den geologischen Schichten festgestellt zu haben
meint.

c) Zwischen allen Organismen besteht ein Kampf ums Dasein. Friedliches Zusammenleben
(Symbiose) kommt weniger vor als Kampf. Aber nur auf Grund dieses Kampfzustandes ist eine
Entwicklung nach oben im Darwinschen Sinne möglich. Ohne Kampf gäbe es keine Vorteile im
Kampf für die neu hervorgerufenen Mutationen den älteren Organismen gegenüber, und darum
gäbe es auch keine fortschreitende Entwicklung ohne Kampf. Evolution ohne den Grundsatz des
Kampfes ums Dasein kann man nicht erklären, denn sie ist von Vorteilen gerade in diesem
Kampf abhängig.

d) Weil Evolution so langsam vor sich geht, nimmt sie ungeheuer große Zeitspannen in Anspruch
- Millionen von Jahren.

An Hand dieser vier Hauptpostulate zeigt sich, wie eine primitive Zelle - nach der Methode des
Darwinismus und vorausgesetzt, daß überhaupt Leben vorhanden ist - sich langsam in der
Rangordnung der lebenden Organismen von „unten" nach „oben" emporentwickelt, und zwar
ganz „automatisch", d. h. ohne dаß irgendein Gott nötig wäre, der alles ordnet oder leitet.
Deshalb lehrt man heute, dаß vom wissenschaftlichen Standpunkt aus der Gottgedanke
vertrieben worden ist. Seine leitende Hand ist heute ein überflüssiges Postulat.
Die meisten Darwinisten tun noch einen weiteren Schritt. Sie behaupten, weil das primitive Leben
und die primitive Zelle so sehr einfach gewesen sein müssen, sei sie auch durch reinen Zufall
entstanden. In einem Urmeer, in dem anorganische Salze, Ammoniak, Kohlensäure usw. in den
richtigen Proportionen vorhanden waren, entstanden zufällig Aminosäuren, die sich dann zu
Polypeptiden kondensierten. Aus den Polypeptiden entstanden Eiweiße, die dann Nukleinsäuren
usw. produzierten. Schließlich stand die primitive lebende Zelle da (Urzeugung), und zwar ohne
jeglichen Schöpfungsakt Gottes. Der einzige Schöpfer, der am Werk war, heißt Zufall, der über
große Zeitspannen verfügt, um sein Werk zu vervollkommnen.
So weit die Deszendenzlehre in ihren groben Zügen!

B) Was lehrt die Bibel?

Was lehrt uns nun die Bibel, die sich ausgibt, Offenbarung Gottes zu sein, auch in bezug auf die
Entstehung der Naturwelt und des Weltalls, also in bezug auf das gleiche Thema, das die
Entwicklungslehre behandelt? Skizzenhaft müssen wir den biblischen Bericht schildern, denn
manches wird der Bibel in die Schuhe geschoben, besonders auf diese Gebiet, was sie gar nicht
lehrt.

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde, die wüst und leer waren. Nach dieser ersten Handlung
werden sieben spezifische Tage genannt, während derer Gott das, was wir heute kennen,
erschaffen oder geformt hat. Alle Tiere und Pflanzen werden ihrer Art gemäß erschaffen, und
ihrer Art gemäß besamen sie sich und tragen Frucht. Das heißt also, daß der Bibel nach die
lebendigen Organismen relativ konstant in ihren Spezies bleiben und daß die verschiedenartigen
lebendigen Wesen genetisch nicht kontinuierlich sind - im Gegensatz zu der Deszendenzlehre.

Andererseits aber ist nach dem biblischen Bericht keine absolute Konstantheit der Spezies
postuliert. Es wird z. B. berichtet, daß die verschiedenen menschlichen Rassen, die schwarze,
die weiße, die semitische usw., sämtlich von einem Paar stammen, nämlich von Noah und
seinem Weib.

Nach dem biblischen Bericht sind also kleine Veränderungen beschrieben; es wird aber nicht
behauptet, daß alle Tiere und Pflanzen von einer primitiven Urzelle abstammen. Wenn man es in
die Bibel nicht bewußt hineinliest, würde man wohl nie auf die Idee kommen, daß die Schöpfung
des dritten Tages (Pflanzen) und die des fünften und sechsten Tages (Tiere und Menschen) eine
langsame Evolution von einer Lebensform in eine andere durch Millionen von Jahren darstelle.
"Die Erde bringe hervor lebendige Tiere, ein jegliches nach seiner Art" (1. Mose 1, 24) und:
„Jehova formte den Menschen, Staub der Erde, und hauchte ihm den Hauch des Lebens in seine
Nase ein" (1. Mose 2, 7) und:
Jehova ließ einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, und er entschlief. Und er nahm eine von
seinen Rippen und verschloß ihre Stelle mit Fleisch; und Jehova baute aus der Rippe .... ein
Weib, und er brachte sie zu dem Menschen." (1. Mose 2, 21. 22.)

Alle diese Stellen klingen kaum wie die Darwinschen Beschreibungen eines Millionen von Jahren
hindurch währenden Vorgangs, in dem ein Tier sich allmählich aus anderen primitiveren Formen
herausentwickelt habe, und zwar nicht unter der persönlich formenden Hand Gottes, sondern
unter der Macht des Gesetzes des Zufalls und des Kampfes ums Dasein. Wenn das erste Buch
Mose in Wirklichkeit die Prozesse der Entwicklungslehre durch Millionen von Jahren hindurch
tatsächlich beschriebe, warum ist diese „wahre" Bedeutung und Auslegung der Bibel nicht klarer
beschrieben worden?

II. Sind die Hauptpostulate des Darwinismus von der Naturwissenschaft her tragbar?

In diesem Abschnitt wollen wir der Reihe nach einige Hauptpostulate der Deszendenzlehre auf
ihren naturwissenschaftlichen Inhalt und auf ihre wissenschaftliche Basis prüfen.
1. Die Ähnlichkeiten zwischen Menschen, Tieren und allen lebenden Zellen

Es ist klar, daß Ähnlichkeiten zwischen allen lebenden Zellen, zwischen Menschen und Tieren
und zwischen den verschiedenen Pflanzen bestehen. Die Ähnlichkeiten zwischen Menschenaffen
und Menschen sind einmal da; sie sind Tatsachen, die man nicht leugnen soll und nicht leugnen
will, wenn man ehrlich ist. Die Entwicklungslehre erklärt nun diese Ähnlichkeiten auf der Basis der
genetischen Verwandtschaft aller Lebewesen: Weil Menschen direkt oder indirekt vom
Menschenaffen abstammen - miteinander verwandt sind -, sehen sie sich ähnlich. Alle
Lebewesen sind sich also ähnlich, weil sie miteinander verwandt sind, voneinander abstammen.
Je näher sie miteinander verwandt sind, desto größer ist die Ähnlichkeit.
Jetzt müssen wir daher die Frage stellen, ob Ähnlichkeit genetische Verwandtschaft voraussetzt.

a) In der ganzen Welt kommt das Phänomen des Doppelgängers vor. Oft sind sich Doppelgänger
so täuschend ähnlich, daß man sie kaum auseinanderhalten kann. Es wäre aber ein Trugschluß,
anzunehmen, daß die Doppelgänger, je mehr sie sich ähneln, desto näher verwandt miteinander
sein müssen. Ähnlichkeit kann Verwandtschaft bedeuten, ist aber in keinem Fall ein zwingender
Beweis für Verwandtschaft. Oft sind Familienglieder sich weniger ähnlich als Doppelgänger, die
gar nicht verwandt sind.

b) Es ist bekannt, daß das Krakenauge sehr viel Ahnlichkeit mit dem menschlichen Auge
aufweist. Doch hat, nach der Deszendenzlehre, die Ontogenie des Krakenauges und des
menschlichen Auges mit deren Phylogenie sehr wenig gemeinsam; sie sind genetisch nicht
miteinander verwandt, sehen sich aber sehr ähnlich. Ähnlichkeit ist kein zwingender Beweis des
Verwandtseins.

c) Es ist bekannt, daß es unter den Beutetieren in Australien eine wolfähnliche Art (Thylacinus)
gibt, die nicht zu den Säugetieren gehört. Doch sehen diese „Wölfe" dem Säugetierwolf ähnlich.
Zur Gattung der Beutetiere gehören auch „Mäuse" und „Bären", die den echten Mäusen und den
echten Bären unter den Säugetieren ähneln. Aber diese Ähnlichkeit wird in wissenschaftlichen
Kreisen nie als Beweis ihres nahen Verwandtseins gedeutet. Man sagt, daß diese Ähnlichkeit das
Resultat von Konvergenz in der Entwicklung sei. Weil die Habitate solche Tiere verlangten,
entstanden sie durch Evolution von selbst, ganz gleich wie die Urbewohner des Gebiets
beschaffen waren. Australien brauchte einen Wolf, darum entstand ein „Wolf" aus den
vorhandenen Beuteltieren. Weil letztere nun Beuteltiere waren und keine Säugetiere, mußten
diese „Wölfe" eben aus Beutetieren entstehen. Meines Erachtens ist in dieser Beziehung die
darwinistische Denkweise weniger als wissenschaftlich. Sie erklärt nichts.

2. Ist eine Emporentwicklung durch Zufall theoretisch möglich oder wahrscheinlich? Die
Entropiefrage.

Jetzt müssen wir auf einige grundlegende wissenschaftliche Probleme eingehen, die selten
berührt werden und die doch von großer prinzipieller Bedeutung sind.

Die heutige Naturwissenschaft baut sich auf drei thermodynamischen Hauptsätzen auf, die all
unser Wissen bedingen. An dieser Stelle kann ich nur die zwei ersten Hauptsätze berühren. Der
erste Hauptsatz lehrt, daß Energie (= Stoff) heute weder erschaffen noch vernichtet wird. Lassen
wir den Hauptsatz so stehen, obwohl wir die Theorien von Professor Dr. Fred Hoyles kennen, der
mit der kontinuierlichen Erschaffung von Stoff (= Energie) spekuliert und der von einem
pulsierenden Kosmos ohne Anfang und Ende spricht!) Wir beschränken uns hier auf die uns im
Labor bekannte praktische, experimentelle Naturwissenschaft und möchten mög¬lichst wenig
philosophieren.
Der zweite Hauptsatz legt fest, daß, obwohl die Gesamtenergie im Kosmos konstant bleibt, die
Menge derjenigen Energie, die uns für nützliche Arbeit zur Verfügung steht, immer und
fortwährend geringer wird.
Wir wollen diesen zweiten Hauptsatz etwas klarer formulieren, indem wir Wasser mit Energie
vergleichen. Wenn Wasser oben auf dem Berg ist, kann man es zur Erzeugung von elektrischem
Strom mittels Turbinen benutzen. Wenn aber das Wasser einmal unten im Tal angekommen ist,
kann man seine kinetische Energie nicht mehr benutzen, um Strom zu erzeugen. Die Menge an
Wasser bleibt sich gleich, aber die ausnutzbare Energie des Wassers nimmt ab. So bleibt die
Gesamtenergie des Kosmos gleich, die ausnutzbare Energie nimmt aber ab - die Energie kommt
sozusagen im Tal an, wo man sie nicht mehr benutzen kann.

Weder Stoff noch Energie werden heute erschaffen, aber Stoff kann in Energie umgewandelt
werden, wie bei der Atombombe, jedoch bleibt die Menge des Stoffs und der Energie konstant,
während die uns zur Verfügung stehende Energie immer mehr abnimmt. Die Naturwissenschaft
drückt diese Tatsache aus, indem sie behauptet, daß die Entropie (ein Maß der nicht mehr zur
Verfügung stehenden Energie) ständig zunimmt.

Man kann diese Tatsache wiederum anders ausdrücken, indem man sagt, daß alles in der Natur
sich in der Richtung der größeren Probabilität oder Wahrscheinlichkeit bewegt. Es ist doch
unwahrscheinlich, daß Wasser bergauf läuft oder gar auf dem Berg stehen bleibt; Wasser neigt ja
immer dazu, bergab zu laufen. Es ist wahrscheinlicher, Wasser unten im Tal zu finden als oben
auf dem Berg. Sich selbst überlassen, fließt Wasser immer bergab. So verhält es sich auch mit
der Energie. Sie neigt stets dazu, in eine Lage immer größerer Wahrscheinlichkeit, größerer
Entropie zu kommen.

Zusammengefaßt also, neigt alles zu einer Entwicklung im Sinne und in der Richtung größerer
Wahrscheinlichkeit. Dies trifft auch bei aller Ordnung oder allem Geordnetsein zu. Es ist
unwahrscheinlich, daß Ordnung bestehenbleibt, genausowenig wie Wasser die Neigung besitzt,
oben auf dem Berg zu bleiben. Ordnung, sich selbst überlassen, löst sich in Chaos auf, wie
Wasser bergab läuft. Wenn eine Stadt nicht ständig gefegt, repariert, geordnet wird, verfällt sie
rapid in einen chaotischen Zustand. Lassen Sie Ihr Auto unter einem Baum einige Jahre stehen,
wenn Sie erkennen wollen, daß Ordnung, sich selbst überlassen, sich in Chaos auflöst!
So verlangt es auch der zweite thermodynamische Hauptsatz: Chaos nimmt zu. Kosmos
(Ordnung) löst sich in Chaos (Unordnung) auf, das ist der natürliche Gang der Dinge.

Was nun die Deszendenzlehre, im Grunde genommen, lehrt, ist, daß die Kohlenstoffatome,
Wasserstoffatome, Stickstoffatome usw., indem sie durch die Millionen von Jahren, seit
Bestehen, sich langsam von selbst geordnet haben.

Auf ähnliche Weise bilden sich spontan einfache Aminosäuren und Polypeptide - etwa wie die
Bruchteile eines I-Punkts. Aber die Bildung ganzer Moleküle von Nukleinsäuren, Genen oder
Chromosomen würde eine derart hochgradige Unwahrscheinlichkeit mit sich bringen, daß man
nicht mit ihr rechnen darf.

Die Lebensfähigkeit der „einfachsten" Zelle, des „einfachsten" Protoplasma ist aber vom
Vorhandensein gerade solcher Moleküle abhängig. Das heißt, solche hochgradig
unwahrscheinlichen Moleküle und Strukturen müssen vor der Eistenz des Lebens vorhanden
sein, um es zu tragen, genauso wie die Wiege vorher dasein muß, ehe das Kind geboren wird,
um es zu betten. Gerade diese Tatsache erkennen die heutigen Forscher, die diese Moleküle
mühsam synthetisieren in der Hoffnung, daß, wenn solche Strukturen einmal vorhanden sind, sie
das kommende Leben tragen werden. Sie bauen also die Wiege in der Hoffnung, daß das Baby
eines Tages ankommen wird. Durch Zufall, ohne die Mitwirkung von Leben, entstehen aber
solche hochgradig unwahrscheinlichen Moleküle nicht. Ehe das Leben kam, konnten keine
Wiegen dasein. Wer hat also diese Wiegen für das kommende Baby gebaut? Der Zufall kann das
nicht tun. Die Darwinisten können uns hier keine wissenschaftlich saubere Antwort geben. Wenn
das Leben einmal da ist, können sie mit der „natürlichen Auslese" arbeiten, wie es auch
Professor Sir Gavin de Beer tut. Aber ohne das Vorhandensein von Leben gibt es nicht einmal
diese Ausweichmöglichkeit. Die chemischen Träger des Lebens müssen vor der Urzeugung des
Lebens vorhandengewesen sein.

Als Naturwissenschaftler weiß ich, daß, wenn ich in einem Reagenzglas Millionen von
Kohlenstoffatomen, Wasserstoffatomen, Stickstoffatomen usw. einfach zusammenschütte, keine
Moleküle entstehen, die etwa gegen Krebs oder Lepra aktiv sind. Mit Mühe ordne ich die
Moleküle durch spezifische chemische Reaktionen, um die Strukturen zu erreichen, die ich
gebrauchen kann. Sie entstehen nicht von selbst. Und dieser Gedanke bringt uns zu einem
weiteren wichtigen Punkt.

Die Deszendenzlehre lehrt, daß die Bildung von höheren Lebensformen nur dadurch möglich
wurde, daß sehr große Zeitspannen ihre Rolle spielten, um die Möglichkeit für dieses Ordnen zu
schaffen. Die riesengroßen Zeitspannen sind für die Entwicklungslehre ein conditio sine qua non
für die Glaubwürdigkeit der Theorie. So verhält es sich mit dem Ordnen von Molekülen, um
Leben zu bilden. Je größer die Zeitspannen sind, desto größer ist auch die Möglichkeit der
chemischen Zersetzung. Ich weiß, daß, wenn ich einmal meine Moleküle synthetisiert habe, die
Möglichkeit der Zersetzung mit der Länge der Zeit zunimmt. Warum soll es anders gewesen sein
bei der Bildung des Lebens nach der Entwicklungslehre? Warum sollen sich Moleküle heute von
anderen Gesetzen beeinflussen lassen als gestern?
Sich selbst überlassen, ordnen sich tote Moleküle nie zu einem höheren Grad, als sie in sich
selbst tragen. Man kann hier einwenden, daß Ordnung aus Chaos spontan entsteht, wenn
ungeordnete Moleküle in einer Lösung kristallisieren. Eigentlich entsteht aber auch hier bei der
Kristallisation keine höhere Ordnung; denn die Ordnung der Kristalle war in der molekularen
Struktur vorher schon vorhanden. Eine Kraft außerhalb der Moleküle muß in Kraft treten, um sie
zu höherer Ordnung zu gestalten, als sie selbst in sich tragen. Die Bibel nennt diese Kraft den
Gott des Lebens, der durch seine schöpferische Kraft den Tendenzen des zweiten
thermodynamischen Hauptsatzes entgegenwirkte und Ordnung schuf, wo Chaos regierte. Gott ist
der Gott des Lebens, und diese Tatsache ist so wunderbar, daß wir sie noch nicht haben
ergründen können.

Es ist erstaunlich, zu bedenken, daß in einer einzigen menschlichen reproduktiven Zelle die
Chromosome die „komprimierte" Ordnung für alle die nachfolgenden Generationen enthalten -
Augen- und Haarfarbe, Hautfarbe, Größe, Intelligenz, Charakterzüge usw. - alles „komprimiert" in
einigen Mikronen. Diese „komprimierte" Ordnung, die sich selbst fortpflanzt, ist fast
atemberaubend.

Dieser zweite thermodynamische Hauptsatz scheint den ganzen Zustand der Welt, wie wir sie
heute kennen, trefflich zusammenzufassen. Aber auch Röm. 8, 22 lehrt uns, daß die ganze
Schöpfung der Nichtigkeit oder Verwesung unterworfen ist. Alles geht bergab sozusagen, genau
wie wir es beschrieben haben. Als aber Gott die Welt aus Nichts erschuf, war dies nicht der Fall,
sondern alles ging mit dem Schöpfungsakt plötzlich bergauf, so daß während der Schöpfung die
heutigen Gesetze der Verwesung im „Rückwärtsgang marschierten". Energie und Stoff
entstanden, Ordnung entstand. Und gerade hierin besteht ein fundamentaler Trugschluß der
Naturwissenschaft heute. Man versucht, die Prozesse der Schöpfung mit den Maßstäben der
Verwesung, „Entschöpfung", zu messen.

Unser Kosmos läßt auf ungeheure Geisteskraft, Organisation und Vollmacht schließen. Deshalb
sagt der Apostel Paulus (Röm. 1), daß, wer die Schöpfung ansieht und Gott, den Schöpfer, nicht
ehrt, ein schuldiger Narr ist. Die Beobachtung des Kosmos im Licht der einfachen gesunden
Vernunft führt uns unweigerlich zu Ehrfurcht und Anbetung Gottes, auch wenn wir durch dieses
Studium nur ein wenig Aufschluß über seine „Fabrikationsmethoden" erhalten. (Für die
Behandlung des Problems des Bösen in dieser Schöpfung siehe meine Abhandlung: „Warum läßt
Gott es zu?" (siehe: info@horst-koch.de)

3. Etwas mehr über den zweiten thermodynamischen Hauptsatz


Als Carnot, Clausius und Kelvin die thermodynamischen Hauptsätze vor etwa hundert Jahren an
ihren Dampfmaschinen studierten, war Darwins Buch „Origin of Species" kaum geschrieben. Die
thermodynamischen Prinzipien von Kelvin und anderen sind heute jedem Studenten der Physik
bekannt; damals aber war das gar nicht der Fall, die Ideen waren neu, Darwin konnte diese
Gesetze nicht kennen. Ferner ahnten Kelvin und seine Freunde kaum, daß ihre Versuche mit der
Dampfmaschine Prinzipien an den Tag legen würden, die von allgemeiner, ja von kosmischer
Gültigkeit sind. Denn heute hat man diese alten Arbeiten an der Dampfmaschine so erweitert,
daß man zu der Erkenntnis gekommen ist, daß sie allgemeine Gültigkeit besitzen. Die gleichen
Prinzipien bestimmen auch das Funktionieren und auch das Entstehen des Lebens selbst, was
damals nicht so klar war. (Obwohl Louis Pasteur schon bewiesen hatte, daß spontane
Entstehung des Lebens [Urzeugung] nicht stattfindet.)

Früher meinte man, daß die normalen „Laborgesetze" der Chemie und der Physik für das
Funktionieren der lebendigen Gesetze keine Gültigkeit besäßen. Heute weiß man, daß die
gleichen Gesetze, die die Chemie einer Substanz in der Retorte bestimmen, auch in der
lebenden Zelle gültig sind. Es ist nicht mehr nötig, um die Chemie einer Zelle zu verstehen, eine
„vitale Kraft", die außerhalb der „normalen Chemie" steht, zu postulieren. Die Darwinisten
bestehen mit Recht darauf, daß wir diese Vorstellung einer vitalen Kraft aufgeben, was wir auch
bezüglich Biochemie und Enzymfunktion längst getan haben. Warum tut aber der Darwinist nicht
den nächsten wissenschaftlichen Schritt? Die „normalen" thermodynamischen Hauptsätze
bestimmen die Entwicklung des übrigen Kosmos gar fein, warum sollen sie die Entstehung des
Lebens nicht auch bestimmen? Damit verliert der Darwinist sein eigenes Spiel, denn in diesem
Fall müßten seine Vorstellungen über die Entstehung des Lebens den Gesetzen der
Thermodynamik entsprechen (genauso wie die Chemie in der Retorte die gleiche ist wie die in
der lebendigen Zelle), nämlich daß in einem geschlossenen System Entropie und somit Chaos
und Ungeordnetsein zunehmen.

Ist es aber nicht klar, daß wir überall um uns herum eine örtliche Zunahme von Ordnung nebst
einer allgemeinen Zunahme von Chaos beobachten? Ein Kind wird empfangen, geboren und
beginnt zu wachsen, Organisationsgrad in ihm nimmt zu, Entropie und Unordnung senken sich.
In Pflanzen findet Photosynthese statt, Kohlendioxyd wird reduziert und zu komplizierten Zucker-
und Eiweißmolekülen ausgebaut, Entropie senkt sich, Probibilität senkt sich. Eiweiße und
Nukleinsäuren werden aufgebaut, und zwar aus einfacheren Substanzen. Wie steht es nun hier
um den zweiten thermodynamischen Hauptsatz? Wo liegt der Konflikt? Oder hat Huxley recht?

IV. Gesteuerte Evolution

1. Aufbesserung einer Rasse durch gezielte Züchtung

Die Möglichkeiten einer gezielten Züchtung bezüglich „Aufbesserung" der menschlichen Rasse
haben Naturwissenschaftler und andere schon lange interessiert. Bei der Viehzucht hat man
Großes erreicht: Kühe geben mehr Milch, besseres Fleisch, sind wirtschaftlicher bezüglich des
Fraßes im Verhältnis zu dem, was sie an Fleisch und Milch liefern. Allerlei wunderbare (und
wunderliche) Hundearten, Taubenarten, Katzenarten usw. hat man durch gesteuerte Züchtung
erzielt. Könnte man nicht die gleichen Prinzipien beim Menschen anwenden, um eine bessere
menschliche Rasse zu erzeugen? Könnte man nicht einen „Supermenschen" aus der heutigen
Rasse herauszüchten?

Wir wollen uns darüber im klaren sein, daß man, biologisch gesehen, sicher bessere Menschen
als die heutigen erzeugen könnte. Es wäre vielleicht theoretisch möglich, einen Menschen
herauszuzüchten, der die Eigenschaften von Adam haben und neunhundert Jahre leben würde.
Man müßte die Rezessiven, die oft schädlich sind und die teilweise durch Degenerierung in die
menschliche Erbmasse hineingekommen sind, durch gezielte Züchtung ausscheiden.

Alle Eigenschaften des Menschen, der Tiere und der Pflanzen sind in kleinen Knoten (Genen) auf
den spiralartigen Chromosomen chemisch festgehalten. Diese Eigenschaften sind in einer
chemischen „Sprache" („Code") gedruckt. Bei verschiedenen Spezies weiß man, wo spezifische
Knoten liegen, und man hat festgestellt, daß, wenn man diese Knoten ändert, die Eigenschaften
(Augenfarbe, Hautfarbe usw.) sich auch ändern. Einen sehr wichtigen Punkt betreffs Vererbung
vergißt man aber leider zu oft. Durch das Verfahren der gezielten Züchtung allein kann man nur
die Eigenschaften herauszüchten, die in der Erbmasse schon vorhanden sind. Alle Eigenschaften
eines Frosches sind in der Erbmasse eines Frosches vorhanden. Durch gezielte Züchtung könnte
man also alle Arten von Fröschen herauszüchten, die in der Erbmasse potentiell enthalten waren:
grüne Frösche, rote Frösche, langbeinige Frösche, kurzbeinige Frösche usw. Aber gezielte
Züchtung einer Froschrasse würde nie und nimmer eine Krokodilrasse ergeben, und zwar aus
dem sehr einfachen Grund, daß in der Froscherbmasse keine Krokodileigenschaften enthalten
sind. Aus den gemischten Eigenschaften eines Wolfes und einer Hyäne könnte man vielleicht
schon einen Schäferhund oder einen Pudel herauszüchten, weil Pudel oder
Schäferhundeigenschaften bei den Wolfeigenschaften vorhanden waren.

Diese Tatsache muß man sich fest vor Augen halten, wenn man an gezielte, gesteuerte Evolution
denkt: Nur das, was in der Erbmasse enthalten ist, kann durch Züchtung zum Vorschein
kommen. Nur was in der Flasche enthalten ist, kann man herausgießen. Theoretisch könnte man
also einen Adam aus uns heutigen Menschen herauszüchten, der z. B. über neunhundert Jahre
leben würde, wenn durch schädliche Einflüsse (wie z. B. ionisierende Strahlen) nicht zu viel von
der „guten" ursprünglichen Erbmasse endgültig verlorengegangen wäre. Aber einen
„Supermenschen", der mehr „super" wäre als Adam, könnte man nicht herauszüchten. Auch
könnte man keinen Schimpansen herauszüchten - soweit sich kein Schimpanse in unserer
Erbmasse befindet.

In der Erbmasse aller lebenden Wesen finden sich nun viele Genenstücke, die das Ergebnis
degenerativer Prozesse sind und oft als Rezessive auftauchen. (Rezessive Gene sind Gene, die
paarweise vorkommen können; erst wenn zwei davon in einer Zelle vorhanden sind, können
unerwünschte Eigenschaften zum Vorschein kommen. Wenn nur eins vorhanden ist, wenn das
Rezessive mit einem Dominanten gepaart ist, erscheinen lediglich die Eigenschaften des
Dominanten, das Rezessive bleibt „verborgen".)

Durch Züchtung kann man die Rezessiven heraussieben, was oft vorteilhaft ist. So kann man
durch gezielte Züchtung gewissermaßen degenerative und andere Erscheinungen entfernen.
Gesteuerte Züchtung ist also eine Art Sieb, das gewünschte Eigenschaften von unerwünschten
trennt. Aber schöpferisch wirkt gezielte Züchtung nicht. Was nicht in der Erbmasse vorliegt, kann
nicht herausgezüchtet werden, deshalb kann man prinzipiell durch gesteuerte Züchtung kein
Krokodil aus einem Frosch herauszüchten. Die Froscherbmasse enthält eben die chemische
Information nicht, um ein Krokodil zu bauen. Wenn das nun der Fall ist, erscheint es mir
persönlich noch weniger aussichtsvoll, einen Menschen aus einer Amöbe herauszüchten zu
wollen, auch wenn man Millionen von Jahren voraussetzt, um dies fertigzubringen. Wenn die
Gene eines Menschen in der Amöbe nicht enthalten sind, wird man sie nicht herauszüchten
können, genausowenig, wie man eine Kuh aus einem Hund züchten oder Wein aus einem
gewöhnlichen Wasserhahn holen könnte. . .

2. Die synthetische Erzeugung des Lebens und Verleugnung des Postulats eines Gottes

Es ist also theoretisch möglich, Synthesen in der Erbmasse vorzunehmen, womit man neue,
höhere Eigenschaften in einen Organismus einführen könnte. Darauffolgende gesteuerte
Züchtung könnte dann unerwünschte Eigenschaften ausscheiden und zur gleichen Zeit die neuen
höheren Eigenschaften festhalten, so daß eine Emporentwicklung geschehen wäre.

Worin unterscheiden sich nun diese Vorstellungen von denen des Darwinismus? Darin, daß
Darwin und seine Schüler diese Emporentwicklung des Organismus dem Zufall - der
„Suppentopftechnik" - zuschreiben, während wir von einer „geplanten Experimentierkunst"
ausgehen. Wir leugnen bloß diese „Suppentopftechnik" des Darwinismus als eine
ernstzunehmende technische Methode, wahrhaftige Synthese, echtes Emporsteigen an
Organisationsgrad zustande zu bringen. Mit anderen Worten: Planung, Intelligenz,
Experimentierkunst sind erforderlich, um jegliche Emporentwicklung wissenschaftlich sauber zu
erklären. Wie wäre dies möglich, ohne eine Person irgendwelcher Art zu postulieren? Intelligenz
und Experimentierkunst können wir uns kaum vorstellen, wenn sie nicht mit einer Person
verknüpft sind. Wissenschaftlich gesehen kommt man also um die Vorstellung eines persönlichen
Gottes als Urheber des Lebens nicht herum.

Die Biologie von heute nimmt nun merkwürdigerweise diese neuen Tatsachen als Basis neuer
Verleugnung der Notwendigkeit des Gottespostulats. Professor Dr. George Gaylord Simpson
(Harvard, USA) z. B. schrieb in „Science" (1. April 1960) anläßlich eines Vortrags vor „The
American Association for the Advancement of Science", daß die modernen Fortschritte in den
biologischen Naturwissenschaften den „religiösen Aberglauben" Nordamerikas unhaltbar
gemacht hätten. Die ganze Welt, wie wir sie heute kennen, sei aus dem nicht lebenden Stoff
spontan hervorgegangen, und es sei deshalb „höchst unwahrscheinlich, daß irgend etwas in der
ganzen Welt existiere, was spezifisch für das Wohl der Menschen erschaffen sei".
Dr. Simpson betont, daß eine Rundfrage bei einer Reihe internationaler Experten in Chicago das
Resultat ergab, daß die Mehrzahl dieser Naturwissenschaftler der Überzeugung waren, dаß das
Leben aus toten Stoffen bald im Labor erzeugt wird. Ein Sachverständiger war sogar der
Meinung, daß dieses Experiment schon gelungen ist, daß man also Leben aus toten Stoffen
erzeugt hat. Dr. Simpson benutzt diese Tatsachen, um seine These zu begründen, daß es
höchste Zeit sei, daß gebildete Amerikaner ihren naiven Theismus so bald wie möglich aufgeben,
denn die Gottesdienste sonntags und die Abendmahlsfeiern überall in der USA seien, nach Dr.
Simpsons Meinung, Beweis für den Mangel an Naturwissenschaft und für das Überhandnehmen
des Aberglaubens.

Diese Gedankengänge und diese Art Logik sind ganz typisch. Man hat sie schon hundert Jahre
monoton wiederholt, aber niemand scheint sich die Mühe gegeben zu haben, sie einmal
konsequent durchzudenken. Wir wollen nun versuchen, dies zu tun. Denn Naturwissenschaftler
des Westens und des Ostens wiederholen obige Gedankengänge ad nauseam. Sie sind die
Basis alles populären wie auch „naturwissenschaftlichen" Atheismus.

Es ist natürlich wahr, daß man daran ist, aus toten chemischen Molekülen lebende Einheiten
herzustellen. Was beweist aber diese Tatsache, wenn wir alle Slogans und Propaganda beiseite
lassen? Diese Experimente liefern den Beweis dafür, daß, wenn man gewisse Moleküleinheiten,
die tot sind, gewissen exogenen Einflüssen, die experimentell genau geregelt sind, unterwirft,
Leben entstehen könnte. Wenn man also gewisse Moleküle gewissen von außen gesteuerten
experimentellen Bedingungen aussetzt, könnten neue Einheiten entstehen, die lebensfähig sind.
Die exogene Steuerung experimenteller Bedingungen muß sehr fein eingestellt sein: pH,
Konzentration, Temperatur, Mengen von Katalysatoren usw. müssen rapide und oft gewechselt
werden, und zwar je nach dem Verlauf der Reaktionen. Ein guter Biochemiker, der sein Fach
gründlich versteht, wird nötig sein, wenn das Experiment Aussicht auf Gelingen haben soll. Wenn
ein Oratoriensänger oder ein Landwirt die Versuche ohne jegliche biochemische Vorbildung
durchführen würde, käme man kaum zum Ziel der Erzeugung von Leben aus totem Stoff. Es
wäre naturwissenschaftlicher Nihilismus zu meinen, daß man das geplante Experiment durch die
„Suppentopftechnik" ohne weiteres ersetzen könne. Man brauche nur ein paar Jahre oder ein
paar Millionen von Jahren hinzuzugeben, dann würde schon alles richtig herauskommen. Jeder
ernsthafte Naturwissenschaftler weiß, daß nichts den geplanten Versuch ersetzen kann, wenn er
zum Ziel kommen will. Es ist also geplante, intelligente Arbeit, naturwissenschaftliche Leistung
erforderlich, wenn man ein derartiges Experiment durchführen will. Wenn nun diese Bedingungen
für die Erzeugung des Lebens heute unbedingt erforderlich sind, warum sollte es in der
Vergangenheit anders gewesen sein? Wenn die Reaktion heute nicht einfach „geschieht", warum
sollte die Reaktion in der Vergangenheit anders verlaufen sein? Warum schlagen die Darwinisten
gerade diese Ausnahme vor? Die chemischen Eigenschaften der Stoffe, auf denen das Leben
aufgebaut ist, sind gleichgeblieben, sonst könnte das Leben selber nicht gleichgeblieben sein.
Deshalb braucht man heute die gleichen experimentellen Bedingungen für das Leben, heute wie
vor Millionen von Jahren.

Dazu haben die Forschungsfortschritte der vergangenen zehn Jahre immer deutlicher gezeigt,
daß das Leben immer komplizierter und immer organisierter wird, je tiefer man in dessen
Geheimnisse hineinforscht. Darwin meinte, daß das Protoplasma einer Amöbenzelle „einfach" sei
und deshalb leicht durch Zufall entstehen könne. Heute weiß man, wenigstens in biochemischen
Kreisen, wie sehr er sich getäuscht hat. Selbst die „einfachsten" Lebensformen sind unvorstellbar
kompliziert. Und unsere wachsende Erkenntnis bestätigt von Jahr zu Jahr wachsende
Kompliziertheit. Dies bringt eine naturwissenschaftliche Folge mit sich: Je größer der
Organisationsgrad des Lebens, desto komplizierter die Labortechnik, die erforderlich wäre, das
Leben synthetisch herzustellen, und desto geringer die Probabilität der spontanen Entstehung
des Lebens.

Alle diese Überlegungen führen uns wissenschaftlich gesehen zu einer Überzeugung, die der
christlichen sehr nahe steht, nämlich, daß am Anfang ein „Experimentator" die Lebensformen
synthetisierte. Das heißt, daß eine exogene Einmischung, und zwar eine intelligente,
fachmännische exogene Einmischung, nötig war, ehe Leben in einem toten chemischen System
entstehen konnte. Eine exogene chemische Steuerung der Moleküle und Atome war nötig, um
Bedingungen für das Leben zu schaffen, denn eine solch hohe Ordnung in der Materie, die das
Leben trägt, kann spontan ohne exogene Einmischung prinzipiell nicht entstehen. Heute arbeiten
die Naturwissenschaftler emsig daran, gerade diese Bedingungen auszuarbeiten, die für die
Entstehung einer solch hohen Ordnung notwendig sind, damit Leben synthetisch im Labor
entstehen kann. Intelligenz, fachmännisches Können, Experimentierkunst usw. sind unbedingt in
hohem Maße erforderlich, wenn man zum Ziel kommen will. Wenn wir es wollen, können wir die
Bedingungen, die zur Erlangung dieses Zieles erforderlich sind, mit einem Wort
zusammenfassen: Intelligenz. Und die Biochemiker gehen gerade mit Intelligenz - nicht
„Suppentopftechnik" nach Darwin - daran! Ich sehe keinen naturwissenschaftlichen Grund,
warum es ihnen nicht gelingen soll, Leben synthetisch zu erzeugen, wenn sie mit genügendem
Maß Intelligenz - und Experimentierkunst - darangehen. Wer die Intelligenz oder die
Experimentierkunst ausübt, ist einerlei, solange sie ausgeübt wird. Dies lehrt uns die bittere
Erfahrung.

Der Mensch war während der Erschaffung des Lebens am Anfang nicht anwesend. Aber
irgendein Experimentator muß vorhanden gewesen sein, um den Versuch durchzuführen. Die
Naturwissenschaftler sind heute dabei, die Technik des ursprünglichen Experimentators aus-
bzw. nachzuarbeiten!

Die Bibel lehrt uns, gerade diese heutige Situation zu erwarten, nämlich daß Menschen die
Gedanken Gottes hinsichtlich der Erzeugung des Lebens nach ihm durchdenken werden. Denn
sie lehrt uns, daß der Schöpfer den Menschen schöpferische Gedanken mit in das Leben
hineingab. Sie nennt die Menschen an verschiedenen Stellen „Götter" (z. B. Joh. 10, 34. 35). Ist
es also verwunderlich, daß der Mensch fähig ist, in kleinem Maß die Gedanken Gottes
nachzudenken? In keiner Weise; man würde es geradezu erwarten, wenn man die Bibel kennt.
Nun sind wir also in diesem Zeitalter dabei, die schöpferischen Gedanken Gottes bezüglich der
Erschaffung des Lebens nachzudenken. Unsere Gedanken sind noch sehr unreif und primitiv,
aber der Mensch ist auf die Spur der Gedanken bezüglich des chemischen Trägers des Lebens
gekommen. Und er wird diese Spur verfolgen, wenn Gott ihm die Zeit und Gelegenheit dazu gibt.
Wir fangen an, die synthetischen Gedanken Gottes bezüglich der Erschaffung des Lebens
teilweise zu wiederholen.

Jetzt kommt aber etwas wirklich Erstaunliches. Dr. George Gaylord Simpson und Tausende von
anderen modernen Naturwissenschaftlern mit ihm ziehen eine Schlußfolgerung, die einfach
verblüffend, wenn nicht erschütternd ist. Sie behaupten nämlich, daß, weil wir
Naturwissenschaftler heute in der Lage sind, die synthetischen „Experimente" Gottes
nachzuahmen, weil wir die Prinzipien - oder, besser gesagt, einige Prinzipien hinter dem Leben -
bloßgelegt haben, gerade deshalb das Gottespostulat absolut nicht mehr nötig sei. Der ganze
Artikel Dr. Simpsons arbeitet auf diesen Höhepunkt der „Logik" hin: Wir haben entdeckt, wie man
das Leben synthetisieren kann, deshalb postulieren wir keinen Gott, keinen Hauptexperimentator,
mehr. Das Gelingen des Versuchs, synthetisches Leben zu erzeugen, wird das Gottespostulat
total und endgültig überflüssig machen.

Schauen wir uns diese „Logik" ein wenig an! Ich veröffentliche jedes Jahr die Resultate meiner
Forschungen auf dem Gebiet der Lepra und der Tuberkulose. Anläßlich dieser
Veröffentlichungen gebe ich die genauen synthetischen Methoden an, nach denen ich zu den
verschiedenen neuen Wirkstoffen gelangt bin. Zuerst werden die biologischen Eigenschaften der
neuen Substanzen angegeben, dann die synthetischen Methoden, die ich bei der Herstellung
benützte. Nun wollen wir annehmen, daß ein Kollege diese Veröffentlichungen von mir liest, sich
dafür interessiert und sich entscheidet, einige der neuen Wirkstoffe selber herzustellen. Er liest
meine veröffentlichten Vorschriften sehr genau durch, dann macht er mir im eigenen Labor alles
nach. Und die Versuche gelingen ihm!

Seine Wirkstoffe sind mit den meinigen identisch, chemisch und biologisch gesehen. Es ist ihm
gelungen, meine Versuche tadellos zu wiederholen. Hocherfreut setzt er sich hin, um seine
Resultate zu veröffentlichen. Wenn er zur Zusammenfassung am Ende der Veröffentlichung
kommt, schreibt er, daß er alle meine Versuche tadellos wiederholen konnte, und gibt die
übereinstimmenden Eigenschaften an. Dann zieht er den verblüffenden Schluß, daß, weil es ihm
gelungen ist, meine Versuche zu wiederholen, ich, der ursprüngliche Experimentator, deshalb in
Wirklichkeit nicht existiere. Deshalb ist das Wilder-Smith-Postulat von jetzt an total und end gültig
überflüssig. Einfach unvorstellbar!
Doch ist dies genau die Lage von Dr. Simpson und Tausenden anderer Naturwissenschaftler.
Mühsam wiederholen sie das, was der große Experimentator vorgemacht und in der Natur
veröffentlicht hat, und wenn ihnen der Versuch gelingt, schreiben sie, daß der große
Experimentator nicht existieren kann, denn es ist ihnen gelungen, seine Experimente zu
wiederholen. Und weil der große Experimentator nicht existiert, braucht man nicht mehr mit ihm
zu rechnen. Das ist leider die „naturwissenschaftliche Welt, in die uns Darwin hineinführte". Oft
sieht es so aus, als ob einige primitivste Vorstellungen der Logik irgendwie in dieser neuen Welt
verlorengegangen sind.

Wie allgemein diese Art „Logik" selbst unter den besten Wissenschaftlern auch aus dem Westen
vorkommt, geht aus einem Artikel in Science News Letter vom 3. Juli 1965 hervor. Professor Dr.
Harlow Shapley, Direktor i. R. der Harvard College Observatory, Cambridge, Mass., USA,
schreibt wie folgt: „There is no need for explaining the origin of life in terms of the miraculous or
the supernatural. Life occurs automatically whenever the conditions are right. It will not only
emerge but persist and evolve." („Es ist nicht mehr nötig, die Entstehung des Lebens durch
Wunder oder übernatürliche Geschehnisse zu erklären. Leben entsteht automatisch, wenn die
Bedingungen günstig sind. Das Leben wird nicht nur entstehen, es besteht und entwickelt sich
empor.")

Ist es nicht wirklich erschütternd, daß ein angesehener Naturwissenschaftler wie Professor Dr.
Shapley sich so unwissenschaftlich ausdrücken kann? Woher hat er die Beweise, daß Leben
überall da entsteht, wo die Bedingungen günstig sind? Solche Beweise existieren bloß in seiner
darwinbedingten Phantasie. Die experimentellen „Beweise" existieren nämlich nirgends. Das
Ansehen der heutigen Naturwissenschaften rührt davon her, daß sie vor allen Dingen
„experimentell" sind.

Halten wir also noch einmal fest: Die moderne synthetische und analytische Naturwissenschaft
hat mit entscheidender Klarheit als Ergebnis vieler Versuche festgestellt, daß verfeinertste
Experimentierkunst und Technik unumgängliche Notwendigkeiten sind, um einen Ordnungsgrad
in der Welt der Atome und Moleküle zu erreichen, der entwickelt genug ist, um Leben zu tragen.
Erfahrung und Intelligenz technischer Art sind unumgängliche Notwendigkeiten eines exogenen
Ordnens der Materie, wenn man letztere so ordnen will, daß sie Leben tragen soll. Menschen, die
hochverfeinerte Experimentierkunst entwickelt haben, ist dieses heikle Ordnen der Atome und
Moleküle, das für die Entstehung des Lebens aus totem Stoff nötig ist, teilweise gelungen. Es
stellt also den reinsten naturwissenschaftlichen Nihilismus dar, nach all dieser Erfahrung zu
behaupten, daß heute oder in der Vergangenheit die „Suppentopftechnik" genügt, dieses heikle
Experiment des Ordnens der Materie vorzunehmen, um Leben zu erzeugen. . .

3. Evolution mit Gottespostulat ?

Wir erwähnten schon am Anfang, daß es in vielen Ländern christliche und theistische
Naturwissenschaftler gibt, die die ganze „spontane" Entstehung und Entwicklung des Lebens
durch Millionen von Jahren hindurch von der ursprünglichen amöbenartigen Urzelle bis zum
homo sapiens hin als die Handlungsweise oder gar Schöpfungsmethodik Gottes ansehen.
Mutation und darauffolgende Darwinsche Selektion sind - nach ihrer Ansicht - die praktischen
Methoden gewesen, die Gott benutzte, um die heutige Tier- und Pflanzenwelt (einschließlich der
Menschen) zustande zu bringen. Darwinismus stellt also demnach einen Teil von Gottes
Schöpfungsmethoden dar. Die Entwicklung der Pflanzen- und Tierwelt durch Millionen von
Jahren hindurch zeigt uns Gott an der Arbeit. Er bedient sich der Mutation und der
darauffolgenden natürlichen Selektion im Kampf ums Dasein, um die Schöpfung, wie wir sie
heute kennen, ins Dasein zu bringen.

Abgesehen von den thermodynamischen Prinzipien, die wir bereits besprachen und die eine
spontane Entstehung des Lebens und daraufhin eine spontane Emporentwicklung nicht
gestatten, wäre es natürlich möglich, daß ein Schöpfer sich der langsamen Entwicklung nach
oben bedienen könnte - thermodynamisch steht ihm als Schöpfer nichts im Wege. Er würde die
langsame Entwicklung nach oben als der große „Experimentator" benutzen. So würde man die
Saurier usw. und andere ausgestorbene Arten als „Versuche Gottes" in der Schöpfung ansehen,
die er als Zwischenstufe gebrauchte, um zu höheren Organismen, einschließlich Menschen, zu
gelangen.

Wie sollte nun prinzipiell ein Christ oder Theist zu dieser Vorstellung der Schöpfungsmethodik
Gottes stehen? Es ist wahrscheinlich, daß die Mehrzahl der europäischen Theisten und Christen,
die zur gleichen Zeit Naturwissenschaftler sind, tatsächlich glauben, daß sie in der Evolution Gott
an der Arbeit sehen, so daß die Frage in keiner Weise bloß akademisch ist.

Wir wollen zuerst das Problem ein wenig vom philosophischen und ethischen Standpunkt aus
analysieren. Der Darwinismus ist von Mutationen und darauffolgender natürlicher Selektion im
Kampf ums Dasein abhängig. Mutation findet heute ständig statt, da sollen und können wir vom
philosophischen Standpunkt aus nichts gegen diese Mutationen als Schöpfungsprinzip Gottes
einwenden, auch wenn sie meist degenerativer Art sind. Denn die Möglichkeit einer Synthese
durch Mutationen und somit einer Neuschöpfung besteht, wie wir schon besprochen haben.
Wie steht es aber vom christlichen und theistischen Standpunkt aus um die natürliche Selektion
im Kampf ums Dasein? Was für philosophische und ethische Prinzipien walten hier? Was für
philosophische und ethische Folgen können entstehen?

Nach dem Prinzip der natürlichen Selektion im Kampf ums Dasein stirbt der schwache, kranke
oder minderbegabte Organismus langsam oder schnell aus. Der Stärkere behauptet sich und
siegt über den Schwächeren. Zugunsten des Wohls der Gesamtrasse wird der einzelne
zurückgedrängt und erwürgt. Wenn nun der Schöpfer dieses philosophische und ethische Prinzip
der natürlichen Selektion benutzt, um die Rasse aufzubessern, heißt das mit anderen Worten,
daß Gott prinzipiell als Schöpfungsmethodik die Kranken, die Schwachen und Minderbegabten
zugunsten der Starken, Gesunden und Höherbegabten ausradiert. Hier geht es um Prinzipielles:
um die Prinzipien der Arbeitsmethoden Gottes.

Die Frage, die wir uns nun stellen müssen, ist die: Kann ein Christ sich vorstellen, daß Gott diese
Arbeitsmethode wählen würde? Ist Gottes Charakter, der in der Bibel eingehend geoffenbart
wurde, so gestaltet, daß diese Arbeitshypothese denkbar ist?
Um diese Frage zu beantworten, müssen wir zunächst einige Beschreibungen des Charakters
Gottes erwähnen, und dann wollen wir uns die Frage stellen, ob sein Charakter es zulassen
würde, nach der postulierten Methodik des Darwinismus seine Schöpfung zustande gebracht zu
haben.

Nur eine Person (vernunftbegabtes Individuum) kann einen Charakter besitzen. Die Bibel lehrt
uns, daß Gott eine Person ist und daß er einen ausgesprochenen Charakter hat: Er liebt den
Sünder, er haßt die Sünde. Weil er die Person des Universums ist, hat er einen Plan für jeden
Menschen. Ferner lehrt uns die Bibel, daß derjenige, der den Sohn als Mensch gesehen hat, zur
gleichen Zeit den Vater gesehen hat (Joh.14, 9). Daraus schließen wir, daß, wenn Gott eine
Person ist und einen Charakter hat, dieser Charakter uns in der menschlichen Form von Jesus
Christus gezeigt wurde. Es ist durchaus verständlich, dаß viele Menschen zurückschrecken,
wenn man sie bittet, den Charakter Gottes zu analysieren. Doch ist der Begriff „Liebe" („Gott ist
Liebe") eine Charaktereigenschaft Gottes. Davor schrickt man nicht zurück. Eine Person, die
Liebe besitzt, wird auch andere Charaktereigenschaften aufweisen (Geduld, Treue,
Beständigkeit, Wahrhaftigkeit usw.).

Trotzdem ist es schwierig, sich die Charaktereigenschaften Gottes vorzustellen, gerade


deswegen, weil er ewig ist, allmächtig, allwissend, allgegenwärtig usw., d. h. daß er unendlich ist.
Wenn sich Gott aber in menschlicher Gestalt als menschlicher Charakter geoffenbart hat, dann
ist die Situation viel leichter; Menschen haben klar definierbare, vorstellbare Charakterzüge,
anhand derer wir uns vorstellen können, ob sie nach dieser oder einer anderen Methode in
bestimmten Lagen vorgehen werden oder nicht. Die Bibel lehrt uns deutlich, daß der Charakter
Gottes für uns Menschen im Charakter des Menschen Jesus Christus geoffenbart und
verständlich gemacht worden ist.

Unsere Frage wird jetzt also bedeutend einfacher: Könnte Jesus Christus nach der Methodik der
Selektion im Kampf ums Dasein vorgegangen sein, um seine Welt zu erschaffen? Wir sind uns
darüber im klaren, daß diese Frage nicht bloß eine akademische ist, denn die Bibel lehrt uns, daß
alle Dinge in dieser Welt von ihm (Christus) und für ihn (Christus) in der Tat erschaffen worden
sind (Kol. 1, 16).
Wir haben also sozusagen das doppelte Recht, uns zu fragen, ob Christus die Prinzipien der
Selektion im Kampf ums Dasein als Schöpfungsmethodik benutzen konnte. Gott in Christus ist
der Schöpfer, und Christus offenbart uns Gottes Charakter. Was sagt Christus über seinen
eigenen Charakter aus? Wir können erst, wenn wir seinen Charakter kennen, feststellen, wie er
wahrscheinlich in Schöpfungsfragen vorgehen würde.

Eine der ausführlichsten Enthüllungen des Charakters Jesu Christi (und deshalb Gottes) finden
wir im Matthäus-Evangelium, Kapitel 5. Wir zitieren einige Verse:
„Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihr ...
Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen ...
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen ...
Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen." (Matth. 5, 3.5.7.9.)

„Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch
hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, auf daß ihr Kinder seid eures Vaters im
Himmel; denn er läßt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten und läßt regnen
über Gerechte und Ungerechte … darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im
Himmel vollkommen ist." (Matth. 5, 44.45.48.)

Der Herr Jesus Christus zeigt uns hier, was in den Augen des Vaters (und deshalb auch des
Sohnes) Vollkommenheit des Charakters ist, und mahnt uns zur gleichen Zeit, diese
Vollkommenheit des Charakters für uns selbst in Anspruch zu nehmen. Laßt uns seine
Äußerungen, wie oben zitiert, ein wenig unter die Lupe nehmen!
„Selig sind, die geistlich arm sind."
Hier ist kaum eine Beschreibung des sich im Kampf ums Dasein brutal Durchsetzenden zu
finden. Hier handelt es sich um einen Charakter, der höhere intellektuelle Eigenschaften besitzt,
aber sich demütig korrigieren und zurechtweisen läßt. Wer das nicht tut, bleibt brutal und
hochmütig und lernt keine höheren Eigenschaften. Der geistlich Arme wird das Himmelreich, also
das Höchste, besitzen. Im Kampf ums Dasein kommt nach Darwin und den Neodarwinisten ein
solcher Charakter (auch im heutigen Geschäftslebenskampf?) gar schnell um, ein Beweis, daß
Selektion nach den Prinzipien des Kampfes ums Dasein die gröberen (niedrigeren?)
intellektuellen und charakterlichen Eigenschaften begünstigt (eine geistige Entwicklung nach
unten?).

„Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen."
Menschlich gesehen, könnte man es eher verstehen, wenn es „die Schlauen" heißen würde.
Durch Sanftmut setzt man sich im Kampf ums Dasein nicht durch. Der Herr Jesus war sanftmütig
und von Herzen demütig und wurde gekreuzigt. Wie könnte der Sanftmütige selber Selektion im
Kampf ums Dasein als seine Schöpfungsmethodik benutzen? Heute besitzen die Sanftmütigen
nicht die Erde. Selbst Gandhis Indien, das diese Methode zur Politik machte, ging anders als
sanftmütig mit Rotchina um, als letzteres Indien angriff. Goa wurde den Portugiesen von den
Indern nicht durch Gandhis Sanftmut abgenommen. Und die Inder besitzen diesen „goaischen"
Teil des Erdreichs noch immer, jedoch nicht durch Sanftmut.

„Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen." Ist denn der Kampf
ums Dasein barmherzig? Wenn er das wäre, würde er aufhören, Kampf zu sein.

„Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen." Gerade die Friedfertigen
sind doch die, die sich im brutalen Kampf nicht behaupten; sie lieben eben den Frieden, nicht den
Kampf. Und wie steht es um das Lieben des Feindes im Kampf ums Dasein, der darum geht, ob
man überhaupt weiter existieren soll?

Wir wollen uns darüber im klaren sein, daß diese Prinzipien der Bergpredigt für die heutige Welt
unvorstellbar und unmöglich sind. Hier in dieser Welt herrscht brutaler Kampf, hier herrscht
Rücksichtslosigkeit, hier herrschen Leid, Schmerz, Kampf und Tod, genau wie Darwin es
beobachtet hat, weil die ganze Schöpfung unter der Gewalt des Fluchs der Sünde seufzt. Wir
müssen Realisten sein: Dies ist der heutige Zustand!
Eine andere Frage ist, ob der Christ bewußt mitmachen soll. Wenn wir Jesus Christus lieben,
werden wir seine Worte halten (Joh. 14, 23), auch die Worte der Bergpredigt. Weil Jesus Christus
nicht mitmachte, wurde er gekreuzigt (Er verzichtete auf die zwölf Legionen Engel (Matth. 26, 53),
die seine Feinde augenblicklich ausgerottet und ihn befreit hätten. So widerstand er dem Bösen
nicht).

Was aber für uns hier wichtig ist, ist die Enthüllung des vollkommenen Charakters Gottes. Er ist
vollkommen, deshalb schätzt sein Charakter geistliche Armut, liebt Sanftmut, übt Barmherzigkeit
aus und bevorzugt die Friedfertigen. Welche Enthüllung seines Innenlebens, seines Charakters!
Er ist vollkommen, und er wird deshalb sofort mit einem Schöpfungsakt - seinem Charakter nach
zu urteilen - eine vollkommene Schöpfung nach einer Methodik zustande gebracht haben, die
seinem vollkommenen Charakter entspricht. Er wird hier nie mit unvollkommenen Zwischenstufen
in seiner Schöpfung herumexperimentiert haben, bis er den Gipfel, die Krone der Schöpfung
gefunden hat. Er ist allezeit vollkommen. Er sagt ein Wort und siehe, es geschieht
Vollkommenheit! Er wird nie seinen eigenen vollkommenen Charakter dadurch kompromittiert
haben, indem er Schöpfungsmethoden benutzt, die nach seinem eigenen Wort weniger als
vollkommen sind.

Wenn nun seine Schöpfungsmethode als Prinzip die „Unfriedfertigen" bevorzugen soll, könnte er
sie dulden? Könnten seine Schöpfungsmethoden davon abhängig sein, daß Feinde sich hassen
und sich gegenseitig ausradieren, wenn er selber seine Feinde liebt und für sie am Kreuz stirbt?
Er stirbt lieber selber, als daß er seine Feinde sterben läßt. Er gebietet uns, unsere Feinde zu
lieben; wenn sie hungern, sie zu speisen. Hier in Matth. 5 sehen wir wenig von nacktem Kampf
ums Dasein als Methodik Gottes. Eher umgekehrt: Er stirbt, um einen geistlichen - nicht
biologischen - Sieg zu gewinnen. Es wäre nach der Bergpredigt fast eine Gotteslästerung, die
Schöpfungsmethodik des Kampfes ums Dasein Gott zuschieben zu wollen als seine freiwillig
bevorzugte Art zu arbeiten.

Nun wendet jemand ein: Im Neuen Testament mag das wohl sein. Im Alten Testament war das
aber nicht der Fall. Da gab es Kampf, Gericht und Tod im Auftrag Gottes. Sicher gibt es mehr
Gericht im Alten Testament als im Neuen, obwohl es am Ende des Neuen Testamentes viel mehr
Gericht geben wird als im ganzen Alten Testament von Mose bis Maleachi. Denn die ganze Welt,
alle, die da leben, und alle, die tot sind, werden vor Gericht - am Ende des Neuen Testaments -
erscheinen, und da wird es ein schreckliches, jedoch gerechtes Gericht geben.

Jesus Christus selber wird nach den Aussagen des Alten und Neuen Testaments der Richter
sein, gerecht und barmherzig. Man sagt, daß Kampf ums Dasein einfach Gericht sei und daß
Gott, wenn er richtet, Kampf ums Dasein ausübt.
Nein, das kann nicht sein, denn wir müssen uns die Frage stellen, ob Gericht dadurch verdient
wird, daß man krank, unterentwickelt oder schwach ist, was die Basis von Selektion nach dem
Darwinismus ist. Er richtet ein gerechtes Gericht.
Aber auch im Alten Testament mit den vielen Gerichten findet man einen David, der ein Mann
nach Gottes Herzen war und der, wie Gott, das Gericht nicht liebt. Schauen wir uns einmal
Davids Charakter an! Er hatte zwei Möglichkeiten, den Mann zu töten, der ihm nach dem Leben
stand, nämlich den König Saul. Einmal in der Höhle zu Engedi hätte er Saul ohne Lärm oder
Schwierigkeiten töten können. Davids eigene Leute sagten zu ihm: „Siehe, das ist der Tag, davon
dir der Herr gesagt hat: ,Siehe, ich will deinen Feind in deine Hände geben, daß du mit ihm tust,
was dir gefalle.`" (1. Sam. 24, 5.)
David zog es vor, seinen Erzfeind zu lieben und nahm einen Zipfel von Sauls Rock, um Saul den
Beweis zu liefern, daß er ihn ohne weiteres hätte töten können, daß er aber seinen Feind liebte.
Diese Begebenheit stellt keinen Einzelfall dar, denn David wiederholte das gleiche in der Wüste
Siph. Als Saul und seine Leute schliefen, kam David mit Abisai und stahl Saul Spieß und
Wasserbecher, die zu seiner Seite waren. Als Abisai das sah, flüsterte er David zu: „Gott hat
deinen Feind heute in deine Hand beschlossen; so will ich ihn nun mit dem Spieß stechen in die
Erde einmal, daß er's nicht mehr bedarf" (1. Sam. 26, 8).
Aber David wollte keine Hand an ihn legen. David kannte eine Ritterlichkeit und eine Abneigung
gegen Gericht, was ihm wichtiger war als alle Gedanken seiner eigenen Sicherheit oder Vorteile.
David nützte seine Machtposition nicht aus. Er hätte im Kampf ums nackte Dasein zweimal leicht
siegen können, verzichtete aber aus höheren Gründen darauf und liebte seinen Erzfeind.

Nach dem Tode Sauls zeigte David wiederum die gleiche Gesinnung. Er suchte irgendeinen
Entronnenen des Hauses Jonathans, des Sohnes Sauls, um ihm Güte zu erweisen (2. Sam. 9).
Er findet den Krüppel Mephiboseth, der an beiden Füßen lahm war, läßt den armen Mann
kommen und stellt ihn den eigenen Königssöhnen gleich, so daß der Krüppel Mephiboseth alle
seine Tage an des Königs Tisch mit den Königssöhnen essen durfte. Mephiboseth bekam auf
ausdrücklichen Befehl Davids hin alle Äcker seines Großvaters Saul - des Feindes Davids -
zurück, damit er nicht als Bettler an des Königs Tisch zu erscheinen brauchte. Welche
Feinfühligkeit! Und David war ein Mann nach Gottes Herzen. So ging er mit seinen Feinden um.
Die andere Seite dürfen wir natürlich auch nicht übersehen. Als Gott den Befehl gab, gerechtes
Gericht auszuüben, gehorchte David auch. Auch hier zeigte er das Herz Gottes. Gott richtet aber
nur dann, wenn andere Methoden nicht mehr helfen. Er will nicht den Tod des Sünders, sondern
daß dieser sich von seinen Sünden bekehrt und lebt.

Diese gerechte Strenge des Charakters Gottes bewahrt uns vor einer weichlichen Vorstellung
des Charakters Gottes. Strenge und Güte sind beide da. Es ist immer das Wesen einer Karikatur,
einige Gesichtszüge auf Kosten anderer zu betonen: Die Nase wird zu lang, das Kinn zu klein,
der Hals zu kurz, obwohl man trotzdem den Gegenstand der Karikatur erkennen kann. Durch
diese Über- oder Unterbetonung wird das Bild lächerlich und somit eine Karikatur. So dürfen wir
mit dem Charakter Gottes nicht verfahren. Wir dürfen Liebe und Geduld nicht auf Kosten von
Strenge und Gerechtigkeit überbetonen, sonst entsteht ein Zerrbild seines Wesens und somit
eine Karikatur. Alle Charakterzüge müssen gezeigt werden, und zwar in der biblischen Betonung
und in den richtigen Proportionen, sonst entsteht eine Karikatur Gottes.

Können wir uns nun angesichts seines vollkommenen Charakters, seiner Liebe, Geduld,
Sanftmut, Friedfertigkeit, Gerechtigkeit, Strenge, Allmacht, Allgegenwart, Allwissenheit usw.
vorstellen, daß er sich der Methodik der Selektion im Kampf ums Dasein bedienen würde, um
seine Schöpfung zustande zu bringen? Damit hätte er seinen ganzen Charakter kompromittiert.
Der Vorschlag, daß er diese Methodik benutzte, kam offenbar von einem Mann, der die heutige
gefallene Schöpfung genau beobachtete. So geht es ohne jeglichen Zweifel heute zu.

Hat Gott aber die Methoden einer gefallenen Schöpfung benutzt, um eine vollkommene, nicht
gefallene Schöpfung, wie sie am Anfang war, zu erschaffеn?

Am Anfang, sagt Gott, war alles „sehr gut". Was sollen wir aber unter „sehr gut"
verstehen? Die Bibel gibt uns darüber klaren Aufschluß, denn am Ende dieser Schöpfung
wird Gott wieder alles „sehr gut" machen. Er beschreibt diesen Zustand am Ende der heutigen
Schöpfung mit folgenden Worten:
„Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen; und der Tod wird nicht mehr sein, noch
Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen" (Offb. 21, 4).
An anderen Stellen nennt sich dieser Zustand die „Wiederherstellung aller Dinge" (Apg. 3, 21).

Der Urzustand kehrt wieder zurück, wo kein Kampf, kein Geschrei, noch Schmerzen, Tod oder
Tränen sind. Wenn dies der Zustand am Anfang der Schöpfung war, daß alles in Harmonie lebte,
und wenn eines Tages alles wieder in Harmonie leben wird, wie kann man behaupten, daß alles
durch Selektion im Kampf ums Dasein entstand! Es gab eben am Anfang der Schöpfung keinen
Kampf, sondern Harmonie, weil Gottes Charakter harmonisch ist.

Dieser Kampf soll nach Darwin schöpferisch sein, denn durch Millionen von Jahren Selektion im
Kampf entstand eine schöpferische Leistung, etwas Neues. Die Bibel lehrt uns, daß Kampf erst
dann begann, nachdem die Schöpfung schon da war und zu sündigen anfing. Der Kampf ist also
ein Beweis für Degenerierung. Der Kampf ist ein Ausdruck der Zunahme von Entropie und
Probabilität (Degenerierung) und kein Ausdruck von Senkung der Entropie und Probabilität
(Schöpfung).

Wir fassen zusammen: Nach Darwin soll die Evolution die Folgen des Sündenfalls in der
Schöpfung, nämlich Leid, Tränen, Schmerz und Tod, dazu benutzt haben, um die Schöpfung
zustande zu bringen.

Welche Verwirrung der Logik unter den Christen und Theisten, dies überhaupt eine Sekunde für
möglich zu halten! Denn die Erschaffung der Welt fand vor dem Sündenfall statt. Nach Darwin
und den an Darwin glaubenden Christen geht die Wirkung vor der Ursache. Denn nach der Bibel
war alles am Anfang harmonisch und vollkommen: Leid, Schmerz und Tod gab es nicht.
Erst nachher kam der Sündenfall, der Kampf und Tod mit sich brachte. Wie können nun diese
Folgen des Sündenfalls (Kampf und Tod) in einer bereits bestehenden Schöpfung die Ursache
derselben sein?

4. Einige Folgen der Darwinschen Lehre in der politischen Welt

Die Geschichte der politischen Welt ist mit wenigen Ausnahmen von jeher die Geschichte von
Krieg, Gewalttat, Ausrottung ganzer Völker, Tyrannei und Versklavung der vielen zugunsten der
Herrschaft von wenigen gewesen. Doch erkannten zu fast allen früheren Zeiten wenigstens
einige Menschen, daß diese ständigen Kämpfe zur Vernichtung oder wenigstens zur Verrohung
der Menschheit im ganzen (auch der Sieger) führen würde. Individuelle Tapferkeit und
Ritterlichkeit im Kampf mögen Tugenden sein, und die besten mögen sich im Einzelkampf
behaupten und davonkommen. Aber im großen ganzen wirkten sich diese Kriege mit ihren
Massenvernichtungen zum Nachteil der Menschheit aus, denn wenn Menschen umkamen, waren
es meistens die Besten im Volk.

Aber seit der Publikation des „Origin of Species" von Darwin verbreitet sich ungehindert die Lehre
der „Tugend des Kampfes": Der Kampf an sich ist eine Tugend, denn durch ihn allein wird die
Emporentwicklung der Rasse gefördert. Wenn die ganze Schöpfung, wie wir sie heute kennen,
wenn die „ganze Realität" (Huxley) der Emporentwicklung der kosmischen wie auch der
biologischen Welt durch den erbitterten Kampf ums Dasein geradezu zustande kam, was kann
man, moralisch gesehen, gegen den Kampf an sich einwenden? Der Kampf ums Dasein nebst
seinen Schattenseiten (Angst, Schmerz, Agonie, Tod) muß eigentlich „gut" sein, denn er ist mit
wunderbaren Erfolgen gekrönt worden. Professor Dr. C. Waddington kommt gerade zu diesem
Schluß (vgl. Science and Ethics, S. 14), als er schrieb: „An existence which is essentially
evolutionary is itself the justification for an evolution towards a more comprehensive existence."
(„Eine Existenz, die wesensgemäß evolutionär ist, besitzt in sich selbst die Rechtfertigung für
eine Entwicklung in die Richtung einer allumfassenden Existenz.") Evolution muß „gut" sein, auch
wenn die Begleiterscheinungen (Sich-gegenseitig-Auffressen, Sieg der Brutalsten und Rohsten)
abscheulich sind, denn das Endresultat ist etwas Umfassenderes, eine vollkommenere Existenz
in der Zukunft. Mit anderen Worten: Das „fait accompli" (Emporentwicklung) erlaubt alle
Methoden, es zu erreichen.

Für Menschen, die zu dieser Überzeugung gekommen sind, daß Emporentwicklung nach
Darwinscher Lehre „gut" sein muß, weil ihre „Früchte" (eine bessere Rasse) gut sind, kann es
nicht verwerflich sein, wenn man der Emporentwicklung ein wenig dadurch „nachhelfen" will,
indem man die natürliche Selektion im Kampf ums Dasein bei Pflanzen, Tieren und Menschen
fördert. Demnach muß es eine „gute" Tat sein, wenn wir gewisse minderwertige Individuen oder
Rassen aussterben lassen bzw. „ausradieren". Die Natur (bzw. Gott) hat doch praktisch diese
Methode selber benutzt, was können wir also auf intellektueller oder moralischer Basis dagegen
einwenden? Dadurch, daß wir die gleiche Methode benutzen, werden wir die Emporentwicklung
zu einem Supermenschen, ja zu einer Superschöpfung nur beschleunigen. Nach diesen
Prinzipien müssen wir die Ausrottung minderwertiger Rassen und Individuen zum Wohl der
Rasse gutheißen. Auch die Beherrschung der „Sklavenrassen" vom „Herrenvolk", das den Plan
für die Emporentwicklung der „Rasse" entwirft, kann im gleichen Licht betrachtet werden. So
steigert man die Integrierung und Emporevolution der biologischen Welt. Es ist eigentlich nur
logisch, so zu denken, auch wenn die Darwinisten dagegen Protest erheben.

Also ist die erste Folge der Darwinschen Lehre in der politischen und auch in der biologischen
Welt die Verherrlichung des Kampfes schlechthin. Alles, was zum Kampf und deshalb zur
Selektion (Auslese) im Kampf führt, dient zur Emporentwicklung und muß gutgeheißen werden.
Unsere intellektuellen Darwinisten lieben es natürlich nicht, wenn man diese Folgerung zieht.
Aber obwohl sie diesen logischen Schluß nicht ziehen wollen, haben es andere für sie lange
getan, wie z. B. Hitler, Mussolini, Castro, Karl Marx, Lenin, Stalin und andere. Man muß
bedenken, daß Darwinismus die offzielle Staatslehre der Kommunisten ist und sich nicht nur auf
die biologische Welt, sondern auch auf die politische bezieht. Die „überholte" kapitalistische Welt
wird sich nach den Prinzipien des „politischen Darwinismus" in die sozialistische umwandeln;
auch diese Umwandlung stellt eine „Evolution" dar. Die heutige Literatur der Kommunisten und
Sozialisten ist durchtränkt von Darwinismus dieser Art.

Viele unserer westlichen Intellektuellen sind Darwinisten, und viele von ihnen stehen auch extrem
links in ihrer politischen Überzeugung. Beides hängt wohl zusammen. Aber merkwürdigerweise
ist Darwinismus nicht nur die offizielle Doktrin der Kommunisten, er ist auch die Basis der
Nationalsozialisten gewesen, auch wenn die äußere Form etwas umgeändert wurde.
Die Nationalsozialisten entwickelten natürlich ihre Ideen von Blut und Boden etwas anders als die
Russen, aber folgende Zitate aus Hitlers „Mein Kampf" werden genügen, um unter Beweis zu
stellen, daß Hitler vom Darwinismus begeistert war und seine Rassenpolitik darauf basierte

Hitler schrieb („Mein Kampf", Verlag Franz Eher Nachfolger, München 1933): „So große
Bedeutung im völkischen Staat die Art der körperlichen und geistigen Erziehung haben wird,
ebenso wichtig wird auch die Menschenauslese (Selektion) an sich für ihn sein" (S. 44). „(Der
Staat) hat, was irgendwie ersichtlich krank und erblich belastet und damit weiter belastend ist,
zeugungsunfähig zu erklären und dies auch praktisch durchzusetzen ... er muß ohne Rücksicht
auf Verständnis oder Unverständnis, Billigung oder Mißbilligung in diesem Sinn handeln" (S.
447/448). „Eine nur sechshundertjährige Verhinderung der Zeugungsfähigkeit und
Zeugungsmöglichkeit seitens körperlich Degenerierter und geistig Erkrankter würde ... zu einer
Gesundung beitragen, die heute kaum faßbar erscheint. Wenn so die bewußte, planmäßige
Förderung der Fruchtbarkeit der gesündesten Träger des Volkstums verwirklicht wird, so wird das
Ergebnis eine Rasse sein, die ... die Keime unseres heutigen körperlichen und damit auch
geistigen Verfalls wieder ausgeschieden haben wird" (S. 448). - Ist es aber wahr, dаß
körperlicher Verfall die gleiche Erscheinung ist wie geistiger Verfall, wie Hitler behauptet?
Eins ist von vornherein klar: Ein Diktator ist die letzte Person, die absolute Macht über die
persönliche Zukunft eines Untertanen ausüben soll. Denn als Hitler über genügend Macht
verfügte, um „erblich Belastete" auszuscheiden, waren es sehr oft „politisch Belastete" die
tatsächlich liquidiert wurden. Hitlers Feinde wurden in der Praxis liquidiert - neben all den wirklich
kranken Kindern und anderen, die in die Gaskammern kamen -, wie bei allen Diktaturen von
Anfang der Welt an. Die Doktrinen mögen noch so gut klingen, aber ihre praktische Durchführung
versagt, weil der Mensch selber moralisch versagt. Er ist in der Praxis ein gefallenes Wesen, das
von Haß und Neid mehr bestimmt wird als von Tugenden. Also in der Praxis wurden von Hitler
ganze Volksgruppen „ohne Rücksicht auf Verständnis oder Unverständnis, Billigung oder
Mißbilligung" vergast. Die Lehre, die wir offensichtlich daraus ziehen müssen, ist daher, keinem
System zuzustimmen, das irgendeinem Mann oder irgendeiner Gruppe absolute Macht in die
Hände gibt. „Macht korrumpiert, und absolute Macht korrumpiert absolut", sagte der weise
Engländer Lord Alton. Der Mensch ist derart gefallen (die Geschichte beweist es), daß er
absolute Macht nie in die Hände bekommen darf. Er ist moralisch zu unterentwickelt, um
uneingeschränkte Macht verkraften zu können; sie wird ihn nur noch mehr korrumpieren, als er
es vorher war. In der Praxis also, als Hitler einmal die absolute Macht in Händen hatte, erwürgte
er seine Feìnde, wie nur zu erwarten war. Er rechtfertigte dies aber mit der Lehre, seinem Volk
einen Dìenst getan, nämlich die „Reinigung" des Volkes dadurch gefördert zu haben.

Auf der anderen Seite ist es klar, daß, wenn der Mensch ein „Engel" wäre, der weder die
Kranken noch die Schwachen mißbraucht, man sicher viel gesunde Vernunft in Hitlers Worten
finden könnte. Man muß sich aber die praktische Tatsache fest vor Augen halten, daß Hitlers und
der Darwinisten an sich vernünftig klingende Worte die Basis einer Massenvernichtung der Juden
und anderer und einer Massenverrohung der Deutschen wurde, wie die Welt in der
Vergangenheit sie kaum je gesehen hat.

Hitler meinte aber durch diesen Glauben und durch seine dadurch bedingten Taten ein „edles"
Zeitalter herbeiführen zu können. Durch diesen Glauben wollte er die starken, reinrassigen Arier
zum Wohl der ganzen arischen Welt emporheben: „Der völkischen Weltanschauung muß es im
völkischen Staat endlich gelingen, jenes edlere Zeitalter herbeizuführen, in dem die Menschen
ihre Sorge nicht mehr in der Höherzüchtung von Hunden, Pferden und Katzen erblicken, sondern
im Emporheben des Menschen selbst" (S.449).

Hitler läßt uns über seine menschlichen Züchtungsziele nicht im dunkeln: „Der völkische Staat hat
in dieser Erkenntnis seine ganze Erziehungsarbeit ìn erster Linie nicht auf das Einpumpen bloßen
Wissens einzustellen, sondern auf das Heranzüchten kerngesunder Körper. Erst in zweiter Linie
kommt dann die Ausbildung der geistigen Fähigkeiten. Hier aber wieder an der Spitze die
Entwicklung des Charakters, besonders die Förderung der Willens- und Entschlußkraft,
verbunden mit der Erziehung zur Verantwortungsfreudigkeit und erst als letztes die
wissenschaftliche Schulung." - Im schweren Schicksalskampf unterliegt selten, der am wenigsten
weiß, sondern immer derjenige, der aus seinem Wissen die schwäch¬sten Konsequenzen zieht"
(S. 452/453).

Der Darwinsche Kampf ums Dasein beherrschte Hitlers ganzes Denken, und durch die Auslese
in diesem Kampf wollte er der Natur ein wenig nachhelfen, indem er einige „minderwertige"
Rassen „ausradierte". In diesem Kampf sollte der arische Mensch zum Supermenschen erhoben
werden. Die Ironie der ganzen Situation besteht darin, daß Hitlers „Halbaffen" (d. h. seine Feinde,
die Juden) wissenschaftlich besser geschult waren als er, mit der Folge, daß sie im bitteren
Existenzkampf siegten. So siegte ein „kerngesunder Geist" über den „kerngesunden Körper".
Als vor hundert Jahren Professor Dr. Sedgwick aus Cambridge Darwins „Origin of Species"
ausgelesen hatte, bemerkte er, daß die Folgen dieses Buches, wenn es allgemeinen Anklang
fände, eine Verrohung und eine Brutalisierung der Menschheit auf bisher nie erlebte Weise sein
würde. Professor Dr. Sedgwick hatte recht. Dr. R. E. D. Clarke (Darwin before and after;
Paternoster Press, London 1948) schreibt: „Unsere eigene Generation hat lange genug gelebt,
um die unvermeidlichen Folgen der Evolutionslehre zu sehen, ein Resultat, das Sedgwick
voraussah, sobald er ,Origin of Species` ausgelesen hatte. Mussolinis Lebensanschauung war
von Evolution total beherrscht. In seinen öffentlichen Reden benutzte er ständig die Darwinschen
Slogans und spottete der Idee eines ewigen Friedens, weil dadurch das Evolutionsverfahren
verhindert würde. In Deutschland finden wir das gleiche. Hitlers Wesen war von evolutionärer
Doktrin beherrscht, wahrscheinlich von seiner Jugend auf. Evolutionsideen stehen unverblümt
hinter den abscheulichsten Gedanken von ,Mein Kampf` und seinen öffentlichen Reden."

Noch einige Zitate aus „Mein Kampf" (schon der Titel ist doch , „darwinistisch") sollen dazu
dienen, diese Eindrücke zu erhärten. Hitler pries z. B. das Boxen als eine Methode, den
„Angriffsgeist" zu fördern: „Es gibt keinen Sport, der wie dieser den Angriffsgeist fördert" (S. 454).
Hören wir auch folgendes Wort: „Doch hat der völkische Staat eben nicht die Aufgabe, eine
Kolonie friedsamer Ästheten und körperlicher Degeneraten aufzuzüchten. Nicht im ehrbaren
Spießbürger oder der tugendsamen alten Jungfer sieht er sein Menschheitsideal, sondern in der
trotzigen Verkörperung männlicher Kraft und in Weibern, die wieder Männer zur Welt zu bringen
vermögen" (S. 455).

Wiederum: „Von Zeit zu Zeit wird in illustrierten Blättern dem deutschen Spießer vor Augen
geführt, daß da oder dort zum ersten Mal ein Neger Advokat, Lehrer, gar Pastor, ja Heldentenor
oder dergleichen geworden ist. Während das blödsinnige Bürgertum eine solche Wunderdressur
staunend zur Kenntnis nimmt, voll von Respekt für dieses fabelhafte Resultat heutiger
Erziehungskunst, versteht der Jude sehr schlau, daraus einen neuen Beweis für die Richtigkeit
seiner den Völkern einzutrichternden Theorie von der Gleichheit der Menschen zu konstatieren.
Es dämmert dieser verkommenen bürgerlichen Welt nicht auf, daß es sich hier wahrhaftig um
eine Sünde an jeder Vernunft handelt, daß es ein verbreche¬rischer Wahnwitz ist, einen
geborenen Halbaffen so lange zu dressieren, bis man glaubt, aus ihm einen Advokaten gemacht
zu haben ..." (S. 479.)

Dieses letzte Zitat stammt aus einem Kapitel von „Mein Kampf", das die Überschrift trägt:
„Staatliche Auslese der Tüchtigen". Hitler und die Nationalsozialisten betrachteten die Neger, die
Juden und auch andere als Zwischenstufen im Darwinschen Sinne des Wortes. Sie stellten
Zwischenstufen zwischen dem arischen Menschen und den Menschenaffen dar, waren also,
genau wie Hitler sich ausdrückte, „Halbaffen“. Es ist also klar, daß auch dieser Gedanke des
„Halbaffen“ seinen Ursprung in der Darwinschen Denkweise Hitlers hatte, auch wenn sein
Darwinismus primitiv war. Viele seiner Ideen auf biologischem Gebiet würden ortho¬doxe
Darwinisten mit Recht ablehnen, so z. B. seine Gedanken zum Thema Rassenreinheit, Blut und
Boden, usw. Eins aber steht fest: Hitler glaubte mit ganzem Herzen an den Sieg der Tüchtigen im
Kampf ums Dasein und war der Überzeugung, daß dieser Kampf durch Auslese für die
Emporentwicklung einer arischen Superrasse unumgänglich war. Dieses Gedankengut stellt
natürlich den Kern und Eckstein der Darwinschen Methodik und Lehre dar. Und Sedgwicks
prophezeite Verrohung und Brutalisierung des Volkes und der Partei ließ auch nicht lange auf
sich warten. Wer diese fast unvorstellbare Brutalisierung der Nationalsozialisten verfolgen will,
möge Kogons „Der SS-Staat" (Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main, 1964) lesen.

Will man den Keim dieser Brutalisierung finden, braucht man nur bei Hitler nachzulesen, wenn er
schreibt: „Wenn man bedenkt, daß außerdem noch eine möglichst große Einschränkung der
Zeugung an sich erfolgt, so daß der Natur jede Auslese unterbunden wird, da natürlich jedes
auch noch so elende Wesen erhalten werden muß ..." (S. 275). Hitler lebte begeistert in der Welt
der biologischen Auslese; für ihn bedeutete das arme Kind, das in der Auslese zugrunde geht,
nichts. Wie anders ist die Denkweise Jesu, wenn er uns sagt, daß Gott selbst um die Spatzen auf
dem Dach besorgt ist und daß jedes Haar unseres Hauptes gezählt ist (Matth. 10, 29. 30)!
Aber es blieb leider nicht nur bei schwachen, elenden Kindern; ganze Rassen wurden genauso
behandelt: „Dann muß man ... nach einer neuen Kraft suchen, die gewillt und fähig ist, den Kampf
für ein solches Ideal aufzunehmen. Denn um einen Kampf handelt es sich hierbei, insofern die
erste Aufgabe nicht heißt: Schaffung einer völkischen Staatsauffassung, sondern vor allem:
,Beseitigung der vorhandenen jüdischen`." (S. 505.) Es blieb natürlich nicht bei der Beseitigung
einer „jüdischen Staatsauffassung", sondern es kam bald zu der Ausrottung des ganzen
jüdischen Volkes, zu der „Endlösung des Judenproblems".

Das waren also einige Folgen und Auswirkungen der Darwinschen Lehre bei der
nationalsozialistischen Bewegung. Erstaunlicherweise findet man eine ähnliche Entwicklung bei
den Kommunisten.

Es ist z. B. bekannt, daß Karl Marx sein Buch „Das Kapital" Charles Darwin widmen wollte, weil
er einige Grundprinzipien Darwins in die politische Welt übernommen hatte. Aber aus politischen
Gründen lehnte Darwin ab. Wer die politische und antireligiöse Propaganda der modernen
Kommunisten liest, weiß, daß sie von primitivstem Darwinismus durchtränkt ist. Man findet die
gleichen Gedankengänge wie bei den Nationalsozialisten, und die brutalisierende Wirkung bleibt
auch nicht aus.

Dr. J. C. Pollock beschreibt in seinem vor einigen Monaten erschienenen Buch „The Christians
from Siberia" (Hodder and Stoughton Ltd., London E. C. 4, 1964; für Deutschland: Friedrich Bahn
Verlag, Konstanz, 1966) die Entwicklung der atheistischen Propaganda im heutigen Rußland. Um
diese Propaganda zu intensivieren, gab 1964 die kommunistische Partei die Gründung
verschiedener Universitätslehrstühle für „wissenschaftlichen Atheismus" bekannt (S. 129). Nun,
wenn der Staat der ehrlichen Überzeugung ist, daß Atheismus die Wahrheit und wissenschaftlich
zu begründen ist, darf man gegen die Gründung dieser Universitätslehrstühle nichts einwenden.
Aber ein Zweck dieser Neugründungen ist folgender: „Wir wollen nicht, daß unsere Jungen und
Mädchen bezüglich religiöser Fragen bloß unwissend erzogen werden. Wir wollen, daß sie
überzeugte, kämpferische Atheisten werden." (S. 129.) Die Kommunisten halten alle Religion für
falsch, für „Opium für das Volk". Religion ist schädlich für das Volk, sie macht die Leute zu
„moralischen Krüppeln". (Diesen Ausdruck finden wir oft.) Die Neugründungen der Lehrstühle in
den Universitäten sollen also propagandistischen Zwecken dienen, um das „Übel“ der Religion
aller Arten zu entfernen.

Dieser aktive Kampf gegen alle Religion wird streng durchgeführt, und der Schauplatz ist
natürlich vor allen Dingen die Schule. Die kommunistische Auffassung ist, daß kein Junge und
kein Mädchen „normal" oder „voll entwickelt" sein kann, wenn Religion ihr Leben bedingt. Sie
müssen „moralische Krüppel" sein, wenn sie sich auf die „Spuren der toten Vergangenheit" (d. h.
Religion irgendwelcher Art) verlassen: „Es ist die Pflicht der Schule, so zu kämpfen, daß die
Kinder religiöser Eltern keine moralischen Krüppel, sondern tätige Erbauer des Kommunismus
und voll entwickelte Menschen werden" (S. 130). Der Kommunist betrachtet Kinder, die gläubig
erzogen sind, als „Heuchler mit zwei Gesichtern" (S. 130). Da Kinder aus gläubigen Häusern
Gefahr laufen, „moralische Krüppel" zu werden, muß sich die Partei noch mehr Mühe geben, den
„neuen kommunistischen Menschen" zu erziehen, „der selbstsicher, hochmütig ist, der
Bescheidenheit und Demut verabscheut, der kopfhoch als Meister seines eigenen Schicksals
durchs Leben marschiert. Die Brüder und Schwestern in Christus verbiegen und zerstören selbst
den Charakter eines Menschen, stehlen einem Mann alles, was er hat, führen ihn irre, so daß er
seinem Traum des Glücks nach dem Tode nachjagt und seinen Stolz und Vertrauen zu seinen
eigenen Kräften verliert" (S. 131). Es liest sich fast wie „Mein Kampf" von Adolf Hitler. Die
Philosophie ist ja die gleiche und die „wissenschaftliche" Basis die des Darwinismus, die
Philosophie des Kampfes, der zur Emporentwicklung notwendig ist und der deshalb an sich und
in sich „tugendsam" sein muß.
Wenn ein christliches Ehepaar dieser Propaganda Widerstand leistet und die eigenen Kinder
dazu erzieht, den Schöpfer über alles zu lieben, verlieren sie heutzutage immer häufiger ihr
Elternrecht. Die Kinder werden von den Eltern entfernt und in Internate beson¬derer Art
verschickt, wo sie fern von den Eltern und dem Elternhaus nach atheistischen, d. h. für den
Kommunisten nach Darwinschen Prinzipien, erzogen werden.

Dr. Pollock zitiert folgendes Beispiel, das diese Tendenz beleuchtet, und zeigt, daß das Volk oft
nicht mitgehen will. Wie in allen Diktaturen setzt sich aber die politische Minorität rücksichtslos
durch: Ein Junge, namens Sasha Turkin, siebzehn Jahre alt und gläubig, wollte Mitglied des
Bundes junger Kommunisten werden. Sein Antrag wurde vor den Komsomolzen seiner Klasse
vorgelesen, die die Macht haben, den Antrag abzuweisen. Alles ging gut, und man bereitete sich
zur Abstimmung vor, als Vitaly Bonzhenko aufstand und die Frage stellte: „Glaubst du an Gott?"
Die ganze Klasse hielt den Atem an, denn Sasha war als überzeugter Christ bekannt und auch
sehr beliebt. Außerdem war er fähig und intelligent. Alle hatten ihn gern, aber diese Frage könnte
ihm die Mitgliedschaft kosten, was seine Chancen weiteren Studiums beeinträchtigen würde.
„Ja", sagte Sasha ruhig, „ich glaube an Gott." War das nun möglich: Sasha, der an der Tafel
gestanden und die Darwinsche Theorie erklärt hatte, glaubte an Gott? Einige Mitglieder der
Klasse retteten plötzlich die Situation, indem sie ausriefen, daß alles ein Witz sei. Ohne ein
weiteres Wort zu verlieren, wurde Sasha Turkin einstimmig gewählt. Die Zeitung Komsomolskaja
Prawda erstattete über obige Begebenheit Bericht und war sehr betrübt darüber, daß der Bund
junger Kommunisten in Sasha seinen ideologischen Feind nicht erkannt hatte (S.137-138).
Als Sasha seine Mitgliedskarte entgegennahm, bekannte er sich noch einmal eindeutig zu
seinem Glauben. Die Zeitung war regelrecht schockiert und kritisierte Schule, Klasse und
Rathaus, die alle direkt oder indirekt diesen schrecklichen Zustand gebilligt hatten.

In den Universitäten geht es aber oft härter zu. Im Jahre 1963 wurde eine Studentin des
Ingenieurinstituts und des Ökonomischen Instituts in Moskau entlassen, nur weil sie gläubig war.
Die Kommunisten betonen immer wieder, bis man es kaum noch hören kann, daß Darwinismus
die wissenschaftliche Basis des Kommunismus sei. Das Leben entstand nach Darwinschen
Gesetzen spontan aus totem Stoff. Gott war nicht die Ursache des Lebens, sondern der Zufall
war allein die Ursache. Nur die Priester postulieren Gott, damit sie ein Schmarotzerleben führen
können, damit sie dem dummen Volk Angst machen können, das ihnen dann Geld gibt. Nicht nur
Leben und Weltall sind aber Produkte toter Einflüsse, die nach den Prinzipien des Darwinismus
funktionieren, selbst die Geschichte, auch die politische Geschichte unserer Erde, ist das Produkt
toter Gesetze. Gott ist total und absolut ausgeschlossen, Atheismus ist die einzige Wahrheit.
Alles andere verbiegt den Charakter, ruiniert die Menschen und ist ein Feind des
kommunistischen Systems, der zugunsten des kommunistischen Paradieses „ausradiert" werden
muß. Wer nicht an Zufall, Selektion, Mutation und Kampf als Erklärung für alles glaubt, der ist ein
Feind, der für die Liquidierung reif ist.

Also auch die Darwinisten roter Färbung glauben wie ihre westlichen Vettern, daß tote Materie im
Grunde genommen schöpferisch ist, daß sie imstande ist, im geschlossenen System Entropie zu
senken, was in Wirklichkeit heißt, daß tote Materie göttliche, schöpferische Eigenschaften besitzt.

Warum entwickelt sich die kommunistische Doktrin nicht diesen Fortschritten gemäß? Warum
verharrt der Kommunismus und auch westliche Biologie doktrinmäßig in mittelalterlichen
Vorstellungen, die mit heutigen Erkenntnissen gar nicht zu vereinbaren sind? Sie sind durch ihre
veraltete Naturwissenschaft dazu gezwungen worden, an eine „schöpferische" Materie zu
glauben, eine Naturwissenschaft, die der nüchternen Wirklichkeit nicht mehr entspricht. Und ihre
westlichen Brüder sind natürlich in der gleichen Lage. Materie ist in beiden Lagern zum Schöpfer
geworden. So haben die Kommunisten, wie alle Darwinisten, auch ihren Gott, der sich vom Gott
der Christen darin unterscheidet, daß er pantheistisch ist. Gott ist die Materie, die Welt, der
Kosmos - es ist ganz gleich, wie wir es ausdrücken wollen, wenn wir den Kern der Lehre
verstehen. Die Kommunisten sind also in Wirklichkeit religiöse Leute, nur haben sie einen
anderen Gott als wir. Und weil sie religiös sind, besitzen sie einen Missionseifer, der den
christlichen oft beschämt.

Wir wollen also den einen Punkt festhalten: Die kommunistische Lehre der Entwicklung des
Kosmos, des Lebens und der Geschichte ohne Gott ist genauso unbegründet - wissenschaftlich
gesehen - wie der Darwinismus selber. Weil aber die Doktrin bei den Kommunisten
verfassungsmäßig festgelegt ist, kann sie nicht geändert werden. Mit wachsender
wissenschaftlicher Erkenntnis darf sich beim Kommunismus nichts ändern. Lenin, Marx und die
anderen haben alles vor Jahren festgelegt. Da muß nun auch alles so bleiben, sonst fällt man
unter das Urteil der Reaktion. Aus diesem Grund muß der Kommunismus immer fanatischer
werden, sonst wird er sich nicht durchsetzen können. Liberalisierende Einflüsse kann er nicht
vertragen, sonst wird das Ganze aufgedeckt, die ganze Unwahrheit kommt an den Tag.

Wir sind jetzt in der Lage, bezüglich der Auswirkungen Darwinscher Lehre einen Schluß zu
ziehen. Alle Bewegungen und Nationen, die den Darwinismus offiziell und praktisch ausgewertet
haben, sind Professor Dr. Sedgwicks vorausgesagten Auswirkungen nicht entgangen: Die
Verrohung der Lehre des Kampfes um des Kampfes willen hat ihre Wirkungen nicht verfehlt. Man
betrachte Mussolinis Faschismus, Hitlers Nationalsozialismus oder Stalins oder Maos
Kommunismus: Sie alle lehnen die höheren Eigenschaften wie Demut, Enthaltsamkeit, Geduld,
Sanftmut, objektive Wahrheit (im Gegensatz zu tendenziöser Propaganda) zugunsten des
nackten Kampfes ab. Sie ziehen den Kampf um des Kampfes willen vor, um der natürlichen
Auslese nachzuhelfen. Die Parole ist, daß Schöpfung nach oben dort stattfindet, wo Kampf das
Minderwertige niedermetzelt. Hitlers letzte öffentliche Äußerung vor Kriegsende (1945) faßte alles
zusammen, als er den Befehl gab, alle Lebensmittellager, alle lebenswichtigen Werke (wie
Wasserwerke, Kanalisation, Brücken usw.) restlos zu vernichten. Die Deutschen hätten im harten
Existenzkampf versagt, hinfort seien sie des Lebens und der Existenz also unwürdig, man solle
sie deshalb allesamt „ausradieren". Ob Greise und Kinder, Mütter und Kranke elend verenden,
spielt keine Rolle in diesem Denksystem. Das Volk habe im Kampf versagt, deshalb habe es
keine Existenzberechtigung mehr. Deshalb sollten alle Lebensmittelvorräte sofort vernichtet
werden, die Wasserversorgung sollte sofort unterbunden werden, alles sei dem Tode geweiht.
Der Nihilismus und die Verrohung waren vollkommen.

Bei den Nationalsozialisten und bei den Kommunisten sehen wir die Folgen des Darwinismus in
einem etwas drastischen Licht. Aber sie bleiben auch in unserer westlichen Welt nicht aus, auch
wenn die Symptome der gleichen Krankheit etwas milder verlaufen. In den Schulen wird der
Darwinismus gelehrt, wonach der Mensch ein intelligentes Tier ist, das sich im Daseinskampf
emporgearbeitet habe. Man lehrt das Evangelium des Kampfes, damit die Rasse - und der
einzelne - vorwärts komme. Man kann es also verstehen, wenn die Schüler die Konsequenzen
ziehen und sogar der Behörde den Kampf ansagen. Die jungen Menschen sind auch „Tiere“, die
Geschlechtstriebe besitzen. Die Tiere unterdrücken diese Triebe nicht und sind dabei „glücklich".
Gut, machen wir es auch so! Durch Verhütungsmittel verhütet man die Folgen des
geschlechtlichen Verkehrs. Was hindert uns, daß wir uns ausleben" und geschlechtlichen
Verkehr mit jedem haben, der uns gefällt? Triebe sind natürliche Instinkte, die der Erhaltung der
Rasse dienen; laßt sie also ihren Zweck erfüllen!

Dagegen lehrt die Bibel, daß der Geist Gottes in uns ein Geist der Enthaltsamkeit ist (Gal. 5,
16.24). Enthaltsamkeit veredelt den Charakter. Aber heutzutage spricht man lieber nicht darüber.
Die Musik ist ausschweifend, die Kunst surrealistisch oder pornographisch, die Literatur besteht
aus brutalen Kriminalromanen und Kämpfen im Raum und auf den Planeten. Was schön ist, was
wohllautet, was sanft und edel ist, findet heute wenig Anklang. Eher hört man sich Musik an, die
Laute wie die einer explodierenden Dampflokomotive produziert. Und die Spieler in solchen
Orchestern gleichen sehr den Spielern von Dschungelmusik im Herzen Afrikas, ehe der weiße
Missionar kam. Ihre Bewegungen sind wild, ihre Instrumente geben eher Rhythmus und Schwung
als Musik von sich. Und wenn die „Beatles" erscheinen und gestikulieren, schreien die jungen
Mädchen und fallen ohnmächtig zu Boden. Die Verrohung und Brutalisierung bleiben nicht aus,
auch wenn die Temperatur anders ist und die Symptome milder sind als die, die wir beim
Kommunismus und Nationalsozialismus feststellten.
V. Die Zukunft des Menschen

1. Nihilismus des einzelnen im Darwinismus

Der Darwinismus hat bezüglich der Zukunft des einzelnen nichts zu sagen, außer daß beim
Einzelwesen, nachdem es gestorben ist, alles aus ist. Der Zweck des ganzen Lebens des
einzelnen besteht in der Emporentwicklung der Rasse, und wenn das irdische Leben vorbei ist,
ist für ihn alles vorbei. Es gibt für ihn keine Zukunft. Ich und mein Fleisch sind eins. Wenn mein
Fleisch tot ist, bin ich nicht mehr. Mit anderen Worten hat der sogenannte wissenschaftliche
Darwinismus für den sterblichen einzelnen nichts zu bieten. Eine persönliche Hoffnung eines
Zwecks dieses irdischen Lebens nach dem Tode kennt er nicht. Der ganze Zweck und die ganze
Bedeutung des Lebens besteht in der Rasse allein, der einzelne darf ein ganz klein wenig dazu
beitragen, daß die Rasse sich zu einem Supermenschen entwickelt. Aber die siebzig Jahre, die
der Mensch lebt, sind von keiner großen Bedeutung allein vom Standpunkt des einzelnen aus.
Hier hat also der Darwinismus nicht viel mehr zu bieten als praktischen Nihilismus. Aber auf
welchem Gebiet der Philosophie oder der Wissenschaft hat sich jemals der Nihilismus als richtig
erwiesen?

Auch in bezug auf die persönliche Zukunft des „kommenden Supermenschen" hat der
Darwinismus nichts zu bieten. Denn die biologische Bestimmung (der Darwinismus kennt keine
andere) des Supermenschen oder der Superrasse unterscheidet sich praktisch nur quantitativ
vom materiellen Leben, das wir heute kennen. Die Superrasse und der Supermensch werden
essen, trinken, heiraten, schlafen, sich fortpflanzen und sterben, genau wie wir es heute tun.
Sicher wird man zu den Planeten fliegen können, sicher wird man in wunderbaren Häusern
wohnen, sicher wird man nur zwei Tage in der Woche arbeiten müssen, dann wird man
unternehmen können, was man will. Aber prinzipielle neue Gedanken zur Lebensart bietet uns
der Darwinismus nicht. Alles ist bloß eine Extrapolierung dessen, was wir heute schon kennen.
Gedanken in einer neuen „Dimension" habe ich nicht entdeckt.

Die neue Rasse wird vielleicht, wie man meint, wiederum solange leben wie Adam (über
neunhundert Jahre). Der Lebensstandard wird höher sein, sonst aber bleibt alles beim alten. Der
Mensch (und das Tier) geht der totalen Auflösung, der totalen Vernichtung, entgegen. Und die
modernen Darwinisten sind in diesem Punkt ganz logisch, sie legen wenig Wert auf den
einzelnen, sie lieben eher die „Masse". Der einzelne kann ruhig „Kanonenfutter" werden, solange
das „Volk" oder die „Rasse" davonkommen und siegen. Wie kann man sonst die Einstellung
moderner Kommunisten erklären, bei denen es fast nichts Billigeres gibt als ein Menschenleben?
Sie schicken ihre Soldaten massenweise an die Front und lassen sie hingeschlachtet werden, bis
die Gegner keine Munition mehr haben. Die Nationalsozialisten haben ebenso gehandelt: Man
ließ die Häftlinge hinrichten mit genausowenig Bedenken, wie wenn man das Fenster aufmachte
(vgl. Kogon: Der SS-Staat). Diese Einstellung ist eine Frucht ihres Glaubens. Nachdem der
einzelne seinen biologischen Zweck erfüllt und Kinder gezeugt hat (wenn seine „Rasse"
überlegen war), kann er ruhig für die „höheren" Zwecke der Siege der Superrasse benutzt
werden. Man wirft ihn weg, wie man eine leere Sardinenbüchse wegwirft; sie hat ihre Pflicht
getan, Schluß! Mit einer Zukunft des einzelnen muß man nicht mehr rechnen.

Doch spricht unsere biologische Welt, die um uns herum wächst und von der Darwin seine
Weisheit gelernt haben will, eine ganz andere Sprache als die des bloßen Nihilismus für den
einzelnen und der Heilsverheißung für die Rasse allein. Denn in der Natur finden wir ständige,
wenn auch leise, Mahnungen und „Gerüchte", die uns zuflüstern, daß mit dem „Staub" des
einzelnen alles gar nicht „aus" ist. Überall finden sich Hinweise, daß nichts umkommt und nichts
verlorengeht. Große Umwandlungen und Verwandlungen finden statt, während plötzliche,
bedeutungslose Fälle von Hiatus, wie der Darwinismus sie beim Sterben des einzelnen postuliert,
eine große Ausnahme bedeuten. Das Samenkörnlein fällt in die Erde, um in dieser Form als
Individuum zu sterben und nicht mehr als solches zu existieren. Aber nun findet eine erstaunliche
Metamorphose statt, und aus dem kleinen, gelben Körnlein entsteht eine große, wehende, grüne
Weizenpflanze. Wenn man nur das Weizenkörnlein allein gekannt hätte, wäre man nie auf die
Idee gekommen, daß es eine so schöne, große Pflanze in sich trägt. Die Raupe erweckt kaum
den Verdacht, daß sie eines Tages zum Schmetterling wird. Die Metamorphose ist
„unwahrscheinlich" und auch vollkommen.

Das Prinzip geht aber weiter. Das Ei wird vom Eierstock ausgestoßen und tritt den Weg an, der
männlichen Zelle entgegenzugehen. Das Ei und die Spermatozoen sind winzig kleine Zellen, die
überhaupt keine Ähnlichkeit mit einem Menschen zeigen. Beide sind sehr kompliziert, denn sie
enthalten fast unvorstellbar viel chemische Information, die sie für alle kommenden Generationen
auf den Genen speichern. Aber weder die äußere Form der reproduktiven Zellen noch ihre
gespeicherte chemische Information bergen in sich irgendeine Ähnlichkeit mit dem Organismus,
der werden soll: mit einem erwachsenen Menschen. Die Metamorphose ist komplett.

2. Stoffwechsel und Individualität

Jetzt müssen wir aber noch einen Aspekt dieser Metamorphose anschauen. Der Frosch liegt auf
einem kühlen, nassen Stein. Mit Hilfe gewisser Zucker- und Eiweißmoleküle in seinem Hirn und
seinen Muskeln erhält er die Energie für bestimmte elektrische Impulse (seine „Gedanken") und
für Muskelkontraktionen (seine Bewegungen beim Fliegenfang). Nervenimpulse und
Zungenbewegungen kosten Energie, die durch den Abbau der Zucker- und Eiweißmoleküle
geliefert wird. Dabei wird Kohlenstoffdioxyd gebildet und ausgeatmet. Eine Metamorphose in der
Welt der Kohlen¬stoffatome hat stattgefunden. Um „Gedanken" zu unterhalten und Bewegungen
zu ermöglichen, wurde Kohlenstoff von Zucker- und Eiweißmolekülen in Kohlenstoff von
Kohlendioxydmolekülen umgewandelt. Er ist nicht mehr ein Bestandteil komplizierter Moleküle,
sondern einfacher Kohlendioxydmoleküle. Das Kohlenstoffatom blieb gleich, nur die äußere Form
änderte sich. Denn Kohlenstoffdioxyd ist ein Gas mit ganz anderen Eigenschaften als die der
ursprünglichen Zuckermoleküle. Eine große Metamorphose hat stattgefunden. Andere folgen.

Die vom Frosch ausgeatmeten Kohlendioxydmoleküle werden von einer Kartoffelpflanze


aufgenommen und durch Photosynthese (mit Hilfe von Sonnenstrahlen) zu Zucker- und
Stärkemolekülen reduziert, die dann in den Kartoffeln gespeichert werden. Eines schönen Tages
esse ich diese Kartoffeln und verbrenne deren Stärke- und Zuckermoleküle, um die Energie zu
gewinnen, die ich brauche, um diese Gedanken heute niederzuschreiben. Die gleichen
Kohlenstoffatome waren die materiellen Träger der Energie für Frosch- und Menschengedanken;
dabei werden aber weder die Individualität des Frosches noch meine Individualität angetastet.
Daß unsere Persönlichkeiten beide die gleiche stoffliche Basis teilten, ändert an der
Persönlichkeit nichts; denn die Persönlichkeit ist offenbar von der Stofflichkeit oder der stofflichen
Basis unabhängig, obwohl sie auf dieser Basis „reitet".

Die Individualität des Frosches und seiner Gedanken liegt also nicht bei der Identität noch bei der
Beständigkeit seines körperlichen materiellen Aufbaus, der ständig im Fluß ist und wechselt.
Wenn dies nicht der Fall wäre, müßten meine Gedanken mit Froschgedanken „infiziert" werden,
denn ich benutze doch als stoffliche Basis meiner Gedanken „Froschmoleküle". Als weiteres
Beispiel sei das Wachstum des menschlichen Körpers angeführt. Sämtliche Bestandteile meines
Körpers tauschen sich ungefähr alle sieben Jahre total aus, so daß ich, materiell gesehen, alle
sieben Jahre materiell erneuert werde. Wenn also Stoff allein die Basis und die Erklärung alles
menschlichen und organischen lebendigen Wesens wäre, müßte Individualität längst aufgehört
haben. Doch bleibe ich der „alte", obwohl ich, materiell gesehen, der „Neue" bin. Das Leben und
die Individualität „reiten" auf auswechselbaren materiellen Atomen und Molekülen, die aber nicht
das Wesen des Lebens selber sind, genausowenig wie das Pferd, auf dem ich reite, mein Ego (=
ich selbst) ist. Umgekehrt ist es doch klar, daß mein Ego sogar mancherlei bezüglich meiner
physikalischen Beschaffen¬heit bedingt und bestimmt, wie z. B. meinen Gesichtsausdruck, oder
ob ich Magengeschwüre bekomme usw. Aber mein Ego ist nicht das gleiche wie meine
körperliche Beschaffenheit; sonst würde ich ja, wenn ich ein Glied in einem Unfall verlöre, zur
gleichen Zeit auch einen Teil meines „Ichs" verlieren. Es mag sein, daß ich nicht weiß, wer oder
was ich eigentlich bin. Eins ist aber klar: Mein Ich (ganz gleich, was mein Ich ist) ist imstande,
unter toten Molekülen eine Metamorphose vorzunehmen. Es baut einen Körper. Man mag
einwenden, daß die chemische Information, die auf den stofflichen Genen gespeichert ist, dafür
verantwortlich sein muß und daß deshalb der Leib sich selber baut. Demnach wäre nur mein Leib
mein Ich, was zur Folge hätte, daß, wenn mein Leib tot ist, mein Ich nicht mehr existiert. Aber auf
diese Weise darf man nicht räsonieren, denn damit macht man Ordnung weniger beständig als
Stoff , was unter Umständen absurd sein kann. Denn die Materie, die unseren fünf Sinnen so
wunderbar „fest", „beständig" und „konkret" erscheint, besteht, soweit wir beurteilen können, aus
Ordnung, d. h. aus mathematisch beschreibbaren Bahnen von Elektronen um einen positiv
geladenen Kern. Diese „feste", „konkrete" Materie besteht größtenteils aus leerem Raum, aus
nichts. Das, was den Unterschied zwischen „wahrem Nichts" und „fester Materie" ausmacht, ist
bloß die Bewegung von Körperchen, die übrigens auch wie Bewegung oder Wellen
mathematisch behandelt werden können. Diese Ordnung von Wellenpartikelchen im Raum macht
unsere Materie aus. Wie sollte also dann die Ordnung, die auf Genen und Chromosomen sitzt,
prinzipiell anders behandelt werden als die Ordnung, die wir Stoff oder Materie nennen? Beide
sind Ordnung, wenn auch Leben Ordnung unter Molekülen in sich schließt, während Materie
Ordnung auf subatomarer Basis darstellt. Wenn Stoff (= Ordnung) und Energie (= Stoff) weder
erschaffen noch vernichtet werden können, warum soll man postulieren, daß die hohe Ordnung,
die mit Leben asso¬ziiert ist, mit der Auflösung des materiellen Trägers vernichtet sein wird?

Die Ordnung des Lebens, die ich als Naturwissenschaftler kenne, nämlich die Ordnung der
Moleküle auf den Genen und Chromosomen, wird sicher den normalen Tendenzen der
thermodynamischen Hauptsätze unterworfen sein, d. h. die Moleküle, auch die auf Genen,
werden sich zersetzen. Das können wir chemisch feststellen. Entropie wird zunehmen. Aber
wagen wir damit als Naturwissenschaftler zu behaupten, daß wir mit der Zersetzung der Ordnung
auf den Molekülen, die das Leben tragen, das Leben in toto mit zersetzt haben? Wir haben doch
bewiesen, daß in einem geschlossenen System organische und anorganische Moleküle sich zu
lebenden Formen nicht ordnen. Um zum Leben zu kommen, muß gewissermaßen die
„Intelligenz" eines Biochemikers (oder eines Gottes, wenn man sich so ausdrücken will) auf den
Stoff so einwirken, daß gewisse Reaktionen stattfinden. Mit anderen Worten verbindet sich
„Intelligenz", was ich nicht definieren möchte, mit Stoff, um Leben zu zeugen. „Intelligenz" und
Materie sind also die beiden „Bestandteile" des Lebens. In einem geschlossenen System ist
diese „Verbindung" zwischen Intelligenz" und Materie unumgänglich, wenn Leben entstehen soll.
Wenn nun die chemische Ordnung zerstört wird, was materiell beim Tod der Fall ist, was wird
dann aus dem zweiten „Bestandteil" des Lebens? Auch wenn es dem Chemiker gelingt, Moleküle
so zu synthetisieren, daß sie leben, ist er doch noch weit davon entfernt, die „Intelligenz" und
seine „Fingerfertigkeit" bei der Synthese mit synthetisiert zu haben. Und doch war die ganze
Synthese von seiner Intelligenz abhängig. Es scheint mir, daß das „Leben" auf einer gewissen
chemischen Ordnung „reitet". Der „Reiter", wenn er einmal auf ein ganz kleines „Roß" gestiegen
ist, kann Materie sammeln und sie zu einem recht großen „Roß" entwickeln. Aber der „Reiter"
muß in den Sattel gehoben werden, er kann nicht selber „aufsteigen". Die Bibel lehrt uns, daß der
Schöpfer der große „Reiter" ist, und daß er viele kleine „Reiter" in den Sattel gehoben hat. Das
„Roß" ist den thermodynamischen Hauptsätzen unterworfen und kann zerstört werden. Die
„Reiter" bestehen aus geist¬licher „Ordnung" oder „Intelligenz", die natürlich die materialistische
Naturwissenschaft von heute nicht kennt, weil sie nicht aus Materie bestehen und deshalb nicht
zu beobachten sind. Weil sie aber nicht materiell und deshalb ewig sind, wird man sie beim Tod
des „Rosses" nicht mittöten können. Auch die Bewegung (Wellen), die wir Elektronen nennen,
wird weder erschaffen noch vernichtet. Warum soll man etwas anderes für das Leben
postulieren?

Unsere Körper, unsere leiblichen „Häuser", werden aus Atomen und Molekülen gebaut, die
ständig im Fluß sind, die ständig ausgewechselt werden. Wenn wir diese Moleküle, diese
„Backsteine", auswechseln, können sie von anderen Organismen aufgenommen und für ihren
„Leib" gebraucht werden. Aber das „Haus" ist nicht der Backstein oder gar ein bloßer Haufen von
Backsteinen, das Haus besteht aus der Ordnung von Backsteinen, in einem ständigen Fluß von
Backsteinen, die ausgewechselt werden. Es wäre aber pri¬mitiv anzunehmen, daß die toten
Backsteine sich selber zu Häusern ordnen. Wir wissen, daß tote Materie, tote Atome und
Moleküle, sich selber überlassen, sich nie ordnen können. So wird Entropie nicht gesenkt. Es
wäre doch ehrlicher - und auch demütiger -, zu bekennen, daß wir nicht wissen, wie die
Backsteine sich zu einem Haus oder einem Leib ordnen, als zu behaupten, daß das von selber
geschieht.

3. Das Tao

Dieser ständige Wechsel in der Ordnung der Materie, die wir Metamorphose nennen, ist
allgemein und ist das Phänomen, das uns noch ein wenig beschäftigen muß. In der biologischen
Welt findet man gewisse Regeln, die diese Veränderungen von Ordnung (Metamorphosen)
bedingen. Dies haben schon die Denker des Altertums erkannt. Ein gewisser „Lauf der Dinge",
ein „Weg" in der Abwicklung der Dinge ist zu postulieren. Bestimmte Gesetze und Regeln werden
immer eingehalten im Kosmos wie auch in der biologischen Welt. Die Chinesen besitzen sogar
ein besonderes Wort, um diesen „Lauf der Dinge", der nach bestimmten Gesetzen arbeitet, zu
beschreiben: Sie sprechen von dem „Tao". Menschen haben diese Regeln nicht erfunden, sie
haben sie bloß beobachtet. Die Regeln walten, ob wir Menschen es wollen oder nicht, und wer
mit diesem Weltlauf in Harmonie leben will, muß ihn respektieren. Wer aber das Tao außer acht
läßt, der ist zur gleichen Zeit mit dem Lauf des ganzen Universums in Mißklang. Zwischen einem
solchen Menschen und dem „Gang" des Universums besteht eine „Dissonanz". Um konkret zu
werden: Da das Universum z. B. die Wahrheit darstellt, bleibt ein Lügner außerhalb des Tao und
deshalb außerhalb der Weltharmonie. Da das Universum nach Gesetzen und Regeln arbeitet, ist
der prinzipiell Gesetzlose außerhalb des Laufes dieser Welt, außerhalb des Tao. Die alten Inder
besaßen einen ähnlichen Begriff, den sie Rta nennen.

Um den chinesischen Begriff zu benutzen, bleiben wir also innerhalb des Tao, wenn wir z. B.
wahrhaftig sind. Wir sind innerhalb des Tao, wissenschaftlich gesehen (wir wollen unsere
Terminologie hiermit ein wenig erweitern), wenn wir glauben, daß nichts verlorengeht, denn
Energie und Materie bleiben nach thermodynamischen Hauptsätzen erhalten. Das Tao lehrt uns -
wir haben diese Tatsache so oft beobachtet, daß wir die Erkenntnis gewonnen haben, daß sie
zum Tao gehört -, daß ein Stoff in einen anderen verwandelt werden kann, eine Ordnung in eine
andere übergeht. Wir wären aber außerhalb des Tao, wenn wir die Vernichtung von Stoff (=
Ordnung) oder Energie postulieren würden. Metamorphosen und Verwandlungen sehen wir
überall um uns herum, aber Neuschöpfungen von Materie oder Vernichtung derselben oder der
Energie stellen wir nie fest. So grenzt sich das uns bekannte Tao ab. Wenn wir deshalb überall
um uns herum Verwandlung über Verwandlung, Metamorphose über Metamorphose feststellen,
kommen wir zu dem Schluß, daß wahrscheinlich der Tod selber eine verkappte Metamorphose
sein muß. Auf alle Fälle blieben wir innerhalb des uns bekannten Tao, wenn wir dies annähmen.
Der materialistische Darwinismus dagegen wird zur gleichen Zeit außerhalb des Tao sein, wenn
er annnimmt, daß für den einzelnen mit dem Tode alles aus ist. Das Tao lehrt uns eher, daß wir
mit irgendeiner Verwandlung oder Metamorphose nach dem Tode rechnen sollen.

Wir wollen diesen Gedanken einer Metamorphose noch ein wenig weiterentwickeln. Das Ei wird
vom Eierstock ausgestoßen und geht der reproduktiven männlichen Zelle entgegen. Wenn sie
sich treffen, wird der Mechanismus in Gang gesetzt, der für die Verwirklichung der
Metamorphose verantwortlich ist. Die beiden Zellen verschmelzen, und nach dieser
Verschmelzung besteht eigentlich weder Ei noch Spermatozoon als einzelnes mehr. Aus dem
gegenseitigen „Tod" der beiden entsteht der neue Mensch. Aber ehe der neue Mensch entstehen
kann, muß wirklicher, durchgreifender Tod der einzelnen Zellen vorausgehen. Dieser Tod ist die
absolute Basis der Metamorphose, „Tod" des Ei’s als Ei und „Tod" des Spermatozoons als
Spermatozoon muß vorausgehen. Und doch leben alle beide auf neue und auch vollkommenere
Weise, denn die Bestimmung des Ei’s liegt in der Begegnung mit dem Spermatozoon, und die
Bestimmung des Spermatozoons liegt in der Begegnung mit dem Ei, das ist das „Tao" der
biologischen Welt.
Aber die geistliche Welt kennt ein ganz ähnliches Tao. Wenn ein Mensch seinem Schöpfer in
Jesus Christus begegnet, stirbt er sich selbst. Die ganze Heilige Schrift des Neuen Testaments
spricht davon; der Mann, der zur Wiedergeburt in Jesus Christus kommt, „stirbt", indem er ihm
begegnet, und hinfort lebt er „dem Herrn" (Römer 6, 5-8). Diese Art „Verschmelzung" zwischen
seinem Wesen und dem des Herrn findet statt; das „Ei" „stirbt" in dieser „Verschmelzung", dabei
entsteht „eine neue Kreatur": „Das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden" (2. Kor. 5,
17). Um mit uns „verschmelzen" zu können, mußte der Herr auch sterben. Deshalb mußte er
Mensch werden wie wir, um unser Bruder zu werden. Aber aus diesem Tod entstand das Leben
für alle Kinder Gottes. Das ist das Tao auch der geistlichen Welt. Ohne „Tod" auf beiden Seiten
wird der „Mechanismus" nicht ausgelöst, um neue, vollkommenere Kreaturen zu bilden, denn die
Bestimmung der Kreatur liegt in der Begegnung mit ihrem Schöpfer, genau wie die Bestimmung
des Ei’s in der Begegnung mit dem Spermatozoon liegt. Und wenn die Kreatur dem Schöpfer aus
dem Weg geht, bleibt sie allein - und stirbt, wie das Ei oder das Spermatozoon sterben, wenn sie
sich nicht begegnen. Und obwohl diese Begegnung der Kreatur mit ihrem Schöpfer den Tod mit
sich bringt, den Tod des alten, sterilen Lebens, bringt sie zur gleichen Zeit eine herrliche,
unerwartete Metamorphose, eine neue Art Leben. Sie bringt mit sich die „Freiheit der Kinder
Gottes". Sie ist die Basis der Wiedergeburt selber, denn sie verlangt „Tod" auf beiden Seiten: Tod
des Sohnes Gottes für uns und unseren „Tod" uns selbst gegenüber in ihm.

4. Die Wesensstruktur des Menschen

Aber was hat all das mit der Zukunft des Menschen zu tun? Sehr viel; aber zunächst müssen wir
noch ein wenig die Wesensstruktur des Menschen erörtern. Obwohl das Tao uns hier die großen
Richtlinien erkennen läßt, müssen wir die Details selber einfügen, was aber ohne die Hilfe der
Heiligen Schrift und ihrer Offenbarung über unsere Wesensstruktur unmöglich wäre. Die Bibel
lehrt uns, daß der Mensch aus einer Dreieinigkeit (Trinität) besteht, wie Gott auch aus einer
Trinität besteht. Als Gott Adam in seinem eigenen Ebenbild erschuf, gab er ihm diesen Aufschluß
über sein Wesen, den Adam von sich aus vielleicht nie geahnt hätte. Obwohl der Schöpfer der
Unendliche ist und wir die unvergleichlich kleinen Kreaturen seiner Hand, sind wir „nach seinem
Ebenbild" erschaffen worden und - ganz schwach - ihm ähnlich.

Es wird also jetzt notwendig sein, die „Struktur" des Menschen nach der Heiligen Schrift zu
untersuchen, was natürlich für einen Nichttheologen recht schwierig ist. Wenn ein Nichttheologe
theo¬logische Probleme anfaßt, verärgert er oft die Theologen, genauso wie die
Naturwissenschaftler sich ärgern, wenn Theologen Bücher über die naturwissenschaftlichen
Aspekte des Darwinismus schreiben. Aber wie soll ich das Dilemma vermeiden? Die Herkunft
des Menschen wird von der Bibel und der Naturwissenschaft behandelt; hier können Theologen
und Naturwissenschaftler an die Arbeit gehen, ohne sich gegenseitig zu stören. Aber die Zukunft
muß viel stärker von der religiösen, ja von der biblischen Seite her behandelt werden. Woher soll
man sonst die Information über die Zukunft nehmen? Ich muß deshalb das Problem biblisch
behandeln. Deshalb bitte ich die Theologen, recht geduldig mit dem Naturwissenschaftler zu sein,
besonders wenn er theologisch „naiv" wird.

Wenn man in gewissen theologischen Kreisen von bestimmten Themen der Heiligen Schrift hört,
wie Wiedergeburt, Bekehrung, Vergebung der Sünden, Wiederkunft Jesu, um sein Reich
aufzurichten, die Wundermale Jesu, die im Himmel erkennbar sind, wird man oft mit „Zynismus
begrüßt". Alle diese Dinge sind, nach den Ansichten dieser Kreise, nicht mehr so zu verstehen,
wie unsere Väter sie verstanden. Man muß sie „entmythologisieren", erst dann würden wir sie zu
verstehen beginnen.

Als ich Student war, lernte ich sehr schnell, daß es ein Irrtum ist, kompliziertere Theorien
einfacheren vorzuziehen; vielmehr soll man zuerst ganz einfach denken lernen. Es galt bei uns
als Fehler, ein unnötig kompliziertes Postulat anzunehmen, wo etwas Einfacheres das Problem
gelöst hätte. Es scheint mir zunächst nötig, dieses Prinzip bei unserem jetzigen Problem
anzuwenden. Bis man mir das Gegenteilige beweist, nehme ich die Bibel einfach so, wie sie ist.
Wenn sie mir sagt, ich müsse von neuem geboren werden, nehme ich das ernst und suche die
Wiedergeburt. Wenn sie sagt, daß ich mit dem Geist und seiner Frucht (Liebe, Freude, Friede,
Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit usw.) erfüllt werden muß, suche ich diese Frucht in meinem
Leben. Was ich nicht verstehe, ist der Zynismus, mit dem einem seitens liberaler Theologen oft
begegnet wird, wenn man so unkompliziert glauben möchte. Hat nicht ihr eigener Herr gesagt,
daß auch sie so werden müssen wie die Kinder (auch in Glaubensangelegenheiten), wenn sie ins
Reich Gottes, dessen Verkündiger sie sind, eingehen wollen? Zynismus findet man ja oft dort, wo
eine Enttäuschung oder Desillusion erlebt worden ist, die die Seele traumatisiert hat. Ein froher,
biblisch basierter Glaube, sowohl bei einem Naturwissenschaftler als auch bei einem liberalen
Theologen, sollte Gegenstand der aufrichtigen Freude sein, nie aber zu Ärger und Zynismus
reizen, sonst stelle ich die Diagnose einer traumatisierten Seele in religiösen Angelegenheiten.

Die „Bestandteile" des Menschen sind also nach der Heiligen Schrift Geist, Seele und Leib, so
wie Gott der Allmächtige Gott-Vater, Gott-Sohn und Gott-Heiliger Geist ist. Da Gott der
Unendliche ist, können wir nicht einmal anfangen, sein Wesen zu verstehen. Es ist schwierig
genug, unser eigenes Wesen zu begreifen, selbst wenn die Heilige Schrift und die moderne
Psychologie uns zur Seite stehen. Deshalb kann man und darf man auf diesem heiklen Gebiet
nicht dogmatisch sein. Es ist geziemender, als Schüler sich die Daten, die uns zur Verfügung
stehen, vor Augen zu halten und eine endgültige Schlußfolgerung zu vertagen. Aber anläßlich der
Erschaffung Adams berichtete uns Gott der Heilige Geist durch sein Wort, wie der erste Mensch
„zusammengestellt" wurde. Gott formte Adams Leib aus dem Staub der Erde, d. h. aus den
Elementen und Chemikalien, die die Bestandteile unserer Erde sind. Der Körper ist heute noch
aus den gleichen Bestandteilen zusammengestellt. Aber dieser Leib aus Staub war nicht sofort
lebendig. Gott blies deshalb den „Odem des Lebens" in diesen toten Leib hinein, wobei Adam
eine lebendige Seele wurde. Weder der Odem des Lebens noch der Leib aus Staub allein
machten Adam zu einer lebendigen Seele. Es brauchte die Verbindung, die „Verschmelzung",
von Gottes Odem oder Geist des Lebens mit Adams Leib, um Adams Seele zu synthetisieren.
Wiederum sind wir innerhalb des Tao, die Verbindung dieser beiden Einheiten löst den
Mechanismus der Metamorphose aus, um etwas Neues zu bilden. Die neue Trinität war da und
bestand aus Leib, Seele und Geist. In der Praxis ist es schwer, den Unterschied zwischen Seele
und Geist zu definieren. Seele und Geist sind derart verwachsen, daß ein scharfes „Messer"
benutzt werden muß, um sie zu trennen. Das Wort Gottes ist dieses zweischneidige Schwert, das
zwischen Seele und Geist unterscheiden kann (Hebr. 4, 12).

Die Bibel beschreibt nicht nur die „Synthese" des Lebens aus Leib, Seele und Geist, sie
beschreibt auch den „Abbau", den Tod des Menschen, wobei Leib, Seele und Geist wiederum
getrennt werden. Von der Synthese und von dem „Abbau" können wir bezüglich der Zukunft des
Menschen mancherlei lernen. Der Tod Jesu wird besonders genau beschrieben in der Heiligen
Schrift, weil er so überaus wichtig ist, denn von diesem Tod ist das Heil der Welt abhängig. Es
wäre aber ehrfurchtslos, einfach an seinen Tod heranzugehen, nur um Probleme zu lösen. Wir
müssen sozusagen die Schuhe ausziehen, bevor wir ihm nahen. Als es zum Sterben ging,
regelte Jesus Christus, der Herr, das, was noch zu regeln war, und versorgte seine Mutter, die
am Kreuz ihres Sohnes stand. Dann neigte er das Haupt und befahl seinen Geist in des Vaters
Hände: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist" (Luk. 23, 46).

Der Urheber und Erhalter des Lebens, Jesus Christus, der Herr, verschied. Nach der englischen
Übersetzung war dieser Akt des Sterbens aktiv: Er gab den Geist auf, er überlieferte seinen
Geist. Als der erste Märtyrer Stephanus gesteinigt wurde, wiederholte sich (passiv) dieser Akt, als
er ausrief : „Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!" (Apg. 7, 58.)

Nachdem der Geist verschieden war, trat Jesus Christus selber die Reise an, die unser
Glaubensbekenntnis die Höllenfahrt nennt, was eine unglückliche Übersetzung ist. Denn der Herr
Jesus ging nach seinem Tod zum Ort der Toten. Die Hebräer nannten diesen Ort „Scheol", wo es
zwei Gebiete gibt, nämlich den Ort der seligen Toten und den Ort der Verlorenen. Das
griechische Wort heißt Hades und bedeutet „Ort der Toten". Wahrscheinlich ging nun der Herr
Jesus, d. h. sein Ego, sein Ich, sein entkleidetes Wesen (denn sein Geist war in des Vaters
Händen und sein Leib noch am Kreuz oder im Grab), in beide Gebiete des Hades, denn er ist
„hingegangen ... und hat gepredigt den Geistern im Gefängnis, die vorzeiten nicht glaubten, da
Gott harrte zu den Zeiten Noahs, da man die Arche zurüstete ..." (1. Petr. 3, 19. 20; Luk. 16, 22).
Hier sagt der Apostel Petrus, daß der Herr „im Geist" - im Gegensatz zu „im Fleisch" - hinging,
um zu predigen. Das gibt uns etwas Aufschluß auf einem Gebiet, wo wir ihn dringend benötigen,
nämlich auf dem Gebiete der Tätigkeit und des Zustands eines Menschen nach dem Tode. Der
Herr war „entkleidet", er ging hin „im Geist". Dies will aber nicht besagen, daß er seine
Persönlichkeit verloren hatte, im Gegenteil, alle Merkmale einer Persönlichkeit sind da, sonst
hätte er nicht predigen können. Irgendwie hat er „gepredigt", d. h. Gedanken übermittelt. Er hat
sich sicher an Stellen aus der Heiligen Schrift erinnern können, denn wo finden wir sonst eine
Predigt Jesu Christi ohne Zitate aus dem Wort? Seine Persönlichkeit war also intakt, auch wenn
er „entkleidet", also ohne Leiblichkeit, war. Das gleiche gilt für seine Zuhörer, die Geister im
Gefängnis. Ihre Individualität ist auch geblieben, denn sie waren eben die Geister, die vormals
ungehorsam waren zur Zeit Noahs, also die gleichen. Sie sind auch „entkleidet", behalten aber
ihre volle Identität und ihr Bewußtsein in diesem Zustand. Ohne Intelligenz hätten sie nicht
zuhören können. So bestätigt die Heilige Schrift die Kontinuität des Lebens nach der
Metamorphose des Todes.

In dem Zustand der Metamorphose im Tode gibt es aber mindestens zwei Möglichkeiten des
Aufenthalts im Scheol. Entweder kann man am Ort der seligen Toten sein, wie es bei Lazarus der
Fall war, oder man kann bei den Unseligen sein, wo der reiche Mann war, der seine Identität
auch nicht verloren hatte. Der Herr ging nicht in den Ort des ewigen Feuers, wohin der Teufel und
seine Engel am Ende dieses Zeitalters verbannt sein werden. Er ging nicht in den „Tartarus" (2.
Petr. 2, 4), sondern in den Scheol. Dort wurde seine Persönlichkeit in keiner Weise beeinträchtigt,
obwohl er „entkleidet" war (2. Kor. 5, 3).

Während der Herr die drei Tage im Hades war, lag sein Leib (ohne Verwesung) im Grab. Ehe der
Herr starb, hatte ihm sein Vater die Macht gegeben, sein Leben zu lassen und es wieder zu
nehmen, so daß der Herr am dritten Tage den Geist des Lebens wieder zu sich nahm, was zur
Folge hatte, daß sein schwerverletzter Leib, jetzt verherrlicht, wiederum seine „Behausung"
wurde. Leib, Seele und Geist fanden sich am Auferstehungsmorgen wieder, und der verherrlichte
Herr kam aus dem Grabe hervor.

Soweit wir beurteilen können, blieben während dieser ganzen Metamorphose Geist und Seele
wesensmäßig unverändert. Damit möchte ich in keiner Weise meinen, daß die Leiden des Todes
ihn nicht verklärt und verherrlicht hätten. Sicher haben sie das getan, denn um seiner Leiden
willen ist er verherrlicht worden und sitzt zur Rechten der Majestät in der Höhe (Hebr. 2, 10). Von
diesem Standpunkt aus ist er nebst Geist und Seele herrlicher geworden durch die
Metamorphose des Todes. Ich möchte aber unsere Aufmerksamkeit auf die Metamorphose des
Leibes lenken, denn gerade hier finden wir Stoff, der die Zukunft des Menschen beleuchtet.

5. Metamorphose des Leibes anläßlich der Auferstehung Jesu

Zunächst müssen wir die Punkte (theologisch naiv, siehe Gal. 5, 22) aufzählen, bei denen wir
keine Metamorphose des Leibes erblicken können:

a) Maria scheint nach seiner Auferstehung seine Stimme wiedererkannt zu haben, als sie
„Rabbuni" ausrief (Joh. 20, 16). Die Stimme blieb also nach dem Tode und der Auferstehung
gleich.

b) die Wundenmale waren an seinem Auferstehungsleib noch zu erkennen. Wahrscheinlich


waren sie noch ziemlich offen, denn Thomas wurde aufgefordert, seine Hand in die Wunden
hineinzulegen (Joh. 20, 27). Also bezüglich der Wundenmale hatte der Tod keine große
Metamorphose hervorgerufen, sie blieben für alle Zeit die Identifizierungsmerkmale des Herrn,
selbst im Himmel (Offb. 5, 6).

c) Nach seiner Auferstehung konnte der Herr laufen, trinken, Fisch und Honig essen (Lukas 24,
43) und wahrscheinlich Feuer machen (Joh. 21, 9). Bei diesen Begebenheiten war sein Leib nicht
durchsichtig. Er selber sagte, als die Jünger ängstlich waren, daß ein Geist nicht Fleisch und Blut
habe wie er (Lukas 24, 39). Körperlich gesehen war er also durchaus „normal" nach der
Auferstehung, so „normal", daß die Emmaus-Jünger ihn erkannten, als er das Brot am Tische
brach.

Was uns nun zeigt, daß dennoch eine tiefgreifende körperliche Metamorphose stattgefunden hat,
ist folgendes:

a) Er konnte durch verschlossene Türen gehen (Joh. 20, 19. 26).

b) Vor ihren erstaunten Augen konnte er verschwinden oder erscheinen (Joh. 21, 4; Luk.
24,15.31). - Vor ihren Augen wurde er gen Himmel aufgenommen (Apg. 1, 9).

c) Obwohl er äußerlich gesehen nicht anwesend war, als Thomas zweifelte, war er dennoch
imstande, alles Gesagte genauso zu hören, als ob er leiblich anwesend gewesen wäre, d. h. er
war gewissermaßen wie allgegenwärtig und doch zur gleichen Zeit eine determinierte Person, die
wie wir eine ortsgebundene Leiblichkeit besitzt.

d) Der auferstandene Herr konnte auf diese neuen zusätzlichen leiblichen Eigenschaften je nach
Wunsch verzichten oder nicht. Nach dem Gang nach Emmaus verschwand er vor den Augen der
Jünger, obwohl er einige Augenblicke vorher leiblich mit ihnen gegangen war und die Schriften
ausgelegt hatte. In einem Augenblick wurde er immateriell und wahrscheinlich allgegenwärtig,
allwissend und als Gott allmächtig.

Also der Schwerpunkt der Metamorphose des Herrn nach seiner Auferstehung scheint bei dem
Leib zu liegen. Soweit wir feststellen können, geschah im Bereich der Seele und des Geistes
weniger, was wirklich als Metamorphose bezeichnet werden kann, als beim Leib. Seele und Geist
scheinen recht kontinuierlich zu sein. Und gerade diese Konstatierung verleiht uns viel Aufschluß
über die Zukunft des Menschen schlechthin.

6. Die Metamorphose des Menschen

Die Heilige Schrift hat dem gläubigen Mann und der gläubigen Frau zwei große Verheißungen
gegeben. Die erste Verheißung bezieht sich auf die Erneuerung der Persönlichkeit anläßlich
unserer Begegnung mit dem Herrn in der Wiedergeburt und betrifft die innere Erneuerung durch
die Vergebung der Sünden. Sie ist also eine Metamorphose der Seele: „Ist jemand in Christo, so
ist er eine neue Kreatur" (2. Kor. 5, 17).

Diese Metamorphose des Ichs beginnt also während unseres irdischen Lebens und entwickelt
sich während unserer siebzig Jahre durch Gemeinschaft mit dem Herrn und mit anderen
Christen. Das Ziel dieser Metamorphose besteht darin, daß die menschliche Seele Jesu Seele
ähnlich wird. Um mich biblisch auszudrücken: Man wächst in der Gnade und Erkenntnis des
Herrn (2. Petr. 3, 18). Dies ist der Anfang der ersten Verheißung, die wir nannten und die darin
besteht, daß ein Mensch in seinem Innenleben Jesus Christus ähnlich wird.

Aber dieses Verfahren in der Seele kann nicht isoliert bleiben, es greift rapid um sich, es greift auf
den Leib über. Die Augen beginnen anders zu leuchten, der Gesichtsausdruck wird anders. Nur
derjenige, der die Vergebung der Sünden im biblischen Sinne nie erfahren hat, wird bezweifeln,
daß auch äußerlich gesehen das „Leben" ganz anders wird: „Nun aber spiegelt sich in uns allen
des Herrn Klarheit mit aufgedecktem Angesicht, und wir werden verklärt in dasselbe Bild von
einer Klarheit zu der anderen, als vom Herrn, der der Geist ist" (2. Kor. 3, 18). Die Zunge
bekommt ein „neues Lied" (Ps. 96, 1-4; 98, 1-3); die verbrauchten Kräfte werden erneuert ( Jes.
40, 31).

Vorsichtigerweise schrieben wir aber, daß die Metamorphose um sich greift. Ja, sie greift auf den
Körper über, kann aber leider nicht sehr weit gehen, denn der Körper erlebt seine eigentliche
Metamorphose erst nach dem Tod. Die Metamorphose der Seele in der Wiedergeburt leitet die
Metamorphose des Leibes ein, doch kann diese nicht eher vervollkommnet werden, bis wir einen
verklärten Leib erhalten, was entweder nach der Auferstehung oder anläßlich der Entrückung
zum wiederkommenden Herrn stattfinden kann. Die erste Metamorphose legt das Fundament für
die zweite, die Verklärung des Leibes, die dann zu ihrer Zeit vervollkommnet werden wird.

Der Apostel Paulus beschreibt diese Art Metamorphose des Leibes, die dem Christen bevorsteht,
womit wir uns ein wenig beschäftigen wollen, weil sie so wichtig ist - und so vernachlässigt wird.

Er schreibt: „Wir wissen aber, so unser irdisch Haus dieser Hütte zerbrochen wird, daß wir einen
Bau haben, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist, im Himmel. Und
darüber sehnen wir uns auch nach unserer Behausung, die vom Himmel ist, und uns verlangt,
daß wir damit überkleidet werden; so doch, wo wir bekleidet und nicht bloß erfunden werden.
Denn dieweil wir in der Hütte sind, sehnen wir uns und sind beschwert; sintemal wir wollten lieber
nicht entkleidet, sondern überkleidet werden, auf daß das Sterbliche würde verschlungen von
dem Leben." (2. Kor. 5, 1-4.)

Der Apostel sagt uns, in moderner Sprache ausgedrückt, also, daß dieser Leib, in dem wir jetzt
wohnen, zerbrochen wird, daß wir aber getrost sein können, denn unser Schöpfer hält für uns
einen anderen, ewigen Leib, in dem wir wohnen können, bereit. Es ist schwer, diesen alten Leib
abzulegen, d. h. zu sterben, „entkleidet" zu werden. Es wäre dem Apostel viel lieber, wenn er
nicht sterben müßte, wenn der Herr ihn plötzlich verwandeln könnte, ihn „verschlingen" lassen
könnte vom Leben, ohne daß er den „entkleideten Zustand" erfahren müßte. Er denkt
wahrscheinlich an die Stelle, die er selber schrieb: „Danach wir, die wir leben und übrigbleiben,
werden zugleich mit ihnen hingerückt werden in den Wolken, dem Herrn entgegen in der Luft,
und werden also bei dem Herrn sein allezeit" (1. Thess. 4, 17). Die Wiedergeborenen, die zur Zeit
des wiederkommenden Herrn noch leben, werden nicht mehr sterben müssen, sie brauchen nicht
„entkleidet" zu werden. Sie werden plötzlich vom Leben „verschlungen", „überkleidet" werden,
ohne sterben zu müssen. Der Apostel sehnt sich nach diesem großen Tag der Offenbarung der
Herrlichkeit Jesu bei seiner Wiederkunft. Die Metamorphose des Leibes wird an diesem Tage
ohne Hadesfahrt stattfinden können. Fleisch und Blut, wie sie jetzt sind, können das Reich Gottes
nicht ererben, die große Verwandlung muß zuerst stattfinden, in diesem Fall bei der Entrückung.

Der Apostel behandelt das gleiche Thema, wenn er schreibt: „Unser Wandel aber ist im Himmel,
von dannen wir auch warten des Heilands Jesu Christi, des Herrn, welcher unseren nichtigen
Leib (gemeint ist die Verweslichkeit des Leibes) verklären wird (verwandeln, eine Metamorphose
durchführen), daß er ähnlich werde seinem verklärten Leibe, nach der Wirkung, mit der er kann
auch alle Dinge sich untertänig machen" (Phil. 3, 20.21).

Da haben wir die ganze zweite Verheißung. Da haben wir die ganze, gottgewollte Zukunft der
Menschen, da haben wir unsere wahre Bestimmung. Zuerst fängt der Herr eine Metamorphose
des Ichs, der Seele, in der Wiedergeburt an. Ein Mann fängt an, in sich zu gehen, sich selbst zu
erkennen. Er bekommt einen Hunger nach Gerechtigkeit, Klarheit, Vergebung seiner
Vergehungen und Wiederherstellung vor Gott und Menschen. Dies findet er auf der Basis, die der
Apostel Johannes niederlegte: „So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns
selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. So wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und
gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Untugend. So wir sagen, wir
haben nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns." (1. Joh. 1,
8-10.)

Wenn einmal die Basis einer wiederhergestellten Persönlichkeit da ist, die dann weiter wachsen
kann, lenkt der Herr unsere Aufmerksamkeit auf unser Leiblichkeit. Die Seele wird auf den
Himmel vorbereitet (der Erlöste lebt, geistlich gesehen, schon jetzt da) (Eph. 2, 6; Hebr. 12, 22
ff.). Da muß unsere Leiblichkeit ebenfalls eine Metamorphose durchmachen. Und weil der Leib,
unsere jetzige Leiblichkeit, die Basis des verklärten Leibes liefert, mahnt uns die Heilige Schrift
wiederholt, daß dieser jetzige Leib „dem Herrn gehört" und daß er „heilig" ist (1. Kor. 6, 13. 19).
Wir dürfen nie in die Falle des Feindes geraten, der uns zuflüstert, daß, weil unser Leib „nichtig"
ist und aufgelöst" wird, er deshalb in jeder Hinsicht vergänglich ist. Dies ist nicht der Fall. Unser
Leib wird so verklärt werden wie Jesu Leib. Wer an einer Hure hängt, sündigt an seinem eigenen
Leib, mahnt uns die Heilige Schrift (1. Kor. 6, 15-17). Der Leib ist heilig, deshalb soll es keine
Ausschweifung außerhalb und innerhalb der Ehe geben. Und gerade weil diese Wahrheit der
Heiligkeit des Leibes im Zeitalter des Darwinismus vergessen worden ist, meint man, daß man
ungestraft und unbehelligt mit jedem beliebigen Menschen geschlechtlichen Verkehr haben darf.
Die „Pille" verhütet die gewöhnlichen leiblichen Folgen, daß Kinder geboren werden, verhütet
aber nicht, daß Seele, Geist und Leib daran zugrunde gehen. Ich spreche vom kasualen Verkehr
zwischen Jugendlichen. Jeder, der ein Auge dafür hat, erkennt die seelischen Folgen innerhalb
kurzer Frist. Der Leib soll heiliggehalten werden, denn er ist die Basis des verklärten Leibes des
erlösten Menschen.

Jetzt müssen wir uns unsere letzte Frage stellen: Warum will der Herr uns samt Leib, Seele und
Geist unsträflich darstellen (1. Thess. 5, 23)? Was ist der Zweck der Erlösung und der Verklärung
des Menschen? Was soll diese Metamorphose? Die Heilige Schrift lehrt uns zunächst, daß der
Herr uns aus Liebe erlöste, so daß wir dort sein können, wo er ist. Er will uns bei sich haben, er
legt Wert auf unser Nahesein (Joh. 17, 24). Warum dies der Fall ist, ist mir ein Geheimnis. Wenn
es aber nicht so wäre, dann wäre der Herr wohl nie Mensch geworden, um für uns Menschen zu
leben und dann zu sterben.

Die Antwort auf unsere Frage ist seit Äonen ein Geheimnis geblieben. Erst nach der
Menschwerdung des Herrn ist sie klargeworden. Gott der Vater hat beschlossen, daß der Herr
Jesus, weil er die geeignetste Person ist, die Regierung des Weltalls zu übernehmen, oberster
Regent, König werden soll. (Er hat seine Fähigkeit dadurch bewiesen, daß er für die Erlösung der
ganzen Welt starb.) Heutige Regenten auf Erden lassen ihre Untertanen für sich sterben, unser
Herr handelte umgekehrt: Er starb für seine Untertanen. Die Worte der Heiligen Schrift machen
diese Gedanken noch klarer, als ich es tun kann: „Er hat uns wissen lassen das Geheimnis
seines Willens nach seinem Wohlgefallen, so er sich vorgesetzt hatte in ihm, daß es ausgeführt
würde, da die Zeit erfüllet war, auf daß alle Dinge zusammengefaßt würden in Christo, beides,
das im Himmel und auf Erden ist, durch ihn ..." (Eph. 1, 9. 10). Eine andere Übersetzung teilt uns
mit, daß Christus das Oberhaupt aller Dinge wird, alles wird in ihm zusammengefaßt, alle
Autorität endet und beginnt in seinen Händen. Christus ist der Herr.

Das ist die eine Seite der Frage. Die andere ist die: Durch seinen Tod für mich und durch mein
Vertrauen zu ihm ist er mein Erlöser geworden. Aber nicht nur mein Erlöser, ich bin sein
Eigentum, und zur gleichen Zeit ist er mein „Erbteil" geworden (Kol. 1, 12; Eph. 1, 11). Hinfort
gehören wir zusammen, so daß ich dort sein kann, wo er ist (Joh. 12, 26). Wenn ich als Christ
einmal „entkleidet" werde, trete ich mein „Erbe" an, das Jesus Christus selber ist.

Und damit haben wir den Schlüssel der Zukunft des Menschen in die Hände bekommen: Wo er
ist, da werden wir als seine Kinder auch sein. Gott erschuf den ersten Menschen, so daß dieser
sein Gegenüber, sein Du brauchte. Es war nicht gut, daß der Mensch allein sei (1. Mose 2, 18).
Wenn der Herr Jesus als König offenbar geworden ist und sein erneuertes Reich aufgerichtet hat,
will er, daß die Seinere bei ihm sind, dort, wo er ist. Wenn er ein Urteil ausspricht, werden die
Seinen mit ihm das Urteil aussprechen. Wenn er lobt, werden sie mitloben. „Wisset ihr nicht, daß
die Heiligen die Welt richten werden? ... Wisset ihr nicht, daß wir über die Engel richten werden?"
(1. Kor. 6, 2. 3) „Selig ist der und heilig, der teilhat an der ersten Auferstehung; über solche hat
der andere Tod keine Macht, sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm
regieren tausend Jahre" (Offb. 20, 6). Deshalb müssen wir einen verklärten Leib erhalten, der
Christi verklärtem Leib ähnlich ist.

Gott, in seiner großen Weisheit und Liebe, hat beschlossen, Menschen in seine Pläne
einzubeziehen. Es warten auf uns Menschen die vielen „Wohnungen", die der Herr Jesus für uns
vorbereitet (Joh. 14, 2). Aber nicht nur die vielen „Wohnungen" warten, es warten auch viele
„Ämter", mit denen er uns bekleiden will, wenn wir durch die Leiden dieser Erdenzeit dazu reif
geworden sind. Selbst der Sohn lernte durch das, was er litt, Gehorsam (Hebr. 5, 8) und wurde
auf sein hohes Amt vorbereitet, denn er ist mit seinem „Amt" gekrönt worden, weil er die Leiden
des Todes auf sich nahm. Warum soll es uns, den Jüngern, anders oder „besser" ergehen? Der
Apostel Paulus lehrt uns das gleiche, wenn er uns mitteilt, daß wir durch viele Trübsale ins Reich
Gottes eingehen müssen (Apg. 14, 22). Alles dient als Vorbereitung auf das Amt, das Gott für uns
bereithält. Aber hohes Amt setzt voraus gestrenge Vorbereitung und Erziehung. Unsere Zukunft,
insoweit wir Erlöste des Herrn sind, ist davon abhängig, wieweit wir uns auf „das Amt" vorbereiten
lassen. Der Herr hat für eine vollkommene Metamorphose des Ichs und des Leibes gesorgt, er
will uns samt Leib, Seele und Geist unsträflich darstellen (1. Thess. 5, 23). Doch sucht er unsere
aktive Mitarbeit bei dieser wichtigen Umformung unseres ganzen Wesens.
Vor einigen Jahren hatte ich die Ehre, an der Universität Tübingen innerhalb der
Studentengemeinde eine Evangelisation durchzuführen. Prof. D. Karl Heim verfolgte trotz seines
hohen Alters die Veranstaltungen und lud mich ein, mit ihm an seinem Geburtstagstisch eine
Tasse Tee zu trinken. Es war für mich eine große Ehre, als junger Naturwissenschaftler am Tisch
des ehrwürdigen, alten Theologieprofessors zu sitzen und seinen Gesprächen zuzuhören.

Ehe die wenigen Freunde, die eingeladen waren, sich verabschiedeten, bat ich ihn, ob ich ihm
zwei Fragen stellen dürfte, bevor ich zu meinem Abendvortrag ging. Er willigte sofort ein. Meine
erste Frage war die: „Glauben Sie, Herr Professor, daß der Mensch von Tieren abstammt oder
nicht?" Und die zweite Frage war: „Welche Mittel können wir benutzen, um den modernen,
philosophisch und naturwissenschaftlich gebildeten Menschen überzeugend zu evangelisieren,
so daß er im Sinne des Neuen Testaments wiedergeboren wird?"

Über die erste Frage diskutierten wir eine Zeitlang. Der Professor meinte, daß sein guter Freund,
Professor Dr. Freiherr von Huene, besser antworten könne als er. Es war die typische Antwort
eines demütigen, gütigen alten Mannes. Bezüglich meiner zweiten Frage sagte mir Professor
Heim, die Antwort sei einfach, die Erfahrung seines ganzen Lebens stecke dahinter und habe ihn
darin voll bestätigt als Wissenschaftler und Theologen. Hier ist der Inhalt seiner wichtigen
Antwort: „Das Zeugnis des lebendigen Christus in einem Menschen ist das stärkste und
überzeugendste Mittel, das wir beim Evangelisieren Gebildeter und Ungebildeter benutzen
können. Ohne dieses Zeugnis können und sollen wir nicht evangelisieren. Tragen wir aber dieses
Zeugnis im Herzen, so können wir es nicht unterlassen, zu evangelisieren. Und wenn Gebildete
und Ungebildete diesem wahren Zeugnis keinen Glauben schenken, stehen uns keine anderen
Mittel zur Verfügung, womit wir ihnen helfen können."

Das erinnert uns an das Wort Jesu, als er sagte, daß, wenn ein Mensch das Zeugnis Moses
verwirft, er schlechthin überzeugungsunfähig ist und nicht überzeugt werden würde, auch wenn
jemand von den Toten auferstünde (Luk.16, 31).

Wenn die Zukunft des Menschen eine Metamorphose grundlegendster Art im Menschen in sich
birgt, die den Menschen mit neuen Fähigkeiten ausrüstet, dann natürlich wird ein neues Habitat,
eine neue, verwandelte Heimat, für den verwandelten Menschen nötig sein. Wir sterblichen
Menschen besitzen bisher einen vergänglichen, materiellen Leib in einer stofflichen Welt. In der
verwandelten, wiederhergestellten Welt, die uns Gott als neue Heimat verspricht, im
Tausendjährigen Reich der neuen Erde und des neuen Himmels, wird es schon ganz anders sein
- und doch gleich, genau wie der wiederhergestellte Mensch auch ganz anders sein wird und
doch der gleiche: „Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, daß
man der vorigen nicht mehr gedenken wird noch sie zu Herzen nehmen; sondern sie werden sich
ewiglich freuen und fröhlich sein über dem, was ich schaffe ... Es sollen nicht mehr dasein Kinder,
die nur etliche Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen ... Sie werden Häuser bauen
und bewohnen; sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen .... Denn die Tage
meines Volkes werden sein wie die Tage eines Baumes. Und es soll geschehen, ehe sie rufen,
will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören. Wolf und Lamm sollen weiden zugleich,
der Löwe wird Stroh essen wie ein Rind, und die Schlange soll Erde essen. Sie werden nicht
schaden noch verderben auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der Herr." (Jes. 65,17-25)
Dann nach Ablauf des Tausendjährigen Reiches gestaltet Gott die noch größere endgültige
Metamorphose, die große ewige Herrlichkeitswelt, wie sie uns in der Offenbarung des Johannes,
Kap. 21 und 22 beschrieben wird.

Und nur siebzig kurze Jahre unseres jetzigen Erdenlebens sind uns beschieden, uns auf diese
ewigen Freuden zubereiten zu lassen.

Dave Hunt

Die Rolle der Evolutionstheorie

Die Evolutionstheorie ist alles andere als eine wissenschaftliche Theo rie modernen Ursprungs.
Bereits vor Tausenden von Jahren verlie hen die Griechen ihr einen »wissenschaftlichen« Status
und so war sie damals schon eine etablierte religiöse Überzeugung im Zentrum von Ok kultismus
und Mystizismus. Im tiefsten Kern der antiken mystischen Evolutionstheorie befindet sich die
Lüge, mit der die Schlange Eva verführ te – der Glaube, dass wir uns immer weiter und höher
entwickeln, bis wir selbst Götter sind. Im Gleichklang mit Pierre Teilhard de Chardin erklärt der
führende Freimaurer W. L. Wilmhurst:

»Dies – die Evolution des Menschen zum Supermenschen – war immer Ziel der antiken
Mysterien … Der Mensch, der der Erde entsprungen ist und sich durch die unteren Reiche der
Natur bis zu seinem jetzigen rationalen Status entwickelt hat, muss nunmehr seine Evolution
vollenden, indem er ein gottgleiches Wesen wird und sein Bewußtsein mit dem Allwissenden
vereint.«

Der New-Age-Führer Robert Muller, früher stellvertretender Uno-Generalsekretär, sagt ganz


ähnlich: »Ich glaube, dass die Menschheit … eine gewaltige Bestimmung zu erfüllen hat und
dass in unserer Evolution eine große Transformation kurz bevor steht.« Er fährt
unmißverständlich fort:
»Entschließe dich, dich zu öffnen … für das Potenzial der Menschheit, für die Unendlichkeit
deines inneren Selbst, und du wirst zum Univer sum werden … und letztendlich zu deinem
wirklichen, göttlichen, fan tastischen Selbst.«

Höherentwicklung zur Gottheit

Wie schon Tausende von Jahren vor Darwin dargestellt, war es immer das Ziel der Evolution,
durch unzählige Reinkarnationen zu reisen bis zur Vereinigung mit dem »Universellen
Bewußtsein« oder dem »Alles«. Barbara Brown vom UCLA Medical Center erklärt, dass wir uns
»zu ei ner höheren Geistesebene entwickeln … [dem so genannten] Supergeist.« In Esalen, dem
New-Age-Zentrum in Kalifornien, wo die »Human-Potential-Bewegung« begann, boten Michael
Murphy und George Leonard ein Seminar an über »die Evolution des Bewußtseins«, das die
Vorstellung vermittelt, es sei »eine Transformation des menschlichen Bewußtseins im Gange, die
so bedeutsam ist wie der Aufstieg der Zivilisati on«. Auch Darwin wusste um die spirituelle
Dimension seiner Theorie. In seinem Buch Die Abstammung des Menschen schrieb er:

»Man mag es dem Menschen nachsehen, dass er ein wenig Stolz dafür empfindet, dass er
aufgestiegen ist … bis zum höchsten Gipfel der or ganischen Stufenleiter; und dass er eben
aufgestiegen ist – anstatt von Anfang an eine solche Stellung einzunehmen –, mag ihm Hoffnung
machen auf eine noch höhere Bestimmung in ferner Zukunft. Ob es Darwin ganz bewußt war
oder nicht – das mystische Ziel der Evo lutionstheorie, für die er kämpfte, bestand stets darin,
»Gott« zu werden. In seinem Buch Das Atman-Projekt folgert Ken Wilber ohne Umschweife:
»Wenn Mann und Frau sich letztlich aus Amöben entwickelt haben, dann befinden sie sich in
letzter Konsequenz auf dem Weg, Gott zu werden.«

In Halbzeit der Evolution identifiziert Wilber diesen Glauben an den menschlichen Aufstieg zur
Gottheit als das Herz dessen, was »als» Philo sophie der ewigen Wiederkehr‹ bekannt wurde …
der esoterische Kern von Hinduismus, Buddhismus, Taoismus, Sufismus …«. Jon Klimo bringt es
in seinem Buch Channeling auf den Punkt: »Die Wahrheit der Wahr heit« der gechannelten
Substanz ist, dass »wir Gott sind« und es nur »er fassen« müssen. So beherrscht die Lüge der
Schlange aus Eden weiterhin die Ambitionen des heutigen Menschen und die Evolution ist seine
Hoff nung, dass die Lüge eines Tages Wirklichkeit wird.

Die Evolutionstheorie spielt eine Schlüsselrolle im Okkulten. Theo dore Roszak stellt heraus,
dass der Mystizismus »der Wurzelstock ist, aus dem die Theorie der biologischen Evolution
entspringt.« Der Anthro pologe Michael Harner erinnert uns: »Jahrtausende vor Charles Dar win
… waren die Menschen in schamanischen Kulturen überzeugt da von, dass Menschen und Tiere
miteinander verwandt seien.«
Als Kern glaube von Hinduismus und Hexerei ist die Evolutionsidee mindestens so alt wie die
Theorien von Reinkarnation und Karma, für die sie ein Schlüsselelement darstellt.

Evolution, Reinkarnation und Hexenkult

Natürlich muss die Evolutionstheorie ein grundlegender Teil des Glau bens an Reinkarnation und
Karma sein. Ein Wiederkommen in einem endlosen Kreislauf von Tod und Wiedergeburt macht
keinen Sinn, wenn dieser Prozess nicht auf eine höhere Stufe abzielt. Das wird angeblich durch
Evolution erreicht, und zwar einer Evolution nicht nur des Kör pers, sondern auch der Seele.

Da Reinkarnation eine Grundüberzeugung der Hexerei ist, überrascht es nicht, dass sie in ihrem
Wesen unmoralisch ist. Wenn ein Ehemann seine Frau schlägt, verursacht das Gesetz von
Ursache und Wirkung des Karma, dass er in ein nächstes Leben wiedergeboren wird, in welchem
er dann eine Frau ist, die von ihrem Mann geschlagen wird. Dieser Ehe mann (der von seinem
Karma zum Frauenschläger bestimmt wurde) muss wiederum in seinem nächsten Leben als Frau
wiederkommen, die von ihrem Mann geschlagen wird; ein Mörder muss beim nächsten Mal als
Opfer eines Mörders wiederkommen und so weiter und so fort, ohne Ende. Anstatt das Problem
des Bösen zu lösen, setzen Karma und Reinkarnati on es in einer unendlichen Wiederkehr fort.
Die Evolutionslehre öffnet die Tür zum Glauben an eine geheimnis volle »Macht«, die das
Universum durchdringt, eine Macht, von der die Evolutionisten glauben, sie habe das Leben
hervorgerufen und seine er staunliche Entwicklung über Milliarden von Jahren gelenkt. Zudem sei
es eine Macht, die für die Menschheit wahrscheinlich noch höhere Gip fel der evolutionären
Entwicklung bereit hält. Offensichtlich ist diese Kraft ein Ersatz für Gott.

Die Evolutionstheorie ist eine Religion ohne jede Fundierung in Tat sachen. C. S. Lewis schreibt:
»Wenn der Geist völlig vom Gehirn abhängt, und das Gehirn von der Biochemie, und die
Biochemie vom bedeutungs losen Fluß der Atome, dann kann ich nicht verstehen, wie die
Gedanken des Geistes mehr Bedeutung haben sollten als das Rauschen des Windes.« Diese
einfache Logik entkräftet den Darwinismus. Wenn der Mensch Zufallsprodukt unpersönlicher
Evolutionskräfte ist, dann gilt das auch für seine Gedanken – einschließlich der
Evolutionstheorie.«

Eine überraschende Entwicklung?

Als Papst Johannes Paul II. am 22. Oktober 1996 mit einer formalen Stel lungnahme vor der
Päpstlichen Akademie der Wissenschaften erklärte, die Evolution sei eine für die Kirche
vertretbare wissenschaftliche Theo rie, waren die meisten Nichtkatholiken ziemlich überrascht.
Führende Evangelikale wie z. B. Charles Colson, Bill Bright, J. I. Packer, Pat Ro bertson u.a., die
offiziell mit Rom zusammenarbeiten, versicherten ihre Kritik unter Berufung darauf, dass der
Katholizismus für die Irrtumslo sigkeit der Bibel eintrete. Doch die Kanons und Dekrete des II.
Vatikani schen Konzils (die höchste Autorität des Katholizismus) erklären:

»So ist die Heilige Schrift ohne jeden Irrtum, was die religiöse Wahrheit betrifft, die zum Heil
geoffenbart ist. Auf anderen Gebieten ist sie nicht notwendi gerweise ohne Irrtum (z. B. dem
Gebiet der Naturwissenschaft)«. Die Evolutionstheorie ist »Naturwissenschaft« und die Bibel ist
nicht unfehlbar, wenn es um wissenschaftliche Fragen geht.

Angeblich unfehlbare Päpste haben dogmatische, aber beschämend unwissenschaftliche


Verkündigungen verlauten lassen, die auf einer fal schen Bibelauslegung beruhten. Der
Katholizismus schiebt die Schuld lieber auf die Bibel, als dass er einen Irrtum der Päpste
eingestehen wür de und verleugnet so die Irrtumslosigkeit der Schrift in Sachen Wissen schaft.
Hier ein Auszug aus der Botschaft des Papstes an die Akademie:

»Ich freue mich über das erste Thema, das Sie gewählt haben, nämlich: Der Ursprung des
Lebens und die Evolution. Es handelt sich um ein außerordentlich wichtiges Thema, das für die
Kirche von großem Interesse ist … Wir wissen in der Tat, dass Wahrheit nicht der Wahrheit
widersprechen kann … Ich möchte daran erinnern, dass das Lehramt der Kirche sich … bereits
zu diesen Themen geäußert hat …
In seiner Enzyklika Humani generis aus dem Jahr 1950 hatte schon mein Vorgänger Pius XII.
dargelegt, dass die Evolution und das, was der Glaube über den Menschen und seine Berufung
lehrt, nicht im Gegensatz zueinander stehen … ich meinerseits [habe gesagt:] Um den Bereich
ihrer Zuständigkeit klar abzugrenzen, müssen Exegeten und Theologen sich über die Ergebnisse,
zu denen die Naturwissenschaften gelangen, auf dem Laufenden halten …
Heute … geben neue Erkenntnisse dazu Anlass, in der Evolutionstheorie mehr als eine
Hypothese zu sehen. Es ist in der Tat bemerkenswert, dass diese Theorie nach einer Reihe von
Entdeckungen in unterschiedlichen Wissensgebieten immer mehr von der Forschung akzeptiert
wurde. Ein solches … Übereinstimmen von Forschungsergebnissen stellt schon an sich ein
bedeutsames Argument zugunsten dieser Theorie dar …
Pius XII. hat diesen wesentlichen Punkt betont: Der menschliche Körper hat seinen Ursprung in
der belebten Materie, die vor ihm existierte. Die Geistseele hingegen ist unmittelbar von Gott
geschaffen.«

Johannes Paul II. wiederholte lediglich die offizielle Position seiner Kirche. Zum 100. Todestag
Charles Darwins hielt die Päpstliche Akademie der Wissenschaften im Mai 1982 eine Konferenz
zu Ehren Darwins ab und veröffentlichte diese Verlautbarung: »Wir sind überzeugt, dass eine
Fülle an Indizien die Anwendung des Evolutionsmodells auf den Menschen und andere Primaten
über jede ernsthafte Diskussion erhaben sein lassen.« Eine katholische Enzyklopädie erklärt
offen:
»Die Befunde … unterstützen die Tatsache einer organischen Evolution. Die Experten, die über
einen Zeitraum von 100 Jahren die notwendigen Ergebnisse zusammengetragen haben, können
dies am besten beurteilen. Für sie steht die Tatsache der Evolution so felsenfest wie die
Wissenschaft überhaupt Tatsachen der Vergangenheit feststellen kann, die kein menschliches
Auge bezeugt hat.«

Erlöse uns von weiteren Peinlichkeiten

Der peinliche Fall Galileos erklärt, weshalb Papst Johannes Paul II. warnte: »Exegeten und
Theologen müssen sich über die Ergebnisse, zu denen die Naturwissenschaften gelangen, auf
dem Laufenden halten.« Als Durchsetzung eines Kirchendogmas drohte Papst Urban VIII. einem
alten und gebrechlichen Galileo mit der Folter, wenn er nicht seine Behauptung widerrufen
würde, dass die Erde sich um die Sonne dreht. Aus Angst um sein Leben schwor Galileo vor dem
Heiligen Offizium der Inquisition kniend seiner »Ketzerei« ab – wenn nicht mit seinem Herzen, so
doch mit seinen Lippen. So blieb es noch über Jahrhunderte offizielle röm-kath. Lehre – und ein
»unfehlbarer« Papst nach dem anderen bestätigte es –, dass die Sonne und alle Himmelskörper
sich um die Erde drehen würden. Erst im Jahr 1992 gab der Vatikan offiziell zu, dass Galileo
doch Recht hatte.

Johannes Pauls Zitat von Papst Leo XIII., dass »Wahrheit nicht der Wahrheit widersprechen
kann«, ist eine Kapitulation vor der Wissenschaft. Die Theologen Roms müssen aufpassen, daß
ihre Interpretation der biblischen Wahrheit ja mit den neuesten wissenschaftlichen Theorien
übereinstimmt. Doch Petrus – den die Katholiken als ersten Papst verehren – sagte, daß die
ganze Schrift vom Heiligen Geist eingegeben ist (2.Petr 1,21). Die wissenschaftliche Erkenntnis
des Heiligen Geistes ist sicherlich nicht abhängig von den Theorien der Wissenschaftler, die oft
einander widersprechen und von Zeit zu Zeit revidiert werden müssen! Wenn die Bibel in Sachen
Wissenschaft nicht unfehlbar ist, warum sollte man dann glauben, daß sie in Sachen Seelenheil,
Moral oder sonstwo unfehlbar ist?

Dessen ungeachtet erläutert der katholische Priester Edward Daschbach ohne jeden
erkennbaren Sinn für diesen Verrat an Petrus und der Bibel die offizielle römisch-katholische
Position:

Deshalb akzeptiert die Kirche nicht … die wörtliche Auslegung der ersten Kapitel des Buches
Genesis. Das würde uns dahin führen zu denken, dass beispielsweise Gott spontan zwei
erwachsene Menschen aus Staub bzw. einer Rippe machte … Aus mindestens drei wichtigen
Gründen sollten Katholiken gegen Schöpfungswissenschaft sein:

Erstens: Sie vermittelt ein Mißtrauen gegen die Wissenschaft und verletzt so schließlich auch die
Religion. Indem die Schöpfungswissenschaft ein wörtliches Verständnis der ersten
Genesiskapitel verteidigt … widersetzt sie sich standhaft der wahren wissenschaftlichen
Forschung … Die von den Autoren der Genesis verwendeten Mythen sind lediglich Werkzeuge,
mittels derer sie ihre religiöse Überzeugung weitergeben.

Zweitens: Schöpfungswissenschaft ist der Schriftauslegungsmethode entgegengesetzt, die


allgemein von Theologen bevorzugt und von unserer Kirche ausdrücklich gut geheißen wird.
Diese bevorzugte Methode … [erlaubt uns] die in der Schrift enthaltene göttliche Offenbarung
anzunehmen und gleichzeitig die Fehler der menschlichen Autoren auf dem Gebiet der
Wissenschaft oder Geschichtsschreibung zu tolerieren …

Drittens: Schöpfungswissenschaft führt zu einem tiefen Vorurteil und einer Intoleranz gegenüber
der katholischen Kirche. Ein einschlägiger Fall ist das Buch der Offenbarung. Wenn die
Verfechter der Schöpfungswissenschaft ihre fundamentalistischen Werkzeuge auf dieses letzte
Buch der Bibel anwenden, wird die Kirche häufig Ziel vehementer Angriffe ...«

Theistische Evolution als bequemer Kompromiss

Der Papst steht entschieden hinter einer Theorie, die nicht nur dem biblischen Schöpfungsbericht
widerspricht, sondern auch anderen Schlüsselstellen der Bibel. Und die führende evangelikale
Zeitschrift Christianity Today (von Billy Graham gegründet und bis heute beschirmt) unterstützt
den Papst bei seiner Zustimmung zur Evolutionslehre. CT schreibt:

»Johannes Paul II. … erinnerte die Wissenschaftler, dass es, wenn sie gläubige Christen sein
wollten, Grenzen gibt, über die hinaus ihre Wissenschaft sie nicht bringen kann … Keine
Evolutionstheorie sei annehmbar … die nicht den direkten göttlichen Ursprung der menschlichen
Seele anerkenne.
Diese Fragestellung wurde auf einem Treffen von bekennenden Evangelikalen in der Universität
von Biola (Südkalifornien) im November 1996 diskutiert. Dort waren Wissenschaftler
verschiedener Disziplinen zuge¬gen sowie Journalisten, Theologen und Pädagogen, die »58
staatliche Colleges und Universitäten repräsentierten, 28 christliche akademische Einrichtungen
und 18 weitere Organisationen«. Während diese alle sich darin einig waren, dass Gott an diesem
Prozess beteiligt war (was der Darwinismus bestreitet), gab es weit auseinander gehende
Ansichten über das Ausmaß von Gottes Beteiligung – angefangen bei einer streng bibli¬schen,
kreationistischen Sichtweise bis hin zur Überzeugung, dass Gott die Evolution benutzt habe, um
im Lauf von Millionen von Jahren verschiedene Arten zu schaffen und schließlich einem Pärchen
dieser Ge¬schöpfe menschliche Seelen eingegeben habe. Diese Theorie wird als theistische
(sprich: te-istische) Evolution bezeichnet.«

Wir wollen uns nicht einschüchtern lassen durch die Wissenschaft und dem Mißtrauen gegen die
Bibel, dem sowohl Katholiken wie auch viele Protestanten verfallen sind, sondern lieber folgende
aufrüttelnde Worte des bekannten Predigers Charles Haddon Spurgeon beherzigen:

»Wir werden mit dem Schwert des Geistes die ganze Wahrheit als unser behaupten und werden
nicht den geringsten Teil als ein Zugeständnis den Feinden abgeben. Die Wahrheit Gottes wollen
wir verteidigen als die Wahrheit Gottes und wir werden sie nicht etwa deswegen fest halten, weil
der philosophische Verstand seine Einwilligung dazu gibt. Wenn die Männer der Wissenschaft
damit einverstanden sind, dass wir einen Teil der Bibel glauben, so sind wir ihnen keinen Dank
schuldig; wir glauben auch ohne ihre Einwilligung. Ihre Zustimmung ist für unseren Glauben von
keinem größeren Wert als die Zustimmung des Maulwurfs zu dem Blick des Adlers. Da Gott mit
uns ist, werden wir nicht aufhören mit diesem Rühmen der ganzen Worte Gottes und das Ganze
der geoffenbarten Wahrheit fest halten bis ans Ende.

Schwerwiegende Konsequenzen der theistischen Evolution

Das 1. Buch Mose (Genesis) legt die Grundlage für die ganze Bibel. Wenn sein
Schöpfungsbericht nicht zutreffend ist, dann wäre auch der Rest der Bibel, der darauf aufgebaut
ist, nicht zuverlässig. Dann wäre Christus nicht als Gott und Heiland erwiesen, sondern lediglich
ein Mensch, der törichterweise die Geschichte von Adam und Eva wörtlich genommen hat (Mt
19,4-5). Doch Papst Johannes Paul II. hat, wie die New York Times berichtet, »die Lehrautorität
der römisch-katholischen Kirche fest hinter die Ansicht gestellt, dass der menschliche Körper …
das Produkt eines allmählichen Evolutionsprozesses sei«.

Adam wird in neun Büchern der Bibel insgesamt knapp dreißigmal erwähnt. Deshalb wirft eine
Einschränkung des biblischen Berichts von der Erschaffung Adams so große Lücken in der Bibel
auf, dass sie somit ihrer in sich schlüssigen Lehre beraubt wäre. Beispielsweise führt Lukas 3,23-
38 Jesu Stammbaum auf Adam zurück und Jesus wird sogar »der letzte Adam« genannt (1.Kor
15,45). Dieser Titel wäre völlig bedeutungslos, wäre Adam eine vormenschliche Kreatur
gewesen, die sich aus niederen Lebensformen entwickelt hätte, wie der Katholizismus es offiziell
lehrt.

Christianity Today war nicht die einzige bekannte evangelikale Zeitschrift, die die theistische
Evolution positiv darstellte. Gleiches tat New Man, das offizielle Organ der »Promise Keepers«
(eine neue, schnell wachsende Männerbewegung). Diese Zeitschrift drückte ihre Zustimmung zur
Evolutionsauffassung des Papstes aus, sogar noch bevor dieser sie bekannt gegeben hatte. New
Man argumentiert zudem:
»Wir sollten jedoch bedenken, dass die Debatte darüber, wie Gott die Welt erschaffen hat – ob in
Millionen von Jahren evolutionärer Entwicklung oder durch einige wenige Worte in wenigen
Tagen –, nicht der zentrale Lehrsatz des Christentums ist.«

Die Wahrheit ist, dass das Christentum keine eigenständige rein neutestamentliche Lehre ist,
sondern untrennbar mit dem gesamten Alten Testament verbunden ist und daher mit dessen
Genauigkeit und Richtigkeit steht oder fällt. Paulus erklärte, dass er »das Evangelium Gottes«
predige und dass dieses von den hebräischen Propheten im Alten Testament vorausgesagt
wurde (Röm 1,1-3) und nun diese Voraussagen erfüllt hat. Die Bibel ist ein Buch aus einem Guß.
Würde irgendein Teil einem anderen widersprechen, dann wäre die ganze Bibel untergraben.
Wenn die Bibel mit ihrem Bericht von der Erschaffung des Menschen falsch liegt, warum sollten
wir dann ihren Lehren über die Erlösung vertrauen?

Wer die Evolutionslehre irgendwie auch nur im Geringsten fördert, tut damit dem christlichen
Glauben Abbruch. Interessanterweise erklärt die Satanische Bibel: »Satan stellt den Menschen
dar als nichts mehr als ein weiteres Tier, manchmal besser, aber häufiger schlimmer als jene auf
vier Pfoten, denn unter dem Vorwand seiner ›göttlichen intellektuellen und spirituellen
Entwicklung‹ ist er das boshafteste Tier von allen geworden.«
Die Zeitschrift The American Atheist weiß, was auf dem Spiel steht:
Zerstöre die Erbsünde Adam und Evas – und in den Trümmern wirst du die kläglichen Überreste
des Sohnes Gottes finden und die Bedeutung seines Todes wegnehmen.

Eine Theorie, die man am besten vergisst

Mit ihrem Wunsch, im Einklang mit der Wissenschaft zu stehen, haben Katholizismus und ein Teil
der Evangelikalen auf ein totes Pferd gesetzt. Immer mehr Wissenschaftler geben die
Evolutionstheorie als völlig unhaltbar auf, weil überwältigend viele Fakten gegen sie sprechen.
Der britische Astronom und Mathematiker Sir Fred Hoyle gibt zu (wenngleich ihm die Vorstellung
von einem Schöpfergott nicht schmeckt):
»Die wissenschaftliche Welt ist zu dem Glauben verführt worden, die Evolution sei bewiesen.
Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein.«
Der australische Biologe Michael Denton, ein Agnostiker, ehemaliger Evolutionist und Autor des
Buches Evolution: A Theory in Crisis, sagt, die Wissenschaft habe die darwinistische Evolution so
gründlich entkräftet, dass man sie verwerfen sollte.
Der Mathematikprofessor Wolfgang Smith sagt, die Evolution sei ein »metaphysischer Mythos …
ohne jegliche wissenschaftliche Zustimmung«.

Als Stanley Miller 1952 einen simulierten Blitz auf eine künstliche Atmosphäre aus Methan,
Ammoniak, Wasserdampf und Wasserstoff wirken ließ, was offensichtlich zur Bildung von
verschiedenen Typen von Aminosäuren führte (die Grundbausteine aller Lebewesen), war die
Wissenschaft sich sicher, bald Leben im Labor erzeugen zu können. Der Zweck dieses
Trugschlusses hat jedoch nun noch größere Probleme aufgeworfen.

Klaus Dose, ein bekannter Evolutionist, berichtet von seiner Ernüchterung: »Über 30 Jahre lang
wurde auf den Gebieten der chemischen und molekularen Evolution experimentell über die
Entstehung des Lebens geforscht. Doch dies hat zu keiner Lösung geführt, sondern vielmehr zu
einem besseren Verständnis von der Tragweite des Problems der Entstehung des Lebens auf
dieser Erde. Gegenwärtig enden alle Diskussionen über prinzipielle Theorien und Experimente
auf diesen Gebieten entweder in einer Sackgasse oder in einem Bekenntnis der Unwissenheit.«

Colin Patterson, leitender Paläontologe am Britischen Museum für Naturgeschichte, bekannte:


»Ich arbeite nun seit über 20 Jahren an diesem Thema und es gibt keine einzige Sache, die ich
darüber wüßte. Das ist schon ein ziemlicher Schock, wenn man einsehen muss, dass man so
lange auf dem falschen Weg war.«
Patterson »fing an, andere Wissenschaftler zu bitten, ihm eine Sache zu sagen, die sie über
Evolution wüßten«. Biologen am Amerikanischen Museum für Naturgeschichte in New York
hatten keine Antwort.

Patterson fährt fort: »Ich probierte es mit dieser Frage beim Geologenteam vom Museum für
Naturgeschichte und die einzige Antwort war Schweigen. Ich versuchte es bei den Mitgliedern
des Seminars für Evolutionäre Morphologie an der Universität von Chicago, einer sehr
angesehenen Gruppe von Evolutionisten, und alles, was ich dort erhielt, war ein langes
Schweigen und die schließliche Aussage einer Person: »Eines weiß ich – sie sollte nicht auf der
High School gelehrt werden.«
Die Evolutionslehre wird an katholischen Schulen als Tatsache gelehrt und ist dort »ein fester
Bestandteil des Lehrplans«.
Leonard DeFiore, Präsident einer katholischen Bildungsvereinigung, sagt: »Wir beginnen mit der
Prämisse, dass die ganze Schöpfung von Gott kommt. Alles was darüber hinausgeht, ist eine
wissenschaftliche Frage.«

Der Katholik Stephen F. Smith schreibt: »In der katholischen Schule hier in der Erzdiözese
Washington hat man uns beigebracht, dass Charles Darwins Evolutionstheorie die Wahrheit des
Evangeliums sei.«

Der Biochemiker Michael J. Behe berichtet von seiner katholischen Schulzeit: »Ich erinnere mich
nicht mehr genau, was über das Leben gesagt wurde, außer dass es von Gott stammt und dass
… die maßgebliche wissenschaftliche Erklärung, wie Gott dies gemacht habe, Darwins
Evolutionstheorie sei.«

Nichts könnte dem christlichen Glauben mehr entgegenstehen. Der Zoologe Richard Dawkins
zeigt, dass die Evolutionslehre Atheisten eine Berechtigung ihres Unglaubens bietet.
Ironischerweise gibt Dawkins – ein führender Evolutionist – in seinem Buch Der blinde
Uhrmacher zu: »Biologie ist das Studium komplizierter Dinge, die den Eindruck erwecken, zu
einem bestimmten Zweck entworfen worden zu sein.«

Wie erstaunlich, dass alles, was der »Zufall« hervorgebracht hat, wie entworfen aussieht!

Eindeutig mathematisch unmöglich

Dem Nobelpreisträger Lynus Pauling zufolge ist eine einzelne Zelle – die kleinste Lebenseinheit –
»komplexer als New York City«. »Die ›einfachste‹ eigenständige Zelle ist imstande, Tausende
verschiedener Proteine und anderer Moleküle zu produzieren, jeweils zu bestimmten Zeitpunkten
und unter verschiedenen Umständen. Synthese, Abbau, Energiegewinnung, Replikation,
Bewahrung des Zellaufbaus, Beweglichkeit, Regulierung, Reparatur, Kommunikation – all diese
Funktionen finden in jeder einzelnen Zelle statt und jede Funktion benötigt wiederum das
Zusammenspiel mit zahlreichen anderen Zellbestandteilen.«
Wenn irgendein Teil dieser unglaublich komplexen biochemischen Apparatur nicht richtig
funktioniert, stirbt die Zelle. Behe bringt nur ein Beispiel:

»Ein einziger Fehler im labyrinthartigen Protein-Transportweg einer Zelle ist tödlich. Wäre nicht
das gesamte System unverzüglich funktionstüchtig gewesen, dann wären unsere Vorfahren
gestorben … Wird versucht, das Protein-Transportsystem allmählich zu entwickeln, ist das eine
Garantie für das Ende … Diese komplexe Apparatur konnte ihre Existenz nicht Schritt für Schritt
erlangen, wie die darwinistische Evolution es gern hätte … sondern muss an einem bestimmten
Punkt fertig dagewesen sein.«

Die Zelle erweckt nicht nur »den Anschein, entworfen worden zu sein«, sie konnte nur entworfen
werden! Dawkins gibt zu, dass jede Zelle – ob pflanzlich oder tierisch – in ihrem Kern »eine digital
kodierte Datenbank enthält, die einen höheren Informationsgehalt hat als alle 30 Bände der
Encyclopedia Britannica zusammen«. Versuchen Sie sich einmal vorzustellen, der Zufall solle
eine 30-bändige Enzyklopädie zustande bringen!
Die mathematische Schwierigkeit bei der Vorstellung, das Leben sei durch Zufall entstanden, ist
(selbst bei unbegrenzter Zeit) derart astronomisch, dass dieses Geschehen als logisch unmöglich
betrachtet werden muss. Sehen wir uns einige Beispiele an. Allein die Kombinationsmöglichkeit
der 26 Buchstaben des Alphabets in Blöcken zu 26 Zeichen beträgt mathematisch ›26!‹ (sprich:
26 Fakultät), d. h. das Ergebnis der Rechnung 26 mal 25 mal 24 mal 23 … und so weiter bis 2.
So ergeben sich über 400.000.000.000.000.000.000.000.000 Kombinationsmöglichkeiten für 26
Buchstaben. Doch in einer einzigen Zelle können nicht nur 26, sondern bis zu 3000 Proteine in
einer bestimmten Reihenfolge zusammengefügt sein. Der Zufall könnte sie niemals in die richtige
Reihenfolge bringen! Außerdem ist jedes Protein wiederum eine Kette aus bis zu 3000 chemisch
verbundenen Aminosäuren, die in einer exakten Struktur gefaltet werden. Versuchen Sie sich die
Schwierigkeit vorzustellen, diese peinlich genaue Reihenfolge durch den Zufall bewerkstelligen
zu lassen!

Wenn sich nicht alles in vollkommener Ordnung befindet, funktioniert es nicht. Dann wäre es
auch unmöglich, auf eine verbesserte Annäherung zu »evolvieren«. Die perfekte Struktur muss
von Anfang an fertig sein, was nur durch bewußte Planung möglich ist. Michael Behe erinnert
uns:

»Der gesamte [wissenschaftliche Befund] zeigt mit bestechender Klarheit, dass das Leben auf
Apparaten beruht – Apparaten aus Proteinen …[die äußerst komplex sind … Die Komplexität der
Lebensgrundlage hat den wissenschaftlichen Erklärungsversuch des Lebens gelähmt ...
Konfrontiert mit einer derartigen Komplexität selbst unter den simplen Phänomenen, ist der
darwinistischen Theorie der Mund gestopft.«

Sir Fred Hoyle hat berechnet, dass die Problematik, nur die grundlegenden Enzyme des Lebens
durch Zufall entstehen zu lassen, einer Wahrscheinlichkeit von 1 : 10hoch40000 (einer 1 mit
40.000 Nullen) entspricht. Im Vergleich dazu beträgt die Wahrscheinlichkeit, ein bestimmtes
Elektron aus dem Universum herauszupicken, »nur« 1 : 1080. Verwandeln wir jedes einzelne
Elektron in ein weiteres Universum, dann wäre die Wahrscheinlichkeit, aus all diesen Universen
durch Zufall ein bestimmtes Elektron herauszugreifen, immer noch »nur« 1 : 10160.

Dazu Hoyle: »Diese Situation [die mathematische Unmöglichkeit] ist den Genetikern wohlbekannt
und doch redet scheinbar niemand entschieden Klartext über die Theorie … Die meisten
Wissenschaftler hängen aufgrund seiner Gewalt über das Schulsystem noch am Darwinismus …
Entweder muss man die Konzepte glauben oder … man wird als Häretiker gebrandmarkt.«

Offensichtlich von Gott entworfen

Die offensichtliche Unmöglichkeit zeigt, was für ein Schwindel die Evolutionstheorie eigentlich ist.
Der Zufall könnte noch nicht einmal die grundlegendsten Enzyme zustande bringen. Doch
Enzyme dienen erstaunlicherweise komplexen Funktionen – was die Problematik des bereits
Unmöglichen nochmals um astronomische Größenordnungen verschlimmert.

Denken wir an die Blutgerinnung, bei der Enzyme eine entscheidende Rolle spielen. Stellen Sie
sich die Milliarden von Tiere vor, die verbluten würden, bevor dieser unglaubliche Prozess zufällig
entstanden wäre! In seinem Buch Darwin’s Black Box schreibt Behe:
»Die Blutgerinnung ist ein äußerst komplexes, vernetztes System … aus wechselwirkenden
Proteinteilen. Fehlt irgendeine dieser vielen Komponenten oder ist in ihrer Funktion gestört,
versagt das System: Das Blut gerinnt nicht zum richtigen Zeitpunkt bzw. an der richtigen Stelle.

Tiere mit Blutgerinnungs-Kaskaden haben ungefähr … 30.000 Gene. Für TPA [Gewebe-
Plasminogen-Aktivator] gibt es vier verschiedene Bereichstypen [auf denen Genen] … Die
Problematik, diese vier Bereiche zusammenzubringen, beträgt 30.0004 … Dasselbe Problem
einer hauchdünnen Wahrscheinlichkeit besteht bei der Bereitstellung von Prothrombin …
Fibrinogen … Plasminogen, Proaccelerin [usw.] … Das Universum hat keine Zeit, darauf zu
warten …

Die Wahrscheinlichkeit, TPA und seinen Aktivator zusammenzubringen [ist so gering, dass] dies
nicht zu erwarten wäre, selbst wenn die 10 Milliarden Jahre Existenz des Universums auf eine
einzige Sekunde komprimiert würden und somit in jeder Sekunde 10 Milliarden Jahre auf einen
Schlag verstreichen würden. [Was noch] schlimmer ist: … Darwins Mechanismus der natürlichen
Selektion würde die Bildung von nicht weiter reduzierbaren komplexen Systemen wie die
Kaskade der Blutgerinnung in Wirklichkeit verhindern.«
Im Körper gibt es Tausende vielfach intern verwobener Systeme, von denen jedes einzelne
unglaublich komplex ist. So z.B. das Immunsystem:
»Das innere Abwehrsystem der Vertebraten ist schwindelerregend kompliziert … Das erste
Problem besteht darin … einen Eindringling zu identifizieren. Bakterielle Zellen müssen von
Blutzellen und Viren von Bindegewebe unterschieden werden.

Es gibt Milliarden verschiedener Antikörper … Die wissenschaftliche Literatur bietet keine


Antworten auf die Frage nach der Entstehung des Immunsystems … Wie der Körper die Toleranz
gegenüber seinem eigenen Gewebe gewinnt, ist noch schleierhaft. Doch wie immer der
Mechanismus funktionieren mag, wissen wir eines sicher: Das System der Selbsttoleranz muss
von Beginn des Immunsystems an vorliegen …

Wie wir uns auch wenden, ist eine allmähliche Entwicklung des Immunsystems aufgrund
zahlreicher miteinander verwobener Anforderungen ausgeschlossen … Die Komplexität des
Systems verweist alle darwinistischen Erklärungen in ein hoffnungsloses Versagen …

Niemand von der Harvard-Universität, niemand vom Nationalen Gesundheitsinstitut, kein Mitglied
der Nationalen Akademie der Wissenschaften, kein Nobelpreisträger – überhaupt niemand kann
im Detail erklären, wie das Zilium, der Sehapparat, die Blutgerinnung oder irgendein anderer
komplexer biochemischer Prozess sich auf darwinistische Weise entwickelt haben könnte.«

»Darwins Blackbox«

Behes Buch bringt Beispiel auf Beispiel für die unvorstellbare Komplexität des Lebens selbst auf
grundlegender chemischer bzw. zellularer Ebene und stellt heraus, dass man von der äußerlich
sichtbaren Struktur – so wie bei einem Computer und dessen inneren Abläufen – nicht auf die
Funktionsweise dieser »Blackbox« schließen, geschweige denn sie verstehen kann. Diese innere
Komplexität war Darwin völlig unbekannt und wurde erst in jüngerer Zeit mit der Erfindung des
Elektronenmikroskops entdeckt. Behe zeigt zahlreiche Beispiele, die beweisen, dass die Art und
Weise, wie das Leben auf molekularer Ebene zusammengesetzt ist, Darwins Theorie einen
vernichtenden Schlag versetzt. Denn diese Theorie kann unmöglich das unbestreitbar
komplizierte Design von »nicht reduzierbar komplexen« Systemen erklären. Derartige Systeme
können nicht evolviert sein, denn wenn nicht alle Bestandteile in der richtigen Beziehung
zueinander vorliegen und funktionieren, erfüllt das System keine Funktion und Leben könnte nicht
aufrechterhalten bleiben:

»Was wir [in der Zelle] sehen, ist diese unglaubliche Komplexität, die niemand auch nur erträumt
hätte … das schreit förmlich nach der Schlussfolgerung auf bewußtes Design …
Die Biochemie hat tatsächlich eine molekulare Welt enthüllt, die sich entschieden einer
[darwinistischen] Erklärung widersetzt … Darwin hat niemals eine Vorstellung von der äußerst
tiefschürfenden Kom¬plexität gehabt, die sogar auf den allergrundlegendsten Ebenen des
Lebens herrscht.« ...

»Eine typische Zelle enthält etwa 2.000 [Mitochondrien] … Jede dieser kleinen Organellen verfügt
über den nötigen Apparat, um Energie aus Nahrung zu gewinnen und in einer chemisch stabilen,
aber jederzeit verfügbaren Form zu speichern … Um diese Apparatur anzutreben, verwendet das
System einen Säurefluss, der Elektronen über ein halbes Dutzend Carrier befördert und eine
ausgesprochen raffinierte Interaktion zwischen vielen Komponenten erfordert … Die Zelle
kontrolliert, wie viel und welche Art von chemischen Produkten sie herstellt; wenn sie die
Kontrolle verliert, stirbt sie …

Das Leben auf der Erde ist auf seinem fundamentalsten Level und in seinen entscheidensten
Komponenten das Produkt intelligenter Aktivität. Die Schlussfolgerung auf einen bewußten Plan
geht natürlicherweise aus den Daten an sich hervor – und nicht aus heiligen Schriften oder
sektiererischen Auffassungen.«

Darwin selbst sagte: »Wenn ein komplexes Organ gezeigt werden könnte, für das keine
Möglichkeit besteht, dass es mittels zahlreicher aufeinander folgender kleiner Modifikationen
gebildet wurde, würde meine Theorie vollkommen zusammenstürzen.« Das ist genau das, was
wir auf biochemischer, zellularer Ebene finden – eine Ebene des Lebens, von der Darwin keine
Ahnung hatte. Behe fragt: »Welcher Typ eines biochemischen Systems könnte nicht durch
›zahlreiche aufeinander folgende kleine Modifikationen gebildet werden‹?« Er antwortet
überzeugend: »Ein für den Start notwendiges System von nicht weiter reduzierbarer
Komplexität«, wie es oben dargestellt wurde. Behes Diskussion der DNA bietet mehrere weitere
Beispiele:

»DNA, die bekannteste Nukleinsäure, besteht aus vier verschiedenen Nukleotiden: A, C, G und
T. Der erste Baustein A kann als AMP, ADP oder ATP vorliegen. Die zuerst in der Zelle
synthetisierte Form ist AMP … Es setzt sich zusammen aus … 10 Kohlenstoff-, 11 Wasserstoff-,
7 Sauerstoff-, 4 Stickstoffatomen und einem Phosphoratom …

Die Bildung biologischer Moleküle … erfordert hochgradig spezialisierte molekulare Roboter …


Um AMP herzustellen … brauchen wir ebenfalls eine Hightech-Ausrüstung: die Enzyme … Wenn
die Enzyme fehlen … wird ganz einfach kein AMP produziert … AMP ist für das Leben auf der
Erde erforderlich: Es wird zur Produktion von DNA und RNA verwendet sowie für eine Reihe
anderer essentieller Moleküle …
Das Problem der darwinistischen Evolution lautet: Leben braucht AMP. Entweder verfügt die
Zelle sofort über AMP bzw. die Möglichkeit, es zu produzieren, oder sie ist tot …

Niemand hat eine Vorstellung, wie sich die AMP-Produktion hätte entwickeln können … niemand
hat bisher etwas über die Hürde geschrieben, die in der Notwendigkeit besteht, dass der
Stoffwechsel der Zelle unmittelbar von Anfang an geregelt sein muss … AMP ist nicht das einzige
metabolische Dilemma für Darwin. Die Biosynthese von größeren Aminosäuren, Lipiden,
Vitaminen, Membranen etc. läuft auf dieselben Probleme hinaus und außer dem Stoffwechsel
gibt es noch weitere Probleme … Berge und Schluchten, die einer darwinistischen Erklärung des
Lebens im Wege stehen.«

Peinliches Schweigen

Hätte Darwin die grundlegende strukturelle Komplexität des Lebens auf molekularer und
zellularer Ebene gekannt, hätte er wahrscheinlich über genügend gesunden Menschenverstand
verfügt, um seine Theorie nicht zu verbreiten. Seit der Entdeckung dieser »Blackbox« haben die
Evolutionisten zu diesem Thema bis heute ein diskretes Schweigen bewahrt. Behe stellt heraus,
dass das angesehene Journal of Molecular Evolution – die höchste Autorität auf ihrem Gebiet –
niemals »ein detailliertes Modell vorgestellt hat, durch das ein komplexes biochemisches System
in allmählicher, darwinistischer Schritt-für-Schritt-Weise hätte zustande gebracht werden können
… Gerade die Tatsache, dass keines dieser Probleme überhaupt angesprochen wird … ist ein
sehr starkes Indiz dafür, dass der Darwinismus ein unpassender Rahmen für ein Verständnis ist,
wie komplexe biochemische Systeme entstanden sein können.«

Zwischen 1984 und 1994 wurden in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of
Science etwa 400 wissenschaftliche Publikationen zum Thema Molekularevolution veröffentlicht.
Doch nicht ein einziger »schlug irgendeine detaillierte Route vor, auf der sich komplexe
biochemische Strukturen möglicherweise entwickeln konnten« – und auch in anderen
biochemischen Fachzeitschriften wurden keine Vorschläge veröffentlicht. Diese grundlegende
Ebene (die Komplexität, von der Darwin nichts wusste) ist der Ansatzpunkt, von wo aus der
Darwinismus nun verteidigt werden müsste. Doch bisher weichen die Evolutionisten dieser
Verteidigung aus dem verständlichen Grund aus, weil der Darwinismus von dort nicht verteidigt
werden kann. Angesichts der Tatsache, dass es niemals »eine Konferenz, ein Buch oder einen
Artikel über Details der Evolution komplexer biochemischer Systeme« gegeben hat, schreibt
Behe:

»Publish or perish« – »veröffentliche oder sterbe« – ist ein Sprichwort, das Akademiker sehr
ernst nehmen. Wer seine Arbeit nicht mit einer Publikation der Öffentlichkeit zur Beurteilung
vorstellt, hat kein Geschäft in akademischen Kreisen … Wenn eine Theorie von sich behauptet,
ein Phänomen erklären zu können, aber noch nicht einmal einen Versuch einer Erklärung
hervorbringt, dann sollte sie verworfen werden … Tatsächlich hat die Theorie der darwinistischen
Molekularevolution noch zu keiner Publikation geführt und somit sollte sie sterben.

Darwin verließ sich auf Ähnlichkeiten in der äußeren Erscheinung. Er zeigte die große Vielfalt
verschiedener Augen auf und schloß daraus, dass sie sich irgendwie über lange Zeiträume durch
»natürliche Selektion« entwickelten. Behes Kommentar ist vernichtend:

»Da nun die Blackbox des Sehapparates geöffnet wurde, reicht es nicht mehr aus … nur die
anatomischen Strukturen des gesamten Auges zu untersuchen, wie Darwin es im 19.
Jahrhundert tat (und wie Verfechter der Evolution es heute noch tun). Jede der anatomischen
Schritte und Strukturen, die Darwin für so simpel hielt, umfassen in Wirklichkeit die
erstaunlichsten komplexen biochemischen Prozesse …

Die Anatomie ist … irrelevant für die Frage, ob Evolution auf molekularer Ebene überhaupt
stattfinden konnte. Gleiches gilt für die Fossilien … Sie verraten uns nichts darüber, ob die
Interaktion von 11-cis-Retinal mit Rhodopsin, Transduzin und Phosphodiesterase sich Schritt für
Schritt entwickeln konnte …

Die Wissenschaftszweige, die gemeinsam die Evolutionstheorie synthetisierten, sind allesamt


nichtmolekular. Wenn jedoch die darwinistische Evolutionstheorie richtig sein soll, muss sie eine
Erklärung für die molekulare Struktur des Lebens bieten … aber sie bietet keine.«

Bibel oder Evolution?

Donald Devine ignoriert sowohl die wissenschaftliche Widerlegung der Evolution als auch deren
Unvereinbarkeit mit der Bibel und sagt zur Unterstützung seines Papstes:
»Offensichtlich gab es vor Millionen von Jahren prähistorische Urmenschen … Das ist keine
Widerlegung der Bibel, sondern bestätigt sie vielmehr – es besagt, dass Gott seinen Atem in die
Seele geben mußte, bevor der Mensch Mensch sein konnte.«
Im Gegensatz dazu widerspricht die theistische Evolutionstheorie nicht nur dem
Schöpfungsbericht, sondern der ganzen Bibel, da sie von prähistorischen Vorfahren des
Menschen ausgeht (Kardinal O’Connor von New York sagt, Adam und Eva seien niedere Tiere
gewesen).

Gott hat keinen vormenschlichen, aus einer Ursuppe evolvierten Wesen eine menschliche Seele
eingepflanzt, sondern vielmehr berichtet uns die Bibel, dass Gott zuerst Adam aus dem »Staub
des Erdbodens« bildete und dann später Eva aus »einer von Adams Rippen« formte (1Mo
2,7.18-23). Prähistorische Vorfahren können mit diesem Bericht nicht in Einklang gebracht
werden. Jesus selbst hat diesen Bericht bestätigt (Mt 19,4-5).

Der Herr Jesus bezieht sich auf den Schöpfungsbericht und die Erschaffung des Menschen und
zitiert diese Schriftstellen wörtlich, womit er diesem Bericht sein Echtheitssiegel aufprägt. Auch
Paulus bescheinigte die Zuverlässigkeit des Schöpfungsberichts und erklärt, dass »Adam zuerst
gebildet wurde, danach Eva« (1.Tim 2,13; vgl. 1.Kor 15,22.45; Jud 14). Außerdem sagt Paulus,
dass die Sünde ausdrücklich durch Adam in die Welt kam und durch die Sünde der Tod (Röm
5,12). Wenn Adam und Eva von Urmenschen abstammten, die über Jahrtausende (oder
Jahrmillionen) prähistorischer Evolution gelebt haben und gestorben sind, bis Gott sie schließlich
zu Menschen machte, hätte es den Tod bereits gegeben, bevor Adam sündigte. Ein solcher
Widerspruch wäre für den christlichen Glauben eindeutig ein vernichtender Schlag.

Die theistische Evolutionstheorie von prähistorischen Urmenschen als Vorfahren des Menschen
widerspricht dem Schöpfungsbericht, der Lehre Jesu, der Verkündigung des Paulus und dem
Evangelium. Was die römisch-katholische Kirche und andere Verfechter der theistischen
Evolution of¬fensichtlich nicht merken, ist für eine atheistische Zeitschrift offenkundig:

Doch wenn der Tod dem Menschen vorausging und nicht erst eine Folge von Adams Sünde war,
dann ist Sünde eine Fiktion. Wenn Sünde Fiktion ist, dann brauchen wir keinen Erlöser … Die
Evolution macht den eigentlichen Grund für Jesu irdisches Leben voll und ganz zunichte … Wenn
Jesus nicht der Erlöser war, der für unsere Sünden starb – und darauf läuft die Evolution hinaus
–, dann ist das Christentum nichtig.

Die Evolutionstheorie, diese »aufgeblähteste aller heiligen Kühe«, hat Millionen zu der irrigen
Annahme verleitet, die Bibel sei nicht zuverlässig und den Gott der Bibel gäbe es gar nicht. Der
Berkeley-Professor Phillip Johnson sagt treffend: »Der ganze Zweck der darwinistischen
Evolutionsgeschichte besteht darin … zu zeigen, dass wir keine präexis¬tente Intelligenz
brauchen, die die Schöpfung bewerkstelligt hat.«

Der Wahrheit ins Angesicht blicken

1991 schockierte der Juraprofessor Johnson die akademische Welt mit seinem Buch Darwin on
Trial (»Darwin vor Gericht«). Obgleich er wusste, dass es in akademischen Kreisen die
unverzeihbare Sünde ist, etwas gegen die Evolutionstheorie zu sagen, nahm er mutig und mit der
Akribie eines hochkarätigen Juristen den Darwinismus auseinander und zeigte, dass diese Lehre
einer Gerichtsverhandlung nicht standhalten würde. Gegen die Akademiker erhob Johnson die
Anklage, dass sie »in ihrem Eifer, die Religion aus der Gesellschaft auszurotten und der
Vergangenheit anheim zu stellen, die wahrhaftige und sorgfältige Berichterstattung preisgegeben
haben, zu der die Wissenschaft eigentlich seit eh und je verpflichtet ist«.

Wenn die Evolutionstheorie wahr wäre, dann hätte es notwendigerweise buchstäblich Milliarden
von Zwischenformen gegeben, die im Fossilienbestand wiederzufinden wären. Stellen Sie sich
die Millionen klei¬ner Schritte vor, die über Millionen Jahre nötig wären, bis sich Schwimmblasen
zu Lungen entwickeln und Magen und Verdauungstrakt, Augen, Nieren, Gehirn und
Nervensystem aus Vorformen entstehen. Ebenso Herz und Blutkreislauf, männlicher Same und
weibliche Eizelle, das Vogel- bzw. Reptilienei mit seiner Schale usw. Doch kein einziges eines
solchen »missing link« (»fehlenden Bindeglieds«) ist jemals gefunden worden!

Und was ist mit dem Instinkt? Die Evolution hat keine Antwort. Selbst wenn das raffinierte
Radarsystem der Fledermaus plötzlich durch Zufall entstanden wäre, wer hätte dann der ersten
mutierten Fledermaus beige¬bracht, diese Fähigkeit richtig anzuwenden? Wie viel Millionen
arktischer Seeschwalben wären ertrunken, bevor die erste – wohlgemerkt durch Zufall – gelernt
hätte, über Tausende Kilometer über den Ozean zu navigie¬ren? Wie viele Eier jeder Art wären
verfault, bevor der Instinkt entwickelt war, Eier auszubrüten, und wie wurde er erworben und
weitervererbt?

Die Welt läuft einem Irrglauben nach

Die Psychologin und Theologin Jean Houston produziert in ihren Büchern und Seminaren eine
Synthese aus Psychologie, Okkultismus und Evolution. Bei einigen Seminaren führt sie die
Teilnehmer in ein scheinbares Erwachen uralter vormenschlicher »Erinnerungen«. So können die
Teilnehmer angeblich Einblick in ihre Persönlichkeit bekommen und »emotionale Blockaden«
aufarbeiten. Hier der Bericht eines Teilnehmers:

»Erinnern Sie sich an die Zeit zurück, als Sie ein Fisch waren«, suggeriert Houston … Annähernd
tausend Personen … fallen zu Boden und fangen an ihre »Flossen« zu bewegen, als tauchten
sie durchs Meer.
»Achten Sie auf Ihre Wahrnehmung, wenn Sie sich wie ein Fisch bewegen. Wie sieht Ihre Welt
aus, wie fühlt sie sich an, wie klingt, schmeckt und riecht sie?«
»Dann begeben Sie sich aufs Land«, sagt Houston und leitet uns in den Amphibienzustand …
Dann suggeriert Houston:
»Lassen Sie Ihren Erinnerungen an die Zeit freien Lauf, als Sie ein Reptil waren … Später
konnten einige von Ihnen fliegen. Andere kletterten auf Bäume …« Wir verwandelten uns in einen
Zoo von Geräuschen und Be¬wegungen von prähistorischen Säugetieren, Affen und Primaten.
Dann leitet Houston uns in die Erinnerung als »Urmenschen«, die allmählich ihr schützendes Fell
verlieren »und … sich zum modernen Menschen entwickeln …«

Wir waren ein zappelndes Meer von Körpern geworden – fast tausend Hausfrauen, Therapeuten,
Künstler, Sozialarbeiter, Kleriker, Pädagogen, Ärzte …die über und untereinander krabbelten,
ihren Spaß hatten und neu lernten, was tief in unserer Erinnerung steckte.

Diese »Übung in evolutionärem Gedächtnis«, wie Houston es nennt, ist offenkundiger Unsinn.
Tatsache ist, dass niemand derartige »Erinnerungen« hat, die es auch auf keiner etwaigen
unbewussten Ebene geben kann (wie bei C. G. Jungs angeblichem »kollektiven Unbewussten«),
noch auf zellularer Ebene, wie einige meinen, da nämlich die Evolution ein Mythos ist, der
niemals tatsächlich stattgefunden hat. Aber was geht dann bei einem solchen Seminar vor sich?
Offensichtlich wird durch Einredekunst die Fantasie der Teilnehmer angeregt, damit sie bei
diesem zurückgreifenden Therapiespiel mitmachen.

Es ist erschreckend zu sehen, wer alles an einer solchen Narretei teilnimmt. Houston leitete und
organisierte ein Symposium für führende Po¬litiker der US-Regierung unter der Bezeichnung
»Die mögliche Gesellschaft: eine Entdeckungsreise in praktische Alternativen der Politik für das
kommende Jahrzehnt«. Sie berichtet von etwa 150 hochrangigen Funk¬tionären, die etwa drei
Jahre lang ihr Symposium besuchten. Sie brachte es fertig, dass diese Politiker auf dem Boden
lagen und sich innere Reisen vorstellten auf der Suche nach der »alternativen Gesellschaft«.
Derartige Übungen können natürlich in okkulte Kontakte führen, genau wie die Reise des
Schamanen, von der Houstons Vorgehen eindeutig abgeleitet ist.

Evolution, Psychologie, Schamanismus: Die Verbindung liegt auf der Hand, aber es ist der
Glaube an die Evolution, der uns in einer Abwärtsspirale nach unten zu der gegenwärtigen
Renaissance des Okkulten ge¬führt hat. Die vielgepriesene Behauptung, der Mensch entwickle
sich aufwärts zu steigernder Perfektion, hat ihn statt dessen abwärts geführt zu einer
unrühmlichen Rückkehr zum heidnischen Aberglauben.

IM BANNKREIS DES ABERGLAUBENS UND DER ZAUBEREI

Inhaltsverzeichnis

Was ist Aberglaube und Zauberei?


Aberglauben im allgemeinen und im besonderen Zauberei
Die Wirkungen des Aberglaubens
Die Wirkungen der Zauberei
Spezielle Gebiete der Zauberei und des Aberglaubens
Der Spiritismus
Die Astrologie
Die Christliche Wissenschaft
Die Anthroposophie
Die Psychoanalyse
Die Magnetopathie
Die Graphologie
Die Augendiagnose
Was sagt die Bibel?
Die Folgen
Wie werde ich frei? . . . »

Es ist sehr gewagt, im heutigen Zeitalter über etwas zu schreiben, das schon längst als
mittelalterlicher Spuk "erkannt" und "überwunden" worden ist. Man kommt dadurch in den
Verdacht der Unnüchternheit, der Schwärmerei und wie die Schlagwörter alle heißen. Trotzdem
wollen wir die Aufmerksamkeit auf ein Gebiet lenken, das sehr wenig bekannt ist. Es ist das
furchtbare Gebiet der Zauberei und des Aberglaubens. Bevor wir jedoch das eigentliche Thema
behandeln können, müssen wir uns vorerst mit einer Tatsache auseinandersetzen, mit der man
sich nicht gerne auseinandersetzt, nämlich mit der Realität Satans.

Wer heute noch an einen Satan glaubt, gilt als rückständig, gilt als "erledigt"; denn die
Wissenschaft der Philosophie, der Psychologie, der Psychoanalyse und vornehmlich auch der
Theologie hat zur Genüge "bewiesen", was Satan ist. Satan ist nach diesen Wissenschaften eine
Idee, das Prinzip des Bösen im Gegensatz zum Prinzip des Guten, oder der böse Trieb im
Menschen, oder das verdrängte Triebleben* usw. (*Freud, der Begründer der psychoanalytischen
Methode, sagt, daß Satan nichts anderes sei als das verdrängte Triebleben. Zahlreiche
Theologen haben dieser "Lösung" begeistert zugestimmt, wie sie sich denn überhaupt mit dem
psychoanalytischen Gift infizierten. Was sagen wohl die begeisterten Befürworter der Freudschen
Erfindung, wenn man ihnen sagt, "daß die Psychoanalyse in Freuds letzten Schriften eine groß
angelegte Offensive gegen jede Form religiöser Überzeugung unternommen hat"? Darin wird das
religiöse Bewußtsein als Kollektivneurose der Menschheit gedeutet!)

Religionsgeschichtlich wird versucht, die Gestalt Satans aus dem Einfluß der iranischen Religion
abzuleiten, und behauptet, daß im Judentum "durch eine Wandlung im Innern des Gemüts das
Eindringen einer so grausigen Gestalt vorbereitet wurde". Das Christentum, wird weiter gesagt,
übernahm diese Vorstellung und baute sie weiter aus. Der Aufklärung war es dann vorbehalten,
mehr Licht in dieses dunkle Gebiet zu bringen, indem sie bewies, "daß der Teufelsglaube ein
bemitleidenswerter Wahn einer unerleuchteten Zeit sei". Und irgendwo steht der sonderbare und
sehr bezeichnende Satz: "Die Auflösung des Glaubens an Teufel, Hölle und Dämonen schreitet
mit der Fortbildung der aufgeklärten Theologie von Stufe zu Stufe." Gott sei Dank, daß es neben
der aufgeklärten Theologie noch eine unaufgeklärte gibt. Professor Pieper sagt in seinem
Aufsatz: "Aber er (Satan) hört nicht auf, eine furchtbare Realität zu sein, gegen die Jesus
dauernd weiterkämpft, ja weiterkämpfen muß." Das ist's: Satan ist weder eine Idee noch ein
Prinzip noch der böse Trieb im Menschen noch das verdrängte Triebleben noch eine importierte
Gestalt, sondern eine furchtbare Realität, eine Person, mit der zu rechnen ist.

Der Unglaube wird sich selbstverständlich gegen diesen ..mittelalterlichen" Unsinn, der nur im
Gehirn hysterischer Nonnen und weltfremder Mönche spukt, wie er behauptet, wehren. Nun ja,
das ist eine der vornehmsten und erfolgreichsten Kampfesarten Satans, daß er sich selbst bei
den Menschen in Frage stellt, um sie seinem Willen desto gefügiger zu machen. Satan, als Fürst
dieser Welt, ist eine Macht, von der sich unsere armselige Schulweisheit nichts träumen läßt. Wir
meinen, mit unserem alles durchdringenden Geist", der doch vom Gift der Schlange durchseucht
ist, Letztes und Tiefstes erforschen zu können. Dabei gehen wir wie Blinde an der Tatsache
vorüber, daß Satan die Macht hat, unseren Intellekt, unsere Gefühle, unser Wollen, unser Wissen
zu beherrschen wie der Klavierspieler sein Instrument; d. h. die Einwirkungen Satans auf das
Gefühl und die intellektuellen Fähigkeiten des Menschen sind derart unverdächtig, daß jeder
meint, in seinem Denken und Handeln selbständig zu sein. ja, Satan hat sogar die Macht, dem
Menschen in logischer Selbstverständlichkeit Gedanken aufzunötigen, daß der Betreffende
meint, sie selber gedacht zu haben. Wir brauchen deshalb keineswegs überrascht zu sein, wenn
die Behauptung immer wieder ihre eifrigen Befürworter findet: "Es gibt gar keinen Teufel."

Es ist nicht zufällig, daß im Volke von einem "armen" oder "dummen Teufel" gesprochen wird.
Psychologisch liegt diesen Ausdrücken der Gedanke zugrunde, daß es wohl einen Teufel gibt,
der aber so dumm ist, daß man ihn an der Nase herumführen könne. Diese Meinung findet,
unbewußt, ihre schärfste Konsequenz in jenen Veranstaltungen (wie Maskenbälle usw.), die
irgendein "Motiv" aus der Hölle zum Gegenstand haben. Wohl die wenigsten haben eine Ahnung,
welch unheimliches Verschleierungsspiel Satan selbst in all diesen Verspottungen spielt: Ihm ist
es ein Hauptanliegen, von den Menschen nicht ernst genommen zu werden, damit er sie um so
sicherer in seine mannigfaltigen Fallen locken kann.

Dann wieder wird, wenn irgendein Mensch eine gewissenlose, gemeine Tat vollbrachte (wie z. B.
der Massenmörder Kürten), von teuflischer Bosheit gesprochen. Damit will man andeuten, daß
nur ein Teufel so grauenhafte Taten auszuführen imstande sei. Der Hinweis aber, daß damit ja
ein personhaftes Satan Wesen angenommen werde, wird mit der üblichen Oberflächlichkeit
übergangen. Auch hier finden wir wieder das Verschleierungsspiel der Finsternismacht; und die
Menschen lassen sich immer mehr und immer hartnäckiger in den Glauben hineinführen, daß
Satan nur eine dunkle, unbestimmte mythische Figur sei, der keine Wirklichkeit zukomme.
Indessen geht Satan, der Fürst dieser Welt, in listiger Verschlagenheit zu Werk und sorgt in
erster Linie dafür, daß das Interesse für das Wort Gottes abhanden kommt, um so den Boden
vorzubreiten für den Aberglauben, für die Zauberei, den Spiritismus usw.

Was ist Aberglaube und Zauberei?

Aberglaube und Zauberei können nur da entstehen, wo der lebendige Gottesglaube fehlt. Noch
jeder, der ohne Gott durch sein Leben gehen wollte, fiel dem Aberglauben anheim. Es ist
bezeichnend, daß gerade diejenigen, die in ganz besonderer Weise berufen waren, die Welt
"aufzuklären", vom Aberglauben geradezu geknechtet waren, wie z.B. ein Voltaire. Dieser "Mann
seines Jahrhunderts" kam immer betrübt von seinem Spaziergang heim, wenn er die Raben auf
dem Felde zur Linken hatte krächzen hören. Auch der geniale englische Dichter Lord Byron war
im höchsten Maße abergläubisch. Zeitlebens trug er an einer goldenen Kette eine goldene
Kapsel auf der Brust. Nach seinem Tode wurde die geheimnisvolle Kapsel geöffnet, und was
fand man? Eine winzige Pergamentrolle, die, in arabischer und türkischer Sprache abgefaßt,
einen Vertrag zwischen König Salomo und dem Teufel enthielt. Man sollte meinen, daß
Wissenschaft und Aufklärung, überhaupt die Bildung, vor Aberglauben schützen. Die Wirklichkeit
zeigt jedoch in erschreckender Deutlichkeit, wie sich das Krebsübel des Aberglaubens und der
Zauberei bis in die "höchsten" und "gebildetsten" Gesellschaftsschichten eingefressen hat.
Das, was die Bibel verkündet, wissen sie nicht. Was aber z. B. die Zahl 13 zu sagen hat, wissen
sie sehr gut und richten sich mit erstaunlicher Genauigkeit danach ein. Wie ist es möglich, daß
Menschen, sonst mit normalem Verstand, sich von einem Zahlengebilde derart versklaven
lassen? Wo liegen da die Ansatzstellen, die uns diese krankhaften Erscheinungen im
Seelenleben erklären könnten? Wir wollen ja nicht in den alten Fehler verfallen und entweder den
Aberglauben als einen Humbug darstellen oder verlachen, oder ihn psychologisch erklären, weil
diese Methoden an der Sache vollständig vorbeizielen. Zudem wäre das Geheimnis der
unglaublichen Beharrlichkeit, womit der Aberglaube sich in der Seele des Menschen festnistet,
nicht erklärt. Denn es soll nur einmal ein vom Aberglauben Versklavter aus eigener Kraft
versuchen, den Aberglauben von sich zu weisen; er wird das Vergebliche seines Bemühens bald
einsehen müssen.
Der Aberglaube und jegliche Zauberei ist nichts anderes als ein Gewächs der Hölle, eine Folge
der intensiven Tätigkeit Satans, die Menschen von Gott wegzuziehen und sie zur Unfreiheit und
zuletzt zum seelischen Tod zu führen, damit, wenn die Stunde des Sterbens kommt und die
Sündenerkenntnis wach wird, jede seelsorgerliche Hilfe vergeblich ist. Auf unglaublich geschickte
Art stellt er die Schlingen des Aberglaubens und der Zauberei, und wehe dem, der von ihnen
gefangen wird; die Folgen sind furchtbar.

Wir wollen nun unser Augenmerk auf die charakteristischen satanischen Schlingen richten, und
möge uns Gott sehende Augen geben, die Hintergründe der Hölle zu erkennen!

Aberglauben im allgemeinen und im besonderen

Wenn vier Personen einander über das Kreuz die Hand reichen. Weiße Rosse in die Hand
stempeln. Aufgestengelter Kaktus. Die weißen Blätter bestimmter Pflanzen. Fallen eines Messers
auf den Boden, das steckenbleibt. Der fallengelassene Brocken in die Tasse. Ohrenläuten. Ein
kleines Kind darf nicht durchs Fenster ins Haus oder aus dem Haus genommen werden.
Begegnung mit einer Frau als erste Person beim Ausgang. Die schwarze Katze, die über den
Weg springt. Das Liegen der Nägel mit der Spitze nach oben oder nach unten. Drei blühende
Kornähren durch den Mund gezogen. Gesangbuch oder Bibel unter dem Kopfkissen. Wenn das
Antlitz einer Leiche auf einen Spiegel fällt. Die Seelen ungetaufter Kinder. Das Schließen der
Türen in "Gott's Namen". Legen von Brandbriefen in das Gebälk; Legen von Äpfeln; das
Vergraben bestimmter Gegenstände u. a. m.

All diese Handlungen, Vorfälle und Begebenheiten haben ihre besonderen Bedeutungen, die
gewöhnlich peinlich genau beachtet werden und die weitgehend den Menschen in seiner
Handlungsweise beeinflussen.

Man könnte diesen Katalog des Aberglaubens beliebig vermehren und ganze Seiten voll
schreiben. Die wenigen Beispiele mögen jedoch genügen und uns zeigen, wie unheimlich üppig
das satanische Unkraut wuchert.

Hufeisen an Türen oder Schwellen befestigen. Damit soll das Unglück vom Hause gebannt und
dem Glück Tür und Tor geöffnet werden. Sehr oft werden die Hufeisen auch an Sträuchern auf
dem Felde oder im Garten aufgehängt gegen Unwetter oder anderen Schaden.

Tagewählen. Um gewisse Handlungen oder Reisen zur Zufriedenheit und mit Erfolg ausführen zu
können, werden ganz bestimmte Tage ausgewählt. An einem Mittwoch z. B. darf nicht geheiratet
werden. Der Montag soll immer ein Unglückstag sein, und am Freitag kann eine Reise
unglücklich enden.

"Unberufen." Aussprechen dieses Wortes, um damit zu verhüten, daß das Unglück oder die
Krankheit usw., von der man gerade spricht, einen selbst anfällt.

Unglückszahlen. Die sieben und vornehmlich die 13. Viele von der Zahl 13 Belastete würden nie
in einer Gesellschaft mitmachen, wenn sich zufälligerweise diese Gesellschaft aus 13 Personen
zusammensetzt, weil sonst irgendein Unglück eintreten könnte. In zahlreichen Hotels sucht man
vergeblich nach dem Zimmer Nummer 13, da eine sehr große Zahl der Reisenden das Risiko
nicht auf sich nehmen will, in einem Zimmer Nummer 13 zu schlafen.

Himmelsbriefe. Es sind dies Briefe, die angeblich vom Himmel gefallen sein sollen; sie werden
gerne gekauft von denen, die von ihnen Schutz erhoffen. Der Himmelsbrief ist besonders im
Weltkrieg von den Soldaten getragen worden als Talisman gegen Kugeln und Granaten.
Kettenbriefe, die einem von unbekannter Seite zugesandt werden mit der Aufforderung, sie
abzuschreiben und an sieben oder neun verschiedene Adressen weiterzusenden. Wird die Kette
unterbrochen, dann folgt "unfehlbar" die Strafe; wird sie nicht unterbrochen, so wird am siebten
bzw. neunten Tag oder innerhalb eines bestimmten Termins die Belohnung folgen.

Vogelgeschrei. Rufe des Kuckucks haben ihre besondere Bedeutung, der krächzende Laut der
Krähe hat eine andere und der Schrei des Käuzleins wieder eine andere. Ängstlichen Herzens
werden die verschiedenartigen Schreie gedeutet, und die Furcht will nicht aus der Seele weichen,
bis die Gefahr vorüber oder das gefürchtete Ereignis eingetreten ist.

Bleigießen in der Neujahrsnacht, um auf Grund der verschiedenen Figuren festzustellen, was
einem im neuen Jahr erwartet.

Traumbücher zur Deutung der Träume.

Punktierbücher, aus denen man in schwierigen Fällen "Rat" holen kann, indem man sie mit
Nadeln durchsticht; wo die Spitze hinkommt, steht die Auskunft.

Werfen von Münzen und dergleichen Gegenständen, um den Entscheid herbeizuführen bei
schwierigen Fragen.

Zukunft befragen in irgendeiner Form, wie z. B. auf Jahrmärkten oder bei anderen
Gelegenheiten, wo man sich Briefe oder Zettel durch einen Papagei geben läßt oder selber zieht.

Astrologischer Kalender.

Siderischer Pendel. Pendeln über Lebensmitteln, Medizinen, Photographien, Hühnereiern (zum


Erraten des Geschlechts). Pendeln über Kranken zur Bestimmung der Krankheit usw.

6. und 7. Buch Mose.

Christliche Wissenschaft, die durch ihr Gesunddenken nicht nur leidende Menschen "gesund"
macht, sondern auch krankes Vieh zu "heilen" weiß.

Theosophie, Anthroposophie, Bibelforscher, Adventisten, Christliche Wissenschaft, Mazdaznan,


Neuapostolen, Mormonen, Neugeistbewegung, Lorber, Yoga. - All diese Irrlehren sind im
Grunde abergläubische Lehren und bewirken einen Bann.

Zauberei

a) Mantik (Wahrsagerei)

Wahrsagen aus den Karten, aus den Linien der Hand; wahrsagen auf Grund der
Maximplanchetten, des Wahrsagespiegels, eines Kristalls, zweier Stäbchen, des Kaffeesatzes,
der aufsteigenden Perlen im Wein usw.

Astrologie (Sterndeuterei). Sie sagt durch Horoskope die Zukunft voraus und gibt Anleitung,
welche Handlungen mit Erfolg gekrönt sind und welche Angelegenheiten erst später erledigt
werden dürfen.

Spiritismus: Verkehr mit Geistern. Dazu gehört . Tischrücken, Tischklopfen, Psychographie


(Vermittlung schriftlicher Kundgebungen aus dem Geisterreich vermittelst eines kleinen
Tischchens oder mit einem storchschnabelähnlichen Apparat, auf den man die Hand legt).
Wünschelrute und Siderisches Pendel (gehören zugleich in das Gebiet der Magie).

b) Magie

Amulette tragen am Halse oder Körper. Auch Fingerringe und Ohrringe tragen gegen böse Augen
gehört hierher.

Sympathie: auch "Büßen", "Böten", "Brauchen", "Bepusten", "Vertun", "Segnen", "Besprechen"


genannt. Bei Krankheiten in der Familie oder im Stall wird zu diesen Mitteln gegriffen, sei es, daß
man selber die vorgeschriebenen Formeln hersagt und die geheimnisvollen Riten vornimmt, sei
es, daß man sich an einen Besprecher (Wunderdoktor) wendet oder bei einer "weisen" Frau Hilfe
holt.

Heilmagnetismus. Das Bestreichen Kranker mit den Händen.

Hypnose, Suggestion, Autosuggestion (Couéismus).

Die Wirkungen des Aberglaubens

Der Aberglaube ist die Religion Satans, und wer dieser Religion Glauben schenkt, bekennt sich
zu ihrem Urheber. Der Abergläubische will davon allerdings nichts wissen, weil er seinen
Aberglauben als harmlos betrachtet, und sehr oft begegnet man der Merkwürdigkeit, daß gerade
die, die vom Aberglauben stark belastet sind, behaupten, nicht abergläubisch zu sein. Andere
sehen im Aberglauben nur eine Spielerei, die nicht ernst zu nehmen ist. Und wieder andere
meinen, daß im Aberglauben doch erfahrungsgemäß etwas Wahres enthalten ist. So wogen die
Meinungen, Ansichten, Vorstellungen und Behauptungen hin und her, ohne daß je eine klare
Einsicht gewonnen würde. Wir können denn nicht umhin, die satanische Hintergründigkeit des
Aberglaubens aufzudecken.

Aberglaube bedeutet in der Begriffsbestimmung: ein Zuviel des Glaubens. Das will nicht heißen,
daß der, der vielen und großen Glauben hat, abergläubisch sei. Das "Zuviel" des Glaubens als
Aberglaube wird uns erst verständlich, wenn wir die Heilige Schrift, als die Offenbarung Gottes,
zum Maßstab unseres Glaubens nehmen. Damit wird sofort deutlich, was zuviel, d. h. was in
unserem Glauben Aberglauben ist. Der Aberglaube ist somit nichts anderes als eine vom Wort
Gottes losgelöste Glaubensmeinung. Im Paradies nahm der Aberglaube seinen Anfang. Dort
setzte der Satan dem Wort Gottes das ..aber" entgegen: "Ihr werdet mitnichten des Todes
sterben." Adam und Eva glaubten dem satanischen "Zuviel" und fielen.

Der Aberglaube ist bis heute ein sehr wirksames Mittel in der Hand Satans geblieben, die
Menschen von Gott fernzuhalten. Der Fürst dieser Welt ist Psychologe genug, um zu wissen, daß
der Mensch einen Gegenstand des Glaubens haben muß; denn es gibt schlechterdings keinen
einzigen Menschen, der nicht an irgend etwas glaubt. Sogar der Atheist glaubt an seine
Gottlosigkeit. Deshalb kann das "Organ" des Glaubens dem Menschen zum Segen gereichen
oder aber, wenn es irregeleitet wird, zum Fluch, zur Verdammnis. Mit großer Geschicklichkeit
weiß Satan sich dieses Organ dienstbar zu machen. Er bietet ihm einen Ersatz, ein Zuviel an,
das nach außen sehr harmlos ist, im Grund aber nichts anderes bedeutet als Trennung von Gott,
Unfähigkeit, die göttlichen Wahrheiten aufzunehmen und zu verstehen. Die Erfahrung bestätigt
immer wieder die Tatsache, daß Menschen, die vom Aberglauben besessen sind und nicht davon
lassen wollen, nie zum wahren Christusglauben durchzudringen vermögen.

Immer führt der Aberglaube in Gebundenheiten hinein, die in einer knechtischen Furcht zum
Ausdruck kommen, wie z. B. bei der Zahl 13, oder wenn eine schwarze Katze den Weg kreuzt,
oder beim Vogelgeschrei usw. Aber nicht die Zahl 13, die schwarze Katze oder das
Vogelgeschrei an sich erzeugen die Furcht, die Angst, die Gebundenheit im Menschen, sondern
die teuflische Macht, die dahintersteckt, die nichts unversucht läßt, die Menschen in ihre Gewalt
zu bringen.

Nicht nur die sklavische Furcht ist eine Wirkung des Aberglaubens, sondern auch das
Unvermögen, diese Furcht durch einen Willensakt von sich zu weisen.

Eine andere Wirkung des Aberglaubens ist die Unfähigkeit, einer ernsthaften biblischen
Auseinandersetzung zu folgen. Gewöhnlich fehlt das Konzentrationsvermögen, so daß schon
nach einigen Minuten der Gedankengang wie ein Kleid am Dornstrauch hängenbleibt und nicht
mehr weiterkann; oder es wird versucht, unvermittelt auf ein anderes Thema überzuspringen.
Dann wieder gibt es Abergläubische, die wohl und das oft mit großer Vor¬liebe auf religiöse
Gespräche eingehen. Aber das Endergebnis ist immer der Anfang¬ der Unklarheit, Unerlöstheit,
ein Durcheinander von Vernunft, religiösen Empfindungen und unverstandenen Bibelsprüchen.
Die biblischen Wahrheiten vermögen weder Trost noch Wegleitung in die gottentfremdeten
Herzen zu bringen; denn der Aberglaube wirkt wie ein Panzer, an dem die Pfeile des göttlichen
Wortes abprallen.

Die Wirkungen der Zauberei

a) Mantik (Wahrsagerei)

Die Zauberei ist der in die Tat umgewandelte Aberglaube. Es genügt Satan nicht, daß der
Mensch auf der "Vorstufe" des Aberglaubens stehenbleibe, er will ihn noch mehr in seine Gewalt
bekommen; deshalb gibt er ihm Gelegenheit, seinen Aberglauben in die Tat umzusetzen, sei es
auf dem Weg der Mantik oder der Magie.

In einem der neuesten Pariser Adreßbücher zählt man über 4000 Wahrsager und
Kartenschläger. Leipzig kennt deren 250. Schon nur diese beiden Zahlen lassen uns aufmerken;
denn wenn in einer Stadt so viele Wahrsager existieren können, dann müssen sie auch ihre
Kundschaft haben. Und sie haben ihre Kundschaft, diese Wahrsager, vom ärmsten
Straßenkehrer bis zum "vornehmsten" Reichen; sie alle wollen den Schleier ihrer Zukunft gelüftet
wissen.

Gewöhnlich wird die Wahrsagerei von denen, die ihre furchtbare Wirklichkeit nicht kennen, als
Unfug oder Bauernfängerei bezeichnet. Diese Urteile sind oberflächlich. Wir brauchen nur die
Frage zu stellen, woher es denn komme, daß die Wahrsager oft mit unheimlicher Genauigkeit
über die Vergangenheit und Zukunft ihres Klienten Auskunft wissen, um zu zeigen, daß die
Wahrsagerei kein Unfug und keine Bauernfängerei ist. Gewiß trifft das "Wahrgesagte" in
unzähligen Fällen nicht ein. Das will jedoch nicht sagen, daß der Wahrsager nicht wahr
gesprochen hätte. Diese Bemerkung mag in ihrer geheimnisvollen Wendung etwas wichtig
klingen. Doch wir werden bald erfahren, was damit gemeint ist.

Die Wahrsager stehen ausnahmslos unter der Führung und Leitung der Macht der Finsternis.
Diese ist es, die ihnen das unnatürliche Wissen vermittelt. Zum näheren Verständnis sei Epheser
6,12 erwähnt: "Wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit den Fürsten und
Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den
bösen Geistern unter dem Himmel." Was uns zunächst an dieser Bibelstelle auffällt, ist der
Schluß: "Mit den bösen Geistern unter dem Himmel." Die bösen Geister unter dem Himmel sind
es, die uns kontrollieren in all unserem Tun und Lassen, in all unserem Denken und Handeln. Sie
kennen unsere Vergangenheit und Gegenwart besser als wir selber. Die bösen Geister sind es
also, die den Wahrsagern ihr Wissen über uns vermitteln. Was nun die Zukunftswahrsagerei
anbelangt, so haben die bösen Geister über die, die sich durch die Sünde des
Wahrsagenlassens dem Fürsten der Finsternis auslieferten, eine gewisse Macht, d.h. die
Finsternisgeister vermögen die Zukunft jedes durch die Wahrsagerei gebundenen und
geschwächten Menschen entscheidend zu beeinflussen. Insofern ist die Zukunftswahrsagung,
wenn sie auch nicht eintrifft, doch wahr, weil die bösen Geister, wenn ihnen die göttliche Macht
nicht entgegenträte, die Wahrsagung wahr machen würden. Nichtsdestoweniger hat auch eine
"unwahre" Wahrsagung ihre furchtbare Wirkung. Denn letztlich kommt es in der Wahrsagerei
nicht darauf an, ob das Wahrgesagte in Erfüllung geht oder nicht, sondern darauf, daß der
Mensch in die Gewalt Satans kommt, und das ist immer der Fall, wenn sich ein Mensch
wahrsagen läßt.

Eine besondere Art des Wahrsagens ist die Astrologie mit ihren Horoskopen, die auf
"wissenschaftlichem" Boden arbeitet. Wie bei der Sympathie Satan sich hinter einer religiösen
Maske verbirgt, so versteckt er sich bei der Astrologie hinter die "Wissenschaftlichkeit". Der Fürst
dieser Welt ist in allen Lagen allen Menschen, allen Wünschen gewachsen. Wenn das eine nicht
verfängt, so doch ganz sicher das andere. Für jede Kopfgröße, ob dumm oder gebildet, hat er
eine Kappe. Wehe aber, wer sich auf diesem "wissenschaftlichen" Weg eine Teufelskappe
anziehen läßt! Er hat es seelisch und körperlich, zeitlich und ewig zu büßen. Wie heißt es doch
Jesaja 47, 13. 14: "Du hast es dir sauer werden lassen mit deinen vielen Beratungen: laß sie
doch auftreten und dich retten, die Himmelsvermesser, die Sterngucker, die nach den einzelnen
Neumonden feststellen, von wo die Geschicke dich treffen! Fürwahr, sie sind wie Spreu
geworden, die das Feuer verzehrt hat; sie können ihr eigenes Leben nicht von der Gewalt der
Flammen retten" (Menge Übersetzung). Und heißt es da nicht aufmerken, wenn wir weiter in
Jesaja 44, 24. 25 lesen: "Ich bin der Herr, der alles tut, der den Himmel ausbreitet allein und die
Erde weit macht ohne Gehilfen; der die Zeichen der Wahrsager zunichte und die Weissager toll
macht; der die Weisen zurückkehrt und ihre Kunst zur Torheit macht, bestätigt aber das Wort
seines Knechts."

Auch das Handlesen und das Kartenschlagen haben Wirkungen, die erschütternd sind. Da
kommt eines Tages eine Witwe weinend in die Sprechstunde. Die Schwermut hatte, trotzdem sie
ein Kind Gottes war, ihr ganzes Aussehen gekennzeichnet. Auf meine Frage, was ihr fehle,
antwortete sie, daß ihr Mann und ihr einziger Sohn innerhalb von drei Monaten gestorben seien;
sie wisse sich nicht mehr zu helfen. Nun wurde mir aber klar gezeigt, daß nicht die beiden
Todesfälle die Ursache der Schwermut waren, sondern etwas ganz anderes. Ich fragte sie ganz
unvermittelt: Haben Sie sich in früheren Jahren einmal die Hand lesen lassen?" Nach kurzem
Besinnen antwortete sie, daß sie dies als zweiundzwanzigjährige Tochter tatsächlich getan habe.
Ich machte sie dann darauf aufmerksam, daß nicht der Tod ihrer beiden Lieben sie in den
Zustand der Schwermut gebracht hätte, sondern ihre Sünde des Unglaubens und der Zauberei.
Sie beugte sich und tat Buße. Ein Jahr später erhielt ich einen Brief, worin sie mir mitteilte, daß
sie, trotzdem sie einsam sei, in ihrem ganzen Leben nie so glücklich gewesen sei wie jetzt,
nachdem der Bann von ihr gewichen sei.

So gibt es viele Gotteskinder, die in ihrem Alter wegen irgendeines äußeren Anlasses in die
Schwermut hineingeraten. Weil sie nicht erkennen, wo die eigentliche Ursache verborgen ist,
laufen sie zu Nervenärzten, ohne daß ihre Not gelindert würde! Sehr oft meinen diese
bedauernswerten Opfer Satans, daß eine in der Jugend begangene Zaubereisünde im Alter
sicherlich keinen Einfluß mehr haben könne. Nun, Satan hat bei dieser Witwe 43 Jahre lang
gewartet, bis er seine Attacke ausführte. Er wartet oft deshalb so lange mit seinen Angriffen,
damit die begangene Sünde möglichst der Vergessenheit anheimfalle, auf daß eine Rettung nicht
mehr möglich sei.

Ein anderes Beispiel möge zeigen, wie entsetzlich gefährlich sich die Zauberei auswirken kann.
Ein älteres Fräulein besuchte meine Sprechstunde. Ihr ganzer Körper wurde von Weinkrämpfen
erschüttert. Endlich sagt sie, daß sie nicht mehr schlafen könne und daß böse Geister sie
beunruhigen. Im Laufe des Gesprächs stellte es sich heraus, daß sie sich tief im Sumpf des
Aberglaubens und auch der Zauberei befand. Sie bekannte alles, aber sie konnte die Erlösung
nicht fassen. Ich versuchte mit ihr zu beten; doch spürte ich sofort die unheimliche dämonische
Macht. Nach acht Tagen suchte sie mich wieder auf. Ihr Aussehen hatte sich zum Erschrecken
verändert sie wurde unaufhaltsam von den Dämonen in Besitz genommen. Ich konnte ihr keine
Hilfe mehr bringen. Zwei Monate später sah ich sie im Spital; sie lachte in einem fort ins Leere; es
war ein entsetzliches Lachen. Kurz darauf mußte sie der Irrenanstalt überwiesen werden!

b) Die Magie

Die Magie ruft durch die dunkeln Mächte Wirkungen hervor, die dem Menschen in seiner Not
oder in seiner Krankheit helfen sollen. Eins der gewöhnlichsten Mittel ist das Umhängen von
Amuletten. Sie werden immer von Wunderdoktoren oder "weisen" Frauen verkauft, und ihre
Wirkungen sind oft verblüffend. Hier zwei Beispiele. Ein Mädchen litt an einer gefährlichen
Krankheit. Nachdem die ärztliche Kunst versagt, bringen es die Eltern zu einem Besprecher, der
dem Kind ein Amulett um den Hals hängt. Das Mädchen wird bald darauf gesund. Nach einigen
Jahren kommt die junge Tochter in eine Evangelisation unter das Wort Gottes; sie wird innerlich
geweckt, kann aber keinen Frieden finden. Schließlich bekennt sie, daß sie ein Amulett um den
Hals trage. Als man es öffnete, fand man einen Streifen Papier, darauf geschrieben stand:
"Satan, ich gebiete dir, diese Seele zu verschonen, bis du sie in den Abgrund holst." Ein
Missionar litt während einer Eisenbahnfahrt an starken Zahnschmerzen. Ein Mitreisender bot ihm
einen unbedeutenden Gegenstand an, mit dem er die schmerzhafte Stelle bestreichen solle.
Gesagt, getan; der Schmerz war weg. Im Gasthof, wo der Missionar übernachtete, öffnete er den
Gegenstand und fand darin geschrieben: "Im Namen Gottes ver¬schreibe ich mich dem T . . ." Er
bat Gott um Vergebung für die unbewußte Sünde und um Rückkehr der Schmerzen, die sich
wieder einstellten.

Es handelt sich also hier nicht um einen psychologisch verständlichen Vorgang, wie die
Wissenschaft beliebt anzunehmen, sondern um eine Einwirkung satanischer Kräfte und Mächte,
die vom Menschen dadurch Besitz nehmen, daß sie ihm in seiner Not helfen.

Ein weiteres Mittel Satans, die Menschen unter seine Gewalt zu bringen, ist die Sympathie (auch
Büßen, Böten, Bepusten, Brauchen, Segnen, Besprechen genannt). Das Mittel der Sympathie
findet seine Anwendung gewöhnlich bei Krankheit, sowohl bei Menschen wie beim Vieh. Wenn
die ärztliche Kunst versagt, wird die Zuflucht zu einem Wunderdoktor oder zu einer "weisen" Frau
genommen.

In den meisten Fällen wird die Sympathie in enge Verbindung gebracht mit der heiligen
Dreieinigkeit oder mit der Bibel. Dadurch werden viele irregeführt, indem sie meinen, wenn etwas
im Namen Gottes oder gar in den drei höchsten Namen gemacht werde, könne es doch nicht
böse sein. Diese Meinung ist eine der gefährlichsten Irreführungen Satans. Wenn das
Besprechen in Teufels Namen geschähe, würden wohl alle vor dem Mittel der Sympathie
zurückschrecken. Weil es aber mit dem frommen Mittel religiöser Formen geschieht, sieht man
darin nichts Verdächtiges. So verstellt sich der Satan auch hier in einen wohltätigen Engel des
Lichts und bringt mit seiner frommen Maske Tausende und Millionen unter den furchtbaren Bann
der Zauberei, und zwar nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder, die von ihren Eltern in
unverantwortlich sündhafter Weise zum Besprecher gebracht wurden. Es ist oft herzzerreißend,
sehen zu müssen, wie besprochene Kinder, die später vom Wort Gottes ergriffen, lange
vergeblich nach Frieden ringen. Ihr Eltern, welch un¬geheure Verantwortung! Eure eigenen
Kinder werden euch dereinst anklagen und wider euch zeugen.

Weit verbreitet unter dem Volk ist die Anwendung von Sympathie durch die Zauberbücher (wie 6.
und 7. Buch Mose u. a.), wie denn überhaupt das Zauberbuch das Lehrmittel für die Zauberei ist.
Da gibt es ein Zauberbuch, betitelt: "Heiliger Segen zum Gebrauch frommer Christen", und als
Untertitel führt es an: "Um in allen Gefahren, worin sowohl Menschen als Vieh oft geraten,
gesichert zu sein." Ist es zu verwundern, wenn so viele "fromme Christen" in guten Treuen zu
einem solchen Buch greifen, um so mehr, da die darin enthaltenen Formeln gespickt sind mit
"heiligen" Worten? Am Schluß einer Zauberformel heißt es z.B., daß noch drei Vaterunser
gesprochen werden müssen, oder um einen anderen Zauberspruch wirksam zu machen, sei es
nötig, dreimal des Morgens und des Abends zu sprechen: "Im Namen des Vaters, des Sohnes
und des Heiligen Geistes. Amen." Wieder ein anderes Rezept schreibt vor, einen Zettel, auf dem
gewisse Zauberworte geschrieben stehen, zwischen die Blätter der Bibel zu legen, um von
gewissen Krankheiten los zu werden. Auf diese Weise kommen ganze Familien, ganze Dörfer,
ja ganze Gegenden unter den Bann der Zauberei, unter die Gewalt Satans.

Die Heilungen, sowohl bei Menschen als beim Vieh, durch das Mittel der Sympathie, gleichgültig,
ob durch die Wunderdoktoren, die "weise" Frau oder von einzelnen angewandt, sind oft
überraschend prompt. Aber die, die sich mit der Sünde der Zauberei beflecken, wissen nicht, daß
sie im wahren Sinn des Wortes den Teufel durch Beelzebub austreiben und daß sie durch diese
Abgötterei ihr Herz geradezu zu einer Residenz Satans machen.

Ein rechtschaffenes, gläubiges Ehepaar befand sich ständig unter einem Schwermutsdruck. Sie
weinten viel: er oft im Stall, sie in der Wohnung und manchmal beide miteinander. Sie konnten
sich ihren Zustand einfach nicht erklären. Nach einer gründlichen Aussprache bekannten sie mir
folgendes: Das erste Kind, das ihnen geboren wurde, wies einen starken Leistenbruch, der eine
Operation nötig machte, auf. Eine "weise" Frau, die das hörte, gab dem Ehepaar den Rat, dem
Neugeborenen etwas von seinen Haaren und Fingernägeln abzuschneiden und beides in ein
Stück Papier zu wickeln und das Weitere möchte ich lieber nicht erzählen. Als der Vater,
nachdem er genau nach Vorschrift der "weisen" Frau gehandelt hatte, um Mitternacht nach
Hause kam, da war der Leistenbruch geheilt. Ein zweites Kind wurde ihnen geschenkt, das
ebenfalls den Leistenbruch aufwies. Wiederum handelte der Vater genauso wie beim ersten Kind,
und der Leistenbruch war von Stund an beseitigt. Genau dasselbe geschah bei dem dritten Kind.
Die beiden Eltern hatten sich böser Zaubereisünden schuldig gemacht. Kein Wunder, daß die
Schwermut sie heimsuchte und sie immer mehr in ihre Gewalt bekam. Sie wurden dann frei,
nachdem sie ihre Zaubereisünde dem Herrn bekannten und sich vom Blut Jesu Christi reinigen
ließen.

Hier ein weiteres sehr instruktives Beispiel von einem Prediger. Er schreibt mir:

"Um meine dreißiger Jahre herum war ich gesundheitlich sehr angegriffen. Ärzte, die ich
besuchte, konnten mir nicht helfen. So entschloß ich mich, in Bern einen Spezialisten
aufzusuchen. Ich begab mich eines Tages auf die Reise. Unterwegs traf ich einen Freund, einen
eifrigen Versammlungsbesucher. "Wo willst du hin?" redete er mich an. "Zu einem Spezialisten
für Magen, Darm und Herz , war meine Antwort. "Höre auf meinen Rat", entgegnete er. "Fahre
sogleich nach F. zu einer Frau St. Sie ist eine eifrige Katholikin, aber fromm und gottesfürchtig."

Ich beschaffte mir sofort eine Fahrkarte nach F. und kam um den Mittag sehr elend beim
"Doktorhäuslein" an. Frau St. empfing mich mit den Worten: "Mein Herr Sie hatten die höchste
Zeit, zu mir zu kommen; denn Sie sind am Rand des Todes." Man führte mich ins Zimmer und
hieß mich auf das Ruhebett abliegen. Ein zubereitetes Medikament sollte mich stärken.
Unterdessen rüstete sie auch die Medikamente, die ich mit nach Hause nehmen sollte: Tee und
Tropfen. Nach drei Wochen war ich wirklich ein ganz anderer Mensch. Es dünkte mich, ich
möchte springen und über Zäune hüpfen, und ich hatte volles Vertrauen zu dieser Frau, die so
schön über Gott und seine Führungen zu mir sprach. Nach drei bis vier Wochen ging ich wieder
und wollte eine fromme leidende Tochter mitnehmen. Aber am Tag vorher sagte sie, sie hätte
nicht Freudigkeit; sie hätte darüber gebetet und könne nicht kommen. Ich ging allein. In Freiburg
angekommen, bemerkte mich die Frau St. nicht, da ich ja das Wartezimmer kannte. Wie ich da
sitze, höre ich, wie die Frau St. bei einer Patientin schimpfte und fluchte. Das gefiel mir nicht.
Wieder rüstete sie für mich die Mittel, und etwas entrüstet verließ ich das Haus. Es vergingen
wieder drei bis vier Wochen.
Guten Muts verließ ich eines Tages meine Wohnung, um im benachbarten Dorf Besuche zu
machen und Versammlung zu halten. Schon im Lauf des Nachmittags überfiel mich eine
ungeheure Angst. Als ich nach der Abendversammlung den langen Heimweg antrat, kam die
Angst wieder. Abends 20 Uhr kam ich nach Hause. Wie ich die Treppe hinaufsteige, die Türfalle
in der Hand halte, war es mir, ich vernehme eine deutliche Stimme, die rief: "Heute nacht mußt
du sterben." In meinem Zimmer sah ich noch einige Korrespondenzen nach und ging dann ins
Bett. Es fehlte mir weiter nichts. Kaum eine Viertelstunde im Bett, kam die ungeheure Angst
wieder. Ich spürte, wie das Leben in meinen Füßen wich; sie waren eiskalt und weiß. Ober den
Rücken liefen mir kalte Schweißtropfen. Ich sagte zu meiner Frau: "Ich muß sterben; betet für
mich!" Sie holte im Nachbarhaus nachts 12 Uhr fromme Geschwister, um für mich zu beten.
Bevor aber diese da waren, wurde mein Leib zum Spielball der bösen Mächte. Ich zitterte an
allen Gliedern so mächtig, daß es das Bett schüttelte und sogar auch meine Frau schüttelte, die
wieder neben dem Bett stand. Die Geschwister kamen und beteten, und ich wurde wieder
ruhiger. Morgens 7 Uhr kam der Arzt. Er untersuchte mich und sagte: "Ich finde nichts; Sie
müssen irgend etwas erlebt haben, das auf Sie mächtigen Einfluß hat." Ich sagte, es sei mir
nichts bekannt. Nach einigen Tagen wiederholte sich dasselbe. Wieder war der Arzt zugegen. Er
sah, wie mein Körper zitterte; und wie ich wieder ruhiger wurde, meinte der Arzt: "Herr R., ich
hab's gefunden. Ich sehe, Sie sind ein ernster Mann, Sie nehmen die Sache zu ernst; lassen Sie
fünfe grade sein!" Der Arzt glaubte also, daß es sich hier um Schwermut handeln könnte, was
aber nicht der Fall war.

Ich dachte der Sache nach und kam zu der Erkenntnis, daß es sich hier um satanische Mächte
handeln mußte, die mich töten wollten. Aber Gottes Gnade waltete über mir und wollte mich
retten. Daraufhin nahm ich die vorhandenen Mittel und warf sie zum Fenster hinaus. Ich nahm
meine Zuflucht zum Blut Jesu, das mich völlig rettete.

Mein Erlebnis erzählte ich dann meinem Freund (der mich zu dieser Frau St. nach F. wies) und
warnte ihn vor dieser "frommen" Frau; doch wollte er nicht hören. Einige Wochen darauf
erkrankte dieser mein Freund. Der ihn behandelnde Arzt Dr. K. äußerte sich zu Pfr. G., er glaube
nicht, daß X. Y. selig sterben werde, es seien ganz böse Mächte über ihn gekommen."

Dieses Beispiel zeigt so recht deutlich, wie auch gläubige Menschen vielfach die große Gefahr
der Zauberei, die überall von diesen düsteren "Wundermannli" und "Doktorinnen" ausgeübt
werden, nicht erkennen, um dann, wenn sie für diese Sünde nicht Buße tun, trotz "Bekehrung"
verlorenzugehen.

Überall, in der ganzen Schweiz, sind diese gefährlichen Heilkünstler vertreten.

Eine besondere Gruppe der Zauberei (Magie) bildet der Heilmagnetismus und die Hypnose.
Beide segeln, wie die Astrologie, unter der Flagge der Wissenschaftlichkeit. Wie lassen sich doch
die armen kranken nach Heilung suchenden Menschen von der Finsternis beeinflussen. Gott, die
lebendige Quelle, verlassen sie und suchen Heilung in den giftigen, stinkenden Gewässern. Wohl
werden viele durch die Hypnose und durch den Magnetismus geheilt. Aber diese Gesundung ist
teuer erkauft; denn auch hier bestätigt es sich, daß der Teufel durch den Beelzebub ausgetrieben
wird.

Sehr zu warnen ist auch vor der Hypnose als Belustigung, wie dies in allen größeren Städten und
Dörfern von Hypnotiseuren von Zeit zu Zeit praktiziert wird. Einsichtige Ärzte warnen davor,
indem sie von einer Schädigung des Gemüts und des Willens sprechen. Doch was nützt das,
wenn "sachverständige" Professoren in ihrem wissenschaftlichen Übereifer z. B. einen Sabrenno
mit ihrer Autorität decken!

Matuschka, der Eisenbahnattentäter von Bia Torbagy und Jüterbog, ist wohl allen bekannt. Was
hat ihn denn mit unheimlicher Gewalt zu den Eisenbahnschienen hingezogen und was hat ihn
zum Verbrecher gemacht? Es war ein Hypnotiseur, der ihn als fünfzehnjährigen Jungen zur
Belustigung der Zuschauer auf einem Stuhl Eisenbahn fahren ließ. Seit jener Stunde war der
bedauernswerte Knabe vollständig verändert. Jahrzehnte später, nachdem Matuschka zum
willenlosen Werkzeug der Finsternismächte herangebildet worden war, geschahen die
schrecklichen Unglücke, worüber sich die ganze Welt entsetzte. Dort auf jener Dorfbühne unter
dem Einfluß des Hypnotiseurs geriet Matuschka unter die satanische Macht, und jener "Geist",
von dem er in den Gerichtsverhandlungen immer wieder redete, war nicht ein Phantasiegebilde
oder eine Halluzination, sondern furchtbare, satanische Wirklichkeit, die allerdings von M. nicht
und noch weniger von den Richtern erkannt wurde. Muß es nicht auffallen, daß der unglückliche
Mensch immer von einem Zwang redete, der ihn so und nicht anders handeln ließ? Wer und was
war dieser Zwang? Doch davon später.

Dr. Remmy schreibt über den Hypnotismus:

"Ob die Hypnose gesundheitsschädlich sei oder nicht, wird von den einen heftig bestritten, von
den anderen als sicher bejaht. Tatsache ist, daß eine häufigere Vornahme der Hypnose nicht
ohne Einwirkung auf das Nervensystem bleibt und der Anlaß für mancherlei Störungen werden
kann. So hat man gerade nach solchen öffentlichen Vorführungen bei verschiedenen Personen
Kopfschmerzen, Zittern, tagelanges Übelbefinden, Benommenheit, nervöses Zucken, alle
möglichen angstvollen Zustände bemerkt. Sie litten an Einbildungen aller Art; vor allem aber
glaubten sie noch in der Hypnose zu leben oder die Stimme des Hypnotiseurs zu hören, seine
Augen oder seine Hand zu sehen, ja es wurden sogar hysterische Blindheit, schwere
Erregungszustände aller Art mit erheblicher Erwerbsund Arbeitsstörung beobachtet. Es handelt
sich dabei um Nervenstörungen, die in langwierige Geisteskrankheiten übergehen können."

Spezielle Gebiete der Zauberei und des Aberglaubens

Rutengängerei

Viele sehen in der Rutengängerei (Wünschelrute) eine besondere Begabung; wenige wissen,
daß die Wünschelrute nicht etwa auf besondere Erdstrahlungen in Verbindung mit den
magnetischen Kräften des Menschen reagiert, sondern daß ganz andere Ursachen die Rute zum
"Ausschlagen" bringen. Ein früherer Rutengänger schreibt mir:

"Ich muß Ihnen gestehen, daß ich viele Jahre selbst in der Rutengängerei gefangen war. Ich
wurde als vierjähriger Bub von meinem Großvater mitgenommen, wenn er etwa eine streitige
Marche mit der Rute suchen mußte. Ich war wohl über zwanzig Jahre alt, als mir der Gedanke
"gegeben" wurde, ob mir wohl die Rute auch ziehen würde. Und richtig, sie funktionierte. Als
junger Anfänger verlor ich einmal meinen Glaserdiamant, der mich Fr. 20 gekostet hatte. Das war
damals für mich ein Kapital. Jetzt kam mir der Gedanke an die Rute, und siehe, sie zeigte mir
den Platz, wo der Diamant lag.

Verheiratet, kaufte ich in der Gemeinde W. ein Heimetli. Der Brunnen war so vierzig Meter unter
dem Haus. Mit der Rute fand ich dreißig Meter ob dem Haus eine alte Brunnenhöhle. Niemand
wußte etwas davon; denn sie war eingestürzt.

Ohne von irgendeiner Seite aufmerksam gemacht zu werden, nur durch Gottes unbegrenzte
Gnade, wurde ich unruhig, und ich erkannte, daß geistige Mächte mitwirken müssen. Ich
verabscheute die Rute. Als ich in Zweifel und schließlich zum Entschluß kam, damit zu brechen,
war aber der Teufel, dem ich gedient habe, nicht zufrieden. Er hätte für seine Hilfe auch gern den
richtigen Lohn gehabt. Ich wies ihn auf den Hügel Golgatha, dort möge er den Lohn holen; mein
Bürge bezahle ihn, ich sei bankrott. Der Teufel kam in stillen Nächten an mein Bett, blätterte laut
in einem großen Buch, kratzte an den Wänden, warf kleine Steine mit Wucht im Zimmer herum.
Groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist. „Jetzt habe ich Ruhe.“

Derselbe schreibt in einem anderen Brief noch folgendes:

"Ich kannte einen Mann in der Gemeinde E., der, wenn er Besuch erwartete und nicht sicher war,
ob er kommen würde, die Rute fragte, und sie gab ihm Auskunft. ja, er fragte sie auch bei einem
Kuhhandel, ob er handeln solle oder nicht. Und jedesmal gab sie ihm Antwort."

J. Meyer gibt in seinem Büchlein "Tust du es auch?" folgenden Brief seines Pfarrers wieder, der
seiner Zeit versucht hatte, mit der Wünschelrute im Pfarrhaus eine Quelle zu suchen, wobei die
Rute "tadellos" funktionierte:

"Als Sie mir in Ihrem Brief in liebenswürdiger Weise die Tatsache zu verstehen gaben, daß ich
schon unter dämonischem Einfluß stehe, mußte ich lächeln. Ich bin 62 Jahre alt und kämpfe
schon seit Jahrzehnten rücksichtslos gegen alles Dämonische und habe allerlei Erfahrungen
gesammelt über dies unheimliche, aber wirkliche Gebiet. Als ich Ihre Broschüre gelesen hatte,
hatte sie mich nicht überzeugt, daß auch hier Dämonisches vorliege. Aber nach langjähriger
Erfahrung wandte ich mich in diesem zweifelhaften Falle an Jesus und bat ihn, daß, wenn etwas
Dämonisches dabei sei, er die Wünschelrute unwirksam machen möge, nahm dann die Rute und
ging mit ihr über die bekannten Wasserläufe, die sie seit zwei Wochen mit unfehlbarer Sicherheit
immer auf derselben Stelle angesagt hatte, und sie funktionierte nicht mehr, worauf ich sie
zerbrach und ins Feuer warf, wiederum um eine Erfahrung reicher, wie listig der Satan es
anzufangen weiß, um die Menschen, die Jesus aus seiner grauenhaften Gefangenschaft in seine
eigene herrliche Gefangenschaft gebracht hat am Kreuz, wieder zu gewinnen. Er mußte bei mir
wieder fliehen. Bei den Ausstrahlungen, die Sie erwähnten, erinnere ich mich daran, wie der
listige Feind mir auch bei der Rute Ausstrahlungen plausibel machen wollte. In der Küche mit
Zementfußboden, unter der ein Wasserlauf in der Tiefe sein sollte, standen über demselben zwei
gefüllte Emailwassereimer. Rund um diese Eimer schlug die Rute kräftig nach unten, aber über
den zwei Eimern reagierte sie nicht. Er wollte mir dadurch vortäuschen, daß Ausstrahlungen da
wären, aber das Email die Strahlen abschirme."

Wir sehen, daß die Rutengängerei ein gefährliches Ding ist. Wenn man auch versucht, der
Wünschelrute das Mäntelchen der Wissenschaftlichkeit umzuhängen, so ist und bleibt die
Wünschelrute eben doch eins der vielen Mittel zum Zweck, nämlich die Menschen unter die
Gewalt der Macht der Finsternis zu bringen.

Das Siderische Pendel

Wie die Wünschelrute, so spielt auch das Pendel eine große Rolle. Man glaubt, daß es auf Grund
bestimmter Strahlungen von Gegenständen im Zusammenhang mit dem sogenannten tierischen
Magnetismus möglich sei, Krankheiten zu diagnostizieren, Wasser und Ölquellen zu finden und
dergleichen mehr. Die oft großartigen und überraschenden Erfolge legen dem oberflächlichen
Beobachter die Vermutung nahe, daß es sich um eine wissenschaftliche Entdeckung von großem
Ausmaß handle.

Ein berühmter Pendler zeigt in seinem Buch "Comment j'opère", was er durch das Pendel alles
fertiggebracht habe, natürlich auf dem Weg "echter Wissenschaftlichkeit". Hier mag eine kurze
Auswahl der unglaublichsten Experimente folgen:

Auf Grund einer Photographie, die bependelt wurde, wurde eine Wasserquelle mit drei
Minutenlitern in der Nähe des Hauses gefunden.

In Popoyan, Südamerika, steht ein Gymnasium vor dem Ruin, weil kein Wasser mehr vorhanden
ist. In der Verzweiflung schreibt der Direktor dem berühmten Pendler in der Schweiz, daß er doch
nach Popoyan kommen möchte, um nach Quellen zu forschen. Der Pendler hat keine Zeit
hinzugehen, verlangte aber einen Plan des Besitztums, der ihm auch postwendend zugestellt
wird. Nachdem der Plan (!) bependelt war, gab der Priester (es handelt sich bei diesem
berühmten Pendler um einen katholischen Priester) genau den Ort und die Tiefe (28 Meter) einer
Quelle an, die sich auf dem Besitztum vorfand. Sofort wurden Grabungen vorgenommen, und
genau an dem bezeichneten Ort und in der angegebenen Tiefe sprudelte die Quelle, laut Bericht
des Rektors Hermano Anaclet.

Das Pendel des berühmten Priesters vermag auch Krankheiten festzustellen; aber es ist nicht
immer nötig, dag die Patienten anwesend sind; ein Photo des Kranken genügt, ja, wenn kein
Photo zu haben ist, so genügt auch ein Kleidungsstück der kranken Person.

Weiter ist es dem Pendler möglich, auf Grund des Pendels festzustellen, ob jemand noch
Besitzer des Blinddarms ist oder nicht.

Einmal hat einer seinen goldenen Ring in einer felsigen Gegend verloren. Nachdem ein Photo
dieser Gegend bependelt wurde, konnte die genaue Stelle, wo der Ring sich befand, angegeben
werden.

Eine junge epileptische Tochter ist eines Tages verschwunden. Die Mutter sendet die Photos
ihrer Tochter nebst einigen Ansichtspostkarten des Wohnorts und der Umgebung dem Pendler.
Die Antwort nach der Pendelarbeit lautete: "Ihre Tochter ist gestorben, und ich glaube am Rand
eines Abgrunds von 30 Meter Tiefe, an dem Ort, den ich mit einem Kreuz auf einer der
Ansichtskarten bezeichnet habe." Die Antwort der Mutter lautete: "Mein armes Kind wurde
gefunden. Der Körper war genau in der mir von Ihnen angegebenen Tiefe des Abgrunds, in den
sie in einem Anfall hinunterstürzte"*. (*Das Pendel wird auch benutzt, um, pendelnd über eine
geographische Karte von Europa, die wichtigsten Ereignisse, die sich das Jahr hindurch ereignen
sollen, "herauszulesen". Die Schweizer Illustrierte Zeitung (Nr. 53, 1937) brachte in großer
Aufmachung die hellseherischen Ereignisse ihres Gewährmannes Wladimir Iwanoff, die dieser
Pendler für das Jahr ic)38 "prophezeit". Wenn doch nur mehr Einsicht vorhanden wäre, solch
seelenvergiftende Erzeugnisse in den Papierkorb wandern zu lassen, statt sie den Lesern
vorzusetzen!)

Ein Geistlicher möchte gern Nachrichten von seiner Nichte haben. In Ermangelung eines Photos
und eines Kleidungsstücks befiehlt der Pendler dem Geistlichen, die Augen zu schließen und
konzentriert an seine Nichte zu denken. Nach einer Minute lautete die Antwort, wiederum auf
Grund des Pendels: "Ihre Nichte befindet sich 1600 Kilometer nördlich von Genf; sie ist in diesem
Augenblick in sitzender Stellung und ist herzkrank." Diese Angaben entsprachen vollständig der
Tatsache. Die Nichte befand sich in Stockholm, war herzkrank und saß gerade um die
angegebene Zeit (15.30 Uhr), indem sie für sich nähte oder strickte.

Wer diese wenigen Fälle aufmerksam studiert, erkennt sofort den dämonischen Hintergrund des
Siderischen Pendels; er sieht, wie die Dämonen der Luft zu dienstbaren Geistern werden, indem
sie dem Pendler, gemäß einer bestimmten Gesetzmäßigkeit (der Teufel kann auch gesetzmäßig
sein, wenn er seine Absichten verwirklichen möchte), die gewünschten Nachrichten zutragen
(ohne daß er es merkt) und ihn so zu einem Wahrsager machen.

Unzählige sind schon dem Pendel verfallen und treiben damit vorwitzige Kunst, die einen mehr,
die anderen weniger. Aber bezeichnenderweise sind alle der Meinung, daß es sich um eine
wissenschaftliche Errungenschaft oder doch zum mindesten um eine harmlose Angelegenheit
handle. Doch mögen auch die ersten Versuche mit dem Pendel, beispielsweise das Bestimmen
des Geschlechts beim Ei usw., noch so harmlos scheinen, so ändert es nichts am dämonischen
Charakter des Pendels. Denn wer die satanische Gesetzmäßigkeit, die auch in den harmlosesten
Versuchen verborgen ist, sieht, der wird das Siderische Pendel wie eine feurige Kohle meiden.
Alle, die sich durch das Pendel ihre Krankheit bestimmen lassen, geraten in einen Bann, der sich
wie ein eiserner Ring um sie legt, ohne daß sie es vorderhand merken, um dann später mit
Schrecken zu erkennen, was für eine furchtbare Fessel sie gefangenhält.

In dem schon erwähnten Buch wird auch folgender Fall erzählt: "Wir waren eines Tages in den
Bergen. Ein Arzt unserer Reisegesellschaft wurde von einem Unwohlsein befallen, und er
bedauerte es sehr, so weit von einer Apo¬theke weg zu sein. Ich (der Pendler) sagte zu ihm:
Herr Doktor, auf dem Lande haben wir die Apotheke immer in der Nähe; suchen wir! Und das
Pendel zeigte zehn Meter von hier an, daß in der angegebenen Richtung sich ein wirksames
Heilmittel für sein Unwohlsein befinde. Er pflückte und aß die durch das Pendel angegebene
Pflanze, und einige Stunden später beglückwünschte der Arzt den Pendler für seine glückliche
Idee."

Damit kommen wir auf ein Gebiet zu sprechen, das in unheimlicher Verborgenheit eingebettet ist:
Es ist dies das Suchen der Heilpflanzen mit dem Pendel einerseits und andererseits das
Bestimmen der Pflanzen durch das Pendel als Heilmittel gegen die verschiedenen Krankheiten.

Zum besseren Verständnis dessen, was wir ausführen möchten, sei vorerst folgende Stelle aus
Pfarrer Blumhardts Schrift zitiert:

"Am nächsten daran, wiewohl vielleicht immer noch betrogen, sind diejenigen, welche vom
Teufel, daß ich so sage, geradezu Geister zu Ratgebern erhalten, und die den Namen und das
Alter von den hilfesuchenden Leuten verlangen, vermittelst deren sie sich bei den Geistern
befragen. Diese Dämonen erscheinen ihnen durch gewisse Mittel, die sie anwenden."

Weiter sei eine Stelle wiedergegeben aus "Der Geisterhannesle": "Schon in früher Kindheit hatte
er Erscheinungen von Abgeschiedenen und fühlte früh einen Zug nach oben. In seinem
sechzehnten Jahr erschien ihm zuerst im Traum, dann aber offenbar bei Nacht ein Geist,
ehrwürdig gekleidet, der ihm freundlich zusprach und das Ansinnen an ihn stellte, ein Wohltäter
der Menschheit zu werden, wozu er berufen sei. Aus der Bitte wurde bald ein Befehl. Der Geist
beschrieb ihm ganz deutlich, welche Pflanzen und wo er sie im Walde zu suchen habe, gab ihm
auch Anleitung, sie zu Getränken und Salben zu bereiten. Er fand die Pflanzen immer leicht. Die
ersten proben an den Kranken gelangen. Wenn er nun um Heilmittel angegangen wurde, hieß er
die Leute bis zum Morgen warten; in der Nacht erhielt er dann jedesmal Auskunft von dem Geist.
So ging es etwa zwei Jahre lang fort. Er erhielt immer mehr Zulauf, ohne daß er Erwerb dabei
suchte, was er auch nicht nötig hatte. Doch fühlte er immer etwas Unheimliches dabei, welche
Empfindung sich steigerte, je tiefer er in die Sache hineinkam und je zudringlicher der Geist
wurde. Er wurde auch viel magerer und bekam Erstickungsanfälle. Der Stiefvater schöpfte
Verdacht und wollte, Johannes solle den Geist fragen, ob er ein guter Geist sei, was dieser dann
bejahte. Auch alte Brüder warnten ihn. Johannes, schon von den Leuten der Geisterhannes"
genannt, betete ernstlich darüber, fiel in wahre Todesangst und wehrte sich gegen den
knechtischen Geist. Der Geist schmeichelte und tröstete zuerst, drohte aber dann und gebärdete
sich zuletzt scheußlich, als er die Entschiedenheit des Jünglings wahrnahm, die unter den
Drohungen nur wuchs. Nun wurde er eine Zeitlang schrecklich geplagt und mußte Unerhörtes
sehen und ausstehen. Weil er aber im Gebet standhaft blieb und von dem Geist nichts mehr
annahm, auch keine Anweisung mehr befolgte, wurde er zuletzt des aufdringlichen Geistes los.
Er erklärte ihm frei, er sei ein falscher Geist, worauf derselbe verschwand, das Haus aber
furchtbar krachte, als wollte es einstürzen."

Aus diesen beiden charakteristischen Zitaten ersehen wir, daß Satan seine Helfershelfer hat, die
sich darum bemühen, besonders empfängliche Menschen zur Zauberei zu verleiten, um auf
diesem verborgenen Weg unzählige Menschen in einen satanischen Bann zu stürzen. Was uns
aber jetzt besonders interessiert, ist die schauerliche Tatsache, daß viele Pillen, Salben, Tränke,
die von Wunderdoktoren und vielen sogenannten Naturärzten usw. ab¬gegeben werden, auf
diesem direkten Weg (Mitteilung durch einen Geist) oder indirekten Weg (Gebrauch des Pendels
oder sonst irgendeines Gegenstandes; es kann auch ein Kristall sein) zusammengestellt werden,
und wer sie genießt, konunt dadurch, ohne eine Ahnung zu haben, unter einen satanischen
Bann*.

Gewiß, Gott läßt die vielen Heilkräuter für die Menschen wachsen, und wir dürfen uns ihrer
dankbar bedienen. Sobald aber direkte oder indirekte satanische Hilfe mit im Spiel ist, da wirkt
der Genuß solcher Heilmittel verheerend. Wohl mag dabei die Krankheit verschwinden; aber was
nützt das letzten Endes, wenn die Seele dadurch in die Hände des Teufels gelangt?
Mit dem Pendel werden auch immer wieder die berühmten Wasseradern, die unter vielen
Häusern hindurchgehen sollen, aufgespürt, deren schädliche Ausstrahlungen angeblich durch
Abschirmgeräte neutralisiert werden können. Unzählige haben sich schon ein Kästchen
aufschwatzen lassen. Obschon diese Abschirmgeräte kaum 50 Rappen wert sind - ihr Inhalt
spottet oft jeder Beschreibung -. werden sie doch um teueres Geld gekauft. Viele haben schon
bekannt, daß sie, seitdem das Kästchen in ihrem Haus aufgestellt sei, gesund geworden seien.
Dieselben Menschen wundern sich dann, wenn sie eines Tages vielleicht erst nach Jahren
innerlich unruhig werden und der Schwermut verfallen und vielleicht gar ins Irrenhaus gebracht
werden müssen!

Dr. A. Ebert, Bezirksgeologe, Berlin, schreibt:

1. Wasseradern und Untergrundströme im Sinne der Rutengänger gibt es nicht.

2. Die durchdringende Erdstrahlung ist die Gammastrahlung. Eine andere ist noch nicht
erwiesen.

3. Die Gefährlichkeit der Gammastrahlen in der von der Natur erzeugten Dosis ist nicht erwiesen,
sie wird nur behauptet.

4. Außer Blei sind alle Stoffe in praktisch anwendbaren Dicken, also auch alle
"Abschirmapparate", unwirksam, sie werden durchstrahlt.

Der Spiritismus

Der Spiritismus hat sich in den letzten Jahrzehnten, besonders seit dem Weltkrieg, in
gefährlichem Ausmaß entwickelt, hat er doch in Europa 60 Millionen Anhänger.

Der Spiritismus sucht eine Antwort zu geben auf die Frage: "Wo sind die Toten?", indem er sagt,
daß sie leben und daß man sich mit ihnen in Verbindung setzen könne. Daß die Toten leben,
wissen wir auch ohne Spiritismus. Die Behauptung jedoch, daß man sich mit dem Geist der
Verstorbenen in Verbindung setzen könne, ist eine Lüge, eine ungemein gefährliche Irreführung.

"Der moderne Spiritismus nahm seinen Anfang in Hydesville (Nordamerika). Im Hause des
Farmers Fox in H., eines angesehenen Mitgliedes der Methodistenkirche, vernahm man in der
Nacht vom 31. März auf 1. April 1848 merkwürdige Klopflaute an Türen, Wänden und Möbeln.
Auf diese Geräusche wurden zuerst aufmerksam Frau Fox und ihre beiden Töchter Leah und
Katie. Rasch war zwischen ihnen und dem sich kundgebenden Geist man dachte nicht anders,
als dag es sich um einen solchen handle eine Verbindung hergestellt. Die genannten weiblichen
Wesen im Hause Fox wurden die Mittelspersonen (Medien), durch die der klopfende "Geist" sich
offenbarte. Man verabredete mit ihm eine Klopfzeichensprache. An verschiedenen Abenden
wurde der Geisterverkehr hergestellt. Auf Befragen gab sich das klopfende Wesen für den Geist
eines Verstorbenen aus, eines Hausierers, der vor fünf Jahren von dem früheren Besitzer des
Hauses ermordet und in dem Keller verscharrt sei. Und wirklich fand man an der bezeichneten
Stelle einen Unterkiefer und einige Haare, ohne daß im übrigen festgestellt worden wäre' dag der
Fund wirklich von einem menschlichen Leichnam herrührte. Die Vorkommnisse erregten nicht
geringes Aufsehen. Man hielt die Familie Fox für besessen und schloß sie aus der
Methodistenkirche aus. Sie zog nach Rochester, woselbst die Tischklopferei oder, spiritistisch
ausgedrückt, "Geisterklopferei" eifrig betrieben wurde und von wo aus sie ihren Siegeszug durch
Amerika antrat."

Wie wir aus Epheser 6, 12 wissen und wie wir bereits sagten, besitzen die bösen Geister eine
genaue Kenntnis der Vergangenheit und Gegenwart jedes Menschen. Auch ist ihnen das
Vermögen eigen, Gestalt, Stimme, Gebaren der Verstorbenen nachzuahmen. Auf diese Weise
werden die armen, im Spiritismus Trost suchenden Angehörigen getäuscht und genarrt. Wohl
behaupten Unzählige, durch den Spiritismus in ihrer Verzweiflung Trost gefunden zu haben.
Trotzdem: es ist eitel Blendwerk, grausame satanische Täuschung, die früher oder später als
Höllenbetrug entlarvt wird.

Es gibt einen gröberen und einen feineren Spiritismus, Spiritualismus genannt. Der feinere
Spiritismus unterscheidet sich vom gröberen darin, daß die "Geister" Mitteilungen scheinbar auf
einer religiös hohen Stufe stehen und in ihrer irreführenden Verborgenheit nur schwer zu
erkennen sind. Dabei spielt der Gedanke eine außerordentlich wichtige Rolle, daß die
Überlebenden an den unerlöst Verstorbenen, welche von der Erde nicht allein loskommen, eine
Aufgabe haben, mindestens die der Fürbitte, während die seligen Geister umgekehrt einen
segensvollen belehrenden Einfluß auf die Überlebenden ausüben sollen."

Um zu zeigen, wie der feinere Spiritismus "arbeitet", mögen einige Briefe folgen, die vom "Geist
Andreas" einem Trance Medium diktiert wurden (Martensen Larsen: Bekenntnisse einer
Spiritisten):

Liebe Freunde!

Friede mit uns allen! Amen. Gnadenreicher Gott, gib uns Licht in des Geistes Finsternis, gib uns
Willen und Kraft, dein Werk zu tun, dir ein Wohlgefallen zu sein! Amen!

Friede sei in den Seelen! Das ist mein Gebet, das ist meine Hoffnung für euch. Friede auf der
Seele tiefem Grunde, das ist es, das größte der Güter, von Gott gesandt, das Menschen zuteil
wurde. Aber nur wer seiner Pflicht treu ist, hat den Frieden in seinem Herzen.

Liebe Freunde!

Habt ihr den Frieden in euren Herzen? Seid ihr treu eurer Pflicht gegen Gott? Kämpft ihr für die
Sache, der eure Kräfte zu weihen ihr mir gelobt habt? Tatet ihr eure Arbeit mit Frieden im
Herzen? O möchtet ihr die Gewißheit in euren Herzen fühlen, daß Gott euch auf euren Wegen
folgt, daß ihr Gottes Wege geht!

Liebe Freunde!

Laßt mich nicht im Stich!

Seid treu in eurem Werk! Und so gebe Gott seine Stärke, daß wir ein Werk in seinem Namen tun,
das Evangelium des Friedens über die Erde ausbreiten können. Aber da darf nicht gefragt
werden, ob es uns wohlgefällig ist; jeder muß sich dem Gebot der Pflicht beugen. Du, dem ich
meine Kräfte weihe, alle meine guten Gedanken gaben dir den Auftrag, nicht zu weichen von
dem Weg, auf dem ich dich begleitet habe dem Weg zu deinem Gott!

So komme denn der Friede zu uns! Gottes Gnade sei mit uns allen! Amen. Andreas

Welch konfuses Zeug! Wer nur einigermaßen die Heilige Schrift kennt, erkennt sofort, wie hier ein
Lügengeist mit frommklingenden Worten am Werk ist.

Besonders auffallend in ihrer irreführenden Feinheit sind die Worte, die der Schutzgeist "Agnete"
durch das Medium zu dem bekannten Spiritisten Albert Carolsfeld-Kraus (der später mit Gottes
Hilfe aus den satanischen Schlingen frei wurde) sagte (Martensen Larsen: Bekenntnisse einer
Spiritisten):

"Und du, Albert, du Kind aus Erde mit dem Sehnen nach uns, sei gesegnet für dein Werk, weiche
nicht von der Sache, die du liebst; steh fest trotz Spott, trotz Widerstand! Gebe Gott, daß du ein
Werkzeug werden möchtest für Gottes heilige Sache und daß deine Standhaftigkeit und
Pflichttreue ein Vorbild für viele werden möchte! Sei gesegnet im Namen des Herrn!"

Der Spiritualismus kommt, wie wir sehen, religiös gesinnten Gemütern sehr entgegen, besonders
wenn die Sitzungen im Namen Jesu, mit Gebet und Gesang und Verlesen eines Bibelabschnittes
begonnen und geschlossen werden. Darüber lesen wir das Bekenntnis eines Bischofs, der als
eifriger Spiritist sagt: "Wir begannen alle unsere Sitzungen mit Gebet und Gesang. Dies taten wir
auf Aufforderung des Hauptkontrollgeistes. Wenn wir zu den Sitzungen nicht mit der gleichen
Ehrfurcht gingen wie zu einem Gottesdienst, erklärte er, so wolle er auch die Experimente von
der anderen Seite her nicht kontrollieren."

Und von Pastor Wynn, der wie Conan Doyle in aller Welt für den Spiritismus missionierte, bringt
die Zeitschrift "Lysgover Landet" folgenden Bericht:

"Sein Besuch in unserer Stadt (Südafrika) war ein großes Ereignis, und das gleiche wird in ganz
Südafrika der Fall sein. Sein erster Vortrag hier war von etwa 2000 Personen besucht, und als
das letzte Lied: "Gott mit uns, bis wir uns wiedersehen", erklang, sah man dies als den allseitigen
Wunsch an, Pastor Wynn bald wieder zu sehen. Er ist ein liebenswerter Mann. Er ist ein genialer
Spiritist, kämpft aber wie ein Löwe für Christus. Wir haben die Kraft göttlichen Geistes in seiner
Rede gespürt."

So verseucht dieses feine Gift Millionen. Der naiv gläubige Mensch weiß nicht, daß ihn weder
Christus noch die Anrufung seines heiligen Blutes noch Gebet noch Gesang noch das Lesen in
der Bibel vor den Folgen einer Berührung mit den Dämonen zu schützen vermag, wenn er sich
nicht endlich von diesem Blendwerk des Teufels lossagt. Denn wo dem Feind nur die geringste
Handhabe geboten wird, kann der angerufene göttliche Schutz nicht wirksam sein. jene
"Beweise", wonach frühere Ungläubige durch den Spiritismus gläubig geworden sind, sind nichts
anderes als Musterbeispiele Satans, um die Masse der Spiritisten einerseits zu beruhigen und
andererseits Skeptiker entweder für den Spiritismus zu gewinnen oder ihnen wenigstens den
Zweifel zu nehmen. Besonders zeitgemäß ist die Tatsache, daß überall, unter der Führung von
Medizinern, Psychologen, Physikern und Theologen, Parapsychologische Gesellschaften
gegründet werden, die sich zur Aufgabe machen, den Phänomenen des Spiritismus
wissenschaftlich auf den Grund zu gehen - als ob es möglich wäre, den Spiritismus
wissenschaftlich erfassen und erklären zu können. Auf jeden Fall ist es eine sehr geschickte
Taktik Satans, einer derart gefährlichen Angelegenheit das Mäntelchen der Wissenschaftlichkeit
umzuhängen und etwas zu verharmlosen, das jeden, der sich mit diesen Dingen abgibt,
unfehlbar unter einen Bann bringt. Es gilt auch da, besonders jenen Theologen, die da
mitmachen, das Wort: "Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, daß sie
der Lüge glauben, auf daß alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern
Wohlgefallen gefunden haben an der Ungerechtigkeit" (2. Thess. 2, 11. 12).

Wie stark der feinere Spiritismus (Spiritualismus) zu einem verhängnisvollen religiösen Erlebnis
werden kann, zeigt folgender Brief an Dr. Martensen Larsen, weiland Dompropst:

"Ich kann es nicht unterlassen, meinem Kummer darüber Ausdruck zu geben, dag ein Mensch
wie Sie, dessen Verkündigung mich so sympathisch berührt, unsere Erlebnisse mit unseren
sogenannten "Toten" als ein Blendwerk bezeichnen kann. Ich kann mir das gar nicht erklären;
denn dieses Blendwerk ist ja unseres, meiner Frau, meiner überlebenden Kinder und meines
eigenen Lebens vollste Wirklichkeit. Die Gewißheit darüber ist für uns ebenso unerschütterlich
wie die Gewißheit unserer eigenen Existenz. Diese Gewißheit hat uns zurückgeführt zu Gott und
zu Christus; sie hat unsere Seelen dem Licht erschlossen, sie hat uns kindlich beten gelehrt und
uns unsere Toten zurückgegeben, sowohl unsere beiden Söhne als auch die vorausgegangenen
Lieben; sie hat unser trauriges Leben in ein Leben der Freude verwandelt dadurch, daß wir einen
Blick tun durften in die Welt, in der sie jetzt wirken, in der das ganze Dasein ein Gottesdienst ist.

Zweimal waren unsere Söhne bei uns und haben sich unserer Tochter in ihrer jetzigen
strahlenden Gestalt gezeigt. Sie sowohl als auch andere liebe Verstorbene, zum Teil auch uns
Unbekannte, haben durch den Mund unserer Tochter mit uns gesprochen. Wenn Sie bei diesen
ganz spontanen Erlebnissen anwesend gewesen wären, könnten Sie nicht an ihrer Echtheit
zweifeln. Diese unsere Gewißheit in eine Illusion zu verwandeln, das würde ebenso unmöglich
sein, wie die Erkenntnis vom Sinn des Lebens, die uns in wunderbarer Klarheit aufgegangen ist,
wieder zu verdunkeln. Denn das, was wir erlebten, war ja nichts anderes, als daß wir einen
Schimmer sehen durften von Gottes wunderbarem, ewig fortschreitendem Schöpfungswerk hinter
dem Vorhang, das durch Myriaden von dienenden Geistern vollführt wird."

Das ist es ja gerade, was der Apostel Paulus sagt, daß sich Satan in einen Engel des Lichts
verwandelt. Und wer Augen hat zu sehen, wird diesen Erzbetrüger auch hinter den schönsten
religiösen Bekenntnissen, wie sie gerade in diesem Brief zum Ausdruck kommen, erkennen
können. In diesem Zusammenhang sei noch auf eine Gefahr hingewiesen, die besonders
gläubige Kreise betrifft. Es kann vorkommen, daß, wo eine Erweckung im Gang ist, Satan
versucht, sie auf raffinierte Weise abzustoppen. Wenn es ihm nicht gelingt, die Gläubigen zur
Uneinigkeit oder auf irgendein Nebengleis zu führen, so tritt er oft selber als wunderwirkender
Prophet auf, so daß es schon tiefer geistlicher Erkenntnis bedarf, um das "wunderbare" Licht als
satanisches Blendungsmanöver zu erkennen und zu entlarven. Das folgende, sehr lehrreiche
Beispiel eines deutschen Evangelisten zeigt uns, wie der Spiritismus in¬mitten einer von Gott
gesegneten Erweckung wie Unkraut emporschießt:

"Ich vereinigte mich mit einer Anzahl von Brüdern und Schwestern während einer ganzen Woche
in jedem Monat, um von Gott die Ausgießung eines größeren Maßes seines Geistes, seiner
Gaben und Kräfte zu erflehen. Nachdem wir dies längere Zeit hindurch voller Inbrunst getan
hatten, fanden derart wunderbare und mächtige Kundgebungen Gottes und des Heiligen Geistes
(angeblich) statt, daß niemand unter uns zweifelte, Gott habe unser Gebet erhört und sein Geist
sei auf unsere Versammlung herabgekommen. Unter anderem gebrauchte dieser Geist, den wir
für den Heiligen Geist hielten, ein 15jähriges Mädchen als sein Werkzeug, durch welches alle
Sünden und Gewissenslasten der Anwesenden in der Versammlung offenbar gemacht wurden.
Niemand konnte unter uns bleiben, ohne daß dieser Geist seine Sünden aufdeckte. Z. B. ein
geachteter Herr aus der Nachbarschaft kam in die Versammlung, und alle seine Sünden wurden
von dem 15 jährigen Mädchen vor den Anwesenden aufgedeckt. Völlig gebrochen nahm der Herr
mich ins Nebenzimmer und gestand unter Tränen, er habe alle diese Sünden begangen, die das
Mädchen genannt hatte. Er bekannte alles und was er sonst noch wußte. Dann betrat er aufs
neue den Versammlungsraum; aber kaum war er erschienen, so rief ihm dieselbe Stimme zu:
,Ha! Du hast nicht alles gestanden, du hast zehn Mark gestohlen. Das hast du nicht gestanden.'
Darauf nahm mich der Herr aufs neue ins Nebenzimmer und sagte: ,Es ist wahr, ich habe auch
dieses getan.' Dieser Herr hatte das 15 jährige Mädchen noch nie gesehen und sie ihn auch
nicht.

Ist es verwunderlich, daß infolge solcher Erlebnisse wir unter dem Eindruck standen, der sich am
besten mit den Worten beschreiben läßt: Wer ist unter uns, der bei einem verzehrenden Feuer
wohnen möge? Wer ist unter uns, der bei der ewigen Glut wohne? Zittern ist die Heuchler
angekommen.' Ein Geist aufrichtigster Anbetung war ersichtlich, und wer sollte noch zweifeln, da
selbst die Starken zusammenbrachen und niemand, der ein Hindernis war, es ertrug, unter uns
zu bleiben?

Und dennoch mußten wir diesen Geist, der alles dies zuwege gebracht hatte, als eine furchtbare
Finsternismacht entlarven. Ich hatte ein so beunruhigtes Gefühl des Mißtrauens, welches ich
nicht überwinden konnte. Als ich dies zum erstenmal einem älteren Bruder und Freund mitteilte,
sagte er: Bruder S., wenn du dem Unglauben nachgibst, kannst du die Sünde wider den Heiligen
Geist begehen, die nicht vergeben wird.' Das waren schreckliche Tage und Stunden für mich;
denn ich wußte nicht, ob wir es mit der Kraft Gottes zu tun hatten oder mit einem verkleideten
Teufelsgeist; nur eins war mir klar, nämlich daß wir uns nicht von einem Geist leiten lassen
würden, ohne vollständig gewiß zu sein, ob er von oben oder von unten stamme. Darauf nahm
ich die leitenden Brüder und Schwestern mit in das obere Zimmer des Hauses, eröffnete ihnen
meine Stellung und sagte ihnen, wir müßten jetzt alle flehen und bitten, daß Gott uns befähigen
möge, zu prüfen, ob es sich um eine Macht des Lichtes oder der Finsternis handle.

Als wir herunterkamen, rief die Stimme dieser Macht, indem sie das 15 jährige Mädchen
gebrauchte: ,Was bedeutet diese Rebellion in eurer Mitte? Ihr werdet schwer bestraft werden für
euren Unglauben.' Ich antwortete der Stimme, ich wisse allerdings nicht, mit wem wir es zu tun
hätten. Wenn es sich um einen Engel oder um den Geist Gottes handle, so wollten wir nicht
gegen ihn sündigen; aber von einem Teufel wollten wir uns nicht betrügen lassen. Wenn du die
Kraft Gottes bist, so wirst du damit einverstanden sein, daß wir das Wort Gottes befolgen, das da
lautet: Prüfet die Geister!' Dann knieten wir alle nieder und beteten und flehten inbrünstig, Gott
wolle uns offenbaren, mit wem wir es zu tun hätten. Und da mußte sich die Kraft selber verraten.
Durch die Person, welche sie als Werkzeug gebrauchte, machte sie so abstoßende und
schreckliche Grimassen und schrie in durchdringendem Ton: ,Nun bin ich erkannt worden, nun
bin ich erkannt worden!'

Astrologie

Interessant und wichtig ist es, wie der bekannte Astronom Dr. P. Stuker in Zürich über die
Astrologie urteilt. Er schreibt mir:

„Der astrologische Unfug macht sich je länger, je mehr in ganz unglaublichem Maße breit.
Merkwürdigerweise ist das nicht etwa bloß in den Schichten des einfachen Volkes der Fall,
sondern auch zahlreiche „Gebildete", wie Ärzte, Pfarrer, Lehrer, machen getreulich mit, so daß
man sich nur kopfschüttelnd fragen kann, wie so etwas überhaupt möglich sei. Meiner Ansicht
nach handelt es sich hier um eine nicht leichtzunehmende Dekadenzerscheinung. Die
Geschichte zeigt nur zu deutlich, daß immer vor dem Niedergang eines Volkes ein unheimliches
Anschwellen dieser und ähnlicher Erscheinungen stattfand.

Ich habe mich eingehend mit der Geschichte und Praxis der Astrologie befaßt. Als Antwort auf
Ihre Frage könnte man leicht ein dickleibiges Buch schreiben. Ich will Ihnen hier einige Punkte
herausheben.

1. Alte und moderne astrologische Werke sind inhaltlich restlos gleich. Höchstens werden heute
noch eine Prise indischer Philosophie und eine Handvoll unverstandener moderner Psychologie
beigemengt. Eines kennzeichnet die neuzeitlichen Bücher alle: Das moderne Weltbild, wie es die
Forschungen gezeichnet haben, wird völlig außer acht gelassen. Die Geistesarbeit und das
gesicherte Wissen ganzer Forschergenerationen wird wissentlich übersehen oder man sucht es
lächerlich zu machen. Der Astrologe arbeitet nicht mit dem wirklichen Sternenhimmel, sondern
mit einem rein imaginären Gebilde. Ich habe oft feststellen können, daß Leute, die komplizierte
Horoskope bauen, keine Sternbilder kennen und nicht sagen können, daß der helle Stern da
oben der Jupiter ist. Karten oder Bleigießen oder Kaffeesatz vermöchten also genau die gleichen
Dienste zu leisten.

2. Wenn die Namen von sogenannten Professoren, Doktoren zu Werbezwecken ausgeschlachtet


werden, so ist dabei nicht zu vergessen, daß diese Leute immer in astronomischen Dingen
ebenso völlig Laien sind wie der einfache Mann.

3. Es ist nicht wahr, daß die Astrologie eine Erfahrungswissenschaft ist, wie das immer wieder
von neuem behauptet wird. Die Grundlage einer solchen ist doch das mehrmalige Eintreffen der
nämlichen Erscheinung. Eine heute stattfindende Himmelskonstellation kehrt niemals wieder.
Vom himmelsmechanischen Standpunkt aus ist das eine wichtige Erkenntnis und der Ausdruck
für die Stabilität des Planetensystems.

4. Die Entdeckung neuer, großer Planeten hat das Wahrsagesystem nicht beeinflußt.
5. Zu gleicher Zeit werden die verschiedensten astrologi¬schen Systeme angewendet, die alle
angestaunte "Resultate" ergeben. Nur zwei grundverschiedene seien genannt:
Geburtenhoroskop und Empfängnishoroskop.

6. Infolge der Präzession verschiebt sich der Frühlingspunkt als Nullpunkt der astrologischen
Zählweise (die Zeichen). Die Sterne, denen man früher die und die Einflüsse zugeschrieben hat,
befinden sich demnach längst nicht mehr an dem Ort, mit dem gerechnet wird. Mehrere Systeme
arbeiten ohne Berücksichtigung dieser Präzessionsverschiebung.

7. Eine Sternenkonstellation überstreicht ohne merkliche Veränderung infolge der


Achsendrehung der Erde gewaltige Länderstrecken. Alle Geburten gleicher Ortszeit erfolgen also
unter den nämlichen astrologischen Bedingungen. Diese Geburtenzahl ist übrigens sehr groß.
Trotzdem hat es nur einen Michelangelo, Newton, Napoleon, Mozart, Schiller usw. gegeben.

8. Die Sonne beherrscht alles auf der Erde. Astrologisch aber wird der Sonneneinfluß gleich
behandelt wie der irgendwelcher Planeten. Nachgewiesenermaßen hat die Jahreszeit, und
vielleicht sogar der Sonnenstand, merklichen Einfluß auf das Neugezeugte oder Neugeborene.
Tierzüchter wissen das längst. Der Astrologe teilt die Menschen in zwölf Typen ein mit einem
möglichst geheimnisvollen Drum und Dran. Diese Typeneinteilung ist wohl die festeste Stütze der
Astrologie. Warum bringt man die tatsächlich vorliegende Erscheinung nicht in einfachen
Zusammenhang mit der Sonne? Aber eben, dieses Verfahren würde viel zu einfach und
einleuchtend sein, und vor allem würde es sich nicht mehr eignen, Kapital herauszuschlagen.
Tatsächlich sind wir mit dem Kosmos verbundene Geschöpfe. Aber diese Allverbundenheit hat
mit astrologischen Lehren nicht das geringste zu tun.

9. Psychologische Momente spielen m zähen Glauben an astrologische Dinge die Hauptrolle.


Wie bei jedem Aberglauben liest der Gläubige das heraus, was er sucht und herauslesen will. Vor
kurzer Zeit zeigte mir jemand sein Horoskop mit der Behauptung, es stimme merkwürdig genau.
Ich konnte ihm mit Leichtigkeit zeigen, daß es auch für mich stimmt. Es kommt ja nur auf die
Interpretation an. Eine weitere Merkwürdigkeit, wenn man das so nennen will, ist zu gleicher Zeit
der Grund der Zählebigkeit aller Wetter und Bauernregeln: Treffer bleiben im Gedächtnis haften,
Fehlschläge dagegen wurden entweder völlig übersehen oder zum mindesten leicht vergessen.

10. Es gibt ernsthafte Astrologen, wirkliche Sucher, die auffällig viel Treffer erzielen. Meiner
Ansicht nach handelt es sich hier um Leute mit einer gewissen Intuition. Sie sind überzeugt, ihre
Kenntnisse mit Hilfe astrologischer Systeme gewonnen zu haben. Sicher würden solche
Personen die genau gleichen Ergebnisse mit Karten oder anderen Hilfsmitteln erzielen. Die
Quellen ihres Wissens fließen ganz anderswo und haben mit den rein äußerlichen Hilfsmitteln
nicht das geringste zu tun."

Hier folgt ein erschütternder Bericht eines Gatten und Familienvaters, dem das Horoskop seiner
Frau das Eheglück zerstört hat:

"Lange Jahre habe ich geschwiegen und das Unglück und den Ärger, den mir so eine
Sterndeuterin eingebracht hat, unter meiner Weste herumgetragen; aber nun, da sich endlich der
Deckel über diesem so ekelhaften und schwindelhaften Hafen zu lüften beginnt, bitte ich, auch
meinen Beitrag über das traurige Lügengewebe untersuchen zu wollen. Wohl nur ein einziges
Muster; solche Vorkommnisse existieren indessen zu Hunderten, und es dünkt mich unglaublich,
was ein einziges derartiges Weib für Familienzerrüttung heraufbeschwört. Mein Drama rührt noch
aus dem letzten Jahrzehnt. Fünf Jahre war ich mit meinem lieben, hübschen Weib verheiratet;
zwei herzige Kinder versüßten unser auch durch nichts gestörtes Familiendasein. Wie aus
heiterem Himmel kamen plötzlich, hervorgerufen durch einen teuren Hausfreund, Vorwürfe,
Verdächtigungen usw., so daß sich unser Familienband sichtlich zu lockern anfing. Bald war
Erntezeit für den Glückzerstörer gekommen. Nachdem er meinem lieben Weib die ersten Zweifel
sorgfältig eingepflanzt, wurde die Astronomie zu Hilfe gerufen, die natürlich von diesem
Menschen wohl orientiert war, und richtig, in drei Monaten, nach fünfjährigem glücklichen
Ehelenz, folgte die Scheidung auf dem Fuße.

Diese ging aber nicht so leicht, wie sich das Pärchen vorstellte, und erst anderthalb Jahre später,
nachdem sie auf die lieben Kinder Verzicht leistete oder ihrem Gentleman zuliebe leisten mußte,
trat ich auf freiwillige Scheidung ein, damit sie endlich ihren Verehrer heiraten konnte. Hätte mir
meine liebe, unvergeßliche Frau beizeiten von diesem Wahrsageschwindel gesagt, hätte sich das
Gericht bei den damaligen Verhandlungen vielleicht etwas näher damit befaßt. Aber das erfuhr
ich erst einige Jahre später von dem unglücklichen Weib, als wir zufällig auf der Eisenbahn
zusammentrafen, wo sie mir auch viel von ihrem wahrgesagten Glücksstern bekannte. Eine
Kartenlegerin und eine andere Wahrsagerin hatten meiner Frau verkündet, ich hätte sie
hintergangen, es sei aus den Karten und aus dem Horoskop ersichtlich. Dann erklärten auch alle
beide, eine nach der anderen, es werde sich da ein Liebhaber einfinden, und den müsse sie
nehmen, weil es in den Karten und in den Sternen stehe, daß dieser sie glücklich machen und
besser pflegen werde als der bisherige. Meine Frau glaubte so sehr daran, daß sie kalt wurde
gegen mich und ich böse gegen sie. Und ein Wort gab das andere. Und wenn sie dann wieder zu
den verfluchten Weibern ging, war das Elend viel größer. Ich aber wußte von allem nichts.

Nun wächst schon lange Gras auf dem Hügel meiner unglücklichen Frau; ich und meine Kinder
bewahren ihr hingegen heute noch ein liebes Andenken; denn sie war ja leider nur ein
bedauernswertes Opfer der in unserer Stadt so üppigen Wahrsagekunst.¬

Wie die Sterndeuter dem göttlichen Fluch nicht entgehen, so werden auch alle, die sich mit
diesen Verführern eingelassen haben, unter das Gericht Gottes gestellt.

Es ist fast nicht zu glauben, und doch ist es Wahrheit, daß eine einzige holländische Horoskop
Firma nur in Zürich jährlich bis 120.000 Franken verdient.

Wie sind doch unsere schönen Schweizer Städte und Dörfer verseucht von diesem höllischen
Pestgift der Zauberei und des Aberglaubens! Und wie schweigen doch die Wächter zu diesen
schrecklichen Sünden! Welche Verantwortung!

Sage nur niemand, der sich auf diese oder jene Art hat wahrsagen lassen, er hätte es aus Ulk
getan oder aus "Gwunder", folglich sei die satanische Wirkung bei ihm gleich null. Wie verblendet
ist doch dieses Denken! Versuche doch mit einem weißen Kleid in ein Kohlenbergwerk zu
steigen! Du wirst die Wirkung bald sehen, auch dann, wenn du nur in der Absicht hinabgestiegen
bist, "einmal" zu sehen, wie es drinnen aussieht. jedes bewußte oder unbewußte, jedes
absichtliche oder unabsichtliche Hinzutreten in den Kreis der Wahrsagerei bewirkt einen
unsichtbaren Bann, der die Seele festhält und sie gegen die göttliche Wahrheit abstumpft.

Die Christliche Wissenschaft

Die Christliche Wissenschaft ist im höchsten Maß eine Wissenschaft aus dem Abgrund. Sie
behauptet, daß Christus nie in das Fleisch gekommen sei. Nach ihrer Lehre besteht also ein
Unterschied zwischen jesus und Christus. Jesus wäre demnach "die fehlerhafte, materielle
Menschlichkeit", Christus aber das "fehlerlose, geistige Prinzip". Mit dieser Trennung der Person
Jesu von dem "geistigen Prinzip" Christus fällt die Kreuzigung, fällt die Auferstehung, fällt die
Himmelfahrt dahin.

Was nun die Trennung der Person Jesu von dem "geistigen Prinzip" Christus anbelangt, können
wir nicht umhin, auf folgendes hinzuweisen: Schon in früher Zeit, bereits einige Jahrzehnte nach
dem Tod Christi, drangen Irrlehrer in die christlichen Gemeinden ein mit der seltsamen
Behauptung, daß Jesus nicht der Christus sei, daß Christus nur einen Scheinleib gehabt hätte,
also nicht nach Johannes 1,14 Fleisch wurde (genau das, was die Christliche Wissenschaft heute
auch behauptet). Dieser antichristlichen Lehre widersetzte sich der greise Apostel Johannes mit
den Worten: "Wer ist ein Lügner, wenn nicht, der da leugnet, daß jesus der Christus sei?" (1.Joh.
2, 22). Und 1.Johannes 4, 2: "Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeglicher Geist, der
da bekennt, daß jesus Christus ist in das Fleisch gekommen, der ist von Gott; und ein jeglicher
Geist, der da nicht bekennt, daß Jesus Christus ist in das Fleisch gekommen, der ist nicht von
Gott. Und das ist der Geist des Widerchrists, von welchem ihr habt gehört, daß er kommen
werde, und er ist jetzt schon in der Welt." Demnach ist der Geist, der in der Christlichen
Wissenschaft herrscht, der Geist des Anti¬christs.

Weiter leugnet die Christliche Wissenschaft das ganze Versöhnungswerk Jesu Christi, wenn sie
sagt: "Ein Opfer, noch so groß, ist unzulänglich, die Sündenschuld zu sühnen", oder: "Das
materielle Blut Jesu war nicht wirksamer, von der Sünde zu reinigen, nachdem er am Kreuz
gestorben war, als da es durch seine Adern floß und er täglich der Arbeit seines Vaters
nachging."

Nicht nur die Versöhnung wird geleugnet, sondern auch die Sünde, und zudem sind Krankheit
und Tod nach der Christlichen Wissenschaft keine Wirklichkeiten. Merkwürdige Logik! Bis jetzt
sind noch alle Christlichen Wissenschaftler gestorben, selbst die Gründerin, die vergötterte Frau
Eddy, und das an einer recht schmerzhaften Krankheit, dem Brustkrebs.

Aber, wird immer wieder bemerkt: Und die vielen Heilerfolge - sogar bei Tieren?" Ja, merkt man
denn nicht, daß die Christliche Wissenschaft dasselbe tut wie der "Wunderdoktor" oder die "weise
Frau", nur mit dem Unterschied, daß sie keine Mittel verabfolgt, sondern mit Bibelsprüchen
"wirkt", was ja das viel verbreitete, Unheil stiftende Zauberbuch, das 6. und 7. Buch Mose, zum
Teil auch tut?

Wer immer sich mit der Christlichen Wissenschaft einläßt und sich von ihr heilen läßt, gerät, wie
bei der Zauberei, unter einen Bann, der sich zur gegebenen Zeit verheerend auswirkt.

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß bei Christlichen Wissenschaftlern, die auf das Sterbebett
kamen, die Gnade Gottes nicht mehr waltete, trotzdem sie sich in ihrer großen Unruhe nach dem
Herzensfrieden sehnten. Entsetzlich sind solche Erlebnisse. Es erfüllt sich eben auch hier das
Wort: darum daß sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, damit sie errettet würden.
Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, daß sie der Lüge glauben, auf
daß sie alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen an der
Ungerechtigkeit gefunden haben" (2.Thess. 2, 9 12).

Andererseits ist es erschütternd, zu erleben, wie Menschen, die aus dem satanischen Irrtum der
Christlichen Wissenschaft zu jesus fliehen, oft Wochen Monate ja Jahre lang von den Mächten
der Finsternis verfolgt werden. Es bedarf da immer eines harten Kampfes, bis der Sieg errungen
ist ein Beweis mehr, wie sehr die Christliche Wissenschaft eine satanische Lehre ist!

Eine gebildete Frau, die jahrzehntelang eifriges Glied der Christlichen Wissenschaft war und jetzt
im Blut des Lammes Vergebung der Sünden erhalten hat, schreibt:

"Beim Blättern in jenem Kimbal Buch, das die Lehre der Christlichen Wissenschaft besonders
deutlich machte, durfte ich aber doch sehen, daß Gott mir die Falschheit dieser Lehre schon
vorher immer deutlicher gezeigt hatte. Aber jetzt, wie ich so recht in die Tiefe mußte (Krankheit),
ist es mir noch klarer geworden, wie in der Christlichen Wissenschaft durchs Verneinen von allem
Bösen usw. das ganze Lebenswerk Jesu, die Erlösung, auch meine Erlösung, verneint wird, wie
Gethsemane und Golgatha und überhaupt das Neue Testament in dieser Lehre sinnlos sind und
sie (die Christliche Wissenschaft) teuflisch ist und das direkte Gegenteil einer Verherrlichung
Jesu."
Die Anthroposophie

Die Anthroposophie (Weisheit vom Menschen) ist Okkultismus im höchsten Sinn des Wortes. Sie
führt, wie selten eine Lehre, planmäßig zur Dämonisierung des Menschen. Denn gerade die
Technik, um zum Hellsehen zu gelangen, ist dazu geeignet, die Menschen unter die satanische
Macht zubringen. Selbstverständlich werden die Anhänger der Anthroposophie mit Entrüstung
eine solche radikale Beurteilung ihrer Lehre ablehnen. Indessen wollen wir noch einen Schritt
weitergehen und beweisen, daß die anthroposophische Lehre nicht nur eine schlimme okkulte
Angelegenheit ist, sondern dazu noch eine antichristliche Lehre. Die Anthroposophie sagt
(ähnlich wie die Christliche Wissenschaft), daß der Mensch Jesus ein besonderes Dasein geführt
habe. Erst durch die bei der Jordantaufe erfolgte Vereinigung des "Sonnen Ich" des Christus mit
dem Menschen jesus sei der Christus entstanden. Bei der Gefangennahme habe das Christus
Ich den Leib Jesu wieder verlassen. Wiederum müssen wir auch hier, wie bei der Christlichen
Wissenschaft, jene wichtige Stelle in 1.Johannes 2, 22 erwähnen: "Wer ist ein Lügner, wenn
nicht, der da leugnet, daß jesus der Christus sei? Das ist der Widerchrist, der den Vater und den
Sohn leugnet." Die Anthroposophie trennt jesus von dem Christus; deshalb ist sie eine
ausgesprochen (wie die Christliche Wissenschaft) antichristliche Lehre, ein Ausfluß Satans, um
so mehr, da die Anthroposophie behauptet, die zwölf jünger seien zwölf Inkarnationen Jesu, also
zwölf seiner eigenen Leben, durch die er selbst hindurchgegangen sei. Teuflischer könnte man
das Kommen Jesu auf diese Welt nicht mehr beschreiben. Man denke: Judas eine frühere
Inkarnation Jesu!

Weiter behauptet die Anthroposophie, daß jeder einzelne Mensch den Weg der Reinkarnation,
also der Wie¬derverkörperung, gehe. Den Vorgang könne man sich im einzelnen so vorstellen
"Nach dem Tod kehre der Geist ins Geisterland zurück. Der Körper bleibe auf der Erde. Die
Seele, mit der der Geist zunächst verbunden bleibe, mache einen Läuterungsprozeß durch, um
sich von den sinnlichen Schlacken zu befreien. Wenn dies geschehen sei (nach wenigen Jahren),
dann trennen sich Geist und Seele. Letztere löse sich in die Seelenwelt auf. Der Geist gehe
befreit von ihr ins Geisterland, wo er die Erfahrungen des letztvergangenen Lebens verarbeite,
um sich dann in einer neuen Verkörperung ein neues Karma zu bilden." Zuletzt gehe dann der
Mensch in das Nirwana ein, d. h. in Gott, den allgemeinen Weltgeist. Diesem echt diabolischen
(verwirrenden) Geisteserzeugnis wollen wir nur eine Bibelstelle entgegenstellen: "Es ist dem
Menschen gesetzt, einmal zu sterben, darnach aber das Gericht" (Hebr. 8, 27).

Die Verheißung Gottes erfüllt sich wieder einmal mehr "Darum wird ihnen Gott kräftige Irrtümer
senden, daß sie glauben der Lüge, auf daß gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glauben,
sondern haben Lust an der Ungerechtigkeit." Und wie das Gericht sein wird, wird uns neben
vielen Stellen auch in 2. Thessalonicher 1, 7. 8 geoffenbart: " . . . wenn nun der Herr Jesus wird
offenbar werden vom Himmel samt den Engeln seiner Kraft und mit Feuerflammen, Rache zu
geben über die, so Gott nicht erkennen, und über die, so nicht gehorsam sind dem Evangelium
unseres Herrn Jesus Christus, welche werden Pein leiden, das ewige Verderben von dem
Angesichte des Herrn und von seiner herrlichen Macht, wenn er kommen wird, daß er herrlich
erscheine mit seinen Heiligen und wunderbar mit allen Gläubigen."

Die legitime Tochter der Anthroposophie ist die Christengemeinschaft von Rittelmeyer. Die
Christengemeinschaft, die wie die Anthroposophie Selbsterlösungslehre ist, ist ebenfalls ein
Erzeugnis des Antichrists.

Die Psychoanalyse

Die Psychoanalyse ist wohl eine der "wissenschaftlichsten" Methoden, womit Satan die
Menschen in seinen Bann zieht. Allerdings wird der Psychoanalytiker ob dieser Erklärung ein
mitleidiges Lächeln nicht unterdrücken können, weil er doch glaubt zu wissen, daß es keinen
Satan gibt.
Sehr bezeichnend ist es, daß die Psychoanalyse im großen und ganzen alles auf einen Nenner
zu bringen versucht, nämlich auf den des Sexuellen. In der Bibel sehen wir folgende vielsagende
Stelle (der Wichtigkeit wegen folge hier der ganze Abschnitt):

"Es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der
Menschen, welche die Wahrheit in Ungerechtigkeit aufhalten; weil das von Gott Erkennbare
ihnen offenbar ist; denn Gott hat es ihnen offenbart, denn das Unsichtbare von ihm, sowohl
seine eigene Kraft als auch seine Göttlichkeit, die von Erschaffung der Welt an in dem
Gemachten wahrgenommen werden, wird geschaut, damit sie ohne Entschuldigung seien; weil
sie, Gott kennend, ihn weder als Gott verherrlichten, noch ihm Dank darbrachten, sondern in
ihren Oberlegungen in Torheit verfielen, und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde: indem sie
sich für Weise ausgaben, sind sie zu Narren geworden und haben die Herrlichkeit des
unverweslichen Gottes verwandelt in das Gleichnis eines Bildes von einem verweslichen
Menschen und von Vögeln und von vierfüßigen und kriechenden Tieren. Darum hat Gott sie
dahingegeben in den Gelüsten ihrer Herzen in Unreinigkeit, ihre Leiber untereinander zu
schänden; welche die Wahrheit Gottes in die Lüge verwandelt und dem Geschöpf mehr
Verehrung und Dienst dargebracht haben als dem Schöpfer, welcher gepriesen wird in Ewigkeit.
Amen. Deswegen hat Gott sie dahingegeben in schändliche Leidenschaften; denn sowohl ihre
Weiber haben den natürlichen Gebrauch in den unnatürlichen verwandelt, als auch gleicherweise
die Männer, den natürlichen Gebrauch des Weibes verlassend, in ihrer Wollust zueinander
entbrannt sind, indem sie Männer mit Männern Schande trieben und den gebührenden Lohn ihrer
Verirrung an sich selbst empfingen. Und gleichwie sie es nicht für gut fanden, Gott in Erkenntnis
zu haben, hat Gott sie dahingegeben in einen verworfenen Sinn, zu tun, was sich nicht geziemt;
erfüllt mit aller Ungerechtigkeit und Bosheit, Gier, Schlechtigkeit; voll von Neid, Mord, Streit, List,
Tücke; Ohrenbläser, Verleumder, Gottverhaßte, Gewalttäter, Hochmütige, Prahler, Erfinder böser
Dinge, Eltern Ungehorsame, Unverständige, Treulose, ohne natürliche Liebe, Unbarmherzige;
die, wiewohl sie Gottes gerechtes Urteil erkennen, daß, die solches tun, des Todes würdig sind,
es nicht allein ausüben, sondern auch Wohlgefallen an denen haben, die es tun" (Röm. 1, 18 32).

Hier wird uns gezeigt, warum eine "Wissenschaft", wie die Psychoanalyse eine sein will,
aufkommen konnte. "Gleichwie sie es nicht für gut fanden, Gott in Erkenntnis zu haben, hat sie
Gott dahingegeben in einen verworfenen Sinn, zu tun, was sich nicht geziemt." Wohlverstanden,
die Psychoanalyse steckt nicht in dieser grob materiellen, perversen Ausschweifung drin, wie sie
Paulus oben beschrieben hat; wohl aber, und das ist der bedeutsame Hintergrund, ist die
Psychoanalyse in einer ebenso schlimmen geistigen Ausschweifung gefangen. Was jene in ihrer
perversen Sexualität tun, tun diese in geistiger Beziehung.

Es gibt eben auch noch ein geistiges Dahingegebenwerden und sein, von dem allerdings der
Schritt zur Tat nur noch ein kleiner ist.

Das ist eine Seite. Die andere Seite der Psychoanalyse ist die, daß sie eine ausgesprochen
dämonische "Wissenschaft" ist. Das zeigt sich in folgenden Behauptungen:

1. Daß Satan das verdrängte Triebleben sein soll.

2. Daß das religiöse Bewußtsein als Kollektivneurose der Menschheit gedeutet wird.

3. Daß die biblischen Wahrheiten von der psychoanalytischen "Schau" aus erklärt werden.

Zum Beispiel: Folgende Bibelstellen: Mark. 8, 3 1 ff.; Matth. 8, 22; 10 2 1; 10, 35 37; 19, 5; 19, 29;
23, 9 sollen auf die Beseitigung der Oedipusbeziehung* hinweisen. (*Eine griechische Sage
erzählt, daß Laios seinen Sohn als neugeborenes Kind mit durchstoßenen Fußgelenken auf dem
Kithäron aussetzen ließ, weil ihm das Orakel verkündete, sein Sohn würde ihn einst töten. Ein
Hirt von Korinth findet das Kind und bringt es seinem Herrn. Der kinderlose König und seine
Gattin ziehen den Knaben, den sie wegen der geschwollenen Füße Oedipus (Schwellfuß)
nennen, an Sohnes Statt auf. Zum Jüngling herangewachsen, erhält Oedipus in Delphi das
Orakel, er werde seinen Vater töten und seine Mutter heiraten, und er beschließt, nicht mehr
nach Korinth zurückzukehren. Unterwegs erschlägt er seinen Vater, ohne ihn zu kennen. Nach
Theben gelangt, löst er das Rätsel der Sphinx und erhält zum Lohn die Herrschaft und die Hand
der Königin, seiner Mutter, ohne zu wissen, daß es seine Mutter ist. In glücklicher Ehe werden
ihm vier Kinder geschenkt. Als später Theben eine Pest heimsucht, befiehlt das Orakel in Delphi,
den Mörder des Laios aus Theben zu entfernen. Die Nachforschungen nach diesem bringen die
schreckliche Wahrheit an den Tag, worauf Akoaste, die Mutter und Gattin des Oedipus, sich
erhängt und er selbst sich eigenhändig blendet.)

Oder es wird bei der Erzählung vom verlorenen Sohn vom "Glauben an unbewußte, also geistige
pathogene Mächte" gesprochen, d. h. der verlorene Sohn soll durch den Glauben an krankhafte
geistige Mächte, die ihren Ursprung letzten Endes wieder im Sexuellen haben, krank geworden
sein, und die Heilung sei durch "die affektvolle Aussprache" im Bekenntnis . "Vater, ich habe
gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn
heiße" (Luk. 15, 21) erfolgt.

Oder Matthäus 18, 3 deutet die "Zurückführung in die Kindheit" an.

Wer erkennt da nicht deutlich den satanischen Charakter dieser "Wissenschaft"!

Es ist höchst erschreckend, wie viele christliche Nervenärzte sich diese ausgesprochen
dämonische psychoanalytische Methode zu eigen gemacht haben. Wohl sagen viele von ihnen,
daß sie Freud und seine Methode ablehnen. Mit dem ist aber nicht gesagt, das sie auch die
psychoanalytische Methode überhaupt ablehnen, um so mehr, da es eine "Edel Psychoanalyse"
gibt, die den Schmutz der Psychoanalyse liegenläßt und das "Gute" daraus verwertet. Doch ich
denke, die Gefahr wird gleich groß sein, ob jemand in eine Pfanne voll Milch einen Eßlöffel voll
Arsen streut oder nur einen Kaffeelöffel voll! Und zudem: Kann man auch von "Dornen Feigen
lesen"? Es gibt eben keine christlichen Nervenärzte, es sei denn, sie gründen ihre
psychologischen Erkenntnisse nur und allein auf die Psychologie der Heiligen Schrift und nicht
auch noch auf "Erkenntnis" Methoden, die dem Menschen scheinbar aus seiner Not helfen, aber
die Seele nicht retten.

Folgendes Erlebnis eines Opfers der Psychoanalyse möge die Gefährlichkeit der Psychoanalyse
illustrieren:

"Meine Erfahrungen mit der Psychoanalyse und mit anderen psycho therapeutischen Methoden.
Im Sommer 19.. begab ich mich in die Behandlung eines Nervenarztes wegen "Nervosität".
Neben Elektrotherapie und anderen physischen Methoden kam besonders die Psychoanalyse
zur Anwendung, und zwar hauptsächlich nach der Technik von Freud. Es sollen vor allem
Erlebnisse der frühen Kindheit, die ich möglicherweise verdrängt hätte, ins Bewußtsein gehoben
werden. Die Ausbeute aber war sehr gering, und die Analyse wurde nach drei Monaten wieder
aufgegeben. Dagegen ging die allgemeine seelische Beratung weiter. Der Arzt vertrat die
Auffassung, daß Selbstbefriedigung etwas "Normales" sei, daß sich weder leiblicher noch
seelischer Schaden als Folge davon nachweisen lasse; daß die Einehe ein von der christlichen
Kirche verschuldeter Irrtum sei, der sich früher oder später rächen müsse; daß ferner sexuelle
Perversionen erlaubt seien. Die Trunksucht war ir bedenklich wegen der Existenzgefährdung.
Parallel zu diesen Beratungen praktizierte ich die Autosuggestion nach Coué, wogegen der Arzt
nichts einzuwenden hatte. Ich erinnere mich deutlich, daß ich mehrmals nach solchen
analytischen Sitzungen oder nach Beratungen von furchtbarer Unruhe umhergetrieben und von
Selbstmordgedanken gequält wurde. Da ein Erfolg ausblieb trotzdem ich mich während
mehrerer Jahre des Alkohols enthalten konnte , suchte ich einen anderen Nervenarzt auf. Seine
Methode war die Psychokatharsis (Reinigung der Seele) nach Frank. Die Technik war folgende:
Vollständige Entspannung aller Muskeln, mit dem Blick einen Punkt fixieren, und in diesem
Zustand etwa eine halbe bis eine ganze Stunde verharren. Der Zweck war: Abreaktion der
gestauten Affekte mit Erinnerung an ein primäres, affektbildendes Erlebnis. Es traten bei mir
jedesmal tobsuchtähnliche Anfälle auf, auch wenn ich zu Hause praktizierte, wozu mir der Arzt
Anleitung gegeben hatte. Da der erhoffte Erfolg, insbesondere die mit Spannung erwartete
Erinnerung, ausblieb, die Anfälle aber heftiger wurden, sistierte der Arzt plötzlich diese
Behandlung und begnügte sich ebenfalls mit gelegentlicher Beratung.

Als die nervösen Zustände wieder einmal unerträglich wurden, suchte ich Hilfe bei einem
"praktischen" Psychologen. Die Behandlung war folgende: Psychoanalyse nach Jung, verbunden
mit allgemeiner Beratung. Die Wirkung war eine entschiedene körperliche und seelische
Lockerung, andererseits aber eine ungeheure "Inflation des Ichs" (um einen beliebten Terminus
der Analytiker zu gebrauchen), Vernachlässigung der Berufspflichten, beinahe hemmungsloses
Triebleben, allmähliches Zurückgleiten in die Trunksucht.

Im ganzen habe ich mit einigen Unterbrechungen von mehreren Monaten zehn Jahre in
solchen "psychotherapeutischen" Behandlungen gestanden. Zeitweise waren es eine oder zwei
Sitzungen pro Woche, im Anfang eine oder zwei täglich. Die Kosten beliefen sich auf 4000
Franken. Die erhoffte Heilung trat nicht ein.

Ich bin jetzt froh, daß keine Art der Behandlung zum Erfolg geführt hat. Ich weiß jetzt, daß nur
Jesus die kranke Seele heilt. In jenem Sommer 19.. hatte ich mehrmals ein unbestimmtes
Sehnen meiner Seele verspürt und den Gedanken gefaßt, einmal einem Geistlichen meine Not
anzuvertrauen, obschon ich ungläubig war; aber ich kannte niemand, und so führte mich der
Teufel zu den Nervenärzten."

Gewiß . und das wollen wir nicht in Abrede stellen, die Psychoanalyse hat schon vielen
"geholfen", aber eben in dem Sinn geholfen, daß der Teufel auch hier durch Beelze¬bub
ausgetrieben wurde; genauso wie die Zauberei und Sympathie auch hilft, aber immer um den
Preis, daß die Seele verkauft wird.

Wir fassen zusammen: Die Psychoanalyse ist eine der gefährlichsten "wissenschaftlichen"
Heilmethoden; sie bringt den Menschen, der sich ihr unterwirft, in eine Art Umsessenheit hinein.
Gewöhnlich ist es ja so, daß, wer Hilfe bei der Psychoanalyse sucht, in den meisten Fällen schon
unter einem Bann steht, der auf Zauberei oder Sympathie, Aberglaube oder Astrologie usw.
zurückzuführen ist. Man kann sich nur mit Schaudern vorstellen, in welchen dämonischen
Schmutz diese unter dem Bann stehenden Menschen durch die Psychoanalyse noch
hineingestoßen werden. Und in dem allem vergessen wir nicht, daß es unreine Geister gibt, und
daß die Psychoanalyse von ihnen inspiriert ist.

Die Magnetopathie

Die Magnetopathie (auch Mesmerismus genannt) ist ebenso gefährlich wie z.B. das Heilen mit
Sympathie, weil die Magnetopathie genauso mit satanischen Kräften operiert wie die Sympathie.

Ein Magnetopath aus dem Appenzellerland, dem Eldorado der „Naturheilärzte“, begründet seine
Kunst der Magnetopathie folgendermaßen:

"Jeder Mensch besitzt in sich gewissermaßen eine Batterie, die in ihm die nötige Lebenskraft
erzeugt und aufspeichert. Nur wenige Menschen aber gibt es, die noch in der Lage sind, von
dieser aufgespeicherten Lebenskraft, die man Lebensmagnetismus nennt, anderen Menschen
abzugeben. Diese Abgabe, diese Ausstrahlungen sind stark genug, um von einer
lichtempfindlichen photographischen Platte aufgenommen und wiedergegeben zu werden. Dieser
Lebensmagnetismus ist eine Naturkraft, mit den gewöhnlichen Sinnen nicht wahrnehmbare
Strahlungen, welche auf andere Körper wohltuend, belebend und im stärksten Maße heilend
einwirken und eine regelrechte Tätigkeit in diesen hervorrufen können."
Nun schreibt derselbe Magnetopath weiter: "Nicht zu vergessen ist, daß ich mit Hilfe dieser
Heilkräfte auch Fernbehandlungen ausführen kann, wobei es auf die Distanz der Entfernung
keineswegs ankommt. Senden Sie mir eine noch gut erhaltene Photographie der zu
behandelnden Person, und nach kurzer Zeit werden Sie die arbeitenden Heilkräfte spüren."

Es schaudert einen förmlich, sehen zu müssen, wie mannigfaltig und unheimlich die höllischen
Methoden sind, die die Menschen in die Finsternis des Zauberbannes reißen. Wie der Pendler
auf Distanz die unglaublichsten Dinge auszuführen imstande ist, so vermag der Magnetopath,
ebenfalls auf Distanz, bestimmte Wirkungen hervorzurufen.

Die meisten Magnetopathen stehen unbewußt im Dienst der Finsternismacht ' d. h. sie erkennen
nicht, wer ihnen die Kraft gibt. Andererseits stehen viele bewußt im Dienst Satans. Sie holen ihre
Kraft bewußt aus der dunklen satanischen Tiefe. Doch bewußt oder unbewußt, nicht darauf
kommt es an, sondern auf die vermittelte satanische Kraft, die den Menschen unter dem
Deckmantel der Hilfe unter einen von Gott verfluchten Bann bringt.

Der Vollständigkeit halber müssen wir noch erwähnen, daß es auch christliche Magnetopathen
gibt, die sich von den oben erwähnten Magnetopathen distanzieren. Damit wird der Anspruch
erhoben, die Magnetopathie, von christlichen Magnetopathen ausgeführt, sei unschädlich.
Demgegenüber möchten wir sagen, daß es weder eine christliche noch unchristliche
Magnetopathie gibt, sondern nur eine Magnetopathie schlechthin. Wie heißt es doch in Römer 3,
12: "Sie sind alle abgefallen und allesamt untüchtig geworden; da ist nicht, der Gutes tue, auch
nicht einer"? Und heißt es nicht weiter: "Ich weiß, daß in mir, das ist in meinem Fleisch, wohnt
nichts Gutes"? (Röm. 7, 18)*. (*Wozu braucht es christliche Magnetopathen? Haben wir denn
nicht etwas unvergleichlich Besseres: die Handauflegung nach Jakobus 5,14 und Markus 16, 18?
Das ist ja unser herrliches Vorrecht, das wir als Gabe Gottes besitzen, daß wir weder zu den
Magnetopathen noch zu de Wunderdoktoren und Zauberern laufen müssen, sondern daß uns
Gott, die lebendige Quelle, Heilung des Geistes, der Seele und des Leibes schenkt, durch
Handauflegung im Namen Jesu Christi, d. h. durch das Gebet des Glaubens.)

Hüte dich deshalb, je einen Magnetopathen aufzusuchen und dich von ihm, direkt oder auf
Entfernung, behandeln zu lassen; denn wie kann ein Mensch, vermöge seiner besonderen
"magnetischen Begabung", einem anderen Menschen ohne Schaden "helfen", wenn in ihm, in
seinem Fleisch, nichts Gutes ist?

Eine Tochter stand sechs Jahre lang in der Behandlung eines Magnetopathen. Sie war förmlich
an ihn gekettet. In einer Evangelisation nun wurde sie erweckt, fand aber keine Ruhe. Dann
suchte sie die Sprechstunde auf, und während des Gebets stieß sie fürchterliche Schreie aus,
und plötzlich wurde sie in die Höhe gehoben wie ein Gummiball, die Haare flogen auf, und dann
fiel sie wie gelähmt zu Boden. Gott hat sich dann ihrer erbarmt; aber sie ist noch nicht ganz frei.
Dies zeigt deutlich, wie gefährlich die Magnetopathie ist.

Die Graphologie

Die Graphologie hat sich bereits derart als Wissenschaft eingebürgert, daß man in den Verdacht
kommt, ein Kardinal der Inquisition zu sein, wenn man es wagt, an den bereits "gesicherten
Ergebnissen" zu rütteln. Indessen dürfen Tatsachen nicht übergangen werden, selbst nicht auf
die Gefahr hin, ein Ketzerrichter zu sein.

Vorerst mögen zwei interessante Fälle hier folgen:

Bei einem großen Unternehmen war ein Angestellter, der 15 Jahre lang einen gehobenen Posten
zu voller Zufriedenheit seines Chefs innehatte, plötzlich und ohne Angabe von Gründen
entlassen worden. Er erhielt eines Tages in seiner Wohnung einen Brief mit der Kündigung und
gleichzeitig seine bis zum Ablauf der Kündigung zustehenden Bezüge übersandt. Ein Betreten
des Geschäftshauses wurde ihm untersagt.

Der Entlassene war wie vom Donner gerührt. Er glaubte, beim nächsten Revirement einen neuen
Posten zu erlangen und wußte sich die Maßnahmen der Geschäftsleitung nicht zu erklären. Alle
Versuche über die Gründe seiner Entlassung etwas Näheres zu erfahren, blieben erfolglos. Da er
aber ein tüchtiger Beamter war, ließ er nicht locker, und es gelang ihm schließlich, festzustellen,
was die Ursache seiner Verabschiedung war.

Der eine der Inhaber des Unternehmens beschäftigte sich seit längerer Zeit mit Graphologie und
glaubte, über die Handschriften auf verschiedene Veranlagungen der Schreiber schließen zu
dürfen. Um sich einmal über seine Angestellten zu informieren, übergab er Schriftproben einem
Graphologen, der eine genaue Beurteilung der einzelnen Persönlichkeiten vornahm.

In dieser Beurteilung kam der entlassene Angestellte sehr schlecht weg. Es wurden ihm
Eigenschaften unterstellt, die tatsächlich ein längeres Verweilen in dem Unternehmen nicht
opportun erscheinen ließen. Als sich der Entlassene dieses Material verschafft hatte, ließ er
durch seinen Anwalt den Schriftdeuter vor Gericht laden*. (*Aberglaube, Kurpfuscherei,
Seelenkunde von Dr. med. Strasser.)

Das andere Beispiel, das einer gewissen Komik nicht entbehrt, sei nur in kurzen Zügen
wiedergegeben. Eine Ärztin schreibt das Anmeldeschreiben einer Buchhalterin (Fräulein
gesetzten Alters) ab und sendet dieses Schreiben einer europäischen graphologischen Größe.
Die ausführliche Charakteranalyse dieses "Fräuleins gesetzten Alters" trifft ein und haut so
unsagbar grausam daneben, daß man sich eines gewissen Mitleids nicht erwehren kann**.

Daß man aus der Schrift einiges herauslesen kann, ist sicher. So wird zum Beispiel ein nur
einigermaßen geübtes Auge den Unterschied zwischen einer intellektuellen Schrift und der
Schrift eines Gelegenheitsarbeiters erkennen können. Oder er wird aus einer zittrigen Schrift
feststellen können, da ß es sich um eine Alterserscheinung handelt oder um ein Nervenleiden.
Daß aber der Charakter oder gar verborgene Krankheiten aus der Schrift herausgelesen werden
können, ist sehr fragwürdig, wie die beiden oben erwähnten Beispiele, die beliebig vermehrt
werden können, zeigen, es sei denn, daß gewisse Graphologen, bewußt oder unbewußt, den
Wahrsagegeist besitzen. Und es gibt Graphologen, die aus der Schrift, vermöge des
Wahrsagegeistes, Merkwürdiges herauszulesen wissen.

Wie sehr oft Graphologen in Aberglauben und Zauberei verstrickt sind, zeigt folgende Stelle aus
der kleinen Schrift "Psychologie des Schreibens" (von Kottonau): "Wir besitzen
Neuoffenbarungen zur Ergänzung der naturwissenschaftlichen Punkte, welche in der Bibel nicht
mehr vorhanden sind, da das 6. und 7. Buch Mose in der babylonischen Gefangenschaft von
einer herrschsüchtigen Priesterkaste unterschlagen wurden. Diese zwei Bücher enthielten
verständliche Belehrungen über die Naturordnung, von Gott selbst dem Mose diktiert, genau wie
die Zehn Gebote."

Hier ist die Graphologie mit den beiden dämonischen Büchern, 6. und 7. Buch Mose, offenkundig
verquickt. Nicht überall ist die Tatsache des Okkulten in der Graphologie sichtbar. Man kann als
Graphologe auch ohne 6. und 7. Buch Mose den Wahrsagegeist besitzen.

Übrigens ist die Graphologie, biblisch gesehen, nichts anderes als Zeichendeuterei.

Sehr lehrreich ist folgendes Beispiel: Eine Frau ließ sich seinerzeit vom Graphologen X. Y. ein
graphologisches Urteil ausstellen. Nach einer bestimmten Zeit begann jene
Handschriftenbeurteilung sie innerlich zu beschäftigen; es wurde ihr schwer, ohne daß sie jeweils
eine Erklärung dafür fand. Nach der Entdeckung, wonach der betreffende Graphologe in
Aberglauben und Zauberei verstrickt ist, wurde die Ursache der Unruhe gefunden. Betende
Fürbitte entfernte dann den Druck für immer.
Die Augendiagnose

Die "Wissenschaft" der Augendiagnose ist weitverbreitet. Nach Professor Seligmann kann die
Irisdeutung in Europa bis zum Jahr 1654 zurückverfolgt werden. Auch China kannte die
Augendiagnose schon sehr früh. Professor Seligmann schreibt in der Zeitschrift für Ärztliche
Fortbildung, daß Kaiser C'hen Lung ein Werk über die Augendiagnose im Jahr 1724
herausgegeben habe. Professor Salzer stellt zu diesen Ausführungen noch folgendes fest:
"Gewisse Anzeichen deuten darauf hin, daß die Wurzeln der Augendiagnose noch viel weiter
zurückreichen. Es ist bekannt, daß die Medizin, wie andere Wissenschaften, lange Jahrhunderte
in den Fesseln der Astrologie verstrickt war. Die Wiege dieser alten Priesterlehre stand, nach
ihrem besten Kenner Professor Dr. Fr. Boll (Sternglaube und Sterndeutung, Berlin 1919) und
seinem Mitarbeiter Professor Dr. K. Bezold, in der sonnendurchglühten Zweistromebene des
Euphrat und Tigris. Vom Orient kam die Astrologie zu den Griechen und von den Griechen über
Ägypten nach Rom, von wo sie über Byzanz die ganze Kulturwelt überschwemmte. Aus dieser
Weltanschauung stammen im Grunde nicht nur die Augendiagnose, sondern noch andere
Bestandteile der okkulten Medizin, und es ist durchaus kein Zufall, daß die alte Chaldäerlehre,
die jetzt wieder zu neuem Leben galvanisiert wird, mit schwesterlichen Gefühlen die
Augendiagnose in die Arme schließt."

Wenn man sich vergegenwärtigt, was alles aus dem Zweistromland Euphrat und Tigris, d.h.
Babylon, stammt, dann muß man sich nicht wundern, daß nicht nur die Astrologie, sondern auch
die Augendiagnose wie eine unausrottbare "Seuche, die am Mittag verderbet", sich behauptet
hat. Bekanntlich ist Babylon nach Offenbarung 17, 4-5 das Mysterium, die Mutter der Hurerei und
der Greuel auf Erden! Von dort hat sich die Götzendienerei mit ihren mannigfaltigen
Geheimlehren über die ganze Welt verbreitet und sich auch weitgehend der christlichen Kirche
bemächtigt. Babylon, unter Nimrod und Semiramis, ist nicht nur der Ursprung der Mysterien, d. h.
des Götzenkultes, sondern auch die Brutstätte der Zauberei und des Aberglaubens, der
schwarzen Magie überhaupt.

Die Augendiagnose kann nicht, wie es immer wieder geschieht als Scharlatanerie abgetan
werden, trotz der unendlichen Zahl von Fehldiagnosen. Denn es gibt Augendiagnostiker, die es
tatsächlich so weit bringen, daß sie mit merkwürdiger Sicherheit ein mehr oder weniger
deutliches Krankheitsbild, auf Grund der Irisflecken, zu diagnostizieren imstande sind.

Der Augendiagnostiker versichert seinen Patienten, die ihn fragen, ob denn alles mit rechten
Dingen zugehe, daß die Augendiagnostik eine Wissenschaft sei und deshalb mit Okkultismus
nichts zu tun habe. Dazu ist zu bemerken, daß die Grenzen, wie z.B. auch bei der Graphologie
und Handlesekunst, fließend sind. Das heißt: Wer immer sich mit diesen Dingen beschäftigt,
kann nicht sagen, wo die „Wissenschaft“ aufhört und wo das Okkulte beginnt. Auf jeden Fall gerät
jeder, der sich mit der Augendiagnose beschäftigt, früher oder später in das dunkle Gebiet des
Okkulten, wo er von den bösen Geistern, die in der Luft herrschen (Eph. 6, 12), bestimmt wird.
Der Augendiagnostiker wird in diesem Fall, ohne daß er es weiß, zum Hellseher oder Wahrsager,
dem die Iris des menschlichen Auges das ist, was der Hellseherin oder Wahrsagerin der Kristall!

Bedeutsam ist die aufschlußreiche Feststellung von Professor Salzer, wenn er sagt:

"Es lohnt sich nun nicht auf die späteren Bearbeiter der Augendiagnose einzugehen. Sie streiten
untereinander erheblich über die Lage der Abgrenzung der einzelnen Felder und über die
Bedeutung der Zeichen, aber jeder versichert, daß die Augendiagnose ein untrügliches Mittel sei,
um Krankheiten zu diagnostizieren."

Diese Feststellung zeigt klar, daß die Augendiagnostiker nach verschiedenen Systemen, die in
ihren Feldern völlig voneinander abweichen, arbeiten. Nun, letztlich kommt es nicht auf das
System an, so wenig es beim Pendeln auf die Art des Pendels (Uhr, Ring etc.) ankommt. Die
Hauptsache ist, daß auf irgendeine Art die Menschen unter einen Bann gebracht werden.
Vielsagend ist in diesem Zusammenhang die Behauptung der Frau Pastor Madaus, die in ihrem
Buch versichert, daß manche Iriszeichen die Form von Heilpflanzen aufweisen, die gegen die
betreffende Krankheit wirksam sind. Die Augendiagnose gehört somit, wie die Handlesekunst,
Graphologie und Psychophysiognomik usw. in das Gebiet der Zeichendeuterei.

Immer wieder kommen seelisch Kranke in die Seelsorge, die Augendiagnostiker konsultiert
haben, und immer muß ich feststellen, wie ein Bann sie festhält, sei es daß eine mehr oder
weniger starke Schwermut ihr Gemüt belastet oder sei es, daß eine nervöse Störung sich
bemerkbar macht oder sei es, daß sie im Glaubensleben nicht vorwärtskommen.

Was sagt die Bibel?

Der denkende Bibelleser wird sich schon oft gefragt haben, warum im Alten Testament das Volk
Israel von Gott den Befehl erhielt, die im Lande Kanaan ansässigen Völkerstämme mit Stumpf
und Stiel auszurotten. Bei Unkenntnis der Sache könnte man leicht in den bösen Fehler verfallen,
Gott der Grausamkeit zu bezichtigen. Wer jedoch genau die Heilige Schrift durchforscht, wird
sofort innewerden, daß alle die zu vernichtenden Völker von den Greueln des Wahrsagens, der
Zauberei, des Spiritismus und des Dämonenkultes völlig durchseucht waren. Israel mußte
deshalb, um nicht angesteckt zu werden, mit rücksichtsloser Strenge vorgehen. Später allerdings
kam das auserwählte Volk, weil es dem Befehl Gottes ungehorsam war, selber in die von Gott
verfluchte Abgötterei, so daß das göttliche Zorngericht sich auch an ihm erfüllte.

5. Mose 18, 9 14: "Wenn du in das Land kommst, das der Herr, dein Gott, dir geben wird, so
sollst du dich nicht daran gewöhnen, die Greuel der betreffenden Völkerschaften nachzuahmen.
Es soll sich niemand unter dir finden, der seinen Sohn oder seine Tochter als Opfer verbrennen
läßt, niemand, der Wahrsagerei, Zeichendeuterei oder Beschwörungskünste und Zauberei treibt,
niemand, der Geister bannt oder Totengeister beschwört und einen Wahrsagegeist befragt oder
sich an die Toten wendet. Denn ein jeder, der sich mit solchen Dingen befaßt, ist für den Herrn
ein Greuel, und um dieser Greuel willen ver¬drängt der Herr, dein Gott, diese Völker vor dir her.
Du sollst dem Herrn, deinem Gott, gegenüber unsträflich sein. Denn diese Völkerschaften, die du
verdrängen wirst, hören auf Zeichendeuter und Wahrsager; dir erlaubt der Herr, dein Gott, etwas
Derartiges nicht" (Menge).

3. Mose 20, 27: "Wenn ferner ein Mann oder ein Weib einen Geist der Totenbeschwörung oder
einen Wahrsagegeist in sich hat, so sollen sie unfehlbar mit dem Tode bestraft werden; man soll
sie steinigen: Blutschuld lastet auf ihnen" (Menge).

3. Mose 19, 31: "Wendet euch nicht an die Totenbeschwörer (Spiritisten!) und an die Wahrsager;
sucht sie nicht auf, damit ihr nicht durch sie verunreinigt werdet; ich bin der Herr, euer Gott."

3. Mose 20, 6: "Wenn sich jemand an die Totenbeschwörer und Wahrsager wendet, um
Götzendienst mit ihnen zu treiben, so will ich mein Angesicht gegen einen solchen Menschen
kehren und ihn aus der Mitte seines Volkes ausrotten" (Menge).

Die Offenbarung Johannes vergegenwärtigt uns das Gericht über die Zauberei und jegliche
Abgötterei in einer unmißverständlichen Sprache, wenn sie sagt:

Offenbarung 21, 8: "Der Verzagten aber und Ungläubi¬gen und Greulichen und Totschläger und
Hurer und Zau¬berer und Abgöttischen und aller Lügner, deren Teil wird sein in dem Pfuhl, der
mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der andere Tod."

Offenbarung 22, 15: " Denn draußen sind die Hunde und die Zauberer und die Hurer und die
Totschläger und die Abgöttischen und alle, die liebhaben und tun die Lüge."

Lukas 16, 17: "Es ist aber leichter, daß Himmel und Erde vergehen, denn daß ein Pünktlein vom
Gesetz falle."

"Wer Ohren hat zu hören, der höre!"

Was die Kirchenväter sagen

Tertullian ( 160 - 220): Nach dieser Zeit aber wurde Simon Magnus (Apg. 8), bereits Christ,
verflucht und durch die Apostel vom Glauben zurückgewiesen, als er noch auf Ausübung seines
Gauklergewerbes bedacht war und sich zu den Kunststücken seines Handwerks den Heiligen
Geist vermittelst der Handauflegung erhandeln wollte. Ein anderer Zauberer (Apg. 13, 6), der sich
bei Sergius Paulus aufhielt, wurde, weil er demselben Apostel entgegenarbeitete, durch den
Verlust des Augenlichts bestraft. Dasselbe Schicksal würde, glaube ich, auch die Astrologen
getroffen haben, wenn diese mit den Aposteln in Berührung gekommen wären. Wenn nun die
Magie bestraft wird, wovon die Astrologie eine Spezies ist, dann findet ohne Zweifel die Spezies
in der Gattung ihre Verdammung. Nach dem Auftreten des Evangeliums begegnet man keinem
Sophisten, keinen Chaldäern, Besprechern, Sterndeutern und Magiern mehr, oder sie werden
bestraft. Wo findet sich irgendein Weiser, ein Literat, wo ein weltlicher Forscher? Hat Gott die
Weisheit dieser Welt nicht zur Torheit gemacht?" (1.Kor. 1,20.) Astrologe, wenn du nicht wußtest,
daß du ein Christ werden wirst so verstehst du nichts. Wenn du dies wußtest, so hättest du auch
wissen müssen, daß du nichts mehr in dieser Kunst zu tun haben würdest. Sie, die dich die
Komplikationen anderer kennen lehrt, würde dich doch dann auch über die bevorstehende eigene
Gefahr unterrichtet haben. Für dich ist bei jenen Berechnungen "kein Teil und kein Los da".
Derjenige, dessen Finger und Quadrant mit dem Himmel Mißbrauch treibt, der darf auf das
Himmelreich nicht hoffen.

Origines (185 - 254): Erwäge doch bei dir selbst, welche Person vor dem allmächtigen Gott,
dessen Macht jede andere in jeder Hinsicht übertrifft und der den Menschen an Leib und Seele
und auch mit den Dingen außerhalb wohlzutun vermag, mehr Gnade finden wird: etwa der
Mensch, der sich ihm in allen Dingen gläubig hingibt, oder der andere, der sich unnützerweise mit
"den Namen von Dämonen" und ihren Kräften und Handlungen und mit Zaubersprüchen und
Pflanzen beschäftigt, die ihnen angehören, und mit Steinen und den in sie eingegrabenen
Zeichen*, die den überlieferten sinnbildlichen oder wie nur immer gearteten Gestalten der
Dämonen entsprechen. Wer nur ein wenig zu urteilen vermag, wird einsehen, daß ein einfacher
und ungekünstelter Sinn, der eben deshalb sich dem allmächtigen Gott hingibt, Gott und allen,
die sich ihm anvertrauen, willkommen sein wird; dagegen wird ein Sinn, der sich wegen
körperlicher Gesundheit und Liebe zum Irdischen und des in gewöhnlichen Verhältnissen
(erhofften) Glücks unnützerweise um Namen von Dämonen kümmert und danach trachtet, wie er
die Dämonen mit gewissen Zaubersprüchen gewinnen kann, von Gott als schlecht und ruchlos
und eher dämonisch als menschlich angesehen und den Dämonen überlassen werden, die der
Sprecher solcher Zauberworte sich erwählt hat, um dann von den Gedanken, die ihm ein jeder
Dämon eingibt, oder aber auch von anderen Übeln geplagt zu werden.

(* Ein solches eingegrabenes Zeichen liefert Gyr Niederer, Kräuterhaus in Gais, seinen Kunden.
Er schreibt in seinem Prospekt: "Wir haben jetzt gesehen, wie die kosmischen Zahlen in unserem
Leben eine Rolle übernommen haben und daß das mystische Pentagramm nicht umsonst an den
Kopf dieser Seite gesetzt wurde. Dieses Sinnbild soll auch für den Leser zum Glücksymbol im
täglichen Leben werden, indem ich jedem meiner Kunden das Pentagramm, eingeprägt in einem
Stämmchenabschnitt der höchst seltenen Zwergkoniferen, auf Wunsch und bei größerer
Bestellung von Kräuterprodukten geschenkweise überlasse, solange der Vorrat reicht. Greifen
Sie heute noch zu! Dieser Talisman ist später nicht mehr lieferbar." Der Talisman bedeutet ja
nichts anderes als ein zauberhaftes Schutzmittel, ähnlich wie das Amulett.)
Chrisostomus (gest. 407): Du gebrauchst nicht nur Amu¬lette, sondern auch Zauberformeln,
indem du trunkene und taumelnde Weiber in dein Haus einführst. Und du schämst dich nicht,
dich zu solchen Dingen zu wenden? Man glaubt sich damit zu entschuldigen, daß das Weib eine
Christin ist und nichts anderes spricht als den Namen Gottes. Gerade deshalb hasse und
verabscheue ich sie desto mehr, weil sie den Namen Gottes schändet und, während sie sich eine
Christin nennt, heidnische Werke treibt. Die Priester hängen den Menschen Schutzmittel um
den Hals. Einige ein Stück des Evangeliums. Sage, du törichter Priester: Wird nicht täglich das
Evangelium in der Kirche gelesen und gehört? Wenn nun das Evangelium, das zu seinen Ohren
dringt, nichts nützt, wie wird es ihn retten, so es ihm um den Hals gehängt ist? Ferner: Worin
besteht die Kraft des Evangeliums? Im geschriebenen Buchstaben oder im Geist? Wenn im
Buchstaben, dann hängst du es füglich um den Hals, wenn aber im Geist, dann ist es heilsamer,
wenn du es zu Herzen nimmst, als wenn du es um den Hals hängst.

Augustin (354 - 430): Es ist etwas Großes, dies auf dem ganzen Erdkreis zu sehen, wie der Löwe
durch das Blut des Lammes besiegt, die Glieder Christi den Zähnen des Löwen entrissen und mit
dem Leib Christi verbunden wurden. Also ich weiß nicht, was ein gewisser Geist nachgeahmt hat,
daß er durch Blut sein Scheingebilde erkauft haben wollte, weil er wußte, daß durch das kostbare
Blut irgendeinmal das Menschengeschlecht erlöst werden solle. Es machen sich nämlich die
bösen Geister gewisse Schattenbilder von Ehre, um so diejenigen zu täuschen, die Christus
anhängen. Bis zu dem Grade, meine Brüder, daß jene, die durch Amulette, durch
Zaubersprüche, durch Kunstgriffe des Feindes zu verführen suchen, ihren Zaubersprüchen den
Namen Christi beimischen weil sie die Christen schon nicht mehr so verführen können, daß sie
ihnen Gift geben, fügen sie etwas Honig hinzu, damit durch das Süße das Bittere verborgen
bleibe und getrunken werde zum Verderben.

Johannes Mandakuni (armenischer Kirchenvater, fünftes Jahrhundert): Warum hast du,


bedauernswerter Unglücklicher, Gott, den Schöpfer, den Arzt, das rettende Kreuz verlassen und
zur törichten Zauberei Zuflucht genommen, die von den Dämonen in das Verderben gestürzt
wurden? Wohlan, siehe, was der Zauberer treibt! Er zaubert, durch den Fluß gehend, und
während er seine Zauberei treibt, nahen sich ihm die Dämonen, und während er geht, wird er von
ihnen ergriffen; nach links treibt er Zauberei, nach rechts speit er aus, schwört dem Kreuze ab
und wird an Christus zum Feind und weiß es nicht.

Sie verachten die Gnadengeschenke. Denn es heißt: "Ist jemand krank unter euch, so rufe er die
Ältesten der Gemeinde; sie sollen über ihn beten und salben mit Öl im Namen des Herrn; und
das Gebet im Glauben wird dem Kranken zum Heil gereichen" (Jak.5,14 f.). Für jene aber,
welche der böse Feind quält, hat er auch Befehl gegeben, und sie trieben ihn aus durch Fasten
und Gebet im Zeichen des Kreuzes, das alles besiegt. Von jenen aber, die dem rettenden Kreuz
abschwören, die Gnade Jesu Christi verachten und zu den Zauberern laufen, um Zauberei zu
treiben und die Amulette, Zaubermittel und Zauberschriften um sich zu hängen, sagt Jesus:
"Weichet von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer; ich kenne euch nicht!" weil sie taten, was
er ihnen nicht geboten hat.

Ja, so weit treibt Satan die Menschen in ihrer Verwegenheit, daß sie den heiligen Namen Gottes
in ihre Zauberbücher schreiben und ihn in Verbindung bringen mit den Zaubermitteln. Ja, sie
werden noch verdammungswürdiger, weil sie Gott in den Zaubermitteln und Zauberbüchern mit
den Dämonen vermengen, ohne auf die unsichtbaren Pfeile Satans zu achten. Denn die
Zaubermittel und Zauberschriften sind Anordnungen des Satans, nicht Gottes. Deshalb läßt
Satan auch seine verderblichen Pfeile nicht merken; denn boshaft läßt er den heiligen Namen
Gottes mit seinen Befehlen vermengen, damit sie, durch den Namen Gottes irregeführt, seine
schwarzen Pläne nicht merken können. Denn töricht, wie sie sind, behalten sie zwar
Christennamen noch bei, in ihren sinnlosen Handlungen aber erniedrigen sie sich derart, als
würden sie Satan bekennen.

Ein Zauberer macht sich erkenntlich durch Aberglauben, Wahrsagerei, Zauberei, durch
Beschwörung, durch Befragen, im Schneiden (Zauberei am Brot) durch Vogelschau, durch
Schütteln des Siebes, durch Würfellose, durch Erprobungen mit Flüssigkeiten, durch Zauberei mit
Büchern, durch Sterndeuterei (Astrologie, Horoskope), durch Befragen der Geister, durch
abergläubische Beobachtungen von Tagen und des Mondes, durch Talisman*, durch allerlei
zauberische Bewegung mit den Talismanen (Pendel), durch Zauberei mit Salz, Eisen, Wasser,
Farben, Öl, Gerste, Perlschnüren (Halsketten), Wachs, dem Haupthaar und mit all den
Unreinigkeiten, womit sie die Seelen derer beflecken und zugrunde richten, die sich ihnen fügen.

Wissen wir aber einmal, daß Gott allein der Schöpfer ist, warum wollen wir uns die Fesseln der
Zauberer und Wahrsager anlegen und uns dadurch versündigen, daß wir die Tage abergläubisch
unterscheiden? Und du glaubst, daß von ihm aus Schaden oder Förderung das Gras, die Reben,
die Früchte der Ernte, der Weinlese, der Same und all die Arbeiten, die euch durch die Hände
gehen, erfahren? Wie magst du nur auf den Aberglauben und die Unterscheidung der Tage
verfallen? Wohlan, gib mir Antwort. Wodurch soll denn der Samstag und Mittwoch schädlich
sein? Der Name allein ohne Licht und Wärme kann weder etwas vernichten noch ins Leben
rufen; Licht und Wärme aber kommen von der Sonne. Die Sonne geht nicht am Mittwoch und am
Samstag so auf und an den anderen Tagen anders; vielmehr ist der Aufgang der gleiche, und er
bleibt immer derselbe. Wenn nun aber der Sonnenaufgang am Mittwoch und Freitag, am
Samstag und Sonntag der gleiche ist, wie sollen denn bei einem und demselben Aufgang die
einen schädlich sein, die anderen dagegen nicht? Gib Antwort, du törichter Zauberer, Diener der
Mantik, der du die Gnade Gottes verloren hast! Sind denn nicht alle Tage des Herrn, und haben
wir nicht alle Tage das Gute, das wir vollbringen, unserer guten Neigung und dem Willen Gottes,
und das Böse, das wir verüben, unserer Bosheit und der Langmut Gottes zuzuschreiben? Gott ist
der Vollbringer des Guten, wir aber sind fähig des Bösen. Wie also sollte der Name des
Mittwochs oder Samstags imstande sein, etwas zu fördern oder zu vernichten, der doch ganz
machtlos ist? Der Name hat ja keine Seele und keinen Verstand, und wie sollte der imstande
sein, etwas zu schaffen, der keine Seele und keinen Verstand hat? Doch der Satan hat dich
betört, dieses zu denken, auf daß du Gott die Ehre als Schöpfer entziehest und sie weihst den
toten Namen des Samstags und Mittwochs, und du mit den Götzendienern (als Götzendiener)
verurteilt wirst.

Die Folgen

Pfarrer J. Chr. Blumhardt schreibt:

"Noch muß ich etwas Zusammenfassendes mitteilen, das zwar auffallen wird, aber keineswegs
von mir verschwiegen werden kann. Es wurde mir erkennbar, daß unsere Zeit an einem Übel
leidet, das allmählich, ohne daß jemand darauf mit Ernst geachtet hätte, wie ein heimlich
nagender Wurm fast die ganze, auch die evangelische Christenheit durchfressen hat, nämlich,
daß ich so sage, die Sünde der Abgötterei, die stufenweise die Zauberei und vollendete
Schwarzkunst treibt, von deren schauerlichem Eingang mir nur allzu gewisse Kunde geworden
ist. Unter Abgötterei mag jedes Vertrauen auf eine übernatürliche, unsichtbare Kraft verstanden
sein, auf welche gestützt ein Mensch Gesundheit, Ehre, Gewinn und Genuß sich zu beschaffen
bemüht ist. Aber auch jeder abergläubische Gebrauch von scheinbar frommen Worten,
besonders wenn die drei höchsten Namen dazu angewendet werden' ist Abgötterei, weil der
lebendige Glaube an Gott, sowie die Hoheit und Majestät Gottes dadurch in ein Zerrbild
verwandelt werden. Hierher gehört alle und jede Art von sogenannter Sympathie, deren
Wirksamkeit von Hohen und Niederen immer entschiedener anerkannt wird und die daher von
jedermann, wenigstens in ihren scheinbar unschuldigen Sphären, angewendet wird, ohne daß
man überlegt, welchen Abfall von Gott solche gedankenlose Herabwürdigung des Namens und
der Kraft Gottes voraussetzt und welches eigentlich in solchen Fällen die unsichtbar wirkende
Kraft ist und allein nur sein kann. Sowohl hierdurch als auch durch manches andere hängt sich
der Mensch mindestens an eine unmittelbare Naturkraft, kehrt seinen Glauben ans Unsichtbare
von Gott ab und an eine Art Naturgeist hin, wodurch er in den Augen des eifrigen Gottes, der
seine Ehre keinem anderen läßt, wie das Alte Testament redet, nur Abgötterei treibt. Soll eine
unsichtbare, unmittelbare Kraft helfen, warum will sich der Mensch nicht an den halten, der die
Kraft selber ist? Noch weniger ist aus dem Gebiet der Abgötterei die sogenannte Transtantion
auszuschließen, bei welcher man einen Schmerz oder eine Krankheit durch allerlei
Manipulationen, mit und ohne Formeln, auf Bäume oder Tiere übertragen sich bemüht. In die
fürchterlichen Folgen aller dieser Abgötterei lernte ich allmählich einen Blick tun. Die nächste
Wirkung ist die, daß der Mensch mehr oder weniger an eine satanische Macht gebunden wird,
indem irgendein Dämon, durch den Akt der Abgötterei herbeigelockt, Einfluß auf ihn gewinnt.
Dieser Einfluß kann physisch sein und namentlich allerlei Nervenleiden, Krämpfe, Gicht und
andere Gebrechen zur Folge haben, bei weichen auch die Ärzte wenig Rat wissen. Ferner kann
dieser Einfluß Melancholie und Schwermut wecken oder grobe Leidenschaften nähren, Wollust,
Geiz, Trunkenheit, Neid, Zorn, Rachsucht und dergleichen mehr, die dem Menschen oft zur Last
werden, ohne daß er darüber Herr zu werden vermöchte. Was Paulus im Römerbrief von den
Folgen der Abgötterei schreibt, als eine Verwandlung der Herrlichkeit des unvergänglichen
Gottes in allerlei Torheiten, geht auch bei unserer christlichen Abgötterei buchstäblich in
Erfüllung, wenn Christen ihr Vertrauen auf ihre sündlichen Sprüche, auf geheime Formeln und
Zeichen, auf gewisse Tage und Stunden und Zettelchen setzen, die sie sich umhängen wie die
Neger ihre Ringe, oder sie verschlingen neben anderen eigentlichen Greueln, welche hier
auseinanderzusetzen zu weit führen würde. Eine weitere Folge ist die Unempfindlichkeit gegen
das Wort der Wahrheit, Gleichgültigkeit gegen die Sünde, Stumpfheit des Geistes für höhere
Empfindungen und Gedanken und Sicherheit in Beziehung auf die Ewigkeit und umgekehrt, daß
in der Trübsal kein Trost haften will, namentlich die evangelische Freiheit bei Anklage des
Geistes nicht festwurzeln kann. Die traurigste Folge für den Menschen, wenn er obige Abgötterei
nicht bekennt und bereut, kommt nach dem Tod und ist zunächst das, was ich mit Schaudern auf
allerlei Weise in meinen Kämpfen erfahren habe, nämlich: Das Band, mit dem er sich an die
finstere Macht gebunden hat, ist noch nicht gelöst, und der Mensch, der eben glaubte, reif für die
Freude zu sein, wird festgehalten und, je nachdem er sich verstrickt hat, gezwungen, auch wider
seinen Willen zur Qual der Lebendigen dem Teufel zu dienen."

Wer Blumhardt kennt, weiß, daß seine Worte ein Gewicht haben, und dem aufmerksamen Leser
wird es nicht entgangen sein, wie Gott durch diesen besonders Berufenen uns sein Wort über
den Aberglauben und die Zauberei in seinen furchtbaren Folgen auslegt.

Die unmittelbare Wirkung des Aberglaubens und jeglicher Zauberei besteht, wie wir bereits
betont haben, darin, daß die Dämonen und die bösen Geister Seele und Leib in Besitz nehmen
dürfen. Daraus entsteht eine unheimliche Mannigfaltigkeit von Folgen, wie wir sie zum Teil aus
Blumhardts Bericht ersehen. Wir wollen nun diese Folgen, um einigen Überblick zu gewinnen,
einteilen in Störungen seelischer und körperlicher Art.

1. Die seelischen Störungen

Ablehnung des Göttlichen. Daraus aber dürfen wir nicht etwa den falschen Schluß ziehen, als ob
die Ehrfurcht vor dem Göttlichen das Waten im Sumpf des Aberglaubens und der Zauberei
ausschließen würde. (Siehe Spiritismus!) Was uns jedoch bei dem Hinweis, daß der
Abergläubische und von der Sünde der Zauberei behaftete Mensch das Göttliche ablehnt, ganz
besonders bewegt, ist die Absicht, eine der Hauptursachen der immer mehr
überhandnehmenden Gottlosigkeit aufzudecken. Unzählige haben keine Ahnung, warum sie sich
gegenüber dem Wort Gottes so ablehnend, ja sogar feindselig verhalten müssen. Und viele, die
sich mit ihren freidenkerischen Auffassungen brüsten, sind durch Aberglauben und Zauberei
Gefangene der Finsternismacht.

Hochmut und Selbstgerechtigkeit. Durch den satanischen Bann wird, entsprechend der
Charakteranlage des Menschen, auch Hochmut und Selbstgerechtigkeit ausgelöst. Es gibt
Menschen, die eine höchst beleidigende Selbstgerechtigkeit und einen fast stinkenden Hochmut
an den Tag legen. Sie sind derart von sich eingenommen, daß in ihren Augen die Mitmenschen,
oder wenigstens die "unteren" Schichten des Volks, nur Menschen zweiter Klasse sind. Hochmut
ist eine Eigenschaft Satans. Durch Hochmut fiel er aus seiner Höhe in die schauerliche Tiefe, und
durch Hochmut und Selbstgerechtigkeit reißt er Tausende und aber Tausende von Gott los, in
das Verderben.

Völlige Gleichgültigkeit gegen die Sünde. Jesus sagt an vielen Stellen im Neuen Testament: "Wer
Augen hat zu sehen, der sehe!" Diese Augen, die zum Sehen da sind, werden durch Satan mit
Blindheit geschlagen, daß die Sünde nicht als Sünde empfunden und erkannt wird. Die Absicht
ist eindeutig. Der unter dem Satansbann stehende Mensch soll ohne Gewissensbisse in immer
größere und schlimmere Stricke fallen, bis er derart gefesselt ist, daß jede Flucht unmöglich ist.
Es ist selbstverständlich, daß Satan, wo immer ihm eine Handhabe geboten wird, den Blick für
die Sünde verschleiert; und was ist Zauberei und Aberglauben anderes als von Gott verfluchte
Sünden, die indessen bezeichnenderweise als solche nicht erkannt werden!

Geiz. Eine Frau hat, um es "zu etwas zu bringen", viel Sympathie getrieben, und zwar so, daß sie
jeweils, wenn sie im Frühling gärtnete", den Samen oder die Setzlinge in den drei höchsten
Namen in Verbindung mit irgendeiner Zauberformel aussäte und setzte. Alles gedieh immer
prächtig. Die Jahre kamen und gingen; sie "brachte es zu etwas". Aber in ihrem Herzen nagte der
Geiz. Dann kam die Katastrophe. Der Geizteufel überredete sie, einen Strick zu nehmen und sich
zu erhängen. In einem unbewachten Augenblick ging sie hin und hängte sich an einem Nagel
auf. Noch in der letzten Sekunde konnte sie vom Strick losgeschnitten werden. Grauenhaft waren
die darauffolgenden Tage und Wochen. Satan, wütend, daß ihm sein Opfer diesmal entronnen
war, quälte die arme Frau derart, daß sie oft schrie: "Helft mir! Es ist mir, als ob mein ganzer
Körper auseinandergerissen würde!" Furchtbar ist es, so in die Hände Satans zu fallen.

Zwang zum Stehlen (Kleptomanie). Ein unwiderstehlicher Drang zwingt den Menschen zu
stehlen, was ihm unter die Finger kommt, selbst Gegenstände, die für den Kleptomanen absolut
wertlos sind.

Schwermut. Die Schwermut kann selbstverständlich auch andere Ursachen haben als
Aberglauben, Zauberei usw. Wo aber die Schwermut die unmittelbare Folge von Zauberei und
Aberglauben ist, wird kein menschliches Heilmittel nützen. Diese Schwermut ist in ihren Folgen
unberechenbar wie der Kugelblitz. Es kann Zeiten geben, wo sie sich in die hintersten Örter des
Gemüts zurückzieht, um dann unvermutet wie ein Sturmwind hervorzubrechen in der Absicht,
den armen Menschen zu vernichten, oft durch Selbstmord oder durch Besessenheit.

Neigung zu Verbrechen. Matuschka ist ein entsetzliches Beispiel dafür. Mit unheimlicher
Deutlichkeit wird uns in diesem Leben offenbar, wie durch die Sünde der Zauberei die
Finsternismacht ihr unumschränk¬tes Besitzrecht geltend macht. Sie ist es, die dem Menschen
die verbrecherischen Gedanken suggeriert und ihn nicht nur zum Verbrechen veranlaßt, sondern
auch dazu zwingt. Jener fremde Unbekannte, der Geist, von dem Matuschka redete, war der
satanische Geist, der von seinem Opfer in den kritischen Stunden völlig Besitz nahm und es
benutzte wie der Handwerker sein Werkzeug. Es handelt sich hier nicht um Spaltung der
Persönlichkeit, sondern um die furchtbaren Wirkungen des durch die Hypnose bewirkten
satanischen Bannes.

Sehr oft liest man in Gerichtsurteilen: "Der Mörder hat im Affekt gehandelt", d. h. er war seiner
nicht mehr mächtig, er wußte im Augenblick der Handlung nicht mehr, was er tat. Dieser Affekt ist
in den meisten Fällen nichts anderes als eine aktive Besessenheit. Es würde sich lohnen, den
Lebenslauf dieser vom "Affekt" überraschten Verbrecher auf Zauberei, Spiritismus, Hypnose,
Suggestion näher zu untersuchen.

Religiöser Wahnsinn. Der religiöse Wahnsinn wird von Unwissenden als eine Folge allzu
übertriebener Religiosität betrachtet. Aber wahrer Christusglaube hat noch nie zum religiösen
Wahnsinn geführt, wohl aber und gerade die Zaubereisünden aller Art, die durch das unerbittliche
Licht des Evangeliums aufgedeckt wurden, d. h. wenn ein in Zaubereisünden verstrickter Mensch
vom Wort Gottes aufgeweckt wird und erkennt, daß er sich bekehren soll, und widerstrebt dem
Heiligen Geist, dann geschieht es oft, daß sogenannter religiöser Wahnsinn den
Widerstrebenden befällt. Dieser Wahn äußert sich manchmal so gotteslästerlich, daß sich die
Feder sträubt, ihn näher zu beschreiben oder ein Beispiel anzuführen.

Besessenheit. Wenn man die genaue Lebensgeschichte jedes Irren kennte, wieviel Irrsinn müßte
auf das Konto der Zauberei, des Hypnotismus, der Suggestion, des Spiritismus geschrieben
werden! Die moderne Wissenschaft hat den biblischen Ausdruck "Besessenheit" mit Irrsinn
vertauscht, weil sie, von ihrem erkenntnistheoretischen Materialismus befangen, die Einwirkung
böser Geistwesen auf den Menschen verneinen muß. Dadurch wird im Volk die Meinung
geweckt, Irrsinn beruhe auf einer Störung der zentripetalen Funktionen. Hinter dieser
Wissenschaftlichkeit kann sich unerkannt das grauenhafte Heer der dämonischen Geister
verbergen und mit Leichtigkeit ihr furchtbares Spiel mit den Menschen treiben.

Gewiß, es gibt viele Fälle, da primär der Irrsinn von einer Störung der zentripetalen Funktionen
herrührt, z. B. bei Sturz oder Schlag und direkter Verwundung des Gehirns. Aber bei dem weitaus
größten Teil der Irrsinnigen liegt Besessenheit zugrunde. jedenfalls ist es sehr bezeichnend, daß
es dem Irrenarzt unmöglich ist, jeden Fall genau zu klassifizieren, weil die Mannigfaltigkeit des
Irrseins, der Besessenheit zu groß ist.

Unreine Gedanken. Unzählige Menschen sind von unreinen Gedanken und schmutzigen
Phantasien völlig durchseucht. Alles, was ihre Zunge berührt, wird beschmutzt. Sie können nicht
anders, sie müssen wie das Borstentier immer im Schmutz wühlen. Vielen mag das alles
rätselhaft sein. Wir aber wissen, daß es unreine Geister gibt, die auf dem Weg der Hypnose, der
Suggestion, des Spiritismus und der Zauberei sich der Menschen bemächtigen und sie zur
Wollust, Hurerei, Sodomie, Päderastie und zu allen anderen sexuellen Perversitäten und
sadistischen Verbrechen verführen.

Lästerungen. Nicht nur unreine und andere Geister nehmen auf den von Gott verfluchten Wegen
Besitz vom Menschen, sondern auch die Lästergeister. Sie zwingen ihn, gotteslästerlichen
Gedanken nachzuhangen, heilige Dinge mit dem Geifer lästerlicher Vorstellungen zu
verunreinigen. Sie quälen und verfolgen ihre Opfer, gleich Erinnyen, bis sie vor Erschöpfung und
Verzweiflung seelisch und körperlich zusammenbrechen oder dann in ihrer überhitzten und
vergifteten Phantasie als Verbrecher enden.

Ein Evangelist erzählt:

"Ich wurde einst von einem gläubigen Mann zu seiner kranken Frau gerufen. Weinend sagte die
Frau zu mir: Herr R., Sie wissen, daß ich so gern in die Versammlungen und Bibelstunden
gegangen bin, und jetzt ist es mir, als ob ich fortwährend lästern und fluchen sollte, was ich ja nie
tat. Was ist jetzt das?' Ich sagte: So wie ich die Sache ansehe, zwingt es mich zu denken, daß
Sie Ihre Zuflucht zu einem Zauberdoktor genommen haben' was sie lebhaft bestritt. ich beharrte
darauf. Nun sagte sie: Mein Mann und ich sind nicht hingegangen; aber ein Nachbar kam und
sagte, er wolle zum X., ob er ein Mittel für unsere Kuh heimbringen solle. Wir bejahten."'

Der Bann wurde dann durch Gottes Hilfe gelöst.

Stumpfheit des Geistes. Die Stumpfheit äußert sich in der Unmöglichkeit, einer Predigt oder dem
Wort Gottes überhaupt folgen zu können. Eine kurze Zeitlang gelingt es, die Aufmerksamkeit auf
das verkündete Wort zu konzentrieren; aber dann bricht der Faden ab, und die Gedanken
schweifen in offensichtlicher Langeweile irgendwohin in die Ferne. Dazu kommt sehr oft
anhaltendes Gähnen und Schlafsucht (sofern keine körperliche Anstrengung vorliegt) oder
Verlassen des Gottesdienstes während der Predigt.

Unmöglichkeit, zum lebendigen Glauben durchzudringen. Der durch die Zauberei und den
Aberglauben auf dem Menschen lastende Bann offenbart seine furchtbare Wirklichkeit in
besonderer Weise auch dann, wenn das Wort Gottes als greller Lichtstrahl in dunkle
Sündentiefen hinableuchtet. Satan, der fürchten muß, dadurch sein Opfer losgeben zu müssen,
versucht in seiner teuflischen Art das letzte. Er reißt, wie es in Matthäus 13,19 heißt, immer
wieder das Wort Gottes hinweg, und zwar so, daß er zugleich eine unerträgliche, oft bis zum
Wahnsinn sich steigernde Unruhe und Qual hervorruft. Versucht man mit solch armen
Gebundenen zu beten, dann unterbrechen sie sehr häufig mit wilden, trotzigen Worten das Gebet
oder springen auf und wollen fliehen. Andere wieder werden von den Qualen dieser Art
satanischer Angriffe verschont, gelangen aber trotzdem nicht zum Herzensfrieden. Sie suchen
und ringen, sie beten und lesen in der Bibel. Es nützt nichts, Zweifel quälen sie; sie stehen wie
vor einer unsichtbaren Wand, die sie nicht zu durchbrechen vermögen; es ist der satanische
Bann, der sie nicht losläßt. So gibt es eine sehr große Zahl sogenannter "entschiedener" Christen
oder Gläubiger, die noch das Brandmal der Zauberei, des Aberglaubens usw. in ihrem Gewissen
tragen, die, genauer gesagt, als "Christusnachfolger" immer noch dem Aberglauben und der
Zauberei huldigen. Man möchte versucht sein, diese Dinge in Abrede zu stellen, wenn man nicht
in erschreckend häufiger Weise in die Seelenabgründe dieser Gläubigen blicken müßte, die vom
Satan in unerhört raffinierter Bosheit in ihrer Frömmigkeit geblendet werden, daß sie die Gefahr,
in der sie schweben, absolut nicht zu erkennen vermögen.

Viele Gläubige wollen sich aber trotz Warnung nicht belehren lassen. Wenn dann ein harter
Schicksalsschlag an die Tür ihres Lebens wuchtet, geraten sie außer Rand und Band. Die Sorge,
die Furcht, die Angst treiben sie ruhelos, jammernd, klagend umher. legliches Zureden ist
umsonst, jeder Trost gleitet an ihnen ab. Schlaflose Nächte wechseln mit düsteren Tagen ab. Der
Fluch des Bannes! Es ist wohl unnötig zu bemerken, daß die unter dem Bann stehenden
"Gläubigen" im Glaubensleben zur Unfruchtbarkeit verurteilt sind, und sie sind es denn auch, die
zum größten Teil das zersetzende Ferment bilden in den Gemeinschaftskreisen, Streitigkeiten
hervorrufen, das Evangelium in Mißkredit bringen und aller Welt ein Ärgernis sind.

Nach meinen Berechnungen und Erfahrungen stehen ungefähr 60 bis 70 Prozent der Bekehrten
unter einem noch nicht gelösten Bann der Zauberei oder des Aberglaubens. Eine geradezu
erschütternde Feststellung! Wer trägt da wohl die Verantwortung? Sicher in erster Linie die
Prediger des Evangeliums, die diesem so überaus wichtigen Gebiet keine Bedeutung beimessen,
weil viele von ihnen, wie auch da wiederum die Erfahrung zeigt, oft selbst irgendwie noch belastet
sind.

Da kommt eine Dame zu einem Prediger und fragt ihn, ob denn das Pendeln über Kranken zur
Feststellung der Krankheit usw. nicht etwas Gefährliches sei. Darauf meinte der Prediger, daß er
nicht glaube, daß das unerlaubt sei. Ja, im Hosea heißt es nicht umsonst: "Mein Volk geht
mangels an Erkenntnis zugrunde."

Wenige dürften wissen, daß ganze Dörfer, ja sogar ganze Landstriche unter schwerstem
satanischen Bann stehen. Es gibt Gegenden, wo jedes Haus vom Bann der Zauberei behaftet ist.
Dies erhellt, warum da und dort dem Evangelium Jesu Christi oft geradezu teuflischer Widerstand
entgegengesetzt wird.

Wir dürfen und damit möchte ich alle einsichtigen gläubigen Pfarrer und Prediger herzlich bitten,
sich diesen Tatsachen nicht ungläubig zu verschließen nicht übersehen, daß der Widersacher,
Satan, sein Reich ausbaut, und das in besonderer Weise mit dem furchtbaren Mittel der Zauberei
und des Aberglaubens. So wie Satan in der alten Welt bei den Stämmen Kanaans in Form von
Zauberei auf dem Plan war, genauso ist er auch heute noch wirksam und bringt ganze
Gegenden, Dörfer und Städte durch Aberglauben und Zauberei unter seine Hand.

All diese Tatsachen sollten die "Wächter auf Zions Mauern" aus dem religiösen Hinträumen
aufschrecken und, die große Gefahr wahrnehmend, den Kampf gegen diese verborgenen und
von Gott verfluchten satanischen Machenschaften aufnehmen lassen.
2. Körperliche Störungen

Den seelischen Störungen folgen gewöhnlich auch körperliche Störungen wie:

Chronische Kopf , Magen und Nervenleiden. Die Ärzte sind gegenüber diesen von der Zauberei
hervorgerufenen Leiden völlig machtlos. Keine Pillen allopathischer und homöopathischer Art,
keine Elektrotherapie, keine Bäder, nichts hilft, weil die satanischen Geister sich auf diese Weise
nicht vertreiben lassen.

Herzbeklemmungen und Angstzustände (sehr oft Ohnmachten). Sprachlosigkeit, Taubheit,


Fallsucht, Lähmungen. Akute Fieberzustände. Verkrümmung und Verkürzung oder Steifheit der
Glieder. Darüber schreibt Blumhardt: "Es geschah, daß Gottliebin zu einer vollkommenen
Gesundheit gelangte. Alle ihre früheren Gebrechen, die den Ärzten wohlbekannt waren, wurden
ganz aufgehoben, so die hohe Seite, der kurze Fuß, die Magenübel usw. Dabei wurde ihre
Gesundheit immer fester und dauerhafter, und jetzt steht es seit geraumer Zeit so, daß sie, in
jeder Hinsicht vollkommen hergestellt, als ein Wunder Gottes betrachtet werden kann."

Diese Aufzählung körperlicher Störungen ist ein kleiner Ausschnitt aus der ungeheuren Menge
anderer, ungezählter Möglichkeiten. Beherzigenswert ist, was Sanitätsrat Dr. Kayser, Augenarzt,
schreibt:

„Krankheit und Sünde.“

"Ein besonders wichtiges Gebiet ist das der Zaubereisünden, die wohl einen großen Teil der
Nervenkrankheiten und sonstige nervöse Zustände zur Folge haben. Näher darauf einzugehen,
geht der Kürze wegen nicht an. Ich erinnere nur daran, wie viele Menschen am Leib und
besonders an der Seele krank sind, weil sie sich dieser Sünde der Zauberei (Besprechen,
Brauchen, Spiritismus, wozu überhaupt jeder Unglaube gehört) schuldig gemacht haben. Die
meisten Ärzte haben für die Störungen des Gemütslebens, weil sie nicht bekehrt, nicht bewußt
durch das Blut Jesu versöhnt sind, kein tieferes Verständnis. Bei vielen nervösen Menschen
spielt Satan gleichsam Klavier auf den Nerven. Wir hören in unserer Zeit sehr viel von Nervosität,
und diese ist in den meisten Fällen auf ein belastetes Gewissen zurückzuführen. Hier ist
seelsorgerliche Behandlung am Platz; in vielen Fällen wird die Krankheitsmacht durch ein
demütiges aufrichtiges Sündenbekenntnis gebrochen. Eine ganz besondere Rolle spielen
satanische Mächte bei den Besessenheiten. Viele dieser Art Kranke sind in Irrenhäusern."

Lieber Leser, besinne dich darauf, ob du irgendwie dem Sündengreuel des Aberglaubens, der
Zauberei, des Spiritismus und all der von Gott verfluchten Abgöttereien gehuldigt hast oder noch
huldigst! Und wenn du dich darin schuldig weißt, so erinnere dich, wie das göttliche Urteil lautet!
Erinnere dich, daß auf alle diese Sündengreuel ewige Strafe gesetzt ist! Erinnere dich, was in
1.Chronik 10, 13-14 steht: "Also starb Saul in seiner Missetat, die er wider den Herrn getan hatte
an dem Wort des Herrn, das er nicht hielt; auch daß er die Wahrsagerin fragte und fragte den
Herrn nicht, darum tötete er ihn und wandte das Königreich zu David, dem Sohn Isais." Vergiß
nicht, daß Israel zur Hauptsache deshalb vom Angesicht Gottes verstoßen wurde, weil es in die
Sünde des Spiritismus und der Wahrsagerei und des Aberglaubens fiel! "Aber du hast dein Volk,
das Haus Jakobs, lassen fahren; denn sie treiben's mehr als die gegen den Aufgang und sind
Tagewähler wie die Philister" (Jes.2,6). Sage ja nicht: Es wird wohl nicht so gefährlich sein. Was
die Heilige Schrift als gefährlich hinstellt, das mache du nicht ungefährlich, sonst wagst du es,
Gott zu einem Lügner zu machen! Löse dich von der Sünde, von dem satanischen Bann, ehe es
zu spät ist!

Es kann auch sein, daß du als Kind von deinen Eltern zu einem Besprecher, zu einem
Wunderdoktor oder Pendler gebracht worden bist, oder man hat dir die Warzen oder das
"Ohrenmüggeli" usw. besprochen. Diese Sünde haftet dir genauso an, wie wenn du selbst mit
Willen und vollem Verantwortungsbewußtsein hingegangen wärest. Es nützt dir nichts zu sagen,
daß dich ja keine Schuld treffen könne. Wenn eine Mutter mit ihrem Kind auf dem Arm durch ein
großes Feuer geht, so wird nicht nur die Mutter den Wirkungen des Feuers ausgesetzt sein,
sondern auch das Kind, und wer sich dem satanischen Feuer der Zauberei, des Aberglaubens
nähert, sei es wissentlich oder unwissentlich, trägt Brandmale davon, kommt unfehlbar unter den
Bann und damit unter das göttliche Zorngericht.

Ich möchte es nicht unterlassen, in diesem Zusammenhang noch auf ein ganz verborgenes
Gebiet hinzuweisen, in das sicher viele nur mit leisem Frösteln hineinschauen werden.

Es gibt heutzutage scheinbar unverdächtige religiöse Strömungen und Bewegungen, in denen


viele, männlichen und weiblichen Geschlechts, beanspruchen, Führer oder Führerin zu sein.
Beim näheren Zusehen stellt es sich heraus, daß viele dieser Führer und Führerinnen unter
schwerstem Zauberbann, ja sogar unter unauffälliger Besessenheit stehen. Alle nun, die mit
diesen Führern oder Führerinnen in nähere Beziehung kommen, d.h. sich ihrem religiösen
Einfluß öffnen, kommen gewöhnlich in eine Umsessenheit hinein. Es ist dies ein Zustand, der
darin besteht, daß z.B. unreine Gedanken plötzlich wie eine Quelle aufbrechen oder daß sich
quälende Vorstellungen oder auch ein unvermittelter Anflug von Melancholie oder
ausgesprochenes Selbstbewußtsein oder hochmütige Demut oder auch eine in gewissen
Abständen wiederkehrende seelischreligiöse Hochspannung, ein Ergriffensein, eine
Begeisterung, die in immer tiefere Leere hineinführt, und viele andere Dinge sich zeigen. Dadurch
wird um den einzelnen eine Atmosphäre geschaffen, die jedes wahre, lebendige, nüchterne
Glaubensleben in Christus Jesus ausschließt. Denn gewöhnlich ist es so, daß die Umsessenen
den Ursprung ihres Zustandes gar nicht zu erkennen vermögen, bis entweder dann der
Zusammenbruch erfolgt oder die Umsessenheit zur Besessenheit wird und in Schwermut oder
Hochmut oder gar Umnachtung hineinführt.

Wie werde ich frei?

Wir wissen aus der Heiligen Schrift, daß Aberglaube, Zauberei, Spiritismus sowie alle anderen
verwandten Gruppen unter dem göttlichen Fluch stehen. Dieser Fluch wird erst in der Ewigkeit in
seiner ganzen Furchtbarkeit eingelöst. Arme Menschen, die Sturm ernten müssen, weil sie Wind
säten! Arme Menschen, an denen sich das Wort Offenbarung 21, 8 erfüllt: "Der Verzagten aber
und Ungläubigen und Greulichen und Totschläger und Hurer und Zauberer und Abgöttischen und
aller Lügner, deren Teil wird sein in dem Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der
andere Tod."

Gott sei Dank, gibt es ein Mittel, das jedermann von dem satanischen Bann befreit, wenn er sich
befreien lassen will. Am Fluchholz auf Golgatha triumphierte der eingeborene Sohn Gottes, Jesus
Christus, über die satanischen Gewalten, und durch seine glorreiche Auferstehung von den Toten
hat er uns die Bahn in die ewige Herrlichkeit frei gemacht. Jesus hat uns erlöst durch sein
heiliges Blut von aller Sünde (Röm. 3,25; Eph. 1,7; Kol. 1,14; 1,20; 1.Joh.1,7; Hebr. 9, 14 u. a.),
auch von der Sünde des Aberglaubens und der Zauberei.

Willst du nun frei werden von deiner Gebundenheit, von dem Bann, der auf dir lastet, d. h. willst
du dem zukünftigen göttlichen Zorn entfliehen, dann ist es nötig, daß du

1. den Greuel, den du getrieben hast, als Sünde erkennst und bekennst. Vermeide alle
Winkelzüge der Selbstentschuldigungen: "Ich kann nichts dafür, ich tat es unwissentlich, man hat
mir so geraten" usw. Es steht geschrieben: "Wenn jemand etwas Unreines anrührt, es sei ein Aas
eines unreinen Tieres oder Viehs oder Gewürms, und wüßte es nicht, der ist unrein und hat sich
verschuldet" (3. Mose 5, 2).

Ich möchte dich noch auf eine besondere satanische Taktik aufmerksam machen. Du kannst
unter einem mehrfachen Bann stehen und dich möglicherweise an keine deiner Zaubereisünden
erinnern. Sage deshalb nicht, dag bei dir alles in Ordnung sei, wenn du dich vorderhand an nichts
Derartiges erinnern kannst! Satan will eben den Schleier der Vergessenheit darüber¬ werfen,
damit du nicht zur Buße kommst und du weiter in dem unerlösten Zustand bleibst.

Wie oft kommt es vor, daß Menschen, die behaupten, sich weiter an nichts zu erinnern, später,
unter der Einwirkung des Heiligen Geistes, ganze Register von Aberglauben, Sympathie und
Zaubereisünden aufzuzählen wissen.

Jesus ist treu! Wer loskommen will von diesen Sündengreueln, dem deckt er auch die
verborgensten und unverdächtigsten Sünden auf, damit sie ans Licht kommen und unschädlich
gemacht werden.

2. Fliehe mit deinem Sündenbekenntnis zu deinem Erlöser Jesus Christus, der dir alle deine
Sünden vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich
krönt mit Gnade und Barmherzigkeit!

3. Laß dich von dem kostbaren Blut des Gekreuzigten reinigen! Merke dir aber: Solange du dich
jesus nicht vollständig auslieferst und solange du Satan noch irgendwo und sei es die
unscheinbarste Handhabe bietest, kann dich das Blut Jesu nicht reinigen und nicht schützen.

4. Entsage allem, und zwar gründlich, was dich unter den Bann gebracht hat! Die Traumbücher
und Zauberbücher verbrenne, die Wahrsagerspiegel, Kristalle, Psychographen, Horoskope,
Amulette, Hufeisen usw. vernichte*!

(* Es gibt Missionsgesellschaften, die von ihren Missionsfeldern Gegenstände der Zauberei


sammeln, um sie in Europa in Wanderausstellungen in Städten und Dörfern aufzulegen. Man
sollte so etwas nicht für möglich halten; denn das Sammeln und die Schaustellung solcher
Gegenstände ist vor dem Herrn ebenso ein Greuel wie die Zauberei. Siehe 5. Mose 7, 25. 26:
"Ihre geschnitzten Götzenbilder sollt ihr mit Feuer verbrennen; du sollst nicht nach dem Silber
und Gold, das sich an ihnen befindet, Verlangen tragen und es nicht für dich hinnehmen, damit
du dadurch nicht ins Verderben gerätst; denn es ist ein Greuel für den Herrn, deinen Gott. Und du
sollst einen solchen Greuel nicht in dein Haus bringen, um nicht gleich ihm dem Banne zu
verfallen; du sollst es vielmehr mit Ekel verabscheuen und für etwas Greuelhaftes halten; denn es
ist dem Banne geweiht."
Merkwürdigerweise gibt es Gläubige, die sagen, daß dies ja ein alttestamentliches Gebot sei,
somit im Neuen Bund keine Gültigkeit mehr habe. Wirklich? Gewiß, es gibt alttestamentliche
Vorschriften, die im Neuen Bund ihre Gültigkeit verloren haben. Auf keinen Fall aber hat das
Verbot der Zauberei nur alttestamentliche Gültigkeit; denn Satan im Alten Testament ist derselbe
auch im Neuen Testament. Apostelgeschichte 19,18 und Offenbarung 21, 8; 22,15 zeigen
unmißverständlich, wie sehr 5. Mose 7, 25-26 heute noch nachgelebt werden soll.
Wer einmal im Britischen Museum in London jene Säle durchwandert hat, in denen die vielen
Zaubereigegenstände aus allen Erdteilen ausgestellt sind, wird mit einem leisen Frösteln ahnen,
warum Gott die Vernichtung aller Zaubereigegenstände fordert.)

Siehe 5. Mose 13, 18: "Und laß nichts von dem Bann an deiner Hand hangen, auf daß der Herr
von dem Grimm seines Zorns abgewendet werde und gebe dir Barmherzigkeit und erbarme sich
deiner!" Und weiter Apostelgeschichte 19,19: "Viele aber, die da vorwitzige Kunst getrieben
hatten, brachten die Bücher zusammen und verbrannten sie öffentlich." Trenne dich auch von
den Freundschaften, die du auf deinem Irrweg gefunden hast! Juda 23: "Hasset auch den Rock,
der vom Fleisch befleckt ist!"

Nach einem Vortrag in G. wurde ich von einer Familie zum Tee eingeladen. Das Gespräch wurde
bald auf das Gebiet der Zauberei und des Aberglaubens gelenkt. Die Hausfrau bekannte dann
unvermittelt, daß sie von einem "Doktor" Plus und Minuspillen gekauft habe. Ich ließ mir dieses
geheimnisvolle Schächtelchen reichen, und sofort stelle ich fest, daß es sich um schlimmen
Aberglauben handelte. Der Deckel des Pillenschächtelchens war mit dem Pentagramm
(Drudenfuß) versehen.

Nachdem ich die Familie von der Gefährlichkeit dieses Mittels überzeugt hatte, nahm ich das
Schächtelchen mit, um die Pillen am Morgen zu vernichten. Um Mitternacht kam ich nach Hause.
Meine Frau schlief schon. Am Morgen klagte sie mir, sie hätte einen sehr beunruhigenden Traum
gehabt. Immer sei vor ihren Augen ein merkwürdiges Zeichen aufgetaucht und hätte sie
geängstigt. Mir blitzte etwas durch den Kopf. Ich zeigte ihr das Pentagramm auf dem
Pillenschächtelchen, und überrascht und ganz benommen sagte sie: "Genau dieses Zeichen hat
mich so beunruhigt."

Dieses Beispiel zeigt so deutlich, wie wichtig es ist, daß alle Mittel und Gegenstände, die mit
Sympathie oder Zauberei im Zusammenhang stehen, vernichtet werden müssen.

5. Weise in deinem Geist alles Satanische zurück! Sag es laut, sag es in Gedanken, sag es im
Gebet, daß du mit Satan nichts mehr zu tun haben willst, daß du alles aufs bestimmteste
abweisest, das dich weiter in dem Bannkreis der Finsternis zurückhalten könnte! Treibe die
Dämonen im Namen Jesu aus deinem Leibe aus!

6. Suche, wenn du dir nicht zu helfen weißt, einen erfahrenen Seelsorger auf! Gehe nicht zu
Mietlingen, die dich beruhigen! Du wirst sonst mitsamt dem blinden Blindenleiter verlorengehen.

Im "Helmbrechtser Anzeiger" in Oberfranken erschien folgende öffentliche Erklärung:

"Ich erkläre hiermit in aller Öffentlichkeit einer werten Einwohnerschaft von Rodeck und der
näheren und weiteren Umgebung, daß ich selber von Lügen- und Finsternismächten irregeleitet
alle, die zu mir kamen, um aus den Karten die Zukunft zu erfahren, jahrelang belogen und
betrogen und leider auch mit in den Bannkreis dieser Mächte verstrickt habe.

Durch wunderbare Gottesfügung bin ich zur Erkenntnis meines Irrtums gekommen, habe mich
durch die Kraft des auferstandenen, zur Rechten Gottes erhöhten und durch seinen Heiligen
Geist gegenwärtigen Heiland Jesus Christus von diesen dunklen Mächten losgesagt, von
meinem sündigen Tun und Treiben abgelassen und will nun meinem Retter, ja ihm allein dienen.

Ich bitte all die lieben Irregeführten von ganzem Herzen, mir zu verzeihen und wünsche ihnen,
daß der liebe Heiland auch ihnen gnädig sei und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen lassen
möge, damit auch sie es am eigenen Herzen erfahren dürfen.

Rodeck, den 5. Februar 1932

sig. Frau Henriette Hohenberger."

So wird dich Jesus Christus befreien und dir vergeben, wie er dieser Frau geholfen hat, wenn du
Jesus vertraust; denn

Jesus ist Sieger!

Er wird dich erlösen aus den Banden Satans, wenn du dich aufmachst und zum Kreuz flüchtest.
Fürchte dich nicht, wenn dich bei der Erkenntnis deines wahren Seelenzustandes Verzweiflung in
noch tiefere Finsternis stürzen möchte! Jesus hält dich und will dich aus der Nacht zum hellen
Licht seiner Gnade führen. Blick mutig vorwärts, aufwärts, bis die Fesseln fallen und dein Geist
sich aus den Niederungen teuflischer Verführung emporschwingt in die herrliche Freiheit der
Kinder Gottes und du dereinst zu jener großen Schar gezählt werden kannst, die ihre Kleider hell
gemacht haben im Blut des Lammes!

Ich möchte dich, der du wirklich von dem Bann gelöst werden willst, noch auf folgende wichtige
Tatsache aufmerksam machen. Hast du nicht bemerkt, wie du beim Lesen dieser Schrift innerlich
unruhig, voll Auflehnung geworden bist und wie du nur mit großer Mühe und etlichen
Hindernissen zu Ende lesen konntest? Wundere dich nicht, wenn du nun unter Angstgefühlen,
Herzklopfen, Übelkeit, Müdigkeit, Fieber, Gemütsdepressionen usw. leidest! Das alles sind
Angriffe Satans, damit du diese Schrift unzufrieden beiseite legst oder gar zerreißest, um im alten
verlorenen Zustand zu verharren.

Da kam einst nach einer Evangelisation eine Frau zu einer Unterredung. Schon ihr Äußeres
verriet auf den ersten Blick Besessenheit. Im Verlauf der Unterredung wurde dann ein vielfacher
Bann offenbar. Es wurde ihr erklärt, daß sie unter einem satanischen Bann stehe, daß aber
Jesus gekommen sei, auch sie völlig zu erlösen. Einige Tage später wird dem betreffenden
Pfarrer mitgeteilt, sie sei derart erkrankt, daß sie nicht mehr in die Sprechstunde kommen könne
und wolle.

Auf diese Art versucht es Satan, seine Opfer in seiner Gewalt zu behalten. Ich bitte dich deshalb
dringend, lag dich nicht durch solche Manöver von deinem Vorhaben und Wunsch, von dem
Bann gelöst zu werden, abwendig machen! Denke daran Jesus ist Sieger! Wenn es auch durch
viele und schwere Kämpfe geht und du glaubst, darin untergehen zu müssen, so wisse: Jesus
hält dich und führt dich zum herrlichen Durchbruch. Er löst den Bann, daß du frei wirst!

René Monod

Seelsorgerliche Erfahrungen mit dem 6. und 7. Buch Mose

Historisches

Es wurden mir in den letzten zwanzig Jahren von Beichtenden viele Exemplare dieses Buches
ausgehändigt. Die älteste mir ausgelieferte Ausgabe stammte aus dem Jahr 1503. Im Vorwort
stand, daß das Original im Vatikan in Rom liege und daß der Druck dieses Buches unter dem
Protektorat eines Papstes erfolgt sei. Diese zweifelhaften Angaben wären erst noch auf den
Wahrheitsgehalt nachzuprüfen. Eine andere Auflage des berüchtigten Zauberbuches enthält im
Vorwort die Notiz, daß ein Erfurter Mönch diese magischen Sprüche gesammelt habe. Die
einzelnen Auflagen der letzten 400 Jahre weichen im Inhalt stark voneinander ab.

Im 19. Jahrhundert wurde das 6./7. Buch Mose mit Teilen eines französischen Zauberbuches
"Der feurige Drache" vermischt. Dieses französische Buch soll Ende des 17. Jahrhunderts nach
einer Handschrift aus dem Jahr 1522 gedruckt worden sein. Nach der französischen Revolution
1789, die Gott entthronen und die Göttin der Vernunft inthronisieren wollte, wurde der "Feurige
Drache" die unheimliche Ersatzbibel der magischen Zirkel in Frankreich. Wir haben hier die
häufige religionsgeschichtliche Erscheinung: Wer den lebendigen Gott verwirft, verfällt dem
Teufel. Der Gottesglaube wurde abgelöst durch einen gräßlichen Teufelsdienst. Nach der
bruchstückhaften Verschmelzung dieser beiden magischen Bücher kam das Doppelbuch teils
unter dem Namen „Der feurige Drache“ oder „6./7. Buch Mose“, teils unter dem Sammeltitel
„Magisch-sympathetischer Hausschatz“ heraus.

Der Titel „6./7. Buch Mose“ ist ein Pseudonym, ein lügnerischer Deckname. Mose hat mit diesen
Zaubersprüchen nichts zu tun. Die Zauberer haben lediglich Mose seit seinem siegreichen Kampf
mit den ägyptischen Magiern (2. Mose 6-8) zu ihrem Schutzherrn und Meister erklärt. Das ist eine
teuflische Verkennung der prophetischen Ausrüstung dieses alttestamentlichen Gottesmannes.
Das 6./7. Buch Mose wurde in den letzten Jahren wieder neu aufgelegt. Vor allem hat ein
Braunschweiger Verlag den traurigen Ruhm, dieses schreckliche Zauberbuch verbreitet zu
haben. Es sind mir Exemplare, die in Form und Aufmachung dem Neuen Testament ähnlich sind,
ausgehändigt worden.
Die Verbreitung des Buches

In den letzten Jahren habe ich Aufklärungsvorträge über die Gefahren des Okkultismus im
ganzen deutschsprachigen Raum gehalten, also in Deutschland, in der Schweiz, in Österreich, im
Elsaß und Saargebiet. Ferner war ich in deutschen Auslandsgemeinden in Spanien, Italien, auf
dem Balkan, in England und in den skandinavischen Ländern. In allen Ländern Europas ist eine
mannigfaltige okkulte Literatur zu finden. Das 6./7. Buch Mose existiert in allen
deutschsprachigen Teilen unseres Kontinents. Besondere Verbreitungsgebiete fand ich bei etwa
siebzig Vortragswochen in der Schweiz in den Kantonen Appenzell und St. Gallen (Toggenburg),
ferner in Graubünden. Darüber hinaus findet sich dieses Zauberbuch in geringerer Verbreitung in
fast allen übrigen Teilen der Schweiz. Das 6./7. Buch Mose findet sich dann weiter in großer Zahl
in den österreichischen Alpentälern, ferner im Elsaß und in Lothringen. In Deutschland sind die
Hauptgebiete der Hochschwarzwald, die Schwäbische Alb, die bayerischen Alpentäler, die
deutschen Mittelgebirge, die Lüneburger Heide, Mecklenburg und Schleswig-Holstein. Genau wie
in der Schweiz findet sich das Buch in geringer Verbreitung in allen übrigen deutschen Gebieten.
In neuen Industriesiedlungen wird das Buch selten angetroffen. Die volksdeutschen Siedlungen
auf dem Balkan waren mit dem Buch total verseucht. Die in Deutschland zugewanderten Siedler
pflegen heute noch dieses magische Brauchtum.

Inhalt

Ausführliche Inhaltsangaben sind hier nicht erforderlich und auch nicht ratsam. In dem Buch
werden Anweisungen gegeben, wie der Mensch mit dem Teufel in Verbindung kommen könnte.
Es finden sich Sprüche über magische Verfolgung und magische Abwehr, es finden sich Formen
des Rachezaubers, Krankheitszaubers, Todeszaubers, Fruchtbarkeitszaubers, Liebeszaubers
und anderes mehr. Viele Sprüche haben auch zur Tarnung religiöses Beiwerk. Denen, die
studienhalber das Buch lesen und aufbewahren wollen, sei gesagt, daß im Buch 6, Kap. 6 den
Lesern und Besitzern des Buches der besondere Schutz Satans verheißen ist.

Beispiele

Es folgen hier einige Beispiele aus meiner Kartei. Sie sind beliebig herausgegriffen und können
noch um viele vermehrt werden.

B 1 Ein Mann arbeitete jahrelang mit dem 6./7. Buch Mose. Auch die Frau beteiligte sich an der
okkulten Praxis. Die Nachkommen dieser Familie haben nervöse und seelische Störungen. Eine
Tochter hat das Gefühl, als ob zwischen Gott und ihr eine Mauer sei. Sie wandte sich Christus
zu, erlebte aber keine völlige Befreiung aus ihren seelischen Nöten. Eine Enkelin aus dieser
Familienreihe wurde Diakonisse. Auch sie empfand eine Wand zwischen Gott und sich und
wurde gemütskrank. Der Chefarzt einer psychiatrischen Klinik erklärte dieser Diakonisse: "Ihre
Krankheit paßt nicht in die psychiatrischen Krankheitsbilder."

B 2 Eine Mutter besaß einige kräftige Sprüche zur Beseitigung von Warzen und Hautkrankheiten.
Sie wandte ihre Kunst bei den eigenen Kindern an. Ihre Kinder sind belastet. Eine Tochter wurde
schizophren, die Mutter selbst leidet unter Lästergedanken und Schwermut. Bei der Frage, wo sie
ihre okkulten Künste gelernt habe, gab sie zur Antwort, ihr Mann hätte das 6./7. Buch Mose mit in
die Ehe gebracht. Von dieser Zeit an hätten sich in ihrem Leben Dinge gezeigt, von denen sie
vorher nichts gewußt hätte. Die Frau ließ sich den Weg zu Christus zeigen und wurde tatsächlich
frei. Am Tag nach ihrer Bekehrung war in ihrer Wohnung ein ungeheurer Rumor. Es krachte und
klopfte, als ob das ganze Haus voll böser Geister wäre. Die Mutter selbst ist nun durch die Gnade
Gottes frei geworden. Ihre Kinder sind aber noch mit diesen okkulten Mächten behaftet.

B 3 Ein Mann erlernte mit Hilfe des 6./7. Buches Mose die schwarze Magie. Er betrieb sowohl
magische Verfolgung als auch magische Abwehr. Seine magischen Praktiken unterstützte er
durch Symbolhandlungen. Gegen Verfolgungen meinte er sich dadurch schützen zu können, daß
er ein offenes Messer in einen Tisch schlug. Seine Feinde versuchte er dadurch zu plagen, daß
er Urin in einer Flasche verschloß und dabei einen magischen Spruch murmelte. Seine Feinde
sollten dadurch kein Wasser mehr lassen können.

B 4 Ein Mann betrieb jahrelang mit dem 6./7. Buch Mose die schwarze Kunst. Kurz vor seinem
Tode übergab er seinem ältesten Sohn dieses Buch und unterwies ihn in den magischen
Spielregeln. Der Sohn führte das dunkle Gewerbe seines Vaters weiter. Von der dritten
Generation an waren alle Nachkommen mit Schwermut behaftet. Die beiden Töchter des
Schwarzmagiers und alle Enkel waren depressiv veranlagt.

B 5 Ein Mann beschäftigte sich jahrelang mit dem 6./7. Buch Mose und machte Experimente auf
dem Gebiet der schwarzen Magie. Die Auswirkungen dieser schwarzen Kunst sind im Haus und
an den Nachkommen offensichtlich. Viele Jahre lang wurden in dem Haus von allen Bewohnern
Klopfzeichen gehört. Nachts rumorte und krachte es, so daß es denen unheimlich wurde, die in
diesem Haus nächtigen mußten. Die Nachkommen dieses okkulten Praktikers sind charakterlich
anormale Menschen. Der Sohn war ein brutaler, jähzorniger Mann, der seine erste Frau zu Tode
drangsalierte. Auch die zweite Frau plagte er jahrelang ganz unmenschlich. Er ist ein rabiater
Tyrann, der auch mit den Kindern unheimlich grob und handgreiflich umgeht. Die Kinder haben
alle vor ihrem zwanzigsten Lebensjahr wegen ihres Vaters das Haus verlassen. Die fleißige,
brave Frau macht unter diesem Mann ein Martyrium durch.

B 6 Ein Mann beschäftigte sich sein ganzes Leben lang mit dem 6./7. Buch Mose und trieb damit
schwarze Magie. Die Wohnung und die Familie dieses Mannes sind eine Stätte der Unruhe und
des Unfriedens. Der okkulte Praktiker starb einen fürchterlichen Tod unter schrecklichen
Schmerzen und Verbreitung eines durchdringenden Gestankes. Seine Frau vergiftete sich und
starb ebenfalls unter gräßlichen Schmerzen. Der eine Sohn starb in jungen Jahren. Die Tochter
ist in schweren seelischen Nöten. Sie ist als Erwachsene noch Bettnässerin, leidet hartnäckig
unter sexuellen Nöten und ist in ihrem Seelenleben zerrüttet. Das Haus dieser Familie ist
heimgesucht von Spukphänomenen. Es lassen sich im Haus Klopfzeichen und Klappergeräusche
hören. Auch zeigen sich nachts Wiedergänger.

B 7 Eine Frau wollte auf dem Sterbebett dem ältesten Sohn das 6./7. Buch Mose geben. Der
Sohn lehnte ab. In der Nachkommenschaft dieser Frau, die sich jahrelang mit der schwarzen
Magie befaßt hatte, fanden sich viele psychisch anormale Familienmitglieder. Schwermut,
Streitsucht, Jähzorn und andere extreme Veranlagungen gehören zum seelischen und
charakterlichen Bild der Nachkommenschaft.

B 8 In einer Bauernfamilie besaß der Großvater das 6./7. Buch Mose und trieb damit seine
magischen Künste. Sämtliche Nachkommen von ihm sind anormal. Zwei Töchter laufen dauernd
zu den Wahrsagern und haben beide seelische Störungen. Als der alte Schwarzmagier starb,
zeigten sich im Hause Spukphänomene. Es wurde im Haus immer wieder ein Mann ohne Kopf
beobachtet. Auch in der Enkelreihe zeigten sich verschiedene Störungen. Ein Enkel fiel nachts
immer aus dem Bett. Man ließ sich einen magischen Abwehrzauber geben, und das Kind blieb
von dieser Zeit an in seinem Bett. Andere Enkel des Magiers sind kleptomanisch und sexuell
verwildert. Ein Urenkel des Besprechers hat jetzt schon, im Alter von vierzehn Jahren, nervöse
Störungen.

B 9 In einem Haus wurde jahrelang das 6./7. Buch Mose aufbewahrt und gebraucht. Die Kinder
aus diesem Haus sind alle nicht normal. Eine Tochter ist depressiv. Ein Sohn ist Trinker und ein
sexuell zügelloser Mensch.

B 10 Ich kenne vier Pfarrer, die das Zauberbuch 6./7. Buch Mose aufbewahren, ferner einen
Gemeinschaftsprediger und einen Adventistenprediger, die ebenfalls zu ihrer Orientierung dieses
Buch im Bücherschrank stehen haben. Merkwürdig ist die Beobachtung, daß Reichgottesarbeiter,
die derartige Literatur im Bücherschrank aufbewahren, gewöhnlich eine geistlich tote Gemeinde
haben.
B 11 Der Prediger einer Gemeinschaft arbeitet mit großer Mühe. Er ist dafür bekannt, daß er eine
ganz lahme und geistlich tote Gemeinschaft betreut. Nach einem Aufklärungsvortrag über das
okkulte Gebiet bekannte dieser Prediger, daß er sich seit Jahren mit der okkulten Literatur
beschäftige und alle Zauberbücher, auch das 6./7. Buch Mose, aufbewahre.

B 12 Eine Kindergottesdiensthelferin pflegte jahrelang das Tischrücken. Ferner


beschäftigte sie sich mit dem 6./7. Buch Mose und besprach Krankheiten. Durch die Seelsorge
erfuhr ich, daß viele Menschen aus ihrem Bekanntenkreis von ihr okkult belastet wurden.

B 13 Ein junger Bauer übernahm 1946 den väterlichen Hof. Im Herbst des gleichen
Jahres gingen alle seine Schweine zugrunde. Da vom Tierarzt keine Todesursache festgestellt
werden konnte, schickte der Bauer ein ganzes Schwein zur Untersuchung an das tierbiologische
Institut in Zürich. An dem toten Tier wurden sämtliche Giftproben, die es gibt, vorgenommen. Das
Institut erzielte kein Ergebnis. Die Todesursache der Tiere blieb ungeklärt. Als im
darauffolgenden Jahr wieder schlagartig im Herbst die Tiere eingingen, machte der Bauer noch
größere Anstrengungen, die Todesursache zu klären. Die Ställe wurden überprüft, das Futter
wurde untersucht, die toten Schweine wurden wieder untersucht. Alle Bemühungen blieben
erfolglos. Daraufhin ließ er den Schweinestall abbrechen und an einem anderen Ort mit neuem
Holz wieder aufbauen. Im dritten Jahr gingen die Schweine in der gleichen Weise ein. Die Tiere
schrien plötzlich auf und fielen dann um. Alle Untersuchungen wiederholten sich. Der Bruder des
geschädigten Bauern verfütterte das übriggebliebene Futter, ohne daß seine Schweine daran
eingegangen wären. Man machte von verschiedenen Seiten den Bauern darauf aufmerksam: "Du
mußt einen Feind haben, der deine Tiere magisch plagt und umbringt." Der geschädigte Bauer
lehnte diesen Hinweis zunächst als baren Unsinn ab. Er ließ sich vom Tierarzt beraten, der bei
dieser Häufung der Unfälle keine Hilfe mehr wußte. In der Frage der Magie wandte sich der
Geschädigte an den Ortspfarrer, der ihn glatt auslachte mit der Bemerkung: "Das gibt es nicht."
Einige Dorfgenossen wiesen den Bauern darauf hin, daß es im Kanton Toggenburg
Schwarzkünstler gäbe, die ebenfalls Schweine, Rinder und Pferde auf magische Weise töten
könnten. So ging das Jahr um Jahr. Der Bauer sicherte seine Ställe durch doppelte Schlösser. Er
spannte nachts einen schwarzen Faden um das Haus, um zu sehen, ob sich irgend jemand einen
Zutritt zum Haus verschaffte. Die Ställe waren hygienisch vorbildlich eingerichtet. Das Futter
wurde sorgfältig kontrolliert, die Tierrassen zur Aufzucht wurden immer wieder gewechselt. Alles
Bemühen hatte stets den gleichen Erfolg. Im Herbst, ferner vor hohen Festtagen wie
Weihnachten und Ostern, gingen jedesmal die Schweine schlagartig ein.

Eines Tages nahm diese mysteriöse Angelegenheit eine seltsame Wendung. Der Ortspfarrer
suchte den Bauern auf und bat ihn, er möchte zu einer Unterredung zu ihm kommen. Sein
Nachbar, der im Dorf einen schlechten Ruf hatte, habe ihm etwas gebeichtet und wolle nun in
Gegenwart des Bauern die Beichte wiederholen und ihn um Verzeihung bitten. Die drei Männer
saßen in der Studierstube des Pfarrers zusammen. Da beichtete der übelbeleumundete Nachbar
des Bauern, daß er mit Hilfe der schwarzen Magie die Schweine des Bauern jedes Jahr getötet
habe. Inzwischen waren es zweiunddreißig Schweine, die auf diese seltsame Weise
umgekommen waren. Der Bauer war darüber empört und fragte ihn, warum er denn das getan
hätte. Der Nachbar erklärte: "Ich habe mich immer geärgert über deine Kinder, die in der Nähe
meines Hauses solchen Lärm machen." Der Pfarrer fragte noch den Beichtenden, wie er denn
das eigentlich bewerkstellige. Auf diese Frage berichtete der Übeltäter folgendes. Als junger
Mensch hatte er sich verschiedene Zauberbücher, vor allem das 6./7. Buch Mose beschafft. Er
studierte diese okkulte Literatur eifrig und erfuhr daraus von den sogenannten Teufelsbündnissen
oder Teufelsverschreibungen. Schließlich trug er sich mit dem Wunsch, dieses merkwürdige
Experiment einmal auszuprobieren. Er begab sich in einer Freitagnacht zwischen zwölf und ein
Uhr an eine Kreuzstraße und verschrieb sich mit seinem eigenen Blut dem Teufel. Er erklärte, es
wäre zwischen ihm und Satan ein regelrechter Vertrag abgeschlossen worden. Bei dieser
Begebenheit hätte er den Teufel leibhaftig gesehen, aber nicht in der mittelalterlichen Vorstellung
mit Hörnern, Schwanz und Bockfüßen, sondern als schwarzgelockte Gestalt mit blutroten Augen
und einer kleinen Schnauze. Im übrigen aber wäre er elegant schwarz in altertümlichem Stil
gekleidet gewesen. Von diesem Tag an besaß der gelehrige Schüler des 6./7. Buches Mose als
Vertragspartner des Teufels okkulte Fähigkeiten, die er bei der Tötung der zweiunddreißig
Schweine angewandt hätte. Der Pfarrer fragte dann den Beichtenden noch, warum er denn jetzt
sein Gewissen entlastet habe. Er erhielt zur Antwort, der Nachbar hätte ihm jahrelang so viel
Gutes getan, daß er darüber beschämt wäre. Er versprach dann auch, in Zukunft den Bauern mit
diesem Stallspuk zu verschonen. Von einer Anzeige stand der Bauer ab, da es ja ohnehin zu
einer derartigen Verhandlung keine juristischen Anhaltspunkte gibt. Von der Zeit der Beichte an
ging dieser magisch befähigte Nachbar ein halbes Jahr in die Kirche. Während dieser Zeit gingen
dem Bauern keine Schweine mehr ein. Nach einem halben Jahr wurde der Beichtende wieder
rückfällig, fing wieder an zu trinken und mied die Kirche. Vor dem Buß- und Bettag gingen dann
dem Bauern wieder zwei Schweine ein in der gleichen Art wie früher. Im Dorf ist bekannt, daß
dieser magisch arbeitende Mann, der noch im Besitz von Zauberbüchern ist, mit denen er die
schwarze Magie betreibt, nicht nur die Fähigkeit der magischen Verfolgung besitzt, sondern auch
die Fähigkeit, sich auf magischem Wege durch spiritistische Apporte Geld zu verschaffen. Zur
Überprüfung dieses Falles sei vermerkt, daß die Bescheinigung für die Untersuchung der
Schweine im tierbiologischen Institut Zürich vorliegt. Ferner bestätigten die beiden Ortspfarrer, in
deren Gegenwart die Beichte geschah, diesen Vorfall. Auch der Tierarzt gab im persönlichen
Gespräch zu, daß er mehrmals solche Schweine auf die Todesursache untersucht, aber nichts
gefunden hätte. Er vermutete ebenfalls magische Zusammenhänge. Ich selbst besitze den
Bericht des geschädigten Bauern, der meinen seelsorgerlichen Rat suchte.

Inzwischen habe ich den Bauern noch einmal besucht. In Gegenwart des jetzigen Ortspfarrers
erklärte der Bauer, daß er meinen vor zwei Jahren gegebenen Rat befolgt hätte. Sowohl seine
Frau als auch er selbst haben sich mit der ganzen Familie zur Nachfolge Jesu entschlossen. In
dem Haus wurde ein Gebetskreis eingerichtet, der seit zwei Jahren regelmäßig zusammenkam.
Seit dieser Zeit hörte das Schweinesterben auf. So hat also auch hier Christus den Sieg über die
dunklen Mächte davongetragen.

Probleme und Hinweise

Die Ausbeute dieser Beispiele ergibt eine Fülle von Hinweisen, die nur in Form einer Skizze
angedeutet werden können.

Psychologisches. Der abergläubische und magisch arbeitende Mensch, der an seine okkulten
Praktiken glaubt, erliegt einem Erfüllungszwang. Unbewußt erfüllt er selbst, was er mit seinen
magischen Manipulationen erzwingen will. Er ist das Opfer einer Autosuggestion, wenn man
keine weiteren Zusammenhänge anerkennen will. Zumindest hat also das okkulte Brauchtum
einen verderblichen, suggestiven Charakter.

Parapsychologisches. Die Beispiele weisen aber auch auf einen objektiv feststellbaren
Tatbestand hin: daß mit der schwarzen und weißen Magie, wie sie im Zusammenhang mit dem
6./7. Buch Mose geübt wird, auch Beeinflussungen anderer Menschen erreicht werden, die mit
dem suggestiven Weg nicht mehr erklärt werden können. In diesem Zusammenhang sei darauf
hingewiesen, daß die Humbugtheorie, die von vielen Rationalisten wie z. B. Dr. Gubisch und an
manchen Stellen auch von Lehrer Kruse vertreten wird, nach meiner Kenntnis der Dinge nicht
haltbar ist. So einfach liegen die Probleme nicht.

Psychiatrisches. In Familien, die mit dem 6./7. Buch Mose experimentieren, treten in einer
enormen Häufung Geisteskrankheiten, Gemütserkrankungen und andere seelische und nervöse
Störungen auf. Die Psychiater sind gewöhnlich der Meinung, daß hier Ursache und Wirkung
verwechselt werden. Ursache sei die krankhafte seelische Konstitution des Menschen, Folge sei
das magische Experimentieren. Die Seelsorge an Tausenden von okkult arbeitenden Menschen
zeigt aber auch die umgekehrte Reihenfolge. In vielen Fällen läßt sich die Magie als Ursache
oder wenigstens als auslösendes Moment für seelische Störungen nachweisen. Dieser
Tatbestand wird auch von einigen christlich gläubigen Psychiatern anerkannt, z. B. von Dr.
Lechler, dem Chefarzt der Kuranstalt Hohe Mark. Auch Prof. Dr. Bender in Freiburg kennt die
sogenannte mediumistische Psychose.

Christlich Religiöses. Die Magie schafft eine Abwehr gegen alles Biblische, die sogenannte
Resistenz. Auch die weiße Magie zeigt keinen anderen Tatbestand. Im Grunde genommen ist
magisches Experimentieren und die daraus entstehende okkulte Belastung ein religiöses
Phänomen. Psychologische und psychiatrische Kategorien werden diesem religiösen
Erscheinungsbild nicht gerecht. Nach biblischer Auffassung stehen hinter der Anwendung der
Magie - ganz gleich, ob sie unter der schwarzen, weißen oder neutralen Flagge segelt -
dämonische Kräfte. Dieser Tatbestand ist nicht beweisbar, so wenig wie sich die Existenz Gottes
oder des Teufels mathematisch beweisen läßt. Es liegen aber für den dämonischen Sachverhalt
der Magie sehr ausgeprägte Merkmale und Hinweise vor.

Juristisches. Im Bereich der Magie ereignen sich viele Vergehen und Verbrechen. Die Beichte
offenbarte mir schon oft grauenvolle Dinge. Leider sind solche Tatbestände juristisch kaum zu
erfassen, da man in metaphysischen Dingen mit naturwissenschaftlichen Beweisführungen nicht
zum Ziel kommt. Man ist vielfach auf die in der Magie sich zeigenden Häufigkeitsbeziehungen
und auf die drastischen Hinweise angewiesen. Das Prinzip der einfachen Kausalität
(Ursächlichkeit) liegt fast nirgends juristisch erfaßbar vor.

Psychohygienisches. Im Interesse der seelischen Gesundheit unseres Volkes wäre es


wünschenswert, daß in unserem Volk die magische Literatur verschwindet. Das ist allerdings
kaum durchführbar, da viele Bauernfamilien handgeschriebene okkulte Bücher besitzen. Viele
magische Besprechungsformeln werden sogar nur mündlich von Generation zu Generation
weitervererbt. Auf jeden Fall wäre damit ein Anfang zu machen, daß Neudrucke, wie sie in
Braunschweig und Pfullingen und an anderen Plätzen geschehen, nicht mehr möglich sind.
Ferner müßten auch Berufsgruppen, die sich besonders mit der Magie befassen, besser
überwacht werden. Dazu gehören viele Heilpraktiker, Magnetopathen, Magnetiseure, Naturärzte,
Hellseher, Wahrsager, Pendler und andere. Nach den Erfahrungen bekannter Seelsorger
arbeiten diese Berufsgruppen zu 90 % auf okkulte, magische Art. Die seelische Schädigung
unseres Volkes durch die Magie ist unübersehbar.

Gegenüber der okkulten Verseuchung unseres Volkes und der europäischen Länder mit dem
6./7. Buch Mose erwächst der christlichen Seelsorge eine doppelte Aufgabe.

Es geht um sachgemäße Aufklärung und um vollmächtige seelsorgerliche Hilfe und Wegweisung.


Die Zeit der alttestamentlichen Steinigung der Magier ist vorbei. Unsere Aufgabe ist nicht
Gewaltanwendung, sondern der Aufklärungskampf mit geistlichen Waffen. Dieser Wächterdienst
darf aber nicht durch eine schreiende Unkenntnis der Magie unterhöhlt und damit von vornherein
entkräftet sein. Magische Zusammenhänge lassen sich mit den Funktionen unserer fünf Sinne
nicht erfassen, weil hier übersinnliche, metaphysische und religiöse Sachverhalte zugrunde
liegen.

Außer dem sachgemäßen Warndienst fällt dem Seelsorger die Aufgabe der seelischen
Betreuung bereits Belasteter zu. Weil die okkulte Belastung einen religiösen Tatbestand darstellt,
ist eine psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung nicht zuständig. Die okkult
Belasteten sind Objekt und Zielscheibe dämonischer Einflüsse geworden. Hier helfen keine
Mediziner, aber auch keine Theologen, sondern allein Christus. Es gibt nur eine Stelle, wo
Belastete entlastet werden: am Kreuz von Golgatha. Das Kreuz ist das Mahnmal der Befreiung
und Erlösung. Der menschlichen Vernunft ist das ein Skandalon (Ärgernis). Bei der Lösung von
Belastungen geht es ja auch nicht um ”Vernünftiges”, sondern um speziell neutestamentliche
Vorgänge.

Die Macht der Dämonen endet am Christusglauben. Christus steht als das Licht der Welt über
der Finsternis einer satanischen Brandung. Er ist dazu erschienen, die Macht des Teufels zu
brechen. Und Christus hat diese Finsternismacht gebrochen am Kreuz.