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Rosenkreuzer und Tempelritter

Juan Maler

Die grosse Rebellion gegen Gott und die Natur

- Auszug -

Gott, Gnostizismus und die Rosenkreuzer

Schon 1878 sagte Lord Disraeli: Die Geschichte Europas kann nur der schreiben und verstehen,
der in die Geheimnisse der Logen eingeweiht ist."

Die 1717 in London eingeleitete Weltveränderung hat erst mit den technischen Möglichkeiten
unserer Zeit den Weg bis in die abseitigste Hütte gefunden und das Wort "Krise" bis ins letzte Tal
getragen. Kehrten sich vor 200 Jahren nur einige "Aufgeklärte" ab von Gott und der Natur, so
geht heute erst die eigentliche Massenbekehrung zu dem "Gott der Philosophen" vor sich, wird
eine religiöse Krise heraufbeschworen . . .
Eine heillose Verwirrung ist um den Begriff GOTT in Europa und dort insbesondere im deutschen
Sprachgebiet eingetreten. Das kam offen zum Ausdruck, als die Freimaurerei (und zwar die des
Groß Orients) ansetzte, der Welt einzureden, dass es überhaupt keinen Gott mehr gibt, sondern
nur noch einen Grossen Architekten, eine Art Oberingenieur, der ihre "technische Welt" dirigiert.
Da hatte man nämlich das bekannte Nietzsche - Wort wieder ausgegraben und schrie auf einmal
in allen verfügbaren Publikationen, deutlich auf Kommando: "Gott ist tot".

Sofort aber trat ein Christ, nämlich der uns bereits bekannte Heidelberger Professor Georg Picht
auf den Plan und stellte klipp und klar fest, dass dieser Gott ja gar nicht GOTT ist, sondern nur
das Gottesbild der Philosophen, (Frau Prof. Hunke ist jedoch anderer Meinung, bezieht
Nietzsches Wort auf den Christengott) denn:
"Der Gott, von dem Nietzsche verkündet, er sei tot, ist der Gott der Philosophie bis Hegel, und
dieser Gott ist seiner geschichtlichen Herkunft nach der Gott der griechischen Philosophie... Der
Grund des Seins und der Wahrheit, die Idee des Guten, das ist der Gott der Philosophen."
(Picht).

Kam aber dieser Gottesmord wirklich so überraschend? War er nicht schon in jenem Augenblick
vorauszusehen, da man diesen Gott schuf? Trugen nicht von Anfang an seine Erfinder das
Zeichen auf der Stirn, welches schon Kain trug?

Soweit sich die Philosophie bei ihrem langen menschlichen Irrweg in die Nähe der christlichen
Offenbarung begab, setzen wir ihre verschiedenen philosophischen und pseudoreligiösen
Äußerungen von jener ab unter dem Begriff des Gnostizismus. Seines hat sich daher die
christliche Kirche immer wieder zu erwehren und hat die blutigsten Verfolgungen für notwendig
befunden, um den eigenen Glauben reinhalten zu können. Wenn heute wieder in mannigfaltiger
Form gnostisches Gedankengut an die Oberfläche gespült wird, nicht zuletzt die Freimaurerei
selbst einen Teil ihres Wurzelwerks von dorther nährt, so kann es wohl helfen, diese Fäden kurz
aufzuzeigen.

Der Gnostizismus ist viel mehr als nur eine einfache philosophisch-religiöse Bewegung. Durch
seine keineswegs immer rationellen, untergründigen Verbindungen mit der Alchimie, dem
Hermetismus und anderen Strömungen steht er in engem Zusammenhang mit den jeweiligen
politischen und wirtschaftlichen Veränderungen der Zeit. So wird der Gnostizismus indirekt zum
Indiz für einen Zustand der Unsicherheit und der Unbeständigkeit auf der Welt. Nicht zufällig sagt
daher Picht auch gerade für unsere Zeit: "Technische Welt und Sicherheit sind also Begriffe, die
sich wechselseitig ausschließen."

Der Gnostizismus ist immer dualistisch: der gute Gott und der böse Gott, Licht und Schatten, die
sichtbare Welt und die unsichtbare, Für und Wider, These und Antithese. In diesem Sinne sind
Gnostiker Platon und Plotin, Paul Adam und Montherlant, Hegel und Marx. Die Gefahr des
Gnostizismus liegt in der Anarchie, in welche eine auf dem Dualismus aufgebaute Welt verfallen
kann.

Von Gnostikern sprechen wir seit etwa 100 v. Chr. Etwa hundert verschiedene Strömungen
können wir feststellen, die alle damals auf dem Dualismus aufbauten. Sie alle mischten die
Lehren eines Pythagoras mit denen eines Platon, die griechischen Götter mit denen Ägyptens,
oder besser gesagt: den Symbolismus dieser beiden Welten, die guten Mythen mit den bösen.
Der Hexenkessel, in welchem diese Suppen gebraut wurden, hieß Alexandria. Jüdische
Kabbalisten traten hinzu und es sind dann diese "hellenisierten'' Rabbiner, die aus dem
rächenden Jehova einen Gott der Gerechtigkeit machen wollen. Jeder Anhänger der Kabbala
aber gab eine andere Erklärung, so daß wir Hunderte von Sekten erleben, deren Lebensdauer
kaum die ihres Verkünders überdauerte.
Wir mögen aber drei Gruppen unterscheiden: Jene, die Gott dem Teufel überordnen, jene, die
beiden gleiche Macht zusprechen und jene, die Gott dem Teufel unterordnen. In der letzten
Gruppe wieder dürfen wir wohl grob unterscheiden zwischen jenen, die dem Teufel das Regiment
zusprechen (Satanisten) und jenen, die an die Stelle des Teufels den Menschen setzen, diesen
also Gott überordnen (Prometheus - Idee).

Die Freimaurerei hat sich von ihrem ursprünglichen gnostischen Deismus im Rahmen ihrer ''loges
rationalistes" in langsamer Entwicklung zu dieser prometheischen Weltanschauung hin verändert.
Sie hat die Bibel ersetzt durch die Verfassung Andersons und sich (mit Ausnahme allerdings der
englischen Freimaurerei, die weiterhin zur Bibel steht) damit klar von der christlichen Religion
getrennt, hat damit einen Kurs eingenommen, der ihr von Anfang an inhärent war und der enden
muß wie der Flug des Ikarus. (Vergleichen Sie nur: einst unternahm Dr. Faust noch alles, um
seine Geliebte zu retten und wurde selbst errettet. Heute setzt er sie in einen Cadillac und ersäuft
sie. Mephisto muss seine helle Freude daran haben.) Jede menschliche Geschichte ist die
Geschichte eines Tempelordens, sofern sie nicht hegelianisch ist", meint Pauwels zu solcher
Entwicklung.

Wichtiger Beleg für die deutliche Abwendung der Freimaurerei vom Christentum ist die Tatsache,
die Wichtl (Weltfreimaurerei. Weltrevolution. Weltrepublik., S.39) erwähnt, dass nämlich der
französische Groß-Orient am 10. September 1877 alles, was an das Dasein Gottes erinnert, aus
seiner Verfassung ausgemerzt hat. Italienische Freimaurer taten dasselbe und erklärten
wiederholt ganz offen, Gott sei als Herrscher abgesetzt. Und in der freimaurerischen Zeitschrift
"Orient" (Budapest 1893 N° 10) wird Christus kurz bezeichnet als der "historisch berühmt
gewordene Nazarener Zimmermann".

Die katholische Kirche wurde in diesem Wirbel von Ideen geboren. Die großen ''Kirchenväter", St.
Irenius, Origenes, Klemens von Alexandria, Epiphanius, Ephräm der Syrer usw. standen den
Kampf mit diesen Gedanken durch und verhinderten die Anarchie. Von Paulus, der manches aus
Alexandria mitbrachte bis zu Augustin, dem Geistesfreunde Platons, bis zu Thomas von Aquin,
dem Aristoteliker, ist die Kirche Roms in vielem griechisch geblieben bei einem im Übrigen oft
jüdischen Dekorum. Lateiner und Kelten und Germanen geben dem Werk noch manche weitere
zusätzliche Note, so daß schon lange vor dem Bau der gotischen Kathedralen mit ihrem
mächtigen Symbolismus Europa im Katholizismus das Erbe seiner alten religiösen Vorstellungen
wiederfinden konnte. Nur so erklärt sich die schnelle Verbreitung des Katholizismus in der
westlichen Welt. Der Orient und das Judentum haben bei der Form Pate gestanden, weniger
aber beim Inhalt.
Dieses Wenige aber ist jedoch immer noch genug gewesen, um den europäischen Menschen
immer wieder aufstehen zu lassen gegen das auch im Christentum fortlebende "dualistische
Weltgefühl des Morgenländers" (Spengler, Untergang des Abendlandes, S. 25).
"Der europäische Gedanke der Einheit von Gott, Welt und Mensch" zeigt sich kontinuierlich von
Meister Eckehart bis Teilhard de Chardin, in der Auseinandersetzung mit der gemeinsamen
christlichen Tradition" (Hunke, S. 160).

Es war auch bei Nietzsche "nichts anderes als das, woran alle europäischen Ketzer gelitten,
wogegen sie sich mit allen Kräften ihrer gläubigen Seele gewehrt haben, und was ihren
Widerspruch herausgefordert hat: der Dualismus, die Verabsolutierung der Gegensätze als
Wertgegensätze, die Zerklüftung des Daseins, die immer auf Kosten der einen Seite geht, immer
Lebensfeindlichkeit, Entwertung der Erde zum Jammertal, Entwürdigung des Menschen,
Diffamierung des Leibes, die Sündigkeitserklärung der Natürlichkeit bedeutet." (Hunke, S.398).

Doch, trieb das Christentum in den Augen dieser Ketzer hin zur "Entwürdigung des Menschen",
treibt die Freimaurerei hin zu seiner Heiligung; bedeutete jenen Ketzern das Christentum
"Diffamierung des Leibes", schwelgt man heute in seiner pornographischen Anbetung; spricht
Hunke von der "Sündigkeitserklärung der Natürlichkeit", frönt man heute der Perversität.

Ist der Mensch wirklich reif, in die freie Natur entlassen zu werden? Warnt nicht unsere
Gegenwart stündlich davor? Rufen nicht gerade diese Antichristen lauthals und froh: "Gott ist
tot!"? und meinen damit jedweden Gott?, lenken unsere Welt in die Anarchie? Einmal meinen sie
damit den Gott der Christen, ein andermal den Gott der Philosophen.
Ersetzen wollen sie ihn durch "den Menschen", "die Menschheit", etwas, was es überhaupt nicht
gibt.

An die Stelle des christlichen Abendlandes möchten sie ihre selbstherrliche Homokratie ( heute
Demokratie genannt - H.K.) setzen, an die Stelle des Vatikans und der Jesuiten die Freimaurerei.
Das schon von allen Gnostikern als wirkende Kraft anerkannte Irdische soll fortan allein
bestimmen.

Stand der Gnostizismus mit seinem unüberwundenen Dualismus und seiner Gefahr der Anarchie
bereits am Anfang des Christentums, so blieb er bis heute hin die ständige Gefahr für unsere
Zivilisation. Immer wieder erleben wir es dabei in der abendländischen Geschichte, dass man in
der Form von Geheimgesellschaften und von der Wirtschaft her versucht, den Hebel anzusetzen,
der die Welt aus den Angeln heben soll. . .

Uns interessieren hier nun weiter die Templer, von denen wir dann später so viel bei den
Freimaurern hören. . . (Siehe unter Rebellion gegen Gott, www.horst-koch.de)

Die Tempelritter glaubten im übrigen nicht an den "leidenden" Christus, sondern an den
"siegreichen" Christus, dessen Ebenbild ihnen der bestirnte Himmel war. Deshalb ließen sie die
Neulinge aufs Kruzifix spucken. Es ist die alte Behauptung der Gnostiker, dass Christus niemals
Menschengestalt angenommen und "dass das Kreuz nichts anderes ist als ein Stück Holz".

Die Rosenkreuzer übernehmen dann dreihundert Jahre später dieses Thema und verdienen eine
ausführlichere Würdigung. Obwohl man immer wieder auf diese Geheimgesellschaft stößt,
sobald man vom Ursprung der Freimaurerei und von den Quellen anderer Gruppen spricht (man
hat auch die Thule-Gesellschaft hier anknüpfen wollen), gibt es bis heute unseres Wissens keine
wissenschaftlich einwandfreie geschlossene Darstellung.
Um dem Leser daher eine weitere Tür zum Verständnis unserer Zeit aufzustoßen, möchte ich
kurz einschalten, was von Harting darüber schreibt.
Von Harting schreibt, daß die Bewegung der Rosenkreuzer nichts anderes ist, als der Angriff des
alexandrinischen Gnostizismus (der von Rom 1000 Jahre vorher erfolgreich niedergekämpft
worden war) und zwar zuerst gegen das lutherische Christentum und dann gegen den biblischen
Calvinismus, insbesondere auf englischem Boden. Ihre triumphalste Leistung ist die Schöpfung
der Freimaurerei in diesem Geiste 1717 in London... Heute jedoch steht die Hauptmacht der
Rosenkreuzer in Nordamerika . . .

Fast alle Gnostiker kannten einen Schlangenkult. "Die Schlange lehrt die Weisheit, die
Wissenschaft vom Guten und vom Bösen". Man spricht von der weißen und der schwarzen
Schlange. Wir sehen sie in Merkurs Heroldstab, um den sie sich schlängeln und dann mit den
Köpfen gegenüberstehen. Immer wieder finden wir das Symbol der Schlange bei den Gnostikern,
manchmal siebenmal um sich selbst gerollt, und so die sieben Planetenbahnen wiedergebend,
denen die sieben Stufen zur Erkenntnis entsprechen sollen.

Zahlen spielen ebenfalls in diesem Rahmen eine bedeutende Rolle. Die Magie der Zahlen ist
uralt, und rührt aus den verschiedensten Quellen her. Da ist z.B. die Zahl 22, die doppelte elf. Es
ist die heilige Zahl der Wikinger. Niemals fuhren mehr als 22 Boote unter dem gleichen Führer
aus. Zugleich ist es die Gesamtzahl aller Buchstaben des hebräischen Alphabets, das seinerseits
seinen nicht semitischen Ursprung bei den Hethitern hat. Heute noch bedeutet "vingt deux" im
französischen Volksmund soviel wie "Gefahr", "Polizei".
Und Hitler wartete für seinen Angriff auf Rußland auf den 22. Juni. Zufall? Und die Quersumme
von 1939 ist 22. Zufall für dieses schicksalsschwere Jahr, in welchem Hitler es für richtig hielt,
den ihm von den Feinden des Reiches hingeworfenen Handschuh aufzuheben?
Andererseits liebt die Freimaurerei die Zahl 33, die Höchstzahl ihrer Grade. Das Ende des
I.Weltkrieges wurde von ihr festgelegt auf den 11. Tag des 11. Monats um 11 Uhr, macht
zusammen 33.

Doch zurück zu den Tempelrittern. Geschichtlich fest stehen die Beziehungen derselben zu den
Hermetisten (Anhänger des Hermes) zu den Alchimisten. . .
Die Beziehungen der Templer zu den Alchimisten sind auffallend...
Die Suche nach Gold, sei es auf direktem Wege oder mit den Methoden der Alchimie, wurde in
einer ganzen Reihe von Templerburgen gepflogen...
Reich werden um jeden Preis, sei es mit der Goldmachung, sei es aber auch durch Wucher,
durch Finanztransaktionen, durch Handel selbst mit den Feinden ihrer jeweiligen Staaten oder
ihrer Religion, der Landraub, das wird zum einzigen Ziel des Ordens um die Mitte des XIII.
Jahrhunderts.
Das religiöse Ziel ist verschwunden (welches gerade eben in jenem anderen Orden, dem der
Deutschritter unter Hermann von Salza so große Früchte im Osten zeitigte). Es hatte einem
erschreckenden Merkantilismus und Materialismus Platz gemacht.

Die Templer sind so das genaue Original für ihre heutige Kopie, die Freimaurerei, und ihre
freimaurerischen Brudergenossenschaften wie die Rotary, die Lion Clubs, die Bilderberger, B’nai-
B’rith und B'nai Mosche.
In beiden geschichtlichen Beispielen ist der Ausgangspunkt der Gnostizismus, die Lehre vom
Dualismus auf unserer Welt, sei es, dass diese vom Satan regiert wird, wie es die Templer
lehrten, sei es, dass sie vom Menschen gelenkt wird, wie es unsere Anhänger der "technischen
Welt" behaupten.
In beiden Fällen ist Zunichtemachen aller Unabhängigkeit das Ziel und grausamste
Unterdrückung der in Dependenz Gebrachten das Ergebnis. Nicht eine Brücke, nicht eine
Autobahn, nicht eine Fabrik wird heute mehr in Europa gebaut, die nicht ihren Platz hat in dieser
Errichtung der "technischen Welt", von der ein Wissender feststellt, dass sie "die Welt in eine
Wüste verwandeln wird".

Wir sehen, wir können die heutige Entwicklung Europas überhaupt nicht verstehen, gehen wir
nicht ein wenig zurück und sehen uns diese Zusammenhänge etwas näher an. Nicht die
Tatsache, dass eine Brücke gebaut wird, ist ausschlaggebend, sondern, warum sie gebaut wird,
in welchem Weltbild sie zu stehen kommen soll, wem sie dienen soll. Nicht damit also wäre
gedient, den Brückenbau zu verhindern, sondern nur damit, die Planer abzulösen. Prometheus
muss wieder in Fesseln gelegt werden, und wir müssen wenigstens versuchen es zu tun. Denn
der Fortschritt ist dabei, die Fratze des Satans anzunehmen.
Denn, was anderes ist es, wenn ein Professor Picht als Grundlage seiner ganzen Ausführungen
ein Beispiel heranzieht?: die drohende Hungersnot für große Teile der Menschheit.
Und wenn wir wissen, dass eine derartige Gefahr überhaupt nicht besteht. Wenn wir erfahren,
dass Professor Picht sein Tatsachenmaterial vom Präsidenten der Rockefeller Foundation und
der Zeitschrift Time entnimmt, also ausgesprochenen Freimaurerinstitutionen. Wenn wir also
feststellen müssen, dass ein Wissenschaftler in seinem besten Glauben von diesen Kreisen
betrogen, angelogen wird und dann zu Feststellungen kommt, die ihn selbst erschrecken, denn
sie fordern die Verwüstung unserer Erde!
Wenn wir also erleben müssen, dass unsere ureigene wissenschaftliche Führung dem Teufel
selbst auf den Leim geht und uns ins Verderben jagt, sehenden Auges. So aber ist es um uns
bestellt, weil wir die Kommandostellen in unserer Wissenschaft jenen überantworteten, die keinen
Gott mehr kennen, die sich selbst an Gottes Stelle setzten. Ist es wohl wichtiger, das wir bald auf
Asphaltstrassen in die fernsten Urwalddörfer fahren können, oder dass wir glücklich sind und uns
sicher fühlen? Ist es wohl schöner, in einer künstlichen "humanen" Gesellschaft zu leben oder
unter Gottgläubigen in einem heimatverbunden ausgerichteten Staatswesen?
Müssen Menschen wirklich die letzte Instanz sein? Können sie es überhaupt? Die Erfahrung
unseres kurzen Lebens antwortet uns mit einem tausendfachen NEIN !

Doch das will und will man nicht wahrhaben. Der Mensch soll dennoch oberste Instanz bleiben.
So schreibt ein anderer, Professor Karl Steinbuch (Programm 2000, S. 34):
"Der Schlüssel zur Lösung unserer gesellschaftlichen Probleme ist die Bildungsreform ... Das
Bildungssystem ist das Objekt politischer Entscheidungen... Das Bildungssystem ist die Quelle
politischer Entscheidungen... Wir müssen das Bildungssystem so organisieren, dass unsere
Kinder und Enkel aus ihrer historischen Situation das Beste machen können.
Die autoritäre Position scheint mir als Erziehungsprinzip falsch, als Philosophie antiquiert,
rechtlich unhaltbar und als politisches Prinzip unklug:

Als Erziehungsprinzip falsch: Diese autoritäre Position verhindert die subjektive Einschaltung des
jungen Menschen in den Entscheidungsprozeß, das Engagement in der gesellschaftlichen
Kommunikation und es erzeugt Immobilität durch juristische Perfektion. Es erzeugt letztendlich
geistige Impotenz, die selbst bei rein ökonomischer und technokratischer Betrachtungsweise
nicht wünschenswert ist.
Als Philosophie antiquiert: Diese autoritäre Position geht von der Existenz und Verbindlichkeit
"Ewiger Wahrheiten" aus, endet notwendigerweise im Dogmatismus und verhindert den
gesellschaftlichen Lernprozeß...
Rechtlich unhaltbar: Der Bezug auf "Ewige Wahrheiten" steht im Widerspruch zu unserem
Grundgesetz, das ideologisch neutral ist und den Bezug auf Ewige Wahrheiten nicht deckt.
Als politisches Prinzip unklug: Diese autoritäre Position übersieht, dass eine Gesellschaftsform
nur durch fortwährende Weiterentwicklung ihrer politischen Prinzipien langfristig stabil ist. Die
Unterdrückung notwendiger Veränderungen ist die wirkungsvollste Vorbereitung revolutionärer
Veränderungen..." Soweit Prof. Steinbuch.

"Ewige Wahrheiten" und "soziale Veränderungen", das sind doch zwei völlig verschiedene
Ebenen. Ewige Wahrheiten sind unberührt von den jeweiligen sozialen Ungerechtigkeiten. Diese
aber nehmen in der homologistischen Welt der Freimaurerei in dem Maße zu, als sich das
prometheische Prinzip durchsetzt und gar noch mit jenem Verlust des Gleichgewichts, das als
stete Gefahr dem Dualismus anhängt, zum Satanismus, zur Teufelsherrschaft sich
weiterentwickelt.

Das, was wir in dem immer schrecklicher werdenden Terror in den Jahren der Französischen
Revolution erlebten (bis dann ein Robespierre die Freimaurer selbst unter die Guillotine schickte),
diese Eskalation der "künstlichen Welt", dieser Feuerschein der Hölle, der unsere Welt heute
schon anstrahlt, er wird nicht rasten, bevor nicht alles in ihm lodert. Die Natur wird jenen
Menschen dann zum Gegenstand ihrer Gier, ja, zum unvollkommenen Objekt, das man zu
beseitigen und zu ersetzen hat, Gott zum Kinderschreck der so fürchterlich rückständigen und
unvernünftigen Vorfahren . . .

"Die Flucht vor der Wirklichkeit ist die Realität, die Entdeckung der Wirklichkeit ist unsere
Hoffnung", ruft Georg Picht, jener andere Apostel solcher von den Menschen zu konstruierenden
Zukunft. Es spielt gar keine Rolle, wenn der eine oder andere bisher der Hölle dienstbare Geist
ausscheidet, weil sein Gewissen ihm ein Halt zuruft... (Man denke beispielsweise nur daran, wie
man mit einem John F. Kennedy umsprang... Earl Warren verfügte einfach, daß die Unterlagen
über den Mord an seinem Präsidenten 75 Jahre lang versiegelt im Höchsten Gericht aufbewahrt
bleiben... Rechtsstaat à la Freimaurerei.) Es finden sich immer wieder genügend andere
Himmelsstürmer, die an deren Stelle treten.

Fort mit aller Autorität!, unter diesem Schreckensruf errichtet die blanke Gewalt dann ihr
Regiment. Hoch die Sonderziehungsrechte! Hoch die Pornographie! Prometheus regiert! Der
Mensch sucht nach vernünftigen Lösungen! . . .

Die gnostische Schlange ist es, die alle Geheimgesellschaften jener Zeit vereint. "Im
Allerheiligsten sitzt ein Heidengott" schreibt Maurice Bardeche von unserer heutigen Welt. Bei
den Templern hieß diese Figur Baphomet. Nur in den Versammlungen der Kommandeure zeigte
man ihn. Jahrhundertelang hat man sich um eine Klärung dieses Namens bemüht.
Harting gibt uns die folgende Erklärung:

Wir zergliedern das Wort: Ba PHo Me T. Die ersten beiden Buchstaben entstammen dem Wort
BASILEUS, soviel wie König, Kommando (griechisch). Pho haben wir umzudrehen zu Oph und
zu ergänzen zu OPHIS. Die Ophiten aber waren Gnostiker und Ophis war der Name der
Schlange. Die beiden Buchstaben Me müssen wir ergänzen zu MEQUIST (griechisch: der
Grosse, der Heilige). Das T am Ende wird angefügt, um die heilige Zahl 7 zu erreichen. Dann
aber ist dieser Baphomet, das eingebildete höchste Wesen der Templerritter der Hermes Tri
Megist der Hermetiten und der Alchimisten. Jener Hermes der Griechen, der zum Merkur der
Römer wurde, der Götterbote mit dem Befehlsstab mit den beiden Schlangen in Händen, der Gott
der Kaufleute, aber auch der Diebe und der Bankiers, der seinen Namen dann demjenigen Metall
gab, aus welchem man das Gold zu gewinnen hoffte (mercurium = Quecksilber). Ein solches
Sinnbild aber paßt hervorragend zu der Religion der Templer. Und die Fahne der Templer, der
"Bauceant", in den Farben schwarz und weiss der Gnostiker, entspricht exakt der der UN in den
Farben der Freimaurerlogen.

Dreihundert Jahre nach der Vernichtung des Templerordens erscheint (1604) ein Buch: "Die
schwarze Kabbala und die weiße Kabbala". Sein Verfasser ist der geschichtlich nachweisbare
Alchimist Dr. Faust. Er spricht in diesem Buch von seinen Beziehungen zu Megistopheles, einem
der sieben planetarischen Geister, und zwar dem des Planeten Merkur. Dieser Name aber setzt
sich zusammen aus Megist Ophiel, wobei Ophiel die Bedeutung des Merkur/Hermes hat.

Goethe hat dann, sehr versiert in Dingen der Kabbala, aus diesem Megistopheles den
Mephistopheles seines Dramas gemacht. Mephistopheles eröffnet dann im Drama dem Dr. Faust
die Möglichkeit der Piraterie und des Reichtums. Piraterie, Handel und Krieg sind die drei
untrennbaren Seiten eines Dreiecks, verkündet er.

Zweihundert Jahre nach Goethe hat sich daran nichts geändert. Mephistopheles ex Baphomet ist
keineswegs tot, wie Gott es sein soll. Die Weltfreimaurerei verfolgt eiskalt seinen Rat: Piraterie
und Handel - Wucher und Banken - Krieg und Waffenhandel haben einen Zustand geschaffen, in
welchem alles dem Teufel verfällt. Der Prometheismus gleitet weiter ab und wird in unseren
Tagen zum Satanismus. Nicht etwa irgendwo in Moskau oder in Peking sitzen seine Anhänger,
sondern in den großen Städten der westlichen Welt, in Frankfurt etwa und in New York.

Europa wurde derart von den überstaatlichen Mächten von New York aus überspielt, dass
zahlreiche Persönlichkeiten und gar ganze Organisationen, die man in jenem feindlichen Lager
vermuten sollte, nicht rechtzeitig die Drehung mitmachten und ausgesprochen falsch lagen. Man
lese dazu nur bei Bronder (Dietrich Bronder, Bevor Hitler kam) nach, wie viele Juden noch im XX.
Jahrhundert ausgesprochen deutsch national dachten, bis weit in die Zeit des III. Reiches hinein
sogar noch in Einzelfällen. Und wie viele Logenbrüder (wie etwa ein von Tirpitz), ja ganze
"Feldlogen" national eingestellt waren, als längst mit Völkerbund und Versailles und St. Germain
das Verdikt der Weltfreimaurerei über Europa gesprochen worden war. Es ist ihnen allen
überhaupt nicht zu Bewußtsein gekommen, dass die eigentliche Weltpolitik längst vom Hudson
aus gemacht wurde. Dort sah man kalt rechnend über derartige "Kleinigkeiten" hinweg, Juden als
Kleingeld der großen Politik, und ging ja nach dem II. Weltkrieg so weit, diejenigen
Volksgenossen, die immer noch nicht begriffen hatten, dass es Europa zu zerstören galt, zu z w i
n g e n, eine politische Waffe wie die sogenannte "Wiedergutmachung" in die Hand zu nehmen.
So mancher, uns gut bekannter Jude wurde von diesen New Yorker Organisationen unter
schwersten Drohungen aufgefordert, hohe Summen von der BRD zu fordern. Es gehört zur
Tragik des jüdischen Volkes, dass es seitdem identifiziert wird mit den politischen Kräften der
Zionisten, so wie man einen Russen als Kommunisten zu bezeichnen pflegt und deutsch
synonym geworden ist für eine Mischung aus unmoralisch, charakterlos, geldgierig,
gemeinschaftsfeindlich, unverschämt und eingebildet.

Wir erleben heute den Versuch einer regelrechten Flurbereinigung, nämlich eine vollständige
Kapitalumschichtung in der Welt. Sie wird von der Freimaurerei gesteuert. Das heißt, es werden
einerseits neue Kapitalien künstlich geschaffen und diese durch steuerliche und organisatorische
Massnahmen den gewünschten Personenkreisen zugeschoben. Und es werden andererseits
bestehende Kapitalien zerstört oder in ihrer bisherigen Bedeutung relativisiert. Diese
Massnahmen werden dabei getarnt mit einer Reihe von Angriffen gegen "das Kapital der
katholischen Kirche" und ebenso damit, dass man Bemerkungen antisemitischer Natur über die
großen "Rothschildschen Vermögen" und ähnliche weitergibt. Beide Faktoren haben ganz sicher
bestanden und bestehen sicher auch heute noch, doch haben sie bereits ihre ausschlaggebende
Kraft verloren. Denn es ist ja im Rahmen der heutigen Zentralisation (heute: Globalisierung)
wichtig zu erkennen, dass nur der größte Haufen Geld noch zählt. Alles andere ist von diesem
abhängig.
Im Schatten der Ereignisse im Nahen Osten, der Bischofskonferenzen über das Zölibat, das
heißt, unter Hinlenkung der Aufmerksamkeit der alerten Personen auf die bisher so sehr
geschützten Bezirke des Judentums und der katholischen Kirche ist die Weltfreimaurerei dabei,
ihre Weltherrschaft erst in diesen Jahren w e s e n t l i c h zu begründen. Die Höhe der Summen,
die heute ihren Herren wechseln, ist weitaus größer als alles das, was bisher schon im Zuge von
Kriegen, Beschlagnahmen, Wiedergutmachungen und ähnlichem an Vermögensverschiebungen
auf der Welt vor sich gegangen ist.

Und was im großen durch Sonderziehungsrechte und die bekannten Weltbankkreditmaßnahmen


bewegt wird, wird im kleinen durch steuerfreie Stiftungen und andererseits gigantische
Steuererhöhungen bei den übrigen erreicht... Der Nichtfreimaurer wird so systematisch verarmt,
der Freimaurer systematisch reicher gemacht. Das ist heute die Arbeit eines raffiniert über die
Welt gespannten Netzes von Tausenden von staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen.
Ihre Präsidenten werden wie Staatsoberhäupter auf ihren Weltreisen behandelt...

Sitzen also die eigentlichen Unterdrücker dieser Welt heute in den Logen, so wäre es falsch, die
Hauptmacht auf den Katalaunischen Feldern gegen die Hilfstruppen des Feindes zu lenken, und
den eigentlichen Gegner einer "glücklichen Menschheit" ungeschoren zu lassen. Eine völlige
Umdisposition unserer angreifenden Kräfte ist daher erforderlich. Sie hat auch bereits überall auf
der Welt ihren Anfang genommen. Die heterogensten Lager beginnen mit der Waffenruhe auf
den Nebenkriegsschauplätzen der Geschichte und gruppieren sich um zu einer gemeinsamen
Front gegen die eigentlichen Feinde Gottes und der Natur, um zu verhindern, dass unsere Welt
zur Hölle wird für die auf ihr Lebenden.
Unter diesen Umständen wird der Leser Verständnis dafür haben, wenn wir in dem folgenden
Kapitel (Europa vor dem Eisernen Vorhang) noch ausführlicher auf den Vielen so unbekannten
Komplex der Freimaurerei eingehen. Wir legen dabei eine Reihe von Tatsachen vor, die bisher
im deutschen Sprachbereich nicht veröffentlicht wurden, und hoffen, dass auch dem Neuling in
diesen Dingen die Aktualität und die Bedeutung der vielleicht auf den ersten Blick abseitig
liegenden Vorgänge erkennbar wird.

Aus Die grosse Rebellion gegen Gott und die Natur von Juan Maler , Buenos Aires, 1971

Horst Koch, Herborn, im Oktober 2006

Ergänzend zum Thema:

1. Juan Maler, Europa vor dem Eisernen Vorhang


2. Juan Maler, Die Sowjetunion
3. Juan Maler, Die Vereinigten Staaten von Amerika
4.Juan Maler,Das Vereinigte Königreich von Grossbritannien

ANHANG:

Die Rosenkreuzer - aus biblischer Sicht

Die Rosenkreuzer nennen sich einen Bruderschaftorden. Der vollständige Name des Ordens
lautet: Antiquus Mysticus Ordo Rosae Crucis. Diese lateinische Bezeichnung heißt übersetzt:
Alter mystischer Orden vom Rosenkreuz. Sitz der Internationalen Körperschaft ist in San Jose in
Kalifornien.

Die Selbstdarstellungen der Rosenkreuzer ergeben ein farbenprächtiges, schillerndes Bild. Seine
Wurzeln will dieser Orden in den mystischen Schulen Ägyptens zur Zeit von Pharao Amenophis
IV. (1350 v. Chr.) haben. Auch in Israel sollen sie schon in der Zeit Moses wirksam geworden
sein. Beim Bau des salomonischen Tempels wollen sie mitgewirkt haben.

Als Symbol haben die Rosenkreuzer das Kreuz mit der Rose. Ihre Bedeutung wird in dem
Aufsatz 17 - herausgegeben von der deutschen Großloge, Sitz in Baden-Baden - in folgender
Weise erklärt:

Das Kreuz symbolisiert den menschlichen Körper mit ausgestreckten Armen als ein Gruß an die
aufgehende Sonne. Die Rose in der Mitte des Kreuzes bedeutet die Seele des Menschen.
Diesem Symbol geben die Rosenkreuzer das Leitmotiv: Ad rosam per crucem, ad crucem per
rosam = Zur Rose über das Kreuz, zum Kreuz über die Rose.

In der Lehre wollen sich die Rosenkreuzer freihalten von jeglicher rassischen, politischen,
religiösen Festlegung.

Was lehrt der Orden? Ein von Baden-Baden herausgegebenes Merkblatt antwortet: „Der Orden
lehrt ein System metaphysischer und naturwissenschaftlicher Philosophie zur Erweckung der im
Menschen ruhenden Fähigkeiten, wodurch der Mensch seine naturgegebenen Talente besser
verwerten kann, um ein glücklicheres und nützlicheres Leben zu führen."

Eine aufschlußreiche Anleitung, den Orden kennenzulernen, wird in der Broschüre Meisterung
des Lebens gegeben. Diese Schrift ist von der Großloge herausgegeben und gibt natürlich kein
objektives Bild.

Was sagen unvoreingenommene Historiker zum Orden der Rosenkreuzer? Der Zusammenhang
mit den ägyptischen Geheimbünden und gar mit Mose und Salomo ist nicht bewiesen.

Der Orden tritt mit zwei Veröffentlichungen Anfang des 17. Jahrhunderts ins Blickfeld. Es handelt
sich um die Schriften: fama fraternitatis (1604) = die Überlieferung der Bruderschaft, und
Confessio fraternitatis (1614) = das Bekenntnis der Bruderschaft. Diese Veröffentlichungen
werden von den Rosenkreuzern Francis Bacon zugeschrieben. Es fehlt aber auch hier der
Nachweis. Die Historiker nennen andere Namen.
Das Reader's Digest Lexikon nennt kurzerhand die Rosenkreuzer „eine theosophische
Geheimgesellschaft aus dem 16. Jahrhundert."
Der Kleine Brockhaus nennt die Rosenkreuzer „Mitglieder geheimer Gesellschaften des 17.-18.
Jahrhunderts. Der Orden der deutschen Gold- und Rosenkreuzer, um 1760 in Süddeutschland
gegründet, war freimaurerisch."

Die RGG (Religion in Geschichte und Gegenwart) sagt in Band IV, Seite 2108, folgendes: „Die
Gold- und Rosenkreuzer sind als Mysterienbund auf magisch-kabbalistischer und alchimistischer
Grundlage seit 1757 nachweisbar. 1767 und 1777 neu organisiert, entfalteten sie eine
wirkungsvolle Propaganda in der Freimaurerei."

Für den Christen, der sein Leben nach der Bibel richten will, sprechen alle diese Hinweise für
sich selbst. Wir erhalten aber aus der Broschüre Meisterung des Lebens weitere Aufschlüsse.
Auf Seite 19 wird folgendes Zitat von Albert Magnus wiedergegeben:
„Suche nicht zu eifrig nach der Gnade der Hingabe oder dem tränenvollen Ertragen. Lasse es
vielmehr deine erste Pflicht sein, innerlich mit Gott vereint zu bleiben durch guten Willen im
denkenden Teil deiner Seele."

Bevor wir mit Gott vereint bleiben können, muß erst das Vereintwerden vollzogen werden. Und
das geschah durch Jesus Christus am Kreuz. Wir erleben es, wenn wir Jesus Christus als
unseren Erlöser und Herrn annehmen. Durch unseren guten Willen können wir weder mit Gott
vereint werden noch vereint bleiben.

Noch deutlichere Hinweise erhalten wir auf Seite 15 der Broschüre. Die Seite ist überschrieben:
„Die geheimnisvolle Welt in uns. - Fähigkeiten, die wir kennen und nutzen sollten."

Von welchen Fähigkeiten wird hier gesprochen?


1. „Das Berühren von Briefen oder anderen Gegenständen kann schmerzliche Botschaften
vermitteln." - Das ist psychometrisches Hellfühlen.
2. „Gedanken oder Sinneseindrücke können in die Ferne übertragen werden." - Das ist eine
okkult bedingte Mentalsuggestion.
3. „Unser Bewußtsein kann blitzartig weitentfernte Orte oder Vorgänge wahrnehmen." - Das ist
Hellsehen aufgrund medialer Fähigkeiten.
4. „Manche Menschen offenbaren durch magnetische Ausstrahlung ihren wahren Charakter." -
Das ist das spiritistische Erfassen der sogenannten Aura.

Der Orden der Rosenkreuzer gibt also in dieser Broschüre Meisterung des Lebens den Anstoß,
den Impuls, mediale oder okkulte Praktiken zu betreiben. Damit ist die Situation klar.

Ein Christ, der eine Wiedergeburt durch den Heiligen Geist erlebt hat, kommt durch eine
Mitgliedschaft in diesem Orden geistlich zu Schaden.
Einem Namenchristen schadet es nicht. Er merkt die Bindungen erst dann, wenn er sich Christus
ausliefern will.

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Antichristl. Revolution der Freimaurerei


Manfred Adler

DIE ANTICHRISTLICHE REVOLUTION DER FREIMAUREREI


INHALTSVERZEICHNIS

I. DIE "GROSSE" REVOLUTION

1. Das Signal zum Sturm


2. Die Französische Revolution (1789 - 1799)

II. DIE REVOLUTIONÄRE FREIMAUREREI

1. "Die große Unbekannte" und "die große Revolution“


2. Pluralität und Universalität der Logen
3. Das utopische Endziel der freien Welt Maurer
4. Freimaurerei und Kommunismus

III. FREIMAUREREI UND RELIGION

1. Die Freimaurerei eine antichristliche Ideologie


2. Die antichristliche Kulturrevolution
3. Vom ökumenischen Dialog zur Ökumene der Religionen

- DEN HIRTEN UND SCHAFEN DER KIRCHE, BESONDERS DEN OPFERN DER
ANTICHRISTLICHEN GNOSIS, IN BRÜDERLICHER SORGE ZUGEEIGNET -

VORWORT

Der Verfasser, der als Priester im Schuldienst tätig war, möchte mit diesem Buch einem
schwerwiegenden Informationsnotstand begegnen. Wenn ein Jesuit in einer Propagandaschrift
für die Freimaurerei diese als "Elite der Welt" und gleichzeitig als die "Große Unbekannte"
bezeichnet, ist unser Problem schon deutlich genug angesprochen. In der Tat ist das Wissen
über die Freimaurerei in breitesten Schichten unserer Bevölkerung - die Intellektuellen nicht
ausgenommen - sehr gering. +Dieser Mangel wirkt sich in vieler Hinsicht äußerst negativ aus
und macht sich besonders auch im Hinblick auf die vielen Gespräche und Verhandlungen
bemerkbar, die im Zeitalter des Dialogs von seiten der Kirchen mit Vertretern der Freimaurerei
geführt werden.

Bedauerlicherweise werden die Gespräche, mit Vertretern der kath. Kirche fast ganz unter
Ausschluß der Öffentlichkeit geführt, wenn man von wenigen Zeitungsnotizen über öffentliche
oder halböffentliche Veranstaltungen absieht, bei denen überdies die Tendenz allzu plump
hervorsticht, als gäbe es zwischen Freimaurerei und Kirche keine Gegensätze mehr.

Einem solchen verhängnisvollen Irrtum muß energisch widersprochen werden. Der Verfasser tut
dies aus Gewissenspflicht. Er weist nach, daß die Ideologie der Freimaurerei, der autonome
Humanismus, mit dem rechtverstandenen christlichen Glauben absolut unvereinbar ist und stellt
dabei einige antichristliche Aspekte heraus, die aus dem innersten Wesen der Freimaurerei
hervorgehen und nicht einfach als rein zufällig betrachtet werden dürfen.

Sollte der Titel des Buches manche Leser schockieren so beweist das einmal mehr, wie groß die
Ignoranz bezüglich des Freimaurerproblems tatsächlich ist. Sowohl Freimaurer als auch ihre
Gegner wissen, daß die Prinzipien der Freimaurerei nicht nur zur Revolution führen, sondern
selbst schon Revolution sind. Der Hinweis auf die antichristliche Tendenz der Freimaurer -
Revolution ist angesichts illusionärer Annäherungs- und Verbrüderungsbestrebungen zwischen
Christen und Freimaurern in der Gegenwart von besonders dringlicher Aktualität.

Die Schrift beginnt folgerichtig mit der Großen Französischen Revolution, die allgemein als
"Werk" oder "Erfolg" der Freimaurerei angesehen wird und endet mit der antichristlichen
Kulturrevolution unserer Tage, die sich mitten durch den "ökumenischen Dialog" hindurchzieht
und mit dem gleichen Ziel wie die "große Revolution", wenn auch mit anderen, subtileren und
raffinierteren Methoden, durchgeführt wird. Dazwischen wird ein breites Spektrum von
Informationen über die Freimaurerei geboten... Schließlich wird das Verhältnis von Freimaurerei
und Islam ebenso angeschnitten wie das Zusammenspiel von Freimaurern und Kommunisten in
jüngster Vergangenheit und Gegenwart.

Miriam-Verlag Jestetten

EINLEITUNG

Mancher Leser, der die vorliegende Schrift zur Hand nimmt, wird sich vielleicht fragen, warum es
heute im deutschen Sprachraum kaum eine Schrift gibt, die sich eingehend in kritischer Weise
mit der Freimaurerei befaßt, von der die meisten Zeitgenossen ohnehin nur sehr unklare
Vorstellungen haben. Dafür gibt es in der Tat einige Gründe. Da besteht zunächst einmal bei
Autoren und Verlegern eine nicht unbegründete Furcht vor der Freimaurerei, deren Macht leider
immer noch größer ist als ihre Bekanntheit in der breiten Bevölkerung.

Was der militante Freimaurerbruder Albert Buddecke, Oberst a. D., im April 1928 in der
"Allgemeinen Logenzeitung" schrieb, scheint auch heute noch auf viele abschreckend zu wirken:

"Wer die Freimaurerei angreift, der muß wissen, daß er damit die Ethik bekämpft, die wir
verkörpern wollen, und daß er einer Kulturmacht den Krieg erklärt. Auf den muß es aus der
Freimaurerei von allen Seiten so niederblitzen und hageln, daß er die Waffen strecken muß und
vor der Öffentlichkeit als ein Unwürdiger und Unsittlicher dasteht, der ein Heiligtum entweiht hat."

Wir, Autor und Verleger, sind der Meinung, daß wir nur Gott zu fürchten haben und daß es
unsere heilige Pflicht ist, die Wahrheit zu sagen und zu schreiben, sei sie gelegen oder
ungelegen. Wer nämlich die Wahrheit aus Feigheit verschweigt, ist ein Feind der Freiheit. Denn
nach wie vor gilt das Christuswort, daß uns "die Wahrheit freimachen wird" (Joh. 8,32).
Schließlich geht es in dieser Schrift letztlich um die Wahrheit, die Jesus Christus ist und
verkündet hat.

Allerdings wäre es vermessen, hier den Anspruch zu erheben, die ganze Wahrheit über die
Freimaurerei sagen zu wollen. Wir beschränken uns vielmehr auf das Wagnis, einige Wahrheiten
über die Freimaurerei mitzuteilen, und zwar solche, die gegenwärtig besonders aktuell sind.

Bekanntlich hat die Freimaurerei viele Gesichter. Der Philanthrop Henri Dunant, der Gründer des
Roten Kreuzes, war Freimaurer. Und nicht wenige Freimaurer - vor allem in den niederen Graden
der Johannismaurerei - leisten heute vorbildliche caritative, humanitäre und soziale Arbeit im
kommunalen, staatlichen und überstaatlichen Bereich. Das wird allgemein anerkannt.

Doch ist damit die Funktion der Freimaurerei keineswegs erschöpft. Der Massenmörder von
Hiroshima und Nagasaki (1945), der ehemalige US Präsident Harry S. Truman, war auch
Freimaurer, und zwar Hochgradfreimaurer. Dieser "rauhe Stein" bezeichnete bereits 1961/62
seinen Freimaurerbruder und späteren Nachfolger Richard Nixon als "schlitzohrigen,
gottverdammten Lügner" und "Hurensohn", wie M. Miller in seinem 1973 in Washington
erschienenen Buch "Plain Talk" ("offen gesagt") berichtet. Auch der gescheiterte Marxist
Salvador Allende, der Chile in ein politisches und soziales Chaos geführt hat, war Freimaurer.
Über die zahlreichen politischen Verbrechen, die der Freimaurerei angelastet werden, ist schon
vor Jahrzehnten viel geschrieben worden, besonders vor, während und nach dem I. Weltkrieg.
Juan Maler bringt dazu in seinen Werken "Die Große Rebellion" (1972), "Gegen Gott und die
Natur" (1971) und "Die sieben Säulen der Hölle" (1974), die in Buenos Aires erschienen sind,
eine Menge wissenswerter Einzelheiten und Zusammenhänge aus neuerer Zeit. Diese Bücher
haben hohen politischen Informationswert.

Uns interessiert hier jedoch vorwiegend der antichristliche Aspekt der Freimaurerei, wobei freilich
von vornherein die Einschränkung zu machen ist, daß es überheblich wäre, in dieser Schrift das
ganze antichristliche Gesicht der Freimaurerei aufleuchten lassen zu wollen. Wir sind weniger
anspruchsvoll und möchten nur einige antichristliche Gesichtszüge der revolutionären
Freimaurerwelt aufzeigen.

Die von führenden Freimaurern schon seit längerer Zeit versuchte Infiltration der Katholischen
Kirche mit dem Ziel, diese von innen heraus zu zerstören, hat nach dem II. Vatikanischen Konzil
zu einem Einbruch freimaurerischen Ideengutes in die Kirche geführt, der in höchstem Grade
besorgniserregend genannt werden muß. Schon aus diesem Grund ist es dringend notwendig,
die geistige Welt der Freimaurerei und deren Unvereinbarkeit mit dem christlichen Glauben exakt
zu analysieren und offenzulegen.

Was sich seit dem II. Vatikanum im Bereich von Freimaurerei und katholischer Kirche abgespielt
hat, soll hier nur an einigen wenigen Tatsachen angedeutet werden. Der einzige Bischof, der auf
dem Konzil selbst den zweimal erfolglosen Versuch unternahm, das Thema Freimaurerei und
Kirche zur Sprache zu bringen, war Msgre. Méndez Arceo von Cuernavaca (Mexiko). Das
Problem "Freimaurerei" wurde aber auf dem Konzil nicht erörtert und das Wort "Freimaurerei"
erscheint deshalb auch in keinem einzigen Konzilsdokument.
Inzwischen hat der freimaurerfreundliche Bischof Méndez Arceo - ob er selbst Freimaurer ist,
wissen wir nicht - seinen Einfluß nicht immer segensreich geltend gemacht. Nur ein Beispiel sei
hier angeführt. Im April 1972 fand in Santiago de Chile das erste Treffen der Christen für den
Sozialismus statt, das von Bischof Méndez Arceo gesteuert war. "400 Delegierte aus 28 Ländern
sprachen sich zugunsten eines Sozialismus aus, der das Eigentum an den Produktionsmitteln
vollständig beseitigt. Sie unterstützten den Klassenkampf, legten an der Statue "Che" Guevaras
einen Kranz nieder und verherrlichten den Apostaten und Guerilla Chef, den Expriester Camilo
Torres" (Der Fels, März 1974).

Die Unterstützung des Freimaurers und Marxisten Allende durch Bischof Méndez Arceo und
besonders auch durch die Jesuiten, deren Provinzial P. Manuel Segura nach der Wahl Allendes
zum Präsidenten (am 4. 11. 70) seine Mitbrüder aufrief, an dem Programm von Allendes
"Volksfront" (UP) aktiv mitzuwirken, hat sich ebenso als verhängnisvoller Fehlschlag erwiesen,
wie auch jedes andere Experiment scheitern wird, die das Heil von der Kooperation mit
Freimaurern und Marxisten erwarten.

Sowohl die Hierarchie in Chile als auch der Vatikan haben zu den genannten Vorgängen in Chile
nicht nur geschwiegen. Die französischen Zeitschriften "Itinéraires" und "L'Ordre Francais" haben
ausführlich über die vielfältige Unterstützung berichtet, die der gestürzte Freimaurer und Marxist
Allende aus allen Kreisen des Klerus erhalten hatte. Andererseits wurde die große katholische
Bewegung T.F.P. (Vereinigung zur Verteidigung von Tradition, Familie und Eigentum) schon
1968 von dem Erzbischof und Kardinal von Santiago gerügt, weil sie sich energisch gegen die
Linksinfiltration katholischer Kreise zur Wehr setzte. Im gleichen Jahr richtete die Bewegung
T.F.P. eine Botschaft an Papst Paul VI., in der er gebeten wurde, "dringend Maßnahmen gegen
das Einsickern von Kommunisten in katholische Kreise zu treffen. Diese öffentliche Bittschrift trug
die Unterschriften von 121.000 Chilenen. Die Antwort: Keine Antwort.

Die Mitglieder des Nationalrates der T.F.P. richteten zusammen mit anderen Aktivisten am 8. 10.
1970 ein Schreiben an Paul VI. in der Gewißheit, ein Wort seinerseits würde genügen, um zu
verhindern, daß die christdemokratischen Parlamentarier den Sieg Allendes im Kongreß
besiegeln. Die Antwort des Papstes war wiederum Schweigen!" (Der Fels, März 1974).
Bezeichnend für die ideologische Anpassung der katholischen Kirche ist ein Wort Allendes in der
New YorkTimes vom 27. Oktober 1970:

"Es ist bekannt, daß die alte Unvereinbarkeit zwischen der Freimaurerei und der Kirche überholt
ist. Was noch bedeutsamer ist: die katholische Kirche hat fundamentale Wandlungen
durchgemacht ... Ich glaube nicht, daß die Kirche ein Widerstandsfaktor gegenüber der
Volksfrontregierung sein wird. Im Gegenteil, sie wird ein Element zu unseren Gunsten sein..."

Sie war es dank der "progressiven" Änderungen, die sich nicht zuletzt auch in Rom mehr und
mehr durchsetzten. Darüber finden wir einige wichtige Hinweise in dem Buch von L. de Poncins:
La F:. M:. d'après ses documents secrets, das 1972 in vierter Auflage in Chire en-Montreuil
erschienen ist. Im Vorwort dieser Auflage schreibt der Verfasser, der unbestritten zu den
bestinformierten und hervorragendsten Freimaurerforschern Frankreichs zählt:

" ... Die neuen Methoden hinterlistiger Beeinflussung (penetration) erlauben der Freimaurerei die
Kirche zu infiltrieren, wo sie in den Milieus der Progressisten tatkräftige Unterstützung findet ...

Gegenwärtig übt die Freimaurerei ihren Einfluß hauptsächlich auf religiösem und
philosophischem Gebiet aus. Man kann ohne Übertreibung sagen, daß der Progressismus, der
die katholische Kirche seit dem II. Vatikanischen Konzil tiefgründig überflutet, ein Ergebnis des
philosophischen Einflusses der Freimaurerei auf die Kirche ist. Zwischen der Maurerei und dem
Progressismus besteht enge verwandtschaftliche Beziehung hinsichtlich der geistigen
Konzeption. Das erklärt die hartnäckigen und erbitterten Anstrengungen, die von theologischen
Progressisten unternommen werden, um beim Vatikan die Revision und Annullierung der
Verurteilungen (der Freimaurerei) zu erreichen, die von allen Päpsten, angefangen von der
ersten päpstlichen Verurteilung durch Clemens XII. im Jahre 1738, bis zu Pius XII. einschließlich,
ausgesprochen wurden. Seit dem von Papst Johannes XXIII. einberufenen II. Vatikanischen
Konzil ist in Rom bezüglich der Freimaurerei ein heftiger Kampf zwischen Traditionalisten und
Progressisten entbrannt ...“

Ähnliche Beobachtungen sind auch in Deutschland gemacht worden. So brachte die


"Bruderschaft", die Zeitschrift der Freimaurer in Deutschland, im März 1974 einen "Bericht über
das Gespräch mit der evangelischen Kirche", der mit den Worten beginnt:

"Nachdem der offizielle Dialog zwischen einer Kommission der katholischen Kirche und einer
vom Senat der Vereinigten Großlogen von Deutschland berufenen bisher so überraschend gute
Ergebnisse erbracht hatte, kam es zu drei offiziellen Gesprächen auch mit der evangelischen
Kirche . . ."

Bezeichnend ist, daß der Verfasser des genannten Berichtes in der "Bruderschaft" auf die
gezielte Anfrage, wer an diesem "offiziellen Dialog" teilnahm, wo er stattfand und worin die "so
überraschend guten Ergebnisse" bestehen, keine Antwort gab. Ein für das Gespräch mit den
Kirchen zuständiger führender Bruder bestätigte nur "freimütig, daß solche Gespräche schon seit
einer Reihe von Jahren stattfinden und daß sie zu einem guten Erfolg geführt haben. Dieser
Erfolg war nur möglich, weil es sich bei diesem Dialog um einen solchen vertrauensvoller und
vertrauter Art handelt, den die Gesprächspartner nur in beiderseitigem Einvernehmen vor die
Öffentlichkeit bringen wollen ..." - Man fragt sich nun: Wem nützt ein solcher "vertrauensvoller
und vertrauter" Dialog? Wer hat hier etwas zu verbergen?

Ein katholischer Dialogpartner meinte dazu, daß das Kirchenvolk von den hier angesprochenen
Fragen sowieso nichts verstehe und daß bei einer öffentlichen Diskussion über "Kirche und
Freimaurerei" nur unnötiger Krach zu erwarten sei von seiten der "Konservativen".

So ist das also! Einerseits stilisiert man die vielbeschworene "Mündigkeit" der Christen fast zur
Ideologie hoch, andererseits ist das "Volk" doch noch viel zu dumm und muß einfach überfahren
werden, indem man auf dem Weg der "Geheimdiplomatie" vollendete Tatsachen schafft, die das
unmündige Volk dann im Gehorsam gegen Papst und Kirche zu akzeptieren hat. - Wir wehren
uns mit aller Entschiedenheit gegen diese Art von Dialog.

Nicht zuletzt wurde dieses Buch deshalb geschrieben, weil wir der Überzeugung sind, daß es
höchste Zeit ist, der "diskreten" Geheimniskrämerei ein Ende zu setzen. Wir müssen in diesem
Zusammenhang auch daran erinnern, daß Jesus Christus seine Jünger nicht zum Dialog,
sondern zur Mission ausgesandt hat. Der Missionsauftrag des Herrn lautet nicht: "Geht hinaus in
alle Welt und führt nette Dialoge miteinander", sondern: "Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel
und auf Erden. Geht darum hin und machet alle Völker zu Jüngern, indem ihr sie tauft auf den
Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und sie lehrt, alles zu halten, was
ich euch aufgetragen habe. Seht ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt" (Matth. 28).

Wie verlautet, soll Kardinal König im Herbst 1968 in Wien eine dreiköpfige Kommission
deutschsprachiger Freimaurer zu einem ersten Gespräch empfangen haben, an dem auch drei
Vertreter aus der katholischen Kirche teilnahmen. Weitere Zusammenkünfte sollen vereinbart
worden sein. Die besorgte Frage ist aber die, ob sich die katholischen Partner bei all diesen
Gesprächen und Konferenzen stets des Missionsauftrags Jesu bewußt waren? Haben sie den
Mut gehabt, die Heilsbotschaft Jesu mit ihrem unverkürzten Missionsanspruch den Freien
Maurern zu verkünden? Die "überraschend guten Ergebnisse" des Dialogs, von denen die
deutschen Freimaurer sprechen, stimmen uns jedenfalls nicht optimistisch. Ob es dieser Schrift
gelingen wird, in dem Dialog mit der Freimaurerei neue Akzente zu setzen? Gott gebe es!

Pfingsten 1974 - Manfred Adler

I. DIE GROSSE REVOLUTION

1. Das Signal zum Sturm

Revolutionen beginnen nicht erst, wenn Schüsse fallen und Blut fließt. Sie haben vielmehr eine
lange Vorgeschichte, eine Zeit der geistigen Vorbereitung und wirken noch weit hinein in den
Raum der Zukunft. Dieses Gesetz gilt auch für die antichristliche Weltrevolution, die im Zeitalter
der Aufklärung begann und bis zum Ende der Zeiten dauern wird, bis der Herr Jesus Christus bei
seiner Wiederkunft den Antichristen entmachten und durch den Hauch seines Mundes vernichten
wird (2. Thessalonicher 2,8).

Wie jeder Revolution, gehen auch der endzeitlichen, antichristlichen Revolution Ideen voraus,
antichristliche Ideen, die von antichristlichen Denkern propagiert und von antichristlichen Mächten
in die Tat umgesetzt und in die Gesellschaft hineingetragen werden. Versteht man Revolution in
diesem umfassenden Sinn als geistige und blutige Umsturzbewegung, dann findet man die
geistigen Wurzeln der antichristlichen Weltrevolution bereits in der Zeit der Renaissance, in der
die geistige Welt der heidnischen Antike eine Wiedergeburt erlebte.

Die mittelalterliche Geisteswelt mit ihrer Hinordnung auf den transzendenten Gott als Zentrum
und Maß aller Dinge wurde abgelöst vom Zeitalter eines neu aufbrechenden vorchristlichen
Humanismus. Jetzt wird der Mensch wie zur Zeit der Sophisten das Maß aller Dinge, ein "Gott
auf Erden". Später werden in der Zeit der Aufklärung die neuheidnischen Ideen der Renaissance
Humanisten zum autonomen und antichristlichen Humanismus weiterentwickelt und der Mensch,
seine Vernunft und Natur, zum alleinigen Maß aller Dinge und zum Gegen Gott gemacht.

Durch die Verabsolutierung der Vernunft im Rationalismus und der Natur im Naturalismus wird
schließlich der sich offenbarende persönliche Gott überflüssig und zum Gott des Deismus
reduziert.
Der Deismus sieht in Gott nur noch den symbolischen Baumeister der Welten, den großen Welt
Architekten (Demiurg), der die Welt zwar geschaffen hat, sich jetzt aber nicht mehr um sie
kümmert und nicht mehr in den Lauf ihrer Geschichte eingreift. Gott und Welt sind nach der
Schöpfung ohne Beziehung zueinander. Das All mit seinen unabänderlichen Gesetzen ist eine
mechanisch perfekt funktionierende Maschinerie, die man schließlich in einem weiteren Schritt
mit dem unpersönlichen Gott des Deismus identifiziert. Zuletzt glaubt man auf diesen
Mechanismus Gott auch noch verzichten zu können der deistische Gott ist in der Tat ein
überflüssiger Gott und gelangt so entweder zum Pan Theismus (Alles ist Gott) oder zum nackten
Materialismus (Alles ist Materie) und damit zum A Theismus (Gott ist Nichts) oder Nihilismus.

Endstation dieser geistigen Entwicklung ist also ein atheistischer Humanismus. Der Mensch ohne
Gott ist hier nicht nur das Maß aller Dinge, sondern sogar das "höchste Wesen für den
Menschen", weil der Mensch ohne ein "höchstes Wesen" unmöglich leben kann.

Diesem Humanismus ohne Gott sind nicht nur die theoretischen und praktischen Atheisten
zuzurechnen, sondern auch die zahlreichen sog. "atheistischen Christen", für die das Wort "Gott"
nur noch eine Leerformel für Mitmenschlichkeit oder Solidarität ist. Das alles sind die Früchte des
neuzeitlichen Aufklärungshumanismus, der den Menschen Schritt für Schritt dem persönlichen
und dreieinigen Gott entfremdet bis hin zum radikalen atheistischen Nihilismus.

Für den persönlichen Gott der christlichen Offenbarung, für den Gott Abrahams, Isaaks und
Jakobs, den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der in seinem Sohn in unsere Welt
kam, um Gottes Herrschaft und Reich aufzurichten und alle Menschen aus Sünde und
Gottentfremdung zu erlösen, der sein Wort und Heilswerk in der Kirche Jesu Christi und durch sie
den Menschen offenbart und vermittelt, der Glaube, Hoffnung und Liebe sowohl den Menschen
schenkt als auch von ihnen fordert, der durch Christus ewiges Leben gibt, alle Menschen an sich
ziehen will und alle Menschen richten wird: für diesen christlichen Gott hat der Geist der
Aufklärung kein Verständnis. Ein solcher Gott ist ein Fremdkörper in ihrer autonomen Geisteswelt
und wird als solcher abgelehnt, lächerlich gemacht oder gehaßt.

Dasselbe Schicksal widerfährt selbstverständlich auch der Kirche, die diesen Gott verkündet und
in seinem Namen wirkt. Sie wird verfolgt bis zur Vernichtung.

Voltaire, der einflußreichste Denker der französischen Aufklärung, hat die Parole zur Ausrottung
der Kirche ausgerufen. Der ehemalige Jesuitenschüler, ausgestattet mit glänzender Begabung
und gefeiert als Dichter und Schriftsteller, Historiker und Philosoph, trug die aufgeklärten und
antichristlichen Ideen unermüdlich und außerordentlich erfolgreich in die Massen. Man hat ihn als
Propagator des radikalen englischen Deismus und Patriarch des französischen Rationalismus
bezeichnet. Hirschberger schreibt über ihn und seine Zeit:

„Die französische Aufklärung ist negativ, kalt, überkritisch eitel und hochmütig. Man kämpft gegen
den Zwang der Dogmen der Kirche und gegen den Aberglauben der Metaphysik. Typisch ist
Voltaire (1694 1778), das größte schriftstellerische Genie der Franzosen und ihr großer
Vorkämpfer für Vernunft, Toleranz und Menschenrechte, für Freiheit, Gleichheit und
Brüderlichkeit. Voltaire war weder ein schöpferischer noch ein exakter Denker, aber er verstand
es, die Menschen zu fesseln. Dem Mann hat nur noch der Rundfunk gefehlt."

Während der französischen Revolution, am 10. Juli 1791 wurde Voltaires Leiche aus der Abtei
Selliers in das Pantheon zu Paris überführt. Am 11. Juli war die feierliche Beisetzung. Die
Feierlichkeiten zu Ehren Voltaires dauerten indes bis zum 27. August 1791 fort. Bailly, einer der
führenden Revolutionäre, feierte Voltaire in der Nationalversammlung als den "größten Mann,
den Frankreich geboren hat". Voltaire war nicht nur ein zeitweiliger Freund des Preußenkönigs
Friedrich II., auch Alfred Rosenberg, der Rassentheoretiker der Nazi Ideologie und Verfasser des
"Mythos des 20. Jahrhunderts" (1930) schätzte ihn sehr und nannte ihn sogar seinen geistigen
Ahnherrn.
Zuletzt sei noch vermerkt, daß die Freimaurer aller Richtungen heute auf ihren Bruder Voltaire
nicht minder stolz sind als sie es in der Vergangenheit waren, obwohl Voltaire erst in seinem
letzten Lebensjahr von Benjamin Franklin in die Pariser Loge "Les Neufs Soeurs" feierlich
eingeführt wurde.

Voltaire ist für uns deshalb so bedeutsam und wichtig, weil er das Signal zum Sturm auf die
Kirche gegeben und die antichristliche Weltrevolution eingeleitet hat. Sein fanatischer Haß gegen
Kirche und Christentum ist in die Geschichte eingegangen unter der Parole: "Ecraséz l'infame!"
„Rottet sie aus, die Verruchte!" - Gemeint ist die Kirche.

Voltaires Haß hat Schule gemacht und die geistige Atmosphäre seiner Zeit entscheidend
beeinflußt. Andere führende Köpfe der Aufklärung wollten ihm nicht nachstehen. So stammt von
Diderot (1713 1784) einem der Herausgeber der großen französischen Enzyklopädie, der unter
dem Einfluß des englischen Empirismus vom Deismus zum krassen Naturalismus, Materialismus
und Atheismus der französischen Aufklärung kam, das entsetzliche Wort:

"Die Welt wird nicht eher glücklich, bis der letzte König mit den Gedärmen des letzten Priesters
erwürgt ist."

In Holbachs "System der Natur", dem Hauptwerk des französischen Materialismus, wird die
Religion als Hauptursache des menschlichen Elends bezeichnet. Montesquieu (1689 1755)
zeichnete in seinen sozialkritischen "Persischen Briefen" (1721) ein Zerrbild der Kirche und
spottete über den „Zauberer, der die Leute glauben machte, daß drei eins, und das Brot, das man
verspeise dennoch kein Brot und Wein, den man trinke, dennoch kein Wein sei".
Rousseau (1712 1778), der die Erbsünde leugnete, warf dem Christentum vor, es gebe den
"Menschen zwei Gesetzgebungen, welche ihnen Pflichten auferlegen, die miteinander in
Widerspruch stehen und es den Menschen unmöglich machen, zu gleicher Zeit fromm und gute
Bürger zu sein".

Diese wenigen Zeugnisse lassen deutlich genug den antichristlichen Geist der Aufklärung und
ihrer maßgeblichen Vertreter erkennen, deren Haß auch heute noch Geschichte macht.

2. Die Französische Revolution (1789 - 1799)

Die Saat, die von Voltaire und den übrigen Wegbereitern und Propagandisten der
Aufklärungsideologie ausgestreut wurde, trug erste Früchte in der Französischen Revolution, die
von manchen Historikern mit dem Prädikat "große Revolution" ausgezeichnet wurde und als
solche auch in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Sicher sind in politischer Hinsicht durch
diese Revolution die Weichen für kommende Jahrhunderte neu gestellt und Impulse zu großen
Fortschritten und entscheidenden Veränderungen in der Gesellschaft gegeben worden. Denken
wir nur an die Beseitigung des korrupten Absolutismus des sog. "ancien regime", an die
Durchsetzung des demokratischen Staatsgedankens, die Proklamation der Menschenrechte, die
erstmals in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 und in Europa von der
französischen Nationalversammlung in der Erklärung vom 27. August 1789 staatsrechtlich
verankert wurden, an die Überwindung des Hexenwahns und die Abschaffung der Folter bei
Gerichtsprozessen.

Dennoch müssen wir heute feststellen, daß die negativen und zerstörerischen Wirkungen, die
von der "großen Revolution" von 1789 ausgegangen sind, vor allem der von ihr und durch sie
eingeleitete kulturelle Zerfall und der Verlust der christlichen Wertordnung, bei weitem all das
überwiegen, was durch die Revolution der Aufklärung an positiven und bleibenden Werten
errungen werden konnte.

Besonders die Erschütterungen und Katastrophen der beiden Weltkriege und der
kommunistischen Weltrevolution, die noch lange nicht abgeschlossen ist, haben uns bitter
enttäuscht. Wie sind doch die großen Schlagworte der Revolution: Freiheit, Gleichheit und
Brüderlichkeit mißbraucht worden und wie sehr werden bis heute Menschenrechte und
Menschenwürde in weltweitem Ausmaß mißachtet und verletzt!

Letztlich ist diese unmenschliche Entwicklung der Tatsache zuzuschreiben, daß die Französische
Revolution eben doch nur vordergründig eine politische und soziale Umsturzbewegung war. In
ihrem innersten Kern ist sie eine antichristliche Revolution gewesen und bis heute geblieben. In
der Tat: Mit der Französischen Revolution hat nicht nur das Zeitalter der Revolutionen, sondern
die universale und permanente Revolution selbst begonnen.

In den folgenden Ausführungen geht es im wesentlichen darum, diese These durch Tatsachen zu
belegen, wobei ich mich bewußt auf den religiösen Bereich beschränken und einige Gedanken
über den antichristlichen Charakter dieser weltweiten Revolution darlegen möchte.

Beginnen wir mit den Vorgängen von 1789. Die näheren Umstände und Ursachen, die den
gewaltsamen und blutigen Tumult auslösten, sind die Mißstände der absolutistischen
Regierungsherrschaft, die Wühlarbeit der Freidenker und Freimaurer und die Frivolität und
Sittenlosigkeit der höheren Stände gewesen. Unmittelbarer Anlaß zur Revolution war die
Finanznot des Staates. . .

Als König Ludwig XVI. (1772 1792) die seit 1614 nicht mehr versammelten Reichsstände (Adel,
Klerus und Bürgerschaft) zum 5. Mai 1789 nach Versailles berief, wo die Bürger schließlich die
Führung an sich rissen und sich am 23. Juni 1789 als Nationalversammlung konstituierten, um
eine neue Verfassung zu schaffen, stand die französische Kirche, die etwa 1/10 des gesamten
Grund und Bodens besaß, nicht gerade in gutem Ansehen. Die antikirchliche Propaganda der
Aufklärer und der Haß, der allenthalben gegen den privilegierten Klerus geschürt wurde, waren
nicht ohne Wirkung geblieben. Zwar haben sich vier Bischöfe und 149 Pfarrer am 23. Juni 1789
dem revolutionären und siegreichen "dritten Stand" angeschlossen und mit der Masse der in der
Nationalversammlung repräsentierten Staatsbürger vereinigt. Aber schon vor dem 4./5. August
1789, als der Klerus in der sog. "Opfernacht" auf seine sozialen und wirtschaftlichen Privilegien
verzichtete (wie etwa auf das Lehnswesen und den Kirchenzehnten) und mit dem Adel in der
Preisgabe seiner alten Feudalrechte zugunsten der Bauern und Bürger wetteiferte, sind schon
Kirchen und Klöster niedergebrannt worden.

Nachdem die gesamte mittelalterliche Feudalordnung der katholischen Kirche in Frankreich


zusammengebrochen und zerstört war und es keine Standesunterschiede mehr gab, sind am 27.
August 1789 die Bürger und Menschenrechte in der Nationalversammlung feierlich proklamiert
und zum Staatsgesetz erhoben worden. Artikel 10 dieser Deklaration garantiert die Gewissens
und Kultfreiheit. Er lautet:

"Niemand darf wegen seiner Überzeugungen, auch nicht der religiösen, behelligt werden,
vorausgesetzt, daß ihre Betätigung die durch das Gesetz gewährleistete öffentliche Ordnung
nicht stört." - Dieser Artikel war kaum in Kraft, als durch die Französische Revolution das
Grundrecht der Gewissens und Religionsfreiheit schon aufs schwerste verletzt wurde.

Doch bevor die blutige Verfolgung ausbrach, hat die Nationalversammlung das gesamte
Kirchengut enteignet, um die Finanznot des Staates zu decken. Am 2. November 1789 wurde auf
Antrag des liberalen und ehrgeizigen Bischofs Charles Maurice de Talleyrand von Autun
beschlossen, das Kirchengut der Nation zur Verfügung zu stellen, was am 14. April 1790 durch
das Gesetz über die Enteignung und Säkularisierung des gesamten Kirchengutes endgültig
durchgeführt wurde. Vorher, am 13. Februar 1790, waren schon alle religiösen Orden und
Kongregationen, die nicht der Krankenpflege, der Erziehung oder dem wissenschaftlichen
Fortschritt dienten, - die also nach der Auffassung der damaligen Zeit keine "nützlichen Orden"
waren -, aufgehoben worden. Dann folgte mit der "Constitution civile du clerge" (Zivilkonstitution
des Klerus) vom 12. Juli 1790 der schwerste Schlag gegen die katholische Kirche in Frankreich,
die sich dadurch in den Grundlagen ihrer Existenz tödlich bedroht sah und deshalb dieser neuen
Verfassung energischen Widerstand entgegensetzen mußte. Eine regelrechte Kirchenverfolgung
begann.

Die Zivilkonstitution des Klerus sah vor, daß zunächst die 134 Bistümer Frankreichs
entsprechend der neuen Departementseinteilung auf 83 reduziert werden, mehr als 50 Bischöfe
mußten also entlassen werden. Die Besetzung der Kirchenämter (Bischofsstühle und Pfarreien)
sollte durch politische Wahlgremien der Departements erfolgen. Die kanonische Visitation der
Bischöfe wurde den Metropoliten, die der Pfarrer den Bischöfen übertragen. Alle Kirchenstellen
ohne Seelsorge (Dignitäten, Priorate, Kanonikate und Benefitien an Dom und Kollegiatkirchen)
wurden aufgehoben. Die französische Kirche sollte auf rein nationaler Grundlage neu konstituiert,
vom Papsttum getrennt und dem Staat untergeordnet werden. Das war nichts anderes "als der
Versuch einer vollständigen Unterdrückung der katholischen Kirche in Frankreich. Denn die durch
die Konstitution aufgerichtete Kirche war vollkommen schismatisch. Der gallikanische Gedanke
war in ihr konsequent bis zu Ende geführt; und er besagte in dieser Form nicht weniger als die
Zerstörung des sakramentalen Priestertums. Die grundlegende Idee der Zivilkonstitution ist
nämlich die radikal durchgeführte Grundidee der Aufklärung von der Identität aller Religionen.
Nicht nur sollen die Priester und Bischöfe als einfache Staatsbeamte wie Parlamentarier gewählt
werden (Demokratische Tendenzen; vgl. Konstanz und Basel), sondern an dieser Wahl sollen
sich alle Bürger, Juden wie Protestanten, zu beteiligen das Recht haben. Das war vollkommen
unchristlich. Die alleinige Wahrheit des Christentums und die aus der apostolischen Sendung
erfließende Autorität des Priestertums waren geleugnet.

Im November 1790 wurde in einem weiteren Dekret der Nationalversammlung von allen
Geistlichen der Eid auf die Zivilkonstitution verlangt. Mirabeau hatte in einer seiner Sturmreden
angekündigt, wenn die Priester diesen Eid verweigern sollten, müßte die Nation daran zweifeln,
daß die Priester noch brauchbare Bürger werden könnten und alle Kirchenämter für erledigt
erklären. Aber nur etwa die Hälfte der Pfarrgeistlichen (25 000 bis 30 000), ein Drittel des
Gesamtklerus, leisteten den Eid. 60 000 bis 70 000 Priester und alle Bischöfe, mit Ausnahme von
vier Diözesan- und drei Weihbischöfen, verweigerten den Eid.

Der katholische Glaube bewies seine Macht, aber die französische Kirche war durch einen tiefen
Riß gespalten. Die eidverweigernden Priester, die den größeren Teil des Volkes auf ihrer Seite
hatten, wurden verfolgt. Papst Pius VI. (1775 1799) hatte aus Gründen der päpstlichen
Gesamtpolitik einige Zeit gezögert, bis er dem französischen Klerus durch eine eindeutige
Erklärung zu Hilfe kam. Erst am 13. April 1791 verwarf er durch das Breve "Caritas quae docente
Paulo" die Zivilkonstitution als haeretisch und schismatisch, suspendierte die vereidigten
Geistlichen ("jureurs", "assermentes"), wenn sie nicht innerhalb von 40 Tagen widerrufen würden,
und lobte die treugebliebenen, eidverweigernden Priester ("non jureurs", "insermentes"). Für die
Ausgewiesenen sorgte der Papst so gut er konnte und nahm viele von ihnen in den Kirchenstaat
auf. Die Nationalversammlung nahm dem Papst darauf die Grafschaften Avignon und Venaissin,
die zum Kirchenstaat gehörten. Pius VI. protestierte dagegen, aber die geraubten Besitzungen
blieben für immer verloren.

Im Spätjahr 1791 versuchte die "Gesetzgebende Nationalversammlung", den Widerstand der


Geistlichen mit Gewalt zu brechen. Den eidverweigernden Priestern wurde Gehalt und Pension
entzogen und der Aufenthalt im Lande unmöglich gemacht. Das Tragen der geistlichen Kleidung
war ihnen verboten worden, die noch bestehenden religiösen Genossenschaften wurden
unterdrückt, etwa 40.000 Priester sind eingekerkert, deportiert oder hingerichtet worden.

Mit den Septembermorden 1792 in den Gefängnissen von Paris, denen etwa 1400 Menschen,
darunter mehr als 200 Priester und drei Bischöfe zum Opfer fielen, begann die erste größere
Terrorwelle der Revolution, die Zeit der sog. "Schreckensherrschaft", die bis zum Oktober 1795
dauerte.

Unter dem Druck der Verfolgung verließen etwa 30 000 40 000 Priester das Land (2.
Emigration). Der Nationalkonvent (1792 1795) vollendete den radikalen Umsturz, das Königtum
wurde am ersten Tag der Konventsherrschaft (21. September 1792) abgeschafft, Frankreich zur
Republik erklärt und Ludwig XVI. am 21. Januar 1793 als "Verräter an Staat und Nation"
hingerichtet. - Im Oktober folgte ihm Königin Marie Antoinette.

Nach der Ermordung Marats am 13. Juli 1793 übernahm Robespierre die Herrschaft des
Grauens. Die Guillotine liquidierte die Gegner der Republik, Opfer wurden massenweise
erschossen oder ertränkt, die Ehescheidung ist erleichtert, die obligatorische Zivilehe eingeführt,
das Zölibatsgesetz aufgehoben, die christliche Zeitrechnung abgeschafft und durch den
Republikanischen Kalender verdrängt worden. An die Stelle der Sonntagsfeier wurde die Dekade
gesetzt und die christlichen Feste sind durch republikanische ersetzt worden. Mit blindem und
durchdachtem Haß versuchten die antichristlichen Revolutionäre, das Christentum und seine
Geschichte radikal und total auszulöschen. Durch Dekret wurde schließlich am 10. November
1793 das Christentum offiziell abgeschafft und der Kult der Vernunft und Natur eingeführt. Die
Verwirklichung von Voltaires "Ecrasez l'infame!" durch die entfesselte Revolution schien greifbar
nahe. -

Damals geschah in Paris etwas Ungeheuerliches. Extreme Revolutionäre, die von dämonischem
Wahnsinn besessen zu sein schienen, führten die Hure und Schauspielerin Madame Maillard in
gotteslästerlicher Prozession zum altehrwürdigen Gotteshaus "Notre Dame" und setzten sie
mitten auf den Hochaltar, genau dorthin, wo früher der Tabernakel stand. Hier empfing sie die
Huldigung der Republik... - Der Revolutionsfanatiker P. G. Chaumette betete sie sogar an...

Das Bild der Heiligen Jungfrau Maria war vom Altar entfernt und durch die "Statue der Freiheit"
ersetzt worden. Die antichristlichen Funktionäre hatten sich des Heiligtums bemächtigt und es
durch schmutzige Lieder und Orgien, die man nicht beschreiben kann, entweiht...

Mit diesem sakrilegischen Geschehen, das der Geschichtsschreiber Schuck "eines der
schauerlichsten Ereignisse der Weltgeschichte" nennt, nahm der moderne Kult mit den Huren
und die sexuelle Revolution ihren Anfang, eine in ihrem tiefsten Wesen antihumane und
antigöttliche Revolution, die nicht mit dem "Tode Gottes", sondern mit dem totalen Untergang des
Menschlichen im Menschen enden wird.

Wir dürfen dieses entscheidende und an geschichtlichen Konsequenzen kaum zu


überschätzende Datum der Französischen Revolution nicht vergessen. Denn hier hat sich unter
dem hemmungslosen Terror der Jakobiner "erstmals ein Staat nicht nur von der Kirche, sondern
von jeder christlichen Überlieferung losgesagt. Er wollte selbst an die Stelle der Religion treten
und schaffte sich seinen eigenen Kultus mit Dogma und Ritus.

Wohl konnte Robespierre im Frühjahr 1794 die Terrorherrschaft der blutrünstigen Jakobiner
brechen die nach ihrem Versammlungsort, dem Kloster St. Jakob in Paris, benannt werden -
und vom Konvent an Stelle des atheistischen Vernunftkultes den deistischen Kult des "höchsten
Wesens" und die Unsterblichkeit der Seele dekretieren und proklamieren lassen. Das gehässige
Wüten gegen Royalisten und Priester ging jedoch weiter.
Als am 28. Juli 1794 auch Robespierre unter dem Fallbeil starb, hörte die Schreckenszeit auf. Ein
fünfköpfiges Direktorium übernahm nun die Herrschaft (1795 -1799). Unter dem Druck einer
immer stärker werdenden religiösen Gegenbewegung sah sich der Konvent gezwungen, am 21.
Februar 1795 die völlige Trennung von Kirche und Staat zum Gesetz zu erheben. Damit war ein
entscheidender Schritt zur Verbesserung der religiösen Situation getan. Die Priester durften
wieder zelebrieren, Kultfreiheit wurde verkündet und die noch nicht veräußerten Kirchen konnten
wieder für den Gottesdienst benutzt werden. Trotzdem aber war damit der Religionshaß in der
öffentlichen Meinung noch nicht überwunden. Es kam immer wieder zu Verfolgungen und
Deportationen von Priestern...

In den folgenden Jahren bot sich Napoleon im Zuge der siegreichen Koalitionskriege die
Gelegenheit, Rache an Pius VI. zu nehmen und die Ideen der Französischen Revolution in weite
Teile Europas hineinzutragen.
Nachdem Bonaparte 1796 in Italien bedeutende Siege gegen Österreich errungen hatte, stürzte
er sich auf den schwachen Kirchenstaat. Bologna, Ravenna, Ferrara, Imola und Faenza konnte
er ohne Schwertstreich einnehmen. Im Waffenstillstand von Bologna (1796) mußte der Papst die
Legationen von Bologna und Ferrara abtreten, die Festung von Ancona übergeben, 20 Millionen
Lire zahlen und 500 wertvolle Handschriften und 100 Kunstwerke ausliefern. Die harten
Bedingungen veranlaßten den Papst, mit Österreich Verbindung aufzunehmen und mit Neapel
ein Bündnis zu schließen. Aber im Frühjahr 1797 drang Napoleon in den Kirchenstaat ein und
zwang den Papst zum Frieden von Tolentino. Der Papst mußte außer Avignon und Venaissin
auch noch die Romagna abtreten und weitere 15 Millionen Lire zahlen. Die schönsten
Kunstwerke, wie der Apoll von Belvedere und die Laokoon Gruppe, wurden nach Paris
geschleppt...

Am 10. Februar 1798 rückte der französische General Berthier in Rom ein, wo am 15. Februar
die Republik ausgerufen wurde. 300 "Patrioten" erklärten auf dem Forum den Papst für
abgesetzt. Der achtzigjährige Pius VI. wurde in die Verbannung geschleppt, zuerst nach Siena,
dann am 30. Mai 1798 nach Florenz. Als 1799 der zweite Koalitionskrieg begann, brachte man
ihn über Parma, Tortona und Turin nach Briancon, Grenoble und endlich nach Valence, wo er am
14. Juli todkrank ankam. Am 29. August 1799 setzte dann der Tod seinem Leidensweg ein Ende.
Die Malachiasweissagung aus dem Jahre 1590, die ihn „peregrinus apostolicus" nennt, behielt
auch hier recht: Er starb als Gefangener in der Fremde.

Das Papsttum schien jetzt wirklich am Ende zu sein. Leichenreden wurden ihm gehalten und
Grabsteine gesetzt. Vor der Engelsburg in Rom stand die "Göttin der Freiheit" mit der päpstlichen
Tiara unter ihren Füßen. Aber dennoch konnte auch die "große Revolution" mit dem
konzentrierten Haß der antichristlichen Aufklärer den Felsenmann in Rom nicht überwinden. Die
Funktionäre der Revolution von damals sind tot. Die Geschichte ist über sie hinweggegangen.
Das Papsttum und die Kirche sind jedoch geblieben. Sie haben sogar im 19. und 20. Jahrhundert
einen geistigen und moralischen Aufstieg erlebt, der in der Geschichte der Kirche seit dem
Zeitalter der römischen Märtyrer ohne Beispiel ist. Die Kirche hat in der Französischen Revolution
zwar viel gelitten, aber die Revolution hat ihr auch großen Gewinn gebracht und den Weg in eine
wenn auch nicht bessere, so doch größere Zukunft eröffnet.

II. DIE REVOLUTIONÄRE FREIMAUREREI

1. "Die große Unbekannte" und "die große Revolution"

Obwohl das Schrifttum über die Freimaurerei in den letzten zweieinhalb Jahrhunderten fast
unübersehbar geworden ist, gibt es kaum eine weltanschaulich relevante Gruppe unserer
Gesellschaft, über die so wenig zuverlässige und allgemein bekannte Informationen vorliegen wie
gerade über die Freimaurerbewegung. Im Angesichts dieser Tatsache kann man es nur als
beachtenswertes Kuriosum werten, wenn ein niederländischer Jesuit 1968 in einem deutschen
Freimaurerverlag ein Werk über die Freimaurerei veröffentlichte mit dem Untertitel „Die große
Unbekannte" (M. Dierickx S.J.: Freimaurerei – Die große Unbekannte, Bauhüttenverlag,
Frankfurt-Hamburg, 1968)

Ob auf diese Weise „die große Unbekannte" der breiten Öffentlichkeit besser bekanntgemacht
werden kann, darf freilich mit guten Gründen bezweifelt werden. Der Hauptgrund, weshalb die
Freimaurerei weithin fremd und unbekannt ist, darf wohl in dem Geheimnischarakter und der
Geheimdisziplin gesehen werden, die den Logen von jeher anhaften und von ihrem eigentlichen
Wesen anscheinend nicht zu trennen sind. Selbst viele Mitglieder deutscher Logen, vor allem aus
der jüngeren Generation, haben heute kaum noch Verständnis für die traditionelle
"Geheimniskrämerei" der Maurerbrüder, an der sie nicht zuletzt deshalb auch Kritik üben, weil sie
hauptsächlich für das oft schiefe und verzerrte Bild und für die nebulosen, phantastischen und
manchmal sogar absurden Vorstellungen über die Freimaurerbewegung mitverantwortlich sind.
(Zum Ganzen, Der Spiegel, Nr.15, 1963)

Außerdem versteht es die im allgemeinen publizitätsscheue Freimaurerei vortrefflich, die Masse


des freimaurerischen wie des weniger zahlreichen freimaurerfeindlichen Schrifttums für sich zu
konsumieren. Diese Art von Literatur wird nämlich vorwiegend nur von Freimaurern gelesen oder
gekauft, bzw. aufgekauft. Letzteres kann dann der Fall sein, wenn ein für die Freien Maurer
unangenehmes oder gar gefährliches Buch auf dem Markt erscheint.

Ein Buch dieser Art war zweifellos das 1952 in England erschienene Werk des anglikanischen
Geistlichen W. Hannah Darkness visible (Sichtbare Finsternis), das der Frage nachgeht, ob die
englische Freimaurerei mit dem Christentum vereinbar ist. W. Hannah, der sein Buch „eine
Enthüllung und Deutung" nennt, kommt mit seinem überzeugenden, sachlich nicht zu
widerlegenden Tatsachenmaterial zu dem zwingenden Schluß, daß Christentum und
Freimaurerei schlechthin unvereinbar sind.

Darkness visible erlebte in vier Monaten drei Auflagen und wurde von den englischen
Freimaurern sofort mit Gegenschriften beantwortet, deren wichtigste von einem anonymen
Verfasser mit dem Decknamen „Vindex" stammt und unter dem Titel Light invisible (Unsichtbares
Licht) herausgegeben wurde. „Vindex" beginnt seine Ausführungen mit einem umfangreichen
Katalog von Schmähungen, bringt aber keinen einzigen sachlichen Gegenbeweis, der die von W.
Hannah belegten Argumente im einzelnen hätte erschüttern können.

Ein weiterer Grund, warum die „Diener der königlichen Kunst" - wie die Freimaurer gern genannt
werden - bei den „Profanen" so wenig bekannt sind, besteht in der von ihnen meisterhaft
beherrschten Kunst, in ihren Publikationen die Wirklichkeit zu verschleiern oder durch
nichtssagende bis widersprüchliche Formulierungen, die oft nur mehr oder weniger unwichtige
Gegebenheiten betreffen, von den eigentlich bedeutsamen Fakten abzulenken, bzw. diese
unkenntlich zu machen.

Dazu nur folgendes Muster-Beispiel. Nach dem II. Weltkrieg versuchten etwa 6000 deutsche
Freimaurer das Logenleben in der Bundesrepublik Deutschland wieder in Bewegung zu setzen.
Ihre Stuhlmeister fanden sich erstmals 1949 in der Frankfurter Paulskirche zusammen, um über
den Wiederaufbau und die Vereinigung der verschiedenen Logen in Deutschland zu beraten.
Nachdem es 1958 endlich gelungen war, die zwei großen Gruppierungen der deutschen
Maurerei, die sog. „humanitären Logen" (unter dem offiziellen Titel: „Alte Freie und
Angenommene Maurer" = A. F. u. A. M.) und die sog. „christlichen Logen" (genannt Freimaurer-
Orden... bzw. Freimaurer von Deutschland = FvD) zu den Vereinigten Großlogen von
Deutschland - Bruderschaft deutscher Freimaurer (VGLvD) zusammenzuschließen, geriet die so
vereinigte Maurerei schon sehr bald in eine ernste Existenz- und Führungskrise. Es war gerade
zu der Zeit, als die Vereinigten Großlogen, nach deren Grundgesetz (Charta) die Freimaurerei
„ein ethischer, kein politischer Bund ist", ihre größten „außenpolitischen" bzw. ,,internationalen
Erfolge" zu verzeichnen hatten. Damals entstand ein sehr heftiger Streit um die Person des
Altgroßmeisters Theodor Vogel, dem „Nachkriegs-Einiger" und „Patriarch der Herren im Schurz".
Die unzufriedenen Brüder warfen Vogel vor: „Eitelkeit, die sich gleichermaßen in leerem Posieren
und hektischer Betriebsamkeit äußere; Machtmißbrauch, der bis zur persönlichen
Verunglimpfung von Brüdern gehe, die im Wege stehen; Inkonsequenz, weil Vogel zuerst um die
Gruppe der abseits stehenden Logen des sog. Schottischen Ritus gebuhlt habe und später dann,
als sie sich nicht seiner Zentral-Organisation anschlossen, zu einer ganz unmaurerischen
Kampagne gegen die „Schotten" ausholte, sowie schließlich die Stagnation der deutschen
Freimaurerei überhaupt, an der Vogel insofern schuld sei, als ihm nur Freimaurer-Politik, nicht
aber die praktisch Freimaurerarbeit in der Stille interessiere (Der Spiegel, Nr.15, April 1963).

Die Kritik an Altgroßmeister Vogel war angesichts der personellen Notlage innerhalb der
deutschen Logen verständlich: Das Durchschnittsalter der Brüder lag bei 55 Jahren, über die
Hälfte der rund 400 deutschen Logen konnten im abgelaufenen Freimaurerjahr - vom
Herbstkonvent 1960 bis zum Herbstkonvent 1961 - keinen einzigen Lehrling aufnehmen,
zahlreiche Logen existierten nur noch auf dem Papier. Die Großlogen mußten den Schrumpf-
Logen, deren Mitglieder nicht mehr praktizierten, die Legitimation entziehen. Es schien, als sollte
die Freimaurerei mit ihren Feinden auch zugleich ihre Freunde verlieren.

Theodor Vogel war es nicht gelungen, die deutsche Öffentlichkeit - und vor allem die Jugend - für
die Königliche Kunst zu interessieren. Die publizistische Werbung hieb ohne den gewünschten
und erhofften Erfolg, nicht zuletzt deshalb, weil die stereotypen Formeln der freimaurerischen
Begriffssprache (Terminologie) für Nichteingeweihte nur schwer verständlich oder gar
nichtssagend sind. Mehrere Logen, die an Universitäten errichtet worden waren, gingen wieder
ein oder verliefen sich.

Dazu kam die Kritik an Vogels autokratischem Regierungsstil. „Tatsächlich pflegte der bärtige
Patriarch lästige Mitmaurer jeweils rasch vom Gerüst zu jagen, so etwa die Großmeister Ehmke
und Mohr. Der hannoversche Chirurg Ehmke war 1954 zum AFAM-Großmeister gewählt worden
und glaubte nun, den Ansichten Vogels nicht mehr strikte Observanz zu schulden. Vogel ließ ihn
kurzerhand abwählen.

Der stellvertretende Großmeister Mohr geriet 1958 in die Vogel-Linie. Er sollte mit den Hochgrad-
Maurern verhandeln. Vogel warf ihm anschließend Fälschung des Verhandlungsprotokolls vor
und setzte gegen den Bruder ein Ehrengerichtsverfahren durch.

Als Mohrs Freunde nach dessen Rehabilitierung nun den Fabrikanten (gemeint ist Vogel, d. Verf.)
wegen falscher Anschuldigung vor den Vereins-Kadi bringen wollten, mobilisierte Vogel den
AFAM-Großbeamtenrat. Eisern beschlossen die Würdenträger, daß kein Verfahren durchgeführt
werden könnte, ehe nicht sie selbst dazu die Genehmigung erteilt hätten. Niemand wagte, sich
auf eine Interpretation der Statuten einzulassen. Das Verfahren fiel aus.

Tatsächlich hat sich Theodor Vogel mittlerweile nahezu unangreifbar verschanzt.

In der von ihm geschaffenen Dachorganisation wechseln zwar jährlich die Großmeister, die von
Vogel als dem ersten Großmeister berufenen Amtsträger pflegen jedoch ihre Positionen
beizubehalten. Vogel blieb Präsident des Großmeister-Amtes der VGL, des Quasi Kabinetts, und
leitet in dieser Behörde überdies noch das „Amt für brüderliche Beziehungen" unmittelbar, das
Außenministerium der deutschen Freimaurerei.

Die AFAM, seine Hausmacht, dirigiert Altgroßmeister Vogel über den sogenannten
Distriktsmeistertag, eine Konstruktion, die er sich selbst zurechtgemauert hat.

Als Altgroßmeister ist er Vorsitzender des Distriktmeistertages, der laut AFAM-Verfassung „die
Durchführung von Anordnungen des Landesgroßmeisters aussetzen" kann. Wer immer AFAM-
Großmeister ist - der Distriktsmeistertag unter der Hammerführung des Theodor Vogel bestimmt,
was die humanitäre Großloge unter¬nimmt.

Gestützt auf die AFAM und seines Einflusses in der VGL sicher, startete der Altgroßmeister
schließlich immer kühnere Unternehmen; er wollte nicht nur Großmeister der Johannis-
Freimaurer, sondern auch „Souveräner Großkommandeur" und damit Chef der schottischen
Hochgrad-Freimaurer werden, und er setzte es durch, daß die VGL die brüderlichen
Beziehungen zur Grande Loge de France abbrach.

Der plötzliche Hochgrad-Ehrgeiz ihres Großmeisters konsternierte die dreigradigen AFAM-


Maurer nicht wenig.

Andererseits hatte die christliche Gruppe, deren Ritus ebenfalls neun Grade aufweist, kein
Verständnis für die Offensive gegen die Hochgrade, die Vogel einleitete, nachdem ihn die
Schotten hatten abblitzen lassen.

Der gekränkte Obermaurer scheute sich nicht einmal davor, die stolzen Schotten in der für
jedermann käuflichen „Bruderschaft" anzukratzen. In den vertraulichen Mitteilungen - „Nur für
Brüder Meister" - schwang er die Kelle noch wilder ... Die AFAM-Logen erbitterte schließlich, daß
sich ihr Altgroßmeister in die historische Auseinandersetzung zwischen angelsächsischen und
französischen Freimaurern hineinziehen ließ.

Einziger Grund für den drastischen Bruch mit den Franzosen: Die Grande Loge de France war
und ist nicht bereit, ihre Bindungen zum Grand Orient de France zu lösen. Der Grand Orient
wiederum, Frankreichs größte Freimaurer-Vereinigung, wird seit 1877 von der angelsächsischen
Freimaurerei boykottiert, weil er nicht gemäß den „Alten Pflichten" die Anerkennung eines
höchsten Baumeisters zur Voraussetzung der Aufnahme macht.

Das unbrüderliche Ende der brüderlichen Verbindungen zwischen deutschen und französischen
Maurern brachte dem Theodor Vogel lediglich einige wohlwollende Händedrücke englischer
Brüder ein, die von ihrem festungsartigen Bau in der Londoner Great Queen Street aus mit
strengen Blicken darauf achten, daß ihre Boykott-Bestimmungen möglichst uneingeschränkt auch
von den übrigen Großlogen durchgeführt werden ...

Bei den Humanitären, auf deren Kommandobrücke Theodor Vogel nach wie vor agierte, bahnte
sich die offene Meuterei an. Auf dem Berliner Freimaurer-Konvent des Jahres 1961 verweigerten
erstmals an die 80 Logen dem Vogel die Gefolgschaft. Nur mühsam konnte der Riß verputzt
werden.

Wie brüchig der Mörtel war, zeigte sich ein Jahr später auf dem Paulskirchen-Konvent. In den
Orgelpausen flüsterten sich die Brüder zu, der Altgroßmeister habe soeben beim Landgericht
Frankfurt gegen den AFAM-Beschluß geklagt, ein neues Vereinskonto zu errichten. Die AFAM-
Logen hatten sich mit diesem Beschluß kurz zuvor dagegen gewehrt, daß ihnen ihr Patriarch die
Verfügung über das alte Konto entzogen hatte.

Die „Bruderschaft" beschrieb später die weiteren Vorgänge so: „Es hatten sich in den letzten
Monaten innerhalb der Großen Landesloge AFAM divergierende Kräfte geltend gemacht, die
über deren Reihen hinaus die Einheit der Vereinigten Großlogen mit einer Hypothek zu belasten
schienen ... Die Einsicht und die Arbeit einer Reihe von Brüdern, die sich für die Einheit
verantwortlich fühlten, hat die lastende Bürde noch während des Fünften Konvents von der
Bruderschaft genommen."

Und, als Gipfelleistung maurerisch-humaner Berichterstattung: „Wen wundert es, daß der Einiger
der deutschen Freimaurer, Dr. Theodor Vogel, auch bei der Lösung dieser krisenhaften Zustände
in der AFAM die Initiative ergriffen hat."

Tatsächlich traten die streitenden Gruppen, nachdem sie sich mittags im Hotel nicht hatten
verständigen können, am Abend erneut gegeneinander an.

Fazit des Gesprächs, das im Morgengrauen endete und bis heute als freimaurerisches
Geheimnis allerhöchsten Grades behandelt wird:

„Der Altgroßmeister mußte seine Klage gegen die Landesgroßloge zurückziehen, und eine
Kommission aus acht prominenten Brüdern soll Vogels Funktionen und Politik mit den Interessen
der Bruderschaft abstimmen." (Der Spiegel, Nr.15, S.54-57).

Das vielfarbige und vielsagende Spiegel-Bild, das uns hier gezeichnet wird, „enthüllt" und
beleuchtet nicht nur ein Stück Zeitgeschichte deutscher Freimaurerei. Es macht auch deutlich,
wie unsachlich es wäre, pauschal und vereinfachend von der Freimaurerei schlechthin zu reden.
Es gibt die Freimaurerei nur als zerrissene und zerstrittene „pluralistische Gesellschaft" und man
muß deshalb, wenn im konkreten Fall von „Freimaurerei" die Rede ist, immer sorgfältig und
gewissenhaft differenzieren, was um so mehr zu beachten ist, wenn Aussagen über die „Welt-
Freimaurerei" gemacht werden. Außerdem bestätigt besonders der Vergleich der Zitate aus der
Freimaurer-Zeitschrift „Bruderschaft" mit den wirklichen Vorkommnissen die Behauptung, daß die
Freimaurer die Kunst, wirkliche Gegebenheiten zu verschleiern, meisterhaft beherrschen. Und
das ist, wie schon gesagt, auch ein entscheidender Grund dafür, weshalb die Freimaure¬rei bis
heute für viele „die große Unbekannte" geblieben ist.

Nach diesen klärenden Vorbemerkungen können wir nun an die Frage herangehen, welche Rolle
die französische Freimaurerei des 18. Jahrhunderts in der Französischen Revolution von 1789
spielte, mit der ja nach unserer Auffassung die „große und permanente Revolution" der Neuzeit
und Endzeit begann. Die Auffassungen darüber gehen sowohl innerhalb wie außerhalb der
Freimaurerei auseinander, manchmal liegen die Unterschiede allerdings nur in subtilen Nuancen
und Akzentsetzungen. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in deutschen Freimaurerkreisen
die These verbreitet, daß die Französische Revolution „nur ein Werk der Freimaurer war, denn
alle hervorragenden Männer jener Zeit waren Freimaurer" (Deutsche Freimaurerzeitung vom 24.
Dezember 1864).

Daß diese Behauptung eine - für das 19. Jahrhundert typische - freimaurerische Übertreibung ist,
liegt auf der Hand. Die heutigen Freimaurerbrüder sind von dem großspurigen Pathos ihrer
Vorfahren abgerückt und nüchterner geworden. Richtig ist, daß viele bedeutende
Persönlichkeiten zur Zeit der Französischen Revolution Freimaurerlogen angehörten. Bei den
führendеп Enzyklopädisten z. B. war das durchweg der Fall. Allein in Paris gab es 1789 nicht
weniger als 65 Logen.

Dennoch waren aber auch viele „hervorragende Männer jener Zeit" keine Freimaurer.
Übereinstimmung besteht bei den Kennern der Geschichte des 18. Jahrhunderts freilich darin,
daß ohne die subversive und offene Agitation der französischen Freimaurer die Französische
Revolution, wie sie sich tatsächlich abgespielt hat, nicht möglich gewesen wäre. Wenn in einem
neueren französischen Werk die Formel aufgestellt wird: „Die Freimaurerei macht nicht die
Revolutionen; sie bereitet sie vor und sie setzt sie fort“, so wird diese Meinung von den
geschichtlichen Ereignissen nicht bestätigt. Die fanatischen und brutalen Jakobinerklubs, die in
der Zeit des Konvents (1792 -1794) maßgeblich die revolutionäre „Schreckensherrschaft"
ausübten, waren nämlich nach einem Bericht, der am 13. April 1883 der Loge von Nantes
vorgelegt wurde, nichts anderes als Freimaurerlogen, die man in aktive politische Klubs
umgewandelt hatte.

Dafür spricht unter anderem die Tatsage, daß diese Klubs die Titel von Logen beibehielten. Auch
in anderen Ländern gab es geheime Verschwörungsgesellschaften, die mit den Jakobinern in
Paris in Verbindung standen, so in Ungarn und Süddeutschland. Der Name „Jakobiner" geht
zurück auf das Dominikanerkloster St. Jacques (St. Jakob) in der Rye Saint-Honoré, wo sie im
November 1789 bretonische Deputierte der Nationalversammlung, die im Klub „Breton" vereinigt
waren, niederließen. Von diesem Versammlungsort stammt der Name „Jakobinerklub".
Anfänglich nannten sich seine Mitglieder „Société des amis de la constitution". Sehr schnell
breiteten sich die politischen (demokratisch-republikanischen) und antikirchlichen Ideen dieses
Klubs in der Pariser Bevölkerung und im ganzen Land aus. Der Pariser Mutterklub zählte 1792
schon 760 Tochtervereine. Die rasche Verbreitung ging entscheidend auf die Mitgliedschaft der
Frauen zurück, die immer eifriger und zahlreicher an den Versammlungen teilnahmen, die
viermal in der Woche (von 18 - 22 Uhr) stattfanden.

Der revolutionäre Fanatismus und das Bestreben der Jakobiner, alle Lebensbereich zu
politisieren, ihre radikale Abkehr von Offenbarungschristentum und Kirche zugunsten einer
natürlichen Aufklärungsreligion mit eigenen Kultformen, waren bereits erste Signale, die den
modernen totalitären Staat ankündigten.
Für die Tatsache, daß Freimaurer die Französische Revolution nicht nur vorbereitet und
fortgesetzt, sondern аuch aktiv in ihr mitgewirkt haben, spricht ferner die Rolle, die von
den beiden großen Revolutions-Parteien gespielt wurde. Die Girondisten und die Bergpartei
vertraten in der Tat die zwei Hauptrichtungen der französischen Freimaurerei des 18.
Jahrhunderts. Die erstere war liberal und individualistisch orientiert, die letztere huldigte einem
schwärmerischen Sozialismus.

Wenn diese Parteien auch manchmal sehr gegensätzliche Positionen einnahmen, so widerspricht
das keineswegs der Tatsache, daß sie beide von Freimaurern geführt wurden. Freimaurer waren
und sind Individualisten, die das Ideal der Freiheit nicht immer einmütig und eindeutig auslegen
und verstehen. So erklärte beispielsweise bei der Gründung der Taunusloge „Zur Freiheit" im
Orient Bad Homburg am 12. Mai 1973 der Festredner: „Es ist eine alte Weisheit, daß zwei
Freimaurer mindestens drei verschiedene Ansichten über den rechten Weg der Freimaurerei
haben, fast könnte man sagen, weil sie Freimaurer sind, müsse das auch so sein. Noch weiter
aber gehen die Ansichten unter Freimaurern auseinander, wenn es sich um die innere Ordnung
ihres Bundes handelt.“ (Die Bruderschaft, Juli 1973).

Wer diese innere Welt der Freimaurerei nur einigermaßen kennt, wird auch die Feststellung des
belgischen Sozialdemokraten Hendrik de Man akzeptieren, der in seinen Erinnerungen berichtet,
daß schon vor dem I. Weltkrieg „die Politik der sozialistischen Parteien von den gleichen Logen
gelenkt wurde wie die Politik ihrer scheinbaren Gegner, der bürgerlichen Liberalen. Die
intellektuellen Führer beider ,feindlichen Lager', die einander auf der Strasse bekämpften, seien
im Grunde von den gleichen Hochgradmaurern dirigiert worden." (E. Franzel, Groß-Loge im
Angriff, Augsburg, S.6)

Wenden wir uns nun noch diesen nicht unwichtigen Bemerkungen wieder der Französischen
Revolution zu. Inzwischen hat maurerische Formulierungskunst eine neue Erklärung für das
Verhältnis von Freimaurerei und Revolution gefunden. So schrieb 1964 ein eingeweihter und
erleuchteter Autor über die freimaurerischen „Erfolge" zwei Sätze, die meines Erachtens zum
Besten gehören, was je über die Freimaurerei geschrieben wurde:

„Zu den freimaurerischen ,Erfolgen’ kann man auch die Französische Revolution rechnen. Zwar
wurde sie nicht von den Freimaurern ausgelöst (die Freimaurerei will in sich selbst eine
Revolution sein, sie will keine Revolutionen beginnen), aber zum ersten Mal wurden die Ideale
der Freimaurerei in unübertrefflicher Prägnanz formuliert: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit". (H.
Lohfeldt, Die königliche Kunst – Freimaurerei in Deutschland, in „Kristall“ Nr. 10, 1964).

Wir bewundern die Bescheidenheit des Verfassers, der die wichtigste Aussage in Klammern
setzt: „Die Freimaurerei will in sich selbst Revolution sein." Was heißt das? Wenn ich es richtig
verstehe, besagt dieses Wort soviel wie: Zum Wesen der Freimaurerei gehört notwendig das
revolutionäre Element. Wenn Freimaurerei und Revolution identisch sind, ist es unlogisch und
zwecklos darüber zu streiten, ob die Freimaurer Revolutionen nur planen und vorbereiten, oder
ob sie diese beginnen und durchführen oder sie auch noch fortsetzen. Die Gleichsetzung von
Freimaurerei und Revolution schließt alle diese Aspekte in sich ein, weil der Begriff „Revolution"
inhaltslos wäre, wenn er nicht sowohl die notwendige Planung und Vorbereitung als auch den
Beginn und die Durchführung in sich vereinigte. Weiter ergibt sich aus der genannten Gleichung
die wichtige Erkenntnis, dаß die Freimaurerei Revolutionen nicht nur fortsetzt, sondern sie ist
selbst die fortgesetzte oder permanente Revolution. Solange die Freimaurerei existiert, ist sie
Revolution. Und das heißt wiederum: Es ist ihre beständige und unaufhörliche Aufgabe,
Revolutionen zu planen und vorzubereiten, zu beginnen und durchzuführen und sie auch
fortzusetzen. Nocheinmal: „Die Freimaurerei will in sich selbst eine Revolution sein." Eine
bessere Formel über das Wesen der Freimaurerei gibt es wahrscheinlich nicht.

Sieht man das Problem Freimaurerei und Revolution unter dieser Perspektive, dann scheint es
nicht übertrieben, wenn ein Religionswissenschaftler meint: „Es darf behauptet werden, die
Freimaurerei hatte in allen geistigen, wirtschaftlichen und politischen Revolutionen der letzten
zwei Jahrhunderte, doch nicht in der bolschewistischen ihre Hand im Spiel." Das ist gewiß keine
Übertreibung, wohl aber eine Unterschätzung der freimaurerischen „Erfolge". Denn zu den
unbestreitbaren „Erfolgen" gewisser Freimaurer zählt auch die bolschewistische Revolution, und
zwar deshalb, weil Lenin und Trotzky, die Väter der russischen Oktoberrevolution nicht nur
leidenschaftliche Kommunisten, sondern auch erleuchtete Freimaurer waren. Sie gehörten dem
33. (das ist der höchste) Grad des sog. Schottischen Ritus an. Als die bolschewistische
Oktoberrevolution 1917 siegreich vollzogen war, hielt Bruder Rozières in der Loge „Art et Travail"
am 24. Dezember 1917 in Paris eine große Lobrede auf die ruhmreichen russischen
Hochgradbrüder. Nebenbei sei noch erwähnt, daß auch Bela Khun (= Cohn), der „Bluthund von
Ungarn", Kurt Eisner, der durch den Spartakistenputsch in München bekannt wurde, und Sun-
Yat-Sen, der 1912 die Revolution in China durchgeführt hat, dem 33. Grad des „Schottischen
Ritus" angehörten.

2. Pluralität und Universalität der Logen

In der liberalen Geisteshaltung, die für Freimaurer aller Richtungen charakteristisch ist, dürfte der
Hauptgrund dafür liegen, daß es trotz intensiver Bemühungen bis heute noch nicht gelungen ist,
eine einheitlich organisierte Weltfreimaurerei zu schaffen. Eine freimaurerische Weltbewegung in
Form einer Weltloge auf internationaler Basis gibt es nicht. Zwar schrieb ein so liberaler Dichter
und Schriftsteller wie Thomas Mann im Jahre 1918 in seinen Betrachtungen eines Unpolitischen:
„Die Geschichtsforschung wird lehren, welche Rolle die Freimaurer-Weltloge ... bei der geistigen
Vorbereitung und wirklichen Entfesselung des Weltkrieges gespielt hat."

Doch bei allen „Erfolgen", die man den Freimaurern im Hinblick auf die Veränderung der
Weltgesellschaft durch Kriege und Revolutionen gewiß nicht absprechen kann: eine Freimaurer-
Weltloge war bisher von den Geschichtsforschern deshalb noch nicht zu entdecken, weil den
Freien Maurern der „Erfolg" einer Welt-Einheits-Loge bis zur Stunde versagt geblieben ist. „In den
Zwanziger Jahren gab es zwar hier und dort Freimaurerische Bestrebungen, eine ,blaue
Internationale`, einen Zusammenschluß der wichtigsten Logenverbände in der Welt, zu gründen.
Aber dazu ist es nie gekommen."

Nicht einmal in einzelnen Ländern ist es möglich, die verschiedenen Großlogen unter einer
großen Dachorganisation zusammenzufassen. So sind zum Beispiel in den „Vereinigten
Großlogen von Deutschland-Bruderschaft der deutschen Freimaurer" (VGLvD) die etwa 200
„humanitären Logen" der Großen Landesloge A.F.u.A.M. mit den traditionellen drei
Johannisgraden (Lehrling, Geselle, Meister) und die rund 80 „christliche Logen" umfassende
Große Landesloge der Freimaurer von Deutsch¬land (GLLFvD), die außer den Johannisgraden
noch die sog. Andreas-Grade (4. und 5. Grad) und die Kapitel-Hochgrade kennt,
zusammengeschlossen. Außerdem gehören die Große National-Mutter-Loge „Zu den drei
Weltkugeln" (GNML3W) mit rund 25 Logen, die Province of British Freemasons mit rund 10
Logen und die American-Canadien Provincial Grand Loge, A.F.u.A.M. mit rund 40 Logen als
Provinzialgroßlogen der VGLvD an. Außerhalb dieser Vereinigten Großlogen stehen im
wesentlichen folgende Logen:

1. Der Schottische Ritus (mit 33 Graden unter einem Großkommandeur),

2. Der Rektifizierte Schottische Ritus (4 Stufen, Schottenloge, Innerer Orient unter einem
Großprior),

3. Der York Ritus (5 Stufen = 33 Grade, Markmeister, Altmeister, Kapitel, Großrat und Komturei
unter einem Großkomtur) und einige Sondergruppen wie etwa der „Großorient von Deutschland"
und der „Droit Humain", der auch Frauen in seine Tempel aufnimmt.

Auf dem Großlogentag der A.F.u.A.M. 1973 in München sagte der Großmeister dieser Großloge,
Bruder H. Hinterleitner, in seinem Grußwort: „Auch das Jahr 1972/73 hat uns der einigen und
einzigen Deutschen Großloge keinen Schritt nähergebracht, wir werden uns damit abfinden
müssen."

Der Berichterstatter, Bruder R. Appel, bemerkt dazu: „Wer die Hauptversammlungen dieser
Großloge in den vergangenen Jahren verfolgt hat, der weiss, daß den energischen Impulsen
nach mehr Einheit stets auch die Entschiedenheit nach Kündigung der Magna Charta
gegenüberstand."

Auf die Kritik, die während der Versammlung an der Entwicklung der Vereinigten Großlogen von
Deutschland geübt wurde, antwortete deren Großmeister, Bruder F. Heller, und bat um Geduld.
Auch gab er zu, daß von manchen die Aufgaben und Probleme der VGLvD unterschätzt worden
seien.

Die anschließende Diskussion - die ganze Bandbreite von den Vertretern der einen Großen Loge
bis zu denen der Aufkündigung der Magna Charta wurde sichtbar - schälte die Frage heraus, ob
nicht anstelle der Magna Charta ein besserer Vertrag treten solle. Altgroßmeister Bruder Theodor
Vogel bat darum, solche Überlegungen nicht anzustellen und gab eine längere Ausführung über
die Entwicklung der Freimaurerei in Deutschland von 1945 bis 1958 ... Dann gab Br. Hinterleitner
die neuen Leitgedanken aus: Wer die Vereinigten Großlogen von Deutschland zerstört, der
zerstöre auch die GLA.F.u.A.M. Es gelte, sich von den Illusionen zu befreien. Die Erfahrung der
vergangenen Jahre habe gelehrt, daß zu wenig Information über die Partner der Magna Charta
vorhanden gewesen sei, was zu manchen Fehlschlüssen geführt habe. Eine Großloge dürfe nicht
von Wunschdenken geleitet werden. ’Meine Brüder', sagte er, respektiert die GLLFvD wie auch
wir respektiert werden wollen. Das ist die rechte Partnerschaft. Er fragte weiter, warum es denn
unbedingt die eine Große Loge von Deutschland sein müsse, wenn die Möglichkeiten
brüderlichen, aufrichtigen Zusammenwirkens noch nicht ausgeschlüpft seien. Die Aufgaben der
VGLvD seien klar: Die Beziehungen zu den anderen Großlogen der Welt zu pflegen und für das
Inland den Rahmen zu bieten, in dem sich heute Freimaurerei in Deutschland darstelle" (Die
Bruderschaft, Jhrg. 15, S.158).

Aus einer freimaurerischen Selbstdarstellung wie dieser, kann auch der „profane“ Leser
mancherlei Erkenntnisse gewinnen. Vor allem jene, daß es bei aller organisatorischen
Zersplitterung und Pluralität der Auffassungen innerhalb der Großlogen doch so etwas wie eine
universale Solidarität aller Freimaurer gibt, d. h. ein weltweites brüderliches Zusammenstehen
und Zusammenwirken. Das gilt auch für die beiden großen Richtungen der Weltfreimaurerei, die
seit 1877 aus religiösen Gründen gespalten sind: die “reguläre Freimaurerei", die mit der
englischen Mutter Loge an dem Bekenntnis zu dem deistisch verstandenen "Baumeister der
Welten" festhält und die “irreguläre Freimaurerei", die unter der Führung des Groß Orient von
Frankreich vor allem in den romanischen Ländern und in Lateinamerika arbeitet, als militante Anti
Kirche auch Atheisten aufnimmt und jede religiöse Bindungspflicht ablehnt. Trotz solcher
ideologischer Differenzen arbeiten Vertreter dieser beiden Richtungen in gewissen Bereichen
brüderlich miteinander zusammen. Francis Viaud erklärte als Großmeister des Groß Orients von
Frankreich auf der Generalversammlung im Jahre 1952 ausdrücklich, daß der Groß-Orient sich
nicht darauf einlassen werde, von seinen Mitgliedern den Glauben an "Gott" zu verlangen, er
werde aber in bestimmten Aktionen mit allen Freimaurern zusammenarbeiten.

Um ein Bild über die weltweite Freimaurersolidarität gewinnen zu können, ist ein kurzer Rückblick
auf die geschichtliche Entwicklung und Ausbreitung der Logen notwendig.

Der Name "Freimaurer" stammt ursprünglich aus dem Mittelalter und bezeichnete dort die
Mitglieder einer großen kirchlichen Bruderschaft, die als Maurer wie andere Handwerker auch, in
Zünften organisiert, jedoch nicht an den örtlichen Zunftzwang gebunden waren, sondern als freie
Maurer von Ort zu Ort zogen und ihre Bauhütten (Logen) errichteten. Sie arbeiteten als
Architekten, Bildhauer und Steinmetzen an den großen Domen und Kirchen des Mittelalters und
verfügten über große fachliche Kenntnisse, die sie Außenstehenden gegenüber geheimhielten.
Durch geheimnisvolle symbolische Zeichen (Bilder, Worte, Griffe und Handlungen) und Riten
führten sie ihre Mitglieder stufenweise als Lehrlinge, Gesellen und Meister in die Baukunst ein.
Zur Zeit der Renaissance und der Glaubensspaltung ("Reformation") gerieten die kirchlichen
Freimaurerbruderschaften mehr und mehr in Verfall oder sie verwandelten sich in reine
Geselligkeitsklubs, die seit 1614 auch Angehörige anderer Gesellschaftskreise, besonders aus
dem Adel, aufnahmen. Das war vor allem in dem konservativen England der Fall. Damals ging
die Werkmaurerei in die Geistesmaurerei über. Die alten Bezeichnungen blieben, bekamen aber
einen neuen Inhalt. Der Versammlungsort dieses Klubs, meist ein Gasthaus, war nun zur Loge
(lodge = Bauhütte) geworden. Später verstand man unter "Loge" die Vereinigung der freien
Maurer selbst, die gewöhnlich den Namen ihres Versammlungslokals zur Bezeichnung ihrer
"Loge" wählten.

Aus den mittelalterlichen Steinmetzgilden sind im Laufe der Zeit neue brudersdiaftlidie
Vereinigungen geworden, die für ihre geistige Maurerarbeit die Begriffe und Zeichen der alten
Maurerbünde übernahmen, ihnen jetzt aber symbolisdie Bedeutung gaben. Die Geburt der
"symbolischen oder spekulativen Maurerei" war damit eingeleitet. Nachdem anfangs Geselligkeit
und Bruderhilfe im Vordergrund ihrer Bestrebungen standen, drangen in die Logen nach und
nach immer stärker weltanschaulidie Ideen ein. In dem konfessionell zersplitterten England des
17. Jahrhunderts konnten sich besonders die Gedanken des Deismus und Rationalismus
ausbreiten und mit ihnen die Ideale der Aufklärung, die eine universale Menschheitsverbrüderung
und Einheitsreligion herbeiführen und damit dem Streit der Religionen und Konfessionen und
allen Kriegen ein Ende setzen sollten. Der ebenso grandiose wie utopische Traum vom "ewigen
Frieden" hat in diesem Aufklärungsoptimismus seine Wurzeln.

Im Mutterland der Freimaurerei, in England, schlossen sich am 24. Juni 1717, am kirchlichen
Festtag des Heiligen Johannes des Täufers, vier Londoner Logen zur ersten Freimaurer
Großloge zusammen. Dieser Gründungstag, der als offizieller Geburtstag der Freimaurerei
allgemein anerkannt wird andere Altersangaben haben nur legendären Charakter wurde
gewählt, weil Johannes der Täufer Schutzpatron der mittelalterlichen Werkbruderschaften war.
(Es wurde auch daran erinnert, daß der 24. Juni der längste Tag des Jahres ist, auf den die
kürzeste Nacht des Jahres folgt, was für mystisch oder symbolisch denkende Maurer vielleicht
nicht ohne geistige Bedeutung ist.) Von daher sind auch die Bezeichnungen "Johannis-
Freimaurerei" und "Johannis Logen" zu verstehen. Auf ihren drei Graden bauen alle später
entstandenen Hochgradsysteme auf. Die Johannis-Maurerei wird auch "blaue Freimaurerei"
genannt, weil sie in ihren Abzeichen die blaue Farbe trägt. Religionsgeschichtlich sei noch daran
erinnert, daß genau 200 Jahre nach der abendländischen Glaubensspaltung die von Martin
Luther proklamierte "Freiheit des Christenmenschen", besonders seine Absage an Papsttum und
kirchliches Lehramt, in den negativen Freiheitsbegriff der Freimaurerei umgeschlagen ist.

Die Logen haben sich radikal freigemacht von der göttlichen Offenbarung und dem ihr eigenen
Freiheitsbegriff, der in der Wahrheit gründet, die Christus ist und die er in seiner Kirche und durch
sie verkündet. Anstelle der göttlichen Wahrheit, die frei macht (Joh. 8,32) sucht der aufgeklärte
und freie Maurer nun das Heil im Aufbau einer neuen Welt, in der nicht mehr Gott, sondern die
menschliche Vernunft über Wahrheit und Freiheit entscheidet und verfügt. Die Geschichte des
Turmbaus zu Babel wiederholt sich aufs neue. Die Tragödie des "Humanismus ohne Gott" nimmt
ihren Lauf und führt schließlich zur totalen Unfreiheit im gottlosen Bolschewismus, der 200 Jahre
nach dem Ereignis von 1717 die letzte Konsequenz der Entfremdung von Gottes Wahrheit
offenbart und mit revolutionärem Fanatismus seinen Weg in die Geschichte beginnt.

Die schnell sich ausbreitende Freimaurerei hat diese Entwicklung entscheidend beeinflußt und
vorangetrieben. Schon 1725, zwei Jahre nach der Einführung des Konstitutionsbuches mit den
"Alten Pflichten", die der englische Theologe James Anderson, Prediger an der schottischen
Presbyterianerkirche in London als Glaubensbekenntnis der Freimaurer formulierte, entstanden
die Großloge von Irland und die erste Loge in Paris. Drei Jahre später, 1728, wurde die erste
Loge in Madrid gegründet, 1730 entstand die erste englische Kolonialloge in Kalkutta und die
erste Loge in den USA. Hier kam es 1733 zur Bostoner Großloge. Benjamin Franklin gab 1734
die Konstitutionen von Anderson für die USA heraus.

In Lissabon, Den Haag und Stockholm sind 1735 erste Logen gebildet worden, 1736 folgten die
Großloge von Schottland und die Großloge von Frankreich, die seit 1773 "Grand Orient de
France" genannt wird und in der Folgezeit beherrschenden Einfluß auf die Loge in den
romanischen Ländern und auch in Lateinamerika gewann. Im Jahr 1737 wurde erstmals ein
Mitglied des englischen Königshauses in die Freimaurerei aufgenommen.

Die erste deutsche Loge konstituierte sich am 6. Dezember des gleichen Jahres in Hamburg und
gab sich die Bezeichnung "Absalom zu den drei Nesseln". Schon acht Monate später nahm
Stuhlmeister Baron von Oberg in einer mitternächtlichen Zeremonie das 31. Mitglied dieser Loge
auf: den jungen Kronprinzen Friedrich von Preußen, den späteren Friedrich II.

Weitere Logengründungen folgten. In Berlin: 1740 die Loge "Zu den drei Weltkugeln", die seit
1744 als Großloge besteht. Die „Großloge der Freimaurer von Deutschland" entstand 1770
ebenfalls in Berlin. Sie entwickelte sich später zu dem „christlichen Freimaurer Orden" (FO).
Heute trägt sie den Namen "Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland". Die "Großloge
von Preußen genannt Royal York zur Freundschaft" wurde erst 1798 in Berlin gegründet.

Im Jahr 1757 ist die Großloge der Niederlande, 1760 die Große Landesloge von Schweden, 1775
die erste Schwarzen Loge in den USA, 1784 der Großorient von Polen und Litauen, 1815 die
Großloge von Rußland, 1822 die erste südamerikanische Großloge in Brasilien, 1824 die erste
mittelamerikanische Großloge in Haiti, 1833 die Großloge von Belgien errichtet worden. In der
Schweiz begann die Großloge 1844, in Luxemburg 1849, in Kanada 1855, in Dänemark 1858, in
Portugal 1859, in Italien 1861, in Griechenland und Spanien 1868, in Ungarn 1870/ 1871, in
Australien 1884, in Norwegen 1891, in Jugoslawien 1909, in der Tschechoslowakei 1920, in
Polen 1921 und in Rumänien 1923.

Schon früh wurde die Ausbreitung der Freimaurerei durch Verbote in mehreren Ländern erheblich
erschwert. So gab es Verbote in den Niederlanden (1735), in Frankreich (1737), in Hamburg
(1738), das erste kirchliche Verbot durch Papst Clemens XII. (28. 4. 1738), in Florenz (1739), in
Wien und Lissabon (1743), in Bern (1745), in der Türkei (1748), in Rußland (1796), in Spanien
(1813), in Ungarn (1820), in den USA (1826). Heute ist die Freimaurerei in der Sowjetunion und
den Ostblockstaaten sowie in Spanien, Ägypten, Pakistan und in den übrigen islamischen
Staaten verboten.

Die Konferenz der moslemischen Weltorganisation "Motamar Al Munazzamat Al Islami" hat 1974
die Mitgliedschaft von Moslems in Freimaurerlogen sowie in Rotary- und Lions Clubs als mit dem
Islam unvereinbar erklärt und untersagt. Bereits 1973 war die Freimaurerei in Pakistan verboten
worden. Unter dem Titel: Das "Licht ist erloschen" teilt ein anonymer Autor dazu unter anderem
folgende Einzelheiten mit:

"Die Regierung Pakistans hat im Zusammenwirken mit dem nationalen Islamkonzil die
Freimaurerei im Bereich der Islamischen Republik verboten. Diese Erklärung gab am 7. Juni
dieses Jahres (1973) Innenminister Abdul Oayyum Khan vor der Nationalversammlung in
Islamabad ab. Abdul Oayyum Khan führte dabei aus, der Bann gegen die Freimaurerei sei auf
einen Antrag hin ausgesprochen worden, den das Parlament des Bundesstaates Pandschab am
6. Dezember 1972 vorgelegt habe. Die Logengebäude in ganz Pakistan würden beschlagnahmt
und in Schulen und andere Unterrichtsstätten umgewandelt. Islam und Freimaurerei seien
unvereinbar ... Da Pakistan als moslemische Führungsmacht anerkannt ist, kann nun mit einem
Bann seitens der internationalen Hohen Islambehörden gerechnet werden, die im Dezember
1973 und Januar 1974 in Beirut und in Mekka zusammentreten werden. Um die Hintergründe der
pakistanischen Maßnahmen nochmals ins Gedächtnis zu rufen, hier der Wortlaut des
pandschabischen Antrages, aus dem man bereits die Ansätze zu einem generellen Verbot
herauslesen kann: Unser Volk so heißt es da u. a. hat den Eindruck, daß die Freimaurerlogen
eine Unterorganisation des internationalen Zionismus sind. Sie arbeiten daher gegen die
Interessen unseres pakistanischen Volkes. Deshalb stellt das Parlament des Pandschab den
Antrag, die Freimaurerlogen in der islamischen Republik zu verbieten.' Die pakistanisehe
Regierung ist am 7. Juni dieses Jahres, am Vorabend des Todestages des Propheten
Mohammed, diesem Antrag aus dem Pandschab gefolgt. Ein spektakuläres Datum; denn der
Prophet des Islam spielt in der uralten Tempelbaulegende eine zentrale Rolle als Empfänger des
adamschen Meisterschurzes und die alte orientalische Maurerei sieht in ihm ihren Stifter."

Der Verfasser hat vorausgesehen, daß die anderen Moslemstaaten dem Beispiel Pakistans
folgen werden und stellt im Anschluß daran "nach freier Maurer Art" seinen Maurerbrüdern in
Deutschland einige ebenso unbefangene wie aufschlußreiche Fragen. "Es war gut und
brüderlich", schreibt er, "daß unsere Großloge dem israelischen Großmeister nach dem
Verbrechen in München eine Beileidsbekundung zugehen ließ. Wo aber blieb ein tröstendes Wort
gegenüber dem libanesischen Großmeister, als Israelis im ’Gegenschlag' oder zu anderer
Gelegenheit arabische Kinder und Mütter mordeten? Drängt sich hier nicht die Frage auf, ob der
eine Mörder eben Mörder ist und der andere - trotz Mord - ein Gentleman? Oder billigt die
Freimaurerei in der Nahost-Frage gar das inhumanitäre ’Auge um Auge, Blut um Blut'? Warum
hält unsere Großloge, prädestiniert durch leidvolle Erfahrung, die Großmeister in der nahöstlichen
Welt nicht an, mutig gegen die Greueltaten gegenseitigen Völkermordes aufzustehen, sich
brüderlich zu begegnen - dem Haß mit Liebe entgegenzutreten? Deutsche Freimaurer stifteten
für die Hinterbliebenen der Opfer von München, sie betreuen israelische Jugendgruppen. Gut.
Wo aber bleibt das humanitäre Gewissen deutscher Freimaurer gegenüber den Opfern von
Beirut, die ja obendrein noch Christen waren? Gibt es eine doppelte Moral? Wir werden
aufgefordert, Bäume für den Märtyrerwald in Israel zu stiften. Gut, stiften wir. Aber würden wir
das auch für einen arabischen Märtyrerwald tun? Oder sind die Ermordeten dort keine Märtyrer?"

Er ruft dann seinen Brüdern ins Bewußtsein, daß "diese Versäumnisse sicherlich mit zum Verbot
führten", möchte aber nicht mißverstanden werden, denn, so schreibt er, "zu viele Juden sind
meine Brüder".

Schließlich zitiert er aus dem Brief eines alten und erfahrenen deutschen Freimaurers vom April
1973 folgende Sätze:
"Die einseitige Stellungnahme der deutschen Freimaurerei zugunsten Israels bedrückt mich.
Helfen Sie also, mit dem Gebrauch der Wasserwaage, das Gleichgewicht maurerischer Toleranz
im Bereich der deutschen Bruderschaft wieder herzustellen." Im Anschluß an dieses Zitat fragt er:
"Wenn das schon einem deutschen Bruder auffällt, sollte diese Tendenz dann dem Islam
verborgen bleiben?“ (Die Bruderschaft, Jhrg. 15, Nr. 8/9).

Der angeführte Bericht läßt - wie durch einen schmalen Spalt hindurch einen gewissen Einblick
gewinnen in die internationale Verflechtung und Solidarität freimaurerischer Aktivitäten, über alle
Grenzen von Religionen und Rassen hinweg. Außerdem deutet er das besonders seit der Mitte
des 19. Jahrhunderts weit über Deutschland hinaus bemerkbare starke Gewicht und die
einflußreiche Macht des jüdischen Elements innerhalb der Freimaurerei an. Der anonyme
Verfasser rechnet nämlich damit, daß seine mutigen Fragen eine Protestwelle gegen ihn
auslösen könnten. Ein weiteres Zeugnis für die beispielhafte Welt Bruderkette, die Freimaurer
aus allen Erdteilen miteinander verbindet, war am 29. September 1962 auf dem 5. Deutschen
Freimaurerkonvent in der Frankfurter Paulskirche aus dem Munde des weitestgereisten und
meistfotografierten deutschen Freimaurers, des Altgroßmeisters Theodor Vogel, zu vernehmen.
Er erklärte stolz:

"Es lohnt sich nicht, die Liste aller Großlogen des Erdballs aufzuzählen, mit denen die Vereinigte
Großloge heute Vertretungen austauscht. Es genügt, die Großlogen zu nennen, mit denen sie
noch keine regulären Beziehungen unterhält: Island, Pennsylvanien, Utah, Britisch-Kolumbien,
Neuseeland." Ein anderes Vogel Zitat:

"Ich war mit schwarzen, braunen und gelben Maurern an der Logentafel gesessen, ich habe mit
dem Bruder aus Tokio und Manila, aus Reykjavik und Tucson, aus Teheran und Ankara, aus
Algier und Tel Aviv, aus Sao Paulo und Dublin, aus Korsika und von den Antillen beim festlichen
Mahl das Brot gebrochen.“ (Der Spiegel, S.54)

Wenn nun in der islamischen Welt das "Licht" der Logen ganz erloschen ist, so ist dadurch die
weltweite Bruderkette gewiß um viele wichtige Glieder ärmer geworden.

Es ist dies ein schwerer Schlag und ein schmerzlicher Verlust für die Vertreter der "Königlichen
Kunst", deren weltumspannender Tempelbau dadurch einen erheblichen Rückschlag erlitten hat.
Doch damit wird ihre Position als Weltmacht und das ist die Freimaurerei trotz aller Zerrissenheit
und Krisen und trotz zahlreicher gegenteiliger Behauptungen nach wie vor wahrscheinlich nicht
entscheidend verändert.

Ein "Geheimbund" - heute spricht man von "geschlossener Gesellschaft" - wie die edle
Maurerzunft hat doch im Laufe der Jahrhunderte reiche Erfahrungen mit der "Schwarzarbeit" im
Untergrund gesammelt. Die Sache der Freien Maurerei wird anderswo um so besser
weitergehen, die Anstrengungen können zur Erreichung anderer, schon lange abgesteckter Ziele
verstärkt werden. Mit konzentrierter Kraft kann nun die antichristliche Revolution weitergeführt
werden.

4. Freimaurerei und Kommunismus

Papst Leo XIII. veröffentlichte am 20. April 1884 die heute noch lesenswerte Enzyklika
"Humanum genus“ gegen die Freimaurerei seiner Zeit. Er forderte darin die Bischöfe auf, "den
Freimaurern ihre Masken vom Gesicht zu reißen, damit man sie als das erkenne, was sie sind".
Der Papst sieht in dem Vernichtungskampf, der damals gegen die Kirche Christi und die von ihr
geschaffene Kultur tobte, das Reich Satans am Werk, „unter dessen Herrschaft alle jene stehen,
die dem ewigen göttlichen Gesetz den Gehorsam verweigern, die über Gott hinweggehen oder
gegen ihn etwas unternehmen".

Seiner Meinung nach scheinen die Feinde Gottes und seiner Kirche "miteinander verschworen zu
sein zu einem überaus erbitterten Kampf unter der Leitung und Hilfe des Bundes der
sogenannten Freimaurer. Ohne ihre Pläne zu verheimlichen, stacheln sie gegen die Majestät
Gottes auf. Offen und unverhohlen arbeiten sie daran, die heilige Kirche zu vernichten, und zwar
in der Absicht, die christlichen Völker aller jener Güter völlig zu berauben, die ihnen durch
unseren Heiland Jesus Christus zuteil geworden sind".

Der Papst stellt fest, daß "es eine Reihe von Sekten gibt, die voneinander nach Namen,
Gebräuchen, Form und Herkunft verschieden sind, aber durch die Gleichheit ihrer Ziele und die
Ähnlichkeit ihrer Grundsätze miteinander und mit dem Bund der Freimaurer in engem
Zusammenhang stehen; dieser ist gleichsam das Zentrum, von dem alle ausgehen und zu dem
alle zurückkehren".

Wenn dieses sicher nicht leichtfertige Urteil des Papstes zutrifft, war die Freimaurerei des letzten
Jahrhunderts die antichristliche Weltmacht, von der die übrigen kirchenfeindlichen Gruppen
inspiriert und gesteuert wurden. "Das letzte und hauptsächliche Ziel ihrer Pläne ist unverkennbar:
die gesamte vom Christentum geschaffene religiöse und bürgerliche Ordnung zu stürzen und
nach ihrem Plan durch eine andere zu ersetzen, deren Grundlage und Gesetze auf dem
Naturalismus beruhen ... Darin sollen die menschliche Natur und die menschliche Vernunft in
allem die höchsten Lehrer und Herrscher sein." Im Anschluß daran nennt der Papst die
Bestrebungen der Freimaurer im einzelnen, u. a. die Leugnung jeder göttlichen Offenbarung, den
Kampf gegen die katholische Kirche, die Trennung von Kirche und Staat, die Förderung des
religiösen Indifferentismus und der laizistischen Erziehung, der Ehescheidung und des
staatlichen Atheismus.
Man wird heute dagegen einwenden: Die Freimaurerei des 20. Jahrhunderts ist nicht mehr die
des 19. Jahrhunderts. Sie hat sich inzwischen sehr stark gewandelt, wobei die leidvollen
Erfahrungen der zwei Weltkriege und der in unserem Jahrhundert überall sich durchsetzende
ökumenische Gedanke und der auch im Bereich der Weltanschauungen und Religionen sich
vollziehende Abbau des Freund Feind Denkens maßgeblich zu einer Verbesserung des
Verhältnisses von Freimaurerei und Kirche beigetragen haben. An dieser Auffassung ist sicher
richtig, daß sich in der Freimaurerei ebenso wie in der Kirche und anderswo manches gewandelt
hat. So haben sich zweifellos die Methoden der Freimaurerei im Kampf gegen das
Bekenntnischristentum geändert. Die offene und brutale Revolution gegen die katholische Kirche
wurde aufgegeben, weil sie nicht zum erstrebten Ziel führte. Heute versucht die Freimaurerei mit
einer der modernen Zeit besser entsprechenden Methode ihre Pläne zu verwirklichen. Das
geschieht durch eine neue revolutionäre Methode, die ich "Revolution auf leisen Sohlen" oder
"Revolution mit freundlicher Miene" nennen möchte. Man versucht die Anwendung dieser
Methode besonders seit dem II. Vatikanischen Konzil, genauer seit der Ankündigung dieses
Konzils durch Papst Johannes XXIII. Es wäre aber eine sehr gefährliche, wenn nicht gar eine
geradezu katastrophale Naivität, wenn jemand ernsthaft glauben wollte, daß die Freimaurerei ihre
von Anfang an gesteckten Ziele aufgegeben hätte. Ihre Methoden mögen sich geändert haben,
ihre Ziele sind die gleichen geblieben. Wer diesen unverrückbaren und unabdingbaren, vom
Wesen der Freimaurerei unablösbaren Tatbestand nicht erkennt, ist wirklichkeitsfremd und kennt
die eigentlichen "Geheimnisse" der Freimaurerei eben noch nicht. Diese Feststellung, die
keineswegs einem blinden Freimaurerhaß entspringt, sondern im Verlauf der folgenden
Gedankengänge sachlich belegt werden wird, scheint nicht zuletzt im Hinblick auf gewisse
Entwicklungen in der sog. nachkonziliaren Zeit sehr wichtig zu sein. Gibt es doch in unserem
Jahrhundert nicht nur im Bereich der Politik, sondern auch im Raum der Kirche allzu viele von
jenen Figuren, die Lenin einmal "nützliche Idioten" nannte. –

Papst Pius XII. gehörte jedenfalls nicht zu ihnen. Er sprach am 24. Juli 1958 einige Monate vor
seinem Tod anläßlich der 8. Pastoralen Bildungswoche über die "Wurzeln des modernen
Glaubensabfalls" und nannte in diesem Zusammenhang "den wissenschaftlichen Atheismus, den
dialektischen Materialismus, den Rationalismus, den Laizismus und die Freimaurerei, die
gemeinsame Mutter aller jener".

Der klarsichtige Papst sprach hier ein außerordentlich gewichtiges Wort über die
geistesgeschichtlichen Hintergründe, die u. a. auch das auf gewissen Sektoren der Politik und
Kultur tatsächlich bestehende Zusammenspiel von Freimaurerei und Kommunismus allein
erklären können. In der Tat darf die Freimaurerei als geistige Mutter des wissenschaftlichen
Atheismus und des dialektischen Materialismus, der die Philosophie des Kommunismus darstellt,
betrachtet werden, wenngleich die meisten Mitglieder der sog. "regulären Freimaurerei" keine
Atheisten sind und den Kommunismus nicht unterstützen, sondern Männer, die an ein "höheres
Wesen" unter dem Symbol des "Großen Baumeisters des Universums" glauben, wie es in Punkt
2 der sog. "basis principles", die zuletzt 1929 neu gefaßt wurden, gefordert wird, und als solche
den atheistischen und diktatorischen Kommunismus ablehnen.

Man darf allerdings nicht übersehen, daß die "irreguläre Freimaurerei", die im wesentlichen von
den Bestimmungen in Artikel 2 und 3 der "basic principles" abweicht, auch militante Atheisten in
ihre Logen und Großlogen aufnimmt. Viele Freimaurer sehen überdies in den genannten
Forderungen der Allgemeinen Grundsätze (basic principles) einen Verstoß gegen das im Kapitel
1 der "Allgemeinen Pflichten" von 1723 ausgesprochene Grundprinzip der Toleranz, welches
besagt, es sei ratsam, die Freien Maurer "nur zu der Religion zu verpflichten, in der alle
Menschen übereinstimmen und je¬dem seine besonderen Überzeugungen selbst zu belassen".
Diese gewiß problematischen Grundsätze haben schon manche heftigen Diskussionen unter
Freimaurern ausgelöst und neben anderen Gründen auch dazu geführt, daß selbst "reguläre"
amerikanische Logen entgegen den verbindlichen Forderungen der “Alten Pflichten“ schon seit
Jahrzehnten "eine bedeutende Zahl entschiedener Ungläubiger zu ihren Mitgliedern zählen".

Wie es scheint, gibt es auch in deutschen Logen die Möglichkeit, daß ein Bruder "im Hinblick auf
die moderne Wissenschaft ernsthaft an der Existenz Gottes als des Baumeisters, d. h., als einer
geistigen und willensmäßigen hinter dem Aufbau der Welt stehenden Kraft zweifelt", wie Bruder
K. Saur in einem Aufsatz über den Großen Baumeister in der deutschen "Bruderschaft" andeutet.
Er bemerkt dazu: "Wenn hier die Betonung auf ,ernsthaft' liegt, gehört dieser Bruder unbedingt in
unsere Reihen. Allerdings werden wir von ihm verlangen, daß er sich mit der Frage nach Gott
und dem, was die Wissenschaft dazu in Wirklichkeit zu sagen hat, gründlich auseinandersetzt."
Das heißt im Klartext: Ein Bruder, der an der Existenz des "Allmächtigen Baumeisters aller
Welten" ernsthaft zweifelt, kann auch in Deutschland Freimaurer sein, er gehört sogar "unbedingt
in unsere Reihen". (Die Bruderschaft, Nr. 15)

Wie dem auch sein mag, folgendes steht jedenfalls fest: Es gibt sowohl in der regulären" als auch
in der "irregulären" Maurerei nicht wenige Mitglieder, die Atheisten sind. Als Atheisten haben sie
den Atheismus mit den Kommunisten gemeinsam. Damit ist ihnen notwendig auch ein Nein zum
Glauben der Kirche gemeinsam und nicht selten verbindet beide auch eine gemeinsame
Frontstellung gegen die Kirche. Wenn sie auch die Dogmen des dialektischen Materialismus nicht
unbedingt mit den Kommunisten teilen, so stehen doch alle Freimaurer seien sie nun gläubig
oder ungläubig mit den Kommunisten gemeinsam auf dem Boden des Rationalismus und
Laizismus, d. h. sie betrachten die menschliche Vernunft (ratio) als höchste Instanz ihres
Erkennens und Wollens und sie sind bestrebt, den Einfluß der Kirche aus dem öffentlichen Leben
auszuschalten (Laizismus). Freimaurer und Kommunisten haben schließlich ein gemeinsames
politisches Endziel: Der eine Welt Staat unter einer Welt Regierung.

Das Endziel des revolutionären Kommunismus ist die bolschewistische Weltrevolution, die
etappenweise zu einer sozialistischen Welt Republik führen soll. Der britische Politiker John
Strachey, der in seiner Laufbahn Antifaschist, verschiedene Male ein Konservativer, dann ein
unabhängiger Labourmann, dann ein führender Mann des Kommunismus und nach dem II.
Weltkrieg schließlich sozialistischer Minister in England war, schrieb bereits 1937 in seinem Buch
Der kommende Kampf um die Macht, "daß die einzig mögliche Zukunft für Großbritannien darin
liegt, sich zuerst als freie Republik in einen Bund der europäischen Völker und später der
weltumspannenden Gemeinschaft der Sowjetrepubliken einzureihen".(D.Reed, Der große Plan
der Anonymen)

Gut informierte politische Kreise in Europa kennen schon seit Jahren das politische Ziel der
Sowjetunion, in Europa eine "Union der sozialistischen Staaten" zu schaffen. Es ist
bemerkenswert, daß Moskau diesen Begriff offiziell zum ersten Mal in der sowjetischen
Parteizeitung "Prawda" vom 17. Oktober 1973 eingeführt hat. Das Fernziel der zur gleichen Zeit
stattfindenden "Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa" ist damit genau
abgesteckt. Wann diese vom Kreml geplante "Union der Sozialistischen Staaten Europas"
Wirklichkeit werden wird, ist heute noch ungewiß. Politische Experten nehmen an, daß der Tag,
an dem Europa oder doch wenigstens der größte Teil unseres Kontinents in der Hand der sog.
„Imperialisten“ sein wird, nicht mehr allzu fern ist.

Die meisten Zeitgenossen wissen freilich nicht, daß ein konkreter Plan zur Sowjetisierung bzw.
Sozialisierung Europas schon seit gut 30 Jahren besteht, ein Plan, der von einem der
prominentesten Freimaurer unseres Jahrhunderts zusammen mit dem kommunistischen
Massenschlächter Stalin ausgearbeitet wurde. Leider ist der Weltöffentlichkeit dieser Plan aus
dem Jahr 1943 erst 1962 bekannt geworden, als die aufsehenerregende Biographie des
amerikanischen Kardinals Spellman erschien. Aus der Biographie, die ein zeitgeschichtlich
äußerst wertvolles Dokument darstellt und besonders für die Europäer aufschlußreich ist, geht
hervor, daß der Hochgradfreimaurer F. D. Roosevelt 1943 bereit war, ganz Europa dem Kreml
auszuliefern. Die genannte Biographie enthält die Gedächtnisaufzeichnung eines Gesprächs, das
Präsident Roosevelt 1943 mit Kardinal Spellman führte. Dabei teilte der Präsident dem Kardinal
mit, daß nach vorliegendem Plan die Welt zwischen den USA, China, Großbritannien und der
Sowjetunion aufgeteilt werde. Während den Vereinigten Staaten die Herrschaft im Pazifik zufallen
soll, wird China die Hegemonie über den Fernen Osten erhalten. England, das vorwiegend
koloniale Interessen verfolge, bekommt Afrika, und Moskau den europäischen Kontinent als
Herrschaftsgebiet.

Vermutlich hat der damalige Kardinal von New York gegen diese entsetzliche "Friedensordnung",
die das alliierte Frankreich ebenso wie den Vatikan der Sowjetdiktatur unterwerfen sollte,
Einwände erhoben bzw. protestiert. Denn er verschweigt in seiner Notiz nicht, welchen "Trost"
ihm der Präsident zu bieten versuchte. Spellman referiert wörtlich: "Es ist natürlich, daß die
europäischen Länder sich fürchterlichen Veränderungen unterziehen müssen, um sich Rußland
anzupassen, aber er (Roosevelt) hofft, daß die europäischen Einflüsse binnen zehn oder zwanzig
Jahren die Russen dahin bringen, daß sie weniger barbarisch sind. Mag dem sein wie auch
immer, die USA und Großbritannien können nicht gegen die Russen kämpfen ... Er hofft, daß aus
der erzwungenen sich bald eine wirkliche und dauerhafte Freundschaft entwickelt. Die
europäische Bevölkerung wird einfach die russische Herrschaft in der Hoffnung ertragen müssen,
daß sie in zehn oder zwanzig Jahren in der Lage sein wird, gut mit den Russen
zusammenzuleben..." (Kath. Nachrichten-Agentur (KNA) vom 23. 5. 1962)

Präsident Roosevelt unterhielt damals mit dem Vatikan sog. "freundschaftliche Beziehungen".
Später wurde bekannt, daß einer seiner ersten Berater ein kommunistischer Agent war. Ob der
Präsident geistig zu naiv war, um die Doppelgesichtigkeit und das Doppelspiel seiner
verwerflichen Politik zu erkennen?

Oder sollte er diesen Plan mit kaltem Zynismus vorgelegt haben? - Wir werden darauf
wahrscheinlich keine klare Antwort finden.

An der Tatsache, daß der Plan existiert, besteht jedoch kein Zweifel. Ebenso ist sicher, daß der
Plan nur zum Teil verwirklicht ist, denn Europa ist erst zur Hälfte dem russischen Machtbereich
unterstellt. Die Unterwerfung der noch freien Hälfte Europas wird gegenwärtig durch fieberhafte
Aktivität vorbereitet. Das Schlagwort vom Frieden, der in Europa "sicherer" gemacht werden soll,
bedeutet nach sowjetischem Verständnis nichts anderes als die Herrschaft der
Kremlimperialisten über das ganze Europa. Denn erst wenn sie dieses ganz in ihrer Hand haben,
wird der Friede "sicherer" sein, als er es zur Zeit ist. Nicht wenige Europäer aber befürchten
angesichts jüngster amerikanisch sowjetischer Abmachungen auf höchster Ebene, daß der
Freimaurer Richard Nixon oder ein anderer ihm folgender Bruder auf den Spuren des
brüderlichen Vorgängers Roosevelt einen ähnlichen Verrat an Europa üben könnte, wie jener ihn
1943 versucht habe.

Wenden wir uns nach diesem weltpolitischen Exkurs nun dem eigentlich antikirchlichen Komplott
von Freimaurern und Kommunisten zu. Obwohl in der sowjetischen Machtsphäre alle Logen
verboten sind und die meisten Freien Maurer den Kommunismus sowjetischer Prägung nicht
anerkennen, gibt es doch auch Logen, die mit den Kommunisten sich verschworen haben zum
gemeinsamen Kampf gegen die Kirche. Wie wir bereits wissen, hatten die Väter der russischen
Oktoberrevolution Beziehungen zu französischen Logen. Die politischen Verschwörer hatten fast
alle in irgendeiner Form Verbindungen mit geheimen Gesellschaften und Zirkeln, die ihrerseits
wieder mit den eigentlichen Freimaurerlogen Kontakte pflegten. Wie die Freimaurerei kam auch
der Kommunismus ursprünglich aus dem Untergrund. Die betont antikirchliche Tradition großer
Teile der französischen Freimaurerei macht die gegenwärtige De facto-Allianz mehrerer
französischer Logen mit dem Kommunismus verständlich.

Ein Beispiel aus Südamerika, wo der Einfluß des Grand-Orient sehr stark ist, mag die
Zusammenarbeit von Freimaurern und Kommunisten etwas beleuchten. Vom 26. bis 28. März
(Gründonnerstag bis Karsamstag) 1959 fand in Montevideo ein Freimaurerkongreß statt, der sog.
"Zweite Internationale Kongreß für die Allgemeine Brüderlichkeit". Zur Warnung vor dessen
Bestrebungen veröffentlichte der argentinische Episkopat am 20. Februar 1959 ein gemeinsames
Hirtenwort. Darin wiesen die argentinischen Bischöfe im Einklang mit den Päpsten auf die
“satanische Verschwörung ... über der Menschheit hin" und erklärten u. a.: "Bei der 4.
Interamerikanischen Freimaurerkonferenz 1958 in Santiago de Chile wurde verkündet, daß ’der
Orden seinen Adepten Hilfe leistet, damit sie in der Öffentlichkeit ihrer Nationen oberste
Stellungen erringen'. Das Thema hieß ’Verteidigung des Laizismus', und die entwickelte neue
Taktik traf sich mit den jüngsten Parolen des Internationalen Kommunismus. Die Freimaurer
sollen den Laizismus in allen Bereichen vorantreiben die Kommunisten sollen die soziale
Ordnung untergraben. Als Parole wurde ausgegeben: ’Auf dem Weg über alle beeinflußten
politischen Parteien ist die laizistische Kampagne zu verstärken. Es muß versucht werden, die
Warnrufe der katholischen Kirche zu besänftigen, indem wir direkte freimaurerische Aktionen
vermeiden. Die Aktionen zur Spaltung der Arbeiterbewegung sind zu vermehren, um dann deren
Überrumpelung voranzutreiben. Freimaurerei und Kommunismus verfolgen gegenwärtig in
Lateinamerika die gleichen Ziele, deshalb ist auf gleichlaufende Aktionen zu achten, wobei das
Bündnis öffentlich nicht in Erscheinung tritt.’

Der bevorstehende Zweite Internationale Kongreß für die Allgemeine Brüderlichkeit in


Montevideo ist eine Probe all dieser Bestrebungen. Es ist ein Freimaurerkongreß unter
kommunistisdier Inspiration, der die freimaurerische Phrase von der allgemeinen Brüderlichkeit
der Ausbreitung des internationalen Kommunismus dienstbar machen will. Er gibt vor, ’für die
menschliche Verbrüderung und den Frieden der Welt' kämpfen zu wollen. Zwei Schlagworte, die
die ruchlosen Ziele der Freimaurerei und des Kommunismus verbergen sollen!"

Die Bischöfe gingen dann auf das Verhältnis von Marxismus und Freimaurerei ein und fuhren
fort: "Marxismus und Freimaurerei haben das gemeinsame Ideal der irdischen Glückseligkeit. Ein
Freimaurer kann die philosophischen Ideen des Marxismus ohne Abstriche annehmen. Wie der
Großmeister der Loge von Paris bestätigt, ist zwischen den Prinzipien des Marxismus und der
Freimaurerei kein Widerspruch denkbar.

Um ihre Ziele zu erreichen, bedient sich die Freimaurerei der Hochfinanz, der hohen Politik und
der Weltpresse, während der Kommunismus im sozialen und wirtschaftlichen Bereich eine
Revolution gegen Vaterland, Familie, Eigentum, Moral und Religion vorantreibt. Die Freimaurer
betreiben ihre Ziele mit geheimen subversiven Mitteln, die Kommunisten mit offenen. Die
Freimaurerei bewegt die sektiererischen politischen Minderheiten der Kommunismus stützt sich
auf eine Politik der Massen, indem er die Sehnsucht nach sozialer Gerechtigkeit ausbeutet ...

Katholizismus und Freimaurerei sind Dinge, die sich absolut widersprechen und ausschließen, so
wie Christus und Antichrist. Jeder soll auch wissen, daß Liberalismus und Laizismus in allen ihren
Formen die ideologische Ausprägung der Freimaurerei datstellen. Es tut nicht viel zur Sache, daß
viele Liberale keine Freimaurer sind: es gibt bewußte Instrumente und blinde Instrumente.
Entscheidend ist, daß der Sache nach die einen wie die anderen zusammenhelfen, um die Kirche
Christi und die katholische Ordnung unserer Republik zu zerstören.

Was die Freimaurer in ihrer Tätigkeit antreibt, ist letztlich der Haß gegen Christus und gegen
alles, was in den menschlichen Seelen und den menschlichen Einrichtungen seinen Namen trägt.
Ihr endgültiges Ziel ist die Zerstörung alles Christlichen und alles dessen, was sich an der
biblischen Lehre ausrichtet ...

Wir klagen Freimaurerei und Kommunismus als Feinde unserer überkommenen Werte und
unserer Zukunft an als Feinde, die es darauf abgestellt haben, alles Edle und Heilige in unserem
Land auszurotten."

Der Text der bischöflichen Verlautbarung enthält Aussagen, die zum Teil nur für militante
antichristliche Logen um den Grand Orient zutreffen, aber auch solche, die für die gesamte
Weltfreimaurerei charakteristisch sind, wie etwa die Feststellung, daß sich die Freimaurerei zur
Erreichung ihrer Ziele "der Hochfinanz, der hohen Politik und der Weltpresse bedient" und "daß
Liberalismus und Laizismus in allen ihren Formen die ideologische Ausprägung der Freimaurerei
darstellen".
Durch ihre Machtpositionen und Schlüsselstellungen in der Hochfinanz, in der hohen Politik sowie
im Nachrichten- und Pressewesen ist die liberale und elitäre Maurerei in der Lage, wie keine
Macht dieser Welt die Öffentlichkeit mit den von ihr propagierten Ideen und Zielen des
Liberalismus zu beeinflussen. Die auf diesem Gebiet von ihr gesteuerte geistige Revolution mit
dem Ziel, die Welt zu verweltlichen und das Christentum zu entchristlichen wie der moderne
Säkularisierungsprozeß auf eine knappe Formel gebracht werden kann hat bereits solche
weltweiten "Erfolge" und Einbrüche in den christlichen Raum, vorwiegend in die christliche
Theologie des Westens hinein erzielt, daß die von manchen katholischen Autoren
heruntergespielte Bedeutung der Freimaurerei als antichristliche Kraft nicht gerechtfertigt
erscheint. So meinte beispielsweise K. Algermissen: "Mit dem weltanschaulichen Liberalismus
hat auch die Freimaurerei, trotz Zunahme an Mitgliedern, ihre Blütezeit hinter sich. Ihre
Geschichte im ganzen wie in den einzelnen Ländern ist erfüllt von Auseinandersetzungen der
Großlogen untereinander. Ihre zum Teil große caritative Tätigkeit ist anzuerkennen, allerdings
weithin auf die Unterstützung bzw. Protektion bedürftiger Logenbrüder gerichtet. Die religiös
geistigen Kämpfe der Gegenwart und Zukunft werden wesentlich zwischen Christentum und
Marxismus durchgeführt. Mag die Freimaurerei, besonders in den romanischen Ländern, auch
weiterhin die antikirchliche Tätigkeit fortsetzen, so ist sie doch nicht als der Hauptfeind des
Christentums anzusehen."

Wenn diese vor dem II. Vatikanischen Konzil geschriebenen Sätze schon nicht der vorkonziliaren
Situation gerecht werden, so erst recht nicht derjenigen nach dem großen Konzil. Noch weniger
kann eine nachkonziliare Verharmlosung der freimaurerischen Bestrebungen akzeptiert werden,
wie sie die "Herder Korrespondenz" 1969 vertrat. Da wird nämlich behauptet: "Die Freimaurerei
stellt heute keine Großmacht mehr dar, die der Kirche gefährlich werden könnte oder auch nur
möchte. In ihrem überwiegenden Teil handelt es sich um eine tolerant gesinnte Gesellschaft, in
der Geselligkeit und Clubleben eine ebenso große Rolle spielen wie weltanschauliche Fragen
und sittliche Verantwortung. Die alte Gegnerschaft entbehrt heute der Grundlage.”

Ein solches Urteil mag wohl den Intentionen der Logen entgegenkommen, die ja bestrebt sein
müssen, den Eindruck der Gefährlichkeit und Feindschaft gegenüber der Kirche nicht aufkommen
zu lassen oder von sich zu weisen. Es ist jedoch schlichtweg falsch und wird von den Tatsachen
widerlegt, wenn der Freimaurerei die "Großmacht" Stellung und "Gegnerschaft" zur Kirche
abzusprechen versucht wird. Auch der Hinweis auf die Auseinandersetzungen, die innerhalb der
Großlogen stattfinden, ist kein überzeugendes Argument gegen die Weltfreimaurerei als liberale
Führungsmacht. Trotz aller Meinungsverschiedenheiten und kleinlicher Streitereien innerhalb der
Logen und Großlogen besteht doch überall in der Freimaurerei eine geschlossene ideologische
Einheitsfront gegen die katholische Kirche und ihren Anspruch, als hierarchisch verfaßte
Gemeinde von Jesus Christus mit dem Auftrag gegründet zu sein, die von Gott geoffenbarte
Heilsbotschaft allen Menschen unfehlbar zu verkünden und ihnen das durch den Sohn Gottes
gewirkte Heil zu vermitteln. Freimaurerei und Kommunismus verfolgen überall das Ziel, durch
liberale bzw. atheistische Propaganda und "Aufklärung" die gläubigen Christen aller
Konfessionen vom Offenbarungsglauben abzubringen oder ihn zu verfälschen, d. h. zu zerstören,
wenn auch ihre jeweiligen Mittel und Methoden, mit denen sie dieses Ziel zu erreichen hoffen,
verschieden sind. Das gleichgerichtete antichristliche Ziel beider Großmächte erklärt z. B. auch,
warum die liberale, weitgehend von Freimaurern beherrschte Presse des Westens, zwar gegen
die Unfreiheit und Unterdrückung von Intellektuellen in der Sowjetunion mehr oder weniger
engagiert Stellung nimmt, über die brutale und unerbittliche Verfolgung der Christen im
sowjetischen Machtbereich jedoch kaum berichtet, geschweige denn dagegen protestiert. Nicht
zu Unrecht hat man in diesem Zusammenhang von einem "Komplott des Schweigens"
gesprochen.
III. FREIMAUREREI UND RELIGION

1. Die Freimaurerei eine antichristliche Ideologie

Die wichtigste Frage, die in diesem Kapitel zu besprechen ist, betrifft die Religiosität der
Freimaurerei und läßt sich in zwei Teilfragen gliedern:

Ist die Freimaurerei eine Religion oder nur ein ethisches System?

Ist die Freimaurerei mit dem Christentum vereinbar?

Über diese Grundfragen wird besonders seit dem II. Weltkrieg und mit Schwerpunkt seit dem II.
Vatikanischen Konzil engagiert gestritten. Die Antworten, die bisher von Freimaurern und ihren
Gegnern auf diese Fragen gegeben wurden, sind unbefriedigend und verwirrend. Bei den
heutigen Freimaurern fällt die Tendenz auf, die Freimaurerei nicht als Religion zu betrachten. Wie
schon W. Hannah (1952) bemerkte, verwenden sie gern die Formel: "Freimaurerei ist nicht eine
Religion, sondern ist Religion." Manchmal sagen sie auch: "Freimaurerei ist nicht eine Religion,
sondern sie ist religiös."

Fast dieselbe Formulierung findet sich in einer deutschen Freimaurerschrift (1970), wo gesagt
wird: "Mit der geheimnisvollreligiösen Bedeutung der Symbole hat es eine besondere
Bewandtnis. In der letzten Unausdeutbarkeit und Vielfalt eines Symbols ergreift der Betrachter
religiösen Bereich. Freimaurerei ist darum religiös; sie ist aber keine Religion."

M. Dierickx schreibt, daß die Freimaurerei "keine Religion ist, wohl aber ein ethisches System".
Mit dieser Behauptung, die für ihn "unverrückbar feststeht", will er dem nach seiner Meinung
"bedeutsamsten Vorbehalt gegen die Freimaurerei" begegnen, nämlich der "Gefahr des
Synkretismus", und er hofft damit, viele Einwände, die z. B. Hannah und Whalen machen,
entkräften zu können."

Doch dazu muß leider gesagt werden, daß M. Dierickx die Freimaurerei nicht gründlich genug
studiert hat. Gegen seine Auffassung spricht schon das erste und wichtigste Kapitel der "Alten
Pflichten" von 1723, die nach wie vor als allgemein anerkanntes Grundgesetz der "regulären
Freimaurerei" gelten. Ganz im Einklang mit den Aussagen dieses Kapitels der "Alten Pflichten",
hat die Großloge von England im Jahr 1950 die Großloge von Uruguay förmlich exkommuniziert,
als diese die Glaubensformel so weit faßte, daß sie von Gläubigen und Ungläubigen
angenommen werden konnte, und erklärt: "Die wahre Freimaurerei ist eine Religion. Der Glaube,
den man haben muß, besteht darin, daß man dem Gott der Christen eine wirkliche Ehrung
erweist. Die Freimaurerei ist vom Glauben des Mittelalters inspiriert und muß ihm die Treue
wahren ... Da Sie unseren Weisungen nicht Folge geleistet haben, trifft Sie dasselbe Schicksal,
das wegen desselben Verbrechens den Groß Orient von Frankreich getroffen hat. Wir erkennen
Sie und alle, die Ihnen folgen, nicht mehr als rechtmäßige Freimaurer an.”

Was die englischen Maurer unter dem "Glauben" an den "Gott der Christen" verstehen, werden
wir im folgenden näher zu analysieren haben. Doch zuvor soll noch ein anderer prominenter
Freimaurer aus England zu unserer Frage Stellung nehmen.

Sir J. Codeburn, ehemaliger Groß Diakon von England und stellvertretender Großmeister von
Australien gibt dazu folgende Erklärung:

"Die Frage, ob die Freimaurerei eine Religion ist, ist heftig diskutiert worden. Aber die
Kontroverse scheint nur ein Wortgefecht zu sein. Vielleicht ist es der beste Weg zu einem
Abschluß, wenn man zunächst die Punkte aufzählt, die den meisten Religionen gemeinsam sind,
und dann untersucht, inwieweit die Freimaurerei sich von ihnen unterscheidet. Religion befaßt
sich mit der Beziehung zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer und flößt vor allem
Ehrfurcht vor dem Schöpfer ein. Die Religionen sind reich an gottesdienstlichen Formen des
Gebetes und Lobpreises. Sie geben ferner Verhaltensregeln, indem sie einen Gott oder einen
Helden als Muster zur Nachahmung vorstellen ... Es würde schwer fallen, zu sagen, welche
dieser charakteristischen Merkmale der Freimaurerei fehlen. Ganz gewiß besitzt sie alle in
reicher Fülle. Ihre Zeremonien sind ausgearbeitet und unübertroffen an Schönheit und Sinntiefe.
Sie sind durchsetzt von Gebet und Danksagung ... Wenn der Titel einer Religion der Freimaurerei
versagt würde, könnte sie wohl mit Recht als eine Vereinigung von Religionen bezeichnet
werden."

Es könnten noch mehrere Urteile dieser Art hier angeführt werden. Doch es gibt keinen besseren
Beweis für die These, daß die Freimaurerei eine Religion ist, als der Text der offiziellen "Alten
Pflichten" selbst, der ganz klar in der Freimaurerei "die Religion" sieht, "in der alle Menschen
übereinstimmen". Eine sachliche Auseinandersetzung mit dieser These macht es notwendig, sie
im Zusammenhang mit dem ganzen ersten Kapitel der "Alten Pflichten" zu sehen. Der Text
dieses Kapitels, das die Überschrift trägt "Von Gott und Religion", lautet:

"Der Maurer ist als Maurer verpflichtet, dem Sittengesetz zu gehorchen; und wenn er die Kunst
recht versteht, wird er weder ein engstirniger Gottesleugner, noch ein bindungsloser Freigeist
sein. In alten Zeiten waren die Maurer in jedem Lande zwar verpflichtet, der Religion
anzugehören, die in ihrem Lande oder Volk galt, heute jedoch hält man es für ratsamer, sie nur
zu der Religion zu verpflichten, in der alle Menschen übereinstimmen, und jedem seine
besonderen Überzeugungen selbst zu belassen. Sie sollen also gute und redliche Männer sein,
von Ehre und Anstand, ohne Rücksicht auf ihr Bekenntnis oder darauf, welche Über¬zeugungen
sie sonst vertreten mögen. So wird die Freimaurerei zu einer Stätte der Einigung und zu einem
Mittel, wahre Freundschaft unter Menschen zu stiften, die einander sonst fremd geblieben
wären.”

Aus dem vorliegenden Text ist folgendes zu entnehmen:

Die Freimaurer sind nicht mehr verpflichtet, der Religion anzugehören, die in ihrem Land oder
Volk galt; für sie gilt nach dem Konstitutionenbuch von 1723 nur "jene Religion, in der alle
Menschen übereinstimmen!"

Was heißt das? Als die Verfasser der Konstitutionen diesen Satz niederschrieben, waren in den
Logen noch nicht Mitglieder verschiedener Religionen, sondern nur Christen verschiedener
Konfessionen vereinigt. Will man also den Begriff "Religion" im ersten Teil des Satzes richtig
deuten, muß man ihn korrekt als "Konfession" im Sinne einer christlichen Kirche oder
Gemeinschaft verstehen, denn in nichtchristliche Länder und zu anderen Religionen (Islam,
Buddhismus) kam die Freimaurerei erst später. Die Konfession also, die der einzelne Maurer
früher gehabt hat, darf jetzt sein Leben und Wirken in der Loge nicht mehr bestimmen. Er muß
seine persönlichen religiösen Überzeugungen "vor der Logentür zurücklassen", wie ein deutscher
Freimaurer schrieb. "Auf diese Weise hat es in der Freimaurerloge der Mensch mit nichts
anderem als nur mit seinem Mitmenschen zu tun, wie er sich darstellt, wenn man ihn aller
besonderen Überzeugungen, Vorurteile und zeitlichen Titel entkleidet." (St . Zickler, Was ist
Freimaurerei, S.11). Ein ehrliches Eingeständnis also. Die Freimaurerei "entkleidet" ihre
Mitglieder "aller besonderen Überzeugungen, Vorurteile und zeitlichen Titel".

Und womit wird der entblätterte oder entlaubte Baum geschmückt?, so möchte man jetzt gern
wissen. Er wird mit einer neuen Religion beschenkt, er empfängt das freimaurerische "Licht" und
er wird gleichzeitig auf diese neue Super Religion verpflichtet und nur auf sie. Der Ausdruck
Super Religion ist berechtigt, weil nach freimaurerischer Meinung diese Religion des nackten
Humanismus hoch über allen Konfessionen steht. Als Einheitsideologie, die vom Menschen nur
noch gelten läßt, "was an ihm Mensch ist, allein das allen Menschen Gemeinsame", soll diese
"Religion, in der alle Menschen übereinstimmen", das befreiende und erlösende Element für die
bessere Welt sein, die allein von den Meistern der "Königlichen Kunst" erbaut werden kann. Die
Freimaurerei ordnet das religiöse Bekenntnis ursprünglich irgendein christliches Bekenntnis,
heute kann es faktisch auch jedes nichtchristliche Bekenntnis sein ihrer Ideologie oder Religion
des nackten Humanismus wie ich sie nennen möchte unter. In freimaurerischer Diktion heißt
das: Der "Mensch" steht über der "Sache".

Für James Anderson war diese humanistische Religion, die er an Stelle der überholten früheren
"Religionen" (=Konfessionen) als neue verpflichtende Religion setzte, nichts anderes als ein
besseres "Christentum", das man im großen und ganzen mit dem Deismus identifizieren kann,
das aber jedenfalls nichts mehr mit dem echten, von Jesus Christus gestifteten Christentum zu
tun hat.

Das authentische Christentum, das sich auf Christus beruft, ist mit dem "Logenchristentum"
absolut unvereinbar. Und zwar deshalb, weil Christus von seinen Jüngern das Bekenntnis fordert.
Echtes Christentum war, ist und bleibt wesentlich Bekenntnischristentum oder
Konfessionschristentum. Es lebt von Jesus Christus, "dem Gesandten und Hohenpriester
unseres Bekenntnisses (Hebräer 3,1), der "unter Pontius Pilatus Zeugnis gab im herrlichen
Bekenntnis" (1. Tim. 6,13), und der seine Zeugen in alle Welt sandte, damit sie ihn "vor den
Menschen bekennen". Ja er macht dieses Bekenntnis sogar zur Voraussetzung für das ewige
Heil, wenn er sagt:

"Ein jeder nun, der sich zu mir bekennt vor den Menschen, zu dem werde auch ich mich
bekennen vor meinem Vater im Himmel; wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den werde
auch ich verleugnen vor meinem Vater im Himmel. Denket nicht ich sei gekommen, Frieden auf
die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert" (Mt
10,32ff).

Der Herr wußte, daß das Bekenntnis für ihn die Menschen entzweien und Kampf und Streit zur
Folge haben werde. Seine Forderung bleibt aber dennoch bestehen. Die Freimaurerei wollte von
Anfang an mit ihrer Humanismus-Religion den sogenannten "Religionskriegen" und jeglichem
Konfessionshader ein Ende setzen. Sie wählte für dieses Ziel aber bedauerlicherweise das
untauglichste Mittel: die Ausschaltung des christlichen Glaubensbekenntnisses, das für jeden
gläubigen Christen unverzichtbar ist.

Der christliche Bekenner kann und darf seine persönliche Glaubensüberzeugung auf keinen Fall
"vor der Logentür zurücklassen", er muß sie auch in der Loge als "freier" Mann frei bekennen
dürfen. Wenn ihm die Loge diese positive Bekenntnisfreiheit verweigert und ihm einen religiös
verbrämten Einheits Humanismus zur Pflicht machen will, dann muß er die Loge ablehnen.

Als Glaubender steht er unter dem Wort Christi und dem Glaubensgehorsam. Der Heilige Paulus
beschreibt die Bekenntnispflicht in Röm 10,10 so: "Aus dem Herzen kommt der Glaube, der zur
Gerechtigkeit führt, und aus dem Munde das Bekenntnis zum Heil."

Das heißt: Der Christ darf seinen Glauben nicht im Herzen verstecken, er muß ihn in den Mund
nehmen und bekennen: das ist sein Heil. Inhalt des christlichen Bekenntnisses ist jesus Christus,
der einzige und natürliche Sohn Gottes. "Wer den Sohn bekennt, hat auch den Vater. Das ist der
Antichrist, der den Vater leugnet und den Sohn." So steht es im 1. Johannesbrief (2, 22. Darf man
von diesem Schriftwort ausgehend, eine Religion, die das Bekenntnis zu Jesus Christus, dem
Sohn Gottes, ablehnt und aus ihren Tempeln verbannt, nicht eine unchristliche Religion nennen?

Und hat die Katholische Kirche und jede andere christliche Kirche, die unwandelbar am
Bekenntnis Jesus Christi festhält, nicht die Pflicht, eine solche Religion als unvereinbar mit dem
Bekenntnis zu jesus Christus zu verurteilen? Nach freimaurerischer Sprachregelung sind alle
dogmatischen Religionen und Konfessionen intolerant. Kirchen, die sich als bekennende Kirchen
verstehen, als Konfessionsgemeinschaften, sind von der Freimaurerei immer als intolerant
verschrien und bekämpft worden.
Der frühere Kultusminister von Baden Württemberg, Dr. Gotthilf Schenkel, der am 4. 10. 1959 auf
einer Kundgebung der Bruderschaft der Deutschen Freimaurer in der Frankfurter Paulskirche
über "Die Gegenwartsaufgaben der Freimaurerei" sprach, schilderte kurz die Gründung der
ersten Großloge im Jahr 1717, die sich gegen die Intoleranz der Kirchen und Konfessionen
gewendet habe und sagte, der Kampf gegen Intoleranz sei auch heute noch ein wesentlicher
Grundzug der Freimaurerei und die Toleranz ein entscheidendes Prinzip. (FAZ, 5. Okt. 1959).

Demnach ist also die Freimaurerei wesentlich ein Kampfbund gegen die "Intoleranz der Kirchen
und Konfessionen".

Wenn aber die von Christus gestiftete und in seinem Namen auftretende Kirche ihrem Wesen
nach eine konfessionelle Gemeinschaft ist, wenn echtes Christentum nur im Bekenntnis
existieren kann, dann ist die Freimaurerei als religiöse Gegenbewegung zu diesem Christentum
antichristlich orientiert.

Ist diese Freimaurerei nach ihrem eigenen Grundgesetz darüber hinaus auch noch eine
eigentliche Religion, dann ist sie nach den Gesetzen der Logik eben eine antichristliche Religion.
Zu dieser Erkenntnis muß jeder kommen, der das innere Wesen der Freimaurerei gründlich
er¬forscht und seinen Verstand nicht vor der Logentür zurück läßt oder ihn in der Loge abgibt. Es
ist kein Zufall, wenn außerhalb der Katholischen Kirche auch andere Kirchen bzw. Kirchliche
Gemeinschaften zu der Überzeugung gelangt sind, daß Freimaurerei und Christentum
schlechthin unvereinbar sind. So erklärten um nur ein Beispiel zu nennen die Bischöfe der
griechisch orthodoxen Kirche auf ihrer Konferenz am 12. Oktober 1933 u. a.: "Freimaurerei ist
eine Mysterienreligion, sie ist vom christlichen Glauben völlig verschieden, ihm entgegengesetzt
und fremd. Wie die Mysterienkulte, trotz scheinbarer Toleranz und Anerkennung fremder Götter,
zum Synkretismus führen, das Vertrauen zu anderen Religionen untergraben und allmählich ins
Wanken bringen, so ist die heutige Freimaurerei; sie möchte nach und nach alle Menschen
umfassen und sittlich vervollkommnen, das Erkennen der Wahrheit fördern und sich zu einer Art
Über Religion erheben, wobei sie auf alle andere Religionen (die christliche nicht ausgenommen)
als etwas Minderes herabsieht. Während das Christentum, das als eine geoffenbarte Religion im
Besitz der mit der Vernunft erfaßbaren und der darüber hinausgehenden Dogmen und
Wahrheiten ist, zuerst und vor allem Glauben fordert und seine moralische Auffassung auf die
übernatürliche göttliche Gnade gründet, hat die Freimaurerei nur eine natürlidie Wahrheit und
bringt ihre Eingeweihten zum freien Gedanken und zur freien Forschung durch die Vernunft
allein. Die Struktur ihrer Moral fußt allein auf den natürlichen Kräften des Menschen und dient nur
natürlidien Zwecken. Unlängst hat die Interorthodoxe Kommission, die auf dem Berge Athos
zusammenkam und an der die Verantwortlichen aller unabhängigen orthodoxen Kirchen beteiligt
waren, die Freimaurerei als ein falsches und antichristlidies System charakterisiert."

Mit Genehmigung der Bischofskonferenz gab dann Erzbischof Chrysostomos von Athen folgende
Beschlüsse bekannt: "Die Freimaurerei kann absolut nicht mit dem Christentum in Einklang
gebracht werden, weil sie eine Geheimorganisation ist, die im dunkeln und geheimen arbeitet und
lehrt sowie den Rationalismus vergöttert ... Daher kann einem Geistlichen nicht erlaubt werden,
Mitglied dieser Gesellschaft zu werden. Ich meine, daß jeder Geistliche, der es dennoch tut,
ausgestoßen zu werden verdient ... Wir erklären, daß alle gläubigen Kinder der Kirche außerhalb
der Freimaurerei bleiben müssen ... Es ist unrecht, zu Christus zu gehören und Erlösung sowie
seelische Vervollkommnung außer denn bei Ihm zu suchen.“ (M. Dierickx, a.a.O. S.182)

Das Urteil der Interorthodoxen Kommission, wonach die Freimaurerei ein "antichristliches
System" ist, deckt sich voll und ganz mit der Argumentation, die an Hand der Analyse des ersten
Kapitels der "Alten Pflichten" in dieser Schrift vorgetragen wurde. Die Verurteilungen, die seitens
der Römisch Katholischen Kirche seit 1738 ausgesprochen wurden bisher sind über 12 Verbote
der Freimaurerei durch Päpste erlassen worden und rund 200 päpstliche Interventionen gegen
Freimaurerei und andere geheime Gesellschaften erfolgt gehen von der Grundtatsache des
antichristlichen Charakters der Freimaurerei aus und sollten von daher auch verstanden werden.
Dabei steht eindeutig fest, daß sich die betreffenden Verurteilungen nicht nur auf die militant
antikirchliche "irreguläre Freimaurerei" beziehen, sondern ebenso die "reguläre" angelsächsische
Richtung treffen.

Die Meinung von M. Dierickx, daß die im Kanon 2335 des Kirchlichen Gesetzbuches (1918) für
Mitglieder der Freimaurerei verhängte Exkommunikation nicht den "regulären Logen" gilt, weil
diesen ja keine Verschwörung gegen die Kirche zur Last gelegt werden könne, geht an der
Wirklichkeit leider vorbei und beruht auch dann auf falschen Voraussetzungen, wenn mehrere
Theologen und Kirchenrechtler in dieser Frage die Ansicht von M. Dierickx teilen." (M. Dierickx,
a.a.O. S.192)

Angesehene und führende Freimaurer sehen im ökumenischen Dialog nach dem II.
Vatikanischen Konzil die große Chance oder sie hegen zumindest die Hoffnung, daß die
Katholische Kirche ihre Haltung gegenüber der Freimaurerei revidiere. Sie selbst wollen aber die
Freimaurerei in ihrem Wesen nicht verändert wissen, wenngleich sie auch einige unwesentliche
kosmetische Reformen in ihrem Ritual und Brauchtum für notwendig erachten, heute manchmal
mit der Absicht, dadurch die Logen für Katholiken als akzeptabel erscheinen zu lassen. Ihre kluge
Taktik hat sich als erfolgreich herausgestellt, obwohl sich das innere Wesen der Freimaurerei
nicht im geringsten geändert hat.

Altgroßmeister F. A. Pinkerneil äußerte 1961 seine ganz aufrichtige Meinung darüber, wenn er
schreibt: "Es erscheint unmöglich, die Gegnerschaft der Katholischen Kirche auch nur zu mildern.
Wir können nichts mehr tun und das werden wir tun als eine bedauerliche Wandlung der
Katholischen Kirche seit der Zeit, wo Bischöfe und Prälaten führende und angesehene
Freimaurer waren, festzustellen und den Gründen nachzugehen. jedenfalls haben wir Freimaurer
uns in den beiden Jahrhunderten nicht gewandelt. Wir erstreben in dieser Hinsicht eine faire,
geistig hochstehende Auseinandersetzung." Wer die Freimaurerei kennt, kann voraussagen, daß
sie sich auch in der Zukunft nicht wandeln wird, jedenfalls nicht in ihrer Haltung gegenüber der
Katholischen Kirche, sofern sie ihrem Bekenntnis und ihrer Sendung treu bleibt.

Da die Kirche aber keinen Verrat an dem von ihrem göttlichen Stifter stammenden Heilsauftrag
üben darf, wird die ersehnte und erstrebte geistige Ökumene mit der Freimaurerei solange nicht
möglich sein, als die "dogmenlose Freimaurerei" die katholische Kirche, "die auf dem Dogma
beharren muß" (Delters) nicht anerkennt und zu ihr zurückkehrt. Wie sehr aber einerseits das
wirkliche Wesen der Katholischen Kirche mißverstanden werden kann und wie tief andererseits
der Graben ist, der die Freimaurerei von der Kirche trennt, zeigen folgende Äußerungen eines
vielzitierten Freimaurers. Er meint, "daß die Kirche Roms weniger eine katholische, das heißt
allgemeine Kirche ist, als vielmehr eine römische, die mit dem imperialen Anspruch auf absolute
Führung des vergangenen Roms auftritt. Das Imperium Romanum ist verschwunden,
untergegangen. Doch der Geist Roms verkörperte sich in der Kirche, die aus einer katholisch
allgemeinen zu einer römischen wurde ...

Rom beruft sich stets auf das seinem ersten Bischof, dem Apostel Petrus, vom Erlöser
übertragene Hirtenamt. Darin und in der ununterbrochenen Sukzession des Bischofamtes von
Rom liegt zweifellos ein Quell der Stärke der römischen Kirche. In allen Wandlungen, denen sie
unterlag, blieb ihr Machtanspruch auf die Seelenführung der Menschen bestehen. Diesen
Anspruch versucht sie mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu erhalten und zu mehren. Für
sie bleibt der Mensch ein der Führung bedürftiges, sündiges Geschöpf.

Nun bleibt die Menschheit als Ganzes ebensowenig stehen, wie der Einzelne. Wie das Kind und
der jugendliche Mensch der Mündigkeit entgegenreifen, so auch die Menschheit.

Die Freimaurerei steht auf dem Standpunkt, daß viele Menschen die Schwelle der Mündigkeit,
der geistigen Mündigkeit, überschritten haben, ja sogar, daß die Menschheit als Ganzes sich
mehr und mehr der Schwelle der Mündigkeit nähert. Der geistig mündige Mensch soll aus
eigener Kraft seinen Weg suchen und finden ... Wie das Kind einmal selbständig gehen lernt und
sich von Rockschoß der Mutter löst, so muß auch der Mündige sich einmal von der geistig
seelischen Bevormundung durch die Kirche lösen ...

Aus dem Machtanspruch, den die römische Kirche insbesondere auf die Seelen der Gläubigen
erhebt, ergibt sich, daß sie nicht tolerant sein kann ...

Was die römische Kirche im Kult und den Sakramenten den Gläubigen zu spenden hat, gehört
zum Gewaltigen. Stünde dahinter nicht eine aus römisch juristischem Denken geborene
Dogmatik und als Inspirator derselben das Machtgespenst der Caesaren, würde man sie, nicht
zuletzt im Hinblick auf ihren Sakramentalismus, als die katholische, das heißt als die
umfassende, allgemeine Kirche anerkennen können. Und das ist es, was die römische Kirche
und Freimaurerei in ihrem Wesen trennt." (Herderkorrespondez, HK, 1953, Heft 12, S.570)

Man muß diesen Text, der 1958 veröffentlicht wurde, mit Bedacht lesen, um die tiefe Kluft, die
Freimaurerei und römisch katholische Kirche voneinander trennt, richtig erkennen zu können.
Wie klar hat der Verfasser doch gerade den Wesensunterschied zwischen freimaurerischer
Mündigkeitsideologie und der "Dogmatik" der Mutter Kirche herausgestellt.

Fast möchte man meinen, daß der erst nach dem II.Vatikanischen Konzil spürbar gewordene
Aufbruch zur Mündigkeit in der Kirche mit der Tendenz, sich "vom Rockschoß der Mutter" Kirche
zu lösen, mit der freimaurerischen Mündigkeit geistig verwandt sei.

Und was sagt der Herr Jesus Christus dazu? Er stellte seinen Aposteln und Jüngern ein Kind vor
Augen. Dieses Kind ist Vorbild für alle, die vor Gott mündig, d. h. vollkommen werden und in das
Reich Gottes eingehen wollen. Und er sandte unserem mündigen Jahrhundert, in dem bis heute
schon mehr Kinder gemordet wurden als in der Gesamtgeschichte der Menschheit, immer wieder
große Heilige, die in vorbildlicher Weise uns den Weg der „geistigen Kindheit“ als den Weg des
Evangeliums vorgelebt haben. Wer die beiden Wege kennt und miteinander vergleicht, wird zur
Einsicht und Überzeugung gelangen, daß zwischen freimaurerischer Mündigkeit und geistiger
Kindschaft des Christen ein Abgrund klafft, der unüberbrückbar ist. Wenn ein katholischer Jurist
wie A. Mellor und ein Kirchengeschichtler wie M. Dierickx und manche gutwilligen Ökumeniker
mit ihnen den Versuch machen wollen, die beiden extremen Anti Thesen und Anti-Mächte, die
hinter ihnen stehen, miteinander versöhnen zu wollen, so mag ihr Versuch zwar gut gemeint sein,
er ist aber genauso unrealistisch und unmöglich wie die Quadratur des Kreises.

Wir haben bei der bisherigen Argumentation stets die Unvereinbarkeit der "regulären
Freimaurerei" mit dem Bekenntnis Christentum der katholischen Kirche im Blick gehabt. Wenn
schon hier eine akzentuiert antichristliche Spiritualität festzustellen war, so tritt dieselbe
Geisteshaltung bei der "irregulären Freimaurerei" noch viel auffallender in Erscheinung. Der
Grand Orient von Frankreich und die unter seiner Führung stehenden Logen können geradezu
als Anti Kirche bezeichnet werden. Ihr Haß gegen alles Christliche und Katholische erinnert an
den antichristlichen Agitator Voltaire, dessen Geist besonders in der romanischen Maurerei
weiterlebt. Es genügt schon ein Blick in die Protokolle des Grand Orient, um diesen
antichristlichen Haß zu erkennen. Im folgenden greifen wir aus den Protokollen der
Generalversammlungen von 1951 und 1952 einige charakteristische Aussagen heraus." (Aus La
documentatio catholique, Herderkorrespondenz, Heft 12, 1952)

Der Berichterstatter Cheval legte das gesellschaftspolitische Programm der Freimaurerei des
französischen Groß Orients dar, von dem sich die Groß Loge von Frankreich wohl in der Tonart
der Formulierungen, nicht aber in der Sache unterscheidet, und sprach dabei als Endziel des
Grand Orient die vollständige Laisierung an, das heißt die totale Verdrängung der Kirche aus
allen öffentlichen Bereichen.

Er sagte in diesem Zusammenhang ein Wort, das wir nicht vergessen sollten: "Die Idee des
Laizismus ist für uns nicht eine objektive Idee, sie ist unser Wesen...
Folgende drei Entschließungen wurden vom Konvent einstimmig angenommen: "Der Konvent
des Groß Orients von Frankreich stellt fest, daß die menschliche Freiheit durch die klerikalen
Umtriebe des Vatikan in Frankreich, den überseeischen Gebieten der Union Francaise und in der
ganzen Welt bedroht ist. Er beschließt, um der Kirche die Stirn zu bieten:

1. mit allen Mitteln das verborgene Spiel der Staatssekretarie des Vatikans zu enthüllen, deren
Ziel es ist, der ganzen Menschheit die entehrende Vormundschaft der politischen,
wirtschaftlichen und religiösen Diktatur aufzuerlegen;

2. alle Freimaurer des Groß Orient von Frankreich aufzufordern, daß sie zu jeder Stunde und an
jedem Orte am Zusammenschluß aller Laien arbeiten, und von jenen, die wichtige Stellungen
innehaben, zu verlangen, daß sie das Ideal der Laieninstitutionen mit demselben Eifer
verteidigen;

3. in dem unversöhnlichen Kampf gegen den römischen Klerikalismus alle Bündnisse zu


schließen, die mit dem freimaurerischen Ideal vereinbar sind."

Am Schluß bekräftigte der Konvent seine Entschließungen mit folgendem Eid, der nach den
Worten des Großmeisters nicht zur Abstimmung gestellt, sondern um der größeren Feierlichkeit
willen ohne Diskussion von allen Anwesenden mit einem feierlichen "Wir versprechen es"
angenommen wurde: "Wir Freimaurer des Groß Orients von Frankreich übernehmen die
feierliche Verpflichtung, mit allen unseren Kräften, zu jeder Stunde und an jedem Orte das Ideal
und die Institution des Laientums zu verteidigen, die der höchste Ausdruck der Grundsätze der
Vernunft, der Toleranz und der Brüderlichkeit sind, denen wir Treue geschworen haben, als wir
die Erleuchtung empfingen."

Auf dem Kongreß des Jahres 1952 findet man in einer der letzten Reden eine ausführliche
Definition über den Begriff "Geist des Laientums" ("Esprit laique"). Der Redner Jolly erklärte dazu:

"Laie sein, das heißt nicht, das menschliche Denken auf den sichtbaren Horizont begrenzen oder
dem Menschen verbieten, daß er von der Suche nach Gott träume. Es heißt, für das
gegenwärtige Leben die pflichtgemäße Anstrengung fordern. Es heißt, die Gewissen derer, die
noch vom Zauber alter Gläubigkeit gehalten sind, nicht verletzen wollen und nicht verachten. Es
heißt, den Religionen, die vorübergehen, das Recht verweigern, die Menschheit zu regieren, die
unvergänglich ist. Es heißt, daran glauben, daß das Leben der Mühe wert ist, gelebt zu werden,
dieses Leben lieben, dieses Tränental von der Erde wegweisen, nicht zugeben, daß diese
Tränen notwendig und wohltätig sind oder daß das Leiden providentiell ist: es heißt, für kein
Elend Partei ergreifen. Es heißt, dem Übel im Namen der Gerechtigkeit den Kampf liefern. Laie
sein, das heißt drei Tugenden besitzen: Caritas, das ist Liebe zu den Menschen; Hoffnung, das
ist das wohltuende Gefühl, daß ein Tag kommen wird, an dem sich die Träume der Gerechtigkeit,
des Friedens und des Glücks erfüllen werden; Glaube, das ist der Wille, an den sieghaften Sinn
unaufhörlicher Anstrengung zu glauben ... Dies ist es, dem jeder unserer Brüder sich verbünden
muß."

Mit Recht hat ein Kommentator zu der vorliegenden Definition bemerkt: "In diesen Worten wird
wohl das wahre Glaubensbekenntnis der freimaurerischen Religion und Sozialethik treffender
ausgedrückt sein als in den Riten und Zeremonien der Loge. Sie zeigen mit eine geradezu
erschütternden Deutlichkeit, daß Freimaurerei, europäischer Liberalismus, Laizismus und
Marxismus weltanschaulich, wenn auch mit gewissen Unterschieden, die gleiche Haltung zum
Ausdruck bringen, die man als die vollendete Perversion des christlichen Glaubens wird
bezeichnen müssen."

Die Glaubensauffassung und Weltanschauung des Grand-Orient, so wird mancher einwenden,


kann doch nicht als normgebend und typisch für die gesamte Freimaurerei hingestellt werden.
Und doch, so muß diesem Argument entgegengehalten werden, läßt sich auch in vielen
angelsächsischen Logen, vorwiegend in der neuen Welt, bei allen sonstigen Unterschieden, eine
verblüffende Übereinstimmung mit dem Groß Orient hinsichtlich laizistischer Bestrebungen
beobachten ...

Auch die amerikanische Freimaurerei kann in ihrer Gesamtheit keinesfalls als kirchenfreundlich
betrachtet werden. Die amerikanischen Logen haben in letzter Zeit zunehmend Atheisten
aufgenommen, nachdem der Großmeister der Großloge des Südens erklärt hatte, daß die
amerikanische Freimaurerei der in den "Alten Pflichten" enthaltenen Glaubensformel nur unter
der Bedingung zustimme, "daß sie die Achtung vor jeder Glaubensüberzeugung ausdrücken und
ein Zeichen für die Verbindung zwischen Gläubigen und Ungläubigen sein soll". Die
amerikanischen Freimaurer sind wie alle anderen davon überzeugt, daß sie über jede
"partikularistische Religion" erhaben sind und erstreben, wie ihre Konferenz von Washington es
bereits 1912 formulierte, "eine universale Religion auf der Grundlage der Liebe zur Menschheit".

Die amerikanische Freimaurerei ist zwar in zahlreiche selbständige Logen gegliedert und hält im
allgemeinen an ihrem englischen bzw. schottischen Ursprung fest. Das hindert sie jedoch nicht,
in Glaubensfragen den englischen Freimaurern religiöse Enge und zu großen Konservatismus
vorzuwerfen. Es gibt auch in den USA Logen, die ganz im Stil des Groß Orients eine militant
antikirchliche Propaganda betreiben und den Einfluß der katholischen Kirche aus dem
gesellschaftlichen Leben ausschalten wollen, was sich in jüngster Zeit besonders im
Zusammenhang mit der Frage der katholischen Privatschulen beobachten läßt, worüber wir uns
später eingehender zu befassen haben. Schon im Jahr 1949 warnte das Informationsblatt des
schottischen Ritus "Scottish Rite News" entschieden "vor den Umtrieben der römisch
katholischen Kirche und des Kommunismus, die zwei große Bedrohungen für die Demokratie
darstellen, die uns teuer ist.“

In diesem Blatt waren alle Vorwürfe gegen die Kirche zu finden, wie sie der Groß Orient nur
immer vorgetragen hat, angefangen von dem Märchen, Hitler, Mussolini und Franco seien
"Agenten des Vatikans" gewesen bis zu der verleumderischen Behauptung, Rom wolle durch
einen dritten Weltkrieg ein katholisches Europa wiederherstellen, aus dessen Führungsstellen die
Freimaurer von Katholiken bereits verdrängt seien. Die römisch katholische Kirche wird zum
eigentlichen Feind Amerikas gestempelt. Doch genug davon.

Es ist nun an der Zeit, unter die Ausführungen dieses Kapitels einen Strich zu ziehen und zu
fragen, wie es angesichts der in unserer Analyse aufgezeigten Unvereinbarkeit von
Freimaurerideologie und jeder Form von Bekenntnischristentum zu erklären ist, daß, wie M.
Dierickx mitteilt, "vier bedeutende Kardinal Erzbischöfe Westeuropas einigen Freimaurern, die
sich zum Katholizismus bekehrten oder ihn wieder ausüben wollten, erlaubten, in den Logen zu
verbleiben... Wir persönlich kennen mehrere Katholiken, die es mit ihrem Glauben ernst nehmen
und doch Freimaurer sind".

Erst recht stellt sich uns diese Frage, wenn die Meldung zutrifft, daß der praktizierende Katholik
Mellor in die Pariser Loge ’Esperance’ aufgenommen werden konnte, ohne daß Rom Einspruch
erhob. Alec Mellor arbeitet schon seit mehr als zehn Jahren für seine "getrennten Brüder, die
Freimaurer“. (A.Mellor, Unsere getrennten Brüder, die Freimaurer, Verlag Styria,Graz, Wien,
Köln, 1964)

Wie der deutsche Freimaurer F. Bolle schreibt, ist Mellor "ein gläubiger Sohn seiner Kirche und
Anwalt am Kassationshof in Paris; im März 1969 wurde er Freimaurer". Die Frage, wie solche
Vorgänge zu erklären sind, ist gestellt und bleibt im Raum stehen, in der Hoffnung, daß die
Betroffenen und Verantwortlichen sie zu gegebener Zeit beantworten werden. Für alle gläubigen
Katholiken, die dem Selbstzerstörungsprozeß der Kirche entgegenwirken wollen, bleibt indessen
die heilige Pflicht, ihren Hirten die Gaben des Heiligen Geistes zu erflehen, besonders die der
"Unterscheidung der Geister", damit von ihnen keine Entscheidungen getroffen werden, die der
Kirche schaden und dem Heil der Menschen und der Menschheit abträglich sind.
Wenn die Reform des Kirchlichen Gesetzbuches abgeschlossen sein wird, dürfte die Freude in
allen Logen der Welt wenigstens in einem Punkt sehr groß sein. Denn dann wird die jetzt noch
auf dem Papier des alten Kodex stehende, in der Praxis jedoch bereits mehrfach unterlaufene
Exkommunikation für Katholiken, die Mitglieder einer Freimaurerloge sind, nicht mehr zu finden
sein. Unter Berufung auf die Katholische Nachrichten Agentur (KNA) brachte "Die Bruderschaft",
das Organ der Freimaurer in Deutschland, in Nr. 8/9 (September) 1973 folgende Notiz:

"Die Exkommunikationen gegen katholische Freimaurer soll aufgehoben werden. Ein


entsprechender Erlaß ist bereits vor zwei Jahren von der Glaubenskongregation ausgearbeitet
worden. Wann er veröffentlicht wird, steht allerdings noch nicht fest. In Rom wird vermutet, daß
die Veröffentlichung erst zusammen mit dem neuen Kirchenrecht erfolgt, an dem zur Zeit
gearbeitet wird. Die Bischöfe von England und Wales haben die Geistlichen ihres Landes von
dieser bevorstehenden Erleichterung unterrichtet. Wahrscheinlich werde man dabei von Rom aus
jeder nationalen Bischofskonferenz die Entscheidung darüber zugestehen, ob den Laien künftig
gestattet sein soll, der Gemeinschaft der Freimaurer anzugehören."

Abschließend sei dazu nur soviel bemerkt: Die Aufhebung der Exkommunikation hebt die
Unvereinbarkeit von Freimaurerei und katholischem Glauben nicht auf.

Es ist und bleibt für einen Katholiken unmöglich, ein "gläubiger Sohn seiner Kirche" und
gleichzeitig ein wirklicher Freimaurer zu sein. Wenn M. Dierickx meint, die letzten Hindernisse
zwischen Freimaurerei und Kirche könnten "nur durch eine aktive Teilnahme von Katholiken am
Logenleben beseitigt werden" und zur Begründung auf die Situation in der Vereinigten Großloge
von England und in Skandinavien verweist, wo durch Bischöfe und Pfarrer als Logenmitglieder
ein positiver Einfluß auf die Logen ausgeübt werde, wenn er weiter den englischen Freimaurer
und anglikanischen Geistlichen J. L. C. Dart zitiert, nach dem Geistliche und Laien Mitglieder der
Freimaurerei werden müssen, damit diese "nicht den Feinden der Religion in die Hände fällt“,
wenn er schließlich schreibt, es komme ab und zu vor, daß "ein katholisch getaufter, der sich
später der Religion entfremdete, durch die Freimaurerei und die Arbeit in der Loge zu seinem
Glauben zurückfindet ... Persönlich haben wir ein Dutzend französische Freimaurer
kennengelernt, die (auf's neue) katholisch geworden sind“, so ist darauf folgendes zu erwidern:
Alle Versuche dieser Art Propaganda sind nicht überzeugend. Zunächst haben die genannten
Bischöfe und Geistlichen den Prozeß der Entchristlichung in ihren Ländern auch als Mitglieder
der Logen nicht aufhalten können. In Schweden z. B., das schon lange vor England eine
unmenschliche und unverantwortliche Abtreibungsgesetzgebung einführte, hat man es erreicht,
daß christliche Prinzipien im öffentlichen und kulturellen Leben, in der Justiz, Schule,
Hochschule, Erziehung, Sitte, Sexualität, Ehe, Familie so gut wie außer Spiel gesetzt sind." (R.
Braun, Was geht in Schweden eigentlich vor, Nürnberg, S.7)

Hätten Bischöfe und Geistliche in den betreffenden Ländern für die Forderungen des
Evangeliums und gegen die religiösen und sittlichen Auflösungstendenzen der Liberalen
gekämpft, dann hätten sie ihrem Volk und ihrer Kirche wahrscheinlich einen besseren Dienst
erwiesen als durch ihre Mitarbeit in den Logen. Eine ihrem Wesen nach antichristliche Institution
kann durch christliche Mitglieder nicht verchristlicht werden, wohl aber werden selbst viele
Christen von ihr aufgesaugt. Das ist eine geschichtliche Erfahrung, die im Bereich der Religion
ebenso gemacht wurde wie in dem der Politik. Und was die Behauptung betrifft, daß ehemalige
Getaufte durch die Freimaurerei und das Leben in der Loge ihren ursprünglichen Glauben
wiedergefunden haben, so überzeugt sie ebenfalls nicht. Im Falle von Y. Marsaudon, dem
«Staatsminister« des Obersten Rates von Frankreich, der hier als Musterbeispiel genannt wird,
darf sogar mit guten Gründen ¬bezweifelt werden, daß er den katholischen Glauben wirklich
wiedergefunden hat. Einige Äußerungen in seinem Buch «L'Oecumenisme vu par un Franc
Macon de Tradition« sprechen dagegen. Falsch ist z. B. seine von Dierickx zitierte Behauptung,
daß "diese gewaltige Institution" (Kirche) ... echt freimaurerisch ist, daß "das Wesen des
Freimaurers und das eines gläubigen Christen einander nicht widerstreiten" und daß
"Christentum etwas anderes ist als die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kirche" (M. Dierickx).
Einige andere Sätze, die Dierickx nicht zitiert, wiegen allerdings noch schwerer. So ist es mit dem
römisch katholischen Glauben schlechthin unvereinbar, wenn Y. Marsaudon schreibt: "Eines
Tages muß die dogmatische Kirche verschwinden oder sich angleichen und, um sich
anzugleichen, zu den Quellen zurückkehren" (S. 120). Auch das andere Wort von ihm, das wir
bereits kennen, wonach die Namen der verschiedenen Religionen und Konfessionen "bei uns nur
Vornamen sind, unser Familienname ist Freimaurerei" (S. 126), kann mit dem katholischen
Glauben nicht in Einklang gebracht werden. Der Versuch, Freimaurerei und Kirche, antichristliche
und christliche Religion auf einen Nenner zu bringen, gelingt nicht.

2. Die antichristliche Kulturrevolution

Im Jahr 1963 wurde F. A. Pinkerneil, der damalige Großmeister der VGLvD, in einem Interview
gefragt, ob er bereit sei, "die Freimaurerei als ein religiöses Bekenntnis anzusprechen". Seine
Antwort: "Ich bin dagegen, zu sagen, Freimaurerei ist eine Ersatzreligion. Ich bekenne aber, daß
ich die Freimaurerei tatsächlich für ein religiöses Bekenntnis ansehe, weil in ihrem Mittelpunkt die
Fühlung mit Gott steht" (Der Spiegel, Nr.15, 1963).

Wie läßt sich dieses Bekenntnis eines angesehenen deutschen Freimaurers mit der Meinung von
A. Mirgeler vereinbaren, die Freimaurerei sei "nicht zu verstehen als eine neue, dritte oder vierte
Konfession neben den bestehenden, auch nicht als die Ablösung des traditionalen Glaubens
durch einen militanten Deismus, Atheismus oder Indifferentismus. Sie tendiert vielmehr auf einen
weltanschauungsfreien Raum, in dem nach den Religionskriegen eine friedliche Koexistenz
überhaupt erst wieder möglich wird"? (Die Freimaurerei – Eine geistesgeschichtliche
Untersuchung, in „Hochland“, Juni 1963)

Wo in der Welt gibt es einen "weltanschauungsfreien Raum" für Menschen, in deren "Mittelpunkt
die Fühlung mit Gott steht", oder um mit dem ehemaligen Großredner der Landesgroßloge
A.F.u.A.M., Senator a. D. Yström (Bremen) zu sprechen, das Streben nach verfeinertem
Menschentum, das keine Utopie, sondern das Credo zur Humanität ist?" Hildesheimer Allg.
Zeitung, 19.11.1982, Bericht über die 200-Jahrfeier der Loge „Pforte zum Tempel des Lichts“ in
Hildesheim).

Nein, die Freimaurer sind keine "weltanschauungsfreien" Gesellen. Ihr Bekenntnis ist in der Tat
ein "Credo zur Humanität" und dieses ist nach den Worten eines dänischen Freimaurers die
"universelle, moralphilosophische Religion, die rein moralische Humanitäts Religion" der
Freimaurerei." (F. Hilling, zitiert aus Europäische Freimaurerzeitung, vom Juni 1964).

Genau die Religion also, die wir im vorhergehenden Kapitel eingehend als antichristliche Religion
analysiert haben. Über den Gottesdienst und die Dogmatik, die gnostischen und synkretistischen
Elemente der maurerischen "Humanitäts Religion" brauchen hier keine näheren Einzelheiten
dargelegt zu werden. Darüber haben andere Autoren bereits ausführlich und gründlich genug
geschrieben.

Uns interessiert vielmehr die Frage, wie die vielgerühmte freimaurerische Toleranz der Kirche
Jesu Christi begegnet, die den Anspruch erhebt, allein zur Verkündigung der von Gott
geoffenbarten Heilsbotschaft von ihrem Herrn Jesus Christus zu allen Völkern gesandt zu sein
mit dem Auftrag, die Menschen zu Glauben und Taufe zu rufen und ihnen ewiges Leben im
Reiche Gottes zu vermitteln. Wer dieser Frage nachgeht, muß leider feststellen, daß die
"Humanitäts Religion" der Logen für die katholische Kirche, die nach dem II. Vatikanischen Konzil
"in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste
Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit ist", weder Verständnis noch die
geringste Toleranz aufbringt. Im Gegenteil: Die Freimaurer treten dieser nach ihrem Vokabular
"intoleranten Kirche" und ihren "Dogmen" mit aller Entschiedenheit entgegen.
Th. Vogel, der Patriarch der deutschen Freimaurer, sagte 1955 in Essen: "Da der Freimaurer
jeden Dogmaglauben ablehne, werde er auch in seiner eigenen Organisation ein Dogma nicht
dulden." Kurz und gut: Die Freimaurer geben zu, gegen jedes dogmatische Bekenntnis, das mit
ihrer eigenen "Humanitäts Religion" nicht übereinstimmt, unduldsam, d. h. intolerant zu sein: Sie
"dulden" kein (fremdes) Dogma in ihrer "eigenen Organisation".

Ihr leidenschaftlicher und unerbittlicher Kampf gegen das weltumfassende Bekenntnischristentum


gilt von jeher in erster Linie der Bekenntnisschule. Christliche Erziehung ist ihrem Wesen nach
immer bekenntnisgebunden, weil Christentum notwendig Bekenntnis ist und nur in Bekenntnissen
(Konfessionen) existiert. Ein Christentum "hoch über allen Konfessionen", wie es liberale
Kulturkämpfer wollen, ist kein echtes Christentum mehr. Ein solches verfälschtes "Logen
Christentum" wäre vielmehr mit der antichristlichen "Humanitäts Religion" identisch. Da nun die
katholische Kirche nicht bereit ist, sich selbst auflösen und entkonfessionalisieren zu lassen, da
sie die bedingungslose Nivellierung und Einschmelzung in die freimaurerische
Humanitätsideologie nicht mitmacht und das Recht auf christliche Erziehung, die vor allem in der
katholischen Schule vermittelt wird, verteidigt, wird sie von der Freimaurerei dadurch zu
vernichten versucht, daß man die katholischen Schulen auf politischem Weg liquidiert oder sie
langsam sterben läßt, indem man ihnen die finanzielle oder wirtschaftliche Basis entzieht. Im
letzten Jahrhundert wurde dieses Ziel, die Kirche über die konfessionslose Schule zu zerstören,
von den Freimaurern ganz offen und ehrlich verkündet. So ist zum Beispiel am 11. Juni 1879 auf
dem Hauptkonvent aller Logen in Neapel die "Entchristlichung mit allen Mitteln, vorzüglich durch
Vernichtung des Katholizismus", beschlossen worden. Damals wußte man auch schon, wie
dieses Ziel am schnellsten erreicht werden kann: "In acht Jahren wird man durch konfessionslose
Schulen eine Generation ohne Glauben haben...", so hieß es wörtlich im Jahr 1879 in Neapel."
(A. J. Fava, Le secret de la Franc-Massonerie, 1883).

Im 20. Jahrhundert werden die freimaurerischen Pläne nicht mehr mit solcher Ehrlichkeit
proklamiert. Heute formuliert man die unveränderten Ziele freundlicher und mit mehr
diplomatischem Geschick. So wurde auf der Generalversammlung des Groß Orients von
Frankreich im Jahr 1952 erklärt: "In einer Demokratie, die darum besorgt ist, die Persönlichkeit
des Kindes und die Grundsätze der Gerechtigkeit, Freiheit und Brüderlichkeit zu achten, die ihre
Devise sind, darf es nur eine einzige nationale Schule geben, die allen die gleichen Möglichkeiten
zur Entwicklung unter den gleichen Bedingungen gibt. Man muß die Jugend lehren, miteinander
zu leben, sich zu verstehen und sich zu lieben. Nur auf den Bänken ein und derselben einzigen
Schule werden sie das tun können." Doch in der folgenden Begründung kommt der
kulturrevolutionäre Geist wieder offen zum Vorschein, wenn es heißt: "Dies um so mehr, als die
apostolische und römische Kirche in Verfolgung ihrer Pläne zur Unterjochung des Geistes unter
ihre Dogmen, moralischen und materiellen Interessen das gegenwärtige Klima der Verwirrung
und Unsicherheit, in dem wir uns befinden, gründlich ausbeutet. Es ist ihr gelungen, sich eine
genügende parlamentarische Mehrheit zu verschaffen. In Erwartung der großen Revanche, die
wir kraftvoll vorbereiten und erreichen müssen, müssen wir den Grundsatz der Verstaatlichung
der Erziehung und folgerichtig der Unterdrückung der Privatschulen aufrechterhalten. Die Nation
muß das gesamte Erziehungswesen übernehmen, das vollständig laisiert und dreigliedrig
verwaltet wird (Staat, Delegierte der Lehrerschaft, Delegierte der Eltern)."

A. Giraud, der 1951 einen Bericht namens der Kommission für das Schulproblem erstattete,
sprach dabei den denkwürdigen Satz: "Im Westen gibt es nicht mehr Sozialisten, Kommunisten
und Radikale, es gibt nur noch, und zwar mit Grund, Antiklerikale: der Antiklerikalismus macht
einen Teil unserer Rasse aus. Entschuldigen Sie uns."

Die Kommission sollte für den Konvent im folgenden Jahr ein genaues Programm für die
Entwicklung der laizistischen Erziehung ausarbeiten, wobei ihr der Gedanke als Richtschnur
dienen sollte, daß die Freimaurerei sich schon immer "gegen den Pluralismus auf dem Gebiet der
Schule" und für das Staatsschulmonopol im Dienste des Laizismus ausgesprochen habe.
Das Projekt der Schulkommission wurde der Generalversammlung 1952 vorgelegt. Darin wird
unter Berufung auf das Prinzip der Gleichheit aller Menschen eine totale Demokratisierung der
Erziehung, d. h. die schon erwähnte Verstaatlichung des gesamten Erziehungswesens gefordert,
was identisch ist mit der Liquidierung aller konfessionellen Schulen, die in Frankreich ohnehin nur
als Privatschulen bestehen. Aus der staatlichen Einheitsschule müssen alle konfessionellen und
sozialen Unterschiede verschwinden.

Der Staat soll bereits den Kindern von vier Jahren an Gelegenheit zu vorschulischer Erziehung
bieten, ein Gedanke, der in Deutschland erst 15 Jahre später zaghaft in die Öffentlichkeit
getragen wurde, Einzige Leitungsbehörde für die gesamte Staatserziehung soll das Ministerium
für nationale Erziehung sein. In einem anderen Teil wird schließlich auch die Nationalisierung der
Freizeit und Feriengestaltung sowie der Erwachsenenbildung behandelt. Das umfassende
Programm endet mit Entschließungen, die nichts anderes als Kampfmaßnahmen gegen jeglichen
Einfluß der Kirche auf das Erziehungswesen beinhalten. Daß im Zuge dieser Maßnahmen auch
die Verjagung der religiösen Orden gefordert wurde, überrascht nicht." (M. Dierickx)

Eine sachkritische Würdigung dieses freimaurerischen Erziehungsprogramms kommt zu


folgendem Schluß:

Im Namen von Freiheit und Gleichheit wird hier eine totale Kulturdiktatur angestrebt, die sich
ihrem Wesen nach von der in den kommunistisch beherrschten Staaten praktizierten
Kollektiverziehung in nichts unterscheidet. Mögen die Erziehungsinhalte hier und dort verbal
verschieden sein, im Endeffekt haben sie das gleiche kulturrevolutionäre Ziel, das schon in der
Französischen Revolution angestrebt wurde: die Vernichtung des Christentums als der Wurzel
der persönlichen Freiheiten, besonders der Glaubens und Gewissensfreiheit.

Wenn es gelingen sollte, dieses Ziel zu erreichen, dann wäre auch noch der letzte Rest von
wahrer Demokratie im Westen beseitigt. Diese Erkenntnis hat niemand klarer ausgesprochen als
der große europäische Demokrat Robert Schuman, der in seinem Buch Pour l'Europe schreibt:

"Die Demokratie wird christlich sein oder sie wird nicht sein. Eine antichristliche Demokratie ist
eine Karikatur, die in der Tyrannei oder in der Anarchie endet" (S. 70).

Die größte und heimtückischste Bedrohung unserer demokratischen Gesellschaftsordnung


kommt allerdings weniger von der kommunistischen Politik und Unterwanderungsstrategie, von
außen also, als vielmehr von der inneren Zersetzung der demokratischen Ordnung durch die
extremen liberalen Kulturrevolutionäre, deren geistige Verwandtschaft mit den roten
Kulturdiktatoren nirgendwo so deutlich in Erscheinung tritt als gerade auf dem Feld ihrer
gemeinsamen antichristlichen Kulturpolitik.

Die antikatholischen Bestrebungen des Grand Orient beschränken sich keineswegs nur auf
Frankreich. Man darf nach der kulturpolitischen Entwicklung der letzten Jahrzehnte feststellen,
daß die radikalen Parolen der französischen Maurer auch im Bereich der angelsächsischen
Logen aufgegriffen wurden und in verschiedenen Ländern Schule gemacht haben.

In Deutschland sind die Forderungen der Generalversammlung des Groß Orients von 1952 in
ähnlichen, fast gleichlautenden Formulierungen während des Wahlkampfs im Jahr 1953 wieder
aufgetaucht. Die Schlagworte vom "Politischen Katholizismus" und "Konfessionalismus" wurden
damals von führenden Freimaurern wie Thomas Dehler (F.D.P.)und Reinhold Maier, vom
Deutschen Industrieinstitut und vom Pressedienst der SPD propagandistisch hochgespielt.
Dehler behauptete, das Wesen der Demokratie schließe "jeden Anspruch auf absolute Gültigkeit
aus". Er warf der katholischen Kirche vor, sie mache die Frage der staatlichen Konfessionsschule
zum Anlaß politischer Auseinandersetzungen und schaffe dadurch "politisches Unheil". Der
Katholik, der sich der Kirche unterwerfe und sich konfessionell binde, könne deshalb kein guter
Demokrat sein.
Ähnliche Behauptungen sind in Deutschland immer wieder von der sog. "Humanistischen Union"
aufgestellt worden. So erklärte beispielsweise der Heidelberger Psychologe Prof. A. Mitscherlich
auf einer Versammlung der "Humanistischen Union" am 28. Januar 1962 in Frankfurt,
Bekenntnisschulen und konfessionelle Lehrerbildung seien unvereinbar mit dem Grundgesetz der
Bundesrepublik Deutschland. Er wandte sich gegen die sog. "Konfessionalisierung des
öffentlichen Lebens" und forderte u. a.: die Abschaffung des konfessionellen Religionsunterrichts
an den öffentlichen Schulen und die Einführung eines religionskundlichen Unterrichts allgemeiner
Art, da der Offenbarungsglaube nicht zu letzter Toleranz fähig sei, wie er meinte. "Weil aber in
der Bundesrepublik starke Tendenzen zur Intoleranz und zur Mißachtung der pluralistischen
Struktur in der modernen Gesellschaft zu beobachten seien, brauche die Demokratie eine starke
Organisation, die für die Wahrung der demokratischen Prinzipien eintrete." Diese Aufgabe habe
sich die "Humanistische Union" Dr. Szczesnys gestellt."

Als in Bayern zu Beginn des Jahres 1968 nach drei Volksbegehren endlich ein Schulkompromiß
zustande gekommen war, der für den Freistaat Bayern eine einzige öffentliche Schule vorsieht, in
der "nach den Grundsätzen der christlichen Bekenntnisse" unterrichtet werden soll, nahm der
Vorsitzende der "Humanistischen Union" am 20. Februar 1968 in München dagegen Stellung und
erklärte, daß durch die geplante Einführung dieser Schule "ein Gewissensterror wie in den
kommunistischen Staaten" ausgeübt würde. Die Einigung der Parteien bedeute keinen
Kompromiß, sondern eine "Kapitulation der SPD und F.D.P. vor den Kirchen". Vor einem solchen
"Diktat einer unbelehrbaren Minderheit" müsse man warnen. Gleichzeitig mit dieser Erklärung
Szczesnys gab Rechtsanwalt E. Fischer in München bekannt, daß die "Humanistische Union"
gegen das derzeitige bayerische Volksschulgesetz Klage beim Bundesverfassungsgericht
eingereicht habe, die auch dann aufrechterhalten bleibe, wenn einem Volksbegehren der
Parteien oder der Kompromißformel in einem Volksentscheid entsprochen würde.

Die Konzeption und Zielsetzung der militanten "Humanistischen Union" stimmt im wesentlichen
mit den Bestrebungen der freimaurerischen Humanitätsideologie überein. Der Einfluß der elitären
Freimaurerei ist deshalb so stark, weil viele Schlüsselpositionen im Bereich der Hochfinanz, der
Presse und des Nachrichtenwesens in den meisten westlichen Ländern von Mitgliedern der
Logen besetzt sind. Dadurch wird besonders die öffentliche oder veröffentlichte Meinung
entscheidend von den Ideen der liberalen Kulturkämpfer geprägt und überall eine für die
autonome Geisteswelt der Freimaurerei charakteristische Atmosphäre geschaffen.

Wenn der Freimaurer und Pressekonzern Chef Axel Springer einen Großteil der deutschen
Presse kontrolliert und der Stuhlmeister der ältesten Hamburger und deutschen Loge gleichzeitig
Chef vom Dienst in der Zentrale einer großen deutschen Presseagentur ist" (FAZ, 10.12.1962,
Bericht über die 225-Jahresfeier der Loge Absalom zu den drei Nesseln), dann versteht man, wie
die in den Nachrichten Agenturen gefilterten und durch die Massenmedien in die Bevölkerung
geschleusten Informationen und Nachrichten die Öffentlichkeit entscheidend im Geiste der
Freimaurerideologie beeinflussen, manipulieren und programmieren können.

Inzwischen ist es den offenen und verborgenen Feinden des Christentums und der Kirche
gelungen, die katholische Bekenntnisschule in Deutschland fast vollständig zu beseitigen. Sie
haben damit ein langumkämpftes Ziel ereicht und wahrscheinlich einen ihrer größten Siege in
unserem Jahrhundert errungen. Es wäre aber eine unverzeihliche Fehleinschätzung der
antichristlichen Kulturkämpfer, wenn man annehmen sollte, sie gäben sich mit diesem Sieg
zufrieden. Das ist nicht der Fall.

Denn die fast kampflose Kapitulation der deutschen Katholiken, deren geistliche Führungsspitze
im Jahr 1967 - als der Liquidierungsprozeß der Konfessionsschulen begann - die Parole "Kein
Schulkampf" ausgab, wird die liberalen Kulturrevolutionäre jetzt um so mehr ermutigen, ihre
antichristliche Aggression zu gegebener Zeit fortzusetzen und ihre nächsten und fernsten Ziele
noch rücksichtsloser als bisher anzusteuern. Durch die progressive Zerstörung von Glaube und
Moral, die von aufgeklärten, rationalistischen und modernistischen Theologen innerhalb der
Kirche mächtig vorangetrieben und von den Verantwortlichen in der Kirche in unverantwortlicher
Weise hingenommen wird, durch die von den "humanen" Antichristen und ihren christlichen
Nachbetern uns eingeimpfte Überwindung des "Freund Feind Denkens" in der Kirche die dadurch
leichter umfunktioniert werden kann ist inzwischen ein erheblicher Verlust an Glaubenssubstanz
und ein Klima der Entchristlichung entstanden, das es den antichristlichen Funktionären immer
leichter macht, ihre Pläne zu verwirklichen.

Was auf uns zukommt ist schon in einer Resolution der Freireligiösen Gemeinde Bayerns vom
26. März 1962 in aller Deutlichkeit ausgesprochen worden: die völlige Trennung von Staat und
Kirche, die Beseitigung des christlichen Charakters der Gemeinschaftsschulen und höheren
Schulen, die Ausschaltung des kirchlichen Einflusses in Verwaltung und Justiz, die Abschaffung
der Säuglingstaufe und schließlich die Überprüfung aller Gesetze zum Zwecke der Beseitigung
der Bevorzugung der Kirchen und kirchlichen Organisationen. Zu der öffentlichen Kundgebung
der Freireligiösen Gemeinde, auf der diese Resolution gefaßt wurde, hatte der Vorsitzende der
bayerischen Landesgemeinde besonders den dama¬ligen Leiter des Sonderprogramms beim
Bayerischen Rundfunk, Dr. G. Szczesny, begrüßt.

Ein ähnliches Entchristlichungsprogramm wird einige Jahre später von dem ehemaligen
evangelischen Theologen I. Kahl in dem antichristlichen Pamphlet Das Elend des Christentums
oder Plädoyer für eine Humanität ohne Gott entworfen. Die Schrift, deren Gehässigkeit kaum
noch zu überbieten ist, erschien mit einer Einführung von Gerhard Szczesny erstmals 1968 als
Taschenbuch im Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg.

Unter dem Titel Postchristliche Perspektiven, Religionsfreiheit fordert der Verfasser eine
"emanzipierte Gesellschaft..., die sich am Glück aller orientiert" (S. 119), eine "humane
Gesellschaft", in der die Religionsfreiheit wie er und seine antichristlichen Gesinnungsgenossen
sie verstehen, endlich verwirklicht werden soll. Dazu ist notwendig, daß zuerst die Kindertaufe
abgeschafft wird, denn so schreibt er wörtlich "die Kindertaufe ist verfassungswidrig" (S. 121).
Mit Entschiedenheit verlangt er die "Trennung von Staat und Kirchen" (S. 122), die "Trennung
von Universität und Kirchen", d. h. die Beseitigung der theologischen Fakultäten an den
Universitäten (S. 125) und zuletzt die "Trennung von Schule und Kirchen", d. h. die Abschaffung
des konfessionell gegliederten christlichen Religionsunterrichts an den staatlichen
Gemeinschaftsschulen (S. 127).

Die konzentrierte Aktion der organisierten und gesteuerten antichristlichen Kulturrevolutionäre


wurde systematisch und geplant weitergeführt und erreichte einen spektakulären Höhepunkt im
Jahr 1973. Die westdeutsche Drei Punkte Partei (F.D.P.), "zu der sich die Freimaurer, sofern sie
sich politisch betätigen, auf Grund der liberalen Geisteshaltung besonders hingezogen fühlen",
veröffentlichte in der "Frankfurter Rundschau“ vom 23. August 1973 den Entwurf eines
Grundsatzpapiers Freie Kirche im freien Staat Thesen zum Verhältnis von Staat und Kirche.
Dieser Entwurf wurde von einem im Frühjahr 1973 durch den Bundesvorstand der F.D.P.
berufenen Sonderausschuß für das Verhältnis von Staat und Kirche unter Vorsitz der
Bundestagsvizepräsidentin und EKD Synodalin Liselotte Funcke ausgearbeitet und vorgelegt.
Der F.D.P. Bundesvorstand hat am 26. August 1973 die Vorlage als "geeignete Grundlage für die
Diskussion in der Partei" freigegeben. Ursprünglich war auch eine Diskussion der "Thesen" auf
dem Bundesparteitag der F.D.P. (vom 11. bis 14. November) in Wiesbaden geplant, doch fand
die Diskussion dort aus begreiflichen Gründen nicht statt. Die Proteste und ablehnenden
Reaktionen, die aus der Öffentlichkeit gegen dieses Kirchenpapier laut wurden, ließen es den
Parteistrategen ratsam erscheinen, das antikirchliche Machwerk vorerst auf Eis zu legen und auf
günstigere Zeiten für einen neuen Vorstoß zu warten, bzw. erst einmal den Fortgang der
Diskussion mit den Kirchen und der Öffentlichkeit abwartend zu verfolgen. Da der Text des
Entwurfs programmatisch die Ziele der antichristlichen Kulturkämpfer, die wir bereits
kennengelernt haben, zusammenfaßt und in einigen Punkten konkrete Neuansätze formuliert,
soll er hier im vollen Wortlaut zitiert werden. (Erhältlich bei info@horst-koch.de).

Im Oktober 1974 haben die Delegierten des F.D.P. Parteitages in Hamburg den nur unwesentlich
geänderten Entwurf mit überwältigender Mehrheit angenommen. Nach einjähriger Diskussion und
teils heftigen Auseinandersetzungen mit den Kirchen wurden die antikirchlichen Thesen mit 262
gegen 82 Stimmen bei vier Enthaltungen verabschiedet.

3. Vom ökumenischen Dialog zur Ökumene der Religionen

Mit Papst Johannes XXIII. begann eine neue Ära der Kirchengeschichte. Die universale
Brüderlichkeit, die dieser Papst aller Welt vorlebte, weckte auch in der Welt der Freimaurerei
große Erwartungen. Man hoffte auf einschneidende und grundlegende Änderungen und
Wandlungen im Verhältnis von Katholischer Kirche zur Freimaurerei. Der gütige Roncalli Papst,
den man in Frankreich besonders gut kannte und sehr schätzte, gab gerade durch seinen
brüderlichen Stil nicht zuletzt dem Groß-Orient von Frankreich Anlaß, die primitive und militante
antiklerikale und antikirchliche Kampagne durch eine bessere revolutionäre Methode abzulösen.
Die gehässigen Töne gegen die Kirche verstummten. Die Parole hieß nun: Ökumenischer Dialog.
Der Dialog erlaubte es schließlich, mehr und mehr aus der subversiven Untergrundaktivität
aufzutauchen und an das Licht der Öffentlichkeit zu treten. Die Revolutionäre des Groß Orient
begannen eine Offensive der brüderlichen Umarmung, sie zeigten plötzlich ein freundliches
Gesicht. Die antichristliche Revolution sollte auf leisen Sohlen und mit freundlicher Miene und
mittels des ökumenischen Dialogs größere Fortschritte machen und noch bessere Erfolge
erzielen. Soweit man heute die Situation überblicken kann, hat sich die neue maurerische Taktik
als erfolgreich erwiesen.

Die erste sensationelle und spektakuläre Aktion, die das Zeitalter des Dialogs mit der
Katholischen Kirche einleitete, war die Einladung des ehemaligen Kanzelredners von Notre
Dame in Paris, Pater Riquet S. J., zu einem Vortrag vor Freimaurern in der Loge Volney in Laval
(Westfrankreich), einer Loge des Groß Orient. Der Vortrag fand am 18. März 1961 statt. Marius
Lepage, der Meister vom Stuhl der Volney Loge, schrieb dazu am 16. .März 1961 in der Pariser
“Le Monde":

„Die Mitglieder der Loge von Laval, die sich ausschließlich auf den philosophischen und
theologischen Bereich beschränken, haben gewünscht, daß eine besonders qualifizierte
geistliche Persönlichkeit ihnen auseinandersetze, welches die doktrinäre Stellung der Kirche dem
atheistischen Problem gegenüber sei.

Unter diesen Mitgliedern gibt es Gläubige, Ungläubige und Agnostiker. Sie alle stimmen darin
völlig überein, ihrem Meister vom Stuhl jene Schritte zuzutrauen, die dieser für unerläßlich hält,
damit ihnen, soweit das möglich ist, Genugtuung verschafft werde. Unter diesen Umständen ist
es geschehen, daß ausnahmsweise P. Riquet ermächtigt wurde, über dieses Problem zu uns zu
sprechen.

Jeder Gedanke des ’Widerspruchs’ war und bleibt bei diesem Vortrag etwas, was nicht in Frage
kommt: dieser Vortrag ist eine rein private Angelegenheit, die, wie es bei allen freimaurerischen
Veranstaltungen geschieht, nicht als Gelegenheit eines Widerspruchs benutzt wird. Eine
Freimaurerloge wie immer sie auch eingestellt sein mag ist nicht mit einem ’Vorstadtklub'
(einem Debattierklub) zu vergleichen.

Für jeden denkenden Menschen ist das Problem des Glaubens und des Unglaubens in sich
schon ohnehin schmerzlich genug, so daß es mit der menschlichen Würde als unvereinbar
angesehen werden müßte, wollte man eine solche Gelegenheit zu leidenschaftlichen
Auseinandersetzungen benutzen.

Historisch steht es nun einmal einwandfrei fest, daß seit zweihundert Jahren niemals ein Priester
seine Füße über die Schwelle einer Freimaurerloge gesetzt hat - wenigstens nicht in Frankreich.
Es ist mir ganz beson¬ders angenehm, dem Schicksal einer Loge vorzustehen. deren sämtliche
Mitglieder wie immer auch ihre philosophischen, persönlichen Gefühle sein mögen den Wert
einer sicheren Aufklärung zu schätzen wissen.

Ich bin glücklich, mit tiefer Ehrfurcht alle jene zu begrüßen, Geistliche und Laien, die in ähnlicher
Weise überstanden haben, daß die ’Liebe’ sich auf alle Menschen zu erstrecken hat, auf
Gläubige und Ungläubige und daß Gott allein es ist, ’der die Herzen der Menschen durchforscht'."
(Aus: Zimmer-Korrespondenz, Nr.778, 21.3.1961)

Am gleichen Tag meldete die Katholische Nachrichtenagentur KNA, abweichend von der
Erklärung M. Lepages, daß am Samstag, 18. März, erstmals seit zwei Jahrhunderten. ein
katholischer Priester mit Billigung seiner kirchlichen Obrigkeit eine Freimaurer Loge in Frankreich
betreten werde, um dort "vor einem ausschließlich aus Freimaurern bestehenden Auditorium die
Gegenrede zum Thema ’Atheismus’ zu halten. Es ist der berühmte französische Jesuitenpater
und Prediger Michel Riquet, langjähriger Dom und Fastenprediger in Notre Dame (Paris), der die
Volney Loge in Laval zu seiner Kanzel machen wird. Die Aufforderung zu einem Streitgespräch
kam von einem Freimaurer, und man rechnet mit der Anwesenheit namhafter Freimaurer aus den
verschiedenen Gegenden Frankreichs" (KNA/PD – 61/III/212).

Eine "Gegenrede" oder ein "Streitgespräch" war indes nicht geplant und fand auch nicht statt. Am
22. März 1961 berichtete KNA:

"Als ein historisches Ereignis in der Geistesgeschichte Frankreichs wurde in einem gemeinsamen
Kommunique das Auftreten eines katholischen Geistlichen in der Freimaurerloge von Laval
bezeichnet. Mit Billigung seiner kirchlichen Vorgesetzten sprach am Sonntagabend der bekannte
Domprediger Pater Riquet vor aus allen Gegenden Frankreichs zu dieser ungewöhnlichen
Sitzung versam¬melten Freimaurern über die Einstellung der Kirche zu den verschiedenen
Formen von Atheismus.

In der nur Freimaurern zugänglichen geschlossenen Sitzung hob Pater Riquet, dem Kommunique
zufolge, hervor, daß über die natürlichen Meinungsunterschiede hinweg eine Übereinstimmung
der Herzen geschaffen werden müsse. Das von der Loge und Pater Riquet gemeinsam
herausgegebene Kommuniqué gibt der Hoffnung Ausdruck, daß, wenn auch beim gegenwärtigen
Stand der Geister nicht von einem Einvernehmen zwischen Kirche und Freimaurerei gesprochen
werden könne, doch alle Menschen guten Willens zu einer gegenseitigen Achtung gelangen
können, zum Segen der Gesellschaft".

Damit war ein Anfang gesetzt. Schon ein Jahr später wurde dem Kapuzinerpater N. M. Wildiers
von seinem Freund, dem Freimaurer N. E. van der Laaken, die Gelegenheit geboten zu einem
Vortrag vor den versammelten Logen von Amsterdam. P. Wildiers, der durch seine Studien und
Vorträge über Teilhard de Chardin bekannt geworden war, sprach vor den Freimaurern in
Amsterdam über Teilhard.

Im Juni 1971 wurde erstmals ein Bischof in eine Loge der Grand Loge de France (GLDF)
eingeladen. Bruder Dr. Pierre Simon, der von 1969 1971 Großmeister der GLDF war und dieses
Amt 1973 wieder übernahm, lud den Weihbischof von Paris, Msgre Pezeril, in die GLDF ein.
Nach einer Freimaurer Zeitung "war es das erste Mal seit der französischen Revolution, daß ein
amtierender Bischof offiziell in einer Freimaurerloge empfangen wurde.

Im Frühjahr 1961, noch rechtzeitig vor dem Konzil, erschien aus der Feder des angesehenen
Rechtsgelehrten Alec Mellor mit dem Imprimatur der Erzdiözese Paris das aufsehenerregende
Werk "Nos frères séparés, les francs macons" ("Unsere getrennten Brüder, die Freimaurer"), das
in "Le Monde" eine "leidenschaftliche Studie über die Freimaurerei und den Katholizismus"
genannt wurde und heftige Auseinandersetzungen und Diskussionen bei Katholiken und
Freimaurern auslöste.

So hieß es in einer Leserzuschrift an "La France Catholique": " ... Die Wahrheit war und ist, daß
die Freimaurerei und sie hat das niemals verheimlicht gegen die Kirche ist, wie geheim das
auch immer geschehen mag und ganz besonders in Frankreich nicht aufhören wird, es weiterhin
zu tun, also gegen den Katholizismus zu arbeiten."

Aber auch von seiten der Freimaurer regte sich Widerspruch. Ein aufrichtiger und ehrlicher
Bruder, ein gewisser Universitätsprofessor Sélam Voize, schrieb in "Le Monde" vom 11. 7. 1961:
“...Wir sind keine getrennten Brüder wir gehören einer anderen Familie an: der Familie der
autonomen Geisteswelt und beanspruchen das Recht, als Bahnbrecher in unserem Leben zu
wirken ... Der Freimaurergeist ist kein Geist der Unterwerfung, weder unter eine überalterte
Hierarchie, noch eine sonstige überholte Institution. In der Freimaurerei herrscht der Geist der
Freiheit." –

Der Jesuit F. Hillig ist in einer besonnenen und ausgewogenen Abhandlung dieser
fundamentalen Frage nachgegangen. Selbst da, wo die Logen weniger radikal sind und sich in
Glaubensdingen zurückhalten, ist das ganze von Deismus, Relativismus und Indifferentismus
bestimmte Klima, das in ihnen herrscht, einer klaren Glaubenshaltung abträglich. Wie zur Zeit
des Kulturkampfes, als Papst Leo XIII. sein Rundschreiben "Humanum genus" gegen die
Freimaurerei veröffentlichte (1884), "steht die Kirche heute genau der gleichen Feindseligkeit und
den gleichen Tendenzen und Schachzügen gegenüber wie damals. Man braucht etwa nur die
letzten Jahrgänge der Herderkorrespondenz durchzusehen. Immer wieder werden dort zum
Beispiel Meldungen aus Mittel- und Lateinamerika registriert, aus Brasilien, Chile, Ecuador,
Guatemala, den Philippinen über: "Freimaurerische Aktivität gegen die katholischen Schulen,
Drohungen, Schließungen, Schikanen; Großloge gründet eigenen Zweig zur Förderung des
Laizismus und des antiklerikalen Kampfes; Einführung der Zivilehe, der Ehescheidung;
Kircheneigentum beschlagnahmt, Einreiseverbot für Priester und ähnliches mehr. Nicht nur in
Lateinamerika, in allen Ländern lateinischer Kultur ist die Kirchenfeindlichkeit der Logen
besonders kraß und hartnäckig ...

Selbst die Maurerei in den Vereinigten Staaten, zahlenmäßig der größte Zweig der Weltmaurerei,
darf nicht einfach für weltanschaulich harmlos angesehen werden. Zwar haben sich sowohl
Roosevelt wie Truman, die wie viele andere Präsidenten der USA der Loge angehörten, zum
Heiligen Stuhl freundlich gestellt; aber danach allein kann man nicht urteilen. Joseph Berteloot
hat gezeigt, daß die Maurerei der Vereinigten Staaten ein doppeltes Gesicht besitzt. Es fehlt auch
hier nicht an antikatholischen Scharfmachern, zumal sich in den Logen der USA immer mehr ein
heftiger Patriotismus durchsetzt. Ganz im Stil der Nazis werden die Katholiken verdächtigt, daß
sie keine guten Patrioten sein könnten, da sie einem ausländischen Oberhaupt Gehorsam gelobt
hätten, wobei Vatikan und römische Kirche als eine dunkle Macht der Weltunterjochung
erscheinen. .."

F. Hillig bringt dann aus der "Europäischen Freimaurerzeitung", Jahrgang 1964, einige Zitate
deutscher und ausländischer Freimaurer, von denen hier nur ein Ausschnitt aus einer
Abhandlung über "Glanz und Elend der Konzile" wiedergegeben werden soll. Es heißt da: "Den
persönlichen Primat des Papstes zu brechen, wäre Voraussetzung für die Unio sancta und für die
Zusammenführung der Kirche. Mit ziemlicher Sicherheit glauben wir sagen zu können, daß die
Unfehlbarkeit des Papstes und sein Primat gegenüber dem Konzil auch 1964 nicht gebrochen
werden wird. Das Mittelalter wird auf dem Gebiet der kirchlichen Verfassung nach wie vor in
unsere Zeit hineinragen wir meinen: nicht zum Nutzen der Kirche und der modernen Probleme,
die zu bewältigen sind. Und solange die persönliche Vorherrschaft eines einzelnen in der
Kirchenverfassung nicht beseitigt ist, solange wird unserer Ansicht nach auch jede Reform auf
anderen Gebieten scheitern. Die verfassungs¬mäßige Macht des Papstes und seiner von ihm
ernannten Kardinäle ist das institutionelle Hindernis jeder besseren Einsicht und Reform. . ." (F.
Hillig).

Bischof R. Graber (Regensburg) hat neuerdings diese Zitate aus dem Jahr 1964 ergänzt durch
Äußerungen vorwiegend aus dem Bereich der französischen Maurerei aus dem fahr 1968, die in
dieselbe Richtung tendieren und wir werden in den folgenden Ausführungen von einem
prominenten Freimaurer erfahren, was er im Jahr 1973 zu der Frage "Kirche heute und morgen"
geschrieben hat.

Man wird F. Hillig zustimmen müssen, wenn er sich dem unkritischen Optimismus eines A. Mellor
mag er auch von ihm gut gemeint sein nicht anschließen kann und die Frage: "Haben sich die
Freimaurer gewandelt?" nicht bejaht.

Nun ist inzwischen (1968) das hier schon mehrfach erwähnte Werk des Jesuiten M. Dierickx über
"die große Unbekannte" erschienen. Bringt uns der Historiker M. Dierickx auf dem Weg des
Dialogs den "getrennten Brüdern" in der Freimaurerei näher? Signalisiert seine pro-maurerische
Schrift einen Durchbruch zur brüderlichen Ökumene mit den Freimaurern, oder kann sie
wenigstens durch überzeugende Argumente eine Neubesinnung und Neugestaltung im
Verhältnis von Freimaurerei und Kirche einleiten und bewirken? Auffallend und aufsehenerregend
zugleich ist das Lob, mit dem das Buch von M. Dierickx von seiten katholischer und
freimaurerischer "Ökumeniker" bedacht wurde und die Unterstützung, die der Autor für dieses
Buch von beiden Seiten erfahren hat.

Im Vorwort von H. Vorgrimler, Schüler von Karl Rahner, Prof. für Katholische Dogmatik an der
Universität Münster (Westfalen) und Consultor des Sekretaria¬tes für die Nichtglaubenden, heißt
es:

". . . Es gibt in der katholischen Literatur kein vergleichbares Werk über Geschichte, Lehre,
Symbolik und Aufbau des Freimaurertums ... Als Vertreter einer objektiven Wissenschaft, der
Historik, spricht der Verfasser den Wunsch und die Hoffnung aus, die Katholische Kirche möge
ihren Standpunkt gegenüber dem Freimaurertum, wie er vor allem in der Kirchlichen
Gesetzgebung zum Ausdruck kommt, revidieren. Er steht damit heute nicht allein da. Die
hochstehende katholische Kulturzeitschrift La revue nouvelle (Brüssel) zum Beispiel hat sich im
April und Oktober 1968 ebenso geäußert. Ich möchte mich diesen Initiativen von katholischer
Seite anschließen ... Mit der Hochschätzung der Gewissensfreiheit, mit der Respektierung der
Überzeugung eines jeden Menschen, auch des Atheisten, wie sie feierlich vom letzten Konzil
proklamiert wurden, hat die römisch katholische Kirche auf einen Weg zurückgefunden, der für
sie lange im Dunkeln lag und auf dem die Freimaurer ihr vorangegangen sind ... Die Kirche läßt
sich nicht in herablassender Geste herbei, mit dem Andersdenkenden zu sprechen und ihm
Anteil an ihrer Weisheit zu gewähren, sondern sie weiß, daß er in Theorie und Praxis Einsichten
hat, über die sie nicht genug verfügt, die aber auch für sie wesentlich sind. Zu lange hat die
katholische Kirche ignoriert, was ihr das Freimaurertum werbend oder in herber Kritik zu sagen
hatte . . ."

Unkritische Sätze, wie sie hier von einem katholischen Dogmatiker geschrieben wurden, fordern
nicht zuletzt deswegen eine kritische Stellungnahme heraus, weil der gelehrte Theologe zugleich
als Consultor eines wichtigen römischen Sekretariats über besonderen Einfluß verfügt. Hier sei
nur folgendes festgestellt: Eine gründliche Analyse des freimaurerischen und des kirchlichen
Verständnisses von "Gewissensfreiheit" kommt zu dem Schluß, daß beide Seiten unter
Gewissensfreiheit etwas je wesentlich verschiedenes meinen. Die Freimaurer haben in der
Theorie und in den von ihnen entscheidend geprägten demokratischen Verfassungen und
Menschenrechtsdeklarationen die Gewissensfreiheit zwar proklamiert, aber sie haben von jeher
den Respekt vor der Gewissensüberzeugung offenbarungsgläubiger Christen in der Tat
vermissen lassen. Ähnlich wie die totalitären Ideologien des Faschismus und Kommunismus
haben die liberalen Kulturdiktatoren Gewissensfreiheit auf dem Papier stets groß geschrieben -
auch in der sowjetischen Verfassung von 1936 wird Gewissensfreiheit garantiert - , in der Praxis
jedoch haben alle Antichristen leidenschaftlich gegen das Wirksamwerden christlicher
Gewissensüberzeugung in der Gesellschaft gekämpft und es zu verhindern versucht. Oder ist die
Feststellung, daß das Schulgebet in den USA verfassungswidrig ist, ein Beweis für
freimaurerische Achtung vor der Gewissensfreiheit gläubiger Staatsbürger? Ist das laizistische
Programm der liberalen Maurer, die Tendenz, eine entchristlichte Gesellschaft aufzubauen und
alle konfessionellen Schulen auch die Privatschulen abzubrechen und niederzureißen etwa ein
Zeichen von "Hochschätzung der Gewissensfreiheit" christlicher Menschen? Wenn die Kirche
auch in der Vergangenheit im guten Glauben gegen die Gewissensfreiheit Andersdenkender in
unheilvoller Weise verstoßen hat, so kann sie doch heute nicht der Freimaurerei auf einem Weg
folgen, auf dem diese ihr eben nicht vorangegangen ist, sie kann auch von den andersdenkenden
Maurern nicht Einsichten übernehmen, die diese gar nicht haben. –

Dem Vorwort von H. Vorgrimler folgt in dem Buch von M. Dierickx ein Geleitwort des schon
genannten Kapuziners N. M. Wildiers, der durch die "Begegnung mit verschiedenen führenden
Mitgliedern der Freimaurerei in Holland", wie er schreibt, veranlaßt wurde, sich eingehender mit
der Freimaurerei zu beschäftigen und sie umfassender zu studieren, wobei ihm einige Umstände
zu Hilfe kamen, "nicht zuletzt die Gespräche ... mit dem Pariser Anwalt Alec Mellor..."

N. M. Wildiers schreibt wörtlich: "Die Frage, mit der uns das Buch konfrontiert, ist die, ob wir unter
den heutigen Verhältnissen unseren Standpunkt gegenüber der Freimaurerei nicht gründlich
revidieren müssen. Sie einfach abzulehnen, als sei die Freimaurerei weiter nichts als eine
Gemeinschaft von Menschen, die sich gegen Kirche und Staat verschwören wollen, wie es noch
im kirchlichen Gesetzbuch heißt, ist nicht nur lächerlich, sondern auch grundverkehrt. Was auch
immer bei einigen irregulären Logen vorgekommen sein mag, in der regulären und von der
Vereinigten Großloge von England anerkannten Freimaurerei ist davon bestimmt keine Spur zu
entdecken. Infolge mangelnder Kenntnis, die zum Teil auf ungenügende objektive Unterrichtung
zurückzuführen ist, werden häufig Urteile gefällt, sie sich bei genauerer Prüfung als ungerecht
herausstellen müssen ... Wenn es darüber hinaus noch zu einem offenen Gespräch, zur
Beseitigung von Vorurteilen und letztlich zum besseren gegenseitigen Verständnis beitragen
sollte, dann wäre dem Ideal von Weisheit, Stärke und Schönheit, dem wir doch alle nachstreben
müssen, ein großer Dienst erwiesen" (S. 7f).

Zu diesen kräftigen Behauptungen und Vorurteilen hier nur eine Frage: Stammen diese Sätze,
die sich nach unseren bisherigen Ausführungen als offensichtlich falsch und wirklichkeitsfremd
entlarven, von einem wirklich gut informierten gläubigen Christen oder von einem Mann, der an
der Wahrheit vorbei – bewußt oder unbewußt einseitig und tendenziös Werbung für die
Freimaurerei betreibt?

Das dritte Wort, das der Einleitung des Verfassers selbst vorausgeht, kommt aus der Feder und
dem Herzen des Freimaurers P. J. van Loo, der als Großsekretär des Großostens der
Niederlande zeichnet. Er bescheinigt dem Buch von M. Dierickx, daß "es zweifellos das beste
Werk ist, das ein Nichtfreimaurer über dieses umfassende Thema geschrieben hat" und macht im
Hinblick auf den zweiten Teil des Buches die nicht unwichtige Bemerkung, daß der Verfasser hier
"nicht nur den Verstand, sondern auch das Herz mitsprechen läßt, zweifellos die natürliche Folge
eines sich über Monate erstreckenden Umgangs mit Freimaurern im Haus der Großloge in den
Haag..."

Getreu seiner freimaurerischen Humanitätsreligion schließt P. J. van Loo seine Einleitung mit den
Worten: "Die Freimaurer trachten danach, das zu überwinden, was die Geister und Seelen trennt,
und das zu suchen, was die Menschen verbindet. Dieser Grundsatz zieht sich ebenfalls wie ein
roter Faden durch das ganze Werk von Prof. Dierickx. Deshalb allein schon muß der Herausgabe
seines Werkes von Herzen zugestimmt werden" (S. 9).

Diesem aufrichtigen Bekenntnis ist nichts hinzuzufügen. Der Dialog erfolgt ganz im Sinne der
Freimaurerei. –

Dieselbe Linie kann man auch in anderen Veröffentlichungen der jüngsten Zeit beobachten. So
ist in einem Bericht der Herderkorrespondenz zu dem Thema "Gewandeltes Verhältnis zur
Freimaurerei" der vielsagende Satz zu lesen: "Die ’irenische’ Einstellung, wie sie Mellor und
Dierickx in ihren Schriften vertreten, wird eher zu einer Annäherung führen als die Fortsetzung
unfruchtbarer Polemik und das Beharren auf katholischen Prämissen. Dieser Satz, der genau so
gut in irgendeiner "Freimaurer Korrespondenz" stehen könnte, besagt nicht mehr und nicht
weniger, als daß die katholische Kirche sich wandeln muß, wenn es zu einer Annäherung
kommen soll. Und das heißt sie muß ihre "Prämissen", ihre eigentümliche Lehre (Dogmatik)
aufgeben, was letztendlich heißt: die Kirche muß sich selbst aufgeben.

Verständlich ist es, wenn Prof. Dierickx am Anfang seiner so vielbelobten Schrift für empfangene
Hilfen und Anregungen dankt. Er nennt u. a. "auch andere niederländische, französische und
belgische Freimaurer, so Michel Riquet S.J. und Alec Mellor," die ihm "zahlreiche interessante
Hinweise" gaben (S. 14).

"Nicht zuletzt" dankt er "ehrerbietig S. E. L. J. Kardinal Suenens, Erzbischof von Mecheln Brüsell,
und S. E. Dr. B. J. Alfrink, Erzbischof von Utrecht, für die Unterstützung und Förderung", die sie
ihm angedeihen ließen, erklärt aber ausdrücklich, "von keiner Seite beauftragt" worden zu sein,
"dieses oder ein ähnliches Buch zu schreiben" (S. 15).

Nachdem wir uns mit einigen fundamentalen Thesen seines Buches bereits kritisch
auseinandergesetzt haben, ist es zum Schluß notwendig, wenigstens noch ein Buch zu
erwähnen, das 1973 erschienen ist und einen in Fragen Theologie und Religion außerordentlich
belesenen und informierten Autor zum Verfasser hat. (J. Böni, Kirche heute und morgen, Quo
vadis, Ecclesia? Verlag Fritz Meili, CH 9043 Trogen.a.Rh., 1973)

Das Buch von J. Böni ist deshalb besonders aufschlußreich und wertvoll, weil in ihm das Wort
“Freimaurerei" nicht ein einziges Mal vorkommt. Auch läßt der Verfasser nicht ausdrücklich
erkennen, daß er selbst Freimaurer ist. Wohl teilt er mit, sich jahrzehntelang intensiv mit
theologischen Problemen beschäftigt und ein Studium der vergleichenden Religionsgeschichte
absolviert zu haben. Er war acht Jahre als katholischer Geistlicher tätig und wirkt im Anschluß
daran seit 35 Jahren als reformierter Pfarrer. Das alles erleichterte es ihm, "ein Bild von der
gegenwärtigen Lage in der christlichen Welt zu entwerfen; aufzuzeigen, welche Wege sich in der
augenblicklichen Krise anbieten und schließlich einen Ausblick in die Zukunft zu wagen.

Da wir alle zur Entscheidung herausgefordert sind, wendet meine Schrift sich auch an alle" (S. 6).

Der Schweizer Altgroßmeister J. Böni, Bern, behandelt auf den 296 Seiten seines Buches in fünf
Abschnitten die Themen: Glaube in der Krise, Grundwerte jeder Gemeinschaft, Kirche in der
Krise, Wege aus der Krise - Quo vadis ecclesia? und zuletzt: Zu neuen Ufern Ökumene der
Religionen.

Dieses letzte Kapitel ist für uns deshalb von großer Bedeutung, weil hier der Verfasser sein
Freimaurerherz weit öffnet und uns tiefen Einblick in eine neue Variation des alten Traums von
der “Religion, in der alle Menschen übereinstimmen", gewährt.

Nach dem kurzen theologischen Lebenslauf, den der gelehrte Altgroßmeister anfangs enthüllt
hat, wird kaum ein Leser über die betont antikatholische Einstellung J. Bönis überrascht sein. Er
weist zunächst darauf hin, daß der römische Katholizismus "in seinem ganzen reaktionären
Juridismus, seiner absolutistischen hierarchischen Struktur" im Widerspruch zum Evangelium
steht und deshalb nicht akzeptiert werden kann (S. 17).

Dagegen betrachtet er es als Pflicht, den "progressiven Kräften in der römischen Kirche" zu
helfen, die etwa als Theologen die "Mängel und Schwächen der absolutistischen Papstkirche
zugeben" oder als "Priester sich gegen das unevangelische Gesetz wehren, mit welchem sie der
’unauslöschliche Charakter' und das Zölibatsversprechen fesseln" (S. 19).

Er zitiert u. a. seinen Landsmann Hans Küng, um in einem bestimmten Punkt seine "nie
verhohlene Überzeugung von römisch katholischer Seite bestätigt" zu finden (S. 20) oder um sich
über "Wahrheit und Wahrhaftigkeit" belehren zu lassen (S. 49; 53). Da er zwischen logischer und
ontologischer Wahrheit nicht zu unterscheiden versteht, behauptet er, daß es in der Welt des
Glaubens Wahrheit im Sinn von Richtigkeit oder richtiger Lehre nicht geben kann, sondern nur
Wahrheit im Sinne von ganz persönlicher Erfahrung mit dem Numinosen (Göttlichen), weshalb für
"jeden Menschen nur die Glaubensaussagen wahr sind, die er selbst erlebt hat und daher
nachvollziehen kann. Sie gelten für ihn absolut (S. 46)

... Kirche kann Wahrheit nicht haben, nicht darstellen, sie kann sie nur bezeugen. Dabei ist sie in
der Gefahr, die dem Evangelium entnommenen Wahrheiten zu einer Lehre zu vergewaltigen, sie
für allgemeingültig zu erklären, um daran dann christliche Kirchen zu messen, die einem anderen
Verständnis der Heiligen Schrift anhän¬gen. Je statischer ihr Wahrheits Lehr Gefüge ist, um so
intoleranter wird nach innen und außen die betreffende Institution. Dabei wird nur allzu oft
vergessen, daß wir aller Wissenschaft zum Trotz immer noch keinen ’Indikator’ haben, der uns
anzeigt, was am biblischen Text sprachliches Gewand, urchristliches Kerygma, frühchristliche
Tradition und was darin oder dahinter wirklich Gottes Wort ist" (S. 50).

Obwohl J. Böni dem ihm in etwa geistesverwandten H. Küng viel Verständnis entgegenbringt,
lehnt er doch dessen "Ideal" einer Kirche" ab, da dieses "eine Diktatorenkirche ist" (S. 57).

Im Abschnitt III: Kirche in der Krise, behandelt J. Böni u. a. neben der "Theologie der Bewahrung"
sehr ausführlich die "Theologie der Befreiung" (S. 77 96) mit den Untertiteln: Sozialisierung,
Demokratisierung, Humanisierung, Nationalisierung, Dezentralisierung und Politisierung. Darin
erwähnt er u. a. die weltweit bemerkbar gewordenen Spannungen zwischen "der römischen
Kirchenleitung und nationalen Bischofsgruppen" im Zusammenhang mit dem Holländischen
Katechismus, "der von Rom heftig bekämpft, doch vom Holländischen Pastoralkonzil mit Billigung
von Kardinal Alfrink gestützt wurde" (S. 89). Den Primas von Belgien, Kardinal Suenens, nennt er
"Exponent einer Dezentralisation" (S.92).

Zur "Theologie der Erneuerung" zitiert er Alvarez Bolado: "Die theologische Richtung, die wir
Kirche der Erneuerung genannt haben, besteht auf der kirchlichen Neuformulierung des
Glaubensinhaltes, auf der Reformierung der Strukturen und auf dem Wert der contestation' als
wirkungsvoller Form der innerhalb und außerhalb der Kirche notwendigen Kritik und Veränderung
... Diese Theologie besteht vorzugsweise auf einer tastenden und schöpferischen Orthopraxis
(rechtes Tun) anstelle einer Orthodoxie ("rechte" Lehre) der Wiederholung oder einer
anpaßlichen Neo Orthodoxie. Aber in ihrem Bestehen auf der Orthopraxis legt sie den Akzent auf
die Orthopraxis des christlichen Gemeinschaftsverhaltens, von dem allein sie glaubt, es könne
ein sichtbares Zeichen des Volkes Gottes sein.. ." (S. 97).

Besonders allergisch ist J. Böni gegen das sog. "sacrificium intellectus", das Opfer des
Verstandes, das dem Gläubigen abverlangt wird, wenngleich ihm die Kirche nie etwas un¬- oder
widervernünftiges zu glauben auferlegt. Für ihn und viele Christen des 20. Jahrhunderts ist es
intellektuelle Unredlichkeit und Meinungszwang, wenn ein "sacrificium intellectus" gefordert wird.
Seine Sympathie gehört deshalb dem "Bund für Freies Christentum, in welchem sich
Evangelische mit katholischen Gleichgesinnten treffen".

Im Blatt "Freies Christentum" vom September 1971 war in einem Aufsatz über Die Annäherung
der Konfessionen und das freie Christentum u. a. zu lesen: " ... Wenn wir uns gegen die
Ausübung eines demoralisierenden Meinungszwanges in den kommunistischen Ländern
wenden, so dürfen wir die etwaige Restauration eines dogmatisch fundierten kirchlichen
Meinungszwanges ebensowenig dulden ... Die aus der antiken Welt übernommenen ‚offiziellen'
Glaubenslehren können gar nicht mehr als verbindlich angesehen werden. Das ‚freie Christentum
(kath)' wehrt sich gegen jede autoritäre Bevormundung, auch gegen diejenige des Papstes und
der Bischöfe ... Kein freier Christ evangelischer oder katholischer Herkunft wird bereit sein, alle
überlieferten Dogmen als verbindliche Lehren anzuerkennen, die auch dann im ‚Gehorsam des
Glaubens' bejaht werden müßten, wenn sie der ernsthaften persönlichen Überzeugung schroff
entgegenstehen ... Wir leben einer dritten Kirche der Zukunft zu" (S. 104ff).
Wenn man solche Sätze liest, kommt unwillkürlich die Frage auf, ob dieses sog. "Freie
Christentum" nicht genau so richtig "Freimaurer Christentum" genannt werden könnte.

In dem darauffolgenden IV. Abschnitt: Wege aus der Krise - Quo vadis ecclesia? befaßt sich J.
Böni mit der Bewegung des Ökumenismus. Wie er meint, regierten die Päpste in den 300 Jahren
nach dem Konzil von Trient (1545 1563) die "römische Kirche absolutistisch, d. h. ohne Konzil bis
zum I.Vatikanum, 1869/1870, das wie man längst eingesehen hat mit dem fatalen
Unfehlbarkeitsdogma und dem Primat die gesamte christliche Welt in eine scheinbar oder gar
anscheinend ausweglose Lage gebracht hat" (S. 113). "Weitab vom Beispiel Jesu Christi" endete
die römische Kirche "im unfehlbaren Absolutismus des Papstes und der vollkommenen
Gesetzlichkeit des Codex juris canonici von 1918" (S. 158).

Aber auch am ökumenischen Rat der Kirchen übt er Kritik, da er nach seiner Meinung
"Demokratie in Organisation und Führung sowie Toleranz" vermissen läßt (S. 159).

Unter der Überschrift: Das ewig gleiche Rom, bezeichnet J. Böni den "Mythus der römischen
Unfehlbarkeit" als Grundlage für das "exklusive Identitätsverständnis und die ganze konservativ
rückschrittliche Selbstherrlichkeit" der katholischen Kirche (S. 203). Er stellt sodann fest, daß
auch aus den Reihen der katholischen Kirche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Primats als
einziger maßgeblicher Autorität in Sachen des Glaubens und der Sitte laut wird und zitiert an
dieser Stelle aus einem Aufsatz von P. J. David in der Orientierung vom 15. Februar 1971 einige
charakteristische Sätze (S. 204ff).

Im Anschluß daran kritisiert er den "Nimbus der Irrtumslosigkeit" und das geplante "neue
Grundgesetz der römischen Kirche", das dem Bestreben dienen soll, "das ewig gleiche Rom für
die Zukunft in seiner heutigen Struktur, als juridisch politische absolutistische Machtkirche, zu
festigen" (S. 210). Mit dem katholischen Theologen J. B. Metz, Münster, ist J. Böni einig, wenn er
zitiert: "Fortschritte in den ökumenischen Beziehungen kann es nur geben, wenn eben die
Lebenspraxis der Kirche und die Strukturen, in denen sie sich vollzieht, selbst gewandelt
werden ... Theologie als Instanz kritischer Freiheit der Kirche kann und muß dabei zu einem Ort
der Emanzipation von bestimmten Praxen und Strukturen der Kirche werden (S. 228).

J. Böni sieht in dem "ewig gleichen Rom" das Haupthindernis für alle ökumenischen
Bestrebungen, denn "in der römischen Hierarchie ist der Wille zur Erhaltung der Macht und des
päpstlichen Absolutismus immer noch größer als jegliche Einsicht" (S. 233).

Da eine Ökumene der christlichen Kirchen und Gemeinschaften wenig oder gar keine Aussicht
hat jemals verwirklicht werden zu können, bleibt als Ausweg aus dem ökumenischen Dilemma
nur eine Ökumene der Religionen als Endziel einer universalen religiösen Ökumenismus
Bewegung. Das ist das große und eigentliche Thema des Buches, das im IV. Kapitel: Zu neuen
Ufern Ökumene der Religionen, dargelegt wird (S. 242 292).

Nach einer theologisch total abwegigen Exegese von Galater 6,15 (Denn in Christus Jesus gilt
weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern eine neue Schöpfung) im Anschluß
an eine Interpretation von Paul Tillich, nach der es "nicht auf das Besondere in der Religion
ankommt" und "sogar die Frage ob Christentum oder kein Christentum ganz belanglos und
letztlich ein Nichts ist", entdeckt der Verfasser endlich seine eigentliche religiöse Zielvorstellung
wie einen „Silberstreifen am Horizont".

Das intolerante Christentum, für das Nicht-Christen "nach wie vor Objekte der Mission" sind, und
die westliche Kirchtumstheologie erscheinen jetzt als große Hindernisse auf dem Weg zu einem
partnerschaftlichen Dialog nützt anderen Religionen auf der Basis der Gleichwertigkeit.
Besonders "das bestehende Selbstverständnis und die intolerante Ekklesiologie der römischen
Kirche machen jegliche gleichwertige Partnerschaft mit anderen Religionen, ja selbst anderen
Konfessionen unmöglich" (S. 249).
Die Aufteilung der Menschen in solche erster und zweiter Klasse, die auf der "wesensmäßigen
Intoleranz aller Offenbarungsreligionen" beruht, muß überwunden werden (S. 266).

Wir spüren von nun an, wie das freimaurerische Ideengut immer deutlicher in den
Gedankengängen Bönis zum Ausdruck kommt und konsequent auf das Endziel der Freimaurerei
hinsteuert: in aller Welt jener Religion zum Durchbruch und zum Sieg zu verhelfen, in der alle
Menschen übereinstimmen.

Der erste Theologe, der um 1650 dieses große Ziel eines religiösen Menschheitsbundes
verkündete, war Comenius, der Bischof der Böhmischen Brüder, Philosoph, Pädagoge und
Sozialreformer. Von ihm schreibt J. Böni: "Er wollte ’ein universales Licht' entzünden, die
’Religion, in der alle Menschen übereinstimmen’“(S. 271).

Seine Menschheitsbund Vision fiel zwar dem Dreißigjährigen Krieg zum Opfer, wagte sich aber in
der Aufklärungszeit erneut ans Licht, jetzt im Gewande des Rationalismus. "Wir finden sie wieder
in Lessings Drama Nathan der Weise, in welchem zum Schluß Christ, Mohammedaner und Jude
geschwisterlich und freundschaftverpflichtet und verbunden sind.

Mit der bekannten Ringparabel symbolisiert der Dichter seine Auffas¬sung, daß Christentum,
Judentum und Islam als geschichtliche Wahrheiten nur zufällige sind, die alle gleichermaßen die
ewige notwendige Wahrheit verhüllen" (S.271).

Das ist reinrassische Freimaurerideologie: die geschichtlich gewordenen religiösen


Sonderformen (Religionen) "sind nur von relativer Dauer und ebensolcher Bedeutung" (S. 272).

Mit diesem ehrlichen Zeugnis hat Bruder J. Böni den Ökumenikern aller Richtungen einen
unschätzbaren Dienst erwiesen. Es bleibt nur zu hoffen, daß sie sein Buch unvoreingenommen
und mit demselben Ernst lesen, in dem es geschrieben wurde. Dann müssen schließlich auch
manche schwachsichtig gewordenen christlichen Ökumeniker erkennen, daß es zwischen dem
Offenbarungs und Bekenntnischristentum, dem sich die Kirche Jesu Christi verpflichtet weiß, und
dem der Freimaurerideologie verhafteten "Freien Christentum" bzw. dem "Weltbund für religiöse
Freiheit", dem bereits 10 Millionen Menschen aus verschiedenen Kirchen und Religionen
angehören, eine gemeinsame Basis mit dem Ziel einer brüderlichen Gemeinschaft in Christus
nicht geben kann. Es gibt bis heute noch kein einziges Anzeichen dafür, daß die Freimaurerei
auch nur in einem einzigen wesentlichen Punkt den geringsten Abstrich an ihrer
Humanitätsideologie und ihren religiösen Zielvorstellungen vorgenommen hätte. Sie ist bei allen
taktischen Manövern sich selbst konsequent treu geblieben, während sie von allen
Andersdenkenden unablässig Anpassung und Aufgabe ihrer "Intoleranz" fordert. –

SCHLUSSWORT

Überzeugt von der unumstößlichen Tatsache, daß die Freimaurerei ihr innerstes Wesen, wie es
in dem Grundgesetz der "Konstitutionen" von 1723 grundgelegt ist, niemals ändern kann und
wird, geben wir das letzte Wort dieser Schrift einem Freimaurer, der ohne Übertreibung zu den
einflußreichsten Vertretern der internationalen Freimaurerei im 20. Jahrhundert gezählt werden
darf: Quartier la Tente. Er war protestantischer Pfarrer, Großmeister der Schweizer Großloge
"Alpina" und zeitweilig Leiter der freimaurerischen Weltgeschäftsstelle in Genf. 27 Jahre lang war
er überdies Staatsrat und Leiter des Departements für Unterricht und Kultur in der Schweiz.

Er schreibt über die Versöhnung von Freimaurerei und Christentum: "Die Versöhnung ist nicht
mehr möglich. Es kann daher nur Kampf geben, einen Kampf ohne Gnade, der mit dem Sieg der
Wissenschaft und des Gewissens enden wird ... Der Maurer ist ein freier Mensch; der Katholik ist
ein Sklave, der einer erzwungenen Disziplin des Geistes unterworfen ist. Und nichts ist
unverträglicher mit freimaurerischem Geist." (Quartier la Tente: Two Centuries of Freemasonry,
Bern, 1917)

In der Tat ist jeder wahre Christ ein Sklave (Diener) Jesu Christi. Im Neuen Testament wird das
oftmals bezeugt, besonders in den Paulusbriefen. Diese Sklaverei aber, die nichts anderes ist als
der unbedingte Glaubensgehorsam gegenüber dem Herrn Jesus Christus, nimmt der Christ in
freier Liebe auf sich, weil er davon überzeugt ist, daß nur Christus allein uns zur wahren Freiheit
befreit.

Ungehorsam gegen Jesus Christus führt in die Sklaverei der Sünde: das heißt in die
Unmenschlichkeit und Barbarei.

Die Wissenschaft der Freimaurerei die Aufklä¬rung hat die gesamte Menschheit in eine
Sackgasse geführt. Der autonome Humanismus hat nicht Freiheit für alle, sondern eine neue
Form der Sklaverei für viele geschaffen, aus der nur Jesus Christus und seine Gnade befreien
kann.

Dieser Beitrag entstammt dem Buch DIE ANTICHRISTLICHE FREIMAUREREI, erhältlich beim
Miriam-Verlag in 79798 Jestetten, Brühlweg 1

Die Hervorhebungen wurden von mir vorgenommen. Horst Koch, Herborn, im Oktober 2006

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Ev. Allianz und Freimaurertum


Erich Brüning

Evangelische Allianz und Freimaurertum

In christlichen Kreisen herrscht über diese Zusammenhänge eine erschreckende Unkenntnis, so


daß die freimaurerische Ideologie das christliche Lager zu korrumpieren vermochte. Obwohl die
Heilige Schrift mit aller Deutlichkeit auf diese endzeitlichen Gefahren hinweist, befinden sich viele
Kirchen, Freikirchen und Missionswerke in dem ideologischen “Bereich des blauen Schattens”,
dem Freimaurertum.

Das große Ziel des Freimaurertums ist die Eliminierung das Christentums.
Darüber existiert ein weit über hundert Jahre alter “Plan”, der höchsten Persönlichkeiten aus
Kirche und Politik bekannt war. Papst Leo XIII. nahm in seiner Enzyklika “Humanum genus” vom
April 1884 dazu Stellung.

Der Siegeszug freimaurerischen Einflusses setzt sich gegenwärtig im evangelikalen Lager fort.
Nachdem Charismatiker, Pfingstler, Adventisten, Protestanten, Orthodoxe und Katholiken, sich
unter dem Papstwort: “Uns eint mehr als uns trennt”! bei missionarischen Aktionen
zusammenfinden, ist das freimaurerische Pluralitäts- und Toleranzdenken auch der Deutschen
Evangelischen Allianz längst nicht mehr fremd. Das ist nicht verwunderlich.
Waren doch außer dem Mitbegründer und Freimaurer Thomas Chalmers, auch manch anderem
Allianzglied die freimaurerischen Maximen nicht unbekannt. ,,Wir Freimaurer der Tradition
gestatten uns das Wort eines berühmten Staatsmannes zu verdeutlichen und zu akzentu ieren
(transposer), indem wir es den Umständen angleichen: Katholiken, Orthodoxe, Protestanten,
Muselmanen, Hinduisten, Buddhisten, Freidenker und gläubige Denker sind bei uns nur
Vornamen. Unser Familienname ist Freimaurerei.”
Christliche Akzente im Freimaurertum

Daß es eine Art “Christliche Freimaurerei” gibt, ist wenig bekannt.

Die “Christliche Freimaurerei” stammt aus dem Vorstellungskreis christlicher Ritterorden im


18.Jh. Dazu gehört u.a. das Schwedische - bzw. Zinnendorfsche System mit den Großlogen von
Schweden, Norwegen, Dänemark.
Dazu gehört die Große Landesloge von Deutschland, sowie die Hochgrade der Großen National-
Mutterloge “Zu den drei Weltkugeln” in Berlin.

Die Ordenslehre betont den Charakter eines christlichen Ritterordens, wobei man den Glauben
an Gott und an die Unsterblichkeit der Seele als Postulate der Vernunft versteht. Das System
gründet sich auf die reine Lehre Jesu, wie sie in den Evangelien dargeboten wird. Die Bibel gilt
als “das größte Licht aller Lichter”. Das “Christliche System” zeigt besonders in den Hochgraden
den mystisch-theosophischen Einfluß Swedenborgs.

Das Freimaurer-Lexikon schreibt hierzu:“Die streng christlich-mystische Lehrart mit ihrer die
Erziehung der Mitglieder zu innerlich freien Menschen (“Freiheit von Gebundenheit”)
anstrebenden Ordensregeln, mündet in einer formschönen und mit der symbolischen Darstellung
religiöser Erlebnisse stark durchsetzten Ritualistik in der Person des eigentlich unsichtbaren
Obermeisters Christus, der die gesamte Ritterbruderschaft in ihrer Gotteskindschaft vereinigt”.
Das höchste Ziel des Ordens liegt in den beiden höchsten Graden und der Vereinigung der
Brüder untereinander zu einer geistigen, christlichen Ritterschaft unter der Kreuzesfahne und der
Vereinigung mit Gott (Unio mystica) als Mittelpunkt der ewigen Liebe.

Der Abschnitt zeigt deutlich, wie differenziert im Grunde die Logensysteme des Freimaurertums
sind und wie schwer übersehbar. Sektiererische Züge sind hierbei unverkennbar.
Eine erschöpfende Darstellung des freimaurerisch Christlichen Systems, kann hier nicht erfolgen.
Es würde den Rahmen der Darlegung sprengen.

Bedeutsam ist, auch hier ist der Gebrauch biblisch christlicher Begriffe angezeigt. Das System ist
bewußt religiös mit mystisch-magischen Akzenten.

Die Evangelische Kirche und das Freimaurertum

In den Jahren 1972 und 73 kam es zu mehreren Gesprächen zwischen Vertretern der
Evangelischen Kirche und Freimaurern, die zur Klärung des Verhältnisses zwischen Freimaurern
und der evangelischen Kirche dienen sollten. Kirchliche Teilnehmer bei der Arnoldshainer
Konferenz, war die VELKD (Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands) und die
EKD (Evangelische Kirche Deutschland). Von freimaurerischer Seite war es Dr. Theodor Vogel,
Alt-Großmeister der Vereinigten Großlogen Deutschlands. Das Gespräch wurde in neun Punkten
zusammengefaßt.

Unter Punkt 6 heißt es: Ein genereller Einwand gegen eine Mitgliedschaft evangelischer Christen
in der Freimaurerei kann nach Meinung der evangelischen Gesprächsteilnehmer nicht erhoben
werden.

Unter Punkt 7 heißt es: Falls es in einzelnen evangelischen Landeskirchen Ordnungen geben soll
te, die diesen Feststellungen entgegenstehen, sollten sie aufgehoben werden.

Der Punkt 8 lautet: Die kirchlichen Vertreter baten die Freimaurer, in geeigneter Weise dazu
beizu tra gen, daß ein höheres Maß von Information vermittelt wird, um Vorurteile abzubauen.

Die wohlwollende und positive Grundhaltung der Kirchenmänner dem Freimaurertum gegenüber
war unverkennbar. Das Internationale Freimaurer Lexikon schreibt z.B. über den bekannten
Freimaurer Dr. theol. Gotthilf Schenkel, daß er sich bemühte, die “wesenhafte und schicksalhafte
Verbundenheit zwischen Freimaurertum und Protestantismus” aufzuzeigen. Beide entspringen im
letzten Grunde der gleichen geistigen Quelle, nämlich dem freien Gewissen und der frommen
Innerlichkeit...”

Der Protestantismus fordert keine starre unbedingte Glaubensbindung sondern er gesteht seinen
Bekennern das Recht zu, den Glauben zu einer rein persönlichen Angelegenheit zu machen. Das
entspricht genau der Auffassung des Freimaurertums, das ihren Mitgliedern dieses Recht
zuspricht.
Ähnlich heißt es in R.G.G. (Religion in Gegenwart und Geschichte) Bd.2, S.1117:
“Protestantismus und Freimaurertum werden in der katholischen Polemik gerne zueinander in
Beziehung gebracht, weil beide das Prinzip der freien eigenen Gewissensverantwortung
betonen”.

Der Jesuit Dr. H. Brauweiler betont ebenfalls einen Zusammenhang zwischen Protestantismus
und Freimaurertum wenn er schreibt:
“Man kann sagen, daß die Freimaurerei, wie sie auf protestantischem Boden entstanden ist und
in der Gestaltung die sie in Deutschland gefunden hat, ganz vom protestantischen Geist
beeinflußt ist”.
Konser vative Katholiken behaupten sogar: “Ohne 1517 kein 1717”.

Das heißt im Klartext, Luthers Thesenanschlag um das Jahr 1517 war mehr oder weniger
Auslöser der Entstehung und Gründung der Großloge in England 1717.
So gesehen könnte man sagen, die Reformation hat zumindest die Voraussetzung für eine
Entwicklung des Freimaurertums gefördert.
Das soll jedoch nicht heißen, daß die Freimaurerei eine beabsichtigte Folge der Reformation war.
Durch sie wurden lediglich Kräfte frei, begünstigt durch die Glaubenskriege, die durch die
Reformation ausgelöst wurden, die ein Verlangen nach Frieden und Toleranz förderten. Darin
lagen günstige Voraussetzungen zur Gründung der Freimaurerei.

Martin Hohl bemerkt in seiner Geschichtsarbeit an der damaligen FETA/Basel, daß bei den in
seinen Ausführungen berücksichtigten Autoren darin weitgehend Übereinstimmung herrsche, daß
die zentralen Ideen der Glau bens- und Gewissensfreiheit, sowie der Toleranz, ihren Ursprung im
Protestantismus haben. Das stimmt mit der Auffassung des “Allgemeinen Handbuchs der
Freimaurerei” / Leipzig 1900) überein, in dem es heißt, daß “der Freimaurerbund das Resultat der
Reformation ist”.

Zusammenfassend kann zumindest gesagt werden, daß die Reformation die Entwicklung des
Freimaurertums positiv beeinflußt hat.

Einen beachtlichen Einfluß auf evangelischem Territorium, erreichte das Freimaurertum innerhalb
der größten protestantischen Kirche in den USA, den Südlichen Baptisten.
Hier hat man keine Bedenken gegenüber einer Mitgliedschaft in den Freimaurerlogen. Daher ist
es nicht verwunderlich, daß von den 3,5 Millionen Freimaurern in den USA, allein 1,3 Millionen
Baptisten sind.

Hinzu kommen aus dem evangelikalen Lager der EmK (Evangelisch methodistische Kirche) eine
unbekannte Zahl, die sich zum Freimaurertum bekennen. Das verwundert weiter nicht. War doch
bei dem Begründer des Methodismus, John Wesley, universalistisches Denken und
Weltbürgertum nicht fremd. So ist es nachvollziehbar, daß ihn diese Anschauung später
veranlaßte, Mitglied der Loge in England zu werden.

Im Laufe der Geschichte bekannten sich mehr und mehr kirchliche und evangelikale
Persönlichkeiten zum Freimaurertum. Durch sie entstanden christliche Vereinigungen, Bünde und
Clubs, die eine schnelle Verbreitung des freimaurerischen Universalismus und der
“Weltbürgeridee” ermöglichten. Zu solchen Gründungen gehören u.a. die Evangelische Allianz,
der CVJM (Christliche Verein Jun ger Männer), der Lyons-Club und der Rotary-Club usw.
Es ist unverständlich, daß sich bibelgläubige Christen mit dem freimaurerischen Mystizismus
einlassen, der in letzter Konsequenz in Gott lediglich ein “regulatives Prinzip” versteht. Paulus
sagte warnend, man kann nicht an zwei Tischen sitzen, am Tisch der Dämonen und am Tisch
des Herrn. Unbegreiflich ist jedoch, daß Männer, die sich in christlichen Missionen verdient
gemacht haben, einreihten in die weltweite “Bruderkette des Freimaurertums”.

Zu ihnen gehörte, wie später gezeigt wird u.a. John Wesley, Henry Dunant, Prof. Schenkel, Dr.
Schenkel, Lord Shaftesbury, Thomas Chalmers, Graf Zinzendorf etc. Ausführliche
Personenbeschreibung findet sich in Kap.8. –
Daß die freimaurerische Philosophie Einfluß auf die gegründeten Bewegungen hatte, liegt auf der
Hand. Schon die Heiligungslehre Wesleys verlangte ein persönliches Mitwirken bei der Heiligung
und Vervollkommnung, die ein Prinzip freimaurerischer Philosophie ist.

Die Evangelikalen und das Freimaurertum.

Wer sich zum Freimaurertum bekennt, bekennt sich zum Mystizismus, zum Okkultismus, zu
freimaurerischem Symbolwesen und Maximen Humanität, Toleranz, Pluralismus, Relativismus
und Pragmatismus. Wer sich zum Freimaurertum bekennt, unterstützt wissentlich oder
unwissentlich, den Plan Luzifers, nämlich die Liquidierung des Christentums.
Wie weit die unten erwähnten Männer sich dessen bewußt gewesen sind, wiewohl sie sich in der
christlichen Mission verdient gemacht haben, kann und soll hier nicht beurteilt werden.
Die Frage lautet: Was bewog die Männer sich der Freimaurerei zuzuwenden? Wer waren nun
diese Männer?

John Wesley

John Wesley (1703-1791) war Begründer des Methodismus in England. Diese Bewegung wurde
zur größten Kirchenbildung in der Geschichte der Christenheit. In der Broschüre “Methodismus in
Dokumenten”, schreibt Lic. theol. D. D. Theophil Spörri über Wesley:
“Wir wollen nicht vergessen, daß wir zu der irdischen Gefolgschaft eines Mannes gehören, der
sich als Christ dazu bekannte, auch “Weltbürger” (Citizen of the World) zu sein”.

Weltbürgertum und Weltbürgersinn sind Charakteristiken des Freimaurertums. Der Philosoph


Fichte sagt vom Freimaurer: “Vaterlandsliebe ist seine Tat, Weltbürgersinn sein Gedanke”.

John Wesley bekannte sich auf Grund seines Weltbürgersinns in seinem späteren Leben zum
Freimaurertum. Das Intern. Freimaurer Lexikon schreibt auf S. 1697:
“Wesley, John, englischer Geistlicher (1703 -1791) Begründer der Methodistengemeinschaft,
wurde in hohem Alter Mitglied der Union Lodge of St. Patrick Nr.367 in Downpatrick / Irland”.

Was zog Wesley noch am Ende seines Lebens zu dieser Philosophie?


In dem 1. Hauptstück des Konstitutionsbuches, einer normativen Schrift der Freimaurer, verfaßt
von dem schottischen Theologen und Freimaurer James Anderson, heißt u. a:
“So hält man es doch jetzt für ratsam, sich (Freimaurer) bloß zu der Religion zu verpflichten, in
welcher alle Menschen übereinstimmen und jedem seine besondere Meinung zu lassen”. Diese
Schrift lag bereits im Jahre 1723 vor.
Warum ließ sich Wesley trotzdem in die Loge aufnehmen? Denn mit seinem Eintritt bekannte er
sich zur Symbolik und zum Ritual und deren mystisch-okkulten Konsequenzen.
Unbegreiflich! Ein gesegneter Evangelist begibt sich freiwillig in den “Bereich des blauen
Schattens”.

Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf

Daß Zinzendorf Freimaurer war, ist wenigen bekannt. Sein Hang zum Mystischen kommt
besonders bei seiner Passionsbetrachtung zum Ausdruck. Darin zeigen sich unbestritten
mystisch-spiritualistische Elemente. Von daher war der Schritt in eine Loge für ihn kein großes
Problem. Einen zwar knappen Bericht über Zinzendorfs Logenzugehörigkeit, bringt Eugen
Lennhoff, Mitverfasser des Intern. Freimaurer Lexikon. Graf Ludwig von Zinzendorf erscheint im
Personenverzeichnis seiner Schrift “Die Freimaurer”. Darin zitiert Lennhoff das “Journal für
Freimauer” aus dem Jahre 1784. Darin wurde berichtet, daß in der Burg des Grafen Hodwitz
“Loge gehalten wurde”. Lennhoff schreibt:
“Der ´Bauhütte` (Loge) gehörten zumeist Angehörige des höchsten Adels an; die Logenlisten
verzeich neten den Prinzen von Hessen-Rheinfels ... Zinzendorf, also lauter Herren, die bei Hofe
ein- und auszugehen pflegten”.

Mit diesem sehr knappen Bericht soll eigentlich nur gezeigt werden, daß das freimaurerische
Wesen selbst auf christlich engagierte Personen Einfluß hat. Der Kardinalgedanke der Darlegung
ist auf gar keinen Fall Zinzendorf als einen Freimaurer “aufzubauen”, sondern vielmehr zu zeigen,
wie groß der Ein fluß und die Anziehungskraft des geistig-mystischen Logenlebens auch auf
christliche Männer gehabt hat. Daß bei Zinzendorf gewisse weltanschauliche Tendenzen
vorhanden waren, zeigt der Auszug aus den Statuten von Herrnhut. Zitat:
“Herrnhut ... soll in beständiger Liebe mit allen Brüdern und Kindern Gottes in allen Religionen
stehen, kein Beurteilen, Zanken oder etwas Ungebührliches gegen Andersgesinnte vornehmen,
wohl aber sich selbst ... und die Gnade unter sich zu bewahren suchen”.
Kann es in allen Religionen Kinder Gottes geben? Diese Auffassung wird heute gerne vertreten,
um damit den ökumenischen Gedanken mehr und mehr zu realisieren.
Zum Beispiel in den Aktionen von ProChrist und den Bestrebungen der Evangelischen Allianz,
die Zusammenarbeit möglichst aller Denominationen zu bewerkstelligen. Die Statuten offenbaren
durchaus ökumenisches Verständnis. Sie weisen auf ein “universales” Denken hin, ähnlich dem
Weltbürgerdenken Wesleys.

Henri Dunant (1828-1910)

Als 1847 in Genf die Schweizerische Evangelische Allianz gegründet wurde, berief man Henri
Dunant in die Stellung des Sekretärs. Dunant war Freimaurer und Begründer des Internationalen
Roten Kreuzes. Das Intern. Freimaurer Lexikon würdigt seine humanitäre Leistung als die eines
verdienten Freimaurers. Es muß erwähnt werden, daß freimaurerische Humanität und Toleranz
prinzipiell nicht mit christlicher Motivation gleichzusetzen ist. Das Wesen freimaurerischer
Humanität ist an anderer Stelle beschrieben. Als Freimaurer wußte Dunant um das Wesen der
Mystik, der Symbolik und des Rituals. Unsere Frage ist – ohne das Verdienst H. Dunants zu
schmälern – wie kam dieser Mann aus dem evangelikalen Hintergrund in die Bruderkette der
Loge?

Prof. Dr. Daniel Schenkel

Daniel Schenkel war Freimaurer. Auf der Berliner Allianz-Konferenz im Jahr 1857 in Berlin, war er
der Lieblingsredner. Er tat sich besonders hervor durch die pathetischen Proklamationen einer
Religion, die nur dem freien, richtunggebenden Gewissen folgen sollte. Das war freimaurerisch
gedacht.

Damit widersprach er den 9 Punkten der Londoner Allianz-Konferenz. Die Lutheraner Dr. Stahl
und Prof. Hengstenberg und manch andere wußten sehr wohl wer Schenkel war und hatten
deswegen Berlin während der Konferenz aus Protest verlassen. Schenkel wandte sich etwa um
das Jahr 1858 von der Erweckungsbewegung ab und gründete mit dem Freimaurer, Prof. C.
Bluntschli, den “Protestantenverein”. Nun konnten auch von hier aus ideologische Impulse in das
christliche Lager erfolgen.

Lord Shaftesbury, Anthony Ashley Cooper

Lord Shaftesbury (1801-1885) englischer Staatsmann, war an vielen philantropischen und


christlichen Einrichtungen beteiligt. So auch an der CVJM/YMCA-Gründung. Lord Shaftesbury
war Freimaurer und Mitglied der Apollo University Lodge 357 in Oxford. Durch ihn kam zweifellos
der freimaurerische Weltgeist der Verbrüderung und das Toleranzdenken in den CVJM.

Thomas Chalmers

Thomas Chalmers war mehr oder weniger der Initiator zur Bildung der Evangelischen Allianz in
England, er war Freimaurer. Die bisher erwähnten Personen, sind gesegnete Väter christlicher
Mission gewesen. Ihr Verdienst soll auf keinen Fall durch die Darlegungen abgewertet werden.
Wer das darin sehen will, hat den Sinn dieser Publikation noch nicht verstanden.
Um nochmals zu betonen: Die Kurzbiographien sollten lediglich deutlich machen, wie gefährlich
der Einfluß aus dem “Bereich des blauen Schattens” selbst für erfahrene, christliche Personen ist.
Dieser Geist ist nun einmal nicht der Geist von Gott, sondern er ist von unten.
Baptisten als Freimaurer

Die idea-Nr.42/93 - 7. April bestätigt genau, wie oben erwähnt, den geistigen Einfluß des
Freimaurertums auch heute auf das christliche Lager. Wissentlich oder unwissentlich, egal,
Evangelikale bekennen sich offen zum Freimaurertum.
Zitat: “Keine Bedenken gegen Mitgliedschaft in Freimaurer-Logen. Von 15,2 Millionen Südlichen
Baptisten sind 1,3 Millionen Freimaurer”. In der größten protestantischen Kirche der USA, den
südlichen Baptisten, gibt es keine grundsätzlichen Bedenken gegen die Mitgliedschaft in einer
Freimaurerloge. In einer jetzt vorgestellten Studie der Heimatmission der 15,2 Millionen Mitglieder
zählenden Kirche heißt es, daß die Logenzugehörigkeit eine rein “persönliche Entscheidung” ist.

An dieser Stelle scheint es sinnvoll, die Haltung und zugleich öffentliche Stellungnahme der
Schweizer Evan gelischen Allianz gegenüber dem Freimaurertum aufzuzeigen.

Zweifellos war es ein sehr positiver, löblicher Akt der Schweizer Evangelischen Allianz,
zumindest verbal die Distanzierung vom Freimaurertum zu veröffentlichen. Die Stellungnahme
des Zentralvorstandes der Allianz erschien in idea-Spektrum 28/29/1999, unter der Überschrift
“Evangelikale gegen Freimaurer”. Der Vorstand hat sich repräsentativ für die Allianz im Gebet
“von allen Machenschaften und Verbindungen zur Freimaurerei losgesagt. Der Wortlaut des
Gebets:
“Wir tun Buße und stellen uns unter die Schuld unserer Vorgänger ... Wir brechen im Namen
Jesus Christus den Fluch des Freimaurertums über der Evangelischen Allianz Bewegung.”

Das Bekenntnis wurde von den 8 Gliedern des Zentralvorstandes unterschrieben. Zweifellos ein
Akt guten Willens. Damit ist jedoch das Grundproblem und der “Bann” noch nicht gebrochen. Ein
verbales Pauschalbekenntnis vermag dem bereits in das evangelikale Lager eingedrungenen,
freimaurerischen Geist, keinen Einhalt zu gebieten. Das evangelikale Lager ist davon bereits bis
an seine Wurzeln verdorben. Wir können den HERRN nur dringend bitten, seine Gemeinde von
den luziferischen Prinzipien freimaurerischer Ideologie, dem verderblichen Pluralismus und
Pragmatismus zu befreien.

Zu der schweizerischen Stellungnahme nimmt die Deutsche Evangelische Allianz mit ganzen 10
Zeilen Stellung. Der lapidare Satz des Vorstandes der Deutschen Evangelischen Allianz: “...man
nehme dem Jesuitenorden die Erklärung ab, daß Freimaurer in Sünde leben und daher ein
gläubiger Katholik kein Freimaurer sein könne”, zeugt von einer erschreckenden Sachunkenntnis.

Anstoss zur Allianzgründung

Vom 1.-3. Oktober 1845 luden die drei Professoren Thomas Chalmers, Robert Balmer, Andrew
Symington und die beiden Pastoren Dr. David King und John A. James zu einer vorbereitenden
Konferenz nach Liverpool eine Reihe Kirchen ein.
Der Anstoß zu dieser Versammlung kam von Thomas Chalmers. Seine Intention war, eine
möglichst große Versammlung evangelischer Christen zusammen zu bringen, um die Kräfte
eines erleuchteten Protestantismus als Front gegen die Übergriffe des Papsttums zu bilden. Die
geistigen Impulse zu seiner Haltung gegenüber den Katholischen hätten durchaus ihre Wurzeln
in der Französischen Revolution 1789 haben können, bei der zum Kampf gegen die römisch-
katholische Kirche aufgerufen worden war. Chalmers war eben nicht nur Theologe, sondern auch
Freimaurer. Von daher wäre seine Haltung gegenüber der römisch- katholischen Kirche durchaus
verständlich. Die damaligen Teilnehmer der vorbereitenden Gründungskonferenz waren über die
Kampfstellung gegenüber dem Katholizismus zunächst nicht sehr begeistert. Trotzdem sparte
man später in London nicht mit harten Angriffen gegen die katholische Kirche, die man “Mutter
der Greuel” nannte und erklärte: “Die Allianz hätte die Aufgabe, Personen, die noch in der
Unfreiheit des Katholizismus lebten, in die Freiheit des Evangeliums zu führen”.

Diese Auffassung gegenüber der römisch-katholischen Kirche hat sich total verändert. Bei Robert
Balmer, einem der Allianzväter, klang bereits im Juli 1843, bei der 200-Jahr Gedenkfeier zum
Westminster-Be kenntnis, das Thema “Einheit unter den Christen” an. Am Ende der Gedenkfeier
wurde ein formeller Antrag zur engeren Zusammenarbeit zwecks Gründung einer Allianz
eingebracht. Das Ziel des dafür gebildeten Komitees unter dem Vorsitz des Freimaurers T.
Chalmers, lautete: “Zusammenarbeit ohne Zusammen schluß”. Aus unbekannten Gründen hat
sich Chalmers an späteren Konferenzen nicht mehr beteiligt. Dabei könnten persönliche Gründe
mitgespielt haben. Denn beinahe resignierend klingen die an die Allianz gerichteten Worte, daß
man sich darüber klar werden müsse, ob man noch eine antirömische Vereinigung sein wolle. –
Die Gründungsidee der Evangelischen Allianz geht unbestritten auf die Initiative des Freimaurers
Thomas Chalmers zurück. Er war unter der Mitglieds-Nr.101, in der “Großen Loge von
Schottland” in Forfarshire eingetragen.

Gründungskonferenz im “Bereich des Blauen Schattens”

Die EA wurde am 19. Aug. 1846 in London im größten Freimaurer Tempel der Stadt, der
Freemason´s Hall, gegründet. Dies beschreibt Karl Heinz Voigt in seinem Buch über die
Evangelische Allianz. Die Sitzungen der Londoner Allianz fanden über lange Jahre in derselben
Loge statt. Dies berichtet Erich Beyreuther in seiner Arbeit über den Werdegang der Ev. Allianz.
H. Hauzenberger schreibt: Man kann sich die sicher berechtigte Frage stellen, ob diese anderen
Mitbenutzer der ,,Hall,” doch nicht ebenso der Freimaurerei nahestehende Organisationen und
Vereine waren und sind. Dieser Schluß liegt nahe. Ist doch Großbritannien ein Land, das eine
sehr hohe Zahl an Freimaurerlogen und Logenmitgliedern besitzt. – ,,Beschuldigungen der
angedeuteten Art blieben nicht aus, besonders die im Blick auf die in Berlin geplante weltweite
Allianzkonferenz von 1857.”

Natürlich war die Benutzung des Freimaurersaales, der ,,Masonic Hall”, nicht unbedingt ein Indiz
für eine Verbindung zum Freimaurertum. Das muß aber nicht heißen, daß zwischen der Allianz
und Freimaurern grundsätzlich keine Verbindungen bestanden hätten. Es bestanden Kontakte.
Hans Hauzenberger bemerkt dazu in seiner Schrift: Die Nähe zur FM wird natürlich von offiziellen
Stellen der Allianz heruntergespielt und abgestritten, viele (religiöse) Vereine hätten schließlich in
dieser ,,Masonic Hall” ihre Ta gungen abgehalten, weil diese eben die einzige Halle mit einer
entsprechenden Größe war.

Im Internationalen Freimaurer Lexikon unter dem Stichwort Hall ist dazu zu lesen:,,Man
bezeichnet im heutigen angelsächsischem Sprachgebrauch als Masonic Hall ein Gebäude, das
ausschließlich freimaurerischen Zwecken dient, während als Masonic Building Gebäude
bezeichnet werden, die auch an profane Betriebe und andere mehr, Räume abgeben.”

Der Vorschlag, Berlin als Konferenzort zu wählen, ging von König Friedrich Wilhelm IV. aus,
einem Glied des Hauses Hohenzollern, das eine Art Schirmherrschaft über das Freimaurertum in
Preußen ausübte. E. Beyreuther schrieb selbst, daß sich unter den Konferenzbesuchern eine
Reihe namhafter Berliner Freimaurer befand. In “Der Weg der Evangelischen Allianz in
Deutschland” heißt es hierzu: “Die vielen, christlich bewährten Männer, namentlich unter den
Angelsachsen, welche die Versammlung besuchten, besaßen zumindest keine Ahnung von der
Beschaffenheit des Terrains, auf dem sie in Berlin standen”. “Man hatte herausgefunden, daß
sich unter den Konferenzteilnehmern eine Reihe namhafter Berliner Freimaurer befanden”.
Das konnte spätestens an den Ausführungen des Lieblingsredners der Konferenz, Prof. Dr.
Schenkel erkannt werden. Schenkel vertrat selbst im Konferenzprogramm die freimaurerische
Anschauung in der empfohlen wird, nur dem richtunggebenden Gewissen zu folgen. Das war
freimaurerische Philosophie pur.
Man kann also nicht sagen, daß es keine Verbindung zum Freimaurertum gegeben hätte. Wie
groß Schenkels geistiger Einfluß auf die Allianz war, kann nicht ohne weiteres gesagt werden.

Den Höhepunkt der Berliner Konferenz bildete der Empfang der 800 Konferenzteilnehmer am 11.
Sept. 1857. durch den Freimaurer Kaiser Wilhelm I. in Schloß Sanssouci. –
Verständlicher Weise gab es, wie schon erwähnt, seitens bekenntnistreuer Lutheraner gegen die
Konferenz heftige Reaktionen. Aufgrund dessen, was in Berlin ablief, äußerte der Freimaurer
Lord Shaftesbury in London, Mitbegründer des CVJM, die Berliner Allianz- Konferenz sei eine
“Epoche der Weltgeschichte” gewesen. Das war zwar überzogen, zeigt aber die Einschätzung
der Konferenz von freimaurerischer Seite her.
Wohl wissend um die Zusammenhänge der Berliner Konferenz und der künftigen Evangelischen
Allianz, betrachtete z.B. Joh. Heinrich Wichern die Entwicklung skeptisch. Er besuchte weder die
Konferenz, noch wollte er seine “Innere Mission" ins Schlepp tau einer unklaren internationalen
Bewegung nehmen lassen.
Wicherns Mißtrauen war berechtigt, wenn man die gegenwärtige Haltung, die Bemühungen der
Evangelischen Allianz mit der Katholischen Kirche betrachtet. An dieser Stelle wäre zu fragen,
wie es überhaupt möglich ist, daß verantwortliche Männer der Evangelischen Allianz, eine
Zusammenarbeit zwischen der evangelikalen Mission “AD 2000” und der katholischen
“Evangelisation 2000” – die unter dem Segen Papst Johannes Paul II. und der Oberaufsicht des
Freimaurers Agostini Casaroli steht, verantworten können?

Engen Kontakt mit Rom pflegte allerdings bereits Billy Graham, besonders über die Aktionen
ProChrist. Bill Bright, der Begründer von Campus für Christus, ging so weit, daß er mit einer
Reihe anderer Evangelikaler eine Resolution zur Verbrüderung zwischen Evangelikalen und
Katholiken unterzeichnete. Dieses beschämende Bekenntnis lautete:
“Wir bekennen gemeinsam, Evangelikale und Katholiken, unsere Sünde gegen die Einheit, die
Christus für alle seine Jünger beabsichtigt” ... weiter heißt es darin: “Evangelikale und Katholiken
sind Brüder und Schwestern in Christus”.
Hierin reflektiert unmißverständlich ein Hauptanliegen des Freimaurertums, das
Zusammenrücken aller Religionen, das bekanntlich auch von Papst Johannes Paul II. angestrebt
wird.

Eine veränderte Allianz-Botschaft

Von ihrer Gründung, vor etwa 150 Jahren bis jetzt, vollzog die Evangelische Allianz ein Wende
um 180 Grad. In den Dienstanweisungen des Allianzvorstandes zum Jahreswechsel 1958/59,
hieß es noch klar und deutlich:
“Unsere Allianz hat einen Wächterdienst... Wir müssen kämpfen gegen die gefährliche
Vermischung von Christentum, Humanismus, Idealismus und Sozialismus”. Oder: “Wir müssen
auch klar Front machen gegen alle unbiblischen Schwarmbewegungen, durch die leitende
Menschen ungöttlich verehrt werden und die Rangordnung der biblischen Gnadengabe verkehrt
wird”.

Das waren deutliche Akzente. Heute stehen die “Allianzwächter” auf der entgegengesetzten
Seite. In der ungekürzten Meldung der Delegiertenkonferenz in Bad Blankenburg 1992 hieß es
zum Beispiel:
“Die Deutsche E.A. sollte sich stärker für pfingstkirchliche charismatische und katholische
Christen öffnen. Besonders “das Jahr mit der Bibel” habe gezeigt, daß die Zusammenarbeit mit
katholischen Christen hoffnungsvoll sei”... und weiter: “Der Generalsekretär der Evangelischen
Allianz berichtet von guten Erfahrungen mit Pfingst lern und Charismatikern in einzelnen örtlichen
Allianzen. Auch Katholiken können bei der evangelikalen Samm lungsbewegung mitmachen”.

Das war absolute Kurskorrektur in Richtung Rom und Ökumene. – Die große Verführung hat
begonnen, wie das auch bei Evangelisationen Billy Grahams zu beobachten war. Jene Personen,
die eine “Entscheidung für Christus” getroffen hatten, wurden in das römisch-katholische
Kirchensystem zurückverwiesen. Dieses Verhalten Grahams hatte natürlich Einfluß auf die
Haltung der Evangelischen Allianz gegenüber Rom, das sich in der intensiven Zusammenarbeit
zwischen ProChrist und der katholischen Kirche zeigt.

Der Leser mag einen Moment lang innehalten und überlegen: Was war der Anlaß und die
ursprüngliche Idee zur Gründung der Evangelischen Allianz? Wo steht sie heute?

Hierzu die idea-Meldung zu einem Rundschreiben des württembergischen Oberkirchenrats: “Die


vor 150 Jahren von England ausgegangene Bewegung der Evangelische Allianz zeigt an vielen
Orten “integrierende Kraft” ... Dort gäbe es ein gutes Miteinander von landeskirchlichen
Gemeinschaften, pietistischen Gemeinschaften, evangelikalen Freikirchen und teilweise auch mit
pfingstlerisch-charismatischen Gemeinden. Das sei ein hoffnungsvolles Zeichen, daß in die Alli
anzarbeit auch nicht- evangelikale Christen, so wie Katholiken einbezogen würden”.

In diesem Zusammenhang lassen die Worte des Sekretärs der deutschen Pfingstgemeinden
aufhorchen, der die Vereinbarungen zwischen Pfingstlern und der Deutschen Evangelischen
Allianz als ein Jahrhundertereignis bezeichnete. Diesem Ereignis gingen, wie es in der
Verlautbarung heißt, jahrelange, geheime Verhandlungen voraus, um nicht öffentlich unter Druck
(!) zu geraten. In der gemeinsamen Erklärung bekennen beide Seiten BFP (Bund freikirchlicher
Pfingstgemeinden) DEA (Evangelische Allianz), in Zukunft enger zusammen arbeiten zu wollen.
Der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP) erklärte dazu, daß unter schied liche
Lehrmeinungen und strittige Punkte wie Geistestaufe, Zungenrede, Krankenheilung
prophetischer Dienst etc. während einer Zusammenarbeit mit der Evangelischen Allianz,
zurückgestellt würden, so daß beide Seiten damit leben könnten. Das ist Relativismus und
Pluralismus pur.

Evangelische Allianz und Ökumene

Die Evangelische Allianz ist direkt und indirekt durch die Christenbünde- und gruppierungen, die
in ihr vertreten sind und einen Mitglieds- oder Gaststatus in der ACK (Arbeitsgemeinschaft
christlicher Kirchen) haben, mit der Ökumene verbunden. Die ACK ist ein direktes Bindeglied zur
Ökumene, jedoch organisatorisch nicht an sie gebunden.

Christen wissen: “Die Einheit der Gemeinde Jesu ist keine organisatorische, sondern eine
organische, ... so sollen und wollen auch wir der Versuchung widerstehen, durch den Mißbrauch
des Wortes Jesu, “auf dass alle eins sein”, uns in eine falsche Einheitsfront einzuordnen und
einer falschen Einheit verpflichten zu lassen”.

Dagegen steht die verführerische Empfehlung des evangelikalen Theologen John Stott, Berater
des Weltkirchenrates. Er verkündete 1977 auf der NEAC-Konferenz in Nottingham:
“Die sichtbare Einheit aller bekennenden Christen sollte unser Ziel sein ... und Evangelikale
sollten sich anderen in der Church of England anschließen, um mit ihnen auf die volle
Gemeinschaft mit der römisch-katholischen Kirche hinzuarbeiten”.

Auch die Deutsche Evangelische Allianz versucht in neuerer Zeit eine Sammlungsbewegung
aufzubauen, in der die gesamte evangelikale Bewegung in Deutschland “repräsentativ” vertreten
sein soll. Man spricht dabei von “Einheit der Gemeinde Jesu”, gleichzeitig aber von einer
Zusammenarbeit mit Adventisten, charismatischen Bewegungen und katholischen Christen. In
einer idea-Doku men tation unter “Gemeinschaft mit Adventisten, der Charismatischen Bewegung
und katholischen Christen”, erklärt die Evangelische Allianz: “Der Ökumenische Rat der Kirchen
(ÖRK) definiert sich als “Gemeinschaft von Kirchen”, dagegen beschreibt sich die Evangelische
Allianz als “Bund Christusgläubiger aus verschiedenen Kirchen.”

Wenn man den Inhalt des Einladungsschreibens zur Allianz-Gründungskonferenz in Liverpool


1845 liest, in dem ausdrücklich betont wurde, eine “große Versammlung evangelischer Christen
sein zu wollen, um die Kräfte eines erleuchtenden Protestantismus gegen die Übergriffe des
Papsttums und Puseyismus* zu vereinen”, dann kann man nur staunen, wie weit die
Evangelische Allianz ihr Ziel aus den Augen verloren hat, indem sie selbst die Verbindungen zur
römisch- katholische Kirche ausbaut. (Pusey, Edward, anglikanischer Theologe, vertrat eine
katholisierende Richtung innerhalb der anglikanischen Kirche, wirkte für die Einigung der
Konfessionen.)

Etwaige Hindernisse und Trennungen zwischen den Denominationen, glaubt die Evangelische
Allianz mittels ihrer “Glaubens Basis”, zur Seite schieben zu können. Dazu idea-Dokumentation
22/94 mit dem Artikel:
“Wohin geht die Evangelische Allianz”? Zitat:
“Die Glaubensbasis spricht von der gemeinsamen Grundlage, auf die es dabei ankommt. Das
hilft uns bei den Begegnungen mit Adventisten, Charismatikern und katholischen Christen. Auf
dieser Basis können wir mit allen wiedergeborenen Christen Gemeinschaft haben, selbst wenn
wir ihrer Ekklesiologie (Lehre von der Gemeinde) oder der Pneumatologie (Lehre vom Heiligen
Geist) nicht zustimmen. Es gibt keinen Grund, einem Menschen geistliche Ge meinschaft zu
verweigern, welcher der Glaubensbasis der Evangelischen Allianz zustimmt, welcher Kir che er
auch immer angehört”.
Das heißt im Klartext: Wer der Glaubensbasis der Allianz zustimmen kann und seine
denominationelle Identität vorübergehend aufzugeben bereit ist, darf mitmachen. Ihm wird eben
gleicherweise “vorübergehend” geistliche Gemeinschaft zugesichert. Das entspricht durchaus
freimaurerischer Gepflogenheit. Denn auch im Freimaurertum, muß ein “Christ”(!), wenn er ein
Logenmitglied wird, seine “christliche Identität”(!) “an der Garderobe abgeben”. Er muß sich dem
freimaurerischen Pluralismus beugen.
In der Allianz-Dokumentation ist noch ein besonderer Vorbehalt eingebaut: “Bei offiziellen
gemeinsamen Veranstaltungen und Aktionen brauchen wir allerdings eine größere Übereinkunft.
Schon lange ist es bei Allianzveran staltungen selbstverständlich, das Gemeinsame in den
Vordergrund zu rücken und das Trennende zu rückzustellen”.
Das ist frommer Selbstbetrug. Trennendes vorübergehend zur Seite zu stel len, heißt “Iden
titätsverlust auf Zeit”, um vorübergehend “Einheit” zu demonstrieren. “Schließlich ... (so sagt ein
führendes Allianzglied) hat jede Denomination ihr Sondergut, das sie nicht mit anderen teilt. Wer
Zu sammenarbeit will, muß bereit sein, in der gemein samen Arbeit darauf zu verzichten.
Zwischen Lan des- und Freikirchlern gilt das z.B. für die Tauf frage” (...) und fährt fort: “Wer an
bestimmten Gebetshaltungen, Liedern, Vokabeln, Zwischenrufen und außergewöhnlichen
Phänome nen ablesen will, wie geistlich bzw. ungeistlich je mand ist, setzt die Zusammenarbeit
aufs Spiel, oder macht sie unmöglich”.
Kann man hier von “Identitätskrisen” sprechen?

Identitätsverlust auf höchster Ebene

Die gegenwärtige Haltung der Weltweiten- Evangelischen-Allianz (WEF) und auch der Deutschen
Evangelischen Allianz (DEA), deuten auf einen beachtlichen Identitätsverlust hin. Wieso? Die
Weltweite Evangelische Allianz wurde bereits in die “blauen Gewässer der Vereinten Nation”
hineingezogen, indem man ihr den Status einer Menschenrechtsorganisation verlieh. Die
freimaurerische Menschenrechts- Philosophie ist die Wurzel der “Menschenrechtsdeklaration”.
Menschenrechtsdeklaration ist eine freimaurerische Errungenschaft nach der französischen
Revolution 1789. Sie ist in der Präambel der Vereinten Nationen verankert.]
Die DEA (Deutsche Evangelische Allianz) will der Errungenschaft der WEF nicht nachstehen.
Und so begibt sie sich ebenfalls in die “blauen” Gewässer. Wie? Indem sie beratend dazu
beiträgt, daß Europa eine “blaue Seele” bekommt. Wie sieht das praktisch aus? TOPIC schreibt:
Das “moderne Europa” soll eine “neue Seele” bekommen. Der ehemalige EU-
Kommisionspräsident J. Santer äußerte vor der “Europäischen Kommission für Kirche und
Gesellschaft” (EECCS) folgenden unerhörten Satz:
“Europa ist nicht mehr das “christliche Europa”, von dem selbstverständlich in der Vergangenheit
die Rede war.”

Das heißt im Klartext: Das “Christliche Abendland” ist passè. Im Maastrichter Unions Vertrag hat
man beispielsweise bereits auf die Nennung des Gottesnamens verzichtet. Das war ein
entscheidender Akt zur Entchristlichung des Abendlandes, einer Teilerfüllung des freimaurerisch-
luziferischen “Planes der Anonymen.”

Zu der oben erwähnten “Europäische Ökumenische Kommission für Kirche und Gesellschaft”
(EECCS) gehören etwa 60 Mitglieder von Kirchen reformatorischer Tradition aus 16
europäischen Staaten. Und nun – man höre und staune – in beratender Funktion wirkten dabei
mit die Heilsarmee und die Evangelische Allianz. Von der Vollversammlung der EECCS erwartet
man nun in Brüssel, daß alle Kirchen am Aufbau Europas mitarbeiten und die “Prinzipien der
europäischen Einigung, wie Versöhnung, Frieden, Solidarität, Gerechtigkeit, Freiheit oder
Menschenwürde in die Tat umsetzen”.

Größter Nachdruck wird dabei auf Toleranz und Pluralität gelegt. Es bedarf keiner großen
Überlegung um zu erkennen, daß auch hier der Wind aus dem freimaurerischen “Bereich des
blauen Schattens” weht. Die Deutsche Evangelische Allianz steht mitten drin. Wie sich mehr und
mehr freimaurerische Prinzipien im christlichen Lager durchsetzen, zeigt sich in der
Toleranzerklärung der “Osnabrücker Erklärung zum Religionsfrieden”. Darin heißt es: “Alle
Religionen verstehen sich als Wege zum Heil der Menschen und der Menschheit ... wir wollen die
Gemeinsamkeiten der Religionen erkennen und ihre Zusammenarbeit fördern”.
Können sich in solchen Entscheidungsgremien wiedergeborene Christen einbringen ohne
geistlich Schaden zu nehmen?
In dem bisher Dargelegten ist immer wieder der “Plan” zu erkennen. Der Journalist D. Reed
schreibt hierüber in seinem Buch “Der große Plan der Anonymen”, auf S.61, das Ziel des “Plans”
ist die “Zerstörung des Christentum”.
Man meint hier förmlich die Stimme des Freimaurers Voltaire zu vernehmen, der während der
französischen Revolution ausrief: “Rottet sie aus, die Verruchte”! ... Gemeint war die römisch-
katholische Kirche, als Repräsentantin des Christentums.
Nicht als Institution wurde sie zerstört, aber ihre “schwarze Seele” wurde gegen eine “blaue”
ausgetauscht. Wer sich etwas mit dem Vatikanum II und der Konzilsschrift Papst Paul VI.
“Dignitatis humanae” auseinandergesetzt hat, erkennt darin freimaurerische Philosophie. Die
römisch-katholische Kirche schwenkte während und nach dem Konzil bewußt auf “blauen Kurs”.
Es ist unübersehbar, der “Bereich des blauen Schattens” hat sich in beklemmender Weise über
die gesamte christliche Landschaft ausgedehnt und den Auflösungs- oder Abfallprozeß
weitgehendst vorangetrieben.

Die Evangelische Allianz im Zwielicht des “Dialogs”.

Die Lausanner-Bewegung, deutscher Zweig, plant in Verbindung mit der Evangelischen Allianz
einen offenen Brief an alle evangelikalen Gemeinden zu senden, mit der Aufforderung die
“Evangelikalen Gemeinden sollen in einen christlich-islamischen Dialog eintreten”. Die Bibel
ermuntert nirgends zu einem Dialog mit Fremdreligionen. Der Dialog ist nicht nur pluralistisch,
sondern er relativiert die absolute Wahrheit, die Botschaft der Bibel. Im Dialog gibt es kein
Bekenntnis zur absoluten Souveränität des christlichen Gottes als den alleinigen und einzigen
HERRN und Schöpfer aller Dinge. Hier gilt das Postulat: Alle Religionen sind Wege zum Heil des
Menschen. Der Impuls zu der Aktion kam aus dem evangelikalen Bereich, aus der Lausanner-
Konsultation, einer speziellen Arbeitsgruppe hochrangiger Vertreter aus Kirchen und Freikirchen.
So beteiligt sich auch hierin die Deutsche Evangelische Allianz an der Verbreitung der
Weltversöhnungsidee des Freimaurertums.
Evangelische Allianz und “christliche Einheit”.

In “idea-Spektrum” vom 3. März 1999, stellt Hartmut Steeb, der Generalsekretär der Deutschen
Evangelischen Allianz, unter dem Titel:
“LIEBER LESER”, mit einem leichten Anflug von Sarkasmus die Frage:

“Wieviel Einheit dürfen sich Evangelikale erlauben, ohne in den Verdacht zu geraten, das
Evangelium von Jesus und das reformatorische Erbe zu verraten?”
Was war Anlaß zu dieser Frage?
In der Bekenntnisbewegung “Kein anderes Evangelium” so sagte man, gäbe es offenbar eine
starke Strömung die behaupte, daß die Leitung der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA)
einen falschen Weg eingeschlagen habe, indem sie mit Pfingstlern und Mitgliedern der
katholischen Kirche, z.B. bei “ProChrist” oder “Gemeinde Ferien Festival” u.ä. Veranstaltungen,
zusammen arbeite.
Der Generalsekretär der DEA fragt: “Ist diese Zusammenarbeit tatsächlich unbiblisch?” und
antwortet darauf selbst: “Für alle Christen ist alleiniger Maßstab für Lehre und Leben die Bibel”.
Was sagt sie zur Einheit der Christen untereinander? Das Entscheidende dazu hat Christus
selbst erklärt (Johannes Evangelium, Kapitel 17). Jesus hat mit seinem Vater im Gebet gerungen,
daß seine Jünger einig werden. Es liegt also nicht in unserem Belieben, wie wir mit anderen
Christen umgehen. Einheit ist vielmehr “Pflichtprogramm” in der Gemeinde des Jesus Christus
nicht nur “Kür”. Nach den Worten Jesu ist das entscheidende Kriterium für Einheit, daß jemand
Gottes Willen tut (Matth.12,49) und sich zu Jesus Christus als Herrn bekennt. (1.Kor. 12,3).
Sonst haben Christus und seine Apostel keine Grenzen gezogen. Mit dem also, der diese
Bedingungen erfüllt, ist Einheit bzw. Zusammenarbeit möglich. Im Vergleich dazu ist es
zweitrangig, welcher Kirche einer angehört! Denn die Institution Kirche – in welcher Gestalt auch
immer – ist nicht deckungsgleich mit der christlichen Gemeinde. Aber in allen Kirchen sind
Menschen, die ganz zu Jesus und darum auch ganz zu seiner Gemeinde gehören...
Und warum ist Christus die Einheit so wichtig? Allein deshalb, damit “die Welt glaube”. Wer
spaltet, fördert den Unglauben.”
Grundsätzlich benötigt dieser Kommentar ein ausführliches Korrektiv. In dem Kommentar kommt
die gesamte Denkstruktur der Deutschen Evangelischen Allianz zum Ausdruck. H. Steeb fragt in
seinem Kommentar, was die Bibel über “Einheit der Christen untereinander bei Zusammenarbeit”
sagt und verbindet den Begriff “einig sein” mit (Joh.17,21) Dieser Text spricht weder von “einig
sein noch von einig werden”, sondern sagt: “Damit sie alle eins (nicht einig seien, wie du, Vater in
mir und ich in dir, daß auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, daß du mich gesandt
hast”. Das ist “wesenhaftes, organisches Einssein” und hat mit “organisierter Einheit” nichts zu
tun. Natürlich sollen nach Jesu Worten auch jene Personen “wesenhaft eins werden” die durch
das Wort seiner Jünger an ihn glauben. Auf keinen Fall bezieht sich das “einssein” des
Johannestextes auf eine “organisierte, denominationelle Einheit”, von der leider immer wieder
gesprochen wird. Auf diese Weise wird der “Leib Christi” erneut mit “Sauerteig” durchdrungen.

Zu dem Problemtext schreibt Heinrich Jochums in seiner Schrift “Gemeinde Jesu – Allianz –
Oekumene” folgendes:
“Von der Einheit der Gemeinde Jesu in ihrer Mannigfaltigkeit zu reden ist blasphemisch,
gotteslästerlich” und fährt fort: “Auf keinen Fall dürfen wir uns damit zufrieden geben, daß wir eine
schöne Allianz haben, um dann jeder seinen eigenen Weg zu gehen und im Grunde dann doch
wesentlich für seine Kirche, für seine Gemeinde, für seine Gemeinschaft, für seinen Kreis zu
arbeiten und zu leben und die Trennungen und Spaltungen damit zu bestätigen und weiter zu
fördern”.
Jochums ergänzt: “Auf daß alle eins sein” (Joh. 17,21) ... wird heute dermaßen mißbraucht, daß
der wahre Sinn des Wortes kaum noch erkannt wird”.
Und genau das reflektiert leider auch in den Ausführungen des Allianzvorsitzenden wenn er sagt:
“Jesus hat mit seinem Vater im Gebet gerungen, daß seine Jünger einig werden”. Von “einig”
werden steht im Johannestext nichts. Jesus ging es um das “organisch-wesenhafte eins werden”
mit ihm und seinem Vater. Von daher ist auch der folgende Satz aus obigem Kommentar
durchaus suspekt: “Einheit” ist vielmehr “Pflichtprogramm” in der Gemeinde des Jesus Christus,
nicht nur “Kür”. Das “Gottgewirkte Einssein”, sowie “Leibeseinheit mit Christus und seinem Vater”
als Pflichtprogramm oder Kür zu bezeichnen, ist ebenso gewagt wie zu sagen, es sei zweitrangig
welcher Kirche jemand angehört. In allen Kirchen seien Menschen, die ganz zu Jesus und darum
auch ganz zu seiner Gemeinde gehören.

Dazu nochmals H. Jochums: “Die Christen bilden den Einen Leib Christi, der im radikalen
Gegensatz steht zur übrigen Menschheit, die eines Teils aus Christus-Gläubigen, anderseits aus
Christus-Scheingläubigen besteht... Einheit mit Christus ist gar nicht möglich ohne Scheidung von
der Welt um uns”...

Nach Meinung der Evangelischen Allianz ist nicht nur Zusammenarbeit mit katholischen Laien
möglich, sondern auch mit katholischen Geistlichen, denen man trotz ihrer Dogmatik und
Traditionen, geistliche Wiedergeburt zugesteht. Nach Beendigung gemeinsamer Aktionen geht
jeder katholische Laie und jeder katholische Geistliche wieder in sein Lager zurück und erfreut
sich weiterhin seines “religiösen Sondergutes”. Bei einem Katholiken betrifft das den Glauben an
die Himmelskönigin Maria, an das Fegefeuer, an die Heiligenverehrung, an die
Transsubstantiation, an die Absolution, an die Unfehlbarkeit des Papstes usw.
Nach H. Jochums gehört ein Mitglied der katholische Kirche “zur sündigen und gottlosen, vor
allem zur religiösen Welt, ...die religiöse Welt ist die fromm getarnte gottlose Welt”. H. Jochums:
“Das typische Beispiel der religiösen Welt ist die Römische Kirche”.. und: “Wo sich innerhalb
eines sogenannten Christentums eine Vermischung mit der ... religiösen Welt vollzieht, ist nicht
Gemeinde Jesu... Wer bei der Sammlung der Gemeinde Jesu die Notwendigkeit der Scheidung
von der Welt über sieht, zerstört die Einswerdung in der Wahrheit und setzt an ihre Stelle eine
Scheineinigung der Unwahrheit”.
Dieses Kapitel enthält zweifellos eine Menge kritischer und problematischer Ansätze. Die
entsprechenden Kommentare dazu sollten nicht persönlich aufgefaßt werden, sondern als
wohlgemeinte Hinweise zu einer notwendigen Kurskorrektur.

“Was ist dran – auf was kommt es an?”

Das ist der Titel einer Broschüre, die das Grundsatzreferat des Generalsekretärs der Deutschen
Evangelischen Allianz, H. Steeb vom 3. Oktober 1998 in Bad Blankenburg enthält.
Im Geleitwort der Broschüre ermuntert der 1.Vorsitzende der DEA , Dr. Rolf Hille zur
Stellungnahme über das Referat: “Es soll zum Gespräch herausfordern: In den örtlichen
Allianzgruppen ... bei kritischen Wegbegleitern...: Wir freuen uns über Reaktionen usw”. Wir
wollen dieser Aufforderung als “kritische Wegbegleiter” gerne nachkommen. Der Untertitel der
Broschüre: “Mit der Evangelischen Allianz ins neue Jahrtausend” wirft die Frage auf: Wer ist mit
der DEA bereits eng verbunden und gemeinsam auf dem Weg nicht nur ins 3. Jahrtausend
sondern auch in Richtung “Rom”? Der letzte Akzent dieser kritischen Frage wird durch die
rhetorischen Darlegungen überspielt. Dennoch hat H. Steeb diese heiße Frage zweifellos
erwartet. Er führt auf S.6 der Broschüre dazu folgendes aus: “Mir steht deutlich vor Augen, daß
wir mit unserer Vereinbarung mit dem Bund freikirchlicher Pfingstgemeinden, mit unserem
partiellen Zusammenschluß mit mehr charismatischen Christen, Adventisten und auch
Katholiken, insbesondere bei evangelistischen Projekten von ProChrist über Willow Creek, Spring
und bis hin zum Jesustag 2000 ... auch hart kritisiert werden – im übrigen natürlich auch ...
wegen unserer Offenheit, nach wie vor konstruktiv mit den Evangelischen Landeskirchen, ihren
Amtsträgern und Gemeinden die Zusammenarbeit nicht aufzukündigen.”

Die Allianzführung weiß sehr wohl um die Interpretationsproblematik von (Joh.17.21) des
“Einsseins” bzw. einer konstruktiven, organisatorischen “Einheit”, die H. Steeb gern als Kür
bezeichnet. Hier muß die DEA den ”Außenseitern” (!) ihre Bedenken zugestehen. Hier sei auf
Kap. 8 hingewiesen, Abs. “Die Evangelische Allianz im Zwielicht des Dialogs” und die
“Evangelische Allianz und die christliche Einheit”.

Bei der äußerst sensiblen Frage des “Einsseins” kann es keine subjektive Meinung geben, die H.
Steeb wie folgt zum Ausdruck bringt. Zitat: “Aber wir dürfen uns meines Erachtens nicht
erfahrungsorientiert durch Altlasten hindern lassen, neue Gemeinsamkeiten zu entdecken um
gemeinsame Wegstrecken zurückzulegen. Wer sich zu Jesus Christus bekennt, gehört zu uns
und wir zu ihm”. So einfach ist das. Oder? – Nein.– Das ist zu inklusivistisch.

Bekennt sich nicht auch der Papst zu Jesus Christus? Wurde er nicht von einem großen
Evangelikalen als der “größte Evangelist” bezeichnet? Bekennt sich nicht die gesamte,
katholische Hierarchie – teilweise freimaurerisch unterwandert – zu “Jesus Christus”? Ist es der
DEA tatsächlich egal, mit einer Organisation zu missionieren, zur “Einheit zu kommen”, die im
“Bereich des blauen Schattens” liegt? Wie will die DEA mit einer Institution zusammenarbeiten,
von der das päpstliche “Dekret über den Ökumenismus” (Lumen gentium) behauptet, daß die
“...einzige Kirche Christi in der katholischen Kirche fortbesteht”? Hier wird deutlich genug gesagt,
was der Papst unter “Einheit der Kirche” versteht, versteht das die DEA genau so? Wem vertraut
schlußendlich der Papst dieses gesamte Anliegen an? Zitat: “Dieses Anliegen der ganzen Kirche
vertraue ich der mütterlichen Fürsprache Mariens, der Mutter des Erlösers an”. Gehört auch die
“Gemeinsame Erklärung” der Katholiken und Lutheraner zur “Rechtfertigungslehre” in diese
Fürsprache?

Was soll man davon halten, wenn trotz “Anerkennung der Rechtfertigung durch Glauben” für das
Jahr 2000, der Papst von Ablässen spricht? Zitat: “Die Tradition der Jubeljahre ist daran
gebunden, in weit größerem Maße als in den anderen Jahren Ablässe zu gewähren”.

“Rechtfertigung durch Glauben” - auf der anderen Seite doch noch Ablaß? Welch ein Widersinn!
Es wäre angebracht, wenn die verantwortlichen Allianzführer die Enzyklika “Ut unum sint” (Daß
sie eins seien), von Papst Johannes Paul II. studieren würden, um Seine Auffassung von “Einheit
der Christen” zu verstehen. Ebenso wäre das Apostolische Schreiben des Papstes an alle
Bischöfe, Priester und Gläubigen “Tertio Millennio Adveniente”, zur Vorbereitung auf das Jahr
2000, Pflichtlektüre für alle, die um das “Einssein in Christus” ringen. Wenn die Evangelische
Allianz zu dem Inhalt dieses Schreibens ein Ja finden kann, dann steht der “Einheit der Christen”
unter dem Papst nichts mehr im Weg. Wenn sie den Inhalt des Schreibens aber nicht akzeptieren
kann, ist die Brücke zur Verständigung mit Rom nur im Geiste des alles durchdringenden
Pluralismus möglich. Und das geschieht tatsächlich. Wir sagten an anderer Stelle, daß der
Pluralismus der Totengräber der Gemeinde ist. Er ist es, der dem Heiligen Geist widersteht und
sich an dessen Stelle stellt. Darum muß es nicht wundern, daß selbst H. Steeb bekennen muß:
“Unser größter Mangel ist die Gebetsarmut. Die am schwächsten besuchten
Gemeindeveranstaltungen sind die Gebetsstunden. Der größte Fehler der Christen in
Verantwortung ist der Mangel an Gebet”.
Wer oder was hindert den Gebetsgeist? Es müßte einleuchten: Wenn man Programme wie
Spring oder Jesus House kreiert, die eher den Bedürfnissen einer Konsumgesellschaft gerecht
werden, als einer christlichen Gemeinschaft, bei der die biblisch orientierte Belehrung durch
Ablenkung und Amüsement überlagert ist und dadurch “Gott soo ... ganz anders” dargestellt wird
– wie will man dann Raum für ein intensives Gebetsleben schaffen?
Wenn man behauptet, daß “in der Erlebnisgesellschaft von heute auf progressive Art und Weise
die gleichbleibende biblische Botschaft alltagsrelevant darzubieten, angekommen ist”, belügt man
sich doch selbst. Oder wurde der Mangel an “alltagsrelevanten” Gebeten damit beseitigt? H.
Steeb wünscht sich nach den Worten seines Referates vor Ort ein Missionskartell mit dem
Auftrag, die Menschen des Ortes zu Jüngern zu machen. Sein Vorschlag – und da musste ich als
ehemaliger Zeuge Jehovas ein wenig schmunzeln – lautete, den Ort aufzuteilen in Straßenzüge
und Häuser oder Wohnblocks. Für die dort wohnenden Menschen beten, Besuchsdienste
durchführen, Gespräche über den Glauben zu beginnen, um sie dann schließlich zu einem
größeren evangelistischen Treffen einzuladen. Möge diese gute Idee in allen christlichen
Gemeinden Anklang finden.
Mögen die folgenden Aktionsprogramme der Deutschen Evangelischen Allianz dem Leser die
Augen öffnen.

Aktion “ProChrist”

Im Oktober 1991 gründeten in Kassel 50 Vertreter aus Landes- und Freikirchen in Verbindung mit
freien Missionswerken den Trägerverein für “ProChrist”. Hinter diesem Werk stand wesentlich die
Deutsche Evangelische Allianz und das Lausanner Komitee für Weltevangelisation. Man
bezeichnete “ProChrist´93” als die logische Konsequenz des “Jahres mit der Bibel” und als eine
gelungene Mischung aus Groß- und persönlicher Evangelisation. Im Konzeptheft zu ProChrist
´97 hieß es daher: “ProChrist” ist kein einmaliges Projekt, sondern ein Prozeß. Der Hauptredner
von ProChrist bemerkt denn auch, daß “die Zusammenarbeit von Pietisten bis Katholiken nicht
ohne Folgen sein dürfte”.

Tatsächlich ziehen bei missionarischen Aktionen und Evangelisationen, Pfingstler, Charismatiker


und Katholiken längst an einem Strang. Obwohl nachweislich bei den einzelnen Denominationen
sehr oft unbiblische Lehren vertreten werden. Das Vorbereitungspapier für “ProChrist 2000”
reflektiert klar und deutlich einen pluralistischen Geist. Denn es heißt darin:

“ProChrist fördert die Zusammenarbeit der Christen aller christlichen Konfessionen und
Gruppierungen”. Von daher kann der Behauptung, daß ProChrist ein Instrument der
pluralistischen Ökumene ist, kaum widersprochen werden. Gegenwärtig hat ProChrist einen
folgenschweren Kurs eingeschlagen. Man versucht unterschiedliche missionarische
Gemeinschaften miteinander zu vernetzen, um sich mehr sozialpolitisch zu engagieren. Der
Vorsitzende von ProChrist betonte, daß er hierbei auch die Beteiligung katholischer Christen
begrüßen würde. Zitat: “ProChrist fühlt sich allen Menschen verbunden, die Jesus Christus als
ihren Retter akzeptieren.

Das war eine inklusivistisch-pluralistische Botschaft, ähnlich der des Christlichen-Studenten-


Weltbundes. Er verkündete damals, “daß jeder, der sich für einen Christen hielt, die
Mitgliedschaft erhalten konnte”. Eine andere ProChrist Parole läßt aufhorchen: “Wir engagieren
uns als Christen für Gerechtigkeit und Versöhnung innerhalb unserer Gesellschaft”.

Das ist die pluralistische Philosophie aus dem “Bereich des blauen Schattens” (= der
Freimaurerei ). Hier zeigt sich, wie bereits beschrieben, der typisch ökumenische Geist der
“Herren des neuen Europa”, (...unter den 12 Sternen) die von Kirchen und
Glaubensgemeinschaften vollen Einsatz zur Förderung von Versöhnung und Gerechtigkeit
fordern. In diesem Geist bemüht sich ProChrist der großen Schwester, der Weltweiten
Evangelischen Allianz (WEF) nachzueifern, der man den Status einer freimaurerisch gefärbten
Menschenrechtsorganisation zuerkannt hatte. Dadurch gingen der Weltweiten Evangelischen
Allianz auf internationaler Ebene manche Türen auf. Nun versucht ProChrist auf ähnliche Weise,
nämlich durch ein verstärktes sozialpolitisches Engagement, ebenfalls den Zutritt zu den Etagen
der “Mächtigen” zu erlangen. Die zentrale Botschaft, daß “allein Jesus Christus der Weg, die
Wahrheit und das Leben ist”, wird durch den Geist des Pluralismus, Pragmatismus, Relativismus,
durch Humanität und Toleranz, unterlaufen und zerstört. Diese Entwicklung wurde nicht zuletzt
durch Billy Graham unterstützt. Er bezeichnete sich selbst einmal als ein “ökumenisches Wesen”.
Dafür bekam er 1972 den Franziskaner Ehrenpreis verliehen, der jenen Personen angetragen
wird, die einen “Beitrag zur Ökumene” geleistet haben. Der “Dr.-Titel” war ebenfalls ein Geschenk
des Jesuiten Kollegs im Kloster Belmont. Graham´s pluralistisches Denken ließ ihn über die
“Grenzen” hinaus mit Pastoren und Kirchenführern aller Couleur zusammenarbeiten, selbst mit
jenen, die eine liberale und bibelkritische Theologie vertraten. Graham sagte 1951 einmal eine
geplante Evangelisation ab, nur weil die Evangelikalen seiner pluralistischen Auffassung
widerstanden und nicht bereit waren, mit Modernisten gemeinsam zu evangelisieren.
Daß die Evangelische Allianz voll hinter der Philosophie Grahams steht, zeigt ein kritischer
Kommentar des Generalsekretärs zum Thema “große Koalition von Christen verschiedener
Denominationen”. Zitat: “Natürlich waren sich nicht alle Mitarbeiter in allen theologischen Fragen
einig. Wenn es in geistlicher Hinsicht um Leben oder Tod geht, sind Geschmacksfragen
nebensächlich”. – Wenn Lehrfragen als Geschmacksfragen bezeichnet werden, könnte man das
einen tödlichen Pluralismus nennen.

Aktion “Jesus Marsch 2000”

Im Mai 1987 nahmen 15000 Teilnehmer an dem ersten “Jesus Marsch” durch London teil. Es war
eine Erfindung der Charismatiker. Man wollte dämonische Mächte bannen, die London angeblich
beherrschten und sprach hierbei von geistlicher Kriegführung und positiver Veränderungen im
unsichtbaren Bereich. Die meisten Teilnehmern waren sich dessen nicht bewußt, daß sie zu
einem magischen Akt gebraucht wurden.

Wo gibt die Bibel den Auftrag offensiv gegen Dämonenmächte vorzugehen (?), abgesehen
davon, daß solche Aktionen in den magisch-okkulten Bereich gehören?

Bei den ersten Jesus-Märschen in Deutschland 1992 und ´94 in Berlin, zog man tanzend, bunte
Luftballons schwenkend, durch die Straßen. War das eine Botschaft von Jesus Christus?
Der “Jesus Marsch 2000” soll nun wieder in Berlin stattfinden. Daran sollen nicht nur
Charismatiker teilnehmen, sondern gemäß pluralistischem Geist, Christen aller
Couleur.Gespräche zwischen dem Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz, dem
Jugendkongress “Christival” und dem Trägerverein “Marsch für Jesus”, haben bereits
stattgefunden. In der Teamleitung, “Spurgruppe” genannt, befinden sich außer Charismatikern
und Katholiken, führende Männer der Evangelischen Allianz. Und wieder soll “Einheit in der
Vielheit” demonstriert werden.
In den Leitlinien für den Marsch heißt es: “bewußt Partnerschaft entwickeln, ... die Unterschiede
in der Spiritualität sollen zur gegenseitigen Ergänzung dienen, ... um damit einander zu
beschenken”.

Pluralismus in Vollendung. Diese Aktion paßt genau in das Konzept des Papstes, der das Jahr
2000 mit allen Christen feiern will. Grundsätzlich stellt sich die Frage: Von wem haben eigentlich
die Jesus-Marsch-Organisatoren ihren Auftrag? Wo ist dafür die biblische Grundlage? Erinnert
dieser Jesus-Marsch, der “festlich, feierlich” mit “Segnungen” und “geistlich symbolischen
Handlungen” durchgeführt werden soll, nicht stark an die feierlichen katholischen Prozessionen?
Merkt man immer noch nicht, daß sich die Allianzveranstalter und mit ihnen ein großer Teil des
evangelikalen Lagers, im “Bereich des blauen Schattens” befinden?
Mögen vielen “Marschierern” spätestens beim “Jesus Marsch 2000”, die Augen aufgehen. Und
das ganze Debakel steht unter der Ägide der Evangelischen Allianz. – Rom, das längst im “Reich
des blauen Schattens” liegt, läßt grüßen...

Noch bedenklicher und zugleich bedauerlich, sind seine folgenden Kommentare in der US-
Fernsehsendung “Larry King live” die zeigen, wie weit B. Graham von der biblischen Wahrheit
und ihren Grundsätzen abgewichen ist. Dave Hunt bezeichnet die Haltung Grahams
unumwunden als “Verrat am Evangelium”.
In der Sendung wurde Graham gefragt, wie er zu den Mormonen oder den Katholiken stehe? Er
antworte:
“Oh, ich denke ich habe mit allen eine wunderbare Gemeinschaft. Mit dem Vatikan kenne ich
mich gut aus. Ich habe den Papst mehrmals besucht. Ich war bei ihm in der Nacht als er zum
Papst gemacht wurde. Ich habe in seiner Kathedrale in Krakau gepredigt. Ich war sein Gast. Und
als er in Columbien, in South-Carolina war, lud er mich ein, um mit ihm vor aller Öffentlichkeit zu
sprechen”.
Als Graham gefragt wurde ob er den Papst mag, antwortete er: Ich mag ihn sehr... Er und ich
stimmen in fast allem überein.”
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Charta Oecumenica - U. Skambraks


Ulrich Skambraks

Die Freimaurerei und die neue europäische

„Charta Oecumenica“

Fast alle amerikanischen Präsidenten waren Freimaurer. Etliche Friedensnobelpreisträger


ebenso. Unzählige Philosophen, Dichter, Schriftsteller, Musiker und Künstler pflegten die
Freimaurerei. Seit den Ursprüngen der modernen Freimaurerei vor etwa 280 Jahren versuchen
die Anhänger des freimaurerischen Gedankengutes auf verschiedenen Ebenen die Geschicke
der westlichen Welt zu beeinflussen .

Dabei verfolgen die Freimaurer zwei große Ziele:

1. Alle Menschen dieser Welt sollen in einer großen Menschheits-Familie vereinigt werden. Der
Freimaurer und Philosoph Guiliano Di Bernardo, Professor an der Universität von Trient,
formulierte dieses Ziel im Jargon der Freimauer so: „Ihr Ziel ist, unter dem gestirnten Firmament
des Tempels alle Menschen in einer Bruderkette zu vereinen.“

2. Um dieses Vorhaben zu realisieren, bedarf es eines verbesserten, edlen Menschen. Um


diesen "neuen Menschen" zu schaffen, arbeiten Freimaurer beständig an der "Selbstveredlung
des Menschen". Sie nennen es "das Behauen des rauhen Steines". Diese Selbstveredlung aus
eigener Kraft durch gute Taten betrifft zunächst den Freimaurer selbst, meint aber auch die
gesamte menschliche Rasse. Di Bernardo drückt das so aus: "Der Gedanke der maurerischen
Selbstvervollkommnung ist notwendigerweise gebunden an das Ideal eines besseren Menschen
vom rein ethischen Gesichtspunkt aus ...". Ausgehend von diesen Grundgedanken haben
Freimaurer versucht, Wohltätigkeits- und Hilfsorganisationen aufzubauen und globale
Vereinigungs-Prozesse anzustoßen. Der Schweizer Freimaurer Henri Dunant gründete
beispielsweise das Rote Kreuz und stand mit anderen Freimaurern an der Wiege des Christlichen
Vereins junger Menschen (CVJM). Desgleichen wurde die Internationale Pfadfinderbewegung mit
ihrem Motto "Jeden Tag eine gute Tat" von einem bedeutenden englischen Freimaurer
gegründet. Auch bei politischen Vereinigungs-Bewegungen saßen Freimaurer in den Gründungs-
Komitees. So ist der Gedanke der Vereinten Nationen (UNO) eine freimaurerische Schöpfung.
Die Charta der UNO und die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ stammen von
Freimaurern. Ökumene und Freimaurertum, auch da ergeben sich Verbindungen. Der
Mitbegründer der ökumenischen Bewegung Nathan Söderblom soll Hochgradfreimaurer gewesen
sein, ebenso ein Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen.

Sicher nachweisbar ist, dass auch bei der Gründung der Ev. Allianz 1846 in London und der
Deutschen Ev. Allianz 1851 in Berlin Freimaurer wie Thomas Chalmers dabei waren.
Unklar sind ihre Rolle und ihr Einfluss. Die Berliner Allianz-Konferenz bezeichnete der englische
Staatsmann und Freimaurer Shaftesbury jedenfalls großmundig als "epochenmachende
Weltgeschichte".

Wie sehr freimaurerische Gedanken prägend wirken, lässt sich aus der europäischen Charta
Oecumenica herauslesen. Das ökumenische Kirchenpapier wurde von der Konferenz
Europäischer Kirchen (KEK), einem Bund nichtkatholischer europäischer Kirchen, und der
(katholischen) Europäischen Bischofskonferenz am 22. April in Straßburg unterzeichnet.
Deutsche KEK-Mitglieder sind außer den ev. Landeskirchen auch die Herrnhuter-Brüder-Unität,
die Vereinigung der Mennonitengemeinden, der Bund Ev. Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten-
und Brüdergemeinden) und die Ev.-methodistische Kirche (EmK. Das Hauptthema der Charta
Oecumenica ist die Versöhnung von Kirchen, Kulturen, Völkern und Religionen im neuen Europa.
Die Kirchen verpflichten sich in der Charta, die Einigung des europäischen Kontinents zu fördern.
Dabei ist der christliche Glaube eine Kraft unter mehreren, die zur "Selbstveredlung" des
Kontinents Europa beitragen können: "Ohne gemeinsame Werte ist die Einheit dauerhaft nicht zu
erreichen. Wir sind überzeugt, dass das spirituelle Erbe des Christentums eine inspirierende Kraft
zur Bereicherung Europas darstellt. Auf Grund unseres christlichen Glaubens setzen wir uns für
ein humanes und soziales Europa ein, in dem die Menschenrechte und Grundwerte des
Friedens, der Gerechtigkeit, der Einheit, der Toleranz, der Partizipation (Anteilnehmen) und der
Solidarität zur Geltung kommen", heißt es in der Kirchen-Charta.

Mit dieser Verpflichtung haben die Kirchen gleich mehrere zentrale Absichten der Freimaurerei
unterschrieben. Für die Freimaurerei ist das Christentum eine Religion gleichwertig neben
anderen. Da die Freimaurerei versucht, alle Religionen und Weltanschauungen in ihre
"Bruderkette" einzuarbeiten, bietet sie ein Raster von allgemein akzeptierten Werten an, in das
sich alle Denk- und Glaubensrichtungen einfügen können. Somit sind Freimaurer durchaus an
Elementen aus dem Christentum interessiert, die sich zur "Selbstveredlung" des Menschen
eignen (z. B. gute Taten tun). Di Bernardo beschreibt das so: "Von besonderer Wichtigkeit ist
schließlich die Feststellung, dass 'ihre (der Freimaurerei) moralischen Forderungen für alle
Religionen annehmbar sind. Sie unterstreicht das Prinzip, dass die Freimaurerei der Religion
nicht feindlich gegenübersteht, sondern sie im Gegenteil als wesentlich für die Entwicklung des
Menschen ansieht, allerdings ohne sich mit ihr zu vermengen."

Aus dieser Sicht kann das Christentum mit seinen Werten als "eine inspirierende Kraft zur
Bereicherung Europas" durchaus für die Freimaurer bedeutend sein.

Doch wofür soll sich die europäische Christenheit genau einsetzen?

"Menschenrechte", "Freiheit", "Toleranz", "Solidarität" (Brüderlichkeit), sind zentrale Begriffe der


Freimaurerei, die in der Bibel keine oder eine andere Bedeutung als im weltlichen Bereich haben.
Die Toleranz ist dabei der Schlüssel allen freimaurerischen Denkens und Handelns. Sie fungiert
als "Bindemittel" für unterschiedlichste Ansichten. Das auslösende Motiv für die freimaurerische
Toleranzidee ist die Annahme, dass es "die" Wahrheit nicht gibt. Deshalb muss man lernen, eine
Vielzahl von Wahrheiten zu tolerieren. Di Bernardo schreibt dazu: "Für den Christen ist die
Wahrheit absolut, ewig und unveränderlich. Sie ist direkt von Gott offenbart. Für den Maurer
dagegen ist die Wahrheit ein gedanklicher Richtpunkt, nach dem er sich bei seiner initiatischen
Selbstveredlung ausrichtet. Die Wahrheit ist ein fernliegendes Ziel, dem er sich schrittweise
nähern kann, ohne es je ganz zu erreichen. Kein Maurer kann für sich in Anspruch nehmen, die
Wahrheit zu besitzen." Um diese "Einsicht" zu gewinnen, fördert die Freimaurerei den Dialog mit
fremden Denkmodellen. Dabei kann man erkennen, dass die "eigene" Wahrheit eine unter vielen
anderen zu sein scheint. Da für den Freimaurer nur menschliche Wahrheiten bedeutsam sind,
gibt es für ihn keine absolute Wahrheit. Wie ein roter Faden durchzieht die Kirchen-Charta die
Aufforderung zum "Dialog auf allen Ebenen".

Die Freimaurerei toleriert fast alles, doch niemals, dass es "die" Wahrheit gibt.

Legt man die Messlatte des freimaurerischen Toleranzverständnisses an die Charta Oecumenica
an, so wird verständlich, warum die ungehinderte Ausbreitung des biblischen Evangeliums in der
Kirchen-Charta zum Problem wird. Zwar wird in der Charta von der Verkündigung des
"Evangeliums in Wort und Tat" gesprochen, doch wer dies vor hat, muss auf der Dialog-Ebene
erst "ein paar Runden drehen", bis er starten kann. In der Charta Oecumenica heißt es dazu: "
Wir verpflichten uns, über unsere Initiativen zur Evangelisierung mit den anderen Kirchen zu
sprechen, darüber Vereinbarungen zu treffen und so schädliche Konkurrenz sowie die Gefahr
neuer Spaltungen zu vermeiden."
Aus Sicht der Freimaurer könnte man diese Verpflichtung auch als Manöver zur sanften
Ausbremsung der Verbreitung "der" Wahrheit deuten, getreu dem Sprichwort: Viele Köche
werden den Brei schon verderben! Auch ein anderer Punkt wirkt wie eine Giftspritze für "die"
Wahrheit. Da heißt es in der Charta: "Die Begegnung zwischen Christen und Muslimen sowie den
christlich- islamischen Dialog wollen wir auf allen Ebenen intensivieren. Insbesondere empfehlen
wir, miteinander über den Glauben an den einen Gott zu sprechen ..." Allah und Christus sind
eins? Sind Christen und Muslime tatsächlich Glaubensbrüder, Brüder in der freimaurerischen
Bruderkette? Für den Freimaurer ist der Mensch das Maß aller Dinge. Er braucht keine Erlösung
von außen, denn er ist im Prinzip gut und kann sich selbst veredeln. Doch nach der Bibel ist der
Mensch ein in Sünde gefallenes Geschöpf und nicht ein guter Schöpfer. Die Verehrung von
Geschöpfen bezeichnet die Bibel als "Götzendienst": "Sie vertauschten die Wahrheit Gottes mit
der Lüge, sie beteten das Geschöpf an und verehrten es anstelle des Schöpfers" (Römer 1,25.

Die Tatsache, dass die Freimaurerei jeden Absolutheitsanspruch ablehnt, sich selbst aber für
absolut setzt, macht sie zum Gegner Jesu Christi. Diese Gegnerschaft in freimaurerischem
Gewand ist besonders gefährlich, da die Freimaurerei das Christentum nicht frontal angreift,
sondern in einen langen Prozess der Einschränkung und Aufweichung ( = Relativierung)
hineinzieht. Die Charta scheint ein weiterer Schritt in diese Richtung zu sein.

Quellen:
"Die Freimaurer und ihr Menschenbild", Giuliano di Bernardo, ISBN 3-900767-31-9

Charta Oecumenica - "Freimaurer", Dr. Martin Hohl-Wirz, ISBN 3,.933828-09-0


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Freimaurerei - Rev. A. W. Rainsbury- UK


FREIMAUREREI

Von Rev. A.W. Rainsbury

- Kurzfassung einer Predigt, die in der Emmanuel Kirche in South Croyden gehalten wurde -

von Rev. A.W. Rainsbury, M.A.

Text: "Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus
Christus." (1. Kor 3,11)

Dieses Jahr feiern wir das hundertjährige Jubiläum der Erweckungsbewegung von 1859. Daher
habe ich als Hauptthema unserer Passionspredig ten 'Die Erneuerungsbewegung durch das
Evangelium' gewählt. Das ist an und für sich ein sehr positives Thema. Aber auch hier trifft zu,
was Bischof Taylor einmal sagte: "Zu allem an sich Positivem gibt es auch das entsprechend
Negative."
Es ist unmöglich, die Erneuerungsbe wegung durch das Evangelium zu behandeln, ohne auch
die negative Seite, nämlich die Pervertierung des Glaubens, zu berücksichtigen.

Unter diesem Aspekt wollen wir heute Abend die Freimaurerei betrachten. Ich möchte drei
Gründe anführen, warum ich gerade die Freimaurerei ausgewählt habe:

a) In dieser Kirche gibt es eine Anzahl junger Männer, die zur Mitgliedschaft berechtigt sind. Ich
glaube, sie sollten vor der Gefahr gewarnt werden, der sie gegenüberstehen.

b) Etliche Mitglieder dieser Kirche sind bereits Freimaurer, und ich kann nur hoffen, daß der
Grund dafür ihre Unkenntnis über die religi ösen Implikationen ist - ansonsten müssten sie sofort
aus der Loge austreten.

c) Die ganze Kirche Englands ist völlig mit der Freimaurerei durchsetzt. Ich glaube, daß das einer
der zerstörendsten und zermürbendsten Einflüsse ist, mit denen wir heute zu kämpfen haben.
Der Einfluß der Freimaurerei ist zum Großteil auch am Mangel geistlicher Lei terschaft und am
mangelnden geistlichen Unterscheidungsvermögen schuld, unter dem wir so sehr leiden.

Nun, Sie werden sich fragen, warum so viele ehrbare und angesehene Männer den Weg zur
Freimaurerei eingeschlagen haben. Ja, diese Frage stelle ich mir auch.

1. Meiner Meinung nach werden viele durch die hohen moralischen Ideale angezogen, die die
'königliche Kunst' fordert. Es sind das beispielsweise Wohltätigkeit, Brüderlichkeit, Toleranz etc.

2. Viele werden auch von den sozialen Einrichtungen angezogen, wie zum Beispiel
freimaurerische Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheime und Wohltätigkeitsfonds.

3. Andere lassen sich durch das Geheimnisvolle, das die 'königliche Kunst' umgibt, beeindrucken,
und manche lieben die Exklusivität.

4. Für manche sind gesellschaftliche Aspekte von Bedeutung - die Kleidung, der Ritus, die
Feiern.

5. Einige suchen einfach Kameradschaft. Ich bezeichne das nicht als "Gemeinschaft", weil es
wahre "Gemeinschaft" nur unter Christen gibt.

6. Einige nehmen nur die geschäftlichen Vorteile wahr. Freimaurer würden das natürlich
entschieden abstreiten, und zwar mit dem Argument, "daß es nicht der freimaurerischen
Gesinnung entspräche, die Freimaurerei zur Verwirklichung geschäftlicher Ziele zu
missbrauchen". Bei der Einweihung muß man sogar schwören, daß man "frei von Gewinnsucht
und anderen unlauteren Motiven ist".

Nichtsdestoweniger schreibt Vindex in seinem Buch "Light Visible" - ein Buch, das zur
Verteidigung der Freimaurerei geschrieben wurde -, daß Freimaurer unter bestimmten
Umständen sogar eidlich gebunden sind, einander Vorteile einzuräumen.

Der zweite Punkt der "fünf Punkte der Kameradschaft" in der "Verpflichtung dritten Grades"
enthält das Versprechen, einen freimaurerischen Bruder in allen seinen löblichen
Unternehmungen zu unterstützen. Das kann man natürlich sehr weit interpretieren, was auch
gemacht wird. Ich sollte nun über einige der vielen Einwände gegen Freimaurerei aus christlicher
Sicht sprechen.

1. Der erste christliche Einwand gegen die Freimaurerei ist, daß geheime Gemeinschaften nicht
schriftgemäß sind.

Jesus Christus hat keine Geheimgesellschaft gegründet. Im Gegenteil, in Joh. 18,20 sagt er: "Ich
habe öffentlich geredet vor der Welt. Ich habe allezeit gelehrt in der Synagoge und in dem
Tempel, wo alle Juden zusammenkommen, und ich habe nichts im Verborgenen geredet."
Das kann von den Freimaurern nicht gesagt werden, die gedämpftes Licht, fest verschlossene
Fensterläden, bewachte Toren und schreckliche Eide strenger Geheimhaltung bevorzugen.
Mt 10,26-27: "Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werde, und nichts heimlich, was man
nicht wissen werde. Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch
gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern.“ Freimaurer, "predigt ihr auf den Dächern",
was man euch in euren Freimaurer-Logen "ins Ohr flüstert"? Wenn nicht, warum nicht?
2. Der zweite Einwand gegen die Freimaurerei bezieht sich auf das vorschnelle Leisten von
Schwüren.
Bei der Revision der Grundsatzerklärung der 'Church of England' wurde besonders eine Regel
zur Änderung vorgeschlagen. Geistliche hatten die Grundsatzerklärung unterschreiben müssen,
die die Klausel enthielt, "sich allen bisher festgelegten, sowie in Zukunft zu beschließenden
Gesetzen unterzuordnen". Dieses Gesetz wurde zurecht als "das unmoralische Gesetz"
bezeichnet, weil es im Vorhinein Gehorsam gegenüber unbekannten Gesetzen forderte. Es
mußte aufgehoben werden.

Das ganze Gebäude der verschiedenen Grade der Freimaurerei ist jedoch auf solchen
unmoralischen Versprechen aufgebaut, weil bei jedem einzelnen Grad sich der Freimaurer im
Vorhinein durch einen feierlichen Eid bei der Bibel an Versprechen binden muß, die
Geheimhaltung und Treue in Bereichen. verlangen, die ihm vorher nicht bekannt sind, auch wenn
der 'Verehrungswürdige Meister' dem Kandidaten gegenüber behauptet: "Lassen Sie mich Ihnen
versichern, daß in keinem der folgenden Eide etwas enthalten ist, das unvereinbar wäre mit Ihrer
gesellschaftlichen, moralischen und religiösen Verantwortung."

Der Kandidat muß also sein Gewissen dem 'Verehrungswürdigen Meister' verkaufen, bevor er
zum nächsten Grad aufsteigen kann. Welches Recht hat jedoch der Mensch, jemand anderen
zum Wächter seines Gewissens zu machen? Das bedeutet, einen Menschen zu seinem Gott zu
machen. Er muß einem Menschen, der vielleicht nicht einmal Christ ist, das Recht einräumen,
auch in religiösen Fragen für ihn zu urtei len. Ach, es gibt etliche, die aus der Loge geflohen sind,
weil sie erkannt haben, daß so vieles mit ihrer christlichen Überzeugung unvereinbar ist. Viele
andere jedoch haben auch so manches gefunden, was mit ihrem Glauben unvereinbar wäre, sie
sind aber geblieben und haben ihr Gewissen zum Schweigen gebracht."

.... oder wenn jemand schwört, daß ihm über die Lippen fährt, er wolle Schaden oder Gutes tun,
wie denn einem Menschen ein Schwur entfahren mag, und er bedachte es nicht und er wird's
inne und hat sich so oder so schuldig gemacht: Wenn's also geschieht, daß er sich so oder so
schuldig gemacht hat, so soll er bekennen, womit er gesündigt hat, und soll als Buße für diese
seine Sünde, die er getan hat, dem Herrn darbringen von der Herde ein Muttertier, Schaf oder
Ziege, zum Sündopfer, daß der Priester die Sühnung für ihn vollziehe wegen seiner Sünde." (3.
Mose 5,4-6)
3. Der dritte christliche Einwand gegen die Freimaurerei bezieht sich auf die wahrhaft
grauenhaften
freimaurerischen Eide.

Jesus sagt: "Ihr habt weiter gehört, daß zu den Alten gesagt ist: 'Du sollst keinen falschen Eid tun
und sollst Gott deinen Eid halten.' Ich aber sage euch, daß ihr überhaupt nicht schwören sollt,
weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Thron; noch bei der Erde, denn sie ist seiner Fuße
Schemel; noch bei Jerusalem, denn sie ist des großen Königs Stadt. Auch sollst du nicht bei
deinem Haupt schwören; denn du vermagst nicht ein einziges Haar weiß oder schwarz zu
machen. Eure Rede aber sei: 'Ja, ja; nein, nein'. Was darüber ist, das ist vom Bösen." (Mt
5,33-37)

Mit diesen Worten vor Augen hören Sie nun bitte folgende Auszüge aus dem Eid eines Mannes,
der - seine rechte Hand auf der Bibel - am Boden kniet: "
... Ich schwöre feierlich, ohne zu widerrufen und ohne gedankliche Vorbehalte oder
Einschränkungen, alle diese Punkte zu befolgen. Sollte ich doch einen dieser Punkte übertreten,
sei meine Strafe keine geringere, als daß man meine Kehle durchtrenne, meine Zunge mitsamt
der Wurzel ausreiße und im Meeressand vergrabe, ... Eine noch wirkungsvollere Strafe wäre, als
vorsätzlich meineidiges Individuum abgestempelt zu werden, das bar jedes moralischen Wertes
ist und vollkommen ungeeignet, in die verehrungswürdige Loge aufgenommen zu werden, ... "

Wenn jemand zum zweiten Grad erhoben wird, schwört er ebenfalls mit gebeugten Knien, die
Hand auf der Bibel: "... Ich schwöre feier lich, alle diese Punkte ohne Umgehung, Widerrufung
oder gedankliche Einschränkungen irgendwelcher Art zu halten. Falls auch nur ein Punkt
gebrochen wird, soll mich keine geringere Strafe treffen, als daß meine linke Brust geöffnet und
mein Herz herausgerissen werde, um es den Raubvögeln unter den Himmeln oder den
reißenden Bestien der Steppe zur Beute zu geben. So helfe mir der allmächtige Gott und bewah
re mir Standhaftigkeit in dieser meiner feierlichen Verantwortung eines Freimaurers.“

Wenn jemand zum dritten Grad erhoben wird, muß er einen ähnlichen Schwur leisten und nimmt
bei Nichteinhalten irgendeines Punktes des Versprechens die Strafe auf sich, ".... in zwei Teile
geteilt zu werden, mein Körper soll zu Asche verbrannt werden, und die Asche soll über das
Angesicht der Erde verstreut werden ...." (Das Versprechen, für welches diese Strafe gilt,
beinhaltet die Verpflichtung, allen Vorladungen der Loge Folge zu leisten, was eine Erklärung
dafür liefert, warum manche zwar Zeit für Logentreffen nicht aber für Gemeinde versammlungen
haben.)Wird jemand zum 'Royal Arch Companion' erhoben, bekräftigt er seine Versprechen
wieder auf Knien und mit der Hand auf der Bibel mit den Worten: "Bei Nichteinhalten des
Versprechens sei die Strafe, daß mir das Leben durch Abschlagen meines Kopfes genommen
werde."
Sie sehen nun, woher die freimaurerischen Eide kommen. Jeder einzelne von ihnen kommt vom
Bösen. Jesus sagt das (s.o. Mt. 5,33-37).

4. Der vierte christliche Einwand gegen die Freimaurerei betrifft den Ausschluss des Herrn Jesus
Christus aus
allen Bereichen.

Das ist eine Tatsache, die kein ehrlicher Freimaurer ableugnen kann. Es ist nicht einmal erlaubt,
den kostbaren Namen Jesu Christi in einer freimaurerischen Loge zu erwähnen.
Es gibt zwar einen sogenannten "Gottesdienst" in der Freimaurer-Loge, aber Jesus Christus wird
bei diesem Gottesdienst bewußt ausgeschlossen.
Es gibt auch sog. "Gebet" in der Freimaurer-Loge, aber es wird nicht im Namen Jesu Christi
dargebracht, wodurch doch allein Gebet von Gott angenommen wird (vgl. Joh 14,13; 16,23). Der
Name Jesu Christi wird sogar absichtlich aus Gebeten gestrichen, in denen er normalerweise
enthalten ist.
Es gibt auch sog. „Lobgesang“ in der Freimaurerloge, aber der kostbare Name Jesu Christi wird
aus jedem Choral herausgestrichen. Wie kann irgendein Freimaurer, der Christ ist, dem Einen,
der am Kreuz hing um seine kostbare Seele zu retten, so eine Beleidigung antun?
(Gedicht, übertragen aus dem Englischen:) „Jesus, und sollte es jemals sein, dass ein sterblicher
Mensch sich deiner schäme, deiner, den die Engel preisen, dessen Ehre durch ewige Zeiten
erstrahlt? Sich um Jesu willen zu schämen, dem teuren Freund, auf den sich meine himmlische
Hoffnung gründet?! Niemals! Und wenn ich vor Scham erröte, dann nur, weil ich seinen Namen
nicht ehre. Mich um Jesu willen zu schämen, das dürfte ich nur, wenn ich keine Sünden
abzuwaschen hätte, keine Tränen, die er wegwischen könnte, nichts Gutes zu erflehen, keine
Ängste zu besiegen und keine Seele zu erretten hatte."
Der Ort, an dem der Herr Jesus Christus nicht sein darf, ist kein Ort für einen Christen.
5. Der fünfte christliche Einwand gegen die Freimaurerei besteht darin, daß die Freimaurerei auf
der falschen Lehre
der Rechtfertigung aus Werken basiert.

Die Freimaurerei brüstet sich damit, daß sie moralische Werte, Charakterbildung und Ähnliches
stark betont. In der Einweihungszeremonie zum zweiten Grad bezeichnet sie sich selbst als
"besonderes Moralsystem, das durch Allegorie verhüllt und durch Symbole veranschaulicht wird."
Da haben wir es: laut eigener Definition "ein .... Moralsystem". Was ist jedoch die Grundlage
dieses Systems? Denn "einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist,
welcher ist Jesus Christus" (1. Kor 3,11), der wurde aber aus dem Tempel der Freimau rer
ausgestoßen. Ja, Menschen die Jesus ablehnen, müssen versuchen, eine andere Basis zu
finden. Das, worauf sich ein Freimaurer stützt und verlässt, ist er selbst, seine eigene
Anstrengung und die Hilfe des "großen Architekten des Universums." Dem neu zugelassenen
Kandidaten wird vom 'Verehrungswürdigen Meister' gesagt: "Wenn ein prächtiges Gebäude
errichtet werden soll, ist es üblich, den Grundstein in die nordöstliche Ecke des Bauwerks zu
legen. Du, der du neu in die Freimaurerei aufgenommen wurdest, hast deinen Platz im
nordöstlichen Teil der Loge; du sollst symbolisch diesen Stein darstellen, und nach der
Grundlegung heute Abend sollst du zu einem herrlichen, perfekten Bauwerk wachsen, das ohne
Fehler und eine Ehre für den Erbauer ist." Der Mensch wird hier zum Fundament und Eckstein!

Wenn Sie noch immer bezweifeln, daß sich die Freimaurerei auf die falsche Lehre der
Werksgerechtigkeit gründet, hören Sie folgenden Auszug aus der "Explanation of the First
Degree Tracing Board":
"Der Weg, auf dem wir Freimaurer dorthin (nämlich in den Himmel) zu gelangen hoffen, führt über
eine Leiter, die Schrift bezeichnet sie als Jakobsleiter. Sie besteht aus vielen Sprossen, die
ebenso viele morali sche Tugenden darstellen, vor allem aber drei Haupttugenden, und zwar
Glaube, Hoffnung und Nächstenliebe: Glaube an den großen Erschaffer des Universums,
Hoffnung auf die Erlösung und in Nächstenliebe allen Menschen zugetan ...."

Aber des Freimaurers Hoffnung auf Erlösung ist gemäß Apg 4,11-12 nichtig: "Das ist der Stein,
von euch Bauleuten verworfen, der zum Eckstein geworden ist. In keinem anderen ist das Heil,
ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem wir gerettet
werden sollen."
Und dieses Fundament hat der Freimaurer abgelehnt.Wenn irgend jemand, sei er nun Freimaurer
oder nicht, hofft, durch tugendhaftes Leben den Himmel zu erreichen, dann rate ich ihm, Artikel
XI und XII (Anm.: der Grundsatzerklärung der Anglikanischen Kirche) gut zu studieren. Das ist die
beste Zusammenfassung über Aussa gen der Schrift zum Thema Rechtfertigung, die ich kenne.
Artikel XI führt uns die einzige Möglichkeit unserer Rechtfertigung vor Augen: "Wir sind
gerechtfertigt vor Gott allein durch das Werk unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus durch
den Glauben und nicht aufgrund unserer eigenen Werke oder durch unser Verdienst...“ (vgl. auch
Eph 2,8.9).
Seht ihr jetzt, daß gerade eure "Moral", dieses "besondere Moral system", als welches ihr ja die
Freimaurerei bezeichnet, Sünde ist, weil es nicht dem lebendigen Glauben an unseren Heiland,
Herrn und Gott entspringt?

Meine freimaurerischen Freunde, ihr braucht nicht diese "Jakobsleiter" emporzusteigen. Ihr müsst
vielmehr heruntersteigen, ganz herunter von dieser Leiter der Selbstgenügsamkeit, der eigenen
Anstrengung und der Selbstgerechtigkeit, herunter, weit herunter zum Kreuz, wo Jesus eure
Sünden trug, um dort um Gnade und Vergebung zu flehen, die ihr nur durch das Blut Jesu Christi
finden könnt, das vergossen wurde, damit ihr gerettet werdet.

6. Der sechste und letzte christliche Einwand gegen die Freimaurerei, den ich in der Kürze noch
nenne, bezieht sich
darauf, daß die Frei maurerei eine Art abgefallene Religion ist.

Freimaurer leugnen zwar oft, daß die Freimaurerei überhaupt eine Religion ist; demgegenüber
möchte ich aber an folgende Fakten erinnern:

a) Es gibt eigene Versammlungsorte, die Tempel genannt werden.

b) Es gibt eigene geistliche Lieder, in denen der Name Jesus Christus nicht vorkommt.

c) Es gibt eigene Gebete, in denen der Name Jesus Christus nicht vorkommt.

d) Es gibt eine eigene Theologie, die durch gewisse Arbeiten, verschiedene Vorträge und
Aufgaben der Loge verehrt wird. Es ist dies keine christliche Theologie sondern eine
universalistische Religion, die auf den alten Mysterienkulten basiert.

Nachdem Sir John Cockburn (ehemaliger Großdiakon von England und ehemaliger
stellvertretender Großmeister von Australien) bewiesen hat, daß die Freimaurerei alle wichtigen
Kennzeichen einer Religion trägt, fügt er noch hinzu: "Wenn geleugnet wird, daß man die
Freimaurerei als Religion bezeichnen kann, muß man ihr die viel passendere Bezeichnung eines
'Verbandes von Religionen' geben. Die freimaurerische Religion kann alle Religionen in sich
vereinen, ohne daß diese auch nur ein Jota ihres jeweiligen Glaubensbekenntnisses aufgeben
müssten." - Ist denn dem "christlichen" Freimaurer der Name ihres Herrn Jesus Christus noch
weniger wert als ein Jota?

Darüber hinaus wird seitens der Freimaurerei behauptet, daß sie allein die höchste geistliche und
moralische Erleuchtung vermittle. Außer dem beansprucht sie für sich die alleinige Kenntnis
bestimmter Wahrheiten. Die Freimaurerei beansprucht zum Beispiel für sich, allein den wahren,
heiligen und geheimnisvollen Namen Gottes zu kennen.Ja, aber was hat es nun mit diesem
Namen auf sich? Der Höhepunkt eines "Gottesdienstes" ist erreicht, wenn dem Neueingeweihten
dieser Name geoffenbart wird, der angeblich verlorengegangen ist und den nur die Freimaurer,
die zur "Holy Royal Arch" gehören, kennen. Ihren Namen für "Gott" werdet ihr nicht kennen (es
sei denn, ihr seid selbst Freimaurer), weil er nicht in der Bibel zu finden ist. Es ist JAH-BUL -ON,
ein heidnischer, synkretistischer Name für Gott!
Walton Hannah sagt dazu: "In der mystischen Vorlesung wird erklärt, daß sich dieser Name aus
bestimmten göttlichen Titeln und Attributen zusammensetzt, an denen im englischen Sprachraum
niemand Anstoß nehmen kann. Aber dieses Wort (so lautet die Erklärung) setzt sich aus dem
hebräischen JAHWEH, kombiniert mit dem assyrischen BAAL, allein dessen Symbol den
Propheten so verhaßt war, und dem ägyptischen ON oder OSIRIS, zusammen." Osiris war der
"Getreidegott" Ägyptens. Es wird von ihm auch behauptet, dass er aus der unheiligen Verbindung
zwischen dem "Erdgott" Keb und der "Himmelsgöttin" Nut hervorgegangen sei.

Es ist eine ungeheuer lästerliche Beleidigung für "den Erhabenen und Heiligen, der in Ewigkeit ist
und dessen Name HEILIG ist", seinen heiligen Namen, wenn auch nur symbolisch, mit solch
scheußlichen Namen in Verbindung zu bringen! Die Freimaurer haben jedoch die Toll kühnheit,
dies zu tun. Sogar eine angesehene Autorität unter den Freimaurern, Albert Clarke, war so
abgestoßen, als ihm dieser Name be kannt gemacht wurde, daß er schrieb:
Niemand, kein einziger, kann mich dazu bewegen, diesen Bastardnamen, der unter anderem den
Namen eines verfluchten und bestiali schen, heidnischen Gottes enthält, und dessen Name vor
über 2000 Jahren eine Bezeichnung des Teufels war, als heiliges Symbol für den unendlichen
großen und ewigen Gott zu akzeptieren."

Und das gilt in der Freimaurerei als die höchste Offenbarung! Sollten wir nicht viel eher von
ärgster Blasphemie reden?

So mancher unter euch möchte vielleicht die von mir vorgebrachten Fakten anfechten oder
anzweifeln und mir die Frage stellen, woher ich wohl meine Informationen beziehe. Ich beziehe
sie aus mehreren Quellen, aber zum größten Teil aus Walton Hannahs "Darkness Visible"
(Auguscine Press). Diesels Buch stützt sich wiederum auf drei Informationsquellen:

a) authentische freimaurerische Herausgeber,


b) freimaurerische Artikel, Zeitschriften, Zeremonienführer und Vorträge,
c) veröffentlichte Enthüllungen von Männern, die die Eide, die ihnen unter Vorspiegelungen
falscher Tatsachen abgenommen wurden,
für null und nichtig ansehen.

Einer dieser Männer ist ein persönlicher Bekannter von mir, Dr. D.R. Denman, dessen geistliches
Urteilsvermögen ich sehr schätze. In einer veröffentlichten Kritik dieses Buches (Life of Faith, 15.
Okt. 1952) schreibt er:
"Das gewichtigste Gegenargument, mit dem er (nämlich Walton Hannah) konfrontiert wird, ist,
'daß das Ritual außerhalb seines Kontextes und der es umgebenden Atmosphäre nicht richtig
verstanden und interpretiert werden kann.'
Er behandelt diese Frage mit großer Gewandt heit und entkräftet den Vorwurf, vor allem für den
Uneingeweihten. Tatsächlich stehen Umgebung und Atmosphäre in der Loge in keiner Weise im
Widerspruch zu dem, was klar aus der Liturgie allein ersichtlich ist".
Das kann ich bestätigen, denn im Gegensatz zu Herrn Hannah war ich selbst einmal Freimaurer.
Die Erfahrung, die ich gemacht habe, befähigt mich, dieses Buch richtig zu beurteilen und es als
in jeder Hinsicht wertvoll zu bezeichnen. Der Schluß, zu dem er kommt, ist klar und
unwiderlegbar: Christus und die Freimaurerei sind unvereinbar."

Dr. Denman setzt fort: "Ich erinnere mich genau an den Ekel, den ich bei meiner Einweihung
empfand. Ich stand vor der Loge und wurde als hilfloser Kandidat im Zustand 'geistlicher
Finsternis' bezeichnet, der aber mit Gottes Hilfe das 'Licht' sucht. Mein Herz hatte damals schon
die Gnade Gottes erkannt, nämlich von seiner Herrlichkeit in Jesus Christus. Mit diesem Wissen
stand ich nun da und ver nahm die ersten Worte des freimaurerischen Rituals. In diesem Moment
empfand ich das Böse ziemlich stark. Während des folgenden Gottesdienstes und dem Ritual der
Rangordnungen wartete ich vergeblich auf ein Bekenntnis des Lichts der Welt. Aber nichts kam.
Der Eindruck, daß es sich hier um Gotteslästerung handle, wurde während der Feier zum dritten
Freimaurer-Grad so stark, daß ich heftig protestierte und den Tempel verließ, um ihn nie wieder
zu betreten."

- Christlicher Freimaurer, "geh hin und tue desgleichen." - Junger Mann, der du dich noch nicht
gebunden hast, diese Dinge habe ich zur Warnung gesagt, denn es gibt etliche, die euch in die
Irre leiten sollen.”

Ihr Christen, betet, daß unsere Kirche und unser Land von dieser Mischreligion gereinigt werde,
denn "einen anderen Grund kann niemand legen ausser dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus
Christus."

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Dr. Samuel R. Külling

Entsprechen die Parolen der französischen Revolution «Freiheit,

Gleichheit, Brüderlichkeit» biblischen Forderungen?

Man preist heute, nach 200 Jahren, die Proklamation der unveräußerlichen Menschenrechte der
Menschenrechtserklärung der französischen Revolution 1789: «Freiheit, Gleichheit,
Brüderlichkeit».
Entsprechen diese Forderungen wirklich denen der Bibel und gehören sie zur göttlichen
Schöpfungsordnung? Hier besteht weitgehend, auch bei bibeltreuen Christen, große Unklarheit.
Darum sollen die drei Begriffe untersucht werden. Ich beginne mit der Gleichheit:

1. Gleichheit

Wie verhängnisvoll sich die Proklamation von «Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit» auf Gleichheit
auswirkt, zeigt der heutige Feminismus. Gott hat z. B. Mann und Frau ungleich geschaffen; also
ist dies seine Schöpfungsordnung und alle Gleichheitsideologie in dieser Hinsicht ist nicht von
Gott, sondern von unten. Wir merken ihre negativen Auswirkungen bereits heute in der Politik
und werden sie noch deutlicher erkennen in der Zukunft, wenn sie vielleicht nicht mehr zu ändern
ist. Wir haben die negativen Auswirkungen der Gleichheitsideologie der französischen Revolution
bereits einmal bei der Frage des neuen Eherechts besprochen und damals gesagt: «Zugunsten
der Gleichheitsansprüche wird die Gemeinschaft der Ehe geopfert. Zwischen
Gleichheitsansprüchen zweier unabhängigen Partner und der Gemeinschaft der Ehe gibt es nur
ein Entweder - Oder.»

Gott hat auch jeden Menschen ungleich geschaffen. Also ist der Ruf nach Gleichheit aller
Menschen unbiblisch. «Es gibt keine größere Ungerechtigkeit als unterschiedliche Wesen
identisch zu behandeln», sagte Montesquieu zurecht. Er schreibt: «Diese Unterschiede
ignorieren oder aufheben wollen heißt, gegen das Wesen der Dinge angehen, heißt, der
Ideologie weichen.» Gewiß sind wir nicht gegen das Prinzip: «Gleichheit aller Menschen vor dem
Gesetz». Aber dieses Prinzip der «Gerechtigkeit» kann leicht zu neuer Unge¬rechtigkeit führen,
wenn man nicht vom biblischen Menschenbild ausgeht. Und dies tat die französische Revolution
nicht. Sie ging nicht von einem dem Schöpfungswerk entsprechenden vielfältigen, individuell
ganz unterschiedlichen (jedes nach seiner Art) Menschenbild aus, sondern von einem uniformen,
gleichgeschalteten. Gleichheit bedeutet für sie darum einheitliche Denk Glaubens und
Verhaltensweise. Und das ist eine der göttlichen Schöpfung radikal widersprechende
Gleichheitsideologie. Dieses unbiblische Verständnis von Gleichheit zeigte sich besonders
deutlich den Juden gegenüber. Wohl wurden, besonders durch den Einfluß des radikalen
Revolutionärs Robespierre, am 27. September 1791 zum ersten Mal in der Geschichte der Juden
im Exil in Europa die Juden rechtlich den Nichtjuden gleichgestellt. Das hieß aber für die Juden,
ihre Jüdischkeit weitgehend aufzugeben. Sie sollten nicht mehr als religiöse Minderheit mit
eigener Religion, Kultur und Sprache leben. «Die Juden wurden emanzipiert, weil sie Menschen,
nicht weil sie Juden waren» (Daniel Gerson in Jüdische Rundschau Nr. 28 1989). Dieses
Gleichheitsverständnis bezog sich auch auf andere Minderheiten. Gleichheit hieß für sie
Gleichschaltung, Aufgabe ihrer individuellen Überzeugungen. Das zeigt sich sehr deutlich bei
einem andern der proklamierten Menschenrechte, der Freiheit.

2. Freiheit

Die Freiheit der französischen Revolution war nicht die biblisch verstandene Freiheit. Diese
Freiheit war absolut nicht die Freiheit von aller Sklaverei. Sie war gebunden an das uniforme
Menschenbild der Revolution. Und das war ein atheistisches Menschenbild.
Freiheit, losgelöst von göttlicher Autorität, wird zur Tyrannei durch Menschen, wie Wilhelm Hahn
ausführt: (Hahn Christliche Weltrevolution. Stehen wir vor einer Spaltung der Christenheit, in
Rupert Hofmann, Verlag Regensberg 1987). «Der Mensch soll sein Schicksal und das der
Menschheit in seine eigenen Hände nehmen und eine menschenwürdige, ideale Welt schaffen!
Das Reich der Gerechtigkeit und des Glücks für alle Menschen, die alle gleich sind, läßt sich von
Menschen auf dieser Welt erreichen.» «Welchen Fanatismus das Ziel der
Menschheitsbeglückung hervorgebracht hat (von Robespierre bis Marx, von Lenin, Stalin bis hin
zu Hitler oder Pol Pot und schließlich Ajatollah Khomeini) wird erhellt aus dem folgenden
programmatischen Wort Robespierres: 'Die Triebkraft der Volksregierung ist in Friedenszeiten die
Tugend. Sie ist in Zeiten der Revolution zugleich Terror und Tugend: Die Tugend, ohne die der
Terror unheilvoll ist, der Terror, ohne den die Tugend machtlos ist. Der Terror ist nichts anderes
als das schlagfertige, unerbittliche, unbeugsame Recht. Er ist somit eine Emanation (Ausfluß) der
Tugend».
Darum war es auch gar keine echte Freiheit, auch wenn sie noch so lauthals verkündet wurde.
Sie bestand in lauter Verboten, was die Glaubens und Gewissensfreiheit betrifft. Ist das etwa
Freiheit, die nur mit neuen Verboten (christliche Feiertage und Feste, bestimmte religiöse
Handlungen usw.) gepaart war, gegeben von Menschen, die von göttlicher Autorität nichts wissen
wollten, sondern einer «Göttin der Vernunft» (Demoiselle Maillard) huldigten, oder die das Volk
zum Gott machten?
Wen wundert es, daß schon in den ersten Jahren nach der Emanzipation (besonders 1793/94)
die jüdischen Gottesdienste meistens im Geheimen abgehalten werden mußten und es zu
Verhaftungen von Rabbinern kam. Was ist das für eine Freiheit, wo nicht jeder nach seiner
Überzeugung seines Glaubens leben kann?

3. Brüderlichkeit

Heute sollte man nach den Forderungen der Feministinnen «Schwesterlichkeit» sagen! Aber
lassen wir den Ausdruck der Revolution stehen. Auch hier ist natürlich nicht an christliche
Bruderschaft zu denken. Auch hier gibt es nur bedingte Brüderlichkeit. Auch hier galten
diejenigen, die die Gedankengänge und gottlosen Prinzipien der Revolution, ihr Bekenntnis («die
Existenz eines höchsten Wesens und die Unsterblichkeit der Seele») oder ihre ideologischen
Kultfeiern usw. nicht guthießen, praktisch nicht als Brüder, sondern als unliebsame Außenseiter
oder Fremdkörper im Staat, die man entweder als «quantité négligeable» (zu vernachlässigende
Größe) überging oder gewaltsam zum Bruder machen wollte («Und willst du nicht mein Bruder
sein, so schlag ich dir den Schädel ein»). Die Schreckensherrschaft Robespierres geschah sicher
nicht im Sinn der Brüderlichkeit seiner Untertanen!

4. Was sagt die Bibel?

Aus obigen Darlegungen ist hervorgegangen, daß die französische Revolution mit ihrer
Proklamierung von «Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit» etwas anderes meinte als die Bibel und
darum nicht christliche Begriffe oder Werte durchgesetzt hat. Im Rahmen dieses Aufsatzes kann
natürlich nur sehr beschränkt und lückenhaft darauf eingegangen werden, was wir von der Bibel
her zu Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit zu sagen haben.

a) Freiheit
Nach der Bibel gibt es keine absolute Freiheit. Als das Volk Israel von der Knechtschaft in
Ägypten befreit wurde, kam es zum Sinai, wo es lernen sollte, sich an das Gesetz Gottes zu
binden. In Römer 6,15 – 7,6 sagt Paulus, daß der Gläubige freigemacht wurde von der
Sündenknechtschaft, aber zugleich Knecht der Gerechtigkeit wurde. «Jetzt dagegen, wo ihr von
der Sünde frei und Knechte Gottes geworden seid, habt ihr als eure Frucht die Heiligung und als
Endergebnis das ewige Leben.» (Römer 6, 22) Dieser zentrale Vers sagt alles. Die Proklamation
einer ziellosen, zügellosen Freiheit ist völlig unbiblisch. Die Bibel lehrt uns keine Freiheit von aller
Sklaverei. Sie lehrt uns, daß wir entweder «Sklaven» der Sünde oder «Sklaven» Gottes sind. Es
gibt nur dieses Entweder Oder. Als Knechte Gottes haben wir als Ziel die Heiligung (in diesem
Leben) und als Endergebnis das ewige Leben. Wir sind nie absolut frei, also haben wir auch
keine solche Freiheit zu verkündigen. Luther sagte es in dem Paradox: «Der Christ ist ein freier
Mann und niemandem untertan. Der Christ ist ein dienstbarer Knecht aller und allen untertan».
Freiheit vom mosaischen Gesetz bedeutet nicht Zügellosigkeit, sondern Gehorsam Christi,
Gebundenheit an das Gesetz Christi (1.Kor.9,21). Biblisch verstandene Freiheit ist nur möglich
durch die neue Gebundenheit an den Geist Gottes und seine Leitung (Röm 8,14). Freiheit muß
ein Ziel haben (verherrlicht Gott mit eurem Leibe (1.Kor 6,20), sonst wird sie nur
Menschenknechtschaft (1. Kor 7,23). Da diese Freiheitsproklamation der französischen
Revolution kein solches Ziel hatte, wurde sie nur zur neuen Gebundenheit an Menschengebote
und verbote. Sklaven des Verderbens können nicht wahre Freiheit verheißen (sie verheißen
ihnen Freiheit, sind dabei aber selbst Sklaven des Verderbens; denn von wem jemand im Kampf
überwunden ist, dem ist er auch als Sklave verfallen (2. Petr 2,19.15).

b) Gleichheit
Es gibt nach der Bibel nur eine Gleichheit, die für uns alle gilt, nämlich die von Röm 3, 10 - 19:
Die ganze Menschheit ist dem Gericht Gottes verfallen! Und es gibt nur einen Heilsweg für uns
alle: Die Gottes Gerechtigkeit, die durch den Glauben an Jesus Christus für alle da ist und an alle
kommt, die da glauben (Röm 3,22). Denn hier gibt es keinen Unterschied; alle haben ja gesündigt
und bleiben unteilhaftig des Ruhmes, den Gott verleiht; so werden sie geschenkweise durch
seine Gnade gerechtfertigt infolge der Erlösung, die in Christus Jesus begründet ist (Röm
3,23.24).
Hier ist es angebracht von Gleichheit zu reden. Aber davon redet die französische Revolution
nicht. Und die Gleichheit, die sie verkündet, gibt es, wie wir ausgeführt haben, nicht. Sie führt nur
zu neuer Ungerechtigkeit im Namen eines unbiblischen Menschenverständnisses von Gleichheit.

c) Brüderlichkeit
Die Bruderschaft im biblischen Sinn ist nur möglich durch den Vater im Himmel («Vater» ist etwas
anderes als «die Existenz eines höchsten Wesens» von Robespierre). Gott möge uns
verschonen vor einer Brüderlichkeit des Schafotts! Gott möge uns verschonen vor einer
Brüderlichkeit des atheistischen Genossen! Gott möge uns verschonen vor einer
Zwangsbruderschaft! Gott möge uns auch bewahren vor einer Zwangsschwesternschaft des
Feminismus! Gott möge uns bewahren vor einer Bruderschaft, die keine ist! Die Bruderschaft der
französischen Revolution, die die Vaterschaft Gottes leugnete, ist keine Bruderschaft.
Und diesen Vater in Jesus Christus hat die Revolution ausgeschaltet. Sie wollte «Brüder», ohne
den «Meister» anzuerkennen (Mt 23,8).
Ihr Bruderbild war nicht das der Bibel: «dem Bilde seines Sohnes gleich zu werden: dieser sollte
der Erstgeborene unter vielen Brüdern sein (Röm 8,19).
Reden wir also nicht mehr davon, die französische Revolution habe «christliche Rechte»
durchgesetzt. Sie war weit entfernt davon.
Vertiefen wir uns mehr in die Bibel, um zu erfahren, was sie über «Freiheit, Gleichheit und
Brüderlichkeit» sagt.

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Dr. Martin Hohl - Wirz

Die Freimaurerei

und der Absolutheitsanspruch des Herrn Jesus Christus

(Biographische Angaben finden sich am Ende dieses Artikels)

Die Literatur zum Thema Freimaurerei ist außerordentlich umfangreich. Die 1911 vom deutschen
Gelehrten August Wolfstieg begründete »Bibliographie der freimaurerischen Literatur« umfasst
heute über 50'000 Titel. Nach Zendralli wird die gesamte Literatur zum Thema Freimaurerei von
Fachleuten auf rund 100'000 Bücher und Schriften Titel geschätzt. Ein Teil dieser Literatur ist im
Verzeichnis der Deutschen Freimaurer Bibliothek, die dem Deutschen Freimaurer Museum in
Bayreuth angeschlossen ist, enthalten (Schneider, 1977).

Trotz dieser Literaturflut ignoriert nach Mellor »die grosse Mehrheit des Publikums die
Freimaurerei«, und von den Historikern werde sie kaum und erst spät zur Kenntnis genommen.
»Sie ist ein Tabu, über das man gleichsam verabredungsgemäß nicht spricht« (S.33) »Seit etwa
10 Jahren erst ist die Freimaurerei zum Gegenstand intensiverer wissenschaftlicher Forschung
geworden.« (Ulrich Im Hof, Zur Geschichte der Freimaurer im 18. Und 19. Jahrhunderts – aus der
Sicht eines Historikers, Basel, 1984). Schenkel schreibt: »Die Lehrbücher der Kirchengeschichte
enthalten zwar kurze Hinweise auf die Freimaurerei, behandeln sie aber nebensächlicher als
irgendwelche belanglosen Erscheinungen auf kirchlichem Gebiet und verraten in nichts ein
Bewusstsein um die teilweise geradezu entscheidende Bedeutung der Freimaurerei in der
Kulturpolitik einiger europäischer Staaten.« Diese Aussage gilt m.E. auch heute noch.

Warum diese Unwissenheit, Ignoranz, Vorsicht? Der Grund dafür liegt sicher nicht zuletzt in der
Freimaurerei selbst, für die Öffentlichkeitsarbeit nicht wesensgemäß ist. Die Freimaurerei
versteht sich zwar heute nicht mehr als eine Geheimgesellschaft, immer noch aber als eine
geschlossene Gesellschaft: »not secret but privat«.

Bis vor kurzem waren zuverlässige, autorisierte Informationen nur schwer zugänglich. Zudem war
die Freimaurerei seit ihrer Gründung im Jahre 1717 heftig umstritten und von den vielfältigsten
Gerüchten begleitet. Je nach Standort und Interessenlage waren die Aussagen unterschiedlich
und widersprüchlich. Dazu kommt, »dass es nicht einmal im Innersten des Ordens
Übereinstimmung über das Wesen und über die wesentlichen Ziele der Freimaurerei gibt.«
(Mellor) Die Freimaurerei ist nicht nur umstritten, sondern auch zerstritten. Es gibt verschiedene
Spielarten und Abarten, die sich zum Teil die Anerkennung versagen. In dieser Situation ist es
schwierig und für Außenstehende fast unmöglich, sich ein objektives Bild zu machen.

Kann es aber ein solch 'objektives' Bild überhaupt geben? Ein Freimaurer wird diese Frage
möglicherweise verneinen. Jeder erlebt Freimaurerei anders. Wahrheit ist relativ, subjektiv. Das
Wesentliche der Freimaurerei lässt sich zudem nach freimaurerischer Auffassung nicht durch
Worte und Bücher mitteilen. »Der Geist des freimaurerischen Rituals... beruht auf dem Glauben,
dass es gewisse Wahrheiten gebe, die zu tief sind, als dass Worte oder Begriffe sie ausdrücken
könnten. Allein Symbole können eine stumme Andeutung davon geben.« (Alec Mellor, Logen,
Rituale, Hochgrade. Handbuch der Freimaurerei, 1985, S. 304)

Dies ist meines Erachtens der Kern und der gemeinsame Nenner aller Freimaurerei, dass sie
dem Wort im weitesten Sinn, d. h. auch der Sprache, als gestaltende, ordnende, verbindende und
rettende Kraft misstraut und an seine Stelle das Symbol setzt.

Dieser Sachverhalt war mir mit seinen weitreichenden Konsequenzen nicht bewusst, als ich am
5. Juni 1988 in die »Freimaurerloge Libertas et Fraternitas im Orient von Zürich« aufgenommen
wurde. Ich erwartete eine offene, faire und anregende geistige Auseinandersetzung, ohne die ich
buchstäblich nicht atmen kann. In der Loge hingegen wird jede politische, theologische oder
andere 'hitzige' Diskussion bewusst und konsequent vermieden. Auch mir sind leere
Wortgefechte, bloße Wortklaubereien und gewalttätige geistige Auseinandersetzungen zuwider,
und ebenso lehne ich jedes Missionieren mit Schwert, Zwang und Aufdringlichkeit ab. Doch
sollen und können wir an die Stelle der blutigen Religions- und Konfessionskriege das Schweigen
setzen? »Hear, see and silence«, so lautet die Devise der englischen Freimaurer.

In dieser Arbeit gehe ich von einer Auffassung aus, die der freimaurerischen diametral
entgegengesetzt ist: Die Sprache ist die wichtigste Kommunikationsform. Sie konstituiert alles
Sein, alles Leben. Gerade die wichtigsten Wahrheiten können nur durch die Sprache vermittelt
werden, und wirkliche, dauerhafte Gemeinschaft entsteht nur durch das Wort. Es geht mir im
folgenden nicht darum, die freimaurerische Auffassung zu widerlegen und zu bekämpfen,
vielmehr geht es darum, die beiden Auffassungen einander gegenüber zu stellen und einer
möglichst unvoreingenommenen Beurteilung und einer möglichst freien persönlichen
Entscheidung zugänglich zu machen.

Welche Sprache sollen wir nun aber sprechen, um nicht in einer dauernden Sprachverwirrung zu
leben? Ich gehe im folgenden von der Annahme aus, dass Jesus Christus die höchste, die
absolute Autorität in Sachen verbaler Kommunikation ist. Er ist uns bezeugt als das
'fleischgewordene Wort'. Er ist mit seinem Leben dafür eingestanden, dass Gottes Wort gilt; Er
hat uns den Zugang zu demjenigen Gott wieder ermöglicht, der kommuniziert, der mit uns spricht
und sich uns gegenüber ausdrücklich verpflichtet; Er hat uns das Vertrauen auf das Wort, den
Sinn für die Bedeutung der gegenseitigen Verständigung und damit die Sprache wiedergegeben.
Mit anderen Worten: Ich nehme im folgenden an, dass der Absolutheitsanspruch des in der Bibel
bezeugten Jesus Christus gerechtfertigt ist, und ich werde versuchen, die Freimaurerei im Lichte
dieses Jesus Christus zu beleuchten. Er ist derjenige, der auferstanden ist, der also lebt, und
dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden übertragen ist. Ich nehme diese Herrschaftssituation
als durchaus wirklich an, auch wenn ich den obersten Machthaber nicht sehe, nicht immer spüre
und von dieser ganzen Wirklichkeit und Wahrheit nur aufgrund des uns überlieferten
Evangeliums etwas weiß. Die Annahme dieser Realität bedeutete eine Umkehr, die es mir
ermöglichte, wieder aus der Freimaurerloge auszutreten. Das geschah am 28. September 1988.

Die Freimaurer wenden sich - mit Erfolg, wie wir sehen werden - gegen alle
Absolutheitsansprüche einzelner Religionen, Konfessionen, Parteien, Rassen, Klassen,
Institutionen, Nationen usw. und wollen alle Gegensätze miteinander versöhnen. Ist der
Absolutheitsanspruch Christi gerechtfertigt, so hat dieser Kampf der Freimaurer auch aus unserer
Sicht eine gewisse Berechtigung: Wir finden ja unser Heil nicht in einer bestimmten Institution,
Partei, Klasse, Nation usw., sondern wirklich nur und ausschließlich in der Person Christi. Darum
soll mit dieser Arbeit keinesfalls irgend eine absolutistische, totalitäre, rassistische, religiöse,
konfessionelle oder andere Partei unterstützt werden, welche die Freimaurerei bekämpft. Mit
diesen Auseinandersetzungen zwischen 'Anti Absolutisten' einerseits und den Verfechtern
unserer Sicht andererseits, die zum Teil 'falschen' Absolutheitsansprüchen mit äußerster
Verbitterung und Gehässigkeit geführt werden, wollen wir nichts zu tun haben. Die
entsprechende Literatur bleibt in dieser Arbeit unberücksichtigt. Ebenso wenig will ich mich auf
die unzähligen Gerüchte um die Freimaurerei und auf die ganze Gerüchteliteratur einlassen. Es
kommt auf möglichst zuverlässige Informationen an. Es sollen bei der Darstellung der
Freimaurerei möglichst Freimaurer selbst sowie Wissenschaftler zu Wort kommen, denen ein
Einblick gewährt wurde. Bei der Beurteilung sollen sich die gemachten Aussagen niemals gegen
die Freimaurer als menschliche Personen richten, sondern allenfalls gegen den Geist, der hinter
der Freimaurerei steckt.

In den letzten Jahren sind einige größere Werke von Freimaurern und von Wissenschaftlern
erschienen, die einen vertieften Einblick in die Freimaurerei und ihre 'Geheimnisse' ermöglichen.
(Binder, 1988, Mellor,1985, Oslo, 1988, Valmy, 1988). Zudem wurden im Fernsehen
Dokumentarfilme gezeigt (z.B. ORF 1990), und die Zeitschrift GEO veröffentlichte eine
Bildreportage (Nr. 2/1988) mit Aufnahmen von wichtigen 'Tempelarbeiten'. Diese letztgenannten
Resultate freimaurerischer Öffentlichkeitsarbeit stießen allerdings bei Freimaurern auf äußerst
harte Kritik (Alpina Nr. 8 9 1988, S. 205: 'weitreichendster und unverantwortlichster Verstoß
gegen die Arkan Disziplin'). Nicht zuletzt dank dieser Veröffentlichungen können wir die
Freimaurerei selbst beim Wort (und Bild) nehmen und müssen nur noch in Ausnahmefällen auf
sogenannte 'Verräterliteratur' zurückgreifen.

Es geht mir in dieser Arbeit darum, einen Überblick mit möglichst allen wichtigen Aspekten zu
vermitteln, um das Phänomen der Freimaurerei in seiner ganzen Gestalt sichtbar werden zu
lassen. Einzelne Aspekte könnten vertieft werden. Am Schluss der Darstellungen sollen, wo
sinnvoll und möglich, die einzelnen Aspekte mit der Sicht der Bibel gemäß unserem Verständnis
verglichen werden. Eine Beurteilung der Freimaurerei erfolgt in Kapitel 7.

1. Geistige Wurzeln

Die Freimaurerei im heutigen Sinn besteht seit 1717. Über die Entstehungsgeschichte besteht
kein sicheres Wissen. Es gibt aber verschiedene Entstehungstheorien. (Dazu Dieter A. Binder,
Die diskrete Gesellschaft. Geschichte und Symbolik der Freimaurer, Wien, 1988). Auf die
verschiedenen Entstehungstheorien soll im folgenden nicht eingegangen werden. Uns
interessieren aber die verschiedenen geistigen Wurzeln, von denen sich die Freimaurerei
herleitet. (C. Zendralli, Freimaurerei heute, S.4) nennt die folgenden Ansatzpunkte: die
Bauhüttenüberlieferung, die frühchristlichen Gesellschaften, das Rosenkreuzertum, die jüdische
Kabbala-Tradition, die Tempelritterlegende und die Mysterienbünde. Unter Berücksichtigung des
Werkes von Allan Oslo (Freimaurer. Humanisten? Häretiker? Hochverräter? Umschau-Verlag,
Frankfurt/Main ,1988), der die geistigen Wurzeln der Freimaurerei ausführlich untersucht, teile ich
diese in die folgenden Hauptstränge ein, die sich allerdings teilweise überlappen und
durchdringen:

1. Die Bauhüttentradition
2. Verehrung menschlichen Schaffens aller Zeiten und Völker
3. Mönchtum und Ritterorden
4. Geheimgesellschaften und Mysterienbünde
5. Jüdische und christliche Tradition
6. Humanismus, Aufklärung, Liberalismus
7. Reformation und Protestantismus
1.1. Die Bauhüttentradition

»FREIMAUREREI, MAUREREI, MASONEY, MASONNERIE, KÖNIGLICHE KUNST,


weltbürgerliche Bewegung mit dem humanitären Ideal des vollkommenen Menschentums. Der
Name rührt her von den freien (im Gegensatz zu den zunftgebundenen) Steinmetzen an den
mittelalterlichen Bauhütten.» (Neuer Brockhaus, 5. Aufl. 1974, Bd. 2, S. 259, zit. in Oslo 1988,
S.12)

Eine andere Auffassung über die Entstehung des Namens 'Freimaurer', die ebenfalls mit den
Bauhütten zu tun hat, vertritt G. A. Schiffmann (Das Verhältnis der FM zum Christentum und zur
Kirche, Stettin, 1857 1883, 28f.): »Der Name Freemasons ist eine Abkürzung der Bezeichnung
Free-stone-masons. So wurden die Steinmetzen genannt, weil sie die Steine bearbeiteten,
welche an der Außenseite der Mauern freistanden, so dass sie von jedermann gesehen werden
konnten. Im Gegensatz dazu hießen diejenigen Bauarbeiter, welche die Steine unbehauen
vermauerten, so wie sie aus den Steinbrüchen kommen, rough-stone-masons. Nun kürzte man
die Namen so ab, dass man das Wort stone ganz wegließ. Auf diese Weise entstand das Wort
Free masons, Freimaurer. Es sind mit dieser Bezeichnung deshalb nicht eigentlich die Arbeiter
gemeint, die man jetzt Maurer nennt, sondern die Steinmetzen. Daher auch die Bezeichnung
Loge oder Bauhütte. Die eigentlichen Maurer bedurften keiner besonderen Hütten. Sie
verrichteten ihre Arbeiten unmittelbar am Gebäude selbst. Die Steinmetzen dagegen mussten die
aus den Steinbrüchen herbeigeführten rohen Steine erst kunstgemäß bearbeiten, ehe diese dem
Bau eingefügt werden konnten. Sie hatten also einen Arbeitsraum in der Nähe des Baues nötig,
wo sie die Steine behauen konnten. Dies waren die Bauhütten.«

In diesen Bauhütten, die im Mittelalter zu den Klöstern gehörten und mit der Zeit verweltlicht
wurden, pflegten die klerikalen und die weltlichen Steinmetzen ihre eigene, besondere Tradition.
Sie »trachteten danach, ihre Konstruktionsgeheimnisse vor den Augen Uneingeweihter zu
verbergen, sie waren einem strengen Zunftsystem unterworfen, gegliedert in Lehrling, Geselle
und Meister, mit einer Menge innerer und äußerer Regeln. Auch betrachteten sie ihre Arbeit als
eine 'göttliche Kunst'.« (Jürg von Ins, Zur Frage nach den Quellen der freimaurerischen Symbolik,
1974)

Die Steinmetzen waren in der Regel nicht lokal, sondern überregional organisiert und
entwickelten bald ein internationales, kosmopolitisches Bewusstsein. Steinbauwerke waren
selten, und die Auftraggeber waren vielfach die höchsten kirchlichen und weltlichen Autoritäten.
War ein Bauwerk beendet, so musste der Steinmetz oft weiterziehen. Er war nicht in einer lokalen
Kirche, Gemeinde oder Zunft zuhause. »Seine Heimat war die Bauhütte am Arbeitsort, die darum
von den fürstlichen Protektoren ihre überlokale Organisation und ihre Freiheiten empfing.«
(Rudolf Spitzbarth, Die Freimaurerei, ihr Herkommen und Wirken. 1968)

Dank dieser Freiheiten wurden die Bauhütten zu Zufluchtsorten für Verfolgte, Verfemte und
Freidenker aller Art. (Spitzbarth) Diese zugelassenen Nicht Steinmetzen wurden 'angenommene'
Maurer genannt. Mit der Zeit trat die bauhandwerkliche Tradition in den Hintergrund, und es
wurden vermehrt esoterische, philosophische, sittliche und gesellschaftliche Traditionen gepflegt.

1717 gründeten vier Bauhütten in London die erste Grossloge. Dieses Jahr gilt als das
Gründungsjahr der Freimaurerei im heutigen Sinn. Die 1717 gegründete Freimaurerei hat mit
dem ursprünglichen Bauhandwerk, das als 'operative Maurerei' bezeichnet wird, nichts mehr zu
tun. Es geht nicht mehr um den Bau von Steinbauwerken, sondern um den Bau am 'Tempel der
Humanität'. Die heutige Freimaurerei wird gegenüber der 'operativen Mauerei' als 'spekulative
Maurerei' bezeichnet. (A. Oslo, S. 55).

Von der Bauhüttentradition sind aber verschiedene Elemente übernommen: der Name
'Freimaurer', 'Freimaurerei', die Bezeichnung Loge (lodge) für die Arbeitsstätte, die Einteilung der
ersten drei Grade in Lehrling, Geselle und Meister sowie »eine an Steinmetzen und
Bauhandwerk anknüpfende Deutung der Stellung des arbeitenden Menschen im christlichen
Kosmos und ein daraus abgeleiteter Sittenkodex«. (Spitzbarth) Dazu kommen verschiedene
Symbole wie: Winkelmass, Wasserwaage, Zirkel, Senkblei, Maßstab, Reißbrett, Schurz, rauher
Stein u.a.m. In der Johannismaurerei (Grade 1 3) sowie in der 'jüdisch architektonischen Etappe'
der schottischen Hochgradmaurerei (Grade 1 14) lehnen sich zudem die Arbeiten und die
symbolischen Handlungen an die Bauhüttentradition an. Nach Lerich (Konrad Lerich, Der Tempel
der Freimaurer. Der 1. Bis 33. Grad. Vom Suchenden zum Wissenden, Bern, 1937) «erreichen
Bausymbolik und Bausage der Freimaurerei im 13. Grad ihren esoterischen Höhepunkt«. (S.
dazu Kapitel 3)

1.2. Verehrung menschlichen Schaffens aller Zeiten und Völker

1.2. 1. Diesseitigkeit

»Die wahren Taten der Freimäurer sind so groß, so weit aussehend, dass ganze Jahrhunderte
vergehen können, ehe man sagen kann: das haben sie getan! Gleichwohl haben sie alles Gute
getan, was noch in der Welt ist, merke wohl: in der Welt! Und fahren fort, an all dem Guten zu
arbeiten, was noch in der Welt werden wird, merke wohl, in der Welt.« (Aus: G. E. Lessing,
Ernst und Falk, Gespräche für Freimäurer.)

Dass die Freimaurerei hauptsächlich diesseitig orientiert ist, geht auch aus den Aussagen vieler
anderer FM hervor.

So schreibt zum Beispiel Seydel (Rudolf Seydel, Katholicismus und Freimaurerei, Leipzig, 1862),
das höchste Ideal sei die 'Darstellung des Reiches Gottes auf Erden', und auch ImHof meint: «Es
geht um das 'Reich Gottes auf Erden'.»

Bei Lagutt (Jan K. Lagutt, Der Grundstein der Freimaurerei, Erkenntnis und Verkennung, Zürich,
1958) lesen wir: »Wollen die Religionen den Menschen vor allem auf das Leben nach dem Tod
vorbereiten, so die Maurerei in erster Linie für das Erdenleben... Ist das Streben der Religionen
himmelwärts gerichtet, so dasjenige der Maurerei erdenwärts ... Das Wahre, Gute und Schöne ist
der Erde und des Menschen wegen zu tun.«

Die Freimaurerei ist nach Valmy (Marcel Valmy, Die Freimaurer. Arbeit am Rauhen Stein. Mit
Hammer, Zirkel und Winkelmass. München, 1988) durch die Glaubensform des Deismus
beeinflusst, «auch Freidenkertum oder Vernunftreligion genannt, die eine Anleitung zum sittlichen
Leben im Diesseits, nicht zum Übergang in die Transzendenz, sein will.»

Bei diesem Diesseits handelt es sich um die ganze dem Menschen zugängliche und
wahrnehmbare Welt, um das ganze Universum. Es interessieren nicht nur die Vorgänge auf
dieser Erde, sondern auch die 'Gesetzmässigkeiten des Universums'. (Oslo). »Der Ort
freimaurerischer Arbeit ist die Loge. Sie hat die Form eines 'länglichen Vierecks' und ist als
Sinnbild des Weltalls, als Wohnstätte der ganzen Menschheit gedacht.« (Heinz Günter Deiters,
Die Freimaurer. Geheimnis und Enthüllung, München, 1963). Im Tempel ist symbolisch
dargestellt, woran sich der diesseitige Mensch orientiert: die Himmelsrichtungen Nord, Süd, Ost
und West; Sonne, Mond und Sterne; der andere Mensch. Die Zeitrechnung der alten Maurer
begann nach Oslo mit Adam, mit dem Beginn der Welt: Der Anfang der Welt war demnach
unweigerlich auch der Beginn der Maurerei. Deshalb datierten sie statt 'im Jahre der Welt' (anno
mundi) einfach 'im Jahre der Maurerei' (anno maconii), und beide trugen die Abkürzung AM.»

1.2.2. Taten statt Worte

»Geschrieben steht: 'Im Anfang war das Wort!' Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort? Ich
kann das Wort so hoch unmöglich schätzen, Ich muss es anders übersetzen, Wenn ich vom
Geiste recht erleuchtet bin. ... Mir hilft der Geist! auf einmal seh ich Rat, Und schreibe getrost: Im
Anfang war die Tat! (Aus: J.W. von Goethe, Faust, 1225 -1238)

Die Freimaurer bedienten sich nach Schiffmann Symbolen aus dem Bereich des Handwerks, um
deutlich zu machen, »dass nicht theoretische Untersuchung, sondern praktische Tätigkeit der
eigentliche Zweck des neu gestifteten Bundes war.«

Das Reich Gottes soll durch die menschliche Tat auf Erden verwirklicht werden. »Arbeit ist
Gottesdienst, weil in ihr und durch sie die höheren Lebenswerte zur Verwirklichung kommen«
(Schenkel, 1926). In den Logen der Freimaurer wird 'gearbeitet' . »Alle Feiern werden 'Arbeit'
genannt, und zwar je nach den Graden am rauhen Stein, am kubischen Stein, am Reißbrett.» (S.
66)

Die Freimaurer nehmen an einem 'Kultus der Arbeits- und Berufsethik' teil. (S. 67) »Dem
Theologisch Dogmatischen kommt von Anfang an kein Gewicht zu, sondern alles ist ethisch
praktisch gemeint. Es ist aber nicht nur die Tätigkeit als solche, weiche gefeiert wird, sondern
dass sie mit Weisheit, in Schönheit, durch Kraft geschieht. Der Wert der Arbeit ist unabhängig
vom Erfolg« (S. 67). »Die ganze Arbeitssymbolik erhält ihre Krönung in dem Gedanken der
Pflicht. 'Tue deine Pflicht!' ist der ernste männliche Klang, der durch das Ritual der Johannis
Maurerei hindurchklingt« (S. 69) Der Arbeitsgedanke findet seine Ergänzung in dem Gedanken
der Erholung. Auch sie ist geweiht ... Auf jede Arbeit folgt eine Tafelloge mit rituellen Formen oder
wenigstens ein geselliges Beisammensein.« (S. 69) In der Freimaurerei geht es also um eine
Betonung der Aktivität gegenüber der Passivität. »Die Erlösung wird nicht im Mystischen gesucht,
sondern in der tapferen Bejahung des Schicksals und in der Betätigung des freien Willens (S. 85)
Oft wird das Reden, das 'bloße' Aussprechen von Worten nicht als Tat betrachtet und dem 'Tun'
gegenübergestellt: »Das Tun ist viel mehr wert als das bloße Diskutieren« (Ernst Moser, Die
Freimaurerei und die Satzungen der Vereinten Nationen, in: Alpina Nr. 5/1964).

Wir werden sehen, dass zwischen Freimaurerei und liberalem Protestantismus eine enge geistige
Verwandtschaft besteht und dass zwischen beiden enge Beziehungen bestanden haben und
bestehen. Vielleicht müsste Max Webers berühmtes Werk ’die protestantische Ethik und der
Geist des Kapitalismus' ergänzt oder vertieft werden durch eine Untersuchung über die
Bedeutung der freimaurerischen Arbeits und Berufsethik für die Wirtschaftswelt der neusten Zeit.

1.2.3. Ein Herz für Kain

Aus der Parteinahme für die Tat und die Tatmenschen ergibt sich auch eine Parteinahme für Kain
und seine Nachkommenschaft. Die Hiramslegende, die in der Freimaurerei eine außerordentlich
grosse Rolle spielt, »schildert die Kains Kinder als den vorwärtsstürmenden, erfindungsreichen,
schöpferischen Menschentypus, während Abel jenen Typus darstellt, der sich mit dem natürlich
Gewordenen, dem 'Gott Gegebenen' zufrieden gibt (Lagutt). Hiram Abif, der legendäre Architekt
und Baumeister des Salomonischen Tempels, wird als Nachkomme Kains betrachtet. »Der
Tradition nach gilt Hiram als Kainit.« (Ebd. S. 45) »Hiram errichtete den wunderbaren Tempel
Salomonis, er schuf den herrlich goldenen Königsthron und führte viele prachtvolle Werke und
Bauten auf.» (S. 52) Aus der Sicht dieser Legende erscheint es ungerecht und willkürlich zu sein,
dass der Gott der Bibel das Opfer Abels annahm und ausgerechnet dasjenige des Kain ablehnte.
»Und Kain erschlug Abel. Doch nun verfolgte Adonai die Söhne Kains und machte sie den
Kindern Abels untertan. Das Geschlecht Kains aber war schöpferisch und erfand die
Wissenschaften und Künste.» (S. 51 ff.)

«Enoch, ein Sohn Kains, lehrte die Menschen die Kunst, Steine zu behauen, Häuser zu bauen
und in Gemeinschaften zu leben. Enochs Sohn Irad und sein Enkel Mehujahel errichteten
Dämme und machten Zedernstämme zu Balken, Methusael, ein anderer Sprosse Kains, ersann
die heiligen Buchstaben, die Tau Bücher und das sinnbildliche T (Tau), an dem die vom Feuer
stammenden Arbeiter sich erkannten. Lamech, dessen Weissagungen den Profanen
verschlossen sind, hatte vier Kinder: Jabal, der als erster Felle zu gerben verstand, Jubal, den
Erfinder der Harfe, Naamah, die Mutter der Spinnerei und Weberei, und Tubalkain, der den
ersten Schmelzofen baute. Tubalkain trieb auch tiefe Schächte in die Berge, um sein Geschlecht
vor der kommenden Flut zu schützen. Allein nur er und sein Sohn entgingen den Wassern.« (S.
51f.) Nach der Hiramslegende soll Hiram, nachdem er von drei seiner Gesellen erschlagen
worden war, von Tubalkain »in den Mittelpunkt der Erde, in die Seele der Welt, ins Reich des
großen Kain« (S. 54) geführt worden sein. Dort »sah Hiram seinen Urvater Kain... Und Kain
erzählte seine Leiden, die Jehovas Grausamkeit über ihn verhängte.« S. 55) »Und Tubalkain
übergab ihm den Hammer, mit dem er selbst so Großes geschaffen hatte und sprach: 'Diesen
Hammer nimm!' Die Feuergeister werden dir helfen, das Werk zu beenden.« (S. 55)

Es ist wohl selbstverständlich, »dass eine Legende nie als Darstellung geschichtlicher Vorgänge
betrachtet werden darf» (S. 57), doch sollten diese Ausschnitte, die den meisten Freimaurern
möglicherweise unbekannt sind, deutlich machen, für wen hier Partei ergriffen wird: für Kain und
seine Nachkommenschaft. »Gewisse Namen aus dem Geschlechte der Kains Söhne sind zu
Passworten geworden.« (S. 45) Die einzelnen Passworte sind im Werk von Binder, (164, 167,
203) enthalten. So lautet das Passwort der Lehrlinge und der Meister: 'Tubalkain'. Wiederum ist
wohl den meisten Freimaurern nicht bewusst, was das für ein Wort ist, und was es bedeutet
Worte sind ja scheinbar nicht so wichtig.

1.2.4. Grosse Leistungen, Werke, Persönlichkeiten

Die Verehrung menschlicher Leistungen, Werke und Persönlichkeiten in der Freimaurerei geht
nun über Kain und sein Geschlecht weit hinaus und umfasst die gesamte Menschheit, alle Völker
und Zeiten. Dabei «ist das Bauen, der Bau der sichtbare Ausdruck schöpferischen Tuns
schlechthin». (Lagutt, S.106) Solch schöpferisches Tun findet natürlich nicht nur im Baugewerbe
statt, sondern in allen Lebensbereichen des Menschen: Wirtschaft, Wissenschaft, Technik, Kunst,
Literatur. Überall braucht es Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die erworben, entwickelt
und weitergegeben werden müssen. Die menschliche Geschichte erscheint als eine Geschichte
des seine Leistungen und Werke und damit auch sich selbst stets weiter und (evolutiv) höher
entwickelnden Menschen. »Es ist nur ein Bau, der fortgeführt werden soll, der simpelste, der
größte; er erstreckt sich über alle Jahrhunderte und Nationen. Wie physisch, so ist auch
moralisch und politisch die Menschheit in ewigem Fortgang und Streben.« (J.G.v. Herder zitiert in
J. N. J. Schmidt, Wurzeln der Freimaurerischen Gemeinschaft, Zürich, 1961) Für Herder ist die
Freimaurerei ein 'Areopag des Verdienstes, der Sitten und der Talente'. (Imhof, S. 294)

In der seit 1723 geltenden Konstitution der Freimaurerei, die von James Anderson, einem
Prediger der Kirche der schottischen Presbyterianer in London, verfasst wurde, ist eine
Weltgeschichte menschlichen Schaffens enthalten. Sie wird zwar oft als 'geschichtlich wertlos'
betrachtet (Schenkel, 1926, Lagutt, 1958) und selten abgedruckt. Im Anhang des Buches von
Oslo (1988, 366ff.) ist dieser 'geschichtliche Teil' allerdings enthalten. Uns scheint dieser Teil der
Anderson'schen Verfassung wichtig zu sein, nicht weil darin eine wirkliche Geschichte, sondern
eine 'Möchtegern-Geschichte', eine Geisteshaltung, zum Ausdruck kommt. Immerhin besteht
«das Gemeinsame der Freimaurer in aller Welt ... darin, dass sie sich an die sogenannten 'Alten
Pflichten' von 1723 (Andersonsche Konstitution) halten.« (Von Ins, S.29)

In Andersons 'Geschichte' der menschlichen Künste von Adam bis zur damaligen Zeit erscheinen
die erwähnten 'Grossen' der Vergangenheit als 'Großmeister' und 'Großbeamte'. Neben Kain und
seiner Nachkommenschaft Abel wird hier nicht erwähnt kommen auch die Erbauer des
babylonischen Tempels zu Ehren, denn trotz ihrer 'Eitelkeit' werde 'ihre Fertigkeit in der
Maurerei ... gerühmt' (zit. in Oslo, S.366). Bewundert wird in diesem Zusammenhang auch die
'Fertigkeit der Maurer', 'ungeachtet der Verwirrung der Sprachen', 'miteinander ohne Sprechen zu
verkehren und einander von weitem zu erkennen'. (S. 367) Nach den 'herrschaftlichen Städten'
und den anderen 'großartigen Bauwerken' (Pyramiden etc.) Ägyptens wird auch 'Gross Meister
Moses' erwähnt. (S. 367f.)
Gerühmt wird nach dem 'Tempel des Dagon in Gaza der Philister' natürlich besonders der
Tempel Salomos und sein Architekt und 'Meister des Baus' Hiram Abif. Schließlich werden in
dieser Geschichte menschlichen Schaffens unter anderem erwähnt: der 'Gross Meister Maurer'
Nebukadnezar, die 'Künste und Wissenschaften mit den bedeutendsten Gelehrten und
Handwerkern' in Griechenland und Rom, die Entwicklung der 'königlichen Kunst' im Abendland,
besonders in England und in Schottland. (Der Name Jesus Christus fehlt in dieser 'Geschichte
der Grossen'.)

1.2.5. Vergleich

Ein kurzer Vergleich zeigt an dieser Stelle bereits deutlich, dass die Weltanschauung der
Freimaurerei sich wesentlich von derjenigen unterscheidet, die uns in der Bibel bezeugt ist: Das
Reich Jesu ist nicht von dieser Welt. Die diesseitige Welt ist nicht bedeutungslos, hat aber nur
eine begrenzte, relative Bedeutung. Selbst das tausendjährige Reich ist vergänglich. Wichtig und
ursprünglich ist eine unsichtbare, dem Menschen unzugängliche Welt, aus der alles Diesseitige,
Irdische entstanden ist, und aus der alles seinen Sinn und Wert erhält. Ebenso ist auch in der
Freimaurerei die jenseitige Welt nicht bedeutungslos, sie wird nun aber ihrerseits relativiert:
Selbstverständlich darf jeder Freimaurer an ein Jenseits glauben, doch dieser Glaube ist
subjektiv dem Belieben des einzelnen unterstellt und darf in der Loge keine absolute Geltung
beanspruchen. Der Unterschied liegt also in der Priorität, in der Vorrangigkeit: absolutes Jenseits
und relatives Diesseits in der Bibel, relatives Jenseits und absolutes Diesseits in der
Freimaurerei.

Das Gleiche gilt für die Gegenüberstellung von Taten und Worten. Das Wort hat in der Bibel eine
absolute Bedeutung, und was 'geschrieben steht' dient selbst Jesus als höchste Autorität, der
sich sein Widersacher beugen muss. »Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte
werden nicht vergehen«, spricht Jesus. (Mt. 24,35) Die menschlichen Taten kommen in der Bibel
auch vor, haben aber eine untergeordnete Bedeutung. In der Freimaurerei ist auch dieses
'Herrschaftsverhältnis' umgekehrt: Taten haben absolute Bedeutung, Worte relative Bedeutung.
Auch Freimaurer sprechen und verwenden Worte. Die höchsten Einsichten sind für sie aber nicht
mit Worten kommunizierbar. Wichtiger ist ihnen, dass »sie einander kennen und lieben, sogar
ohne das Hilfsmittel der Sprache oder in unterschiedlichen Sprachen«. (Anderson zitiert in Oslo,
1988, S.378) Die biblische Heilsgeschichte ist mit dem Namen Abel verbunden, Kain hat eine
'undankbare' Nebenrolle. In den freimaurerischen Legenden wird Kain sozusagen rehabilitiert und
Abel in den Hintergrund gedrängt. Die Bibel segnet nicht alle menschlichen Leistungen, Werke
und Personen. Wichtig, vorrangig ist das Gottvertrauen, die Gottesbeziehung, aufgrund der der
Mensch opfert, arbeitet und aufbaut. Für diese Gottesbeziehung trägt auch der Mensch einen Teil
der Verantwortung: Er muss zum biblischen Gott und zu seinem Sohn ja sagen. Wer den
biblischen Gott verneint, wer undankbar und selbstgerecht Gottes Gaben zu eigenen,
menschlichen Leistungen erklärt, dem wird der Segen entzogen.' Die Freimaurerei hingegen will
alle Menschen, unabhängig von ihrer Gottesbeziehung 'gerecht' sein lassen. Der Wert des
einzelnen hängt von seinem Beitrag für die Menschheit ab. Statt um Gnadenannahme und
Gottvertrauen geht es um »eine Schule des Wettlaufs zur Erreichung des schönsten Kranzes der
Humanität und Menschenwürde.« (Böni 1944, 290) Das Wichtigste: Die Subjekte und Objekte der
freimaurerischen Verehrung sind vergänglich, tot. Bei Jesus Christus hingegen können wir
annehmen, dass er ewig lebt.

1.3. Mönchtum und Ritterorden

Die Beziehungen zwischen Mönchtum und Ritterorden einerseits sowie Freimaurerei


andererseits sind ausführlich in Oslo (FM 1988) dargestellt. Die Freimaurerei wird selbst vielfach
als Orden bezeichnet sowie als geistige Nachfolgerin und Erbin alten Priester und Mönchtums
betrachtet. Dabei scheinen mir die folgenden Parallelen am wichtigsten zu sein: die Bewahrung
und Pflege von Wissen und Können, das Streben nach persönlicher Vervollkommnung, das
Anliegen, Zufluchtsort für Verfolgte und Verfemte zu sein. Eine besondere Rolle spielt in der
Freimaurerei der Templerorden. Die Templer gelten als vorbildliche, erste Verfechter des
Toleranzgedankens.

1.3.1. Bewahrung und Pflege von Wissen und Können

»Die ausführliche Darstellung der Entwicklung des Klosterwesens und des Templerordens zeigt
eindeutig, wo das Wissen gepflegt und gehütet wurde, wo die Beschäftigung mit den
Hermetischen und Freien Künsten und der Königlichen Kunst möglich gewesen war. Die
Anziehungskraft der Klöster und Ritterorden auf den Adel und den Klerus lag nicht im Gebet,
noch im Handwerk, sondern im Wissen begründet. Und um zu diesem Wissen zu gelangen,
musste man sich Probezeit und Prüfungen unterziehen. All dem begegnen wir später in der
Freimaurerei wieder.» (Oslo, 1988, 51) »Dieses Wissen teilte sich in drei Hauptgruppen:

1. die Hermetischen Künste: die okkulten Weisheiten Gottes aus Religion, Astrologie, Magie,
Zaubertrank bzw. Heilkunde, Mystik, Esoterik, Alchimie das Wesen aller Mysterien;

2. die Freien Künste: Schreibkunst, Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Verskunst, Geometrie,


Arithmetik, Astronomie, Harmonie;

3. die Königliche Kunst: nicht das Handwerk des Bauwesens, vielmehr Planentwurf, Architektur,
Statik, Materiallehre, Harmoniegesetze und Bauleitung - kurz: die Baukunst.« (Ebd. S. 99)

Nach Oslo wurde dieses Wissen in der Menschheitsgeschichte früher hauptsächlich von den
Priestern bewahrt und gepflegt: «Priester schrieben die Chronik ihrer Zeit, trieben Studien in der
Philosophie und Theologie, machten Experimente in der Alchimie und Naturwissenschaft,
ergänzten die Kenntnis der Heilkunde und der heilenden Kraft der Kräuter, operierten Kranke und
balsamierten Mumien ein, entwickelten das Handwerk, brauten Bier, kelterten Wein und pflegten
die Freien Künste einschließlich der Baukunst.« (S. 14)

1.3.2. Streben nach persönlicher Vervollkommnung

In den Klöstern ging es nach Oslo immer auch um die 'innere Vervollkommnung des Mönches'.
»Die Meditation in der Einsamkeit der Zelle förderte das Entstehen eines esoterischen
Christentums, das sich im Laufe der Jahrhunderte in eigenartigen Aufnahmeritualen
manifestierte, die an die Denkformen frühchristlicher Gnostiker erinnern. Eine Symbolik
besonderer Art beeinflusste die Gedankenwelt des Ordens. Ziel aller Bestrebungen des Mönches
sollte die Erlangung der persönlichen Vervollkommnung sein.« (S. 24) Die Freimaurerei will diese
Tradition fortsetzen. Sie bietet sich als ein «Mittel zur 'inneren Ganzwerdung'» an. (Von Ins, S.
29).

1.3.3. Zufluchtorte für Verfolgte und Verfemte

Wie die Bauhütten so waren nach Oslo auch die Klöster früher vielfach Zufluchtsorte für Verfolgte
und Verfemte. Also ergibt sich auch aus diesem Gesichtspunkt eine gewisse Verwandtschaft und
eine Tradition, die die Freimaurerei weiterzupflegen bemüht ist. (Oslo,1988, 16ff.)

1.3.4. Die Templer als Verfechter des Toleranzgedankens

Die Templer werden von Oslo als Verfechter, wenn nicht gar als Begründer des für die
Freimaurerei zentralen Toleranzgedankens angesehen: «Das wirklich neue an diesem
Ritterorden war jedoch die Toleranz. Die Ritter waren verschiedener Nationalität und mussten im
Heiligen Land zusammenstehen und zusammen kämpfen, was zur Verwischung der nationalen
Eigenarten führen musste. Die Kleriker des Ordens studierten den Feind und dessen Kultur und
Sprache, fungierten als Dolmetscher bei den zahlreichen Verhandlungen... Von daher rührt der
Respekt der Templer gegenüber den Errungenschaften ihrer Feinde.« (Oslo, 1988, S.45)
Oslo sieht eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Templern und Freimaurern in der besonderen
Initiation sowie in der Verwendung von Symbolen: «Der höchste Rang, der innere Kreis der
Templer, war der geistliche Ritter.

Dieser wurde durch besondere Initiation (Einweihung) in den Kreis berufen. Jetzt war er würdig,
sich in den Geheimzeichen der Kabbala auszukennen... Die Mitglieder dieses Kreises
verständigten sich untereinander in bildhaften Symbolen, durch phonetische Wortspielereien und
musikalische Harmonien.« (Ebd. 100)

1.3.5. Die Templer und der 'Rachegrad'

»Die Geschichte der Tempelherren, des Tempelordens (1118 bis 1314) hatte im 18. Jahrhundert
auf eine Reihe freimaurerischer Lehrarten starken Einfluss, obwohl auch zwischen Freimaurerei
und Templertum kein direkter historischer Zusammenhang nachweisbar ist.» (Lerich, 1937, 41)
Gross ist dieser Einfluss hauptsächlich in dem heute am weitesten verbreiteten schottischen
Hochgradsystem.« An die Stelle Hiram Abifs, des Erbauers des salomonischen Tempels, dessen
Ermordung in der Johannisfreimaurerei als rituelle Legende eine grosse Rolle spielt, tritt in den
Areopagen, in den Werkstätten vom 19. bis zum 30. Grad, der letzte Templergroßmeister Jakob
de Molay, der auf Befehl König Philipps des Schönen von Frankreich und Papst Clemens' V. am
3. März 1314 am Scheiterhaufen den Tod fand... Die Hinrichtung des Molays findet in der
Kulthandlung des 30. Grades, im Initiationsritus, eine realistische Darstellung. Der Lehrgehalt des
Ritter Kadosch Grades symbolisiert den Untergang des Templertums durch die geistliche und
weltliche Gewalt, an deren Stelle der Sieg der Gewissensfreiheit gesetzt wird.» (Ebd. S. 41) Im
30. Grad, der auch 'Rachegrad' genannt wird (siehe Kapitel 3), rächt sich also die
Gewissensfreiheit, der Gedanke der Toleranz gewissermassen symbolisch an den dogmatischen
kirchlichen und intoleranten weltlichen Autoritäten. (S. a. Kapitel 3)

Die freimaurerische Jugendorganisation trägt den Namen des letzten Großmeisters der Templer,
den wir auch als 'freimaurerischen Märtyrer' bezeichnen können. Der 'De Molay Orden' ist »den
Vierzehn bis Einundzwanzigjährigen vorbehalten«. »Die Aufgabe des Ordens ist die
Heranbildung einer zukünftigen Elite der Freimaurerei.» (Mellor,1985, 91)

1.3.6. Vergleich

Ein kurzer Vergleich zeigt wiederum wesentliche Unterschiede zur Lehre Christi. Während die
Freimaurer jede Art von Wissen bewahren und pflegen wollen, unterscheidet die Bibel zwischen
Wissen, das von oben und Wissen, das von unten inspiriert ist. Gerade die Öffnung des
Menschen für das 'Wissen von unten' hat zur Trennung von Gott geführt. Die 'hermetischen'
Künste sind höchst gefährlich und dem biblischen Gott ein Greuel. In der Heiligung soll ein Christ
lernen, sich davon zu distanzieren, bewusst und entschieden 'nein danke' zu diesem
Erkenntnisangebot zu sagen. Aus bib¬lischer Sicht kann zudem der Mensch niemals aus eigener
Anstrengung Vollkommenheit erreichen. Er ist stets auf die Gnade Gottes angewiesen und
erreicht Vollkommenheit niemals allein, sondern erst in der Gemeinschaft Christi und seiner
Gemeinde. Christus gleicht unsere Schwächen aus, und unsere relativen Stärken werden erst
durch die Kommunikation und Kooperation fruchtbringend. Das Heilswissen Christi wird nicht
gehütet und selektiv weitergegeben, sondern soll möglichst in aller Öffentlichkeit aller Welt
verkündigt, vervielfältigt werden. Christen sollten sich zudem natürlich der Rache enthalten. Sie
steht allein Gott zu.

1.4. Geheimgesellschaften und Mysterienbünde

»Die Freimaurerei versteht sich als geistiges Erbe der antiken Mysterientdünde.» (Valmy, S. 19)
«Aus Brauchtum und Werklehren der Freimaurerei geht ... mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit
hervor, dass diese ihre Hauptimpulse aus den Mysterienschulen vor allem ägyptischer und
griechischer Prägung bezog.« (Von Ins, S. 29) »Der Freimaurerbund ist der einzige echte
Mysterienbund, der in der Gegenwart noch lebendig ist.« (Schenkel, S. 65) Ebenso äussert sich
Spitzbarth und er meint, dass es gerade diese Komponente der Freimaurerei sei, «der wir ihre
Anziehungskraft zuschreiben dürfen». Nach Schenkel versucht die Freimaurerei, einen
humanistischen Inhalt mit Formen der alten Mysterien zu vermitteln: «Das Eigentümlichste an
diesem Bund ist, dass er in seinen Formen ein Mysterienbund ist, seinem Inhalt nach aber ein
reiner Humanitätsbund.« (Ebd. S. 63) Welches sind die wesentlichen Merkmale der von den
antiken Mysterien übernommenen Formen? »Die Bestandteile dieser Mysterienform sind neben
dem Geheimnis des Bundes der Initiationsritus, die Wanderungen, die mit den vier alten
Elementen der Erde, des Wassers, des Feuers und der Luft in Berührung bringen und durch
Furcht und Hoffnung zum Licht führen, die stufenweise Erleuchtung, die teilweise Entkleidung
und kultische Bekleidung, die Reinheit, der Spiegel. die Bruderschaft, das kultische Mahl, Tod
und Auferstehung. Ich führe ,iier nur diejenigen Punkte an, die so gut wie in allen Logen der Welt
vorhanden sind. Sie könnten ergänzt werden durch weitere zahlreiche Einzelheiten aus
verschiedenen Systemen der Vergangenheit und der Gegenwart.« (Ebd. S.71f.) Im folgenden
sollen die wichtigsten Bestandteile kurz beleuchtet werden.

1.4.1. Geheimhaltung und Abgeschlossenheit

Wir haben gesehen, dass die Freimaurerei sich heute nicht mehr als eine ,geheime' sondern nur
noch als eine 'geschlossene' Gesellschaft versteht. (Valmy) Dennoch spielt die Geheimhaltung
eine wichtige Rolle, und Geheimgesellschaften verschiedenster Art haben die Freimaurerei
be¬einflusst, am meisten wohl die Rosenkreuzer. Zudem mag der Erfolg der Freimaurerei dazu
beigetragen haben, dass gegen Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts
Geheimgesellschaften in Europa Mode wurden. Im folgenden soll auf den Aspekt der
Geheimgesellschaften nicht näher eingegangen werden, denn in ihnen verschwimmen die
Grenzen zwischen Ernst und Spiel, zwischen Wirklichkeit und Täuschung, Verkleidung,
Schwindel. Im Werk von Kaltenbrunner sind verschiedene Beiträge zur Geschichte der
(wirklichen und erdichteten) Geheimgesellschaften enthalten. Es enthält zudem eine
»Zusammenstellung einer Bibliographie über Geheimbünde».

»Das charakteristische Kennzeichen des Mysterienkultes ist das Geheimnis, in das derselbe
gehüllt ist... Es ist gerade das kultische Element, dem der Charakter des Geheimen eignet.»
(Schenkel) «Nicht der Inhalt, sondern die Symbole und rituellen Formen seiner Darstellung sind
geheim. Gerade das ist typisch für die Mysterienform.« (Ebd. 74) »Der Verschwiegenheit
unterliegen die Erkennungszeichen, das Ritual der einzelnen Grade und bis zu einem gewissen
Grad die Namen der Mitglieder.» (Ebd. 73) Die Geheimhaltung gilt nicht nur gegen aussen,
sondern auch gegen innen: Die unteren Grade sollen (noch) nicht wissen, was die oberen tun:
»Diese Verschwiegenheit wird auch innerhalb des Bundes selbst geübt, insofern es verboten ist,
Erkennungszeichen und Ritual höherer Grade den Brüdern niederer Grade mitzuteilen.» (Ebd.
76) »Die Geheimhaltung gibt dem Bunde auch das Gefühl einer viel stärkeren Gemeinschaft und
brüderlichen Verbundenheit.« (Ebd. 74) Wir haben gesehen, dass heute viele Informationen über
Symbole, Rituale, Erkennungszeichen usw. der Freimaurerei in Wort und Bild öffentlich
zugänglich sind. Damit ist aber das 'Geheimnis' nach freimaurerischer Auffassung noch gar nicht
gelüftet. Denn es sei gar nicht in Worten mitteilbar, sondern müsse von jedem persönlich erlebt
werden. Der Zugang zu diesen freimaurerischen Erlebnissen untersteht nun allerdings strenger
menschlicher Kontrolle. Schenkel spricht von einer 'strengen Auswahl der Mitglieder'. «Die
Freimaurerei wollte nie Massenbewegung sein.« (Ebd.75) Zudem finden die Veranstaltungen
hinter verschlossenen Türen statt, und die Zutrittsberechtigung wird für jeden Grad überwacht.
Das wird unter anderem damit begründet, «dass der Kultus, soll er wirklich ein höchstes Mass
von Wirkung erzielen, der Abgeschlossenheit bedarf.« (Ebd. 75)

1.4.2. Kultische Handlungen, Riten und Symbole

Die Freimaurerei will die scheinbar allgemein menschliche'Sehnsucht nach einem echten Kult'
befriedigen. (Lagutt FM 1958, 132) «Es liegt im Wesen des Kultischen begründet, dass es den
Menschen tiefer und stärker erfasst als beispielsweise das belehrende Wort... Der Kultus wendet
sich in erster Linie nicht an das intellektuelle Verständnis, sondern an die Gemütskräfte... Es liegt
im Wesen des Kultischen, dass es bindet.» (Ebd. 131) »Man darf nicht vergessen, dass in längst
abgeklungenen Zeiten Riten und Kulte das Mittel bildeten, die Menschen zu führen.» (Ebd. 132)

Der Zweck von Kulten liegt nach Schenkel in der 'Menschwerdung' und in der 'Gemeinschaft'.
Auch er betont besonders das Gemeinschaftsfördernde: «Der Kultus ist von ganz ungeheurer
Bedeutung für den Bestand menschlicher Kultur. Er ist das stärkste Gemeinschaftsband,
fesselnder und umfassender als das Band gemeinsamen Blutes, gleicher Sprache, gleicher
Wirtschaftsinteressen. Kultverbände überdauern nicht nur Jahrhunderte, sondern Jahrtausende.»
Schenkel meint, dass es ohne Kult nicht gehe: »Auch der Mensch der Gegenwart braucht einen
Kultus.» 'Alles kultische Handeln' ist nach Schenkel 'Erleben und Handeln in Symbolen'. (S. 59)
Das Wort wird also durch die Tat einerseits und durch das Erlebnis andererseits relativiert;
Erlebnisse, Gefühle sind vorrangig, Worte sind zweitrangig.

Der freimaurerische Kult unterscheidet sich nicht nach der Form, wohl aber nach seinem Inhalt
wesentlich von den antiken Mysterienkulten. »Die Mitglieder der antiken Mysterienbünde denken
sich die Wirkung ihres Ritus mystisch vermittelt und magisch.« (Ebd. 81) »Die antiken Mysterien
wollten Offenbarung, Erlösung und Unsterblichkeit vermitteln. Sie versprachen die Erkenntnis
höherer Weiten, wie heute die Theosophie. Dem gegenüber will die Loge bei ihren Mitgliedern
ethische Erkenntnis fördern.«, (Ebd. 80) Wir werden sehen, dass sich aber auch manche
Freimaurer von ihren Kulten 'höhere Erkenntnis' erhoffen. Der Inhalt des kultischen Handelns
sowie des ethischen Strebens der Freimaurer ist wesentlich durch den Humanismus, aber auch
durch jüdisch christliche Tradition und Aufklärung geprägt.

Symbolische Handlungen (Riten) und Zeichen (Symbole im engeren Sinn) dienen im


freimaurerischen Kultus, wie auch in den Mysterienkulten dazu, die gewünschte Erkenntnis zu
vermitteln. »Seit altersher haben sich die Völker... der Rituale und Symbole bedient, um geistige
Erkenntnisse erfahrbar zu machen, die durch das blosse Wort nicht vermittelt werden können«
(Valmy). Die Quellen der freimaurerischen Symbolik liegen nun nicht nur in der
Bauhüttentradition, sondern sie verwenden auch andere, uralte Symbole. Sie beschäftigen sich
mit Studien zum Thema Symbolik und betreiben 'vergleichenden Symbolismus' (Mellor Wiss.
1985, 307, siehe auch von Ins, FM 1984, 78ff. 'zur Frage nach den Quellen der freimaurerischen
Symbolik'; Endres FM 1977) Kurz zusammengefasst schätzen die Freimaurer die Symbole aus
den folgenden Gründen: Symbole dienen der Vermittlung von Erkenntnissen, von 'Realitäten'
(Valmy FM 1988, 12, Lagutt FM 1958, 139).

- Symbole sind undogmatisch, antidogmatisch und lassen eine 'freie', individuelle Interpretation
zu. (Valmy, S. 15, Schenkel, S.78)

- Symbole sind vielfältig, vielseitig verwendbar und anschaulich. (Zendralli, S.13)

- Symbole sind dauerhaft, unveränderlich, wiederholbar und reproduzierbar. (Imhof)

- Symbole ermöglichen es, die Wirklichkeit so 'ambivalent' darzustellen, wie sie nach
freimaurerischer Auffassung ist (Deiters, 140).

- Symbole erlauben es, die gegenseitige Durchdringung und die Ver¬einigung von Gegensätzen
aufzuzeigen. (Von Ins FM 1984, 78ff.) Kultus, Riten und Symbole ersetzen also die Sprache, sie
schaffen und sind eingefügt in eine 'aussersprachliche Ordnung'. (Ebd. 82) »Schau alle
Wirkenskraft und Samen und tu nicht mehr in Worten kramen.» (Goethes Faust, 534)

1.4.3. Stufenweise Einweihung und 'höhere' Erkenntnis

Wie in den alten Mysterienbünden gibt es in der Freimaurerei Initiationsriten. Vor allem die
Aufnahme in den Freimaurerbund sowie die 'Erhebung' zum Meister sind nicht nur in ihrer Form,
sondern auch im Inhalt mit den alten Mysterien verwandt.

Die entsprechenden Rituale, die in Kapitel 3 kurz beschrieben sind, zeigen »Analogien bis in die
Einzelheiten dessen, was uns von den Mysterien bekannt ist.« (Schenkel,1926, 84, s.a.
Deiters,1963, 123ff.) In der 'Tempelarbeit' geht es vielen Freimaurern nicht nur um ethische,
sondern auch um esotorische Belehrung und Erkenntnis. Esoterik gilt als 'Kunst, die Dinge von
innen zu sehen' (Mellor,1985, S.308), und die Erkenntnisse werden nicht einfach von aussen
herangetragen, sondern müssen auch selbst 'erarbeitet' werden: »Allo esoterischen Schulen
sprechen davon, dass es höhere Bewusstseinsebenen gibt als jene zwei, die wir im
gewöhnlichen Sprachgebrauch Schlaf und Wachsein nennen. Die mögliche Bekanntschaft mit
höheren Stufen des Bewusstseins ist es, was wir Freimaurer Streben nach Vervollkommnung
und Lichtsuche nennen. Licht, Tag, Sonne, Gold usw. sind in der Esoterik Symbole für ein
mögliches neues Bewusstsein. Der Dämmerzustand des natürlichen Menschen, das sogenannte
Wachsein, wird in der Regel durch den Mond dargestellt. So auch im Freimaurertempel. Was da
im Osten über dem Meister vom Stuhl aufleuchtet, das Nachtgestirn des Mondes und die golden
strahlende Sonne, sind in Wahrheit eine Offenbarung von erschütternder Grösse. Der Mensch,
dargestellt durch den Meister vom Stuhl, kann aus dem Schlaf (Mond) erwachen und sich
hinwenden zu neuen Bewußtseinsebenen, die in der Sonne gipfeln. Doch dies muss gehört und
wohlverstanden werden: Bewusstsein entsteht nicht automatisch wie eine Pflanze, wenn sie nur
genug Licht, Luft, Wasser und Erde hat. Zunehmendes Bewusstsein ist von organisierter,
zielgerichteter Arbeit an sich selbst abhängig.« (Hochreutener, 1981, S. 12) Freimaurer
übernehmen also von den alten Mysterien auch den Glauben an 'höhere' Erkenntnis, die
stufenweise Einweihung sowie einzelne Initiationsriten, fügen dem aber noch den Aspekt der
'Arbeit an sich selbst' hinzu.

1.4.4. Vergleich

Wiederum ergeben sich im Vergleich zur Lehre des biblischen Jesus Christus wesentliche
Unterschiede: Seine Wahrheit soll nicht geheim gehalten, sondern aller Welt verkündet werden;
seine Apostel und Jünger arbeiten und wirken nicht anonym, sondern treten trotz grösster
Verfolgung offen und mit vollem Namen auf. Nicht ein Kult ist es, der die Christen verbindet,
sondern Jesus Christus selbst. Selbst Schenkel schreibt, »dass Jesus dem Kultus nicht die
geringste Rolle beilegt». (Ebd. 58) Er ersetzt jede Art von Kultus, denn er führt seine Gemeinde
persönlich. Alle menschengemachte religiöse Anstrengung und kultische Handlung wird
überflüssig. Sein Kommunikationsmittel ist in erster Linie das Wort, nicht das Symbol. Sein Wort
versöhnt nicht die Gegensätze, sondern trennt Spreu und Weizen, Mark und Bein. Es ist nicht
vieldeutig, sondern eindeutig. Es ist nicht beliebig reproduzierbar, sondern an die Person Jesu
gebunden und ohne ihn und seinen Geist nicht verständlich. Nicht menschliche Anstrengung,
sondern der Heilige Geist weiht uns schrittweise in die biblischen Wahrheiten ein. Die Bibel warnt
uns ausdrücklich vor'höherer' Erkenntnis und vor Leuten, die vorgeben, solche zu besitzen. Er ist
das Licht, andere Leuchtkörper leuchten nur in seinem Schein, sind Irrlichter. Er lehrt uns, uns
ausschliesslich auf unsere natürlichen Sinne zu verlassen. Was an 'Übernatürlichem' mit der
Person, dem Leben und den Taten Jesu in Zusammenhang steht, ist einmalig, einzigartig und
durch keine menschlichen Praktiken reproduzierbar.

1.5. Jüdische und christliche Tradition

Im letzten Abschnitt ging es um die geistigen Wurzeln der Form, in diesem und im nächsten
Abschnitt geht es um die geistigen Wurzeln des Inhaltes der freimaurerischen 'Tempelarbeit'.

»Was das Verhältnis zur Bibel, die auf dem Altar jedes Logentempels liegt, betrifft, so ist es ein
Leichtes, nachzuweisen, dass fast alle Symbole, deren die Freimaurerei sich zur geistigen
Förderung ihrer Mitglieder bedient, ihre Parallelen in der biblischen, zumal auch in der
neutestamentlichen Überlieferung haben.« (Schenkel,150) »Bei Betrachtung der englischen
Hochgrade fällt auf, dass sie sich immer wieder an die Bibel klammern, um die Freimaurerei zu
rechtfertigen ... Die Zeremonien der Hochgrade sind durch lange Gebete und Bibelzitate
gekennzeichnet, deren Ausführlichkeit manchmal ermüdend ist. Die Freimaurerei wurde schon
in den blauen Graden mit der Geschichte des jüdischen Volkes als Hintergrunddekoration
geschmückt. In den Ergänzungsgraden wird daraus eine Symbiose.« (Mellor, 387) Im folgenden
soll wiederum derschottische Ritus etwas näher betrachtet werden, in dem die 'blaue'
Johannismaurerei enthalten ist. (S. a. Kapitel 3)

Der Schottische Ritus will mit seinen verschiedenen Erkenntnisstufen symbolisch die geistige und
kulturelle Entwicklung der Menschheit durchwandern. Seine 33 Grade, in welchen die drei Stufen
der Johannis Freimaurerei, die des Lehrlings, Gesellen und Meisters mitgezählt sind, teilt er in
drei Perioden, denen die grossen Kulturabschnitte der Menschheitsgeschichte, die jüdisch
architektonische, die religiös christliche und die freiheitlich aufgeklärte Zeit entsprechen sollen.»
(Lerich,1937, S.27)

1.5.1. Jüdische Tradition

«Die Werkstätten vom 4. bis zum 14. Grad, die sogenannten Perfektions- oder
Vervollkommnungslogen, kennzeichnen zusammen mit den drei Graden der blauen Loge die
jüdisch architektonische Periode, denn ihre Rituale wurzeln ausschliesslich in biblischen
Überlieferungen, spielen im jüdischen Milieu des Alten Testamentes, und in ihrem Mittelpunkte
stehen das Bausymbol des salomonischen Tempels und dessen Erbauer Hiram Abif.« Lerich,
1937, S. 7) Dabei ist der in der Bibel erwähnte Hiram von Tyrus (l. Kön. 7,13) nicht mit dem
freimaurerischen Hiram Abif identisch. Die Herkunft der freimaurerischen Hiram Legende ist
unbekannt. Nach Lagutt, S 46ff.) kennt die Sagenwelt der Juden die Tempellegende nicht, doch
steht sie in einem engen inneren Zusammenhang zum jüdischen Mythos, der sich um Kain rankt.
Hiram Abif soll ein Nachfahre Kains gewesen sein, und in der Legende wird, in Abweichung von
der biblischen Darstellung, Kain und seine Nachkommenschaft sozusagen rehabilitiert.

Der Legende nach soll Hiram Abif von seinen Gesellen erschlagen worden und nach einer Reise
ins Innere der Erde wieder auferweckt worden sein. Es geht hier also um eine symbolische
Darstellung von Leben, Tod und Auferstehung unabhängig von Jesus Christus. Lagutt zitiert den
deutschen Philosophen und Freimaurer Friedrich Schlegel (1772-1829): »Der erschlagene
Meister Hiram (hic Jesus est resurgens a mortuis = Hier ersteht Jesus von den Toten auf) ist aller
Wahrscheinlichkeit nach der in den alten Mysterien bekannte und verehrte Todesgott des neuen
Lebens Dionysos oder Osiris. Es ist Christus als Idee vor und außer dem Christentum.« Die
jüdische Tradition dient also nur als Hintergrunddekoration zur Darstellung eines anderen Inhalts.
Jüdisch kabbalistische Quellen haben aber nach von Ins die freimaurerische Symbolik
beeinflusst.

1.5.2. Christliche Tradition

Wir fahren fort mit den weiteren Stufen des schottischen Ritus: »Die Werkstätten des 15. bis 18.
Grades sind die Kapitel Logen, deren Rituale die christlich religiöse Periode der
Menschheitsgeschichte, die Zeit der Kreuzzüge versinnbildlichen.» (Lerich, S.32) In den 'Kapiteln'
tritt die Innenarbeit in den Hintergrund, und die Hauptaktivitäten verlagern sich auf konkrete,
hauptsächlich kulturpolitische Aktionen. (Ebd. 32f.) Der wichtigste, rituell bearbeitete Grad ist der
18., der 'Ritter vom Rosenkreuz', wobei historische Einflüsse der Rosenkreuzer nicht
nachweisbar sind. (Ebd. S. 34). In der Initiation zu diesem Grad spielen viele christliche Motive
eine Rolle, die aber umgedeutet werden. Die Buchstaben INRI erhalten «eine zweite Bedeutung,
nämlich 'Igne natura renovatur integra' (Durch das Feuer erneuert sich die Natur zur Gänze).«
(Mellor, 1985 400, s.a. Lerich obd. 35). Das 'Symbol der Aufopferung bis zum Letzten' ist ein
goldener Pelikan, «der sich mit seinem Schnabel die Brust aufreißt, um mit seinem Herzblut die
hungernden Jungen zu nähren«. (Lerich, ebd. 35) Ein Bruder legt einem anderen symbolisch ein
Kreuz auf, und schließlich wird mit einem Kelch Wein, einer Schüssel mit Brot und einer
'schwelenden Räucherpfanne' eine Art Abendmahl gefeiert. (Ebd. S. 35f.) »Das Zeichen des
Grades ist dasjenige des 'Guten Hirten' und das Kennwort ’Emmanuel'« (Mellor). »Die Ritter vom
Rosenkreuz erhalten lange, übermannshohe Stöcke, die Stäbe des 'guten Hirten'«, und am
Schluss des Rituals wird ihnen erklärt, »dass die Rosenkreuzer die guten Hirten des Volkes sein
wollen, die Kämpfer für die Freiheit der Völker und deren Versöhnung untereinander. Die
Johannisfreimaurerei schlage Brücken von Mensch zu Mensch, die Hochgradfreimaurer des 18.
Grades Brücken Volk zu Volk« (Lerich ). »Dieser Kult ist das Agape, das Liebesmahl der
Kapitelbrüder, die freimaurerische Wiedergabe des christlichen Abendmahles. In seiner
Zeremonie haben die christlich religiösen Kapitelrituale ihren Höhepunkt erreicht.« (Ebd. 36)

In Schweden besteht eine besondere, 'christlich' genannte Lehrart der Freimaurerei, in der
Christus als 'oberster Meister' verehrt wird. Sie ist innerhalb der Freimaurerei umstritten (z.B.
Schiffmann, 1883) und kann im Rahmen dieser Arbeit nicht behandelt werden. Eingehend hat
sich der dänische Kirchengeschichtsprofessor Nielsen (1882 und 1883) damit auseinander
gesetzt. Vom biblischen Christentum unterscheidet sie sich nach seiner Auffassung grundlegend.

1.5.3. Vergleich

Die Legenden und Handlungen der Johannismaurerei wie auch der schottischen
Hochgradfreimaurerei erwecken den Eindruck, als beruhten sie auf jüdisch christlichen
Traditionen, als habe ihr Inhalt etwas mit dem Geist der Bibel zu tun. Dieser Eindruck ist meines
Erachtens falsch, wenn sich auch die meisten Freimaurer selbst als 'gute Christen' bezeichnen
mögen. Mellor schreibt dazu: «Bei der Lektüre der alten Schottischen Rituale kann man sich des
Eindrucks nicht erwehren, dass eben dieser Grad voll christlicher Emotionen ist. Ohne Zweifel
haben die Ritter vom Rosenkreuz in ihrer Mehrheit ihn immer so aufgefasst, jedoch ist dieses
Christentum nicht mehr das der Kirche... Im 18. Jahrhundert wurde eine Schicht Christlichkeit
darüber gestrichen, ähnlich wie ein Bild übermalt wird« (S.399). Die echte Heilige Schrift wird hier
unentwirrbar mit einem von Menschen erfundenen Ritual verflochten und das Wort Gottes ... an
Legenden geknüpft. Es hat allerdings nicht den Anschein, dass dieser Cocktail den
anglikanischen Episkopat oder die zahllosen Geistlichen, welche das Kaplanamt der Logen
innehaben, abgeschreckt oder gar am Beitritt gehindert hat. Diese predigen sonntags das Wort
der Heiligen Schrift von der Kanzel und zelebrieren wochentags das Ritual in der Loge, indem sie
die Heilige Schrift zu Erzählungen verwandeln« (S. 388).

Gehen wir wiederum davon aus, dass der Absolutheitsanspruch von Jesus Christus, wie er in der
Bibel bezeugt wird, gerechtfertigt ist, so lässt sich folgendes sagen: In den Tempeln der
Freimaurer dienen biblische Erzählungen und christliche Geschichte als Kulisse für einen Inhalt,
in dem nicht der biblische Jesus Christus die Hauptrolle spielt. Christus wird vielmehr die
Einzigartigkeit, die Einmaligkeit, die Absolutheit genommen. Er wird sozusagen entmachtet und
mit seinem ganzen Leben relativiert, vermenschlicht. Die wichtigen Ereignisse seines Lebens
werden zu allgemeinmenschlichen Erlebnissen gemacht, die durch Menschen wiederholt und
reproduziert werden können. Die freimaurerischen Motive haben zwar vielfach ihre biblischen
Parallelen, sie sind der Bibel entnommen, doch Christus ist nicht mehr das Zentrum allen
Geschehens. In den Gebeten der Freimaurer wird niemals Christus angesprochen (s.z.B. die in
Schenkel veröffentlichten freimaurerischen Gebete, S.151). Die Auferstehung erscheint als eine
urmenschliche, vorchristliche Idee; Golgatha wird zu einem Mythos. Auch gewöhnliche Menschen
können ihr Leben für andere hingeben, jeder 'Ritter vom Rosenkreuz' darf sich als 'guter Hirte'
fühlen. Während in der Bibel die Führer, Erlöser und Herrscherrolle allein Christus zukommt,
versucht in der Freimaurerei der Mensch, alle diese Rollen selbst zu übernehmen. Menschen und
Völker regieren, versöhnen und verbinden sich selbst; das Abendmahl findet ohne Christus statt.
Die Freimaurerei relativiert die jüdische und die christliche Tradition selbst, indem sie diesen
'Etappen der Menschheitsentwicklung' eine 'höhere' Stufe folgen lässt: In der 'freiheitlich
aufgeklärten' Zeit sind diese Traditionen offenbar überwunden. Der Inhalt, der Gehalt des
freimaurerischen Lehrgebäudes ist weder jüdisch noch christlich. In der Freimaurerei finden wir
also nur eine Schein Christlichkeit. Das Christliche dient als Lieferant von Motiven sowie als
Kulisse.
1.6. Humanismus und Aufklärung

»Im Mittelpunkt unseres Denkens steht der Mensch.« (Zendralli, S. 10) Die Freimaurerei versteht
sich als 'Weltbruderschaft der wahrhaft Aufgeklärten'. (Im Hof, S. 167)

1. 6. 1. Humanismus

Die Ideale der Freimaurerei entstammen dem Humanismus und der Aufklärung. Die Lehrinhalte
sind auch bei jüdischer und christlicher Kulisse humanistisch aufklärerisch. »Es ist die Meinung
der Maurerei der ganzen Welt, ein Kultus der Humanität zu sein.« (Schenkel, S.93) Über die
humanistischen Wurzeln und das 'Humanitätsideal der Freimaurerei' finden sich interessante
Ausführungen bei Schenkel und Oslo). In dieser Arbeit sollen die Anliegen und die Ideale der
Freimaurer in Kapitel 2 dargestellt werden.

Im Hof zeigt Verbindungen der Freimaurerei zur humanistischen 'Sozietäts oder


Gesellschaftsbewegung' auf, besonders auch zur 'Akademiebewegung' mit ihrem Doppelaspekt
humanistischer Gelehrsamkeit und humanistischer Geselligkeit. »Die Freimaurer sind ... Meister
eines neuen festlichen Stils geworden« S. 11). (Die französischsprechenden Brüder nennen die
Loge augenzwinkernd 'une église avec un restaurant' = Eine Kirche mit einem Restaurant
(Hochreutener).

1.6.2. Aufklärung

«Die Freimaurerei entsteht in einer besonderen Krisensituation Europas. Sie ist Ausdruck der
frühaufklärerischen Reaktion auf Orthodoxie und Absolutismus.« (Im Hof 1984, S. 10) »Im 18.
Jahrhundert versammelten sich in den Logen die fortschrittlichsten Geister ihrer Zeit: Lessing,
Goethe. Herder, Fichte fast die ganze Prominenz der Aufklärung findet man in den alten
Mitgliederverzeichnissen aufgelistet. Offenbar waren die Logenhäuser der einzige Ort, wo
Oppositionelle sicher sein konnten vor dem Zugriff absolutistischer Staats und Kirchenmacht. Bei
solchen Zusammenkünften genossen Andersdenkende gleichsam diplomatische Immunität.

Draußen geltende Standesprivilegien waren in den Logen eingeebnet, Meinungs und


Gedankenfreiheit Teil des Vereinsstatuts. Nur unter diesen Voraussetzungen konnten die
Gedanken der Aufklärung formuliert werden.« (Rohländer GEO 1988) Zum Thema 'Freimaurerei
und Aufklärung' äußert sich auch Binder. In der Freimaurerei ist das Rationale und das
untergründig Mystische der Aufklärung vereinigt. Die 'wirklich' Aufgeklärten sind nicht nur
Rationalisten. Sie wissen. »Vertreibt das Mystische, es kommt im Galopp zurück«. (Im Hof, S.
168)

Die Ideen der Aufklärung werden in den obersten Graden des schottischen Ritus gelehrt. »Mit der
Aufnahme in das Atelier des 19. Grades beginnt für den Hochgradfreimaurer der Weg zur 'vollen
Einweihung', die sich im 30. Grad vollzieht. Die maurerischen Werkstätten vom 19. bis zum 30.
Grad heißen Areopage, benannt nach dem altgriechischen Gerichtshof zu Athen. Sie bilden
zusammen die dritte Periode der Erkenntnisstufen des Schottischen Ritus, der in der
Menschheitsgeschichte das Zeitalter der Aufklärung und Gewissensfreiheit und die Zukunft der
Menschheit, die durch den Sieg der Freimaurerei beherrscht werden soll, entsprechen.» (Lerich,
1937, S. 36) Der 19. Grad «lehrt den Kampf gegen 'Unwissenheit', 'Aberglaube', 'Dogmatik' und
'Fanatismus' in jeder Form« (Ebd. S. 37). In den nächsten Graden geht es darum, für eine
'gelenkte Volksherrschaft' einzustehen. Die 'Despotie der Massen', die auf eine völlige Anarchie
hinausläuft, wird verworfen. Dabei gilt es, 'die Volksrechte zu erkennen und nach aussen hin zu
vertreten'. Die einzelnen Religionen sind zu überwinden, die in allen Religionen enthaltenen
Wahrheiten sollen in einer 'Überreligion' zusammengefasst werden. Die obersten Grade
schließlich wollen alle Stadien der religiösen Zweifel hinter sich gelassen haben und auf der Stufe
einer über alle Dogmatik und 'Vorurteile' erhabenen Ethik und Weltanschauung stehen. (Ebd. 37)
Im Aufnahmeritual in den 30. Grad ('Rachegrad') muss der Aufnahmebewerber drei »symbolische
Degenstiche führen: Gegen die Tiara (Dreifache Papstkrone) als Sinnbild des Papsttums und
überhaupt der geistlichen Gewalt, gegen die Königskrone als Sinnbild jeder weltlichen Macht und
gegen eine dritte Krone, die Bürgerkrone, als Sinnbild der Despotie der Massen und Willkür
überhaupt!» (S. 42) Zudem muss er die drei Säulen der Maurerei (Weisheit, Stärke, Schönheit)
»mit eigener Hand umstürzen! Die Worte des Rituals deuten diesen Akt dahin, dass der nunmehr
in die letzten Geheimnisse der Loge eingeweihte Ritter Kadosch die völlige Vorurteilslosigkeit
erlangt habe, die unbedingte geistige Freiheit.» (S. 42)

1.6.3. Vergleich

Auf die freimaurerischen Ideale wird im nächsten Kapitel näher eingegangen. Ihre Beurteilung
aus der Sicht Christi erfolgt in Kapitel 7. Die humanistische, völlig menschenzentrierte Sicht ist
diejenige des 'alten Menschen' der Bibel, desjenigen, der (noch) nicht erkannt und angenommen
hat, dass Christus der oberste Machthaber aller Himmel und aller Welten ist.

Die Freimaurer lehnen jeden Absolutheitsanspruch von Kirche, Staat, Massen oder einzelnen
Personen ab, denn es gibt aus ihrer rein menschlichen Sicht keine absolute Wahrheit. Die obigen
Ausführungen zeigen, dass diese Auffassung nun (nicht nur gegen innen, sondern auch gegen
aussen) mit einer Energie und einer Verbissenheit vertreten wird, die darauf schliessen lassen,
dass sich dahinter ihrerseits ein Absolutheitsanspruch verbirgt: die Auffassung nämlich, dass es
keine absolute Gewissheit gibt. Demgegenüber gibt es nach unserer Auffassung nur einen
einzigen Menschen, der von sich zu Recht sagen konnte: »Ich bin die Wahrheit!«, Jesus
Christus, der Sohn Gottes.

1.7. Reformation und Protestantismus

Nach Schenkel besteht eine enge wesenhafte und schicksalhafte Verbundenheit von
Freimaurerei und Protestantismus. Während in der Öffentlichkeit und in den protestantischen
Kirchen dies kaum empfunden werde, sei das Bewusstsein um diese Zusammenhänge stark
lebendig in der deutschen Freimaurerei selbst, aber auch, was besonders bezeichnend ist, bei
dem grossen gemeinsamen Gegner beider, bei der römisch katholischen Kirche. Konservative
Katholiken sehen in der Freimaurerei eine Waffe des Protestantismus, um ihre Kirche zu
zerstören. Für sie ist klar: Ohne 1517 kein 1717! »In einem protestantischen Lande wurde sie
geboren, und die meisten Logen finden sich in protestantischen Ländern. Protestantischer Geist
zeigt sich in der Freimaurerei nicht nur bei protestantischen, sondern auch bei anderen Völkern.
Er durchdringt das Kulturleben aller Staaten.« (Schenkel, S. 4) Welches ist nun die
schicksalhafte, welches die wesenhafte Verbundenheit zwischen Freimaurerei und
Protestantismus?

1.7.1. Reformation

Auf die konkreten historischen Zusammenhänge zwischen Reformation und Freimaurerei geht
Oslo ausführlich ein. Dabei behandelt er auch die Vorläufer der Reformatoren: die Katharer, die
Waldenser, John Wycliffe, Jan Hus u.a.m. An dieser Stelle können nur einige Aspekte
herausgegriffen werden. Der schottische Reformator John Knox habe, im Gegensatz zu anderen
Reformatoren, das Recht auf 'bewaffneten Widerstand' einem Herrscher gegenüber gefordert,
'der die Sicherheit der wahren Religion bedrohte'. (Ebd. S. 95) Zudem: »Der Protestantismus bot
dem Adel und den Gutsbesitzern von Schottland nicht nur eine geistlich lebendige Kirche mit
Laienbeteiligung, sondern auch die Möglichkeit, das belohnte Kirchengut nicht mehr zurückgeben
zu müssen. So wurden in kürzester Zeit Hunderte von Klöstern überfallen, geplündert und
aufgelöst. Die Folge war, dass Tausende von Mönchen zu Flüchtlingen und Vertriebenen
wurden, ohne Obidienz im Lande, womit wir bei der Geburt der Freimaurerei angelangt sind.«
(Ebd. S. 99) Die Mönche waren im Besitz des nötigen Wissens und Könnens. Dazu kommt nach
Oslo eine 'dynastiepolitische Komponente': »Die Geschichte der Freimaurerei ist mit den Stuarts
in England eng verknüpft.« (Ebd. S. 104)
Zusammengefasst: »Die Entstehung bzw. Entwicklung der Freimaurerei beruht auf drei
wesentlichen Komponenten: die geheimwissenschaftliche, die religiös-politische und die
dynastiepolitische. Wir haben gesehen, dass die Auflösung der Klöster in Schottland ab August
1560 die Hermetischen Künste und die Königliche Kunst mit dem Kreis der Auserwählten, die sie
pflegten, in die Korporationen und Logen des Bauhandwerks trieb. Der religiöspolitische Aspekt
hing zwar mit dem Kampf der Reformation gegen die etablierte Lehre der christlichen Kirche
zusammen, doch erst im Laufe des 17. Jahrhunderts spielte er für die Freimaurerei eine
entscheidende Rolle. Hingegen sind die Verhältnisse um das Haus Stuart bis 1813 aus dem
Orden nicht wegzudenken. Seit 1688 wurde die Loge zum geheimen Treffpunkt der Anhänger
des abgesetzten Stuart Königs« (Ebd. S. 121). Man kann also nicht sagen, dass die Freimaurerei
eine notwendige oder gar beabsichtigte Folge der Reformation war. Durch die Reformation
wurden aber Kräfte frei, die zusammen mit geeigneten religiöspolitischen und dynastiepolitischen
Voraussetzungen schließlich zur Begründung der Freimaurerei führten. Dazu kommt, dass die
Glaubenskriege im Zuge der Reformation ein tiefes Bedürfnis nach wirklich gelebter Liebe, nach
Friede und Toleranz weckten. Zusammen mit der Aufhebung des Ediktes von Nantes (1685)
erschütterten diese Kriege das Vertrauen weiter Kreise der Bevölkerung in die Integrität und
Zuverlässigkeit der weltlichen und kirchlichen Instanzen. Nicht das Christentum, sondern eine
gewisse Verzweiflung am damals gelebten Christentum hat die Gründung der Freimaurerei
begünstigt.

1.7.2. Protestantismus

Bei den in dieser Arbeit berücksichtigten Autoren herrscht weitgehend Übereinstimmung in der
Auffassung, dass die in der Freimaurerei zentralen Ideen der Glaubens und Gewissensfreiheit
sowie der Toleranz ihren Ursprung im Protestantismus haben. (Boller, S. 42, Oslo, S. 65,
Schenkel, S.6) Das Anliegen, die menschliche Subjektivität und Individualität zu befreien, zu
würdigen und zu fördern, ist Protestantismus und Freimaurerei gemeinsam und nach Schenkel
(Ebd. 6f.) der katholischen Kirche suspekt: «In Rom weiss man, dass Protestantismus und
Freimaurerei im letzten Grund der gleichen geistigen Quelle entspringen, nämlich dem freien
Gewissen und der frommen Innerlichkeit der selbständigen Persönlichkeit. Beiden gemeinsam ist
die Tendenz der Ethisierung in der Säkularisation weiter Lebensgebiete, und beide sind in jenem
höchsten Sinne liberal, dass sie der Gewissensentscheidung, welcher sich der Gehorsam gegen
die unmittelbar erlebte höchste Wirklichkeit kundgibt, Lebensrecht einräumen.«

Eine weitgehende geistige Einheit und auch praktische gegenseitige Durchdringung, auf die wir
noch zu sprechen kommen, besteht nun aber nur zwischen liberalem Protestantismus und
Freimaurerei. »Dagegen wird die Freimaurerei in den pietistischen und orthodoxen Kreisen
bekämpft.« (Ebd. 34) Besonders die anglikanische Kirche wurde zum Nährboden für die
Freimaurerei: «Die anglikanische Kirche hatte eine Theologie der Toleranz mit Akzentverlegung
auf die christliche Tat der Nächstenliebe entwickelt. In dieser Atmosphäre bot die Freimaurerei
eine neue Art von Gemeinschaft an.» (Im Hof, 1984, S. 10) Der liberale Protestantismus birgt
nach Schenkel in sich die Gefahr der Vereinzelung, der Vereinsamung. Gegen diese 'innere Not'
des liberalen Protestanten bietet sich nun die Freimaurerei als feste Gemeinschaft an. (Ebd. S.
11) «In dieser Verknüpfung von Liberalismus mit einem Geistesleben und
Zusammengehörigkeitsbewusstsein, wie es der heutige protestantische Mensch sonst nirgends
kennt, liegt die soziologische Bedeutung der Freimaurerei aber auch ihre religionsgeschichtliche
Vorbildlichkeit.» (Ebd.)10

2. Anliegen und Ideale

Der folgende Überblick über die Anliegen und Ideale der Freimaurer soll kurz gehalten werden,
denn sie sind wohl allgemein bekannt. Zudem werden sie in der Literatur ausführlich behandelt.
Die Anliegen und Ideale sind das Vordergründige, das auf den Fahnen geschrieben steht; mit
ihnen wird um Vertrauen und Sympathie geworben. Darum soll in diesem Kapitel auch kurz auf
die Beitrittsmotive eingegangen werden. Die Beurteilung der Ideale und ihrer Verwirklichung
erfolgt in Kapitel 7.

2.1. Friede auf Erden

Die Freimaurerei entstand nach den Konfessionskriegen des 16. und 17. Jahrhunderts in Europa.
Jedermann sehnte sich nach Frieden. Viele trauten es den Christen nicht mehr zu, den
versprochenen 'Frieden auf Erden' herzustellen, und auch das Vertrauen in den 'Friedefürst'
Jesus Christus war offenbar in weiten Kreisen der Bevölkerung geschwunden. In dieser Situation
lag es nahe, dass sich vernünftige Männer zusammenschlossen und die Herrschenden der Welt
dafür zu gewinnen suchten, den Frieden auf Erden herzustellen. Der Friede ist die
Voraussetzung für die Verwirklichung des Hauptanliegens der Freimaurerei: das 'Reich Gottes
auf Erden' (Seydel, 1862, S. 24). Friede ist auch notwendig dafür, dass die Wirtschaft gedeihen
kann, dass durch internationale Arbeitsteilung der Wohlstand aller wachsen kann und auch, dass
ein 'Aufbau' in den gesellschaftlichen Bereichen erfolgen kann. Unter den Konfessionskriegen
hatte nicht zuletzt auch das Baugewerbe, der Stein und Sakralbau, gelitten.

2.2. Humanität, Toleranz, Brüderlichkeit

Der Friede auf Erden soll erreicht werden durch die Relativierung der Absolutheitsansprüche der
Religionen und Konfessionen. In der 'Ringparabel' von Lessings 'Nathan der Weise' wird das auf
eindrückliche aber auch aufschlussreiche Art und Weise dargestellt. Anstelle Menschen
trennender Religionen, Konfessionen, Stände, Nationen, Rassen, Klassen usw. tritt die
'Menschheit' als Objekt der Verehrung und Grundlage der Orientierung. »Das Wesen der
Freimaurerei ist nichts anderes als das Wesen der Menschheit selbst.« (Böni, 1954) Herder
bezeichnet die Freimaurerei als 'Auge und Herz der Menschheit'. (zit. in Imhof, 1944, S.,294)

»Die weltweite Devise 'Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit', die zuerst in französischen


Freimaurerlogen geprägt wurde, ist das unmittelbare politische Destillat aus der ethischen
Grundsatzformel 'Humanität, Toleranz, Brüderlichkeit'.» (Valmy, 1988, S, 10) Zur Humanität: «Für
den Freimaurer bedeutet Humanität schlicht die Lehre und das Streben nach menschlicher
Würde. Der nach den freimaurerischen Ritualen stattfindende symbolische Bau des Tempels der
Humanität soll in jedem Beteiligten dessen beste Anlagen und Kräfte erwecken, veredeln und
vervollkommnen, um diese in der Bewährung des Alltags bei der Begegnung mit seinen
Mitmenschen anzuwenden. Dies bedeutet Achtung von allen Menschen, unabhängig von Geburt,
Stand, Konfession, Nationalität und Hautfarbe; bedingungslose Anerkennung der
Menschenrechte, als da sind: das Recht auf persönliche Freiheit und auf Eigentum,
Gedankenfreiheit, Gewissensfreiheit, Glaubensfreiheit und auch das Recht, sich notfalls
persönlich für die Durchsetzung dieser Forderungen engagieren zu können.« (Valmy,1988, S.
10). Zur Toleranz. »Die zweite Maxime 'Toleranz' stellt sich gleichfalls gegen ein mittelalterliches
Schattenbild, als der Mensch, dogmen und religionsmüde, gegen Fanatismus und Absolutismus
weltlicher und geistlicher Herrschaft aufzubegehren begann... Das Geltenlassen fremder
Anschauungen und Überzeugungen, Sitten und Gewohnheiten sollte längst zur Grundhaltung
eines kultivierten Menschen gehören als Zeichen für Selbstvertrauen und Weltoffenheit eines
gefestigten Charakters, der auch für den Verfechter gegensätzlicher Meinungen ein offenes Ohr
behält... Das unermüdliche Bemühen, Intoleranz abzubauen, bleibt eines der vornehmsten Ziele
der Maurerei.» (S.10) Zur Brüderlichkeit: »Wenigstens im Logenleben versucht man dem Ruf
nach Brüderlichkeit gerecht zu werden; der schwerste Vorwurf, den Freimaurer gegeneinander
erheben können, ist unbrüderliches Verhalten und Handeln. Brüderlichkeit vermittelt ihnen dieses
stärkende Bewusstsein, in eine internationale Kette Gleichgesinnter integriert zu sein, in allen
Ländern der freien Welt, wo sie eine Loge besuchen, wozu jeder von ihnen ein Recht hat, als
willkommener Gast aufgenommen zu werden und in eventuellen Notlagen Hilfe zu erfahren.
Dieses Bestreben brüderlicher Gesinnung ist universell und nicht nur auf den internen Kreis der
Logenmitglieder beschränkt, es bezieht sich auch auf die profane Öffentlichkeit, ohne sich
aufdrängen zu wollen. Bewusst unauffällig praktiziert, lebt es in der Spendenfreudigkeit für
karitative Zwecke.« (Ebd. S. 11)
2.3. Erziehung des Menschengeschlechts

Weil der Mensch offenbar nicht immer von Natur aus den Idealen gemäß handelt, wird die
'Erziehung des Menschengeschlechts' (Lessing) zu einem vordringlichen Anliegen. »Die
Freimaurerei will einen neuen, einen besseren Menschen schaffen, doch das wollen die
Religionen auch. Das Ergebnis ist am Verlauf der Weltgeschichte abzulesen.» (Valmy FM 1988
7) Die Freimaurer wollen es besser machen als die Religionen, und zwar hauptsächlich durch a)
'Selbsterziehung', 'Selbstvervollkommnung', 'Selbstver¬wirklichung' und b) durch die 'Übung und
Förderung des sittlichen Lebens'. (Schiffmann, 1883)

2.3.1. Selbsterkenntnis und Selbsterziehung

»Zutiefst ist die Freimaurerei eine Kunst. Ihr Ziel ist die Ausreifung des einzelnen Bundesgliedes
zur harmonischen, sittlichen Persönlichkeit«. (Böni, 1954, S. 9) Und nun die Freimaurerei, was
will sie? Uns zum wahren Menschen, wie er sein soll, erziehen. Unabhängig von jedem
Religionsbekenntnis, wobei sie jedoch jedes achtet. Der flammende Stern im Osten, als Symbol
des allmächtigen Baumeisters aller Welten, gibt die Blickrichtung; die drei grossen Lichter zeigen
den Weg: Notwendigkeit der göttlichen Führung, Rechtschaffenheit, Aufrichtigkeit und
Pflichterfüllung. Maßhalten und weit gespannte, alles umfassende Liebe. Unermüdliches Arbeiten
am rohen Stein, unermüdliches Emporschreiten, trotz aller Rückschritte, Freisein von jeder
Leidenschaft und Sucht, offenes Herz und offene Hand für jede Not, Selbsterkenntnis und
Selbsterziehung und Verlässlichkeit bis in den Tod. Das sind kurz gefasst die Lehren und
Bestrebungen der Freimaurerei.» (Bender, 1942, S. 217)

2.3.2. 'Übung und Förderung des sittlichen Lebens':

Nach englischer Definition ist die Freimaurerei ein besonderes, in Allegorien gekleidetes und
durch Symbole dargestelltes Moralsystem.« (v. Merhart zit. in von Ins, 1874, S. 29). Schiffmann,
S. 47) bezeichnet die 'Übung und Förderung des sittlichen Lebens' als die 'einzige Aufgabe' des
Ordens. Dies soll nun nicht durch die Freimaurerei als Organisation oder Institution geschehen,
sondern durch das Wirken jedes einzelnen Freimaurers in seinem persönlichen Alltag. Wir
werden sehen, dass auch durch diese Methode durchaus wesentlicher Einfluss ausgeübt werden
konnte und werden kann.

2.4. Weitere Ideale und Anliegen

Es könnten an dieser Stelle viele weitere freimaurerische Ideale genannt werden, die mit obigen
in Zusammenhang stehen. Die Orientierung und Ausrichtung nach Idealen birgt meines
Erachtens die Gefahr einer besonderen Art von Vielgötterei. In den Tempeln symbolisieren drei
Säulen die Ideale Weisheit, Schönheit und Kraft oder Stärke. Das Bild einer Leiter mit drei
Sprossen soll an Glaube, Liebe, Hoffnung erinnern. (Lurker, 1984, S. 200) Die zwei Säulen
'Jachin' und' Boas' werden auch als Sinnbild für die Beständigkeit der freimaurerischen Lehre
oder auch als Grundpfeiler der Humanität (Gerechtigkeit und Wohlwollen) ausgelegt. (Ebd. S.
201) Der Schlüssel gilt als Symbol der Verschwiegenheit, der Schurz ist ein Zeichen der
Unschuld. Das Senkblei soll auf Geradheit und Wahrhaftigkeit hinweisen. Das Winkelmass ist
Symbol der Gewissenhaftigkeit, der Zirkel soll allumfassende Menschenliebe versinnbildlichen.
(Ebd. S. 200) Nach Schenkel befriedigt die Freimaurerei neben dem Bedürfnis nach
Gemeinschaft vor allem auch das 'Bedürfnis nach kultischem Erleben und Handeln'. Sie vermittle
religiöse Erlebnisse ohne Priester und Dogma.

2.5. Beitrittsmotive

Freimaurer selbst kennen von der Freimaurerei oft nicht viel mehr als die erwähnten Anliegen
und Ideale. Sie sind denn auch nach Schenkel das Hauptmotiv zum Beitritt. »Diese ethische
Grundeinstellung humaner Art war der geheimnisvolle Magnet, der die Menschen anzog.
Selbstverständlich ging nebenher auch mancherlei Unterethisches, das bloße
Geselligkeitsbedürfnis, der Wunsch vertrauten Verkehrs mit hochgestellten Persönlichkeiten,
Neugierde, persönliche Eitelkeit und anderes mehr.» (Schenkel, 1926, S. 24) »Dadurch, dass in
diesem Sammelpunkt politische und religiöse Diskussion ausgeschlossen wurde, trat in den
Mittelpunkt... die Bewertung des Menschen nach seinen rein menschlichen Eigenschaften.«
(Ebd. 24) Mellor nennt als die wichtigsten Beitrittsgründe heute das Gemeinschaftsbedürfnis, die
'Vervollständigung einer politischen Färbung' , womit auch die Hoffnung auf wirtschaftliche,
politische und Karriere Vorteile gemeint sein kann. Zudem: »Bei vielen ist es Familientradition,
und schon die Väter waren Freimaurer.« (Mellor, S. 327) Früher war auch die Suche nach
sozialer Sicherheit durch die Solidarität der Brüder ein wichtiger Beitrittsgrund.

2.6. Vergleich

In Kapitel 7 soll versucht werden, die freimaurerischen Ideale aufgrund der Annahme zu
beurteilen, dass in Wirklichkeit Jesus Christus alle Macht im Himmel und auf Erden übertragen
ist. Die Ideale der Freimaurer sind wohl keineswegs unchristlich, und für die Anliegen dürften
auch Christen grosses Verständnis haben. Man kann vielleicht sogar sagen, dass die Freimaurer
eigentlich genau das wollen, was Christus auch wollte. Sie haben seine Anliegen übernommen,
und wollen sie nun endlich verwirklichen. Nur: Sie wollen sie ohne ihn verwirklichen. Die
Freimaurer wollen christliche Anliegen ohne Christus verwirklichen. Nicht Christus und sein
Reich, sondern der Mensch und die Welt stehen im Mittelpunkt allen Strebens. Sie 'arbeiten' nicht
mit Christus und nicht für Christus, sondern mit Menschen und für Menschen.

Freimaurer verehren Ideale, Christen in unserem Sinn verehren eine lebende Person. Zwischen
einer Verehrung von Idealen und der Verehrung einer Person bestehen natürlich wesentliche
Unterschiede. Ideale sind abstrakt, eine Person auch wenn sie unsichtbar ist ist konkret. Ideale
sind stumm, mit einer Person können wir sprechen. So ist den Freimaurern auch die
'Verschwiegenheit' eine Tugend, nicht das Gespräch. Ideale sind unfassbar, offen für unendliche
Auslegungen und Definitionen, eine Person kann sich verbindlich äussern, festlegen und
verpflichten. Ideale sind anonym, Personen haben einen Namen. Ideale werfen uns immer wieder
auf unsere Subjektivität zurück, eine Person kann Anlass sein, uns selbst zu 'entäussern' und
eine Beziehung einzugehen. Mit Idealen können wir wohl keine sinnvolle Beziehung haben, durch
die Beziehung mit Christus nehmen wir an seiner ganzen Fülle teil. Ideale sind und bleiben
menschlich. Christus verbindet uns mit dem biblischen Gott und seiner Herrlichkeit. Die
Verheissungen des biblischen Gottes und seines Sohnes übertreffen diejenigen der Freimaurerei
um Dimensionen.

3. Veranstaltungen und 'Tempelarbeit'

In diesem Kapitel wollen wir einen Blick in die Logen werfen, um zu sehen, was dort geschieht.
Dabei stützen wir uns wiederum hauptsächlich auf freimaurerische Publikationen ab sowie auf
Veröffentlichungen, die von Freimaurern autorisiert oder zugelassen wurden. Einzige Ausnahme
ist die 'Verräterschrift' von Lerich, der zehn Jahre lang Hochgradfreimaurer des 33. Grades war,
und in der Zeit des Nationalsozialismus aus der Loge austrat. Seine Ausführungen stimmen bis in
die Einzelheiten mit dem überein, was später von Freimaurern selbst publiziert wurde. Darum
nehmen wir an, dass auch diejenigen Aussagen zutreffen, über die wir bis heute keine
Bestätigung von Seiten der Freimaurer haben. Die Darstellung soll kurz gehalten werden,
manches ist schon im Kapitel über die 'geistigen Wurzeln' beschrieben worden. Es geht hier um
einen zusammenhängenden Überblick.

3.1. Die Aufnahme


1723 verfasste der Presbyterianer J. Anderson das freimaurerische 'Konstitutionsbuch' 14 , das
auch die 'Alten Pflichten' enthält, an die sich Freimaurer heute noch in aller Welt halten.
(Vollständig abgedruckt in Oslo, 364). Dieses Konstitutionsbuch enthält auch Ausführungen über
die Aufnahmevoraussetzungen: 311 Aufnahmevoraussetzungen. Es werden nur erwachsene
Männer, keine Frauen und Kinder aufgenommen. Der Kandidat soll nicht unter 25 Jahren alt und
'sein eigener Herr' sein. (zit. in Oslo, S. 384) Damit ist gemeint, dass er finanziell unabhängig sein
soll. Es soll ein freier Mann von 'gutem Ruf' sein, der umgänglich ist. Keiner Loge soll ein
'störrisches Mitglied' aufgezwungen werden, das die 'Harmonie sprengen' könnte. (Ebd.) »Die in
den Alten Pflichten angesprochene körperliche Unversehrtheit erinnert an jene Vorstellungen, wie
sie häufig in unserem Kulturkreis als Voraussetzung für Priesterberufe formuliert worden sind.«
(Binder, S. 138) Als geistige Voraussetzung für die Aufnahme gilt, dass der Kandidat ein
'Suchender' sein sollte. «Um Freimaurer zu werden, muss man das Licht suchen. (Mellor, S. 327)
Neben diesen Bestimmungen gibt es bezüglich der Aufnahmevoraussetzungen verschiedene
regionale Eigenheiten. »Das krasseste Beispiel ist in den Vereinigten Staaten die Ausschliessung
von Schwarzen, was in Europa an sich unvorstellbar wäre«, (Ebd. 138f.)

3.1.2. Das Prüfungsvefahren

Um diese Aufnahmevoraussetzungen zu überprüfen, ist ein Prüfungsverfahren notwendig. Es


braucht 'eine gebührende Untersuchung über den Ruf und die Fähigkeit des Kandidaten'. (Alte
Pflichten zit. in Oslo S. 384) Dieses Prüfungsverfahren ist von den Logen bis in die Einzelheiten
'gesetzlich' geregelt. In Binder sind die entsprechenden Paragraphen aus dem 'Hausgesetz einer
Wiener Loge' abgedruckt. (Binder Wiss. 1985, S. 139f.) 'Auszüge aus dem Strafregister' genügen
dabei oft nicht. So »haben etwa die Logen in Frankreich ihre Vertrauensleute in den Gerichten
und Polizeidienststellen, um sich Informationen aus erster Hand beschaffen zu können. Drei
Informatoren treten mit dem Suchenden in Verbindung und erstatten ihre Berichte.« (Mellor, 331)

3.1.3. Die Initiation

Das Aufnahmeverfahren, der Initiationsritus, ist bei vielen Autoren genau beschrieben, so zum
Beispiel bei Binder, 140), Deiters, 1963, S. 11 8ff.), Mellor, S. 334). In der Zeitschrift GEO (Nr. 2,
1988) ist ein Bildbericht dazu erschienen. Der Ritus ist auch schon in der Literatur beschrieben
worden, so in Tolstois 'Krieg und Frieden' (Deiters, S. 118). Vor der eigentlichen Aufnahme erhält
der Neophyt' (Neophyt = ein neues Mitglied vor dem Gelöbnis) in einer Dunkelkammer, bei
Kerzenlicht mit Bibel und Totenkopf, noch einmal die 'Gelegenheit, seinen Schritt zu überdenken'.
Anschliessend wird er mit verbundenen Augen, teilweise entkleidet und ohne jede persönliche
Habe ('blind', 'nackt' und 'arm') vor die Tempeltüre geführt. Nachdem der Zeremonienmeister
dreimal für ihn angeklopft hat, wird ihm geöffnet. Nun tritt er in diesem Zustand drei symbolische
Reisen im Tempel ('auf Erden') an, wobei er mit den Elementen Erde, Luft, Wasser und Feuer in
Berührung kommt. Schliesslich legt der Kandidat sein 'Gelöbnis' ab, und die Augenbinde wird ihm
abgenommen. So hat der Suchende symbolisch durch das Dunkel zum 'Licht' gefunden. »Der
zum Lehrling Aufgenommene wird mit den Symbolen bekannt gemacht, mit Zeichen,
Erkennungsworten und besonderen Handgriffen. Er empfängt den weissen Schurz als Symbol
sittlicher Reinheit und weisse Handschuhe, die ausdrücken sollen . wie die Hände, so sollen auch
die Gesinnung und die Handlungen immer unbefleckt bleiben.« (Deiters, S. 127)

3.2. Die Veranstaltungen

Der neu Aufgenommene kann nun an allen freimaurerischen Veranstaltungen teilnehmen, zu


denen Lehrlinge zugelassen sind. Es werden folgende Veranstaltungen unterschieden:

1. Rituelle Arbeiten. »Sie werden im freimaurerischen Tempel abgehalten. Bei diesen Arbeiten
muss die maurerische Bekleidung getragen werden.» (Deiters S. 161)

2. Instruktionsabende, bei denen Fragen des Rituals und Symbolwesens besprochen werden.
3. Vorträge, zu denen gelegentlich auch Nichtmitglieder zugelassen werden.

4. Diskussionsabende.

5. Tafellogen. Sie finden nach wichtigen Tempelarbeiten statt. Dabei geht es um ein »Festessen,
das nach einem bestimmten Ritual durchgeführt wird.« (Ebd. S. 162)

6. Das Brudermahl findet im Anschluss an einfache Tempelarbeiten statt und dient 'der
körperlichen Stärkung' und der 'Vertiefung der brüderlichen Beziehungen'. (Ebd. S. 163)

7. Die Trauerlogen. Sie werden jährlich im November abgehalten. «Daneben gibt es gesellige
Veranstaltungen, die sich nicht wesentlich von denen anderer Vereinigungen unterscheiden: das
Stiftungsfest, Veranstaltungen mit 'Schwestern' und Gästen... Am 24. Juni wird das Johannisfest
zu Ehren des Schutzpatrons der Freimaurer, Johannes des Täufers, gefeiert.» (Deiters, 163)
Eine Umfrage unter 1500 amerikanischen Freimaurern ergab, dass 89 % nicht regelmässig an
den Veranstaltungen teilnehmen, obwohl die Teilnahme eigentlich 'Pflicht' ist. (Ebd. 161, 164f.)

3.3. Die Johannis Maurerei

Die Johannis Maurerei, auch 'blaue' Maurerei genannt, hat Johannes den Täufer zum
'Schutzpatron'. Sie ist den 'regulären' Logen der ganzen Welt gemeinsam und enthält die drei
'Johannisgrade' Lehrling, Geselle und Meister, die nach Valmy (S. 245) den 'Inhalt der
maurerischen Lehre voll ausschöpfen'. Wohl die meisten Freimaurer lernen nur diese Art der
Freimaurerei kennen. Im Werk von Binder sind die Logenarbeiten dieser drei Grade ausführlich
dargestellt, und ihre symbolische Bedeutung wird diskutiert. Zudem sind die Katechismen, die
Lehrgespräche, die Zeichen und Worte enthalten, sowie die Griffe beschrieben.

3.3.1. Der Lehrling: vom Dunkel zum Licht

Der Lehrling wird unter anderem in die freimaurerische Symbolik eingeführt. Er lernt sich als
'rauhen Stein' kennen, den er zu behauen lernen muss, damit er als kubischer Stein in den
'Tempel der Humanität' eingefügt werden kann. Die Bibel lernt er als Symbol für die allgemein
verpflichtende Sittenlehre betrachten. Das für den Lehrlingsgrad kennzeichnende Symbol ist
dasjenige des Lichtes. Es hat schon bei der Aufnahme eine wichtige Rolle gespielt. »Der Kultus
des Lichtes bzw. das Symbol des Lichtes und der Erleuchtung spielt eine grosse Rolle. Das Licht
ist wohl das grösste, umfassendste, allgemeinste und verbreitetste Symbol der Menschheit
überhaupt. Seine Beziehungen sind unerschöpflich. Seine Wirkungen auf das menschliche
Gemüt sind machtvoll, erhebend und läuternd« (Schenkel, S.77).

3.3.2. Der Geselle: reifender Geist

Anlässlich der Beförderung des Lehrlings zum Gesellen sagt der freimaurerische Redner: »Der
Lehrlingsgrad hebt an mit unserer Geburt zum sittlichen Leben, das uns Maurern heilige Pflicht
ist. Der Gesellengrad verkörpert den Fortschritt in unserer maurerischen Bildung... Sie wurden
heute mit offenen Augen in die Loge eingeführt und haben Ihre neue Wanderung unverhüllten
Blickes vollzogen.» (zit. in Deiters, 1963, S. 130) Bei den Reisen begegnete der Geselle den drei
'Versuchungen' Geld, Ruhm und Macht, die durch Gold, Lorbeer und Schwert symbolisiert sind.
Die von der Maurerei angebotene Weisheitslehre soll es den Gesellen ermöglichen, die
Versuchungen des Lebens souverän vorübergehen zu las¬sen (Binder, 182). Im Osten der
Gesellenloge hängt »der Flammende Stern, in dessen Zentrum der Buchstabe G steht, als
umfassendes Symbol des Gesellengrades und des Maurertums schlechthin« (Ebd. 180). Der
'Flammende Stern' ist ein Fünfeck (Pentagramm, Drudenfuss) von dem Strahlen ausgehen, Die
symbolische Bedeutung wird sehr vielfältig interpretiert. Einigen gilt der 'Flammende Stern' als
'Symbol des erwachenden und reifenden Geistes', für andere versinnbildlicht er Gott. (Binder,
S.188) Gott erscheint als das «ewige Licht, das in den Herzen der Menschen widerstrahlt».
(Schenkel, S.78)

3.3.3. Der Meister: Leben, Tod und Auferstehung

Bei der Erhebung des Gesellen zum Meister wird die Legende um Hiram Abif, den sagenhaften
Baumeister des salomonischen Tempels, sinnbildlich dargestellt. Nachdem der Geselle das
Vorbereitungsverfahren, die Reisen mit einem Totenschädel um und über einen Sarg sowie das
Gelöbnis hinter sich gebracht hat, wird er symbolisch mit drei Hammerschlägen 'getötet', zu
Boden geworfen und mit einem Tuch bedeckt. »Der Geselle erlebt die Identifikation mit dem
'Meister Hiram', dem vorbildlichen Menschen. Im Grabe erfolgt die Läuterung; er wird vorbereitet
auf die grosse Wandlung. Abstreifen des alten Adam und Geburt des neuen Menschen« (Binder,
S. 204). Nachdem das neue Meisterwort gesucht, gefunden und dem Liegenden ins Ohr
geflüstert wurde, wird der Geselle 'erhoben', d.h. von einem Bruder 'Fuss gegen Fuss', 'Knie
gegen Knie', 'Brust gegen Brust' aufgezogen und auf die Beine gestellt. Für Schenkel ist »die
Darstellung der Hiram Legende wohl das Wirkungsvollste und Ergreifendste... im gesamten
Umfang des maurerischen Kultus«. Diese ganze 'Meister Erhebung' ist voll von symbolischen
Zeichen und Handlungen, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. Unter anderem
wird in der Meisterloge der fünfzackige Stern durch einen sechseckigen ersetzt. In diesem dritten
und letzten Grad der Johannis Maurerei werden Themen wie 'Angst vor dem Tod', 'Überwindung
des Todes', 'Wiedergeburt' und 'Auferstehung' auf die freimaurerische Art und Weise behandelt.

3. 4. Die Hochgradmaurerei

Die Hochgradmaurerei baut auf den drei Graden der Johannis Maurerei auf. Sie ist ein
'Geheimnis' innerhalb des Ordens und darum entsprechend umstritten. (Dazu Mellor, 392, Valmy,
S. 35). Im folgenden sollen die Grade des 'Schottischen Ritus' (mit vollem Namen: 'Alter und
Angenommener Schottischer Ritus') kurz vorgestellt werden. Dieser Ritus ist weltweit am
weitesten verbreitet und gilt als 'Aristokratie der Freimaurerei' (Mellor, S. 256).

«Den Hochgraden des Schottischen Ritus ist traditionell der Apostel Andreas heilig, sie sind die
Andreasmaurerei. Hier herrscht die rote Farbe. Die Logen der Hochgradfreimaurerei werden
Ateliers genannt und bearbeiten die Grade vom 4. bis zum 33. Sie unterstehen nicht der
Verwaltung und Leitung, der 'Jurisdiktion' der Grossloge, sondern haben in jedem Staate ihre
eigene, selbständige 'souveräne' Oberbehörde... Die Mitglieder des Schottischen Ritus... dürfen
keinem Bruder, Lehrling, Gesellen oder Meister davon Mitteilung machen, dass sie den
Hochgraden angehören. Nicht nur die Lehren und Riten der Schottischen Maurerei, sondern
sogar die Namen der Hochgradbrüder bleiben demnach dem Durchschnittsfreimaurer unbekannt.

»Die Hochgrade sind ein Geheimnis innerhalb des Geheimbundes, ein dop¬peltes für die
'profane' Aussenwelt« (Lerich, S. 24).

Wie bereits erwähnt will der Schottische Ritus mit seinen 33 Graden (die drei Grade der Johannis
Maurerei mitgezählt) symbolisch die Entwicklung der Menschheit durchwandern, wobei diese
ganze Entwicklung in drei Perioden eingeteilt wird: die 'jüdisch architektonische', die 'religiös
christliche' und die 'freiheitlich aufgeklärte' Periode. Dabei werden nicht alle diese Grade 'rituell
bearbeitet', sondern der Lehrgehalt wird oft auch nur mündlich mitgeteilt. Nach Mellor (S. 393)
werden heute in Deutschland nur die Grade 4, 18, 30, 32 und 33 wirklich praktiziert. Es ist
möglich, dass eine wichtige Persönlichkeit bereits in einen hohen Grad aufgenommen wird. In
diesem Fall werden die unteren Grade durch Mitteilung verliehen. In anderen Ländern sind die
tatsächlich praktizierten Grade zahlreicher. Die bei Lerich und Mellor angegebenen Namen der
Grade sind weitgehend identisch.
3.4.1. Die jüdisch architektonischen Grade

Die jüdisch architektonischen Grade werden auch 'Perfektionsgrade', 'Vervollkommnungsgrade'


genannt. (Mellor, S. 292, 296, Lerich, S. 27) Diese Erkenntnisperiode umfasst die Grade 4 bis 14.
Ausser in den USA werden nach Lerich in den meisten Ländern nur die Grade 4 und 13 'rituell
bearbeitet'. Die Gradfolge lautet:

4. °: Geheimer Meister. Nach Schenkel geht es hier wiederum um das The¬ma Tod als
'Übergang von Traum zu Erwachen'.

5. °: Vollkommener Meister. Hier soll das Thema 'Sünde und Gnade' zur Darstellung kommen.
(Schenkel S. 91)

6. °: Geheimer Sekretär. In diesem Grad geht es nach Schenkel um das Thema der 'Hoffnung auf
Unsterblichkeit'. (Ebd. 92)

7. °: Vorsteher und Richter.

8. °: Intendant der Gebäude.

9. °: Auserwählter Meister der Neun.

10.°: Erlauchter Auserwählter der Fünfzehn.

11.°: Erhabener Auserwählter Ritter.

12.°: Gross Architekt.

13.°: Meister des königlichen Gewölbes (Royal Arch).

14.°: Grosser Auserwählter Vollkommener und Erhabener Maurer.

«Der wichtigste Grad der Vervollkommnungslogen ist die Erkenntnisstufe des Königlichen
Gewölbes, jenes Ateliers des 13. Grades, das dem Bau eines Idealtempels dient, des zweiten
Tempelbaues, der an Stelle des salomonischen den der freimaurerischen Humanität setzt. Über
allen Wassern der Sintflut soll er stehen, welche die Erde vernichten können: deshalb ruht sein
Gewölbe auf neun hohen Strebepfeilern. Bausymbolik und Bausage der Freimaurerei erreichen
im 13. Grad ihren esoterischen Höhepunkt... Es gibt keinen zeitlichen Anspruch auf die
Einweihung in die verschiedenen Erkenntnisstufen der Vervollkommnung, die in ihren Lehren und
Zeremonien, in ihrer Symbolik und Ritualistik in verschiedenfältigster Weise, farbenprächtig in der
Ausschmückung der Logenräumlichkeiten, phantastisch in den Legenden, prunkvoll in den
Schürzen und Bändern, immer wieder das Thema vom symbolischen Bau der Freimaurerei
abwickeln« (Lerich S. 31 f.).

3.4.2. Die religiös christlichen Grade

Die religiös christlichen Grade umfassen die Grade 15 bis 18 und werden auch 'Kapitelgrade'
genannt. (Mellor, S. 393, Lerich, S. 32). Die Rituale sollen die christliche Periode der
Menschheitsgeschichte versinnbildlichen, wobei die Kreuzzüge als Kulisse dienen. Nach Lerich
tritt hier nun die Aussenarbeit an die Stelle der Innenarbeit. Rituelle, kultische Handlungen finden
in der Regel nur noch einmal jährlich statt. Der Inhalt der Arbeiten sind Debatten und
Beschlussfassungen über ganz reale Aktionen, Zielsetzungen und Pläne. Vorzüglich in der
romanischen Freimaurerei sind bereits die Kapitel politische Klubs. (Lerich S. 32) In den übrigen
Ländern geht es hauptsächlich um Kulturpolitik.
Die Gradfolge lautet:

15.°: Ritter des Ostens oder des Schwertes.

16.°: Meister (oder Prinz) von Jerusalem.

17.° Ritter vom Osten und Westen.

18.° Ritter vom Rosenkreuz.

Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass hauptsächlich die Themen, Motive und Symbole der
Kapitellogen auf biblische, christliche Tradition zurückgehen. Statt Christus steht nun aber der
Mensch im Mittelpunkt. In den meisten Ländern wird nur der 18. Grad 'rituell bearbeitet'. Für
Lerich ist der »Initiationsritus des Kapitels der Rosenkreuzer... einer der schönsten der
Freimaurerei« und eine der 'stärksten Kulthandlungen'. (S. 34) Erinnert sei an Motive wie:
'vollkommene Hingabe', 'INRI' (was statt 'Jesus Nazarenus Rex Judaeorum' 'Igne Natura
Renovatur Integra', 'durch das Feuer erneuert sich die Natur zur Gänze' bedeutet), das 'Kreuz',
das 'Abendmahl', der 'gute Hirte' . (Dazu Lerich 34ff., Mellor 398ff.) Der 'christlichen' folgt im
Entwicklungsschema der Schottischen Hochgrade eine weitere und offenbar 'höchste' Periode
der Menschheitsgeschichte: die freiheitlich aufgeklärte Periode.

3.4.3. Die freiheitlich aufgeklärten Grade

Mit den freiheitlich aufgeklärten Graden, die auch 'philosophische Grade' genannt werden und die
Grade 19 bis 30 umfassen, finden die kultisch rituellen 'Arbeiten' der Freimaurerei ihren
Abschluss. (Lerich 36, Mellor 393, 401) Die höheren Grade 31 bis 33 sind reine
'Verwaltungsgrade'.

Die Gradfolge lautet:

19.°: Hoher Priester oder Erhabener Schotte (auch: Gross Pontifex).

20.°: Obermeister aller regulären (auch: symbolischen) Logen.

21.°: Noachit oder Preussischer Ritter.

22.°: Ritter der Königlichen Axt oder Prinz von Libanon.

23.°: Meister des Tabernakels oder des Allerheiligsten.

24.°: Obermeister oder Prinz des Tabernakels bzw. des Allerheiligsten.

25.°: Ritter der Ehernen Schlange.

26.°: Schottischer Trinitarier oder Prinz der Gnade.

27.°: Ritterkommandant oder Obermeister des Tempels.

28.°: Ritter der Sonne.

29.°: Grossschotte des heiligen Andreas.

30.°: Ritter Kadosch. (qadosch = hebr.: 'heilig')

Die meisten dieser Grade (vom 28. und vor allem vom 30. abgesehen) weden nur 'historisch',
durch mündliche Mitteilung und Ausdeutung verliehen. Den Inhalt stellt Lerich wie folgt dar:
»Schon der 19. Grad, der des 'Gross Pontifex', der erste Areopag, lehrt... den Kampf gegen alle
völkischen und religiösen Werte, Gesetze, Ordnungen und Autoritäten. Er lehrt den Kampf gegen
'Unwissenheit', 'Aberglaube', 'Dogmatik' und 'Fanatismus' in jeder Form. Der 'Grossmeister aller
symbolischen Logen', der 20. Grad, bedeutet esoterisch das Streben des Hochgradfreimaurers
zur höchsten 'Meisterschaft'. Exoterisch bedeutet er, dass bereits diese Erkenntnisstufe über die
ganze Johannisfreimaurerei souverän ist. Der 21. Grad gibt die Würde des 'Noachiten oder
preussischen Ritters'. Seine Lehre preist die von den Ideen der Freimaurer gelenkte
Volksherrschaft, verwirft die Despotie der Massen, die auf völlige Anarchie ausgeht. Der 'Ritter
der königlichen Axt'... verpflichtet sich, für das Los der arbeitenden Klassen zu kämpfen... Der 23.
und 24. Grad, der 'Chef des Tabernakels' und der 'Prinz des Tabernakels' müssen die
Volksrechte zu erkennen und nach aussen hin zu vertreten trachten. Der 'Ritter der ehernen
Schlange'... übernimmt die Verpflichtung zur Heilung der sozialen Schäden in der menschlichen
Gemeinschaft. Ihm folgt der 'Prinz der Gnade', der jede einzelne Religion zu überwinden hat,
indem er die in allen Religionen enthaltenen Wahrheiten zu einer Überreligion zusammenfasst.
Der 'Ritterkommandeur des Tempels' und der 'Ritter der Sonne'... haben bereits alle Stadien
religiöser Zweifel hinter sich und stehen auf der Stufe einer über alle 'Dogmatik', alle 'Vorurteile'
erhabenen Ethik und Weltanschauung. Der Würdenträger des 29. Grades, des letzten Areopages
vor der völligen Einweihung, der 'Großschotte des heiligen Andreas', gelobt, alle freimaurerischen
Grundsätze und Pflichten zum Wohl der Menschheit im kulturellen und sozialen Sinne zu
verwirklichen.«

Auf den 30. Grad, den 'Vergeltungsgrad', in dessen Initiationsritus unter anderem die drei
Degenstiche gegen Papstkrone, Königkrone und Bürgerkrone zu führen sowie die drei Säulen
des Tempels (Weisheit, Schönheit, Stärke) umzuwerfen sind, sind wir bereits zu sprechen
gekommen. (Pkt. 1.3.5 und 1.6.2) Diese Ausführungen seien durch ein Zitat aus Mellor (S. 404)
ergänzt: «Der Kadosch Ritter ist der 30. Grad innerhalb der Schottischen Reihe und praktisch der
höchsterreichbare, denn die Folgegrade sind 'administrativer' Art. Sein Studium ist daher von
besonderer Bedeutung. Der philosophische Symbolismus des Grades besteht wesentlich im
Ritual des Ersteigens einer geheimnisvollen Leiter, deren sieben Stufen die sieben freien Künste
bezeichnen. Nec plus ultra (Und nichts darüber hinaus). Die oberste Stufe zeigt an, dass der
Kandidat die Höhe der freimaurerischen Einweihung erreicht hat. Dieser Ritus und einige andere
Teile des Rituals... beinhalten jedoch nicht das Wesen des Grades. Dieses besteht vielmehr in
seinem Charakter als Vergeltungsgrad. Die Ehrsucht, die Unwissenheit und der Fanatismus, das
sind die drei infamen Feinde des Ordens, die es ohne Unterlass zu bekämpfen gilt so wird der
Kandidat unterrichtet. Das Zeichen des Grades ist ein Dolch, und das Heilige Wort lautet 'Nekam'
(hebr.: Vergeltung). Die Vergeltung, um die es sich hier handelt, ist symbolisch die des
Templerordens auf Grund der Ermordung seines Grossmeisters Jacques de Molay durch 'zwei
Verächtliche'. Damit sind Papst Clemens V. und König Philipp der Schöne gemeint«.

Der Wortlaut des Gelöbnisses macht deutlich, dass es um den bedingungslosen Kampf um
individuelle Glaubens und Gewissensfreiheit geht.

»(Man zeigt auf den Totenschädel mit der Königskrone): 'Unter keinem wie immer gearteten
Vorwand werde ich jemals einen Kompromiss irgendwelcher Art mit einer Regierung eingehen,
welche der Despotismus die Rechte des Individuums missachten lässt.'

(Man zeigt auf den Totenkopf, welcher die Tiara trägt): 'Unter keinem wie auch immer gearteten
Vorwand werde ich jemals einen Kompromiss irgendwelcher Art mit einer geistlichen Gewalt
eingehen, welche das Gewissen und die Freiheit des Denkens in Fesseln legt und welche den
aufrichtigen Zweifel und den ehrlichen Glauben als Verbrechen brandmarkt .. .... Ich gelobe,
niemals einer zivilen oder religiösen Gesellschaft anzugehören, welche die Freimaurerei
bekämpft'« (zit. in Mellor, S. 411).

3.4.4. Die administrativen Grade


Die Gradfolge der Verwaltunsgrade lautet:

31.°: Grossrichter oder Grossinspektor Inquisitor Kommandeur.

32.°: Meister des königlichen Geheimnisses.

33.°: Souveräner General Grossinspekteur.

«In den obersten Räten hat die Aktivistik der Freimaurerei ihre reinste und restlose Verkörperung
gefunden, ist Exoterik vollständig an die Stelle der Esoterik, die Außenarbeit vollständig an die
Stelle der Innenarbeit getreten. Sie sind die eigentlichen und innersten Aktionszentren des
Weltlogentums. (Lerich, 1937, S. 50)

3.5. Vergleich

Im Gegensatz zur Freimaurerei gibt es zur Aufnahme in die Gemeinde Christi, so wie wir sie
verstehen, keine besonderen Aufnahmevoraussetzungen und kein menschliches
Prüfungsverfahren. Jeder ist willkommen wirklich unabhängig von allen menschlichen Kriterien.
Die Aufnahme ist Sache einer persönlichen Beziehung zwischen der Person und Christus, der
Umkehr und der Annahme des Absolutheitsanspruches Christi. Die Freimaurerei hingegen lehnt
den Absolutheitsanspruch Christi ab und setzt an seine Stelle die kompromisslose Glaubens und
Gewissensfreiheit des Menschen. Ich bin davon überzeugt, dass auch Christus jedem diese
Glaubens und Gewissensfreiheit lässt. Nur hat sie ihrerseits eine höchst relative Bedeutung.
Durch sie finden wir nicht zum 'Licht', zum 'Heil' etc. Die Freimaurerei hingegen erweckt den
Eindruck, als könne der Mensch allein zum Licht finden, als könne der Mensch den Menschen
'auferwecken' und 'erheben', als könne der Mensch selbst der 'gute Hirte' des Menschen und der
ganzen Menschheit sein.

4. Auseinandersetzungen, Kämpfe

Die Freimaurerei war seit ihrer Gründung von einer Vielfalt von Auseinandersetzungen begleitet,
von denen nur die externen allgemein bekannt sind. Mit grosser Wahrscheinlichkeit hatten aber
auch die internen Auseinandersetzungen zumindest zeitweise einen grossen Einfluss auf den
Gang der Weltgeschichte. Ich denke zum Beispiel an die Napoleonischen Kriege, in denen die
Heere aller Beteiligten fast ausschliesslich von Freimaurern geführt wurden. (Die Generale
Napoleons sowie Wellington, Blücher und Gneisenau waren Freimaurer.) Es ist meines Wissens
kaum erforscht, inwieweit unterschiedliche Auffassungen über die 'richtige' Art von Maurerei
'profane' Auseinandersetzungen beeinflussten. Im folgenden sollen die Ergebnisse der internen
Auseinandersetzungen kurz dargestellt werden , auf die externen Auseinandersetzungen wollen
wir etwas genauer eingehen.

4.1. Interne Auseinandersetzungen

Im Werk von Mellor (Wiss. 1985) sind die wichtigsten internen Auseinandersetzungen ausführlich
und exakt dargestellt. Sie sind ausserordentlich verwirrend und für Aussenstehende kaum
verständlich. Jedenfalls haben sich die heute weltweit am weitesten verbreiteten und
einflussreichsten Formen (Johannismaurerei und Schottische Hochgradmaurerei, die kurz
vorgestellt wurden) nur nach zum Teil harten Kämpfen intern durchsetzen können. Demokraten
standen gegen Royalisten, Rationalisten gegen Esoteriker und Mystiker, Rosenkreuzer gegen
'Anti Rosenkreuzer', Christliche gegen Humanitäre, Theisten gegen Atheisten, Kirchentreue
gegen Antiklerikale

Am grössten ist heute noch der Gegensatz zwischen angelsächsischer und romanischer
Freimaurerei. Während in England Kirche und Krone für die Freimaurerei gewonnen werden
konnten, hat sich in Frankreich die Freimaurerei antiklerikal und republikanisch entwickelt. Im
Jahre 1877 strichen die französischen Freimaurer unter Leitung des ehemaligen Pastors F.
Desmons den Artikel 1 der Konstitution, der den Glauben an die Existenz Gottes und die
Unsterblichkeit der Seele fordert. So wurde der 'Grand Orient de France' zur 'irregulären'
Freimaurerei.

4.1.1. Reguläre und irreguläre Freimaurereien

Mellor schreibt zum Thema der 'Regularität': »Der Begriff der Regularität kann zweierlei
bedeuten: Regularität des Ursprungs und Regularität der Prinzipien. Regulären Ursprungs ist
eine Obödienz, oder innerhalb einer Obödienz eine Loge, die legal konstituiert worden ist. Nach
dem englischen Grundsatz ist eine neu konstituierte Grossloge dann regulären Ursprungs, wenn
sie entweder durch eine andere reguläre Grossloge oder aber durch drei reguläre Logen
gegründet worden ist. Dennoch kann eine Obödienz irregulär werden. Wenn sie eine oder
mehrere der wesentlichen freimaurerischen Voraussetzungen nicht erfüllt, verfällt sie der
Profanation. Sie verliert ihre freimaurerische Qualität. Als Beispiel wird hier häufig auf den Grand
Orient de France hingewiesen, der 1877 den Begriff des 'Allmächtigen Baumeisters aller Welten'
aus seinen Konstitutionen gestrichen hat und damit durch Preisgabe der wichtigsten Landmarke
in der Perspektive der gesamten regulären Freimaurerei zu einer Pseudo Maurerei geworden ist,
die mit der regulären Kunst nur den Namen gemein hat. Die Regularität im Grundsätzlichen ist
also der juristische Status, der durch die Anerkennung eben dieser Grundsätze erworben und
bewahrt wird» (Mellor, S. 67).

Mellor unterscheidet sieben reguläre Freimaurereien: die englische, die amerikanische, die
französische Freimaurerei (Grande Loge Nationale Francaise), die deutsche, österreichische,
skandinavische und die holländische Freimaurerei. Dabei bestehen zwischen diesen
Freimaurereien zum Teil grosse Unterschiede in der Lehrart, und es ist keineswegs so, dass sich
alle wechselseitig anerkennen und 'brüderliche Beziehungen' aufrechterhalten. So gibt es zum
Beispiel 'Obödienzien', die von der Vereinigten Grossloge Englands (UGL) nicht anerkannt, von
der Grossloge des Staates New York anerkannt sind. Andere werden von der Grossloge des
Staates New York nicht anerkannt, von der UGL Englands aber anerkannt. (Mellor S.68ff.) Als
reguläre Maurereien gelten in der Regel auch die in verschiedenen Ländern und zu
verschiedenen Zeiten besonders blühenden 'Sonderlogen': Akademikerlogen, Feld , Forschungs ,
Kaufmanns , Kriegsgefangenen , Militär , Regiments , Residenz , Seelsorger , Universitätslogen
u.a.m. (S. dazu Binder, S. 220)

4.1.2. Lehrarten und Hochgradsysteme

Im Verlauf der Geschichte der Freimaurerei kam es oft zu schwärmeri¬schen Gründungen und
phantastischen Lehren (Valmy, 35ff.).

Das Werk von Brodbeck gibt einen Überblick über die heute noch bestehenden freimaurerischen
Systeme und ähnlichen Organisationen. In den USA von nicht unerheblicher Bedeutung und
jüngst auch im deutschsprechenden Raum Europas ist der »Alte Arabische Orden der Edlen vom
Mystischen Schrein» (= »Shriners«). Sämtliche Zugehörige verstehen sich als Hochgradmaurer
(Prantner Kath. 1989 16).

4.1.3. Freimaurerähnliche Organisationen und 'Sekten'

Von Brodbeck sind die folgenden 'freimaurerähnlichen Organisationen' dargestellt: Die


Ritterorden (die Johanniter, die Tempelritter, der deutsche Ritterorden), die heilige Feme, das
Haberfeldtreiben, der Odd Fellow Orden. der Rosenkreuzorden, der Illuminatenorden, der
Martinsorden, der orientalische Templerorden, der Gralsorden, der Druidenorden, der
Guttemplerorden, der Rechabiterorden, die asiatischen Brüder, der Alchemistenorden, Les
Compagnons. Daneben gibt es nach Mellor freimaurerische 'Sekten', die sich zum Teil bewusst
dem Okkulten zuwenden, und vor denen die Freimaurerei selbst warnt: »Jede Hinwendung zum
Okkulten führt tiefer hinein in den Okkultismus. Dies ist ein Lebensgesetz aller geheimen
Gesellschaften, ebenso wie auch der initiatorischen Vereinigungen, die sich nicht als geheim
bezeichnen. Es ist durch nur zu gut bekannte Gründe zu erklären: enttäuschte Neugier, Eitelkeit,
Verlangen nach dem Mysterium, Stolz darauf, den Eingeweihten spielen zu können. Diejenigen,
die heute diese menschlichen Schwächen missbrauchen, erfinden zwar keine neuen Hochgrade
mehr, fahren aber fort, Vereinigungen freimaurerischer Art ausserhalb der Freimaurerei ins Leben
zu rufen, indem sie sich dieser als eines Auswahlzentrums bedienen und häufig von den Adepten
(Adept = in eine geheime Lehre Eingeweihter) verlangen, dass sie Eingeweihte in
freimaurerischen Hochgraden sein müssen« (Mellor, 451).

4.2. Externe Auseinandersetzungen

«Die Freimaurerei vertrug sich nie und nirgendwo mit Absolutismen und Totalitarismen. Überall
dort, wo jemand die letzte Wahrheit zu besitzen wähnte und beanspruchte, kam es zu
Konfliktsituationen, weil diesem jemand der maurerische Toleranzgedanke grundsätzlich
unerträglich scheinen musste.» (Zendralli, S. 8) In der Geschichte dieser externen
Auseinandersetzungen stellen sich die Freimaurer gern als die Märtyrer für Freiheit und
Fortschritt hin, den Gegnern erscheinen sie als Verschwörer und Zerstörer jeder Ordnung. Über
diese 'Verschwörungstheorien' siehe Rogalla von Bieberstein.

4.2. 1. Der Absolutismus

Die Ereignisse der Französischen Revolution können wohl kaum als das bewusste oder gar
geplante Werk der Freimaurer bezeichnet werden. Die Revolution hat vielmehr eine völlig
unkontrollierte Eigendynamik entfaltet, die zeitweise für alle Beteiligten gefährlich wurde.
Dennoch haben Freimaurer bei der Bekämpfung des (französischen) Absolutismus eine
bedeutende, wenn nicht massgebende Rolle gespielt. Das sollen einige Auszüge aus einem
Artikel von Hess in der Zeitschrift 'Alpina' (1989 Nr. 6/7 S. 162ff.) verdeutlichen. »Frankreich
besass am Vorabend der Revolution 70'000 Freimaurer, fast doppelt so viele wie heute bei halb
so grosser Bevölkerung (26 Millionen). Die über 600 Logen hatten einen bedeutenden Einfluss.
Von den drei grossen Aufklärern war zwar nur einer, Montesquieu, der Vordenker der
Gewaltentrennung, früh Freimaurer geworden. Rousseau, der Prophet der Gleichheit, hat nie
dem Bund angehört, und Voltaire, der Kämpfer gegen Unrecht und Willkür, wurde erst im Jahre
seines Todes in die Loge 'Les neuf Soeurs' aufgenommen. Auch die Enzyklopädisten Diderot und
Dalembert waren keine Maurer, wohl aber zahlreiche Aufklärer der zweiten Garnitur: Helvetius,
Marmontel, Chamfort, Condorcet, Beaumarchais, der Baron Holbach.« (Hess,1989, S. 162). Im
Frühjahr 1789 versammelten sich die drei Generalstände Adel, Klerus und dritter Stand. »Von
den 578 Abgeordneten des dritten Standes sind 477 Freimaurer. Die grosse Mehrheit von ihnen
will Reformen, will eine konstitutionelle Monarchie.» (S.163) Nach dem Sturm auf die Bastille
legen Adel und Klerus auf Antrag der Freimaurer Duc d'Aiguillon und Vicomte de Noailles
'freiwillig' sämtliche Privilegien nieder. (164) Am 26. August verabschiedet die Versammlung auf
Antrag der Freimaurer Lafayette, Mirabeau und Sieyès die berühmte 'Erklärung der Rechte eines
Menschen und Bürgers'. «Sie setzt die uns heute selbstverständlichen Menschenrechte fest:
'Jeder Mensch ist frei geboren und bleibt frei. Keine Autorität kann ausgeübt werden, die nicht
vom Volk ausgeht.' 26 kurze Artikel verkünden die Sicherheit der Person, Glaubens- und
Gewissensfreiheit, Pressefreiheit, Schutz vor behördlicher Willkür und vor Festnahme.« (164)
«Erstmals spielt eine neue Macht in der Politik mit, die öffentliche Meinung.» (165) Die weitere
Entwicklung spaltet die Freimaurer: ~»Einige Freimaurer wie Desmoulins, Danton, Marat trieben
die Radikalisierung immer weiter; anderen wie Lafayette, Bailly, Mirabeau ging die Revolution
bald zu weit.« (165) Robespierre war nie Freimaurer, wohl aber noch verschiedene andere
Persönlichkeiten der Revolution, wie zum Beispiel Rouget de Lisle, der Komponist der
Marseillaise und der Arzt Guillotin, der »eine humanere Exekutionsmethode und die 'Gleichheit
vor dem Schafott'» forderte. (168) Nach ihm wurde die Guillotine benannt. »Nur noch wenige
Freimaurer sind unter den 'Königsmördern': Fouchä, Cauthon, Danton, Marat und der Vetter des
Königs, Philippe d'Orléans, Grossmeister des Grand Orient, der sich jetzt Citoyen Philippe Egalité
nennt.« (167) Unter den Anführern royalistischer Aufstände finden sich Freimaurer: Stofflet,
Savare, Charette, Scepetaux. Von den drei Führern des 'Wohlfahrtsausschusses' des
Revolutionstribunals (Robespierre, St. Just und Couthon) ist nur Couthon Freimaurer. (168)
»Eine zunehmende Dechristianisation (Entchristlichung) findet statt, bei welcher sich Bruder
Chaumette auszeichnet; der christliche Kalender wird abgeschafft, der 'Kult des höchsten
Wesens' inauguriert (eingeführt) , der Altar der Vernunft errichtet.« (168)

Zusammenfassend kann gesagt werden: Freimaurer haben die Revolution inszeniert und
angeführt. Aber die Revolution hat 'die Brüder getrennt' und schliesslich fast alle Freimaurer
vernichtet. Die Freimaurer sind nicht die Sieger, sondern die Opfer der Revolution. Dennoch ist
wohl eindeutig, dass der Geist der Freimaurerei den Absolutismus besiegt hat.

4.2.2. Die Katholische Kirche

Die Auseinandersetzung zwischen Freimaurerei und Katholizismus hat das kulturelle und
politische Leben Europas vor allem im letzten Jahrhundert ('Kulturkampf') wesentlich geprägt. Sie
ist schon mehrfach ausführlich dargestellt worden. (Siehe zum Beispiel Binder
(Wissenschaftler,1988 56ff.), Conzemius (Kath. 1984 30ff.), Seydel (FM 1862), Valmy (FM 1988
64ff.) und die bei diesen Autoren angegebene Literatur.)

«Was die Freimaurerei ablehnt, ist die politische Herrschaft des Klerikalismus und den Anspruch
der Päpste auf beherrschenden Einfluss auch in allen kulturellen Fragen, weil sich daraus
schwere Hemmungen für den menschlichen Fortschritt und die freie Geistesentwicklung ergeben
haben.» (Schenkel, 1926, S.171) Die Freimaurer bekämpfen nicht die Katholiken, sondern den
Absolutheitsanspruch der römisch katholischen Kirche , »weil Rom behauptet, die
alleinseligmachende Kirche zu sein, die über Wahrheit und Vergebung autonom verfügt und sich
als sichtbare Stellvertretung Gottes betrachtet.« (Böni, S. 68)

Die Antwort der katholischen Kirche auf die Herausforderung durch die Freimaurerei liess nicht
lange auf sich warten. »Die erste Verurteilung wurde 1738 von Papst Clemens XII.
ausgesprochen in der Bulle 'In eminenti'. Benedikt X. bestätigte dieses Verdikt in der Bulle
'Providas' (1751). Zwischen 1738 und 1918 wurden über 12 Verbote in päpstlichen Bullen gegen
die Freimaurerei gefällt.« (Conzemius, Kath., 1984, 30) Schenkel kommentiert die Bestimmungen
gegen die Freimaurer im kirchlichen Gesetzbuch von 1917 (Codex juris canonici) wie folgt: »Nicht
nur ist den Maurern der Eintritt in kirchliche Orden und religiöse Vereinigungen verschlossen....
sondern die Freimaurer werden als solche exkommuniziert, Geistliche und Ordensleute, die
Freimaurer wären, verlieren ihre Stellung und werden in besondere Strafe genommen. Dem
Freimaurer ist die kirchliche Trauung versagt. Selbst der Tod löscht die Feindschaft nicht aus.
Noch der Leichnam des Freimaurers ist ein Gegenstand des Hasses und Abscheus. Er darf nicht
kirchlich beerdigt werden, und wenn dies versehentlich doch geschehen ist, so soll sein
Leichnam... wieder ausgegraben und an ungeweihter Stätte vergraben werden. Der treue Sohn
der Kirche aber darf sich nicht einmal sachlich über Ziel und Zweck der Freimaurerei...
unterrichten; auch das ist ihm ausdrücklich untersagt« (Schenkel, S. 171).

Die katholischen Gegenmaßnahmen hatten nur eine beschränkte Wirkung: «Päpstliche Bullen
kamen in jener Zeit nur dann zur rechtlichen Geltung, wenn sie von staatlicher Seite registriert
wurden. Das war in den protestantischen Ländern von vornherein ausgeschlossen; außer in
Spanien, Portugal und Polen wurde die staatliche Genehmigung der päpstlichen Bulle in
manchen katholischen Ländern (z. B. Frankreich) verweigert. So kam es, dass hier Katholiken.
Laien und Kleriker, ungeachtet päpstlicher Bestimmungen, der Freimaurerei beitraten. Unter den
prominentesten Laien seien Mozart und Haydn erwähnt, die Liste geistlicher Würdenträger ist
lang.« (Conzemius Kath. 1984 32) Im Werk von Taute (FM 1909) über ’die katholische
Geistlichkeit und die Freimaurerei' ist eine Liste mit den Namen von über 500 katholischen
Geistlichen und Würdenträgern enthalten, die nachgewiesenermaßen Freimaurer waren. »1772
wird mit Lord Robert Edward Petre ein Katholik Großmeister der englischen Grossloge... Gerade
katholische Länder sind zu starken Freimaurerzentren geworden.» (Im Hof, Wiss. 1982, S. 1 66f.)
In Italien rührten im letzten Jahrhundert die revolutionären Umtriebe von geheimen
Gesellschaften, die zum Teil von Freimaurern gegründet wurden (z.B. die 'Carbonari'), an die
politische Existenz des Kirchenstaates. «Auf katholischer Seite brach nach der Jahrhundertmitte
eine antifreimaurerische Hysterie aus. Es entstanden Zeitschriften und Verbände, um die
Freimaurer zu entlarven... Ihren Höhepunkt erreichte diese Hysterie im berüchtigten Leo Taxil
Schwindel (Deckname für Gabriel Jogand Pagès). Angeregt durch die Antifreimaurerenzyklika
Leos XIII. 'Humanum genus' von 1884, hielt Taxil die katholische Öffentlichkeit als angeblich
bekehrter Freimaurer durch seine Enthüllungen in Aufregung... 1887 empfing Leo XIII. Taxil...
Kurze Zeit darauf hat Taxil in Paris den Schwindel öffentlich gestanden.» (Conzemius Kath. 1984,
S. 33)

«Erst das 2. Vatikanische Konzil brachte Bewegung in die erstarrten Fronten. Die Erklärung des
Konzils zur Religionsfreiheit und die sachliche Auseinandersetzung des französischen Juristen
Alec Mellor mit der Geschichte der Freimaurerei schufen die Voraussetzungen für ein neues
Verhältnis... Im neuen kirchlichen Strafrecht wird der Kirchenstrafen androhende Kanon 2335
nicht mehr erwähnt» (Conzemius Kath. 1984, S. 34). Die Streichung dieses Strafen Kanons hat
aber keine Klärung gebracht, sondern eine Situation der Unsicherheit geschaffen: Die Position
der katholischen Kirche dem Geist des Relativismus und der Oekumene gegenüber wurde unklar
und widersprüchlich. So erklärte einerseits Josef Kardinal Ratzinger in einer 'Erklärung der
Glaubenskongregation zur Freimaurerei' vom 26.11.1983: «Das negative Urteil der Kirche über
die freimaurerischen Vereinigungen bleibt also unverändert.» Andererseits wird dieses Urteil von
wichtigen katholischen Persönlichkeiten in Frage gestellt. So erklärte zum Beispiel Herbert
Vorgrimler, Dekan der katholischen theologischen Fakultät der Universität Münster, in einem
Interview mit dem Österreichischen Fernsehen (ORF 1990), Ratzinger äussere in seinem Urteil
über die Freimaurerei bloss seine persönlichen Vorbehalte und Ängste in einer Materie, in der er
offenkundig nicht genug Bescheid wisse.

Wie dem auch sei: Die Streichung des Strafartikels hat die Situation für die katholische Kirche
nicht erleichtert, sondern erschwert. Die Auseinandersetzung zwischen 'katholischem
Absolutismus' und 'freimaurerischem Relativismus' findet nun nicht mehr zwischen Katholizismus
und Freimaurerei, sondern in der katholischen Kirche selbst statt! Dieser Kampf, der in der
Schweiz heute bei der umstrittenen Bischofswahl in Chur zum Ausdruck kommt, ist wohl für alle
katholischen Beteiligten ausserordentlich schmerzhaft. Bei konservativen katholischen Autoren
wie Adler (Kath. 1975, 1982, 1983), Baum (1975, 1976, 1977), Feuling (1975), Rothkranz (1990)
herrscht Panikstimmung. Für sie steht 'die Kirche im Endkampf' (Baum). Dabei brauchen sie nicht
nach 'Verschwörern' im Vatikan selbst zu suchen, »weil die Neu 'Theologie' das Gedankengut der
Freimaurerei freiwillig übernommen hat und es nun aus dem Innersten der Kirche heraus zur
Geltung bringt.« (Feuling, Kath. 1975, S. 72)

4.2.3. Andere Kirchen Ablehnung

Die Freimaurerei wird nicht nur von der katholischen, sondern auch von den orthodoxen Kirchen
abgelehnt. »Die Bischöfe der griechisch orthodoxen Kirche untersuchten am 12. Oktober 1933
das Verhältnis der Freimaurerei zum Christentum und kamen zum vernichtenden Urteil: "Die
Freimaurerei ist eine Mysterienreligion, sie ist vom christlichen Glauben völlig verschieden, ihm
entgegengesetzt und fremd." Sie kann mit dem Christentum nicht in Übereinstimmung gebracht
werden. Den Geistlichen und Laien ist die Mitgliedschaft in Logen verboten. Tritt ein Geistlicher
einer Loge bei, wird er aus dem Klerus entlassen.» (Bauhofer FM 1975, S. 22f.)

»Ferner haben sich gegen die Freimaurerei formell ausgesprochen: die kalvinistische Kirche in
den USA, die reformierte niederländische Kirche in Südafrika (1940 und 1967), die Adventisten
und die Zeugen Jehovas.» (Bauhofer FM 1975 23) In protestantischen Ländern wurde die
Freimaurerei anfänglich zum Teil verboten, die meisten protestantischen Kirchen kamen aber mit
der Zeit zu einer neutralen oder positiven Haltung. So verboten die Regierung von Holland 1735,
die Regierung von Schweden 1736, diejenige von Hamburg und Genf ebenfalls 1736 die
Freimaurerei. (Hammer Prot. 1984, S. 26) »Drei Jahre später erreichten die zwinglianischen
Pfarrer Zürichs dasselbe Verbot.« (Bauhofer FM 1975, S. 22) »König Friedrich von Schweden
aus dem Hause Hessen Kassel verbot die Freimaurerei zunächst sogar bei Todesstrafe, stellte
sich freilich später, dem preussischen Beispiel des grossen Friedrich II. folgend, an deren
Spitze.» (Hammer Prot. 1984, S. 26) Nach Binder gibt es auch heute noch vor allem in den
Vereinigten Staaten Gemeinden calvinistischen und lutheranischen Ursprungs, die sich gegen
Mitgliedschaften aussprechen und ihren Mitgliedern mit Sanktionen im Falle einer
Logenzugehörigkeit drohen. Ähnliche Beschlüsse weisen auch presbyterianische Gemeinden in
Schottland und Irland auf«. Zudem wird die Freimaurerei nach Schenkel «in den pietistischen und
orthodoxen Kreisen bekämpft«. Gesamthaft lässt sich sagen, «dass die Beziehungen der
evangelischen Kirchen zur Freimaurerei ebenso vielfältig wechselnd wie gespalten waren und
noch sind.» (Hammer, 1984, S.26)

Übrigens: Auch im Einzugsbereich anderer Religionen, besonders im Islam, wurde die


Freimaurerei verboten. »Im ausserchristlichen Raum wurde der Sultan durch eifrige Muselmanen
zu einem Verbot der 'neuen Sekte' überredet.« (Bauhofer, 1975, S. 22). Zu einem Erfolg der
Freimaurerei gegenüber dem islamischen Fundamentalismus kam es 1923 in der Türkei. Kemal
Atatürk, der 'Vater der modernen Türkei', war Freimaurer. (Oslo,1988, S.404)

Neutralität

»Die Methodisten, Baptisten, Presbyterianer und Episkopale haben nie Einwände gegen die
Freimaurerei erhoben... Die altkatholischen Nationalkir¬chen haben weder in der Konvention von
Utrecht 1889, noch anlässlich der Interkommunion mit der anglikanischen Kirche 1932, noch in
ihrer Literatur sich mit der Freimaurerei auseinandergesetzt.» (Bauhofer, 1975, S. 23) In letzter
Zeit ist auch die Haltung der Anglikanischen Kirche wieder etwas zurückhaltender. Denn: »1984
häuften sich im Zuge einer breit angelegten Freimaurerdebatte in Grossbritannien negative
Stimmen, wobei auch seitens der Church of England und der Unitarischen Kirche gewisse
Bedenken gegenüber der Bruderschaft erhoben wurden.« (Binder, 1988, S. 103).

Zustimmung

»In England, Schweden, Preussen und den meisten überwiegend protestantischen deutschen
Bundesstaaten hat schon die Teilnahme der Fürsten am Logenleben ein friedliches Verhältnis
nahegelegt. Von seiten der Freimaurerei ist dieses friedliche Verhältnis nie und nirgends gestört
worden... Immer haben in Deutschland zahlreiche evangelische Geistliche der Loge angehört.
Viele Freimaurer waren und sind Mitglieder kirchlicher Kollegien. Evangelische Geistliche
nehmen als Redner, Meister vom Stuhl, ja auch als Grossbeamte und selbst als Grossmeister
wichtige Stellen im deutschen Logenleben ein. Auf der Jahresversammlung des Vereins
deutscher Freimaurer 1925 wurden einige der wichtigsten Beratungsgegenstände von Pfarrern
vorgetragen. Die Gedankenwelt der meisten deutschen Logen ist weithin dadurch bestimmt, dass
die meisten Mitglieder gebildete Protestanten sind.« (Schenkel, 1926, S. 33f.) Ähnliches kann
von der evangelischen Kirche in Schweden sowie von der Anglikanischen Kirche gesagt werden.
Rund 100'000 Anglikaner sind Mitglieder der Logen. Es gehören den Logen auch mehr als 17
Bischöfe und über 500 Geistliche an. Selbst das ehemalige Kirchenoberhaupt, Erzbischof Fisher
von Canterbury, war Logenmitglied. (Bauhofer, 1975, S. 23) In Deutschland und England war es
unter Umständen sogar möglich, dass Logen praktisch identisch waren mit einem Bund der
Theologen! In der Schweiz war meines Wissens die Freimaurerei nie einem solchen Ausmass
geistiger Beeinflussung ausgesetzt, wenngleich es nie an Pfarrern als Mitglieder von Bauhütten
fehlte. So war zum Beispiel der langjährige Grossmeister der 'Alpina', J. Böni, Pfarrer. Zudem
waren beispielsweise Liederdichter wie Matthias Claudius, Friedrich Gottlob Klopstock und
Friedrich Rückert, deren Lieder heute noch in der Landeskirche gesungen werden, Freimaurer.
(Schenkel, S. 33)

Trotz der grundsätzlichen Zustimmung kam es auch in den erwähnten Landeskirchen zu


Auseinandersetzungen über die Freimaurerei und ihre enge Verflechtung mit der Kirche. Die
schwerste dieser Auseinandersetzungen wurde vom Berliner Theologieprofessor und Begründer
der 'Evangelischen Kirchenzeitung' Ernst Wilhelm Hengstenberg initiiert. In seinem dreiteiligen
Werk 'Die Freimaurerei und das evangelische Pfarramt' (Berlin 1854 und 1855) forderte er,
evangelischen Geistlichen sei die Mitgliedschaft in den Logen zu verunmöglichen. (S. dazu
Schenkel S. 34f.) Den freimaurerischen Standpunkt vertrat in dieser Auseinandersetzung
hauptsächlich der evangelische Geistliche G.A. Schiffmann, 'Archidiaconus' an St. Jacobi in
Stettin sowie freimaurerischer 'Provinzial Grossmeister' für Posen und 'Unterarchitekt' des
Ordens. (Stettin 1857) Der Streit wurde schliesslich weniger durch Argumente entschieden, als
durch den Umstand, dass der damalige Prinz Wilhelm, der spätere deutsche Kaiser Wilhelm I.,
Freimaurer war. (Schenkel, S. 35)

Schenkel (Ebd. 170) fasst die kirchengeschichtliche Bedeutung der Freimaurerei aus seiner Sicht
wie folgt zusammen: »Die kirchengeschichtliche Bedeutung der Freimaurerei liegt in ihrem
Gegensatz gegen den römischen Klerikalismus, in der Ablehnung des materialistischen
Atheismus und dem Festhalten an dem theistischen Idealismus, endlich aber darin, dass sie die
einzige grosse und festgefügte Organisation ist, deren Geist im allgemeinen der liberal
protestantischen Lebensauffassung entspricht.«

4.2.4. Totalitarismus

Zum Thema 'Freimaurerei im Zeitalter des Totalitarismus' siehe besonders den Aufsatz von Kreis
(1984, S. 19ff.) und die darin angegebene Literatur. Die Freimaurerei wurde verboten: 1917 in
Russland, 1919 in Ungarn, 1925 in Italien, 1934/35 in Deutschland, 1938 in Österreich und 1940
im besiegten Frankreich, zudem in Portugal unter Salazar und in Spanien unter Franco. In der
Schweiz lancierten 1934 Frontisten eine Volksinitiative zum Verbot der Freimaurerei. Diese
Volksinitiative wurde vom Nationalrat mit 107:2, vom Ständerat mit 22:0 und vom Volk am
28.11.1937 mit 68,7% der Stimmen abgelehnt. (S. dazu Kreis, 1984,20ff. sowie Herren,1981, S.
215ff.)

Kommunismus

»1922 wurde auf dem vierten Kongress der Kommunistischen Internationale die Freimaurerei als
politische Organisation der Bourgeoisie gebrandmarkt und gleichzeitig eine Mitgliedschaft für
Kommunisten als unvereinbar deklariert, während die Freimaurerei Fidel Castros Revolution auf
Cuba überlebte.» (Binder) Das Urteil der orthodoxen Kommunisten und Marxisten Leninisten
über die Freimaurerei kommt im folgenden Zitat Leo Trotzkis (1923 im Moskauer
Regierungsorgan 'Iswestija' wohl treffend zum Ausdruck: »Sie ist die kapitalistische Feindin des
Kommunismus; sie ist rückständig wie die Kirche, der Katholizismus. Sie stumpft die Schärfe des
Klassenkampfes durch Mystizismus, Sentimentalität und moralischen Formenkram ab... Mit
glühenden Eisen müsste sie mit ihrer Gefolgschaft ausgerottet werden, denn sie schwächt die
Lehren des Kommunismus durch ihre bürgerlichen Journalisten ab.» (Trotzki zit. in Oslo, S. 349)

Mit den Umwälzungen im Ostblock erleben auch die Logen eine 'stille Renaissance' Ende
Januar 1990 wurde zum Beispiel in Ungarn, nach vierzigjährigem Verbot, eine Loge
wiederbelebt. (Ulmer Journ. 1990) Der Absolutheitsanspruch einer einzigen Partei ist natürlich mit
dem freimaurerischen Credo ebensowenig vereinbar wie der Absolutheitsanspruch einer
einzelnen Rasse oder gar eines einzelnen Volkes.

Nationalsozialismus

Das folgende Urteil Hitlers über die Freimaurerei scheint mir sehr aufschlussreich zu sein: «Ich
glaube natürlich nicht im Ernst an die abgrundtiefe Bosheit und Schädlichkeit dieser in
Deutschland immer harmlos gewesenen Vereinigung. Ich habe mir sehr genau Bericht erstatten
lassen. Nun, was da von angeblichen Greueln zutage kam, von Skeletten, Totenköpfen, Särgen
und geheimnisvollen Zeremonien, das ist alles Kinderschreck. Aber eins ist das Gefährliche, und
ist auch dasjenige, was ich von den Freimaurern übernommen habe. Sie haben eine Lehre
gebildet, die in Symbolen und Riten stufenweise höhere Einsicht gewährt. Die Erziehung durch
Symbole und Riten ist das Gefährliche und Grosse und von mir Übernommene. Sehen Sie nicht,
dass unsere Partei etwas ganz ähnliches sein muss? Aber das bedeutet natürlich, dass es nicht
etwas Ähnliches von anderer Seite geben darf. Entweder wir oder die Freimaurer oder die Kirche.
Aber niemals zwei nebeneinander. (Hitler zit. in Itor,1987, S. 64f.)

In der Auseinandersetzung der Alliierten mit dem Nationalsozialismus spielten nicht nur Worte
und Panzer, sondern auch Symbole eine Rolle. Der Handmagie Hitlers zum Beispiel ('deutscher
Gruss') setzte der Freimaurer Winston Churchill die brennende Zigarre und das V Zeichen
entgegen. Das V Zeichen (Victory) soll Churchill von seinem Mentor in Sachen Magie, dem
Satanisten Aleister Crowley, übernommen haben. (Dazu Memopress Nr. 2, S. 1982) Neben
Winston Churchill waren noch andere prominente Führer der Alliierten Freimaurer, so die
amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt und Harry S. Truman. (Itor FM 1987 69) Von
den deutschen Freimaurern nahmen viele am aktiven und passiven Widerstand teil; viele wurden
ermordet. (Binder Wiss. 1988 79f.)

4.2.5. Zusammenfassung

Zusammenfassend kann zum Thema 'externe Auseinandersetzungen' gesagt werden: Der Geist
der Freimaurerei hat nicht nur den Absolutismus besiegt, sondern auch den Nationalsozialismus
und den Kommunismus. Die evangelischen Kirchen hat er gespalten und zum Teil ganz
beschlagnahmt, wobei der Hauptangriff gegen die Waffe gerichtet ist, die die Reformatoren dem
Katholizismus entgegenhielten: das Wort. Seit dem zweiten vatikanischen Konzil wirkt er
innerhalb der katholischen Kirche.

5. Einfluss auf Staat, Wirtschaft und Gesellschaft

Die Freimaurerei tritt gegen aussen nicht durch ihre Institutionen, Logen, Grosslogen oder
internationalen Vereinigungen in Erscheinung, sondern will hauptsächlich über die einzelnen
Mitglieder als individuelle Persönlichkeiten Einfluss auf Staat, Wirtschaft und Gesellschaft
nehmen. Darum geht es in diesem Kapitel in erster Linie um eine Zusammenstellung der Namen
von Personen, die nachgewiesenermassen Freimaurer waren. Dabei werden wohl einige Lücken
offen bleiben, vor allem was die Mitgliedschaft der heute noch lebenden Freimaurer angeht.
Jeder Freimaurer kann sich über seine eigene Mitgliedschaft offen äussern, gleichzeitig hat er
sich aber verpflichtet, nichts über die Mitgliedschaft anderer auszusagen. So mag aber dennoch
ein Mosaik entstehen, das ein mehr oder weniger deutliches Bild über das Wirken der Freimaurer
und die Wirkung der Freimaurerei sichtbar macht.

Natürlich sind auch die internationalen freimaurerischen Vereinigungen nicht ohne Einfluss, von
denen die drei wichtigsten ihren Sitz in der Schweiz haben: Die Internationale Maurerische
Vereinigung (AMI) mit Sitz in Genf hat die Grosslogen der Johannismaurerei als Mitglied. In der
Allgemeinen Freimaurer Liga mit Sitz in Basel können alle Freimaurer als Einzelpersonen
Mitglied werden. Die Lausanner Konföderation der Hochgradfreimaurer gilt als das
Aktionszentrum der sogenannten 'Weltfreimaurerei'. (S. dazu auch: Blaubuch FM 1934, Lerich
FM 1937 28f.) Auf die Aktionen dieser Vereinigungen kann in dieser Arbeit nicht eingegangen
werden, da wir über zuwenig zuverlässige Informationen verfügen.

5. 1. Einfluss auf den Staat

Der Einfluss der Freimaurerei auf den Staat hat sich vorerst in den einzelnen Ländern sehr
unterschiedlich gestaltet, bedingt durch «den verschiedenen Volkscharakter, die Verschiedenheit
der politischen Zustände und vor allem durch die Verschiedenheit der kirchlichen und kulturellen
Verhältnisse.» (Schenkel, S. 30) Auf die einzelnen Länder soll im folgenden kurz eingegangen
werden. Im allgemeinen können wir sagen, dass die Freimaurerei in den angelsächsischen sowie
in anderen protestantischen Ländern sehr bald zu einer staatsfreundlichen, staatsbildenden und
staatstragenden Macht wurde, während in den romanischen und anderen katholischen Ländern
bis zum Zeitpunkt der allfälligen Machtübernahme ein antiklerikaler, kritisch bis revolutionärer
Einfluss ausgeübt wurde.

Seit ihrer Gründung hat die Freimaurerei versucht, in den einzelnen Staaten 'von oben' Einfluss
auszuüben und die obersten Machthaber für sich zu gewinnen. Das ist ihr in manchen Ländern
sehr bald gelungen.

5.1.1. Die konstitutionelle Monarchie

Zur Zeit der Gründung waren die obersten Machthaber Monarchen. Im umfassenden und
aufschlussreichen Werk von Riegelmann (1943, Neudruck 1985) über 'die europäischen
Dynastien in ihrem Verhältnis zur Freimaurerei' sind unter anderem übersichtliche 'genealogische
Tafeln' enthalten, wobei von jeder Person angegeben ist, in welchem Verhältnis sie zur
Freimaurerei stand (Mitglied, Freund, Gegner) und wie sich das Verhältnis entwickelte. In
England kam es schon früh zu einer 'Identität zwischen Dynastie und Freimaurerei'. Riegelmann
findet »in 225 Jahren zwanzig Angehörige des englischen Königshauses als Mitglieder der
Freimaurerei vor und z.T. sogar mit höchsten maurerischen Würden ausgestattet, darunter fünf
britische Könige... Zugleich finden wir keinen einzigen Gegner der Freimaurerei im englischen
Königshause.» (Ebd. 402f.) Hauptsächlich in England und durch England, später auch durch die
USA, machte die Freimaurerei Politik. Zeitweise war der Einfluss über die Monarchen auch in
Deutschland stark, und besonders auch »die nordischen Dynastien sind mit sehr zahlreichen
Angehörigen aktiv der Freimaurerei verbunden.» (Ebd. 408)

Die Monarchen versuchten in der Regel, sich der Freimaurerei als machtpolitisches Instrument zu
bedienen: Die Dynastie schafft sich in der Freimaurerei ein politisches Instrument. Riegelmann
zeigt, dass diese Rechnung im Rückblick nicht aufgegangen ist. Umgekehrt: Die Freimaurerei hat
sich der Dynastien bedient. Manchen Monarchen war 'die grundsätzlich antimonarchische
Einstellung der Freimaurerei' von Anfang an bewusst. Daher »die so zahlreichen Verbote der
Freimaurerei in den verschiedensten monarchischen Staaten Europas im Wandel der Zeiten.«
(Ebd. 41.) In Deutschland und Dänemark entstanden 'Antimassonianische Sozietäten'. «Hier
bildet sich sozusagen erstmalig eine antifreimaurerische Organisation rein aristokratischen
Charakters bzw. eine regelrechte Dynasten Bewegung gegen die als staatsfeindlich erkannte
Freimaurerei.« (Ebd. 411) Manche Freimaurer Monarchen haben sich mit der Zeit selbst wieder
von der Freimaurerei distanziert, so auch Friedrich der Grosse, dessen Vater, Friedrich Wilhelm
I., ein ausgesprochener Feind der Freimaurerei war.

Der Rückblick zeigt also, dass sich die Freimaurerei der monarchischen Dynastien nur bedient
hat, um ihr eigenes Programm durchzusetzen, das nicht monarchistisch ist. Auf
monarchistischem Boden ist die konstitutionelle Monarchie das Ziel der Freimaurerei. Das war
auch, wie wir gesehen haben, am Anfang der Französischen Revolution so. (Hess FM 1989 163)
Diejenigen Monarchien und Dynastien aber, die sich nicht mit einer weitgehenden und
grundsätzlichen Relativierung ihres Herrschaftsbereiches haben abfinden können, sind von der
politischen Landkarte verschwunden. «Im Grunde widerspricht die Existenz jeder Monarchie
jeglicher freimaurerischen Lehre, Haltung, Zielsetzung: der universal überstaatlich, inter und
antinational gemeinte, empfundene und angewandte Satz von 'Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit'
bestreitet von vornherein jeder Dynastie, jeder nationalen Monarchie wie überhaupt jedem
eigenständigen und 'autoritären' Führertum das Daseinsrecht.« (Riegelmann, S.412).

5.1.2. Gewaltentrennung, demokratischer Rechtsstaat

Den freimaurerischen Idealen entspricht auf politischer Ebene die Idee der Gewaltentrennung
und der Versuch, national und international einen demokratischen Rechtsstaat zu bilden. Wenn
es keine absolute Wahrheit gibt, dann kann es auch niemanden geben, der 'rechtmässig'
uneingeschränkt Macht ausüben kann. Jeder menschlichen Machtausübung ist zu misstrauen,
und jede Gewalt muss durch eine andere Gewalt kontrolliert werden und notfalls in die Schranken
gewiesen werden können. Charles Louis de Secondant, Baron de la Brède et de Montesquieu
(1689 1755) war Freimaurer und «Mitbegründer einer der ersten französischen Logen». (Oslo,
S.406) Montesquieu gilt bekanntlich als Vordenker der Gewaltentrennung und als einer der
Begründer des demokratischen Rechtsstaates. Nach seiner Vorstellung der Gewaltentrennung in
Legislative, Exekutive und Judikative sind die USA, die Schweiz und andere Länder politisch
organisiert. Heute spielen die Medien als sog. 4. politische Kraft eine immer wichtigere Rolle.

Das Wesen des demokratischen Rechtsstaates besteht darin, dass alles staatliche Handeln nur
innerhalb und aufgrund von Gesetzen erfolgen soll, die in einem demokratischen Verfahren
zustande gekommen sind. Nicht Gott stiftet jetzt mehr die Gesetze, und es geht nun auch nicht
mehr nur um ein Volk. Der Mensch gibt sich die eigenen Gesetze selbst. Jedes Volk soll sich
seine eigenen Gesetze selbst geben. Es kommt nun zu einer neuen Art von Gesetzlichkeit': der
Mensch erwartet Ruhe, Ordnung, Sicherheit etc. aufgrund der selbst gegebenen Gesetze, und er
verzichtet auf Selbstjustiz zugunsten der gemeinsamen Justiz. Die Einübung in diese
rechtsstaatliche Art sittlichen Verhaltens wird heute noch oft in den 'Western' dargestellt: Der
'Wilde Westen' wird zivilisiert, indem der wirklich 'Gute' den Bösewicht nicht umbringt, sondern
einem ordentlichen Gericht übergibt.

5.1.3. Einzelne Länder

Im folgenden sollen die wichtigsten Staatsmänner der einzelnen Länder, die Freimaurer waren,
genannt werden. Die Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft werden in den nächsten
Abschnitten aufgeführt.

Grossbritannien:

«Der Einfluss der Freimaurerei in England ist kaum abzuschätzen. Wenn man alle berühmten
Freimaurer Englands, Schottlands und Irlands aufzählen wollte, hiesse das, eine Geschichte
dieser Länder seit bald dreihundert Jahren in ihrem Verlauf auf allen Gebieten darzulegen.
Darunter sind fünf Könige und viele ihrer Brüder und nächsten Verwandten, die Politiker von Lord
Chesterfield bis Winston Churchill; das Heer und die Flotte sind durch Männer wie Wellington,
Kitchener, Haig und viele andere vertreten.» (Naudon,1982, S. 58) Zu nennen wäre noch der
Seeheld Admiral Nelson sowie der einflussreiche Staatsmann und Schriftsteller Benjamin Disraeli
(1804 1881). Die folgenden Könige von England waren Freimaurer: Georg IV., Wilhelm IV.,
Eduard VII., Eduard VIII., und Georg Vl. Die Zahl der Freimaurer in Grossbritannien wird heute
auf 600'000 geschätzt.

Deutschland und Österreich:

Auf englisches Betreiben konnte Friedrich der Grosse während seiner Kronprinzenzeit zum
Eintritt in eine Loge gewonnen werden. (Riegelmann, 406) »Freimaurer waren im übrigen König
Friedrich Wilhelm II., der aber zunehmend immer mehr der Rosenkreuzerei in die Hände geriet,
Wilhelm I., der spätere Kaiser, der auch Protektor der Altpreussischen Grosslogen war, wie sein
Sohn, der spätere Kaiser Friedrich III. ... Der letzte deutsche Kaiser, Wilhelm II., war nicht
Freimaurer, ebensowenig sein Bruder... und die sechs Söhne des Kaisers. Es ist durchaus
wahrscheinlich, dass es Bismarck gewesen ist, der einen etwaigen Eintritt Wilhelms II. noch als
Prinz von Preussen zu verhindern gewusst hat.» (Riegelmann S. 406) Berühmte Freimaurer
Militärs waren die Generäle Gebhard von Blücher, Neidhardt von Gneisenau und G.J.D von
Scharnhorst. (Oslo, S. 401) Nur wenige wichtige Angehörige des Hauses Habsburg Lothringen
waren Freimaurer. «Der erste von ihnen war der spätere Kaiser Franz I. und Gemahl der Kaiserin
Maria Theresia... Als letzter Angehöriger dieser Dynastie galt Kronprinz Rudolf von Österreich in
Hofkreisen als Freimaurer... Demgegenüber hat die Freimaurerei in Österreich seit der Zeit Maria
Theresias über Joseph II., Leopold II., Franz II. (Metternich) bis zum Zusammenbruch des
Habsburgerreiches beständig unter schärfsten Verboten der kaiserlichen Regierung gestanden.»
(Ebd. 405) Heute gilt die FDP in Deutschland als die Partei der Freimaurer. Im übrigen
beschäftigen sich laut Valmy die deutschen Freimaurer hauptsächlich mit der Interpretation von
Symbol und Ritual sowie mit Forschung und Philosophie. Ihre Zahl wird auf 20'000 geschätzt.
Von den Nachkriegspolitikern in Österreich ist Fred Sinowatz sicher Freimaurer (Binder,107).
Bruno Kreisky soll angefragt worden sein, aber den Beitritt abgelehnt haben. (Memopress, Nr.2,
1982, S.4 »Ich wollte keinem geheimen Verein angehören.»)

Schweiz:

«Der seit 1830/48 politisch herrschende Freisinn war teils von Freimaurern durchsetzt. Zumindest
sprach man davon, dass, wenn man Helveter, Freisinniger und Freimaurer sei, man den Aufstieg
zum Regimentskommandanten und Nationalrat nicht verhindern könne. Nachweislich waren die
Freimaurer zwischen 1881 und 1919 mit gut zehn Prozent in beiden Kammern vertreten... Es
gehörten allerdings nur fünf Bundesräte darunter hervorragende wie Furrer und Ruchonnet der
Freimaurerei an. Der Einfluss war in den Kantonen Waadt, Genf und Neuenburg, wo die Logen
seit jeher zahlreich waren, besonders stark, später auch in anderen Kantonen.» (Im Hof, 1984,
14) Jonas Furrer war der erste Schweizer Bundespräsident, die Namen der anderen Bundesräte,
die mit Sicherheit Freimaurer waren, sind: Borel, Lachenal, Ruchet, Ruchonnet. (Itor S. 68)
Während des zweiten Weltkrieges betrieb der Freimaurer Hans Hausamann (1897 1974) mit
seinem 'Büro Ha' einen erfolgreichen 'privaten' Geheimdienst. (Alpina Nr. 10/1984 235) Heute
gibt es in der Schweiz rund 4'000 Freimaurer in 59 Logen.

Frankreich:

Der Einfluss der Freimaurer zur Zeit der Französischen Revolution wurde bereits kurz dargestellt.
Die Mitgliedschaft Napoleons I. in einer Loge ist nicht nachgewiesen. Hingegen behandelte er die
Freimaurerei als eine offiziöse Einrichtung und unter seiner Protektion stehend. Die Mehrheit der
Offiziere in Napoleons Heeren waren Maurer, die überall, wo sie hinkamen, Logen gründeten,
und es gab kaum einen Marschall von Frankreich, der nicht dem Bunde angehörte.
(Naudon,1982, 91) «Der 'Bürgerkönig' Louis Philippe von Orléans, der Sohn des Renegaten und
einstigen Grossmeisters des 'Grand Orient de France', Philippe Egalité , war der einzige
französische König, der selber Freimaurer war... Napoleon III. war mit Hilfe der schärfsten
Gegnerin aller Freimaurerei, der klerikal jesuitischen Partei, ’Präsident der Republik' und
schliesslich 'Kaiser der Franzosen' geworden... Zuletzt aber triumphierte in der 'dritten Republik'
jenes radikal demokratische System, das seine freimaurerische Herkunft und Beschaffenheit nie
verleugnet hat.» (Riegelmann, S.404) Die Trennung von Kirche und Staat, die ausschliesslich
von Laien geleitete Volksschule, die Aufhebung der religiösen Orden all dies war kurz nach der
Jahrhundertwende im wesentlichen das Werk freimaurerischer Politiker, wobei freimaurerische
Gesichtspunkte die entscheidende Rolle gespielt haben. (Valmy, S. 27) Valmy bezeichnet die
französische Freimaurerei als ein 'schillerndes Gebilde', aufgespalten in 'sieben Obedienzen mit
teilweisen Kontakthürden' und insgesamt rund 35'000 Mitgliedern. Sie stehen heute meist der
sozialistischen Partei nahe. Der heutige Staatspräsident Francois Mitterrand soll einer Loge
angehören.

Italien:

Die italienische Freimaurerei des 19. Jahrhunderts hat stets «in heftigster Weise gegen das
Papsttum frondiert«. (Frondieren = Widerstand zeigen) (Mellor Wiss. 1985, 177) Wichtigste
Mitglieder waren der Freiheitskämpfer und Staatsmann Giuseppe Garibaldi (1807 1882), der
geistige Führer der radikalen Richtung des italienischen Risorgimento (Risorgimento = ital.
Einigungsbestrebungen im 19. Jh.), Giuseppe Mazzini (1805-1872) sowie der liberale
Staatsmann Camilio Benso Graf v. Cavour (1810-1861). Der Offizier und Dichter Gabriele
D'Annunzio (1863-1938) war ebenfalls Freimaurer. (Naudon, S. 162) Im 20. Jahrhundert hat die
italienische Freimaurerei unter anderem durch die unrühmliche 'Geheimloge P2' von sich reden
gemacht.

Skandinavien:
Der schwedische Mystiker Emanuel Swedenborg (1688-1772) war nie Freimaurer, hat jedoch die
Schwedische Lehrart beeinflusst. (Naudon, S. 157) Diese entwickelte sich «um 1760 aufgrund
französischer und anderer Hochgradmaterialien zu einem hierarchisch eingerichteten, gnostisch
kabbalistischen System mit neun Graden, das im alleinigen Bewahrer des Geheimnisses, dem
Ordensmeister gipfelt, der auch Vicarius Salomonis oder 'Stellvertreter Christi' heissen konnte»
(Hammer Prot. 1984 26, s.a. Nielsen Prot, FMG 1882, 1883). Mitglied waren die meisten
schwedischen Könige, nämlich: Oskar I., Oskar II., Gustav III., Gustav IV., Karl XIII., Karl XIV.,
Karl XV., Gustav V., Gustav VI. (Itor S. 68). Auch viele dänische Könige waren Freimaurer:
Friedrich V., Friedrich VI., Friedrich VIII., Christian VIII., Christian X. (Itor S. 69) Christian VIII.
führte die Schwedische Lehrart in Dänemark ein. (Nielsen 1882 S.2) Bekannte norwegische
Freimaurer waren König Haakon VII. (1872 1957) und der als Kollaborant mit Hitler hingerichtete
Vidkun Quisling (1887 1945). (Itor S.59, Naudon S. 157) Freimaurer war auch der erste
isländische Staatspräsident Sveinn Björnsson (18811952). (Itor S.68)

Niederlande und Belgien:

«Die Königshäuser der Niederlande und Belgiens haben zwar der Freimaurerei einige
Angehörige gestellt, ohne jedoch politisch hiermit irgendwie hervorzutreten. Selbst Leopold I. von
Belgien z.B. hielt sich im Gegenteil aus politischer Klugheit... von der Freimaurerei, der er selber
angehörte, sehr distanziert.« (Riegelmann S. 409) Itor nennt die holländischen Könige Louis
Bonaparte und Wilhelm II. als Logenmitglieder.

Andere westeuropäische Länder.

Die Dynastien in Spanien und Portugal sind »fast gar nicht mit Mitgliedern in der Freimaurerei
vertreten.» (Riegelmann S. 409) Einzig die spanischen Könige Karl III. und Amadeus Ferdinand
von Savoyen sollen einer Loge angehört haben. (Itor S. 69) Die Monarchien und Herrscher dieser
Länder werden oft von der Freimaurerei bekämpft. «Nirgends hat sich der Kampf zwischen der
revolutionären Freimaurerei und der streng katholischen Monarchie in so radikalen Formen
abgespielt wie hier.» (Riegelmann S. 409) Freimaurer waren die griechischen Könige Konstantin
I. (1868-1923) und Georg II. (1890 1947). (Oslo S. 401, 404) Der irische Katholikenführer Daniel
O'Connell (1775-1847) gehörte ebenfalls einer Loge an. (Oslo S. 407)

Osteuropa:

Die folgenden russischen Zaren sollen Freimaurer gewesen sein: Alexander I., Peter III., Paul I.,
Alexander II. (Itor S. 68) Zwischen Zarentum und Freimaurerei kam es auch zu schweren
Auseinandersetzungen. »Die Führer des Dekabristen Aufstandes vom 14.12.1825 waren fast
ausnahmslos Freimaurer: an ihrer Spitze P.I. Pestel (1792-1825), der geistige Urheber der ersten
organisierten Erhebung gegen das Zarenreich.« (Itor S. 49) Später waren die Freimaurer in der
liberalrevolutionären 'Kadettenpartei' vertreten und versuchten, die Aufklärung in Russland
voranzutreiben. Freimaurer war auch der russische Politiker A.F. Kerenskij (1881-1970). (Lerich
S.43) «Die Fürsten Lwow und Nolde waren eifrige Freimaurer, und bis zur Revolution wahren die
russischen Logen ihren Mystizismus, der sich vor allem in der Wertschätzung des Grades vom
Rosenkreuz kundtut. Das politische Leitbild der Logen war eine parlamentarische Demokratie des
westlichen Typs.» (Mellor S. 471) Die bekannten tschechischen Politiker Eduard Benesch (1884-
1948) und Jan G. Masaryk (1886-1948) waren Freimaurer. (Oslo S. 395, Itor S. 59f.) Die
polnischen Könige Stanislaus I. und Stanislaus II. waren Logenmitglieder. (Itor S. 69) Wie
erwähnt erfahren die Logen jetzt im Osten eine Renaissance.

Vereinigte Staaten von Amerika:

In den USA hat die Freimaurerei eine staatsbegründende und staatstragende Bedeutung. »50
von den 55 Mitgliedern der konstituierenden Nationalversammlung, sämtliche Gouverneure der
13 Gründerstaaten, 20 von 29 Generälen George Washingtons und 104 seiner 106 Offiziere
waren aktive Freimaurer. Der Verfasser der Unabhängigkeitserklärung, Thomas Jefferson,
gehörte ebenso einer Loge an... Die Grundsteinlegung zum Kapitol in Washington, die nach
freimaurerischem Ritus vor sich ging, vollzog George Washington bekleidet mit einem von der
Marquise Lafayette für ihn angefertigten Freimaurerschurz» (Itor,1987, S.11). Auch der Diplomat,
Erfinder und Schriftsteller Benjamin Franklin (1706-1790) war Freimaurer; 1734 wurde er
Provinzialgrossmeister für Pennsylvania. Ein grosser Teil der amerikanischen Präsidenten
gehörte einer Freimaurerloge an, so unter anderen nach George Washington: James Monroe,
Andrew Jackson, James K. Polk, James Buchanan, Abraham Lincoln, Andrew Jackson, James
A. Garfield, William McKinley, Theodore Roosevelt, William Howard Taft, Warren G. Harding,
Franklin D. Roosevelt, Harry S. Truman, Lyndon B. Johnson, Gerald Ford. (Itor S.69, Naudon S.
194, Oslo S. 400ff.) Auch viele Generäle machten in der Freimaurerei mit, so zum Beispiel: John
J. Pershing, Charles P. Summerall, Douglas Mac Arthur, Malin Craig, Henry H. Arnold. (Itor S. 69,
Naudon S. 194) Auch John Edgar Hoover, langjähriger Direktor des FBI, war Freimaurer. (Oslo
S. 403) Neben England sind die USA wohl das 'freimaurerischste' Land der Welt. Von den
weltweit 6 Millionen Freimaurern leben 4 Millionen in den USA. Es bestehen in den USA rund
15'700 Logen, weltweit gibt es etwa 33'600 Logen. (Von Ins,1974 S. 29) Wie wir sehen werden,
haben Freimaurer auch das amerikanische Kulturleben entscheidend mitgeprägt.

Südamerika:

Bekannte Freimaurer waren:

- Simon Bolivar (1783 1830), Führer der lateinamerikanischen Unabhängigkeitsbewegung und


Freiheitsheld des ganzen Kontinents. (Oslo S.397)
- Miguel Hidalgo y Costilla (1753 1811), katholischer Priester und 'Vater der mexikanischen
Unabhängigkeit'. (Oslo S. 403)
- José Maria Marti (1853 1895), 'Apostel und Märtyrer der kubanischen Unabhängigkeit'. (Itor S.
60)
- Tomas Cipriano de Mosquera (1798 1878), kolumbianischer Patriot und General. (Naudon S.
204)
- Anastasio Somoza Gareia (1896 1956), von 1937 bis 1947 Präsident von Nicaragua. (Oslo S.
409)
- Salvadore Gossens Allende (1908 1973), Arzt, Marxist, 1970 1973 chilenischer
Staatspräsident. (Oslo S. 409)

Andere Länder.

Ausserhalb der westlichen Welt gelang der Freimaurerei der bisher wohl grösste politische Erfolg
in der Türkei. 1923 setzte der Freimaurer Kemal Atatürk (1881-1938), der 'Vater der Türken', den
Sultan ab und rief die Republik aus. Die Auseinandersetzung zwischen westlicher Orientierung
und islamischem Fundamentalismus prägt noch heute die politische Landschaft dieses Landes.
In China war der grosse Politiker Sun Yat sen (1866-1925), der Begründer und Führer der 'Kou
min tang' (KMT), Freimaurer. Logenmitglied war auch der chinesische General und Politiker
Tschiang Kai-schek (1887-1975), der Begründer des heutigen Staates Taiwan. (Itor S. 68, Lerich
S. 48) Freimaurer waren zudem der philippinische Nationalheld José Rizal sowie der Präsident
der kurzlebigen philippinischen Republik nach dem spanisch amerikanischen Krieg, Aninaldo.
(Lerich S. 48) Der indische Jurist und Politiker Pandit Motilal Nehru (1861-1931), der Vater von
Jawaharlal Nehru, war Mitglied einer Loge. (Oslo S. 407) Schliesslich war der südafrikanische
Verwaltungsexperte und Finanzier John Cecil Rhodes (1853-1902) Freimaurer. Nach ihm war der
Staat 'Rhodesien' benannt.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die westlich demokratische Staatsauffassung


wesentliche Impulse durch freimaurerischen Geist empfangen hat. Manche Staaten bauen
buchstäblich auf dem Fundament der Freimaurerei auf. Freimaurerischer Geist wird vor allem in
den angelsächsischen Ländern und durch die angelsächsischen Länder in der ganzen Welt
wirksam. Der ideale freimaurerische Staat ist derjenige, in dem die Gewalten getrennt sind, sich
wechselseitig begrenzen und kontrollieren, so dass niemand absolute Macht ausüben kann. Jede
Machtausübung soll innerhalb und aufgrund von Gesetzen erfolgen, die in einem demokratischen
Verfahren zustande gekommen sind.

Wenn wir uns auch heute auf staatspolitischem Gebiet nichts besseres vorstellen können als
einen demokratischen Rechtsstaat, so wissen wir aus unserer christlichen Sicht eines gewiss:
auch er hat nur eine relative, beschränkte Bedeutung. Ob und wie diese - wie auch jede andere -
Staatsform funktioniert, hängt vom Geist ab, der durch sie zur Geltung gebracht wird oder
gebracht werden kann. Ohne den Geist Christi ist meines Erachtens gerade diese Staatsform
nicht dauerhaft lebbar, sie wird zur Farce und oft bald wieder abgeschafft. Die Beter erhalten den
Staat, nicht die Gesetze. Rein menschliche Gesetze, Gesetze, die nicht aus dem Geist des
Lebens geboren sind, blockieren das Leben, wirken ungerecht, werden umgangen und
übertreten, untergraben letztlich das Vertrauen in den Staat. Aufgrund von Gesetzen allein kann
niemand leben. Gesetze sind notwendig zur Disziplinierung von Menschen.

5.1.4. Überstaatliche Vereinigungen, Weltpolitik

Freimaurer haben sich nicht nur für nationalstaatliche Unabhängigkeit und Rechtsstaatlichkeit,
sondern schon bald auch für überstaatliche Vereinigungen eingesetzt. Der deutsche Philosoph
und Freimaurer Karl C. F. Krause (1781 1832) zum Beispiel konzipierte die «frühzeitige Form
eines Völkerbundes in föderativer Form». (Valmy, S. 55) Auch der französische Publizist Maurice
Monier (1877-1931) gilt als ein 'Vorkämpfer für Völkerversöhnung'. (Oslo, 406) »Der Völkerbund
ist keine direkte freimaurerische Gründung, er ist aber eine Institution, die naturnotwendig aus
dem Geiste der Loge heraus geboren wurde« (Lerich, S. 39). Der deutsche Staatsmann und
Freimaurer Gustav Stresemann (1878-1929) »erregte weltweites grosses Aufsehen mit der
unverkennbar freimaurerisch geprägten Antrittsrede vor dem Völkerbund.» (Oslo S. 409) Der
erste Vorsitzende des Völkerbundrates war der damalige französische Ministerpräsident und
Freimaurer Léon Victor Auguste Bourgeois (1851-1925). (Oslo, S. 397)

Der Völkerverständigung unabhängig und trotz jeder Sprachverwirrung sollte auch die
Schaffung einer neuen, künstlichen Weltsprache dienen.

Der Erfinder des Esperanto, der Deutsche Ludwig Lazarus Zamenhof (1859 1917) war
Freimaurer. Der im Jahre 1913 unter anderen vom Schweizer Theologieprofessor Quartier la
Tente mitgegründete freimaurerische 'Weltbund' erklärte das Esperanto zur 'Weltsprache'.
(Wichtl, 1919, S.6)

Von freimaurerischem Ursprung und Geist ist auch die Paneuropa Bewegung. Der Begründer der
Paneuropa Bewegung, der Freimaurer Richard Niklaus Graf v. Coudenhove Kalerghi (1894
1972), vertrat das Ziel eines europäischen Staatenbundes. Er war auch Generalsekretär der von
ihm begründeten 'Europäischen Parlamentarier Union'. Zur Zeit des Nationalsozialismus trat er
aus der Loge aus, «um den deutschnationalen Angriffen gegen die Paneuropa Bewegung nicht
noch zusätzliches Material zu liefern.« (Binder, S. 90)

Moser schreibt unter anderem in seinem Aufsatz über 'die Freimaurerei und die Satzungen der
Vereinten Nationen': Der Gedanke der Vereinten Nationen (UNO) ist eine freimaurerische
Schöpfung und stammt in erster Linie aus den USA. (S. 148) Freimaurer sind vor allem der
'Charta der Vereinten Nationen' und der 'Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte' zu Gevatter
gestanden. Sie atmen 'freimaurerischen Geist'. «Darüber, dass viele Freimaurer an diesem Werk
gearbeitet und sich eingesetzt haben, sind die meisten Freimaurer gar nicht aufgeklärt.« (S.144)

Weltpolitik:
Verschiedene Gruppen und Gesellschaften einflussreicher Persönlichkeiten, die auf höchster
Ebene Einfluss auf die Weltpolitik nehmen, sollen mit der Freimaurerei in Verbindung stehen. So
unter anderen der Club of Rome, die Trilaterale Kommission, der Council on Foreign Relations
(CFR), die 'Bilderberger', die Round table Gruppen, die B'nai B'rith sowie engere Kreise um die
Familien Rothschild und Rockefeller. Diese informellen Gruppen sollen hierarchisch, wie eine
Pyramide, geordnet sein. Eine solche Pyramide ist, zusammen mit dem 'allsehenden Auge
Gottes' und anderen FM Symbolen, auf der US 1 $ Note abgebildet. Zur Weltfreimaurerei sollen
rund 100 Organisationen gehören. Im Zusammenhang mit dem Bestreben nach
Völkerverständigung steht auch der Einsatz für den Frieden. Die Zeitschrift 'Alpina' (Nr. 12 1986
S. 298) nennt die folgenden Freimaurer, die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurden:
1902 Elie Ducommun (1833-1906), 1906 Theodore Roosevelt (1858-1919), 1911 Alfred Hermann
Fried (1864-1921), 1913 Henri de la Fontaine (1854-1943), 1920 Léon Victor Auguste Bourgeois
(1851-1925), 1926 Gustav Stresemann (1878-1929), 1929 Frank B. Kellogg (1856-1937), 1935
Carl von Ossietzky (1889-1938), 1953 George C. Marshall (1880 1959). Der 'Marshall Plan' hat
nach dem zweiten Weltkrieg bekanntlich wesentlich zur wirtschaftlichen Erholung Deutschlands
und damit Europas beigetragen. In der FM Literatur nicht genannt ist, möglicherweise weil er der
Schwedischen Lehrart angehörte: 1930 Nathan Söderblom (1866-1931), Mitbegründer der
ökumenischen Bewegung.

5.2. Einfluss in Wirtschaft, Wissenschaft, Technik

Der Einfluss der Freimaurerei auf die Arbeitsethik in den westlichen, protestantischen Ländern
scheint mir ausserordentlich gross aber unabschätzbar zu sein. Die Konzentration auf das
Diesseits, auf 'Taten statt Worte', und die Pflege eines 'Kultes der Arbeit' haben sicher den 'Geist
des Kapitalismus' stark geprägt. Wirtschaft, Wissenschaft und Technik werden dem
Herrschaftsbereich der Kirchen entzogen, verselbständigt und von jeglicher religiösen
Auseinandersetzung 'befreit', 'neutralisiert'. Sie sollten ihrerseits Massstab für Sinn, Wahrheit und
Erfolg werden. Das Kirchliche, Religiöse wird stark relativiert, aus der Alltagswirklichkeit verbannt,
und bekommt seine Geltung höchstens noch am Sonntag Vormittag. Wirtschaft, Wissenschaft
und Technik sind scheinbar 'wertfrei', über jede geistige Auseinandersetzung erhaben. Die
Hauptaufmerksamkeit gilt nicht nur dem diesseitigen Tun, sondern auch dem Erleben aller Art,
dem Beschaffen und Konsumieren von Erlebnissen. Diese heutige Realität atmet wohl eindeutig
und deutlich auch den Geist der Freimaurerei.

Die Freimaurerei erhebt denn auch den Anspruch, in dieser Welt der Wirtschaft, Wissenschaft
und Technik Orientierung zu ermöglichen. «Die Freimaurerei entwickelt die ethischen Normen,
die Wissenschaft und Technik erst zu Werkzeugen des Menschen statt zur Gefahr der
Menschlichkeit machen.« (Dazu Ulmer Journ. 1990)

5.2.1. Die Eroberung der Welt

Wir haben gesehen, dass der freimaurerische Arbeitsraum eine diesseitige, dem Menschen
zugängliche Welt (bzw. Welten) symbolisiert, in der sich der Mensch nach seinen Massstäben
orientiert: Nach Osten und Westen, Norden und Süden, nach Sonne, Mond und Sternen sowie
nach anderen Menschen (Meister vom Stuhl) richtet sich der Blick, die Aufmerksamkeit, die
Orientierung.

Die folgenden Namen zeigen, dass erstaunlich viele derjenigen, die das Diesseits erobern
wollten, Freimaurer waren. Dazu sollen auch die Abenteurer aller Art gezählt werden. Freimaurer
waren die Arktisforscher Ronald Amundsen und Robert F. Scott. Der Antarktisforscher Admiral
Richard E. Byrd gründete zusammen mit 60 von 85 Teilnehmern einer Expedition 1935 die
'Antarctic Loge No. 777' (Itor S. 51). Der Erfinder des Heissluftballons, Jacques Etienne
Mongolfier, sowie der Flugpionier Charles August Lindbergh besuchten eine Loge. Von den
amerikanischen Astronauten waren die folgenden sicher Freimaurer: L.G. Cooper jun., John H.
Glenn, Grissom, Eisele, Aldrin, Stafford, Schirra. (Oslo, S. 401, 405f., Zendralli, S. 22) Eroberer
von altertümlichen Schätzen war der bekannte deutsche Altertumsforscher und Kaufmann
Heinrich Schliemann (1822-1890), der u.a. Troja entdeckte.

Wesentlich wichtiger und einflussreicher als die realen Abenteurer sind die phantastischen
Abenteuer der Helden freimaurerischer Schriftsteller und Filmemacher, auf die wir noch zu
sprechen kommen werden (von Goethes Faust und Peter Schlemihl bis z.B. zu Gullivers Reisen,
Tom Sawyer und Huckleberry Finn, Sherlock Holmes, Ben Hur, Kipling's Dschungelkind Mowgly,
Micky Maus & Co., die Filmhelden von Charlie Chaplin und viele andere mehr).

5.2.2. Wer steuert die Wirtschaft?

In Verschwörungstheorien erscheinen die Freimaurer oft als die geheimen Drahtzieher des
wirtschaftlichen Geschehens. Hitler pflegte in diesem Zusammenhang die Freimaurer in einem
Atemzug mit den Juden zu nennen. Aus unserer Sicht sind es natürlich sicher nicht die
Freimaurer, die die Welt regieren. Hinter allem Geschehen stehen geistige Mächte, und der
Mensch meint höchstens, die wirtschaftlichen Verhältnisse selbst gestalten und kontrollieren zu
können.

Ein solcher Versuch, die wirtschaftlichen Beziehungen selbst zu gestalten, sind die sogenannten
'Service Clubs' (Rotary, Lions, Kiwanis u.a.m.), von denen die meisten erwiesenermassen mit der
Freimaurerei in einem direkten Zusammenhang stehen. Sie gelten auch als ein Missionsfeld der
Freimaurerei, indem bei Leuten, die in diesen Klubs noch nicht die wichtigen und richtigen
Kontakte haben anknüpfen können, inoffiziell die Erwartung geweckt wird, bei den Freimaurern
seien die wirklich einflussreichen 'Freunde' zu finden. (S.a. Rothkranz Kath. 1990 49ff.) »1905 rief
der Hochgradfreimaurer Paul Harris in Chicago 'Rotary International' ins Leben, 1917 folgte in
derselben Stadt Melvin Jones mit den 'Lions International'.« (Ebd. 49).

Böni verteidigt in seinem Artikel 'Rom und die Rotarier' die Rotarier vehement gegen einen
'Erlass der katholischen Kirche gegen die Rotarier'. Er schreibt: «Freimaurer standen an der
Wiege des Rotary-Klubs.» (S. 66) Und es gibt «eine grosse Zahl von Rotariern, die zugleich
Freimaurer sind.» (S. 67) Die Rotarier haben ähnliche Ideale wie die Freimaurer. Im Gegensatz
zu den Freimaurern ist aber die 'Erweiterung des Bekanntenkreises' ausdrückliches Ziel. Beiden
gemeinsam ist das Bekenntnis zu einem allgemeinen Menschentum unabhängig von
Konfession, Religion und Parteizugehörigkeit sowie das Bestreben 'hitzige' geistige
Auseinandersetzungen zu vermeiden. »Politische und religiöse Gespräche von Partei gegen
Partei oder Religion gegen Religion werden bei ihnen ebensowenig wie in unseren Logen
gehalten.« (S. 66) Ähnliches kann von den Mitgliedern des Lions Club (Liberty Intelligence Our
Nations Safety) gesagt werden: Viele Lions sind zugleich Freimaurer (Rothkrantz S. 51). Melvin
Jones (1880 1961), der Gründer des Lions Club, »war Mitglied der 'Garden City Lodge No. 141'
in Chicago« (Oslo, 404). Älter und heute wohl weniger einflussreich ist der 1803 in London
gegründete Odd Fellow Orden, der noch direkter und offizieller mit der Freimaurerei verbunden
ist. Dieser wollte (und will) eine 'Pflanzstätte der Menschlichkeit und der Wohltätigkeit' sein
(Brodbeck, 79).

Von den in der Wirtschaft wirklich massgebenden Personen und Firmengründern scheinen mir
relativ wenige Freimaurer gewesen zu sein, bzw. zu sein. In der freimaurerischen Literatur
werden die folgenden Firmengründer und Unternehmer genannt (S. Oslo, S. 393ff., Zendralli S.
22, Itor S. 67ff.): Henry Ford (Autos), Charles C. Hilton (Hotels), John Jacob Astor (Hotels), Frank
G. Hoover (Staubsauger), George Mortimer Pullman (Eisenbahn-Schlafwagen), Samuel Colt
(Feuerwaffen), Pierre Samuel du Pont de Nemours (Chemie u.a.m.), Eberhard Faber
(Schreibmaterial), King Camp Gillette (Rasierapparate), Anton Philipp Reclam (Verleger). Die
Rothschilds sollen seit 1809 den deutschen, französischen und englischen Logen angehören.
(Wichtl,1909, 61) In der Schweiz sind Jakob Rieter (Spinnereimaschinen) und Philippe Suchard
(Schokolade) zu nennen.

Auch unter den wissenschaftlichen Ökonomen scheint es relativ wenige Freimaurer zu geben.
Bekannt ist, dass der deutsche Volkswirt Friedrich List (1789-1846) Freimaurer war. (Deiters S.
202)

5.2.3. 'Humane' Wissenschaft und Technik

In der freimaurerischen Literatur werden auch sehr wenige Wissenschaftler und Techniker
genannt, die Freimaurer waren oder sind. Erwähnenswert sind: Alexander Fleming, der
Entdecker des Penicillins, der Zoologe Alfred Edmund Brehm ('Brehms Tierleben'), der Physiker
Albert Abraham Michelson sowie verschiedene Ärzte. Der grösste Teil der von Itor in dieser
Rubrik genannten Personen sind Ärzte. (Itor S. 68) Von den Ärzten seien erwähnt: Christoph
Wilhelm von Hufeland (1762-1836), Charles Richet (1850-1935), der 1913 den Nobelpreis für
Medizin erhielt. Auffallend ist der relativ grosse Anteil der 'Alternativ Mediziner': Freimaurer war
der Arzt und Magnetiseur Anton Mesmer (1734-1815), «der Begründer des Mesmerismus, des
animalischen Magnetismus und anderer Heilmethoden jenseits der Schulmedizin.« (Itor S. 41)
Der Begründer der Homöopathie, Christian Friedrich Samuel Hahnemann (1755-1843) war
ebenfalls Freimaurer. (Oslo S. 402) Zu den Freimaurern gehörte auch der englische Arzt Bach,
der die heute in esoterischen Kreisen berühmte und beliebte 'Bach Blüten-Therapie' entwickelte.
Der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung war Sohn und Enkel führender schweizerischer
Freimaurer». (Spitzbarth FM 1968 11)

5.3. Einfluss auf die Gesellschaft

Seit der Aufklärung entwickelt sich ein gesellschaftlicher Bereich als eine von Kirche und Staat
unabhängige Lebenssphäre. Der Mensch 'emanzipiert' sich von kirchlicher und staatlicher
Bevormundung und organisiert sich sein Gesellschafts und Privatleben selbst. Er schafft sich
seine eigenen Beziehungen und Vereine, wählt sich seine eigene Kirche und Religion aus, er
erzieht und bildet sich selbst, er erdenkt und erdichtet sich seine eigenen Welten, und er sorgt für
die eigene Unterhaltung. Nicht zuletzt versichert er sich selbst und hilft er sich selbst bei allen
Wechselfällen des Lebens. Freimaurer haben bei der Verselbständigung und Ausgestaltung
dieses gesellschaftlichen Lebensbereiches wesentlich mitgewirkt. Der Mensch schafft sich die
Regeln des Zusammenlebens selbst: Der Verfasser des Werkes 'Über den Umgang mit
Menschen', Adolph Freiherr von Knigge (1752-1796) war Freimaurer. (Itor FM 1987 20, Oslo FM
1988 404)

5.3.1. Sozietäten und Vereine

Nach Im Hof ist die Freimaurerei ein Teil der 'umfassenden Sozietäts oder
Gesellschaftsbewegung', die im 18. Jahrhundert entstand und bis heute nachwirkt. Die
wissenschaftlichen Akademien und gelehrten Gesellschaften, die literarischen Gesellschaften
und Lesegesellschaften, die gemeinnützigen Gesellschaften, die ökonomisch landwirtschaftlichen
Gesellschaften sowie die patriotisch politischen Gesellschaften wirkten als 'Beförderer von
Reform und Aufklärung'. In ihnen wirkte ein humanitär liberal aufgeklärter Geist, der mit dem
freimaurerischen Geist eng verwandt war. (Im Hof 1982 168f.) »Ähnlich wie in vielen Sozietäten
wurde der internationale Zusammenhang gepflegt. Schliesslich war die Freimaurerei den
Sozietäten gleich in der Betonung der Gleichheit innerhalb der Gesellschaft. Adelige und
Bürgerschaft fanden sich hier auf gleichem Fuss als 'Brüder' einem höheren Ideal, dem
Tempelbau, unterstellt.« (Ebd. 169) Sozietäten wie Freimaurer pflegten zudem die Geselligkeit
und die Gemeinschaft, was auch für die heute blühenden Vereine gilt, die ebenfalls eine
gemeinsame menschliche Aktivität (Turnen, Schiessen, Wandern, Kegeln, Singen etc.) verbindet.
(S.11) Die Gesellschaften standen miteinander in Beziehung, und es gab stets viele Doppel-
¬und Mehrfachmitglieder. »Darum finden wir Freimaurer stets und oft führend in verschiedenen
Sozietäten. Man war oft nicht nur Mitglied einer Loge, sondern auch der lokalen gemeinnützigen,
literarischen oder wissenschaftlichen Gesellschaft.» (S. 13) »Zum Beispiel sind in der
Helvetischen Gesellschaft mindestens 22 Freimaurer nachweisbar, darunter drei Präsidenten der
Gesellschaft.« (S. 168)

5.3.2. Schule, Erziehung, Pfadfinderbewegung


Wir haben bereits gesehen, dass die 'Selbsterziehung' und die 'Beförderung des sittlichen
Lebens' zu den Hauptanliegen der Freimaurer gehören. Die 'Erziehung des
Menschengeschlechtes' (Lessing) soll vor keiner Kategorie von Menschen Halt machen. Stets
waren wohl viele Erzieher und Lehrer Freimaurer. Der Schweizer Pädagoge Heinrich Pestalozzi
war nicht Freimaurer, aber Illuminat. Der Orden der Illuminaten war mit der Freimaurerei geistig
und personell eng verbunden (Im Hof, 1982 169). Sie wollten politisch aktiver ... und «klarer als
die Freimaurerei, für Aufklärung und Moral wirksam sein ... Pestalozzi eines der wenigen
Schweizer Mitglieder hatte den Namen 'Alfred'.« (Ebd. 170)

Die internationale Pfadfinderbewegung ist eindeutig auf freimaurerischem Boden entstanden und
gewachsen. «Das Pfadfindertum ist freimaurerischen Ursprungs. Sein Gründer, Sir Baden
Powell, war ein bedeutender Freimaurer.» (Mellor,1985, 513) Für Rothkrantz ist die
«internationale Pfadfinderkonföderation nachweislich ein Logeninstrument.« (S.a. Zendralli, S.
22)

5.3.3. Wohltätigkeit und Religion

Wir haben gesehen, dass die Freimaurerei eine sittliche Bewegung sein will, die Nächstenliebe
nicht nur predigt, sondern auch praktiziert. Ihre 'Religion' ist die sittliche Tat nicht nur den
Brüdern, sondern auch den 'Profanen' gegenüber. «Da alle Freimaurer Brüder sind, müssen sie
einander helfen und sich gegenseitig Beistand leisten, wenn dies notwendig ist. Das ist ein
Grundsatz, den fast sämtliche Obödienzien mit fast den gleichen Worten in ihren Statuten und
Gelöbnissen formulieren. Die elementarste Form der Anwendung diese Prinzips ist die
freimaurerische Wohltätigkeit. Jede Loge der französischen Obödienzien besitzt ihren Bruder
Almosenier, dessen Kasse getrennt von jener des Bruders Kassiers geführt wird, und jede
Obödienz hat ihren Gross Almosenier... Es gibt darüberhinaus Waisenhäuser und Spitäler, die
von Freimaurern unterhalten werden, und das Wohltätigkeitsbudget vor allem der
angelsächsischen Freimaurerei ist gewaltig.» (Mellor, Wiss., 1985, 442) Die Freimaurerei bot eine
Form von Sozialversicherung an, was besonders zu Zeiten, als es noch keine staatliche
Sozialversicherung gab, ein wichtiger Grund für ihre Attraktivität gewesen sein mochte. Der
Freimaurer fühlte sich durch die Solidarität der Brüder gegen die Wechselfälle des Lebens wie
Krankheit, Unfall etc. versichert. (S.a. Im Hof, 165, 168) In der Schweiz «ist z.B. der 'Verein zur
Verbreitung guter Schriften' eine Freimaurer Gründung. Ebenso sind es verschiedene
Brockenhäuser, Wohltätigkeitsvereinigungen, Altersheime, Armen und Krankenkassen usw.«
(Von Ins FM 1974, S. 29)

Freimaurerischer Geist weht wohl durch weitere, auch internationale, Wohltätigkeits und
Hilforganisationen der verschiedensten Art. So zum Beispiel entstand das 'erste Pestalozzi
Kinderdorf Europas' in Trogen zur Zeit, als der Trogener Pfarrer J. Böni Grossmeister der
Schweizer Grossloge 'Alpina' war (1942 1947). (S. dazu einen Bericht in: Alpina Nr. 5, 1946, S.
137ff.) Nach Deiters (Wiss. 1963 202) und Naudon (Wiss. 1982 146, 234) war der Gründer des
Roten Kreuzes Henri Dunant (1828 1910) ein Freimaurer. In der freimaurerischen Literatur selbst
wird er jedoch nicht aufgeführt. (Nach Dr. Gabriel Mützenberg hat man bis heute kein Dokument
gefunden, das die Zugehörigkeit Dunants zu einer Freimaurerloge beweisen würde).

Böni empfiehlt in seinem Aufsatz 'Moralische Aufrüstung und Freimaurerei' seinen Brüdern, bei
der Moralischen Aufrüstung mitzumachen. Es bestünde eine 'Geistesverwandtschaft', und es
gebe viele Berührungspunkte. »Beide verfolgen das Ziel einer besseren Menschheit, und beide
stehen ausserhalb des konfessionellen Streites. Wir können viele weitere Berührungspunkte
finden, wenn wir auf die Grundsätze schauen.» (S. 9)

Oekumene: Der Geist der Oekumene steht dem der Freimaurerei sehr nahe. Der Mitbegründer
der ökumenischen Bewegung Nathan Söderblom (1866-1931) soll Hochgradfreimaurer gewesen
sein. ebenso Willem Adolph Visser't Hooft, der 1948-1966 Generalsekretär des Ökumenischen
Rates der Kirchen war. Carl Friedrich von Weizsäcker soll Hochgradfreimaurer des 33. Grades
sein. (Fundamentum 3/88 S. 99.)

Noch eine Bemerkung zum Thema Religion: Eine Zeitschrift der amerikanischen Freimaurer trägt
den Titel 'The New Age'. (Mellor, 1985, 93) Die zum 'Lucis Trust' in Genf gehörende 'Arkanschule'
soll von Freimaurern geleitet sein und sich als 'magnetisches Zentrum' der Freimaurerei
betrachten. (Rothkrantz, Kath. 1990, 55)

5.3.4. Philosophen, Dichter, Schriftsteller

Auffallend viele bekannte Philosophen, Schriftsteller und Dichter waren Freimaurer. Bekannt ist
die Mitgliedschaft bei den deutschen Idealisten und Klassikern wie J.W. Goethe, G.E. Lessing,
J.G. Herder, J.G. Fichte, C.M. Wieland, E.v. Kleist, F.G. Klopstock, Matthias Claudius. Dazu
kommen Autoren wie Adalbert von Chamisso, Heinrich Heine, Georg Büchner, G.A. Bürger,
Friedrich Rückert, Johann Heinrich Voss, Ferdinand Freiligrath, Felix Salten, Kurt Tucholsky.
(Deiters S. 201f., Naudon 124ff., Oslo S. 393ff., Valmy S. 58, 183, Zendralli S. 22) Im
französischen Sprachbereich sind neben den genannten Montesquieu und Voltaire zu erwähnen:
Alexandre Dumas, Stendhal (Henry Beyle), Victor Hugo. (Oslo S. 399, Deiters S. 202) Freimaurer
war auch der russische Dichter A.S. Puschkin. (Oslo S. 407) Aus dem angelsächsischen
Kulturbereich sind zu nennen: Sir Arthur Conan Doyle, Robert Burns, Walter L. Scott, Jonathan
Swift, Oscar Wilde, Laurence Sterne, Rudyard Kipling, Mark Twain, Lewis Wallace. (Oslo S.
399ff., Zendralli S. 22)

5.3.5. Unterhalter; Musiker und andere Künstler

Sehr viele bekannte Musiker, nicht nur Klassiker, sondern zum Beispiel auch Jazz Musiker,
waren Freimaurer. Folgende Namen sind bekannt: Johann Nepomuk Hummel, Leopold Mozart,
Wolfgang Amadeus Mozart (Die 'Zauberflöte' gilt als das klassische Werk der Freimaurerei.),
Franz Joseph Haydn, Jean Sibelius, Giacomo Puccini, Jean Philippe Rameau, Johann Christian
Bach, Gustav Albert Lorzing. Louis Spohr, Giacomo Meyerbeer, Franz Liszt, George Gershwin,
Duke Ellington. (Oslo S. 399ff., Naudon S. 136, Zendralli S. 22)

In der amerikanischen Film und Unterhaltungsbranche sind die Freimaurer auffallend stark
vertreten. So gehörten zu den ersten und bedeutendsten amerikanischen Filmproduzenten die
Freimaurer Cecil B. de Mille und Jack M. Warner. Logenmitglieder waren auch die folgenden US
Filmschauspieler und Komiker: Oliver Hardy, Harold Lloyd, Red Skelton, Clark Gable. Einen
unschätzbar grossen, weltweiten Einfluss übten die Filmproduzenten und Künstler Walt Disney
(1901 1966) und Charles S. Chaplin (1889-1977) aus. (Itor S. 68, Oslo 401 ff.)

Die amerikanischen Zirkuskönige 'The Ringling Brothers' waren Freimaurer, ebenso der zu seiner
Zeit bekannte Schweizer Clown Adrian Wettach ('Grock').

5.3.6. Zusammenfassung

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Wirkung der Freimaurerei im gesellschaftlichen und
durch den gesellschaftlichen Bereich aussergewöhnlich gross war und ist. Dabei geht es nicht
nur um die vielen berühmten Namen, sondern auch um die unzählbaren 'Maurer ohne Schurz',
die in Kunst, Literatur, Film und Medien für das Wohl der Menschheit zu wirken suchen. Die
Helden dieser Werke sind oftmals Suchende, Heimatlose, Abenteurer, Einzelgänger, Kinder oder
auch Tiere, denen die wirkliche Welt der 'Etablierten', scheinbar 'Wissenden', der 'Erwachsenen'
bzw. der 'Menschen' 'unmenschlich', 'borniert' und 'einfältig' vorkommt. Die tatsächliche Welt
entspricht nie den humanistischen Idealen, darum gibt es scheinbar noch viel an sich zu arbeiten
und noch vieles in der Welt zu verbessern. Demgegenüber können wir in der Annahme der
Absolutheit Jesu Christi die Relativität von allem Menschlichen erkennen und akzeptieren. Wir
brauchen uns damit nicht mehr an Menschen zu orientieren und Hilfe primär von Menschen zu
erwarten, deren sämtliche Vermögen in jeder Beziehung beschränkt sind. Durch die Annahme
unserer Grenzen erfahren wir seine Kraft und Führung und müssen das Gute nicht mehr aus
eigener Kraft vollbringen.

6. Christus aus freimaurerischer Sicht

In diesem Kapitel soll kurz dargestellt werden, wie aus freimaurerischer Sicht das Christentum,
Gott und Jesus Christus betrachtet und behandelt werden. Anschliessend folgen Bemerkungen
über Zusammenhänge zwischen Freimaurerei und liberaler protestantischer Theologie.

6.1. Das Christentum aus FM Sicht

Wir haben gesehen, dass eine wesentliche geistige Wurzel der Freimaurerei die Enttäuschung
über das Christentum ist. Wegen der »schweren Glaubenskämpfe, welche ganz Europa
erschütterten, ... war innerhalb der Logenmauern jedes Gespräch über religiöse Themen nicht
nur verpönt, sondern verboten.« (Lagutt. S. 120) Für manchen Freimaurer ist die Freimaurerei ein
«Ersatz für seinen verlorengegangenen christlichen Glauben und Kult« (Keller FM 1941 262) Die
Freimaurerei versucht also, die geistigen Auseinandersetzungen, die im Verlauf der
abendländischen Geschichte zweifellos nicht immer im Sinne Christi ausgetragen wurden, zu
vermeiden und an deren Stelle das Schweigen zu setzen. Die Diskussionen vor allem über den
Absolutheitsanspruch Christi werden abgestellt; dem Wort wird die Spitze, dem Schwert die
Schärfe, dem Salz die Würze genommen. Somit erhebt sich die Freimaurerei über das
Christentum, erklärt das Christentum zu einer ~Religion~, zu einer Religion unter anderen, die
ebenfalls ihre Existenzberechtigung haben. Die Freimaurerei erhebt sich über alle Religionen,
erklärt sich zum Richter über die Religionen und erklärt alle als gleichwertig. Keiner kommt
absolute Wahrheit zu, ihr relativer Wert soll anhand der praktischen Früchte für die Welt und den
Menschen gemessen werden. (vgl. Lessings Ringparabel) Aus der Sicht der Freimaurerei hat das
Christentum nur eine bedingte, relative Bedeutung. Die Freimaurerei stellt sich darüber. Sie hat
das Christentum vermeintlicherweise überwunden. Im Schottischen Ritus, in dem symbolisch die
Menschheitsgeschichte durchwandert wird, erscheint das Christentum als eine vorübergehende
Entwicklungsperiode, die durch die aufgeklärt freiheitliche Zeit abgelöst und überholt wird.

Gleichzeitig wollen die Freimaurer das Beste des Christentums erhalten, schützen und der
Nachwelt weitergeben. (Keller FM 1941 262f) Dabei geht es nicht nur um die religiösen Schriften,
Liturgien und Gesänge, sondern auch um die «wundervollen Kirchenbauten», den
«unermesslichen Reichtum des künstlerischen Schmuckes«. Das christliche Erbe wird also
gewissermassen unter menschlichen Denkmalschutz gestellt. Die Freimaurerei sieht sich als
Verwalterin des Erbes.

Im übrigen wird meines Erachtens der Eindruck erweckt, als stehe dieses Erbe jedem Menschen
frei zur Verfügung, wie wenn der Mensch das Verfügungsrecht über dieses Erbe hätte. Die Schrift
und alles andere, was früher Christen heilig war, wird zum »Selbstbedienungsladen», zum
«Ausbeutungsobjekt». Jedes Individuum kann sich scheinbar »frei« bedienen und das
Gefundene für seine persönlichen Interessen gebrauchen. Das Christentum wird also von der
Freimaurerei beschlagnahmt, integriert und von »oben herab« behandelt. Sie spielt sich zum
Hüter aller Religionen auf und legt es ihren Mitgliedern nahe, ihren «religiösen Pflichten»
nachzukommen.

6.2. Gott aus FM Sicht

6.2. 1. Individuell verschiedene Gottesvorstellungen:

Die Freimaurerei will sich nicht auf ein eindeutig fixiertes Gottesbild festlegen lassen und wehrt
sich gegen jede Art von Dogmatik. »Bekenner jeder Religion ohne Unterschie« werden
aufgenommen. (Seydel FM 1862 11) Nicht das Finden und Kennen, sondern das Suchen Gottes
ist wichtig. »Wer immer strebend sich bemüht ... » «Dem Freimaurerbunde gehört eine grosse
Zahl von Menschen an, die dem Heere der Zweifler und der Sucher zuzuzählen sind.« (Lagutt
FM 1958 115)

Die Freimaurerei verlangt einen Gottesglauben (mit Ausnahme des »Grand Orient de France«),
aber kein Glaubensbekenntnis. «Einer der fundamentalen Grundsätze der Maurerei sagt
eindeutig, dass ein Mann ohne Gottesglauben nie ein echter Maurer werden könne ... Irgend ein
Credo, ein Glaubensbekenntnis im Sinne der Kirchen wird nicht verlangt ... Wie der Einzelne sein
Verhältnis zur Gottheit gestaltet, ist und bleibt ureigenste, persönliche Angelegenheit. Ob er als
frommer Christ dem Weltganzen eine dreifaltige Gottheit zugrunde legt, ob einer im Sinne des
Judentums in der Gottheit den alttestamentlichen 'Herrn der Welt' erkennt, ob er als Moslim Allah
seine Verehrung zollt, als Hindu seinen Gottheiten, bleibt jedem unbenommen.» (Lagutt S. 105)

Also kann gesagt werden, dass die Freimaurerei Gott relativiert, individuellem Belieben
unterstellt. Nicht Gott erschafft und erwählt sich die Menschen, sondern der Mensch wählt sich
seine Götter aus. Jeder kann seinen persönlichen Gott haben. Es ist nicht ein gemeinsames
Gottesbild, das die Freimaurer vereinigt, sondern das Fehlen eines gemeinsamen Gottesbildes.
»Damit jeder genügend 'Raum' hat, musste das Bild der Gottheit ... eine solche Ausweitung
erfahren.« (Lagutt S. 108)

6.2.2. Gott als Geheimnis und individuelles Erlebnis:

Das inhaltliche Offenlassen des Gottesbildes entspreche dem biblischen Bilderverbot, meint
Lagutt (S. 108), und schaffe die Basis, »die es erlaubt, sich rein menschlich
gegenüberzustehen,« (S. 109) Wer und was Gott ist, das kann der Mensch niemals ergründen.
Gott ist und bleibt ein Geheimnis, das nicht intellektuell erfasst, wohl aber individuell erfahren
werden kann. «Der Gott der Theologen ist ein ersonnener und erklügelter, eine gedankliche
Abstraktion, ohne die lebendige Kraft des Erlebnisses. Mit dem Intellekt, mit einer Wissenschaft
ist Gottjedoch nicht zu fassen. Er wird auf diese Weise verkleinert und in ein Schema, eben in ein
Dogma gepresst ... Gott als das grosse Geheimnis kann mit der unzureichenden und
unvollkommenen menschlichen Sprache nicht beschrieben, er kann nur in Bildern und Symbolen
dargestellt werden. Da Gott der grossen Menge nicht fassbar ist, sind die meisten Mystiker
Einsame und Schweiger. Sie schweigen über ihr Gotteserleben und teilen sich esoterisch nur
einigen wenigen auserwählten Schülern mit.» (Zuber FM 1975 181) (Also: Worte scheinen gegen
das Bilderverbot zu verstossen, eigentliche Bilder und Symbole aber nicht. Mehr zum Thema
«Gotteserfahrung und Innerlichkeit« in Pt.6.2.4.) Es ist hier also wiederum deutlich, dass das
Erleben über das Wort gestellt wird, entsprechend auch der Tradition der Mysterienkulte
(Pt.1.4.2.). Die Priorität, die Vorrangigkeit macht den Unterschied aus: Christen, die dem Wort
vertrauen, haben auch Erlebnisse. Aber sie orientieren sich nicht anhand von Erlebnissen.
Demgegenüber sind Gespräche für denjenigen, der Erlebnisse sucht, zweitrangig, ja oft störend.

6.2.3. Gott als Person:

Obwohl Gott in der Freimaurerei »das grosse Geheimnis« ist, und sich jeder sein eigenes
Gottesbild machen und seine individuellen Gotteserfahrungen haben kann, besteht meines
Erachtens in der freimaurerischen Literatur weitgehend immerhin über eines Einigkeit: Gott ist
eine Person. Und es gibt diese Person. «In der freimaurerischen Formel: 'Im Namen des
allmächtigen Baumeisters der Welten, der unendlichen Schöpfer und Erhalterkraft des Alls ...'
kommt die Auffassung eines persönlichen Gottes zum Ausdruck ... Die Meinung, die Freimaurerei
vertrete Pantheismus, Deismus, Agnostizismus, Atheismus, Materialismus usw., ist falsch.«
(Lagutt FM 1958 109) Der einzelne Freimaurer mag zwar für sich eine solche Auffassung
vertreten (Ebd. 109), doch der allen gemeinsame Nenner kann als theistisch bezeichnet werden.
«Der Theismus ist die religiöse oder philosophische Lehre von der Existenz eines überweltlichen,
allmächtigen und persönlichen Gottwesens, welches die Welt erschaffen hat, regiert und erhält.
Er tritt als Monotheismus und als Polytheismus auf.« (Ebd. 109) Schenkel, 1926, 170) bezeichnet
die Freimaurerei als »theistischen Idealismus». In den Gebeten der Zürcher Loge »Modestia cum
Libertate« kommt »die theistische Gottesidee« zum Ausdruck. (Zuber FM 1975 184)
6.2.4. Gotteserfahrung durch Innerlichkeit:

Gott kann nach freimaurerischer Auffassung prinzipiell immer und durch jedermann »erfahren«
werden. «Es hat aber zu jeder Zeit Menschen gegeben, die in diesem innigen Kontakt mit Gott
gestanden haben. Sie haben Gott gesehen; sie werden deshalb 'Seher' genannt ... Wie diese
Propheten in Visionen und Auditionen erfahren die Mystiker Gott als lebendige Realität in
geistiger Schau und letztlich das Erlebnis der Einheit des eigenen Seelengrundes mit dem
unendlichen Gott, die 'unio mystica'. Dieses Gotteserlebnis ist bei allen Völkern und zu allen
Zeiten gleich.« (Zuber, FM 1975 181) Auch durch das Gewissen können wir nach
freimaurerischer Auffassung Gott erfahren: »Das Gewissen ist unser einziges Wissen. Es weiss
und ist die Wahrheit. Eine andere Wahrheit ist nirgends zu finden ... Das Gewissen ist nie ein
fertiger Besitz, sondern eine Aufgabe, an der wir zu arbeiten haben ... Das Gewissen, gleichsam
eingebaut in die menschliche Seele, ermöglicht uns, Gott im eigenen Innern zu erleben.« (Ebd.
182)

»Wir sind nicht bereit, an einen Gott zu glauben, der irgendwo in einem fernen Himmel weilt, von
wo aus er die Menschen leitet, prüft, belohnt oder bestraft, ihre Bitten erhört oder auch nicht. Wir
sind auch nicht gern bereit, uns als Sünder vorzukommen, die durch eine vor zweitausend Jahren
geschehene, uns schwer verständliche Erlösertat errettel worden sind. Wir wären aber bereit, uns
einen Weg zeigen zu lassen, der ohne die Zuhilfenahme künstlicher Mittel zum Erfahren Gottes
im eigenen Inneren führt. Dieser Weg ist das Gebet, oder eher das, was man Meditation nennt.
Es ist nicht ein Bitten um Dinge, sondern vielmehr ein Lauschen, ein Erfühlen der Gegenwart
Gottes im Inneren.« (Ebd. 183)

Noch ein letztes Zitat zur Verdeutlichung: »Es wäre gut, wenn die Vorstellung von 'Gott im
Himmel' einer neuen Platz machen würde. Gott würde nicht ferner gerückt, sondern näher, wenn
der Mensch ihn als das Leben oder den Geist begreift, der das ganze Universum durchströmt
und erhält und der auch im eigenen Inneren erlebt werden kann als Liebe und Kraft. So erlebt der
Mensch nicht nur Gott in seiner Fülle und Unendlichkeit, sondern er fühlt sich auch durchdrungen
von der Ewigkeit des Kosmischen. Er empfindet sich als Teil des Ganzen, in welchem er
aufgeht.« (Ebd. 183)

6.2.5. Wer ist der «Allmächtige Baumeister aller Welten» ?

Die obigen kurzen Ausführungen zum freimaurerischen Gottesverständnis zeigen, dass es


wesentliche Unterschiede zu demjenigen Gott gibt, der uns in der Bibel als »Vater« bezeugt ist:

Der biblische Vater Gott will uns auf Schritt und Tritt klar machen, dass es nicht völlig egal ist, an
welchen Gott wir glauben. Aus biblischer Sicht gibt es «richtige» und »falsche«
Gottesvorstellungen. Es gibt unendlich viele falsche «Götter« und einen wahren Gott. Die
falschen Götter bzw. Gottesbilder führen uns ins Verderben, in die Dunkelheit, in den Tod. Der
biblische Gott verspricht uns das Leben, wenn wir die anderen Götter aufgeben und zu ihm
zurückkehren. Und er warnt uns davor, ihn nicht ernst zu nehmen. Natürlich sind diese
Warnungen nicht bequem, sie klingen nicht immer »human«, und sie kränken unsere Eitelkeit.
Aber wenn sie dennoch ernst zu nehmen sind, wenn sie letztlich dennoch gut gemeint sind? Aus
biblischer Sicht ist auch das Böse eine personale geistige Macht, und das irdische Geschehen ist
Ausdruck von Auseinandersetzungen in der geistigen Welt. Als »Aufgeklärte» haben wir gelernt,
dass nur Vorgestrige an die Existenz eines Satans glauben. Wenn es nun aber trotz aller
Aufklärung doch einen gibt, wenn gut und böse nicht bloss zwei ewig «widerstreitende Naturen
innerhalb des Menschen« (Schenkel S. 163) sind? In der Freimaurerei ist dies ausgeschlossen.
Alle Gottesvorstellungen sind gleich, jeder kann sich seinen Gott frei wählen, es kommt nicht so
darauf an, woran wir glauben. Aus biblischer Sicht kommt es darauf an. Es sind nicht alle Götter
und Gottesvorstellungen gleich, wir sollen lernen, gute und schlechte nicht miteinander zu
vermengen, sondern voneinander zu unterscheiden. Zur Entwicklung des geistigen
Beurteilungsvermögens nicht zuletzt bezüglich der Götter und Gottesvorstellungen braucht es
eine geistige Auseinandersetzung. Diese ist in den Logen verboten. Sie findet nicht statt.

Aus biblischer Sicht ist Gott auch kein «Geheimnis», sondern er gibt sich uns zu erkennen. Der
biblische Gott ergreift seinerseits die Initiative und offenbart sich uns in seinem Wort. Der
biblische Gott ist wie der freimaurerische eine Person, aber keine beliebige Person, sondern eine
identifizierbare Person, eine Person mit Namen. Der freimaurerische Allmächtige Baumeister
aller Welten (,»ABaW») ist nicht identifizierbar. Er hat keinen konkreten Namen.

Der biblische Gott kann nicht in erster Linie durch Innerlichkeit und Gewissensbildung
wahrgenommen und kennengelernt werden, sondern hauptsächlich durch sein Wort. Die verbale
Kommunikation ist zentral. Den biblischen Gott erreicht, wer ihn und sein Wort ernst nimmt, ihm
vertraut. Sein Wort gilt ewig. Wort gläubige Christen sind nicht untätig, haben auch Erlebnisse
und Gefühle, doch sie orientieren sich nicht daran. Taten, Erlebnisse und Gefühle sind
zweitrangig. Zwischen dem ABAW und den Freimaurern besteht ein Arbeitsverhältnis, zwischen
dem biblischen Gott und denen, die ihm vertrauen, ein Familienverhältnis. Der Freimaurer »geht
in den ewigen Osten ein, wofern der dreifach grosse Weltbaumeister, Gott der Allgütige, mit
seiner Arbeit zufrieden gewesen ist.« (Bloch Suhr FM zit. in Nielsen Prot.bibl. 1882 64)
Demgegenüber ist nicht unsere Leistung, sondern Jesus Christus der Weg zum biblischen Gott,
nicht Werke, sondern Glaube und Gnade.

Aufgrund solcher und anderer Unterschiede kommen hauptsächlich konservativ katholische


Autoren zum Schluss: Der ABAW ist in Wirklichkeit der Teufel. Die Freimaurerei ist nichts
anderes als die »Synagoge Satans«. (Baum Kath. 1975 2) Das Werk von Baum (1975) trägt den
Titel: »Freimaurerischer Satanismus heute«. Adler betitelt die Freimaurer als «die Söhne der
Finsternis« (1975, 1982, 1983). Aber auch nach van Dam (Prot.bibl.) entpuppt sich die
Freimaurerei letztlich als Satanismus. Die zwei Säulen »J« und »B« (Jachin und Boas) würden
auch als Jahwe und Baal gedeutet; die »Weisheit« des (späten) Salomo hätte darin bestanden,
dass er beide vereinen wollte. In den obersten Hochgraden werde der ABAW »Jabulon« genannt,
was eine Art Antitrinität bedeute, die aus den Namen Jahwe, Baal und Osiris gebildet worden sei.

Wie dem auch sei: Ich wäre vorsichtig mit der Aussage, dass der ABAW der Teufel ist, denn
tatsächlich wissen wir es ja nicht. Der Geist der Freimaurerei hat sich der Menschheit (noch) nicht
persönlich und mit Namen vorgestellt. Somit wissen wir nicht, ob es ihn gibt und ob er mehr ist,
als bloss ein synkretistisches Hirngespinst. Sicher gehört er nicht zum Reich des biblischen
Gottes. Aber es könnte statt des Teufels auch einer seiner »Fürsten« sein, der die Freimaurerei
inszeniert hat. Zudem sind meines Erachtens sicher die allerwenigsten Freimaurer wirkliche
Satanisten im eigentlichen Sinn. Sie sind nicht die (bewussten) Täter, sondern die Opfer. So
schreibt auch Baum (Kath. 1975, 27): «Die Freimaurer sind ... keine Satanisten, sie sind lediglich
die zuerst Hereingefallenen des raffiniert getarnten Satanismus.« Sie sind die Opfer des sie am
Narrenseil führenden Riesenbetrugs.

Ganz sicher ist eines: Der «Allnlächtige Baumeister aller Welten» ist nicht der gleiche Gott Vater,
der sich uns in der Bibel offenbart. Darüber sind sich alle einig: Freimaurer (z. B. Lagutt FM 1958
60) und Christen: »Wer die Schriften der Freimaurer durchliest, dem wird es klar, dass dieser
'dreifach grosse Baumeister' wesentlich von dem dreieinigen Gott verschieden ist, an welchen wir
Christen glauben.« (Nielsen Prot.bibl. 1882 60)

6.3. Christus aus FM Sicht

Wie das Gottesbild, so wird auch das Jesus Bild in der Freimaurerei auf verschiedene Art
relativiert, hauptsächlich subjektiv und historisch: Es gibt über ihn scheinbar kein absolut sicheres
Wissen. Jede Person und jede Geschichtsperiode sieht ihn wieder anders.

6.3. 1. Individuelle Christus Vorstellungen:

»Nun ist freilich gerade das sehr umstritten, was Jesus eigentlich war und was er eigentlich
wollte. Bücher ... zeigen selbst den Uneingeweihten die ungeheure Schwierigkeit eines objektiven
Jesusbildes. Innerhalb der evangelischen Theologie ist die Auffassung der wesentlichen
Bedeutung Jesu kaum weniger mannigfaltig, als in den anderen grossen Lebenskreisen. Jeder
sieht seine Ideale oder seine Sehnsucht in ihn hinein. Den Liberalen erscheint er liberal, den
Orthodoxen erscheint er orthodox, den Kommunisten ist er ein Kommunist und den
Anthroposophen erscheint er in anthroposophischem Licht. Aber auch innerhalb des liberal
protestantischen Kreises wird sein Bild verschieden gesehen.« (Schenkel Prot.Iib. 1926 154)

Was aus unserer Sicht dieses Zitat kennzeichnet, das ist, dass von Jesus in der
Vergangenheitsform gesprochen wird. Die «Freiheit« der Interpretationen basiert auf der
stillschweigenden Annahme, dass er tot ist, dass er bloss eine geschichtliche Erscheinung war.

6.3.2. Christus als geschichtlicher Mensch:

Für Lessing (FM 1793, 1976 634) ist es «unstreitig», dass die frühen Christen «keinen solchen
Sohn Gottes meinten, welcher mit Gott von gleichem Wesen sei.»

Auch für Bender (FM 1942 214ff) ist Jesus kein Sohn Gottes im biblischen Sinn. Dazu wurde er
erst später gemacht. Er schreibt: «Er beanspruchte nicht etwa die Gottessohnschaft allein für
sich, wie es später ausgelegt wurde, sondern nannte Söhne Gottes, Kinder Gottes alle, die
Gottes Willen aufrichtig zu erfüllen sich bemühen ... Vielmehr nannte er sich viel öfter
ausdrücklich des Menschen Sohn , wohl eben, weil das Volk ihn immer wieder als Gott verehren
wollte, wobei er dann aber immer in die Einöde entwich.» (S. 214f) «Bald wurde die einfache
Lehre der Liebe mit einem Glaubensbekenntnis vertauscht, das Christus zu einem Gott statt
Menschensohn machte.«

Der Inhalt der Auffassung über Christus und Gott ist nach Schenkel abhängig »von der Stufe der
erreichten Menschlichkeit». (S. 159)

6.3.3. Christus als Humanist und Vorbild:

Die meisten Freimaurer sind wohl der Überzeugung, «keinen anderen Geist zu pflegen, als den
des grossen Meisters Jesus von Nazareth«. (Schenkel, Bauhofer FM 1975 22)

Christus wird nicht als Gott gesehen, sondern als Humanist und als entsprechendes Vorbild: »Für
Jesus handelte es sich ganz wesentlich um den Menschen und die Menschlichkeit. Er hat den
Menschen rein als solchen in seinem Verhältnis zu Gott genommen. Er suchte den Menschen
hinzuführen auf das Problem seiner Seele, oder, für unser Bewusstsein ausgedrückt, auf das
Problem seiner sittlichen Eigenpersönlichkeit. Er hat die Menschen beurteilt nur nach ihrem
persönlichen Wert oder Unwert, aber nicht nach Kategorien der Rasse und des Volkstums, der
Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft oder nach ihrer dogmatischen
Einstellung ... Wer also im Sinne Jesu leben will, muss vorurteilslos jedem Menschen als solchem
gegenübertreten und muss bei aller Verankerung im Nationalen und Kirchlichen doch auch über
diese Schranken hinwegzusehen vermögen.« (Schenkel S. 157f)

«Dass es Jesus um die Menschlichkeit geht, zeigt das unerreichte Gleichnis vom barmherzigen
Samariter ... Bei der Frömmigkeit Jesu ist das Charakteristische das unbedingte Vorwiegen der
ethischen Gesichtspunkte und damit des humanen Sinnes.« (Ebd. 158) Schenkel will «die innere
Verwandtschaft des humanitären Geistes der Freimaurerei mit Jesus auch noch in vielfacher
anderer Weise aufzeigen.« (S. 160) Jesus habe in erster Linie Liebe, Nächstenliebe,
Menschenliebe gepredigt und vorgelebt, er habe sein »Leben restlos in den Dienst der
Menschen» gestellt. Das sei auch das Anliegen der Freimaurerei. «Treue bis in den Tod, wie sie
das Lebensende Jesu krönt, ist der Inhalt des Meistergrades.» (S. 1 60f)

Aus dieser Sicht erscheint der Gott des Alten Testamentes als »inhuman», und Jesus habe ihn
sozusagen humanisiert, «indem er dem inhumanen Gottesbegriff der pharisäischen Tradition
Beispiele aus der Welt edlen Menschentums als Beweis für seine humanere Gottesauffassung
entgegenstellte.« (S. 158)

Anstössig ist für Schenkel hauptsächlich die Auffassung, dass der Mensch ein Sünder sein soll,
dass die Menschen in Sünder und Gerechte eingeteilt werden, angesichts »der Tatsache, dass
Gott Sonne und Regen allen gleichermassen zuteil werden lässt.» (S. 158) Die »pietistische
Sündenangst«, die «jede edlere Regung« verspotte, sei »Jesus gänzlich fremd«. (S. 158)
Menschenunwürdig ist für Schenkel auch die Vorstellung, dass die ja so »edlen« Menschen eines
Tages gerichtet werden sollen. Die »eschatologische Auffassung« sei «praktisch wertlos und
inhaltlich anstössig«, meint er. (Ebd. 162) Wer die biblische Sicht Jesu und nicht die
humanistische Sicht vertritt, der wird nun seinerseits abgewertet, auf eine niedrigere «Stufe der
erreichten Menschlichkeit« versetzt: »Der kirchliche Volksglaube enthält in seiner
Gottesvorstellung inhumane Züge als Erbe jüdischen und vorreformatorischen Denkens.» (S.
159)

Schenkels Jesus steht im Gegensatz zur angeblichen »Phantastik der eschatologischen


Erlösungsreligion ... Er ist die Verkörperung der sittlichen Erlösungsreligion ... Da es ihm ganz auf
die Echtheit und Lebenswirklichkeit ankam, formulierte er keine abstrakten Begriffe, sondern
versuchte, seine geistige Welt in Bildern zu übermitteln ... Die Freimaurerei geht den gleichen
Weg bewusst, indem sie grundsätzlich auf jede begriffliche Formulierung der eigentlichen
Lebensgeheimnisse verzichtet und die Bildersprache für genügend, ja für geeigneter hält.« (S.
155)

Der Abgrund, der zwischen dieser humanistischen und der biblischen Jesus Auffassung besteht,
scheint Schenkel nicht bewusst zu sein. Jesus als das »Wort», das «fleischgewordene Wort«, hat
zur Verkündigung und eben auch zur Darstellung seiner »Bilder« das Wort gebraucht. Niemals
hat er das Schweigen propagiert und das stumme »Erleben» gefördert, sondern stets ein
ausgesprochenes Bekenntnis erwartet nicht für die »Menschlichkeit«, das ist ein abstrakter
Begriff, sondern für sich.

6.3.4. Jesus als «Eingeweihter», «Priester», «Meister»:

Hauptsächlich in der Schwedischen Lehrart der Freimaurerei, aber auch bei anderen
freimaurerischen Autoren, erscheint Jesus auch in einem gnostischen Licht. Jesus ist »ganz
Mensch» und als solcher »Christusträger«. Dank des «Christusgeistes« wird er »göttlicher
Eingeweihter und Priester». (Lagutt FM 1958 44) Bei der Auferweckung des Lazarus werde dies
aller Welt deutlich. Jesus vollziehe «öffentlich an Lazarus, was sonst verborgenstes
Tempelgeheimnis war.« (Ebd. 44) «Im Johannes Evangelium tritt Jesus in Deutlichkeit als der
grosse Initiator, als Eingeweihter im höchsten Sinne auf ... In aller Offenheit tritt Jesus als der
grosse Eingeweihte, als Hierophant im Sinne der alten Mysterien auf, als er die Auferweckung
des Lazarus vollzieht ... In Lazarus bricht das Ewige durch ... Wo immer im Men¬schen der Geist,
das Ewige, das höhere Selbst durchbricht, oder anders ausgedrückt, der Mensch in seinem
strebenden Bemühen sich dem Quell seines wahren Wesens nähert, erlebt er die grosse
Auferweckung. Ist es nun verwunderlich, dass das Johannes Evangelium in der
esoterischchristlichen Strömung eine solch zentrale Stellung einnimmt?« (S. 143)

In der schwedischen Lehrart erscheint Jesus als »erster Grossmeister« der Loge. »Der erste
Grossmeister der Loge war Jesus; nach Jesus kam Jakobus, und nach dessen Tod traten die
Jünger und Verwandten Jesu zusammen und wählten Simeon ... Christus trat als Philosoph und
Lehrer einer reinen Naturreligion auf.« (Nielsen Prot.bibl. 1882 88 über die Schwedische Lehrart)
Nielsen zitiert einen schwedischen Freimaurer Text über das «exoterische» und das
»esoterische« Auftreten Christi: «Bei dem exoterischen Vortrage liess er daher manche Vorurteile
stehen ... Aber bei dem esoterischen Vortrage im Innern seiner Meisterlogen um jedoch bloss
einen Wink zu geben trat Jesus z.B. niemals als wahrer und eigentlicher Gott auf, sondern allein
als der Grossmeister im Osten, welcher die Menschheit erleuchten, wahre moralische Begriffe
verbreiten und uns dereinst die Unsterblichkeit zusichern wollte.« (Ebd. 89) Im schwedischen
Lehrsystem wird auch die Ansicht verbreitet, Johannes der Täufer und Jesus seien »Vorsteher
des Essäerbundes« gewesen. (Nielsen 1883 22ff) Dieses kurze Stimmungsbild soll hier genügen.
Die schwedische Lehrart ist auch unter Freimaurern umstritten (z.B. Schiffmann, 1883 23).
Nielsen (1882, 1883) hat die »Pseudo Christlichkeit des schwedischen Systems» (1883 27)
ausführlich dargestellt.

6.3.5. Zusammenfassung und Vergleich

Zusammenfassend kann eindeutig gesagt werden: Das Jesus Bild, das die Freimaurerei
vermittelt, entspricht nicht dem Jesus Bild der Bibel.

In der Freimaurerei wird Jesus als geschichtlicher Mensch betrachtet, über den sich jeder
beliebige Vorstellungen machen kann. Aus biblischer Sicht steht Jesus nicht nur in der
Geschichte, sondern auch über der Geschichte. Und die biblischen Aussagen über ihn sind nicht
mehrdeutig, sondern eindeutig. Das geht auch aus den Ergebnissen der Bibeiforschung hervor.
Sie <~zeigen, dass alle Schichten der Evangelienschriften durchdrungen sind von dem einen,
übereinstimmenden Bild Jesu: Er ist der Messias und der Sohn Gottes.» (Bruce Prot.bibl. 1976
38)

Nicht erfüllt haben sich die humanistischen Erwartungen, »dass man durch immer weiteres
Zurückgehen auf die ursprünglichsten Schichten der Evangeliumsüberlieferung auf einen rein
menschlichen Jesus stossen würde, der nichts weiter lehrte als die Vaterschaft Gottes und die
Bruderschaft aller Menschen. Aber das findet sich gerade nicht.« (Ebd. 39)

Freimaurer haben das Gefühl, der Mensch sei von sich aus gerecht und bedürfe der Erlösertat
Christi nicht (Zuber FM 1975 183). Aus biblischer Sicht ist wirkliche »Selbsterkenntnis» Einsicht
in die eigene Sündhaftigkeit und Verlorenheit. Der Glaube an »das Gute im Menschen« beruht
meines Erachtens auf einem Mangel an Lebenserfahrung und Menschenkenntnis.

Freimaurer lehnen die Vorstellung von einem Gott ab, der über Menschen zu Gericht sitzt. Aus
biblischer Sicht ist es gerade Jesus Christus, dem die Rolle des Richters über alle vom Vater
übertragen wurde. Er ist der Herr aller Welten und Zeiten. Erlösung und Befreiung erfolgt durch
die Annahme dieser (biblischen) Tatsache.

Aus freimaurerischer Sicht hingegen ist Jesus Christus tot und lebt nur durch seine Lehre, den
symbolischen Gehalt seiner Taten und als ethisches Vorbild weiter. Der biblische Jesus hat keine
Lehre angeboten, sondern sich selbst hingegeben; Er hat keine religiösen Erlebnisse vermittelt,
sondern «Worte des Lebens« gesprochen; Er hat die Menschen nicht mit ethischen Geboten und
Richtlinien belastet, sondern Frieden mit dem lebendigen Gott gestiftet, die Beziehungen
zwischen den Lebenden befreit und damit alle Gesetzlichkeit »aufgehoben«.

Der gnostische Jesus Christus ist gespalten in Jesus und Christus, in Mensch und Gott, in
Körper, Seele und Geist. Der biblische Jesus Christus ist eine lebendige Einheit von dem allem,
die jede bloss menschliche Vorstellungskraft übersteigt.

6.4. Freimaurerei und liberale Theologie

Nach Schenkel besteht zwar kein »bewusstes Bündnis zwischen Freimaurerei und liberaler
protestantischer Theologie». Aber es gibt eine »wesenhafte und schicksalhafte Verbundenheit«
(S. 3), eine «innere Verwandtschaft« (S. 163) sowie dichte personelle Verflechtungen. (S. 40f.)

6.4. 1. Enge Geistesverwandtschaft zwischen Freimaurerei und liberalem Protestantismus

Schenkel stellt eine weitgehende geistige Übereinstimmung zwischen Freimaurerei und liberalem
Protestantismus fest:
»Man wird sagen können, dass im ganzen genommen in der Freimaurerei die Auffassung Jesu,
wie sie sich aus der liberalen protestantischen Forschung von den Anfängen der Aufklärung an
ergeben hat, schon immer praktisch verwertet ist, allerdings unter selbstverständlicher
Ausschaltung der zeitweise hervorgehobenen eschatologischen Auffassung, die praktisch wertlos
und inhaltlich anstössig ist. Diese inhaltliche Übereinstimmung hätte die Möglichkeit einer viel
stärkeren Verankerung des protestantischen

Liberalismus geboten, wenn nicht die meisten führenden Persönlichkeiten des liberalen
Protestantismus des Sinnes für Kultus wie des Sinnes für die Bedeutung festgefügter
Organisationen ermangelt hätten. Der liberale Protestantismus hat aus sich selbst heraus feste
kirchliche Gemeinschaften kaum zu schaffen vermocht. Besonders stark empfindet man die
innere Verwandtschaft, wenn man die freimaurerische Gedankenwelt in Beziehung setzt nicht
zum christlichen Dogma, sondern zur protestantischen Ethik. Hier treten die verwandten Züge am
deutlichsten hervor. Ich wüsste nicht, welche Unterschiede zwischen dem Pflichtgedanken, dem
Berufsgedanken, dem Arbeitsgedanken in der Auffassung der Freimaurerei und diesen
Gedanken in einer modernen protestantischen Ethik nachzuweisen wären. Vor allem aber ist es
die gleiche Grundeinstellung, nämlich die Ablehnung aller Heteronomie und aller Kasuistik und
die zentrale Bedeutung des freien, vor dem ewigen Gott verantwortlichen Gewissens ...«
(Schenkel S. 162ff)

Hammer (Prot. 1984) meint, die heutige protestantische Theologie sei über die Freimaurerei
hinausgewachsen: »Das Gedankengut der Freimaurerei, das im Kontext des 18. Jahrhunderts
eindeutig »Fortschritt« bedeutete, aber beim damals behaupteten und erreichten Deismus im
wesentlichen stehenblieb, darf für die heutige protestantische Theologie, ganz gleich, wo sie
angesiedelt ist, als überwunden gelten.« (S. 27) Eine humanistische, allgemein menschliche
Religion »kann ebensowenig befriedigen wie ein von der Botschaft von Sünde und Gnade
absehendes freies, edles Menschentum, das sich gnostisch mystisch aus eigener Kraft von Stufe
zu Stufe selbst vervollkommnet und dabei doch nur den im engen, für die Aussenstehenden
verborgenen Bruderbund vereinigten Brüdern zugute kommt. Die Einwände der evangelischen
Theologie gegen das Gedankengut der Freimaurerei sind im wesentlichen dieselben wie gegen
die Aufklärung eines Voltaire und seines Schülers auf dem Preußenthron und gegen den
Idealismus der Freimaurer Lessing, Herder, Fichte, Goethe, von Humboldt und von Knigge.
Bedeutendere Geister als die genannte Prominenz sind aus dem protestantischen Bereich
seither in der Freimaurerei nicht mehr wahrzunehmen. Ihre geheimnisvolle Arbeit im
geschlosssenen Tempel wirkt sowohl in der modernen Demokratie wie in einem modernen freien
Protestantismus, in denen alle ethischen Postulate und Probleme diskutiert und alle liturgischen
Anlässe öffentlich sind, anachronistisch.« (Hammer Prot. 1984 27)

6.4.2. Freimaurerei und Bibelkritik:

Möglicherweise prägt der Geist der Freimaurerei auch die moderne protestantische Theologie
doch noch tiefer als Hammer annimmt.

Wir haben gesehen, dass das Wesen der Freimaurerei darin liegt, dass sie dem Wort im
weitesten Sinne misstraut und an seine Stelle das Symbol setzt, dass sie alles Jenseitige
relativiert und das Diesseitige, dem Menschen durch eigene Anstrengungen Zugängliche,
verabsolutiert. Wir haben zudem gesehen, dass Weltbild, Menschenbild, Gottesbild und Jesusbild
der Freimaurerei radikal den entsprechenden Aussagen der Bibel entgegenstehen. Die beiden
»Realitäten« widersprechen sich, sie schliessen sich aus, sie können nicht beide gleichzeitig
wahr sein. Aus freimaurerischer Sicht liegt natürlich der Grund für diese Widersprüche nicht in
der Freimaurerei, sondern in der Bibel. Freimaurerei ist darum ihrem Wesen gemäss Bibelkritik.
Es kommt mir hier nicht in erster Linie darauf an, festzustellen, wie viele und welche
bibelkritischen Theologen Freimaurer waren, Eine solche Untersuchung würde den Rahmen
dieser Arbeit sprengen und hätte, nicht zuletzt wegen dem geheimen bzw. »diskreten» Charakter
der Freimaurerei, eine äusserst relative Bedeutung. Neben den unbekannten Maurern gibt es
zudem auch die ungezählten »Maurer ohne Schurz». Darum kommt es in erster Linie auf den
Geist an. Und bezüglich des Geistes kann eindeutig gesagt werden: Der Geist der Freimaurerei
ist bibelkritisch. Er akzeptiert keine über ihm stehende, absolute Geltung beanspruchende
Wahrheit, Person oder Aussage, selbst wenn sie in der Bibel steht. Die Freimaurerei stellt sich
über die Bibel, beschlagnahmt die Bibel und unterwirft sie. Die Bibel wird nicht abgelehnt,
sondern relativiert, konserviert, in »Schutz« genommen und menschlicher, »wissenschaftlicher»
Untersuchung zugänglich gemacht. Plumpe Ablehnung wäre primitiv: In Andersons Konstitution
wird der Atheist als »einfältig« bezeichnet. (Zit. in Oslo, S. 379) Die Relativierung ist Ausdruck
einer viel raffinierteren, tieferen, dafür äusserst abgründigen Feindschaft.«

Die Reformatoren konnten das in der Bibel bezeugte Wort Gottes als wichtigste, »heiligste»
Waffe der geballten Macht des etablierten Katholizismus entgegensetzen. Ab 1717 beginnen
protestantische Theologen, diese «heilige Kuh« der eigenen Herkunft zu zerlegen, in einen rein
menschlichen Zusammenhang zu stellen und allenfalls auch auf ein menschliches Podest zu
heben. Im folgenden sei kurz auf die Freimaurer und protestantischen Theologen Gotthold
Ephraim Lessing (1729 1781) und Johann Gottfried von Herder(1744 1803) eingegangen, die
einen wesentlichen Einfluss auf die protestantische Theologie ausübten. Dabei geht es vor allem
um ihre Stellung zur Bibel.

Aus Lessings »Theologiekritischen Schriften» 1778 geht eindeutig hervor, dass er die Bibel nicht
als von Gott inspiriertes Wort, sondern als rein menschliches Machwerk ansah. Die
Ausführungen über die Entstehung der Evangelien tragen den Titel: »Neue Hypothese über die
Evangelisten als bloss menschliche Geschichtsschreiber betrachtet«. Auch bei der
Zusammenstellung des Kanons hat nach Lessing keine höhere Macht mitgewirkt. Die
»Offenbarung Johannis« ist ihm »ein Beweis, wie planlos sich der Kanon des neuen Testaments
gebildet« hat. Nach seiner Meinung waren Redaktoren am Werk, die »mit aller Freiheit
abgeschrieben« haben. Inspiration ist höchstens Einbildung der scheinbar Inspirierten.
Vermutlich zuckte man auch damals schon die Achseln über Leute, die etwas Historisches aus
Inspiration zu wissen vorgaben. Ein Evangelium braucht es nach Lessing nicht für alle Leute,
sondern es wird nur so lange eines geben, »als es Menschen gibt, die eines Mittlers zwischen
ihnen und der Gottheit zu bedürfen glauben.« (1976 635) Lessing hat mit dem gläubigen
Hauptpastor Johann Melchior Goeze eine harte theologische Auseinandersetzung geführt, die
einen grossen Teil seiner »Theologiekritischen Schriften» ausmacht (»Anti-Goeze«, I XII.)

Die folgenden Herder Zitate sind dem Artikel von J. Böni, Pfarrer und Grossmeister der »Alpina»,
über den »Theologen Johann Gottfried Herder« (1944) entnommen. Herder hat nach Böni die
Denkart des »christlichen Humanismus« geprägt und auch als «erster Geistlicher der
protestantischen Landeskirche« in Deutschland einen nachhaltigen Einfluss ausgeübt. Er lehnte
es ab, die Bibel als «sakrosankte Schriften» zu betrachten und wandte sich gegen »theologische
Engherzigkeit». Die Bibel ist nicht übermenschlicher und allgemeinmenschlicher Maßstab,
sondern in die Menschheitsgeschichte eingebettet. »Die Bibel ist aus der Vorstellungswelt der
Antike zu verstehen.» (Böni, S. 288) Das Christentum ist eine Religion unter vielen, die ebenfalls
ihre Bedeutung und ihre Wahrheiten haben. «Ebenso unbefangen wie das Christentum würdigt
der protestantische Geistliche die nichtchristlichen Religionen, von denen insbesondere auf die
Religion der Griechen ein verklärendes Licht fällt.» (S. 286). Herder relativiert das Wort auch
insofern, als er ihm gegenüber das Gefühl, das Erlebnis, die «Leidenschaft» aufwerten möchte.
(S. 291) Bei Herder hören wir »nichts von Erlösung, Sündenvergebung, Rechtfertigung» (S. 290).

Diesem liberal kritischen, freimaurerischen Einfluss haben sich nach Schenkel auch die
scheinbar etwas unterbelichteten bibeltreuen Protestan¬ten nicht entziehen können. »Selbst die
positiven und orthodoxen Kreise, soweit sie sich einer gewissen Allgemeinbildung erfreuen, sind
von liberalen Gedanken, wenn auch langsam und vielfach unbewußt, durchsetzt worden.«
(Schenkel). Nach W. Neuer waren unter anderen folgende Begründer der modernen Bibelkritik
Freimaurer: Hermann Samuel Reimarus (1694-1768), Ernst Renan (1823- 1892), Christian Wolff
(1679- 1754), David Friedrich Strauss (1808- 1874).

6.4.3. Personelle Verflechtungen zwischen Freimaurerei und liberalem Protestantismus


Zu diesem Thema müssen wir uns hier mit einigen Zitaten aus Schenkel begnügen.

»Wohl aber sind durch einzelne Persönlichkeiten starke Verbindungsfäden zwischen Loge und
freien protestantischen Organisationen vorhanden. Es sei nur erinnert an den bekannten
Heidelberger Juristen Bluntschli, den ersten Vorsitzenden des Protestantenvereins, der zugleich
ein sehr eifriger Freimaurer war und die Würde eines Grossmeisters in der Grossloge 'Zur Sonne'
(Bayreuther System) bekleidete. Über die gegenwärtigen Beziehungen ist es aus begreiflichen
Gründen nicht ratsam, Einzelheiten anzuführen. Es genügt, auf die Tatsache zu verweisen, dass
sowohl Geistliche hervorragende Stellen in den Logen und Grosslogen einnehmen, wie
umgekehrt Freimaurer in beachtenswertem Umfang in kirchlichen Vertretungen vorhanden sind.
Jedenfalls betrachten gerade in Deutschland die meisten Freimaurer die Freimaurerei als in der
Geistesrichtung des freien Protestantismus liegend.« (S. 41) Der aus der Schweiz stammende
Johann Kaspar Bluntschli (1808 1881) war liberaler Staatsrechtler und Politiker. Er gilt »als
Stifter des deutschen Protestantenvereins, der im Gegensatz zu der damals vorherrschenden
protestantischen Orthodoxie für grössere Freiheit in den theologischen Wissenschaften eintrat.«
(Valmy, 62)

»In der Schweiz zeigt sich die Verbindung von Freimaurerei und Protestantismus in Männern wie
Quartier la Tente, der im Januar 1925 als ein in der ganzen Welt bekannter Freimaurer gestorben
ist. In Neuenburg geboren, wurde er später Pfarrer, bekleidete eine theologische Professur, und
war ein halbes Jahrzehnt Grossmeister der Schweizer Grossloge Alpina. Bekannt wurde er vor
allem durch sein eifriges Streben nach Ausbau der übernationalen Fühlungnahme der
Freimaurerei.« (Schenkel S. 40) Zu erwähnen ist an dieser Stelle nochmals der liberale
protestantische Theologe und Pfarrer J. Böni. 1942 1947 war er Grossmeister der «Alpina« und
Pfarrer in Trogen. In dieser Zeit entstand in Trogen das Pestalozzi Kinderdorf.

7. Die Freimaurerei aus der Sicht Christi

Im letzten Kapitel haben wir versucht, das Christentum, Gott, Christus und die protestantische
Theologie aus dem Blickwinkel der Freimaurerei zu betrachten. In diesem Kapitel soll die
Blickrichtung umgedreht werden. Es soll der Versuch gewagt werden, die Freimaurerei aus der
Sicht Christi zu beurteilen, wobei wir annehmen, dass er wirklich »leibhaftig auferstanden» ist,
und dass ihm alle Macht im Himmel und auf Erden übertragen wurde. Bei den Aussagen Christi
verlassen wir uns hauptsächlich auf die in der Bibel von ihm und über ihn bezeugten Worte. Also:
Gott hat Jesus Christus «eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Reiche, Gewalt,
Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat, nicht allein in dieser Welt, sondern
auch in der zukünftigen.« (Eph. 1, 20f)

7.1. Die Freimaurerei als Gegner Christi

Wir haben gesehen, dass die Freimaurerei jeden Absolutheitsanspruch (ausser dem eigenen
natürlich) ablehnt. Der Geist der Freimaurerei bekämpft jeden Anspruch auf absolute Wahrheit
und hat bisher bereits den Absolutismus, den Faschismus, die kommunistische
Einparteienherrschaft besiegt. In der katholischen Kirche und in den protestantischen Kirchen
sind die Auseinandersetzungen noch im Gange. Es ist wohl möglich, dass am Schluss nur noch
ein Gegner übrig bleibt: Jesus Christus.

7.1.1. Ablehnung des Absolutheitsanspruches Christi

Der Absolutheitsanspruch Christi ist der «Stein des Anstosses» für die Frei¬maurer: »Ich bin der
Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich« (Joh. 14, 6).
Oder: »Ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen ...« (Joh. 15,
5f). Für einen Humanisten sind das unglaubliche, ungeheure, unerhörte Worte. Warum soll es
nicht auch andere Wege geben? Gibt es nicht auch in anderen Religionen »Erkenntnis« und
schöne Erlebnisse? Ist es nicht unfair und ungerecht, die Menschen derart ungleich zu behandeln
und zu verurteilen? Die Freimaurerei nimmt diese Worte Jesu nicht ernst, sondern relativiert sie
und damit den, mit dem sie zu tun haben. Der Absolutheitsanspruch Christi wird abgelehnt. Damit
ist aus freimaurerischer Sicht noch keine Gegnerschaft verbunden, sondern es sieht so aus, als
ob erst der «moderne», «aufgeklärte» Mensch die Zusammenhänge richtig erkennen und Jesus
Christus ins richtige Licht rücken könne. Aus der Sicht Christi ist nun aber gerade das eine
ungeheure Anmassung und totale Verkennung der wirklichen Herrschaftsverhältnisse. Die
Relativierung ist in Wahrheit Ablehnung, und hinter den zum Teil schönen »christlichen« Worten
verbirgt sich äusserste Feindschaft. Der Geist der Freimaurerei macht dem auferstandenen
Jesus Christus die Herrschaft streitig. Er wird auf ein rein menschliches Maß reduziert,
abgewertet, verniedlicht und in ein theoretisches Schema der menschlichen
Entwicklungsgeschichte integriert. Seine Worte, besonders die, die Anstoss erregen, sind in der
Loge Tabu. Wer Christus als den Herrn verkündet, der wird zum Schweigen gebracht und auf
den Sonntagvormittag verwiesen.

Ist Christus wirklich auferstanden, so ist eindeutig: Die Freimaurerei ist nicht für, sondern gegen
ihn. Auf die Freimaurerei trifft also das folgende Wort Jesu zu: »Wer nicht mit mir ist, der ist
gegen mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut« (Lk. 11, 23).

7.1.2. Die Freimaurer als die «Bauleute» der Bibel

In der Bibel kommt das Wort »Freimaurer» natürlich nicht vor. Dagegen gibt es den Ausdruck
»Bauleute«, der zur Bezeichnung derjenigen Menschen und Menschengruppen (Pharisäer,
Schriftgelehrte vor allem) verwendet wird, die nicht auf Jesus Christus bauen, sondern auf
eigene, menschliche Weisheit, Kraft und Schönheit. Wesen und Inhalt, Bauhüttentradition und
Tempelbausymbolik der Freimaurerei legen nun nahe, dass dieser Ausdruck auch auf die
Freimaurerei zutrifft, so dass gesagt werden kann: Die Freimaurer sind die Bauleute der Bibel.

Diese Bauleute sind in der Bibel dadurch charakterisiert, dass sie den tragenden Stein, den
«Eckstein» des Baues Gottes verworfen haben. (Ps. 118, 22f; Mt. 21, 42; Mk. 12, 10; Lk. 20, 17;
Apg. 4, 11; 1. Petr. 2, 7) Der Eckstein des Baues Gottes ist Jesus Christus. »Er (Jesus) ist der
Stein, der von euch Bauleuten verworfen wurde, der aber zum Eckstein geworden ist. Und in
keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem
Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.» (Apg. 4, 11 f).

7.1.3. Der «Tempel der Humanität» ist nicht der «Tempel Gottes»

Der Bau des Gottes der Bibel wird ebenfalls als »Tempel» bezeichnet. Die folgende Aussage gilt
für diejenigen, die den Absolutheitsanspruch Christi ernst genommen haben und nun an seinem
Bau mitwirken: »Ihr seid also jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der
Heiligen und Hausgenossen Gottes. Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten
gebaut; der Schlussstein ist Jesus Christus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau
zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn. Durch ihn werdet auch ihr im
Geist zu einer Wohnung Gottes erbaut« (Eph. 2, 19 22).

Dieser Bau Gottes ist nun gewiss nicht mit dem freimaurerischen «Tempel der Humanität»
identisch. Es handelt sich um zwei grundsätzlich verschie¬dene Bauwerke: Beim Bau Gottes ist
Jesus der Eck oder Schlussstein, der alles zusammenhält. Er wird, um einen anderen Bau
Ausdruck zu verwenden, auch als «Grund« oder «Fundament« bezeichnet: «Das Fundament ist
gelegt: Jesus Christus. Niemand kann ein anderes legen.« (l. Kor. 3, 11) Beim «Tempel der
Humanität» hingegen ist Jesus ein gewöhnlicher Stein, vielleicht ein besonders schöner Stein,
aber ganz bestimmt nicht der Eckstein, Schlussstein oder das Fundament. Da der
freimaurerische Bau nicht der Bau des in der Bibel bezeugten Gottes und seines Sohnes ist, gilt
für ihn aus biblischer Sicht: Er ist nicht stabil, nicht dauerhaft; er hält nicht, was er verspricht. Wer
dort arbeitet, der wird nicht belohnt, hat falsch investiert und sollte so rasch wie möglich innerlich
»umstrukturieren», die Stelle wechseln. »Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten
umsonst, die daran arbeiten.» (Ps. 127, 1)

Alles hängt von der Einstellung zu Jesus Christus ab: »Zu ihm kommt als zu dem lebendigen
Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar... Für euch nun,
die ihr glaubt, ist er kostbar; für die Ungläubigen aber ist 'der Stein, den die Bauleute verworfen
haben und der zum Eckstein geworden ist, ein Stein des Anstosses und ein Fels des Ärgernisses'
(Ps. 118, 22; Jes. 8, 14); sie stossen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben.« (l. Petr. 2,
4.7f) Die Ablehnung bleibt nicht ohne Folgen. Die Bibel droht meines Erachtens nicht, sondern
sie warnt und stellt fest: »Jeder, der auf diesen Stein fällt, wird zerschellen; auf wen der Stein
aber fällt, den wird er zermalmen.» (Lk. 20, 18) Jesus Christus ist also aus biblischer Sicht
derjenige, an dem sich alles entscheidet. «Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt,
damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird
nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes
Gottes nicht geglaubt hat.« (Joh. 3, 17f) Aus biblischer Sicht ist alles ganz einfach und eindeutig:
»wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn nicht hat, der hat das Leben nicht.» (l. Joh.
5, 12) »Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du
gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.» (Joh. 17, 3)

7.2. Falscher Absolutheitsanspruch der FM

Die Freimaurerei lehnt den Absolutheitsanspruch Christi ab und stellt sich damit in Opposition zu
ihm. Sie stellt sich über ihn. Damit erhebt sie selbst einen Absolutheitsanspruch, was den
meisten Freimaurern wohl gar nicht bewusst ist. Die beiden Absolutheitsansprüche schliessen
sich gegenseitig aus, sie sind unvereinbar. Nur einer kann richtig, gerechtfertigt, wahr sein. Der
andere ist falsch, angemasst, eingebildet, erschwindelt. Aus freimaurerischer Sicht ist der
Absolutheitsanspruch Christi falsch. Die entsprechenden Aussagen in der Bibel sind unwahr.
Wenn nicht Christus selbst ein Hochstapler, Verrückter oder Lügner war, so haben die ersten
Gemeinden und/oder irgendwelche Redaktoren »in aller Freiheit» die Göttlichkeit Christi erdichtet
und die Schriften entsprechend »frisiert«. Wenn wir annehmen, dass dies nicht so ist, dann ist
aber der Absolutheitsanspruch der Freimaurerei falsch. Aus biblischer Sicht steht der «Tempel
der Humanität» auf sumpfigem Boden. Die paradigmatischen, weltanschaulichen
Grundüberzeugungen der Freimaurerei sind unrealistisch, verkennen die wirkliche Realität und
die wahren Herrschaftsverhältnisse. Nicht die Bibelleser, sondern die Freimaurer wurden
getäuscht, in die Irre geführt.

Es ist nicht ein anonymer »Allmächtiger Baumeister aller Welten«, der oberster Herrscher,
Ursprung und Maß aller Dinge wäre. Vielmehr ist es Jesus Christus, der sagt: »Mir ist alle Macht
gegeben im Himmel und auf der Erde« (Mt. 28, 18).

Es trifft nicht zu, dass es keine dem Menschen zugängliche absolute Wahrheit gibt. Zwar kann
niemand diese Wahrheit besitzen, weil sie eine Person ist. Aber diese Person, ganz Gott, ganz
Mensch, sagt von sich: «Ich bin die Wahrheit«. (Joh. 14, 6)

Es ist nicht wahr, dass erlöst wird, «wer immer strebend sich bemüht«. Jesus Christus schenkt
allen seine Gnade, sein Leben, seine Fülle, die seine Herrschaft akzeptieren. Die Annahme
dieser Herrschaft soll nicht erzwungen werden, sondern sie ist ganz freiwillig. Nicht Streberei,
Leistungen und Werke, sondern Vertrauen, Glaube und Gnade bringen Sicherheit und Heil. Nicht
die Arbeit und die Arbeitsverhältnisse, sondern die Liebe, Liebesbeziehungen sind die Grundlage
allen Lebens, sind die Voraussetzung für unseren »Lebensunterhalt» in jeder Beziehung.

Es ist nicht so, dass Christus unterschiedslos allen Menschen das Leben schenkt. Denjenigen,
die ihn ablehnen, kann er es nicht schenken, denn nur er ist das Leben, hat den Tod
überwunden. «Ich bin die Auferstehung und das Leben ...« (Joh. 11, 25) Gerade die Freiheit der
Entscheidung hat zur Folge, dass letztlich nicht alle leben werden. Aus dieser Sicht ist es nutzlos
und lächerlich, dass Menschen »symbolisch« Särge überschreiten und sich selbst »erheben».
Es ist nicht so, dass es unser bestes und »edelstes« Los ist, ein Licht-Suchender zu sein, denn
Jesus Christus sagt: «Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der
Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben« (Joh. 8, 12). So lange wir Christus nicht
nachfolgen, tappen wir aus biblischer Sicht im Dunkeln. Wir kommen ganz grundsätzlich nicht
draus, auch wenn wir uns noch so klug vorkommen. Zur Erleuchtung dieser Finsternis helfen
keine Lichtkulte, keine angezündeten Kerzen, keine asketischen und meditativen Exerzitien. Wer
hingegen den Gott der Bibel sucht, der wird ihn finden!

Es ist auch nicht so, dass das Diesseits, die dem Menschen zugängliche Welt, wichtiger ist als
das Jenseits. Die Bibel lehrt, dass die sichtbare Welt vergänglich ist, dass sie aus einer
unsichtbaren Welt hervorgegangen ist und aus dieser unsichtbaren Welt gesteuert wird. Wer
diesen Sachverhalt nicht berücksichtigt, der baut sein Leben auf Vergängliches, setzt auf den
Tod. »Der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen, und die
darauf wohnen, werden wie Mücken dahinsterben. Aber mein Heil bleibt ewiglich und meine
Gerechtigkeit wird nicht zerbrechen.» (Jes. 51, 6)

Es ist nicht wahr, dass Symbole für die Verständigung und die Erkenntnis wichtiger sind als
Worte. Aus biblischer Sicht hat das Wort absoluten Vorrang. »Himmel und Erde werden
vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen«, spricht der Jesus der Bibel. (Mt. 24, 35)
»Wer das Wort verachtet, muss dafür büssen.« (Spr. 13, 13) Der Mensch lebt von einem jeden
Wort Gottes (Dtn. 8, 3; Mt. 4, 4; Lk. 4, 4). Hingegen erstickt gerade die «Sorge der Welt« das
Wort. (Mt. 13, 22)

Nicht die Tat, sondern das Wort war am Anfang. Und alle Dinge sind durch das Wort gemacht,
»und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.» (Joh. 1, 1 3) Jesus Christus ist dieses
Wort, das «Fleisch ward«. (Joh. 1, 14) Durch die Beziehung mit ihm erhalten auch unsere Worte
Wert, Sinn, Bestand. Ohne ihn ist unsere Sprache wertlos, sinnlos, Geschwätz. «Niemand
täusche euch mit leeren Worten.» (Eph. 5, 6) Natürlich soll das nicht Tatenlosigkeit bedeuten:
»Seid Täter des Worts und nicht Hörer allein.» (Jak. 1, 22) Es geht hier nicht um Alternativen,
sondern um Prioritäten. «Täter des Worts», nicht «Täter des Schweigens», sollen Christen sein.
Worte schaffen andere Beziehungen zwischen Menschen als bloße Handgriffe. Es ist darum
nicht egal, ob wir sprechen und was wir reden. Dazu noch eine Aussage Jesu: «Ich sage euch:
Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, werden sie am Tag des Gerichts
Rechenschaft ablegen müssen; denn aufgrund deiner Worte wirst du freigesprochen, und
aufgrund deiner Worte wirst du verurteilt werden.» (Mt. 12, 36f) Und: «Wer mich verachtet und
meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich gesprochen habe,
wird ihn richten am Letzten Tag.« (Joh. 12, 48)

Gemäß der Bibel ist es nichtwahr, dass der Mensch durch eine Evolution aus dem Nichts
entstanden ist, und es trifft nicht zu, dass er das am höchsten entwickelte Lebewesen ist. Der
Mensch ist nicht das Maß aller Dinge. Er ist Geschöpf, Kreatur, nicht Schöpfer, Die Verehrung
von Geschöpfen, Geschaffenem anstelle des Schöpfers, wird in der Bibel als »Götzendienst«
bezeichnet. Humanisten aller Schattierung können als Götzendiener bezeichnet werden. »Sie
vertauschten die Wahrheit Gottes mit der Lüge, sie beteten das Geschöpf an und verehrten es
anstelle des Schöpfers.« (Röm. 1, 25) Obwohl die Schöpfung und die Geschöpfe vom Schöpfer
zeugen, haben sie ihn nicht geehrt und ihm nicht gedankt. «Sie verfielen in ihrem Denken der
Nichtigkeit, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert. Sie behaupteten, weise zu sein, und
wurden zu Toren.« (Röm. 1, 21f)

Die maßlose Unterschätzung Gottes und die entsprechend ungeheure Überschätzung des
Menschen führt zu wahnhaft übersteigerten Anforderungen und Erwartungen an den Menschen,
die letztlich niemand erfüllen kann. Die Enttäuschung, die Gefangenheit in Gedanken der
scheinbaren Minderwertigkeit, sind darum die notwendige Konsequenz aller
Menschenvergötzung. «Ihr beladet die Menschen mit unerträglichen Lasten.« (Lk. 11, 46)
Die freimaurerische Verehrung menschlicher Leistungen und Werke ist aus biblischer Sicht
natürlich ebenfalls maßlos übertrieben und angesichts der Tatsache, dass Gott alles Können und
Vollbringen ermöglicht, völlig ungerechtfertigt. Der Tanz um die menschlichen «Künste« und ihre
Resultate kann als »doppelter Götzendienst» bezeichnet werden. «Alle Menschen aber sind
Toren mit ihrer Kunst, und alle Goldschmiede stehen beschämt da mit ihren Bildern; denn ihre
Götzen sind Trug und haben kein Leben, sie sind nichts, ein Spottgebilde; sie müssen zugrunde
gehen, wenn sie heimgesucht werden.» (Jer. 10, 14f)

Unseres Erachtens ist es also eindeutig, dass das Welt und Menschenbild der Freimaurerei
demjenigen, das uns durch die Bibel vermittelt wird, radikal entgegengesetzt ist. Der
Absolutheitsanspruch der Freimaurerei ist aus biblischer Sicht falsch eine ungeheure
Anmaßung.

7.3. Dunkle Herkunft

Wir haben gesehen, dass es über Ursprung und Entwicklung der Freimaurerei bis 1717 kein
gesichertes Wissen, dafür aber vielfältige Sagen, Mythen und Legenden gibt. Wir kennen keinen
Namen des Erfinders, die Legenden wollen aber den Eindruck erwecken, als habe die
Freimaurerei eine lange Tradition, als sei sie uralt, als gehe sie auf Adam und Eva zurück (s.
Andersons Verfassung in Oslo). »Die Freimaurerei war immer», meint sogar Falk in Lessings
»Gesprächen für Freimäurer».

Die Bibel lehrt uns, solchen Aussagen und Behauptungen ebenso wie Mythen, Sagen und
Märchen nicht zuviel Bedeutung zuzumessen. Wir sollen uns auf die sinnlich wahrnehmbaren
Tatsachen, auf die Aussagen von namentlich bekannten Zeugen verlassen. In der Bibel spielt die
Namengebung eine entscheidende Rolle. Es sollte jede Person als Individuum identifiziert
werden können. Ebenso wichtig sind Stammbäume. Der Stammbaum Jesu ist zweifach,
lückenlos zurück über David bis Abraham aufgeführt. Es ist nicht egal, woher etwas oder jemand
kommt.

Die Freimaurerei wird auch hinsichtlich der Herkunft den biblischen Maßstäben nicht gerecht: Sie
basiert auf Legenden, nicht Tatsachen; Sagen, nicht Aussagen; Gerüchten, nicht Zeugen;
Anonymität, nicht Namengebung; historischen Phantasien, nicht Stammbäumen. Wir können
darum nicht anders, als ihre Herkunft als unsicher, ungeklärt, dunkel zu bezeichnen.

Aus biblischer Sicht sind natürlich auch die geistigen Wurzeln der Freimaurerei zum Teil mehr als
dubios. Die von Priestern und Mönchen, in Geheimgesellschaften, Mysterienbünden, Klöstern
und Bauhütten gepflegten »hermetischen Künste» sind aus biblischer Sicht
verabscheuungswürdig, und wir sollten lernen, uns ihrer zu enthalten. »Dass nicht jemand unter
dir gefunden werde, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt oder
Wahrsagerei, Hellseherei, geheime Künste oder Zauberei treibt oder Bannungen oder
Geisterbeschwörungen oder Zeichendeuterei vornimmt oder die Toten befragt. Denn wer das tut,
der ist dem Herrn ein Greuel.» (Dtn. 18. 10-12)

Wir haben gesehen, dass auch die Inhalte der Legenden zum Teil einen deutlichen Protest
gegen die Darstellungen der Bibel und gegen den Gott der Bibel zum Ausdruck bringen. Erinnert
sei an die Parteinahme für Kain in der Hiramslegende, an die Vorstellung, die Maurer hätten im
Erdinneren die Sintflut überlebt, an die Phantasie weltweiter außersprachlicher Kommunikation
der Menschen trotz aller Sprachverwirrung. Aus biblischer Sicht sind solche «Möchtegern
Geschichten» mit Sicherheit nicht vom Heiligen Geist inspiriert.

7.4. Unerreichte Ideale

Die Freimaurer werfen dem Christentum vor, es hätte seine Verheißungen nicht erfüllt, wobei sie
sich an den Christen orientieren, nicht an Jesus Christus. In diesem Kapitel wollen wir versuchen,
zu beurteilen, ob denn die Freimaurerei in ihrer Geschichte ihre Ideale erreicht hat.
7.4.1. Untaugliche Orientierung anhand von Idealen

Dabei sei nochmals darauf hingewiesen, dass sich unser Glaube nicht an Idealen, sondern an
einer Person orientiert. Mit Idealen können wir nicht sprechen. Sie haben keine reale Macht. Sie
übernehmen keine Verantwortung und setzen sich nicht für uns ein. Ideale lassen sich trotz
endloser Definitionsversuche und Streitereien nicht eindeutig festlegen. Sie sind ambivalent und
können in unbestimmbarer Vielzahl auftreten. Die Orientierung anhand von Idealen kann als
moderne Form von Vielgötterei bezeichnet werden, was deutlich wird, wenn sie «personifiziert«,
in Stein gehauen und auf einen Sockel gestellt sind.

7.4.2. Enttäuschung

Die Freimaurerei weckt äusserst hohe Erwartungen, die wohl enttäuscht werden müssen.
Enttäuschung gehört zum Freimaurerdasein und wird in der Literatur auch behandelt. »Dieses
Phänomen der Enttäuschung über die Kluft zwischen idealer Vorstellung und Realität wird sowohl
in der freimaurerischen Literatur als auch in der antimaurerischen angezogen und interpretiert.«
(Binder, Wiss. 1988 130) Aus freimaurerischer Sicht können alle erdenklichen Gründe für diese
Enttäuschung in Betracht gezogen werden, nicht aber die Freimaurerei selbst. Vielleicht ist man
selbst oder vielleicht ist der »Bruder« noch zu wenig «wirklicher« Freimaurer. Vielleicht erfüllt der
nächst höhere Grad die Erwartungen. Dem Enttäuschten wird auch deutlich gemacht, dass die
Freimaurerei nicht mehr geben könne als man selbst zu geben bereit ist. Schuld an der
Enttäuschung ist letztlich scheinbar jeder einzelne selbst.

7.4.3. Friede auf Erden?

Wir haben gesehen, dass der angehende «Ritter Kadosch» des «Rachegrades» lernt, die Ideale
der Freimaurerei mit allen Mitteln durchzusetzen. Niemand kann wohl behaupten, dass die
Auseinandersetzungen im Zuge von Humanismus, Aufklärung und Französischer Revolution
friedlich, «gewaltfrei« verlaufen sind. Die innerhumanistischen Abgrenzungen, welche Form des
Humanismus, welche Rasse, Klasse, Nation, welches Individuum den Weltfrieden wirklich
garantieren kann, haben wohl kaum weniger Opfer gefordert und Greuel verursacht als die
vorangegangenen Konfessionskriege. Dabei soll natürlich nicht gesagt werden, dass die
Freimaurer an all diesen Streiten und Kriegen »schuld« sind, und auch aus unserer Sicht hat ihr
Kampf gegen all die falschen humanistischen Absolutismen eine gewisse Berechtigung. Meines
Erachtens ist aber der Geist des Humanismus, auf dem auch die Freimaurerei beruht, von Natur
aus nicht friedlich. Homo homini lupus, der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Diese Einsicht
liegt auch der Forderung nach Gewaltentrennung zugrunde: Dem Menschen ist in Wahrheit ganz
grundsätzlich nicht zu trauen, und um Machtmissbrauch zu verhindern, soll jede Gewalt die
andere relativieren, kontrollieren. Jeder soll jedem auf die Finger schauen, niemandes Bäume
sollen in den Himmel wachsen. Divide et impera, teile und herrsche!

Der Humanismus schafft nicht Friede, sondern Konkurrenz, Kampf um die Güter der Welt, Stress
der Selbsterlösung, »Selbstverwirklichung«. Es ist dies nicht nur eine Konkurrenz der Rassen,
Klassen und Nationen, sondern auch der Individuen, der Streber, der Schaffer und der
Friedensstifter. Ist in dieser Situation wirklicher, dauerhafter Friede überhaupt möglich? Reicht es,
wenn wir die gegenseitigen Ansprüche und Differenzen einfach verschweigen und uns
«symbolisch« die Hand zum Bund reichen? Glaubt heute noch jemand, dass die Bruderküsse
(auch eine symbolische Handlung) der kommunistischen Brüder echt waren? Durch Schweigen
und symbolische Friedenshandlungen entsteht meines Erachtens kein echter Friede. Die
Feindseligkeiten, die Konkurrenz, die Aggressionen werden bloss verdeckt und können sich
schliesslich zu ungeheuren Spannungen aufstauen. Menschen selbst können keinen dauerhaften
Frieden, höchstens einen Scheinfrieden schaffen. Sie heilen den Schaden meines Volks nur
oberflächlich, indem sie sagen: »Friede! Friede! und ist doch nicht Friede« (Jer. 6, 14).

Auch die Freimaurerei stiftet keinen wirklichen Frieden. Nicht einmal unter den Freimaurern
selbst. Das zeigen die Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Systemen und
Logen, die sich zum Teil heute noch gegenseitig die Anerkennung versagen. Ihr »Friede« ist ein
Waffenstillstand bei Abbruch der Beziehungen und des Gesprächs.

Gegen solchen falschen Frieden bringt Christus das Schwert (Mt. 10, 34). Dafür garantiert der
biblische »Friedefürst», sofern wir ihn annehmen, Friede mit Gott. »Da wir nun gerecht geworden
sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus» (Röm.
5, 1). Sein Friede eröffnet uns ganz neue Welten und Dimensionen. Das Gerangel und Gezänk
der Welt wird klein, relativiert. Und der innere Friede gibt uns die Kraft, auch in einer
humanistischen Welt friedlich zu bleiben. (Joh. 14, 27; Röm. 12, 18)

7.4.4. Menschliche Menschlichkeit?

Wie steht es nun mit dem hohen Ideal der Humanität und der »Menschenwürde»? Die
Leistungen des Roten Kreuzes und anderer humanitärer Organisationen sollen hier nicht
verachtet werden. Christi Geist kann auch in Lebenden wirken, die ihn noch nicht erkannt haben.
Dennoch hat aus biblischer Sicht rein menschliche Hilfe und Wohltätigkeit eine relative,
untergeordnete, nebensächliche Bedeutung. Die Bibel sagt es deutlicher: «Menschenhilfe ist
nichts nütze.» (Ps. 60, 13) Mehr noch: Es ist schädlich, sich auf Menschen und Menschenhilfe zu
verlassen. Das schafft Abhängigkeiten, die die Existenzangst vergrößern, denn Menschen sind
unzuverlässig, krankheitsanfällig und sterblich. Es entstehen Beziehungen, die niemals halten,
was sie versprechen, und Abhängigkeiten, die sich als Gebundenheiten erweisen. «Verflucht ist
der Mann, der sich auf Menschen verlässt und sich auf schwaches Fleisch stützt, und dessen
Herz sich abwendet vom Herrn.« (Jer. 17, 5) Wer sich nur auf Menschen verlässt, der nimmt
Gott, Jesus Christus, die Chance, einzugreifen. Er verbaut sich durch seine enge, diesseitige
Sicht den Weg zum umfassenden Hilfsangebot Gottes. Unzählige Christen haben erfahren, dass
durch die Annahme eines wirklich lebendigen Gottes ausserhalb der diesseitigen Welt und
unserer eigenen Subjektivität Kräfte sich entfalten konnten und Lösungen möglich wurden, die
alle ursprünglichen Vorstellungen weit übertrafen. Natürlich spielen auch bei christlicher Hilfe
menschliche Anstrengungen und Spenden eine Rolle. Aber sie stehen nicht am Anfang und nicht
im Mittelpunkt. Es ist nicht egal, aus welcher Einstellung heraus die Hilfstätigkeit erfolgt.

Ähnliches ist zum Thema »Menschenwürde« und »Menschenrechte« zu sagen. Kann sich der
Mensch selbst Würde geben, sich selbst Recht verschaffen? Wer garantiert die Einhaltung der
Menschenrechte? Wieviel wert sind die Orden und Ehrenpreise, die Menschen Menschen
verleihen? Natürlich wollen auch die von Menschen verliehenen Würden, Namen und Titel
beachtet und ernst genommen werden. Ohne göttliche Perspektive werden meines Erachtens
diese Dinge viel zu ernst genommen, und es kann nicht gesehen werden, dass wir letztlich
unsere wirkliche Würde niemals uns selbst verdanken. Von Menschen erwartete und
angenommene »Menschenwürde» schafft künstliche Barrieren und Hierarchien. Der
freimaurerische »Meister« fühlt sich dem «Profanen« voraus. Der «Grosse Auserwählte
Vollkommene und Erhabene Maurer» (14. Grad) ist offenbar über den bloß »Erlauchten
Auserwählten der Fünfzehn« (10. Grad) erhaben. Die Künstlichkeit und Lächerlichkeit dieser
»Würden» ist meines Erachtens für Aussenstehende offensichtlich. Die nach menschlichen
Kriterien verteilten Würden schaffen Ungleichheit. Freimaurer sehen das, meinen aber, nur die
Hochgrade seien mit dem Ideal der Gleichheit unvereinbar: »Nicht von der Hand zu weisen ist
der kritische Vorwurf, dass die Schaffung der Hochgradsysteme die ursprüngliche demokratische
Tendenz der Freimaurerei aufgehoben habe, zugunsten einer streng gegliederten Hierarchie, die
dem persönlichen Geltungsbedürfnis des einzelnen entgegenkommt und dem maurerischen
Gleichheitsprinzip widerspricht« (Valmy FM 1988 36).

Die Beharrung auf falschen Würden ist wohl der Grund aller Menschenver¬achtung. Menschen
können sich von sich aus keine echten Würden verleihen, höchstens die Würden streitig machen.
Das Streben nach menschlichem Ansehen absorbiert so viel Aufmerksamkeit, Zeit und Energie,
dass wir unsere wahre Würde, die nur vom lebendigen Gott kommt, nicht mehr erkennen und das
Ziel verfehlen. »Wie könnt ihr zum Glauben kommen, wenn ihr eure Ehre voneinander empfangt,
nicht aber die Ehre sucht, die von dem einen Gott kommt?» (Joh. 5, 44)

Menschen können Menschenrechte proklamieren, Transparente durch die Strassen tragen und
vielfältige Forderungen aufstellen. Doch können sie diese Rechte auch durchsetzen und die
Forderungen erfüllen? Niemand wird heute noch bestreiten, dass auch die kommunistische
Internationale das «Menschenrecht» nicht »erkämpft« hat. Der Fluch des Humanismus ist, dass,
wenn etwas schief läuft oder etwas als »unmenschlich« empfunden wird, Proklamationen,
Resolutionen und Forderungen nur an Menschen gerichtet werden können. Es fehlt ein anderes
mögliches Objekt oder Subjekt der Aggressionen als der Mensch. Der »Aufgeklärte« glaubt nicht
mehr an böse Geister. So ist, wenn es Unannehmlichkeiten gibt, der Mensch der Unmensch. Der
Humanismus löst seine Probleme durch das Rollen der Köpfe: Die »bösen« Menschen (auch
Klassen, Völker etc.) müssen weg, die scheinbar »guten« ans Ruder! Es ist sicher kein Zufall,
dass kurz nach der erstmaligen Proklamation der Menschenrechte die Guillotine aufgestellt
wurde. Die menschliche Menschlichkeit entpuppt sich als humane Hinrichtung, als »Gleichheit
vor dem Schafott«. Auch Ereignisse wie Auschwitz und Hiroschima in diesem Jahrhundert sollten
wohl mehr als deutlich machen, dass es eine menschliche Evolution, eine »Entwicklung zu
höherem Menschentum« nicht gibt.

Im Gegensatz zu den Humanisten kämpfen Christusgläubige nicht gegen Menschen, sondern


gegen die unsichtbaren Mächte der Finsternis. (Eph. 6, 12) Gerade die (anfangs sicher
ungemütliche) Annahme, dass es solche Mächte gibt, schafft die Voraussetzung dafür, dass wir
auch diejenigen Menschen lieben können, die uns als ihre Feinde betrachten. Die Vergötzung
des Menschen bringt ständige Unzufriedenheit mit sich. Jeder muss mehr scheinen, als er ist.
Auch die Freimaurerei nimmt nicht jeden auf, ihre Mitglieder sind erlesen, »erwählt», möglichst
einflussreich. Der »Wettlauf um den Kranz der Humanität« erweist sich als gnadenlos,
unbarmherzig, »unmenschlich». Wir wissen, dass im völligen Gegensatz dazu bei Christus alle
willkommen sind, auch diejenigen, die nach menschlichen Maßstäben nicht genügen. (Mt. 11, 28)

Gegen den humanistischen Terror hilft meines Erachtens nur die Annahme eines liebenden,
wirklich »menschenfreundlichen« Gottes. Bei einem solchen sind Menschlichkeit,
Menschenwürde, Menschenrechte und all die andern Ideale viel besser aufgehoben. Die Bibel
spricht davon, dass es einen solchen Gott gibt: »Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen
einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige
Leben hat.« (Joh. 3, 16) Also: »So lasset nun ab von dem Menschen, der nur ein Hauch ist; denn
für was ist er zu achten?« (Jes. 2,22)

7.4.5. Freiheit durch»Emanzipation« vom Wort?

Wir haben gesehen, dass sich die Freimaurer für die Emanzipation des Menschen von allen
Absolutheit beanspruchenden Autoritäten und Mächten einsetzen. Unter anderem fällt darunter
auch das Wort im weitesten Sinn. Aus biblischer Sicht erfahren wir Befreiung gerade durch das
Wort, das Blut, die Wahrheit, die Person Christi. (Lk. 4, 18; Joh. 8, 31 f.36; Gal. 5, 1 u.a.m.) Er hat
die Glaubenden befreit von dunklen Mächten, von Süchten, Ängsten und Sorgen, von Schuld und
Isolation; er befreit die »Produktivkräfte» wirklich, er befreit das Leben. Die Botschaft von dieser
Befreiung wird von der Freimaurerei relativiert und damit unwirksam gemacht. Dafür bietet sie die
Befreiung von Autoritäten aller Art an.

Aus biblischer Sicht ist eine solche Freiheit nicht möglich. Der Mensch ist immer einer geistigen
Macht untertan und wird von ihr geführt. Ist diese Macht nicht Christus, so ist es sein Feind.
»Freiheit versprechen sie ihnen und sind doch selbst Sklaven des Verderbens; denn von wem
jemand überwältigt worden ist, dessen Sklave ist er.« (2. Petr. 2, 19) Die Freimaurerei ist
bestrebt, die Botschaft vom Befreiungswerk Jesu zu zerstören und dafür eine Scheinfreiheit
anzubieten. Das ist wohl den meisten Freimaurern nicht bewusst, und von den wenigsten
beabsichtigt. Dennoch ist es aus biblischer Sicht eindeutig so.

Wir haben gesehen, dass es nicht ungefährlich ist, die absolut lebenswichtige Bedeutung des
Wortes, der sprachlichen Kommunikation, zu verneinen. Indem die Freimaurer dies tun und dafür
das Schweigen, das rituelle Erleben fördern und trainieren, befinden sie sich auf dem Weg zur
Sprachlosigkeit, zur kommunikativen Isolation. Die Pflege des persönlichen, individuellen
Erlebnisses und die Vernachlässigung der sprachlichen Verständigung, besonders auch
außerhalb der Loge der Familie darf ja nicht mitgeteilt werden, was dort geschieht muss
letztlich zur Vereinsamung führen. Einsamkeit aber ist Gefangenheit.

Aus biblischer Sicht spielen Gedanken für die geistige Gesundheit eine wichtige Rolle. Für die
gedankliche «Hygiene» und »Disziplin« sind Aussprachen, letztlich vor Jesus Christus,
entscheidend wichtig. Sind solche Aussprachen erschwert oder unmöglich, so können Gedanken,
Grübeleien, eine zerstörerische Eigendynamik entfalten. Die Gedanken »klagen einander an»
(Röm. 2, 15), werden zu immer unentwirrbareren Gespin¬sten, zu »Festungen« des Gegners (2.
Kor. 10, 4f). Die wortlose »Gedankenfreiheit» entpuppt sich als Blockierung, Gefangennahme des
wirklichen Lebens.

Auch das sich Verlassen auf menschliche Weisheit, Brüderlichkeit und Hilfe etc. führt zu
Bindungen, die aus biblischer Sicht nicht gesund sind.

Während die Hilfe Christi gratis ist, eine Gnade, ein Geschenk, hat Menschenhilfe ihren Preis.
Aus menschlicher Sicht sollte Nehmen und Geben zumindest langfristig im Gleichgewicht sein.
Einem Gefallen oder einer Leistung sollte mit der Zeit eine Gegenleistung folgen. So entsteht
langsam aber sicher ein immer dichter werdendes Netz von gegenseitigen Verpflichtungen und
Rücksichtnahmen, das zum Gefängnis werden kann.

Zudem werden wir sehen, dass katholische wie protestantische Autoren der Auffassung sind,
dass die Kulte, Riten und Zeremonien der Freimaurer zu okkulter Gebundenheit führen.

Ganz allgemein aber ist die Konzentration auf Erlebnisse, statt auf das Wort, problematisch.
Während uns Jesus Christus durch seinen Geist überall und jederzeit zur Verfügung steht,
benötigen Erlebnisse stets bestimmte Rahmenbedingungen, die immer wieder reproduziert
werden müssen. Der Erlebnishunger kann zur Sucht werden, die uns an konkrete Personen,
Räume und Zeiten bindet: «fesselnde» Erlebnisse!

7.4.6. Gleichheit der Menschen?

Bei diesem Ideal kommt die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit am krassesten zum
Ausdruck. Die Freimaurerei selbst erzeugt in ihrem Bereich vielfältige und aus biblischer Sicht
völlig unnötige, eingebildete, kontakthemmende und «Würde Neid» fördernde Ungleichheiten und
Abstufungen zwischen Menschen. Valmy meint zwar, dass nur die Hochgrade dem
«maurerischen Gleichheitsprinzip widersprechen. Doch meines Erachtens liegt die Förderung
von Ungleichheit im Wesen der Freimaurerei selbst, in ihren mystischen, bauhandwerklichen,
esoterischen Wurzeln begründet. Die Auswahl der Mitglieder schafft Ungleichheit: Warum werden
Frauen, Kinder, Behinderte und Farbige (in den USA) nicht aufgenommen? Die Abstufung von
Wissens und Erleuchtungsstufen schafft künstliche Ungleichheit, die mit dem hinduistischen
Kastensystem letztlich wohl verwandt ist. Die Beurteilung der Menschen nach ihren Werken und
Leistungen fördert Ungleichheit. Die Menschen Würden begünstigen Ehrsucht, Neid, Kampf ums
Ansehen. Die Relativierung des Wortes und Verabsolutierung des Erlebens schafft Ungleichheit.
Niemand hat die gleichen Erlebnisse wie ein anderer, und die Möglichkeit des Erlebnis und
Erfahrungsaustausches sind, besonders ohne sprachliche Kommunikation, höchst begrenzt.

Demgegenüber betont die Bibel immer wieder, dass es »kein Ansehen der Person vor Gott« gibt.
(Röm. 2, 11) »Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass
ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.« (Apg. 10, 34) Bei Jesus
Christus sind wirklich alle willkommen. (Mt. 11, 28) Natürlich gibt es auch in der (unsichtbaren)
Gemeinde Christi Ungleichheit. Doch diese Ungleichheit ist gottgewollt und unabänderlich. Da
nützt alles menschliche «Streben« nichts. Allen Neidereien und allen Eifersüchteleien ist damit
der Boden entzogen, und es wird möglich, sich gerade an der gegenseitigen Ungleichheit zu
freuen. Die Ungleichheit im «Leib Christi» ist eine Folge davon, dass bei ihm, im Gegensatz zu
den Religionen, der einzelne überhaupt nicht vollkommen sein muss, um gerettet zu werden. Er
muss nur seine eigene, begrenzte Bestimmung erfüllen nicht mehr und nicht weniger. Die
Gemeinde Christi wird als lebendiger Organismus geschildert, als arbeitsteiliges System (l. Kor.
12, 12ff), in dem die Stärken der einen die Schwächen der anderen ausgleichen. Das Ganze wird
durch Christus und seinen Geist zusammengehalten. Dieser Geist also verbindet Ungleichheiten.
In der Welt und in den Religionen hingegen wirkt Ungleichheit trennend.

7.4.7. Brüderlichkeit?

Wir haben gesehen, dass den freimaurerischen Legenden, vor allem der Hiramslegende, eine
»Parteinahme für Kain» zugrunde liegt. Dieser ist aus unserer Sicht natürlich nicht gerade das
größte Vorbild für Brüderlichkeit. Zudem wurde bereits erwähnt, dass das »Elend des
Humanismus» unseres Erachtens darin liegt, dass er, sobald etwas schief geht, wiederum nur
Menschen beschuldigen kann. Der Vergötzung des Menschen folgt die Anklage, die Bitterkeit
gegen Menschen auf dem Fuß. Der »Bruder«, der dem hohen Ideal der Brüderlichkeit nicht
entspricht, wird sogar öffentlich und in der Literatur des »unbrüderlichen Verhaltens«
bezichtigt. Diese Vorwürfe fördern nun ihrerseits sicher nicht gerade eine brüderliche
Atmosphäre. »Dann gibt es leider auch den schlechten Freimaurer, der das Nest beschmutzt, wie
in allen Vereinigungen von Menschen. Dieser ist es, der der ganzen Bewegung schadet, dem
Idealbild, das strahlend human ist.» (Boitel, 22) In einer freimaurerischen Ritualkunde steht
geschrieben, wie sich der «schlechte Bruder« verhalten sollte: »So wie wir häufig im profanen
Leben dem 'Freimaurer ohne Schurz' begegnen, so gibt es auch in jeder Loge den Fremden mit
Schurz, der innerlich ein Profaner geblieben ist. Wem das widerfährt, der sollte ehrlich genug
sein, sich still wieder zu entfernen, statt jahrelang ... die Harmonie der Gemeinschaft zu stören.«
(zit. in Binder, S.130) Also: »Bruderkette»? Bruder: nein! Kette: ja! Die eben genannten Faktoren,
die Ungleichheit schaffen und fördern, tragen zudem mit Sicherheit auch nicht zu größerer
Brüderlichkeit bei. In der Freimaurerei darf sich mit der Zeit jeder «Meister» nennen. Wer ist denn
aber wirklich der Meister? Wer zeigt wem den Meister? Die humanistischen Vorstellungen
erzeugen Konkurrenz und Rivalität auch unter «Brüdern». Demgegenüber warnt uns die Bibel
eindeutig davor, uns »Meister» nennen zu lassen. Wirkliche Brüder werden wir erst, wenn nur
einer unser Meister ist. »Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer
Meister, ihr aber seid Brüder.« (Mt. 23, 8) Jesus Christus wird in der Bibel auch bezeichnet als
der »Erstgeborene von vielen Brüdern«. (Röm. 8, 29) Meines Erachtens kann aufgrund von rein
menschlichen Kriterien keine wirkliche Brüderlichkeit entstehen, höchstens eine kurzfristige
Gemeinschaftlichkeit, eine eingebildete, geheuchelte Brüderlichkeit. Demgegenüber bezeichnet
Christus als seine Brüder diejenigen, die die gleiche Beziehung zum lebendigen, biblischen Gott
haben. »Und er streckte die Hand über seine Jünger aus und sagte: Das hier sind meine Mutter
und meine Brüder. Denn wer den Willen meines himmlischen Vaters erfüllt, der ist für mich
Bruder und Schwester und Mutter.« (Mt. 12, 49f)

Das obige Zitat zeigt auch, dass bei Jesus die Frauen nicht ausgeschlossen sind. Bloße
Männerbünde aller Art pflegen eine Art von Gemeinschaft, die in der Bibel nicht vorgesehen ist.
Sie ziehen zudem Aufmerksamkeit, Zeit, Energie und Geld von den biblisch erwünschten Formen
des Zusammenlebens in Familie und Gesellschaft ab. Es sollte doch wohl darum gehen, dass
Männer und Frauen, Erwachsene und Kinder, Gesunde und Kranke usw. lernen, «brüderlich«
zusammenzuleben.

7.4.8. Toleranz?

Die Auseinandersetzungen, die im Verlauf der Geschichte seit der Gründung der Freimaurerei
innerhalb der Bewegung und gegen außen geführt wurden, zeigen meines Erachtens mehr als
deutlich, dass die Freimaurerei nur dort wirklich tolerant ist, wo der eigene Absolutheitsanspruch
nicht in Frage gestellt wird. Gegen die aus ihrer Sicht «falschen« Absolutheitsansprüche von
Absolutismus, Totalitarismus, Katholischer Kirche usw., die auch aus unserer Sicht »falsch« sind,
geht der Geist der Freimaurerei mit allen Waffen vor. Nicht Feindesliebe, sondern Vergeltung mit
allen Mitteln, gemäß den rituellen Handlungen des Ritter Kadosch Grades, ist der Weg. Die
Freimaurerei ist also tolerant mit den in ihrem Sinn Toleranten, aber selbst intolerant mit ihren
Gegnern, die sie als «intolerant» verurteilt. Das soll kurz anhand eines Nebenkriegsschauplatzes
illustriert werden.

Die »intoleranten«, bibeltreuen, «orthodoxen», »fundamentalistischen« Protestanten werden


keineswegs mit liebendem Verständnis behandelt, was bei wirklicher Überlegenheit angebracht
wäre.

Der erwähnte Kirchengeschichtsprofessor Hengstenberg, dessen Argumente gegen die


Freimaurerei durch das Eingreifen des späteren Kaisers Wilhelm I. autoritativ «erledigt» wurden,
gilt als «intolerant»: «Seine Ablehnung der Freimaurerei wurzelt in seiner Antipathie gegen die
Toleranz, de¬ren Wesen ihm fremd war, und gegen die liberal protestantische Auffassung des
Christentums, die ihm verhasst war.» (Schenkel, S. 35) Die »positiven« Protestanten werden als
unterentwickelt, ungebildet, unfair und abergläubisch hingestellt. (Ebd. S. 34, 40f., 158f., 164f.)
Es «wird die Freimaurerei in den pietistischen und orthodoxen Kreisen bekämpft. Doch wird
dieser Kampf mehr im stillen geführt mit Verdächtigungen und Verleumdungen, denen ähnliche
abergläubische Vorstellungen zugrunde liegen, wie bei der populären katholischen
Gegnerschaft.« (Ebd. S. 34) Aus unserer Sicht ist es natürlich die Freimaurerei selbst, die durch
ihre fehlende Öffentlichkeitsarbeit den Informationsnotstand produziert. Und das Gebot des
Schweigens ist in einer Welt, in der sprachliche Kommunikation lebensnotwendig ist, niemals
absolut einzuhalten. Darum kommt es zu all den vielfältigen Gerüchten über die Freimaurerei.

In den humanistischen Universitäten kann scheinbar naiver Christusglaube nicht die Grundlage
des Forschens und Lehrens sein, und auch in vielen Landeskirchen wurden die »positiven«
Pfarrer systematisch und gründlichlich aus Amt und Würden verdrängt. So gibt es in Europa
weite Landstriche, in denen das biblische Evangelium seit Jahrzehnten nicht mehr verkündet
wurde und aus unserer Sicht von einem «neuen Heidentum» gesprochen werden muss.

Das Toleranzideal der Freimaurerei beruht auf der Annahme, dass die Götter aller Religionen,
besonders der monotheistischen Religionen, letztlich gleich seien. Jesus Christus wird die
Göttlichkeit und damit die Einzigartigkeit versagt. Ist der Absolutheitsanspruch Christi aber
gerechtfertigt, so beruhen obige freimaurerische Annahme und auch das Toleranzideal auf einem
Schwindel. Es ist interessant zu sehen, dass auch die Ringparabel in Lessings »Nathan der
Weise«, dem freimaurerischen Lieblingsstück zum Thema «Toleranz», bei genauer Betrachtung
nichts anderes darstellt als einen Schwindel: Aus einem einzigen Ring werden drei
hervorgezaubert, wobei das Kunststück Lessings darin besteht, zu vertuschen, dass es sich hier
eigentlich um einen Taschenspielertrick handelt. Die Freimaurerei lässt also den einen wahren
Ring, Jesus Christus, verschwinden und präsentiert der Menschheit stattdessen drei falsche. Die
Toleranz ist die gebotene Umgangsform zwischen denen, die die Herrschaft und
Gottessohnschaft Christi ablehnen.

Christusgläubigen wird von denen, deren Herz voll von allen Religionen und Nicht Religionen ist,
vorgeworfen, sie seien einseitig, «eng», «stur» und liessen andere Glaubensformen nicht leben.
Insofern seien sie »intolerant«. Meines Erachtens können und sollen wir es niemandem
verbieten, Freimaurer zu sein oder das Glück in anderem humanistischem, religiösem oder
sonstigem Erleben zu suchen. Druck, Zwang und Ungeduld sollten un¬bedingt vermieden
werden. Sie sind auch nicht nötig, wenn Jesus Christus wirklich auferstanden und der Herr der
Welt ist. Der erzieherische Zwang, die »Gesetzlichkeit« mancher Christen mag zur Abwendung
vieler Zöglinge beigetragen haben. »Der Zwang des Gewissens ist das Gemeinste und
Unwürdigste, was man einem Menschen antun kann.« (Schenkel,164) Dieses Anliegen der
Toleranz im Sinne des Vermeidens von Zwang, im Sinn der Glaubens , Gewissens und
Entscheidungsfreiheit sollten wir unbedingt ernst nehmen.

Auf der anderen Seite brauchen wir uns aber auch die freimaurerischen und
liberalprotestantischen Zwänge, Intoleranzen und Diffamierungen nicht länger gefallen zu lassen.
Wir brauchen nicht mehr unbedingt dort mitzubauen, wo nicht Jesus Christus der Eckstein ist. Die
Zuwendung zum biblischen Jesus Christus bedeutet die Abwendung von allen anderen Göttern
und Gurus. Diese Konzentration bedeutet nicht Armut und Engstirnigkeit, sondern Reichtum und
Öffnung von unermesslichen Horizonten. Wirklicher Reichtum ist nicht von der grossen Zahl
abhängig. Wenn Jesus Christus wirklich grundsätzlich überlegen ist, wenn er wirklich als einziger
lebt, während alle anderen tot sind, dann kann er auch z. B. von, den 350 Millionen Hindugöttern
nicht geschlagen werden. Alle andern können nicht gegen den Hauch seines Atems bestehen. Es
sind Scheingötter, Götzen, und es wäre dumm, ihnen weiterhin Referenz zu erweisen. Wir lehnen
die Vielfalt des Todes ab, und wenden uns der Vielfalt, dem Reichtum des Lebens zu. Eng ist nun
allerdings der Weg, die Tür zu diesem Reichtum. «Schmal ist der Weg, der zum Leben führt ...«
(Mt. 7, 14) Der biblische Christus sagt bekanntlich: »Ich bin der Weg ... » (Joh. 14, 6) «Ich bin die
Tür ... « (Joh. 10, 9) Zum Reichtum des Gottes der Bibel gelangen wir also nur, wenn wir Jesus
Christus samt seinem Absolutheitsanspruch ernst nehmen. Der Absolutheitsanspruch ist der
Kern, das Wesen, die Spitze, der Sinn seines Lebens. Ohne den Absolutheitsanspruch Christi
betreiben wir Totenverehrung, setzen uns bewusst oder unbewusst sogar selbst an seine Stelle.
Es ist wohl verständlich und sogar zu begrüssen, wenn ein grosser Teil der Bevölkerung solchen
»Gottesdienste« fern bleibt. In Jesus Christus «wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und
an dieser Fülle habt ihr teil in ihm, der das Haupt aller Mächte und Gewalten ist.» (Kol. 9, 9f) Es
soll jedem frei stehen, sich mit weniger zu begnügen. Doch die Glaubenden werden sich diese
Fülle niemals mehr wegzaubern lassen. Der echte Ring ist nicht verloren, wir brauchen keine
künstlichen Ringe.

7.4.9. Weisheit?

Es ist bereits zur Sprache gekommen, dass aus biblischer Sicht »die Weisheit der Welt Torheit
vor Gott» ist (l. Kor. 3, 19). In Jesus Christus «sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis
verborgen. Das sage ich, damit euch niemand durch Überredungskünstetäuscht.« (Kol. 2, 3f)
Wirbrauchen uns also nie mehr vom Gerede von Leuten täuschen zu lassen, die behaupten,
»höhere» Erkenntnis zu besitzen, oder sich auf ihre »Gelehrtheit» etwas einbilden. Wir brauchen
auch nie mehr solche Erkenntnis zu suchen. Täuschung führt zur Enttäuschung. Als
Christusgläubige versuchen wir nicht mehr, unsere Weisheit selbst zu produzieren. Das würde zu
lächerlichen Resultaten führen. Der Heilige Geist, der »Geist der Wahrheit», wird uns in alle
Wahrheit leiten. (Joh. 16, 13)

An dieser Stelle sei noch eine Bibelstelle angeführt, die mir wichtig und deutlich zu sein scheint (l.
Kor. 1, 20 31):

»Wo ist ein Weiser? Wo ein Schriftgelehrter? Wo ein Wortführer in dieser Welt? Hat nicht Gott die
Weisheit der Welt als Torheit entlarvt? Denn da die Welt angesichts der Weisheit Gottes auf dem
Weg ihrer Weisheit Gott nicht erkannte, beschloss Gott, alle, die glauben, durch die Torheit der
Verkündigung zu retten. Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen
verkündigen Christus den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine
Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.
Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen, und das Schwache an Gott ist stärker als
die Menschen. Seht doch auf eure Berufung, Brüder! Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn,
nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme, sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um
die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das
Starke zuschanden zu machen. Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott
erwählt; das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten, damit kein Mensch sich
rühmen kann vor Gott. Von ihm her seid ihr in Christus Jesus, den Gott für uns zur Weisheit
gemacht hat, zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung. Wer sich also rühmen will, der rühme
sich des Herrn.»

Zusammenfassung: Die freimaurerischen Ideale wie Friede, Humanität, Freiheit, Gleichheit,


Brüderlichkeit, Toleranz, Weisheit usw. sind wohl der biblischen Tradition entnommen, doch die
Freimaurer versuchen nun, diese ohne den Absolutheit beanspruchenden Jesus Christus zu
verwirklichen. Aus biblischer Sicht muss dieses Unterfangen scheitern, weil es von falschen
Voraussetzungen und einer völligen Verkennung der wirklichen, «wahren»
Herrschaftsverhältnisse ausgeht. So werden denn diese Ideale nicht nur nicht erreicht, sondern
es entsteht sogar das pure Gegenteil: statt Friede Auseinandersetzungen bisher ungeahnten
Ausmasses und mit völlig neuen Waffen; statt Humanität Rollen der Köpfe; statt Freiheit
Einsamkeit, Sprachlosigkeit, Isolation, Gebundenheit; statt Gleichheit künstliche, unnötige,
menschengemachte Ungleichheit; statt Brüderlichkeit Enttäuschung gegen und Bitterkeit über
Menschen; statt Weisheit Torheit.

7.5. Gefährlicher Kult

Wir haben gesehen, dass die kultischen Handlungen der Freimaurer hinter geschlossenen Türen,
in »gedeckter Loge« stattfinden. Zudem meinen sie, die »wirklichen«, «tiefsten» Wahrheiten
seien sprachlich nicht kommunizierbar. So setzen sie an die Stelle des Wortes das kultische
Erleben. In der Loge werden symbolische Handlungen vollzogen, die insofern ein »Geheimnis«
darstellen, als sie nicht intersubjektiv gleich erlebt und darum scheinbar anderen nicht mitgeteilt
werden können.

Die biblische Sicht der Dinge ist dem völlig entgegengesetzt. Die biblischen Wahrheiten sollen
nicht «privatisiert», wie ein Schatz gehütet und verborgen, sondern aller Welt in aller
Öffentlichkeit mitgeteilt werden: »Gehet hin in alle Welt. . .« (Mt. 28, 18ff) Am Anfang war zudem
nicht die Tat oder das Erleben, sondern das Wort. Natürlich sind auch für Christen Erlebnisse
nicht ohne Bedeutung, doch Erlebnisse sind Folgeerscheinungen, wir orientieren uns nicht in
erster Linie am Erleben. Aus biblischer Sicht gibt es zudem keine «Geheimnisse», die nicht ans
Licht kommen können und sollen. «Wir meiden schändliche Heimlichkeit und gehen nicht mit List
um, fälschen auch nicht Gottes Wort, sondern durch Offenbarung der Wahrheit empfehlen wir
uns dem Gewissen aller Menschen vor Gott.» (2. Kor. 4, 2)

Aus biblischer Sicht ist alles verdächtig und für die Menschen gefährlich, was sich verbirgt, was
sich mit »Geheimnissen« umgibt und mit »höherer Erkenntnis» brüstet. Das Verborgenene,
Heimliche liegt in der »Finsternis«, und es soll ans «Licht» kommen, es soll schliesslich alles
«offenbar» werden. «Prüft, was dem Herrn gefällt, und habt nichts gemein mit den Werken der
Finsternis, die keine Frucht bringen, sondern deckt sie auf!« (Eph. 5, 1; 1. Tim. 6, 20)

»Es ist aber nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen
wird. Darum, was ihr in der Finsternis sagt, das wird man im Licht hören; und was ihr flüstert in
der Kammer, das wird man auf den Dächern predigen.« (Lk. 12, 2f; 8, 17; Mt. 10, 26f; Mk. 4, 22)
Über die heimlichen Taten heisst es: »Was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu
reden ist schändlich. Das alles aber wird offenbar, wenn's vom Licht aufgedeckt wird.« (Eph. 5, 1
2f) Jesus Christus ist dieses Licht. (Joh. 8, 12; Eph. 5, 14)

Natürlich würden Freimaurer energisch dagegen protestieren, ihre kultischen Handlungen als
»Werke der Finsternis» zu bezeichnen. Es werden ja schliesslich keine Verbrechen und keine
Vergehen begangen. Die meisten Freimaurer wollen im Gegenteil sicher ehrlich und aufrichtig
das Beste für die Menschheit. Sie sind sich keiner »bösen Taten» bewusst. Nach Schenkel sind
nur die Formen der freimaurerischen Kulthandlungen den antiken Mysterienkulten entnommen,
die Inhalte dagegen seien »aufgeklärt» und rein humanistisch, hätten mit Mystik, Magie und
Okkultismus nichts zu tun. Unseres Erachtens lassen sich Formen und Inhalte niemals derart
trennen. Alle Formen vermitteln auch Inhalte, und Inhalte können ohne ihnen gemässe Form gar
nicht vermittelt werden. Zudem haben wir gesehen, dass im Schottischen Ritus erst die obersten
Grade einen aufklärerischen Inhalt haben. Die Tore zum Okkultismus sind sperrangelweit offen.
Mehr noch: Wenn Christus das Licht ist und seine Aussagen absolute Geltung haben, dann
befindet sich schon (oder noch) jeder im Bereich der Finsternis, der diese geistige Tatsache
ablehnt. Zudem ist es unmöglich, mit dem Okkulten nur ein bisschen zu spielen und trotz allem
den Kopf oben zu behalten. »Jede Hinwendung zum Okkulten führt tiefer hinein in den
Okkultismus. Dies ist ein Lebensgesetz aller geheimen Gesellschaften, ebenso wie auch der
initiatorischen Vereinigungen, die sich nicht als geheim bezeichnen. Es ist durch nur zu gut
bekannte Gründe zu erklären: enttäuschte Neugier, Eitelkeit, Verlangen nach dem Mysterium,
Stolz darauf, die Eingeweihten spielen zu können.« (Mellor, 451). Nach Mellor treiben die Logen
mit grosser Selbstverständlichkeit Magie meist ohne es zu wissen. (Ebd. S. 312)

Nach unserer Auffassung kann nur Jesus Christus Licht in diese Zusammenhänge bringen. In der
Bibel steht, was das Passwort der Lehrlinge und Meister »Tubalkain« bedeutet. Den meisten
Freimaurern ist dies wohl nicht bekannt, und es käme ihnen nie in den Sinn, dass es gefährlich
sein könnte, immer wieder ausgerechnet dieses Wort auszusprechen. Worte sind scheinbar
nebensächlich. Bewusst oder unbewusst lernen Freimaurer laufend und immer gründlicher, am
Wort Gottes und am biblischen Jesus zu zweifeln, seine Worte zu relativieren. Das Wort
»Tubalkain» ist nur ein Beispiel. Tatsächlich führt jedes Wort, jedes Symbol und alles Handeln
schrittweise weiter weg vom biblischen Gott und seinem Sohn. Baum stellt das besonders fest
bei: der »Magie der Bruderkette«, den Hals , Brust- und Bauchzeichen, den «Gebeten», der
»Magie des freimaurerischen Symbolismus«, den Ritualen der Hochgradfreimaurerei sowie der
Magie des Würfels, der Würfelkreuze, des Merkursiegels, der Amulette, Abzeichen und anderen
Kleinodien, die den Freimaurern wichtig sind.

Manche Freimaurer spüren, dass ihnen das kultische Erleben und Handeln nicht gut tut. Die
»Ritualfähigkeit« ist ein Problem, das auch in der Freimaurerei selbst wahrgenommen wird. «Ein
weiteres Problem im Bereich der Enttäuschung stellt die Gewöhnung an das Ritual dar, da
sichtlich die Ritualfähigkeit im Zuge des gruppendynamischen Formungsprozesses und der
persönlichen Rezeption des Dargebotenen erst allmählich steigt.« (Binder,132)

In Kurt Koch's «Okkultem ABC« ist die Freimaurerei m. E. zu Recht aufgeführt. Er berichtet von
einem Freimaurer in seiner Seelsorge, der »regelrecht unter einer geistlichen Blockade stand. Er
war nicht in der Lage, die Heilstatsachen des Neuen Testamentes zu verstehen, geschweige
denn, sie anzunehmen.» (Koch, Prot. bibl. 1988, S.144) »Es ist die Erfahrung vieler geistlich
lebendiger Pfarrer in Nord Amerika, dass die Gemeinden, deren Pastor Freimaurer ist, geistlich
tot sind. Es ist auch schwer, solchen Gemeinden das Evangelium zu verkündigen. Man hat den
Eindruck, dass irgendwie ein Bann über der ganzen Kirche liegt.« (Ebd. 144)

7.6. Relativierender Einfluss

Die Freimaurerei hat durch ihre Mitglieder einen relativierenden Einfluss in allen Bereichen des
staatlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens. Mit den Worten der Bibel
ausgedrückt: Sie sammelt nicht, sondern sie zerstreut. (Lk. 11 , 23)

Die Freimaurerei relativiert jeden menschlichen Glauben und jede Lebensäusserung als
subjektiv, geschichtlich, kulturell, familiär, ökonomisch oder vielfältig anders bedingt. Sie
relativiert jeden Aspekt menschlichen Seins durch sein Gegenteil und vermischt alle lebendigen
Gegensätze, so zum Beispiel: Leben und Tod, Licht und Schatten, Wissen und Glauben, die
Rationalität der Aufklärung und die mystische Form des Kultus, die Freiheit der Person und die
starre, «rechtwinklige» Haltung in und ausserhalb der Loge usw.

Die Freimaurerei hebt alle Herrschaftsformen auf, indem sie sie gegeneinander ausspielt. Die
Monarchien sollen durch demokratische Elemente ergänzt, relativiert werden. In den
Demokratien soll die Gewaltentrennung Machtmissbrauch verhindern. Gesetze sollen das
staatliche Handeln kalkulierbar machen, der Willkür entziehen und die individuelle Freiheit
begrenzen. Die Gesetze gelten nicht absolut, sondern müssen in einem bestimmten Verfahren
geändert werden können. Heute treten immer mehr auch die Medien als neue politische Macht in
Erscheinung.

Gefördert werden überstaatliche Vereinigungen, doch sollen diese nicht zu stark werden. Einem
Übermass an staatlicher oder wirtschaftlicher Zentralisierung wird mit Dezentralisierung und
Föderalismus begegnet. Das Ideal ist die ideelle aber auch die politische und die religiöse
Vereinigung aller Menschen bei gleichzeitiger Wahrung der »Freiheit« der einzelnen Individuen,
Staaten und Kirchen.

Die Herrschaftsbereiche von Kirche und Staat sollen begrenzt werden durch die Trennung beider
voneinander sowie durch die Schaffung eines neuen, dritten Bereiches der »freien«
gesellschaftlichen Betätigung.

Die Freimaurerei fördert die Konzentration auf alles konkrete, diesseitige Schaffen und verrichtet
gleichzeitig in den Logen »spekulative« Arbeiten. Dabei relativiert sie auch sich selbst: Dem
»Allmächtigen Baumeister aller Welten» wird durch die Existenz atheistischer Logen absolute
Anerkennung versagt. Im Gegensatz zu den humanistischen Systemen wird in deer christlichen
Lehrart ein gnostischer Christus verehrt, der sich vom biblischen Jesus Christus grundsätzlich
unterscheidet.

Alle freimaurerischen Lehrarten relativieren die Bedeutung des Wortes, der sprachlichen
Kommunikation im weitesten Sinn. Die Freimaurerei erzieht zum Schweigen und fördert
aussersprachliche Kommunikations und Erlebnisformen. Gleichzeitig relativiert sie die Geltung
und Bedeutung der eigenen Symbole, Riten und Kulte, indem sie auf allgemein verbindliche
Symbolinterpretationen verzichtet.

Man kann den Geist der Freimaurerei als einen Geist des «absoluten Re¬lativismus»
bezeichnen. Es liegt ihm sozusagen die absolute Gewissheit zugrunde, dass es keine absolute
Gewissheit gibt.

Aus biblischer Sicht ist diese absolute Gewissheit zum grossen Glück für uns alle falsch. Die
absolute «Emanzipation» von allen Absolutheit beanspruchenden Autoritäten wird heute noch als
«Freiheit« gefeiert und als »Mündigkeit« gepriesen. Doch wenn der Erlebnisrausch
ausgeschlafen ist, könnte deutlich werden, wohin dieser Weg führt: in die Irre, in die totale
Verwirrung, in den Wahnsinn, in die Trennung aller von allen. Das könnte nichts anderes sein als
der Vorhof zur Hölle, an deren Existenz »aufgeklärte» und »gebildete« Geister natürlich nicht
glauben.

7.7. Herausforderung

Die Freimaurerei ist erst seit kurzem Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Lange
konnte sich dieses bedeutende geistige Gebilde mit Erfolg verbergen. Noch in den heute
gebräuchlichen Lehrbüchern der Kirchengeschichte wird sie kaum in Fussnoten erwähnt, dabei
ist sie für die Entstehung, die Entwicklung und das Verständnis der heutigen Zeit von
ausserordentlicher Bedeutung.

Der hinter der Freimaurerei steckende Geist strebt eindeutig Weltherrschaft an. Aber die
tatsächliche Herrschaft übt gemäss biblischer Wirklichkeit nicht er aus. Er scheint zu herrschen,
indem er erfolgreich auch aus unserer Sicht »falsche« Herrschaft bekämpft. Er kann aber die von
ihm geförderten Staats , Wirtschafts und Gesellschaftsformen nicht mit Leben füllen. Er erlaubt
keine allgemeine Orientierung in der Welt der von ihm entthronten Absolutismen. Er sammelt
nicht, sondern zerstreut. Seine zersetzende »Arbeit» mag aber zum Bewusstsein der
Verlorenheit der Menschheit führen, zur Einsicht, dass wir alle verloren sind, sofern wir nicht
annehmen, dass es einen einzigen, einmaligen, göttlichen Menschen gibt, der den Geist des
absoluten Relativismus längst besiegt hat und der allen Relativierungsangriffen widersteht. Dank
dieser Annahme brauchen wir uns vor der »freimaurerischen Herrschaft« nicht zu fürchten. Wir
wissen: Alles was mit diesem freimaurerischen Geist zusammenhängt, ist seinerseits höchst
relativ, vergänglich, Schall und Rauch, dem Tod geweiht.

Freimaurern kann aus unserer Sicht nur eines geraten werden: Umkehren, das Leben dem
biblischen Jesus Christus anvertrauen, aus der Loge austreten, zur besseren Bewältigung der
wahrscheinlich folgenden geistigen Kämpfe einen gläubigen Seelsorger beiziehen. Das alles so
rasch wie möglich, besser heute als morgen.

Den Freimaurern sollten wir mit Verständnis, nicht mit Verteufelung begegnen. Sie sind die
Getäuschten, nicht die Täuscher, die Opfer, nicht die Täter. Wir kämpfen nicht gegen Menschen.
Dem Geist des Humanismus liegt es daran, unter dem Deckmantel der Humanität, der
Menschenrechte und der Menschenwürde Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Wir werden
dann zur lebenden Menschheit, wenn wir diesem Geist widerstehen und nicht mehr auf seine
Tricks hereinfallen. Das ist nur mit dem Schutz, der Kraft und der Führung dessen möglich, der
vor zweitausend Jahren sein Leben für uns hingegeben hat.

Literaturverzeichnis

Abkürzungen:

FM = Freimaurer; FM? = Freimaurer Freund, möglicherweise Freimaurer; FMG = Freimaurer-


Gegner; Wiss. = Wissenschaftler; Kath. = Katholik; Prot. = Protestant (lib. = liberal, bibl. = biblisch
positiv»); Journ. = Journalist; SA = Schweizerisches Sozialarchiv, Zürich; ZB = Schweizerische
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Einzelheiten mit dem überein, was später von Freimaurern selbst veröffentlicht wurde. Er schreibt
über sich: »Geboren 1899. Vom Jahre 1922 bis 1932 Mitglied des Freimaurerbundes, in dem er
die höchsten Grade und Ämter erwarb: War als Inhaber des 33. und letzten Grades Aktivmitglied
des Obersten Rates für Österreich, Grossbeamter der Grossloge von Wien, Vorstandsmitglied
der 'Allgemeinen Freimaurer Liga' (Basel), Meister vom Stuhl der Hochgradloge 'Voltaire' u.v.a.»).

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Gotthold Ephraim Lessing Werke. Siebenter Band. Theologiekritische Schriften 1. und 11.,
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Auseinandersetzung mit Hauptpastor Johann Melchior Goeze, in: Gotthold Ephraim Lessing
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Wortführer der Freimaurerei in der Auseinandersetzung mit den positiven Theologen
Hengstenberg und Nielsen. Er war evangelischer Geistlicher, Archidiaconus an St. Jacobi in
Stettin, Mitglied des »Protestantenvereins» sowie als Freimaurer Provinzial Grossmeister für
Posen und Unterarchitekt des Ordens).
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Friedrich Wichtl, Weltfreimaurerei, Weltrevolution, Weltrepublik. Eine Untersuchung über


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Freimaurerei und Christentum


E. A. Wilder - Smith

FREIMAUREREI UND CHRISTENTUM

- Auszug aus dem Buch >Es war ein reiches Leben< - Seite 102 - 112

Was mein Vater glaubte

Nachdem ich Christ geworden war, versuchte ich, meinen Vater und seinen freimaurerischen
Glauben besser zu verstehen. Vaters Einstellung, wie ich bereits erwähnte, war, dass er die
wahre Religion für Männer gefunden habe. Wir dagegen hätten die Religion für Frauen und
Kinder angenommen. Aber er äußerte nie etwas Spezifisches über seinen Glauben. Das dürfen
Freimaurer nicht. Sie sind durch Eide zur absoluten Schweigsamkeit verpflichtet. Besonders die
britischen Freimaurer sind sehr verschlossen. Sie dürfen für ihre Logen auch keine Werbung
durchführen, dürfen niemanden direkt einladen, Freimaurer zu werden. Sie kennen die Bibel
besonders das Alte Testament gut. Wenn man sie direkt fragt, was sie glauben, geben sie nie
eine wirklich informationsreiche Antwort. Aber für das Evangelium Christi interessieren sie sich
meist nicht. Gottes Sohn ist für sie nur ein guter Mensch, nicht unser Schöpfer, der für uns am
Kreuz starb. Mein Vater war in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Mit Mutter ging er zur Kirche ab
und zu und wenn der Pfarrer ein Logenbruder war.

Man muss bedenken, dass viele anglikanische Pfarrer Freimaurer sind. Zur Zeit Oliver Cromwells
in England ging die Parole um, dass man die »Priester Baals« ausrotten soll. Als Schulkinder
haben wir dieses Wort nie verstanden, denn Oliver Cromwell wurde uns als Politiker hingestellt,
der ein religiöser Fanatiker und Fundamentalist war. Später habe ich durch meine Studien des
Freimaurertums verstehen gelernt, was Oliver Cromwell mit diesem Ausspruch unter »Priester
Baals« sagen wollte. Er meinte damit anglikanische und andere Pfarrer, die Freimaurer waren.
Denn der Name Baals kommt in den Namen der Gottheit der Freimaurer vor. Sie rechnen sich
selbst (die Freimaurer) zu den alten babylonischen Mysterien, weil der Logen Ritus zu den
uralten Kulten heidnischer babylonischer Herkunft gehörte, obwohl er mit alttestamentlichen
Zitaten angefüllt ist.

Aber eine gewisse sichere Auskunft über Vaters Glauben konnten wir nie ermitteln. Mutter las
ihm 40 Jahre lang jeden Abend im Bett aus der Bibel vor. In den ersten Jahren ihrer Ehe drehte
sich Vater von ihr weg, als sie zu lesen anfing, aber in späteren Jahren bat er Mutter, ihm jeden
Abend aus der Bibel vorzulesen. Ohne Mutters Bibellesen wollte er, als er alt war, nicht
einschlafen. Er interessierte sich besonders für gewisse Stellen aus dem Alten Testament und
schien sie gut zu kennen (z. B. Prediger 12). Aber Mutter erfuhr nie, was Vater eigentlich glaubte.
Sie wusste nur, dass er an den Herrn Jesus Christus als Sohn Gottes, der für unsere Sünden am
Kreuz starb und auferstand, nicht glaubte. Ein solcher Glaube sei etwas für Frauen und Kinder,
nicht aber für erwachsene Männer, pflegte er zu sagen.

Um eine Unterhaltung mit anderen Menschen erfolgreich zu führen, muss man gemeinsame
Interessen finden. Wir konnten aber auf dem Gebiet des Glaubens nichts Gemeinsames mit
Vater finden, sodass es schwerlich zu einer vernünftigen Unterhaltung mit ihm über innere Dinge
kam. Aber antireligiös obwohl anti-anglikanisch war er nicht und tat, wie wir immer wieder
feststellten, unter Armen, Witwen und Waisen im Dorf heimlich viel Gutes. Aber an was glaubte
er wirklich? Das war die große Frage für uns alle.

Ich hatte eine Tante in den USA, die gläubig war und die uns einmal besuchte. Sie war eine
intelligente, fromme Dame, die über viel Wissen verfügte. Ich sprach anlässlich ihres Besuches
bei uns über dieses Mysterium von Vaters Glauben, wobei sie mir verriet, dass sie bei sich zu
Hause Bücher zu diesem Thema besäße. Man könnte jedoch diese Bücher nicht durch die
öffentliche Post schicken, sie hätten die Angewohnheit, während des Transits in der Post spurlos
zu verschwinden. Der Verlag, der die Bücher vor langer Zeit herausbrachte, sei mehrere Male auf
mysteriöse Weise durch Brandstiftung zerstört worden, und der Besitzer sei auch auf
unerklärliche Art und Weise verschollen. Sie würde mir aber die Bücher als versiegelten
eingeschriebenen Brief nicht als offene Drucksache senden, wenn ich versprechen würde, sie
sorgfältig und diskret aufzubewahren. Ich versprach ihr das, und nach einigen Monaten traf ein
dicker R Brief bei uns ein, der die versprochenen Bücher enthielt. Eins davon besitze ich heute
noch.

In diesem Buch war der vollständige Schlüssel zum »Gebetsbuch« der Freimaurer enthalten.
Vielleicht wissen einige meiner Leser von diesen Dingen nichts. Deshalb muss ich jetzt einiges
vorwegnehmen. Onkel Frank und Vater lasen bei ihren Zusammenkünften bei uns meist
freitagabends aus einem kleinen schwarzen Buch, das so aussah wie ein anglikanisches
Gebetsbuch. Einige Male ließ Vater aus Versehen dieses Buch herumliegen, und wir Kinder
waren neugierig und schauten hinein. Aber wir verstanden nichts oder sehr wenig. Das Buch
war zwar auf Englisch geschrieben, aber entscheidende Stellen in den meisten Sätzen enthielten
nur Buchstaben Konsonanten und keine vollständigen Wörter, sodass man den Sinn nur dann
verstehen konnte, wenn man die Bedeutung der Konsonanten kannte so z. B. die Buchstaben
»J.B.O.«, die Jahwe, Baal und Osiris bedeuten. J.B.O. ist der Name des Gottes der Freimaurer!
Das Buch war, kurz gesagt, streng verschlüsselt, sodass der Uneingeweihte aus dem Text
praktisch nichts herausholen konnte. Vater wurde aber böse, als er uns einmal beim Blättern in
seinem Büchlein erwischte.

Am 13.06.1985 hörte ich auf Radio BBC 4 um 8.00 Uhr morgens von der BBC London einen
Bericht über das Wesen der Freimaurer, herausgegeben von der methodistischen Kirche
Großbritanniens. Ein methodistischer Pfarrer kommentierte den amtlichen methodistischen
Bericht über Freimaurer und behauptete, dass die Freimaurerei eine Gefahr für Christen sei. Als
Grund für diese Gefahr gab er an, dass die unterrichteten Freimaurer an einen Gott glauben,
dessen Name bekannt sei. Dieser Name sei aus drei Religionen zusammengestellt. Zwei davon
seien rein heidnisch und nicht christlich. Der dritte Name Gottes sei jüdisch. Der Interviewer bat
ihn dann, diesen dreifachen Namen des Freimaurergottes zu nennen. Der Berichterstatter
zögerte, aber der Radiointerviewer gab sich nicht zufrieden, bis der methodistische Pfarrer den
Namen des Freimaurergottes nannte: »Jaobulon« eine Zusammensetzung also von Jahwe, Bul
oder Baal und On oder Osiris. In den Freimaurerbüchern wird dieser Name Gottes nur
verschlüsselt in der Form von Buchstaben aufgeführt als J.B.O. Freimaurerei ist also eine akute
Form von Synkretismus, eine Verschmelzung von vielen Religionen, darunter heidnischen
Religionen.

Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich gehört, wie der Freimaurergott beim Namen und
zwar öffentlich im Radio - genannt wurde, richtig genannt und auch ausgedrückt wurde.
Freimaurer selbst dürfen den großen, geheimen Namen ihres Gottes nie allein aussprechen.
Jeder Einzelne darf nur silbenweise den unaussprechlichen Namen aussprechen, sodass sie in
Gruppen von drei Freimaurern, mit Händen einen Kreis bildend, anbetend gemeinsam den
Namen leise silbenweise jeder Freimaurer eine Silbe aussprechen. Der erste Freimaurer sagt
»Jao«, dann kommt der zweite, der die Hände des ersten und des dritten Freimaurers hält und
sagt »Bul«. Der dritte, der anbetend und mit den Händen der anderen verbunden ist, sagt »On«.
Niemand darf den ganzen Namen Gottes allein aussprechen. Wer das tut, ist des Todes
schuldig. So stehen die Freimaurer in Gruppen von drei, Hände haltend, in der Loge, und nur
eine Gruppe von dreien darf den unaussprechlichen Namen silbenweise und gemeinsam über
die Lippen gehen lassen.

Nun, die meisten Freimaurer wissen das alles nicht. Erst in den viel höheren Graden wenn sie
so weit kommen lernen sie den Namen ihres Gottes kennen. Bis sie so weit sind, zählen sie
schon zu den älteren erfahreren Freimaurern, die ihr Leben lang Eide geleistet haben, den
unaussprechlichen Namen nie zu verraten, obwohl sie ihn jahrelang nicht kennen. Bei der echten
Freimaurerei handelt es sich also um eine Verbindung der Gottheit »Jahwe« des Alten
Testaments mit den zwei großen Gottheiten der Heiden »Baal« (Bul) und »On« (Osiris). Das
ganze Alte Testament und das ganze Neue Testament verbieten gerade Synkretismus dieser Art,
und zwar aufs Strengste. Es handelt sich also nach der Bibel um »Abgötterei«.

In den höheren Graden der Freimaurerei, die nur eine ganz kleine Elite erreicht (z. B. Königliche
Arche im 33. Grad), lernt man diesen synkretistischen Namen kennen.

Die Eide, die die Freimaurer leisten müssen, schon vom neuesten Lehrling an, sind
haarsträubend ... und absolut unchristlich. Bei der Einführung eines Mannes in die Loge muss er
zuerst anfragen, ob man ihn aufnehmen würde. Er wird darin diskret geprüft. Ungelernte Leute
von der Straße nimmt man nicht auf, sondern nur Menschen, die im Leben einen Status haben.
Wird man in die Loge zugelassen, kann einem im Leben nicht viel Böses passieren, denn der
Freimaurer verspricht, in geschäftlichen und beruflichen Angelegenheiten immer einen
Logenbruder zu bevorzugen. Wenn z. B. ein Freimaurer Richter und der Angeklagte vor ihm auch
Freimaurer ist, kann letzterer das Freimaurer Zeichen geben und sich auf Hilfe aus seiner Not
seitens des Richters verlassen. Er braucht nur versteckt, mitten in der Unterhaltung, sodass ein
Außenstehender es nicht merkt, auszusprechen: »Gibt es denn keine Hilfe für den Sohn einer
Witwe? (Hiram, der König von Tyrus, war der Sohn einer Witwe und spielte im Logen Ritus eine
bedeutende Rolle.) Wenn ein Freimaurer diesen Hilferuf vernimmt, darf er nicht ruhen, bis er
seinem Bruder in der Not geholfen hat. Ich wurde als ältester Sohn meines Vaters und meiner
Mutter in dem Jahre geboren, in dem mein Vater Meister des Stuhles in der Loge war. Aus
diesem Grund bin ich in der Freimaurersprache ein »Louis«. Ich hätte als Freimaurer besondere
Rechte und Pflichten. Wäre mein Vater gestorben oder wäre er nicht in der Lage gewesen, für
meine Ausbildung aufzukommen, so hätten die Freimaurer mich gratis ausgebildet. Obwohl man
mich im Middlesex Hospital, als ich dort in der Krebsforschung tätig war, oft diskret aufforderte, in
die Loge einzutreten, lehnte ich diesen Schritt als Christ immer entschieden ab.

Sind wir aber sicher, dass all diese Auskünfte den freimaurerischen Tatsachen entsprechen oder
sind sie nur Märchen, die die Feinde des Freimaurertums erfunden haben? Man darf sich auf das
Zeugnis von nur einer Quelle nicht verlassen. Man braucht die Bestätigung von möglichst vielen
Seiten, sonst kann man sehr getäuscht werden. Es lag mir wirklich viel daran, meinen Vater
innerlich zu verstehen, denn er war ein guter Mann, der besonders bei den Armen viel Gutes tat.
Freimaurer im allgemeinen sind oft vorbildlich in ihrer Lebensführung und moralisch sehr hoch
stehend. Das war mein Vater ganz bestimmt, obwohl er nie den Namen Christi bekannte.

Um ganz sicher zu sein, dass meine Quellen echt waren, ging ich folgendermaßen vor. Ich nahm
meine Bücher aus den USA über die Freimaurerei zur Hand und lernte die Entschlüsselung
sorgfältig auswendig. Dann lernte ich auch den Ritus zur Initiation des Maurerlehrlings
auswendig, d. h. die Fragen, die dem Eintretenden gestellt werden und die Antworten, wenn er
vor den verschlossenen Türen der Loge steht und anklopft. Dreimal klopft er an, nachdem man
ihm die Augen mit einer Augenbinde verbunden hat, sodass er nicht sehen kann und seine
Kleider ausgezogen hat. Er zieht dann eine besondere Hose mit nur einem Bein an und klopft.
Jemand steht hinter ihm mit einem gezückten Schwert, die Spitze davon wird ihm immer wieder
in den Rücken geschoben, sodass er weiß, dass er nicht zurück darf. Beim dreifachen
Klopfzeichen antwortet es durch die Tür der Loge: »Wer geht da?«

Der Kandidat antwortet: »Ein armer Kandidat auf der Suche nach Licht!«.

Die Tür geht dann auf und, mit dem Schwert im Rücken, wird der Kandidat, der natürlich nicht
sehen kann, wo er ist, nach vorne gesteuert. Er merkt, viele Menschen sind um ihn herum. Er
wird in die Knie gezwungen und das heilige Buch des Gesetzes wird ihm zwischen die gefalteten
Hände geschoben. Wenn man die Bibel (d. h. das Alte Testament) so zwischen die gefalteten
Hände nimmt, weiß jeder unterrichtete Freimaurer, was das zu bedeuten hat! Dann wird Satz für
Satz der erste Eid, den er leisten muss, vorgelesen. Der Kandidat muss jeden Satz und jeden
Teilsatz nachsprechen, obwohl die Silben, die er der Reihenfolge nach wiederholen muss, noch
nicht sinnvoll sind. Ohne zu wissen, was der ganze Eid bedeuten wird, muss er alles silbenweise
nachsagen, bis er mit den Aussagen fertig ist. Sehr kurz gesagt, der Kandidat schwört, dass er
seine Zunge mit den Wurzeln ausreißen lassen und seine Leiche am Sand des Meeres begraben
lassen will, wo Ebbe und Flut zweimal täglich fließen, wenn er die Geheimnisse preisgibt, die er
jetzt erfahren wird. Das Lächerliche am Ganzen ist, dass er nach diesem fürchterlichen Eid kein
nennenswertes Geheimnis erfährt. Erst viel später im 33. Grad der königlichen Arche und in
anderen höheren Graden erfährt er das wirkliche Wesen der Freimaurerei, darunter den
unaussprechlichen Namen der »Gottheit«. Die meisten jungen Freimaurer haben nicht die
blasseste Ahnung davon, was sie in Wirkhchkeit tun und getan haben. Erst nach vielen Jahren
der abgründigsten Eidleistungen, wie ich oben ein Exempel zitiert habe, lernen sie
Nennenswertes z. B. den Namen ihrer »Gottheit«! Deshalb behaupten viele junge Freimaurer,
dass alles in der Loge mit dem Christentum zu vereinbaren sei. Denn dort in der Loge lernen sie
viel aus dem Alten Testament auswendig über den Bau des Tempels etc. was alles harmlos zu
sein scheint. Erst viel später erfahren sie, dass die Loge eine geheime Kammer im Tempel
Gottes in Jerusalem darstellt, wo die Priester Gottes heimlich den Baalim dienen und Gott den
Rücken kehren! Deshalb verlangte Oliver Cromwell in England die Schlachtung der Priester
Baals: Er, Oliver Cromwell, wusste mancherlei, was man heute längst vergessen hat.

Nun, woher soll man all das wissen? Ich war noch nie in der Loge und haben den Ritus nie direkt
gehört, noch beobachtet. Ich war damals jung und schäme mich heute über meine radikalen
Methoden meinem Vater und meinem Onkel gegenüber. Ich hätte bestimmt mehr Ehrfurcht vor
den Alten aufbringen müssen. Aber Jugend ist Jugend, und ich schäme mich in meinem Alter,
dass ich auf solche Ideen kam. Ich bin nämlich folgendermaßen vorgegangen: Onkel Frank und
Familie waren eines Abends zum Abendessen zu uns gekommen. Danach sollte Onkel Frank
den Freimaurerritus mit Vater durchüben. Unsere Familie ging ins Bett und die anderen fuhren
nach Hause. Ich aber blieb auf und las in einem Buch im Wohnzimmer. Vater und Onkel holten
ihre kleinen Bücher (Gebetsbücher freimaurerischer Art) vor, lasen darin und sagten kein Wort,
bis ich gegangen wäre. Aber ich ging nicht. So lasen sie für sich in ihren kleinen schwarzen
Büchern weiter. Alles war mucksmäuschenstill. Die Uhr tickte, oben im Hause war es ruhig
geworden. Ich fing ganz leise an, den Initiationsritus eines Freimaurerlehrlings vorzurezitieren:
»Klopf, klopf, klopf«, »Wer geht da?« »Ein armer Kandidat auf der Suche nach Licht!« Ich sagte
alles wortgetreu auf, genau, wie es verschlüsselt in den Büchern steht, aber ich sagte es natürlich
ohne Verschlüsselung. Onkel und Vater schauten sich, offenbar bestürzt, an, sagten aber kein
Wort. Dann schloss ich den ca. 20 Minuten dauernden Ritus mit dem schrecklichen Schlusseid
ab dass ich meine Zunge an der Wurzel herausreißen lassen und meine Leiche am Sand des
Meeres begraben lassen würde, wo Ebbe und Flut zweimal täglich fließen, wenn ich je verraten
würde, was ich jetzt erfahre. Dann hörte ich auf und saß stille über meinem wissenschaftlichen
Buch. Ich machte absolut keinen Kommentar. Ich hatte nur den Ritus, den reinen Ritus, ganz
leise, aber wortgetreu zitiert, nichts anderes.

Vater und Onkel schauten sich gegenseitig erschrocken an. Dann platzte mein Vater und rief aus:

»Du willst Christ sein und bist ein Dieb. Du hast mein Büchlein, mein schwarzes geheimes,
privates Büchlein gestohlen.«

»Nein, sagte ich, »du weißt, Vater, dass ich das nicht tun würde. Ich weiß aber, dass alles, was in
deinem Büchlein steht, verschlüsselt ist. Ohne die Verschlüsselung kann ich es nicht lesen.

Aber eins weiß ich jetzt für alle Zeiten, dass all das, was ich aufgesagt habe, in deinem
schwarzen Büchlein stehen muss. Sonst hättet ihr nicht so reagiert. Stimmt das oder nicht?«

Die beiden alten Männer schauten sich immer noch erschrocken an. Mein Vater gewann sein
Gleichgewicht zuerst wieder und sagte, dass sei absoluter Quatsch, er wisse nicht, wo ich dieses
dumme Zeug, das ich rezitiert hatte, her hätte. Ich wusste, dass der Freimaurer auf diese Weise
zu reagieren verpflichtet war. Wenn ein Geheimnis des Ritus oder des Freimaurerglaubens
herauskommt und jemand erfährt, was die Freimaurer wirklich glauben, ohne aber selbst
Freimaurer zu sein, dann ist der Freimaurer durch Eid verpflichtet, die Wahrheit zu leugnen. Er
muss behaupten, dass das, was man über Freimaurer erfahren hat, Unsinn ist. So erwiderte ich
den beiden Männern, dass ich auch diesen Eid zu lügen, wenn die Wahrheit herauskam, kannte.
Dies bestärkte mich in meiner Überzeugung, dass sie beide unter Eid so zu reagieren hatten,
sollte der Ritus herauskommen.

Bis ich aufstand, um ins Bett zu gehen, beteuerten beide Männer, dass der von mir rezitierte Text
ihnen unbekannt sei. Woraufhin ich noch einmal fragte, warum mein Vater als erste Reaktion
behauptet hätte, ich hätte sein Büchlein gestohlen, nachdem ich den ganzen Ritus rezitiert hatte?
Wenn ich auf der falschen Spur gewesen sei, hätte er eine solche Beschuldigung nie gemacht!

Vater und Onkel Frank waren nach dieser Begebenheit besonders lieb und entgegenkommend
zu mir was ich nie verdient hatte. Und, wie ich erwartete (denn ich kannte die Eide, die sie
geleistet hatten), versuchten sie, mich für die Loge zu gewinnen. Jedesmal aber, wenn sie mir die
Vorteile der Loge diskret vortrugen, machte ich sie darauf aufmerksam, dass kein Freimaurer, der
wirklich echt ist, für die Loge versteckt oder öffentlich werben wird. Gerade das sei nach ihren
eigenen Regeln und Eiden tabu. Sie hörten dann immer sofort mit ihrer diskreten Werbung auf!

Als ich aus Spaß und Ulk später in London meinen Chef, der wie die meisten führenden Leute in
England Freimaurer war, hereinlegte, indem ich ihm so ganz nebenbei beim Verabschieden den
Freimaurerhandgriff gab ich kann mich als »Freimaurer ausweisen« schaute er mich erstaunt
und treu an und sagte, dass er sich wirklich sehr freue zu vernehmen, dass auch ich «einer von
uns« sei.

Glasblasen und Freimaurerei

Während des Krieges saß ich einmal in meinem Labor am Glasbläsertisch. Weil wir keine
Glasbläser mehr im Labor hatten - sie waren alle in der Armee , lernte ich Anfang des Krieges
selbst das Glasblasen, und zwar bei einem Meisterglasbläser. Ich war für dieses Können
dankbar, denn die heikle Mikroapparatur, die ich in der Forschung oft brauchte, konnte ich dann
in kürzester Zeit selbst blasen. Ich saß also am Glasbläsertisch und hatte gerade einen
Mikrodestillationsapparat angefertigt. Diese Apparatur wies drei »doppelt versiegelte Fugen« auf,
die heikel anzufertigen sind. Im Krieg stand uns kein Plexiglas zur Verfügung, deshalb mussten
wir alles in Sodaglas fabrizieren. Sodaglas bekommt beim Auskühlen leicht Sprünge. Das ganze
Laboratorium schaute mir zu, denn der Apparat war ein Kunstwerk sehr schön anzusehen. So
hielt ich mein Kunstwerk in eine rauchende Flamme, um alles langsam und sicher auszukühlen.
Ein sehr spannender Augenblick war das.

Der Vizechef des Labors, der mit uns im Labor arbeitete, war auch Freimaurer. Er ahnte, dass ich
auf mancherlei Gebieten mehr wusste, als ihm angenehm war, aber ich sprach mit ihm nie über
Freimaurerei. Er war etwas intolerant, hatte aber viel Schweres erlebt. Sein Haus wurde von
deutschen Fliegern bombardiert und begrub ihn und seine Frau einen ganzen Tag, bis die
Rettungsmannschaften das Paar herausholten. Er war deshalb ein Deutschenhasser. Ich
behandelte ihn mit Seidenhandschuhen. Nun, dieser Vizechef schaute beim Glasblasen spöttisch
zu, er meinte, die Arbeit würde mir nie gelingen. Und sie war mir doch gelungen! Aber, was war
das »Knack« mitten in der Flamme? Durch die doppelten Fugen entstand ein Sprung und dann
»explodierte« das ganze Kunstwerk. Auf dem Tisch lagen lauter schwarze Scherben! Ich drehte
mich um, holte eine Schaufel und einen Besen und fing an, alles wegzufegen und Ordnung
herzustellen. Aber das spöttische Gesicht des Vizedirektors reizte mich, und mir kam ein
Geistesblitz.

»Mr. L.«, sagte ich, »ich komme mir vor wie der Prophet Zerubbabel im Tempel, als er die
Scherben des alten Tempels wegbürstete, um Platz für den Neubau zu machen.«

Ich hatte mich natürlich auf den Freimaurerritus bezogen, wo Zerubbabel in der Loge vorkommt.
Er will den zerfallenen Tempel wieder aufbauen und räumt zuerst den alten Schutt weg wie ich
es auf dem Glasbläsertisch tat! Der Vizedirektor drehte sich um und verschwand wie eine Rakete
aus dem Labor! Er lief die Treppe hinaus zum Direktor, platzte in sein Zimmer hinein, wo
zufälligerweise ein Kollege von mir stand, der sich mit dem Chef unterhielt. Der Vizedirektor
platzte ins Zimmer, ohne zu sehen, wer zugegen war, und schrie laut:

»Sie müssen diesen Wilder Smith sofort entlassen, er weiß viel, viel zu viel!«

Er nahm seine Freimaurerei sehr ernst im Gegenteil zum Chef, der religiöse Angelegenheiten
oberflächlich behandelte. Es geschah nichts!

Aus »Es war ein reiches Leben – Die Lebensgeschichte von Beate und A. E. Wilder-Smith«.

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