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Lothar Gassmann

Was sagt die Katholische Kirche über sich selbst?

Was kennzeichnet die Römisch-Katholische Kirche (RKK) oder Katholische Kirche (KK)? Die
nachfolgenden Zitate sind u.a. aus folgenden Werken entnommen:
Josef Neuner/Heinrich Roos, Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung,
neubearbeitet von Karl Rahner u. Karl-Heinz Weger, 10. Aufl. 1979 (abgekürzt: Neuner-Roos);
sowie aus:
Katechismus der Katholischen Kirche, 1993 (abgekürzt: KKK). Beide Werke werden in der Regel
nicht nach Seiten, sondern nach Nummern zitiert.

1. Die Kirche ist der mystische Leib Christi und als solcher das Ursakrament. Sie ist unsichtbar
und sichtbar zugleich. Sie ist das Gottesvolk des Neuen Bundes.

"Die Kirche ist ja in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die
innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit" ("Lumen gentium" 1; s.
Neuner-Roos Nr. 408).

2. Die Zugehörigkeit zur Kirche beruht auf der Taufe und ist heilsnotwendig. Unverschuldete
Unkenntnis der Kirche schließt aber nicht vom Heil aus.

"Durch die Taufe werden wir von der Sünde befreit und als Söhne Gottes wiedergeboren; wir
werden Glieder Christi, in die Kirche eingefügt und an ihrer Sendung beteiligt: 'Die Taufe ist das
Sakrament der Wiedergeburt durch das Wasser im Wort.`" (KKK Nr. 1213).

"Außerhalb der Kirche kann niemand gerettet werden. Freilich sind nicht alle, die in
unüberwindlicher Unwissenheit über Christus und seine Kirche leben, schon aufgrund dieser
Unwissenheit ewig zu verdammen. Denn vor den Augen des Herrn trifft sie keine Schuld, der will,
daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Er schenkt auch
jedem seine Gnade, der sich nach Kräften müht, so daß er die Rechtfertigung und das ewige
Leben erreichen kann. Diese Gnade erhält aber keiner, der von der Einheit des Glaubens oder
von der Gemeinschaft der Kirche aus eigener Schuld getrennt ist und so aus diesem Leben
scheidet. Wer nicht in dieser Arche ist, wird in der Sintflut umkommen" (Neuner-Roos Nr. 369).

3. Die Kirche wird definiert als die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.

"Die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und
apostolische bekennen ... in dieser Welt als Gesellschaft verfaßt und geordnet, ist verwirklicht in
der KK, die vom Nachfolger Petri und den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird. Das
schließt nicht aus, daß außerhalb ihres Gefüges vielfältige Elemente der Heiligung und der
Wahrheit zu finden sind, die als der Kirche Christi eigene Gaben auf die katholische Einheit
hindrängen" ("Lumen Gentium" 8; s. Neuner-Roos Nr. 411).

"Zu dieser katholischen Einheit des Gottesvolkes ... sind alle Menschen berufen. Auf
verschiedene Weise gehören ihr zu oder sind ihr zugeordnet die katholischen Gläubigen, die
anderen an Christus Glaubenden und schließlich alle Menschen überhaupt, die durch die Gnade
Gottes zum Heile berufen sind" ("Lumen Gentium" 13; s. Neuner-Roos Nr. 416).

"Die Heilsabsicht umfaßt auch die, welche den Schöpfer anerkennen, unter ihnen besonders die
Muslime, die sich zum Festhalten am Glauben Abrahams bekennen und mit uns den einzigen
Gott anbeten, den barmherzigen, der die Menschen am Jüngsten Tag richten wird."
"Wenngleich Gott Menschen, die das Evangelium ohne ihre Schuld nicht kennen, auf Wegen, die
er weiß, zum Glauben führen kann, ohne den es 'unmöglich` ist, ihm 'zu gefallen` (Hebr 11,6), so
liegt doch auf der Kirche die Notwendigkeit und zugleich das heilige Recht der Verkündigung der
Frohbotschaft" ("Ad gentes" 7; KKK Nr. 848).

4. Kennzeichnend für die KK ist die Unterscheidung zwischen Klerus und Laien sowie das
hierarchisch gestufte Amt.

"Die Kirche Christi ist ... nicht eine Gemeinschaft von Gleichgestellten, in der alle Gläubigen
dieselben Rechte besäßen. Sie ist eine Gesellschaft von Ungleichen, und das nicht nur, weil
unter den Gläubigen die einen Kleriker und die andern Laien sind, sondern vor allem deshalb,
weil es in der Kirche eine von Gott verliehene Vollmacht gibt, die den einen zum Heiligen, Lehren
und Leiten gegeben ist, den andern nicht. Man unterscheidet zwei kirchliche Gewalten: die
Weihegewalt und die Leitungs- und Regierungsgewalt" (Neuner-Roos Nr. 394).

"Der Priester handelt nur deshalb an Stelle des Volkes, weil er die Person unseres Herrn Jesus
Christus vertritt, insofern dieser das Haupt aller Glieder ist und sich selber für sie opfert; er tritt
folglich an den Altar als Diener Christi, niedriger als Christus stehend, aber höher als das Volk.
Das Volk aber, das unter keiner Rücksicht die Person des göttlichen Erlösers darstellt noch
Mittler ist zwischen sich selbst und Gott, kann in keiner Weise priesterliche Rechte genießen."
(Neuner-Roos Nr. 721.723).

5. Dem Papst kommt als dem Nachfolger des Apostels Petrus und dem Stellvertreter Christi auf
Erden die Leitungs-, Lehr- und Rechtsprechungsgewalt sowie - unter bestimmten Bedingungen -
das Charisma der Unfehlbarkeit zu.

"Wer also behauptet: nicht aufgrund der Einsetzung von Christus dem Herrn selber, d.h. aufgrund
göttlichen Rechts habe der heilige Petrus seine beständigen Nachfolger im Vorrang über die
gesamte Kirche, oder: der Bischof von Rom sei nicht der Nachfolger Petri in diesem Vorrang, der
sei ausgeschlossen" (Neuner-Roos Nr. 443).

"Wir bestimmen, daß der Heilige Apostolische Stuhl und der römische Bischof den Vorrang über
den ganzen Erdkreis innehat, weiter, daß dieser römische Bischof Nachfolger des heiligen
Petrus, des Apostelfürsten, wahrer Stellvertreter Christi, Haupt der gesamten Kirche und Vater
und Lehrer aller Christen ist; daß ihm im heiligen Petrus die volle Gewalt, die ganze Kirche zu
weiden, zu regieren und zu verwalten von unserem Herrn Jesus Christus übergeben ist" (Neuner-
Roos Nr. 434).

"Wenn der römische Bischof in höchster Lehrgewalt (ex cathedra) spricht, das heißt, wenn er
seines Amts als Hirt und Lehrer aller Christen waltend in höchster, apostolischer Amtsgewalt
endgültig entscheidet, eine Lehre über Glauben oder Sitten sei von der ganzen Kirche
festzuhalten, so besitzt er aufgrund des göttlichen Beistandes, der ihm im heiligen Petrus
verheißen ist, jene Unfehlbarkeit, mit der der göttliche Erlöser seine Kirche bei endgültigen
Entscheidungen in Glaubens- und Sittenlehren ausgerüstet haben wollte. Diese endgültigen
Entscheidungen des römischen Bischofs sind daher aus sich und nicht aufgrund der Zustimmung
der Kirche unabänderlich. Wenn sich jemand - was Gott verhüte - herausnehmen sollte, dieser
unserer endgültigen Entscheidung zu widersprechen, so sei er ausgeschlossen" (Neuner-Roos
Nr. 454).

6. Die KK empfiehlt die Verehrung der Heiligen als Fürsprecher sowie der "Gottesmutter" Maria
als Urbild der Kirche.

"Die Einheit der Erdenpilger mit den Brüdern, die im Frieden Christi entschlafen sind, wird also
keineswegs unterbrochen, sie wird vielmehr nach dem beständigen Glauben durch die Mitteilung
geistlicher Güter gestärkt ... Denn dadurch, daß die, die im Himmel sind, inniger mit Christus
vereint werden, festigen sie die ganze Kirche stärker in der Heiligkeit ... hören sie nicht auf, ...
beim Vater für uns einzutreten, indem sie die Verdienste darbringen, die sie durch den einen
Mittler zwischen Gott und den Menschen, Christus Jesus, auf Erden erworben haben ... Daher
findet durch ihre brüderliche Sorge unsere Schwachheit reichste Hilfe ... Unser Gebet für die
Verstorbenen kann nicht nur ihnen selbst helfen: wenn ihnen geholfen ist, kann auch ihre Fürbitte
für uns wirksam werden" ("Lumen gentium" 49f.; KKK Nr. 955f.958).

"Die Jungfrau Maria ... wird als wahre Mutter Gottes und des Erlösers anerkannt und geehrt ...
'Sie ist ausdrücklich Mutter der Glieder (Christi), ... weil sie in Liebe mitgewirkt hat, daß die
Gläubigen in der Kirche geboren werden, die jenes Hauptes Glieder sind`" ("Lumen gentium" 53;
KKK Nr. 963).

"Sie hat, frei von jeder persönlichen oder erblichen Verschuldung und immer mit ihrem Sohn aufs
innigste verbunden, Ihn auf Golgatha zusammen mit dem gänzlichen Opfer ihrer Mutterrechte
und ihrer Mutterliebe dem Ewigen Vater dargebracht als neue Eva für alle Kinder Adams, die von
dessen traurigem Fall entstellt waren. So ward sie, schon zuvor Mutter unseres Hauptes dem
Leibe nach, nun auch aufgrund eines neuen Titels des Leids und der Ehre im Geiste Mutter aller
seiner Glieder. Sie war es, die durch ihre mächtige Fürbitte erlangte, daß der schon am Kreuz
geschenkte Geist des göttlichen Erlösers am Pfingsttag der neugeborenen Kirche in
wunderbaren Gaben gespendet wurde. Sie hat endlich dadurch, daß sie ihr namenloses Leid
tapfer und vertrauensvoll trug, mehr als alle Christusgläubigen zusammen, als wahre Königin der
Märtyrer ’ergänzt’ was an den Leiden Christi noch fehlt ... für seinen Leib, die Kirche` (Kol 1,24).
Sie hat den geheimnisvollen Leib Christi, der aus dem durchbohrten Herzen des Heilands
geboren ward, mit derselben innigen Mutterliebe und Sorge begleitet, womit sie das Jesuskind in
der Krippe und an ihrer Brust umhegte und nährte. Ihrem unbefleckten Herzen haben Wir
vertrauensvoll alle Menschen geweiht. Möge sie, die hochheilige Mutter aller Glieder Christi,
strahlend jetzt in der Himmelsglorie mit Leib und Seele und herrschend droben mit ihrem Sohn,
von Ihm inständig erflehen, daß reiche Ströme der Gnade unaufhörlich herabfließen vom
erhabenen Haupt auf die Glieder des geheimnisvollen Leibes" (Neuner-Roos Nr. 482).

Katholische Sonderlehren, die sich nicht in der Bibel finden, nach Jahreszahlen geordnet:

355: Der römische Bischof beansprucht: Er sei der Papst, der direkte Nachfolger des
Apostelfürsten Petrus.

375: Heiligenverehrung (nach Röm 1,25 Götzendienst) wird offiziell eingeführt.

397: Als Folge davon entwickelt sich der Reliquienkult (Überreste von verstorbenen Bischöfen
und Heilig gesprochenen werden als wundertätig verehrt; magisches Denken).

431: Maria, die Mutter Jesu, wird als »Mutter Gottes« oder »Gottesgebärerin« dogmatisiert.

529: Es bilden sich die ersten Mönchsorden (Benediktiner) in Italien.

550: Einführung des »Sterbesakraments« (letzte Ölung)

592: Behauptung eines »Fegefeuers« nach dem Tod

688: Kreuze aus Holz, Stein oder anderen Materialien sollen angebetet werden.

715: Heilige sollen im »Gebet« angerufen werden können (nach 3. Mo 19,31 Spiritismus).

787: Bilder können verehrt werden (entgegen dem Bilderverbot aus 2. Mo 20,4).
1074: Die Priester sollen ehelos bleiben (Zölibat; entgegen 1. Tim 4,1-5; 1. Kor 9,5).

1100: Seelenmessen für Verstorbene werden eingeführt.

1115: Der Ablaß wird eingeführt (Freikauf von zeitlichen Sündenstrafen aus dem Fegefeuer durch
Bußleistungen oder Geld).

1208: Das Rosenkranzbeten wird eingeführt (»Gebet« zu Maria; Spiritismus).

1215: Die Transsubstantiationslehre wird dogmatisiert (substantielle Verwandlung des Brotes und
Weines in den Leib und das Blut Jesu Christi zur Sündenvergebung).

1246: Einführung von »Fronleichnam« (Verehrung des »Leibes Christi« bzw. der Hostie im
Tabernakel).

1414: Der Wein wird dem Kirchenvolk vorenthalten, es bekommt nur noch die Hostie (das Brot) -
gegen Mt 26,27: »Trinket alle daraus!«.

1545: Tridentinisches Konzil mit folgenden Beschlüssen der katholischen Kirche. Unter anderem:
1563: 1. Wer behauptet, allein durch den Glauben werde der Sünder gerechtfertigt, der sei
ausgeschlossen! (aus der Kirche, von der Erlösung)
2. Wer behauptet, die empfangene Gerechtigkeit werde nicht vor Gott durch gute Werke
vermehrt, sondern diese Werke seien nur Früchte und Zeichen der erlangten Rechtfertigung, der
sei ausgeschlossen!

1564: Die Apokryphen werden zum Wort Gottes erklärt.

1854: Unbefleckte Empfängnis Marias wird dogmatisiert (Maria habe Jesus geboren, weil sie
selbst sündlos war. Wäre Maria sündig gewesen, hätte auch Jesus Sünden gehabt) - gegen Röm
3,10: »Da ist keiner, der gerecht ist, nicht einer!«

1871: Die »Unfehlbarkeit« des Papstes wird behauptet und dogmatisiert (s.o.).

1950: Maria sei leibhaftig zum Himmel aufgefahren (Mariä Himmelfahrt) (findet sich nirgends in
der Heiligen Schrift)

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Europa, Vatikan und die Neue Weltordnung

- Nähert sich das Reich des Antichristen? -

Von Dr. theol. Lothar Gassmann

1. Einleitung

In absehbarer Zeit wird es nicht nur die Vereinigten Staaten von Amerika geben, sondern auch
die Vereinigten Staaten von Europa. Zugleich zeichnet sich in Gestalt der Vereinten Nationen
(UNO) bereits eine Weltregierung ab – mit Weltparlament, Weltgerichtshof, Weltbank, Weltarmee
und Weltpolizei.

Die Entwicklung ist faszinierend – und gerade wegen ihrer Faszination gefährlich: Wir sind
Zeugen der Wiederentstehung des Römischen Reiches. Die Frage nur stellt sich: Ist dieses neue
Römische Reich eine auf Europa beschränkte oder weltweit ausstrahlende Größe?

Das antike Römische Reich umfaßte in der Zeit seiner größten Ausdehnung – zur Zeit des
Kaisers Trajan um das Jahr 117 nach Christus – alle Länder rund um das Mittelmeer, aber auch
Gallien, große Teile Britanniens und die Schwarzmeerregion. Es begann in Portugal und Spanien
im Westen und reichte bis nach Mesopotamien im Osten. Es begann im schwarzafrikanischen
Nubien im Süden und endete in Schottland und Germanien im Norden, wo es allerdings auch
seine Grenzen (Limes, Hadrianswall) fand. Rom hatte zwar viele, aber nicht alle Länder seiner
Zeit unterworfen.

Kommt das jetzt anders? Nun, heutzutage umfaßt die Europäische Union bereits 25 Staaten vom
Nordmeer bis zum Mittelmeer und vom Atlantik bis zum Bosporus. Nicht in allen Ländern wurde
die Bevölkerung gefragt, ob sie der Europäischen Union beitreten will. In mehreren Staaten regte
sich starker Widerstand, so etwa in der Schweiz und in Norwegen, die momentan – aufgrund von
Volksabstimmungen und gegen den Willen der Regierenden – noch nicht Mitglieder der
Europäischen Union sind. Aber auch in mehreren bereits zur EU gehörenden Ländern ist es
keineswegs sicher, ob diese nach dem künftigen Willen der Bevölkerungsmehrheit in der EU
bleiben werden.

Von den Regierenden und hinter ihnen stehenden Interessengruppen jedoch wird in der
überwiegenden Zahl der Staaten der EU-Beitritt propagiert und forciert, so etwa auch in der
islamisch dominierten Türkei, deren Beitritt weithin umstritten ist. Der Wille zur Vereinigung ist –
zwar gegen den Willen zahlreicher einzelner Bürger, aber gemäß dem Willen der Mächtigen – da
und wird sich daher wohl auch vollends durchsetzen.

Dies entspricht auch der biblischen Prophetie, welche die Entstehung eines antichristlichen
Einheitsreiches am Ende der Zeiten voraussagt. Die Frage ist eben nur: Wird dieses
Einheitsreich eine regional begrenzte Größe (z.B. Europa) oder ein weltweiter Verband sein?

Meine These, die ich im weiteren Verlauf der Darstellung entfalten werde, lautet: Das
wiedererstehende Römische Reich besitzt sein maßgebliches religiöses Zentrum – nämlich Rom
– in Europa. Es umfaßt aber am Ende die gesamte Welt und Menschheit. Die Herrschaft des
Antichristen und seines falschen Propheten wird eine weltweite Erscheinung sein. Denn es heißt
im Wort Gottes:

„Die ganze Erde wunderte sich über das Tier, und sie beteten den Drachen an, weil er dem Tier
Macht gab, und beteten das Tier an ... Und ihm wurde Macht gegeben über alle Stämme und
Völker und Sprachen und Nationen. Und alle, die auf Erden wohnen, beten es an, deren Namen
nicht vom Anfang der Welt an geschrieben stehen in dem Lebensbuch des Lammes, das
geschlachtet ist“ (Offb 13, 3 ff.).

2. Die Bezeichnung „Europa“

Europa bedeutet sprachgeschichtlich „Abendland“, „Land des Dunkels“, „Land der untergehenden
Sonne“. Im hebräischen und phönizischen Sprachbereich bedeutet „ereb“ „Abend“ bzw. „dunkel“.
Das griechische Wort „erebos“ meint „das Dunkle“, „das Schattenreich“. Für die geografisch im
Südosten Europas lebenden Völker (Hebräer, Phönizier) war der heute als „Europa“ bezeichnete
Erdteil die Gegend, in der die Sonne untergeht.

3. Die Sage von „Europa“ und die Frau auf dem Tier

Ein immer wieder auftauchendes Symbol für den Kontinent Europa ist eine nackte Frau auf
einem Stier. - Was hat es damit auf sich?

Dieses Symbol geht auf eine griechische Sage zurück, die u.a. vom römischen Dichter Ovid
überliefert wurde. Die Sage berichtet von der phönizischen Prinzessin Europa, Tochter des
Königs Agenor und der Telephassa, die mit ihrer Familie am Strand von Tyrus spielt. Plötzlich
kommt ein Stier aus dem Meer hervor, der sich Europa nähert. Sie streichelt ihn und streut
Blumen auf seinen Kopf. Als er ihr andeutet, auf seinen Rücken zu steigen, tut sie dies, und der
Stier schwimmt mit ihr davon. Erst als sie zusammen auf der Insel Kreta ankommen, zeigt der
Stier sein wahres Gesicht. Vor den Augen der erstaunten Europa verwandelt er sich in den
griechischen „Göttervater“ Zeus. Wegen seiner argwöhnischen Gattin Hera hatte er die
Verwandlung in den Stier vorgenommen. Nun, da er sich in seine wahre Gestalt
zurückverwandelt hat, zeugt er mit Europa drei Söhne: Minos, Rhadamantys und Sarpedon. Und
die „Göttin“ Aphrodite sendet die Verheißung, daß der Erdteil nach der Prinzessin Europa
benannt wird.

Dies – so meine ich – ist kein rühmlicher Anfang für unseren Kontinent. Diese Sage berichtet von
Täuschung und Betrug, von Ehebruch und Hurerei. Der „Göttervater“ Zeus entpuppt sich als ein
menschlich-allzumenschliches Wesen, das mit dem wahren Gott und Schöpfer des Universums
nichts gemeinsam hat. Und die Königstochter Europa, die mythologische Namensgeberin des
europäischen Kontinents, läßt sich in hurerischer Weise auf den Ehebruch des Zeus ein.

So verwundert es nicht, daß Ausleger der Bibel immer wieder Europa, die Frau auf dem Stier, in
Verbindung gebracht haben mit der Frau auf dem Tier, von der in Offenbarung 17 und 18 die
Rede ist. Dort lesen wir z.B.:

„Ich sah eine Frau auf einem scharlachroten Tier sitzen, das war voll lästerlicher Namen und
hatte sieben Häupter und zehn Hörner. Und die Frau war bekleidet mit Purpur und Scharlach und
geschmückt mit Gold und Edelsteinen und Perlen und hatte einen goldenen Becher in der Hand,
voll von Greuel und Unreinheit ihrer Hurerei, und auf ihrer Stirn war geschrieben ein Name, ein
Geheimnis: Das große Babylon, die Mutter der Hurerei und aller Greuel auf Erden“ (Offb 17,3-5).

Ist die Tatsache, daß ausgerechnet die Frau auf dem Stier als ein zentrales Symbol für Europa
gewählt wurde, ein Hinweis auf eine antichristliche Entwicklung in diesem Kontinent? Welche
Rolle spielt hierbei die Europäische Union? Wir werden diese Frage weiter untersuchen.

Doch zuvor betrachten wir, wie es zur Entstehung der Europäischen Union kam.

4. Die Paneuropa-Idee

„Jedes große historische Geschehen begann als Utopie und endete als Realität.“

Dieses Motto steht über der programmatischen Schrift, die wie keine andere die Entstehung des
vereinten Europa im 20. Jahrhundert nach Christus geprägt hat. Es ist das Buch Pan-Europa
(auf deutsch ungefähr: „All-Europa“, allumfassendes Europa ), im Jahre 1923 veröffentlicht von
dem erst 29jährigen Adligen Graf Richard N. Coudenhove-Kalergi (1894-1973). Coudenhove war
der Gründer und erste Präsident der Paneuropa-Union. Sein Nachfolger Otto von Habsburg (geb.
1912), Sohn des letzten österreichischen Kaisers, bezeichnet Coudenhove im Vorwort zur
Neuauflage 1982 dieses Buches als „Prophet Europas“.

Coudenhove beginnt sein Werk mit folgenden Sätzen:


„Dieses Buch ist bestimmt, eine große politische Bewegung zu wecken, die in allen Völkern
Europas schlummert. Viele Menschen erträumten ein einiges Europa; aber wenige sind
entschlossen, es zu schaffen. Als Ziel der Sehnsucht bleibt es unfruchtbar - als Ziel des Wollens
wird es fruchtbar. Die einzige Kraft, die Pan-Europa verwirklichen kann, ist: der Wille der
Europäer; die einzige Kraft, die Pan-Europa aufhalten kann, ist: der Wille der Europäer. So liegt
in der Hand jedes Europäers ein Teil des Schicksals seiner Welt“ (S. VII).

Erschüttert von den blutigen Erfahrungen des Ersten Weltkrieges, kommt Coudenhove zu der
Erkenntnis, daß nur ein vereintes Europa derartige Konflikte in Zukunft verhindern kann. Er stellt
die „europäische Frage“:

„Kann Europa in seiner politischen und wirtschaftlichen Zersplitterung seinen Frieden und seine
Selbständigkeit den wachsenden außereuropäischen Weltmächten gegenüber wahren – oder ist
es gezwungen, sich zur Rettung seiner Existenz zu einem Staatenbunde zu organisieren?“ (S.
IX).

Für Coudenhove ist die Antwort klar. Sie kann nur lauten:
„Weder der Westen noch der Osten will Europa retten: Rußland will es erobern - Amerika will es
kaufen. Durch diese Skylla der russischen Militärdiktatur und die Charybdis der amerikanischen
Finanzdiktatur führt nur ein schmaler Weg in eine bessere Zukunft. Dieser Weg heißt Pan-Europa
und bedeutet: Selbsthilfe durch Zusammenschluß Europas zu einem politisch-wirtschaftlichen
Zweckverband“ (S. X).

Doch die Vereinigung Europas ist für Coudenhove nicht das Letzte. Sie ist nur die notwendige
Vorstufe zur Herstellung der Welteinheit:

„Soll die Weltorganisation an die Stelle der Welt-Anarchie treten, so müssen erst die Staaten sich
zu Über-Staaten zusammenschließen. Wie die Einigung Deutschlands, Italiens und Polens
notwendige Etappen waren für die Einigung Europas - so wird die Einigung Europas eine
notwendige Etappe bilden zur Einigung der Menschheit ... Erst muß Europa sich einigen - dann
die Menschheit: diese Entwicklung läßt sich nicht umkehren“ (S. 87).

In der geistesgeschichtlichen Begründung des Paneuropa-Gedankens geht Coudenhove zurück


bis zum Römischen Reich:

„Europa ... ist verbunden durch die christliche Religion, durch die europäische Wissenschaft,
Kunst und Kultur, die auf christlich-hellenischer Basis ruht. Die gemeinsame europäische
Geschichte begann mit dem Römerreich und der Völkerwanderung, fand ihre Fortsetzung in
Papsttum und Feudalismus, Renaissance und Humanismus, Reformation und Gegenreformation,
Absolutismus und Aufklärung, Parlamentarismus, Industrialismus, Nationalismus und
Sozialismus“ (S. 143).

Unter der Überschrift „Wege zu Pan-Europa“ nennt Coudenhove konkrete Schritte, die
inzwischen – Jahrzehnte nach der Niederschrift seines Buches – zum Teil in verblüffender Weise
in die Tat umgesetzt worden sind:

„Der erste Schritt zu Pan-Europa wäre die Einberufung einer paneuropäischen Konferenz durch
eine europäische Regierung oder durch mehrere ...

Der zweite Schritt zu Pan-Europa ist der Abschluß eines obligatorischen Schieds- und
Garantievertrages zwischen allen demokratischen Staaten Kontinentaleuropas...

Der dritte Schritt zu Pan-Europa ist die Bildung einer paneuropäischen Zollunion, der
Zusammenschluß Europas zu einem einheitlichen Wirtschaftsgebiet ...
Die Krönung der paneuropäischen Bestrebungen wäre die Konstituierung der Vereinigten
Staaten von Europa nach dem Muster der Vereinigten Staaten von Amerika“ (S. 151 ff.).

Coudenhove ließ es nicht bei der Theorie bewenden, sondern schritt eifrig zur Tat. So gründete
er im Zusammenhang mit der Veröffentlichung seines Buches die Paneuropa-Union.Der erste
Europa-Kongreß der Geschichte fand auf Initiative Coudenhoves vom 3. bis 6. Oktober 1926 in
Wien statt. Er führte rund zweitausend Teilnehmer aus 24 Ländern zusammen, darunter
zahlreiche Politiker. Im Bamberger Programm der Paneuropa-Union vom 9. Juni 1996 heißt es
u.a.:

Die Paneuropa-Union erstrebt die Aufnahme der europäischen Völker, die dazu bereit sind und
die entsprechenden Bedingungen insbesondere auf dem Gebiete der Rechtsstaatlichkeit, des
Menschen-, Volksgruppen- und Heimatrechts erfüllen, in die Europäische Union, eine
gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union zur Sicherung des Friedens
und der Freiheit in Europa, die Weiterentwicklung der Europäischen Union zu einer politisch nach
außen und innen voll handlungsfähigen Einheit, ein souveränes Europa, das keiner fremden
Macht untergeordnet ist.

Dieses Programm – so meine Beobachtung - trägt einerseits die Handschrift einer konservativen
Politik mit der Beibehaltung christlich-ethischer Werte – im Gegensatz zu liberalistischen und
sozialistischen Konzeptionen im Europäischen Parlament. Zugleich aber wirkt es durch die
Forderung einer politischen Vereinigung bisher getrennter Staaten revolutionär – doch nur auf
den ersten Blick. Betrachtet man die Hintergründe ausführlicher, dann erkennt man dahinter das
Ziel des wiederhergestellten einheitlichen europäischen Reiches, wie es im Altertum durch den
römischen Kaiser und im Mittelalter durch Kaisertum und Papsttum verkörpert war. Nicht zufällig
war der Sohn des letzten österreichischen Kaisers, Otto von Habsburg, jahrzehntelang Präsident
der Paneuropa-Union und zugleich einer der einflußreichsten Wegbereiter der Europäischen
Union. In ihm und seinen Nachfolgern lebt der Gedanke vom politischen Einheitsreich in
Verbindung mit dem Papsttum weiter. Seine Kaiserliche Hoheit Otto von Habsburg war nicht nur
jahrzehntelang Europaparlamentarier, sondern auch von 1930 bis 2000 „Chef und Souverän des
Ordens vom Goldenen Vlies“. Er gab die Leitung aus Altersgründen an seinen Sohn Karl ab. Der
Orden vom Goldenen Vlies ist „der Jungfrau Maria gewidmet“. Sein Ziel ist „die Erhaltung des
katholischen Glaubens, der Schutz der Kirche und die Wahrung der unbefleckten Ehre des
Rittertums“.

Über weitere weltanschauliche Hintergründe der Begründer der Europa-Idee schreibt der
ungarische Jesuit und Freimaurer Töhötöm Nagy:
„Die Vorkämpfer der Idee eines vereinten Europas waren Freimaurer, zumal diese Ideologie
durch ihre freiheitlichen und brüderlichen Grundsätze typisch maurerisch ist. Einer der Großen
dieser Bewegung war Graf Richard von Coudenhove-Kalergi; als ich vor vielen Jahren einmal
voller Begeisterung ein Buch von ihm las, hätte ich mir nicht träumen lassen, daß er Freimaurer
war und daß ich ihn eines Tages als die Personifizierung des maurerischen Prinzips zitieren
würde. Drei bedeutende Förderer des paneuropäischen Gedankens wurden mit dem
Friedensnobelpreis ausgezeichnet: Aristide Briand, Gustav Stresemann und General George
Marshall – alle drei Maurer.“
Als der 29jährige Coudenhove-Kalergi sein Werk „Pan-Europa“ schrieb, hatte er in seiner
Freimaurerloge bereits den 18. Grad des Schottischen Ritus, den „Ritter vom Rosenkreuz“,
erreicht.

Welche Ziele vertritt die Freimaurerei?

Es ist ein seit langem erklärtes Ziel der freimaurerischen Doktrin, insbesondere der Illuminaten,
eine „Weltbruderschaft“ zu errichten, in der alle Unterschiede zwischen Menschen - vor allem
politischer und religiöser Art - beseitigt sind und es keinen Absolutheitsanspruch irgendeiner
Religion auf „Wahrheit“ mehr gibt. Laut Auskunft des „Internationalen Freimaurerlexikons“ gehört
es zu den Grundgesetzen der Freimaurer, sich „bloß zu der Religion zu verpflichten, in welcher
alle Menschen übereinstimmen und jedem seine besondere Meinung zu lassen.“ Der Satz von
der „Religion ... in der alle Menschen übereinstimmen ... ist das Fundament der Freimaurerei
geworden.“
Mutig und treffend stellt hierzu der katholische Freimaurer-Experte Manfred Adler fest, „daß der
Progressismus, der die katholische Kirche seit dem II. Vatikanischen Konzil (und nicht nur diese!
L.G.) tiefgründig überflutet, ein Ergebnis des philosophischen Einflusses der Freimaurerei auf die
Kirche ist. Zwischen der Maurerei und dem Progressismus besteht enge verwandtschaftliche
Beziehung hinsichtlich der geistigen Konzeption.“ Und weiter: „Tatsächlich ist es der geheime und
offene Traum der maurerischen Weltpolitik, eine universale Weltregierung in einem universalen
Welt-Einheits-Staat zu errichten. Nicht zuletzt um dieses Endziels willen waren einflußreiche
kosmopolitische Maurerbrüder maßgeblich an der Gründung der ´Organisation der Vereinten
Nationen‘ (United Nations Organization = UNO) beteiligt, die ihr ´Hauptquartier‘ in New York
haben und 1945 an Stelle des Völkerbundes traten, der sich 1920 in Genf konstituiert hatte.“
5. Welteinheit ohne Gott

In Artikel 1 der UN-Charta setzen sich die Vereinten Nationen u.a. folgende Ziele:

„1. den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren und zu diesem Zweck wirksame
Kollektivmaßnahmen zu treffen, um Bedrohungen des Friedens zu verhüten und zu beseitigen,
Angriffshandlungen und andere Friedensbrüche zu unterdrücken und internationale Streitigkeiten
oder Situationen, die zu einem Friedensbruch führen könnten, durch friedliche Mittel nach den
Grundsätzen der Gerechtigkeit und des Völkerrechts zu bereinigen oder beizulegen;

2. freundschaftliche, auf der Achtung vor dem Grundsatz der Gleichberechtigung und
Selbstbestimmung der Völker beruhende Beziehungen zwischen den Nationen zu entwickeln und
andere geeignete Maßnahmen zur Festigung des Weltfriedens zu treffen;

3. eine internationale Zusammenarbeit herbeizuführen, um internationale Probleme


wirtschaftlicher, sozialer, kultureller und humanitärer Art zu lösen und die Achtung vor den
Menschenrechten und Grundfreiheiten für alle ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts,
der Sprache oder der Religion zu fördern und zu festigen...“

Welches sind die weltanschaulichen Grundlagen und Ziele der Europäischen Union?

Im VERTRAG ÜBER EINE VERFASSUNG FÜR EUROPA PRÄAMBEL heißt es:

Schöpfend aus den kulturellen, religiösen und humanistischen Überlieferungen Europas, deren
Werte in seinem Erbe weiter lebendig sind und die zentrale Stellung des Menschen und die
Unverletzlichkeit und Unveräußerlichkeit seiner Rechte sowie den Vorrang des Rechts in der
Gesellschaft verankert haben... [Sind die Hohen Vertragsparteien nach Austausch ihrer in guter
und gehöriger Form befundenen Vollmachten wie folgt übereingekommen:]

In Artikel 2 der EU-Charta werden Die Werte der Union beschrieben:


„Die Werte, auf die sich die Union gründet, sind die Achtung der Menschenwürde, Freiheit,
Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte; diese Werte
sind allen Mitgliedstaaten in einer Gesellschaft gemeinsam, die sich durch Pluralismus, Toleranz,
Gerechtigkeit, Solidarität und Nichtdiskriminierung auszeichnet.“

Es fällt auf, dass in dieser Präambel sowie in der Beschreibung der Werte und Ziele jeder Bezug
auf Gott und die christlichen Wurzeln des Abendlandes fehlt. An der Stelle Gottes wird in der
Präambel „die zentrale Stellung des Menschen“ betont. Dementsprechend finden sich dann die
„Werte“ eines atheistischen Humanismus, vor allem der Gedanke des Pluralismus und der
Toleranz. Pluralismus und (Sach-)Toleranz schließen aber gerade feste Werte aus, wie sie uns
etwa in den Zehn Geboten der Bibel vermittelt werden. Pluralismus und Toleranz – das bedeutet
praktisch: Duldung unterschiedlichster Meinungen und Wertvorstellungen, auch wenn sie in
Widerspruch zu Gottes Willen und Geboten stehen. Diese gottlose Basis des neuen Europa zeigt
sich besonders folgenreich in Artikel 21 der EU-Charta über „Nichtdiskriminierung“, wo es heißt:

„Diskriminierungen insbesondere wegen des Geschlechts, der Rasse, der Hautfarbe, der
ethnischen oder sozialen Herkunft, der genetischen Merkmale, der Sprache, der Religion oder
der Weltanschauung, der politischen oder sonstigen Anschauung, der Zugehörigkeit zu einer
nationalen Minderheit, des Vermögens, der Geburt, einer Behinderung, des Alters oder der
sexuellen Ausrichtung sind verboten.“

Unter „Diskriminierung“ wird die Herabsetzung eines Menschen – etwa aus den genannten
Gründen – verstanden. Die entscheidende Frage freilich ist: Wann beginnt der „Straftatbestand“
Diskriminierung? Bei einer üblen Beschimpfung (die in der Tat abzulehnen und zu ahnden ist) –
oder aber bereits bei einer von der Bibel her gebotenen sachlichen Kritik? Darf ein Christ etwa
nicht mehr sagen: „Wer einer nichtchristlichen Religion anhängt, kann gemäß Joh 14,6 nicht zu
Gott dem Vater kommen.“ Oder: „Wer Homosexualität praktiziert, tut Sünde.“?

Hier tut sich ein Konflikt zwischen dem „Nichtdiskriminierungs-Gesetz“ und der ebenfalls (bisher)
gesetzlich verankerten Meinungs-, Glaubens- und Religionsfreiheit auf, der den Juristen noch viel
zu schaffen machen könnte. Der christliche Jurist Thomas Zimmermans schreibt hierzu:

„Es ist damit zu rechnen, dass schon in den nächsten Jahren weitere Gesetze oder Ergänzungen
zu bestehenden Gesetzen erlassen werden, in denen die Diskriminierung von Frauen,
Homosexuellen usw. unter Strafe gestellt oder in sonstiger Weise rechtlich belangt wird. Dies
kann zur Folge haben, dass Werturteile, die sich z.B. gegen Abtreibung, feministische Positionen
oder Homosexualität richten, nach solchen Gesetzen für strafbar oder schadensersatzpflichtig
erklärt werden. Auch berufliche Konsequenzen insbesondere für Angehörige des öffentlichen
Dienstes sind dann nicht mehr auszuschließen.

Eine EU-Richtlinie vom 29.06.2000 sieht u.a. vor, dass niemand einen Vertragsabschluss wegen
der Rasse oder der ethnischen Herkunft des Anderen verweigern darf. Die Bundesjustizministerin
wollte diese Kriterien u.a. auch auf ´sexuelle Orientierung` ausdehnen. Danach hätte sich ein
Hauseigentümer nicht mehr weigern dürfen, eine Wohnung an ein homosexuelles Paar zu
vermieten. Auch ein Tendenzschutz für christliche Kirchen und Vereinigungen wäre nicht
vorgesehen gewesen, so dass diese gegebenenfalls verpflichtet wären, einen atheistischen oder
moslemischen Mitarbeiter einzustellen. Auf Grund starker Proteste u.a. auch aus
Wirtschaftskreisen ist diese Richtlinie bislang noch nicht in geltendes Recht umgesetzt worden,
jedoch ist weiterhin jederzeit damit zu rechnen.

In Schweden wurde im Herbst 2002 mit großer Mehrheit ein Gesetz verabschiedet, wonach u.a.
kritische Äußerungen über Homosexualität und Homosexuelle mit Freiheitsstrafe bis zu vier
Jahren bestraft werden. Dies soll auch dann gelten, wenn sich der Äußernde auf die Bibel beruft;
die entsprechenden Bibelstellen sollen wohl noch zitiert werden dürfen, nicht aber als weiterhin
verbindliches Wort Gottes verkündigt werden dürfen. Es ist anzunehmen, dass solche Gesetze
nicht auf Schweden beschränkt bleiben und auch in den anderen EU-Staaten die erforderlichen
Mehrheiten finden werden.“

6. Die Prophetie Daniels über die vier Weltreiche

Kapitel Daniel 2 geht es um einen Traum, in dem vier Weltreiche geoffenbart werden. Zunächst
wird ein goldenes Haupt erwähnt - das ist das babylonische Weltreich (625 bis 538 v. Chr.). Dann
kommt der silberne Brustteil, der etwas länger ist, auch entsprechend der Jahreszahlen, die dann
zu sehen sind - das ist das Reich der Meder und Perser (538 bis 331 v. Chr.). Dann kommen der
Bauch und die Lenden aus Kupfer: Griechenland (331 bis 168 v. Chr.). Und schließlich wird
ausführlich das vierte Reich beschrieben:

"Und das vierte wird hart sein wie Eisen; denn wie Eisen alles zermalmt und zerschlägt, ja, wie
Eisen alles zerbricht, so wird es auch alles zermalmen und zerbrechen. Daß du aber die Füße
und Zehen teils von Ton und teils von Eisen gesehen hast, bedeutet: das wird ein zerteiltes
Königreich sein; doch wird etwas von des Eisens Härte darin bleiben, wie du ja gesehen hast
Eisen mit Ton vermengt. Und daß die Zehen an seinen Füßen teils von Eisen und teils von Ton
sind, bedeutet: zum Teil wird's ein starkes und zum Teil ein schwaches Reich sein. Und daß du
gesehen hast Eisen mit Ton vermengt, bedeutet: sie werden sich zwar durch Heiraten
miteinander vermischen, aber sie werden doch nicht einander festhalten, so wie sich Eisen mit
Ton nicht mengen läßt. Aber zur Zeit dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Reich
aufrichten, das nimmermehr zerstört wird; und sein Reich wird auf kein andres Volk kommen. Es
wird alle diese Königreiche zermalmen und zerstören; aber es selbst wird ewig bleiben, wie du ja
gesehen hast, daß ein Stein ohne Zutun von Menschenhänden vom Berg herunterkam, der
Eisen, Kupfer, Ton, Silber und Gold zermalmte..." (Dan 2,40-45).
Das vierte Reich wird ein zerteiltes Königreich sein. Und es wird Eisenhärte haben. Viele
Ausleger - und auch ich - deuten dies auf Rom. Rom teilte sich in Ost- und Westrom und besaß
die Härte des Eisens. Es betrieb große Kriegszüge, in denen es mit brachialer Gewalt viele
Völker unterjochte. Schließlich ist es selber zerbrochen wie Ton. Es gibt auch Stellen in der
Johannesoffenbarung, die darauf hinweisen, etwa Offb 17,8, wo von dem "Tier" gesprochen wird,
das "gewesen ist, nicht ist und wieder aufsteigen wird". Diese Stelle läßt sich auf Rom beziehen:
Es ist äußerlich untergegangen, wird aber am Ende der Tage wieder entstehen. Rom folgte auf
Griechenland, und wie Eisen alles zermalmt, so zermalmte es durch seine Kriegszüge seine
Feinde.

Wir müssen jetzt noch eine weitere Stelle betrachten, Daniel 7,1-27. Hier ist die Rede von vier
Tieren: das erste wie ein Löwe, das zweite wie ein Bär, das dritte wie ein Panther und das vierte
schrecklich anzusehen mit verschiedenen Hörnern. In Daniel 7 wird dies so ausgelegt, daß diese
vier Tiere vier Königreiche sind, die auf Erden an die Macht kommen werden.

Die Ausleger sind sich einig, dass es sich bei den drei ersten Reichen um das babylonische
(625-538 vor Christus), das medo-persische (538-331 vor Christus) und das griechisch-
hellenistische Weltreich (331-168 vor Christus) handelt. Das vierte Reich wird häufig auf Rom
(seit 168 vor Christus) gedeutet: Es ist zunächst geeint, bricht dann in Ost- und Westrom
auseinander, verschwindet eine Zeitlang von der politischen Weltbühne und steht am Ende der
Zeiten wieder auf (vergleiche Dan 2,39-43; Offb 17,8). Das wiedererstandene römische Reich teilt
sich dann in zehn Staaten (vergleiche die zehn Hörner in Offb 17,12), die manche Ausleger mit
den Staaten der Europäischen Gemeinschaft (EG) gleichgesetzt haben. Die Geschichte hat
gezeigt, dass diese Rechnung nicht stimmt, denn bereits 1986 wurde die Zehnzahl überschritten.

Deshalb neige ich eher der Deutung zu, die zum Beispiel Arnold Fruchtenbaum gibt, und
aktualisiere sie nachfolgend. Fruchtenbaum begrenzt das vierte Reich nicht nur auf Rom im
begrenzten geographischen Sinn, sondern fasst es weiter: als imperialistisches Reich, das die
anderen Länder „frisst“ (Dan 7,19). Dieses Reich durchläuft fünf Phasen:

1. Das geeinte Stadium = Römisches Reich in der Antike.

2. Das zweigeteilte Stadium = die Teilung in Ost- und Westrom, die sich im politisch-religiösen
Zweigestirn Rom-Konstantinopel und im zwanzigsten Jahrhundert schließlich im Ost-West-
Konflikt fortsetzt. Dieses Stadium hörte meines Erachtens im Jahr 1989 auf, als der „kalte Krieg“
endete. Als nächstes kommt:

3. Das Weltherrschaftsstadium: Der Gedanke der „Neuen Weltordnung“ wird verkündet und
gewinnt immer mehr Einfluss. Diesem wiederum folgt:

4. Das Zehn-Reiche-Stadium: Die zehn Reiche sind vielleicht zehn Verwaltungsbezirke, in welche
die Welt zwecks besserer Überschaubarkeit und Kontrollierbarkeit aufgeteilt wird. Diese
Möglichkeit ist meines Erachtens realistischer als die (überholte) Deutung auf Europa oder einen
Staatenblock um das Mittelmeer herum.

5. Das Antichrist-Stadium: Die Deutung „zehn Reiche gleich Staatenblock um das Mittelmeer“
vertritt - mit aller gebotenen Vorsicht - zum Beispiel Marius Baar. Er schreibt:
„1968 haben sich in Beirut zehn arabische Länder zur OAPEC (Organisation arabischer
ölausführender Länder) zusammengeschlossen ... Wenn ich noch nicht davon ausgehe, dass wir
hier schon die zehn Könige finden, so bin ich deshalb nicht weniger davon überzeugt, dass die
zehn Könige, die ihre Macht dem Tier - das nicht ist und wiederkommt - übergeben, in dem
fünften Reich aus Daniel 2 demnach in der Welt der Propheten zu suchen sind (siehe Offb
17,13), die in Verbindung mit oder gerade um Israels willen die Weltbühne betreten und eines
Sinnes gegen Jahweh und seinen Gesalbten sein werden.“
Obwohl diese Deutung im Blick auf die Situation Israels manches für sich hat, gehe ich doch vom
biblischen Gesamtkontext her davon aus, dass es sich beim antichristlichen System (bzw. seiner
Vorstufe) um eine weltweite Herrschaftsausübung handelt. Die Staaten um das Mittelmeer herum
oder auch Europa könnten innerhalb dieses Systems eher einzelne Verwaltungsbezirke von den
zehn sein. Dabei liegt die Vermutung nahe, dass das wiedervereinigte Europa – ungefähr auf
dem Gebiet des antiken Römischen Reiches liegend und mit dem Vatikan in seinem Zentrum –
bei der Vereinigung der Welt eine zentrale Rolle spielen könnte (siehe insbesondere die Rolle der
Römisch-Katholischen Kirche, auf die ich weiter unten eingehe).
Solche Pläne, die Welt in zehn Verwaltungsbezirke zu gliedern, finden sich übrigens in
Veröffentlichungen des einflussreichen Club of Rome. Der Club of Rome teilte in Plänen aus den
70er- und 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts die Welt in die folgenden zehn Wirtschaftsräume
auf:

1. Kanada und USA;


2. Europäische Gemeinschaft (EG);
3. Japan;
4. Israel, Südafrika und Australien;
5. Comecon-Staaten (= Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe);
6. Lateinamerikanische Freihandelszone;
7. Arabische Liga;
8. Organisation für Afrikanische Einheit (OAU);
9. Nichtkommunistische Staaten Asiens und des Südpazifiks;
10. China und kommunistisches Asien.

Vorstufen solcher Verwaltungsbezirke könnten zum Beispiel auch die bereits existierenden
wirtschaftlichen Zusammenschlüsse sein, die in ihrer Zielsetzung der EU entsprechen, zum
Beispiel die arabischen OPEC-Länder, die Contadora-Staaten, die Staaten des
Zentralamerikanischen Gemeinsamen Marktes, die AKP- (Afrika-, Karibik-, Pazifik-)-Staaten und
die ASEAN-Staaten (Ostasien).

Während des Zehn-Reiche-Stadiums – so sagt es uns die Bibel weiter - wird der Antichrist
auftreten, drei Reiche vernichten und die restlichen sieben unterwerfen (vergleiche Dan 7,7f.24;
Offb 17,12ff.). Dann kann er seine absolute Herrschaft ausüben. Zentren der antichristlichen
Herrschaft könnten durchaus in Rom (vergleiche Offb 17f.; 1. Petr 5,13) und in Jerusalem
(vergleiche Dan 9,27; 2. Thess 2,4) liegen.

Freilich handelt es sich hierbei nur um eine mögliche Deutung. Zu oft schon ist es anders
gekommen, als Menschen es sich in übergenauer Konstruktion ausgedacht haben. So möchte
obiges System nur ein Anstoß zum Nachdenken und weiteren Beobachten der weltpolitischen
Entwicklung sein.

Fest steht allerdings Folgendes:

Die Weltgeschichte entwickelt sich – besonders auffallend seit dem Ende des 20. Jahrhunderts -
auf einen Punkt zu, an dem die Menschheit aus eigener Kraft versucht, ein Friedensreich zu
bauen. Sie betreibt damit nichts anderes als den Versuch, das tausendjährige messianische
Friedensreich Jesu Christi (vergleiche Offb 20,1-6) aus eigener Kraft vorwegzunehmen. Die Bibel
spricht deutlich davon, dass diese Bemühungen der vereinigten Menschheit ohne den einen,
lebendigen Gott der Bibel im Antichristlichen - im zweiten Turmbau von Babel (1.Mose 11,1-9;
Offb 17) - enden werden. Doch dieses Friedensreich hat keinen Bestand. Es ist ein Reich „aus
Ton und Eisen gemischt“ - eine Einheit ohne Wahrheit, eine Einheit durch Vermischung
unterschiedlicher Ideologien und Religionen (vergleiche Dan 2,33.43). Jesus wird sein Gericht
über dieses „Sein-Wollen-wie-Gott“ der Menschheit halten: „Wenn sie sagen werden: Es ist
Frieden! Es hat keine Gefahr! - dann wird das Verderben schnell über sie kommen“ (1. Thess
5,3).
7. Das wiedererstehende Römische Reich und die Römisch - Katholische Kirche

Am 29. Oktober 2004 wurde die Verfassung der Europäischen Union von Staats- und
Regierungschefs aus 25 Ländern auf dem Kapitol in Rom unterzeichnet. Radio Vatikan
kommentierte:

„Den Text der Verfassung, der völlig ohne die Worte Gott oder Christentum auskommt,
unterzeichnen alle – Ironie der Geschichte – unter einer großen, historischen Papststatue.“

War dies wirklich nur eine Ironie der Geschichte? Warum hat man denn gerade diesen
symbolträchtigen Ort gewählt? Hat der Vatikan vielleicht doch mehr mit der Vereinigung Europas
zu tun, als viele denken?

Am 30.10.2004 jedenfalls, einen Tag nach der Unterzeichnung, wurde der Papst mit folgenden
Worten zitiert:

„Die Unterzeichnung ist ein Ereignis, das auf gewisse Weise den Prozess der Erweiterung (der
EU; L.G.) abschließt. Europa wurde um jene Staaten erweitert, die immer an der Herausbildung
der spirituellen und institutionellen Fundamente des alten Kontinentes mitgearbeitet haben, die
aber gleichzeitig in den vergangenen Jahrzehnten an den Rand dieses Kontinentes gedrängt
waren. Der Heilige Stuhl und ich persönlich haben diesen Erweiterungsprozess unterstützt, damit
Europa mit seinen zwei Lungenflügeln atmen kann: dem Geist des Westens und dem Geist des
Ostens ... Obwohl in der EU-Verfassung ein ausdrücklicher Verweis auf die christlichen Wurzeln
fehlt, die doch die Kultur aller heutigen EU-Nationen bestimmt, bin ich zuversichtlich, dass die
Werte des Evangeliums weiterhin die Bemühungen jener Menschen inspirieren, die für das Antlitz
Europas verantwortlich zeichnen. Und ich hoffe, dass Europa dieses spirituelle Erbe als Basis
seiner Einheit bewahrt.“

Immer wieder hat Johannes Paul II. (Karol Wojtyla) seinen Willen zur europäischen und
weltweiten Vereinigung unüberhörbar bekundet, so z.B. bei dem interreligiösen
Friedensgebetstreffen in Assisi im Oktober 1986 oder bei seiner Ansprache an die
südwestdeutschen Bischöfe vom 21.12.1992. Dabei sagte er:
„Ich begrüße Eure Initiative, sich der umfassenden Herausforderung des europäischen
Einigungsprozesses, gemeinsam mit den Katholiken in allen Ländern Europas, zu stellen. Dabei
bin ich sicher, daß ihr wie bisher die Aufgaben in dem noch umfassenderen Einigungsprozess auf
dem Weg zur einen Welt nicht aus den Augen verlieren werdet.“
Ebenso äußerte sich Wojtylas Nachfolger im Papstamt, Benedikt XVI., bereits im Jahre 1995
(noch als Joseph Kardinal Ratzinger):
„Der Gedanke der Nation muß durch den europäischen Gedanken ergänzt und erweitert werden,
der wiederum in die weltweite Verantwortung aller Kulturen füreinander in der einen Welt
einzufügen ist.“

Auch die Europafahne gibt einen Hinweis auf den Einfluß der Römisch-Katholischen Kirche auf
das vereinte Europa. Sie besteht aus einem Kreis aus zwölf goldenen fünfzackigen Sternen auf
blauem Grund. In der Internet-Enzyklopädie Wikipedia wird festgestellt:

„Entwicklungsgeschichtlich geht die Europaflagge auf die Flagge der Paneuropäischen


Bewegung zurück. Bei dieser entstammen die zwölf Sterne (plus Sonnenscheibe und Kreuz) der
Bibel: Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel: Eine Frau, mit der Sonne bekleidet, und
der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen (Offenbarung
12,1).

Ohne wirklichen Anhaltspunkt im Bibeltext, wird diese Erscheinung von der Römisch-
Katholischen Kirche immer wieder auf Maria, die „Mutter Gottes“, gedeutet. Es kann sich aber –
vom biblischen Kontext her - kaum um Maria handeln, sondern eher um ein Symbol für Israel
oder die Gemeinde.
Dennoch hat diese Erscheinung bzw. ihre katholische Auslegung die Gestaltung der Europafahne
stark beeinflusst. Nach katholischer Vorstellung ist Maria die Herrin Europas. Wir erinnern uns,
dass auch Otto von Habsburg, ein überzeugter Katholik, jahrzehntelang sowohl der Paneuropa-
Union als auch dem „Orden vom Goldenen Vlies“ vorstand, der Maria geweiht ist. Papst Pius XII.
hatte bereits am 24.12.1941 den Appell ausgegeben, „ein neues Europa und eine neue Welt
aufzubauen“. Immer wieder haben „Marien - erscheinungen“ – in Wirklichkeit „spiritistische
Phantome“ (E. M. Slade) – über ihre Medien dazu aufgerufen, Europa und die Welt zu vereinigen
und diese „dem Herzen Marias zu weihen“.

Obwohl manche denken, Papst Benedikt XVI. sei „reformatorischer“ als seine Vorgänger, darf
man sich doch über seine tiefreichende katholische Prägung und unbiblische Marienverehrung
keine Illusionen machen. So versprach er z.B. den Teilnehmern des Weltjugendtages in Köln im
August 2005 unter bestimmten Voraussetzungen einen Ablaß (!) ihrer zeitlichen Sündenstrafen
im Fegefeuer. Und so hielt er wenige Tage vor diesem Kölner Großereignis in seiner
Sommerresidenz Castel Gandolfo eine Ansprache anläßlich der „Himmelfahrt Marias“, in der er
ausführte:

„Wie Christus mit seinem verherrlichten Leib von den Toten auferstanden und in den Himmel
aufgefahren ist, so wurde die ihm voll zugesellte Jungfrau mit ihrer ganzen Person in die
himmlische Herrlichkeit aufgenommen ... Ich bitte die in den Himmel aufgenommene Jungfrau
Maria um ihren Beistand für die jungen Teilnehmer des Weltjugendtages ... In und mit Gott ist sie
jedem von uns nahe, kennt unsere Herzen, kann unsere Gebete hören, kann uns mit ihrer
mütterlichen Freundlichkeit helfen und ist uns gegeben, wie der Herr sagte, als eine Mutter, zu
der wir uns in jedem Augenblick wenden können. Sie hört uns immer zu, ist uns immer nahe und
besitzt als Mutter des Sohnes Anteil an der Macht des Sohnes und seiner Gottheit.“

8. Brautgemeinde gegen Babylonkirche

Die Vereinigung der Menschheit geht heute mit Riesenschritten voran. Die Frage stellt sich:
Nähern wir uns der Weltherrschaft des Antichristen in Verbindung mit der Hure Babylon?

Denn zur Person des Antichristen gehört Babylon, das mit 1. Mose 11 (Turmbau zu Babel)
zusammenhängt. Babylon ist das System, das mit dem Antichristen kooperiert. Die Hure Babylon
ist die vom lebendigen Gott abgefallene, religiöse Welt, die dem Antichristen huldigt. Die Stadt
Babylon ist die wirtschaftliche und soziale Welt, in welcher der Handel und der Verkehr gemäß
Offenbarung 18 stattfinden. Der Name "Babylon" könnte damit zusammenhängen, daß das
Ereignis von Babel (Sprachenverwirrung) wieder aufgehoben wird, indem man die Einheit der
Welt auf allen Gebieten erstrebt: durch das politische Welteinheitsreich, durch das wirtschaftliche
Einheitssystem und durch die Einheitsreligion, die eben die antichristliche Anbetungsreligion sein
wird. Nun stellt sich mit Macht die Frage: Bestehen Zusammenhänge zwischen der Hure Babylon
und Rom?

Die "sieben Hügel" in Offb 17,9 deuten durchaus auf Rom hin. Gerade in der damaligen Zeit, in
der die Johannesoffenbarung entstanden ist, hat jeder sicherlich sofort an Rom gedacht, wenn er
von den sieben Hügeln hörte. Es waren ja zum Großteil sehr problematische Kaiser, die im 1.
Jahrhundert nach Christus herrschten, so daß die Anspielung auf Rom nicht verwunderlich war.

Ferner finden sich verschiedene Kennzeichen, welche auf die Römisch-Katholische Kirche
zutreffen, in deren Lokalisierung und Struktur sich auf eine gewisse Weise das römische Reich
fortsetzt. "Katholisch" bedeutet wörtlich "allumfassend". Schon durch diese Selbstbezeichnung
wird in der Deutung Roms der Anspruch auf Weltherrschaft oder zumindest globale
Einflußnahme offen ausgesprochen. Es besteht wirklich ein universaler Anspruch des Papsttums,
vor allem die Jurisdiktionsgewalt über alle katholischen Herrscher und im Grunde auch über die
anderen Regenten. Der Papst hat als "Vertreter Christi und Petri" die oberste Gewalt der
Rechtsprechung auf Erden.
Die römische Kirche benutzt auch heute noch Latein als Sprache. Ihre Würdenträger sind mit
wertvollen Stoffen, Scharlach und Purpur, bekleidet, was auch in Offenbarung 17 und 18 eine
gewisse Rolle spielt. Die römisch-katholische Kirche ist sehr reich. Der Papst trug bis zum
Zweiten Vatikanischen Konzil öffentlich drei aufeinandergesetzte Kronen, die "Tiara". Rom besitzt
ungeheure Kunstschätze und Reichtümer. Es ist "trunken vom Blut der Heiligen" (Offb 17,6), es
hat - etwa anfangs als römische Staatsmacht und später durch die Inquisition der römisch-
katholischen Kirche - viele Gläubige verfolgt und getötet. Heute ist Rom - neben dem
Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf - Vorreiter einer "interreligiösen Ökumene" mit dem
Ergebnis einer antichristlichen Vermischung der Religionen und dem Entstehen einer
Welteinheitsreligion. Das hat sich etwa bei den sogenannten "Friedensgebetstreffen" der
Religionen in Assisi/Italien und an anderen Orten auf Initiative des Papstes auf schockierende
Weise gezeigt.

Dennoch ist die Identifikation der Hure Babylon (Offb 17 f.) mit der römisch-katholischen Kirche
meines Erachtens zu eng. Ich stimme René Pache zu, der schreibt:
"Die Hure stellt nicht lediglich eine bestimmte Gruppe von Abgefallenen dar, sondern alle falsche
Religion auf Erden. Es hat viele falsche Christen bei den Katholiken gegeben, aber ebenso bei
den Protestanten, den Orthodoxen und anderswo. Geistlichen Ehebruch begehen alle, die ihr
Herz zwischen Gott und der Welt teilen, die bei einem strengen Dogma die Bekehrung ablehnen,
die vom Glauben an die Bibel abweichen, indem sie die Gottheit Jesu Christi und die Sühnekraft
seines Blutes leugnen, alle, welche Andersgläubige verfolgen ... Die große Hure ist die
abgefallene Kirche, die Jesu Eigentum zu sein gelobte und nun mit der Welt Ehebruch treibt."

Das tut eben nicht nur Rom, sondern das geht leider quer durch die Konfessionen hindurch.
Dabei schließe ich nicht aus, dass Rom durch seine Macht und seinen Einfluß hierbei eine
Schlüsselrolle übernimmt und viele auch aus anderen Konfessionen verführt.

Was sagt die Heilige Schrift über den Unterschied zwischen Hure Babylon und Brautgemeinde
Christi?

Die Gemeinde ist die Braut. - Die Hure ist die von Gott abgefallene Kirche, die nichts mehr mit
seiner Wahrheit zu tun hat.

Die Gemeinde ist Christus untertan. - Die Hure aber sitzt auf dem Tier (Offenbarung 17,3).

Die Gemeinde ist das neue Jerusalem, - die Hure das große Babylon.

Die Gemeinde ist ein Organismus, durch Gottes Geist geprägt und belebt, - während Babylon
eine Weltorganisation ist, die aufgebaut wird durch Druck, Zwang und falsche Religiosität.

Während die Gemeinde arm ist, - schmückt sich die Hure mit kostbarsten Gewändern.

Die Gemeinde geht durch irdische Niedrigkeit, Verachtung und Verfolgung hindurch zur
himmlischen Herrlichkeit (Mt 10,9 f.; 24,9-13; 2. Tim 3,12). - Die Hure ist auf Geld und Macht aus
(Offb 17,4.18; 18,7.9-19); sie ist äußerlich prachtvoll, aber innerlich tot (vergleiche Offb 3,1).

Die Gemeinde paßt sich dem Zeitgeist nicht an, sondern ist Salz und Licht der Welt (Mt 5,13 ff.;
Röm 12, 1; 1. Joh 2,15-17). - Die Hure stellt sich der Welt gleich und vertauscht Gottes Geist mit
dem Zeitgeist (Offb 17,2; 18,3).

Die Gemeinde hält Jesus Christus als dem einzigen Herrn und Erlöser die Treue und lehnt jede
Religionsvermischung ab (Joh 14,6; Apg 4,12). - Die Hure betreibt "Hurerei", das heißt: sie setzt
heidnische Götzen mit dem Gott der Bibel gleich und vermischt die Religionen und Ideologien
(Offb 17,2.5.15; vergleiche Hos 1,2; 3,1).
Die Gemeinde setzt sich zusammen aus Gläubigen in allen Denominationen, die nur Gott wirklich
kennt (1. Sam 16,7; Joh 17,20-26). - Die Hure bringt die wahrhaft Gläubigen zunehmend in
Bedrängnis (Offb 17,6).

Die Gemeinde fällt nicht auf falsche Zeichen und Wunder herein, sondern orientiert sich allein am
Wort der Heiligen Schrift (Jer 23,28; 2. Tim 3,14-17). - Die Hure lenkt durch falsche Zeichen und
Wunder von den rettenden Wunden Jesu ab (vergleiche Mt 24,24; 2. Thess 2,9; Offb 13,13).

Die Gemeinde wartet auf Jesu Wiederkunft (Mt 24 f.; 2.Petr 3,11 ff.); sie bereitet Christus den
Weg, indem sie viele in seine Nachfolge ruft (Mt 24,14). - Die Hure bereitet dem Antichristen den
Weg, der sie zunächst für sein religiöses Gaukelwerk mißbraucht, um sie anschließend
fallenzulassen (Offb 17,3.16). Die Religion Babylons vermischt also sämtliche Ideologien und
Religionen miteinander und möchte sie unter Umgehung der Wahrheit Gottes zum
antichristlichen Einheitssystem verbinden: Die falsche Einheit nach Offb 17 und 18 ist am
Entstehen.

Die wahre Einheit hingegen ist die Einheit nach Johannes 17: die Einheit aller derjenigen - und
nur derjenigen! -, die an Jesus Christus als den lebendigen Sohn Gottes glauben, ihn lieben und
ihm durch alle antichristlichen Wirren hindurch die Treue halten.
Jesus Christus selber beschreibt diese wahre Einheit mit folgenden Worten in seinem Gebet zum
Vater:

"Ich bitte aber nicht allein für sie (meine Jünger), sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich
glauben werden, damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch
sie in uns sein, damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast" (Joh 17,20 f.)

Heute geht die falsche Einheit mit Riesenschritten voran. Es gibt eine "Globalisierung" in der
Politik und Wirtschaft, aber leider genauso in christlichen Kirchen und Gemeinden. Alle
Religionen und Konfessionen sollen zusammenrücken um des äußeren und inneren Friedens
willen. Einheit und Friede werden über Eindeutigkeit und Wahrheit gestellt. Der Maßstab ist nicht
mehr "allein Christus", "allein der Glaube" und "allein die Heilige Schrift", sondern eine falsch
verstandene Liebe (ohne Wahrheit), eine Selbstverwirklichungs-Ideologie und ein "Evangelium"
zum Wohlfühlen. Hier sollten wir äußerst wachsam sein.

Das Buch zur Vertiefung: Lothar Gassmann, Europa – das wiedererstehende Römische Reich?,
62 Seiten, 4,50 Euro

Anschrift des Verfassers: Dr. Lothar Gassmann, Am Waldsaum 39, D-75175 Pforzheim,

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Dave Hunt

Die Frau und das Tier

Die erstaunlichsten Prophezeiungen der ganzen Bibel finden wir in ihrem letzten Buch, das als
die Apokalypse bekannt ist.

„Er führte mich im Geist hinweg in eine Wüste; und ich sah eine Frau auf einem scharlachroten
Tier sitzen, das voller Lästernamen war und sieben Köpfe und zehn Hörner hatte“ Offenbarung
17, 3.
„Der Engel sprach . . . Ich will dir das Geheimnis der Frau sagen und des Tieres, das sie trägt. . .“
Offb 17,7.

Von all den Einblicken ist kein anderer so fesselnd wie die Vision, von der Johannes in Kapitel 17
berichtet. Es ist hier nicht das erste Mal, daß ein biblischer Prophet dieses Tier sieht. Der
Beschreibung zufolge ist es offensichtlich das gleiche schreckliche Wesen, dessen Darstellung
bereits dreimal aufgeschrieben worden ist. Johannes selbst hat es zweimal gesehen. Auch
Daniel sah es 600 Jahre zuvor. Aber in dieser letzten Vision ist plötzlich irgendetwas anders. Trat
das Tier an anderer Stelle in der Bibel in Erscheinung, dann war die ganze Aufmerksamkeit auf
dieses Tier selbst gerichtet, und es war immer allein dargestellt. Jetzt erscheint es jedoch mit
einem Reiter auf seinem Rücken. Es übersteigt unser Vorstellungsvermögen, daß jemand es
wagen könnte, ein solch ungeheuerliches Tier zu besteigen. Doch da sitzt sie, anscheinend ganz
ruhig und gelassen, rittlings auf einem weltverschlingenden Ungeheuer, jeder Beschreibung zum
Spott.

Wir haben die Frau auf dem Rücken des Tieres als die falsche Weltkirche identifiziert. Aber
weshalb sitzt gerade eine Frau auf dem Tier und nicht ein Mann? Weshalb sehen wir die falsche
Weltkirche als Frau? Wie alle anderen in Offenbarung 17 aufgeführten Merkmale, trifft auch
dieses Kriterium auf den Vatikan zu. Die für den Katholizismus mit Abstand bezeichnendste Figur
ist eine Frau. Sie überschattet alles andere, einschließlich Gott selbst.

Welche Rolle spielt Maria?

Der Maria der Katholiken werden mehr Gebete geweiht und ihr wird mehr Aufmerksamkeit und
Ehre zuteil, als Christus und dem Vater zusammen. Rund um die Welt gibt es Tausende von
Marienheiligtümern mit jährlich zig Millionen Besuchern. Manche katholischen
Führungspersönlichkeiten sagen sogar stolz, die katholische Kirche stehe mit der „Befreiung der
Frau“ im rechten Einklang mit der Zeit:
Die Position der größten Ehre und Macht kommt einer Frau zu. Im Katholizismus ist es eine Frau,
durch die allen Gnaden, Gaben, Segnungen und Macht zuteil werden – eine Frau, die, wie wir
noch sehen werden, das verblüffende Potential hat, die ganze Welt in einer Religion zu vereinen,
sogar einschließlich der Muslime.

Diese immerwährende Jungfrau ist jedoch eine Fiktion, die mit der echten Maria aus der Bibel,
einer Frau, die nicht nur Christi Mutter, sondern ebenso Josefs geliebte Ehefrau war, nichts zu
tun hat.

Und es wurde ihm [Jesus] berichtet:


Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen dich sehen. Er aber antwortete und
sprach zu ihnen: Meine Mutter und meine Brüder sind die, welche das Wort Gottes hören und
tun. – Lukas 8, 20.21.

... da erhob eine Frau aus der Volksmenge ihre Stimme und sprach zu ihm [Jesus]: Glückselig
der Leib, der dich getragen ... Er aber sprach: Gewiß, doch glückselig, die das Wort Gottes hören
und befolgen! – Lukas 11, 27.28.

Maria – eine „ewige Jungfrau“?

Die Bibel lehrt, dass Maria bis zur Geburt Jesu eine Jungfrau war. Später hatte sie eine Reihe
weiterer Kinder von ihrem Ehemann Josef. Das wird durch die Aussage klar, dass Jesus ihr
erstgeborener Sohn war und Josef sie nicht erkannte, bis Christus geboren war (Matthäus 1,25).
Wir finden mehrfach Hinweise auf Jesu Brüder und Schwestern, von denen manche sogar mit
Namen genannt sind.
Die Leute, die Jesus schon aus Nazareth kannten, wo er aufgewachsen war, waren erstaunt und
sagten: „Woher hat er diese Weisheit und die Wunderwerke?“

Dann fragten sie sich weiter: Ist er nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter
Maria und seine Brüder Jakobus und Josef und Simon und Judas? (Matthäus 13.54-56; vergl.
Markus 6,3).

Die katholische Argumentation behauptet, Christus hätte irgendeinen Makel angenommen, wäre
er von einem Leib geboren worden, der später andere Kinder empfangen und gebären sollte.
Dieses Argument entbehrt nicht nur wiederum jeder biblischen Grundlage, sondern beraubt
Christus der wahrhaftigen Erniedrigung in seiner Menschwerdung. Peter de Rosa gibt als
Katholik einige interessante Einblicke, weshalb Rom Maria auch nach der Geburt Christi keinen
geschlechtlichen Verkehr erlauben kann:
Wir haben festgestellt, daß Priester, besonders Päpste, einen Kult von der Jungfrau Maria
entwickelt haben. Für die, die im Zölibat leben, ist die ideale Frau ein geschlechtsloses Wesen,
das ein Kind geboren hat. Maria bekam ohne Geschlechtsverkehr ein Kind; das ist
Vollkommenheit.

Wenn Maria mit ihrer Antwort auf die Botschaft des Engels Gabriel tatsächlich die ewige
Jungfräulichkeit wählte, dann hat sie (wie Martin Luther herausstellte) durch ihr Einverständnis
der Ehe mit Josef Verrat begangen und den heiligen Bund der Ehe verachtet. Selbst die
katholische Kirche erlaubt es einer Frau nicht, sich nach ihrem eigenen Belieben für die
Enthaltsamkeit zu entscheiden. Auch die Bibel spricht sich dagegen aus und erklärt, daß für
Ehepaare das Ehebett Gottes Wille ist (1. Mose 1,28; 2,21-24; 1. Korinther 7,3-5) und daß es
ehrbar in allem (Hebräer 13,4) sein soll.

Die Worte Marias an Gabriel „wie wird dies zugehen, da ich von keinem Mann weiß?“ (Lukas
1,34) beziehen sich eindeutig nur auf ihren momentanen Zustand. Das war keine Erklärung ihrer
Entscheidung zum Zölibat. Wäre das der Fall gewesen, dann hätte sie nicht zur Ehe mit Josef
eingewilligt (Vers 27).

Und wenn die Behauptung ihrer ewigen Jungfräulichkeit nicht der Wahrheit entspricht, dann sind
auch alle anderen vom Katholizismus eingeführten Phantasien über Maria hinfällig (ihre
unbefleckte Empfängnis, leibliche Aufnahme in den Himmel usw.).

Maria, „Mutter Gottes“

Das maßgeblichste Buch über die „Jungfrau Maria“ des Katholizismus stammt von dem Kardinal
Alfonso de Liguori und heißt Die Herrlichkeiten Mariens. Eigentlich ist es ein Handbuch über das,
was die großen „Heiligen“ der römisch-katholischen Kirche über die Jahrhunderte von Maria zu
sagen hatten. Die Überschriften der Kapitel sind erschütternd, da sie Maria Wesenszüge,
Fähigkeiten, Titel und Aufgaben zumessen, die allein Christus zustehen: „Maria, unser Leben,
unsere Lieblichkeit“; „Maria, unsere Hoffnung“; „Maria, unsere Hilfe“; „Maria, unsere
Fürsprecherin“; „Maria, unsere Beschützerin“; „Maria, unser Heil“.

Hier ist eine Zusammenstellung von Liguoris Zitaten der Aussagen von Heiligen bezüglich Marias
Rolle für die Errettung:
Sünder erlangen Vergebung ... allein durch Maria. Der fällt und ist verloren, wer nicht seine
Zuflucht zu Maria genommen hat. Maria ist ... das Tor zum Himmel, weil niemand in dieses
gesegnete Reich eintreten kann, wenn er nicht durch sie hingeht. Der Weg zum Heil wird
niemandem geöffnet, es sei denn durch Maria ... Das Heil aller hängt davon ab, ob sie in der
Gunst und dem Schutze Mariens stehen. ... unser Heil beruht auf dir ... Gott wird uns ohne die
Fürsprache Mariens nicht erretten ...
„Mutter Gottes“? Ja, Jesus ist Gott und Maria ist seine Mutter, aber sie ist nicht die Mutter von
ihm als Gott, der er bereits vor Marias Zeit von Ewigkeit her war und ist.

Sie ist die Mutter seines natürlichen Leibes, den der Sohn Gottes annahm, als er Mensch wurde,
aber sie ist nicht die Mutter Gottes!

Die Bibel sagt über Marias Rolle: Darum spricht er [Jesus], als er in die Welt kommt: …einen Leib
hast du mir bereitet (Hebräer 10,5).

Die unbiblische Stellung, in die Maria von der römisch-katholischen Überlieferung erhoben
worden ist, zeigt sich schließlich in den ihr dargebrachten Gebeten. Die am Anfang dieses
Kapitels zitierten sind ja nur einige wenige von buchstäblich Tausenden, die deutlich machen,
daß diese falsche Maria das wahre Herzstück des Katholizismus ist.

Die meisten der zahlreichen Gebete des Katholizismus sind an Heilige und insbesondere an
Maria gerichtet, nicht an Gott oder an Christus. Außerdem bitten diese Gebete Maria, etwas für
die Katholiken oder gar für die ganze Welt zu tun, wozu sie eigentlich Gott bzw. Christus selbst
sein müßte, wenn sie das zu erfüllen imstande wäre. Am Ende der Sonntagsmesse in Denver im
August 1993 befahl der Papst die Jugend und die ganze Welt dem Schutz und der Leitung
Marias an:

Maria des Neuen Advents, wir erflehen deinen Schutz für die Vorbereitungen für das nächste
Treffen [Weltjugendtag], die nun beginnen. Maria, voll der Gnade, wir vertrauen den nächsten
Weltjugendtag dir an. Maria, aufgenommen in den Himmel, dir vertrauen wir die jungen
Menschen der Welt ... die ganze Welt an!

Maria „Himmelskönigin“

Die Zeitschrift Time schreibt, daß Maria „den neuzeitlichen Päpsten zufolge die Königin des
Universums, die Königin des Himmels, der Thron der Weisheit ...“ ist. Bei seiner Rede in Litauen
im September 1993 sprach der Papst von Maria als „Mutter der Kirche, Königin der Apostel [und]
Wohnstatt der Dreifaltigkeit“! Er empfahl den Priestern auf „Maria zu schauen ... die hier verehrt
wird ... in den Heiligtümern von Ausros Vartai und Siluva, zu denen ich noch pilgern werde! ... Ich
befehle euch alle Maria an ...!“

Eine solche Gotteslästerung wird in dem am häufigsten aufgesagten katholischen Gebet


wiederholt, dem Rosenkranz. Dieser endet mit der letzten Bitte:

„Sei gegrüßt, heilige Königin [des Himmels], Mutter der Gnade! Unser Leben, unsere Süßigkeit
und unsere Hoffnung! Zu dir flehen wir armen verbannten Kinder Evas; zu dir erheben wir unser
Seufzen und Weinen in diesem Tränental. Wende deshalb, allergnädigste Fürsprecherin, deine
Augen der Barmherzigkeit uns zu, und nach diesem unserem Elend zeige uns die gesegnete
Frucht deines Leibes, Jesus; oh gütige, oh liebende Jungfrau Maria.“

Maria ist also unser Leben und unsere Hoffnung? Der Bibel nach ist Christus unser Leben
(Kolosser 3,4)! Weshalb Maria die Hoffnung der Katholiken ist, erklärt uns Bischof Fulton J.
Sheen, den Billy Graham bewundernd als „den größten Botschafter des 20. Jahrhunderts“
bezeichnete:

„Als ich ordiniert wurde, faßte ich den Beschluß, das heilige Opfer der Eucharistie an jedem
Sonntag der gesegneten Mutter darzureichen ... All dieses macht mich sehr sicher, daß Christus,
wenn ich vor seinem Richterstuhl erscheine, er in seiner Barmherzigkeit zu mir sagen wird: „Ich
habe meine Mutter von dir reden hören.“ Im Laufe meines Lebens bin ich etwa 30mal zum
Heiligtum Unserer Lieben Frau von Lourdes gepilgert und etwa 10mal zu ihrem Heiligtum nach
Fatima.“

Welch erbärmlicher Ausdruck der Hoffnung auf die Ewigkeit – Maria wird ein gutes Wort für ihn
einlegen, weil er sich ihr geweiht hat! Was ist mit seinem Glauben an den Christus geschehen,
der für seine Sünden starb? Im Katholizismus reicht Christus mit seinem Opfer für unsere
Sünden am Kreuz allein nicht aus. Um gerettet zu werden, muß man in Marias Gunst stehen,
denn sie entscheidet, wer im Himmel sein wird, wie die vielen obigen Zitate verdeutlichen.

Sehen Marias „Augen der Barmherzigkeit“ wirklich jeden in der Welt? Ist sie wirklich die „Mutter
der Gnade“? Gab es Gottes Gnade nicht schon lange bevor Maria überhaupt geboren wurde?
Wir lesen vom „Gott der Gnade“ (Psalm 59,18) und werden ermuntert, „auf die Gnade Gottes“ zu
vertrauen (Psalm 52,10; Lukas 1,78 u.a.), aber in der ganzen Bibel lesen wir nirgends auch nur
ein Wort von Marias Gnade zur Menschheit.

Wer Gottes Gnade kennt, braucht Marias Gnade nicht. Sie müßte in der Tat allmächtig,
allwissend und allgegenwärtig sein (allein Gott zuzuschreibende Eigenschaften), um allen
Menschen ihre Gnade zu erteilen. Paulus wie auch Johannes weisen beide auf „Gnade,
Barmherzigkeit und Frieden“ hin, die den Gläubigen von Gott zuteil werden (1. Timotheus 1,2; 2.
Timotheus 1,2; Titus 1,4; 2. Johannes 3), aber an keiner Stelle finden wir einen Hinweis darauf,
daß den Christen die Gnade durch Maria erteilt wird. Doch der Rosenkranz macht uns glauben,
daß wir eher von ihrer Gnade abhängig sind, als von der Gnade Gottes.

Maria ist die „Himmelskönigin“? - Aus der Bibel lernen wir, daß Christus der König ist, aber
nirgends steht etwas von einer Himmelskönigin, geschweige denn davon, daß Maria eine solche
sei. Sofern es eine Königin geben sollte, die Christi Thron teilt, dann ist das seine Braut, die
Gemeinde aus allen Erlösten, doch die Gemeinde wird nirgends als Himmelskönigin bezeichnet.
Die einzige „Himmelskönigin“, die in der Bibel vorkommt, ist ein Götze, den die Heiden verehrten
und dem auch die jüdischen Frauen opferten und so den Zorn Gottes über sich herab riefen:

Die Kinder lesen Holz auf, und die Väter zünden das Feuer an, und die Frauen kneten den Teig,
um für die Königin des Himmels Kuchen zu machen. Und anderen Göttern spendet man
Trankopfer, um mich zu kränken ... Weil ihr [der Königin des Himmels] Rauchopfer dargebracht
und gegen den HERRN gesündigt ... habt, darum ist euch dieses Unheil widerfahren (Jeremia
7,18; 44,23).

Weit davon entfernt, über derartige heidnische Verbindungen bestürzt zu sein, trägt Rom sie
noch zur Schau. Viele Katholiken sagen voller Stolz, Maria hätte den Platz von „Maia, der
Nymphe aus der griechischen Mythologie, die durch den Himmelsgott Zeus die Mutter des
Hermes war“ eingenommen. Der Monat Mai wurde nach dieser Maia benannt, die bekannt war
als die „Maikönigin ... [und] die durch die Bemühungen der Jesuiten in die Jungfrau Maria
umgewandelt wurde ...“

Die vielfachen Marias

Im Katholizismus gibt es viele Marias, „Unsere Liebe Frau“ von hier und „Unsere Liebe Frau“ von
dort. Wo immer „Maria“ in verschiedener Gestalt auftaucht, entwickelt diese spezielle „Maria“ ihre
eigene Gefolgschaft. Die meisten Katholiken haben ihre „Lieblingsmaria“. Manche bevorzugen
„Unsere Liebe Frau von Medjugorje“, andere „Unsere Liebe Frau von Guadalupe“ oder „Unsere
Liebe Frau von Lourdes“. Papst Johannes Paul II. hat zwei „Lieblingsmarias“: die „Schwarze
Jungfrau“ von Jasna Gora, Schutzpatronin von Polen, und „Unsere Liebe Frau von Fatima“. Die
letztere erschien ihm angeblich während seiner Genesung von dem an ihm verübten
Mordversuch (der am Jahrestag ihrer ersten angeblichen Erscheinung im portugiesischen Fatima
am 13. Mai 1917 geschah). Sie hätte ihm das Leben mit einer bestimmten Absicht gerettet, sagte
sie, und würde der Welt ein Zeichen geben, das die Menschen dazu veranlassen wird, sich unter
seine geistliche Oberhoheit zu beugen. Die Zeitschrift Time berichtete:

Die Hingabe an Maria ist beim Papst bereits in seinem Heimatland Polen verwurzelt worden, wo
man die [schwarze] Madonna jahrhundertelang anrief, sie solle die Truppen der muslimischen
Türken, der schwedischen Lutheraner und, im Jahre 1920, die der Sowjet-Bolschewiken
abwenden ... Johannes Paul II. hat Marias vereinende Macht zum Herzstück seines päpstlichen
Repertoires gemacht. Er hat auf seinen Reisen rund um die Welt unzählige Marienheiligtümer
besucht und erfleht die Hilfe der Madonna in fast allen seinen Reden und Gebeten.

Die „Maria des Neuen Advents“, auf die der Papst sich in Denver bezog, steht besonders mit dem
Weltjugendtag in Verbindung, den Johannes Paul II. einige Jahre lang veranstaltet hat. Sie wurde
auch bei der Nachtwache der Pilger ausgestellt, die zum Cherry Creek Park (bei Denver) kamen,
um dort den Papst zu sehen, der in einem Hubschrauber einflog. Eine anwesende Journalistin
schrieb:

Es ist kurz nach 21.00 Uhr, als das offizielle Gnadenbild des Weltjugendtages präsentiert wird.
Dieser Teil der Nachtwache wird bezeichnet als „Verehrung des Bildnisses der Jungfrau Maria:
Unsere Liebe Frau vom Neuen Advent“, [welche] die Pilger nun zum ersten Mal sehen ... Ein
Gemälde von Maria, die Jesus noch als Kind in ihrem Leib trägt ... Die Liebe Frau vom Neuen
Advent ist das vulgärste Gnadenbild, das wir je gesehen haben ... Als der Colorado-Chor und die
Jugendchöre das „Magnifikat von Taize“ singen, nehmen zehn Jugendliche aus Denver das Bild
Unserer Lieben Frau vom Neuen Advent und tragen es durch die Schneisen des ... Gebiets nahe
der dreiteiligen Bühne. Die Menge ist mitgerissen. Blitzlichter leuchten auf ... Blumensträuße
werden rund um das Bild gestreut ...

Am nächsten Tag kehrte der Papst in seinem Hubschrauber zurück. Die Pilger, die vor Kälte
zitterten (weil sie die Nacht über versucht hatten, auf dem Boden zu schlafen), begrüßten ihn
wieder mit erneuerter Begeisterung. Er zelebrierte dort die Messe, und die 3.000 Priester
brauchten mehrere Stunden zum Verteilen der Hostien an die 375.000 Anwesenden. Bei seiner
Rede rief der Papst zeitweilig Maria im Himmel persönlich an und sprach:

Mit meinem Herz voller Lob für die Himmelskönigin, dem Zeichen der Hoffnung und die Quelle
des Trostes auf unserer Glaubenspilgerreise zum himmlischen Jerusalem, begrüße ich euch alle,
die ihr bei diesem feierlichen Gottesdienst dabei seid ... Dieser Gottesdienst ist dir geweiht,
Maria, als die mit der Sonne bekleidete Frau ... Oh mit der Sonne bekleidete Frau ... die Jugend
der Welt grüßt dich mit so reichlicher Liebe ... In Maria ist der endgültige Sieg des Lebens über
den Tod bereits Wirklichkeit ... Oh Maria ... als Mutter der Kirche führst du uns immer noch von
deinem Platz im Himmel aus und ... hilfst uns, durch die Bekämpfung der Sünde in der Heiligkeit
zu wachsen. (Kathleen R. Hayes, NRI-Trumpet 1993)

Die kultische Verehrung Marias

Bereits 1854 hatte Pius IX. als Vorversuch ein unfehlbares Dogma erlassen. Die Kirche nahm es
bereitwillig an, denn es ging um die stets beliebte „Jungfrau Maria“. Auf seine eigene Initiative –
durch seine eigene Autorität und allein dastehend ohne jedes Konzil oder das Lehramt auf seiner
Seite – verkündete Pius IX. als Dogma, daß alle Katholiken die Unbefleckte Empfängnis Mariens
anzunehmen haben: Sie sei „vom ersten Augenblick ihrer Empfängnis an ... von jedem Makel der
Erbsünde verschont...“

Am 1. November 1950 verkündete Papst Pius XII. in seiner apostolischen Konstitution


Munificentissimus Deus eine angeblich unfehlbare ex cathedra-Erklärung, daß „die unbefleckte
Mutter Gottes und ewige Jungfrau Maria am Ende ihres Lebens mit Leib und Seele in den
Himmel aufgenommen worden ist“. In dieser Konstitution behauptete der Papst, das Dogma der
Aufnahme Mariens in den Himmel sei in der Kirche von Anfang an einmütig geglaubt worden und
durch die Bibel gänzlich unterstützt. Das Dogma war der frühen Kirche jedoch in Wirklichkeit
unbekannt und ist durch die Bibel in keinster Weise unterstützbar. Solche päpstlichen
Erklärungen waren lediglich Antworten auf die verbreiteten Gefühle der Katholiken und trugen zu
dem wachsenden Marienkult bei.

Der Marienkult entwickelte sich allmählich, als der Abfall zunehmend an Schwung gewann. Ignaz
von Döllinger erläutert:

Weder die neutestamentlichen Schriften, noch die älteren Kirchenlehrer enthalten etwas von den
Schicksalen der heiligen Jungfrau nach dem Tode Christi. Erst zwei apokryphische Schriften aus
der Zeit zwischen dem 4. und 5. Jahrhundert, wovon die eine dem Apostel Johannes, die andere
dem Bischof Melito von Sardes zugeschrieben wurde, liefern den Stoff zu der Sage, daß auch
der Leib Mariens in den Himmel aufgenommen worden sei.

Die römisch-katholische Kirche streitet ab, daß Maria angebetet wird. Ihr wird angeblich nur
Hyperdulie, den Heiligen Dulie, Christus hingegen Latrie zuteil. Aber betrachten wir einmal dieses
unter Katholiken verbreitete Gebet: „Jesus, Maria und Josef, ich gebe euch mein Herz und meine
Seele.“ Weshalb werden Herz und Seele nicht allein an Jesus gegeben? Weshalb noch an
jemand anders? Nur Gott verlangt „unser Herz und unsere Seele“ – und sicherlich hat auch nur
Gott einen Anspruch darauf. Wie kann man jemandem sein Herz und seine Seele geben, ohne
diese Person anzubeten? Es steht unbestreitbar fest, daß unter Katholiken die Hingabe an Maria
die Hingabe an Gott bzw. Christus bei weitem übersteigt.

Mariologie und Marienkult

Es gibt konservative Katholiken, in deren Augen Papst Johannes Paul II. der Verräter ihrer Kirche
ist, weil er andere Religionen akzeptiert. Doch in seiner Hingabe an Maria sind sie mit ihm
vereint. Die einflußreiche Darlegung des Papstes über seinen Ökumenismus mit dem Titel
Petrus, liebst du mich? ist „dem Unbefleckten Herzen der Allerheiligsten Jungfrau Maria“ geweiht.

Wenn Marias Herz unbefleckt ist, dann muß sie sündlos gewesen sein. Doch die Bibel sagt
eindeutig: „Alle haben gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes“ (Römer 3,23). Maria
selbst freute sich über Gott als ihren Heiland (Lukas 1,47), und nur Sünder brauchen einen
Heiland. Christus sagte klar: „Niemand ist gut als nur einer, Gott“ (Markus 10,18). Da gibt es auch
für Maria keine Ausnahme.

Was als Mariologie begann, wurde allmählich zum Marienkult, wie es die Tausende von
Mariengebeten bezeugen, die ihr von der Errettung bis zur Allmacht alles zuschreiben. Ein
bekanntes Traktat mit dem Titel „Der Rosenkranz, dein Schlüssel zum Himmel“ erklärt:

Der Rosenkranz ist ein Mittel zum Heil, denn ein wahres Kind Mariens geht niemals verloren, und
wer täglich den Rosenkranz betet, ist wahrhaft ein Kind Mariens ... Maria ist unsere allmächtige
Fürsprecherin, und sie kann vom Herzen ihres göttlichen Sohnes alles erhalten, was für ihre
Kinder gut ist…

Die Bibel spricht nirgends davon, daß jemand ein „Kind Mariens“ wird. Nach dem biblischen
Evangelium werden wir „Söhne Gottes durch den Glauben in Christus Jesus“ (Galater 3,26).

Ja, der Katholizismus erkennt an, daß Christus der einzige Mittler zwischen Gott und Menschen
ist (1. Timotheus 2,5), aber Maria ist die Mittlerin zwischen den Menschen und Christus, „der
kurze Weg zu Jesus“.

Die Bibel spricht sehr deutlich davon, daß wir durch Jesus Christus zum Vater kommen
(Johannes 15,16; 16,23). An keiner Stelle finden wir die leiseste Andeutung, daß wir durch Maria
zu Christus kommen müssten.

Maria zertritt den Kopf der Schlange

In 1. Mose 3,15 finden wir die erste Verheißung des Messias. Gott spricht hier zur Schlange
[Satan]: „Ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und
ihrem Samen; er [der Same der Frau, d.h. der von einer Jungfrau geborene Messias] wird dir [der
Schlange] den Kopf zermalmen, und du [Satan], du wirst ihm [dem Messias] die Ferse
zermalmen.“ Doch die katholischen Übersetzungen dieses Verses lasen jahrelang: „... sie [die
Frau] wird dir den Kopf zermalmen.“

Johannes sah eine Frau auf dem Rücken des Tieres. Ist das ein Hinweis auf die strategische
Rolle, die Roms betrügerische „Maria“ bei der Vorbereitung der Welt auf den Antichristen spielen
wird? Diese Möglichkeit sollten wir sorgfältig untersuchen.

Die zukünftige Neue Weltordnung

Das Nachrichtenmagazin Time berichtet, rund um die Welt habe es so viele Erscheinungen der
„Jungfrau Maria“ gegeben, daß das „ausgehende 20. Jahrhundert zum Zeitalter der
Marienwallfahrten“ zu den vielen Heiligtümern geworden ist, die man zum Gedächtnis an diese
Erscheinungen errichtet hat. Allein in Frankreich gibt es 937 Marienheiligtümer. Von 1961 bis
1965 kam es im nordwestspanischen Dorf Garabandal zu etwa 2.000 Visionen, begleitet von
okkulten Phänomenen und apokalyptischen Botschaften an die Welt. Im Jahre 1983 sahen
Hunderte von palästinensischen Arabern „die Jungfrau Maria“ in der Nähe von Bethlehem. Sie ist
in jedem Winkel der Welt erschienen:

Da gibt es noch Dozule ... und Kibeho in Rwanda ... Erscheinungen unserer Lieben Frau im
japanischen Akita ... Erscheinungen in Chile, in Australien und in Polen ... in Kanada ... Kairo,
Amsterdam, New York u.a.m.

Diese Erscheinungen haben Millionen Menschen zum Glauben an die Maria des Katholizismus
geführt. Die Heiligtümer im französischen Lourdes ziehen alljährlich etwa 5,5 Millionen Pilger an;
5 Millionen kommen zur Schwarzen Madonna in Polen; Fatima in Portugal zieht jährlich stets 4,5
Millionen Pilger aus immer mehr Ländern an. Seitdem Johannes Paul II. das Marienheiligtum im
irischen Knox besucht hat, verdoppelte sich die Besucherzahl auf 1,5 Millionen Menschen pro
Jahr. Um den Andrang zu bewältigen, eröffnete man 1986 einen neuen Flughafen in Knox. In
Orlando in Florida ist kürzlich ein Heiligtum der „Maria, Königin des Universums“ eröffnet worden.
Das Heiligtum Unserer Lieben Frau von Guadalupe bei Mexiko City zieht jedes Jahr an die 20
Millionen Besucher an!

Rund um die Welt wird Marias wirksamer Schutz gefeiert. Unsere Liebe Frau von Lanka, der man
zuschreibt, während des 2. Weltkriegs eine japanische Invasion verhindert zu haben, ist seit 1948
die Patronin von Sri Lanka. Unsere Liebe Frau von Copacabana ist Patronin der bolivianischen
Marine ... Unsere Liebe Frau von Coromoto Patronin von Venezuela. Der polnische Präsident
Lech Walesa pilgerte nach Fatima, wo er Dankgebete für die Befreiung Polens darbrachte.
Johannes Paul II. glaubt, daß „Maria dem Kommunismus in ganz Europa ein Ende gemacht hat“.
Moskaus Erzbischof Kondrusiewicz pilgerte im Jahre 1991 aus gleicher Überzeugung nach
Fatima, worüber das sowjetische Nationalfernsehen zur besten Sendezeit berichtete. In Moskau
soll in Kürze aus Dank für ihren Sieg über den Kommunismus ein Heiligtum „Unserer Lieben Frau
von Fatima“ errichtet werden, die unmittelbar vor dem Fall der Berliner Mauer in der Sowjetunion
erschienen war. Kondrusiewicz möchte, daß ihr Heiligtum zu einem immerwährenden Gedächtnis
an diese große Eroberung wird.

Die Erscheinungen verkünden in übereinstimmender Weise die zukünftige Welteinheitsreligion


des Antichristen: Alle Religionen sind im Grunde genommen gleich und müssen sich
zusammentun, um Frieden zu erlangen. Maria bietet ein ökumenisches Evangelium an, das von
Katholiken, Protestanten, Muslimen und Juden angenommen werden kann und erklärt: Jeder
betet Gott auf seine eigene Weise an mit Frieden im Herzen. Das sagt Unsere Liebe Frau von
Medjugorje im Süden von Bosnien-Herzegowina, wo die Visionäre behaupten, die Jungfrau sei in
den letzten 13 Jahren täglich erschienen.

Erscheinungen und die offizielle katholische Lehre

Die Marienerscheinungen würden wohl kaum so große Gefolgschaften anziehen, wenn die
offiziellen Dogmen das nicht unterstützten. Den Katholiken wird beigebracht, zu Maria zu beten,
und man verspricht ihnen, sie werde sie vor jeder Gefahr beschützen und jeden Wunsch
gewähren. Der neue Katechismus der katholischen Kirche erklärt mit einem Zitat vom 2.
Vatikanum: „Schon seit ältester Zeit wird die selige Jungfrau unter dem Titel der ‚Gottesgebärerin‘
verehrt, unter deren Schutz die Gläubigen in allen Gefahren und Nöten bittend Zuflucht nehmen.“
Hier haben wir offizielle katholische Lehre von oberster Stelle, die Maria eine Autorität und Macht
zuschreibt, welche allein Gott zusteht!

In der ganzen Bibel gibt es nicht ein Gebet an Maria, nicht einen Fall, daß sie jemandem auf
wunderbare Weise geholfen hätte, und auch keine Verheißung, daß sie das könnte oder täte.
Von Mose bis zur Offenbarung wird Schutz und Hilfe allein bei Gott bzw. Christus gesucht, allein
von Gott bzw. Christus verheißen und allein dort gefunden. Das belegen Hunderte von Versen,
von denen die folgenden nur eine kleine Zusammenstellung sind:

Eine Zuflucht ist der Gott der Urzeit, und unter dir sind ewige Arme (5. Mose 33,27). Gott ist
unsere Zuflucht und Stärke, als Beistand in Nöten reichlich gefunden (Psalm 46,2). Auf Gott ruht
mein Heil ... der Fels meines Schutzes, meine Zuflucht ist in Gott (Psalm 62,8). Ich sage zum
HERRN: Meine Zuflucht ... mein Gott, ich vertraue auf ihn (Psalm 91,2). Fürchte dich nicht ... ich
helfe dir, spricht der HERR, und dein Erlöser ist der Heilige Israels (Jesaja 41,14). Herr [Jesus],
rette mich! (Matthäus 14,30). Herr [Jesus], hilf mir! (Matth. 15,25). Laßt uns nun mit Freimütigkeit
hinzutreten zum Thron der Gnade [Gottes], damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade
finden zur rechtzeitigen Hilfe! (Hebräer 4,16).

Der unendlich machtvolle und liebende Gott, und Christus (der eins ist mit dem Vater), haben
über die Jahrhunderte alle, die auf ihn vertrauten, wie verheißen beschützt. Weshalb sollte dann
jemand Maria anrufen? Ist sie vielleicht mächtiger als Gott oder hat sie mehr Mitleid oder ist sie
verläßlicher oder antwortet sie schneller? Obwohl es die meisten Katholiken abstreiten würden,
hat „Maria“ in heimtückischer Weise die christliche Dreieinigkeit ersetzt. Dem Bildnis Unserer
Lieben Frau von Guadalupe hat man während seiner letzten Reise durch die USA Wundertaten
zugeschrieben. Die Ehrerbietungen, mit denen es in Mexiko empfangen wurde, sehen u.a. wie
folgt aus:

Die öffentlichen Busse in den Außenbezirken von Mexiko City haben blumengeschmückte
Gnadenbilder der Jungfrau auf ihren Armaturenbrettern, mexikanische Fabriken hängen vielfach
Bilder der Jungfrau auf, um von schlechtem Benehmen abzuschrecken, und Zigtausende der
alljährlichen Pilger der Basilika beenden ihre Reise rutschend auf ihren Knien.

Maria um Hilfe und Schutz anzuflehen bedeutet, daß sie Gott zumindest an Macht gleichkommt
und vor Gott bzw. Christus bevorzugt wird. Das ist nicht die Maria der Bibel, sondern die Frau, die
auf dem Tier sitzt. Der Glaube an die Maria des Katholizismus, gefördert durch die Tausende von
Erscheinungen, bereitet vielleicht wie nichts anderes den Weg für eine Welteinheitsreligion, eine
Neue Weltordnung und die Herrschaft des Antichristen.

Die einzigartige Rolle der erstaunlichen Maria

Die Frauen von heute setzen sich weltweit mehr durch, als jemals zuvor in der Geschichte.
Entgegen der landläufigen Meinung, „stiften Frauen den meisten Familienkrach an [und] schlagen
die Männer häufiger und heftiger [als die Männer die Frauen]“, und in lesbischen Beziehungen
gibt es weit mehr Gewalt, als in Beziehungen zwischen Mann und Frau (USA-Today,1994).
Frauen übernehmen, was einst Aufgabe der Männer war, und auch in den höchsten Ebenen des
leitenden Managements, der Politik und der Religion finden sie zunehmend Anerkennung. Gott
allein kann Johannes vor 1900 Jahren eine Vision gegeben haben, die sich heute so genau erfüllt
– eine Frau hat die Kontrolle.

Von den heutigen Entwicklungen her erscheint es unumgänglich, daß eine Frau das Tier reiten
muß. Und von allen Frauen der Geschichte kann es keine mit der allmächtigen, allwissenden und
allgegenwärtigen „Maria“ aufnehmen. Kann es vielleicht sein, daß sie als Vorbereitung auf ihre
einzigartige Rolle in der Neuen Weltordnung auf dem Rücken des Tieres derzeit Millionen rund
um die Welt in einem blendenden Machterweis erscheint? Das Drehbuch ist genial! Johannes
Paul II. sagte:

Maria ... sollte alle begeistern, die in der apostolischen Mission der Kirche für die Wiedergeburt
der Menschlichkeit mitwirken ... Die Kirche reist durch die Zeit ... auf dem Weg, den die Jungfrau
Maria bereits vorgezeichnet hat.

Die ökumenische Macht dieser Maria liegt darin begründet, daß sie eine neue Gottheit darstellt,
die für die Anhänger aller Religionen annehmbar ist – eine weibliche Gottheit im Gleichschritt mit
dem Zeitgeist von heute. Selbst die Protestanten finden sie attraktiv. Bei einer Frauenkonferenz
im November 1993 „sprachen über 2.000 Teilnehmerinnen ein Gebet zu ... einer weiblichen
Gottheit ... [und] in einem der heiligen Kommunion nachempfundenen Ritual nahmen die Frauen
zur Ehre der Gottheit Milch und Honig zu sich“. - Eine uns fernliegende New-Age Veranstaltung?
Nein, „die meisten Teilnehmerinnen repräsentierten vornehmlich protestantische Denominationen
...“ Eine lutherische Pastorin „sagte stolz, daß der Name Jesus Christus nicht genannt wurde“
und andere Gemeindeleiter forderten die Anwesenden auf, „die patriarchale Vorstellung eines
Vater-Gottes“ umzustürzen. Die koreanische Theologin Chung Hyun Kyung „drängte die
Christen, eine ‚neue Dreifaltigkeit‘ aus buddhistischen, hinduistischen und philippinischen
Göttinnen anzunehmen“ (Charisma, Mai 1994).

Der Katholizismus ist ein Sprung nach vorn. Seine „Maria“, eine für alle Religionen geeignete
Göttin, wird bereits von einem Viertel der Weltbevölkerung angebetet. Außerdem hat sich ihre
Tauglichkeit zur Beherrschung einer loyalen Menschenmasse jahrhundertelang auf nationaler
Ebene erwiesen:

Maria war im Jahre 1037 die „erklärte Königin des ukrainischen Volkes“, und der hl. König
Stephan hatte ihr etwa zur gleichen Zeit Ungarn geweiht. „Richard II. weihte im Jahre 1381
England feierlich als ‚ihre Mitgift‘ an Maria ...“ Frankreich wurde im Jahre 1638 auf Befehl
Ludwigs XIII. an Maria geweiht, welcher sagte: „Wir weihen ihr insbesondere unsere Person,
unseren Staat, unsere Krone und unsere Untertanen“; Polen im Jahre 1656 durch König Kasimir.
Alle „südamerikanischen Kolonien Spaniens wurden Maria im Jahre 1643 durch eine ‚feierliche
Einsegnung‘ unter dem Befehl König Philips IV. geweiht“, und 1664 geschah gleiches „für
Portugal und alle seine Kolonien auf die Anregung König Johanns IV. hin ... Österreich im
darauffolgenden Jahr“ usw. Im Jahre 1846 schrieben die Bischöfe von Amerika: „Wir ... stellen
uns selbst samt allen, die unserem Amt vertrauen ... unter die besondere Schirmherrschaft der
heiligen Mutter Gottes ...“ (Soul Magazine April 1993)
Maria und der Islam

Man kann sich leicht vorstellen, wie Buddhisten, Hinduisten, New-Ager und Liberale – wie auch
Katholiken und Protestanten – sich zu einer Welteinheitsreligion vereinen, aber die Milliarde
Muslime stellt ein besonderes Problem dar. Maria scheint jedoch eine Besonderheit zu sein,
durch die selbst die Muslime zu einem universalen Glauben geführt werden können. Eine
britische katholische Zeitung (The Tablet 1992) berichtet, daß „eine marianische Erweckung sich
über ganz Afrika ausbreitet, begleitet von angeblichen Erscheinungen der Jungfrau Maria, die
auch unter den Muslimen eine Gefolgschaft versammeln ...“

Afrikanische Muslime sehen selbst Erscheinungen der Jungfrau Maria und „werden nicht
aufgefordert, Christen zu werden“, um ihr folgen zu können. Die Zeitschrift Our Sunday Visitor
weist auf die große Ehre hin, die Maria im Koran zuteil wird, und auf die verdächtigen
Verbindungen zwischen ihr und Mohammeds Lieblingstochter Fatima.

Bischof Fulton J. Sheen schrieb ein interessantes Buch (Mary and the Moslems – The World`s
First Love 1952), in dem er die Voraussage aufstellte, daß der Islam sich „durch die Aufforderung
an die Muslime zur Verehrung der Mutter Gottes“ zum Christentum bekehrt. Er schreibt dazu:

„Der Koran ... enthält viele Abschnitte über die selige Jungfrau. Zunächst glaubt der Koran an ihre
Unbefleckte Empfängnis wie auch an ihre Jungfrauengeburt ... Dann ist Maria für die Muslime die
wahre Sayyida, oder Liebe Frau. Die einzige, die ihr möglicherweise und ernsthaft diese Stellung
streitig machen könnte, ist Fatima, die eigene Tochter Mohammeds. Aber nach dem Tode
Fatimas schrieb Mohammed: „Du sollst die gesegnetste aller Frauen im Paradiese sein, nach
Maria.“

Sheen fährt fort und sagt, wie bemerkenswert es sei, daß „Unsere Liebe Frau die Weitsicht hatte,
in dem portugiesischen Dörfchen namens Fatima zu erscheinen (das nach der Tochter
Mohammeds während der muslimischen Besatzung benannt wurde) und so als Unsere Liebe
Frau von Fatima bekannt wurde. Wenn in Afrika, Indien oder sonstwo eine Statue „Unserer
Lieben Frau von Fatima“ durch muslimische Gebiete getragen wird, strömen die Muslime
tatsächlich zu Hunderten herbei, um sie zu verehren.“ Innerhalb von zwei Tagen kamen im
indischen Bombay schätzungsweise 500.000 zur Ehrerbietung dieses Abgottes herbei.

Maria und Johannes Paul II.

Niemand ist mehr von der Echtheit der Erscheinungen in Fatima überzeugt, als der gegenwärtige
Papst. Und niemand zeigt auch eine größere Hingabe an Maria. Johannes Paul II., der „sich
selbst und sein Pontifikat ganz Unserer Lieben Frau geweiht hat, trägt das M an seinen
Gewandsärmeln, und sein persönlicher Wahlspruch lautet totus tuus sum Maria (Maria, ich bin
ganz dein). Der Papst hat für seine besondere Hingabe ungewöhnliche persönliche Gründe. Der
Mordversuch an ihm wurde am 13. Mai 1981 verübt, dem Jahrestag der ersten angeblichen
Erscheinung der Jungfrau vom 13. Mai 1917 in Fatima. Während seiner Genesung sagte sie ihm
in einer Vision, daß sie ihm sein Leben für eine bestimmte Aufgabe für den Friedensprozeß
gerettet habe, die er zu erfüllen hätte.

Als Johannes Paul II. nach seiner Gesundung in den Vatikan zurückkehrte, betete er an den
Gräbern seiner direkten Vorgänger und sagte:

„Hier könnte nun ein weiteres Grab sein, aber die selige Jungfrau ... hat es anders gewollt.“ Voll
Dank und Ehrerbietung fügte er hinzu: „Bei allem, was an jenem Tag geschah, fühlte ich die
außerordentliche mütterliche Bewahrung und Fürsorge, die sich stärker als die tödlichen Kugeln
erwies.“

Wozu brauchst du also Gott, wenn du im Schutz Mariens stehst? Der dankbare Papst unternahm
am 13. Mai 1982 eine feierliche Wallfahrt nach Fatima, wo er vor der Statue Unserer Lieben Frau
von Fatima betete. Tausende hörten ihn sprechen und die Welt an Maria weihen, so wie sie es
gefordert hatte.“ Bei mindestens drei weiteren Gelegenheiten, am 16. Oktober 1983, am 25. März
1984 und am 8. Dezember 1985 ... weihte er die Welt an Unsere Liebe Frau“ und nannte dabei
insbesondere das russische Volk… Jetzt, da die Berliner Mauer gefallen ist und der
Sowjetkommunismus sich in ganz Osteuropa aufgelöst hat, schreibt man darin Unserer Lieben
Frau von Fatima die Erfüllung ihrer Verheißung zu, daß bei einer Weihe der Welt und Rußlands
an ihr Unbeflecktes Herz durch die Päpste und Bischöfe, Rußland sich bekehren und Frieden
sein wird“ (The Fatima Crusader, 1986).

Eine solche Aussage steht in vollem Gegensatz zu den klaren Lehren der Bibel, die „Frieden mit
Gott durch unseren Herrn Jesus Christus“ (Römer 5,1) als bedingungsloses Geschenk der
Gnade Gottes anbietet – einen Frieden, der „durch das Blut seines Kreuzes“ (Kolosser 1,20)
gebracht worden ist. Durch den Glauben an das Evangelium kommt der Friede zu jedem
einzelnen. Weltfriede kann nur dann aufgerichtet werden, wenn Christus wiederkehrt und, wie
von den Propheten vorausgesagt, von Jerusalem aus seine Herrschaft antritt.

Doch die Maria des Katholizismus ist als die eine, durch die der Friede kommen soll, an die Stelle
Christi getreten, und der jetzige Papst und seine Kirche unterstützen diese Irrlehre. Die heutige
Welt (einschließlich derjenigen, die sich selbst Christen nennen) ist nur allzu bereit, eine Lösung
für ihre Probleme anzunehmen, die Christus außen vor läßt. Daß die Frau auf dem Rücken des
Tieres sitzt, scheint daraufhinzudeuten, daß diese Pseudomaria der Erscheinungen bei dem
falschen Frieden, durch den der Antichrist „viele vernichten wird“ (Daniel 8,25), eine
Schlüsselrolle spielt. Die Gestalt, die als Jungfrau von Fatima erschien und verkündete, daß der
Herr „ihr den Frieden der Welt anvertraut hat“, bietet anstelle von Christus ihren eigenen
Friedensplan an: Betet täglich den Rosenkranz, damit in der Welt Frieden wird ...

Ein verführerischer Geist

Jeder Papst der vergangenen 60 Jahre hat Unsere Liebe Frau von Fatima verehrt. Die Weihe an
ein mystisches „Unbeflecktes Herz“ ist an die Stelle der Hingabe an Christus getreten, und der
Gehorsam zu „Unserer Lieben Frau“ bringt den Frieden. Die Erscheinung ist gewiß nicht Maria! In
Fatima sagte die Erscheinung, die für sich selbst die Autorität Christi beansprucht: Ich werde
euch niemals im Stich lassen. - Das ist die Verheißung Christi an seine Jünger, und sie setzt
Allgegenwart voraus, eine allein Gott zustehende Eigenschaft.

Diese „Erscheinungen“ stehen eindeutig dem biblischen Evangelium der Errettung allein aus
Gnade durch Glauben an das vollbrachte Opfer Christi entgegen und glorifizieren an seiner Stelle
eine falsche Maria. Ein „verführerischer Geist“ (1. Timotheus 4,1) ist am Werk.

Der Jesus des Katholizismus: Maria untergeordnet

Den Erscheinungen schreibt man zu, daß sie die Menschen auf Jesus hinweisen, doch bei den
Pilgern an den Marienwallfahrtsorten ist nur wenig von einer wirklichen Hingabe an Christus zu
erkennen. Immer und immer wieder betet man den Rosenkranz, und ständig ist die Rede von
Maria anstatt von Gott bzw. Christus. Ihr gilt die ganze Hingabe, und die Pilger sehen sich selbst
als ihre Knechte an, die ihren Willen erfüllen.

Außerdem ist der Jesus, der in den Erscheinungen vorgestellt wird, eine Fälschung und stets
Maria untergeordnet. Am 15. Februar 1926 erschien „das Jesuskind“ wieder und drängte die
Katholiken, „diese Hingabe und Wiedergutmachung an das Unbefleckte Herz seiner heiligen
Mutter zu verbreiten“. Dabei erklärte es, daß dem Unbefleckten Herzen Marias
Wiedergutmachung geleistet werden müsse, damit die Menschheit gerettet wird! Das ist
wiederum Gotteslästerung der schlimmsten Art. Die wirkliche Mutter Jesu oder er selbst würden
das niemals verlangen. Christus ist kein Kind mehr und würde deshalb nicht mehr in dieser
Gestalt erscheinen – und wozu sollte er das auch? Als er für unsere Sünden starb, war er ein
erwachsener Mann, und jetzt sitzt er mit einem verherrlichten Auferstehungsleib zur Rechten des
Vaters. Die Vorstellung, Christus sei immer noch ein kleines Kind in Begleitung seiner Mutter,
widerspricht allem logischen Denken, der Wirklichkeit und vor allem der Bibel.

Doch wer kein Problem mit dem Glauben daran hat, Millionen einzelner Hostien würden sich in
den tatsächlichen stofflichen Leib Christi verwandeln, „ganz und völlig“, hat auch keine
Schwierigkeit zu glauben, daß Christus als kleines Kind auf der Erde erscheint, obwohl er
gleichzeitig als erwachsener Mann mit seinem Auferstehungsleib im Himmel ist. Außerdem sagte
der wirkliche Jesus nach seiner Auferstehung zu seinen Jüngern, daß „allen Nationen in seinem
Namen Buße zur Vergebung der Sünden gepredigt werden“ sollte (Lukas 24,47). Paulus sagte in
seiner Predigt, daß „durch diesen [Jesus] euch Vergebung der Sünden verkündigt wird, und von
allem, wovon ihr durch das Gesetz Moses nicht gerechtfertigt werden konntet, wird durch diesen
jeder Glaubende gerechtfertigt“ Apostelgeschichte 13,38.39). In der Bibel gibt es keinen Hinweis
darauf, daß man Maria Wiedergutmachung wegen Sünden leisten müsse, und erst recht nicht
darauf, daß dies „für die Rettung der Menschheit“ notwendig sei. Alle Erscheinungen
präsentieren in dreister Weise ein falsches Evangelium der Errettung durch Maria und des
üblichen sakramentalen Katholizismus des Fegefeuers, der Rituale und der Werke.

Hier sehen wir ganz eindeutig das, wovor Paulus warnte und sagte, es geschehe in den letzten
Tagen: „...manche werden vom Glauben abfallen, indem sie auf verführerische Geister und
Lehren von Dämonen achten“ (1. Timotheus 4,1). Was diese Erscheinungen lehren, ist definitiv
Lehre von Dämonen, die die Hinlänglichkeit von Christi Tod für unsere Sünden leugnen, seine
Stellung als Herr über alles abstreiten und eine falsche Maria über ihn erheben.

Die Wiederbelebung der alten römischen Religion

Die weltweite Wiedererstehung des Römischen Reichs unter dem Antichristen wird offenbar von
einer Wiederbelebung seiner Religion begleitet sein, die, wie wir gesehen haben, in einem
Heidentum besteht, das unter einem dünnen Anstrich christlicher Terminologie überlebt hat. Es
ist schließlich als römischer Katholizismus bekannt geworden. Statuen von
Fruchtbarkeitsgöttinnen wurden in Maria umbenannt. Von den römischen Kaisern fertigte man
Bildnisse an, und wer sich weigerte, sich vor diesen niederzuwerfen und den Kaiser als Gott
anzubeten, wurde getötet. Als Nachfolger der römischen Kaiser ließen auch die Päpste all jene
umbringen, die ihnen und ihrer Religion die Untertänigkeit verweigerten. Das ist unbestreitbare
Geschichte, von der die Bibel sagt, daß sie sich unter dem Antichristen wiederholen wird:

[Es wurde befohlen] dem Tier [dem Antichristen] ... ein Bild zu machen ... [und] das Bild des
Tieres ...bewirkte, daß alle getötet wurden, die das Bild des Tieres nicht anbeteten (Offenbarung
13,14.15).

Der Antichrist wird nicht ein Papst sein, jedoch wird ein Papst seine rechte Hand sein, der falsche
Prophet aus Offenbarung 13,11-17; 19,20 und 20,10. Wenn der Papst zur Zeit irgendwo auftritt,
kann man jedoch eine ihm entgegengebrachte Verehrung beobachten, die der gleichkommt, die
die Welt dem Antichristen zollen wird, wenn sie ihn als Gott anbetet.

Erschreckend aufschlussreich ist folgender Bericht vom Weltjugendtag in Denver 1993:

„In seiner weißen Tracht besteigt Johannes Paul II. die Stufen zu seinem Stuhl, einem
thronartigen Gebilde aus Eichenholz. Noch einmal winkt er den stehenden Pilgern zu, dann steigt
er hinauf und setzt sich ... Die Musik spielt sanft weiter, als ein Jugendlicher vom Internationalen
Jugendforum von der Vorbühne verliest:

„Ich sah eine große Volksmenge, die niemand zählen konnte, aus jeder Nation und aus Stämmen
und Völkern und Sprachen vor dem Thron und vor dem Lamm stehen, bekleidet mit weißen
Gewändern und Palmen in ihren Händen. Und sie rufen mit lauter Stimme und sagen: Das Heil
unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm!“

Die Bedeutung dieser besonderen Schriftstelle in diesem Zusammenhang ... schlug bei den
Protestanten Alarm und versetzte sie in Furcht und Schrecken. Die Verse stammen aus
Offenbarung 7,9-10 und stellen den Blick auf Christus und seinen Thron im Himmel dar. „Die
große Volksmenge, die niemand zählen konnte“ ist die wahre Kirche, die Gemeinde, die Braut ...
Im Cherry Park sitzt jedoch der Papst auf einem Thron vor Jugendlichen aus vielen Nationen und
Sprachen. Sie jubeln ihm zu, als diese Schriftstelle vorgelesen wird. Gibt der Papst sich
einschmeichelnd als Christus auf seinem Thron und die Jugendlichen zu seinen Füßen als seine
Schafe aus ...? ... Die Arroganz ist überwältigend, obgleich Johannes Paul einen demütigen
Eindruck vermittelt. Wer sich mit der Bibel nicht auskennt und auch die Bedeutung der polnischen
Hymne nicht kennt, sieht und merkt nichts von dieser Arroganz. Er sieht und fühlt Liebe.

Papst Johannes Paul II. hat offenbar einen Geist von gewaltiger verführerischer Kraft ... Er läßt
sich Abba/Vater nennen und sitzt dabei in weißen Gewändern auf einem Thron ... In ihren
nationalen Trachten gekleidete Jugendliche, die jeden Kontinent repräsentieren, kommen mit
ihren Nationalflaggen nach vorn. Sie betreten die Mittelstufen und plazieren ihre Flaggen auf dem
Podium, buchstäblich zu den Füßen Johannes Pauls. (Hayes, Trumpet, 1993)

Das alte Spiel beginnt von vorn

Die heidnischen Römer, die den Kaiser anbeteten, waren geistig nicht eingeschränkt. Sie hatten
viele Götter und tolerierten ein breites Glaubensspektrum. Die Christen verfolgte man nicht
aufgrund ihres Glaubens an Jesus Christus, sondern weil sie an ihn allein glaubten und neben
dem Gott der Bibel keine anderen Götter akzeptierten. Der Katholizismus toleriert in ähnlicher
Weise jede Religion und gestattet seinen Mitgliedern, von Yoga bis Voodoo alles zu praktizieren,
solange sie nur in der Kirche bleiben. Sowohl die öffentliche Meinung als auch die Gesetzgebung
unterstützen die gleiche Haltung. In Kanada und den Vereinigten Staaten (und anderswo) stellt
man „Haßgesetze“ auf, die Äußerungen, jemand läge mit seiner Religion oder seinen
Moralvorstellungen falsch, zu einem Verbrechen erklären. So wird es auch wohl bald
gesetzeswidrig sein, wenn man sagt, Homosexualität sei Sünde oder irgendeine Religion sei
falsch. Der von den USA und vielen anderen Ländern unterzeichnete „Völkermord-Vertrag“ (ist
noch nicht in Kraft getreten,) macht es bereits zu einem Verbrechen, zu jemanden zu sagen, sein
religiöser Glaube sei falsch, und zu versuchen, andere zu dem zu bekehren, was man selbst als
die Wahrheit ansieht.

Komischerweise behauptet der römische Katholizismus einerseits, er sei die eine wahre Kirche,
während er andererseits, wie wir gesehen haben, gleichzeitig allen Religionen beipflichtet. Auch
in diesem Punkt weist sich der Vatikan in einzigartiger Weise als die Frau auf dem Tier aus
Offenbarung 17 aus.

Wir haben Johannes Pauls Gutheißung aller Religionen gesehen, wie auch seine Behauptung,
alle Götter seien dasselbe, während er gleichzeitig die fundamentalistischen Christen verurteilt.
Sein Freund und Bewunderer, der Fernsehevangelist Robert Schuller, stellt aus angeblich
evangelikaler Sicht ähnliche Ideen vor: Die Weise, auf die man „die gute Religion von der
schlechten unterscheidet“, habe man zu prüfen, ob sie „positiv“ ist. Schuller fordert die „religiösen
Führungspersönlichkeiten auf ... in einem massiven, vereinten Bestreben aller Religionsführer ...
ungeachtet ihrer Theologie ... ihren Glauben in positiven Begriffen auszudrücken ... um die
positive Macht von Weltgemeinschafts-aufbauenden religiösen Werten zu proklamieren“.
„Weltgemeinschaftsaufbauende religiöse Werte“, die für alle Religionen akzeptabel sind? Der
Antichrist persönlich könnte diese zweideutige Redeweise nicht besser bringen! Doch Schuller
wird von führenden Evangelikalen empfohlen und erfreut sich jeden Sonntagmorgen des größten
Publikums von allen Fernsehevangelisten. Schullers freundschaftliches Verhältnis zum
Katholizismus und sein Eintreten für das „Heimkommen“ der Protestanten haben wir bereits
ausführlich dargelegt.

Die bevorstehende Welteinheitsreligion wird auf eine heimtückische, nicht offensichtliche Weise
eine antichristliche sein. Sie wird sich, wie Hitlers Nationalsozialismus, als positives Christentum
ausgeben und für die ganze Welt unwiderstehlich attraktiv sein. Wie so vieles von dem, was wir
bereits jetzt selbst in evangelikalen Kreisen finden, wird sie eine Verdrehung des Christentums in
Christi Namen darstellen.

Die Marienerscheinungen und die anerkannteste katholische Evangelistin, Mutter Theresa von
Kalkutta, fordern beide in gleicher Weise zur Annahme aller Religionen auf. Dabei wagt niemand,
Mutter Theresa zu kritisieren, weil sie für ihren herausragenden selbstaufopfernden Dienst der
Nächstenliebe bekannt ist. Der weltweite Ruhm Mutter Theresas von Kalkutta hat dem
Katholizismus zu Anerkennung auch bei den Protestanten verholfen, die ihr aufopferungsvolles
Leben der Nächstenliebe zurecht bewundern.

Der Vatikan und die Neue Weltordnung

Die neue Welteinheitsreligion wird alle Glaubensrichtungen gleicherweise tolerieren, sofern sie
nur bereit sind, sich in der wohltätigen Rettung der Menschheit miteinander zu vereinen. Christen,
die nicht zu Kompromissen bereit sind, wird man töten, weil sie der Einheit und dem Frieden im
Wege stehen.

Von Rom bis Washington sprechen die geopolitischen Analytiker von einer „neuen Allianz“
zwischen der größten Militärmacht der Welt, der USA, und dem größten geistlichen Führer der
Welt, dem Papst.

Diese Allianz wird schon bald zwischen dem Weltherrscher und dem Vatikan bestehen. Die Frau
wird in der Tat das Tier reiten und steuern, so wesentlich wird ihre Rolle sein. Der Antichrist wird
sich darüber im klaren sein, daß ohne religiösen Frieden kein politischer Frieden herrschen kann.
Es kann kein globaler Friede sein, bis nicht alle Religionen bereit sind, sich einander als Partner
in der Zusammenarbeit auf globale Ziele hin anzunehmen – und aus den von uns dargelegten
Gründen wird der Papst für die Aufrichtung der totalen Ökumene unabkömmlich sein.

Robert Müller, Katholik, ehemaliger stellvertretender UNO-Generalsekretär und Direktor der


Friedensuniversität, sagte: „Was wir brauchen, ist eine Welt- oder kosmische Spiritualität ... Ich
hoffe darauf, daß sich die Religionsführer zusammentun und die kosmischen Gesetze definieren,
die in allen Religionen gleichermaßen enthalten sind ...“

Wenn sich die religiösen und politischen Führer schließlich zur Verwirklichung der gleichen Ziele
vereinen, dann ist das Reich des Antichristen gekommen. Diese Situation bestand (in
unvollkommener Einheit) in der Vergangenheit bereits über 1000 Jahre lang unter der
Vorherrschaft des Vatikans. Und so wird es auch wieder sein, dieses Mal jedoch mit der
schrecklichen totalen Kontrolle, die nur durch die heutigen Computer und Spionagesatelliten
durchführbar ist.

Eine ernstliche Warnung vom Himmel


Wie können Religionsführer und ihre Anhänger einen solchen Totalitarismus tolerieren? Sehen
wir uns als Beispiel einmal die 266 Mitglieder umfassende Delegation von Amerikas Nationalrat
der Kirchen (NCC) an, die im Juni 1984 die Sowjetunion besuchte. Sie bereiste 14 Städte und
besuchte zahlreiche staatlich genehmigte Kirchen. Die New York Times berichtete, daß die NCC-
Delegation „die Stellung der Religion in der Sowjetunion lobte und die Rolle der Vereinigten
Staaten beim Wettrüsten verurteilte ... und Verwirrung darüber zum Ausdruck brachte, daß die
Harmonie ihres Besuchs durch zwei Demonstranten getrübt wurde, die während eines
baptistischen Gottesdienstes Religionsfreiheit forderten und ein Spruchband hochhielten: ‚Das ist
keine freie Kirche‘. Der Leiter der NCC-Delegation, Bruce Rigdon vom theologischen Seminar
McCormick in Chicago, „drückte seine Mißbilligung des Protests und seine Bewunderung für die
Sowjetbeamten aus, die den Aufruhr unterbanden“.

Im spanischen Santiago de Compostela hielt die Konferenz Weltweiter Christlicher


Gemeinschaften (WCC) vom 4. – 13. August 1993 ihre 5. Weltkonferenz für Glauben und
Kirchenverfassung. Die römisch-katholische Kirche war zum allerersten Mal offizielle und volle
Teilnehmerin an einem WCC-Treffen. Das Ziel, das die Teilnehmer anstrebten, ist eine
Weltkirche – und nicht eine Weltkirche, die durch Glauben vereint ist, als vielmehr eine, die
sichtbar in den Augen der ganzen Welt vereint ist. Die Abgeordneten einigten sich auf die
Aussage:

Es gibt keinen Weg zurück ... von der alleinigen ökumenischen Bewegung, die die Belange der
Einheit der Kirche und die Belange bezüglich ... der Probleme der Welt in sich vereint.

Diese bedeutsame Erklärung erkennt an, daß die Weltkirche in Zusammenarbeit mit der
Weltregierung operieren muß. Der Moderator des WCC-Zentralkomitees, Aram Keshishian,
erklärte in seiner Ansprache, daß die WCC „ihren Kurs bezüglich Lehrfragen mehr auf die soziale
Ethik hinsteuern muß ... Glaube und Ordnung können bei dem Streben nach Einheit der Kirche
nicht über die sozio-politische und wirtschaftliche Dimension hinwegsehen ... Jeder Zwiespalt
zwischen christlichem Glauben und politischen Belangen, zwischen der Einheit der Kirche und
dem Kampf um Gerechtigkeit, stellt eine ökumenische Häresie dar.“

Das Ziel wird verwirklicht werden. Die Vernunftehe zwischen dem Antichristen und der falschen
Weltkirche wird jedoch nicht unbegrenzt andauern. Wenn die Flitterwochen vorüber sind, wird der
Antichrist sein wahres Gesicht zeigen und die „Hure“ vernichten (Offenbarung 17,16) und somit
Gottes Willen in diesem Prozeß bewirken (Vers 17). Eine der schärfsten Anklagen, die Gott
gegen die Frau auf dem Tier erhebt, ist die, daß sie nicht allein mit „Ware von Gold und Silber
und Edelgestein“ gehandelt hat, sondern auch mit „Leibeigenen und Menschenseelen“
(Offenbarung 18,12.13).

In der Zwischenzeit ergeht eine „Stimme aus dem Himmel“, die mit erschreckendem Tonfall ruft:

Geht aus ihr hinaus, mein Volk, damit ihr nicht an ihren Sünden teilhabt und damit ihr nicht von
ihren Plagen empfangt! Denn ihre Sünden sind aufgehäuft bis zum Himmel, und Gott hat ihrer
Ungerechtigkeit gedacht… Darum werden ihre Plagen an einem Tag kommen: Tod und Trauer
und Hunger, und mit Feuer wird sie verbrannt werden; denn stark ist der Herr, Gott, der sie
gerichtet hat (Offenbarung 18, 4 -8).

Mögen all jene, die Christus und sein Evangelium lieben, in Mitleid und wahrer Einheit
zusammenfinden, um so viele wie möglich vor diesem harten Gericht zu retten.

Auszug aus dem Buch DIE FRAU UND DAS TIER von Dave Hunt, entnommen von Horst Koch,
im Januar 2006

...
Tod eines Papstes

Dave Hunt

Das jüngste weltweite Trauern über den Tod von Papst Johannes Paul II. war noch nie
dagewesen. Zu den Trauernden zählten seine ärmlichsten Anhänger wie auch die mächtigsten
Politiker und Religionsführer unserer Tage, einschließlich Frankreichs Präsident Jacques Chirac
und der britische Premier Minister Tony Blair. Kaliforniens Gouverneur Schwarzenegger nannte
den Papst „einen Leitstern von Moral, Stärke und Frömmigkeit.“ Der frühere Präsident Clinton
nannte ihn „einen Mann Gottes“, während der frühere Präsident Bush sagte, dass sein
„Festhalten an Freiheit und Unabhängigkeit… allen Menschen als echter Anker diente.“

Russlands Präsident Putin ehrte Johannes Pauls „geistliches und politisches Erbe.“ Präsident
Bush nannte ihn „einen großen moralische Führer der Geschichte.“ Billy Graham nannte ihn „die
vielleicht einflussreichste Stimme der Welt für Moral und Frieden der letzten Hundert Jahre.“

Doch der Papst nannte Arafat, einer der schlimmsten Terroristen und Massenmörder der
modernen Zeiten, „Eure Exzellenz“, und tadelte ihn nie für sein Gemetzel an Hunderttausenden
unschuldigen Menschen auf der ganzen Welt. Auch spiegelte sich die „moralische Leiterschaft“
des Papstes nicht im Leben der meisten seiner Bewunderer wider. The Houston Chronicle
schrieb, dass „Italiener, die stundenlang Schlange standen, um ihrem Heiligen Vater Lebewohl zu
sagen, ihr Land durch Empfängnisverhütung zu der niedrigsten Geburtenrate der Welt gebracht
haben.“ Als er im September 1987 Kalifornien besuchte, war das berühmte Hollywood
Schriftzeichen auf den Hügeln so geändert, dass es „Holywood – Heilige Waldung“ lautete – doch
Hollywood ließ nichts aus und bleibt alles andere als heilig.

Im Juni 2004 besuchte George W. Bush den Vatikan, um Johannes Paul II. daran zu erinnern,
dass ihre moralischen Werte dieselben seien, und um Unterstützung der 65 Millionen Katholiken
Amerikas für die bevorstehenden Wahlen zu erlangen. Der Südkoreanische Präsident Roh Moo-
Hyun nannte den Papst „einen Apostel des Friedens.“ Die neuseeländische Ministerpräsidentin
Helen Clark ordnete an, dass die Fahnen auf Halbmast gesetzt werden für „eine der wirklich
einflussreichen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts.

Solch universelles Lob führte zu ernsthaften Fragen über den Anspruch des Papstes, der
„Vicarius Christi - Stellvertreter Christi“ zu sein. Schließlich war Christus und ist immer noch
„verachtet und verlassen“ (Jes 53,3). Er sagte Seinen Jüngern, wenn sie Ihm getreu seien,
würden sie dieselbe Behandlung von der Welt erfahren: „Wenn euch die Welt hasst, so wisst,
dass sie mich vor euch gehasst hat…. Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich
verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen…“ (Joh 15, 18-20)

Johannes Paul II. übertraf die meisten Politiker beim Spiel mit allen Seiten. Während seines
Besuchs 1987 in Los Angeles sagte er Rabbi Emeritus Harvey Fields vom Wilshire Boulevard
Tempel und dem verstorbenen Rabbi Alfred Wolf, dass jedermann dem „gleichen Gott diene…
egal was seine Religion sein mag.“ Doch in Lateinamerika warnte er im Februar 1996 Katholiken
vor den Protestanten und drängte jene, die die Kirche verlassen hatten, zurückzukommen. Im
Namen der „Ökumene“ erklärte er, dass volle Einheit nicht erzielt werden könne, bis alle
Religionen Rom unterworfen seien!

Im Jahr 2000 traf der Papst den israelischen Präsidenten, besuchte die Klagemauer, wo er einen
Gebetszettel hineinsteckte, und versicherte den Israelis, dass „die katholische Kirche… sehr
traurig ist über den Hass, Verfolgung und Zurschaustellung von Antisemitismus… durch
Christen….“ Doch er entschuldigte sich nur dafür, was „Christen“ getan haben und gestand nie
die Wahrheit: dass es die Kirche selbst war und ihre Päpste, die Katholiken genötigt hatten, die
Juden zu verfolgen.

Der Holocaust Überlebende Elie Wiesel sagte CNN, dass Johannes Paul II „einen sehr
bedeutenden Platz in der jüdischen Geschichte haben wird….“ Israels Premierminister Ariel
Scharon (und jüdische Führer weltweit) nannten den Papst „einen Mann des Friedens und
Freund Israels….“ Sogar der Chefredakteur von U.S. News & World Report Mortimer Zuckerman,
üblicherweise sehr scharfsinnig, lobte den Papst dafür, „den Staat Israel anerkannt zu haben“,
wobei er die Tatsache übersah, dass er zu dem Zeitpunkt bereits 16 Jahre Papst war, bevor er
das im Jahr 1994 tat, 46 Jahre nach Israels Wiedergeburt als Nation – und gerade nachdem er
der PLO ein ständiges Büro im Vatikan gegeben hatte.

Moslemische Führer priesen den Papst ebenso – Imam Yahya Hendi, Moslemkaplan in der
Georgetown Universität, sagte, dass der Islam (der zur Vernichtung Israels aufruft), einen großen
Freund verloren hat. Beständig (wie in seiner päpstliche Bulle zum Jahr 2000-Jubiläum, usw.)
wies Johannes Paul II Israels Souveränität über Jerusalem zurück. Mehr als zehnmal (im Vatikan
und im päpstlichen Palast in Castel Gandolfo) empfing er Arafat, Israels heftigsten Feind, aufs
herzlichste, besuchte ihn in seinem Palast in Ramallah und stellte sich auf die Seite Arafats und
der PLO gegen Israel.

Natürlich ist es ein Brauch, den Verstorbenen bei seiner Beerdigung zu rühmen und seine Fehler
zu übersehen – aber sogar evangelikale Führer reihten sich in den Chor des „alle rühmen den
Papst“ ein. Die wenigen, die die Wahrheit sagten, wurden von den übrigen verdammt. Weil er auf
die Frage eines Hörers, ob denn der Papst im Himmel sei, antwortete, wurde der christliche
Talkshow Moderator Marty Minto durch Pittsburghs WORD Radiostation, einer
Tochtergesellschaft von Salem Broadcasting, gefeuert (siehe Alarmierende Nachrichten). Doch
die Wahrheit ist, dass der Papst selbst nicht wusste, ob er in den Himmel kommen würde, und er
auch anderen keine Gewissheit schenken konnte – eine ziemlich schockierende Tatsache über
das Haupt der größten Kirche der Welt, der beanspruchte, der Stellvertreter Christi auf Erden zu
sein!

John Kardinal O’Connor sagte: „Lehre der Kirche ist, dass ich nicht weiß… was meine Zukunft in
der Ewigkeit sein wird. Ich kann hoffen, beten, mein Bestes geben – aber immer noch weiß ich es
nicht. Papst Johannes Paul II weiß nicht mit absoluter Sicherheit, dass er in den Himmel kommen
wird, auch nicht Mutter Teresa von Kalkutta….“ Kardinal John Krol, geistlicher Führer der mehr
als einer Million Katholiken Philadelphias, gestand, dass seine größte persönliche Sorge war, ob
er „in den Himmel kommt.“ Kardinal Ratzinger (nun Papst Benedikt XVI), der die
Glaubenskongregation leitete, Hüter der katholischen Orthodoxie (Heiliges Amt der Inquisition)
und Nachfolger Johannes Pauls II, drückt die gleiche Ungewissheit hinsichtlich seiner Errettung
aus – er ist auch verpflichtet dazu.

Wie der Papst, weist die Kirche, die er fest leitet, Christi Versprechen zurück hinsichtlich des
„ewigen Lebens“ (Joh 3,16) für alle, die an Ihn glauben, dass sie „vom Tod zum Leben
hindurchgedrungen sind“ (Joh 5,24) und „sie werden in Ewigkeit nicht verloren gehen“ (Joh
10,28). Ihre Priesterschaft bringt endlose Messen dar und Gebete an Maria und Lieblingsheilige
(Tausende werden für den toten Papst gesprochen werden), unterstützt Pilgerfahrten zu
verschiedenen Schreinen und gewährt andere Mittel, die gleichen Ablässe zu erwerben, um das
Leiden im Fegefeuer zu verkürzen, eine Tatsache, die Martin Luther aus der Fassung brachte
und die Reformation auslöste.

In einem durch 250 evangelikale Leiter hoch bewerteten Buch schrieb der Papst, „Taufe und
Eucharistie… erschaffen im Menschen die Saat des ewigen Lebens.“ Indem sie die
Hinlänglichkeit von Christi Opfer und Seinen triumphierenden Ruf „Es ist vollbracht!“ (Joh 19,30)
ablehnen, beginnen die Dokumente des zweiten Vatikanischen Konzils so: „Durch die Liturgie,
besonders durch das göttliche Eucharistieopfer, ‚wird das Werk unserer Erlösung [immer noch]
ausgeführt.’“ Rom verdammt jeden, der die wahre Gewissheit einer beendeten Erlösung zu
bekennen wagt, welche die Bibel wiederholt verspricht (1. Joh 5,13).
Erzbischof Fulton J. Sheen, der erste katholische „Televangelist“ (den Johannes Paul II „einen
loyalen Sohn der Kirche“ nannte und den Billy Graham als „den größten Kommunikator“ des
letzten Jahrhunderts bezeichnete), hoffte, dass „die Jungfrau“ ihn im Himmel willkommen heißen
würde, weil er mehr als 40 Pilgerfahrten zu ihren Schreinen in Lourdes und Fatima gemacht
hatte. Papst Johannes Paul II war in gleicher Weise Maria total ergeben, speziell „Unserer
Heiligen Jungfrau von Fatima“, deren Erscheinung erklärte, dass „alle Religionen dieselben
seien… viele Seelen zugrunde gehen, weil sie niemand hätten, der Opfer für sie darbrächte.“
Dies ist eine klare Verleugnung der Hinlänglichkeit des Opfers Christi für unsere Sünden. Sein
Apostolischer Brief vom 16. Oktober 2002 endet mit diesen Worten:

Ich vertraue diesen Apostolischen Brief den liebenden Händen der Jungfrau Maria an, und werfe
mich im Geist vor ihrem Bildnis in dem prächtigen Schrein in den Staub, den der gesegnete
Bartolo Longo baute, der Apostel des Rosenkranzes. Ich mache willentlich die ergreifenden
Worte mir zu Eigen, mit denen er sein wohlbekanntes Bittgebet zur Königin des Heiligen
Rosenkranzes beendete: „Oh gesegneter Rosenkranz Marias, süße Kette, die uns mit Gott
verbindet… Turm der Erlösung gegen die Angriffe der Hölle, sicherer Hafen in unserem
universellen Scheitern, wir werden dich nie verlassen, Du wirst unser Trost in der Todesstunde
sein: Dir gilt unser letzter Kuss, wenn das Leben dahinschwindet. Und das letzte Wort von
unseren Lippen wird dein süßer Name sein, Oh Königin des Rosenkranzes von Pompeji, Oh
liebste Mutter, Oh Zuflucht der Sünder, Oh souveräne Trösterin der Geplagten….

Nachdem er, getroffen von zwei Kugeln bei dem Mordversuch am 13. Mai 1981, eilends zum
Krankenhaus geschafft wurde, stöhnte der Papst in Polnisch, „Madonna, Madonna…! Er
wiederholte oft die Worte, „Triumph… kommt… durch Maria.“ Er schrieb es „Unserer Heiligen
Jungfrau von Fatima“ zu, dass sie sein Leben bei dieser Gelegenheit in Rom gerettet hätte sowie
vor einem ein Bajonett schwingenden spanischen Priester 1982, als er Fatima, Portugal,
besuchte, um ihr für seine Errettung vom Tod zu danken. Aber seine Lieblings „Maria“ war die
„Schwarze Madonna“ von Jasna Gora in Polen – wo Billy Graham selbst Pilger willkommen hieß,
nachdem er in Woytilas Kathedrale gepredigt hatte, während Wojtila in Rom zum Papst gewählt
wurde. In einem Nachtrag von 1982 zu seinem Letzten Willen und Testament vom 6. März 1979
vertraute Johannes Paul II „diesen entscheidenden Moment [des Todes] der Mutter Christi und
der Kirche [und] meiner Hoffnung an…. Im Leben und im Tod, Totus Tuus – Ganz Dein durch die
Unbefleckte.“ In allen seinen Gewändern war der Satz Totus tuus sum Maria „Maria, Dein ich bin
ganz“ eingestickt.

Der Rosenkranz, den beständig zu beten er alle Katholiken drängte, weil es ein Mittel zum
Weltfrieden sei, bietet ein falsches Evangelium der Erlösung durch Maria an. Eine „Erscheinung“
in Fatima, die behauptet, „Unsere Heilige Jungfrau des Rosenkranzes“ zu sein, erklärt, „Betet den
Rosenkranz jeden Tag… betet oft und bringt Opfer für Sünder dar [Christi Opfer war nicht genug]
…. Nur ich werde in der Lage sein, Euch zu helfen…. Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz
triumphieren.“ Der Rosenkranz schließt mit den Worten:

SEI GEGRÜSST, HEILIGE KÖNIGIN, Mutter der Barmherzigkeit, unser Leben, unsere Süße und
unsere Hoffnung! Zu dir rufen wir, arme vertriebene Kinder Evas. Hoch zu dir senden wir unsere
Seufzer, Trauern und Weinen in diesem Tränental. Wende daher, gnädigste Fürsprecherin, deine
Augen der Barmherzigkeit uns zu, und nach dieser unserer Verbannung, zeige uns die
gesegnete Frucht deines Leibes, Jesus. Oh nachsichtige, oh liebende, o süße Jungfrau Maria!

Es ist jedoch klar, dass Maria nach der Geburt Jesu, „ihrem erstgeborenen Sohn“, keine Jungfrau
blieb, sondern Söhne und Töchter von ihrem Ehemann Josef hatte (Mt 12,46.47; 13,55.56; Mk
3,31; Lk 8,19.20; Joh 2,12; Apg 1,14) – und dass sie kein spezieller Segenskanal von Ihm zu
anderen war (Mt 12,40-50; Mk 3,33-35; Lk 8,19-21; 11,27-28). Es gibt überhaupt keine biblische
Aufzeichnung, dass irgendjemand jemals zu Maria betete oder dass sie bei Christus für
irgendjemandes Errettung Fürsprache eingelegt hätte.
Unter den römisch-katholischen populären „15 Verheißungen Marias“ sind folgende: „Die Seele,
die sich mir anvertraut, indem sie den Rosenkranz betet, wird nicht verloren gehen…. Ich werde
jene aus dem Fegefeuer holen, die den Rosenkranz hingebungsvoll gebetet haben. Wer den
Rosenkranz treu betet, wird… im Moment des Todes… Anteil haben an dem Lohn der Heiligen
im Paradies.“ Tragischerweise haben sich Hunderte von Millionen römischer Katholiken vom
Glauben an Christi allein zur Erlösung abgewendet und vertrauen auf Maria und den Rosenkranz,
wie auch Papst Johannes Paul II! Sie werden keine Erlösung von Christus erlangen, so lange sie
Maria oder irgendeinem anderen „Heiligen“ in dieser Hinsicht vertrauen.

Im „Gebet des Heiligen Vaters im Jahr der Maria“ bat Johannes Paul II Maria, das zu tun, was nur
Gott tun kann: zu trösten, leiten, stärken und „die ganze Menschheit…“ zu schützen. Sein Gebet
endete, „Stütze uns, Oh Jungfrau Maria, auf unserer Glaubensreise und erlange für uns die
Gnade der ewigen Erlösung.“ Glaube an den einzigen Retter, den Herrn Jesus Christus fehlt
auffallend und wird durch ein solches Gebet auch abgeleugnet!

Johannes Paul II bezog sich oft auf „die Erlösung der Seelen durch die Unbefleckte Maria.“ Der
Papst nötigt alle Christen, Maria als ihre Mutter anzunehmen und erklärte, dass Christi Worte am
Kreuz, gerichtet an Johannes, „Siehe deine Mutter!“ (Joh 19,27), die „authentische Bedeutung
der Marienverehrung…“ enthüllten. Der Papst behauptet, dass „Maria der Weg ist, der zu
Christus führt“, und drängt alle Christen, „in ihrem Alltag Raum [für Maria] zu machen, und ihre
gnädige Rolle auf dem Weg der Erlösung anzuerkennen. Er trug immer das Skapular (eine
Praxis, die ihren Ursprung in „Unserer Heiligen Jungfrau vom Berg Karmel“ im Jahr 1251 hatte,
die dem Heiligen Simon Stock erschien und bestätigt wurde durch weitere Päpste wie Johannes
XII 1322) und vertraute dem Versprechen, das darauf geschrieben ist, dass „wer immer stirbt und
dieses Skapular trägt, soll nicht im ewigen Feuer leiden.“ Es ist unwiderlegbar logisch, dass jeder,
der in einfachem Glauben Christus hinsichtlich der Errettung vertraut hat, die Er gewährt, es nicht
nur als unnötig ansehen würde, sondern als einen Gräuel, solch ein Kleidungsstück zu tragen!

Im Blick auf diese wohlbekannten Tatsachen, ist das Lob unbegreiflich, das durch evangelikale
Leiter auf den Papst bei seinem Tod gehäuft wurde. Unglaublich, Billy Graham pries Johannes
Paul II für „seinen starken katholischen Glauben.“ Eine wachsende Anzahl Evangelikaler
schließen sich Colson, Packer, Billy Graham und anderen an und akzeptieren römische
Katholiken, die ein falsches Evangelium annehmen, als Mitchristen. Mark Oestreicher, Präsident
von Youth Specialties, nannte den Tod des Papstes „einen wichtigen Moment in der Geschichte,
wo wir die Gelegenheit haben, [Katholiken] als Mitkinder Gottes zu umarmen.“ Das ist
vergleichbar damit, kein Licht und Warnsignale für Autofahrer aufzustellen, die auf einer
Autobahn auf eine Stelle zufahren, wo eine Brücke eingestürzt ist. Stattdessen winkt man sie
weiter in ihren sicheren Tod!

Richard N. Ostling, langjähriger Chefkorrespondent der Time für Religion nannte Johannes Paul
II „den unter Amerikas evangelikalen Protestanten wahrscheinlich populärsten Papst aller
Zeiten….“ Dan Betzer, Pastor der First Assembly of God in Fort Myers, schwärmte: „Ich bin
schon lange Bewunderer des Papstes. Sein Gebetsleben ist ein Vorbild für uns alle. Er hat ein
gottgefälliges Leben geführt…. Sein Tod wird im Königreich Gottes eine große Leere
hinterlassen.“ Pat Robertson sagte, dass „der beliebteste religiöse Führer unseres Zeitalter
[übergegangen ist] von dieser Welt in seine sehr verdiente ewige Belohnung.“

Wie Billy Graham, unterstrich Richard Land, Präsident der Kommission für Ethik und religiöse
Freiheit der Southern Baptists, dass jede Meinungsverschiedenheit, die Protestanten vielleicht
gehabt hatten „mit Johannes Paul II [irrelevant] für die Grundlagen des Glaubens sind.“ Land
pries „die eiserne Verteidigung des traditionellen christlichen Glaubens…“, die der Papst an den
Tag legte. Doch Johannes Paul II traf sich bei mehr als einer Gelegenheit zum Gebet mit
Medizinmännern, Spiritisten, Animisten, Hindus, Buddhisten, Moslems und anderen Leitern von
Weltreligionen, und erklärte, dass sie alle „zum selben Gott beten würden“. Und schrieb ihren
Gebeten zu, dass sie „starke geistliche Energien“ erzeugen würden, die ein „neues Klima für
Frieden“ schaffen würden.
Wir wagen es nicht, ein leichtes Spiel mit der ewigen Bestimmung von Seelen zu treiben. Petrus,
den Rom zu Unrecht als ersten Papst ansieht, erklärte, „es ist kein anderer Name [als Jesus
Christus] unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden sollen!“ (Apg
4,12). Nicht Maria, nicht Buddha, kein anderer als Christus! Aber Johannes Paul verließ sich zur
Errettung und Schutz auf Maria, und lehrte seiner Herde, dasselbe zu tun. Wir bedauern ihn und
sie für diesen Irrtum.

Es ist zu spät, für die Seele des toten Papstes zu beten – aber wir schulden es unserem Herrn
und der ganzen Menschheit, die noch lebt, ihr die gute Nachricht zu geben: „Denn so hat Gott die
Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht
verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt,
damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde. (Joh 3,16-17).

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Dave Hunt

Das Messopfer

Hier kommen wir zu einem Herzstück des Katholizismus, dem einzigartigen Element, das ihn von
allen anderen Religionen und insbesondere von der evangelikalen Christenheit unterscheidet:
Dem Meßopfer, „durch welches das Opfer des Kreuzes fortdauert ... Es ist Quelle und Gipfel des
gesamten Gottesdienstes der Kirche und des ganzen christlichen Lebens“ (Neuner-Roos, Der
Glaube der Kirche, 1971). Durch das Wunder der Transsubstantiation ist, so wird erklärt, der
wahre Leib und das Blut Jesu Christi, der unter der Gestalt von Brot und Wein wirklich und
wesenhaft gegenwärtig ist, um sich selbst im Meßopfer darzubringen und als geistliche Speise in
der heiligen Kommunion empfangen zu werden, auf dem Altar gegenwärtig.

Als Christus am Kreuz starb, sprach er: „Es ist vollbracht!“ (Johannes 19,30). Aber für den
Katholiken ist es nicht vollbracht. Christi Opfer dauert bis auf den heutigen Tag fort und wird auf
den katholischen Altären endlos wiederholt: „Jedesmal wenn das Meßopfer dargebracht wird,
wiederholt sich das Opfer Christi. Es wird zwar kein neues Opfer dargebracht, aber, durch
göttliche Macht, wird ein und dasselbe Opfer wiederholt ... In der Messe fährt Christus damit fort,
sich selbst dem Vater darzubringen, wie er es am Kreuze tat“, aber auf „unblutige Weise unter
der Gestalt von Brot und Wein“. (Catechism of the Catholic Church).

Golgatha war ein äußerst blutiges Geschehen. Wie es davon eine unblutige Wiederholung geben
kann, wird nicht erklärt. Außerdem sagt die Bibel ganz eindeutig: „Ohne Blutvergießen gibt es
keine Vergebung [von Sünden]“ (Hebräer 9,22). Doch die „unblutige“ Messe soll angeblich
Sündenvergebung bewirken – eine Vergebung, die unnötig ist, denn Christus hat sie bereits am
Kreuz erwirkt. Die Bibel sagt:

Und er nahm den Kelch ... und sprach: ... dies ist mein Blut des Bundes, das [am Kreuz] für viele
vergossen wird zur Vergebung der Sünden (Matthäus 26,27.28).

Diesem [Christus] geben alle Propheten Zeugnis, daß jeder, der an ihn glaubt, [als Geschenk der
Gnade Gottes] Vergebung der Sünden empfängt (Apostelgeschichte 10,43).

Viele Opfer oder nur eines?


Die Messe wird als Sühnopfer bezeichnet, in welchem „Christus sich selbst [fortdauernd] zum
Heile der ganzen Welt darbringt ... und sich das Werk unserer Erlösung vollzieht“. Im Gegensatz
dazu betont die Bibel immer wieder, daß die ganze Sündenschuld am Kreuz bezahlt wurde und
der auferstandene Christus auf dieser Grundlage „ein für allemal in das [himmlische] Heiligtum
hineingegangen ist und uns eine ewige Erlösung erworben hat“ (Hebräer 9,12). Dort sitzt er nun
zur Rechten des Vaters als unser großer Hoherpriester (Hebräer 4,14) und vertritt die durch ihn
Erlösten, wo er „immer lebt, um sich für sie zu verwenden“:

Der nicht Tag für Tag nötig hat, wie die [alttestamentlichen] Hohenpriester, ...Schlachtopfer
darzubringen … denn dies hat er ein für allemal getan, als er sich [am Kreuz] selbst dargebracht
hat (Hebräer 7, 25.27).

Im Hinblick auf das angebliche Meß-“opfer“ könnte der Gegensatz zwischen dem Katholizismus
und der Lehre der Bibel gar nicht größer sein. Die Unterscheidung, die die Bibel zwischen dem
einen Opfer Christi und den fortdauernden alttestamentlichen Opfern trifft, stellt diesen
Unterschied mit großer Deutlichkeit heraus. Der Hebräerbrief stellt die Wiederholung der
alttestamentlichen Opfer als Beweis dafür hin, daß sie keine Sündenschuld bezahlen konnten.
Dahingegen liefert die Tatsache, daß Christus sich nur einmal opferte, den Beweis, daß dieses
Opfer ausreichte und niemals wiederholt werden brauchte. Daß das Meßopfer wiederholt werden
muß, beweist seine Wirkungslosigkeit. Wenn es einmal nicht ausreicht, dann reichen auch weder
Millionen von Wiederholungen aus, noch kann Rom bestimmen, wie viele Meßopfer dargebracht
werden müssen, um eine Seele aus dem Fegefeuer zu befreien.

Die vielen alttestamentlichen Tieropfer waren Vorausschattungen des einen Kreuzesopfers


Christi, welches vollbringen sollte, wozu jene nicht imstande waren. Die Bibel erlaubt da kein
Mißverständnis:

…auch nicht, um sich selbst [Christus] oftmals zu opfern, wie der [jüdische] Hohepriester
alljährlich mit fremdem Blut in das Heiligtum hineingeht – sonst hätte er oftmals leiden müssen
von Grundlegung der Welt an –; jetzt aber ist er einmal in der Vollendung der Zeitalter offenbar
geworden, um durch sein Opfer die Sünde aufzuheben.

Und wie es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht, so wird
auch der Christus, nachdem er einmal geopfert worden ist, um vieler Sünden zu tragen ...

Denn das Gesetz ... kann niemals mit denselben Schlachtopfern, die sie alljährlich darbringen,
die Hinzunahenden für immer vollkommen machen. Denn würde sonst nicht ihre Darbringung
aufgehört haben ...?

...Dieser aber [Christus] hat ein Schlachtopfer für Sünden dargebracht und sich für immer gesetzt
zur Rechten Gottes... Denn mit einem Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer
vollkommen gemacht ...

[Gott spricht:] Ihrer Sünden und ihrer Gesetzlosigkeiten werde ich nicht mehr gedenken. Wo aber
Vergebung dieser Sünden ist, gibt es kein Opfer für Sünde mehr (Hebräer 9,25-10,2; 10,12-18).

Die Schrift könnte nicht deutlicher sein. Christi Opfer hat am Kreuz ein für allemal stattgefunden
und braucht nie mehr wiederholt zu werden, denn die ganze Sündenschuld ist dadurch bezahlt.

Die Unmöglichkeit

Was das „Meßopfer“ auch immer zu sein beansprucht, ob man es nun als Erneuerung,
Wiederholung, Wiedereinsetzung oder Real-Vergegenwärtigung bezeichnet, das alles ist nicht
möglich. Christi Kreuzesopfer fand zu einem bestimmten Zeitpunkt statt und hat seinen Zweck
erfüllt. An dieses historische Ereignis kann (und sollte) man sich erinnern und es würdigen, aber
man kann es nicht „fortsetzen“, wiederholen oder „real-vergegenwärtigen“.

Überdies befindet sich Christus jetzt mit einem auferstandenen, verherrlichten und unsterblichen
Leib zur Rechten des Vaters und wird nie wieder sterben. Er kann bei der Messe gar nicht
„geopfert“ werden. Christus sagt:

„Ich bin ... der Lebendige, und ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit“
(Offenbarung 1, 18).

Außerdem enthält sein Leib, der jetzt „nach der Kraft eines unauflöslichen Lebens“ (Hebräer
7,16) lebt, kein Blut, denn Blut ist das Leben des sterblichen Fleisches. Sein Auferstehungsleib ist
unsterblich.

„Fleisch und Bein“ – ein Auferstehungsleib ohne Blut

Als Christus am Abend des Auferstehungstages um ersten Mal zu seinen Jüngern kam, dachten
sie, sie sähen einen Geist. Um zu beweisen, daß er lebt, sagte er:

„Betastet mich und seht! Denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein [und nicht „Fleisch und Blut“],
wie ihr seht, daß ich habe“ (Lukas 24, 39).

Der zweifelnde Thomas, der bei dieser Gelegenheit fehlte, sagte hinterher mißtrauisch:

„Wenn ich nicht ... meine Finger in das Mal der Nägel lege und lege meine Hand in seine Seite,
so werde ich nicht glauben“ (Johannes 20, 25).

Christus kehrte nach einer Woche wieder und forderte Thomas auf, genau das zu tun: „... reiche
deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig“ (Johannes
20,27).

Die Wunde in Christi Seite, in die Thomas seine Hand hineinlegen konnte, ist ein weiterer
Hinweis darauf, daß in seinem Leib kein Blut mehr ist. Blut ist das Leben von sterblichem Fleisch,
und Christi Blut ist am Kreuz für unsere Sünden ausgegossen worden:

„Denn das Leben des Fleisches ist im Blut, und ich selbst habe es euch auf den Altar gegeben,
Sühnung für eure Seelen zu erwirken. Denn das Blut ist es, das Sühnung tut durch die Seele in
ihm“ (3. Mose 17,11).

Doch vom Wein wird gesagt, er würde auf den katholischen Altären zu Christi Blut – das Blut
seines Leibes vor der Kreuzigung, der zur Unsterblichkeit auferstanden ist.

Zur Wiederholung oder Fortführung des Opfers Christi müßte der Leib, den er vor der Kreuzigung
hatte, wiederhergestellt werden. Dieses erstaunliche Kunststück wird angeblich durch das
„Wunder“ der Transsubstantiation bewerkstelligt: Die Verwandlung von Brot und Wein in den Leib
und das Blut Christi. Deshalb ist „der Priester unentbehrlich, denn er allein kann durch seine
Vollmacht das Brot und den Wein in Christi Leib und Blut verwandeln ...“ (John Hardon, S.J.,
Pocket Catholic Dictionary )

Die essentielle Rolle der Transsubstantiation

Aufgrund des angeblichen Wunders der Transsubstantiation wird die Hostie, die bei der Messe
verzehrt wird, auch als Christus selbst verehrt. Die gleiche Verehrung gilt den zusätzlich
gesegneten Hostien, die in einem Tabernakel (einem kleinen kastenähnlichen Behältnis, das mit
einem Tuch bedeckt ist und neben dem das sogenannte ewige Licht steht) aufbewahrt werden.
Die frommen Katholiken kommen und beten die darin verwahrten Hostien als Christus an und
glauben, sie befänden sich in seiner heiligen Gegenwart.
Mutter Theresa drückt diesen Glauben so aus: Es ist wunderbar, die Demut Christi zu sehen ... in
seinem andauernden Zustand der Demut im Tabernakel, wo er sich selbst zu so einem kleinen
Stück Brot erniedrigt hat, daß der Priester ihn mit zwei Fingern halten kann. (Mutter Theresa, In
the Silence of the Heart

In einer Monstranz – einem goldenen oder silbernen kreuzförmigen Gefäß mit durchsichtigem
Mittelteil zur Darbietung der Hostie – wird eine große Hostie zur Anbetung ausgestellt. Das
Betrachten des Sakraments „verleiht dem Gläubigen ein Gefühl der Erkenntnis der wunderbaren
Gegenwart Christi und stellt eine Einladung zur geistlichen Gemeinschaft mit ihm dar. Deshalb ist
es eine hervorragende Ermutigung, ihm [in der Hostie] die Anbetung in Geist und in Wahrheit zu
erweisen, die seiner würdig ist.“ (Austin Flannery, Vatican II.,The Conciliar Documents,1988)

Ein ehemaliger Katholik schreibt: Katholiken werfen sich vor einer Hostie nieder, die sich in einem
Tabernakel über einem Altar befindet, und glauben, das sei tatsächlich Christus selbst ... Deshalb
brachte man mir als Kind bei, stets ein Kreuzzeichen zu schlagen, wenn ich an einer katholischen
Kirche vorbeikam.

In ganz Amerika gibt es derzeit ein Wiedererwachen der „unaufhörlichen Anbetung des
gesegneten Sakraments“. Die Familien der Pfarrei tragen sich für eine oder mehrere Stunden in
der Woche ein, so daß einige Fromme in steter Anbetung der Hostie fast jeden Tag rund um die
Uhr „Christi Gemeinschaft pflegen“. „Papst Johannes Paul II. ist ein begeisterter Förderer der
unaufhörlichen Anbetung ... und stellte im Jahre 1981 das gesegnete Sakrament in der
Peterskirche zur Anbetung auf.“ Er sagte: Wie groß ist doch der Wert des Austausches mit
Christus in dem gesegneten Sakrament. Es gibt auf Erden nichts tröstenderes, nichts
machtvolleres, um auf dem Weg zur Heiligkeit voranzuschreiten. (New Covenant, 1994)

Wirklichkeit oder Betrug?

Diese angebliche Vollmacht der Priester, auf den katholischen Altären den buchstäblichen Leib
Christi zu erschaffen und diesen dann im sog. Meßopfer Gott zu opfern, in dem „Christus auf
unblutige Weise das am Kreuz dargebrachte Opfer fortsetzt“(A.Flannery), ist das
charakteristische Kennzeichen des römischen Katholizismus. Dieser ist deshalb durch einen
unüberwindlichen Abgrund von allen anderen Religionen getrennt, insbesondere von der
evangelikalen Christenheit. Hier haben wir es entweder mit der wichtigsten und wundersamsten
Wirklichkeit zu tun, oder aber mit dem teuflischsten Betrug. Dazwischen gibt es nichts.

Der Katholik kann nicht abstreiten, daß die Behauptung der Transsubstantiation auf dem ersten
Blick widersinnig erscheint. In der Hostie oder dem Wein liegt keine feststellbare Änderung vor,
wenn sie angeblich durch die einzigartige Vollmacht des Priesters in Fleisch und Blut Christi
verwandelt worden sind. Wie kann man dann sicher sein, daß dieses Wunder überhaupt
geschehen ist? Wie bei so vielem im Katholizismus, beruht die Gewißheit lediglich auf blinder
Annahme dessen, was die Kirche sagt.

Ja, man kann zur Stützung dieses Dogmas einige Bibelverse vorbringen, aber der Katholik muß
die Auslegung der Kirche zu diesen Versen hinnehmen, obwohl ein gesunder Verstand und eine
genaue Exegese diese Ansicht als unhaltbar erweisen. Die Lehre von der Transsubstantiation
stützt sich hauptsächlich auf zwei Textstellen: Johannes 6, 51-57 und Matthäus 26, 26-28 (vergl.
auch Lukas 22,19.20 und 1. Korinther 11,24.25). Wir wollen diese nun etwas näher untersuchen.

Buchstäblich oder sinnbildlich?

Christus sagt als Hinweis auf seine bevorstehende Kreuzigung in Johannes 6 zu den Juden:

„Das Brot aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der
Welt ... Wenn ihr nicht das Fleisch des Sohnes des Menschen eßt und sein Blut trinkt, so habt ihr
kein Leben in euch selbst“ (Verse 51 und 53).

Der Katholizismus nimmt diese Worte buchstäblich und beschuldigt die Protestanten, sie
sinnbildlich zu verstehen. Christus sagte auch: „Ich bin das Brot des Lebens“ (Vers 35). Weshalb
sollte man ihn nicht auch da buchstäblich verstehen und ihn zu einem Laib Brot machen? Ist es
irgendwie unsinniger, zu sagen Christus sei Brot, als zu sagen, ein Stück Brot sei Christus? Die
Bibel sollte überall dort wortwörtlich genommen werden, wo das ihrer Bedeutung entspricht –
aber nicht dort, wo eine Analogie oder ein Symbol vorliegt und wortwörtliches Verstehen die
Überzeugungskraft oder Gottes Gebote entstellen würde.

Der Psalmist schreibt: „Mit seinen Schwingen deckt er [Gott] dich, und du findest Zuflucht unter
seinen Flügeln“ (Psalm 91,4). Sollen wir Gott nun als einen großen Vogel darstellen? Jesus
klagte über Jerusalem: „Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen wie eine Henne ihre
Brut unter die Flügel, und ihr habt nicht gewollt!“ (Lukas 13,34). Er meinte das sicherlich nicht
buchstäblich, obwohl er sich hier selbst als der wahrhaftige Eine erweist, über den Mose in Psalm
91 schrieb.

Jesus rief die Menschen auf, an ihn zu glauben. Er sagte zu Nikodemus, daß wer „an ihn glaubt,
nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat“ (Johannes 3,16), und daß der Glaube an ihn
neues Leben durch eine Wiedergeburt bedeutet. Er meinte damit jedoch keine leibliche, sondern
eine geistliche Geburt, und das erkennen sogar die Katholiken an. Er verhieß der Frau am
Brunnen „lebendiges Wasser“ und sogar „eine Quelle Wassers“, die in ihr entspringen wird
(Johannes 4,10-14), aber er meinte sicherlich kein natürliches Wasser. Er sagte den Juden über
jeden, der an ihn glaubt, „aus seinem Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen“
(Johannes 7,38), aber er meinte weder einen natürlichen Leib, noch buchstäbliche natürliche
Ströme.

In Johannes 6 spricht Jesus: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nicht
hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr dürsten“(Vers 35). Es leuchtet ein, daß er nicht
meinte, er sei natürliches Brot, oder die an ihn glauben, würden anschließend niemals mehr ein
Bedürfnis nach natürlichen Speisen oder Getränken haben – aber sie würden in geistlicher
Hinsicht niemals mehr hungrig oder durstig sein. Er sprach selbstverständlich von geistlichen
Dingen und illustrierte seine Aussagen mit vertrauten Alltagsbildern. Weshalb sollte er dann
wortwörtlich verstanden werden, wenn er einige Augenblicke später sagt, daß man seinen Leib
und sein Blut „essen“ muß?

Basierend auf diesen entscheidenden Auslegungsfehler bestehen die Katholiken darauf, daß Brot
und Wein buchstäblich Christus selbst sind. Wir wollen diesen Faden einmal logisch
weiterverfolgen. Wenn Christus wortwörtlich von seinem Leib sprach, dann muß er es auch
wortwörtlich gemeint haben, als er sprach: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird
nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr dürsten“ (Vers 35). Da die Katholiken
behaupten, sie äßen wirklich Christi natürlichen Leib, sollten sie auch niemals mehr
natürlicherweise Hunger oder Durst verspüren – was sie aber selbstverständlich doch tun. Doch
wenn „hungern und dürsten“ geistliche Begriffe sind, dann muß das auch für das Essen seines
Leibes gelten. Christus sagt offensichtlich, daß, wer an ihn glaubt, ewiges Leben erhält und nicht
immer wieder für eine weitere Ratenzahlung zu ihm kommen muß.

Der Katholizismus legt großen Wert darauf, daß der Gläubige immer wieder den Leib Christi ißt
und sein Blut trinkt. Je mehr Messen man besucht, desto besser, doch auch dann kann man sich
nicht sicher sein, in den Himmel zu kommen, ohne das Fegefeuer erleiden zu müssen. Der
Codex Iuris Canonici, Kanon 904, sagt: „Immer dessen eingedenk, daß sich im Geheimnis des
eucharistischen Opfers das Werk der Erlösung fortwährend vollzieht, haben die Priester häufig zu
zelebrieren; ja die tägliche Zelebration wird eindringlich empfohlen ...“ Die Bibel versichert uns
jedoch in zahlreichen bereits angeführten Versen, daß das Erlösungswerk am Kreuz ein für
allemal vollendet worden ist und daß Christi Opfer niemals wiederholt werden braucht.
Christus spricht: „Dies ist der Wille meines Vaters, daß jeder, der den Sohn sieht und an ihn
glaubt, ewiges Leben habe“ (Johannes 6,40). Dieser Glaube an Christus (den er mit „ihn essen“
verglich) ist eindeutig ein Geschehen, das, einmal vollzogen, für immer Bestand hat. Er sagt
nicht, daß es 20mal, 1.000mal, einmal am Tag oder einmal pro Woche geschehen muß. In dem
Augenblick, in dem ein Mensch Christus im Glauben annimmt, empfängt er Sündenvergebung
und ewiges Leben als kostenloses Geschenk der Gnade Gottes. Ein Mensch, der durch diesen
einmaligen Glaubensakt („Essen“) ewiges Leben erhalten hat, braucht das eindeutigerweise
niemals zu wiederholen. Andernfalls wäre ewiges Leben eine falsche Bezeichnung, denn was
ewig ist, muß für immer halten und braucht nicht wieder erneuert oder bestärkt zu werden.
Betrachten wir noch einmal Christi Worte aus demselben Kapitel:

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, hat ewiges Leben. Ich bin das Brot des Lebens.
Eure Väter haben das Manna in der Wüste gegessen und sind gestorben. Dies aber ist das Brot,
das aus dem Himmel herabkommt, damit man davon esse und nicht sterbe. Ich bin das
lebendige Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist; wenn jemand von diesem Brot ißt,
wird er leben in Ewigkeit. Das Brot aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch, das ich geben
werde für das Leben der Welt (Johannes 6,47-51).

Wo gab Christus sein Fleisch? Nicht beim Letzten Abendmahl, wie es der Katholizismus lehrt,
sondern am Kreuz. Dieser Auslegungsfehler ist wieder äußerst verhängnisvoll. Denn wenn dies
wortwörtlich zugetroffen hätte, als Christus beim Letzten Abendmahl sagte, „dies ist mein Leib ...
dies ist mein Blut“, dann opferte er sich selbst bevor er ans Kreuz ging! Das ist aber tatsächlich
die seltsame Lehre des Katholizismus: „Unser Erlöser hat beim Letzten Abendmahl in der Nacht,
da er überliefert wurde, das eucharistische Opfer seines Leibes und Blutes eingesetzt, um
dadurch das Opfer des Kreuzes durch die Zeiten hindurch bis zu seiner Wiederkunft fortdauern
zu lassen ...“(Neuner-Roos, Der Glaube der Kirche, Pustet-Regensburg).

Wir wiederholen: Wenn Christus in Johannes 6 von seinem stofflichen Leib und Blut spricht, dann
werden die, die von ihm essen, niemals stofflich sterben. Aber selbst alle Apostel sind gestorben.
Wenn er nicht meinte, daß das Essen seines Fleisches den stofflichen Tod verhindert, dann
meinte er auch kein Essen seines stofflichen Fleisches. Er spricht offensichtlich das ganze
Kapitel über in geistlicher Hinsicht, so wie er es auch an anderen Stellen tut.

Traurigerweise wird der Katholik durch das Dogma, Christus spräche hier von stofflichen Dingen,
davon abgehalten, von ihm das geistliche ewige Leben zu empfangen. Rom beansprucht, „die
von Christus erwirkten Verdienste“ zu verwalten und jedesmal, wenn der Katholik (so stellt man
sich es vor) Christi buchstäblichen Leib und Brot verzehrt, eine weitere Ratenzahlung dieser
Verdienste auszuteilen. Die Messe muß endlos wiederholt werden.

Gleichnisse für die Volksmenge

Wenn Jesus sagt, „Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, so wird er errettet
werden“ (Johannes 10,9), verstehen das auch Katholiken nicht so, als ob Christus eine natürliche
Tür sei, durch die man wortwörtlich mit seinem natürlichen Leib hindurchgehen müßte, damit man
errettet wird. Er benutzt diese Analogie zur Veranschaulichung, daß man durch den Glauben an
ihn wie durch eine Tür in ein neues geistliches Dasein tritt, das ewige Leben. Als Jesus sagte,
„Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird
das Licht des Lebens haben“ (Johannes 8,12), sprach er dabei nicht von natürlichem, sondern
von geistlichem Licht, welches die empfangen, die ihm nachfolgen, im Gegensatz zu der
geistlichen Finsternis, mit der diese Welt umgeben ist.

Wir könnten hier noch viele weitere Beispiele anführen, was aber überflüssig wäre. Jesus rief die
Menschen ständig zum Glauben an ihn auf. Worüber er auch immer sprach, seien es Wasser
und Wiedergeburt, Schafe und Hirte, Same und Sämann, Bäume und Früchte, Weinstock und
Reben, seien es Brot oder eine Tür, es war stets dazu gedacht, durch das natürliche Gegenstück
eine geistliche Wahrheit zu vermitteln, und sollte nicht wortwörtlich aufgefaßt werden. Uns wird
auch insbesondere gesagt, daß immer, wenn Jesus zu einer Volksmenge redete, er stets in
Gleichnissen sprach: „Dies alles redete Jesus in Gleichnissen zu den Volksmengen, und ohne
Gleichnis redete er nichts zu ihnen“ (Matthäus 13,34).

In Johannes 6 spricht Christus ebenfalls zu einer Volksmenge. Von daher wissen wir, daß er, wie
immer, in Gleichnissen zu ihnen redete und dabei eine sinnbildlich-geistliche und keine
wortwörtlich-natürliche Sprache benutzte. Es bestehen selbstverständlich noch weitere Gründe,
das einzusehen.

Weitere zwingende Argumente

Für einen Juden war es und ist es immer noch gegen das Gesetz, Blut zu sich zu nehmen (3.
Mose 7,26.27; 17,10.11 u.a.), und unter der Leitung des Heiligen Geistes forderten die Apostel
auch die Heidenchristen als zu etwas „Notwendigem“ auf, sich „von Blut zu enthalten“
(Apostelgeschichte 15,28.29). Christus würde deshalb sicherlich nicht Christen oder Juden dazu
anhalten, buchstäblich sein natürliches Blut zu trinken. Und das Essen seines stofflichen Leibes
wäre Kannibalismus, was er nicht befürwortet und schon gar nicht gefordert hätte. Es ist
einleuchtend, daß er sich auf den Glauben an ihn bezog und dies durch sinnbildliches Essen und
Trinken veranschaulichte:

Ich bin das Brot des Lebens: Wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird
nie mehr dürsten. Aber ich habe euch gesagt, daß ihr mich auch gesehen habt und nicht
glaubt ... Wer glaubt, hat ewiges Leben. Ich bin das Brot des Lebens ... Das Brot aber, das ich
geben werde, ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt ... Wenn ihr nicht das
Fleisch des Sohnes des Menschen eßt und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch selbst.
Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben (Johannes 6, 35.36.47.48.51.53.54).

Es gibt einen einleuchtenden Grund, weshalb Christus dieses Bild vom Essen benutzte. Im Alten
Testament aßen die Priester von dem Opfer: „Der Priester, der es als Sündopfer opfert, soll es
essen ... Alles Männliche unter den Priestern soll es essen“ (3. Mose 6,19.22; vergl. 6,9.11;
7,6.15 u.a.). So verdeutlichte Christus den Juden, daß er die Erfüllung der alttestamentlichen
Opfer sei und daß sein Leib und Blut für die Sünden der Welt hingegeben werden. Er führte damit
auch die Priesterschaft aller Gläubigen ein. Unter dem Gesetz aßen nur die Priester von dem
Opfer, aber jetzt müssen alle ihn durch Glauben in sich aufnehmen, um durch Gottes Gnade die
Gabe des ewigen Lebens zu empfangen. Alle müssen glauben, daß der Sohn Gottes ein Mensch
aus buchstäblichem Fleisch und Blut geworden ist, damit er für die Menschen sterbe.

Paulus schrieb: „Wenn wir auch Christus nach dem Fleisch gekannt haben, so kennen wir ihn
[wie er vor seinem Kreuzestod war] doch jetzt nicht mehr so“ (2. Korinther 5,16). Die Behauptung,
der Leib Christi, den er vor seiner Kreuzigung hatte, würde auf den katholischen Altären wieder
erschaffen, um dann wieder für Sünden geopfert zu werden, widerspricht eindeutig der Bibel.

Wir können sichergehen, daß keiner von den Jüngern Christi glaubte, das Brot in seinen Händen
sei sein wirklicher Leib. Es wäre unmöglich, daß das Brot sein wirklicher Leib war und er
gleichzeitig in seinem wirklichen Leib zugegen war. Eine derartige Phantasievorstellung kam den
Jüngern nicht in den Sinn und wurde erst viel später erfunden. Weder Christi Worte übermittelten
das, noch liegt ein Grund zur Annahme vor, die Jünger hätten daraus eine solche Bedeutung
abgeleitet. Erst Papst Pius III. erklärte im Jahre 1215 die Messe in einem offiziellen Dogma zum
„Opfer“.

Die ähnliche Sichtweise der Lutheraner

Martin Luther konnte sich von vielen Elementen seines Katholizismus (z. B. Säuglingstaufe) nicht
losreißen, und so verblieb vieles davon bis auf den heutigen Tag in den nach ihm benannten
reformierten Kirchen. Die Lutheraner lehnen die Lehre der Transsubstantiation zwar ab, erklären
jedoch:

Der wahre, wirkliche Leib und das Blut Christi sind irgendwie gegenwärtig, auf einzigartige Weise,
im, mit und unter Brot und Wein, die im heiligen Mahl beiseite gestellt, gesegnet und verzehrt
werden. Das ist die schlichte Bedeutung der Schrift (Matthäus 26,26-28; 1. Korinther 10,16;
11,23-32) ... Die lutherische Lehre besagt, daß das Brot und der Wein des heiligen Mahles Leib
und Blut Christi sind. Wie das sein kann, verstehen und wissen wir nicht. Aber ... Christus ...
sagte, daß das Brot sein heiliger Leib und der Wein sein Blut ist. Wir wiederholen nur seine Worte
... Wer Christi Worte über dieses Sakrament nicht glaubt, erkennt in dem Mahl nicht seinen Leib –
oder sein Blut – und kann das Sakrament so nur auf unwürdige Weise empfangen ... (John M.
Drickamer, The real Presece, Christian News, 1994).

Die Frage lautet nicht, ob man Christi Worten glaubt, sondern wie seine Worte zu verstehen sind.
Wir haben nicht mehr Grund, ihn wörtlich zu nehmen, wenn er sagt „dies ist mein Leib“, als wenn
er sagt „ich bin die Tür“.

Luther lehrte wenigstens nicht, Christi Opfer würde endlos wiederholt und Sündenvergebung und
ewiges Leben empfinge man in Raten durch das Verzehren von Brot und Wein. Diese aus der
Transsubstantiationslehre hervorgehende Verblendung hält die Katholiken vom Glauben an
Christus fern. Die Eucharistie ist das Herzstück des falschen Evangeliums der Werke, das der
Katholizismus verkündet.

Traurigerweise hat man den frommen Katholiken von dem schlichten Glauben an Christus als
seinen Erretter abgelenkt auf das hin, was er für das stoffliche Verzehren von Christi Leib und
Blut hält. So kommt für ihn die Errettung nicht aus Glauben, sondern aus Werken, nicht aus
Glauben, sondern durch Essen. Kein Wunder, daß es einem Katholiken so schwer fällt, das
biblische Evangelium anzunehmen! Ihm ist beigebracht worden, er käme jedesmal, wenn er den
angeblichen Leib und das angebliche Blut in sich aufnähme, der Errettung und dem Himmel
einen Schritt näher. Ein solcher Mensch findet es offensichtlich äußerst schwierig zu akzeptieren,
daß er durch einen Glaubensschritt auf ewig errettet ist und bei seinem Tod unmittelbar in die
Gegenwart Christi übertritt – und nicht ins Fegefeuer.

Die Lehre davon, daß die von Christus erwirkten „Erbarmungen und Gnaden“ dem Gläubigen
durch die katholische Liturgie, insbesondere durch die Messe, in Raten zuteil werden, verleugnet
das Evangelium der Gnade Gottes. Die angebliche Vollmacht des Priesters, die kleine Hostie und
den Wein in das wortwörtliche Fleisch und Blut Christi zu verwandeln, ist das Herzstück der Lüge.
In seiner Unwissenheit über die biblische Lehre, daß das eine Opfer Christi absolut ausreichend
ist, und daß es „kein Opfer für Sünde mehr gibt“ (Hebräer 10,18), ist der Katholik von seiner
Kirche davon überzeugt worden, das wiederholte Opfern Christi auf den katholischen Altären
bezahle seine Sünden: „Die Messe ist ein wahrhaftiges Versöhnungsopfer, durch das der Herr
beschwichtigt und Fehltritte und Sünden vergeben werden ...“ (Hardon, Seite 248).

Ein „Wunder“?

Wer die Vorstellung der Transsubstantiation ablehnt, wird beschuldigt, nicht an Wunder zu
glauben. Ja, „bei Gott sind alle Dinge möglich“ (Matthäus 19,26; Markus 10,27). Aber auch zum
Verständnis dieser Aussage muß man das Wesen Gottes und das Wesen der Wirklichkeit
miteinbeziehen. Gott kann nicht zu einem Dämon oder zum Teufel werden, und er kann auch
nicht lügen (Titus 1,2). Gott kann auch nicht zum Universum werden, denn er ist wesenhaft vom
Universum getrennt und unterscheidbar, weshalb Pantheismus eine unmögliche Vorstellung ist.

In gleicher Weise muß auch ein Wunder innerhalb der Grenzen der nachprüfbaren Wirklichkeit
ablaufen. Eine in Christi Leib und Blut „verwandelte“ Hostie behält jedoch alle ihre ursprünglichen
Eigenschaften bei und entbehrt von daher etwas wesentliches eines Wunders: Es muß
wahrnehmbar sein und dadurch Gott verherrlichen. Da die Hostie und der Wein unverändert sind,
bleibt das angebliche Wunder ungesehen. Aber ein Wunder muß beobachtbar sein (der Lahme
geht, der Blinde sieht, der Sturm legt sich sofort, der Tote ersteht auf Befehl auf usw.), oder
andernfalls kann niemand wissen, daß es geschehen ist, und so kann niemand Gott die Ehre
dafür geben.

Natürlich wäre Gott dazu imstande, eine Hostie in menschliches Fleisch zu verwandeln.
Johannes der Täufer sagte, „daß Gott dem Abraham aus ... Steinen Kinder zu erwecken vermag“
(Matthäus 3,9; Lukas 3,8). Aber wenn er das getan hätte, dann hätten die zu Menschen
gewordenen Steine weder weiterhin wie Steine ausgesehen, noch hätten sie die Eigenschaften
von Steinen gehabt. Die Verwandlung einer Hostie in menschliches Fleisch und Blut würde weder
das Wesen Gottes noch das Wesen der Wirklichkeit abstreiten. Aber die Transsubstantiation ist
kein solches Wunder.

Ein derartiges „Wunder“ gibt es in der Bibel nicht. Stellen wir uns vor, Christus hätte einen
Blinden „unter der Gestalt“ der weiterbestehenden Blindheit geheilt, oder einen Toten „unter der
Gestalt“ der Leblosigkeit auferweckt. Solche Vorstellungen sind lächerlich, doch genau das ist
das Wesen des „Transsubstantiationswunders“.

Nehmen wir das Wunder vom in Wein verwandelten Wasser auf der Hochzeit zu Kana. Als der
Speisemeister des Festes davon gekostet hatte, sagte er zum Bräutigam: „Du hast den besten
Wein bis jetzt aufbewahrt“ (Johannes 2,10). Stellen wir uns nur vor, anstatt dessen hätte er
gesagt: „Das ist kein Wein, das ist Wasser!“ Die Diener antworten ernsthaft: „Nein, mein Herr, es
ist Wein.“ Die Stimme des Speisemeisters wird zusehends ärgerlicher: „Redet keinen Unsinn! Es
sieht aus wie Wasser, es schmeckt wie Wasser, es ist Wasser!“ Die Diener bleiben hartnäckig:
„Aber mein Herr, es ist Wein. Jesus hat auf wunderbare Weise Wasser unter der Gestalt von
Wasser in Wein verwandelt.“ - In der Bibel gibt es kein derartiges „Wunder“.

Verwesung, Verdammnis und Tod

Wir wollen noch einen weiteren Grund dafür betrachten, weshalb die Transsubstantiation ein
Schwindel ist. Der Psalmist schrieb (und Petrus zitierte diese Prophezeiung später in seiner
Pfingstpredigt, so wie auch Paulus): „Du ... wirst nicht zugeben, daß dein Heiliger die Verwesung
sehe“ (Psalm 16,10; vergl. Apostelgeschichte 2,27; 13,35). Christi Leib ist im Grab nicht verwest.
Doch die konsekrierte und verwandelte Hostie, die für Kranke aufbewahrt oder zur Anbetung
ausgestellt wird, verfault und verwest, sofern sie nicht rechtzeitig entsorgt wird. Wenn sie wirklich
Christi Leib wäre, könnte sie nicht verderben.

Tragischerweise wird die Messe für Katholiken ein Grund zur Verdammnis, denn sie sind „unter
der Strafe der ernsten (Tod)-Sünde dazu verpflichtet, an Sonn- und Feiertagen der Messe
beizuwohnen ...“ (Hardon). Einer aktuellen Umfrage zufolge besuchen an einem „gebotenen
Sonntag“ nur 33% der amerikanischen Katholiken die Messe, (Catholic World Report, 1994) und
weit weniger tun das wie verlangt an jedem Sonntag. In Frankreich (das zu 90% katholisch ist)
findet man an Sonntagen nur 12% der Katholiken bei der Messe. Das läuft auf einen sehr hohen
Prozentsatz von Katholiken hinaus, die in Todsünde leben und somit die „heiligmachende Gnade“
und das „Anrecht auf den Himmel“ verloren haben.

So wichtig ist das Dogma der Transsubstantiation für Rom, daß all die Vielen, die es nicht
hinnehmen konnten, dafür auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Aus diesem Grund wurden
auch die meisten der 288 englischen Märtyrer den Flammen übergeben, als die „Bloody Queen
Mary“ („blutige Königin Maria“), nach einer kurzen Zeit spärlicher Freiheit von päpstlicher
Tyrannei den Katholizismus nach England zurück brachte.

Viele treue und fromme Katholiken wollten England für die geliebte Mutter Kirche bewahren und
freuten sich, als die Reformation zurückgeschlagen wurde. Heute sind es die führenden
Evangelikalen, die nur zu glücklich wären, wenn sie die Reformation ungeschehen machen
könnten und Christus und sein Evangelium somit verleugnen. Und darüber hinaus höhnen sie
derer, die ihr Leben nicht Wert achteten und es einsetzten, damit uns dieses Evangelium erhalten
blieb.

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Norbert Homuth

DAS PAPSTTUM

Eine Schlüsselfigur zum Verständnis der Endzeit Päpste ist der Zisterzienser Abt Joachim von
Fiore, der um die Wende des 12 . Jahrhunderts mit seiner flammenden Falschprophetie eine
ungeheuere geistige Bewegung auslöste. Er kündigte das Kommen eines Neuen Zeitalters (New
Age) an, nämlich das Reich des Hl. Geistes, das das alttestamentliche Reich des Vaters und das
neutestamentliche Reich des Sohnes ablösen würde. Eine neue Kirche sollte an die Stelle der
bisherigen Petrus-Kirche treten, die johannische Geistkirche. Die Sukzessionskette der Päpste,
die angeblich bis auf Petrus zurückführt, sollte nun einer Sukzession weichen, die auf Johannes
zurückgeht. (Friedrich Heiler, Die Religionen der Menschheit, Stuttgart 1980, S.449).

Diese spiritualistische Bewegung war die Triebfeder aller Kreuzritter, Mystiker, Vorreformatoren
und mündete schließlich in die Reformation ein. Die johannische Geistkirche ist der mystische
Hintergrund aller Johannes Bewegungen wie Johanniter Ritter, Johannis Loge, Johannes
Bruderschaft, Brüder vom gemeinsamen Leben, Gottesfreunde, Begarden, Bogmilen,
Hugenotten usw. So paradox es klingen mag, die stockkatholischen Kreuzritter (Johanniter,
Templer), die durch Gnosis, Kabbala u. Rosenkreuzerei re-judaisiert und damit arianisiert aus
dem Hl. Lande zurückgekehrt waren, wurden die eigentlichen Schrittmacher zur Reformation
Luthers.

Der innerste Kreis aller Kreuzritter Orden, der Orden hinter den Kulissen, war der in Frankreich
gegründete Zions-Orden oder auch Prieure de Sion (Älteste von Zion) genannt. Sie bestanden
hauptsächlich aus Juden, und ihr Symbol war die Lilie und das M. Warum das M, ist bis heute
nicht eindeutig geklärt. Das M erschien auch auf dem Baphomet-Kopf, den die Templer
verehrten. Weil sich der Zions-Orden, der in der breiten Öffentlichkeit als Johanniter Orden in
Erscheinung trat, seine lückenlose Tradition bis auf Johannes den Täufer zurückverfolgen
konnte, hat jeder Herrenmeister der Prieure de Sion den Beinamen Johannes angenommen, und
die Amtsbezeichnung "Nautonier", lat.: nauta = Steuermann. (Licoln-Baigent-Leigh, Der Heilige
Gral und seine Erben, Lübbe, 1984, S.98. 359).

Als im Jahre 1963 Jean Cocteau, der 22 .Johannes und Herrenmeister der Zions Ritter im
Sterben lag, war bereits sein Nachfolger als 23. Johannes bestimmt, ein gewisser Monsignore
Roncalli, der als Kardinal in Mesembrina in die Freimaurer-Loge aufgenommen wurde. (Pier
Carpi, Die Prophezeiungen von Papst Joh. XXIII., Rom 1976.) Als Papst Johannes XXIII. streifte
er sich den Fischerring über und hatte damit das Jahrtausend Ereignis perfekt gemacht: Der 23.
Johannes des Zions-Ordens war zugleich der 23. Johannes auf dem Papstthron!

Der Freimaurer Jan K.Lagutt schreibt in seinem Buch Grundstein der Freimaurerei, Zürich 1971,
S.138: "Man kann sich ruhig fragen, weshalb der derzeitige Papst den Namen Johannes
angenommen hat, einen Namen, der seit Jahrhunderten von keinem Papst mehr getragen
worden war. Ist es nur Zufall? Mögen die Uhren Roms in mehreren Stücken auch anders gehen,
so weiß man dort ebenso genau als anderswo, daß wir im ersten Frührot einer Neuen Ära leben.“

Man muß wissen, daß der letzte Papst mit dem Namen Johannes ein Epigone Joachims v. Fiore
war, ein Gegenpapst, der das johannische Papsttum gegen das petrinische durchsetzen wollte,
damals aber noch nicht damit durchdrang. An diesen Gegenpapst schloß sich Roncalli bewußt
an, als er sich Johannes nannte, und wie der Gegenpapst: Johannes der 23.

Noch ein Aspekt darf in diesem Zusammenhang nicht verschwiegen werden: Die sogenannten
Weissagungen des Malachias, eines irischen Mönches, der ebenfalls im 12. Jahrhundert lebte,
also genau in der Zeit Joachims v. Fiore und der Blütezeit des Zions Ordens. Erst 1188 trennten
sich die Templer ab und bildeten einen eigenen Orden. In den Weissagungen des Malachias
werden alle Päpste vom 12. Jahrhundert an bis zum letzten Papst, den es geben wird,
aufgezählt; nicht mit Namen natürlich, aber mit Nummerierung und jeder Papst wird mit einem
lateinischen Prädikat, das ihn oder seine Arbeit speziell charakterisiert, versehen. Und darin liegt
die eigentliche Weissagung. Insgesamt sind es 113 Päpste. Der jetzige Papst Wojtyla ist der 110.
Papst, danach kommen noch drei, dann gibt es keine Päpste mehr. Der 107. Papst, also
Johannes XXIII., ist mit dem Prädikat "pasteur et nautonier" versehen (lateinisch: pastor et nauta
= Hirte und Steuermann).

Ich glaube nicht, daß es sich hier tatsächlich um eine "Weissagung" dreht, sondern einfach um
ein Programm, das in der internen Machtzentrale des Zions Ordens vor vielen Jahrhunderten
ausgearbeitet worden und seither durchgezogen wird.

Ich habe für diese Annahme genügend Hinweise. Das Unerklärliche liegt ja nicht nur darin, daß
Malachias alle Päpste vorausgesehen haben will, sondern auch darin, daß er genau für den 107.
Papst die Bezeichnung "nautonier" eingesetzt hatte. Das weist ganz klar auf einen
Zusammenhang zwischen den Malachiasweissagungen und den Prieure de Sion hin; denn auch
der Herrenmeister der Zionsritter heißt "Nautonier".

Zufall? Weissagung? Bei diesen Leuten will ich einfach nicht an göttliche Weissagung glauben,
eher an Methode und Planung. Man denke nur an die sog. Protokolle der Weisen von Zion aus
dem 19 .Jahrhundert, in denen die Weltherrschaft durch Zion und den Zionismus vorausgesagt
wird. Wahrscheinlich sind beide: die Malachiasweissagungen und die Protokolle der Weisen von
Zion von den Prieure de Sion verfaßt.

Außerdem ist es doch sehr erstaunlich, daß die Malachiasweissagungen einen Papst mit dem
Namen Johannes der 23. und der Bezeichnung nautonier genau zu dem Zeitpunkt auftreten läßt,
als bei den Zionsrittern der 22. Johannes gestorben war.

Dahinter steckt Methode, außerdem haben die johannischen Päpste noch eine Rechnung zu
begleichen: der johannische Gegenpapst Joh.XXIII. drang im 13. Jahrhundert nicht durch. Jetzt
aber war die Zeit reif, die petrinische Papstlinie zu durchbrechen. Und das tat der Roncalli Papst
durch das 2. Vatikanische Konzil sattsam.

Der Nachfolger des Roncalli Papstes erscheint auf der Malachias Liste als der 108.Papst und hat
das Prädikat flos florum (Blume der Blumen). Es war Paul VI. In seinem Wappen erscheint
tatsächlich die flos florum, die Lilie. Und ausgerechnet die Lilie ist auch das Wappen der
Zionsritter. Zufall? Kaum! Das andere Zeichen des Zions Ordens - wir erwähnten es schon - ist
das M, das auch die Templer hatten. Das M erscheint seltsamerweise auf dem Wappen des
jetzigen Papstes Wojtyla.

Ab Joh. XXIII. sollen alle Päpste Freimaurer sein, auch der 33 Tage Papst Joh. Paul I., der
angeblich einem Ritualmord zum Opfer gefallen war. Dieser 33 Tage Papst empfahl den Luzifer
Freimaurer G. Carducci als Vorbild für die Jugend.

Von Carducci stammt die Satanshymne "Inno a Satana":


"Und schon erzittern Mitren und Kronen / Heil dir, Satan / o Rebellion / o rächende Kraft der
Vernunft“.
Carducci war Gründer der Propaganda Freimaurerei in Italien (Propaganda Due = P 2) . Mitglied
war auch der Wojtyla Intimus Kardinal Marzinkus.

Über die Logenmitgliedschaft der beiden Päpste Joh. XXIII (Roncalli) und Paul VI. (Montini)
wurde in konservativen katholischen Kreisen viel gemunkelt. Den Beweis aber konnte keiner
erbringen. Das mußte ein weltlicher Journalist der Corriere della Sera besorgen, Pier Carpi. Er
schildert in dem Buch Die Prophezeiungen von Papst Johannes XXIII (Rom 1976) die Erhebung
des damaligen Kardinals Roncalli in den 7. Grad der Freimaurerloge Der Ritter und die Rose in
Mesembria. (Pier Carpi, Die Prophezeiungen von Papst Joh.XXIII., Rom 1976).

Ein weiterer Beweis, daß auch Paul VI. Freimaurer war, kam aus der Loge selbst. Der
Hochgradfreimaurer (33°) Janie Ayala Ponce schreibt in seinem Buch Introduccion a la
Franemasonria (Mexiko 1983, Teil 1) über die existierenden Aufnahmeakten von Roncalli und
Montini in einer Pariser Loge, die in den Freimaurerzirkeln kursieren. Er bringt sogar ein Bild, das
Montini im Ephod des Hierophanten zeigt. Gewiß war Montini judenstämmig. Aber einen Ephod
tragen heute nur noch die Priester der Freimaurer Hochgrade. Ponce kündigte an, die
Aufnahmezertifikate der beiden in die Pariser Loge in seinem zweiten Band zu veröffentlichen.

Und damit sind wir beim jetzigen Papst, Karol Wojtyla, Johannes Paul II. Was dieser Papst in
seiner bisherigen Amtszeit sich schon alles geleistet hat, geht wirklich auf keine Kuhhaut mehr,
z.B.:
5. 9. 1980: Ansprache in Accra: "Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, Worte der Freundschaft
an meine islamischen Brüder und Schwestern zu richten."
31. 5. 1980: Ansprache in Paris: "Mit großer Freude begrüße ich Sie Muslime, als unsere Brüder
im Glauben an Gott. "
15. 2. 1981: Ansprache in Karatschi: "Ich grüße alle Männer und Frauen guten Willens und
jedweden Glaubens. "
1. 2. 1986: Gebet des Papstes am Gandhi Denkmal: "Unser aller Herr und Gott, wir flehen deinen
Segen herab auf die Anhänger aller religiösen Traditionen... Mache uns fähig, o Herr, mit dir und
miteinander eine Weltgemeinschaft aufzubauen, die die ganze Welt umfaßt."

Einen Höhepunkt als Missionar für den Götzendienst erlebte der Papst beim Kongreß der
Religionen in Assisi. Da forderte er für sich die Rolle eines religiösen Weltenführers. Wojtyla hatte
alle Religionen zum gemeinsamen Gebet nach Assisi eingeladen. Und sie kamen alle: Krethi und
Plethi, Mullas und Yogis, Hotten und Totten, Hindus und Moslems. Friede, Friede keine Gefahr.
Mutter Teresa war auch da und Weltkirchenratschef Castro. Gleich neben dem Papst saß der
Dalai Lama, göttliches Oberhaupt der Buddhisten. Fehlen durften natürlich auch nicht die beiden
Präsidenten des Weltbaptistenbundes und des Methodistischen Weltbundes.

Man bedenke: die altchristlichen Märtyrer weigerten sich standhaft, den Göttern zu opfern und
wurden deswegen gefoltert und zu Tode geschunden. Sie wußten, daß die Anerkennung fremder
Religionen Abfall von Gott ist. Und nun kommt dieser Gnom aus Rom und lädt die Götterpriester,
um deren Ablehnung willen die Märtyrer grausam sterben mußten, nach Assisi ein, wo sie ihren
Götterdienst zelebrierten, in einer christlichen Kirche! Auf dem Altar dieser christlichen Kirche
hatte man frivol eine Buddha Statue aufgestellt.

Zu Beginn seiner Indienreise zeichnete eine Hindu Priesterin dem Papst das Tilak Symbol an die
Stirn. Das Tilak-Zeichen hat seinen Namen von dem Brahmanen Bal Ganghedar, einem
indischen Götterpriester. Als Einweihungsritus erhalten seine Jünger das Tilak-Symbol, einen
roten Punkt an die Stirn. Es ist das Zeichen des Gottes Schiwa, dem Gott der Zerstörung, der
nach indischem Glauben Herr der Welt wird (Luzifer). Sein Symbol ist der Phallus (männl.
Geschl.Organ).

Daß sich der Papst mittlerweile schon öfters mit dem Dalai Lama getroffen hat, der sich für eine
Inkarnation Buddhas hält, fügt sich nahtlos ein in Wojtylas Freimaurer Mentalität.
Laut einer Quelle ist die Mutter des Papstes, eine Kaczorowska= Katz, Jüdin. Vor diesem
Hintergrund wird dann auch verständlich, daß der Papst am Sonntag, den 13 4. 86 den
Oberrabbiner Elio Toaff umarmte und zu einer Feier in der Synagoge neben ihm Platz nahm.
Wojtyla betonte in seiner Predigt: "Siehe wie fein und wie lieblich, wenn Brüder einträchtig
beisammen sind" (Ps.132). Brüder oder Logenbrüder?

Papst Wojtyla ist Ehrenmitglied des Rotary-Club (Spiegel 21/83) und Mitglied der
freimaurerischen Vereinigung Chain des Rotiseur (Bayr. Rundschau 1 .6. 86).

Abschließend noch ein grundsätzliches Wort zur katholischen Kirche bzw. Hure Babylon: Die
Katholische Kirche, Papst, Vatikan usw. ist nicht der Antichrist, sondern Hure Babylon. Hure
Babylon aber bedeutet: da ist noch Volk Gottes drin; denn es heißt ja "gehet aus mein Volk aus
Babylon". Und weil die Katholische Kirche die Große Hure ist, kann man annehmen, daß der
Anteil an Volk Gottes in ihr auch größer ist, als in den Hurentöchtern. Das lehrt auch die
Erfahrung. Katholiken, besonders junge, neigen immer zu einem konsequenten Christentum,
wenn sie aus Babylon herauskommen. Das liegt daran, daß ihnen weder das christliche
Keuschheitsideal fremd ist noch die Absage an die Welt und das Bekennen (Beichten) der
Sünden, während der Protestant mit seiner billigen Gnadenlehre, seiner Genußmentalität u.
seinem "Sag' s Gott und der Wand, so ist die Sünde unbekannt" nur sehr schwer zu einer
radikalen Nachfolge Christi zu bewegen ist.
Also, in der Hure ist noch Volk Gottes drin, vergeßt das nicht, die müssen herausgerufen werden.

Aus aktuellem Anlass dem Buch von Norbert Homuth Die Verführung des Antichristen
entnommen.

Horst Koch, Herborn den. 6. 4. 2005

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Das Blut der Märtyrer


Und es kam einer von den sieben Engeln und sprach zu mir: „Komm, ich will dir zeigen das Urteil
der großen Hure, mit welcher gehurt haben die Könige auf Erden und sind trunken geworden
vom Wein ihrer Hurerei; und das Weib... hatte an ihrer Stirn geschrieben einen Namen, ein
Geheimnis: Die große Babylon, die Mutter der Hurerei und aller Greuel auf Erden..., und ich sah
das Wein trunken vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen Jesu“

(Offenbarung 17)

Das schreckliche Gebaren dieses Heiligen Offiziums [Inquisition] schwächte die Kraft und
verminderte die Bevölkerung Spaniens durch die Verhaftung der führenden Künstler,
Wissenschaftler, Industriellen und Händler und durch die Nötigung unzähliger Familien, das
Königreich zu verlassen, durch die Anstiftung zur Vertreibung der Juden und Mauren, und durch
die Hinrichtung von mehr als 300.000 Opfern auf seinen flammenden Schlachtbanken.

Jean Antoine Llorente, Sekretär der spanischen Inquisition, 1790-1792

Dave Hunt

Das Blut der Märtyrer

( Die Inquisition )

Das Blut der Märtyrer


Die obigen Zitate zeigen zwei entgegengesetzte Sichtweisen auf, die beide von Katholiken
stammen. Nur eine davon ist richtig. Die Wahrheit erfahren wir aus Johannes’ Vision und aus der
Geschichte. Die Frau auf dem Tier ist „trunken vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen
Jesu“ (Offenbarung 17,6). Es ist eine entsetzliche Vorstellung, aber eine, die durch die
Geschichte allein für Rom und für keine andere Stadt gänzlich in Erfüllung gegangen ist. Von
jedem Bürger des Reichs wurde die Zugehörigkeit zur römisch-katholischen Kirche verlangt.
Wenn jemand dem Papst nicht von ganzem Herzen seine Untertanentreue erwies, wurde er als
Verräter des Reichs angesehen, und ihm drohte die Todesstrafe. Das war die Grundlage für die
Hinrichtung von Hunderttausenden. Wie es ein paar Jahrhunderte später beim Islam der Fall sein
sollte, wurde der gesamten Bevölkerung Europas unter Androhung von Folter und Todesstrafe
ein heidnisiertes Christentum auferlegt.

So wurde der römische Katholizismus zur „am meisten verfolgenden Religion, die die Welt je
sah ... die befiehlt, der Thron (der Staat) solle all seinen Untertanen die christliche Religion
aufzwingen ... Innozenz III. ermordete weit mehr Christen an einem Nachmittag ... als irgendein
römischer Kaiser in seiner ganzen Regierungszeit.“(Peter de Rosa Die dunkle Seite des
Papstums) Will Durant schreibt offen:

Verglichen mit der Verfolgung von Ketzern in Europa von 1227 bis 1492, war die römische
Christenverfolgung der ersten drei Jahrhunderte nach Christus ein sanftes und menschliches
Unterfangen.

Mit jeder für einen Historiker erforderlichen und einem Christen erlaubten Einräumung müssen
wir die Inquisition auf die gleiche Stufe stellen mit den Kriegen und Verfolgungen unserer Zeit
sowie mit den finstersten Makeln der Menschheitsgeschichte, und sie offenbart eine
Grausamkeit, die von keinem wildem Tier bekannt ist.

Natürlich ließen sich nicht alle Andersdenkenden ihre Untreue Rom gegenüber öffentlich
anmerken. Es gab geheime Ketzer, die man mit Sorgfalt aufspüren mußte. Die ersonnene
Methode war die Inquisition, mit ihrer Zerstörung von Leben, Besitz, Moral und Menschenrechten,
nach Auffassung des ägyptischen Autoren Rollo Ahmed „die gnadenloseste und grausamste
Institution, die die Welt je gekannt hat“. Lord Acton, ein Katholik, nannte die Inquisition
„mörderisch“ und erklärte, die Päpste waren „nicht nur Mörder im großen Stil, sondern sie
machten Mord obendrein zur Rechtsgrundlage der christlichen Kirche und zur Vorbedingung des
Seelenheils“. (De Rosa)

Keine Lossprechung für Rom

Verteidiger des römisch-katholischen Glaubens versuchen ihre Kirche hinterlistig von jeder
Verantwortlichkeit für die tatsächliche Ketzerverbrennung loszusprechen. Sie behaupten, die
Inquisition sei das Werk des Staates gewesen. Aber im Gegenteil, „die verbindende Kraft der
Gesetze gegen die Ketzer lag nicht in der Macht der weltlichen Fürsten, sondern in der
souveränen Herrschaft, welche der Papst als Statthalter Gottes auf Erden über Leben und Tod
aller Christen zu besitzen behauptete“, wie Innozenz III. es ausdrücklich sagt. (Ignaz von
Döllinger, Der Papst und das Concil)

Die Strafen wurden von den Zivilbehörden ausgeführt, aber nur als der säkulare Arm der Kirche.
Innozenz III. befahl dem Erzbischof von Auch in der Gaskogne: „Wir erteilen dir den strikten
Befehl, daß, mit welchen Mitteln immer du imstande bist, du alle diese Ketzer vernichten sollst ...
du magst die Fürsten und das Volk dazu bringen, sie mit dem Schwert niederzuzwingen.“ Der
Papst „bot dem König und den Adligen Frankreichs für die Hilfe bei der Ausrottung der Katharer
einen vollständigen Ablass an“. Philip August bot der Papst als Gegenleistung für eine solche
Hilfe die Ländereien all jener an, die nicht an einem Kreuzzug gegen die Albigenser teilnahmen.
(Durant)

Comte Le Maistre schreibt in seinen Briefen aus dem Jahre 1815, mit denen er die spanische
Inquisition rechtfertigen wollte, daß „sie kraft der Bulle des höchsten Oberhirten bestünde“ und
daß der Großinquisitor „stets entweder ein Bischof oder ein Erzbischof ist“. Wenn die Behörden
die Hinrichtung der Verurteilten verweigerten, wurden sie selbst vor das Tribunal gestellt und den
Flammen überliefert. Es waren die Päpste selbst, die die Inquisition erfanden und für ihre
Ausübung sorgten. „Gregor IX. übergab im Jahre 1233 das Offizium [die Inquisition] dauerhaft in
die Hände der Dominikaner, die sie jedoch stets im Namen und in der Vollmacht des Papstes
ausführen sollten.“ Wie bereits festgestellt, hat „von achtzig aufeinanderfolgenden Päpsten vom
dreizehnten Jahrhundert an nicht einer die Theologie und den Apparat der Inquisition mißbilligt.
Im Gegenteil, einer nach dem anderen setzte dieser tödlichen Maschinerie noch seine eigenen
Grausamkeiten hinzu.“ (De Rosa) Wir zitieren nicht Protestanten oder ehemalige Katholiken,
sondern katholische Historiker. Beim im 19. Jahrhundert führenden katholischen Professor für
Kirchengeschichte (Ignaz von Döllinger) lesen wir:

Durch Gratian ... und die Gesetzgebung und unermüdliche Tätigkeit der Päpste und ihrer
Legaten seit dem Jahre 1183 wurde die Ansicht der alten Kirche ... verdrängt und das Prinzip
geltend gemacht, daß jede Abweichung von der Lehre der Kirche und jede prinzipielle
Auflehnung gegen eine kirchliche Satzung mit dem Tode und zwar in geschärfter Weise, durch
das Feuer, zu bestrafen sei ... Schon die bloße Weigerung zu schwören und die Meinung, daß
der Eid verboten sei, erklärte Innozenz III. für todeswürdige Ketzerei. Und derselbe Papst
verfügte, daß wer nur sich von der gewöhnlichen Lebensweise des großen Haufens in Etwas
unterscheide, als Häretiker behandelt werden solle. Die Initiative sowohl als die folgerichtige
Durchführung dieser neuen Grundsätze ist den Päpsten allein zuzuschreiben ... Vom Jahre 1200
bis 1500 läuft die lange Reihe der an Härte und Grausamkeit immer zunehmenden päpstlichen
Verordnungen über die Inquisition ohne Unterbrechung fort. Es ist eine Gesetzgebung von einem
durchaus einheitlichen Geiste; jeder folgende Papst bestätigt und erklärt die Anordnungen seiner
Vorgänger und baut auf ihrer Grundlage weiter. Alles ist nur Mittel zu dem einen Ziel völliger
Ausrottung jeder Glaubens-Abweichung ... Nur das Machtwort der Päpste und der Wahn, daß sie
auch in allen durch die Grundsätze der evangelischen Moral zu entscheidenden Fragen unfehlbar
seien, bewirkte, daß sich die christliche Welt, schweigend, ohne Reklamation, den
Gesetzeskodex der Inquisition aufdrängen ließ, welcher den einfachsten Regeln christlicher
Gerechtigkeit und Nächstenliebe widersprach und in der alten Kirche mit allgemeinem Abscheu
aufgenommen worden wäre.

Weit davon entfernt, ihre Urheber zu sein, versuchten die Zivilbehörden oftmals, Widerstand
gegen die Inquisition zu leisten, aber sie vermochten es nicht. Dazu gezwungen das Urteil zu
vollstrecken, „erdrosselten die Henker manchmal die Verurteilten, bevor sie das Feuer
anzündeten“ (Samuel Vila, Historia de la Inquisicion y la Reforma en Espana).

Solche unzulänglichen Gnadenakte waren leider die seltene Ausnahme. Einige wenige mitleidige
Stimmen erhoben sich innerhalb der Kirche: „Männer, wie ... der heilige Bernhard, hatten
gemahnt, daß Christus ein solches Verfahren, wie es die Päpste nachher vorschrieben,
ausdrücklich verboten habe, daß man damit nur Heuchler mache und Abscheu und Widerwillen
der Menschen gegen die blutdürstig und verfolgungssüchtig gewordene Kirche und Geistlichkeit
befestige und steigere“ (Döllinger). Aber der größte Teil der Geistlichkeit stimmte mit den Päpsten
überein.

Päpstliche Dekrete

Wir hören des öfteren von päpstlichen Dekreten, die den säkularen Widerstand in die Schranken
gewiesen haben. Will Durant berichtet uns, daß Leo X. im Jahre 1521 eine Bulle mit dem Namen
Honestis herausgab, in welcher er „die Exkommunikation aller Beamten anordnete und religiöse
Gottesdienste in allen Gemeinschaften aufhob, die ohne Untersuchung oder Nachfrage die
Vollstreckung der Inquisitionsurteile verweigerten“. Betrachten wir dazu die Zurechtweisung von
Klemens V. an König Edward II.:

Wir haben vernommen, daß ihr entgegen der Gesetze unseres Landes die Folter verboten habt.
Eines Staates Gesetz kann jedoch nicht die kanonischen Gesetze [der Kirche] umstoßen.
Deshalb befehle ich euch, jene Menschen sofort der Folter zu unterwerfen.

Papst Urban II. (1088 -1099), Urheber des ersten Kreuzzuges, verfügte, alle Ketzer müßten
gefoltert und getötet werden. Das wurde zu einem Dogma der Kirche. Sogar Thomas von Aquin
lehrte, Nichtkatholiken oder Ketzer könnte man nach einer zweiten Warnung rechtmäßig töten.
Seine Worte lauten genau: „Sie haben es verdient, durch den Tod von der Erde verbannt zu
werden“ (Thomas von Aquin Summa Theologica).

Papst Martin V. (1417-1431) befahl im Jahre 1429 dem König von Polen, die Hussiten (Anhänger
des beim Konzil zu Konstanz als Ketzer verbrannten Jan Hus) auszurotten, die sich zur Wehr
gesetzt und die Armee des Papstes zurückgeschlagen hatten. Der folgende Auszug aus einem
Brief des Papstes an den König klärt uns darüber auf, weshalb die Päpste die Hussiten und
andere unabhängige Christen hassten und sie vernichten wollten:

Wisset, daß die Absichten des Heiligen Stuhls und die eurer Krone es zur Pflicht erheben, die
Hussiten auszutilgen. Bedenket, daß diese unfrommen Menschen es wagen, die Prinzipien der
Gleichheit zu verkündigen; sie treten dafür ein, daß alle Christen Brüder seien und Gott nicht
bevorzugten Menschen das Recht gegeben habe, die Nationen zu regieren; sie meinen, Christus
sei auf die Erde gekommen, um die Sklaverei aufzuheben; sie rufen das Volk zur Freiheit auf und
verleugnen damit Könige und Priester. Richtet deshalb eure Streitkräfte gegen Böhmen, solange
noch Zeit dazu ist; verbrennet, schlachtet, machet alles zur Einöde, denn nichts könnte Gott
wohlgefälliger oder den Belangen der Könige nützlicher sein, als die Auslöschung der Hussiten.

Die Päpste selbst waren die Autoritäten hinter den Inquisitoren. Sie übten die Macht über Leben
und Tod sogar über Kaiser aus. Hätte irgendein Papst der Inquisition nicht zugestimmt, dann
hätte er sie wenigsten während seiner Amtszeit aufheben können. Wo lesen wir, daß Päpste
Anathemata gegen weltliche Machthaber aussprachen, die ihre Opfer so grausame Tode sterben
ließen? Nirgends! Die zivilen Beamten hätten gern von diesen abscheulichen Morden Abstand
genommen, um ihre eigenen Seelen zu retten, doch der päpstliche Befehl zur Aufhebung der
Inquisition traf niemals ein. Im Gegenteil, die römischen Oberhirten, die die Inquisition ersonnen
und angeordnet hatten, drohten jedem, der nicht die Bestimmungen des Inquisitors ausführte, die
Exkommunikation an. Die heutigen Verteidiger des katholischen Glaubens leugnen die
historischen Tatsachen und beschuldigen jene, die die Wahrheit aufdecken, als „Ungelehrte“. D.
Antonio Gavin, ein katholischer Priester und Augenzeuge der spanischen Inquisition, berichtet
uns:

Die Katholiken glauben an ein Fegefeuer und daran, daß die Seelen dort größere Qualen leiden,
als in der Hölle. Aber ich denke, die Inquisition ist das einzige Fegefeuer auf Erden, und die
heiligen Väter [Priester/Päpste] sind darin die Richter und Henker. Der Leser mag sich vielleicht
eine schreckliche Vorstellung von der Barbarei des Tribunals machen, von dem ich immer
gesprochen habe, aber ich bin sicher, sie wird niemals an die Wirklichkeit heranreichen können,
denn die Wirklichkeit übersteigt jedes Verstehen ...

Die Dogmen bleiben bis heute

Hätte Rom jemals das Übel seiner grausamen Hinrichtung von Hunderttausenden der von ihm so
bezeichneten „Ketzer“ eingestanden, und hätte es die jahrhundertelangen Ausplünderungen und
Morde widerrufen und jene Doktrinen aus seinen Büchern entfernt, dann könnten wir dieses
entsetzliche Greuel vergessen. Daß sie das nicht getan hat, nötigt uns jedoch, so unerfreulich es
auch ist, den geschichtlichen Tatsachen ins Auge zu blicken. Weit davon entfernt, Beschämung
über die Hinrichtung von Ketzern auszudrücken, schreibt 1938 eine bekannte katholische
amerikanische Wochenzeitschrift:

Ketzerei ist ein furchtbares Verbrechen gegen Gott, und jene, die eine Ketzerei ins Leben rufen,
machen sich mehr schuldig, als ein Verräter der staatlichen Regierung. Wenn der Staat das
Recht hat, Verrat mit dem Tod zu bestrafen, ist das der gleiche Grundsatz, der auch der
geistlichen Autorität [der römisch-katholischen Kirche] die Vollmacht über Leben und Tod der
Erzverräter [Ketzer] zugesteht.

Die Unfehlbarkeit kann niemals zugeben, daß sie Fehler gemacht hat. John Foxe sagt uns in
seinem Book of Martyrs: „Eine Kirche, die vorgibt, unfehlbar zu sein, wird immer nach der
Vernichtung jener trachten, die von ihr abweichen ...“

De Rosa weist darauf hin, daß Papst Johannes Paul II. „weiß, daß die Kirche verantwortlich war
für die Judenverfolgung, die Inquisition, für Massaker an Tausenden von Ketzern, für die
Wiedereinführung der Folter in Europa als Mittel gerichtlicher Wahrheitsfindung. Doch er muß
sich vorsehen. Die Doktrinen, die für diese furchtbaren Dinge verantwortlich sind, untermauern
seine Position noch heute.“

Ungehorsam dem Papst gegenüber wurde zum Anzeichen für Ketzerei. Wer sich dessen
schuldig machte, verlor sofort alle normalen Menschenrechte und wurde schließlich getötet.
Betrachten wir dazu die Bulle In Coena Domini von Papst Urban VIII. aus dem Jahre 1627.
Gregor XI. hatte sie 1372 als erster herausgegeben, und Gregor XII. im Jahre 1411 bestätigt, so
wie auch Pius V. 1568 (der auch sagte, sie solle in der Christenheit als ewiges Gesetz bestehen
bleiben).

Jeder Papst fügte neue Züge hinzu, bis es für einen bekennenden Nichtkatholiken in Europa so
gut wie unmöglich war zu leben, fast so, wie es unter dem Antichristen für jeden, der sich ihm
nicht völlig unterwirft, weltweit sein wird. Die Bulle „exkommuniziert und verflucht alle Ketzer und
Schismatiker, sowie diejenigen, welche sie aufnehmen, begünstigen und verteidigen, also alle
Fürsten und Magistrate, welche Andersgläubigen Aufenthalt in ihren Ländern gestatten“
(Döllinger).

Diese Bulle ist auch heute noch in Kraft. Mit der Stützung durch ex cathedra -Verkündigungen
von vier unfehlbaren Päpsten kann es auch nicht anders sein. Dieser Absolutismus bleibt
bestehen, auch wenn Rom gegenwärtig nicht imstande ist, es so dreist durchzusetzen. Der
Codex Iuris Canonici, Kanon 333, Artikel 3, erklärt: „Gegen ein Dekret des römischen Papstes
gibt es weder Berufung noch Widerspruch.“ Das 2. Vatikanum sagt natürlich dasselbe.

Die Frau reitet auf dem Tier und hält seine Zügel! Unglaublich, aber wahr. Ketzerei wurde in den
Augen der Kirche mit Verrat gegen die Krone gleichbehandelt. Die Kirche suchte die Ketzer
heraus, befand sie für schuldig und übergab sie den Zivilbehörden zur Hinrichtung. Als ihr
säkularer Arm handelte der Staat auf Geheiß der Kirche und tötete die Ketzer, konfiszierte ihren
Besitz und setzte die kirchlichen Dekrete gegen sie und ihre Angehörigen durch.

Der Einsatz von Folter

Es ist bemerkenswert, daß nicht die Hände der Frau rot vom Blut sind, sie aber von diesem Blut
der Märtyrer betrunken ist. Ihr Zustand stellt eine Kirche dar, die ihre armseligen Opfer nicht nur
tötet, sondern sie tage-und sogar wochenlang foltert. Die Inquisitoren scheinen in ihren
Empfindungen so betäubt gewesen zu sein, daß ihr normales Verständnis von Grausamkeit und
Mitleid völlig abgestumpft war. Die Fähigkeit, die heftigste Folter ohne Gewissensbisse oder
mitleidige Gedanken aufbürden zu können, wurde tatsächlich zu einem Zeichen für Heiligkeit und
Treue zur Kirche.

Versuchen Sie sich einmal vorzustellen, mitten in der Nacht verhaftet und an einen unbekannten,
vor Familie und Freunden geheimgehaltenen Ort gebracht zu werden. Man teilt Ihnen weder die
Anschuldigungen gegen Sie noch die Identität Ihrer Ankläger mit, die unbekannt bleiben und
deshalb nicht zur Rechenschaft dafür gezogen werden können, ob sie die Wahrheit sagen. Wie
auch immer die Anklage lautet, sie wird als Tatsache hingenommen, und Sie sind ohne Verhör
schuldig. Das einzige „Verhör“ ist die raffinierteste „peinliche“, d.h. absolut schmerzhafte Folter,
die so lange fortdauert, bis Sie die ungenannte Übeltat oder Ketzerei gestanden haben, derer
man Sie beschuldigt. Stellen Sie sich die Qualen vor, die ausgerenkte Gelenke, aufgerissenes
und versengtes Fleisch, innere Verletzungen und durch Folterbank und andere Vorrichtungen
gebrochene Knochen verursachen. Ärzte flicken diese Verletzungen notdürftig, so daß erneute
Folterungen sie wieder auseinanderreißen können. Schließlich würden Sie alles bekennen, nur
um irgendwie die Folter zu beenden, aber egal was Sie bekennen, es wird auf keinen Fall die
geheime Beschuldigung sein, und so geht die Folter weiter, bis Sie letzten Endes den
unerträglichen Verletzungen erliegen.

So sah das Schicksal von Hunderttausenden aus. Und es waren wirkliche Menschen: Mütter,
Väter, Brüder, Schwestern, Söhne und Töchter – sie alle hatten Wünsche und Träume, Vorlieben
und Gefühle, und viele einen Glauben, der selbst nicht durch Folter oder Feuer gebrochen
werden konnte. Wir müssen bedenken, daß dieses Grauen, dieses Übel von bis heute
unvorstellbaren Ausmaßen, auf Befehl der angeblichen Stellvertreter Christi jahrhundertelang im
Namen Christi fortgesetzt wurde. Diese Kirche ehrt sie immer noch mit diesem Titel, und sie hat
auch niemals zugegeben, daß die Inquisition falsch war. Sie hat sich nicht entschuldigt oder
Buße getan, und sie wagt es, sich sogar heute noch als höchster Lehrer in Sachen Moral und
Wahrheit aufzuführen. Bedenken wir ebenfalls, daß die Doktrin, auf die sich die Inquisition
stützte, in der römisch-katholischen Kirche bis heute in Kraft ist.

Mit dem Einsatz von Folter waren den Eingeständnissen der Beschuldigten keine Grenzen mehr
gesetzt. Am Ende sagte die armselige Kreatur auch noch, sie würde Gott umbringen, wenn dafür
nur die Folter aufhöre. Als Hexen angeklagte Frauen bekannten unter Folter, mit Satan Verkehr
gehabt und ihm sogar Kinder geboren zu haben, Kinder, die unsichtbar blieben und so für die
Katholiken die noch größere Bedrohung waren. Papst Innozenz VIII. erklärte 1484 solchen
hysterischen Unsinn in der Bulle Summis desiderantes affectibus zum offiziellen katholischen
Dogma:

Männer und Frauen, die vom katholischen Glauben abweichen, haben sich Teufeln, incubi und
succubi ausgeliefert (männlichen und weiblichen dämonischen Geschlechtspartnern) und haben
durch ihre Zaubereien, Bannsprüche, Beschwörungen ... Kinder ermordet, die noch im Mutterleib
waren, gleich wie die Jungen des Viehs, sie haben die Früchte der Erde verflucht ...

Die Folter sah man als unbedingt notwendig an, denn die Kirche fühlte sich verpflichtet, jegliche
Abweichung von der gesunden Lehre aus dem Munde der Opfer selbst gewahr zu werden. Je
qualvoller die Folter war, desto wahrscheinlicher war es, daß man aus ihren widerspenstigen
Lippen die Wahrheit herauspressen konnte. Die Inquisitoren waren überzeugt, es sei „besser,
daß hundert Unschuldige sterben, als daß ein Ketzer davonkommt“. Diese entsetzliche Lehre
wurde die nächsten drei Jahrhunderte lang unter jedem Papst aufrechterhalten. Durant meint:

Die Inquisitoren scheinen ernsthaft geglaubt zu haben, Folter sei für einen bereits für schuldig
befunden Angeklagten eine Gunst, denn durch ein Bekenntnis könnte sie ihm eine leichtere
Strafe einbringen als andernfalls; selbst wenn er nach dem Bekenntnis zum Tode verurteilt
werden sollte, könne er von einem Priester die Absolution empfangen und so vor der Hölle
bewahrt werden.

Die Verteidiger des katholischen Glaubens behaupten gern, Papst Sixtus IV. hätte versucht, die
Inquisition zu beenden. Aber das trifft nicht zu. Er gab im Jahre 1482 eine Bulle heraus, in der er
erklärte, daß die Inquisitoren im spanischen Aragonien mehr an der eigenen Bereicherung
interessiert zu sein schienen, als an der Verteidigung des Glaubens, und beschuldigte sie,
gläubige Katholiken auf Grundlage falscher Anklagen seitens ihrer Feinde oder ihrer Sklaven zu
verhaften, zu foltern und zu verbrennen. Er verfügte, daß stets ein Vertreter des örtlichen
Bischofs anwesend sein muß, daß die Angeklagten die Namen ihrer Ankläger kennen müssen
und Berufungen auf den Heiligen Stuhl erlaubt werden sollen.

Diese Bulle war jedoch nur für Aragonien bestimmt, und als König Ferdinand sich ihr widersetzte,
zog Sixtus sie zurück und erklärte sie fünf Monate später für null und nichtig.

Gemeinde Jesu in Knechtsgestalt

Die Verteidiger des katholischen Glaubens geben zu, daß die Kirche „einige Fehler gemacht hat“,
halten aber daran fest, daß Rom nicht die Hure aus Offenbarung 17 sein kann. Warum? Weil
Christus verheißen hat, daß die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwältigen werden (Matthäus
16,18), und der römische Katholizismus sei die Kirche. Von diesem Argument lassen sich sogar
viele Evangelikale irreleiten.

Die Wahrheit ist, daß der römische Katholizismus Christus niemals repräsentiert hat und niemals
seine Kirche war. Für mindestens 1000 Jahre vor der Reformation bestand die wahre Kirche aus
vielen einfachen Christen, die nicht Teil des römischen Systems waren. Daß es solche Gläubigen
gegeben hat, die sich weigerten, „Katholiken“ genannt zu werden und ihren Glauben unabhängig
von der römischen Hierarchie ausübten, ist eine historische Tatsache. Ebenso steht fest, daß sie
mindestens seit Ende des 4. Jahrhunderts verfolgt, verhaftet und getötet wurden. Zu den
Hinweisen der historischen Dokumente zählt auch das „Edikt der Kaiser Gratian, Valentinian II.
und Theodosius I.“ vom 27. Februar 380, das den römischen Katholizismus zur Staatsreligion
erklärte. Darin lesen wir:

Wir befehlen jenen, die dieser Lehre anhängen, den Titel katholische Christen anzunehmen,
andere jedoch beurteilen wir als verrückt und schwärmerisch und wert, sich die Schande der
Häresie zuzuziehen, und ihre Versammlungen dürfen nicht den Namen von Kirchen tragen. Sie
müssen nicht allein von göttlicher Vergeltung gestraft werden, sondern auch nach unserer
eigenen Maßregel, die wir gemäß der göttlichen Inspiration bestimmt haben.

Diese nichtkatholischen Christen hatten sich nach ihrem Gewissen vor Gott und dem Gehorsam
zu seinem Wort von dem abgesondert, was sie sogar schon in jener Zeit ernsthaft als „die Hure
Babylon“ bezeichneten. Bischof Alvaro Palayo, ein Beamter der Kurie in Avignon, schrieb
widerwillig über sie: „Angesichts der allgemeinen von der päpstlichen Kurie aus über die ganze
Kirche ausgegossenen Simonie und der damit verknüpften Korruption des gesamten
Religionswesens sei es natürlich genug, daß die Häretiker die Kirche als die Hure bezeichnen.“
E.H.Broadbent nennt diese bibelgläubigen Christen in seinem gleichnamigen Buch Gemeinde
Jesu in Knechtsgestalt (im englischen Original The Pilgrim Church:

In den Alpentälern Piemonts gab es jahrhundertelang Gemeinschaften von Gläubigen, die sich
selbst Brüder nannten und später weithin als Waldenser bekannt wurden ... In Südfrankreich ...
waren die Gemeinschaften von Gläubigen, die sich außerhalb der katholischen Kirche
versammelten zahlreich und immer noch wachsend. Häufig nannte man sie Albigenser ... Sie
hatten feste Verbindungen mit den Brüdern – ob man sie nun Waldenser, Arme Leute von Lyon,
Bogomilen oder sonstwie nannte – in den umliegenden Ländern, wo sich die Gemeinden unter
den verschiedenen Völkern ausbreiteten ...

Im Jahre 1209 rief [Papst Innozenz III.] einen Kreuzzug gegen [sie] aus. Ablässe, wie sie den
Kreuzfahrern erteilt worden waren ... wurden nun allen versprochen, die auf die viel leichtere
Aufgabe der Zerstörung der fruchtbarsten Provinzen Frankreichs eingehen wollten. Dies und die
Aussicht auf Beute aller Art und Zügellosigkeit zog Hunderttausende an. Unter der Oberaufsicht
hoher kirchlicher Würdenträger und der Führung von Simon von Montfort, einem sehr befähigten
Heerführer ... wurde der am schönsten kultivierte Teil Europas jener Zeit verheert ...

Diese einfachen Gläubigen hat man auf dem Scheiterhaufen verbrannt oder mit dem Schwert
niedergemetzelt (und ihre Bücher größtenteils vernichtet), als ihre Städte und Dörfer von den
päpstlichen Armeen dem Erdboden gleich gemacht wurden. Die Verteidiger des katholischen
Glaubens werfen ihnen fälschlicherweise Irrlehre und greuelhafte Praktiken vor, die sie
leugneten. Die uns verfügbaren Berichte über ihre Verhöre zeigen, daß ihr Glaube vergleichbar
mit dem der heutigen Evangelikalen war. Über die Katharer sind zwar einige der wildesten
Gerüchte verbreitet, mit ihren Überzeugungen kann man aber, so wie Durant sie beschreibt, nur
übereinstimmen:

Sie leugneten, daß die [römisch-katholische] Kirche die Gemeinde Christi ist, glaubten weder,
daß Petrus jemals in Rom war, noch daß er das Papsttum gegründet hat, und daß die Päpste die
Nachfolger der Kaiser sind und nicht die der Apostel. [Sie lehrten, daß] Christus nichts hatte, wo
er sein Haupt hinlegte, der Papst hingegen in einem Palast lebt; Christus ohne Besitz und
mittellos war, die christlichen Würdenträger jedoch reich sind; ... diese vornehmen Erzbischöfe
und Bischöfe, diese weltlichen Priester und diese fetten Mönche gewiß die alten und wieder zum
Leben erwachten Pharisäer waren! Sie waren sich sicher, daß die römische Kirche die Hure
Babylon, der Klerus die Synagoge des Satans und der Papst der Antichrist war. Sie klagten die
Kreuzzugsprediger als Mörder an ... lachten über Ablässe und Reliquien ... die Kirchen nannten
sie „Räuberhöhlen“ und die katholischen Priester waren für sie „Verräter, Lügner und Heuchler“.

Du Pin, ein katholischer Autor des 19. Jahrhunderts, schreibt: „Der Papst [Innozenz III.] und die
Prälaten waren der Ansicht, es sei rechtens, von der Folter Gebrauch zu machen, um zu sehen,
ob sich jene, die sich nicht von ihrem eigensinnigen Heilsweg bekehrten, dies womöglich in der
Furcht vor der Bestrafung und dem zeitlichen Tode täten.“ Fast jedes Kind weiß, daß Kreuzzüge
mit Zehntausenden Rittern und Fußsoldaten ausgerufen wurden, damit Jerusalem von den
Muslimen befreit würde. Doch nur wenige haben je davon gehört, daß zur gleichen Zeit
Kreuzzüge mit großen Armeen gegen Christen geführt wurden, die sich nicht guten Gewissens
Rom unterwerfen konnten. Das war jedoch, angefangen unter Papst Innozenz III., der Fall.

Das größte Verbrechen dieser Christen bestand in ihrem Festhalten an der Freiheit des
Gewissens und des Gottesdienstes – biblische Vorstellungen, die dem Papst verhaßt waren,
denn eine solche Überzeugung würde Rom aus dem Geschäft werfen. Es stehen zwar keine
exakten Zahlen zur Verfügung, aber die Zahl der von den Päpsten während den 1000 Jahren vor
der Reformation hingerichteten Christen reicht an die Millionen heran. Allein in der Stadt Beziers
wurden bei einem Kreuzzug 60.000 Männer, Frauen und Kinder umgebracht (Du Pin). Für
Innozenz III. bedeutete die Vernichtung dieser besonderen Ketzer die krönende Errungenschaft
seines Pontifikats! Broadbent schreibt:

Als die Stadt Beziers zur Übergabe aufgefordert wurde, verbündeten sich die katholischen
Einwohner mit den aus der Kirche ausgetretenen ... Die Stadt wurde gestürmt, und von den
Zehntausenden, die darin Zuflucht gefunden hatten, blieb keiner verschont.

Trotz der wiederkehrenden Massaker nahm die Zahl der Gemeinschaften von unabhängigen
Christen zu, schon lange bevor Martin Luther geboren wurde. In einem Gebiet scheinbar
ausgerottet, tauchten sie dann woanders wieder auf. Huldrych Zwingli sollte später im Jahre 1522
in einem Brief an seine Brüder schreiben, die befürchteten, daß er auf dem Scheiterhaufen
verbrannt werde:

Oh, meine geliebten Brüder, das Blut Christi verleiht dem Evangelium diese wunderbare
Eigenschaft, daß die heftigsten Verfolgungen, weit davon entfernt, seine Ausbreitung
aufzuhalten, nur mehr seinen Sieg vorantreiben!

Rom konnte keine Unabhängigkeit von seinem eisernen Griff zulassen. So zogen die
französischen Waldenser den Zorn von Papst Innozenz VIII. (1484-1492) auf sich, weil „sie es
wagten, ihre eigene Religion lieber auszuüben, als die Roms“. Im Jahre 1487 rief der Papst
gegen sie einen Kreuzzug aus, dessen Teilnehmern er die Erlassung aller Sünden für jeden, der
einen Ketzer umbringt versprach, und er ordnete an, jeder Bischof, der sich weigerte, seine
Diözese von Ketzern zu reinigen, sei abzusetzen. Kein Wunder, daß für diese Christen die
Päpste Antichristen waren, denn was sie zu erleiden hatten, war weit schlimmer als das, was die
römischen Kaiser der frühen Kirche zugefügt hatten, und erinnerte sehr stark an die in der
Offenbarung unter dem Antichristen angekündigte Verfolgung.
Im Jahre 1838 schrieb George Stanley Faber sein Buch An Inquiry into the History and Theology
of the Ancient Valdenses und Albigenses (Eine Untersuchung der Geschichte und Theologie der
alten Waldenser und Albigenser). Fast 200 Jahre zuvor, im Jahre 1648, hatte Samuel Morland
sein Werk History of the Evangelical Churches of Piemont (Geschichte der evangelikalen
Gemeinden in Piemont, einer Gegend in Frankreich, die von Albigensern und anderen „Ketzern“
besiedelt war) veröffentlicht. Die Untersuchungen dieser beiden Autoren stützten sich auf andere
Werke, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreichten. Aus schriftlichen und öffentlichen Protokollen
über ihre Verhöre ist ersichtlich, daß die Waldenser, Albigenser und weitere vergleichbare
Gemeinschaften nur für Rom als Ketzer galten. Ihr Glaube entsprach fast dem der Reformatoren,
von denen sie in gewissem Sinne die Vorläufer waren. Martin Luther würdigte dies, indem er
schrieb:

Wir sind nicht die ersten, die das Papsttum als das Königreich des Antichristen verkünden, denn
bereits viele Jahre vor uns wagten so viele und so edle Männer (deren Zahl groß und deren
Andenken ewiglich ist), gleiches so klar und deutlich auszudrücken.

Die Mennoniten

Eine der schwersten Ketzereien war in den Augen Roms die Ablehnung der Säuglingstaufe.
Dieses Ritual sollte angeblich den Makel der Erbsünde entfernen, den Säugling zu einem Kind
Gottes und Mitglied der Kirche machen und den Vorgang der Errettung in Gang setzen, der im
Gehorsam zu Roms Verordnungen und dem Empfang der Sakramente bestand. Wer an eine
Bibel gelangen konnte (Rom tat sein Bestes, um diese von den Menschen fernzuhalten), stellte
fest, daß sie den Lehren Roms widersprach. Die Errettung erhielt man nicht durch die Taufe,
sondern durch den Glauben an Christus. Die Taufe war für die gedacht, die an ihn als ihren
persönlichen Retter glaubten. Kein Säugling wäre imstande, das zu verstehen und zu glauben.

Die an das Evangelium der Bibel glaubten, wollten als Gläubige getauft werden. Der holländische
katholische Priester Menno Simons erzählt von seiner eigenen Verwirrung, bevor er Christ wurde:

Am 20. März 1531 wurde in [Leeuwarden] ein gewisser Schneider namens Sicke Freerks Snijder
aus dem merkwürdigen Grund hingerichtet, daß er ein zweites Mal getauft worden war. „Das war
für mich äußerst befremdend“, sagt Menno, „daß da von einer zweiten Taufe die Rede war.“ Es
erschien ihm noch viel befremdender, als Menno erfuhr, daß Freerks ein frommer,
gottesfürchtiger Mann war, der glaubte, daß die Schrift nicht die Säuglingstaufe lehrt, sondern
daß nur Erwachsene auf ein persönliches Glaubensbekenntnis hin getauft werden sollten.

Viele der stetig zunehmenden Zahl von Protestanten, wie z.B. die Lutheraner, tauften, wie auch
heute noch, weiterhin die Säuglinge – eins von mehreren Elementen des Katholizismus, von
denen sich die Reformatoren nicht frei machen konnten. So fingen auch die Protestanten an,
diejenigen, die sich ein zweites Mal hatten taufen lassen, zu verfolgen und in einigen Fällen sogar
hinzurichten. Diese „Ketzer“ sind unter der Bezeichnung Wiedertäufer bekannt geworden.

Die katholische Inquisition verbrannte in Holland, wo es die meisten Wiedertäufer gab,


Zehntausende auf dem Scheiterhaufen, weil sie sich als gläubig gewordene Erwachsene hatten
taufen lassen. Wer den Ketzern Hilfe leistete oder Obdach gewährte, teilte ihr Schicksal. Die
größte Gruppe Wiedertäufer folgte den Lehren von Menno Simons und wurde als Mennoniten
bekannt. Menno schreibt:

[Ungefähr im Jahre 1539] wurde dort, wo ich mich aufhielt, ein frommer und gottesfürchtiger
Mann mit Namen Tjard Reynders verhaftet, weil er mich heimatlosen Mann aus Mitleid und Liebe
in sein Haus aufgenommen hatte, obgleich es im Geheimen geschah ... Er wurde nach dem
freien Bekenntnis seines Glaubens [allein an Christus] gerädert und als tapferer Soldat Christi
dem Beispiel seines Herrn folgend hingerichtet, obgleich sogar seine Feinde ihm bezeugten, daß
er ein unschuldiger und frommer Mann war.
Die Geschichten der Märtyrer, die aufgrund ihres Glaubens allein an Christus und ihrer Hingabe
an ihn gefoltert und, oftmals durch Feuer, ermordet wurden, sind mit ihrer Traurigkeit und Tragik
fast unglaublich. Wir können sowohl aus dem Schrecken lernen, dem sie in den Händen der
selbsternannten Diener Christi mutig ins Angesicht schauten, als auch aus ihrem Glauben, den
sie in Erwartung ihrer Hinrichtung in Briefen bezeugten. Wir wollen einmal den folgenden Auszug
aus einem Brief betrachten, den Hans van Munstdorp seiner Frau schrieb, als die beiden in
Antwerpen im Gefängnis saßen:

Meine innigsten Grüße an dich, meine geliebte Frau, der ich dich aus tiefstem Herzen liebe ...
und dich der Wahrheit wegen verlassen mußte, um derentwillen wir auch alles als Verlust achten
und Ihn über alles lieben ... mein Geist hält immer noch standhaft an der ewigen Wahrheit fest.
Ich hoffe durch die Gnade des Herrn, daß dies auch die Gesinnung deines Geistes ist, was zu
hören mich erfreuen täte. Hiermit ermuntere ich dich mit dem Apostel: „Wie ihr nun angenommen
habt den Herrn Christus Jesus, so wandelt in Ihm und seid verwurzelt und gegründet in Ihm und
fest im Glauben, und sehet zu, daß ihr nicht von eurem Ziele abgebracht werdet ...“

Nachdem ihr Mann hingerichtet worden war und sie im Gefängnis ein Kind zur Welt gebracht
hatte, schrieb Janneken Munstdorp am 19. September 1573 einen Abschiedsbrief für ihre kleine
Tochter. Er war eine lange Ermahnung, für Christus zu leben, voller Bibelzitate und Belehrungen
aus Gottes Wort, damit ihr Kind, wenn es heranwächst, auf dem Weg geleitet wird. Dieser kurze
Auszug aus diesem Brief zeigt die Liebe und den Glauben einer jungen Mutter und Märtyrerin:

Die wahre Liebe Gottes und Weisheit des Vaters stärke dich in aller Tugend, mein liebstes
Kind ... Ich befehle dich dem Allmächtigen, dem großen und furchtbaren Gott an, der allein weise
ist, dich zu bewahren und in Seiner Furcht aufwachsen zu lassen ... du, der du noch so jung bist
und ich dich doch hier in dieser bösen, gottlosen und verkehrten Welt zurücklassen muß. Weil ...
du hier deines Vaters und deiner Mutter beraubt bist, werde ich dich dem Herrn anbefehlen; Er
lasse dir nach Seinem heiligen Willen geschehen ... Mein liebstes Lamm, ich, die ich hier
gefangen bin ... vermag dir auf keine andere Weise zu helfen; ich mußte deinen Vater um des
Herrn Willen verlassen ... Wir wurden gefangen genommen ... und sie nahmen ihn mir fort ... Und
nun, da ich dich nun neun Monate lang in großer Sorge unter meinem Herzen barg und dich hier
im Gefängnis unter argen Schmerzen geboren habe, haben sie dich mir genommen ... Weil ich
nun dem Tode ausgeliefert bin und dich hier allein zurücklassen muß, ermahne ich dich mit
diesen Zeilen, sobald du deine Verstandeskraft erlangt hast, danach zu trachten, Gott zu fürchten
und danach zu fragen, weshalb und für wessen Namen wir beide sterben mußten; und schäme
dich nicht ... unseretwegen, das ist der Weg, den die Propheten und die Apostel gingen, und der
schmale Weg, der zum ewigen Leben führt ...

Das vielleicht größte Trauerspiel ist, daß man diese Märtyrer vergessen hat. Oder, noch
schlimmer, ihre Treue zu Christus in Folter und Tod wird heute von führenden Evangelikalen
verlästert, die sagen, die Wahrheiten, für die sie ihr Leben gaben, seien nicht wichtig. Sie
starben, um verlorenen Seelen das Evangelium zu bringen, denn das Evangelium Roms brachte
die Menschen scharenweise ins ewige Gericht. Aber sogar obwohl Roms Evangelium sich nicht
geändert hat, sagen heute viele führende Evangelikale, daß Katholiken, die Rom folgen, gerettet
sind, und betrachten die römisch-katholische Kirche (eine Kirche, die Menschen auf dem
Scheiterhaufen verbrannt hat, weil sie die Bibel verbreiteten) als einen Partner bei der
Evangelisierung der Welt für Christus. Die Märtyrer würden im Himmel weinen – nicht über sich
selbst, sondern über die Verlorenen – wenn Christus sie von diesem leichtfertigen Verrat des
Glaubens, für den sie sterben mußten, wissen ließe.

Die Inquisition heute

Die mittelalterliche Inquisition hatte jahrhundertelang geblüht, als Papst Paul III. im Jahre 1542 ihr
den dauerhaften Status als die erste Heilige Kongregation Roms gab, die heilige, katholische und
apostolische Inquisition. Später als Heiliges Offizium bekannt, wurde ihr Name 1967 in
Kongregation für die Glaubenslehre umgeändert – insofern sehr angemessen, als daß die
öffentlichen Verbrennungen als Autodafes, oder Glaubenshandlungen (portugiesisch, aus dem
lat. actus fidei), bekannt waren. Die Verfolgung, Folterung und Ermordung der Ketzer ist von der
römisch-katholischen Kirche niemals verworfen worden, sondern, wie wir noch sehen werden,
gehen sie bis in die heutige Zeit fort.

Rom steht vor einer klaren Wahl: Entweder ist ihre eifrige Folterung und Hinrichtung so vieler
unschuldiger Opfer etwas, worauf sie stolz sein kann, oder etwas, dessen sie sich schämen
müßte. Rom wird natürlich weder seine Sünden bereuen, noch seinen Anspruch der
Unfehlbarkeit aufgeben. Deshalb überrascht es nicht, daß das Amt der Inquisition immer noch im
Palast der Inquisition direkt neben dem Vatikan untergebracht ist, wenn auch unter einem neuem
Namen, Kongregation für die Glaubenslehre. Der derzeitige Großinquisitor, der direkt dem Papst
unterstellt ist, ist der frühere Erzbischof von München, Joseph Kardinal Ratzinger, den die Time
„den mächtigsten Kardinal der Welt [und] obersten Durchsetzer von Dogmen der katholischen
Kirche“ nannte. Eine solche Durchsetzung kann brutal direkt vonstatten gehen oder aber mit
Samthandschuhen mittels einer weiteren Person, wie es Ende 1993 bei dem Mundtot-machen
von Fr. Joseph Breen durch den Bischof von Nashville Edward Kmiec der Fall war. In einem Brief
an die Bischöfe des Landes sprach sich Breen angesichts der „breiten Kluft zwischen dem, was
Rom sagt und dem, was tatsächlich geschieht“ für ein freigestelltes Zölibat aus. Er wurde zur
Unterzeichnung einer Erklärung gezwungen, „daß er nicht in den Medien sprechen werde ... und
nicht das Tun der Bischöfe kritisiert“.

Die Kongregation richtet zwar ihre Opfer nicht mehr hin, versucht aber immer noch, die
sektenhafte Kontrolle des Vatikans über das Denken des Klerus und der Kirchenmitglieder
aufrechtzuerhalten. Beispielsweise veröffentlichte Ratzinger am 9. Juni 1993 „Unterweisungen ...
für die Förderung der Glaubenslehre“. Das Dokument fordert, daß „zunächst eine Erlaubnis
eingeholt werden muß ... für das, was von Geistlichen und Mitgliedern religiöser Einrichtungen in
Zeitungen und Zeitschriften geschrieben wird, die dafür bekannt sind, daß sie die katholische
Religion und die gute Moral öffentlich angreifen. Die Unterweisung ermahnt ebenso die
katholischen Verlage, sich nach den Kirchengesetzen zu richten. Und Bischöfe sind dazu
verpflichtet, in ihren Kirchen Verkauf und Darbietung von Veröffentlichungen über Religion und
Moral zu unterbinden, sofern diese keine kirchliche Genehmigung aufweisen ...“ Das ist wie ein
neuer Index der verbotenen Bücher!

Kolossale Heuchelei

Die römisch-katholische Kirche war der größte Verfolger sowohl von Juden als auch von
Christen, den die Welt je gesehen hat, und sie hat mehr Christen hingerichtet, als das heidnische
Rom oder der Islam. Sie ist nur von Mao und Stalin übertroffen worden, aber diese behaupteten
wohl kaum, in Christi Namen zu handeln. Die Identifizierung als die Frau, die „trunken ist vom
Blut der Heiligen und vom Blut der Zeugen Jesu“ (Offb.17,6) kann dem katholischen Rom wohl
keine andere religiöse Institution streitig machen.

Doch Johannes Paul II. hat in seiner jüngst erschienenen Abhandlung Veritatis splendor die
Dreistigkeit, von katholischen Heiligen zu sprechen, „die die moralische Wahrheit bezeugten und
sie sogar bis zum Erleiden des Märtyrertodes verteidigten ...“ Aber was ist mit den
Hunderttausenden, die diese Kirche massakrierte, weil ihr moralisches Gewissen und ihr
Verständnis von Gottes Wort nicht mit Rom übereinstimmten? Das Schweigen des Vatikans
bezüglich seiner niederträchtigen und unzählbaren Verbrechen gegen Gott und die
Menschlichkeit schreit zum Himmel. Und noch schlimmer ist die Heuchelei, die dieser
mörderischen Frau gestattet, sich als der große Lehrer und das Vorbild im Gehorsam zu Christus
aufzuführen.

„Glückselig die um der Gerechtigkeit willen verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel
(Matthäus 5,10). Mit diesen Worten eröffnete Johannes Paul II. die heutige (10. Oktober 1993)
feierliche Messe zu Ehren der Seligsprechung von elf [katholischen] Märtyrern des spanischen
Bürgerkriegs und zwei italienischer Geistlicher.“ So berichtete die einflussreiche katholische
Zeitschrift Inside the Vatican. Wie immer, wenn katholische Märtyrer gelobt werden, gab es kein
Zugeständnis und keine Entschuldigung wegen der Hunderttausende Christen und Juden, die
von der römisch-katholischen Kirche umgebracht worden sind. Die Heuchelei ist kolossal.

Aus Dave Hunt: DIE FRAU UND DAS TIER.

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Dave Hunt

Der Vatikan, die Nazis und die Juden

Der Hintergrund des Holocaust

Die Zustimmungen zu Hitler seitens der katholischen Würdenträger und ihre Aussagen über „die
Befreiung der Welt von den Juden“ erscheint schockierend. Doch sie spiegeln nur die historische
katholische Behandlung der Juden wider. Hitler rechtfertigte seine „Endlösung“ mit dem Verweis
auf die Kirche, die die Juden jahrhundertelang unterdrückt und getötet hatte. Wie verwunderlich
ist es doch, daß die angeblichen Nachfolger Christi und Petri „die Rasse, von der Petrus – und
Jesus – stammten, verfolgen konnten! Doch sie taten das im Namen Christi und fühlten sich
dadurch gerechtfertigt.

Katholiken wird beigebracht, sie seien an die Stelle der Juden als Gottes auserwähltes Volk
getreten. Das von Gott den Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs verheißene Land Israel
gehöre nun dem „christlichen“ Rom. Rom wurde das „neue Zion“, die „Ewige Stadt“ und „die
Heilige Stadt“ – Titel, die Gott allein Jerusalem zugeschrieben hatte. Päpstliche Armeen kämpften
für die Ausdehnung des „Königreichs Gottes“. Ein Historiker aus dem 19. Jahrhundert (G.T.
Bettany) gibt uns zu denken: „Das Gebiet unter der unmittelbaren Herrschaft des Papstes wurde
vergrößert, wann immer Krieg oder Verhandlungen das gestatteten, und die Einwohner mußten
die größtmögliche Steuer zahlen, die sie ertragen konnten.“

Eine große Schande für Christus

Diejenigen, die sich selbst Stellvertreter Christi nannten, haben durch ihre Behandlung der Juden
große Schande auf den Namen Christi gebracht. Die Juden setzen den Katholizismus
fälschlicherweise mit dem Christentum gleich. Sie, die die Jahrhunderte hindurch von der
römisch-katholischen Kirche verfolgt worden sind, merkten nicht, daß es außerhalb dieser Kirche
Millionen von Christen gab – Christen, die Gottes auserwähltes Volk nicht verfolgten, sondern
selbst in weit größerer Zahl als die Juden von Katholiken verfolgt und getötet wurden.

Lesen wir hierzu die folgende Anklageschrift an die „Christenheit“ aus einer gelehrten
rabbinischen Abhandlung über den Holocaust. Beachtenswerterweise wird darin der römische
Katholizismus und nicht etwa die evangelikale Christenheit kritisiert, von der der Autor und seine
jüdischen Leser vielleicht gar nicht wissen, daß es sie überhaupt gibt. Der Auszug stammt aus
dem Kapitel „Die christliche Rolle [beim Holocaust]“:

... ohne die Christenheit wäre der Erfolg des Nationalsozialismus nicht möglich gewesen ...
Wären nicht Dutzende von Generationen in Europa mit religiösem Haß erfüllt worden, hätte der
heutige rassistische Haß gegen die Juden nicht in dieser Weise zunehmen können. Darüber
hinaus nahm der Vatikan während des ganzen Holocausts davon Abstand, gegen den Mord zu
protestieren, und ging im großen und ganzen auch der Errettung nur einiger weniger aus dem
Wege. Bis auf diesen Tag verweigert der Vatikan Gelehrten den vollen Zugang zu den
Dokumenten jener Zeit. Es ist jedoch erwiesen, daß der Vatikan zu den ersten der Welt gehört,
die von dem Völkermord wußten, und er hat nichts getan, um diese Information bekannt zu
machen (siehe Walter Laquer, The Terrible Secret) ...

Die Schlußfolgerung ist schwer zu umgehen, daß die Untätigkeit des Papstes eine taktische
Gutheißung anzeigt ... Auch wenn die Kirche vereinzelte Rettungsaktionen unternommen hat,
scheint das Motiv dabei gewesen zu sein, die geretteten Juden der Christenheit zuzuführen.
Tausende jüdischer Kinder wurden in Klöster gebracht, und nach dem Krieg wurden sie auch auf
die Bitte der Verwandten hin nicht ihren Leuten und ihrem Glauben zurückgegeben. Mit einem
beispiellosen Zynismus sehen viele Christen den Holocaust immer noch als eine himmlische
Strafe für die Ablehnung des Christentums seitens der Juden an.

Der Rabbiner fährt damit fort, das „Christentum“ zu analysieren, (er kennt nur den Katholizismus)
wie er es in seinem Versuch sieht, die Gründe für sein moralisches Versagen beim Holocaust zu
verstehen. Seine Beobachtungen und Argumente sind verheerend, doch er weiß nicht, daß es
Millionen wirklicher Christen gibt, die seiner Kritik der falschen Religion Roms zustimmen würden.
Man könnte meinen, er hätte nie von der Reformation und den Protestanten gehört, die keine
„Mönche“ haben und deren Geistliche heiraten:
Den christlichen Priestern ist es verboten zu heiraten, und die Mönche, die ein Leben in
Selbstkasteiung führen, sondern sich selbst von der menschlichen Gesellschaft ab. Die Religion
ist keine, die einfach zu praktizieren ist ... Die Vorstellung, sie ist es doch, führt zu beispielloser
Heuchelei ...

Im Laufe der Zeit hat das Christentum [der Katholizismus] eine Reihe von mystischen Kulten
hervorgebracht, von denen sich einige durch ihre Ähnlichkeit mit den niedrigsten Formen
moralischer Abartigkeit auszeichnen. Die christliche [katholische] Weise der Buße führt ebenfalls
zur Verübung schwerwiegender Verbrechen. Wenn denen, die vor einem Priester beichten,
automatische Vergebung angeboten wird, ist dadurch die Versuchung zur Sünde enorm
gesteigert ...

Während Mord, Diebstahl und Vergewaltigung in den mittelalterlichen jüdischen Gemeinschaften


so gut wie unbekannt waren, so waren diese Verbrechen im frommen christlichen [katholischen]
Europa an der Tagesordnung. Die vom Christentum verheißenen geistlichen Segnungen sind
nicht wirklich zum Ausdruck gekommen.

Antisemitismus am Werk

Die Kritik des Rabbiners am Katholizismus trifft den Kern der Sache. Es ist nur äußerst tragisch,
daß er meint, er schreibe über das Christentum. Seit Beginn der Papstherrschaft in Rom war die
Situation der Juden – im Namen Jesu Christi, des Juden – weitaus bitterer als jemals unter der
Hand heidnischer Herrscher. Die Heiden hatten bei jedem Unglück die Schuld auf die Christen
geschoben. Jetzt schob die römisch-katholische Kirche alles auf die Juden. Sie wurden
beschuldigt, die Ursache für die Pest zu sein und wurden aus Rache dafür zu Tausenden
zusammengetrieben und gehängt, verbrannt und ertränkt.

Nur sehr selten versuchte ein Papst hier und da die Lage der Juden zu verbessern. Gregor I.
„verbot die erzwungene Konvertierung der Juden und trat in den von ihm regierten Ländern für
die Erhaltung ihres römischen Bürgerrechts ein ... An den Bischof von Neapel schrieb er: ‚Lasse
es nicht zu, daß die Juden bei ihren Gottesdiensten belästigt werden.‘“ Alexander III. war „zu den
Juden freundlich und stellte einen von ihnen zur Verwaltung seiner Finanzen ein“. Innozenz III.
„stellte auf dem vierten Laterankonzil die Forderung, den Juden ein besonderes Abzeichen
aufzuerlegen, und legte den Grundsatz fest, alle Juden seien zu ewiger Knechtschaft verdammt,
weil sie Jesus gekreuzigt hatten“. Doch „er wiederholte ständig seine päpstlichen Befehle gegen
die erzwungenen Konvertierungen und sagte: ‚Kein Christ soll den Juden eine persönliche
Ungerechtigkeit antun ... oder sie ihrer Habe berauben ...‘“ (Dennoch ließ er Tausende von
Christen hinrichten). Gregor IX., obgleich der Begründer der Inquisition, „verschonte die Juden
von seinem Unterfangen und seiner Rechtsgewalt, es sei denn, sie versuchten Christen zu
judaisieren, griffen das Christentum an oder kehrten nach einer erfolgten Bekehrung zum
Christentum zum Judentum zurück. Im Jahre 1235 gab er eine Bulle heraus, in der er die Gewalt
des Pöbels gegen die Juden anklagte.“ Innozenz IV. „verwarf die Legende vom rituellen Mord der
Juden an christlichen Kindern“.

Trotz all diesem war die Kirche im allgemeinen ein Verfolger der Juden. Wie im folgenden
ersichtlich, behandelten zahlreiche Konzile und päpstliche Bullen dieses Thema:

Das Konzil zu Wien (1311) verbot jeglichen Umgang zwischen Christen und Juden. Das Konzil zu
Zamora (1313) bestimmte, sie müßten in strenger Unterwerfung und Knechtschaft gehalten
werden. Das Konzil zu Basel (1431-1433) erneuerte die kanonischen Dekrete, die den Christen
den Kontakt mit Juden untersagten ... und wies die säkularen Behörden an, die Juden in
abgegrenzte Viertel einzusperren, sie zum Tragen eines bestimmten Abzeichens zu zwingen und
ihr Erscheinen bei Konvertierungspredigten sicherzustellen.

Papst Eugen IV. (1431-1447) ... sagte, Juden sollten als für öffentliche Ämter untauglich
angesehen werden, könnten von Christen keinen Besitz erben, dürften keine weiteren
Synagogen bauen und hätten in der Karwoche hinter verschlossenen Türen und Fenstern
zuhause zu bleiben (eine kluge Vorsichtsmaßnahme gegen christliche Ausschreitungen) ...
In einer späteren Bulle ordnete Eugen an, daß einem italienischem Juden, der beim Lesen
talmudischer Literatur erwischt wird, seine ganze Habe genommen werden soll. Papst Nikolaus
V. beauftragte den hl. Johannes Capistranus (1447) mit der Aufsicht über die genaue Einhaltung
dieser unterdrückenden Gesetze und bevollmächtigte ihn, den Besitz jeden jüdischen Arztes zu
beschlagnahmen, der einen Christen behandelte.

Die römisch-katholische Kirche veröffentlichte zwischen dem 6. und dem 12. Jahrhundert über
100 antisemitische Dokumente. Der Antisemitismus wurde zur offiziellen Kirchenlehre. Die
Begründung dafür war, die „Mörder Christi“ hätten in Gottes heiligem Reich keine Rechte, das
Land Israel gehöre nicht mehr länger den Juden, sondern den Christen und die Kirche müßte
dieses Land den besetzenden Arabern und Juden entreißen.

Die katholische Kirche war verblendet für die biblischen Prophezeiungen, daß die Juden ins Land
Israel zurückkehren werden und daß der Messias wiederkommen wird, um vom Thron seines
Vaters David aus zu herrschen. Rom nannte sich selbst das Neue Jerusalem; das alte Jerusalem
und die Juden waren für sie nicht mehr Bestandteil von Gottes Plan. Das halboffizielle Organ des
Vatikan, die La Civilta, gab im Jahre 1862 eine Glaubensauffassung wieder, an der man
jahrhundertelang festgehalten hatte: „So wie die Juden ehedem Gottes Volk waren, so sind es
nun die Römer [Katholiken] unter dem Neuen Bund.“ Es versteht sich von selbst, daß eine solche
Lehre den Antisemitismus schürt und fördert.

Das Zeugnis der Geschichte

Um eine Armee für den ersten Kreuzzug zusammenzustellen, versprach Papst Urban II. allen, die
für diese große Sache ihr Leben ließen, direkten Zugang zum Himmel ohne Fegefeuer. Die Ritter
und Soldaten, die diesem Aufruf mit Begeisterung folgten, hinterließen auf ihrem Weg nach
Jerusalem eine blutige Spur von Plünderei und Mord und metzelten alle Araber und Juden
nieder. Eine ihrer ersten Aktionen bei ihrem triumphalen Einzug in Jerusalem war, die Juden in
die Synagoge zu treiben und diese dann in Brand zu setzen. Auf ihrem Weg ins Heilige Land
stellten die Kreuzritter die Juden vor die Wahl zwischen Tod oder Taufe. De Rosa erzählt:

Im Jahr 1096 wurde die Hälfte aller Juden in Worms niedergemetzelt, als die Kreuzritter durch die
Stadt kamen. Der Rest floh schutzsuchend zur Residenz des Bischofs. Er erklärte sich bereit, sie
zu retten, unter der Bedingung, daß sie um die Taufe baten. Die Juden zogen sich zurück, um
ihre Entscheidung zu bedenken. Als die Türen des Audienzsaales geöffnet wurden, waren alle
800 Juden darin tot. Einige waren geköpft; Väter hatten ihre Kleinkinder getötet, bevor sie ihre
Frauen und sich selbst erstachen; ein Bräutigam hatte seine Braut getötet. Die Massada
-Tragödie des ersten Jahrhunderts wiederholte sich überall in Deutschland und später überall in
Frankreich.

Während des kurzen Pontifikats von Papst Paul IV. (1555-1559) verringerte sich die Bevölkerung
Roms um fast die Hälfte, wobei in erster Linie die Juden die Opfer waren. 300 Jahre zuvor hatte
die Kirche die Juden in Ghettos gesperrt und sie gezwungen, zu ihrer öffentlichen Schande auf
ihrer Brust einen gelben Stoffkreis zu tragen, aber die Durchsetzung dieses Erlasses war
nachlässig. Papst Paul IV. gab am 17. Juli 1555 eine richtungsweisende antisemitische Bulle mit
dem Namen Cum nimis absurdum heraus. Sie schickte die Juden in ihre Ghettos zurück, zwang
sie zum Verkauf ihres Besitzes unter großen Verlusten und erniedrigte sie auf den Status von
Sklaven und Lumpenhändlern.

Auf die Heirat zwischen einem Christen und einem Juden stand die Todesstrafe. In jeder Stadt
war eine Synagoge erlaubt, alle anderen wurden zerstört; von den acht Synagogen in Rom ereilte
sieben dieses Schicksal. Als er noch Kardinal war, hatte Paul IV. bereits jüdische Bücher
verbrannt, einschließlich des Talmuds, und dabei keinen Ersatz gestattet. Das sind nur einige der
Entwürdigungen und Verbrechen, die die Juden durch diese Bulle erlitten, die auch noch für
weitere drei Jahrhunderte Schule machen sollte. Papst Gregor XIII. verkündete, die Schuld der
Juden für die Kreuzigung Christi werde „nur tiefer im Laufe der Generationen und bringe ewige
Sklaverei mit sich“. Die nächsten Päpste setzten die Verfolgung fort:
Eine geschlossene Reihe von Päpsten verstärkte die alten Vorurteile gegen Juden und
behandelte sie als Aussätzige, unwürdig, durch das Gesetz geschützt zu werden. Auf Pius VII.
folgte Leo XII., Pius VIII., Gregor XVI., Pius IX. – alle gute Schüler Pauls IV. ... Elf Tage nach dem
Fall Roms bekamen die Juden am 2. Oktober 1870 durch königlichen Beschluß die Freiheit, die
das Papsttum ihnen über 1500 Jahre lang verweigert hatte. Das letzte Ghetto Europas wurde
[damals] aufgelöst.

Erzwungene Konvertierungen.

Die katholische Lehre der Säuglingstaufe machte die biblische Wahrheit zunichte, daß man nicht
durch eine Handlung oder ein Ritual Christ wird, sondern durch die Annahme von Gottes
Gnadenangebot durch den persönlichen Glauben an Christus. Da die Taufe automatisch erretten
sollte, ordnete Papst Leo III. die erzwungene Taufe der Juden an. Zeitweilig wurden die Juden
vor die Alternative gestellt, entweder den Glauben an Christus zu bekennen, oder zu sterben –
oder in manchen Fällen nur verhaftet oder aus der Gegend vertrieben zu werden. Der bekannte
rabbinische Gelehrte, Philosoph und Arzt Maimonides flüchtete vor einem solchen Erlaß aus
Spanien nach Marokko und im Jahre 1135 schließlich nach Ägypten. Wer heute die ehemaligen
jüdischen Viertel in Spanien besucht, erhält dort Informationsschriften über diese tragischen
Geschichten, wie z.B. die folgende aus Girona:
Am 31. März 1492 erließen Ferdinand und Isabella von Kastilien und Aragon, bekannt als die
Katholischen, das Edikt, demzufolge die Juden aus Spanien verbannt werden sollten … Sie
hatten keine andere Wahl, als ihren Glauben zu widerrufen oder zwangsweise ausgewiesen zu
werden. Die sich für die Konvertierung zum Christentum entschieden, um nicht vertrieben zu
werden, sahen sich dem Schrecknis der Inquisition ausgeliefert, die bereits im Jahre 1490 mit der
Ketzerverfolgung in Girona begonnen hatte ... Einige jüdische Familien wurden durch die Hände
der Inquisitoren so gut wie ausgelöscht.

Durch die Taufe eines Ungläubigen konnte man die eigene Seligkeit sicherstellen. Jüdische
Kinder wurden von denen, die meinten, sie könnten sich damit selber eine Bleibe im Himmel
erkaufen, gezwungenerweise mit Wasser bespritzt und zu „Christen“ erklärt. Benedikt XIV. (1740-
1758) förderte dieses Treiben durch seine Erklärung, ein Kind sei auch nach einer Taufe gegen
seinen und seiner Eltern Willen nichtsdestoweniger ein Katholik. Sollten dann diese unfreiwilligen
„Konvertiten“ später ihren neuen „Glauben“ verleugnen, galten sie als Ketzer und mußten dafür
folglich harte Konsequenzen tragen.
Solche und ähnliche Untaten dauerten über Jahrhunderte fort. Pius IX. befahl beispielsweise im
Jahre 1858 seiner päpstlichen Polizei, einen siebenjährigen Sohn seinen reichen jüdischen Eltern
wegzunehmen und ihn in ein katholisches Internat zu stecken. Eine katholische Magd hatte den
kleinen Edgar Mortara kurz nach seiner Geburt ohne Wissen oder Erlaubnis seiner Eltern getauft
und ihn so angeblich zu einem Mitglied der römisch-katholischen Kirche gemacht.
Als die Eltern den Papst ersuchten, ihnen ihr Kind zurückzugeben, antwortete er in typisch
päpstlicher Manier: „... Ich pfeife auf die ganze Welt!“ Hasler erzählt die Geschichte weiter:

Besonders hart fuhr er [der Papst] den jungen Sekretär der jüdischen Gemeinde, Sabatino
Scazzocchio, an und demütigte ihn dermaßen, daß er längere Zeit an nervlicher Erschöpfung litt.
Zwei Jahre später führte Pius IX. Edgar Mortara den Juden Roms im Seminaristengewand vor.

Die Grundlage des Holocausts

Die Autoren des Buches Shoah, die Rabbiner Schwartz und Goldstein, haben sicherlich Recht,
wenn sie sagen, die jahrhundertelange Judenverfolgung des römischen Katholizismus (wenn sie
ihn auch für das Christentum halten) hätten eine der Grundlagen für den kommenden
nationalsozialistischen Holocaust gelegt. Die katholische Kirche trägt eine immense
Verantwortung für dieses furchtbare Verbrechen. Die meisten Aufseher bei Hinrichtungen von
Juden waren Katholiken. Die lange Verfolgung und Hinrichtung von Juden durch die Kirche
verhalf den katholischen Henkern zweifellos zur Rechtfertigung ihres Tuns.
Wellen der Schockierung gingen am 26. Mai 1994 durch die internationalen Medien, als die
Schlagzeilen der Associated Press aus Jerusalem meldeten: „VATIKAN GESTEHT SCHULD AM
HOLOCAUST.“ Der erstaunliche Artikel berichtete: „Verlautbarungen von Mittwoch zufolge
entwirft die römisch-katholische Kirche ein Dokument, in dem sie die jahrhundertelange
Förderung des Antisemitismus und das Versagen beim Aufhalten des Holocausts eingesteht ...
Rabbi David Rosen, ein israelischer Vermittler beim Vatikan, berichtete Israel diese Woche bei
Gesprächen in Jerusalem von dem Entwurf des Dokuments ... ‚Es ist nicht besonders wichtig‘,
sagte Rosen, ‚aber es ist verwunderlich‘ ... Ferner sagt der Bericht, das Dokument werde
erklären, ‚die Tradition des theologischen und kirchlichen Antijudaismus sei ein Wegbereiter für
den Holocaust gewesen‘.“
Am folgenden Tag stritt der Vatikan alles ab und gab der Welt zu denken, daß „Papst Johannes
Paul II. wiederholt den Antisemitismus angeklagt und ... die früheren Päpste gegen die
Beschuldigungen verteidigt hat, sie hätten über den Holocaust geschwiegen“. Der Sprecher des
Vatikan Joaquin Navarro erklärte, das Dokument, über das die Zeitungen vom Vortag
berichteten, sei „in keinster Weise ein vom Heiligen Stuhl, sondern vielmehr von der polnischen
und deutschen Bischofskonferenz entworfenes Dokument“. So verleugnet der Vatikan weiterhin
das, wovon der Rest der Welt weiß, daß es wahr ist.
Es könnten noch zahlreiche weitere Beispiele dafür geliefert werden, daß der Katholizismus ein
Wegbereiter für den Holocaust war, aber wir müssen uns hier auf einige wenige beschränken.
Eine katholische Kirche im bayrischen Deggendorf stellte jahrhundertelang ein Bild zum
Gedächtnis an die historische, „aus rechtmäßigem Gott gefälligen Eifer“ geschehene Hinrichtung
aller Juden der Stadt zur Schau. Die Inschrift unter diesem Bild lautete: „Gott gebe, daß von
diesem Höllengeschmais unser Vaterland jederzeit befreyet bleibe.“ Dieses Bild erzürnte weder
Volk noch Würdenträger, denn es stimmte mit der historischen Behandlung der Juden durch den
Katholizismus überein.
Hitlers Aufstieg zur Macht

Die Kirche war zuerst gegen Hitler. „Nach dem gewaltigen Wahlsieg der Nationalsozialisten im
Jahre 1930 trafen sich Vertreter aller wichtigen katholischen Organisationen unter der
Schirmherrschaft des ‚Volksvereins für das katholische Deutschland‘; sie berieten, mit welchen
Mitteln und Wegen man die drohende braune Flut aufhalten könne.“ Aber nach den
Reichstagswahlen vom Juli 1932, bei denen „die Nationalsozialisten 37,4% der Stimmen und 230
Abgeordnete erhielten ... [und so zur] stärksten Partei im Reichstag wurden“, fingen die
katholischen Bischöfe an, ihre Kritik einzustellen.
Obwohl „alle Diözesen die Mitgliedschaft in der NSDAP als unzulässig bezeichnet hatten“, waren
Hunderttausende Katholiken Mitglieder, und schätzungsweise einige Millionen unterstützten die
Partei durch ihre Stimmen. Wozu sollte man diese guten Katholiken aus der Kirche vertreiben?
Schließlich lobten und unterstützten der Papst und die Kardinäle in Italien auch Mussolinis
faschistische Partei, weshalb dann nicht auch in Deutschland?
Kardinal Faulhaber, der gerade aus Rom zurückgekehrt war, berichtete auf der Konferenz der
bayrischen Bischöfe, daß „Pius XI. während eines Konsistoriums (Kardinalsversammlung) am 13.
März 1933 den Kanzler Adolf Hitler öffentlich für seine Haltung gegenüber dem Kommunismus
lobte. Zur gleichen Zeit zirkulierten wieder Gerüchte, der Vatikan erstrebe eine freundliche
Zusammenarbeit zwischen den deutschen Katholiken und der Hitler-Regierung ...“
Am 23. März verkündete Hitler, daß „die Reichsregierung, die im Christentum [Katholizismus] die
unerschütterlichen Fundamente des sittlichen und moralischen Lebens unseres Volkes sieht, den
größten Wert darauf legt, die freundschaftlichen Beziehungen zum Heiligen Stuhl weiter zu
pflegen und auszugestalten“. Fünf Tage später widerriefen die deutschen Bischöfe ihre vorherige
Opposition zur NSDAP.

Die Kirche und das Dritte Reich

Die Katholiken sammelten sich in steigender Zahl zur Unterstützung von Hitlers Drittem Reich.
Organisationen wie Kreuz und Adler wurden unter Mitgliedschaft von führenden katholischen
Theologieprofessoren wie Otto Schilling und Theodor Brauer und Journalisten wie Emil Ritter und
Eugen Kogon gegründet, und andere führende Katholiken waren darauf bedacht, daß Naziregime
zu fördern.
Hitler versicherte der Kirche, sie hätte vom Nationalsozialismus nichts zu befürchten, solange sie
voll kooperiere. Die Bischöfe riefen „zur Unterstützung des Regierungsprogramms einer
‚geistigen, sittlichen und wirtschaftlichen Erneuerung‘ auf“.

Daß Hitler ein gutgestellter Katholik war, machte seine Versprechungen von einer friedlichen
Zusammenarbeit mit der Kirche glaubwürdig. Er war in einer traditionellen katholischen Familie
aufgewachsen, hatte regelmäßig die Messe besucht, war Meßdiener gewesen, wollte sogar
einmal Priester werden und war als Junge in einem Benediktinerkloster in Lambach zur Schule
gegangen. Der dortige Abt war tief in Okkultismus und östlichem Mystizismus verstrickt, und in
diesem Kloster hatte Hitler seine erste Begegnung mit der hinduistischen Swastika, dem
Hakenkreuz, das er später benutzen sollte. Aber auch nach seiner Machtergreifung versäumte
Hitler es nicht, von Zeit zu Zeit den katholischen Gottesdienst zu besuchen.
G.S. Graber, ein Experte für die Geschichte der SS, berichtet uns, daß „Himmlers Katholizismus
für ihn sehr wichtig war. Er ging regelmäßig zur Kirche, empfing die Kommunion, beichtete und
betete.“ Himmler schrieb am 15. Dezember 1919 in sein Tagebuch: „Möge kommen, was will, ich
werde Gott immer lieben, werde zu ihm beten, werde der katholischen Kirche treu bleiben und für
sie eintreten ...“

Nach dem Krieg war die Flucht das oberste Gebot für die SS-Mitglieder, von denen nahezu ein
Viertel Katholiken waren. Vielen sollte es gelingen, den Gerichten der Alliierten zu entgehen und
sichere Gefilde, hauptsächlich in Südamerika, zu erreichen. Zehntausende der ärgsten Nazi-
Kriegsverbrecher – die meisten davon Katholiken – sollten durch die geheimen „Rattengänge“ in
ein neues Leben reisen. Der Vatikan sollte grundsätzlicher Vermittler ihrer Flucht sein.
Himmler konnte sich sein Leben so einteilen, daß er als Reichsführer der berüchtigten SS den
Mord an Millionen Menschen mit einem Federstrich oder durch mündliche Befehle an seine
Untergebenen durch seine gewaltige Organisation überwachen konnte, sich selbst aber nicht die
Hände schmutzig zu machen brauchte. Er wollte die Juden oder jede andere von ihm
unerwünschte Gruppierung der Gesellschaft auslöschen. Jedoch „wollte er das Blut nicht [mit
seinen eigenen Augen] fließen sehen ... denn das würde ihm Herzschmerzen und erst recht
Magenkrämpfe bereiten“. (G.S.Graber The History of the SS)
Kürzlich wurde eine Tonband- und schriftliche Aufzeichnung von Himmlers Rede vor 100
deutschen Gestapo-Generälen vom 4. Oktober 1943 im polnischen Posen mit original
authentischen handschriftlichen Notizen Himmlers entdeckt und ist jetzt im neuen
Holocaustmuseum in Washington D.C. ausgestellt. Himmler sagte darin:

Ich möchte zu ihnen ganz offen über eine sehr wichtige Sache reden. Unter uns sollten wir damit
ganz offen umgehen, doch wir sollten niemals in der Öffentlichkeit darüber sprechen. Ich
meine ... die Vernichtung der jüdischen Rasse. Das ist eine ehrenhafte Seite unserer Geschichte,
die niemals aufgeschrieben wurde und niemals aufgeschrieben werden wird. (Los Angeles
Times, 1993)

SS-Obersturmbannführer Rudolf Höss, Lagerkommandant von Auschwitz und einer der größten
Massenmörder der Geschichte, wuchs ebenso in einer frommen katholischen Familie auf und
wurde von seinen Eltern zunächst auf die Priesterlaufbahn vorbereitet. Er war seiner Familie treu
ergeben, ein großer Tierfreund und fanatischer Anhänger von Hitlers Nazireligion. Er schreibt in
seiner Autobiographie: „Soll die Öffentlichkeit mich ruhig weiter als das blutrünstige Tier, den
grausamen Sadisten betrachten ... [sie] können nicht verstehen, daß [der Lagerkommandant von
Auschwitz] ein Herz hatte und nicht böse war.“

Die SS war in vielerlei Hinsicht nach dem Vorbild des Jesuitenordens aufgebaut, den Himmler
studiert und bewundert hatte. Erstaunlicherweise endete der SS-Eid mit den Worten „so wahr mir
Gott helfe“. Ihr Katechismus „bestand aus einer Reihe von Fragen und Antworten nach dem
folgenden Schema: Frage: Warum glauben wir an Deutschland und an den Führer? Antwort: Weil
wir an Gott glauben, glauben wir an Deutschland, welches er in seiner Welt geschaffen hat, und
an den Führer Adolf Hitler, den er uns gesandt hat.“

Die Juden konnten auch von guten Katholiken im Namen Gottes vernichtet werden, weil ihre
Kirche dieses durch die unablässigen Verfolgungen und Hinrichtungen der verachteten „Christus-
Verwerfer“ jahrhundertelang als den Willen Gottes vorgeführt hatte.

Hitler, der „sich der seit langem vorhandenen antijüdischen Gefühle der [katholischen] Kirche
sehr wohl bewußt war“, (Guenter Lewy, Die kath. Kirche und das 3.Reich, Piper, 1965) machte
von Anfang an aus seinem Vorhaben mit den Juden kein Geheimnis. Bei einem Treffen mit
Bischof Berning und Msgr. Steinmann am 26. April 1933 „erinnerte er seinen Besuch daran, daß
die Kirche die Juden seit 1500 Jahren als Parasiten betrachtet, sie in Ghettos verbannt und den
Christen verboten habe, für sie zu arbeiten ... Er wolle, so sagte Hitler, nur wirksamer
durchführen, was die Kirche schon seit langem versucht habe.“

Es gibt keinen Hinweis auf einen Widerspruch der beiden katholischen Würdenträger. Wie
könnten sie auch, ohne dabei zahlreichen unfehlbaren Päpsten und ihrer eigenen unfehlbaren
Kirche zu widersprechen?

Der Vatikan, die Nazis und die Juden

Hitlers Absicht, die Juden zu vernichten, war dem Vatikan vor der Unterzeichnung des
Konkordats bekannt, doch der Holocaust war niemals Gegenstand der nachfolgenden
Verhandlungen der Kirche mit dem Führer. Am 1. April 1933, etwa vier Monate bevor der Vatikan
das Konkordat mit ihm unterzeichnen sollte, fing Hitler sein systematisches Programm mit einem
Boykott gegen die Juden an. Er rechtfertigte das mit diesen Worten: „Ich bin überzeugt, daß ich
heute im Einklang mit der Absicht des allmächtigen Schöpfers handle. Mit dem Kampf gegen die
Juden führe ich eine Schlacht für den Herrn.“ Als der italienische Botschafter im Auftrag
Mussolinis mit der Bitte an Hitler herantrat, sein hartes Vorgehen gegen die Juden nochmals zu
überdenken, prophezeite Hitler, „daß mit absoluter Sicherheit in fünf- oder sechshundert Jahren
der Name Hitler in allen Ländern als der Mann, der die jüdische Pest ein für allemal von der Welt
ausrottete, geehrt werde“.

Für Hitler war der Holocaust ein geistliches Unterfangen. Gemäß seiner Überzeugung, er erfülle
mit der Judenvernichtung den Willen Gottes, ordnete Hitler an, die Endlösung sollte „so human
wie möglich“ vollzogen werden. Er drangsalierte zwar die Kirche, wann immer er meinte, sie
stünde ihm im Weg, beharrte jedoch bis zum Schluß darauf: „Ich bin jetzt genau wie zuvor ein
Katholik und werde es immer bleiben.“ Er war überzeugt, daß der von ihm als guter Katholik
erdachte Plan das Niedermetzeln der „Christusmörder“ vollenden würde, das die katholische
Kirche im Mittelalter begonnen, aber nur so dürftig ausgeführt hatte. John Toland erklärt:

Die Vernichtung konnte deshalb ohne Gewissensbisse geschehen, da er nur als rächende Hand
Gottes handelte – so lange sie unpersönlich, ohne Grausamkeit, ausgeübt wurde. Himmler wurde
gebeten, mit Erbarmen zu morden. Er beauftragte Techniker mit der Konstruktion von
Gaskammern, die die Juden massenweise, effektiv und „human“ töten würden, zwängte die
Opfer dann in Eisenbahnwaggons und beförderte sie gen Osten, damit sie dort bis zur
Fertigstellung der Tötungszentren in den Ghettos blieben.

Kirchliche Unterstützung des nationalsozialistischen Antisemitismus

Hermann Göring und Franz von Papen erhielten mit ihrem Auftrag, ein Konkordat auszuarbeiten,
im Vatikan einen herzlichen Empfang. Roms freundliche Haltung zum Naziregime wurde deutlich
gemacht. Hatte denn niemand Mein Kampf gelesen? Natürlich hatten sie das, aber Rom und
Berlin hatten vieles gemein, einschließlich der Verfolgung und Tötung von Juden. Es mangelte
nicht an katholischen Persönlichkeiten, die die Säuberungsaktion von den Juden öffentlich
unterstützten.
Während der Jahre 1933-39 stellten die Schriften führender Katholiken, die „alle in von Priestern
herausgegebenen Zeitschriften oder in Büchern mit dem Imprimatur veröffentlicht wurden“, Ideen
wie die folgende vor:

Die Juden wirkten „zersetzend auf Religion und Volkscharakter“. [Sie] hätten ... dem deutschen
Volk „mehr Schaden als Nutzen“ gebracht. Die Juden hätten „einen tödlichen Haß gegen Jesus
an den Tag gelegt, während der Arier Pontius Pilatus ihn gerne freigelassen hätte“. Die Juden ...
„wären in ihrem maßlosen Haß gegen das Christentum immer noch die ersten, die danach
trachteten, das Christentum zu vernichten“.

Vikar Roth, Staatsbeamter im Nazi-Ministerium für Kirchliche Angelegenheiten und einer der
ersten Hitler-Anhänger, nannte die Juden „eine moralisch niedrig stehende Rasse, die aus dem
öffentlichen Leben ausgeschlossen werden müßte“. Dr. Haeuser, dessen Buch mit dem
Imprimatur der Diözese Regensburg erschien, nannte die Juden „Deutschlands Kreuz, ein von
Gott verstoßenes Volk, das unter seinem eigenen Fluch stehe ...“ Der Priester Wilhelm Maria
Senn pries Hitler an als „das Werkzeug Gottes, berufen, das Judentum niederzuringen“. Der
Nationalsozialismus, so sagte er, biete „die letzte große Möglichkeit, das jüdische Joch
abzuwerfen“.

Die Kirche half den Nazis dabei, „Menschen jüdischer Herkunft auszusortieren“. Ein Priester
schrieb im Klerusblatt: „Wir werden auch bei diesem Dienst am Volk wie bisher nach Kräften
mithelfen.“ Die Kirche führte diese teuflische „Dienstleistung“ auch noch in den Kriegsjahren fort,
selbst dann noch, als man für seine jüdische Herkunft „mit der Deportation und mit dem Leben“
bezahlen mußte. Die Kirche wußte sehr wohl um das furchtbare Schicksal der Juden. Hitler
verkündete in einer Rede am 30. Januar 1939, nur wenige Monate vor Kriegsbeginn durch seinen
Einmarsch in Polen, wenn der Krieg ausbreche, würde das Ergebnis „die Vernichtung der
jüdischen Rasse“ sein. (Lewy, Die kath. Kirche und das 3.Reich)

Die Kirche billigte Hitlers Totalitarismus solange, wie sie mit ihm zusammenarbeiten konnte.
Guenter Lewys umfassenden Forschungen in den relevanten Dokumenten der gesamten
Nazizeit ergaben, daß „der Heilige Stuhl den zentralen politischen Lehren des
Nationalsozialismus nicht ablehnender gegenüberstand als die deutschen Bischöfe“. Kardinal
Faulhaber „gab sich ... große Mühe klarzustellen, daß es ihm nicht darum zu tun sei, seine
jüdischen Zeitgenossen zu verteidigen“. Man müsse, so sagte er, zwischen den Juden vor der
Kreuzigung Christi und danach unterscheiden. Erzbischof Gröber erklärte im Jahre 1939, daß
– Jesus Christus ... sich von den Juden seiner Zeit grundlegend unterschieden habe – so sehr,
daß sie ihn gehaßt und seine Kreuzigung gefordert hätten, und „ihr mörderischer Haß setzte sich
in den Jahrhunderten fort“.

Jesus sei zwar ein Jude gewesen, schrieb Bischof Hilfrich von Limburg ... im Jahre 1939, „dabei
ist aber klar, daß die christliche Religion ... sich gegen dieses Volk hat durchsetzen müssen ...“

Der Theologe Karl Adam vertrat die Ansicht, das deutsche Volk müsse sein Blut reinhalten; dies
sei zur Selbsterhaltung notwendig, denn ... „gerade vom Blut empfängt der Mythos des
Deutschen seine Kultur und seine Geschichte ihre bestimmende Gestalt ...“

Ein Artikel im bayrischen Klerusblatt schilderte die Rolle der Juden in der Revolution von 1918;
sie seien der unbesiegten deutschen Armee in den Rücken gefallen, heißt es dort. (Und so ging
es in gleicher Weise weiter.)

Kardinal Bertram, Oberhaupt der Ostdeutschen Kirchenprovinz, und Erzbischof Gröber,


Oberhaupt der Oberrheinischen Kirchenprovinz, drückten zusammen mit weiteren Bischöfen
Unbehagen über die Entlassung katholischer Staatsbeamter seitens der neuen Regierung aus.
Gleichzeitig wiesen die Bischöfe jedoch Berichte über Gewaltanwendung in den neuen
Konzentrationslagern zurück. Gröber wurde sogar ein „förderndes Mitglied“ der SS und hielt
seinen finanziellen Beitrag bis zum bitteren Ende aufrecht.

Was der Vatikan und die deutschen Bischöfe wußten

Der Nationalsozialismus wurde von den katholischen Klerikern nur dort abgelehnt, wo er sich den
„Belangen und Interessen der Kirche“ entgegenstellte. Während die Kirche so zum Holocaust als
solchem weiterhin schwieg, sprach sie sich für den Schutz der zum Katholizismus konvertierten
Juden aus und versuchte sich auch darin. Dieser Umstand macht das Versagen in der Ablehnung
der nationalsozialistischen Judenvernichtung nur noch schlimmer. „In Deutschland gab es 30
Millionen Katholiken. Wenn die Juden auch [von einzelnen Katholiken] Hilfe erfuhren, hat die
Kirche doch nie offiziell anerkannt, daß das Eintreten für die Juden eine Christenpflicht ist.“
(Yehuda Bauer, A History of the Holocaust,1982) Der Vatikan verbot unerbittlich andere Bücher,
aber Mein Kampf oder die widerlichen antisemitischen Werke zahlreicher Kirchenführer setzte er
nie auf seinen Index verbotener Bücher.

Joseph Müller, ein Offizier und Geheimagent und Vertrauter Kardinal Faulhabers „hatte den
Episkopat lange Zeit hindurch über die systematischen Greueltaten in Polen unterrichtet“.
Gleiches tat auch Hans Globke, ein Katholik und hoher Beamter im Innenministerium, der
„Rassenangelegenheiten bearbeitete“. Der Vatikan und die deutschen Bischöfe wußten sehr
wohl, daß die Juden vernichtet wurden. Peter Viereck schreibt:

Hitlers Vernichtungsexperte Rudolf Höss schrieb in seinem Buch Kommandant von Auschwitz:
„Bei starkem Wind wurde der Gestank von verbranntem Fleisch kilometerweit fortgetragen, und
dann sprach die ganze Nachbarschaft über die Judenverbrennung.“ Über ein anderes Lager
schreibt er, dass „wenn ein Bus mit Opfern vorbeifuhr, sich sogar die deutschen Kinder auf den
Straßen lustig machten: Da kommt wieder der Mordskasten!“

Die Kirche wußte, was geschah, aber sie verschloß sowohl ihre Augen als auch ihren Mund. Kurt
Gerstein, ein heimliches Mitglied der evangelikalen Opposition gegen Hitler, wurde SS-Oberst,
um sich selbst von dem Geheimnis der Vernichtungslager zu überzeugen und es der Welt dann
zu verkünden. Er brachte seine Berichte zum Nuntius des Papstes in Berlin, der sich weigerte,
ihn zu empfangen, als er sein Anliegen erklärte. „In den Städten und Dörfern ganz Europas gab
es Zehntausende von Priestern. Sie sahen, wie Häuser geräumt und Dörfer deportiert wurden,
sie hörten die Beichten. Sie waren außergewöhnlich gut informiert.“ Katholische Soldaten kamen
regelmäßig von der Ostfront und erzählten von dem Massenabschlachten. „Der Vatikan gehörte
zu den ersten, die von dem Völkermordprogramm wußten. Seine eigenen Diplomaten
übermittelten dem Vatikan im März 1942 maßgebende Informationen über das Morden.“

Hitler trug seine bösen Absichten und Taten vor der Welt zur Schau. Der Vatikan hatte für seine
Zusammenarbeit mit dem Nationalsozialismus oder für sein fortwährendes Lob auf Hitler
einerseits und sein himmelschreiendes Schweigen zur Judenfrage andererseits keine
Entschuldigung. Als das Böse zunahm, arbeitete die römisch-katholische Kirche weiterhin mit
dem Führer zusammen und lobte ihn sogar. Selbst nachdem Hitlers Truppen trotz seiner
gegenteiligen Versprechungen in das entmilitarisierte Rheinland einmarschiert waren und es
eingenommen hatten, rühmten ihn führende Katholiken aus ganz Deutschland, unter ihnen auch
Kardinal Schulte im Kölner Dom.

Das Konkordat mit Hitler war nichts Neues. Die Päpste waren seit Jahrhunderten Partner von
boshaften Herrschern gewesen. Hätte Jesus wohl ein Abkommen mit Pilatus getroffen oder der
Apostel Paulus mit Nero? Doch die angeblichen Nachfolger Petri waren von Konstantin an
unheilige Allianzen mit heidnischen Herrschern eingegangen und setzten das durch die Allianz
mit Hitler bis zum Ende des Krieges fort, wobei sie durch Zahlungen der Naziregierung an den
Vatikan Hunderte Millionen Dollar einkassierten.

Das moralische Versagen des Schweigens

Pius XII. war für seine freimütigen Warnungen der Gläubigen vor den „Missbrauch der
Menschenrechte“ bekannt, doch zum Holocaust schwieg er. Er sagte in der Öffentlichkeit nie ein
Wort gegen Hitlers systematische Judenvernichtung, denn das hätte seine eigene Kirche für ihr
gleiches Tun verurteilt. Die Historiker sind sich darin einig, daß dieses Schweigen Hitler ermutigte
und so seinen Teil zu dem unsagbaren Völkermord beitrug.

Der Papst rühmte sich, der moralische Wachhund der Welt zu sein, doch angesichts des
schlimmsten Verbrechens der Menschheitsgeschichte sagte er nichts. In seiner ersten, im
Oktober 1939 erschienenen Enzyklika verkündete Pius XII., sein Amt als Stellvertreter Christi
verlange, daß er „die Wahrheit mit apostolischer Freimütigkeit bezeugt“. Er erklärte weiter:
Diese Pflicht umfasst notwendig die Darlegung und Widerlegung der menschlichen Irrtümer und
Fehlungen, die erkannt werden müssen, wenn sie behandelt und geheilt werden sollen ... In der
Erfüllung dieser Unserer Sendung werden Wir Uns von irdischen Rücksichten nicht beeinflussen
lassen; weder Misstrauen und Widerspruch, Ablehnung und Unverständnis, noch die Furcht,
missverstanden oder falsch ausgelegt zu werden, kann Uns von ihr abhalten.

Das sind hochtrabende Worte, die sich jedoch als hohl und leer erwiesen haben. Genau an dem
Tag, an dem Pius XII. sein Pontifikat antrat, wies Mussolini Italiens 69.000 Juden aus, und der
Papst sagte nichts dazu. Einige Wochen später fiel Italien in Albanien ein. Der Papst protestierte,
aber nicht, weil ein Land mutwillig angegriffen wurde, sondern weil der Angriff an einem
Karfreitag ausgetragen wurde. Das sollte also Christi „Stellvertreter“ sein?
Wie ihr Papst, so versprachen auch die deutschen Bischöfe wiederholt, „furchtlos die
Ungerechtigkeit zu verurteilen“. Kardinal Faulhaber erklärte im Jahre 1936, ein Bischof könne
nicht Gottes Diener sein, „wenn er rede, um Menschen zu gefallen, oder schweige, aus Angst vor
den Menschen“. Im Juli 1941 behauptete Bischof Graf von Galen, der Verteidiger aller dem
Menschen von Gott gegebenen „Rechte und Freiheiten“ zu sein, und diese Pflicht bestünde
darin, „die himmelschreiende Ungerechtigkeit der Verurteilung von wehrlosen Unschuldigen
mutig zu brandmarken“. Ähnlich leere Rhetorik wetterten andere Bischöfe von ihren Kanzeln, die
aber alle weiterhin schwiegen, während Millionen Juden systematisch vernichtet wurden. Durch
diese endlose Heuchelei ist es mehr als bewiesen, daß das nicht die wahre Kirche sein kann.

Joseph Kardinal Ratzinger, mittlerweile in seiner dritten jeweils fünfjährigen Amtszeit als Chef des
modernen Äquivalents der Heiligen Inquisition, diente während des Krieges beim deutschen
Militär, allerdings nicht im Kampfeinsatz. Seinen eigenen Aussagen zufolge war er über den
Holocaust unterrichtet. Kein Deutscher hätte völlig ignorant sein können. „Der Abgrund des
Hitlerismus konnte nicht übersehen werden“, gibt Ratzinger jetzt zu. Doch er übersah ihn, als es
ihn etwas gekostet hätte, gegen ihn auszusagen.

Ratzinger könnte jetzt, als Wachhund der Orthodoxie und neben dem Papst dienstältester und
mächtigster Amtsträger des Vatikans, sowohl für sein eigenes Schweigen während des gesamten
Holocausts als auch das seiner Kirche Wiedergutmachung leisten. Weshalb sollte man den
Juden nicht aufrichtige Reue und herzliche Bitte um Vergebung entgegenbringen? Aber
Ratzinger und Papst Johannes Paul II. setzen das eiserne Schweigen von Pius XII. fort. Und wie
könnten sie sich entschuldigen, ohne zuzugeben, daß ihre Päpste und ihre Kirche aufs
Schwerste gegen Christi ethnische Brüder gesündigt haben, und somit die ganze Behauptung
der Unfehlbarkeit und der einzig wahren Kirche hinfällig ist?

Kein Entkommen vor der Schuld

Man hat oft gesagt, wenn der Papst protestiert hätte, worum ihn viele baten, dann hätte das für
die Juden nur noch alles schlimmer gemacht. Konnte es denn noch schlimmer werden? Hat das
Schweigen des Vatikans irgend jemanden gerettet? Offensichtlich nicht. De Rosa sagt treffend:
„Es gab einen Mann auf der Welt, dessen Zeugnis Hitler fürchtete, weil viele in seinen Truppen
Katholiken waren. Dieser eine Mann sprach nicht. Angesichts dessen, was Winston Churchill
‚wahrscheinlich das größte und grausigste einzelne Verbrechen, das in der Weltgeschichte je
begangen wurde‘ nannte, zog er es vor, neutral zu bleiben.“

Die Kirche nahm kein Blatt vor den Mund, als es hieß, dem Euthanasieprogramm der Nazis
entgegenzutreten und konnte es schließlich stoppen. Die Bischöfe sprachen sich gegen die
Misshandlung von katholisch gewordenen Juden und gegen die Einstufung von Halbjuden als
jüdische Katholiken aus. Die Kirche lehnte die erzwungene Scheidung von mit Juden
verheirateten Katholiken und die anschließende Deportation des jüdischen Partners ab. Aber sie
sprach sich nie gegen die Vernichtung der Juden aus. Guenter Lewy schreibt:

Als Tausende von Deutschen, die sich den Nationalsozialisten widersetzten, in Hitlers
Konzentrationslagern zu Tode gequält wurden, als man die polnische Intelligenz niedermetzelte,
als Hunderttausende von Russen sterben mußten, weil sie als slawische Untermenschen
behandelt wurden, und als man Millionen Menschen hinmordete, weil sie „Nicht-Arier“ waren,
unterstützten Amtsträger der katholischen Kirche in Deutschland das Regime, das diese
Verbrechen beging. Der Papst in Rom, das geistliche Oberhaupt und die höchste moralische
Autorität der römisch-katholischen Kirche, schwieg. Angesichts dieses Ausmaßes an moralischer
Verderbtheit, die die Menschheit in den letzten Jahrhunderten erfahren mußte, war die
moralische Stimme der Kirche, die [angeblich] Nächstenliebe predigt, einzig in Form von
unbestimmten Verallgemeinerungen zu hören.
Als die Gestapo im Februar 1943 bei der Deportation der letzten deutschen Juden zur Tötung in
den Osten einige Tausend christliche Nicht-Arier aus Mischehen festnahm (allein in Berlin etwa
6.000), „geschah etwas, womit man nicht gerechnet hatte: Die arischen Ehefrauen folgten ihren
Männern bis zu dem Platz, wo sie vorübergehend festgehalten wurden; sie wichen nicht vom
Fleck, schrien und forderten ihre Männer zurück. Da die Gestapo die ganze Aktion aber geheim
halten wollte und nun befürchtete, der Vernichtungsapparat könne ans Tageslicht kommen, gab
sie nach und entließ die nicht-arischen Ehemänner. Dieses Beispiel zeigt, was ein aufgerütteltes
Gewissen erreichen konnte – selbst gegen Hitlers Terrorapparat.“

Als Dr. Edoardo Senatro, Korrespondent der italienischen Zeitung L’Osservatore Romano in
Berlin, „Pius XII. fragte, ob er beabsichtige, gegen die Judenvernichtung zu protestieren, soll der
Papst ihm geantwortet haben: ‚Lieber Freund, vergessen sie nicht, daß in den deutschen Heeren
Millionen Katholiken sind. Soll ich sie in Gewissenskonflikte bringen?‘“ Guenter Lewy fasst
zusammen:

Der Papst wußte, daß die deutschen Katholiken nicht bereit waren, Märtyrer für die Kirche zu
werden; noch weniger waren sie allerdings bereit, sich den Zorn ihrer nationalsozialistischen
Obrigkeit der Juden wegen zuzuziehen, die nach der jahrelang vertretenen Auffassung der
katholischen Bischöfe einen schädlichen Einfluß im deutschen Leben darstellten. ... letztlich
spiegelte das Schweigen des Papstes nur die tiefwurzelnden Gefühle der katholischen Masse
von Europa wider – besonders der Katholiken Deutschlands und Osteuropas. Weil der Papst
versagte, versagte die Kirche, denn sie brachte es nicht fertig, ihr Evangelium der brüderlichen
Liebe und der Menschenwürde in lebendige Wirklichkeit umzusetzen.

Und die Welt wandte sich ab.

Papst Pius’ XII. Schweigen über den Holocaust wurde zunächst seitens der USA (Präsident
Roosevelt schwieg ebenfalls), Großbritannien und der „neutralen“ Schweiz gutgeheißen und
bestärkt. Diese Länder lieferten geflüchtete Juden wieder an die Nazis und damit dem sicheren
Tod aus. In den entscheidenden Monaten, als es für viele Juden immer noch eine Möglichkeit
zum Verlassen Deutschlands gab, blockierte das Auswärtige Amt der Vereinigten Staaten
vorsätzlich die Einwanderung von Juden und verzögerte die Ausstellung gültiger Papiere, bis die
Antragsteller in die Vernichtungslager der Nazis gebracht wurden.

So sahen die Früchte des Antisemitismus aus, der in den 20er und 30er Jahren dieses
Jahrhunderts in ganz Amerika grassierte. Das war eines der finstersten Kapitel der
amerikanischen Geschichte. Die erschreckenden Fakten über Amerikas Verwicklung in den
Holocaust in den obersten Rängen der Regierung wurden zum Teil am 6. April 1994 in einer
Fernsehsendung des Public Broadcasting Systems dargestellt:

Senatoren und Kongreßabgeordnete spien öffentlich das Gift des Antisemitismus in die Säle der
Staatenhauptstadt ... Es gab antisemitische Kampagnen, die von über 100 über ganz Amerika
verteilten Organisationen dirigiert wurden ... Der katholische Priester Pater Charles Coughlin war
der einflussreichste antisemitische Wortführer des Landes. Seine Radioübertragung erreichte
mehr als drei Millionen Menschen.

Kürzlich ans Tageslicht gekommene Dokumente beweisen, daß sowohl die Vereinigten Staaten
als auch England nicht bereit waren, Juden aufzunehmen und ihre Einwanderung unterbanden.
Weit davon entfernt, Hitler zum Einstellen seines Mordens unter Druck zu setzen, fürchteten
England und Amerika, der Führer könne, wenn er zum falschen Zeitpunkt unter Druck gesetzt
wird, Tausende von Juden auf die Amerikaner und Briten abwälzen. Das war das letzte, was
diese heuchlerischen Regierungen wollten, wenn sie sich auch in der Öffentlichkeit über die
Greueltaten der Nazis entrüsteten. Die westlichen Mächte, und mit ihnen der Vatikan, waren in
Wirklichkeit Helfershelfer beim Holocaust. Die Wahrheit ist fast zu schrecklich, um ihr ins
Angesicht schauen zu können.

Nicht weniger bedeutsam ist der Umstand, daß die Kirche niemals Hitler, Mussolini, Himmler oder
sonst irgend jemanden der Schlüsselfiguren des Holocaust exkommunizierte. Sie blieben bis zum
Schluß Katholiken unter dem Schirm der Mutter Kirche. Außerdem hat die Kirche vorsätzlich über
ihre eigene Rolle gelogen und eine Legende um den Widerstand der Kirche in Deutschland
gebildet, die dringend einer historischen Richtigstellung bedarf. Ausgenommen einiger Fälle von
wenigen Einzelpersonen war nur Kollaboration und nicht Widerstand zu verzeichnen. Darüber
hinaus wurden die, die mit den Nazis zusammenarbeiteten, weit davon entfernt, zurechtgewiesen
zu werden, von Rom sogar noch ausgezeichnet. Guenter Lewy zeigt einige Beispiele auf:

Dieses „Verdeckungsmanöver“ [der Wahrheit über die katholische Kooperation] war so kühn und
erfolgreich, daß in Deutschland ... nicht ein einziger Bischof seines Amtes enthoben wurde. Im
Gegenteil: Bischof Berning, der bis zu Hitlers Niederlage in Görings Preußischem Staatsrat saß,
verlieh man 1949 den Ehrentitel eines Erzbischofs. Herr von Papen [der zum Abschluß des
1933er Konkordats verhalf] wurde 1959 zum Päpstlichen Geheimkämmerer ernannt. Solche
Auszeichnungen für Männer, die tief in das nationalsozialistische Regime verstrickt waren, sind
eine Lästerung heroischer Gestalten ... die im Kampf gegen Hitler starben.

Pius XII. behauptete, seine Enzykliken seien für die Kirche genauso bindend wie ex cathedra-
Verkündigungen. Wenn er deshalb den Mitgliedern seiner Kirche Weisung gegeben hätte, dann
hätte die Möglichkeit bestanden, Hitler gleich am Anfang zu Fall zu bringen. Der Verlauf der
Ereignisse, mit einer Hitler buchstäblich in Macht setzenden römisch-katholischen Kirche, die ihn
anschließend unterstützt, widerlegt die Behauptung der Päpste, Christi Stellvertreter und vom
Heiligen Geist geleitet zu sein.

Antisemitismus im Aufwind

Die Erinnerung ist kurzlebig und trügerisch, und das Gewissen der Welt wird leicht abgestumpft,
was kürzlich durch eine Anzeige des United Jewish Appeal („vereinigter jüdischer Aufruf“) in einer
großen Zeitschrift verdeutlicht wurde. Sie zeigt ein Bild eines schwarzhemdigen, inoffiziellen
Truppenverbands im heutigen Rußland (offenbar in Verbindung mit dem unerwarteten
Machtaufstieg des faschistischen Fanatikers Vladimir Zhirinovsky) mit dem gestreckten Arm zum
faschistischen Gruß erhoben. Mit der Überschrift „FÜR JUDEN IN DER FRÜHEREN
SOWJETUNION STEHEN DIE ZEICHEN KLAR“, lautet der Aufruf:
Die Zeichen sind nur zu gut bekannt. Ein Aufmarsch schwarzhemdiger Faschisten. Synagogen
gehen unerklärlicherweise in Flammen auf. Der Rechtsextremist Vladimir Schirinowsky ereifert
sich gegen Juden und „zionistische Verschwörungen“. Und seine Partei gewinnt mehr Stimmen
als jede andere in Rußland.
Wieder einmal wälzen die Opportunisten die Schuld für die schrecklichen Zustände auf ihren
traditionellen Sündenbock – die Juden. Und für die Juden kommt der Antisemitismus noch zum
miserablen Leben in der früheren Sowjetunion hinzu: Die arge wirtschaftliche Not. Die politische
Instabilität. Der niederdrückende Mangel an Ausbildungsmöglichkeiten, an Möglichkeiten für ein
besseres Leben.
Aber es gibt Hoffnung. Operation Exodus. Der UJA-Verband Operation Exodus-Kampagne hat
bisher 500.000 Juden aus der ehemaligen Sowjetunion zur Rettung verholfen – allein 69.132 im
Jahre 1993. Und sie heim nach Israel gebracht. Doch 1,4 Millionen Juden bleiben.
Aber nicht nur in der ehemaligen Sowjetunion ist offensichtlich eine erneute Bedrohung des
Lebens und der Kultur der Juden zu verzeichnen. Der Antisemitismus ist überall im Aufwind,
einschließlich in den USA.
Die Associated Press berichtet in einer aktuellen Depesche:
Antisemitische Ausschreitungen, Drohungen und Belästigungen nahmen in den Vereinigten
Staaten vergangenes Jahr um 23 % zu ... Die ADL (Anti-Defamation League, „Anti-
Verleumdungs-Liga“) berichtet von insgesamt 1.867 antisemitischen Handlungen im Jahr 1993,
das ist die zweithöchste Zahl in der 15-jährigen Geschichte dieser Studie.
Die hebräischen Propheten sagten diesen Haß und diese Mißachtung gegenüber Gottes
auserwähltem Volk voraus, so wie auch, daß dies nicht enden würde, bis Jesus Christus zur
Rettung seines Volkes auf diese Erde zurückkehrt (Sacharja 12,10).
Der Vatikan behauptet, Christus zu repräsentieren und den moralischen Maßstab der Welt
festzusetzen. Der Papst predigt Frieden und Liebe und belehrt andere über ihre moralischen
Fehler, doch die Hände seiner Kirche sind beschmiert von dem Blut von Millionen unschuldiger
Opfer.

Das Doppelleben geht weiter

1986 ging Johannes Paul II. in die Synagoge von Rom, die nicht weit von seinem Palast entfernt
ist. In seiner dortigen Rede beklagte er die in der Vergangenheit „von allen und jedem“ an den
Juden verübten Verbrechen. Als er dies wiederholte, brach spontan Applaus los. Der Papst und
der oberste Rabbiner Elio Toaff umarmten sich. Das Bedauern über die Diskriminierung der
Juden durch die Kirche war jedoch ein schwacher Versuch. Was angebracht gewesen wäre, war
ein ausdrückliches Bekennen genau dessen, was die Kirche den Juden angetan hat, angefangen
bei ihrem Zusammenpferchen in Ghettos über die jahrhundertelangen Verfolgungen und
Hinrichtungen bis hin zu ihrer Zusammenarbeit mit den Nazis beim Holocaust. Ohne ein solches
Bekenntnis und eine vollständige Entschuldigung sind alle politischen Gesten trügerisch.
Nach 18 Monaten intensiver Verhandlungen unterzeichneten am 30. Dezember 1993 Msgr.
Claudio Maria Celli, Auslandssekretär beim päpstlichen Staatssekretariat, und Dr. Yossi Beilin,
Israels stellvertretender Außenminister, ein 14 Artikel umfassendes „grundlegendes Abkommen“,
das volle diplomatische Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan einführte. Die Präambel
dieses Abkommens weist sowohl auf das „einzigartige Wesen der Beziehung zwischen
katholischer Kirche und dem jüdischen Volk“ hin, als auch auf den „historischen
Versöhnungsprozeß“ und die „zunehmende gegenseitige Verständigung und Freundschaft
zwischen Katholiken und Juden“.

Das „einzigartige Wesen der Beziehung zwischen der katholischen Kirche und dem jüdischen
Volk“ war das einer Beziehung zwischen Verfolger und Verfolgten, Schlächter und
Geschlagenen. Was den „historischen Versöhnungsprozeß“ betrifft, fehlt immer noch die Reue
Roms, die diesen Prozeß in Gang setzen würde. Wie könnte eine bedeutende Aussöhnung
stattfinden, ehe nicht die Seite, die die andere so schrecklich mißhandelt hat, zu einem
vollständigen Bekenntnis, einer aufrichtigen Entschuldigung und einer ernsthaften
Wiedergutmachung bereit ist?

Seit der Gründung des jüdischen Staates im Jahre 1948 weigert Rom sich nunmehr 46 Jahre
lang, Israels Existenz auch nur anzuerkennen. Auch jetzt besteht Rom noch darauf, daß
Jerusalem eine internationale Stadt sein müßte, die nicht Israel unterstünde.

Die gegenwärtigen Führer Israels haben anscheinend vergessen, daß zur Befreiung der Juden
aus dem von Vatikan aufgezwungenen Ghetto Roms die italienische Armee nötig war. Ebenfalls
vergessen ist die Aussage Pius’ X., die Golda Meir in ihrer Autobiographie zitiert: „Wir können die
Juden nicht daran hindern, nach Jerusalem zu gehen, aber wir werden das niemals billigen ... Die
Juden haben unseren Herrn nicht anerkannt; wir können die Juden nicht anerkennen.“ Es ist
gefährlich, jenen zu vertrauen, deren frühere Worte und Jahrhunderte währende Taten das nun
erlangte „Abkommen“ als unwahr erweisen.

In dem Abkommen fordert der Vatikan Israels Bürgschaft dafür, „die Menschenrechte auf
Religions- und Gewissensfreiheit einzuhalten“. Was für eine ausgesprochene Frechheit! Solange
Rom die Vormacht hatte, war es niemals dazu bereit, anderen solche Rechte zu gewähren. Wir
haben bereits ausführlich dargelegt, daß der römische Katholizismus der verschworene Feind
von Rede-, Religions- und Pressefreiheit ist und daß die Päpste diese Freiheiten dauerhaft
unterdrückten, wo immer sie die Macht dazu hatten.

Das Abkommen verpflichtet Israel und den Vatikan darüber hinaus, gemeinsam gegen den
Antisemitismus vorzugehen. Doch welchen Wert hat ein solches Abkommen, solange Rom nicht
zugegeben hat, daß es selbst jahrhundertelang den schlimmsten Antisemitismus praktiziert hat,
und das ohne eine aufrichtige Entschuldigung dafür? Ohne diese Minimalgeste ist das
Abkommen für Israel eher ein Grund zum Heulen als zur Freude.

Die Geschichte schreit immer noch zum Himmel

Roms trügerischer Versuch, seinen Antisemitismus zu verbergen, findet sich ebenfalls im 2.


Vatikanischen Konzil. Dort wird auf das jüdische Volk, wenn es auch nicht ausdrücklich genannt
wird, als auf das, „aus dem Christus dem Fleische nach geboren ist“ angespielt und es wird als
„dieses seiner Erwählung nach um der Väter willen so teure Volk“ bezeichnet. Diese Aussagen
sind wohl kaum mit der Weise vereinbar, auf welche Rom Gottes auserwähltes Volk die ganze
Geschichte hindurch behandelt hat. In einer solchen Quelle sucht man vergeblich nach Wahrheit.
Der nächste Satz stellt eine nicht weniger unverfrorene Lüge dar:

Der Heilswille umfaßt aber die, welche den Schöpfer anerkennen, unter ihnen besonders die
Muslime, die sich zum Glauben Abrahams bekennen und mit uns den einen Gott anbeten, den
barmherzigen, der die Menschen am Jüngsten Tag richten wird.

Welche Gotteslästerung, den Allah des Islams als den Schöpfer zu bezeichnen und damit die
Hauptgottheit der alten Kaaba (den Gott von Mohammeds Quraishitenstamm) mit Jahwe, dem
Gott der Bibel, zu identifizieren. Der Islam bestreitet ausdrücklich, daß Allah ein Vater ist oder
einen Sohn hat oder daß er eine Dreiheit aus Vater, Sohn und Heiliger Geist ist; der Islam hat
deshalb keine Erklärung für das „Laßt uns Menschen machen in unserem Bild“ (1. Mose 1,26).
Allah ist nur zu denen barmherzig, die Gutes tun, und haßt Sünder, wohingegen der wahre Gott
Liebe ist und alle liebt. Allah ist ein ferner Gott, und es ist unmöglich, zu ihm eine persönliche
Beziehung zu haben, da er nicht die Eigenschaften der Heiligkeit, Gnade und Liebe hat und der
Schöpfer des Bösen ist. Allah ist der völlige Gegensatz zu dem Gott Abrahams, Isaaks und
Jakobs.
Was das Festhalten am „Glauben Abrahams“ betrifft, so freute sich dieser Patriarch auf das
Kommen Christi als das Lamm Gottes, das für unsere Sünden sterben sollte (1. Mose 22,8;
Johannes 1,29; 8,56) – eine Wahrheit, die die Muslime unerbittlich ablehnen. Der Islam streitet
sowohl die Gottheit und die Gottessohnschaft Jesu ab als auch, daß er am Kreuz für unsere
Sünden starb (angeblich starb jemand anderes an seiner Stelle) und leugnet natürlich auch seine
Auferstehung. Doch dieser Abschnitt aus dem 2. Vatikanum besagt, die Muslime seien
nichtsdestoweniger in den „Heilsplan“ miteingeschlossen. In einem späteren Kapitel werden wir
noch auf den unglaublichen Ökumenismus Roms zurückkommen.

Allah ist also Jahwe und der Islam der „Glaube Abrahams“? Ist Rom zu den Muslimen etwa so
großzügig, um ihre Gunst zu erwerben? Dieser Abschnitt des 2. Vatikanums legt tatsächlich
nahe, daß sich alle, sogar Götzendiener, letzten Endes unter den rettenden Schirm der römisch-
katholischen Kirche versammeln werden, alle – das heißt ausgenommen die Protestanten. Roms
Großzügigkeit hat Grenzen, denn ihre eiserne Faust steckt jetzt in einem Samthandschuh.
Momentan wird Israel der Hof gemacht, aber der gesunde Menschenverstand sagt uns, daß die
Motive Roms nicht echt sind. Die Geschichte schreit immer noch zum Himmel – und nach uns
und unserer Aufmerksamkeit.

Jerusalem hat sein Yad Vashem (das Holocaustmuseum), um der Welt stets die Millionen durch
Hitler umgebrachten Juden vors Gewissen zu halten. Im Gegensatz dazu gibt es kein Mahnmal
für die ungezählten Millionen sowohl Juden als auch Christen, die durch die „Heilige Mutter
Kirche“ umgebracht worden sind. Die trügerisch süßen Worte aus dem Vatikan können nicht die
bohrende Frage aus der jüngsten Geschichte verdrängen, die Guenter Lewy stellt:

Als Hitler sein Mordprogramm gegen die Juden Europas durchführte, verteidigten nur wenige die
Wahrheit und die Gerechtigkeit. Der Stellvertreter Christi und der deutsche Episkopat gehörten
nicht dazu. Ihre Rolle gibt der Frage, die das junge Mädchen in Andorra von Max Frisch an ihren
Priester richtet, eine besondere Bedeutung: „Wo, Pater Benedikt, bist du gewesen, als sie
unseren Bruder geholt haben wie Schlachtvieh, wie Schlachtvieh, wo?“
Auf diese Frage gibt es bis heute keine Antwort.

Aus Dave Hunt, DIE FRAU UND DAS TIER, - ein Bericht über das abgefallene Christentum.

Anmerkung von Horst Koch, September 2006: Sicher gehört zur objkektiven Darstellung der
Frage der Judenverfolgungen durch die Jahrhunderte auch die Verhalten Roms gegenüber der
Judenschaft. Nur darf dabei nicht übersehen werden, dass es auch eine Kampfansage des
Judentums an die Christliche Kirche gab. Dieser Aspekt kommt bei Dave Hunt zu kurz.
Deswegen habe ich unterschiedliche Artikel zum Thema Kampf zwischen Synagoge und Kirche
in die HP aufgenommen.

---

Vorwort

Was mich zu dieser Schrift veranlaßt hat, ist die Sorge um die Verantwortung für die Menschen,
die die Wahrheit liebhaben. Es ist noch gar nicht so lange her, daß viele Glaubensgenossen
bittere Enttäuschungen erleben mußten. Sie sind das Opfer ihrer eigenen unklaren Haltung dem
Wahrheitszeugnis der Schrift gegenüber geworden. Der Hang zum „imponierenden Großen" ist
oft die Ursache der Vernebelung. - Heute drohen von einer anderen Seite größere Gefahren.
Darum müssen wir warnen, solange dies noch möglich ist. Diese Möglichkeiten können uns bald
genommen werden: „Es kommt die Nacht, da niemand wirken kann!"

Der treue Herr aber, der die Herzen der Menschen wie Wasserbäche lenkt, möge seinen Segen
auf diese Schrift legen. Er gebe Gnade, daß wahrheitsuchenden Seelen die Augen für unsere
ernste Wirklichkeit geöffnet werden.

A. Omenzetter

Zur achten Auflage:

Seit dem Erscheinen der 2. Auflage 1967 bis heute erlebten wir, wie sich ev. Kirchen und
Freikirchen an den Wagen Roms haben spannen lassen. Sie wurden in der Ökumene
Wegbereiter für die Wiedervereinigung mit der päpstlichen Kirche Roms. Durch eine gemeinsame
Bibelübersetzung, ein ökumenisches „Vaterunser" und ein „Glaubensbekenntnis" u. a. m. sollen
die Bibelgläubigen irregeführt werden.

Wir dürfen heute weder der katholischen noch weniger der evangelischen Kirche Glauben
schenken, daß die Macht des Papstes im Schwinden sei und die Kirche Roms einem neuen
Frühling entgegengeht. Die Voraussetzung für eine Erneuerung könnte erst gegeben sein, wenn
aus der katholischen Kirche verbannt sein würden:
1. Das antichristliche Papsttum,
2. der Totalitätsanspruch,
3. die lügenhafte Politik,
4. die Jesuiten,
5. die heidnischen Dogmen,
6. der Götzen- und Bilderkult,
7. der gottwidrige Messehandel und sonstiger Aberglaube.

- Solange auch nur ein Punkt nicht erfüllt ist, müssen wir Distanz halten und warnend unsere
Stimmen erheben. - Für ein gottseliges Leben und Sterben genügen: Christus allein ... (Apg. 4,
12) - Das Wort Gottes allein ...!" (2 Petr. 1, 19) - Allein aus Gnaden! (Eph. 2, 5.)

Der Verfasser

Inhaltsverzeichnis

I. Der römische Katholizismus und sein religiös-politischer Weltstaat


II. Der Jesuitenorden oder der „Orden der Gesellschaft Jesu"
III. Der „Dialog" oder das „Gespräch" mit Rom
IV. Roms Dialog mit der Welt
V. Der Dialog mit dem Osten
VI. Die römisch-katholische „Liebe" und die römische ,,Religions- und Gewissensfreiheit"
VII. Das Papsttum - seine Entstehung und seine Machtentfaltung in der Welt
VIII. Die Lehre der römischen Kirche und die Lehre der Heiligen Schrift

1. Die Kirche
2. Die Taufe
3. Die Buße
4. Christus oder Maria?
5. Der „unfehlbare Stellvertreter Christi"
6. Verehrung und Anbetung der Heiligen
7. Der katholische Reliquienkult
8. Das Kreuz
9. Der Bilderkult
10. Das Fegfeuer
11. Das Gebet
12. Der Beichtstuhl

IX. Wahres Einswerden nach dem hohepriesterlichen Gebet Jesu


X. Zweierlei Zusammenschlüsse
XI. Nachtrag

1. Abschluß und Ergebnisse des Konzils . .


2. Roms Propaganda nach dem Konzil
3. Die EKD nach dem Konzil
4. Die römische Kirche und die Kirchen der Reformation nach der Vollversammlung in Uppsala
1968

I. Der römische Katholizismus und sein religiös-politischer Weltstaat

Während meines Studiums auf St. Chrischona bei Basel hat einer unserer hochgeschätzten
theologischen Lehrer im Unterricht den Satz geprägt: „Der Katholizismus ist die größte Sekte dei
Kirchengeschichte." Über diese Worte dachte ich im Laufe der Jahre immer wieder nach.

In jener Zeit brachte eine Schweizer Zeitschrift einen religiösen Vortrag eines hohen katholischen
Würdenträgers. Ein Satz machte mich in diesem Vortrag stutzig: „Wir werden das durch die
Reformation ausgebrochene Stück Mauer wieder einfügen, auch wenn es durch Schwert und
Feuer sein müßte." Diese Worte klangen damals in meinem Herzen wie ein Warnruf vor
kommenden Gefahren.

Vier Jahre später weilte ich in Leipzig zum weiteren Studium. Man schrieb das Jahr 1932. In einer
Vorlesung wurde den Studenten folgendes gesagt: „Der Vatikan hat Gespräche mit der
Sowjetunion geführt. Er ist seinerseits bereit, den Kommunismus anzuerkennen. Als
Gegenleistung verlange der Papst ungehinderte Missionstätigkeit in der Sowjetunion. Zu diesem
Zweck wurden 5000 jesuitische Missionare ausgebildet, die nach dem Vertrag eingesetzt werden
sollten." Über die Quelle dieser Nachricht sagte der Dozent nichts. Moskau lehnte aber das
Ansuchen des Vatikans ab.

Viele meinen, wenn sie mit einzelnen Katholiken Verbindung halten, dem Katholizismus
kennengelernt zu haben. Es besteht oft ein großer Unterschied zwischen Katholiken und
Katholizismus. Derselbe Lehrer sagte uns Schülern: „Es gibt Katholiken, die trotz Maria und den
Heiligen doch zu Christus gelangen." Es ist wahr: Es gibt unter den Katholiken manche treue
Gotteskinder, mit denen man auch die Knie beugen kann. Es sind jene aufrichtigen Seelen, die
das wahre Heil von ganzem Herzen suchen. Sie erwarten es von Jesus Christus und nicht von
der Kirche. Sie gleichen jenem Vogel, der von der giftigen Eibe die roten, ungiftigen Beeren holt,
um sie als Nahrung zu verwenden.

Im Zweiten Vatikanischen Konzil konnte man immer wieder reformatorische Stimmen einzelner
Bischöfe vernehmen. Das ist sehr erfreulich! Aber es zeugt poch lange nicht davon, daß sich im
Katholizismus seit der Reformation etwas Grundmäßiges geändert hätte. Das Gegenteil ist der
Fall. Nicht nur der alte Ballast ist beibehalten worden, sondern in der Nachreformationszeit sind
neue widerbiblische Dogmen hinzugekommen:

1. Das Dogma der „unbefleckten Empfängnis" Marias.


2. Das Dogma von der „Unfehlbarkeit" des „Stellvertreters".
3. In der neuesten Zeit das Dogma von „Marias leiblicher Himmelfahrt".

Die Kirche Roms ist im Gegensatz zu der evangelischen Kirche eine geschlossene Einheit. Wir
dürfen aber nicht vergessen, daß diese Einheit auf Kosten der Wahrheit entstanden ist. Rom hat
in seiner mehr als tausendjährigen Geschichte heidnisches und sektiererisches Gedankengut in
sich aufgenommen, dieses mit biblischen Wahrheiten des Christentums vermischt, und damit
eine einheitliche, straffe, sogenannte „unfehlbare Kirche" geschaffen, die sie, gleich dem Islam,
mit Feuer und Schwert ausbreitete und verteidigte.

In der Kirche Roms ist Irrtum mit Wahrheit vermischt. Man spricht teilweise noch die Sprache der
Bibel, hat aber deren Inhalt gefälscht. Man gebraucht biblische Ausdrücke, die aber eine andere
Bedeutung haben. Rom hat das Gift der Spaltpilze in den eigenen Reihen nicht ausgeschieden,
sondern in sich aufgenommen. Man hat nicht nach den Worten des Apostels Paulus gehandelt:
„Tut von euch selbst hinaus, was böse ist" (1. Kor. 5, 13). Roms Einheit ist, von der Schrift aus
gesehen, auf sandigem Fundament gebaut.

Der Katholizismus hat - trotz seiner straffen, zentralen Leitung - in den verschiedenen Ländern
sein eigenes Gepräge. Er ist anders in den Ländern, wo er in „Reinkultur" auftritt, und anders
dort, wo andere Konfessionen noch mit ihm zusammenleben. Die polnischen Katholiken sind in
ihrer Mehrheit verschlossen, unduldsam, falsch und waren vollkommen priesterhörig.
Evangelische, deutsche Katholiken, Juden und Orthodoxe lebten in einem guten Verhältnis
miteinander. Vor den polnischen Katholiken hüteten sie sich alle. Ein Ausspruch lautete: „Vor
dem freundlichsten Katholiken mußt du dich am meisten hüten!" Bilderkult, geweihte Talismane
und finsterer Aberglaube waren religiös geprägt. - Ähnlich wird es wohl auch in anderen rein
katholischen Ländern sein.

In Deutschland und in anderen von der Reformation durchdrungenen Ländern ist auch der
Katholizismus befruchtet worden. In diesen Ländern hat er seine harte, unduldsame Prägung
einigermaßen eingebüßt.

Der römische Katholizismus ist eine Macht, die das religiöse und auch das weltliche Prinzip in
sich vereinigt. Ihr Staat ist der Vatikan. Ihr Haupt ist der in Fragen der Lehre „unfehlbare" Papst.
Der rangälteste Kardinal krönt den Papst mit den Worten: „Empfange die mit drei Kronen
geschmückte Tiara und wisse, daß du der Vater der Fürsten und Könige bist, du Lenker des
Erdkreises, der Statthalter unseres Erlösers Jesus Christus, dem Ehre und Ruhm sei in Ewigkeit!"

Ihm zur Seite steht eine streng durchorganisierte Regentschaft in verschiedenen


Rangordnungen, die sogenannte Hierarchie. Es sind in allem weltlichen und religiösen Wissen
durchgebildete Würdenträger. Sie sind die Leiter der sogenannten Sekretariate, Nuntiaten, Kurien
u. a. m. Diese Einrichtung hat eine innere und äußere Abteilung. Das uns bekannteste
Sekretariat ist das 1960 geschaffene „Sekretariat zur Förderung der Einheit der Christen" unter
der Leitung des Jesuitenkardinals Bea (gest. Nov. 1968). Seit April 1969 ist Kardinal Willebrands
der Leiter.

Der Vatikan ist eine straffe, bis ins Detail durchdachte religiös-politische Staatsform. Im
Organisatorischen übertrifft er noch bei weitem die Diktaturen. Er wird autoritär regiert und
empfindet autoritär. Selbst für den Fachmann ist es schwer, sich in diesen weltlich-religiösen
Staat mit seinen Orden, Kongregationen, Abteien, Tribunalen, Kommissionen usw.
hineinzudenken. Sie sind in fast allen Staaten der Welt tätig und bei machen Staaten sogar aktiv
an der Prägung der Staatsform beteiligt. Man kann wohl sagen: Der Vatikan ist der Staat im
Staat.

Der Vatikanstaat ist unmeßbar reich. In vielen Staaten der Erde hat das kleine Reich des
„Stellvertreters Christi“ große Reichtümer angehäuft. Allein an italienischen Wertpapieren hat der
Vatikan 6,5 Milliarden DM angelegt. Er besitzt damit 15 v. H. aller italienischen Wertpapiere.
Nach Angaben des italienischen Finanzministers Roberto Tremelloni flossen ihm im Jahre 1963
allein aus italienischem Aktienbesitz 22,5 Millionen DM Dividende zu. Das Vermögen des
Vatikans, nur an Geldanlagen, wird auf ca. 23 Milliarden DM geschätzt. Sein Gesamtvermögen
soll ca. 73 Milliarden DM betragen.

Ein gewaltiger Beamtenapparat ist bei der Arbeit, um eine große, einheitliche politisch-religiöse
Weltkirche zu bauen, damit das Wort des Papstes Urban VIII. erfüllt wird: „Daß die Zahl der
Auserwählten vollständig geworden und ein einziger Hirte (der Papst!) regiert und ein einziger
Schafstall Christi (die römische Weltkirche!) geschaffen ist."

Im August 1967 ist vom Papst Paul VI. die große Reform der Kurie, d. h. die Reform der
römischen Behörde, angekündigt worden. Vier Jahre lang haben ausgesuchte Fachleute an der
Reform der neuen Konstitution (Grundgesetz, Verfassung) gearbeitet. Nun liegt sie vor und trat
am 1. Januar 1968 in Kraft.

Die Kurie ist die päpstliche Zentralbehörde im Vatikan. An erster Stelle steht der
Kardinalstaatssekretär. Er ist nach der Reform zum zweiten Mann der Kirche Roms aufgerückt.
Seine Stellung entspricht etwa der des weltlichen Außenministers. Dann folgt das dem
Kardinalstaatssekretär unterstellte Kardinalskollegium, das in zwei Gruppen geteilt ist: Die in Rom
residierenden Kurienkardinäle, die mit den Ministern eines weltlichen Staates verglichen werden
können, und die Kardinäle verschiedener Länder. Die den Kurienkardinälen zugeordneten
Ministerien führen die Bezeichnung Kongregationen. Neben diesen Kongregationen gibt es noch
eine Reihe anderer päpstlicher Behörden, so u. a. die päpstliche Diplomatie. Diese ist die älteste
und gewiefteste der ganzen Welt.

Es ist hier nicht der Ort, sich mit den verschiedenen Ressorts der Weltregierung Roms
auseinanderzusetzen. Eins sei gesagt: Ein ungeheurer Mitarbeiterstab des Papstes, der in die
Hunderttausende geht, ist in der ganzen Welt tätig, um das politisch-religiöse Weltreich zu bauen
und zu festigen. Dieses weitverzweigte Organisationsnetz, mit Rom als Zentrum, sichert dem
Papst in fast allen Staaten der Welt politische Einflußnahme und einen vorzüglichen
Informationsdienst.

Die Reform der Konstitution über die Kurie hat eine weltweite Erneuerung der vatikanischen
Zentralverwaltung mit sich gebracht. Das Kardinalskollegium wurde von 70 auf 120 Mitglieder
vermehrt. Der Papst hat dadurch einen viel besseren Durchblick im politischen Weltgeschehen
und jetzt viel größere Möglichkeiten, in die jeweilige Situation sofort eingreifen zu können.

Die Amtszeit sämtlicher Kongregationsmitglieder darf nicht mehr als fünf Jahre überschreiten,
wenn sie nicht erneuert wird. Dadurch hat jetzt der Papst die Möglichkeit, alle alten Glieder dieser
Weltbehörde durch jüngere Aktivisten zu ersetzen und, was nicht linientreu ist, auszuscheiden.

Zusammenfassend kann man wohl sagen: Die ganze Behörde des päpstlichen Weltstaates wird
vergrößert, verjüngt, linientreu ausgerichtet, mit neuen Vollmachten ausgerüstet und straff unter
das Primat, d. h. unter die päpstliche Zentralgewalt gestellt. Dem Papst ist durch die Kurienreform
eine noch nie dagewesene Machtfülle des römisch-katholischen Weltstaates zuteil geworden.

Vorausblickend muß man hierzu sagen: Eine gigantische, herrschsüchtige, unduldsame, noch nie
dagewesene politisch-religiöse Weltmacht, die vorgibt, die „alleinseligmachende Kirche der Welt"
zu sein, wird auf uns zukommen. Wir werden uns mit ihr innerlich auseinandersetzen, Stellung
beziehen und eine Entscheidung treffen müssen. Sie wird uns dazu herausfordern!

II. Der Jesuitenorden oder der „Orden der Gesellschaft Jesu"

Beim Aufbau dieser Weltkirche ist der Jesuitenorden oder, wie er auch genannt wird, „Orden der
Gesellschaft Jesu“ maßgeblich beteiligt. Der Jesuitenorden ist eine straff organisierte, nach
militärischen Prinzipien aufgebaute weltlich-religiöse Einheit. An seiner Spitze steht ihr General,
dei sich mehr im Hintergrund hält und als „Schwarzer Papst“, wahrscheinlich im Unterschied zum
„weißgekleideten', gilt. Er wurde nur in wenig Ausnahmen zur Papst der römischen Kirche
gewählt. Der Orden hat seine eigene Verfassung und hat sich ganz unter die Zentralgewalt des
Papstes gestellt. Er trägt keine Ordenstracht.

Im Mai 1965 ist der neue „Schwarze Papst", der Spanier Pedro Arrupe, zum Ordensgeneral der
„Societas Jesu" gewählt worden. In einer Sonderaudienz unterstrich Papst Paul VI. den
„unbedingten Gehorsam, den die Söhne des heiligen Ignatius dem Stuhle Petri schulden".

Der Jesuitenorden ist eine unheimliche, untergründige Geheim- und Sicherheitspolizei im Dienste
des päpstlichen Weltreiches. Gegründet wurde er 1534 vom Spanier Ignatius von Loyola als
Abwehr gegen die Reformation. Es ist hier nicht der Ort, über die furchtbare Tätigkeit in der
Vergangenheit des Ordens zu berichten. Man lese in der Kirchengeschichte nach! Nur soviel sei
gesagt: Blut und Tränen sind in Strömen geflossen. Der Orden ist „satt geworden vom Blute der
Heiligen“. Elend, Not, Schrecken und eine unsagbare Armut ist über die Gemeinde Jesu
gekommen, deren einzige „Schuld“ war, daß sie von der Heiligen Schrift her ihrem Herrn und
Heiland dienen wollte. Die Hölle feierte Triumphe! Diese Gesellschaft hat kein Recht, sich
„Societas Jesu“ zu nennen. All ihr Tun war von der Dämonie inspiriert. Die Jesuiten waren, man
sagt nicht zuviel, willige Handlanger des Teufels!

Oehninger schreibt hierzu: „Der Jesuitenorden ist ein wunderbares Gebilde der Vereinigung
menschlicher Kräfte zu einem einzigen Zweck: Förderung des Katholizismus, Unterdrückung des
Protestantismus. Unbedingter Gehorsam gegen die Oberen bildet den Grundgedanken, und eine
streng militärische Verfassung macht eine einheitliche Durchführung der Pläne des Ordens
möglich. Nie hat eine Verfassung besser verstanden, die Geister zu prüfen und jedes einzelne
Glied an den Ort zu stellen und zu den Zwecken zu verwenden, zu denen es am geeignetesten
war. Nie ist aber auch ein gegenseitiges Überwachungssystem so vollständig und konsequent
durchgeführt worden. Der Orden hatte alles, was die Welt als Mittel darbietet, Wissenschaft,
Kunst, weltliche Bildung, Politik, selbst Handel und Industrie, seinem Zweck dienstbar zu machen
gewußt. Er riß den Jugendunterricht der höheren Stände an sich und erzog sich so treu ergebene
und mächtige Gönner, wirkte durch Predigt und Seelsorge auf das Volk, drängte sich in alle
Verhältnisse, in alle Geheimnisse."

Die gefährlichsten Grundsätze ihrer Lehre (gesammelt von Escobar, einem spanischen
jesuitischen Theologen, gest. 1669) sind

1. Der Zweck heiligt die Mittel.


2. Eine Handlung ist gerechtfertigt, wenn sich für deren Güte irgendein wahrscheinlicher Grund
oder die Zustimmung eines angesehenen Theologen beibringen läßt (Probabilismus).
3. Wenn man bei einem Eide im stillen etwas hinzudenkt oder den Worten einen anderen Sinn
unterlegt, so ist man nur in diesem Sinne verpflichtet (restrictio oder reservato mentalis).

Zum besseren Verständnis der Morallehre der Jesuiten bringe ich einige Beispiele

1. Zu dem Grundsatz: „Der Zweck heiligt die Mittel":

a) Robert Bellarmin (gest. 1621), einer der gelehrtesten und scharfsinnigsten Jesuiten, lehrt: „Das
(katholische) Volk kann sich des Königs, wenn er Ketzer (d. h. evangelisch) wird, auch wieder
durch Absetzung, Verjagung, selbst Tötung entledigen."

b) „Ketzer muß man töten, denn sie schaden ihren Nächsten mehr als irgendein Räuber oder
Mörder, da sie ja die Seelen töten. Sie gründen neue Religionen, darum erfüllen sie den Staat mit
Aufruhren. Ihre Hinrichtung bringt auch vielen Menschen Nutzen, wenn sie sehen werden, wie es
den Ketzern ergeht. Sie werden sich hüten, so elend zu sterben und der künftigen Seligkeit
verlustig zu gehen. Endlich ist es für den Ketzer eine Wohltat, wenn er früher aus dem Leben
weggenommen wird: Er wird vor weiteren Irrtümern bewahrt, wird weniger Menschen verderben,
und seine Verdammnis wird gemildert."

c) Escobar lehrt: „Katholische Söhne können wegen Ketzerei ihre Eltern anklagen, wenn sie
versuchen, sie vom katholischen Glauben abzuwenden, auch wenn sie wissen sollten, daß ihre
Eltern dem Feuertod überliefert werden. Sie dürfen auch ihren Eltern die Nahrungsmittel
verweigern, auch wenn die Eltern vor Hunger umkämen:' (Flores theol. mor. Jes. Celle X873.)

d) Franciscus Amicus: „Einem Geistlichen oder Ordensmann ist es erlaubt, den Verleumder
seiner Religion zu töten, wenn keine andere Art der Verteidigung vorhanden ist:' Dazu wird poch
gesagt: „Zur Verteidigung seiner Ehre darf man auch seinen Feind heimlicherweise töten, ohne
sich eines verräterischen Meuchelmordes schuldig gemacht zu haben.'

2. Zu dem Grundsatz des Probabilismus:

Aus dem Jesuitenlehrbuch des 19. Jahrhunderts, J. D. Gury S. J. (gest. 1866)

a) Anja hat Ehebruch begangen. Auf das Drängen und Fragen ihres argwöhnenden Gatten
antwortet sie das erstemal: „Ich habe die Ehe nicht gebrochen." Nachdem sie Absolution
empfangen hatte, antwortete sie zum zweiten Mal: „Ich bin solch eines Verbrechens nicht
schuldig." Als ihr Mann weiter in sie dringt, antwortet sie zum dritten Mal: „Ich habe keinen
Ehebruch begangen", gleichzeitig aber hat sie den Nebengedanken, „den ich dir gestehen
müßte." Frage: „Ist Anna zu verdammen?" Antwort: „Nein, in allen drei Fällen kann Anna von der
Lüge freigesprochen werden:

1. Anna hat die Ehe nicht gebrochen, weil sie ja noch besteht.
2. Anna hätte mit einem Eid ihre Unschuld beteuern können, weil nach Buße und Absolution ihr
Gewissen nicht mehr davon belastet war.
3. Die Frage des Ehemannes ist jetzt überflüssig geworden, so daß sie dieselbe auch verneinen
darf."

3. Geheimer Vorbehalt (restrictio oder reservato mentalis):

Der Jesuit Sanchez lehrt:

a) Zweideutigkeit und sich doppelsinniger Worte zu bedienen, ist erlaubt.

b) Um seine Tat bei einem Eid leugnen zu können, empfiehlt er folgendes: „Man sagt recht laut
beim Schwur: ,Ich schwöre' und setzt leise hinzu, ,daß ich sage', und wieder laut, ,daß ich die Tat
nicht begangen habe: - Damit beschwor ich: ,Ich sag nur so', die Tat nicht begangen zu haben."

c) Escobar sagt: „Ein Versprechen bindet nicht, wenn man nicht die Absicht hat, sich zu binden“
u. a. m. - Das war jesuitische „Morallehre"!

Oehninger fährt fort: „Es war natürlich, daß der Zorn der Völker und Staatsmänner, auch der
Katholiken, sich gegen die Jesuiten entlud und vom Franziskanerpapst Clemens XIV. die
Aufhebung forderte. Der Papst wußte wohl, daß er damit sein eigenes Todesurteil unterschreibe.
Er starb ein Jahr nach der Aufhebung des Ordens (1773) - wie man allgemein glaubt – an Gift“.

Fünfunddreißig Jahre später stellte Papst Pius VII. den Jesuitenorden wieder her, damit „das
Schiff Petri der kräftigen und erfahrenen Ruderer nicht länger entbehre". Durch die
Wiedereinführung des Jesuitenordens kam in der Kirche Roms der sog. Ultramontanismus auf,
die streng päpstliche Gesinnung, die von „jenseits der Berge", von Rom, alles als Gesetz und
Recht annimmt: Freiheit dem Staat gegenüber; Herrschaft der Kirche über die Schulen;
Volksbildung im römisch-katholischen Geist u. a. m. Der Einfluß dieser Richtung führte 1854 zu
dem Dogma von der „unbefleckten Empfängnis Marias" und 1870 zur „Unfehlbarkeit des
Papstes".

Im Blick auf das oben Gesagte kann man heute sagen: In der Aktivität und im Ziel hat sich bei
den Jesuiten nichts geändert. Im Gegenteil: Sie sind noch aktiver geworden! Ihr einziges großes
Ziel ist noch immer, den Protestantismus zu unterdrücken, den Katholizismus zu fördern und die
vereinigte Weltkirche unter der Führung des Papstes zu schaffen.

Die Taktik des Ordens hat sich seither gewandelt. Er ist im 20. Jahrhundert „humaner" geworden.
Christus hat einmal vor den „Wölfen in Schafskleidern" gewarnt. Das trifft auch hier zu: Der Wolf
hat sich jetzt den Schafspelz übergezogen und blökt mit der Stimme des Schafes. Die Situation
ist heute viel gefährlicher als ehedem.

Wie hoch die Mitgliederzahl des Jesuitenordens ist, weiß man nicht genau. Offiziell werden
36.000 Mitglieder angegeben. Die Zahl dürfte jedoch höher liegen.

Der Orden hat innerhalb der Kirche Roms seine eigene Prägung. Besonders auffällig ist, daß die
Jesuiten für ihre speziellen Aufgaben zur Förderung des Katholizismus und Unterdrückung des
Protestantismus verschiedene Lehranstalten mit Hochschulcharakter schufen. Nur die fähigsten
Schüler werden dafür ausgesucht. Man ist bestrebt, eine Auslese von guten Wissenschaftlern in
kirchlichem und weltlichem Wissen heranzubilden. In den verschiedenen Lebensgebieten
(Lehramt, Wirtschaft, Politik, Beamtentum, Industrie usw.) werden Katholiken eingeschleust. Der
Orden verfügt heute über gute Fachkräfte in den verschiedensten Schlüsselstellungen des
großen Privat- und Staatshaushaltes. Der Uneingeweihte sieht von der geheimen,
untergründigen Tätigkeit der Jesuiten so gut wie nichts. Er merkt aber, wenn er ein Auge hat, die
Auswirkungen.

Vor Pauschalurteilen müssen wir uns bei diesen Ausführungen hüten. Wir müssen uns aber
immer wieder vor Augen halten, daß der Jesuitenorden eine verschworene, untergründige Einheit
ist, der alle anderen Glaubenseinrichtungen mit jeglichen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln
ausrotten will, weil er für sich das alleinige Existenzrecht beansprucht.

Es ist z. B. kein Zufall, wenn in den Schlüsselstellungen der Regierung und des Beamtentums
immer mehr Katholiken die Plätze einnehmen. - Wiederholt klagten mir evangelische Beamte ihr
Leid, daß ihre katholischen Kollegen befördert werden, während sie, ohne Grund, oft
benachteiligt wurden. - So gibt es z. B. katholische Unternehmen, die ihre Angestellten und ihre
geschäftlichen Verbindungen nur nach rein katholischen Gesichtspunkten regeln.

Auch das Schulwesen wollen die Jesuiten beherrschen. Wenn es dem Papsttum nützt,
respektieren sie weder den Willen der Eltern noch eine Regierungsentscheidung. Skrupellos
berufen sie sich auf das 1933 mit Hitler geschlossene Reichskonkordat, oder sie drohen mit der
Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze. Ihr Grundsatz: „Der Zweck heiligt die Mittel" gilt für sie
uneingeschränkt auch heute noch.

Selbst die so weitherzige, freie demokratische Schweiz mußte sich in den letzten Jahren allen
Ernstes mit Jesuitenproblemen befassen. Der Jesuitenorden forderte die Aufhebung der Artikel
51 und 52 der eidgenössischen Bundesverfassung, nach denen die untergründige Tätigkeit der
Jesuiten verboten war. Die „geheime Polizei“ des Papstes verlangte freie Entfaltungs- und
Wirkungsmöglichkeiten in Kirchen und Schulen sowie den Bau von Ausbildungsstätten. Im Jahre
1971 haben die Jesuiten ihr Ziel erreicht: Das Verbot wurde aufgehoben. In Deutschland war der
Orden bis 1917 verboten.

In der Eidgenossenschaft ist Rom auf dem Vormarsch. Noch vor zwei Jahrzehnten gab es dort
eine starke evangelische Mehrheit. Heute versucht die katholische Kirche mit den
verschiedensten Kombinationen die absolute Mehrheit zu erlangen.

Es ist traurig und tragisch zugleich, daß viele Evangelische jeden Köder, der ihnen von der Kirche
Roms zugeworfen wird, anbeißen. Sie sehen in jedem spekulativen „Entgegenkommen“ Roms
schon „Strömungen zum Evangelium“ hin. Dabei übersehen sie, daß in den meisten Fällen die
sogenannten „Bibelbesprechungen, gemeinsamen Gottesdienste und Gebetsveranstaltungen"
nur Mittel zum Zweck sind, die nach den berechneten Weisungen der Jesuiten mit Einverständnis
der katholischen oberen Kirchenleitung veranstaltet werden.

Vor einigen Jahren war ich Gast einer Tagung in Zürich. Der Leiter des Evangelischen
Presseverbandes der Schweiz hielt einen Vortrag über den Katholizismus. Unter anderem sagte
er damals schon, daß das prozentuale Verhältnis 52 Prozent evangelisch bzw. andersgläubig
und 48 Prozent katholisch sei. Um die absolute Mehrheit zu erlangen, versuchen die Jesuiten mit
allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln an ihr Ziel zu kommen.

Aber nicht nur in der Schweiz und in Deutschland, in Spanien und Italien wirken die Jesuiten. Ihr
untergründiges Tätigkeitsfeld erstreckt sich über den ganzen Erdkreis. Sie sind in geheimer
Tätigkeit in den Ostblockstaaten, sie wirken in Afrika und Asien, in Amerika und Australien. Sie
versuchen Regierungen zu beeinflussen, zu stürzen oder Unzufriedenheit zu schüren. Sie
respektieren weder die evangelischen Missionsfelder, die mit Blut und Trägen in langen Jahren
aufgebaut wurden, noch nehmen sie Rücksicht auf die Missionare, die in schwerem,
verantwortungsvollem Dienst für ihren Herrn stehen. Unermüdlich, beseelt von einer fanatischen
Zähigkeit, in Groß- und Kleinarbeit, in der Wahl der Mittel nicht zimperlich, bauen und festigen sie
das päpstliche Reich in der Welt.

Es müßte heute allen bekannt sein, daß Rom nur solche Ehen, die von einem katholischen
Priester und nach katholischem Ritual geschlossen werden, als gültige Ehen anerkennt. Jede
evangelisch getraute Mischehe ist nach katholischer Lehre ein Leben im Konkubinat, das heißt in
„wilder Ehe“.
Mit dieser unbiblischen, verwerflichen Lehre, die bis in das 12. Jahrhundert zurückreicht, versucht
die katholische Kirche, evangelische Ehegatten und Kinder aus Mischehen zu erpressen und zu
Übertritten zu bewegen. Ich kenne Familien, die jahrzehntelang im Frieden und Glück
miteinander lebten, bis die jesuitischen Patres und die Priester sich in diese Ehen einmischten.
Mit Versprechungen und mit Drohungen versuchten sie die Ehen zu sprengen.

Aus diesem Grunde weigert sich auch der Vatikan, im leidvollen Mischehenproblem
nachzugeben. Wir dürfen allen diesbezüglichen Zugeständnissen keinen Glauben schenken, weil
sie nur Scheinzugeständnisse sind. Rom ist nur dort zu Zugeständnissen bereit, wo der Endeffekt
der Kirche Roms dient. Auch die im April 1966 ausgesprochene Aufhebung der Exkommunikation
bei nichtkatholischen Mischehen ist ohne jegliche praktische Bedeutung. Auf einen Hinweis über
die Bedeutungslosigkeit dieser Aufhebung antwortete Kardinal Bea: „Sie trägt nur
experimentellen Charakter. Die einzige wirkliche Lösung ist die Einheit der Christen.“

Die Jesuiten haben diesbezüglich viel Herzeleid angerichtet. Sie vermitteln und fördern die
Mischehe - hauptsächlich in Häusern des evangelischen Adels - oder sie zerstören sie, je
nachdem es in ihren verwerflichen Plan paßt und sie es für die Kirche Roms für gut finden.

In Schweden gab es bis dahin kein Mischehenproblem. Der Jesuitenorden war dort noch bis vor
zehn Jahren verboten. Nach der Aufhebung des Verbotes wird auch Schweden in absehbarer
Zeit sein Mischehenproblem haben. - Ein Sohn Adenauers vermählte sich mit einer Tochter aus
schwedischem Adel. - Im März 1967 stattete der lutherische schwedische König Gustav Adolf VI.
mit seinem Außenminister Nilsson dem Papst einen Staatsbesuch ab.

Im Jahre 1963 hatte das holländische Königshaus sein schmerzliches Mischehenproblem: Die
zweitälteste Tochter Irene heiratete den erzkatholischen spanischen Prinzen Hugo von Bourbon.

Ebenso ist in den USA die jüngste Tochter des Präsidenten, Lucy Baines Johnson, im Jahre
1966 zur römischen Kirche übergetreten. Sie heiratete einen katholischen Fliegeroffizier.

Auch im evangelisch-lutherischen Dänemark wird in Zukunft der Stellvertreter der lutherischen


Königin ein Katholik sein. Der Prinzgemahl ist der französische Diplomat Graf Henri de Laborde
de Monpezat. - Die Familienglieder des Grafen sind „praktizierende Katholiken“.

Nach dem dänischen Staatsgesetz darf aber nur ein Lutheraner König werden. Um diesem
Gesetz Genüge zu tun, konvertierte der Königingemahl äußerlich zur evangelisch-lutherischen
Kirche. Ein Staatsgesetz vermag aber kein katholisches Herz zu ändern. Rom hat jetzt seinen
Vertreter auch im dänischen Königshaus. Die Mischehen sind bekanntlich die stärksten
Befürworter der Wiedervereinigung.

Nach mehrmonatiger Beratung und Diskussion ging im November 1966 in Rom die 31.
Generalkongregation (Hauptversammlung) des Jesuitenordens zu Ende. Bei diesen Beratungen
ging es hauptsächlich um die Modernisierung des Ordens, das heißt um die Verbesserung des
geheimen Wirkens dieser untergründigen Vereinigung. Wörtlich heißt es in dem Bericht: „Die 220
Delegierten aus allen Teilen der Welt wollen den Orden bei Beibehaltung seiner 400 Jahre alten
Prinzipien durch gewisse neue organisatorische und strukturelle Veränderungen stärker an die
Erfordernisse der heutigen Zeit anpassen." Wir sehen: Die jesuitischen Grundsätze des Ordens
bleiben bestehen, die Taktik dagegen soll geändert werden!

Verabschiedet wurde ein Dekret über den Ökumenismus. In diesem Dekret bekennt sich der
Orden zu den „Fehlern“, die er wegen der Gegenreformation begangen hat. Fehlererkenntnis und
Erkenntnis von Schuld sind zweierlei: Judas erkannte Fehler (Matth. 27, 3-5), Petrus erkannte
Schuld! (Matth. 26, 75.) Der Orden unterstrich die Bereitschaft zu Gesprächen mit anderen
Konfessionen. Solche Gespräche sollen ausschließlich der Wiedervereinigung mit der Kirche
Roms dienen. Auch Bücher sollen auf Äußerungen durchgesehen werden, die für die „getrennten
Brüder“ beleidigend sein könnten. Beleidigend für die Evangelischen sind nicht „beleidigende
Äußerungen in den Büchern“. Beleidigend und sehr schmerzlich für sie ist, daß der Orden der
Jesuiten heute noch an seinen „400 Jahre alten Grundsätzen", die so viel Blut, Tränen und
Herzeleid über die Gemeinde Jesu gebracht haben, festhält.

Wir merken nichts von Beugung und Buße vor dem lebendigen Gott und Herrn. Kein Bitten um
Vergebung für die Blutschuld der Vergangenheit. Es wurden auch keine Zugeständnisse den
evangelischen Christen gegenüber ausgesprochen, nach ihrem an die Heilige Schrift
gebundenen Gewissen leben, handeln und wirken zu dürfen. Diese Kongregation stand ganz
unter dem Motto der Gegenreformation.

Beim Nachdenken tut es einem tief im Herzen weh, daß diese fähigen Männer sich dem Dienste
des Fürsten dieser Welt verschrieben haben, um das antichristliche Reich bauen zu helfen. Der
Trost für die Gemeinde Jesu Christi ist, daß auch hier Jesus Christus das letzte Wort zu diesem
verwerflichen, gottwidrigen Vorhaben sprechen wird.

Wo ein Mensch sich von der Schrift her nicht mehr korrigieren und strafen läßt, Sündenbegriffe
nach eigenen Maßstäben aufstellt, hat er den Weg der Wahrheit schon verlassen und geht den
Weg des Irrtums, der Finsternis und der Sünde. Für einen wahren Christen ist und leibt die Schrift
alleiniger Maßstab seines Denkens, Wollens und Handelns.

Nur durch das Wort Gottes wird dem Menschen gezeigt, was Sünde ist. Nur dort kann er sein
wahres Wesen erkennen. Wer eigene Sündenbegriffe produziert, der hat sich in den Bereich
Satans begeben. Solch ein Mensch kann dann nicht mehr Reich Gottes und satanisches Reich
unterscheiden. Er muß jetzt zwangsweise Gegner der wahren Gemeinde Jesu Christi werden, sie
verfolgen und dann seine Handlungsweise in seiner Verblendung als „für seinen Gott getan“
hinstellen. - Diesem satanischen Irrgeist ist auch das Volk der Juden erlegen: Sie verfolgten die
Propheten, kreuzigten Christus und steinigten seine Jünger und meinten, „sie täten einen
Gottesdienst" (Joh. 8, 44 ff.).

Nur von dieser Warte aus können wir das antichristliche Tun und Handeln des Jesuitenordens
verstehen. Das theologische Denken der Jesuiten über die Sünde akzeptiert der Teufel voll und
ganz. Maßstab ist hier nicht mehr der Wille Gottes, der Wille der Heiligen Schrift, sondern der
eigene, von der Sünde verfinsterte Wille. - Und nun hören wir, was ein Jesuit über den
Sündenbegriff der Jesuiten sagt: „In der Anschauung der Jesuiten ist weder der Verstand noch
die Begierlichkeit, noch das Fleisch, noch die Natur überhaupt Sünde. Sünde ist nur die
gottwidrige Entscheidung des freien Willens. Der freie Mensch, der über seinen freien Willen und
seine Gesinnung gebietet, ist damit auch Herr über seine Sittlichkeit und seine Sünde. Nicht sein
Dasein, nicht sein Leib oder seine Seele, auch nicht seine Tat als solche macht ihn böse,
sondern nur die Meinung und die Absicht seines Herzens, die böswillige, verkehrte, gottwidrige.
Die Anschauung ist aber nicht bloß jesuitisch, sondern allgemein katholisch." (Lippert SJ, Zur
Psychologie des Jesuitenordens. - SJ heißt: Zum Jesuitenorden gehörig).

Eine Bekehrung hat demnach der Jesuit nicht nötig. Er ist von Natur aus gut. Er muß sich nur
anstrengen, gut sein zu wollen. Was gut und böse ist, das bestimmt er selbst. Aus dieser
verkehrten Haltung dem Worte gegenüber kann der Jesuit auch sagen: „Was der Kirche nützt, ist
gut.“ Und: „Der Zweck heiligt die Mittel.“

Und wie steht der Orden zum Papst? Wir hören wieder die Stimme des Jesuiten: „Klar ist die
Stellung der Gesellschaft Jesu zum Papste. Er ist das Haupt der katholischen Kirche. Die Logik
katholischen Denkens fordert unerbittlich eine volle und unerbittliche Bejahung des Papsttums.
Darum ist der Jesuitenorden in demselben Maße päpstlich, wie er katholisch ist. Der Orden will
eine Truppe in der streitenden Kirche sein, ein Hilfskorps in ihrem Eroberungsheere. Und
dieselben Notwendigkeiten einheitlicher wirksamer Praxis, welche die Gesellschaft Jesu
zusammengeschlossen haben nach innen, welche alle ihre Kräfte zentralistisch verkettet haben,
fordern auch ihre feste Einordnung in die kirchliche Leitung, eine Biegsamkeit und Fügsamkeit
unter den Willen der päpstlichen Zentralgewalt, die etwas von der straffen, energischen Art eines
Kriegsrechts an sich hat". Das sagt uns genug!

Derselbe Mann spricht weiter im Blick auf die Andersgläubigen: „Damit ist auch die Stellung der
Jesuiten zu dem Andersgläubigen gegeben. Die Gesellschaft Jesu ist ein Orden der katholischen
Kirche. Er muß darum auf ihrem Boden stehen, theoretisch und praktisch. Die Jesuiten müssen
also jede andere Religionsform ablehne. Mit ganzer Kraft verkündigen sie das Recht der
alleinseligmachenden Kirche. Sie können sich niemals dazu verstehen, daß die dogmatischen
Differenzen in ihrer Tiefe und Weite verdeckt werden durch schwächliche und charakterlose
Kompromisse." - Ein Kommentar hierzu ist überflüssig!

Auch die evangelische Kirche hatte noch bis vor zwei Jahrzehnten eine klare Abwehrstellung der
Kirche Roms gegenüber. Die Fronten waren klar. An den Reformationsfesten wurde dies
eindeutig klar bezeugt. Heute bagatellisiert oder ignoriert man vielfach die abgrundtiefen
Gegensätze beider Konfessionen. Zum Evangelischen Kirchentag in Köln 1965 lud man den
Erzbischof von Paderborn, Dr. Lorenz Kardinal Jäger, zu einem Vortrag ein. - Auch andere
katholische Würdenträger, so der Jesuitenpater Prof. Karl Rahner, nahmen an dem
Evangelischen Kirchentag regen Anteil. Der Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen
Katholiken, Dr. Anton Roesen, grüßte dеп Evangelischen Kirchentag in „brüderlicher
Verbundenheit und innerer Anteilnahme". Ebenso waren auch auf dem Kirchentag 1967 in
Hannover römische Vertreter anwesend.

Mit diesen Einladungen will der Kirchentag, nach den Worten des Generalsekretärs Dr. Hermann
Walz, „einen Beitrag zur Klärung der Konfessionen leisten". - Ich glaube, man kann dies billiger
haben: Man vergleiche nur den evangelischen Katechismus mit dem katholischen und das
evangelische Kirchengesangbuch mit dem „Magnifikat". Ohne „Kirchentage" und ohne
dogmatische Werke studieren zu müssen, tritt uns das „Verhältnis beider Konfessionen
zueinander" dort sonnenklar hervor.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß, nach der Ansicht mancher evangelischer
Theologen, die Wiedervereinigung zu langsam vor sich geht. Darum sucht man sie mit allen
Mitteln zu forcieren. Man rief sogar die Gemeindeglieder der evangelischen Kirche auf, für das
„Gelingen des Konzils“ zu beten! Man veranstaltete dazu gemeinsame „Gebetsgottesdienste“.

Zum erstenmal nach der Reformation referierte ein evangelischer Bischof, Hermann Kunst, am
Katholikentag 1966 in Bamberg über das „evangelische Interesse am Konzil“ und die „neue
geläuterte Verbundenheit mit den katholischen Christen“ u. a. m. Am Eucharistischen
Weltkongreß (Feier zur Vertiefung des Meßopfers) 1968 in Kolumbien nahmen der Papst und der
lutherische bayerische Landesbischof Dietzfelbinger, Vorsitzender der EKD, teil. Letzterer sprach
in einem Hauptreferat über das „Gemeinsame, das die Christen über alle Differenzen hinweg
verbindet“.

Noch vor dreieinhalb Jahrzehnten konnte ein Priester meines Heimatortes ein Trinkglas auf die
Kanzel nehmen. Nach einer Hetzrede auf alles Protestantisch-Evangelische schleuderte er das
Trinkglas mit den Worten: „So wie dieses Glas in Scherben zerbrechen wird, so wird auch alles
Evangelische einmal zerbrechen“ von der Kanzel auf den Boden. Das Trinkglas aber fiel
wunderbarerweise so auf den Kirchenboden, daß es unbeschädigt weiterrollte. Erschrocken
starrte alles nach dem Glas. Der Priester stammelte nur: „Auch ein Glas muß richtig fallen, wenn
es in Scherben gehen soll.“

Diese Begebenheit erzählten mir verschiedentlich mehrere katholische Bekannte, die Zeugen
dieses Auftrittes waren. Das hat sie so beeindruckt, daß sie, fast entschuldigend, sagten: „Das
hätte der Priester nicht tun sollen!“

Ja, damals waren die Fronten noch klar: Dort waren die Evangelischen, die sogenannten
„Abtrünnigen, Häretiker und Sektierer“, und hier die „Alleinseligmachende!“
Heute merkt man ein Aufweichen der evangelischen Front. „Uns trennt ja nichts mehr,“ sagte mir
vor einigen Jahren ein Jesuit. - Ich sagte: „Das ist ja fein, wenn uns nichts mehr trennt, dann
werden Sie gewiß Protestant!“ - Darauf antwortete er: „Nein, niemals, Sie alle werden katholisch.
Die Entwicklung zielt schon in diese Richtung hin!“

In der reformierten Schweiz ist der Aufweichungsprozeß auch schon stark vorangeschritten.
Unlängst war ich Zeuge in einer reformierten Kirche, wo man die Kirchenglieder zu einem
„Gespräch“ mit einem Pater eingeladen hatte. Obwohl die Pfarrer der reformierten Kirche wissen,
daß es den Patres nicht um das Wahrheitszeugnis der Bibel geht, sondern daß sie eigens zu
diesem Zweck propagandistisch und rhetorisch ausgebildete Funktionäre der Kirche Roms sind,
lassen sie dieselben doch auf die zweifelnden und unbefestigten Glieder ihrer Gemeinde los und
opfern sie denselben. Man kann hier nur bitten: Gebt doch nicht das Schwache preis, sondern
„stärkt das, was sterben will" (Offb. 3, 2).

Am Wochenende darauf war ich wieder Zeuge bei einer 1000-Jahrfeier einer Schweizer
reformierten Kirchengemeinde am Zürichsee. Weil diese Kirche vor der Reformation zu der Abtei
Einsiedeln gehörte, lud man auch den Fürstabt von Einsiedeln zu dieser Feier ein. Auf einem mit
Girlanden geschmückten Boot kam er mit seinem Gefolge über den Zürichsee. Mit
Fanfarenklängen, Böllerschüssen und einer Musikkapelle wurde er empfangen. In einer
Prozession marschierte die reformierte und katholische Geistlichkeit durch den Ort. In einer Rede
betonte der Abt am Schluß „Unsere Generation ist glücklicher Erbe dieser mühsam erarbeiteten
Toleranz. Aus diesem Grunde dürfen heute auch Reformierte und Katholiken zusammen in einer
festlichen Gemeinde das Jubiläum feiern, mit dem festen und überzeugten Willen, darum, daß
uns allen als Fernziel eine Einheit vor Auges schwebt, deren Umrisse wir schon heute zu sehen
vermögen.

Wenn Gebeine empfinden und weinen könnten, hätten sich die Gebeine Ulrich Zwinglis im Grabe
umgedreht, und aus seiner Gruft würde heute eine Quelle von Tränen fließen.

Das heutige Geschehen müßte einen tief traurig, ja unglücklich machen, wenn man nicht alles im
prophetischen Licht sehen könnte. Der Vorläufer des Antichristen, Adolf Hitler, hatte drei von ihm
ungewollte eschatologische Aufgaben zu erfüllen:

1. Aufrichtung des Staates Israel: Israel mußte wegen seiner Sündenschuld durch Gottes
Gerichte hindurchgehen. Nach dem Gericht hat das Volk seine Heimat wiedergewonnen. - Die
Gründung des Staates Israel ist eine Realität! Feinde Gottes mußten hier das Werkzeug sein! -
Den Israelis wurde Sieg gegeben, damit der Weltenplan Gottes vollendet werde.

2. Hitlers zweite ungewollte große Aufgabe war: Den Grund für die eine große Weltkirche zu
legen. Wir leben immer noch in den Wehen der Folgen des Zweiten Weltkriegs. Die Kirche Roms
hat die Konjunktur ausgenützt. Sie ist überall im Vormarsch. In Amerika hat die katholische
Kirche innerhalb von sieben Jahren etwa 16 Millionen Kirchenglieder gewonnen.

3. Seine dritte ungewollte eschatologische Aufgabe wird sich aus der zweiten ergeben: Die
Scheidung der Gemeinde Jesu aus der verweltlichten Kirche und die Sammlung derer, die nach
dem Willen Gottes zusammengehören.

Der Nationalsozialismus übte seinerzeit den gleichen Druck sowohl auf Evangelische wie
Katholische aus. Zwischen beiden Konfessionen entstand in jener Zeit, man möchte so sagen,
eine Leidensgemeinschaft. In der Nachkriegszeit nahm der Katholizismus seine Chance wahr,
und man gründete die gemeinsame Christlich Demokratische Union (CDU). Spottend sagte man
damals: „Du mußt CDU rückwärts lesen, dann hast du die richtige Deutung: ,U-nd D-och C-
entrum' (Die Zentrumspartei war eine rein katholische Partei. Sie wurde 1870 gegründet und
stand im Kampf gegen die Bismarkpolitik. Von 1917-1933 war sie maßgebende
Regierungspartei. 1933 wurde sie aufgelöst).
Mit der Gründung der CDU begann der Aufweichungsprozeß der evangelischen Front. Freudig
kamen vor einigen Jahren Brüder zu mir mit der Botschaft: „Im Katholizismus tut sich etwas!
Unser Herr Dekan X hat gestern, am Reformationstag, freudig bewegt von der Kanzel gesagt:
Seht nicht scheel auf unsere große Bruderkirche. Es bedarf nur noch einer ’kleinen Reformation’,
und beide Kirchen sind wieder brüderlich vereinigt!" Ich fragte darauf die Brüder: „Wer, meint ihr
wohl, wird diese ’kleine Reformation’ durchführen?" Sie antworteten: „Selbstverständlich der
Papst!"

Ich mußte den Brüdern sagen, daß die katholische Kirche nicht ein Haar breit von ihren Dogmen
abgeht. Rom erwartet von den „getrennten Brüdern“, daß sie sich zur römischen Kirche hin
„reformieren“.

Papst Paul VI. hat das mit seinem einmaligen „Schuldbekenntnis“ klar zum Ausdruck gebracht:

„Falls irgendeine Schuld uns für diese Trennung zuzuschreiben wäre, so bitten wir demütig Gott
um Verzeihung und bitten gleichfalls die Brüder um Vergebung, falls sie sich von uns verletzt
fühlen sollten."

Dann fährt der Papst fort, aber nicht mehr mit einem falls: „Und was uns angeht, sind wir bereit,
die Beleidigungen zu verzeihen, die die katholische Kirche getroffen haben, und den Schmerz zu
vergessen, der ihr in der langen Folge der Auseinandersetzungen und Trennungen zugefügt
worden ist.“

Von evangelisch-kirchlicher Seite ist dieses „Schuldbekenntnis“ mit Befriedigung aufgenommen


worden. Das ist kein biblisches Schuldbekenntnis! Das ist eine Herausforderung und Verurteilung
aller Evangelischen! Es ist ein Versuch, eine Blutschuld, die Jahrhunderte auf Rom lastet, dem
Protestantismus aufzuladen. Papst Paul VI. spricht so, als ob die Evangelischen Millionen von
Katholiken gejagt, verfolgt, geschlagen, gehenkt, gefoltert, ertränkt, verbannt, verbrannt oder
sonstwie getötet hätten - und nicht umgekehrt.

Es darf nicht verschwiegen werden, daß die Inquisitionsbehörde, als Teil des sogenannten
„Sanktum Officium" in Rom, bis in die allerjüngste Zeit hinein ihren Fortbestand hatte. Sie war da,
als Kardial Bea das „Sekretariat für die Einheit der Christen“ schuf. Sie hatte noch ihre stille
Funktion, als der Papst evangelische „Beobachter“ zum Zweiten Vatikanischen Konzil nach Rom
einlud. Diese Inquisitionsbehörde bestand auch noch, als der „Statthalter Christi“ sein
„Schuldbekenntnis“ an die Evangelischen richtete. Sie wurde noch nicht aufgelöst, als bereits die
ersten Kontaktgespräche zwischen den Leitern der EKD und der katholischen Kirche begonnen
hatten. Bis in die letzten Jahre wurde dieses Inquisitionsamt immer wieder von neuem besetzt.
Erst Ende 1966 wurde es, ohne amtliche Bekanntmachungen, ohne Pressemeldungen in aller
Stille aufgehoben.

Man wundert sich, daß dieses Amt, das so viel Blutschuld auf sich geladen hat, bis in die
allerletzte Zeit noch so funktionsfähig gehalten wurde und jetzt so stillschweigend untertauchen
konnte. Rom propagiert sonst jedes kleinste Ereignis, jedes scheinbare Nachgeben mit einer
übermäßigen Lautstärke und großem Pathos. Schuldbewußtsein oder Scham kann hier nicht
vorliegen, sonst hätte man dieses „Blutamt“ schon längst aus der Welt geräumt. Man kann dieses
stille Untertauchen nur so verstehen, daß die seit 1198 bestehende Behörde augenblicklich ein
Hindernis zur Einholung der „getrennten Schäflein“ in den „einen großen Schafstall“ ist. Nach
dem Vollzug der Wiedervereinigung kann dieses Amt wieder in aller Stille für die
„unverbesserlichen, widerspenstigen Häretiker, Sektierer, Schismatiker und Ungläubigen“
eingesetzt werden.

Ströme unschuldigen Blutes sind während der Jahrhunderte geflossen. Dieses durch die
Inquisition und Verfolgungen vergossene Blut schreit zum Himmel. Eine Verbindung mit Rom
bedeutet gleichzeitig, dieses Schuldkonto, diese unvergebene Blutschuld mit zu übernehmen.
Kurienkardinal Bea warnt geradezu die Evangelischen zu glauben, daß es auf dem Gebiet der
katholischen Dogmatik (Glaubenslehre) irgendwelche Kompromisse oder Revisionen geben
kann.

Die Kirche Roms kann aus ihrem Truggebäude auch nicht das kleinste Steinchen herausnehmen,
sonst kracht der ganze menschliche Bau in sich zusammen.

Die Schriftgelehrten Israels haben aus dem ewigen Gotteswort Alten Testamentes ihre „Mischna“
und „Gemara“, ihren „Talmud“ (Torah scheb al peh = mündliche Lehre, im Unterschied zur
Heiligen Schrift) gemacht. Sie haben die lebendige Quelle des Wortes Gottes durch menschliche
Spekulationen und Traditionen verschüttet. Es hieß nicht mehr: „So spricht Jahwe!", sondern:
„Rabbi Hillel, Rabbi Schamai, Rabbi Gamaliel haben gesagt!“ Als der Herr der Herrlichkeit, Jesus
Christus, erschien, konnte man ihn nicht erkennen, weil man nicht im Wort Gottes gegründet war.
Menschenworte waren an die Stelle des wahrhaften Gotteswortes getreten.

Die Kirche Roms hat das Verdienst, einen neutestamentlichen „Talmud“ geschaffen zu haben:
Menschenworte, Worte der sogenannten „Heiligen“, Worte der Päpste sind an die Stelle des
Wortes Gottes getreten. Wie bei Israel, wurde auch hier die sprudelnde Quelle der Worte Jesu
und der Apostel durch Menschenweisheit verschüttet. Rom kennt kein Gnadenevangelium, keine
biblische Wiedergeburt durch den Heiligen Geist, kein neues Leben in Christo Jesu, kein
biblisches Nachjagen der Heiligung, ohne welche niemand den Herrn schauen kann. Rom lebt
nicht aus dem Wort Gottes. Rom lebt aus dem neutestamentlichen Talmud, aus den Worten der
Tradition.

Jeder bibelgläubige, wiedergeborene Christ weiß, daß Gott sein Reich nicht durch listige,
fanatische Jesuiten noch durch hochtrabende Anhänger einer traditionsbewußten Mischreligion
baut. Sein Reich wird auch nicht durch eine Hin-nach-Rom-Bewegung noch durch eine falsche
Los-von-Rom-Gruppe gebaut. Reich Gottes entsteht nur durch aufrichtige, gedemütigte,
geisterfüllte Persönlichkeiten, denen Jesus Christus ihr Lebenselement geworden ist.

III. Der „Dialog“ oder das „Gespräch“ mit Rom

Von seiten der Ökumene ist man bemüht, mit Rom in ein offenes Gespräch zu kommen, und
zwar mit einem Rom, das ausdrücklich erklärt: „Es kann nicht die Rede davon sein, daß ein
Konzil Kompromisse auf dem Gebiet des Dogmas, der katholischen Glaubenslehre, machen
kann."

Heute strebt die Kirche Roms nach einem Dialog mit den Weltreligionen. Die evangelische Kirche
wünscht ein Gespräch mit der Kirche Roms. Manche Vertreter des Pietismus und der Freikirche
berufen sich auf die Bibel und befürworten ihrerseits solche Dialoge.

Der Ausdruck „Dialog“ oder „Dialogizomaj“ ist griechischer Herkunft und heißt soviel wie: sich
Gedanken machen, sich besprechen, gemeinsam untersuchen. So z. B. Markus 8, 16: „Die
Jünger machten sich Gedanken, weil sie kein Brot mit sich genommen hatten.“ Oder: „Die
Weingärtner überlegten miteinander: Das ist der Sohn!“ (Luk. 20, 14.)

Im modernen Sinn ist ein Dialog das vorsichtige Abtasten des Standpunktes seines Gegenüber
bzw. seines Gegners und das Besprechen dieser Gegensätze. Es ist im übertragenen Sinn
dasselbe, was die Diplomaten untereinander in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht tun.

Der Begriff „das Gespräch“ oder „der Dialog“ ist heute zum modernen christlichen Schlagwort
geworden. In Der Zeuge vom Januar 1965 schreibt Rev. Elison: „Die Zahl derer, die statt der
Mission ’das Gespräch’ befürworten, wächst ständig. Die Streitfrage ’Mission oder Gespräch’ ist
nicht nur auf dem Gebiet der Judenmission ausgebrochen, sondern auch beim Christuszeugnis
gegenüber dem Islam, dem Hinduismus und dem Buddhismus.“ - Elison stellt die Ursache fest
und befürwortet seinerseits, anstatt „Judenmission“ „das Gespräch“, d. h. mit seinen Worten, die
„vermittelnde Darstellung“ anzuwenden.

In absehbarer Zeit werden wir wohl nicht mehr Missionare, sondern „christlich-vermittelnde
Gesprächsführer“ aussenden. Wir werden keine Missionsgebiete und Missionsstationen, sondern
indische, afrikanische oder japanische „Dialogsgebiete“ und „Gesprächsstationen“ haben. Die
Innere und Äußere Mission wird der „Innere und Äußere Dialog“ heißen. Die Stadtmission wird
„Stadtgespräch“ genannt werden, und die Judenmission wird als „christlich-jüdischer Dialog“
bezeichnet werden können.

Was ist vom Wort Gottes her über den Begriff „Gespräch“ oder „Dialog“ zu sagen? Weder die
Väter noch die Propheten im Alten Testament, noch Christus und die Apostel führten Dialoge, d.
h. vermittelnde Gespräche, wo es um die Wahrheit des Wortes Gottes ging. Sie haben solche
auch nirgends empfohlen! Die Männer des Alten Testaments waren Bevollmächtigte Gottes. Sie
haben beileibe nicht bei ihrem gottlosen Gegenüber um eine „vermittelnde Darstellung“, d. h. um
ein „Gespräch", nachgesucht. Sie haben im Namen Gottes als Bevollmächtigte Jahwes
gesprochen: „Koh amar Jahwe" - „Solches spricht Jahwe!" Im Namen des lebendigen Gottes
haben sie Zeugnis von Gericht und Gnade gegeben.

Das Neue Testament spricht von martys und martyrein, d. h. vom Zeugen und Zeugnis ablegen
oder bezeugen: „Ihr werdet meine Zeugen sein“ (Apg. 1, 8). - Es ist hier nicht der Ort, exegetisch
diese Begriffe zu erläutern. In diesem Begriff ist das Wort „Märtyrer“ enthalten. Und das soll uns
genug sein! Eine „vermittelnde Darstellung“ hat in diesem Begriff keinen Raum.

Als Missionar weiß ich wohl, daß man Andersgläubigen gegenüber sehr oft mit einem Gespräch
beginnen wird. Auch der Apostel Paulus tat solches (Apg, 17, 22.). Jegliches Gespräch wird
immer nur Einleitung zu einem Zeugnis sein.

Von manchen Theologen wird von einem „Dialog“ zwischen Jesus und Nikodemus gesprochen.
Das ist falsch! Es war kein „vermittelndes, religiöses Gespräch“, das der Heiland mit Nikodemus
führte. Das war Zeugnis!
„Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er
nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch; und was vom
Geist geboren wird, das ist Geist ... Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen
Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben
haben“ (Joh. 3, 1-21).

In dem Augenblick aber, als Nikodemus vom Wahrheitszeugnis Jesu ergriffen wurde, ist auch er
zum Zeugen für Jesus geworden (Joh. 7, 51). Am Grab Jesu legt Nikodemus ein ergreifendes,
sichtbares Zeugnis vor aller Welt für seinen Herrn und Heiland ab (Joh. 19, 39).

Man braucht kein Prophet zu sein, um vorauszusehen, was aus dem Dialog mit der
Alleinseligmachenden herauskommen wird. - Mit Rom kann kein Gespräch geführt werden. Da
kann man nur von Gericht und Gnade Zeugnis geben. Nicht „Beobachter“, sondern Zeugen, d. h.
„Märtyrer“, kann der Herr heute überall gebrauchen. Das sind Männer, die mit der göttlichen
Vollmacht ausgerüstet sind und die sagen können: „So spricht Jahwe und so bezeugen Christus
und die Apostel!“

IV. Roms Dialog mit der Welt

Rom versucht nicht nur den Dialog mit den „getrennten Schafen“, um sie wieder in den „einen,
wahren Schafstall“ mit dem von „Gott verordneten Hirten“ zu bringen. Rom versucht den Dialog
mit der ganzen Welt. Im Zweiten Vatikanischen Konzil ist dieser Gedanke auch schon
angeklungen.

Die beiden großen Reisen des Papstes Paul VI. ins Heilige Land und nach Indien wurden auch
nach dieser Richtung hin gedeutet. Die Presse, der Funk und das Fernsehen haben sich an
Propaganda für den Papst überboten. Hierzu nur eine Pressestimme von damals: „Papst Paul VI.
hat durch die Pilgerfahrt ins Heilige Land ein Faktum gesetzt, das es in den letzten 2000 Jahren
noch nicht gegeben hat. Der ungeheure Publizitätsapparat, der diese Pilgerfahrt zum Heiligen
Grab begleitet hat, schuf dem Papst eine eigene Physiognomie. Er ist als eine eigene neue
Persönlichkeit Hunderten von Millionen ins Bewußtsein gerückt. Das auf diese Weise gewonnene
Massenprestige dürfte sich sehr bald in der engeren Interessensphäre des Vatikans auswirken. -
Auf dieser ersten Pilgerfahrt in das Heilige Land hat Paul VI. eindrucksvoll bewiesen, daß ihn kein
weltlicher Politiker in der Kunst der Reisediplomatie übertrifft" (Christ und Welt Nr. 2, 1964).

Eher als erwartet ist der Papst nach New York gereist und hat dort vor dem Forum der Vereinten
Nationen gesprochen. Der Papst erhofft sich von dieser Reise für den Weltkatholizismus
Bahnbrechendes. Hierzu schreibt Christ und Welt : „Der Papst ist durch die beiden erfolgreich
verlaufenen Auslandsfahrten zweifellos ermutigt worden, auf diesem Weg weiterzuschreiten, und
er hat offenbar auch ganz gewisse Vorstellungen davon, was er erreichen will. Schon nach der
Rückkehr aus Palästina machte er im Januar 1964 vor dem beim Heiligen Stuhl akkreditierten
diplomatischen Korps einige grundsätzliche Andeutungen über das Verhältnis des Papsttums
zum pluralistischen (demokratischen) Gefüge der heutigen Völkerordnung.

Man kann zur folgenden Aussage kommen: Rom als Sitz des Papsttums ist der universelle
Wächter der moralischen Grundsätze, die das Völkerleben regeln, und es leistet in dieser
Funktion einen Dienst an der gesamten Menschheit, den Gläubigen und den Ungläubigen.
Während die Vereinten Nationen den politischen, weltlichen Mittelpunkt der Völkergemeinschaft
darstellen, soll Rom gewissermaßen der Altar bedeuten, auf dem der Pontifex Maximus (Pontifex
Maximus hieß ursprünglich: Oberster der heidnischen römischen Gottkaiser) das ’heilige Feuer
des Völkerfriedens’ hütet und wo der Stuhl Petri die höchste auf dieser Welt zu verwirklichende
Berufungsinstanz des sonst nicht organisierten Weltgewissens und damit den moralischen Primat
präsentiert. Die neue Aufgabe der päpstlichen Diplomatie ist es nun, dieser Doktrin, die in dem
bisherigen Äußerungen Pauls VI. mehr skizziert als systematisch ausgeführt ist, allgemeine
praktische Anerkennung zu verschaffen. Sie muß vor allem die nichtkatholische Welt davon
überzeugen, daß die moralische Führungsrolle, die der Heilige Stihl erstrebt, für alle einen
nützlichen und uneigennützigen Dienst darstellt." - Soweit evangelischer Pressebericht in Christ
und Welt Nr. 29, 1965.

Der Osservatore Romano (Vatikanblatt) schreibt hierzu: „Zum erstenmal setzt ein Papst seinen
Fuß auf amerikanischen Boden. Zum erstenmal besucht ein Papst einen politisch so
bedeutsamen Ort, wie es das Hauptquartier der Vereinten Nationen ist. Vor allem aber: Zum
erstenmal in der fast 2000 jährigen Geschichte der Kirche spricht ein Papst direkt zu den
qualifizierten Vertretern fast aller Völker der Welt… Der Besuch des Papstes bei den Vereinten
Nationen werde jeden guten Willen zum Frieden mächtig ermutigen und erneut bezeugen,
welche Hochschätzung und welche Bedeutung die katholische Kirche der UNO beimißt."

Der Chefredakteur des Blattes stellt in einem Leitartikel fest: „Die Einladung Paul VI., die UNO zu
besuchen und in der Vollversammlung zu sprechen, ehrt die internationale Organisation. Sie
bezeugt mit diesem Akt, daß sie das geistige und moralische Lehramt an die Spitze der
Problematik des Zusammenlebens der Völker stellt und erkennt dabei in bezeichnender Weise
die Sendung des sichtbaren Oberhauptes der Kirche an."

Der Zweck der Reise des Papstes in katholischer Sicht ist, „die verantwortlichen Politiker zu den
hohen Prinzipien des Zusammenlebens zurückzurufen zum rechten individuellen und sozialen
Gewissen“.
Nach Osservatore Romano ist die Reise Pauls VI. „die immer gleicht bleibende Sendung, die
fortdauert, wie sie sich gestern in Jerusalem und in Bombay äußerte“.

Übеr die Ankunft des Papstes in New York berichtete die Presse der ganzen Welt.
Balkenüberschriften wie: „Die Großen der Welt zu Füßen des Papstes“ waren nicht selten.

Begleitet wurde der Papst von sieben Kardinälen. Auf dem Flugplatz in New York wurde er vom
Generalsekretär U Thant begrüßt.

Der Papst antwortete: „Von Rom, der Stadt des geistigen Friedens, bringe ich Wünsche in die
Stadt des irdischen Friedens, New York." Er erinnerte an Kolumbus, der das „Kreuz Christi in
diese gesegnete Erde eingepflanzt habe". - „Wir grüßen dich, Amerika. Der erste Papst, der den
Fuß auf euer Land setzt, segnet euch mit ganzem Herzen", rief er der wartenden Menge zu.

Eine unzählbare Menschenmenge säumte den 38 Kilometer langen Weg vom Flughafen in die
Stadt in der Hoffnung, einen Blick auf den Papst werfen zu können. Über zehn Millionen
Zuschauer sahen die Ankunft Pauls VI. in den USA und in Europa auf dem Bildschirm. – 18.000
Polizisten waren aufgeboten, um für die Sicherheit des Papstes und für Ordnung zu sorgen.

Durch einen Gang, der Staatsoberhäuptern vorbehalten ist, wurde Papst Paul in den
Sitzungssaal der Vollversammlung geleitet. Als der Papst den Saal betrat und dort auf einem
besonders für ihn aufgestellten Sessel Platz nahm, wurde er mit starkem Beifall begrüßt.

Schon lange vor Beginn der Vollversammlung waren die Plätze ausnahmslos besetzt. - Lediglich
die albanische Delegation fehlte. Alle Außenminister waren anwesend. Vor der Weltelite sagte
der Papst unter anderem:

„Die Völker wenden sich an die Vereinten Nationen als letzte Hoffnung für die Eintracht und dem
Frieden: Und so wagen wir, zusammen mit unserem eigenen, ihren Tribut an Ehre und Hoffnung
vor Sie zu bringen. Und deshalb ist dies für Sie ein großer Augenblick.

Das Gebäude, das Sie errichtet haben, darf niemals in Trümmer gehen, es muß vervollkommnet
werden und den Forderungen, die die Geschichte der Welt stellen wird, angepaßt werden. Sie,
die Sie das Glück und die Ehre haben, in dieser Versammlung der friedlichen Gemeinschaft zu
tagen, hören Sie uns an: Dieses gegenseitige Vertrauen, das Ihnen eigen ist und das Ihnen
erlaubt, gute und große Dinge zu tun, darf niemals angegriffen und verraten werden.

Unsere Botschaft erreicht ihren Höhepunkt: Niemals mehr Haß gegen die anderen. Niemals.
Niemals mehr. Wenn Sie Brüder sein wollen, dann lassen Sie die Waffen aus Ihren Händen
fallen. Man kann nicht lieben mit Angriffswaffen in dеп Händen."

Im Baseball-Stadion, bei einer nächtlichen Meßfeier, an der 90.000 Menschen teilnahmen, erhob
der Papst noch einmal seine Stimme zu einem Friedensappell.

Ja, zum erstenmal hat ein Papst in der Weltorganisation der Vereinten Nationen gesprochen. Er
wird von den größten Politikern und Führern der Welt empfangen. Millionen und aber Millionen
verehren ihn als den Heiligen Vater, den Stellvertreter Christi auf Erden, den unfehlbaren
Bevollmächtigten Gottes, den Garanten des Friedens.

Sein Bild wird in die Paläste der Reichen und Vornehmen und auch in die Elendshütten der
Schwarzen und Indianer hineingestrahlt. Dieses Bild spricht zu der Masse des Volkes Worte des
Friedens, Worte von Freiheit, Liebe und Gerechtigkeit auf Erden.

Die Großen und die Kleinen, die Reichen und die Armen, die Angesehenen und Entrechteten
jubeln dem Bilde zu.
Des Papstes Bild erhebt die Hände und spricht den Segen über die Millionen, die ihn im Bilde
sehen und reden hören. Diese Millionen fallen vor dem Bilde nieder und beten mit Inbrunst und
Hingabe den Papst und sein Bild an.

Durch Funk und Presse kam die Nachricht: „Mrs. Michael Lanzisera aus New York, die bis zum
Besuch des Heiligen Vaters in New York weitgehend gelähmt und an den Rollstuhl gefesselt war,
saß zu Hause vor dem Fernsehschirm und sah zu, wie der Papst im Yankee-Stadion eine Messe
zelebrierte. Nachdem er auch die Fernsehzuschauer gesegnet hatte, fühlte Mrs. Lanzisera, daß
sie ihren Rollstuhl verlassen und wieder laufen konnte." - In der Presse wurde uns Mrs. Lanzisera
gezeigt, wie sie glückstrahlend und bewundernd das Bild des Papstes in ihren Händen hält. Auch
Zeichen und Wunder vermag das Bild des Papstes zu vollbringen! Wir werden aber in Zukunft
noch größere Wunder erleben!

Die Propagandareise des Papstes Paul VI. war vor allem auch für das amerikanische Volk
gedacht. Dieses Volk, das Glanz, Sensation und Flitter liebt und in dem Religion noch zum guten
Ton gehört, fühlt sich heute, nach dem Besuch des Papstes, stark zur römischen Kirche
hingezogen. Man kann es jetzt schon voraussehen, daß die Kirche Roms in den USA einen noch
größeren Aufschwung erleben wird.

Völker und Regierungen werden in Zukunft mehr denn je ihre Blicke nach Rom richten. Der Papst
wiederum wird sich in das politische Geschehen und in Grenzfragen anderer Staaten
entscheidend einschalten. Katholische Bischöfe und die EKD wollen heute schon Deutschlands
Grenzen, die erst einem Friedensvertrag vorbehalten sind, endgültig festlegen.

Der damalige amerikanische Präsident Johnson würdigte die Reise des Papstes als ein „Ereignis,
das in der Geschichte einen besonderen Platz finden werde".

Wir merken, daß auch diese Begebenheit antichristlichen Charakter trägt. Es ist der Endzeitgeist,
der hier deutlich in Erscheinung tritt. Christus spricht von „falschen Propheten" (Zeugen) und
„falschen Christussen“ (Erlöser), die in mancherlei Gestalt aufstehen werden, „um zu verführen in
den Irrtum, wo es möglich wäre, auch die Auserwählten" (Matth. 24, 25).

Auch ein Johannes sieht in seiner Apokalypse als Einleitung zu dem großen Weltenringen den
„weißen Reiter", den Verführungs- und Lügengeist, mit seiner hinterhältigen Waffe aus Epheser
6, 16 b, um die „feurigen Pfeile“ abzuschießen. Der Geist der Wahrheit trägt jedoch das „Schwert
des Geistes!" (Eph. 6, 17.)

„Und ich sah, daß das Lamm eines der sieben Siegel auftat, und ich hörte eine der vier Gestalten
sagen wie mit einer Donnerstimme: Komm! Und ich sah, und siehe, ein weißes Pferd, und der
darauf saß, hatte einen Bogen, und ihm ward gegeben eine Krone, und er zog aus sieghaft und
daß er siegte" (Offb. 6, 1. 2).

Wir sehen, daß auch das endzeitliches Geschehen ist! Hierzu muß man aber eine Warnung
aussprechen: Wir müssen uns sehr hüten, die Endentwicklung programmmäßig bzw.
fahrplanmäßig sich abwickelnd sehen zu wollen. Im Endgeschehen können sich die Ereignisse
überstürzen (Matth. 24, 4-12). Die Personen können wechseln (1. Joh. 2, 18).
Parallelerscheinungen können eintreffen (Matth. 24, 23 ff.).

Der Herr steht ganz zu seinem prophetischen Wort! Den Plan der Erfüllung, nämlich das Wer,
Wie, Wo und Wann, bestimmt er allein. - Wir sollen und müssen, wachend und betend, die
Zeichen der Zeit beobachten und prüfen und sie dann, von Fall zu Fall, biblisch, geistmäßig
deuten (Luk. 12, 54-56).

Um den Dialog mit den Weltreligionen einzuleiten, wurde im Vatikan das „Sekretariat für die
Nichtchristen" unter der Leitung von Kardinal Marela neu geschaffen.
Persönlichkeiten des japanischen Buddhismus, an ihrer Spitze der Rektor der Universität
Komazawa, Professor Gyokusen Osaka, wurden am 27. Juni 1964 von Papst Paul VI. in
besonderer Audienz empfangen. Die Gruppe wurde begleitet von Kardinal Marela.

Professor Osaka betonte in einer Grußadresse, das höchste Streben der Menschheit sei der
Friede, den man mit Hilfe der Religion finden könne.

In seiner Antwort sagte der Papst: „Der Besuch der Buddhisten geht von dem Wunsch aus, den
guten Willen unter den verschiedenen Religionen zu fördern und für den Frieden und den
Wohlstand der Völker und Rassen zu arbeiten. Wir gehen mit Ihnen in dieser Zielsetzung
vollkommen einig! Unser Gebet ist, wie auch das unseres Vorgängers, Papst Johannes XXIII., im
Angesicht des Todes, das Gebet Christi beim letzten Abendmahl: Daß alle eins seien ...
vollkommen in der Einheit ... damit die Welt erkenne, daß du, Vater, sie (die vereinte Welt!)
geliebet hast!"

Das letzte Sekretariat, das von Papst Paul VI. im April 1965 errichtet wurde, ist das „Sekretariat
für die Ungläubigen". Seine Präsidentschaft wurde dem Erzbischof von Wien, Kardinal Franz
König, anvertraut. Zum Sekretär wurde der Selesianerpater Wincenzo Miano ernannt.

Alle drei Sekretariate sollen einem einzigen Zweck dienen, alle Christen, alle Andersgläubigen
und zuletzt auch alle Atheisten unter die Fühlung Roms zu bringen. Fürwahr, ein weltweiter Plan!

V. Der Dialog mit dem Osten

Wir erwähnten schon, daß der Dialog nicht nur mit den Weltreligionen angestrebt wird. Auch der
Dialog mit dem Osten wird kommen. Das hat ran auch in der zweiten Konzilsperiode zur Sprache
gebracht. Wenn auch das Konzil den Erfolg noch nicht zeitigen wird, so ist doch ein stilles,
beharrliches Wirken des Vatikans nach dieser Richtung hin festzustellen. Die katholische
Nachrichtenagentur schreibt zu diesem Punkt: „Die Kirche hat mit dem Konzil zunächst eine
innerkatholische Selbstbesinnung angestrebt, ist zugleich aber in ein Gespräch mit der Welt
eingetreten. Der Dialog erstreckt sich nicht allein auf die getrennten Brüder, sondern bezieht sich
mit der Enzyklika ,Pacem in Terris' (Friede auf Erden) auf alle Menschen guten Willens, die sich
nicht nur bei dem Christen finden, sondern auch bei den Juden, dеп Mohammedanern, bei
dеп Heiden, ja, auch bei den Atheisten. Der Empfang von Chruschtschows
Schwiegersohn Adschubej durch den Papst - nicht vom Vatikan, sondern vom Kreml
in die Wege geleitet - läßt deutlich erkennen, aus welch ungewöhnlich großem Gottvertrauen
Johannes XXIII. handelte."

Es war mehr als eiere diplomatische Geste, wenn Chruschtschow Papst Paul VI. herzliche
Glückwünsche zur Papstwahl telegrafierte und der Papst wiederum dem sowjetischen
Ministerpräsidenten einen „lebhaften und aufrichtigen Dank" übermitteln lief. (Dieser bereits
aufgenommene Kontakt ist mit der Absetzung Chruschtschows vorübergehend unterbrochen
worden.)

Dem Beobachter fiel auf, daß Papst Paul VI. zu den ersten Gratulanten gehörte, als ein
sowjetischer Kosmonaut frei im Weltraum schwebte.

Im April 1966 ist nach längerer Pause wieder ein Vertreter Moskaus, der Augenminister
Gromyko, vom Papst empfangen worden.

Moskaus Neuaufnahme freundschaftlicher Beziehungen zu Frankreich ist gleichzeitig eiere


Neuorientierung zum Papsttum hin.

De Gaulle ist Juni 1966 nicht nur als Politiker, sondern auch als bewußter Katholik nach Moskau
gereist. In Leningrad besuchte das Ehepaar de Gaulle die Messe in der dortigen katholischen
Kirche. De Gaulles letztes großes Ziel war es, eis vereinigtes katholisches Europa zu schaffen,
das vom „Atlantik bis zum Ural" reichen sollte.

Im November 1966 hat als erstes kommunistisches Land Jugoslawien die diplomatischen
Beziehungen zum Vatikan wieder aufgenommen. Die anderen autoritären Staaten werden nach
und nach dem Beispiel folgen.

In Polen verhandelt seit längerer Zeit ein Vertreter des Vatikans, Msgr. Augustino Casaroli. Es
geht um die Neuordnung der Diözesen im Oder-Neiße-Gebiet und um die Anerkennung der
Oder-Neiße-Grenze. - Auch in anderen Ostblockstaaten verhandeln zur Zeit Diplomaten des
Vatikans.

Zum erstenmal in der Geschichte hat ein Papst ein kommunistisches Staatsoberhaupt
empfangen. Der sowjetische Staatspräsident Podgorny besuchte Ende Januar 1967 Papst Paul
VI. zu einem besonderen Gespräch, das über eine Stunde dauerte. Einzelheiten dieser
Verhandlung wurden nicht bekanntgegeben. Als Geschenk überreichte der „Heilige Vater“
seinem Gast eine wertvolle Faksimile-Ausgabe des „Codex-Atlanticus" von Leonardo da Vinci.

Unmittelbar vor Ausbruch des Nahost-Krieges, Ende Mai 1967, waren der französische
Staatspräsident de Gaulle und der deutsche Bundeskanzler Kiesinger zu
„Geheimbesprechungen" beim Papst. - Im September 1967, bei seiner Polenreise, hat der
„päpstliche Beauftragte“ de Gaulle, der Freund Adenauers und Kiesingers, die polnisch-
katholische Grenze an der Oder-Neiße als „endgültig und unantastbar" anerkannt.

Die wichtigsten Ereignisse der vatikanischen Außenpolitik bleiben vorerst immer geheim. Erst
wenn die Entwicklung schon die nächste Stufe erreicht hat, erfährt man Einzelheiten über das
Vorhergehende. So war es schon 1962 als Msgr. Willebrands, die rechte Hand des Kardinal Bea,
in Moskau aufgetaucht war, um die Vertreter der russischen Orthodoxie als „Beobachter" zum
Zweiten Vatikanischen Konzil einzuladen.

Ebenso still und unbemerkt vor der übrigen Welt disputierten im Jahre 1967 in Leningrad
(Petersburg) römische und orthodoxe Kirchenführer. Diese Delegation wurde auch von Msgr.
Willebrands geführt. In ihr befanden sich auch zwei Vertreter des von den Sowjets sehr
gefürchteten Jesuitenordens.

Der Zweck dieser Zusammenkunft war nicht, wie Rom vorgab, „ihr Wissen um die orthodoxe
Liturgie zu erweitern". In diesem Gespräch ging es um höchst aktuelle kirchenpolitische Fragen.
Vor allem wurde über die Gesichtspunkte der neuen päpstlichen Soziallehre diskutiert.

Der Sowjetpublizist Ardatowski schrieb in den russischen Zeitungen: „Diese päpstliche Enzyklika
enthält die schärfsten Worte gegen den Kapitalismus, seitdem Jesus die Wucherer aus dem
Tempel verjagte ... ein großer Fortschritt in der sozialen Doktrin der katholischen Kirche und eine
gute Diskussionsgrundlage ..."

Im Abschlußkommuniqué wurde das Treffen als „nützlicher Beitrag zur tieferen Erkenntnis der
beiderseitigen Traditionen und Lebensweisen" bezeichnet, die dazu dienen könne, „neue
Möglichkeiten für die Zusammenarbeit der Christen im Dienst an der heutigen Welt zu finden".

Seit Frühling 1968 weilten zwei russisch-orthodoxe Erzpriester, Raina und Roshkow, mehrere
Monate als offizielle Vertreter des Moskauer Patriarchates im Vatikan. Sie kamen mit dem
Einverständnis der sowjetischen Machthaber beileibe nicht, um „römische Dogmatik" zu
studieren, sondern einzig und allein kirchenpolitische Verhandlungen zu führen.

Noch bis vor einem Jahrzehnt betrieb Rom eine streng feindliche Ostpolitik. Seit dem Streben
Roms, Weltkirche zu werden, hat sich dort eine Wandlung vollzogen. Jugoslawien kann
augenblicklich als das Musterbeispiel erfolgreicher „neuer Ostpolitik" des Vatikans gelten. Bald
nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit dem Vatikan erklärte der kroatische KP-
Theoretiker Esad Cimic, daß man „in Jugoslawien die Religion nicht mehr länger als Hindernis für
den Aufbau des Sozialismus ansehen könnte". Die Zagreber Zeitung „Vjesnik" brachte wiederum
folgende Neuigkeit der Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat: „Eine Gruppe katholischer
Theologen und Marxisten haben sich in der Metropole zusammengesetzt, um eine ,neue
fortschrittliche Ausgabe der Bibel' zu schaffen, die sowohl von den vatikanischen Stellen
approbiert als auch von Kommunisten akzeptiert werden könne." - Wie diese „Bibel" aussehen
wird, können wir uns gut vorstellen! - Inzwischen ist der erste Druck erschienen.

Bei einer „Ost-West-Begegnung" in den USA, Juni 1968, sagte Kardinal König, Wien, u. a.: „Der
theoretische Dialog müsse praktische Folgen zeitigen. Sobald der Dialog geistige Resultate
aufweist, müssen wir vom Gespräch in Aktion übergehen. - Das bedeutet eine Zusammenarbeit
von Christen und Marxisten in Aufgaben, die für die Menschheit von großer Bedeutung sein
können.“

Auch der SED-Chef Walter Ulbricht hat am 15. Februar 1968 im Ostberliner Friedrichstadt-Palast
vor 3000 Ostberlinern wörtlich erklärt: „Falls der Heilige Stuhl den Wunsch haben sollte, mit der
Regierung der DDR Beziehungen herzustellen und Vereinbarungen zu treffen - aber bitte - wir
sind jederzeit dazu bereit."

Wie sich auch das Los der CSSR und der anderen Satellitenstaaten Moskaus gestalten mag, die
Geheimgespräche des Vatikans mit den jeweiligen Staatsführungen werden so oder so
weitergeführt. - Unabhängig aber von dem Geschehen in den einzelnen Ostblockländern
verhandeln ausgesuchte Diplomaten des Vatikans, wie wir oben gesehen haben, pauschal mit
den Machthabern Moskaus. Moskau kann durch Waffengewalt seine Satelliten sich gefügig
machen. Eine Macht aber, und das weiß die UdSSR genau, ist ihr überlegen - und das ist Rom!
Hier hat eine ihr ähnliche diktatorische Ideologie als Religion seit vielen Jahrhunderten das Volk
bereits geprägt.

Unzufriedenheit, Unruhe und Umstürze haben in den meisten Fällen ihre Quellgebiete. Sie
werden geheim gelenkt und gesteuert von denen, die ihre Macht vergrößern wollen.

Mitte Juli 1970 war der SPD-Bundeskanzler Willy Brand heim Papst, um mit ihm den deutsch-
sowjetischen Vertrag zu besprechen. Der Papst bejahte den Plan des Bundeskanzlers und
sprach ihm „Mut" zu. Als „positives Ereignis von großer Bedeutung" hat der Vatikan den
abgeschlossenen Vertrag gewertet.

Nach Kardinal Willebrands und dem Staatssekretär Casaroli weilte im August 1971 der Jesuiten-
General Arrupe zu einem Besuch in der sowjetischen Hauptstadt. Er soll der Wegbereiter für
einen Besuch des Papstes nach Moskau sein. - Nach Rom und Konstantinopel wird Moskau
noch immer das „dritte Rom“ genannt.

Das waren einige sichtbare Erscheinungen der gegenwärtigen Geheimdiplomatie des Papsttums.
Diese Fäden werden im geheimen weitergesponnen. Beiderseitige Staatsbesuche werden folgen!
Es liegt im Bereich der Möglichkeit, daß wir in absehbarer Zeit vor weltweite vollendete
Tatsachen gestellt werden könnten.

Im Jahre 1933 hielt ich in einer Kirche meiner Heimat einen Vortrag. Unter anderem wies ich
auch auf die Bedrohung unserer evangelischen Kirche von Seiten Roms hin. 1938 kam ich
wieder an den Ort zum Gottesdienst. Es entspann sich ein Gespräch. Man sagte mir: „Ihre
Prophezeiung vor fünf Jahren hat sich als falsch erwiesen. Rom liegt, dank des Führers,
zerschlagen am Boden." Darauf sagte ich: „Rom wird stärker und mächtiger vom Staube
aufstehen. Rom hat eine eschatologische Aufgabe zu erfüllen, und darum kann Rom zunächst
nicht untergehen."
In den nächsten Jahren will auch Rom das soziale Weltproblem in Angriff nehmen. Mit ganzem
Ernst will es drangehen, eine katholische Weltarbeiterschaft ins Leben zu rufen, um mit ihr die
sozialen Mißstände zu beseitigen. Damit soll auch das Wirtschaftsproblem geprüft und geregelt
werden.

Papst Pius XII. sagte schon 1956, am Feiertag des 1. Mai: „Vielleicht seien die Arbeiter nicht
mehr dem Tag fern, an dem sie die Führung in der Welt der Arbeit werden ausüben können.
Warum sollte es nicht so sein? Die gesunde Lehre, die sie vertreten, die redliche Gesinnung, die
sie beseelt, sind ebenso viele Rechtstitel, Führer der heutigen Arbeiterbewegung zu werden."

Hierbei möchte ich noch einen Gedanken aussprechen, der mich innerlich schon lange bewegt,
und zwar: Ob der Katholizismus und der Kommunismus sich zu einer politischen
Zusammenarbeit finden könnten? Ich weiß, daß das bei vielen Widerspruch hervorrufen wird.
Man wird mir entgegenhalten: Es sei unmöglich, den Kommunismus und den Katholizismus auf
den gleichen Nenner zu bringen. Das Verhältnis ist wie Feuer und Wasser.

Ehe ich einen Vergleich bringe, möchte ich etwas über meine Person vorausschicken. Meine
Wiege stand im zaristischen Rußland. Ich bin dort aufgewachsen und habe dort die Schule
besucht. Die Revolution erlebte ich, als wir deutsches Besatzungsgebiet waren. Wir wurden dann
Polen. Fast ein Jahrzehnt arbeitete ich als Judenmissionar unter kommunistischen Juden in der
Nähe der sowjetischen Grenze. Im Krieg war ich vier Jahre Dolmetscher im Innern Rußlands,
weil wir inzwischen deutsch wurden. Die Methoden der Kommunisten sind mir gut bekannt. Auch
der römische Katholizismus ist mir nicht unbekannt, weil ich stets mit ihm Berührung hatte. Nur
deshalb erlaube ich mir, einen Vergleich anzustellen. Es soll durchaus keine „Prophetie' im
weitläufigen Sinn sein.

Feuer und Wasser müssen nicht immer im Gegensatz zueinander stehen. Sie können auch
einander ergänzen und zusammenwirken. Feuer und Wasser können sich auch im Dampf zu
einer dynamischen Energiequelle entfalten.

Ich sehe im römischen Katholizismus und sowjetischen Kommunismus Zwillingsbrüder, die das
gleiche Ziel verfolgen.

Jeder ist bemüht, eine neue Weltordnung zu schaffen. In dieser neuen Ordnung sollen alle
teilhaben an den Segnungen und Errungenschaften. Beide wollen eine Menschheit im neuen
Paradies, das sie schaffen werden, glücklich sehen. Einen Unterschied zwischen beiden findet
man nur in ihren Weltanschauungen, die sie vertreten. Auch der Kommunismus ist seinem
Wesen nach Religionsersatz.

Wir finden eine ganze Reihe von Parallelen zwischen römischem Katholizismus und
sowjetischem Kommunismus:

a) Beide sind Vertreter totalitärer Systeme.


b) Beide trachten nach der Weltherrschaft.
c) Sie haben ihre „alleinseligmachende Kirche" (Kommunistische Einheitspartei).
d) Sie haben ihr „Papsttum" (Diktatur).
e) Sie haben ihre „Hierarchie" und ihre „Kurie" (die verschiedenen Funktionäre der KP und die
Leiter des Sowjet-Staates).
f) Sie hatten ihre „Inquisitionsgerichte" (NKWD-Gerichte, die jederzeit wieder eingesetzt werden
können).
g) Beide haben ihre „Index-Kongregation", die über Presse und Literatur wacht.
h) Sie haben ihre „Jesuiten" (Sicherheitspolizei des Politbüros der sowj. KP und Agenten des
Abwehrdienstes).
i) Sie haben ihre „Propagandazentrale".
k) Bei beiden „heiligt der Zweck die Mittel" (was der Partei nützt, ist gut! Die Kirche und die Partei
haben immer recht!)
l) Sie haben ihre gemeinsame „Beichte" (Selbstbezichtigung).
m) Sie sind unduldsam den Minderheiten gegenüber.
n) Beide haben ihr „Heiligtum" (Kreml).
o) Beide haben ihre „Heiligen", die sie verehren (Karl Marx, Rosa Luxemburg, Lenin u. a. m.).
p) Beide pilgern zu den Gräbern ihrer „Heiligen" (Mausoleum in Moskau).
q) Beide sprechen den „Bann" über die Abweichler von der „Generallinie".
r) Beide tragen bei Umzügen und Prozessionen ihre „Heiligenbilder".
s) Beide schaffen den „totalen" neuen Menschen.
t) Beide versuchen sich dem Modernismus anzupassen.
u) Beide erstreben das „Paradies" auf Erden.

Ist der Gedanke so abwegig, daß beide Brüder im Dialog zueinanderfinden? Das kann die
natürliche Folgerung in der Entwicklung dieser beiden Systeme sein. Einst hat der Vatikan auch
den Anschluß an den gottlosen Nationalsozialismus angestrebt. Er ist aber von ihm abgewiesen
worden. Es ist nicht unmöglich, daß beide Mächte im großen politischen Weltringen einander
nötig haben werden. - Damit gewinnt Rom Macht auch über den Ostblock.

Obiger Vergleich mag für manche Leser hart klingen. Es geht hier aber nicht um den einzelnen
Katholiken oder den einzelnen Kommunisten. Diese wissen in den meisten Fällen überhaupt
nicht, was gespielt wird. Der Vergleich gilt dem vom Vatikan und Papst dirigierten religiös-
politischen römischen Katholizismus und dem von Partei und Kreml geleiteten sowjetischen
Kommunismus.

Wer einen Sinn für das Weltgeschehen hat, wird merken, wie starke politische Bewegungen
unsere Welt erschüttern und formen. Neue Mächte erheben ihre Häupter und ringen um die
Weltherrschaft. China mit seiner Milliarde Einwohnern ist im Aufbruch und bedroht unseren alten
Kontinent. Es ist ein Volk ohne Raum. Der erwachte Riese wetteifert mit den fortschrittlichen
Nationen, um sie technisch und bildungsmäßig einzuholen. Innere Erschütterungen in Diktaturen
dienen fast immer nur der Stärkung und der Zusammenfassung brachliegender Kräfte.

Den USA, die heute von Rom stark beeinflußt werden, gelang es nicht, dem vorwärtsdrängenden
asiatischen Kommunismus einzudämmen und Südvietnam, das stark römisch-katholisch geprägt
ist, zu stärken. Ideologien lassen sich nicht durch materielle Machtmittel bezwingen. - Der Papst
wiederum tritt überall da, wo Unruhe ist, als Friedensmahner auf. Bei allen Friedensappellen
stehen aber in dеп meisten Fällen Sonderinteressen des Vatikans getarnt im Vordergrund. Der
„Stellvertreter“ will, wie Christus, als Friedensbringer in die Geschichte eingehen.

Eine andere geistige Macht, die beinahe eine halbe Milliarde zählt, ist im Ansturm, um Afrika
unter den Banner des Halbmondes zu bringen. Sie will eine ganze Welt für den falschen
Propheten erobern.

Seine Missionare werden in der berühmten Hochschule El Ahzar in Kairo ausgebildet und in viele
Staaten der Welt gesandt. - Der Nahost-Krieg ist, genau gesehen, ein Religionskrieg.

Unsere alte Welt, das merken wir, liegt in Wehen. Alles Neue, auch das Antichristliche, wird nicht
ohne Schmerzen geboren. Am Ende alles Kampfes und Ringens dieser antichristlichen Mächte
entsteht eine neue, vereinigte Welt unter der Führung des „Antichristen" und des „falschen
Propheten" in Person. Der wahre Christ sieht aber in diesem gottfeindlichen Ringen um die
Weltmacht die Erfüllung der göttlichen Prophetie. Er weiß, daß diese antichristliche
Weltherrschaft nur von kurzer Dauer sein wird. Den letzten Sieg haben nicht die antichristlichen
Mächte, sondern der Sieger von Golgatha, der Herr der Herrlichkeit, Jesus Christus, dem alle
Macht im Himmel und auf Erden gegeben ist.

Wie schon erwähnt wurde, wird Rom in der nächsten Zeit das soziale Weltproblem zu lösen
versuchen. Weitschichtige soziale Probleme warten noch auf eine befriedigende Lösung: „Die
Sozialfunktion des Eigentums, die Hebung des Proletariates zu wahrem menschlichem Leben,
die Reform des Unternehmertums, die Neuverteilung des Einkommens, der gerechte Lohn, die
Anerkennung der Gewerkschaften, das Eingreifen des Staates auf wirtschaftlichem Gebiet u. a.
m." Alle diese Probleme sollen im römisch-katholischen Geist geregelt werden.

Die erste diesbezügliche Enzyklika (päpstliches Rundschreiben) ist von Papst Paul VI. am 28.
März 1967 im „Osservatore Romano" erschienen. Sie umfaßt 87 Artikel. In diesem Rundscheiben
nimmt der Papst Stellung zu den verschiedenen denen Gebieten der sozialen Weltprobleme. Es
würde zu weit führen, im einzelnen die wichtigsten Punkte zu behandeln. Soviel sei gesagt, daß
sich die päpstliche Enzyklika in vielen Punkten mit der kommunistischen Ideologie deckt. Sie
wurde auch von jener Seite stark beachtet und ihr zugestimmt. Das könnte der Auftakt zu
Offenbarung 13, 16 sein.

VI. Die römisch-katholische „Liebe" und die römische „Religions- und


Gewissensfreiheit"

Wir hörten in den letzten Jahren viel von „Liebe" reden, besonders von der Liebe zu den
„getrennten Brüdern". Rom ist eifrig bemüht, die Fassade seiner Kirche zu renovieren, um den
getrennten Brüdern die Rückkehr zu erleichtern. Schon der äußere Anblick des Konzils sollte die
suggestive Macht ausüben, alle getrennten Christen nach Rom zurückzuführen. Hierzu eine
wichtige katholische Stimme:

„Wir werden das Antlitz der Kirche verjüngen und der Welt eine Kirche zeigen, die in ihrer ewigen
Kraft dasteht und ihre Gesetzgebung den heutigen Verhältnissen angeglichen hat; das Leben
und den Zusammenschluß der Kirche neu erstarken lassen, eine riesige Aufgabe erfüllen durch
Ausscheiden all dessen, was den Fortschritt der Kirche hindern kann.

Das Konz wird bestimmt ein wunderbares Schauspiel der Wahrheit, der Einheit und der Liebe
sein. Wir vertrauen darauf, daß das Erlebnis dieses Schauspiels für die von Rom getrennten
Christen eine sanfte Aufforderung sein wird, die Einheit zu suchen und zu erlangen, die Christus
in inbrünstigen Gebeten vom himmlischen Vater erflehte.

Die Kirche wird das Erneuerungswerk durchführen. Erst in einer späteren Zeit, nach Vollzug
dieser Läuterung, wird sich die katholische Kirche den getrennten Brüdern vorstellen, um sie zur
Rückkehr einzuladen in das Haus, in dem ihre Väter wohnten. In ihrem neuen Glanz wird sie sich
unseren getrennten Brüdern gastlicher zeigen.

Wir werden die Kirche in ihrer ganzen Größe vorstellen und zu unseren getrennten Brüdern, den
Orthodoxen, Protestanten usw., sprechen: Schaut, Brüder, das ist die Kirche Christi. Wir haben
uns bemüht, ihr treu zu sein, und den Herrn um die Gnade gebeten, daß sie so sei und bleibe,
wie er gewollt hat. Kommt und nehmt wieder euern Platz ein, der für viele unter euch der eurer
Väter ist."

Die Vereinigung soll nach katholischer Sicht in drei Etappen vor sich gehen:

Die erste Etappe: Die Annäherung. Sie ist psychologischen Charakters: Durch gegenseitige
Besuche, Freundlichkeiten und Geschenke sollen die Wege vorbereitet werden. Diese zielen
durch gegenseitige „Höflichkeit und Sympathie" auf Entspannung hin. Religiöse Fragen sollen
noch nicht berührt werden.

Diese „psychologische Entspannung" soll die Wege zur zweiten Etappe bahnen. Diese ist
theologischer Natur: Weitere Gespräche, Diskussionen, Vorträge, Begegnungen,
Gedankenaustausch über Kontroversfragen, gemeinsame Gottesdienste usw. Den getrennten
Brüdern sollen die Dogmen erläutert werden, an denen sie sich stoßen u. a. m. Mit anderen
Worten: Die Wege, auf denen die getrennten Brüder zur Kirche Roms zurückpilgern wollen,
sollen geebnet sein. Hier stehen wir heute!

Die dritte Etappe: Die letzte Etappe ist die Folgerung der zwei ersten: die volle Vereinigung mit
der Kirche Roms!

Was uns befremden muß, ist, daß Begriffe wie Liebe, Freundlichkeit, Höflichkeit, Sympathie ganz
programmäßig, auf Geheiß ausgeführt werden sollen. Wir merken: Dieses „Lieben" ist nicht eine
innere Herzensstellung, ein inneres Müssen um Jesu willen, sondern Mittel zum Zweck: Man will
damit die „getrennten Brüder", die Orthodoxen, die Protestanten usw., nicht zu Christus, sondern
in die alleinseligmachende Kirche Roms bringen.

Was uns noch mehr befremden muß, ist, daß diese „Liebe" in den verschiedenen Ländern, in den
besonderen Fällen verschieden in der Auswirkung sein muß. Diese, ich möchte fast sagen
„katholische Liebe" ist ganz anders zu den „getrennten Brüdern", die aus den Evangelischen
kommen und katholisch werden sollen. Sie verhält sich wiederum ganz anders zu den
„getrennten Brüdern", die aus der katholischen Kirche kommen und evangelisch geworden sind.
Sie ist anders in der Schweiz und Deutschland und anders in Kolumbien und Spanien.

Ich bringe nun aus meinen Beobachtungen und Erfahrungen Beispiele aus jüngster Zeit:

Es nahte wieder das Weihnachtsfest. Diesmal hatte Papst Pius XII. eine herzerschütternde
Weihnachtsbotschaft in die Welt gefunkt. Er sprach von Weihnachten, dem Fest der großen
Liebe und des Friedens. Er forderte Menschen, Völker und Nationen auf, guten Willens zu sein,
einander zu vergeben, zu lieben und im Frieden zu leben. Er wies auf Jesus hin, der den Frieden
der Welt will usw. - Es waren gute Worte, die der Papst gesprochen hat.

Einige Tage später brachten christliche Blätter - die katholisch inspirierte Presse schwieg sich
aus - die Nachricht, daß in Spanien am 2. Weihnachtsfeiertag eine evangelische Kirche gestürmt,
demoliert und angezündet wurde. Ich war innerlich stark betroffen: Hatten diese Menschen die
Friedensbotschaft des Papstes nicht gehört? Wird der Papst Halt gebieten und die Übeltäter
strafen? - Es vergingen Tage und Wochen, aber nichts geschah. Beim Nachdenken wurde mir
klar: Du hast wieder einmal evangelisch gedacht! - Wir dürfen nicht vergessen, daß die Jesuiten,
die die Kirche stürmten, und der Papst römische Katholiken sind. Als treue Katholiken konnten
sie nicht anders handeln!

Wie Professor Gutierrez Marin, Präsident der Evangelischen Kirche Spaniens, meldete, seien
durch das Zweite Vatikanische Konzil gewisse günstige Auswirkungen für die
Minderheitenkirchen in Lateinamerika und Spaniers zu verzeichnen. Man freut sich darüber und
man gönnt den jahrzehntelang verfolgten Brüdern und Schwestern in diesen Ländern eine
Ruhepause. Was einem bei dieser Freude traurig stimmt, ist, daß diese Vergünstigungen nicht
aus einem inneren Trieb, aus einer inneren Überzeugung, aus einer inneren Herzensstellung
kommen. Es ist einfach Beschluß oder Befehl: Jetzt handeln wir in diesem oder jenem Fall so
und so. Es ist alles, wie in den autoritären Staaten, auf Zweckmäßigkeit ausgerichtet. Heute kann
man dulden und morgen wieder unterdrücken und verbieten, je nachdem es der mächtigen
Kirche diente. (Im April 1967 sind wieder die Schreiben eines evangelischen Gotteshauses in
Granada demoliert worden. Gleichzeitig wurden das Auto des Seelsorgers und ein Geschäft
eines Evangelischen zerstört. Die Steine waren in Papier mit der Aufschrift „Ave Maria"
(Gegrüßet seist du, Maria) eingewickelt).

Das zweite Beispiel: In einem katholischen Krankenhaus werden die dienenden


Ordensschwestern als liebe, gütige und treue Schwestern sehr geschätzt. Man sagt, daß sie die
evangelischen Glaubensgenossen beinahe noch zuvorkommender als die katholische Patienten
behandeln. Es ist wahr, man merkt in der Behandlung keinen Unterschied zwischen evangelisch
und katholisch.

In dieses Krankenhaus wurde eine junge, querschnittgelähmte Frau eingeliefert. Von zu Hause
aus katholisch, war sie mit einem evangelischen Mann evangelisch getraut. Ihre einzige Tochter
war evangelisch getauft. Auf einer Fahrt zu einer Konferenz hatte sie mit ihrem Mann einen
Autounfall. Ihr Mann war tot und sie gelähmt.

Sie kam in jenes Krankenhaus und wurde gut gepflegt, so lange, bis die Schwestern erfuhren,
daß sie früher katholisch war. Von da ab wurde sie vernachlässigt. Am Bett dieser
Schwerkranken sprachen die Schwestern jetzt von dem „Fräulein", das im „Ehebruch" lebte. Ihre
Tochter wurde zum „unehelichen" Kind gestempelt. Viele schmerzhafte „Nadelstiche" mußte sie
erdulden. Monatelang lag die Elende auf ihrem Krankenlager, bis der Rücken große, tiefe
Wunden aufwies und sie dem Tode nahe war.

Dieser Zustand dauerte fast zwei Jahre, bis ein Angestellter ihrer Krankenkasse zu ihr kam. Als
er von ihrem bedauernswerten Zustand erfuhr, bemühte er sich, daß sie in ein anderes
Krankenhaus überführt wurde. Acht Monate lang mußte dort die Kranke auf dem Bauch liegen,
bis die großen, tiefen Wunden wieder zugeheilt waren.

Das dritte Beispiel: Dieser Fall ereignete sich in einem anderen Krankenhaus mit katholischen
Schwestern. Die Patientin war in ihrer Jugend katholisch und gehörte jetzt zu einer
Evangelischen Freien Gemeinde. Aus der katholischen Kirche war sie noch nicht offiziell
ausgetreten. Sie wurde in der Augenklinik auf einem Auge am Star operiert. Man behandelte sie
wie alle anderen Patienten. Auf ihren Einweisungspapieren stand als Konfession: „Römisch-
katholisch."

Das ging so lange gut, bis die Schwestern sie eines Tages zum Kommunizieren aufforderten. Sie
lehnte aber ab. Jetzt war für sie die Hölle los! Die Schwestern merkten, daß sie eine „Abtrünnige"
gepflegt hatten. Obwohl sie noch nicht geheilt war und mit einer Pleuritis und infektiöser
Augenentzündung, die sie sich im Krankenhaus zugezogen hatte, dalag, drängte man sie durch
Verleumdung aus dem Krankenhaus hinaus. In einem evangelischen Krankenhaus fand sie
Aufnahme und Heilung.

Wir wollen auf diese Schwestern keinen Stein werfen. Sie sind nicht schuld, daß sie diese
Einstellung haben. Das ist katholische Glaubenslehre, „katholische Liebe“, jesuitische
„Morallehre". - Gott sei Dank, es gibt auch noch katholische Ordensschwestern mit einer
biblischen, echten Liebe!

Es gab auch in der evangelischen Kirche manche Verirrungen und Fehltritte, wo man zur
Selbsthilfe schritt und mit fleischlichen Mitteln kämpfte und bekämpfte. Vom Wort Gottes her
hatte sie dazu keinerlei Berechtigung. Zu ihrer Entschuldigung kann man nur anführen, daß
solche Handlungen spontan, zeitlich und regional begrenzt waren. Zur Ehre Gottes muß gesagt
werden, daß sich die evangelische Kirche bei Fehltritten immer wieder gebeugt hat.

Anders ist es in der Kirche Roms. Da ist der Haß zum Glaubensbekenntnis, zum Programm
erhoben worden. Wie Haß und Liebe miteinander harmonieren sollen, ist einem bibelgläubigen
Christen fremd.

Wir hören fortwährend von der „großen Liebe" zu den getrennten Brüdern. Neben dieser
Liebesbeteuerung steht der Haßgesang der Bulle „In coenia domini" des Dominikanerpapstes
Pius V., die noch nicht aufgehoben ist, d. h. die noch bis zum heutigen Tag ihre volle Gültigkeit
hat: „Wir stoßen aus und verdammen im Namen des allmächtigen Gottes, des Vaters und des
Sohnes und des Heiligen Geistes, und durch die Vollmacht des Apostels Petrus und Paulus und
aus unserer eigenen Machtvollkommenheit alle Hussiten, Wiclifen, Lutheraner, Zwinglianer,
Calvinisten, Hugenotten, Wiedertäufer, Trinitarier und alle vom christlichen Glauben Abgefallenen
und alle anderen Ketzer, mögen sie wie immer heißen oder einer anderen Sekte angehören,
auch alle, welche zu ihnen halten, ihnen Obdach bieten, sie unterstützen, überhaupt sich ihrer
annehmen, und ihre Bücher, welche Ketzerei enthalten und von Glaubensdingen handeln, ohne
unser und des Heiligen Stuhles Erlaubnis bewußt lesen oder aufbewahren, sie aus irgendeinem
Grunde öffentlich oder heimlich drucken, mag ran das auf welche Weise immer tun und
irgendeinem Vorwand vorschützen, ebenso alle Schismatiker und diejenigen, welche uns oder
den, der eben gerade römischer Papst ist, in hartnäckiger Weise den Gehorsam verweigern." -
Damit sind auch wir alle „herzlich geliebten, getrennten evangelischen Brüder" gemeint.

Hierzu schreibt Walter Schäble: „Auch die 2500 Konzilsväter des Zweiten Vatikanischen Konzils
sind nicht von den Bullen und Bekenntnissen Roms abgerückt. Sie mußten vielmehr am 11.
Oktober 1962 feierlichst die Beschlüsse des Konzils von Trient (1545-1563) sowie das
Unfehlbarkeitsdogma beschwören und bekunden, alle entgegenstehenden Lehren zu
verdammen." - „Liebe" und abgrundtiefer Haß stehen in der Kirche Roms wie Brüder
nebeneinander und werden wie benötigt angewandt.

Ich weiß, es gibt in der katholischen Kirche poch Männer und Frauen mit einer bibelgläubigen
Einstellung. Diese sind mit den oben erwähnten Handlungen nicht einverstanden. Das sind die
einzelnen, die wenigen, die auch zur Herde Christi gehören. Ihnen gilt das Wort: „Glückselig sind
die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen!"

Voraussehend kann man aber sagen: Es wird die Zeit kommen, daß auch sie sich von der
großen Herde Roms werden scheiden müssen. Auch sie werden in die Leidensnacht
hineingehen.

Und nun hören wir, was der Apostel Paulus in 2. Korinther 13 von der wahren Jesusliebe zu uns
spricht. Ich übertrage absichtlich frei:

„Wenn ich mit prophetischer Zungensprache der Menschen und der göttlichen Sprache der Engel
reden könnte und hätte der wahren Liebe Christi nicht, so wäre ich nichts weiter als eis Klang
oder Schall, der von einer Glocke oder Zimbel kommt.

Und wenn ich die prophetische Gottesgabe besäße, um in die tiefsten Tiefen der Gottes- und
Menschengeheimnisse einzudringen, und wenn ich einen so großen Glauben hätte, daß er Berge
aus ihrer Befestigung wegbewegen könnte, wenn ich aber nicht von dei wahren Liebe Jesu
entzündet bin, so bin ich nichts weiter als ein elendes, bedauernswertes Geschöpf.

Und wenn ich mein letztes Hemd von meinem Leibe und mein letztes Stück Brot dem Bedürftigen
mitteilte, und wenn ich aus freier Entscheidung meinen Leib hingebe, um als Märtyrer verbrannt
zu werden, wenn ich es aber nicht aus dem inneren Drang der Liebe für meinen Herrn und
Heiland tue, so habe ich davon keinerlei Gewinn für die Ewigkeit."

Eine von Jesus Christus entzündete Liebe kann den Gegenstand seiner Liebe nicht wählen.
Wahre Liebe liebt, weil sie lieben muß! So wie das Licht der Sonne alles verklärt ипд erwärmt,
so wird wahre Liebe Licht und Wärme auf alles, was ihr begegnet, ausstrahlen. - Was aus der
Quelle Jesu Christi fliegt, ist lauter, klar und unvermischt.

Ganz ähnlich der „katholischen Liebe" ist das Schema der „Religions- und Gewissensfreiheit".
Wir erinnern uns noch gut, wie durch Presse und Funk die Nachricht weitergetragen wurde:
„Niemand soll mehr für seine religiösen Überzeugungen auf dem Scheiterhaufen sterben, weder
im wörtlichen noch übertragenen Sinn. Die Würde der menschlichen Person ist unantastbar und
erstreckt sich auch auf das Gewissen des Menschen. Ob bei Glaubenden oder Irrenden, vor der
Freiheit des menschlichen Gewissens müssen Staatsgewalt und Religionen sich beugen. Nur wo
durch Fanatismus der Friede unter den Menschen gefährdet oder sittliche Gesetze zerstört
werden, sollten der Religionsfreiheit Grenzen gezogen werden." - Wìe sieht nun die Praxis dieser
„Religions- und Gewissensfreiheit" aus?

Am Anfang der zweiten Hälfte des Zweiten Vatikanischen Konzils haben sich die Konzilsväter
wieder mit dem Schema der „Religionsfreiheit und des Gewissens“ befaßt. Dieses „heiße Eisen"
mußte vom Konzil aus dreierlei Gründen angefaßt werden:
1. Es stand nun fest, daß der Papst vor das Forum der Vereinten Nationen treten wird, um für
dem Frieden und die Freiheit der Völker und Nationen einzutreten. Wie will man aber Freiheit für
andere fordern, wenn ran selber dort, wo man die Macht hat, unterdrückt und verfolgt? Die
katholische Presse schreibt hierzu: „Die Erklärung über die Religionsfreiheit soll dem Papst als
Eintrittskarte beim Besuch der Vereinten Nationen dienen."

2. Die römische Kirche wird ja selbst in den Ländern des Ostblocks unter Druck gesetzt. Eine
ganze Reihe von Geistlichen schmachtet in den Gefängnissen oder lebt in Verbannung. Auch
hierzu eis Wort der Presse: „Unmißverständlich angeklagt werden alle jene Staaten, in denen die
Freiheit des Glaubens zwar auf dem Papier gesichert ist, in der Praxis aber nicht besteht, weil
Gläubige oder Andersgläubige bitteren Bedrängnissen ausgesetzt sind." - Auch dagegen maßte
man zuvor etwas Positives bieten, ehe man fordern will.

3. Man möchte die Vergangenheit „ungeschehen" machen und den „getrennten Brüder" den Weg
zurück neu bahnen. Auch dazu noch eine Pressestimme: „Die Religionsfreiheit ist in der Tat
das ,ungewollte Kind der Glaubensspaltung'. Anfänglich wurden die Ketzer - auf beiden Seiten -
verbrannt. Wenn jetzt gerade Kardinal Bea diese Erklärung abgefaßt hat, so deshalb, um den
evangelischen Glaubensbrüdern den Wind aus den Segeln zu nehmen, denn viele werfen der
katholischen Kirche vor, einer ,doppelten Moral' zu huldigen."

Tief beeindruckt waren die Konzilsväter über eine Erklärung des damals in seiner Heimat
verfolgten und jetzt in Rom verstorbenen greisen Erzbischofs Beran aus Prag: „So scheint mir die
katholische Kirche in meiner Heimat schmerzhaft Sühne für die Vergehen und die Sünden zu
leisten, die in der Vergangenheit im Namen der Kirche gegen die Gewissensfreiheit begangen
worden sind, wie es der Fall war bei der Verbrennung des Priesters Hus und bei der
gewaltsamen Rückführung eines großen Teils des böhmischen Volkes zum katholischen
Glauben nach dem Prinzip „cuius regio eius religio" (Wer regiert, bestimmt die Religion). Dieser
Aufruf trug mit dazu bei, daß ein Wandel in der Haltung vieler Kоnzilsväter sich vollzog.

Die Gegner der Religions- und Gewissensfreiheit, hauptsächlich aus den Ländern mit
katholischer Mehrheit, lehnten das Schema entschieden ab. Sie fürchten, wie sie sagten, daß
diese Freiheit mehr Verwirrung als Klärung bringen würde. Sie werde verstanden werden als
Freiheit von Religion und Gott, wie es in der Französischen Revolution und im Liberalismus
geschehen war. Sie fragten: Wo sind die Grenzen dieser Religionsfreiheit? Öffnet eine solche
Erklärung nicht den Hetzrednern der Sektenprediger (sprich: evangelische Prediger!) und den
unglücklichem Kulten Tür und Tor? Sie bestritten, daß das Sekretariat für die Einheit der Christen
zuständig sei, dieses Thema auszuarbeiten, denn dieses Schema gehe über das Verhältnis dei
christlichen Kirchen hinaus.

Das Ergebnis der Abstimmung, beeinflußt durch Erzbischof Berans Erklärung, erbrachte eine
überwältigende Mehrheit zur Annahme des Schemas: 1997 Konzilsväter antworteten mit Ja und
224 gaben ihre Neinstimmen ab. Die katholische Presse schrieb hierzu: „Ein Beweis, daß viele
,fortschrittliche' Kоnzilsväter bereit sind, die Menschenwürde zu achten, indem sie
Andersgläubigen die freie Ausübung ihrer Religion zugestehen."

Als bibelgläubiger Christ hat man bei dieser Auseinandersetzung ein gewisses Unbehagen:

1. Schon der Gedanke, daß „christliche" Kоnzilsväter zusammentreten, um mit Ja- oder
Neinstimmen sich für oder gegen ein Schema der Gewissens- und Religionsfreiheit zu
entscheiden, ist etwas Unmögliches. So etwas könnte man sich in Moskau, Peking oder Prag
vorstellen. Vom Wort Gottes her ist Gewissens- und Religionsfreiheit eine Selbstverständlichkeit.
Gott zwingt niemanden. Der wahre Christ kann und darf, nicht mehr und nicht weniger, Zeuge für
Christus in einer gewissens- und christuslosen oder auch sehr religiösen „christlichen" Welt sein.
Alles andere überläßt er seinem Herrn und Meister, der ihn in den Dienst gerufen und dazu
begnadet hat.
2. Wir fragen: Wer gibt denn der Kirche Roms die Macht und das Recht, die Schutzherrschaft
über den christlichen Glauben zu übernehmen und die biblisch Gläubigen zu unterdrücken, zu
verurteilen und zu verdammen? Diese diabolische Macht hat sie in der Vergangenheit und
Gegenwart - dem Wort Gottes zuwider - raubmäßig und brutal an sich gerissen.

3. Es ist den meisten Konzilsvätern weniger darum zu tun, die Freiheit der Verkündigung des
Evangeliums an allen Orten und ohne jegliche Einschränkung und Gewissenszwang zu
garantieren, sondern die Religionsausübung in „religionsfeindlichen Staaten" sicherzustellen. Es
ist hier mehr ein Fordern als ein Gebenwollen.

4. Das Schema über die Religions- und Gewissensfreiheit wurde mehrfach durchgearbeitet,
verbessert, revidiert, abgestimmt, wieder revidiert, fast zwei Monate lang, bis alle Konzilsväter,
die Befürworter und die Gegner, den Text billigen und unterschreiben konnten. Wir fragen: Ist es
nicht wieder ein Wegnehmen mit der anderen Hand, was man mit der einen gibt? Man kann doch
nicht gleichzeitig ja und nein sagen!

Das Gebot der Gewissens- und Religionsfreiheit ist von Christus und den Aposteln schon vor fast
2000 Jahren als fester Bestandteil des Christenglaubens und dei Christenhoffnung niedergelegt
worden. Es richtet sich an alle zu einer lebendigen Hoffnung wiedergeborenen Christen. Dieses
Gebot ist in den Verfolgungszeiten erprobt und für gut befunden und mit dem Blut der Märtyrer
besiegelt worden.

Aus dem Grund lehnt die gläubige Christengemeinde die römische „Gewissens- und
Religionsfreiheit" aufs entschiedenste ab. Rom hat kein Recht, die biblische Gläubigen zu
unterdrücken und zu verfolgen. Und doch wird sich die Gemeinde der Gläubigen auf Leiden von
sehen Roms einstellen müssen. Machtzunahme und Unduldsamkeit gehen bei Rom Hand in
Hand. Der Herr bewahrt die Seinen nicht vor dem Leiden, sondern im Leiden (Offb. 2,10). Gerade
im Leiden will der Herr die Seinen mit besonderen Gnadenmitteilungen segnen und sie mit
göttlichen Kraftzuflüssen aus seinem Heiligtum stärken. Das Gebot der Religions- und
Gewissensfreiheit wahrer Gotteskinder lautet demnach:

„Glückselig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn das Himmelreich ist ihr“
(Matth. 5,10).

„Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden
allerlei Übles wider euch, so sie daran lügen. Seid fröhlich und getrost, es wird euch im Himmel
wohl belohnt werden. Denn also haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind“
(Matth. 5,11).

„Seid niemand nichts schuldig, als daß ihr euch untereinander liebet" (Röm. 13, 8).

„Also bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen" (1. Kor.
13. 13).

Der wahre Christ hat nichts von dei Welt zu fordern, sondern er hat der Welt zu geben. Er ist
jedermanns Knecht, indem er der Welt mit dem Größten und Besten dient, und ist wiederum der
freieste und froheste Mensch, weil er unabhängig von der Meinung der Welt ist. Sein Herr, dem
er in Treue dient, hat für ihn die volle Verantwortung übernommen:

„Nehmen sie den Leib,


Gut, Ehr, Kind und Weib,
laß fahren dahin,
sie haben's kein Gewinn.
Das Reich muß uns doch bleiben."
Während man in Rom um die Religions- und Gewissensfreiheit kämpft und ringt – 60
Konzilsväter haben gesprochen -, kommt aus Spanien eine Nachricht: „Der Präsident der
Kommission für die Verteidigung des evangelischen Glaubens in Spanien, Francisco Garcia
Navarro, nannte die Schließung einer evangelischen Schule in der Provinz Saragossa einen
bedauernswerten Rückschlag für die ökumenischen Beziehungen in Spanien. Die Schließung der
Schule war von dem spanischen Erziehungsminister Manuel Lora Tamayo verfügt worden, der
erklärt hat, die Tätigkeit der Schule verletze das 1953 zwischen dem Vatikan und Spanien
geschlossene Konkordat."

Leider war das Schema der „Religions- und Gewissensfreiheit von vornherein als
„Propagandaballon" gedacht. Es war eine Irreführung aller fortschrittlich denkenden Menschen.
Die einzelnen Kardinäle, die es noch ehrlich meinten, konnten sich nicht durchsetzen. Rom hat
sich wieder eine „Hintertür“ offengelassen. Was auch immer Rom beschließt, ist unklar, ist
vermischt, ist zweideutig und hinterhältig.

Nach dem Konzil waren Bestrebungen im Gange, den Protestanten Spaniens dieselben Rechte
wie den Katholiken zuzugestehen. Beim Beginn diesbezüglicher Verhandlungen im Herbst 1966
schrieb ich damals folgendes:

„Wie sich das sogenannte ,Protestantenstatut' für die 30.000 in Spanien in der Zerstreuung
lebenden Protestanten auswirken wird, leibt abzuwarten. Sie sind wie einige kleine Inseln
inmitten von 99 Prozent traditionsbewußter Katholiken. Die Verfassung will ihnen das Recht
zugestehen, alle Staatsämter, mit Ausnahme des Staatschefs, bekleiden zu dürfen. Ferner sollen
sie von der Teilnahme am katholischen Religionsunterricht in der Schule, bei der Armee und in
den Strafanstalten befreit werden. Sie sollen ihre eigenen Schulen und Gotteshäuser eröffnen
dürfen u. a. m. Eine wichtige Einschränkung soll das Statut enthalten: Proselytenmacherei, d. h.
Zeugnis für Christus nach außenhin, Mission, soll verboten sein.

Man könnte sich nur freuen, wenn man den leidgeprüften evangelischen Glaubensgenossen in
Spanien dieselben Rechte wie den Katholiken zugestehen würde. Wenn man aber dieses
sogenannte ,Protestantenstatut' mit seinen Einschränkungen genauer betrachtet, so wird man an
die ,Religionsfreiheit' in den totalitären Staaten erinnert: Auch dort ist Religions- und
Gewissensfreiheit auf dem Papier garantiert. Könnten wir uns aber in jenen Staaten einen
Zeugen Jesu Christi in einer hohen Staatsstellung vorstellen? Wer öffentlich für Christus Zeugnis
gibt, wird dort sofort als Staatsfeind Nr. 1 angesehen. Auch dort ist Proselytenmacherei streng
verboten.

Die Einschränkung der Proselytenmacherei soll der katholischen Kirche und dem Staatsanwalt in
Spanien das gesetzliche Recht geben, die zeugende Gemeinde als Gesetzesübertreter zu
brandmarken und sie zu verurteilen. Das wird auch das Los der Gemeinde Jesu Christi im
antichristlichen Reich sein.

Jede wahre Gemeinde des Heilands wird aber für ihren Herrn Zeugnis geben müssen. Darum
wird auch die evangelische Gemeinde in Spaniers, wenn sie wahre Gemeinde sein will, früher
oder später mit den Staatsgesetzen in Konflikt kommen. Sie wird ,Kirche unter dem Kreuz
bleiben. Wird sie aber, wie im Land der Reformation, zu einer Staatskirche werden wollen, mit
dem wahren Zeugnis aufhören, mit Rom paktieren, mit der Kirche Roms gemeinsame
Akademietagungen, Seminare und gemeinsame Gottesdienste veranstalten, werden ihre
Vertreter vom Papst in Audienz empfangen, dauen wird sie noch einige Zeit in Ruhe und Frieden
hinvegetieren dürfen. Damit hört sie aber auf, Gemeinde Jesu Christi zu sein. Darum gilt es
abzuwarten, ob dieses neue Statut wirkliche Freiheit bringt und wie sich die Evangelischen
Spaniens dazu stellen werden:' -

Nach längeren Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern der streng katholischen Richtung,
hauptsächlich der Jesuiten, und den gemäßigteren Regierungsvertretern wurde Mitte Mai 1967
dieses sogenannte „Protestantenstatut" im Madrider Parlament endgültig verabschiedet. Es ist für
die Evangelischen Spaniens eine große Enttäuschung, weil es für sie nur wenig fühlbare
Erleichterungen bringt. Durch dieses Gesetz können sogar die freien Zugeständnisse von früher
nicht mehr wirksam sein. Im ersten Artikel des Gesetzes wird wohl grundsätzlich
„Religionsfreiheit" gewährt, dagegen wird in den anderen Bestimmungen diese gegebene Freiheit
wieder eingeschränkt oder aufgehoben. So z. B. werden die evangelischen
Glaubensgemeinschaften nicht als Kirchen, sondern nur als „Vereinigungen" anerkannt, das
heißt, sie sind Vereine, die an das staatliche Vereinsrecht gebunden sind. Die traurige
Wirklichkeit heißt demnach: Die Evangelischen Spaniens sind ein Verein in einer katholischen
Diktatur, wo einzig und allein die „alleinseligmachende Kirche Roms“ anerkannt ist. Als staatlich
genehmigter Verein sind die Evangelischen verpflichtet, ihre Mitgliederlisten und die Finanzen der
katholisch-staatlichen Behörde offenzulegen und um Anerkennung nachzusuchen. Auch die
evangelischen Pfarrer und Prediger sind in ihren Rechten den katholischen Geistlichen
gegenüber stark eingeschränkt. Im Unterschied zu den katholischen Geistlichen werden sie
gezwungen, Militärdienst abzuleisten. Nach dem neuen Recht können die evangelischen
Soldaten, und damit auch die Pfarrer, künftig wieder zur römisch-katholischen Messe
kommandiert werden u. a. m. Von einem echten Entgegenkommen und einer aufrichtigen
Religions- und Gewissensfreiheit ist in diesem Statut keine Spur. Es herrscht auch hier der Geist
der römisch-katholischen „Liebe" und der Geist der römischen „Religions- und
Gewissensfreiheit".

Die spanische evangelische Kirche hat im Namen aller Protestanten Spaniens dem spanischen
Justizministerium ihre Antwort auf dieses neue Protestantenstatut in einem Protestschreiben
bereits mitgeteilt: Die evangelische Kirche Spaniens will lieber in der Illegalität mit all ihren
Konsequenzen weiter bleiben, als sich in ein von evangelisch-feindlichen Staatsorganen
kontrollierbares Vereinsregister eintragen zu lassen. Sie will kompromißlos den ihr von Gott
gewiesenen Weg weitergehen. - Dieses Protestantenstatut wird viel Herzeleid über die Gemeinde
Jesu in Spanien bringen. Eine evangelische Kirche in Bilbao wurde bereits geschlossen.

VII. Das Papsttum - seine Entstehung und seine


Machtentfaltung in der Welt

Es sei mir ein Wort über die Geschichte der Päpste erlaubt. In der langen Reihe der
Papstgeschichte finden wir einige Männer, die sich die Mühe gaben, ihr Leben vor Gott zu führen.
Im großen ganzen ist aber die Geschichte des Papsttums der Vorreformationszeit eine nicht
gerade rühmliche Angelegenheit. Es ist eine überaus traurige, unsaubere Sache, so daß man
besser darüber schweigt. Die Reformation hatte auch noch das Gute, daß sie das Papsttum, was
Sauberkeit und Moral betrifft, „reformiert" hat.

Der vorletzte Papst Johannes XXIII. wird oft als „evangelischer“ Papst bezeichnet. Hierzu muß
man sagen, daß dieser Papst im tiefsten Grunde seines Herzens ein Feind aller Evangelischen
war. In seinem geistlichen Tagebuch als Nuntius lehnt er alle nichtkatholischen Christen aufs
schärfste ab. Seine erste Amtshandlung nach seiner Papstwahl war die Heiligsprechung des
Mörders der Waldenser, Laurentius von Brindisi.

Johannes XXIII. hat eine große Zeitenwende in der Kirchengeschichte eingeleitet: Er war der
Papst, der die „getrennten Brüder“ einlud, in den Schoß der „alleinseligmachenden Kirche"
zurückzukehren. Zu diesem Vorhaben hat er das Zweite Vatikanische Konzil einberufen. Die
Evangelische Kirche Deutschlands hat dazu, zum erstenmal seit Luther, ihre Bereitschaft
bekundet und ihre Mitarbeit zugesagt. Die ersten diesbezüglichen Kontaktgespräche haben
zwischen den Vertretern beider Kirchen bereits begonnen.

Obwohl das Papsttum erst im 5. und 6. Jahrhundert entstanden ist, hat man an die Spitze aller
Päpste als ersten Petrus und dann die Märtyrer der ersten Jahrhunderte gestellt. Wir fragen: Ist
es nicht eine Geschichtsfälschung und eine Beleidigung Gottes, den treuen Jünger und
Blutzeugen Jesu Christi als „ersten Papst" hinzustellen? Petrus selber würde sagen: Gott
bewahre! Ich will mit diesem Geist nichts zu schaffen haben! Man studiere einmal das Leben des
Petrus und die Petrusbriefe und vergleiche sie mit dem Papsttum! Man wird zugeben müssen,
daß zwischen beiden keinerlei Berührungspunkte vorhanden sind. Petrus und Papsttum sind
zwei verschiedene Welten. Es sind zwei ganz verschiedene Geister.

Über die Päpste des Mittelalters hat Gregorovius, der Historiker des mittelalterlichen Roms,
folgendes gesagt: „Was sie aussprachen, war Weltgesetz. Auf ganze Völker legten sie mit ihrem
Worte Verzweiflung und Todesstille. Sie breiteten über die Länder die Öde eines Friedhofs aus.
Sie konnten Krieg und Frieden verkünden, Reiche stiften und zerstören... Ihr Alter hinderte sie
nicht daran, daß sie, schwach und wehrlos wie sie waren, kriegerische Fürsten unterwarfen, sie
absetzten und entthronten, daß sie Königen befahlen, barfuß im Kleide des armen Sünders vor
der Tür zu stehen, wenn sie zürnten, und wenn sie freundlich waren, ihnen erlaubten, sie beim
Mahle zu bedienen und den Steigbügel des Zelters (des Pferdes) zu halten ... Dem menschlichen
Denken befahlen sie Stillstand ... Sie waren die Herren des Gemüts der Welt ... Sie hatten Gewalt
auch über die Zeit .. . Woher entsprang denn diese rätselhafte Gewalt eines schwachen und
sterblichen Menschen, welche in der Geschichte nie zuvor erschienen war noch je wieder
erscheinen wird'?"

Gregorovius hat das Papsttum geschichtlich erforscht und kam zu diesem so traurigen Ergebnis.
Wir fragen: Hat sich seither im Papsttum etwas gewandelt? Wer das Papsttum kennt, wird
zugeben müssen, daß sich im Laufe der Zeit im wesentlichen nichts geändert hat. Nur die
Reformation brachte für ein paar Jahrhunderte einen neuen Geistesfrühling für das Völkerleben.
Neues geistliches Leben wurde geboren. Werke der diakonischen Liebe entstanden. Die Boten
Jesu zogen in die Heidenwelt, um die Frohe Botschaft denen zu bringen, die in der „Nacht der
Sünde und im Schatten des Todes" saßen: „Es war kein Preis zu teuer und war kein Weg zu
schwer, hineinzustreun das Feuer ins weite Völkermeer." Diese Zeit geht jetzt ihrem Ende
entgegen: „Es kommt die Nacht, da niemand wirken kann!" Es geht wieder in dem geistlichen
Winter hinein.

Wir müssen es erleben, wie das Papsttum nach Weltmacht, nach Weltanerkennung strebt. Die
Befehle des Papstes sollen Weltgeltung erlangen, sollen wieder zur Norm werden. Das große
Endziel des Papsttums ist, eine einheitliche, mächtige, religiöspolitische Weltkirche zu schaffen,
mit ihm, dem „Unfehlbaren", an der Spitze.

Es ist hier nicht der Ort, sich mit den Worten Jesu, auf die sich das Papsttum beruft, breit
auseinanderzusetzen. Kurz möchte ich nur auf folgendes hinweisen: Wer die Schrift kennt, weiß,
daß das Leben des Petrus anders verlaufen ist als das der anderen Jünger. Ich sehe das Leben
des Petrus in Verbindung mit Jesus in sechs Abschnitten ablaufen:

1. Abschnitt: Seine Berufung. Zweimal hat der Herr dem Petrus die Zusage gegeben, daß er ihn
zum Bau seines Reiches gebrauchen will: Das erstemal am See Genezareth, als er ihn und
seinen Bruder Andreas von den Netzen wegrief, um sie zu „Menschenfischern" zu machen. Das
andere Mal bei dem großen Fischzug, als Petrus in der Erkenntnis seiner Unwürdigkeit vor des
Meisters Füßen niedersinkt. Dort sagt ihm Jesus: „Fürchte dich nicht, Simon, denn von nun an
wirst du Menschen fangen!" (Luk. 5,10).

2. Abschnitt: Petrus hat sich ganz zum Heiland bekannt (Matth. 16,16), deshalb bekennt sich
auch Jesus zu ihm. Er überträgt ihm das Apostelamt und will ihn mit besonderen Vollmachten
ausrüsten. Mit der neuen Bevollmächtigungen bekommt er auch einen neuen Namen: „Du bist
Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen
sie nicht überwältigen. Und ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben, und alles, was du auf
Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst,
soll auch im Himmel los sein“ (Matth 16,18-19). - Langenberg übersetzt den ersten Teil der
Zusage des Herrn: „Du bist Petrus (petros = der zum Felsen Gehörende}, und auf diesen Felsen
(petra = Christus) will ich meine Gemeinde bauen!"
3. Abschnitt: Des Petrus Fall. - Die Sünde eines Menschen hat nicht erst da begonnen, wo sie
zum Vorschein kommt. Verborgen im Herzen hat sie als schleichendes Gift schon viel früher
ihren Anfang genommen. Eines Tages wird sie als scheußliche Übertretung ins Licht gerückt. -
Bei Petrus waren es die Selbstüberschätzung, der Richtgeist, das ungezügelte Temperament, die
ihn zu Fall brachten. Seine Messiasvorstellung blieb, trotz der Belehrung des Meisters, unklar,
nicht schriftgemäß. Deshalb war auch seine Königreichserwartung spekulativ-menschlich. Sein
Denken blieb ichbezogen. Sein Messiasprogramm, sein Messiaskurs war bei ihm schon längst
festgelegt. Von einem Leidens- bzw. Kreuzesweg will er nichts wissen, weil dieser nicht in sein
Programm hineinpaßt: „Und Petrus nahm ihn zu sich, fuhr ihn an und sprach: Herr, schone dein,
das widerfahre dir nur nicht" (Matth. 16, 22). - Das „proslambano = Beiseitenehmen" und das
„epitiman = Anfahren, Tadeln, Schelten, Bestimmen" kommen nicht aus dem Herzen des
Erbarmens und Mitleids, sondern aus egoistischen Trieben. Dadurch steht er unbewußt mit Satan
im Bunde.

Bei diesem Auftritt hebt der Herr die besonderen Bevollmächtigungen, die er ihm gab, wieder auf.
Mit ganzem Ernst muß der Herr dem Petrus sagen: Du bist jetzt nicht ein „zum Felsen
Gehörender", sondern du bist ein „Satanshöriger"! Jesus stößt ihn direkt von sich, als er ihm
zuruft: „Hebe dich, Satan, von mir! Du bist mir ärgerlich. Du meinst nicht, was göttlich, sondern
was menschlich ist" (Matth. 16, 23).

Durch seine Selbstüberschätzung wird er auch zum Richter über seine Mitjünger. -
Selbstüberschätzung und Richtgeist treten immer zusammen auf. Eins zeugt das andere. -
Petrus ist blind für sich selbst: „Wenn sich auch alle an dir ärgern, ich aber niemals!" Damit
behauptet er: Alle anderen sind dazu fähig, nur er allein nicht. Veranlaßt durch diese traurige
Behauptung, weist ihn der Herr jetzt auf seinen tiefen Fall hin. Doch Petrus ist der
Űberzeugung, sich selber besser zu kennen, als ihn Jesus kennt, darum fällt er
seinem Meister ins Wort: „Und wenn ich mit dir sterben müßte, so will ich dich doch
nicht verleugnen" (Matth.26, 32-35).

4. Abschnitt: Diese durch das Versagen des Petrus wieder abgenommene


Bevollmächtigung gibt der Herr jetzt mit denselben Worten seiner ganzen Gemeinde:
„Wahrlich, ich sage euch, was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel
gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein"
(Matth.18,18).

5. Abschnitt: Hier werden die geheimen, unbewußten Sünden des Petrus ins Licht
gestellt. Der Herr muß dann und wann seine Gnadenhände von einem Menschen
zurückziehen, damit er seinen wahren inneren Zustand erkennt. Auch ein Petrus
mußte, um innerlich zurechtgebracht zu werden, seinen wahren Zustand im Lichte
Jesu erkennen. - Korrektur ist nicht Gericht, sondern Gnade. Petrus wäre, gleichwie
Judas, ins Bodenlose gestürzt, wenn die Hände seines Herrn ihn nicht gehalten
hätten. Er darf nicht tiefer fallen, als in die Gnadenhände seines Heilands. Durch den
Gnadenblick seines treuen Herrn werden in ihm echte Reue und Buße geweckt: „Und
Petrus ging hinaus und weinte bitterlich" (Matth. 26,75). Als demütig Wartender steht
er jetzt draußen, bis ihn sein Herr wieder hereinholt.

6. Abschnitt: Dieser spricht von der vergebenden, allumfassenden Gnade. Am


Ostermorgen ist der Herr dem bekümmerten Petrus zuerst erschienen. Am See
Genezareth wird er vom auferstandenen Herrn einer Herzensprüfung unterzogen.
Dabei legt der Herr noch dreimal - entsprechend seiner dreimaligen Verleugnung -
seinen Finger auf die wunde Herzensstelle: „Simon Jona, hast du mich lieber, denn
mich diese haben? Simon Jona, hast du mich lieb, hast du mich lieb?" (Joh. 21,15-17).
Nach bestandener Prüfung wird er mit dem alten Namen Simon, Jonas Sohn, wieder
in die Jüngerschar aufgenommen. Das Ende ist wieder an den Anfang zurückgekehrt:
„Der Herr sprach zu Simon: Von nun an wirst du Menschen fangen." - „Spricht Jesus
zum drittenmal zu ihm: Simon Jona, weide meine Schafe!" Das ist die letzte Anrede
hier auf Erden, die der auferstandene Herr an Petrus gerichtet hat. Wie die anderen
Jünger darf auch er jetzt Zeuge seines auferstandenen Herrn und Heilands sein. Sein
künftiger Weg ist der seines Meisters: „Ein anderer wird dich gürten und führen,
wohin du nicht willst" (Joh. 21,18.19). Sein weiterer Lebensweg wird jetzt vom
vergebenden Gnadenlicht Jesu überstrahlt (1.Petr.3,13).

Wie wir auch die Worte des Herrn an Petrus auslegen, eins aber müssen wir alle,
wenn wir ehrlich sein wollen, zugeben: Nirgends wird in den Evangelien von einer
„alleinseligmachenden Kirche" oder von Christus und seinem „Stellvertreter", oder
von einem „unfehlbaren Papst", der der „Nachfolger des Petrus" sein soll, oder von
einem „Statthalter Christi auf Erden" gesprochen. Das machthungrige Papsttum hat
sich erst im Laufe der Jahrhunderte zu dieser verweltlichten Mischkirche entwickelt.

Was uns auch das letzte Konzil bringen mag, eins weiß jeder gläubige Christ: Die
Gegenreformation hat nicht aufgehört, wie manche evangelische Kirchenvertreter
das so gleichgültig aussprechen, sondern sie hat in den letzten Jahren erst richtig
begonnen. Die Lage ist viel gefährlicher geworden! Nur der im Wort Gottes
Gegründete kann den getarnten Feind erkennen. Ihm ist auch jetzt der große
Einbruch gelungen. Durch Roms Mitarbeit im Weltkirchenrat sind ihm neue, große
Möglichkeiten der Gegenreformation sozusagen als „Blankoscheck" übergeben
wordеn. Gleichzeitig bekam Rom auch „grünes Licht" zur Verwirklichung seiner im Plan
schon fertigen „Weltkirche" unter der Führung des Papstes.

Es wurde berichtet: „Genf, den 18. Februar 1965. Kardinal August Bea, der Leiter des
Vatikanischen Sekretariats für die Einheit der Christen, überbrachte das offizielle ,Ja“ der
römisch-katholischen Kirche von dem vom Weltkirchenrat ausgegangenen Vorschlag, einen
gemeinsamen Ausschuß zu bilden. Es wird die Möglichkeit des Dialogs und der Zusammenarbeit
zwischen der römisch-katholischen und den im Weltkirchenrat vereinten anderen christlichen
Kirchen geprüft." - Die Weltkirchenkonferenz 1968 in Uppsala (Schweden) hat uns auch
diesbezüglich manchen Aufschluß gebracht.

Nun hat sich die römisch-katholische Kirche und die andere Kirchen in Genf „im Bewußtsein ihrer
gemeinsamen Grundlagen zur brüderlichen und christlichen Zusammenarbeit" gefunden. Das
wurde als ein „Ereignis von historischer Bedeutung" angesehen. - Sind wir vielleicht der „Nacht,
da niemand wirken kann", schon näher, als wir es für wahrhaben wollen?

Der vom ökumenischen Rat der Kirchen und der röm.-kath. Kirche gebildete gemeinsame
Arbeitsausschuß hielt seine erste Tagung vom 22. bis 24. Mai 1965 im Ökumenischen Institut
Bossey bei Genf ab. Dr. Vissert' Hooft und Bischof Willebrands (kath.) wurden zu Vorsitzenden
gewählt. Hoofts Nachfolger ist der Amerikaner Eugen Carson Blake (Presbyt. Kirche). Vissert'
Hooft wurde zum Berater Blakes bestimmt. - Inzwischen haben Vissert' Hooft und Kardinal Bea
den „Friedenspreis des Deutschen Buchhandels" erhalten, weil sie sich „um die Annäherung
beider Konfessionen große Verdienste erworben haben".

Offiziell ist Rom in die Ökumene noch nicht aufgenommen. Seine ökumenische Zusammenarbeit
trägt bereits Früchte. Kardinal Bea konnte die ersten Pluspunkte für Rom buchen: Die
„Evangelische Buchhandlung" soll verschwinden. An ihre Stelle soll die vereinigte „Christliche
Buchhandlung" treten. Ich gebe hierzu den wörtlichen Bericht des „Der Gärtner" wieder:

In der Überschrift wird der Gärtnerleser gefragt: „Soll der Papst neben Martin Luther stehen ...?"
„Die Vereinigung evangelischer und katholischer Buchhändler in der Bundesrepublik möchte in
Zukunft gelegentlich gemeinsame Hauptversammlungen abhalten. Diese Absicht bekundeten
Mitglieder beider Verbände auf dem IX. Arnoldshainer Buchhändlerseminar, das in diesem Jahr
erstmals auf interkonfessioneller Ebene stattfand. Es ist ferner geplant, die Buchhändler beider
Bekenntnisse auch in örtlichen Bereichen zusammenzuführen und weitere gemeinsame
Freizeiten, in erster Linie für den Sortimenternachwuchs, zu veranstalten. Zur Zeit arbeitet ein vor
Jahresfrist gebildeter interkonfessioneller Ausschuß einen Bücheranzeiger mit ökumenischen
Titeln. Ob sich die evangelischen und katholischen Verleger künftig zu gemeinsamen Werbungen
zur Förderung des christlichen Buches zusammenfinden sollen, wurde in Arnoldshain wenigstens
als Möglichkeit erwogen. Beobachter bezeichnen das Treffen als in seinen weiterführenden
Anregungen stark vos katholischer Seite geprägt.

So trat der Freiburger Verleger Dr. Hermann Herder ein für einen christlichen, von evangelisch-
katholischer Zusammenarbeit geprägten Buchhandel. Ebenso notwendig sei heute, daß die
konfessionellen Buchhandlungen sich des Buches in seiner Gesamtheit annähmen - und nicht
ausschließlich der Werke mit christlichem Inhalt. Die Amtskirche, bat Herder, solle diese
Sortimente als ,Partner in der Verkündigung' ansehen.

Gleichfalls ein Vertreter des Herder-Verlages, Dr. Ludwig Muth, setzte sich ein für eine inter-
konfessionelle Zusammenarbeit auch in den Fragen der Ausbildung. Weiter empfahl er einen
Austausch der Werbemittel für die Schaufenster der Sortimente. ,Warum eigentlich soll in der
Auslage der Papst nicht neben Martin Luther stehen?'

Von evangelischer Seite blies man in dasselbe Horn. ,Die Zeit der öffentlichen Zwiegespräche
und Verbeugung der Konfessionen voreinander ist vorbei. Jetzt kommt die harte Arbeit', erklärte
der hessen-nassauische Kirchenpräsident und Vorsitzende des Evangelischen Bundes, Prof. D.
Wolfgang Sucker, Darmstadt (gest. Dez. 1968). Im Verlauf seiner Bestandsaufnahme der
interkonfessionellen Annäherung wandte sich Prof. Sucker entschieden gegen den gebräuchlich
gewordenen Ausdruck ,Auseinandersetzung' zwischen den Bekenntnissen. Nicht der
kämpferische Disput, sondern ,Partnerschaft und Bruderschaft' könnten die Christen auf den Weg
zur Einheit voranführen."

Dieser erstrebte Zusammenschluß der Buchhandlungen wurde heute schon stark


vorangetrieben. Im Juni 1968 fand in Heilbronn die erste Sitzung dei ökumenischen Vereinigung
der evangelischen und katholischen Buchhändler statt, die vier Tage dauerte. Buchhändler auch
aus Österreich, Italien, Holland und der Schweiz nahmen daran teil. Auf dieser Tagung wurde
beschlossen, daß die Buchhandlungen ihre bisherigen konfessionellen Bindungen aufgeben und
zu „Stätten des Dialogs", d. h. zu ökumenischen „Christlichen Buchhandlungen" werden sollen.

Man kann hier schon die Endentwicklung der sogenannten „Christlichen Buchhandlung“ klar
sehen: Einige Zeit wird man in der ehemaligen „Evangelischen Buchhandlung“ den „Papst noch
neben Luther“ stehen sehen. Ob man in der „Katholischen Buchhandlung" Luther neben dem
Papst finden wird, ist mehr als fraglich. Nicht einmal seine Bibelübersetzung wird man dort
dulden. Nach und nach wird Luther aus der vereinigten „Christlichen Buchhandlung" schwinden,
und der Papst wird dort allein zu finden sein. - Es ist unwahrscheinlich, daß es Luther wie der
Jungfrau von Orleans ergehen wird: 1431 wurde sie als „Ketzer“ verbrannt und 1920 „heilig"
gesprochen. Anläßlich der 550. Jahrfeier „der Verbrennung von Hus in Konstanz haben sich
allerdings namhafte katholische Theologen für eine „Urteilsrevision“ des böhmischen Reformators
ausgesprochen, darunter auch der Schweizer Jesuitenpater Mario von Galli.

Auch für die „Ehrenrettung" D. Martin Luthers und für die Aufhebung des gegen ihn
ausgesprochenen päpstlichen Bannes haben sich namhafte deutsche und holländische
katholische Theologen eingesetzt, u. a. der Bonner Prälat Professor Dr. Hubert Jedin. Sie
betonen einseitig das „Gemeinsame", das sie mit Luther haben. Der Zweck dieses Einsatzes ist:
„Damit sich die seit vier Jahrhunderten getrennten Wege beider Konfessionen wieder nähern." -
Hierauf bezüglich hat der Papst im Juli 1971mit einem Nein geantwortet. Seine Begründung ist,
wie immer, zwiespältig.

Um evangelische und katholische Theologiestudenten einander näherzubringen, veranstaltet


man gemeinsame Studententagungen. Auf dem Studententag vom 4.-10. Oktober 1965 in
Göttingen wurde angeregt, auch künftig gemeinsame Vorlesungen und Seminare zu halten.
Begründet wurde dieser Vorschlag, daß die wissenschaftliche Arbeit auch in der Theologie sich
immer mehr aufgliedere in Fachgebiete. Dabei seien die Studenten beider Konfessionen
gezwungen, die Forschungen der Lehrer beider Konfessionen zu vergleichen. Diese
gemeinsamen Vorlesungen und Seminare sollten nicht, wie bisher, nur gelegentlich geübt,
sondern zu einer festen Ordnung werden.

Auch das ist eine weitere Frucht des ökumenischen Zusammenschlusses mit Rom. Man kann
jetzt schon voraussagen, daß diese Zusammenarbeit zu jener Gleichschaltung führen wird, wie
wir sie in dem totalitären Systemen immer wieder erleben mußten. Da kann uns auch keine
Versicherung Vissert' Hoofts, die er auf der Tagung landeskirchlicher Referenten für
ökumenische Fragen vom 25. - 28. Oktober 1965 in Genf gab, hinwegtäuschen: „Die da meinen,
die ökumenische Bewegung helfe uns nur auf den Weg nach Rom, sehen die Dinge gewiß
falsch. Daran zu denken, irgendwelche Einigungsgespräche zu diesem Zeiłpunkt zu führen,
sei einfach unmöglich." Hierzu muß man sagen: Wer mit Rom paktiert oder
zusammenarbeitet, ganz gleich auf welchem Gebiet es sein mag, der wird immer der
Unterlegene sein, der ist bereits Sklave Roms geworden.

Auch das „rote" Sachsen fängt an, dank dem Ökumenismus, „schwarz" zu werden.
Gemeinsame Gottesdienste, zu denen die römisch-katholische und die evangelisch-
lutherische Kirchengemeinde in Wiederitzsch bei Leipzig einladen, sind bereits zur
Regel geworden. Die Pfarrer beider Gemeinden teilen sich die Predigt. Die Lieder
werden so gewählt, daß sie in den Liederbüchern beider Gemeinden enthalten sind.
Diese Gottesdienste werden von beiden Konfessionen rege besucht. - In der DDR gibt
es z. Z. 1,6 Millionen römische Katholiken.

Ein Einzelfall? Geheime Mächte werden künftig in diese Richtung hin weiterwirken.
Voraussehend wird man wohl sagen können, daß die Ostgebiete in Zukunft
Missionsgebiet Roms werden. Der Kommunismus leistet hierzu die Vorarbeit. Wir
werden der Wiedervereinigung erst dann näher kommen, wenn in der Wiege der
Reformation der Protestantismus zerschlagen und Mitteldeutschland reif für Rom sein
wird. -

Israel erwartete vom Papst die Wiederherstellung seiner geschändeten Ehre, die
Rehabilitierung vom „Gottesmord". Und nun ist Israel vom Konzil vom „Gottesmord"
freigesprochen worden !

Hierzu muß man mit allem Nachdruck sagen: Weder der Papst noch ein Konzil haben
das Recht noch die Macht, zu verdammen oder freizusprechen. Das steht allein der
höchsten Autorität, dem Herrn aller Herren, dem König aller Könige und dem Richter
aller Richter, zu. Israel ist und bleibt so lange im „Galuth" (Exil, Verbannung), wie es
Gott gefällt. Der „Galuth" Israels ist nicht nur äußeres Schicksal, sondern auch
innerer Zustand. Jeder Israeli, ob in der Zerstreuung oder im Land dei Väter, trägt
den „Galuth" tief in seinem Herzen. Er begleitet ihn auf Schritt und Tritt. Er geht
abends mit ihm schlafen und steht morgens mit ihm auf.

Zur festgesetzten Gottesstunde - nicht eine Minute länger - kommt der Freispruch
und die Befreiung vom „Gottesmord". Der Prophet Sacharja (um 520 v. Chr.) sieht
das herrliche Ereignis in seiner Prophetie, wenn er spricht: „So spricht Jahve: Aber
über das Haus Davids und über die Bewohner Jerusalems will ich ausgießen den Geist
der Gnade und den Geist der Beugung - und werden auf mich (auf Jahve!) blicken,
den sie (Jahve) durchbohrt haben, und werden um ihn eine Trauerklage halten, wie
man einen einzigen Sohn betrauert, und leidtragen, wie man um einen
erstgeborenen Sohn leidträgt" (Sach. 12,10). Das ist ewiggültiges Gotteswort! Israel
hat mit der Verurteilung Jesu Christi Gott selber verurteilt und hat mit seiner
Kreuzigung Gott selber getroffen. Das ist Schicksal und Tragik des Volkes Gottes, die
eine fast zweitausend Jahre lange Verbannung ausgelöst haben. Daran ändert weder
Papst noch Konzil etwas!

Auch der Apostel Paulus sieht das Morgenrot eines neuen anbrechenden Tages für
Israel, wenn er spricht: „Denn wenn ihre Verwerfung der Welt Versöhnung ist, was
wird ihre Annahme anders sein als Leben aus den Toten?" (Röm. 11,15.)

Israels Schicksal ist ein Geheimnis. Daß Israel im Endgeschehen eine Rolle spielen
wird, sagt seine Prophetie. Es ist bereits im eschatologischen Ablauf dieses Zeitalters
mit eingeschaltet und wird - vielleicht auch in Verbindung mit Rom - immer mehr
daran teilnehmen müssen.

Wir haben vor etwa drei Jahrzehnten den Nationalsozialismus mit seinen furchtbaren
Auswirkungen erlebt. Mir klingen heute noch die Worte vom „positiven Christentum",
vom „Allmächtigen“ und vom „gottgesandten Führer" in den Ohren. Die Masse des
Volkes in Deutschland war einem suggestiven Rausch verfallen. Auch viele Christen
sind vom Strome mitgerissen worden. Als Missionar unter Israel bekam ich diesen
Umschwung in besonderer Weise zu spüren. Im Jahre 1945 gab es für unser Volk ein
böses Erwachen !

Was in Deutschland nach 1933 geschah, ist ein aufgehobener Finger Gottes. Es ist
ein Warnruf an alle Gläubigen, die damals so leichtgläubig und gedankenlos in das
andere Lager hinüberwechselten. Ebenso ist dieses furchtbare Geschehen der
Vergangenheit auch ein Ruf Gottes an unsere gläubige Jugend, die Geister zu prüfen.
Der zweite Betrug wird ärger sein, als der erste war! Jetzt kommt er in einem ganz
fromm getarnten Gewand! Darum lassen wir uns warnen!

VIII. Die Lehre der römischen Kirche und die Lehre der Heiligen Schrift

Zu diesem neuen Abschnitt sei ein Wort von Kardinal Bea vorausgeschickt: „Viele
irren noch von der katholischen Wahrheit und wollen dem Hauch der göttlichen
Gnade nicht nachgeben, weil nicht nur sie, sondern auch die Gläubigen Gott nicht
eifrig genug darum bitten."
Nach all dem, was gesagt wurde, könnte man mir antworten, daß ich in meinen
Ausführungen zu einseitig, zu radikal, zu kompromißlos bin. Ich glaube, in bezug auf
das biblische Wahrheitszeugnis nicht entschieden genug sein zu können. Kann und
darf Wahrheit zweiseitig sein? Dürfen wir auf Kosten der biblischen Wahrheit zu
Kompromissen bereit sein? Wir wollen allein Gott die Ehre geben und
unvoreingenommen uns drei Fragen vorlegen:
1. Ist katholische Wahrheit, von der Bea oben spricht, auch biblische Wahrheit?
2. Was verbindet die bibelgläubige Gemeinde mit dem Papsttum?
3. Was trennt sie von der alleinseligmachenden Kirche Roms?
Von der Schrift her ist es unmöglich, Verbindungslinien mit der heutigen römischen
Kirche zu finden. Wenn zwei Menschen zwei verschiedene Ziele haben, dann
entfernen sie sich voneinander immer mehr, je näher sie ihrem Ziel kommen. Roms
Ziel ist ein ganz anderes als das biblische Ziel der wahren Gemeinde Jesu Christi.

Was trennt uns von Rom ?

1. Die Kirche
Können wir als bibelgläubige Christen ein Ja zu der „alleinseligmachenden" Kirche
Roms haben? Der Begriff Kirche bedeutet in der katholischen Glaubenslehre etwas
ganz anderes als die neutestamentliche „Ekklesia".
Im neutestamentlichen Sinn ist Kirche oder Gemeinde Jesu Christi die aus der Welt
herausgerufene und auf Jesus Christus gegründete Schar. Nach dem Evangelium
Johannes (17,19) ist sie die ihm vom Vater gegebene Jüngerschaft. Er hat sie mit
seinem Blut erkauft und ist ihr Baumeister, Träger und Erhalter. Christus ist der Herr
der Seinen! Er bereitet sie zu, um sie dem Vater darzustellen „herrlich, daß sie nicht
habe einen Flecken oder Runzel oder des etwas, daß sie heilig und unsträflich sei"
(Eph. 5,27).

Gemeinde Jesu Christi ist nicht durch menschliche Macht oder Weisheit
zusammengeführt, sondern erwachsen aus dem einen göttlichen Samen (Matth.
13,24). Die Bedeutung für ihre Um¬gebung ist durch das Gleichnis vom Leuchter
oder Lichtträger veranschaulicht (Offb. 2,1). Eingegliedert in diese Gemeinde der
Gläubigen wird man durch die „metanoia", durch die Buße, durch die
Sinnesänderung, durch das Umdenken. Oder durch die „teschubah", durchs
Umkehren, daß man die entgegengesetzte Richtung einschlägt. Das ist Werk des
Heiligen Geistes an einem Menschen, der seine Schuld vor Gott erkennt, zugibt und
bereut (1. Joh. 1,9). Durch den Glauben an seinen Herrn empfängt er in der
Bekehrung das Zeugnis des Heiligen Geistes, daß er in Gnaden angenommen ist.
Durch die Wiedergeburt ist er ein neuer Mensch in Christus Jesus geworden.
Die „Ekklesia“ ist zeugende Gemeinde, darum wird sie in dieser Welt immer in
Erscheinung treten. Sie wird durch ihr Zeugnis von Jesus Christus Fernstehende zu
sich einladen.

In katholischer Sicht ist, nach „Osservatore Romano", „die Kirche Christi die von
Christus begründete und mit Heilsmitteln versehene sichtbare Heilsgemeinschaft. Sie
ist das heilige Zeichen der universalen und heilbringenden Einheit.
Sie ist der mystische Leib Christi, unter welchem Bilde wir ihr inneres Leben und die
Verbundenheit der Glieder unter Christus als dem Haupt verstehen. - Zum Aufbau
dieses Leibes hat Christus die verschiedenen Dienste verfügt.
Die Kirche Christi wird in ihrer irdischen Gestalt gezeigt als pilgernde Kirche. Als
solche ist sie die eine, unter der Leitung des Papstes und der mit ihm verbundenen
Bischöfe."

2. Die Taufe

Und wie kommt man zu dieser Kirche? Der „Osservatore Romano“ sagt hierzu:
„Die gültig gespendete Taufe führt in ihrem Wesen bereits in die Kirche und gliedert
ein in den ,mystischen Leib Christi’. Mit der Taufe strömt das göttliche Leben in die
Seele, der neue Mensch entsteht, werden zahlreiche Neigungen eingegossen, die zu
den Akten des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe und anderen Heilsakten
disponieren, bereiten. Auch wenn jemand nach Empfang der Taufe sich freiwillig von
der katholischen Kirche trennt, bleibt er kraft des Sakraments auf die Kirche
hingeordnet und ihr zugeneigt, so daß er - ob bewußt oder nicht - eine zumindest
eiпschlußweise Sehnsucht, ihr zuzugehören, bewahrt."

Hierzu muß man sagen: Ein großer Teil der Massenmörder vergangener Zeit, Hitler, Goebbels,
Kaltenbrunner, Himmler und Genossen, die Verbrecher heutiger Tage in Zuchthäusern und
Gefängnissen, sie haben meistens eine „gültig gespendete Taufe" empfangen. Sie alle bleiben
kraft des Sakramentes zum „mystischen Leib Christi“ hingeordnet. Profaner geht es nicht mehr!
Fürwahr, die Kirche Roms hat dadurch wie keine andere Kirche die besten Aussichten, Massen-
bzw. Weltkirche zu werden! - Roms letztes Ziel ist: „der Zusammenschluß aller Getauften"
3. Die Buße

Wahres Sündenbewußtsein nach Römer 7, 4: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von
dem Leibe dieses Todes?" ist bei den sogenannten „guten Katholiken“ kaum zu finden. Sünde,
ihrem Wesen nach, ist im Katholizismus ziemlich fremd. Darum kann auch keine wahre Виßе
aufkommen. Katholische Buße ist „Büßung" einzelner Űbertretungen, besonders der
kirchlichen Vorschriften.
Diese Bußübungen können verschiedener Art sein. So hat z. B. der Freiburger
Erzbischof Schäufele in der Fastnachtszeit 1965 zu „Buße durch Verzicht" aufgerufen.
Die Katholiken, die zum Bistum Freiburg gehören, sollten in dieser Fastnachtszeit auf
Alkohol, Nikotin und Genußmittel verzichten. Dafür aber für das „Misereor" und die
„Caritas" spenden.
Man kann Buße tun durch Verzicht und Geldspenden. Man „büßt", wenn man seinem
Leib durch allerlei Weise weh tut, so zum Beispiel durch Entziehung von Nahrung und
Schlaf, seinen Leib kasteit, Erbsen oder Steinchen in die Schuhe legt und darauf geht,
seinen Körper verwundet usw. - Eine beliebte „Bußübung" der Priester Polens bei
sogenannten „kleinen Übertretungen" war, zwanzig und noch mehr „Vaterunser“ und
dreißig und noch mehr „Ave Maria" beten zu lassen.
Woher diese Praktiken stammen, wissen wir. Schon die Baalspriester zu Elias Zeit
ritzten ihre Leiber mit Pfriemen, um sich Gehör bei ihren Götzen zu verschaffen (1.
Kön. 18,28).

4. Christus oder Maria?

Rom hat auch keinen biblischen Christus. Man spricht wohl viel von ihm und über ihn,
aber er ist seines Inhalts beraubt worden. Er ist zu einer „Marionettenfigur'
geworden. Er ist nicht der Herr des Alltags, der das Leben eines Christenmenschen
erneuert und ausfüllt, wie der Liederdichter sagt: „Brot, von dem ich lebe, Quell, an
dem ich ruh, Ziel, das ich erstrebe: alles, Herr, bist du!"

Was ist Jesus für die Seinen?


Er ist die Tür zu den Schafen. Jesus spricht: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ich
bin die Tür zu den Schafen; so jemand durch mich eingeht, der wird selig werden, der
wird aus- und eingehen und wird Weide finden" (Joh. 10,9). Die katholische Kirche
lehrt: Maria und die Kirche ist die Tür zu den Schafen. „Maria, Weg und Pforte des
Himmels", und: „Ohne Kirche kein Heil!"
Jesus ist der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen: „Ich bin der Weg, die
Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, denn durch mich." - Paulus
sagt: „Es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der
Mensch Christus Jesus." Der fromme Katholik betet: „O du glorwürdige und
gebenedeite Jungfrau, unsre Frau, unsre Mittlerin, unsre Fürsprecherin!" „Maria, du
unsre Mittlerin, o Maria, dein Heilger Nam liegt uns im Sinn!"
Jesus sagt: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch
erquicken" (Matth. 11, 28). Der Katholik muß beten: „Sei gegrüßt, o Königin, Mutter
der Barmherzigkeit, unser Leben, unsere Wonne und unsere Hoffnung, sei gegrüßt!
Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas. Zu dir seufzen wir trauernd und weinend in
diesem Tal der Tränen. Wohlan denn, unsre Fürsprecherin, wende deine
barmherzigen Augen zu uns!" - Er muß bekennen: „Unser Heil ruht in Maria, weil sie
die Mutter dessen ist, in dessen Namen uns das Heil gegeben ist, und weil diese
Mutter mit Leib und Seele an dei Seite ihres verklärten Sohnes in der Herrlichkeit
Gottes thront."

Christus ist für den wahren Jesusjünger Trost und Helfer in der Todesstunde. Der
Apostel Paulus sagt: „Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn" (Phil. 1, 21).
– Stephanus betet: „Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!" (Apg. 7, 58.) Der Katholik
betet: „Maria, du Heil der Kranken, du Trost der Sterbenden, heilige Maria, meine
Königin, deiner Obhut und deiner mütterlichen Barmherzigkeit empfehle ich in der
Stunde meines Todes meine Seele und meinen Leib."

"Jesus Christus ist zur Rechten Gottes in den Himmel gefahren und sind ihm untertan
die Engel, die Gewaltigen und die Kräfte" (1. Petr. 3, 22). Der römische Katholik muß
bekennen: „Maria, du bist die Königin der Engel, der Patriarchen, der Propheten und
Märtyrer!"
Nicht mehr Christus, sondern Maria ist die „Mittlerin aller Gnaden", ist „Hoffnung und
Trost in Bedrängnis", ist „Zuflucht der Sünder", ist „Schutz in der Not". Sie ist der
„Meerstern", der durch die „Klippen und Wogen und Stürme sicher und glücklich an
das herrliche Gestade der ewigen Heimat leuchtet“.
Durch das Ja der Maria ist das Nein der Eva aufgehoben worden! „Maria hat den
Knoten des Ungehorsams der Eva durch ihren Gehorsam gelöst."
Nicht durch Jesus, sondern durch Maria bekommt erst die Erlösertat von Golgatha
ihren wahren Sinn. Sie hat nicht nur göttliches Leben empfangen, sondern sie ist
berufen worden, ewiges Leben mitzuteilen: Sie ist Erlöserin und Miterlöserin einer
von Gott abgefallenen Menschheit geworden.
Die Mutter Maria ist die Neugestalterin der gefallenen Schöpfung und die Vollenderin
des ganzen Christus: „In Maria findet die Schöpfung ihre dienende Haltung zurück
und nimmt teil an der einzigartigen Würde der Mutter und an der Bildung des ganzen
Christus"
Durch ihr Ja ist sie die Mutter der Christenheit geworden. Unter dem Kreuz bei dem
Sohn hat sie einer gefallenen Menschheit das Leben neu geschenkt: „Maria ist die
Mutter der Christenheit, Mitgestalterin der neuen Christusbilder. Sie hat, wenn auch
in abgeleiteter und uneigentlicher Weise, das Heil der Welt mitverdient, hat uns alle
unter dem Kreuz in Schmerzen mitgeboren."
Nicht Jesus, sondern Maria hat die Macht, die Herzen einer widerstrebenden
Menschheit zu verwandeln. Sie ist die Gebieterin über das menschliche Herz und die
Umgestalterin desselben: „Die Anziehungskraft der himmlischen Mutter wirkt
geradezu unwiderstehlich, wenn sie ihre Verehrer retten will. Sie überwältigt und
verwandelt die Herze. Von ihr gilt, was die Liturgie von der Gnade Gottes betet:
,Dränge unseren Willen, wenn er sich sträubt, in Gnaden hin zu dir. Du, Maria, hast
alle Macht, die Herzen umzuwandeln."

Nicht Jesus allein, sondern auch die „selige Mutter Maria“ kommt im Triumphe mit
dem Sohne wieder. Sie nimmt an der Herrlichkeit des Gottessohnes teil und ist
Mitherrscherin und Mitregentin. Der Heilsplan Gottes ist für Maria als himmlische
Köni¬gin und Miterlöserin schon von Ewigkeit her festgelegt:
„Alles fügt sich in den zeitlichen Ablauf der Mysterien Marias, deren Einheit Gott von
Ewigkeit her schaut. Jeder Abschnitt dieses Lebens bereitet das Kommende vor und
erklärt das Vorhergehende: Die Verkündigung, die göttliche Mutterschaft erklärten
die unbefleckte Empfängnis und bereiten ihre miterlösende Funktion am Fuße des
Kreuzes vor. Das Kreuz bereitet die Herrlichkeit ihrer Aufnahme in den Himmel vor.
Die Aufnahme in den Himmel zum verherrlichten Sohn bereitet das Austeilen der
Gnade vor. Sie weilt im Himmel, um zu uns zurückzukommen, beladen mit
Herrlichkeit und Segen, als verherrlichte Mutter an der Seite des triumphierenden
Sohnes." - „Die Erniedrigung in der Krippe bereitet nach Leiden und Tod die
Auferstehung und die glorreiche Wiederkunft am Jüngsten Tage vor. Dann wird auch
Maria da sein, die neue Eva bei dem neuen Adam, um mit ihm in die erneuerte Erde
einzutreten."

Maria ist die gekrönte Königin des Himmels und des Kosmos geworden: „Gegrüßet
seist du, Königin, du aller Gnade Spenderin. O Mutter der Barmherzigkeit, du Lieb
und Trost der Christenheit! Gegrüßet seist du, Königin, o Maria! Du aller Welt
Herrscherin. Freuet euch, ihr Cherubim, lobsinget, ihr Seraphim. Preiset eure
Königin!"

Wie konnte eine sogenannte „christliche" Kirche, die sich auf Christus und die Apostel
beruft, zu solchen Verirrungen und dämonischen Lehren, zu solchem Aberglauben
kommen? Die tiefste Ursache dieses Abfalles von der Wahrheit ist, daß sich die
römische Kirche nicht dem Heiligen Geist, der von der Schrift her kommt, geöffnet
hat. Sie hat sich dem spekulativen, mystisch-dämonischen Irrgeist aus dem eigenen
Seelengrund, der vom Heidentum her befruchtet war, hingegeben.

Gerade im Seelengrund entfaltet die Dämonie ganz besonders ihre Wirksamkeit. Die
menschliche Seele ist für satanisch-dämonische Inspiration und Infiltrationen
besonders empfänglich. Ein Beweis sind die vielen leiblichen und geistigen
Erkrankungen, die im Seelengrunde ihre Ursache haben. Man spricht auch von
„seelischen" Erkrankungen.

Wo der mystische Irrgeist in Kirche oder Gemeinde Raum findet, dort wird alles
wahrhaft geistliche Leben erstickt. Der Geist Christi wird gedämpft oder ganz
ausgeschaltet. Der sich der Mystik hingebende Mensch verliert den Blick für die
göttliche Wirklichkeit, für alles ewig Wahre, das durch den Heiligen Geist gewirkt
wird. Er führt ein Eigenleben und hört auf, ein Segen zu sein.

Der spekulativ-mystisch Veranlagte hält sein aus der eigenen Seele geschöpftes
Erleben als Weisheit von oben, als „göttliche Inspiration". Seine „Anbeter", auch die
des verstorbenen Mystikers, legen ihm sein Erleben als „besondere Schau", als
„tiefere Erkenntnis der Geheimnisse Gottes und Christi" aus. Da es aber eine über
das Wort Gottes hinausgehende „tiefere Erkenntnis" nicht gibt, muß alles spekulativ-
mystische Erleben seelischen, oft sogar dämonischen Ursprungs sein.

In manchen christlichen Kreisen spricht man von einer „gesunden“ Mystik. Dazu muß
man aber sagen, daß es eine gesunde Mystik ebensowenig gibt, wie es einen
gesunden Kleinmut, eine gesunde Verzagtheit, eine gesunde Angst oder einen
gesunden Kleinglauben gibt. Hier verwechselt ran Ursache und Wirkung! Nicht der
sich der Versenkung, der Ekstase, der Askese, der Meditation spekulativ hingebende
Mensch erreicht die tiefe Vereinigung mit Gott und Christus, sondern der allwissende
Gott hört den ehrlichen Schrei des Herzens nach Befreiung, nach Erlösung. Gott sieht
das Herz auch des Mystikers an! Er neigt sich zu ihm, er überführt ihn, er vergibt ihm
die Sünden und macht aus ihm ein Gefäß zu seiner Ehre. - Er macht es mit ihm so,
wie es Christus mit dem verzagten, ungläubigen Thomas gemacht hat.

Wenn das Glaubens- und Seelenleben des Mystikers ganz gesunden soll, muß er sich
vom mystischen Geist scheiden und nicht mehr aus seinem von der Sünde
anfechtbaren Seelengrund schöpfen. Wie jeder andere Mensch, so ist auch der
Mystiker in Gefahr, wieder in sein altes Wesen zurückzufallen. Er muß als neuer
Mensch seinen Nährboden in Christus haben und aus der Fülle der Gnade Christi
leben.

Das Zeugnis des meditativ-mystisch veranlagten Zeugen Christi bedarf der


fortwährenden Prüfung durch das Wort. Er muß sich ganz unter den „Gehorsams
Christi" stellen und sich vom Wort her durchrichten lassen. So nur wird der aus der
Gnadenquelle Jesu Christi schöpfende und sich Christus fortwährend hingebende,
vom Heiligen Geist erfüllte mystisch Veranlagte immer mehr durchrichtet,
durchreinigt, durchläutert und durchheiligt. Er wird dann, auch wenn seine seelisch-
menschliche Veranlagung noch manchmal durchbrechen sollte, doch zu einem Segen
für viele gesetzt (siehe Tersteegen u. a.).
Umgekehrt müssen wir sagen: Religiöse Mystiker, die im seelischen Zustand bleiben,
die sich nicht den Durchrichtungsprozessen der Schrift stellen und deswegen kein
neues Leben aus Christus empfangen können, gehen den seelisch-religiösen Irrweg,
der in der Nacht der Sünde, in der Dämonie endet.

Die Kirche Roms ist dem meditativen, satanisch-mystischen Irrgeist erlegen! Man
prüfte die Geister nicht nach dem Worte Gottes, sondern öffnete dem alles göttlichen
Leben zerstörenden, dämonischen Geist Tür und Tor. Anstatt zu prüfen, zu
bekämpfen, zu sichten und auszuscheiden, hat man den mystischen Geist zum Kult
erhoben und hat seine verheerenden Auswirkungen zum Dogma erklärt. Heidnische
Philosophie, heidnische Sitten und Gebräuche wie „Bilderkult", „Reliquienkult",
„Zauberkult" mit menschlichen Totengebeinen, „Gebetsmühlen“ (Rosenkranz!),
Kasteiungen, Amulette und anderen Aberglauben hat die Kirche Roms übernommen
und in ein christliches Gewand gekleidet.

Einen besonderen Platz in der Kirche Roms nimmt, wie wir gesehen haben, der
Marienkult ein. Nach katholischer Lehre ist Maria nicht nur die irdische Mutter Jesu,
wie sie in der Schrift gezeigt wird, sondern sie ist „Gottesmutter", „Gottesgebärerin".
Der Marienkult ist dem heidnischen Götzenkult entnommen, das heißt: Er ist
dämonischen Ursprungs!

Hierzu schreibt Armin Hippel: „Der Fürst der Finsternis kleidet seine Geistesmächte in
das Kleid des jeweiligen Zeitgeistes der Masse; sei es z. B. kanaanitischer
Asthoretkult, sei es hellenistischer Artemiskult oder christlicher Marienkult. Eine
gründliche Prüfung zeigt, daß die jeweilige Finsternismacht die gleiche geblieben ist.
Sie hat nur ihr Kleid gewechselte!" - Die römische Kirche hat den mystisch-
dämonischen Marienkult zum „Volksglauben" erhoben!

Hierzu müssen wir sagen, daß die römische Kirche nicht mehr christliche Kirche, das
heißt Kirche Jesu Christi ist. Sie ist zu einer politisierenden, mystisch-marianisch-
päpstlichen Kirche geworden.

Der „Osservatore Romano" bezeugt es, wenn er schreibt: „Seit ältester Zeit sahen
die Väter und Lehrer der Kirche in der Heiligen Jungfrau schon gern die Vor- und
Abgestalt, das hellste Siegeszeichen der Erlösung Christi, das vollkommenste Ideal
der Fülle und Vollendung der Heiligkeit der Kirche. Maria ist das einzigartige Glied der
Kirche und zugleich ihr Urbild, so daß in Maria ,ohne Makel und Runzel' die ganze
Kirche sich abzeichnet und einbeschlossen findet."

Der römische Christus ist auch nicht der Christus der Bibel! Er ist von Rom seiner
königlichen Herrlichkeit, seiner souveränen Allmacht entkleidet worden. Das
Papsttum hat ihn degradiert! Die Kirche, Maria und die Heiligen sind an seine Stelle
getreten! Die Kirche, mit ihrem Papst samt dem Klerus, „spendet, vergibt, segnet,
hilft, teilt mit, befreit" usw., Maria und die Heiligen „erlösen, vertreten, vermitteln,
trösten, bitten, heilen, spenden, erfüllen" usw.
Der römische Christus ist der „Märtyrer' seiner eigenen Kirche geworden: Er wird
täglich in der Messe für das bewußt in Sünden lebende Volk vom Priester in einer
Liturgie „unblutig" geopfert. Der „verwandelte Leib", die Hostie, hat jetzt die
magische Wirkung erlangt, „Vergebung der Sünden" zu bewirken. Sie wird als
„wahrer Leib Christi" wie eine Reliquie im Tabernakel (Gehäuse auf dem Altar) zur
Anbetung aufgestellt und am Fronleichnamstag in feierlicher Prozession in der
Monstranz (Schaubehälter für Hostie) als „wahrer Gott" durch die Straßen getragen.

Wie klar und nüchtern spricht doch das Gotteswort über die heiligen Dinge: „Dem
erwürgten Gotteslamm gebührt allein die Ehre im Himmel und auf Erden! (Offb. 5,
12. 13.) „Christus ist durch sein eigenes Blut einmal in das Heilige eingegangen und
hat eine ewige Erlösung erfunden" (Hebr. 9, 12). „Denn Christus ist nicht
eingegangen in das Heilige, so mit Händen gemacht ist, sondern in den Himmel
selbst, nun zu erscheinen vor dem Angesicht Gottes für uns; auch nicht, daß er sich
oftmals opfere, sondern er ist einmal erschienen, durch sein eigen Opfer die Sünde
aufzuheben" (Hebr. 9, 24-26). Christus allein ist das Heil der Welt! (Apg. 4, 12).

Der wahre Christ nimmt beide sichtbaren Zeichen, Brot und Wein, als Gabe und
Geschenk seines Herrn im Glauben, in Demut und dankbarer Hingabe zu sich: „So
spricht Jesus Christus: Das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird. Das ist mein
Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden." Diese Gnadengaben,
diese beiden sichtbaren Zeichen, die er im Glauben zu sich nimmt, sind ihm
Realitäten, sind ihm sichtbares Gotteswort! Sie sind ihm eine Stärkung auf seinem
Pilgrimsweg zur ewigen Heimat, eine Kraftquelle des neuen Lebens in Christus Jesus.

Beim Zweiten Vatikanischen Konzil gab es starke Kontroversen bezüglich der


Mariologie. Es gab eine gemäßigtere Richtung unter den Kardinälen, die aus Furcht
und Sorge zur Mäßigung rieten, „damit die Hindernisse für eine Verständigung mit
den getrennten Brüdern nicht noch vergrößert würden".

Der Kardinal Julius Döpfner, München, forderte, die „heilsmittlerische Stellung


Mariens" nicht noch mehr zu verstärken. Der deutsche Kurienkardinal Bea wandte
sich dagegen und unterstrich, den Begriff Mariens mit der höchsten Autorität des
Konzils zu stützen. Um die getrennten Brüder nicht zu verärgern, prägte er den
jesuitischen Satz: „Es wird nicht gesagt, daß die Mittlerschaft Maries nicht wahr sei,
sie sei aber noch nicht so geklärt, um vom Konzil definiert werden zu können."

Am klarsten hat der kanadische Kardinal Emile Leger das Mariendogma erörtert: „In
der Marienverehrung seien immer noch unverantwortliche Übertreibungen im
Schwange. Paulus hat ausdrücklich von Christus als dem einzigen Mittler
gesprochen." (Inzwischen hat der kanadische Kardinal aus Gewissensgründen alle
seine hohen Ämter niedergelegt und ging als einfacher Priester zu dem Leprakranken
nach Afrika).

Der polnische Kardial Wyszynski wollte die heilsmittlerische Stellung Mariens vom
Konzil noch mehr aufgewertet haben. Das Konzil, das sich zu einer
Sonderbesprechung über dieses Dogma zurückzog, befürwortete die schärfere
Formulierung Mariens als Heilsmittlerin.

Rom denkt nicht im entferntesten daran, auch nur die kleinste Satzung seines
traditionellen, widerbiblischen Marienkultes aufzugeben. Die Reise des Papstes Ende
Juli 1967 nach der Türkei und sein Pilgern nach Ephesus auf den Hügel „Bülbül Dagh"
zum Hause der Maria weisen auch nach dieser Richtung hin. - Ephesus gilt als der
älteste Mittelpunkt des Marienkultes. Hier tagte 431 das dritte Ökumenische Konzil,
auf dem das erste Mariendogma von der „Gottesgebärerin" ausgesprochen wurde.
Nach einer kleinasiatischen Tradition soll Maria von diesem Hügel aus „in den
Himmel" gefahren sein.

Als bibelgläubige Christen können wir weder zum Mariendogma noch zum
abgöttischen Marienkult ja sagen. Uns ist Maria als irdische Mutter unseres Herrn und
Heilands lieb und wert. Das heilige Gotteswort sagt uns, daß für unsere Seligkeit
allein unser Erlöser Jesus Christus, der Sieger von Golgatha, zuständig ist.

5. Der „unfehlbare Stellvertreter Christi"


Vom Wort Gottes her werden wir zum Dogma der „Unfehlbarkeit" nie ja sagen
können. Als Bibelleser wissen wir, daß zwischen Christus und diesem sogenannten
Stellvertreter schon rein äußerlich ein Unterschied ist wie zwischen Tag und Nacht.
Jesus, der König der Wahrheit, hatte nicht, „wo er sein Haupt hinlege". „Er war arm
um unsertwillen, damit wir durch seine Armut reich würden." Er war verachtet,
niedrig, sanftmütig und von Herzen demütig. Die sogenannten „Stellvertreter Christi“
strebten immer nach Ansehen, Pracht und politischer Macht.
Das Wort Gottes verbietet uns, den „Unfehlbaren" anzuerkennen, weil kein
Erdgeborener, auch in seiner Erkenntnis, unfehlbar ist: „Unser Wissen ist Stückwerk,
und unser Erkennen ist Stückwerk." Und: „Sie sind alle abgewichen und allesamt
untüchtig geworden. Da ist keiner, der gerecht sei, da ist keiner, der Gutes tue, auch
nicht einer" (Röm. 3, 12).

Auch Päpste fehlen und irren! Das beweist ja gerade ihre so tief traurige Geschichte
und die vielen Widersprüche in ihrer Lehre. Der Heiland sagt zu seinen Jüngern: „Ihr
sollt niemand Vater (d. h. Papst) heißen auf Erden; denn einer ist euer Vater, der im
Himmel ist" (Matth. 23, 8.9).

Die Papsthymne lautet:


Wir haben einen in der Welt,
der liebt uns wie sein Leben.
Ein Hügel Roms trägt hoch sein Zelt,
der Herr hat ihn so hoch gestellt,
zu weisen und zu geben.
Du bist der Hirt, von Gott geweiht,
du bist ein Ruf durch alle Zeit,
und dich umleuchtet mächtig von fern
ewge Herrlichkeit des Herrn.
Du, Petrus, bist ein Herrenwort,
und nie wirst du vergehen.
Stürmt auch die Hölle immer fort,
du bist der Fels auf Gottes Wort,
und ewig wirst du stehen.
Du bist der Hirt, von Gott geweiht,
du bist ein Ruf durch alle Zeit,
und dich umleuchtet mächtig von fern
ewge Herrlichkeit des Herrn.

Wir wollen dem die Ehre geben, dem allein die Ehre gebührt: „Das Lamm, das
erwürget ist, ist würdig zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und
Ehre und Preis und Lob von Ewigkeit zu Ewigkeit!" (Offb. 5, 12).

6. Verehrung und Anbetung der Heiligen

Können wir als evangelische Christen die sogenannten Heiligen verehren und
anbeten? Können wir sagen: „Heiliger Silvester, heiliger Nikolaus, heiliger Martinus,
heilige Agatha, heilige Agnes usw., bittet für uns"?
Heilig im biblischen Sinn heißt nicht, eine besondere Frömmigkeitsstufe erreicht zu
haben. Нeilig sein heißt: Ausgesondert werden zum besonderen Gebrauch, zum besonderen
Dienst für den Herrn. Die verschiedenen Gefäße im Tempel, die Schalen, die Messer, der
Leuchter, die Schaubrote, waren heilig. Das heißt: diese Gegenstände durften für profane,
alltägliche Zwecke nicht verwendet werden. „Heilig für Jahve!" so lesen wir, das heißt für den
Herrn geweiht, für seinen heiligen Dienst ausgesondert. Nach dem Neuen Testament sind Heilige
die zu einer lebendigen Hoffnung wiedergeborenen Gläubigen in Christus Jesus. Sie sind
ausgesondert für Jesu Dienst!
Ein führender Katholik sagte mir mit ganzem Ernst: „Jesus, Maria und alle anderen Heiligen
haben überschüssige gute Werke getan. Unsere heilige Kirche ist die Verwalterin dieser Werke,
und sie kann sie dem mitteilen (wahrscheinlich auch gegen geldliche Bezahlung!), der sie
benötigt.' Was sagt uns hierzu das göttliche Wort? Christus: „Also auch ihr, wenn ihr alles getan
habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu
tun schuldig waren" (Luk. 17, 10). Paulus: Aus Gnaden bin ich, was ich bin (1. Kor. 15, 10) u.a.

7. Der katholische Reliquienkult

Können wir als evangelische Christen den katholischen Re¬liquienkult anerkennen? Da liegen in
Domen, in Kirchen und Kapellen die Knochen der sogenannten Heiligen, die verschiede¬nen
Stoffreste, die sogenannten Splitter des Kreuzes Christi und viele andere Gegenstände. Dem
andächtig Gläubigen, dem Wallfahrer, sollen diese Dinge Sündenvergebung bewirken.
In den meisten Fällen weiß man überhaupt nicht, ob dieser Schädel oder jener Armknochen
wirklich von dem angegebenen „Heiligen" stammt, weil derselbe Schädel und derselbe
Armknochen in mehreren Kirchen zu finden ist. Übеr die Splitter des Kreuzes Christi sagt
Spurgeon: „Wenn man alle Holzstücke, die vom Kreuze Christi sein sollen, aus den
katholischen Kirchen sammeln würde, man bekäme eine ganze Schiffsladung voll."
Zu diesen Dingen wallfahren und sie anbeten oder von ihnen einen besonderen Grad der
Heiligkeit oder gar Sündenvergebung zu erwarten, ist vor Gott ein Greuel. Das Wort Gottes
verbietet solches, weil es heidnisch ist. Für einen wahren Christen heißt es: „Du sollst dir kein
Bildnis noch Gleichnis machen, das unten auf Erden, noch oben im Himmel, oder im Wasser ist.
Bete sie nicht an und diene ihnen nicht" (2. Mose 20, 4).

Der katholische Priester sagt uns: „Wir beten weder Maria noch die Heiligen an, wir verehren sie
nur." Das ist leeres Geschwätz! Die kirchlichen Vorschriften und die Praxis beweisen das
Gegenteil!
Jeden Monat versendet das Provinzhaus der Krankenschwestern in Hegne (Konstanz) einen von
der Kirche genehmigten Bericht. Darin werden die Heilungen und Hilfeleistungen einer im Jahre
1973 verstorbenen und auf dem dortigen Klosterfriedhof beigesetzten Schwester Ulrika Nisch
veröffentlicht. Für Schwester Ulrika wurde 1951 die „Seligsprechung" eingeleitet.

Der Bericht vom Januar 1967 mit dem Bild der Schwester Ulrika trägt die Überschrift: „Schwester
Ulrika hilft!" Von der Menge der Gebetserhörungen bei Krankheiten, Wohnungs-, Schulprüfungs-,
Erbschaftsangelegenheiten u. a. m. will ich nur die ersten vier bringen, um zu zeigen, wie
Schwester Ulrika hilft:

1. „In der Nacht bekam ich an einem Finger der linken Hand eine leichte Schwellung und Rötung
mit rasenden Schmerzen. Da ich vor Schmerzen keine Minute schlafen konnte und um die
Gefährlichkeit der Sache wußte, betete ich ununterbrochen zu Schwester Ulrika; und siehe,
morgens gegen halb fünf Uhr, hörten schlagartig die Schmerzen auf, und ich fiel in einen tiefen
Schlaf. Die Rötung und die Schwellung waren am Morgen verschwunden, nach vier Tagen sah
man nichts mehr. Schwester Ulrika hat geholfen. Dies Ihnen zu schreiben und das Grab der
Schwester Ulrika zu besuchen, habe ich versprochen."

2. „Unsere liebe Schwester Ulrika hat durch ihre Fürbitte geholfen. Ein Patient wurde schwer
krank, immer hohes Fieber. Seine Frau klagte mir ihr Leid, der Arzt hegte wenig Hoffnung. Ich
gab der Frau, obwohl Protestantin, das Bild der lieben Schwester Ulrika, damit sie es dem
Kranken unter sein Kopfkissen lege, und forderte sie auf, mit mir zu beten. Nach drei Tagen ließ
das Fieber nach. Der Mann kann wieder aufstehen und erholt sich immer mehr. Die Frau ist
glücklich, und wir alle danken herzlich der lieben Schwester Ulrika."

3. „Auf ungeklärte Weise gelangte mir beim Essen ein Fremdkörper in den Hals, der mir sehr
große Schwierigkeiten und Schmerzen verursachte. Es gelang mir nicht, ihn zu entfernen. Beim
Gurgeln und Ausspülen kam reichlich Blut. Ich konnte nichts schlucken, und nachts konnte ich
wegen anhaltender Schmerzen nicht schlafen. In dieser Not wandte ich mich an Schwester Ulrika
um Hilfe, daß ohne ärztliche Inanspruchnahme alles wieder gut werde. Langsam konnte ich
wieder schlucken, doch die Schmerzen blieben. Da nahm ich vertrauensvoll das Bild von
Schwester Ulrika in die Hand und bat flehentlich um Hilfe mit dem Ver¬sprechen der
Veröffentlichung. Ich wurde in meinem Vertrauen nicht enttäuscht. Zum erstenmal konnte ich
wieder schlafen und spürte keine Schmerzen mehr. Für die auffallende Hilfe herzlichen Dank!"

4. „Möchte hiermit meinen allerbesten Dank aussprechen. Schwester Ulrika hat mir bei meinem
Fußleiden, das ich mir beim Ausgleiten zugezogen hatte, auffallend geholfen. Ich hatte rasende
Schmerzen, ein Arzt war nicht sofort zur Stelle. Da legte ich mir ein Bildchen mit einem
Leinenstückchen, das an die Ge¬beine der Dienerin Gottes gelegt war, auf. Nach einigen
Stunden besserte sich der Zustand zusehends. Ich konnte bald schon wieder auf den Beinen
stehen. Schwester Ulrika hat mir durch ihre Fürsprache bei Gott geholfen."

Schwester Ulrika hilft? Wenn dieser heidnische Toten- und Reliquienkult nicht dämonisch-
okkultistisch ist, so fragen wir, was ist dann überhaupt noch dämonisch? Das Bild der Schwester
Ulrika ist dem Flugblatt mit Absicht beigegeben, damit andere noch zu diesem heidnischen
Reliquienkult verführt werden sollen. Durch diesen Kult fließen den Kreuzschwestern in Hegne
beträchtliche Geldmittel zu. Man kann wohl sagen: Armes, verführtes und betrogenes Volk, das
von einer sogenannten „christlichen“ Kirche zum Satansdienst aufgefordert wird! Arme Kirche, die
solche Mittel für ihre Existenz benötigt!

Dieser heidnische Zauberkult ist durchaus nicht eine Einzel¬erscheinung. Er wird von der
gesamten römischen Kirche gepflegt und empfohlen und von der obersten Kirchenleitung
anerkannt und befürwortet. – Über 100.000 Personen vom In- und Ausland haben bis dahin das
Grab der Ulrika Nisch besucht und dort im Namen einer sogenannten „alleinseligmachenden
Kirche" heidnischem Zauberkult gehuldigt.

8. Das Kreuz

Kardinal August Bea sagte in seiner Ansprache, als er das „Ja" zur Mitarbeit im Weltkirchenrat
überbrachte: „Es gibt kein protestantisches Kreuz, kein orthodoxes, kein römisch-katholisches, es
gibt nur das Kreuz Christi!" Wir könnten uns nur freuen, wenn das so wäre. Der gute Katholik hat
ein Kreuz aus Holz, Stein oder Metall, das er verehrt, anbetet und küßt. Er hat ein Kreuz, das ihr
Talisman ist oder auch geweiht als Amulett an seinem Hals trägt. Das Kreuz schlagen mit
geweihtem Wasser kann vor Unfall bewahren oder auf andere Weise wunderwirkend sein. Die
katholische Kirche hat Christus vom Kreuz abgesondert und hat einen eigenen Kreuzeskult
geschaffen. Das Kreuz ist nicht mehr Symbol, sondern „Bildnis und Gleichnis".

9. Der Bilderkult

Etwas Furchtbares, der Heiligen Schrift zuwider, ist der gewaltige Bilderdienst beziehungsweise
Bilderkult in der Kirche Roms. In rein katholischen Ländern ist dieser Kult noch viel intensiver
ausgeprägt als in Ländern mit gemischten Konfessionen. Da sind die Bilder und Statuen der
verschiedenen „Heiligen", die man für besondere Lebenslagen ausgewählt hat, um sie um Hilfe in
der Not und um besonderen Segen zu bitten. Diese „Heiligenbilder" werden in Prozessionen
herumgetragen, sie werden verehrt und angebetet.

Doch über allen Heiligenbildern ragt das Bild der „Unbefleckten, ohne Erbsünde Geborenen, der
Mittlerin aller Gnaden', das Marienbild. Jedes Land hat sein besonders geprägtes,
wunderwirkendes Bild der Maria. Schon rein äußerlich unterscheiden sich die verschiedenen
Bilder im Aussehen voneinander. So ist z. B. das wunderwirkende Bild der Madonna von
Tschenstochau in Polen schwarz. Sie sind ohne und mit Kronen, die mit kostbaren Edelsteinen
geziert sind. Millionen von Wallfahrern pilgern jährlich zu den wunderwirkenden Marienbildern
von Lourdes in Frankreich und Fatima in Portugal, um dort Heilung für Geist, Seele und Leib zu
erlangen.
Diese Wallfahrtsorte sind entstanden, weil in Lourdes in einer Grotte ein französisches
Hirtenmädchen mit Namen Maria (heilige Bernadette) mehrere „Marienerscheinungen" erlebte. In
Fatima hatten drei Kinder (Alter 7-10 Jahre) „Marienerscheinungen". Man kann hierzu nur sagen:
Wen Gott verderben will, den schlägt er mit Blindheit oder Dummheit!

Und nun eine Frage: Was halten wir von den Berichten der Wunderheilungen, die dort geschehen
sein sollen? Mir erzählten Augenzeugen, katholische Männer, denen ich ein Urteil zutraue, von
Menschen, die ihre langjährigen Krückstöcke vor der schwarzen Madonna weggeworfen haben
und gesund heimkehrten. Bei der Muttergotteskapelle daselbst ist ein großer Raum, darin
Tausende von Gegenständen aufbewahrt sind, die den Kranken bei ihrer Ankunft zur
Fortbewegung dienten und bei der Heimkehr nicht mehr benötigt wurden.

Auf Grund langjähriger Beobachtung und Erfahrung muß ich sagen: Diese Heilungen sind echt!
Man kann hier nicht von Suggestion und Autosuggestion sprechen. Eine andere Frage ist: Wer
hat diese Heilungen bewirkt? Ein totes Bild gewiß nicht! Wenn aber der ganze Marienkult, dieser
Menschenrausch ungöttlich, man muß hier sagen dämonisch ist, dann wissen wir, woher auch
diese Heilungen herrühren. Am Ende dieses Äons wird Satan noch mit größeren Wundern
auftreten: "Das Tier tut große Zeichen, daß es auch macht Feuer vom Himmel fallen auf die Erde
vor den Menschen. Und die Bewohner der Erde machten dem Tier ein Bild, und es war ihm
gegeben, daß es dem Bild des Tieres den Geist gab, daß des Tieres Bild redete" (Offb. 13, 11-
15).

10. Das Fegfeuer

Wir fragen weiter: Können wir an die römische Lehre vom "Fegfeuer" glauben? Als bibelgläubige
Christen nicht! Auf Grund des Schriftzeugnisses wissen wir wohl, daß es im jenseits
Feuergerichte gibt. Wir haben viele Schriftstellen dafür (Luk. 16, 22 24; Judas 7; Offb. 21, 8 u. a.
m.). Jesus spricht auch davon, daß das Strafmaß am jüngsten Gericht verschieden ausfallen wird
(Luk. 10, 12 ff.). Die Schrift sagt auch von den "Erstlingen", die auferstehen werden zuerst (1.
Thess. 4, 16). Sie spricht aber mit keinem Wort, daß wir Lebenden Einfluß auf das Schicksal der
Verstorbenen hätten und daß durch unsere Gebete das Los der Unseligen erleichtert würde.
Die römische Kirche stützt die Lehre vom Fegfeuer mit den alttestamentlichen Apokryphen. Viel
Gotteslästerung ist mit dieser Lehre schon getrieben worden! Man denke nur an die Reformation!
Die schriftwidrigen Verirrungen treten im Gebet, irn sogenannten "Liebesakt für die armen Seelen
än Fegfeuer", kraß zutage. Dort heißt es: "Himmlischer Vater, in Vereinigung mit den Verdiensten
Jesu Christi und seiner himmlischen Mutter opfere ich dir für die armen Seelen im Fegfeuer
bereitwillig alle Genugtuungswerke meines Lebens und auch alle jene guten Werke, die für mich
selber nach meinem Tode verrichtet werden. Ich lege sie in die reinsten Hände der unbefleckten
Jungfrau Maria, damit sie ihre eigenen Verdienste damit verbinde und sie jenen armen Seelen
zuwende, die sie nach ihrer Weisheit und mütterlichen Liebe zuerst aus dem Fegfeuer befreien
will. Nimm, o mein Gott, dieses Opfer gnädig an und laß mich dafür täglich in deiner Gnade
wachsen. Amen."

Dieses Gebet ist, vom biblischen Standpunkt aus gesehen, eine Herabwürdigung Jesu Christi. Es
ist ein purer Handel, den man hier mit ewigen Dingen treibt: Man bezahlt zur Auslösung der im
Fegfeuer schmachtenden Seelen mit den "guten Werken", die man getan hat, die man noch tun
wird und die man mir nach meinem Tod noch zuwendet. Mit anderen Worten: Ich bezahle heute
mit dem Geld, von dem ich nicht weiß, ob ich es besitze, dann mit dem, das ich noch zu
verdienen hoffe, und zuletzt mit dem, welches mir gute Freunde nach meinem Tod noch
schenken werden. Das ist römische Werkgerechtigkeit in Reinkultur!

11. Das Gebet

Das Gebet ist in der Kirche Roms etwas ganz anderes als bei den Evangelischen. Beim
bibelgläubigen Christen ist das Beten Herzensbedürfnis. Beten ist für ihn, Zwiesprache mit
seinem Gott zu halten: "Alles in mir schweige und sich innigst vor ihm beuge." Katholisches
Beten ist das wiederholte Heruntersprechen kirchlich vorgeschriebener Gebetsformeln. Das tut
man als Leistung für sich und andere, um Ablaß zu erlangen.

Ein wichtiges Gebetsmittel ist der Rosenkranz. Er besteht aus 15 "Vaterunser" und 50 "Ave
Maria". Durch das treue, wiederholte Durchbeten des Rosenkranzes unter Einhaltung anderer
kirchlicher Vorschriften, regelmäßiges Kirchengehen und Kommunizieren, Beichte u. a. M., kann
man einen „vollkommenen Ablaß“ erwirken. Dieser kann sich auch auf mehrere Jahre erstrecken.
Ein vollkornmener Ablaß ist eine Nadilassung aller zeitlichen Sündenstrafen, die in dieser Welt
oder im Fegfeuer noch abgebüßt werden sollten. Diese Gebete sind auch den "armen Seelen"
(im Fegfeuer) zuwendbar.

Das ist nicht Beten im biblischen Sinn. Christus sagt: "Wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern
wie die Heiden, denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen" (Matth. 6, 7).
Katholisches Beten ist vor Gott ein Greuel! Als bibelgläubige Christen können und dürfen wir
nicht Maria und die sogenannten Heiligen anrufen und uns vor Figuren aus Holz und Stein, vor
Bildern, alten Knochen, Holzsplittern, Stoffetzen und dergleichen Dingen beugen, sie anbeten
und von ihnen besondere göttliche Segnungen erwarten!

12. Der Beichtstuhl

In der Kirche Roms herrscht das System. Alles ist durchdacht und festgelegt. Auf jeden Zweifel
der Lehre ist schon längst die Antwort gegeben. Ob die Antwort dem Zweifelnden einleuchtet
oder nicht, er hat sich unter das System zu beugen, weil die Kirche in allen Fragen der Lehre
"unfehlbar" ist. Jeder Zweifel gilt als Todsünde und muß im Beichtstuhl bekannt werden. Hier
dringt der Priester oder Pater bis in das Detail, bis in die tiefsten Verborgenheiten des Herzens.
Der Beichtende hat jede Frage des Geistlichen aufs gewissenhafteste zu beantworten. Jede
Zurückhaltung oder ausweichende Antwort gilt wieder als Todsünde. Nach dieser
"Gehirnwäsche" muß sich der "Sünder" rückhaltlos diesem System unterwerfen. Jetzt bekommt
er mit dem Zeichen des Kreuzes die Absolution, d. h. die Vergebung seiner Sünden.

Der ehrlich Beichtende wird aber bald merken, daß er keinen inneren Frieden erhalten hat. Neue
Zweifel über die Richtigkeit seiner Antworten dem Beichtvater gegenüber werden ihn
beunruhigen. Dazu kommen noch die inneren neuen Anfechtungen und Danebenfälle.
Minderwertigkeitskomplexe quälen ihn jetzt. Er begibt sich erneut zum Beichtstuhl, um sein
Gleichgewicht wiederzuerlangen, sein geplagtes Gewissen zu beruhigen. Ungewollt kommt er
jetzt in den Teufelskreis: Ein innerer Zwang treibt ihn zum Beichtstuhl unbefriedigter aber als
vorher kehrt er zurück. Er ist jetzt ein armer Sklave des Beichtvaters und ein wehrloser
Gefangener dieses teuflischen Systems geworden. Der Beichtstuhl war ihm nicht Hilfe, sondern
Folterinstrument zu seinem Verderben. Mir ist bis dahin noch kein katholischer Mensch
begegnet, der freudig, innerlich frei, froh und zufrieden vom Beichtstuhl zurückgekehrt wäre!

Auf die Frauen hat es der im Zölibat (Ehelosigkeit) lebende Priester besonders abgesehen. Eine
Frau ist zarter besaitet, hat ein ausgeprägteres Gefühlsleben und ist darum auch
leidenschaftlicher als der Mann. Sie erliegt dem Priester viel eher als das männliche Geschlecht.
Viele Geistliche richten an die Frau Fragen, die kein Ehemann zu stellen wagt, und die sie
beantworten muß, um nicht der "Seligkeit verlustig zu gehen". Dadurch bekommt der Priester
oder Pater mehr Rechte an diese Frau als ihr Ehemann. Sie verfällt ihrem Beichtvater voll und
ganz. Nur selten gelingt es einer Frau, diesem Teufelskreis zu entfliehen. In vielen Fällen wird sie
fanatische Befürworterin dieses ausgeklügelten Systems. Die Ewigkeit wird es einmal
offenbaren, wieviel Schmutz, Schande und Gewissensqualen der Beichtstuhl bei Frauen
angerichtet hat! Auch der Beichtvater steht in fortwährender Gefahr, daß ein Funke des von ihm
entfachten Feuers der Fleischesbegierde ihn selbst entzündet.

Es gibt viele ehrliche Priester der katholischen Kirche, die sich ernstlich bemühen, eine Beichte
nach dem Willen Gottes abzunehmen. Die meisten von ihnen sehen auch die Schäden des
Beichtstuhles und wissen um den Frevel, der mit der Ohrenbeichte getrieben wird. Aber als treu
ergebene Diener der "alleinseligmachenden Kirche" schweigen sie zu diesen Sünden und
werden dadurch an dem Unheil mitschuldig.

Pater Chiniquy (ein ehemaliger katholischer Pater) schreibt zu dem Thema "Beichtstuhl": "Unter
allen Frauen sind die Katholikinnen am meisten zu bedauern, weil sie im Beichtstuhl große
Torturen zu erdulden haben, um dadurch den Zorn ihres Hostiengottes zu stillen.

Lasset uns darum beten und hoffen, dag der Tag kommen möge, da Gott sich über die dem
Verderben anheimgefallene Welt erbarmen wird. Dann werden die Priester des Hostiengottes
samt ihrem vorgetäuschten Zölibat und ihrer seelenverderbenden Ohrenbeichte und mit ihnen
ihre Götzenbilder verschwinden. Babylon, die große Hure, wird fallen, und Himmel und Erde
werden sich freuen."
Man könnte noch weiterfahren und weitere Fragen stellen: "Können wir? Können wir?" Man
könnte noch auf manche widerbiblischen Gebräuche über Ablaß, Weihwasser, geweihte
Heiligenamulette, Messen, Letzte Ölung, geweihte Kerzen, über Feiertage und verschiedenen
anderen Aberglauben der katholischen Kirche hinweisen. Doch damit will ich dieses Kapitel
schließen und am Schluß noch einmal dieselbe Frage wie am Anfang stellen: "Können wir als
bibelgläubige, evangelische Christen zur Kirche Roms gehören?" Ich gebe als Antwort: "Nein!
Nein!" und noch einmal: "Nein!"

IX. Wahres Einswerden nach dem hohepriesterlichen Gebet Jesu

Uns wird erklärt, Christus habe gesagt: "Auf daß sie alle eins werden, damit die Welt erkenne, du
habest mich gesandt." Ja, das ist ein Vermächtnis unseres Herrn und Heilands! Aber: Hier
unterschlägt und fälscht man etwas! Es müßte jedermann bekannt sein: Wenn man aus einem
Testament die vom Erblasser festgelegten Verpflichtungen streicht und Worte ändert, ist man ein
Fälscher des Testamentes. Man ist zum Betrüger geworden!
Das unverfälschte Vermächtnis Christi lautet: "Ich bitte aber nicht nur für die Jünger, sondern
auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, auf daß sie alle eins seien, gleichwie
du, Vater, in mir und ich in dir; daß auch sie in uns eins seien, auf daß die Welt glaube, du habest
mich gesandt" (Joh. 17, 20. 21). Aus diesen Worten geht klar hervor: Es kann nur zu diesem
Einssein kommen, wenn die zwei oben genannten Bedingungen erfüllt sind: das Einssein im
Vater und im Sohn: "Gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir!" Das ist ein Einssein in vollendeter
göttlicher Harmonie.
Diese Einsgewordenen sind demnach die vom Heiligen Geist durch den Glauben gezeugten
Glieder am Leibe des Herrn. Sie sind in Christus, d. h. Christus ist ihr Lebenselement geworden.
Sie sind in ihm und schöpfen aus seiner Gnadenfülle Gnade um Gnade. Weil sie mit Christus und
in Christus sind, sind sie auch mit dem Vater verbunden, wie der Sohn mit dem Vater verbunden
ist.
Aber auch umgekehrt: Christus ist auch in ihnen! Durch den Glauben hat er Wohnung in ihnen
genommen. Sie sind zum Tempel des Heiligen Geistes geworden. Er füllt ihr Leben ganz aus und
segnet sie mit himmlischen Gütern: "Christus in uns, die Hoffnung unserer Herrlichkeit!" (Kol. 1,
27.) Das ist wahre Einheit, von der jesus im hohepriesterlichen Gebet spricht.

Diese Einsgewordenen treten dann aus der Unsichtbarkeit in die Sichtbarkeit. Sie sind Zeugen
dessen geworden, der sie "wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung". Sie sind jetzt zur
"Stadt auf dem Berge und zum Licht auf dem Leuchter" geworden: "Damit die Welt glaube, du,
Vater, habest mich gesandt."
Das ist "Ekklesia", wahre Gemeinde Jesu Christi auf Erden!

In diesen herrlichen Worten wird weder vom Papst noch von einer alleinseligmachenden Kirche,
noch von Maria, der Mittlerin aller Gnaden, noch von den Heiligen, noch von anderen
Kirchendiensten etwas gesagt. Um eins zu werden, wird auch nichts von der Einberufung eines
Konzils, noch von einem "Sekretariat für die Einheit der Christen", noch von einer
Zusammenarbeit zwischen Rom und Weltkirchenrat noch von einem "Dialog" gesprochen. Noch
einmal: Einssein, d. h. Gemeinde Jesu Christi, ist dort, und nur dort, wo man wahrhaftig sagen
kann: "Ich, Jesus, in ihnen und sie in mir!"

X. Zweierlei Zusammenschlüsse

Voraussehend muß man sagen: Unsere Zeit wird zwei wichtige Zusammenschlüsse erleben:

1. Der Zusammenschluß zu der einen großen Weltkirche, die ganz nach den weltlichen Prinzipien
aufgebaut und durchorganisiert sein wird. Sie wird immer mächtiger und damit immer
unduldsamer werden. Sie wird "zertreten", was ihr nicht gehorsam sein wird.
Eng mit der Gründung der Weltkirche wird sich auch der zweite Zusammenschluß vollziehen:

Die Gemeinde Jesu Christi wird zusammengeführt. Es wird kein äußerer Zusammenschluß durch
Aufrufe, Propaganda und Organisationen sein. Die Erfahrung lehrt, daß für andere solches
überhaupt verboten sein wird. Dieses Zueinanderrücken wird ganz in der Stille geschehen. Die
in Christo sind und in denen Christus ist, die werden sich finden. Sie werden einander stärken auf
dem leidvollen Weg, den sie jetzt zu gehen haben.
Ein freudiger Lichtblick für die Gemeinde Jesu ist, daß die römische Kirche jetzt Bibeln druckt und
sie ihren Gliedern zum Lesen empfiehlt. Wenn diese Bibeln auch von der Zensur mit
Anmerkungen versehen worden sind, die der katholischen Dogmatik angepaßt wurden, so
wissen wir, daß der Geist Gottes keinerlei menschlichen "Zensur" unterworfen werden kann. "Er
weht immer noch, wo er will!" - "Sein Wort ist Geist und Leben!"
Diese Regelung ist auch Mittel zum Zweck, damit die "getrennten Brüder" sehen sollen, auch
Rom empfehle Gottes Wort. Doch wie es scheint, ist nicht in allen Ländern diese Regelung
getroffen worden. Gerade jetzt kommen von Südamerika Nachrichten, daß die Priesterschaft
einen Aufruf an die Katholiken erlassen hat, die gekauften Bibeln zu verbrennen. Es ist nicht
ausgeschlossen, daß auch in unseren Landen das Lesen der Bibel nur so lange gestattet sein
wird, bis die "verlorenen Schäflein" wieder zurückgekehrt sein werden in den einen, großen,
"alleinseligmachenden Schafstall Christi". Bei aller Freude dürfen wir nicht vergessen, daß der
Papst und seine Jesuiten zu der römischen Kirche gehören.

Welch ein Segen würde in eine Welt geflossen sein, wenn der Papst seine mit drei Kronen
geschmückte Tiara dem zu Füßen gelegt hätte, der eine ganze Welt mit seinem heiligen und
teuren Blut erkauft hat! Wenn er dem die Ehre gegeben hätte, dem alle Ehre im Himmel und auf
Erden allein gebührt!

Es würde auch heute noch Freude im Himmel vor allen Engeln Gottes sein, wenn die ganze
Hierarchie ihren Purpur und Glanz ausziehen und im "Sack und in der Asche" vor dem König aller
Könige wahre Buße tun würde.
Diese Buße müßte dann in alle Klöster eindringen, alle Orden erfassen, ja sie müßte das ganze
katholische Volk in Bewegung setzen.

Aber nicht nur die Kirche Roms sollte von dieser echten Bußgesinnung ergriffen sein. Sie müßte
auch die evangelisch kirchlichen Konsistorien, die Landessynoden, die theologischen Fakultäten,
die Predigerseminare, ja das ganze evangelische Volk ergreifen.

Unsere Zeit ist sehr ähnlich der Zeit der Verstockung Israels: "Und Jesus sah die Stadt an und
weinte über sie und sprach: Wenn doch auch du erkenntest zu dieser deiner Zeit, was zu deinem
Frieden dient! Aber nun ist's vor deinen Augen verborgen" (Luk. 19, 41 44).
Nach dem Gericht der Verstockung sind auch bald die furchtbaren Strafgerichte Gottes über das
Volk der Juden hereingebrochen. Auch unsere Zeit ist Gerichtszeit!

Solange der Herr uns noch Gnadenzeit schenkt, wollen wir ihn herzlich bitten, daß noch vielen
Wahrheitssuchern in der katholischen Kirche die Augen für Jesus Christus, den alleinigen Herrn,
geöffnet werden und sie Kraft bekommen, für ihren Herrn und Heiland Verfolgungen,
Entbehrungen und Schmach auf sich zu nehmen.
Wir können das Weltgeschehen weder aufhalten noch in andere Bahnen lenken. Es muß alles
seinem großen Erntetag entgegenreifen! Je lauter und frecher es in der christusfeindlichen Welt
werden wird, um so stiller und einsamer wird es um die wahre Gemeinde Jesu sein.
Unsere Zeit trägt Endzeitcharakter. Was wir heute in dieser für die Gemeinde Jesu so ernsten
Zeit nötig haben, ist die Gabe der Geisterunterscheidung. Dieselbe können wir nur im Wort und
durch das Wort bekommen!

Mit ganzem Ernst ruft der Herr den Seinen zu: "Lasset eure Lenden umgürtet sein und eure
Lichter brennen und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten!" (Luk. 12, 35. 36.)

Dreierlei will der Herr mit diesem Aufruf den Seinen sagen:

1. "Lasset eure Lenden umgürtet sein!" Zerstreuet eure Sinne nicht ins Tausenderlei und seid
nicht flatterhaft! Konzentriert euch auf das Eine, was not tut! Tut gewisse Tritte und lasset euch
nicht verführen! Meidet alles, was euch von Christus abbringen kann, und seid stets wachsam im
Ringen und Beten im Blick auf den kommenden Herrn!
2. "Lasset eure Lichter brennen!" Seid erfüllt mit dem Heiligen Geist, damit das Wesen Christi aus
euch herausstrahle! Seid ein Segen für andere in einer dunklen Welt, und seid Zeugen deer
Wahrheit für Christus! Seid einsame Rufer in der Nacht dieser Welt
3. "Und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten!" Als Wartende löset euch von
allem, was euch noch in dieser Welt gebunden hält! Euer ganzes Sehnen, eure ganze Liebe
konzentriere sich auf den kommenden Herrn! Bereitsein ist alles!

" Darum wachet, denn ihr wisset nicht, welche Stunde euer Herr kommen wird" (Matth. 24, 47).
"Was ich aber sage, das sage ich allen: Wachet!" (Offb. 22, 20.)

XI. Nachtrag

1. Abschluß und Ergebnisse des Konzils


Die vierte Konzilsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils ging im Dezember 1965 zu Ende.
Damit fand auch der Abschluß des Konzils statt. Mit Recht fragt eine Christenheit nach den
Ergebnissen des Konzils. Ist das wahr, was der 1967 verstorbene Bischof Dibelius am
Reformationsfest 1965 im Blick auf das Konzil sagte: "Es hätte keine Reformation gegeben, wenn
die katholische Kirche schon so gewesen wäre wie heute"? Damit wurde die Reformation Luthers
und der anderen Reformatoren geschmälert. Solche Worte können Verwirrung und Unsicherheit
in der Gemeinde der Gläubigen stiften.

Bischof Dibelius war sonst kein Mann unklarer Kompromisse. Er war eine markante
Persönlichkeit der evangelischen Kirche. Seine Verkündigung war nicht vom Modernismus
angekränkelt. Mit seiner ganzen Person setzte er sich auch für das Recht der Entrechteten und
Unterdrückten ein. In diesem einen Punkt aber hat der alternde Bischof nicht mehr klar gesehen.
Es war schon ein Fehler, daß er, als lutherischer Bischof, zum Papst gereist ist. Es heißt auch
hier: "Meidet allen bösen Schein" (1. Thess. 5, 22).

Nur das Wort Gottes ist und bleibt für einen Christen Richtschnur und Orientierungskompaß in
allen Fragen seines Glaubenslebens. Deshalb sind am Schluß des Konzils die Fragen berechtigt:
Ist das Konzil wegweisend gewesen für das Glaubensleben der Christenheit? Ist das innere
Leben einer Christenheit durch das Konzil vom Wort her befruchtet worden? Ist das Wort Gottes
klarer auf den Leuchter gestellt worden? Ist Christus größer und herrlicher geworden? Erfahren
die Christen in den katholischen Ländern, die nach dem Wort Gottes leben, handeln und von
Christus zeugen wollen, die volle Unterstützung des Konzils?

Im Blick auf das zu Ende gegangene Konzil muß man aber sagen, daß keine dieser Fragen mit
einem ja zu beantworten ist. Wer das Konzil vom Anfang bis zu seinem Schluß verfolgt hat und
vom Konzil positive Früchte erwartete, der wird enttäuscht zugeben müssen, daß sich durch das
Konzil im Katholizismus nichts Wesenhaftes geändert hat. Im tiefsten Grunde hat sich alles
immer wieder um die eigene Achse gedreht: Es ging nur darum, die brüchige Fassade der
innerlich morschen katholischen Kirche zu renovieren und zu modernisieren. Eine biblisch
orientierte, geistmäßige innere Erneuerung wurde überhaupt nicht zur Diskussion gebracht.

Das einzige Bestreben des Konzils war, die Kirche Roms einer Welt, besonders den "getrennten
Christen", propagandistisch als die einzige, wahre christliche Kirche anzubieten. Die
Machtstellung der Kirche und des Papsttums soll dadurch Weltgeltung erlangen. Wie weit dies
gelungen ist, wird die Zukunft zeigen. Nach den Worten des Münchner Jesuiten und
Konzilstheologen Karl Rahner war das Konzil erst der "Anfang des Anfangs". Kardinal Döpfner
sagte u. a. in der Pressekonferenz des Zweiten Deutschen Fernsehens vom 7. Dezember 1965
in Rom: Ich meine, das Papsttum wird in Zukunft nicht schwächer sein. Es wird gestärkt aus
diesem Konzil hervorgehen, weil sich ja wesentlich seit dem Ersten Vatikanischen Konzil nichts
geändert hat..."

In der ersten Hälfte des Konzils wurde verhandelt u. a. über die Sprache, die Liturgie, Hierarchie,
Mysterium der Kirche, Vollmacht der Bischöfe, Mischehenrecht, Ökumenismus, über das Schema
der "Seligen Jungfrau Maria" u. a. m. Das sind alles Fragen, die vom Wort Gottes her schon klar
geregelt sind.
Die Eröffnungsrede des Papstes bei der letzten Konzilsperiode wirkte für viele Beobachter wie
eine kalte Dusche: In dieser Rede hat der Papst den künftigen radikalen Kurs der Kirche Roms
klar festgelegt. In diesem letzten Konzilsabschnitt verhandelte man über das sogenannte Schema
13: "Die Kirche in der Welt von heute." Dieses Schema war sehr umstritten. 450 Bischöfe
forderten vom Papst, den Kommunismus durch das Zweite Vatikanische Konzil ausdrücklich
verurteilen zu lassen. Der Papst lehnte aber eine Verurteilung des Kommunismus ab. Als
nächstes beriet man über das Schema der "Religionsfreiheit". Auch über dieses Schema konnte
man keine Einigkeit erzielen. Es wurde zur "Revision" weitergegeben.

Kritik wurde auch über den Entwurf der "Reform des Ablaßwesens" geübt. Deutsche Bischöfe
befürchten, daß sich die jetzige Fassung des Entwurfs schädlich für die künftige ökumenische
Arbeit auswirken wird. Verabschiedet wurde auch mit großer Mehrheit das sogenannte
"Judendekret". Ferner wurde von den Konzilsvätern die "Offenbarungskonstitution" und das
"Laienapostolat" gebilligt. Die "Offenbarungskonstitution" handelt von der Heiligen Schrift und von
der Tradition: "Beide überlieferten die eine göttliche Offenbarung in verschiedenen Formen."

Kurz vor dem Ende des Konzils ist von Papst Paul Vl. die Heiligsprechung für Papst Pius XII. und
Johannes XXIII. angekündigt worden. Manche Bischöfe hatten auch da ihre Bedenken, "weil die
Fehler Pius XII. noch allzu bekannt sind und Johannes XXIII. nicht lange genug tot sei usw.". Alle
Fragen des Konzils sind nicht nach biblischen Gesichtspunkten, sondern ausschließlich im
"römischen Geist" geregelt worden.
Das Zweite Vatikanische Konzil ist nach über dreijähriger Dauer abgeschlossen worden. Auf dem
Petersplatz von seinem Thron, der sogenannten Sedia Gestatoria, dem Tragsessel der
römischen Gottkaiser, richtete der "Statthalter Christi auf Erden" sieben Botschaften an die
regierenden Staatsoberhäupter der ganzen Welt. Die Kernworte dieser Botschaft lauteten unter
anderen: "Die Kirche verlangt von euch nur die Freiheit, zu glauben, zu predigen und den
Menschen ihre Botschaft des Lebens zu bringen. Kreuzigt Christus nicht aufs neue. Und uns,
seine demütigen Diener, laßt uns überall ohne Behinderung die frohe Botschaft des
Friedensevangeliums verkündigen!"

Gerade dieselben Bitten wie der Papst haben auch unsere evangelischen Brüder und
Schwestern in Spanien, Italien, Kolumbien und anderen von Katholiken bzw. von Jesuiten
regierten Ländern: Kreuzigt Christus nicht aufs neue wie zur Zeit der Inquisition. Gebt uns die
Freiheit, zu glauben, zu predigen und ohne Behinderung den Menschen die wahre, biblische,
frohrnachende Gnadenbotschaft von der allumfassenden Erlösung Jesu Christi zu bringen! Von
der Schrift her hat sich im Katholizismus absolut nichts geändert. Das Lesen der Bibel hat man
jetzt den Katholiken zum Schein erlaubt: Man ächtet, verfolgt und peinigt aber gleichzeitig die, die
nach dem Wort Gottes leben und handeln wollen. Patres und andere leitende Persönlichkeiten
der katholischen Kirche haben es besonders schwer, wenn sie zum lebendigen biblischen
Glauben an Christus Jesus hindurchdringen. Manche werden mit List und Zwang an einen
verborgenen Ort gebracht, dort mit Drogen (Spritzen) und anderen grausamen Mitteln
(Gehirnwäsche!) behandelt. Diese bewirken eine Urteilslosigkeit, Willensschwäche, ja eine völlige
Wesensveränderung. Mir sind in der jüngsten Zeit zwei solche Fälle bekannt geworden.

2. Roms Propaganda nach dem Konzil

Das Rom nach dem Konzil ist dasselbe Rom wie vor dem Konzil. Geradezu mit einer
Schlangenklugheit führt Rom heute die Gegenreformation!
Die römische Propagandamaschine läuft nach dem Konzil auf Hochtouren! Presse, Rundfunk
und Fernsehen werden propagandistisch für die Kirche Roms ausgenützt. "Radio Vatikan" strahlt
sein Programm ununterbrochen in fast zwei Dutzend Sprachen aus. Diese
Propagandasendungen zur Verherrlichung des Papsttums sind einmalig!

Rom ist bestrebt, das große Gebiet der Nachrichtenmittel mehr und mehr unter seine Kontrolle zu
bringen. Diese fortwährende Propaganda Roms hat das gesamte Pressewesen stark beeinflußt.
Es ist heute schon unmöglich, einen aufklärenden Artikel gegen die Tätigkeit Roms in einer
Zeitung unterzubringen. Auch die rein evangelische Presse weigert sich, auf die Gefahren
hinzuweisen, die den Evangelischen von seiten Roms drohen. Sie fürchten den Vorwurf,
,unökumenisch" und "intolerant" eingestellt zu sein.

Im Mai 1967 empfing Papst Paul VI. anläßlich des von ihm eingeführten "Welttags der
Massenmedien" in Rom 4000 Schriftsteller, Verleger, Journalisten, Musiker, Produzenten,
Filmschauspieler, Kameraleute, Schallplattenhersteller und Schlagersänger. In einer Ansprache
würdigte der Papst die Aufgaben und Pflichten all derer, die im Dienst staatlich gelenkter
Massenmedien stehen. Eine noch größere Propaganda für die "alleinseligmachende Kirche
Roms" müssen wir in den kommenden Zeiten erwarten. Damit wird der große Massenrausch
einsetzen. Auch Freikirchen und Gemeinschaften werden davon nicht verschont bleiben! Es wird
auch da zu einer klaren Scheidung kommen! je lauter es aber um die Weltkirche werden wird,
um so stiller wird es um die Gemeinde Jesu sein.

3. Die EKD nach dem Konzil

Am 16. April 1966 haben in Fulda die Leiter der EKD und die der römischen Kirche ihre ersten
evangelisch katholischen Kontaktgespräche begonnen. Die Themen dieser ersten Begegnung
sind Fragen der Mischehe, interkonfessionelle Begegnungen, gemeinsame Gottesdienste,
gemeinsame Bibelübersetzung usw. Diese Gespräche werden sich längere Zeit hinziehen.

Einer der Wortführer in der Wiedervereinigungsfrage war unter anderen der hessen nassauische
Kirchenpräsident Dr. Wolfgang Sucker. Sein Bestreben war, ein "evangelisches Konzil zu einem
brüderlichen Dialog" zusammenzurufen. Auf diesem Konzil sollten die drei evangelischen Kirchen
zu einer Einheit zusammengeschlossen werden. Das soll aber nur die Vorarbeit für die
Wiedervereinigung mit der Kirche Roms sein.
Hier gilt auch das Jesuswort, das er vor seiner Kreuzigung ausgesprochen hat: "Aber dies ist
eure Stunde und die Macht der Finsternis" (Luk. 22, 53).
Ein Erlebnis aus der Kriegsgefangenschaft steht immer wieder vor mir: Im Lager schloß sich ein
kleiner Kreis von Männern zu gemeinsamen Gottesdiensten zusammen. Unter ihnen war auch
ein Dozent der Theologie. Dieser Mann sagte eines Tages zu uns: "Liebe Kameraden, die Zeit
unserer Entlassung aus der Gefangenschaft rückt immer näher. Viele unter uns werden nach
ihrer Heimkehr wieder in der Kirche wirken oder zumindest zu ihr gehören. Darum richte ich eine
Frage an Sie: Wie stellen Sie sich jetzt in der Nachkriegszeit eine Erneuerung unserer
evangelischen Kirche vor? Es würde mich freuen, wenn Sie mir beim nächsten Treffen eine
Antwort geben könnten."

Mich hat diese Frage damals innerlich stark bewegt. Bei der nächsten Zusammenkunft übergab
ich dem Frager eine zwei Seiten lange, biblisch orientierte, klare schriftliche Antwort, wie ich mir
die "Erneuerung" der Kirche denke. Meine Antwort war nicht nach seinem Sinn, das merkte ich
aus seiner gereizten, barschen Antwort: "Sie haben mich völlig falsch verstanden! Meine Frage
war: Wie können wir den Gottesdienst besser und schöner gestalten, die Liturgie, den Gesang,
die Feiern usw. verschönern, so daß die Kirche heute für den fortschrittlichen Menschen wieder
anziehend wirkt?"

Nach dem Versagen in der Vergangenheit hat der Herr der evangelischen Kirche aller Länder in
der Nachkriegszeit noch einmal neue Gnade, neue große Möglichkeiten angeboten. Ich frage:
Hat sie nicht dieses herrliche Gnadenangebot Gottes versäumt? Hat sie sich nicht, anstatt einer
geistmäßigen, biblisch orientierten, inneren Erneuerung, mit der Erneuerung ihrer Fassade
begnügt?

Mit tiefem Weh muß man heute erleben, wie sich die Seuche des antichristlichen Rationalismus
im ganzen evangelischen Raum immer mehr ausbreitet, wie der moderne Liberalismus in den
theologischen Kreisen immer tiefere Wurzeln schlägt. Ist das vielleicht die tiefste Ursache des
Strafgerichtes Gottes, daß sich die Kirche der Reformation wieder mit dem antichristlich
gesinnten Papsttum verbinden muß?

Fürwahr, die Wiedervereinigung mit der Kirche Roms wäre ein furchtbares Gottesgericht für die
evangelische Gemeinde der Reformation!

Der Herr Christus warnte seine Jünger: "Es werden falsche Christi und falsche Propheten
aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, daß verführt werden in den Irrtum, wo es möglich
wäre, auch die Auserwählten. Viele werden kommen in meinem Namen und sagen: ’Ich bin
Christus’ und werden viele verführen" (Matth. 24, 5 25).
Seit der Zeit Christi auf Erden sind wiederholt Männer aufgestanden, die um Anerkennung
warben, indem sie vorgaben, gottgesandte Retter zu sein. Auch der Apostel Johannes warnte
schon die gläubige Gemeinde seiner Zeit:
"Kinder, es ist die letzte Stunde! Und wie ihr gehört habt, daß der Widerchrist kommt! So sind nun
viele Widerchristen geworden; daher erkennen wir, daß die letzte Stunde ist" (1. Joh. 2, 18). Viele
Antichristusse und falsche Messiasse versuchten immer wieder, das Gottesvolk zu verführen. Im
Laufe der Jahrhunderte sind allein aus dem Judentum 28 falsche Messiasse aufgestanden.

Eine der größten Verführungen aller Zeiten erlebten wir erst vor drei Jahrzehnten. Erschüttert
fragen wir uns heute, wie es möglich war, daß ein einfacher, sterblicher Mensch diese gewaltigen
Menschenmassen in seinen Bann ziehen und verführen konnte. Er selber berief sich auf den
"Allmächtigen", auf die "Vorsehung", die ihn zum Retter des deutschen Volkes bestimmt habe.
Mit seinem Kommen wollte er die ganze Welt beglücken. Er beanspruchte für sich das Heil, das
allein dem Herrn aller Herren gehörte. Die Masse des Volkes verehrte ihn abgöttisch und betete
ihn an. Selbst in sogenannten christlichen Kreisen konnte man den Ausspruch hören: "Der zweite
Christus ist vorn Tode erstanden!" Die Alten lehrten die jungen zu Tisch beten "Hände falten,
Köpfchen senken, immer an den Führer denken. Unser Führer, unser Gott, gibt uns unser täglich
Brot." Das war Antichristentum in Reinkultur!

Antichristentum ist immer da, wo ein sterblicher Mensch göttliche Verehrung, göttliche
Anerkennung für sich beansprucht oder sie sich gefallen läßt. Das "anti" (griechisch) bedeutet
"anstatt . . ., anstelle von ... , anstelle für ...".
Der Antichrist ist demnach der, der an die Stelle Christi tritt oder an Christi Statt kommt, das
heißt: "der andere Christus" oder der "Stellvertreter Christi". Christus hat aber nur den Heiligen
Geist als Stellvertreter (Joh. 16). Darum ist jeder andere "Stellvertreter" ein Gegenspieler, ein
Widersacher, ein Feind Christi.
Auch das "Falschprophetentum" der Letztzeit (Offb. 13, 11ff.) ist Antichristentum, weil es von
demselben antichristlichen Geist inspiriert ist.

Ist nicht das Erleben nach 1933 für die ganze Welt ein aufgehobener Finger Gottes?

Ist unsere Zeit nicht eine Wiederholung jenes Zeitabschnittes, nur mit dem Unterschied, daß
diesmal der Träger des antichristlichen Weltgeistes eine sogenannte "christliche" Kirche ist?

Der Papst ist ein armer sterblicher Mensch wie alle Menschen. Dieser sterbliche Mensch hat sich,
gegen das ausdrückliche Gebot der Heiligen Schrift, Namen zugelegt, die allein dem höchsten
Gott und seinem Sohn, Jesus Christus, dem Herrn der Herrlichkeit, gebühren:
"Vater der Fürsten und Könige", "Lenker des Erdkreises", "Statthalter unseres Erlösers Jesus
Christus", "Heiliger Vater", "Stellvertreter Gottes auf Erden", "Unfehlbarer Stellvertreter Christi" u.
a. m. Millionen und aber Millionen fallen vor ihm nieder und beten ihn und sein Bild an. Er aber
segnet die Massen, die ihm huldigen, ihn göttlich verehren und ihn anbeten.

Als bibelgläubige Christen müssen wir nicht nur ein entschiedenes Nein zu diesem Geist sagen.
Wir müssen die Geister immer wieder nach den ewigen Schriftwahrheiten prüfen! Deshalb dürfen
wir uns keinerlei falschen Hoffnungen, keiner verführerischen Einheitsbestrebung und falschen
Allianz hingeben.

Wo aber heute noch in göttlicher Vollmacht die frohe Botschaft von Jesus Christus, dem
alleinigen Bringer unseres Heils, dem zur Rechten des Vaters sitzenden und mit Herrlichkeit und
Macht wiederkommenden Herrn und Heiland in Kirchen, Freikirchen und Gemeinschaften
verkündigt wird, da wollen wir uns freuen und Gott die Ehre geben. Wir scheiden uns innerlich,
und wenn es sein muß auch äußerlich, von einer jeglichen Kirche oder Gemeinde, deren Zeugnis
von Jesus Christus nicht mit der Heiligen Schrift übereinstimmt. Wir gehen kompromißlos den
Weg der Einsamen, wo der Herr der Herrlichkeit verdunkelt, geschmälert, entehrt,
vermenschlicht, das heißt gelästert wird. Der Apostel Paulus sagt: "So auch wir oder ein Engel
vom Himmel euch würde Evangeliurn verkündigen anders, denn das wir euch gepredigt haben,
der sei verflucht!" (Gal. 1, 6 9.)

Der starke Ruf aller biblisch Gläubigen: "Kein anderes Evangelium!" darf heute nicht nur für die
pseudowissenschaftlichen Bestrebungen einer entarteten modernen Theologie gelten.

Dieser Ruf gilt ebenso für alle schwarmgeistigen Auswüchse der Gegenwart und für jene
heidnisch-christliche Mischreligion, die uns heute und morgen von der Kirche Rorns als
"alleinseligmachend" propagandistisch angepriesen wird.

4. Die römische Kirche und die Kirchen der Reformation nach der Vollversammlung in Uppsala
1968

Das Vatikanblatt "Osservatore Romano" schrieb am 13. 9.1952 auf die Einladungen Roms zu
den Weltkirchenkonferenzen folgendes:
"In Stockholm fehlte Christus! Der Konferenz fehlte der Stifter! Man kann nur die Formulierung
wiederholen, daß die abtrünnigen Kirchen zuerst Christus absetzen mußten. Das ist die Rache
der Geschichte! Man kann sich eben von Rom nicht trennen."
Klingen diese Worte des päpstlichen Blattes nicht wie eine Prophetie? Zeigt nicht solche
Formulierung den furchtbaren Abgrund der meisten Kirchen? Nach dieser Formulierung mußten
zuerst die Kirchen der Ökumene christuslos, d. h. gottlos werden, um zu einer Verständigung
untereinander und dann mit der antichristlichen Kirche Roms zu kommen.

Ein Wort sagt: "Je älter die Tochter wird um so ähnlicher wird sie ihrer Mutter!" Wenn man heute
die großen evangelischen Kirchen miteinander vergleicht, muß man feststellen, daß viele Kirchen
der "Mutter" immer ähnlicher werden: Der gleiche antichristliche römische Geist durchsäuert fast
alle Kirchen der Welt.
Freikirchliche Gemeinschaften, die bis dahin noch eine Sonderstellung hatten, sind heute zu
"Kirchen" geworden und werden in den modernen, antichristlichen Sog mit hineingerissen. In
England z. B. steht deswegen die methodistische Kirche vor einer Spaltung.

Wer als "Beobachter von Ferne" den Gang der Weltkirchenkonferenz überblickte, der stand stark
unter dem Eindruck: In Uppsala fehlte Christus! Der Weltkonferenz fehlte der Erlöser! Anwesend
war dort eine zusammengewürfelte Schar von Delegierten verschiedener Kirchen der Welt,
Journalisten, "Beobachter" und "jugendliche Hitzköpfe". Die Gemeinde Jesu Christi, von Christus
gezeugt und mit göttlicher Vollmacht ausgerüstet, fehlte in Uppsala. Fast alle Referate, die in den
sechzehn Tagen gehalten wurden, waren kein biblisches Bekenntnis oder ein Zeugnis für den
lebendigen Herrn und Heiland. Es hieß nicht: "Die Liebe Christi dringet uns also!" Der "soziale
Christus", d. h. die "Mitmenschlichkeit" bzw. der "helfende Mensch", stand im Mittelpunkt dieser
Versammlung.
Nur vereinzelte Warnblinker blitzten in dieser ökumenischen Nacht auf. So sprach u. a. der
Delegierte der Pfingstbewegung, Christian Krust (Mülheim/Ruhr), unmißverständlich die
Befürchtung aus, daß sich die ökumenische Bewegung zu einem "Machtfaktor" in der Welt
entwickeln könnte. "Vernunftglaube" und "formales Lippenbekenntnis" ist für das Christsein nicht
ausreichend.

Auch Rom wagte zum erstenrnal, 15 Beobachter nach Uppsala zu senden. Die Anwesenheit der
Männer des Papstes war das Glanzstück dieser ökumenischen Versammlung. Darüber schreibt
ein katholisches Kirchenblatt mit Begeisterung: "Die Hälfte der gesamten Christenheit hatte ihre
Vertreter nach Uppsala zur ’Vierten Vollversammlung des Ökumenischen Rates’ gesandt. Von
der anderen Hälfte den Katholiken waren nur 15 Beobachter erschienen. Aber das kam
dennoch einer Sensation gleich ...

Vor zwanzig Jahren waren es noch die feindlichen Brüder. Heute aber schickt selbst der Papst
ein herzliches Grußschreiben und spricht vom ’Ausdruck des lebhaften Interesses, das Wir an
der Vollversammlung nehmen’ und wünscht ihr den Segen des Herrn bei allem, was Sie tun, um
die Sache der Einheit zu fördern’."
Das ist die Tragik und der Schmerz der Geschichte: Zuerst mußten die meisten evangelischen
Kirchen und auch manche Freikirchen den biblischen Christus verleugnen und die Reformation
für nichtig erklären, um sich wieder mit der antichristlich gesinnten Kirche Roms zu verbinden.

Kurz vor der Vollversammlung in Uppsala hat Papst Paul VI. ein Bekenntnis ausgesprochen:
"Das Credo (Glaubensbekenntnis) des Volkes Gottes." In diesem Bekenntnis hat er die
Forderung "nach dem einen Hirten (dem Papst!) und einer Herde" (der alleinseligmachenden
Kirche!) gestellt. Der Gesandte des Vatikans nach Uppsala, Jesuitenpaler Roberto Tucci,
Chefredakteur der Zeitung "Civilta Cattolica", sagte in seiner Rede in jesuitischer Zweideutigkeit
dasselbe: "Auch für die römischen Katholiken ist die Einheit aller Christen nicht gleichbedeutend
mit dem Sieg der einen Kirche über die andere, sondern der Sieg Christi über die Spaltungen."
Nach der römischen Dogmatik ist aber der Papst der "Stellvertreter Christi" auf Erden. Ohne
jesuitische Verschlüsselung würden die letzten Worte des Paters demnach heißen: "sondern der
Sieg des Stellvertreters Christi auf Erden über die Spaltungen". Anstatt nach dem wahren Sinn
der letzten Worte des Jesuitenpaters zu fragen, ging seine Rede in einem brausenden Beifall
unter. – Katholische Moraltheologen erlauben auch dem Priester, sich Zweideutigkeiten zu
bedienen. Es ist deshalb bei Gesprächen größte Vorsicht geboten, weil das Gewissen des
Priesters zwiespältig ist.

"Christ und Welt", Nr. 30/68 schreibt zu der Rede des Paters: "Die erste Sensation war die Rede
des römischen Paters vor dem Plenum. Nicht daß er einen Beitritt der katholischen Kirche für
morgen oder übermorgen verhieß. Doch da er dieses Problem ohne Wenn und Aber offen
anschnitt, verdeutlichte er den Delegierten, daß es kein Zurück, sondern nur ein Vorwärts gibt.
Die katholische Kirche und die Nichtkatholiken waren sich noch nie so nahe gewesen. Es gibt
keine theologischen Gründe prinzipieller Art mehr, die ein Zusammengehen ausschließen. Man
kann es den Delegierten nicht verübeln, wenn ihre Gesichter strahlten. Nach zwanzigjährigem
Bestehen scheinen die letzten Früchte der Ökumene zu reifen. Mit einer offiziellen Einladung zum
Beitritt und die Forderung, ein allgemeines Konzil abzuhalten, anwortete die Versammlung auf
diese historische Stunde."
Man kann hier nur die Worte des gekreuzigten Erlösers nachsprechen: "Vater, vergib ihnen, denn
sie wissen nicht, was sie tun!"

In Zukunft will man auch evangelisch-katholische Kirchentage abhalten. Ökumenische


Gebetsgottesdienste, Jugendlager, die Zusammenarbeit auf sozialem Gebiet u. a. m. will man
noch mehr intensivieren.
Vor mir liegt ein Programm eines Ökumenischen Gebetsgottesdienstes, der hier in einer
evangelischen Kirche gehalten wurde. Der evangelische Pfarrer betete u. a. ein Bußgebet:
"Wir danken dir, Herr, für diesen Tag und für diese Stunde, weil du uns versammelt hast, dich zu
preisen, Buße zu tun und in Hoffnung auf die sichtbare Einheit aller Christen zu warten. Lasset
uns also Buße tun und demütig bekennen, was wir gegen die Einheit der Kirche (durch die
Reformation) gefehlt haben. Dein großes Werk der Einheit (der Kirche Roms) haben wir zerteilt. -
Erbarme dich unser, o Herr!
In unserem Hochmut haben wir unsere Brüder in Christo (in der päpstlichen Kirche) nicht
verstanden und oft danach getrachtet, überlegen zu sein über sie. Erbarme dich unser, o Herr!
Grenzen haben wir gezogen unter deinen Kindern und die Ausbreitung des Evangeliums in der
ganzen Welt durch unsere Spaltungen gehindert. - Verbiete, Gott, Heiliger Geist, daß wir uns
abfinden mit unserer Trennung (von der Alleinseligmachenden!). Erbarme dich unser, o Herr!"

Wir können uns denken, daß bei diesem "Bußgebet das Herz des anwesenden Priesters gejubelt
hat. Das ist der Superlativ der Kriecherei vor Rom! Man kann hier offen sagen, daß solch ein
"Bußgebet" ein Fluch gegen Jesus Christus, ein Verrat der Reformation, eine Schmähung der
Reformatoren und ein Verurteilen aller aufrichtigen, bibelgläubigen Christen ist.

Papst Paul führt heute Gespräche mit der ganzen Welt: Er wollte mit China verhandeln, wurde
aber dort abgewiesen ...

Zur Zeit verhandelt der Vatikan mit Moskau als "Amtikapitalist" und "Freund der Arbeiterklasse"
obwohl er selber der größte Kapitalist der Welt ist . . . In den Ländern der Reformation sind die
Jesuiten "treue Bibelfreunde" wo sie aber die Herrschaft haben, hetzen sie die Polizei auf die
Bibelboten und lassen sie verhaften ... In den Ländern der Reformation spricht der Klerus vom
"gleichen Recht aller Kirchen" in Rom dagegen spricht der Papst vom "alleinigen Recht der
alleinseligmachenden Kirche Roms" . . . In den evangelischen Ländern sind die katholischen
Sender "evangelisch" ausgerichtet, um Verwirrung bei den Evangelischen zu stiften in den rein
katholischen Staaten werden schon die Anfänge einer evangelischen Gesinnung gehaßt und
verfolgt ... In den Ländern der Reformation schreiben führende Katholiken darunter auch
Jesuiten für evangelische Leser Bücher und Schriften, die "antipäpstlich" und "prolutherisch"
ausgerichtet sind wo dagegen die Kirche Roms die Herrschaft hat, wird evangelisches
Schriftturn eingezogen und die Verbreiter desselben verhaftet . . . Das ist Rom!
Es gibt heute in der katholischen Kirche eine kleine Schar wirklich gläubiger Christen, die
Christus und sein Wort für ihr Leben erwählt haben. Von "starken Strömungen zum Worte hin"
ist nichts zu merken. Mit dem "Zölibat", der "Antibaby Pillen Enzyklika" und dergleichen Dingen
hat die bibelgläubige Gemeinde nichts zu tun. Diese "Enzyklika Humanae Vitae" zeigt uns nur die
gewaltige Machtposition des Papsttums. Die sogenannten "guten Katholiken" benötigen solche
elenden päpstlichen Krücken für ihr Glaubensleben. Der wahrhaft gläubige Christ lebt aus der
Fülle des Wortes Gottes, in dem alle Lebensproblerne gelöst sind.

Es ist wahr: "Die römische Kirche und die Nichtkatholiken waren sich noch nie so nahe wie
heute." Wir können den Zerfall der Kirche der Reformation nicht mehr aufhalten. Rom hat die
Weiche gestellt. Ein großer Teil der evangelischen Kirchen hat sich freiwillig auf dieses falsche
Geleise begeben und jagt mit furchtbarer Geschwindigkeit ihrem Verderben entgegen.

Im Jahre 1956 wurde in Schweden und Norwegen das Verbot des Jesuitenordens aufgehoben.
Seit dieser Zeit wird die Gegenreformation in den nordischen Staaten stark vorangetrieben. In
Dänemark z. B. ist 1966, als erste Tat nach der Reformation, ein Jesuit zum Bischof geweiht
worden. Die evangelischen Länder des Nordens werden von Rom als finsteres Heidentum
angesehen, das "missioniert" werden muß. Ein katholisches Missionsblatt in München (St.
Anger), das sich zur Aufgabe gesetzt hat, den "finsteren Norden" zu missionieren, schreibt:
"Unser Gebet ist, daß der Glaube an Gott und seine (katholische!) Offenbarung und die
Sehnsucht nach der Wiedervereinigung auch im Norden wachse! Daß der ’eucharistische Herr’
(im Meßopfer!) dort wieder gegenwärtig werde, wo vor 400 Jahren das ewige Licht erloschen ist."

Besonders Schweden, aber auch Norwegen, Finnland, Dänemark und Island werden planmäßig
mit einem Netz von Kirchen, Kapellen, Schulen, Schwesternhäusern und anderen kath. Heimen
überzogen.
Man müßte hierzu schweigen, wenn die Kirche Roms dieselben Rechte und Freiheiten auch den
Evangelischen in katholischen Ländern zugestehen würde. Die Erfahrung aber lehrt: Wo der
Katholizismus an Macht gewinnt, hört die vielgepriesene "ökumenische Freiheit" auf! Dort werden
die Evangelischen höchstens noch geduldet! Die Zahl der Katholiken in Schweden ist in den
letzten sieben Jahren um 67 Prozent angestiegen.

Der Herr schenke der nordischen evangelischen Kirche wahre Beugung und Buße, aber auch
offene Augen, um den Betrug Roms durchschauen zu können. Möge die Schrift "Alarm um die
evangelische Gemeinde der Reformation" auch ein Warnruf an die Evangelischen des Nordens
sein.

Eine Geistesgabe haben wir in dieser verführerischen Zeit besonders nötig: die Gabe der
Geisterunterscheidung!
Diese können wir nur durch den Geist im Wort bekommen! Nach dieser wollen wir uns
ausstrecken und den Herrn bitten: "Gib mir Augen, die was taugen. Rühre meine Augen an. Denn
es ist die größte Plage, wenn am Tage man das Licht nicht sehen kann."
Nur dem Treuen winken Kronen! Darum seid nüchtern und WACHET

--

Maria und die Neue Weltordnung

Paul VI., Johannes XXIII. und Johannes Paul II. werden zweifellos als die drei grossen
Friedenspäpste in die Geschiochjte eingehen, Vorreiter einer folgenreichen Transzendenz der
kath. Kirche in das New Age, das Neue Zeitalter
- Robert Mueller, ehemaliger stellvertretender UNO-Generalsekretär.- (NRI-Trumpet, 10/93)

In einer Zeit, in der die Wissenschaftler über die Ursache der Geburt des Universums
debattieren, haben sowohl die Verehrung Marias als auch die damit verbundenen Konflikte
aussergewöhnliche Ausmasse angenommen. Weltweit erfährt der Glaube an die Jungfrau eine
Erweckung. Millionen von Verehrern scharen sich um ihre Heiligtümer, viele davon junge Leute.
Noch bemerkenswerter ist die Anzahl der behaupteten Erscheinungen der Jungfrau in den letzten
paar Jahren, von Jugoslawien bis Colorado.
- TIME - (30. 12. 1991)

Dave Hunt

Der Vatikan, Maria und die Neue Weltordnung


Das Nachrichtenmagazin Time berichtet, rund um die Welt habe es so viele Erscheinungen der
„Jungfrau Maria“ gegeben, daß das „ausgehende 20. Jahrhundert zum Zeitalter der
Marienwallfahrten“ zu den vielen Heiligtümern geworden ist, die man zum Gedächtnis an diese
Erscheinungen errichtet hat. Allein in Frankreich gibt es 937 Marienheiligtümer. Von 1961 bis
1965 kam es im nordwestspanischen Dorf Garabandal zu etwa 2.000 Visionen, begleitet von
okkulten Phänomenen und apokalyptischen Botschaften an die Welt. Im Jahre 1983 sahen
Hunderte von palästinensischen Arabern „die Jungfrau Maria“ in der Nähe von Bethlehem. Sie ist
in jedem Winkel der Welt erschienen:

Da gibt es noch Dozule ... und Kibeho in Ruanda ... Erscheinungen unserer Lieben Frau im
japanischen Akita ... Erscheinungen in Chile, in Australien und in Polen ... in Kanada ... Kairo,
Amsterdam, New York u.a.m.

Diese Erscheinungen haben Millionen Menschen zum Glauben an die Maria des Katholizismus
geführt. Die Heiligtümer im französischen Lourdes ziehen alljährlich etwa 5,5 Millionen Pilger an;
5 Millionen kommen zur Schwarzen Madonna in Polen; Fatima in Portugal „zieht jährlich stets 4,5
Millionen Pilger aus immer mehr Ländern an“. Seitdem Johannes Paul II. das Marienheiligtum im
irischen Knox besucht hat, „verdoppelte sich die Besucherzahl auf 1,5 Millionen Menschen pro
Jahr. Um den Andrang zu bewältigen, eröffnete man 1986 einen neuen Flughafen in Knox.“ In
Orlando in Florida ist kürzlich ein Heiligtum der „Maria, Königin des Universums“ eröffnet worden.
Das Heiligtum Unserer Lieben Frau von Guadalupe bei Mexiko City „zieht jedes Jahr an die 20
Millionen Besucher an“

Rund um die Welt wird Marias wirksamer Schutz gefeiert. Unsere Liebe Frau von Lanka, der man
zuschreibt, während des 2. Weltkriegs eine japanische Invasion verhindert zu haben, ist seit 1948
die Patronin von Sri Lanka. Unsere Liebe Frau von Copacabana ist „Patronin der bolivianischen
Marine ... Unsere Liebe Frau von Coromoto Patronin von Venezuela“. Der polnische Präsident
Lech Walesa pilgerte nach Fatima, wo er „Dankgebete für die Befreiung Polens darbrachte“.
Johannes Paul II. glaubt, daß „Maria dem Kommunismus in ganz Europa ein Ende gemacht hat“.
Moskaus Erzbischof Kondrusiewicz pilgerte im Jahre 1991 aus gleicher Überzeugung nach
Fatima, worüber das sowjetische Nationalfernsehen zur besten Sendezeit berichtete. In Moskau
soll in Kürze aus Dank für ihren Sieg über den Kommunismus ein Heiligtum „Unserer Lieben Frau
von Fatima“ errichtet werden, die unmittelbar vor dem Fall der Berliner Mauer in der Sowjetunion
erschienen war. Kondrusiewicz möchte, daß ihr Heiligtum zu einem immerwährenden Gedächtnis
an diese große Eroberung wird.

Die Erscheinungen verkünden in übereinstimmender Weise die zukünftige Welteinheitsreligion


des Antichristen: Alle Religionen sind im Grunde genommen gleich und müssen sich
zusammentun, um Frieden zu erlangen. Maria bietet ein ökumenisches Evangelium an, das „von
Katholiken, Protestanten, Muslimen und Juden angenommen“ werden kann und erklärt: „Jeder
betet Gott auf seine eigene Weise an mit Frieden im Herzen.“ Das sagt Unsere Liebe Frau von
Medjugorje im Süden von Bosnien-Herzegowina, wo die Visionäre behaupten, die Jungfrau sei in
den letzten 13 Jahren täglich erschienen.

Erscheinungen und die offizielle katholische Lehre.

Die Marienerscheinungen würden wohl kaum so große Gefolgschaften anziehen, wenn die
offiziellen Dogmen das nicht unterstützten. Den Katholiken wird beigebracht, zu Maria zu beten,
und man verspricht ihnen, sie werde sie vor jeder Gefahr beschützen und jeden Wunsch
gewähren. Der neue Katechismus der katholischen Kirche erklärt mit einem Zitat vom 2.
Vatikanum: „Schon seit ältester Zeit wird die selige Jungfrau unter dem Titel der ‚Gottesgebärerin‘
verehrt, unter deren Schutz die Gläubigen in allen Gefahren und Nöten bittend Zuflucht nehmen.“
Hier haben wir offizielle katholische Lehre von oberster Stelle, die Maria eine Autorität und Macht
zuschreibt, welche allein Gott zusteht!
In der ganzen Bibel gibt es nicht ein Gebet an Maria, nicht einen Fall, daß sie jemandem auf
wunderbare Weise geholfen hätte, und auch keine Verheißung, daß sie das könnte oder täte.
Von Mose bis zur Offenbarung wird Schutz und Hilfe allein bei Gott bzw. Christus gesucht, allein
von Gott bzw. Christus verheißen und allein bei Gott bzw. Christus gefunden. Das belegen
Hunderte von Versen, von denen die folgenden nur eine kleine Zusammenstellung sind:

Eine Zuflucht ist der Gott der Urzeit, und unter dir sind ewige Arme (5. Mose 33,27).
Gott ist unsere Zuflucht und Stärke, als Beistand in Nöten reichlich gefunden (Psalm 46,2).
Auf Gott ruht mein Heil ... der Fels meines Schutzes, meine Zuflucht ist in Gott (Psalm 62,8).
Ich sage zum HERRN: Meine Zuflucht ... mein Gott, ich vertraue auf ihn (Psalm 91,2).
Fürchte dich nicht ... ich helfe dir, spricht der HERR, und dein Erlöser ist der Heilige Israels
(Jesaja 41,14).
Herr [Jesus], rette mich! (Matthäus 14,30).
Herr [Jesus], hilf mir! (Matthäus 15,25). Laßt uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der
Gnade [Gottes], damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe!
(Hebräer 4,16).

Der unendlich machtvolle und liebende Gott, und Christus (der eins ist mit dem Vater), haben
über die Jahrhunderte alle, die auf ihn vertrauten - wie verheißen - beschützt. Weshalb sollte
dann jemand Maria anrufen? Ist sie vielleicht mächtiger als Gott oder hat sie mehr Mitleid oder ist
sie verläßlicher oder antwortet sie schneller? Obwohl es die meisten Katholiken abstreiten
würden, hat „Maria“ in heimtückischer Weise die christliche Dreieinigkeit ersetzt. Dem Bildnis
Unserer Lieben Frau von Guadalupe hat man während seiner letzten Reise durch die USA
Wundertaten zugeschrieben. Die Ehrerbietungen, mit denen es in Mexiko empfangen wurde,
sehen u.a. wie folgt aus:

Die öffentlichen Busse in den Außenbezirken von Mexiko City haben blumengeschmückte
Gnadenbilder der Jungfrau auf ihren Armaturenbrettern, mexikanische Fabriken hängen vielfach
Bilder der Jungfrau auf, um von schlechtem Benehmen abzuschrecken, und Zigtausende der
alljährlichen Pilger der Basilika beenden ihre Reise rutschend auf ihren Knien.

Maria um Hilfe und Schutz anzuflehen bedeutet, daß sie Gott zumindest an Macht gleichkommt
und vor Gott bzw. Christus bevorzugt wird. Das ist nicht die Maria der Bibel. Der Glaube an die
Maria des Katholizismus, gefördert durch die Tausende von Erscheinungen, bereitet den Weg für
eine Welteinheitsreligion, eine Neue Weltordnung und die Herrschaft des Antichristen.

Die einzigartige Rolle der erstaunlichen Maria

Die Frauen von heute setzen sich weltweit mehr durch, als jemals zuvor in der Geschichte.
Entgegen der landläufigen Meinung, „stiften Frauen den meisten Familienkrach an und schlagen
die Männer häufiger und heftiger als die Männer die Frauen“, und in lesbischen Beziehungen gibt
es weit mehr Gewalt, als in Beziehungen zwischen Mann und Frau. (USA-Today,1994)
Frauen übernehmen das, was einst Aufgabe der Männer war, und auch in den höchsten Ebenen
des leitenden Managements, der Politik und der Religion finden sie zunehmend Anerkennung.
Gott allein kann Johannes vor 1900 Jahren eine Vision gegeben haben, die sich heute so genau
erfüllt – eine Frau hat die Kontrolle.

Von den heutigen Entwicklungen her erscheint es unumgänglich, daß eine Frau das Tier reiten
muß. Und von allen Frauen der Geschichte kann es keine mit der allmächtigen, allwissenden und
allgegenwärtigen „Maria“ aufnehmen. Kann es vielleicht sein, daß sie als Vorbereitung auf ihre
einzigartige Rolle in der Neuen Weltordnung auf dem Rücken des Tieres derzeit Millionen rund
um die Welt in einem blendenden Machterweis erscheint? Das Drehbuch ist genial! Johannes
Paul II. sagte:

Maria ... sollte alle begeistern, die in der apostolischen Mission der Kirche für die Wiedergeburt
der Menschlichkeit mitwirken ... Die Kirche reist durch die Zeit ... auf dem Weg, den die Jungfrau
Maria bereits vorgezeichnet hat.

Die ökumenische Macht dieser Maria liegt darin begründet, daß sie eine neue Gottheit darstellt,
die für die Anhänger aller Religionen annehmbar ist – eine weibliche Gottheit im Gleichschritt mit
dem Zeitgeist von heute. Selbst die Protestanten finden sie attraktiv. Bei einer Frauenkonferenz
im November 1993 „sprachen über 2.000 Teilnehmerinnen ein Gebet zu ... einer weiblichen
Gottheit ... [und] in einem der heiligen Kommunion nachempfundenen Ritual nahmen die Frauen
zur Ehre der Gottheit Milch und Honig zu sich“. - Eine uns fernliegende New-Age Veranstaltung?
Nein, „die meisten Teilnehmerinnen repräsentierten vornehmlich protestantische Denominationen
...“

Eine lutherische Pastorin „sagte stolz, daß der Name Jesus Christus nicht genannt wurde“ und
andere Gemeindeleiter forderten die Anwesenden auf, „die patriarchale Vorstellung eines Vater-
Gottes“ umzustürzen. Die koreanische Theologin Chung Hyun Kyung „drängte die Christen, eine
‚neue Dreifaltigkeit‘ aus buddhistischen, hinduistischen und philippinischen Göttinnen
anzunehmen“. (Charisma, Mai 1994)

Der Katholizismus ist ein Sprung nach vorn. Seine „Maria“, eine für alle Religionen geeignete
Göttin, wird bereits von einem Viertel der Weltbevölkerung angebetet. Außerdem hat sich ihre
Tauglichkeit zur Beherrschung einer loyalen Menschenmasse jahrhundertelang auf nationaler
Ebene erwiesen:

Maria war im Jahre 1037 die „erklärte Königin des ukrainischen Volkes“, und der hl. König
Stephan hatte ihr etwa zur gleichen Zeit Ungarn geweiht. „Richard II. weihte im Jahre 1381
England feierlich als ‚ihre Mitgift‘ an Maria ...“ Frankreich wurde im Jahre 1638 auf Befehl
Ludwigs XIII. an Maria geweiht, welcher sagte: „Wir weihen ihr insbesondere unsere Person,
unseren Staat, unsere Krone und unsere Untertanen“; Polen im Jahre 1656 durch König Kasimir.
Alle „südamerikanischen Kolonien Spaniens wurden Maria im Jahre 1643 durch eine ‚feierliche
Einsegnung‘ unter dem Befehl König Philips IV. geweiht“, und 1664 geschah gleiches „für
Portugal und alle seine Kolonien auf die Anregung König Johanns IV. hin ... Österreich im
darauffolgenden Jahr“ usw. Im Jahre 1846 schrieben die Bischöfe von Amerika: „Wir ... stellen
uns selbst samt allen, die unserem Amt vertrauen ... unter die besondere Schirmherrschaft der
heiligen Mutter Gottes ...“ (Soul Magazine April 1993)

Maria und der Islam

Man kann sich leicht vorstellen, wie Buddhisten, Hinduisten, New-Ager und Liberale – wie auch
Katholiken und Protestanten – sich zu einer Welteinheitsreligion vereinen, aber die Milliarde
Muslime stellt ein besonderes Problem dar. Maria scheint jedoch eine Besonderheit zu sein,
durch die selbst die Muslime zu einem universalen Glauben geführt werden können. Eine
britische katholische Zeitung (The Tablet 1992) berichtet, daß „eine marianische Erweckung sich
über ganz Afrika ausbreitet, begleitet von angeblichen Erscheinungen der Jungfrau Maria, die
auch unter den Muslimen eine Gefolgschaft versammeln ...“Afrikanische Muslime sehen selbst
Erscheinungen der Jungfrau Maria und „werden nicht aufgefordert, Christen zu werden“, um ihr
folgen zu können. Die Zeitschrift Our Sunday Visitor weist auf die große Ehre hin, die Maria im
Koran zuteil wird, und auf die verdächtigen Verbindungen zwischen ihr und Mohammeds
Lieblingstochter Fatima.

Bischof Fulton J. Sheen schrieb ein interessantes Buch (Mary and the Moslems – The World`s
First Love 1952), in dem er die Voraussage aufstellte, daß der Islam sich „durch die Aufforderung
an die Muslime zur Verehrung der Mutter Gottes“ zum Christentum bekehrt. Er schreibt dazu:

„Der Koran ... enthält viele Abschnitte über die selige Jungfrau. Zunächst glaubt der Koran an ihre
Unbefleckte Empfängnis wie auch an ihre Jungfrauengeburt ... Dann ist Maria für die Muslime die
wahre Sayyida, oder Liebe Frau. Die einzige, die ihr möglicherweise und ernsthaft diese Stellung
streitig machen könnte, ist Fatima, die eigene Tochter Mohammeds. Aber nach dem Tode
Fatimas schrieb Mohammed: „Du sollst die gesegnetste aller Frauen im Paradiese sein, nach
Maria.“

Sheen fährt fort und sagt, wie bemerkenswert es sei, daß „Unsere Liebe Frau die Weitsicht hatte,
in dem portugiesischen Dörfchen namens Fatima zu erscheinen (das nach der Tochter
Mohammeds während der muslimischen Besatzung benannt wurde) und so als Unsere Liebe
Frau von Fatima bekannt wurde. Wenn in Afrika, Indien oder sonstwo eine Statue „Unserer
Lieben Frau von Fatima“ durch muslimische Gebiete getragen wird, strömen die Muslime
tatsächlich zu Hunderten herbei, um sie zu verehren.“ Innerhalb von zwei Tagen kamen im
indischen Bombay schätzungsweise 500.000 zur Ehrerbietung dieses Abgottes herbei.

Maria und Johannes Paul II.

Niemand ist mehr von der Echtheit der Erscheinungen in Fatima überzeugt, als der gegenwärtige
Papst. Und niemand zeigt auch eine größere Hingabe an Maria. Johannes Paul II., der „sich
selbst und sein Pontifikat ganz Unserer Lieben Frau geweiht hat, trägt das M an seinen
Gewandsärmeln, und sein persönlicher Wahlspruch lautet totus tuus sum Maria (Maria, ich bin
ganz dein). Der Papst hat für seine besondere Hingabe ungewöhnliche persönliche Gründe. Der
Mordversuch an ihm wurde am 13. Mai 1981 verübt, dem Jahrestag der ersten angeblichen
Erscheinung der Jungfrau vom 13. Mai 1917 in Fatima. Während seiner Genesung sagte sie ihm
in einer Vision, daß sie ihm sein Leben für eine bestimmte Aufgabe für den Friedensprozeß
gerettet habe, die er zu erfüllen hätte.

Als Johannes Paul II. nach seiner Gesundung in den Vatikan zurückkehrte, betete er an den
Gräbern seiner direkten Vorgänger und sagte: „Hier könnte nun ein weiteres Grab sein, aber die
selige Jungfrau ... hat es anders gewollt.“ Voll Dank und Ehrerbietung fügte er hinzu: „Bei allem,
was an jenem Tag geschah, fühlte ich die außerordentliche mütterliche Bewahrung und Fürsorge,
die sich stärker als die tödlichen Kugeln erwies.“Wozu brauchst du also Gott, wenn du im Schutz
Mariens stehst?

Der dankbare Papst unternahm am 13. Mai 1982 eine feierliche Wallfahrt nach Fatima, wo er vor
der Statue Unserer Lieben Frau von Fatima betete. Tausende hörten ihn sprechen und die Welt
an Maria weihen, so wie sie es gefordert hatte.“ Bei mindestens drei weiteren Gelegenheiten, am
16. Oktober 1983, am 25. März 1984 und am 8. Dezember 1985 ... weihte er die Welt an Unsere
Liebe Frau“ (The Fatima Crusader, 1986) und nannte dabei insbesondere das russische
Volk.Jetzt, da die Berliner Mauer gefallen ist und der Sowjetkommunismus sich in ganz
Osteuropa aufgelöst hat, schreibt man darin Unserer Lieben Frau von Fatima die Erfüllung ihrer
Verheißung zu, daß bei einer Weihe der Welt und Rußlands an ihr Unbeflecktes Herz durch die
Päpste und Bischöfe, Rußland sich bekehren und Frieden sein wird!

Eine solche Aussage steht in vollem Gegensatz zu den klaren Lehren der Bibel, die „Frieden mit
Gott durch unseren Herrn Jesus Christus“ (Römer 5,1) als bedingungsloses Geschenk der
Gnade Gottes anbietet – einen Frieden, der „durch das Blut seines Kreuzes“ (Kolosser 1,20)
gebracht worden ist. Durch den Glauben an das Evangelium kommt der Friede zu jedem
einzelnen. Weltfriede kann nur dann aufgerichtet werden, wenn Christus wiederkehrt und, wie
von den Propheten vorausgesagt, von Jerusalem aus seine Herrschaft antritt.

Doch die Maria des Katholizismus ist als die eine, durch die der Friede kommen soll, an die Stelle
Christi getreten, und der jetzige Papst und seine Kirche unterstützen diese Irrlehre. Die heutige
Welt (einschließlich derjenigen, die sich selbst Christen nennen) ist nur allzu bereit, eine Lösung
für ihre Probleme anzunehmen, die Christus außen vor läßt. Daß die Frau auf dem Rücken des
Tieres sitzt, scheint daraufhinzudeuten, daß diese Pseudomaria der Erscheinungen bei dem
falschen Frieden, durch den der Antichrist „viele vernichten wird“ (Daniel 8,25), eine
Schlüsselrolle spielt. Die Gestalt, die als Jungfrau von Fatima erschien und verkündete, daß der
Herr „ihr den Frieden der Welt anvertraut hat“, bietet anstelle von Christus ihren eigenen
Friedensplan an: Betet täglich den Rosenkranz, damit in der Welt Frieden wird ...
Ein verführerischer Geist.

Jeder Papst der vergangenen 60 Jahre hat Unsere Liebe Frau von Fatima verehrt. Die Weihe an
ein mystisches „Unbeflecktes Herz“ ist an die Stelle der Hingabe an Christus getreten, und der
Gehorsam zu „Unserer Lieben Frau“ bringt den Frieden.

Die Erscheinung ist gewiß nicht Maria! In Fatima sagte die Erscheinung, die für sich selbst die
Autorität Christi beansprucht: Ich werde euch niemals im Stich lassen.
- Das ist die Verheißung Christi an seine Jünger, und sie setzt Allgegenwart voraus, eine allein
Gott zustehende Eigenschaft.

Diese „Erscheinungen“ stehen eindeutig dem biblischen Evangelium der Errettung allein aus
Gnade durch Glauben an das vollbrachte Opfer Christi entgegen und glorifizieren an seiner Stelle
eine falsche Maria. Ein „verführerischer Geist“ (1. Timotheus 4,1) ist am Werk.

Der Jesus des Katholizismus: Maria untergeordnet

Den Erscheinungen schreibt man zu, daß sie die Menschen auf Jesus hinweisen, doch bei den
Pilgern an den Marienwallfahrtsorten ist nur wenig von einer wirklichen Hingabe an Christus zu
erkennen. Immer und immer wieder betet man den Rosenkranz, und ständig ist die Rede von
Maria anstatt von Gott bzw. Christus. Ihr gilt die ganze Hingabe, und die Pilger sehen sich selbst
als ihre Knechte an, die ihren Willen erfüllen.Außerdem ist der Jesus, der in den Erscheinungen
vorgestellt wird, eine Fälschung und stets Maria untergeordnet . . .

Am 15. Februar 1926 erschien „das Jesuskind“ wieder und drängte die Katholiken, „diese
Hingabe und Wiedergutmachung an das Unbefleckte Herz seiner heiligen Mutter zu verbreiten“.
Dabei erklärte es, daß dem Unbefleckten Herzen Marias Wiedergutmachung geleistet werden
müsse, damit die Menschheit gerettet wird!
Das ist wiederum Gotteslästerung der schlimmsten Art. Die wirkliche Mutter Jesu oder er selbst
würden das niemals verlangen.

Christus ist kein Kind mehr und würde deshalb nicht mehr in dieser Gestalt erscheinen – und
wozu sollte er das auch?
Als er für unsere Sünden starb, war er ein erwachsener Mann, und jetzt sitzt er mit einem
verherrlichten Auferstehungsleib zur Rechten des Vaters. Die Vorstellung, Christus sei immer
noch ein kleines Kind in Begleitung seiner Mutter, widerspricht allem logischen Denken, der
Wirklichkeit und vor allem der Bibel.

Doch wer kein Problem mit dem Glauben daran hat, Millionen einzelner Hostien würden sich in
den tatsächlichen stofflichen Leib Christi verwandeln, „ganz und völlig“, hat auch keine
Schwierigkeit zu glauben, daß Christus als kleines Kind auf der Erde erscheint, obwohl er
gleichzeitig als erwachsener Mann mit seinem Auferstehungsleib im Himmel ist.

Außerdem sagte der wirkliche Jesus nach seiner Auferstehung zu seinen Jüngern, daß „allen
Nationen in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden gepredigt werden“ sollte (Lukas
24,47).
Paulus sagte in seiner Predigt, daß „durch diesen [Jesus] euch Vergebung der Sünden
verkündigt wird, und von allem, wovon ihr durch das Gesetz Moses nicht gerechtfertigt werden
konntet, wird durch diesen jeder Glaubende gerechtfertigt“ Apostelgeschichte 13,38.39).

In der Bibel gibt es keinen Hinweis darauf, daß man Maria Wiedergutmachung wegen Sünden
leisten müsse, und erst recht nicht darauf, daß dies „für die Rettung der Menschheit“ notwendig
sei. Alle Erscheinungen präsentieren in dreister Weise ein falsches Evangelium der Errettung
durch Maria und des üblichen sakramentalen Katholizismus des Fegefeuers, der Rituale und der
Werke.Hier sehen wir ganz eindeutig das, wovor Paulus warnte und sagte, es geschehe in den
letzten Tagen: „...manche werden vom Glauben abfallen, indem sie auf verführerische Geister
und Lehren von Dämonen achten“ (1. Timotheus 4,1). Was diese Erscheinungen lehren, ist
definitiv Lehre von Dämonen, die die Hinlänglichkeit von Christi Tod für unsere Sünden leugnen,
seine Stellung als Herr über alles abstreiten und eine falsche Maria über ihn erheben.

Die Wiederbelebung der alten römischen Religion

Die weltweite Wiedererstehung des Römischen Reichs unter dem Antichristen wird offenbar von
einer Wiederbelebung seiner Religion begleitet sein, die, wie wir gesehen haben, in einem
Heidentum besteht, das unter einem dünnen Anstrich christlicher Terminologie überlebt hat. Es
ist schließlich als römischer Katholizismus bekannt geworden. Statuen von
Fruchtbarkeitsgöttinnen wurden in Maria umbenannt. Von den römischen Kaisern fertigte man
Bildnisse an, und wer sich weigerte, sich vor diesen niederzuwerfen und den Kaiser als Gott
anzubeten, wurde getötet. Als Nachfolger der römischen Kaiser ließen auch die Päpste all jene
umbringen, die ihnen und ihrer Religion die Untertänigkeit verweigerten. Das ist unbestreitbare
Geschichte, von der die Bibel sagt, daß sie sich unter dem Antichristen wiederholen wird:

[Es wurde befohlen] dem Tier [dem Antichristen] ... ein Bild zu machen ... [und] das Bild des
Tieres ...bewirkte, daß alle getötet wurden, die das Bild des Tieres nicht anbeteten (Offenbarung
13,14.15).

Der Antichrist wird nicht ein Papst sein, jedoch wird ein Papst seine rechte Hand sein,
Offenbarung 19,20 und 20,10. Wenn der Papst zur Zeit irgendwo auftritt, kann man jedoch eine
ihm entgegengebrachte Verehrung beobachten, die der gleichkommt, die die Welt dem
Antichristen zollen wird, wenn sie ihn als Gott anbetet. Erschreckend aufschlussreich ist
folgender Bericht vom Weltjugendtag in Denver 1993:

„In seiner weißen Tracht besteigt Johannes Paul II. die Stufen zu seinem Stuhl, einem
thronartigen Gebilde aus Eichenholz. Noch einmal winkt er den stehenden Pilgern zu, dann steigt
er hinauf und setzt sich ... Die Musik spielt sanft weiter, als ein Jugendlicher vom Internationalen
Jugendforum von der Vorbühne verliest:„Ich sah eine große Volksmenge, die niemand zählen
konnte, aus jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen vor dem Thron und vor
dem Lamm stehen, bekleidet mit weißen Gewändern und Palmen in ihren Händen. Und sie rufen
mit lauter Stimme und sagen: Das Heil unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm!“

Die Bedeutung dieser besonderen Schriftstelle in diesem Zusammenhang ... schlug bei den
Protestanten Alarm und versetzte sie in Furcht und Schrecken. Die Verse stammen aus
Offenbarung 7,9-10 und stellen den Blick auf Christus und seinen Thron im Himmel dar. „Die
große Volksmenge, die niemand zählen konnte“ ist die wahre Kirche, die Gemeinde, die Braut ...
Im Cherry Park sitzt jedoch der Papst auf einem Thron vor Jugendlichen aus vielen Nationen und
Sprachen. Sie jubeln ihm zu, als diese Schriftstelle vorgelesen wird.
Gibt der Papst sich einschmeichelnd als Christus auf seinem Thron und die Jugendlichen zu
seinen Füßen als seine Schafe aus ...?
... Die Arroganz ist überwältigend, obgleich Johannes Paul einen demütigen Eindruck vermittelt.
Wer sich mit der Bibel nicht auskennt und auch die Bedeutung der polnischen Hymne nicht kennt,
sieht und merkt nichts von dieser Arroganz. Er sieht und fühlt Liebe...
Papst Johannes Paul II. hat offenbar einen Geist von gewaltiger verführerischer Kraft ... Er läßt
sich Abba/Vater nennen und sitzt dabei in weißen Gewändern auf einem Thron ... In ihren
nationalen Trachten gekleidete Jugendliche, die jeden Kontinent repräsentieren, kommen mit
ihren Nationalflaggen nach vorn. Sie betreten die Mittelstufen und plazieren ihre Flaggen auf dem
Podium, buchstäblich zu den Füßen Johannes Pauls. (Hayes, Trumpet, 1993)

Das alte Spiel beginnt von vorn

Die heidnischen Römer, die den Kaiser anbeteten, waren geistig nicht eingeschränkt. Sie hatten
viele Götter und tolerierten ein breites Glaubensspektrum. Die Christen verfolgte man nicht
aufgrund ihres Glaubens an Jesus Christus, sondern weil sie an ihn allein glaubten und neben
dem Gott der Bibel keine anderen Götter akzeptierten. Der Katholizismus toleriert in ähnlicher
Weise jede Religion und gestattet seinen Mitgliedern, von Yoga bis Voodoo alles zu praktizieren,
solange sie nur in der Kirche bleiben. Sowohl die öffentliche Meinung als auch die Gesetzgebung
unterstützen die gleiche Haltung.

In Kanada und den Vereinigten Staaten (und anderswo) stellt man „Haßgesetze“ auf, die
Äußerungen, jemand läge mit seiner Religion oder seinen Moralvorstellungen falsch, zu einem
Verbrechen erklären. So wird es auch wohl bald gesetzeswidrig sein, wenn man sagt,
Homosexualität sei Sünde oder irgendeine Religion sei falsch. Der von den USA und vielen
anderen Ländern unterzeichnete „Völkermord-Vertrag“ (ist noch nicht in Kraft getreten,) macht es
bereits zu einem Verbrechen, zu jemanden zu sagen, sein religiöser Glaube sei falsch, und zu
versuchen, andere zu dem zu bekehren, was man selbst als die Wahrheit ansieht.

Komischerweise behauptet der römische Katholizismus einerseits, er sei die eine wahre Kirche,
während er andererseits, wie wir gesehen haben, gleichzeitig allen Religionen beipflichtet. Auch
in diesem Punkt weist sich der Vatikan in einzigartiger Weise als die Frau auf dem Tier aus
Offenbarung 17 aus.Wir haben Johannes Pauls II. Gutheißung aller Religionen gesehen, wie
auch seine Behauptung, alle Götter seien dasselbe, während er gleichzeitig die
fundamentalistischen Christen verurteilt. Sein Freund und Bewunderer, der Fernsehevangelist
Robert Schuller, stellt aus angeblich evangelikaler Sicht ähnliche Ideen vor: Die Weise, auf die
man „die gute Religion von der schlechten unterscheidet“, habe man zu prüfen, ob sie „positiv“
ist. Schuller fordert die „religiösen Führungspersönlichkeiten auf ... in einem massiven, vereinten
Bestreben aller Religionsführer ... ungeachtet ihrer Theologie ... ihren Glauben in positiven
Begriffen auszudrücken ... um die positive Macht von Weltgemeinschafts-aufbauenden religiösen
Werten zu proklamieren“.

„Weltgemeinschafts-aufbauende religiöse Werte“, die für alle Religionen akzeptabel sind? Der
Antichrist persönlich könnte diese zweideutige Redeweise nicht besser bringen! Doch Schuller
wird von führenden Evangelikalen empfohlen und erfreut sich jeden Sonntagmorgen des größten
Publikums von allen Fernsehevangelisten. Schullers freundschaftliches Verhältnis zum
Katholizismus und sein Eintreten für das „Heimkommen“ der Protestanten haben wir bereits
ausführlich dargelegt.

Die bevorstehende Welteinheitsreligion wird auf eine heimtückische, nicht offensichtliche Weise
eine antichristliche sein. Sie wird sich, wie Hitlers Nationalsozialismus, als positives Christentum
ausgeben und für die ganze Welt unwiderstehlich attraktiv sein. Wie so vieles von dem, was wir
bereits jetzt selbst in evangelikalen Kreisen finden, wird sie eine Verdrehung des Christentums in
Christi Namen darstellen.
Die Marienerscheinungen und die anerkannteste katholische Evangelistin, Mutter Theresa von
Kalkutta, fordern beide in gleicher Weise zur Annahme aller Religionen auf. Dabei wagt niemand,
Mutter Theresa zu kritisieren, weil sie für ihren herausragenden selbstaufopfernden Dienst der
Nächstenliebe bekannt ist. Der weltweite Ruhm Mutter Theresas von Kalkutta hat dem
Katholizismus zu Anerkennung auch bei den Protestanten verholfen, die ihr aufopferungsvolles
Leben der Nächstenliebe zurecht bewundern.

Der Vatikan und die Neue Weltordnung

Die neue Welteinheitsreligion wird alle Glaubensrichtungen gleicherweise tolerieren, sofern sie
nur bereit sind, sich in der wohltätigen Rettung der Menschheit miteinander zu vereinen. Christen,
die nicht zu Kompromissen bereit sind, wird man töten, weil sie der Einheit und dem Frieden im
Wege stehen.Von Rom bis Washington sprechen die geopolitischen Analytiker von einer „neuen
Allianz“ zwischen der größten Militärmacht der Welt, der USA, und dem größten geistlichen
Führer der Welt, dem Papst.
Diese Allianz wird schon bald zwischen dem Weltherrscher und dem Vatikan bestehen. Die Frau
wird in der Tat das Tier reiten und steuern, so wesentlich wird ihre Rolle sein. Der Antichrist wird
sich darüber im klaren sein, daß ohne religiösen Frieden kein politischer Frieden herrschen kann.
Es kann kein globaler Friede sein, bis nicht alle Religionen bereit sind, sich einander als Partner
in der Zusammenarbeit auf globale Ziele hin anzunehmen – und aus den von uns dargelegten
Gründen wird der Papst für die Aufrichtung der totalen Ökumene unabkömmlich sein.Robert
Müller, Katholik, ehemaliger stellvertretender UNO-Generalsekretär und Direktor der
Friedensuniversität, sagte: „Was wir brauchen, ist eine Welt- oder kosmische Spiritualität ... Ich
hoffe darauf, daß sich die Religionsführer zusammentun und die kosmischen Gesetze definieren,
die in allen Religionen gleichermaßen enthalten sind ...“ Wenn sich die religiösen und politischen
Führer schließlich zur Verwirklichung der gleichen Ziele vereinen, dann ist das Reich des
Antichristen gekommen. Diese Situation bestand (in unvollkommener Einheit) in der
Vergangenheit bereits über 1000 Jahre lang unter der Vorherrschaft des Vatikans. Und so wird
es auch wieder sein, dieses Mal jedoch mit der schrecklichen totalen Kontrolle, die nur durch die
heutigen Computer und Spionagesatelliten durchführbar ist.

Eine ernstliche Warnung vom Himmel

Wie können Religionsführer und ihre Anhänger einen solchen Totalitarismus tolerieren? Sehen
wir uns als Beispiel einmal die 266 Mitglieder umfassende Delegation von Amerikas Nationalrat
der Kirchen (NCC) an, die im Juni 1984 die Sowjetunion besuchte. Sie bereiste 14 Städte und
besuchte zahlreiche staatlich genehmigte Kirchen. Die New York Times berichtete, daß die NCC-
Delegation „die Stellung der Religion in der Sowjetunion lobte und die Rolle der Vereinigten
Staaten beim Wettrüsten verurteilte ... und Verwirrung darüber zum Ausdruck brachte, daß die
Harmonie ihres Besuchs durch zwei Demonstranten getrübt wurde, die während eines
baptistischen Gottesdienstes Religionsfreiheit forderten und ein Spruchband hochhielten: ‚Das ist
keine freie Kirche‘. Der Leiter der NCC-Delegation, Bruce Rigdon vom theologischen Seminar
McCormick in Chicago, „drückte seine Mißbilligung des Protests und seine Bewunderung für die
Sowjetbeamten aus, die den Aufruhr unterbanden“.

Im spanischen Santiago de Compostela hielt die Konferenz Weltweiter Christlicher


Gemeinschaften (WCC) vom 4. – 13. August 1993 ihre 5. Weltkonferenz für Glauben und
Kirchenverfassung. Die römisch-katholische Kirche war zum allerersten Mal offizielle und volle
Teilnehmerin an einem WCC-Treffen. Das Ziel, das die Teilnehmer anstrebten, ist eine
Weltkirche – und nicht eine Weltkirche, die durch Glauben vereint ist, als vielmehr eine, die
sichtbar in den Augen der ganzen Welt vereint ist. Die Abgeordneten einigten sich auf die
Aussage:

Es gibt keinen Weg zurück ... von der alleinigen ökumenischen Bewegung, die die Belange der
Einheit der Kirche und die Belange bezüglich ... der Probleme der Welt in sich vereint.

Diese bedeutsame Erklärung erkennt an, daß die Weltkirche in Zusammenarbeit mit der
Weltregierung operieren muß. Der Moderator des WCC-Zentralkomitees, Aram Keshishian,
erklärte in seiner Ansprache, daß die WCC „ihren Kurs bezüglich Lehrfragen mehr auf die soziale
Ethik hinsteuern muß ... Glaube und Ordnung können bei dem Streben nach Einheit der Kirche
nicht über die sozio-politische und wirtschaftliche Dimension hinwegsehen ... Jeder Zwiespalt
zwischen christlichem Glauben und politischen Belangen, zwischen der Einheit der Kirche und
dem Kampf um Gerechtigkeit, stellt eine ökumenische Häresie dar.“Das Ziel wird verwirklicht
werden. Die Vernunftehe zwischen dem Antichristen und der falschen Weltkirche wird jedoch
nicht unbegrenzt andauern. Wenn die Flitterwochen vorüber sind, wird der Antichrist sein wahres
Gesicht zeigen und die „Hure“ vernichten (Offenbarung 17,16) und somit Gottes Willen in diesem
Prozeß bewirken (Vers 17).
Eine der schärfsten Anklagen, die Gott gegen die Frau auf dem Tier erhebt, ist die, daß sie nicht
allein mit „Ware von Gold und Silber und Edelgestein“ gehandelt hat, sondern auch mit
„Leibeigenen und Menschenseelen“ (Offenbarung 18,12.13).
In der Zwischenzeit ergeht eine „Stimme aus dem Himmel“, die mit erschreckendem Tonfall ruft:

Geht aus ihr hinaus, mein Volk, damit ihr nicht an ihren Sünden teilhabt und damit ihr nicht von
ihren Plagen empfangt! Denn ihre Sünden sind aufgehäuft bis zum Himmel, und Gott hat ihrer
Ungerechtigkeit gedacht… Darum werden ihre Plagen an einem Tag kommen: Tod und Trauer
und Hunger, und mit Feuer wird sie verbrannt werden; denn stark ist der Herr, Gott, der sie
gerichtet hat (Offenbarung 18,4-8).

Mögen all jene, die Christus und sein Evangelium lieben, in Mitleid und wahrer Einheit
zusammenfinden, um so viele wie möglich vor diesem harten Gericht zu retten.

---

Dr. Lothar Gassmann

Heiligenverehrung

der Römisch-Katholischen Kirche

A. Grundlegendes

Im katholischen Denken werden drei Formen oder Stufen der Anbetung oder Verehrung
unterschieden: die Latria, die Hyperdulie und die Dulie.

Die Latria ist die höchste Form der Anbetung. Sie kommt nur Gott allein zu.

Die Dulie ist die einfache Verehrung, die den Heiligen und Engeln gegenüber geübt wird, die ja
Geschöpfe sind.

Und die Hyperdulie ist die Verehrung in höchster Form, die einem erschaffenen Wesen
entgegengebracht wird. Und dieses höchste geschaffene Wesen ist Maria, die „Mutter Gottes“,
wie sie seit dem Konzil von Ephesus 431 n. Chr. genannt wird.

Wer sind nach katholischem Verständnis die Heiligen? Sie sind „Schicksalsgenossen unserer
Menschlichkeit“, die aber bereits mit Christus vollkommen vereinigt sind, die jetzt schon den
dreieinigen Gott schauen, fürbittend vor ihn treten und ihre Verdienste vorzeigen, um auch uns,
die wir noch auf Erden pilgern, zu helfen und die wir hilfesuchend anrufen können (Lumen
Gentium 49).

Sie werden nicht angebetet, aber verehrt, und man kann sie bitten, bei Gott für uns einzutreten,
also eine stellvertretende Fürbitte vorzunehmen; Mittler zum Mittler sind sie (Lumen Gentium 49
f.).

Die oberste der Heiligen ist Maria. Sie wurde „vor allen Engeln und Menschen erhöht“, bittet
unaufhörlich, um für die pilgernde Kirche „die Gaben des ewigen Heils zu erwirken“ (Lumen
Gentium 62). Und sie trägt Titel wie „Fürsprecherin“, „Helferin“ und sogar „Mittlerin“. Dabei wird
behauptet, daß dies der Würde und Wirksamkeit Christi nicht abträglich sei (ebd.). Zu Ehren
Marias wurden zahlreiche Feste in katholischen Gegenden eingeführt, etwa Mariä Empfängnis
am 8. Dezember, Maria Gottesmutter am 1. Januar, Verkündigung des Herrn am 25. März, Mariä
Aufnahme in den Himmel am 15. August. Dazu gibt es noch viele regionale Feste, Feiertage und
Wallfahrten. Alle anderen Heiligen sind Maria nachgeordnet, etwa der heilige Josef, die Apostel
und Märtyrer, die Heiligen und Seligen.
Wie wird jemand nach katholischem Verständnis heilig? Es erfolgt durch eine Heiligsprechung
durch den Papst. Der Heiligsprechung geht als Vorstufe in der Regel eine Seligsprechung
voraus. Dieses Verfahren wurde im Jahre 1634 eingeführt und im Codex Iuris Canonici in den
Artikeln 1999-2141 definiert. Wenn jemand heiliggesprochen wird, findet eine Zeugenbefragung
darüber statt, welche Handlungen der oder die Heilige begangen hat, ob er oder sie Wunder
gewirkt hat. Es werden also Zeugen befragt, Archive geöffnet, Bekehrungen betrachtet, gefragt,
ob ein Martyrium vorliegt oder nicht. Märtyrer haben es leichter, Heilige zu werden. Wenn jemand
kein Märtyrer ist, muss in der Regel er oder sie mindestens ein Wunder gewirkt haben, das durch
Zeugen beglaubigt ist. Seit dem Jahre 1634, als das Verfahren der Selig- bzw. Heiligsprechung
eingeführt wurde, wurden über 1200 Seligsprechungen vorgenommen, aber mehr als 90 %
davon im 20. Jahrhundert, insbesondere durch Papst Johannes Paul II.

Wer also heilig oder selig gesprochen werden will, muss seine Heiligkeit ausgewiesen haben
durch Wunder, Bekehrungen oder einen Märtyrertod besonderer Ausprägung. Es wird davon
ausgegangen, dass Heilige und auch Selige gewiss bei Gott sind. Diesen billigt man die
Heilsgewissheit zu, während das normale katholische Gemeindeglied keine Heilsgewissheit hat.

Als Vorbild oder auch Urmodell der Heiligen wird Christus selber gesehen. Die Heiligkeit Christi
spiegele sich im Heiligsein der Heiligen wieder. Die menschlichen Heiligen haben also nach
katholischer Sicht Anteil an Christi Heiligkeit, indem sie diese verkörpern.

Das Problematische ist freilich Folgendes: Die katholischen Seligen und Heiligen haben sicherlich
ein besonders vorbildliches Leben geführt haben, allerdings im katholischen Sinne. Sie sind sehr
für die Katholische Kirche und ihre Lehren eingetreten, worunter sich – aus biblischer Sicht
beurteilt – aber auch zahlreiche Sonderlehren und Irrlehren befinden (s. >Sonderlehren). Ferner:
Wenn man die Heiligen anrufen will, entsteht ein Kontakt mit dem Totenreich, was Gott streng
verboten hat (vgl. 5. Mose 18,9 ff. u.a.). Um diese Fragen weiter zu vertiefen, betrachten wir
einige Zitate aus der katholischen Literatur, z.B. von Alan Schreck „Christ und Katholik. Eine
Darlegung häufig mißverstandener katholischer Glaubensaussagen“ (Münsterschwarzach 1991).
A. Schreck möchte die Heiligenverehrung Christen evangelikaler und charismatischer Prägung
nahe bringen. Sein Buch ist in dem katholisch-charismatischen Vier-Türme-Verlag in
Münsterschwarzach erschienen. Über die Fürbitte der Heiligen heißt es auf Seite 160 f.:

„Wenn wir unsere Mit-Heiligen auf der Erde um ihr Gebet für uns bitten können, so glauben
Katholiken, dann sollten wir auch fähig sein, die Heiligen, die bereits mit dem Herrn vereint sind,
um ihr Gebet zu bitten. Wenn die Gebete bestimmter Christen hier auf der Erde eine besondere
Kraft haben, vielleicht wegen ihres Glaubens oder ihrer Heiligkeit, um wieviel kraftvoller und
wirksamer sind dann die Gebete derer, die in völliger Einheit mit Gott im Himmel sind!“

Schreck gibt dann allerdings zu:

„Die Bibel sagt über die Fürbitte der Heiligen im Himmel wenig. Jesus sprach von Abraham, Isaak
und Jakob (´Heilige` des Alten Bundes) als Lebende bei Gott (Mk 12, 26f), und er selbst sprach
mit Elia und Mose auf dem Berg (Mt 17, 3). Das Buch der Offenbarung spricht häufig von den 24
Ältesten (die alle Heiligen des Himmels repräsentieren), die um Gottes Thron versammelt sind
und ihn mit überschwenglichem Lobpreis anbeten. In einem Abschnitt (Off 5, 8) heißt es, daß sie
´goldene Schalen voll von Räucherwerk, welche die Gebete der Heiligen sind`, Gott darbringen.
Der neutestamentliche Gebrauch des Begriffs ‘Heilige’ verweist gewöhnlich auf die Jünger Jesu,
die noch auf Erden sind. So haben wir hier ein schönes Bild der Fürbitte: Die 24 Ältesten (die
Heiligen des Himmels) bringen die Gebete der Heiligen auf Erden am Thron Gottes wie
wohlriechenden Weihrauch dar“ (ebd.).

Beurteilung: Hier wird allegorisiert: Die 24 Ältesten werden auf die Heiligen insgesamt, eben
speziell die Heiligen der Katholischen Kirche, bezogen. Es sind dann nicht 24, sondern
Tausende. Es wird also symbolisch gedeutet, was in diesem Zusammenhang problematisch ist.
Und bezüglich der Gebete der Heiligen vor Gottes Thron findet sich in der Bibel nichts davon,
daß wir diese um die Fürbitte bitten könnten oder daß irgendeine Kontaktaufnahme möglich sei.
Das ist vielmehr das Gebiet des Spiritismus! Sicherlich können Menschen in der Herrlichkeit vor
Gottes Thron mit ihm reden, aber es steht nicht da, dass wir, die wir hier und jetzt auf der Erde
leben, Kontakt aufnehmen sollen mit dieser jenseitigen transzendenten Welt.

Schreck weist selber zurecht darauf hin, dass Augustin davor gewarnt hat, dass die Verehrung
der Heiligen eine Form der Anbetung annehme. So hatte Augustin sehr treffend geschrieben in
„Contra Faustum Manichaeum“: „Doch errichten wir diesen Märtyrern keine Altäre, sondern nur
Gott selbst, dem Gott dieser Märtyrer.“ Und so sagt auch Schreck:

„Katholiken ehren und verehren die Heiligen, aber sie beten sie nicht an. Die Heiligen im Himmel
können beten und Fürbitte bei Gott für uns einlegen, so wie wir einen Mitchristen für uns bitten
können, für uns zu beten. Die Fürbitte der Heiligen und Marias für uns beeinträchtigt die
einzigartige Mittlerschaft Jesu nicht - so wenig dies geschieht, wenn wir hier auf Erden jemand
um sein Gebet bitten“ (S. 162).

So wird argumentiert, aber dies ist nicht biblisch, sondern es besteht immer die Gefahr des
Spiritismus, wenn wir uns in irgend einer Weise mit der Totenwelt einlassen. Es ist ein
Unterschied, ob ich zu Gott bete, welcher der lebendige Herr ist und auch angerufen werden will,
oder ob ich zu Verstorbenen bete oder rede, was ja die Heilige Schrift eindeutig verwirft. Es ist
Augenwischerei, wenn behauptet wird: Wir beten nicht die Heiligen an, aber wir bitten sie doch,
sie sollen Gott für uns bitten. Letztendlich beten wir dann doch zu ihnen! Hier findet sich eine –
bewusste? - Unklarheit in der Begrifflichkeit. Anrufung ist aber Anrufung – und eine solche Praxis
findet prinzipiell keinen biblischen Anhaltspunkt.

Mit dem Heiligenkult in engem Zusammenhang steht der Reliquienkult.

B. Reliquienkult

Reliquien sind Hinterlassenschaften eines verstorbenen Heiligen, etwa vor allem seine Knochen,
aber auch Asche, Kleidung, Schriften und andere Besitztümer, die dann verehrt werden.

Beim Reliquienkult möchte man sich vor allem auf zwei Bibelstellen stützen: Zunächst die
Heilung der blutflüssigen Frau, die Jesu Gewand berührt (Mk 5,25-34). Allerdings geht aus dem
Zusammenhang klar hervor: Es ist nicht der Glaube an das Gewand bei ihr gewesen, was sie
geheilt hat, sondern der Glaube an den Herrn selbst. Die Aussage Jesu „Meine Tochter, dein
Glaube hat dich gesund gemacht“ (Mk 5,34) steht in Parallele zu zahlreichen ähnlichen Aussagen
des Herrn in den Evangelien bei Heilungen, die sich eindeutig auf ihn als den Messias beziehen
und nicht auf irgend welche Gegenstände. Die Berührung des Gewandes Jesu repräsentierte für
die Frau die völlige Gegenwart von Christus. Der katholische Exeget Joachim Gnilka stellt
treffend zu dieser Stelle fest:

„Der Entlassgruß Jesu interpretiert das Handeln der Frau als Glaube. Dieser Glaube, der als
vollgültiger anerkannt, aber nicht näher entfaltet wird, ist die Grundlage gewesen, auf der ihr
Rettung und Gesundheit geschenkt wurde. Was die Frau tat, ist nicht vergessen. Aber jetzt wird
deutlich, daß sie nicht im blinden Vertrauen auf magische Kräfte, sondern aus Glauben handelte.
So wird sie zum Vorbild für die Hörenden“ (J. Gnilka, Das Evangelium nach Markus, EKK II,
Zürich u.a., 1979, S. 216).

Eine ähnliche Stelle findet sich in Apg 19, 11 f., wo von den Taschen- und Schweißtüchern des
Paulus geredet wird, die berührt und zu den Kranken gebracht wurden und sie wurden dann
geheilt. In der Tat ist das eine schwierige Stelle. Da aber die Heilige Schrift – auch in der Apg
selber! – grundsätzlich vor magischem Denken warnt (Apg 8,9 ff.) und wir nach klarer biblischer
Lehre auf Gott vertrauen sollen und nicht auf irgendwelche geschöpflichen Dinge (vgl. Röm 1,18
ff.), kann diese Stelle isoliert nicht so verstanden werden, dass diese geschöpflichen Dinge an
sich eine rettende Wirkung haben, sondern nur der Glaube an Gott, der seinen Boten gesandt
hat, um seine Gegenwart den Menschen zu bringen. Wir müssen ja bei der Auslegung der
Heiligen Schrift immer von den klaren zu den unklaren Stellen gehen und nicht umgekehrt, sonst
kommen in der Tat magische Irrlehren heraus, dass wir irgendwelche Taschentücher,
Schweißtücher oder Knochen verehren, was dann in schlimmsten Aberglauben münden kann.

Alan Schreck selber gesteht Folgendes zu: „Natürlich gibt es hier die Gefahr des Aberglaubens.“
Und wie kann diese vermieden werden? Schreck schreibt:

„Diese kann vermieden werden, indem man sich bewußt macht, daß es allein Gottes Kraft ist, die
Heilungen und Wunder vollbringen kann. Reliquien selbst enthalten keine ´magische` Kraft; doch
Gott gebraucht sie, um zu bezeugen, daß durch das Leben dieses herausragend heiligen
Menschen geistliche Kraft ausgegangen ist“ (S. 164).

Hier findet sich eine zunächst gute Formulierung. Es ist nicht der Gegenstand an sich, sondern
Gottes Kraft, die wirkt, aber das Problem tritt dann ein, wenn der betreffende Gläubige seinen
Glauben eben auf diesen Gegenstand richtet und nicht auf den lebendigen Gott. Dann kann
dieser Gegenstand vom lebendigen Herrn ablenken und das Heil trüben oder ganz wegnehmen.
Dann entsteht eben der Aberglaube, der Afterglaube an Gott vorbei und an irgendwelche
magischen Medaillons, Talismane, Skapuliere, Knochen etc. Solche werden ja zum Zweck
besonderer „Weihen“ in Katholischen Kirchen aufbewahrt und besonders in Altäre einbetoniert.
Deshalb ist es berechtigt, wenn auch A. Schreck auf die Gefahr des Aberglaubens hinweist. Im
katholischen Volksglauben ist sicherlich der Aberglaube vor allem über diese Wege sehr
eingedrungen.

C. Totenmessen

Katholiken beten für die Toten bzw. lassen Totenmessen feiern, die dann auch bezahlt werden.
Während der Woche werden in der Regel früh morgens diese Totenmessen gefeiert. Und das
dient dazu, dem Verstorbenen die Läuterungszeit im Fegefeuer zu verkürzen. Es wird von einer
großen Familie zwischen Verstorbenen und auf Erden noch Lebenden gesprochen, die
verbunden sein kann durch gegenseitige Fürbitte. Also die Verstorbenen beten für die Lebenden
- nicht nur die heiligen Verstorbenen, auch die anderen. Und die Lebenden beten für die
Verstorbenen, um ihnen die Zeit im Fegefeuer zu verkürzen; sie bringen Ablässe für sie dar, auch
heute noch, lassen Messen für sie lesen und Ähnliches. So schreibt Alan Schreck:

„Der Heilige Geist verbindet die ganze Familie miteinander. Christen können zu diesen
´verherrlichten` Brüdern und Schwestern Beziehung haben und ihre Hilfe und ihr Gebet erwarten,
genauso wie sie es mit den Familiengliedern hier auf Erden halten können. (Wir sollten beginnen,
mit ihnen bekannt zu werden, denn bald werden wir die Ewigkeit mit ihnen verbringen!)“ (S. 165).

Das ist nichts anderes als ein Aufruf zum Spiritismus, was Gott streng verboten hat, weil der
Mensch hier in finstere Bindungen hinein geraten kann.

D. Eindringen des Heidentums in den Katholizismus

Zwei Zitate vom Konzil von Trient aus dem Jahre 1563 können uns den Heiligenkult noch etwas
plastischer vor Augen stellen. Im ersten Zitat geht es um die Fürbitte der Heiligen, ihre Anrufung,
die Verehrung von Reliquien und den Gebrauch von Bildern:

„Die Heiligen herrschen zusammen mit Christus, sie bringen ihre Gebete für die Menschen Gott
dar. Es ist gut und nutzbringend, sie um Hilfe anzurufen und zu ihren Gebeten, zu ihrer Macht
und Hilfe Zuflucht zu nehmen, um von Gott durch seinen Sohn Jesus Christus, unseren Herrn,
der allein unser Erlöser und Heiland ist, Wohltaten zu erlangen. Gottlos aber denken, die
leugnen, daß man die Heiligen in der ewigen Seligkeit des Himmels anrufen soll; oder behaupten,
sie würden nicht bitten für die Menschen; oder sie anzurufen, damit sie für uns auch als Einzelne
bitten, sei Götzendienst; oder es stehe im Widerspruch mit dem Wort Gottes und widerstreite der
Ehre des einen Mittlers zwischen Gott und Menschen, Jesus Christus. (1 Tim 2,5); oder es sei
eine Torheit, mit Herz und Mund die anzuflehen, die im Himmel herrschen“ (Neuner-Roos Nr.
474).

Das aber ist genau das, was die Reformatoren gelehrt haben, was hier als „gottlos“ bezeichnet
wird!

Bezüglich des Reliquienkultes wird ausgeführt:

„Auch die heiligen Leiber der heiligen Märtyrer ... sind für den Gläubigen zu verehren. Dadurch
erweist Gott den Menschen viele Wohltaten ... Ferner soll man Bilder Christi, der jungfräulichen
Gottesmutter und der anderen Heiligen vor allem in den Kirchen haben und beibehalten. Man soll
ihnen die schuldige Ehrfurcht und Verehrung erweisen“ (Neuner-Roos Nr. 475 f.).

Die diesen Bildern erwiesene Ehrfurcht meine das Urbild Christus und weise darauf hin. Durch
die Bilder hindurch würde man direkt Christus erreichen. Daraus erklärt sich der Bilderkult, so
prachtvoll dieser auch ist, in den Katholischen Kirchen. Die Reliquien, so wird gesagt, sollen ja
nicht angebetet werden, aber der Volksglaube tut das Seine unweigerlich hinzu.

Man kann hier von einem übertünchten Heidentum sprechen, welches sich im Katholizismus
herausgebildet hat. Die Vorstellung, daß gewisse Dinge und Orte Energie ausstrahlen, herrscht
bei vielen katholischen Gläubigen vor. Man meint, besondere Kräfte zu finden in Knochen,
Kleidungsstücken oder anderen Besitztümern von verstorbenen Heiligen. Und diese Kräfte
würden auf den übergehen, der sie berührt oder der in ihren näheren Umkreis tritt. Zum
Reliquienkultus gehören auch Hostien, die mit zur Bekämpfung von Seuchen eingesetzt werden,
heilige Fahnen und Bilder, Schluckbilder gegen Krankheiten und ähnliches.

Dieser Volksaberglaube drang in die Katholische Kirche ein, als diese sich herausbildete, also als
die urchristliche Kirche überging in den Frühkatholizismus, insbesondere bereits im 3. und 4.
Jahrhundert nach Christus, als große Scharen von Heiden in die Kirche strömten und einen
großen Teil ihres Heidentums mit hineinbrachten. Die sogenannte Volkskirche entstand und
gerade im heutigen Katholizismus ist hier auch vieles noch vorhanden. Friedrich Loofs spricht in
seiner Dogmengeschichte davon, daß sich ein Christentum zweiter Ordnung etablierte:

„In diesem inferioren (also minderwertigen) Christentum, das fortschreitend volkstümlicher wurde,
haben mannigfach heidnische Kultussitten christianisiert angedauert; Heiligen-, Engel- und
Marienverehrung verwuchsen mit dem antiken Heroenkult und anderen polytheistischen
Reminiszenzen; Kreuze, Bilder und Reliquien zogen einen christlichen Amulett-Aberglauben
groß, und die Wundersucht trieb wunderliche Blüten“ (F. Loofs, Leitfaden zum Studium der
Dogmengeschichte, 5. Aufl., Halle 1950, S. 248).

Ähnlich schreibt der bekannte Kirchenhistoriker Karl Heussi in seiner Kirchengeschichte:

„Vor allem der heidnische Polytheismus bestand fast ungebrochen in der Kirche fort und
überwucherte vielfach die älteren Formen der christlichen Frömmigkeit. Nicht bloß wurden die
beständig sich mehrenden christlichen Heiligen zu ´Patronen`, ähnlich den heidnischen
Schutzgottheiten, sondern die zahlreichen heidnischen Lokalgötter, Heroen und Genien wurden
durch die christlichen Heiligen ersetzt, ihre Tempel und Heroa in christliche Kirchen und Kapellen,
ihre Feste in Heiligenfeste verwandelt. Die prunkvollen, oft mit ausgelassener Fröhlichkeit
begangenen Märtyrerfeste traten an die Stelle des antiken Heroen- und Manenkultus und
erfuhren von diesem starke Einwirkungen. Ebenso entstammen zahlreiche kirchliche Riten der
heidnischen Religion, z. B. das Anzünden von Kerzen im Gotteshause, das Räuchern, das die
Dämonen verscheuchen sollte, die feierlichen Prozessionen, die in den heidnischen Bittgängen
ihre Vorläufer haben“ (K. Heussi, Kompendium der Kirchengeschichte, 11. Aufl., Berlin 1958, S.
111).

In ähnlicher Weise hat Adolf von Harnack von einer „Hellenisierung des Christentums“
gesprochen. Ich würde da noch weitergehen, wenn man die Geschichte betrachtet, und von einer
teilweisen Paganisierung (Verheidung) des Christentums sprechen. Entscheidend ist hierbei,
dass dasjenige, welches als das „Heilige“ bezeichnet wird, sinnlich, dinglich, geradezu materiell
gefasst werden soll (nicht zuletzt auch in der römisch-katholischen Eucharistie!). Heidnisch-
naturhafte Frömmigkeit verbindet sich mit der katholisch-christlichen Frömmigkeit und
überwuchert diese nach und nach. Wir denken hier nicht zuletzt auch an das Faschingstreiben,
was ja auch mit heidnischen Kulten unter Duldung der Katholischen Kirche sich vermischt hat.

Nach der katholischen Lehre sind die Heiligen nicht Gnadenspender, sondern „nur“
Gnadenvermittler, Mittler zum Mittler. Aber in der Volksfrömmigkeit – und letztlich auch bereits in
der katholischen Dogmatik - wird dieses nicht genügend unterschieden. Letztendlich haben
Katholiken nun ihre Schutzpatrone, zu denen sie unmittelbar flehen und um Hilfe und Heilung
bitten. Dies beweisen nicht zuletzt die außergewöhnlichen, übernatürlichen Wirkungen bei den
Heiligen der Katholischen Kirche, die wir im Folgenden betrachten.

E. Übernatürliche Phänomene bei katholischen Heiligen

Ekstase

Hier ist zunächst die religiöse Ekstase zu nennen. Dies ist ein Aussichheraustreten und Eintreten
in den Bereich der Gottheit bis hin zur unio mystica, zur Verschmelzung des inneren
Wesenskerns mit dem göttlichen All-Einen. Kritisch sei hierzu gleich angemerkt, daß die Ekstase
kein speziell christliches Phänomen ist, sondern ein allgemein religiöses Phänomen, das sich
bekanntlicherweise auch im Heidentum findet. Der heidnische Afrikaner etwa versucht, im
ekstatischen Zustand mit den heidnischen Gottheiten bzw. Ahnengeistern in Kontakt zu treten, so
dass übernatürliche Wirkungen durch ihn als Medium vermittelt zustande kommen (>Animismus,
>Schamanismus).

Visionen

Im Zustand der Ekstase und religiösen Kontemplation treten bei sehr vielen katholischen
Mystikern Visionen auf. Ein bekanntes Beispiel ist die Augustinerin Anna-Katharina Emmerich.
Von ihr gibt es bekannte Aufzeichnungen, die den Titel tragen „Das bittere Leiden unseres Herrn
Jesu Christi“. Diese hat nicht sie selber herausgegeben, sondern sie sind aufgrund ihrer Visionen
von dem Dichter Clemens Brentano niedergeschrieben worden, der sie an ihrem Leidensbett
besuchte. In diesen Visionen durchlebte die Stigmatisierte die gesamte Passionsgeschichte Jesu
vom Abendmahl über die Kreuzigung bis zur Grablegung durch eigene Einsichtnahme nach.
Anna-Katharina Emmerich war im visionären ekstatischen Zustand angeblich selber beim
Abendmahl dabei. Sie war nach ihrer Aussage selber bei der Kreuzigung und bei der Grablegung
gegenwärtig. Hier finden wir ähnliche Phänomene wie bei anderen Visionären aus dem okkulten
und spiritistischen Bereich, z.B. bei Rudolf >Steiner, dem Begründer der >Anthroposophie.
Steiner hat behauptet, beim Pfingstereignis den Jüngern innegewohnt zu haben und - in ihrer
Erinnerung sich zurücktastend - den gesamten Weg Jesu nachkonstruieren zu können.

Viele weitere Mystikerinnen und Mystiker behaupten, die Leidensstationen Jesu nacherlebt zu
haben, etwa die heilige Brigitta von Schweden, der selige Baptista Verona, der selige
Grandescha von Pisa und viele andere. Im Zusammenhang mit dem Durchleben der Passion
Jesu kommt es dann häufig zu dem nächsten Phänomen: der Stigmatisation.

Stigmatisation

Stigmata sind Malzeichen bzw. Wundmale Christi, so wird behauptet. Die Leiden Christi werden
im ekstatischen Zustande so nachempfunden, dass sie sich sogar bis ins Physische hinein am
Körper ausbilden können, an den Händen, an den Füßen und an der Seite, die fünf Wunden des
Erlösers am Kreuz.

Einer der bekanntesten Stigmatisierten war Franziskus von Assisi, aber auch viele andere bis in
die nähere Gegenwart hinein. Es handelt sich um Wunden, durch die sogar Blut austreten kann,
manchmal auch in Gestalt von Wunden am Kopf, die auf eine Dornenkrone hinweisen sollen. Ein
Beispiel möchte ich nennen, auch wieder von Anna-Katharina Emmerich. Dies wird
folgendermaßen beschrieben:

„Da schossen zuerst aus den Händen, dann aus den Füßen und endlich aus der Seitenwunde
der Kreuzerscheinung, und zwar aus jeder einzelnen Wunde, dreifache blutrote Lichtstrahlen, die
sich pfeilförmig endeten, nach ihren Händen und Füßen und ihrer rechten Seite. Die drei
Strahlen, welche aus der Seite der Erscheinung kamen, erschienen weiter voneinander getrennt
und breiter und endeten lanzenförmig. Im Augenblick der Berührung drangen Blutstropfen an den
Malstellen hervor. Sie lag noch lang im bewußtlosen Zustand ... Sie sah mit Staunen das Blut in
der Mitte ihrer Hände und empfand heftige Schmerzen an allen Malstellen“ (zit. nach: O.
Markmann, Irrtümer der Katholischen Kirche, S. 77).

Das hat Anna-Katharina Emmerich über Jahre hinweg immer wieder erlebt und vorgezeigt. Zehn
Jahre lang war es, daß sie ihre Stigmata trug. Und diese angebliche Christuserscheinung rief ihr
dann solche unbiblischen Sätze zu, wie etwa: „Du bist mein, du bist meine Braut, leide, wie ich
gelitten, frage nicht warum!“ (ebd.). Das Leiden Christi soll nachgeahmt, soll fortgesetzt werden.
Es hat offensichtlich, nach diesen Erscheinungen zu urteilen, angeblich nicht genügt, so dass der
Mensch noch sein Leiden hinzufügen muss.

Welche Erklärungsmöglichkeiten gibt es denn für diese Wundmale? Die Katholische Kirche
spricht hier von göttlichen Wirkungen. Die Medizin spricht von psychosomatischen
Zusammenhängen, die unter dem Eindruck einer sehr starken Gefühlsregung entstehen können,
so dass sich das bis ins Körperliche hinein auswirken kann. Und aus geistlicher Sicht muss man
natürlich die Lehren beurteilen, die im Zusammenhang mit diesen Visionen vermittelt werden.
Und diese Lehren, so zeigt sich, weisen immer wieder darauf hin, dass der Mensch noch etwas
erstatten müßte zum Erlösungsopfer Christi hinzu. Diese Aussagen der Erscheinungen, vor allem
„Marias“ und „Jesu Christi“, weisen auch darauf hin, dass man den Rosenkranz beten soll, dass
man Maria verehren soll, dass man der Katholischen Kirche und ihren Lehren treu bleiben soll,
vor allem der eucharistischen Lehre. Und alles das ist meines Erachtens ein Hinweis, dass es
sich eben nicht um biblisch begründbare Erscheinungen handelt, weil ja hier Irrlehren noch
einmal sanktioniert werden durch diese Erscheinungen, so dass man hier von dämonischen
Wirkungen sprechen muss.

Insbesondere zwei Bibelstellen aus den Paulusbriefen werden zur Begründung der Stigmata
angeführt: Die eine ist Galater 6, 17: „Ich trage die Stigmata Jesu Christi an meinem Leib.“ - die
Malzeichen oder Wundmale. Und die andere Stelle ist Kolosser 1, 24: „Ich erstatte an dem
Leiden, was noch fehlt.“ Man könnte zunächst auf den Gedanken kommen, dass hier eine
biblische Begründung vorliegt. Aber im Zusammenhang seiner Briefe macht Paulus immer wieder
deutlich, wie viel er gelitten hat, dass er ausgepeitscht, dass er misshandelt wurde um Christi
Willen (2. Kor 11,23 ff.). Stigmata in der katholischen Deutung gehen weit über das hinaus, was
sich aus den Stellen herauslesen läßt. Bei Paulus ist zwar von einer Ergänzung des Leidens die
Rede, aber damit ist keineswegs das Erlösungsopfer Christi gemeint, denn an zahlreichen klaren
Stellen der Heiligen Schrift wird deutlich, dass alles vollbracht ist am Kreuz (vgl. Hebr 9 u.a.). Kol
1,24 kann sich also nur darauf beziehen, dass Paulus als Apostel in den Fußstapfen Christi den
Leidensweg weitergeht und ihm nachfolgt, wie es auch allen wirklichen Nachfolgern bestimmt ist,
dieses Leiden selber auf sich zu nehmen. Dies aber nicht als Erlösungsleiden, sondern als
Leiden zum Aufbau der Gemeinde - wie die Apostel, die in den Tod gegangen sind. Es ist also
kein Erlösungsleiden, sondern ein Nachfolgeleiden.

Levitation

Eine weitere Erscheinung, die bei katholischen Mystikern auftritt, ist das Schweben, die
Levitation. Dieses kennt man übrigens auch aus der Parapsychologie, dass Tische und andere
Gegenstände plötzlich zu schweben beginnen, ohne dass man sie berührt hat.

Von dem heiligen Josef von Copertino aus dem 17. Jahrhundert wird berichtet, dass er einmal
zwölf Schritte über die Köpfe der Anwesenden hinübergeschwebt sei, und zwar zu einer Stätte
der Maria Immaculata, der „Unbefleckten Empfängnis“. „Nachdem er kurze Zeit seine Huldigung
dargebracht und dabei seinen bekannten schrillen Schrei ausgestoßen hatte, flog er wieder weg.“
Einmal habe er sogar einen Mitbruder geschnappt und während des Fluges mit sich genommen,
wird überliefert (vgl. Markmann, ebd., S. 79).

Solche angeblichen Schwebeerlebnisse kennen wir auch aus den Jugendreligionen (vor allem
aus der >Transzendentalen Meditation), die ja das Schweben propagieren. Also auch hier finden
sich dämonische Einflussnahmen.

Unverletzlichkeit

Viele Mystiker behaupten, sie seien unverletzlich durch Feuer. Auch dieses Phänomen finden wir
im >Hinduismus bei den Gurus: das Laufen über glühende Kohlen. So nahm auch im christlich-
abendländischen Bereich der heilige Franz von Paulo glühendes Eisen in die Hand, hielt den Arm
in siedendes Öl und war gegen Feuer unempfindlich. Katharina von Siena lag mit dem
Oberkörper auf brennenden Kohlen, ohne am Körper oder an den Kleidern Schaden zu nehmen,
wird überliefert (vgl. Markmann, ebd., S. 80). Die Bibel hingegen warnt ausdrücklich vor dem
„Feuerlaufen“ und ähnlichen Praktiken. Diese sind dämonisch verursacht und für Gott ein Gräuel
(5. Mose 18,9 ff.).

Leuchterscheinungen

Leuchterscheinungen finden sich ebenfalls bei vielen Mystikern. So gingen bei dem seligen
Bernardino Realini vom ganzen Körper Funken aus. Sein Gesicht strahlte so stark, daß es den
dunklen Raum erhellte (ebd.). Solche „elektrischen“ Phänomene sind ebenfalls aus dem
>Okkultismus und >Spiritismus bekannt.

Mystische Wohlgerüche bei verstorbenen Heiligen

Diese werden beschrieben als von einer unbeschreiblichen Süßigkeit erfüllt, das mit keinem
Parfüm vergleichbar ist. Katharina de Ricci war in einem Bleisarg beigesetzt, und trotzdem war
der Geruch mehr als ein Jahr lang am Grabe wahrzunehmen (ebd., S. 81).

Übrigens treten auch im Spiritismus ähnliche Erscheinungen auf. Es wird z.B. auch von dem
Okkultisten und Hellseher Rudolf >Steiner berichtet, dass er nach seinem Tode noch lange diese
Wohlgerüche ausgeströmt habe, bevor er dann allerdings verbrannt wurde.
Blutwunder

Ein weiteres Phänomen ist, dass oftmals - so wird überliefert - die Totenstarre ausbliebe und
dass Blutwunder stattfänden, d. h. dass die Glieder des toten Heiligen noch biegsam geblieben
sind und auch nach dem Tode Blut zum Teil stundenlang aus Wunden herausfloss. Als man zum
Beispiel dem Jesuitenpater, dem heiligen Franz von Hyronimo, der 1716 verstorben war, ein
Stück von der Fußsohle abschnitt, floss stundenlang nach seinem Tode Blut heraus, wird
behauptet (ebd., S. 82).

Unverweslichkeit

42 Heilige werden hierfür angegeben, unter anderem Johannes von Kreuz, Franz von Sales und
Ignatius von Loyola, der Begründer des Jesuitenordens.

Nahrungslosigkeit

Viele Mystiker beanspruchen, Jahre oder Jahrzehnte lang keine Nahrung aufgenommen zu
haben. Zum Beispiel die heilige Lidwina soll 28 Jahre lang nichts gegessen haben. Sie ist 1433
gestorben. Dominika dal Paradiso aus dem 16. Jahrhundert soll 20 Jahre lang nichts gegessen
haben, der heilige Nikolaus von Flüe soll 19 Jahre lang keine Nahrung zu sich genommen haben
und die selige Elisabeth von Reute 15 Jahre lang. Therese Neumann von Connersreuth, die im
20. Jahrhundert lebte, nahm seit 1922 keine Nahrung und seit 1926 keine Flüssigkeit mehr zu
sich, wird berichtet (ebd., S. 83).

Man fragt sich, wozu das gut sein soll und was das beweisen soll. Ob Gott uns ein solches Gebot
gegeben hat? Ich kann mir das nur so erklären, dass Satan Menschen hier einschaltet, die
verehrt werden sollen, weil sie irgendwelche übernatürlichen Dinge vorweisen und dass
Katholiken durch die angeblichen Heiligen vom Zentrum, von Jesus Christus, abgelenkt werden.
Es findet sich natürlich kein biblisches Gebot: „Du sollst 20 Jahre lang nichts essen, damit du
heilig bist!“

Und wenn man die Lebensschicksale betrachtet, findet man schauerliche Geschichten, wie diese
Heiligen, die jahrelang nichts gegessen haben, gelitten haben unter Angriffen des Teufels, der
Dämonen, wie sie gepeinigt wurden mit Besessenheitszuständen. Ich denke, dass dies
keineswegs auf göttliche Erfüllung hinweist. Die katholische Erklärung lautet dann: „Ja, weil Gott
wirkt, ist der Teufel auch nicht fern und will sie von Gott wegbringen!“ Aber man kann sich diese
Phänomene viel näherliegend mit dämonischer Einflussnahme erklären.

Wir betrachten weitere Phänomene.

Telekinese

Damit ist die Bewegung von Gegenständen gemeint, ohne diese körperlich zu berühren, also
durch geistigen Einfluss. Das kommt öfters vor mit Hostien. Hostien werden, ohne sie zu
berühren, von einem Ort zum anderen bewegt. Die Hostie entfernt sich selber vom Altar oder aus
den Händen des Priesters, schwebt durch die Luft und legt sich direkt in den Mund des
Kommunikanten. Solche Erscheinungen werden öfters berichtet, z.B. auch von dem im 21.
Jahrhundert heiliggesprochenen Stigmatisierten Pater Pio.

Mystische Brautschaft
Da die Römisch-Katholische Kirche seit dem 11. Jahrhundert eine zölibatäre Kirche ist, legt sie
besonderen Wert auf die Brautmystik. Insbesondere katholische Nonnen hegen in ihren
Gedanken die Vorstellung, dass sich ein mystischer Ring an ihren Finger bindet und sie dann die
Braut Christi sind. Die französische Stigmatisierte Marie-Julie Jahenny zum Beispiel kündigte ihre
Vermählung mit Christus für den 20. Februar 1874 an. Darüber wird Folgendes berichtet:

„Um ½ 9 Uhr konnten wir uns davon überzeugen, daß ... der Ringfinger der rechten Hand in
einem gesunden Zustand - totenblaß und ohne eine Spur von einem Ring (war). Um 9 Uhr
begannen alle Wunden zu bluten. Etwa eine Viertelstunde später beobachteten wir, daß der
Finger anschwoll und unter der Haut rot wurde. Etwa um ¼ 10 Uhr floß Blut beidseitig aus dem
Finger; endlich sahen wir, wie sich ein Ring bildete. Er ist jetzt für ihr ganzes künftiges Leben
deutlich ausgeprägt“ (zit. nach Markmann, ebd., S. 85).

Besessenheitszustände

Bei vielen Mystikern sind typische Besessenheitszustände zu beobachten. So etwa bei der
heiligen Theresia. Sie berichtet:

„Eines Tages plagte er (Satan) mich fünf Stunden mit so entsetzlichen Schmerzen und solcher
Aufregung des Geistes und Körpers, daß ich glaubte, nicht länger widerstehen zu können. Durch
eine überwältigende Anregung getrieben, gab ich mir selbst heftige Schläge, schlug den Kopf, die
Arme, den ganzen Körper an die Gegenstände, welche mich umgaben“ (ebd., S. 108).

So wurde die heilige Theresia vom Satan geplagt und versuchte, durch eigene Peinigung diesen
Peiniger loszuwerden. Man kann sich fragen: Warum wurde sie denn so sehr geplagt?

Auch andere sogenannte Heilige haben plötzlich Erscheinungen mit Schreien, Brüllen, Zischen,
Heidenlärm, Flüchen, unreinen Worten, die sie aushalten müssten. Die heilige Katharina von
Siena wurde vom Teufel manchmal ins Feuer geworfen, ging aber immer lebend aus demselben
hervor, wie behauptet wird. Die heilige Magdalena von Pazzi wurde 25 Sprossen von einer Leiter
hinabgestürzt, ohne ernstlichen Schaden zu nehmen (ebd.). Und so haben viele übernatürliche
Kraftwirkungen erlebt aus der jenseitigen Welt, die sie dann den Dämonen zuschreiben, aber
Gott habe sie daraus gerettet. Die katholische Erklärung lautet dann auch so:

„Der außergewöhnlichen Gnadenerweisung Gottes geht eine außergewöhnliche Einwirkung des


Teufels zur Seite“ (Poulain, bei: Markmann, S. 10).

Man kommt nicht auf den Gedanken zu überlegen, ob es nicht vielleicht auch insgesamt, was
hier geschieht, vom Teufel sein könnte. Und warum nicht? Weil man sagt, die Katholische Kirche
habe das überprüft und ihre Prüfungsergebnisse seien korrekt. Das seien wirkliche Selige und
Heilige - und zwar warum? Weil sie mit dem katholischen Lehrgebäude übereinstimmen: der
Verehrung des Papstes, der eucharistischen Elemente, Marias usw. Wir merken jedoch: Es
handelt sich hier um einen Zirkelschluss, der nur innerhalb des katholischen Systems
überzeugend ist, außerhalb nicht.

F. Was steckt hinter der Heiligenverehrung?

Bei der Heiligenverehrung handelt es sich um soteriologische Nebenzentren (Nebenzentren des


Heils), die faktisch von Jesus Christus, dem einzigen Mittler zum Vater (Joh 14,6; 1. Tim 2,5),
ablenken. Dass die Heiligen, auch wenn es sicherlich auf manchen Gebieten vorbildliche
Menschen gewesen sein mögen, trotzdem eine problematische Rolle einnehmen, zeigt sich auch
daran, dass gerade im katholischen Bereich die Heiligen die Stelle einnehmen, die früher
Lokalgottheiten in heidnischen Religionen eingenommen hatten. Man kann das nachweisen. Es
gibt zum Beispiel Sankt Blasius, der zuständig ist für Erkrankungen der Atemwege. Die Santa
Lucia ist zuständig für Augenleiden. Der heilige Thomas von Aquin ist zuständig für Studenten.
Die heilige Monika für Mütter, der heilige Sankt Florian für Feuer, der heilige Franz von Assisi für
Tiere, der heilige Sankt Josef für Zimmerleute, Tischler und andere Handwerksgesellen. Die
Unbefleckte Empfängnis ist zuständig für Brasilien, Unsere Liebe Frau von Guadeloupe ist
zuständig für Mexiko.

Wofür man im früheren Heidentum Schutz- und Lokalgötter hatte, wurden im Katholizismus die
„Heiligen“ eingesetzt. Das Heidentum sollte auf diese Weise „christianisiert“ werden, doch in
Wirklichkeit wurde die Kirche paganisiert (verheidet). Man hatte zum Beispiel Neptun bzw.
Poseidon als Gott des Meeres. Man hatte Hermes als den Götterboten und so hat man hier für
bestimmte Bereiche des Lebens die Heiligen eingesetzt, nicht die heidnischen Götter, sondern
nur christliche Heilige, wie sie so gesehen wurden. Früher waren es Lokalgottheiten, heute sind
es Lokalheilige, aber die Funktion ist die gleiche geblieben. Wenn es auch nicht mehr Götter sind,
so aber doch fast schon Halbgötter, Mittler zum Mittler.

Die Heilige Schrift dagegen bezeichnet alle wahren Gläubigen als Heilige, und zwar nicht heilig
aus sich selber heraus, sondern allein in Christus und soweit sie in Christus sind und bleiben.
Das machen verschiedene Briefanfänge im Neuen Testament deutlich, etwa Epheser 1, 1 oder 1.
Korinther 1, 2, wo von den „Heiligen in Christus“ die Rede ist. Heilig im biblischen Sinne heißt: für
den Herrn ausgesondert, zum Herrn gehörig. Die katholischen Heiligen als besonders
hervorgehobene „Halbgötter“ der katholischen Religion haben daher mit den Heiligen im
neutestamentlichen Sinn nichts gemeinsam.

Lothar Gassmann

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A Einleitung

Der Verfasser, Historiker und Forscher auf dem Gebiet ideengeschichtlicher Zusammenhänge
und deren Auswirkungen auf neuzeitliche politische und religiöse Entwicklungen, stellt eine
Thematik in den Mittelpunkt seiner Überlegungen, die seiner Meinung nach von den Analysen der
neuzeitlichen Geschichte katholischer Provenienz kaum beachtet wurden. Das mag mit der
Schwierigkeit zusammenhängen, daß es sich hier um "Geheimlehren" handelt, die zumeist in
einer "verhüllten" Sprache (science voilée) verfaßt sind. Die Entschlüsselung dieser "verhüllten"
Symbolsprache verlangt einen geübten Umgang mit kabbalistischer und esoterischer Literatur,
die nach Aussagen der Verfasser ohnehin meistens nur einen äußeren Bereich des "geheimen
Wissens" mitteilen möchte. Trotzdem ist dieser Literatur wesentliches über die spirituellen
Einflüsse der "geheimen Gesellschaften" auf die religiösen und politischen Entwicklungen der
Neuzeit zu entnehmen.

Nach Meinung des Verfassers haben die nachlässige Wachsamkeit gegenüber diesen mit dem
jüdischen Messianismus eng verbundenen "Geheimlehren" und vor allem das Verschweigen
deren Existenz und Inhalte nicht nur erst seit diesem Jahrhundert zur fortschreitenden Krise und
Zerstörung der römisch-katholischen Kirche geführt, wenn auch nicht zu deren vollständigen
Überwindung. Die Meinung selbst frommer Geistlicher, zur Begründung der heutigen Krise der
Kirche reiche der Hinweis auf die allgemeine Erbsündlichkeit des Menschen oder den
herrschenden Materialismus aus, ist ebenso naiv wie bequem, als wenn die alleinige Erlösung
durch Jesus Christus ohne die Mitwirkung einer Elite von erleuchteten Ordensmännern, Priestern
und Laien als Faktum für das aufstrebende Christentum im ersten christlichen Jahrtausend in
Betracht gezogen würde. In gleicher Weise ist nicht nur der "diabolus", sondern ein elitäres
Instrumentarium von "Orden", "Illuminaten" und "Magiern" für die heute zu beobachtende
Zerstörung des Christentums mitverantwortlich zu machen. Diese Eliten, seien es Alchimisten,
Rosenkreuzer, Freimaurer, Theosophen oder Anthroposophen, arbeiten sämtlich auf der Basis
der jüdischen Geheimlehre der Kabbala.

"Alle Alchimisten sind Kabbalisten; alle geheimen Gesellschaften oder Sekten, die im Abendland
aufgetreten sind, Gnostiker, Templer, Rosenkreuzer, Martinisten und Freimaurer, lehnen sich an
die Kabbala an und lehren mehr oder weniger ihre Theorien" (Papus, Die Kabbala, Wiesbaden
1985, S. 62).

Deshalb bezeichnen die "Magier" und "Avatare" (= hohe Eingeweihte), die sich der jüdischen
Geheimlehre der Kabbala bedienen, selbst die Freimaurerei als
"diese von den Israeliten geschaffene Einrichtung" (Saint Yves d'Alveydre, Mission actuelle des
Souverains, Paris 1882, S. 409).

"sie (die Juden) waren zahlreich in den Geheimgesellschaften, die eine revolutionäre Streitmacht
bildeten, in den maurerischen Logen, in den Karbonari-Gruppen, in der römischen Hohen Venta,
überall, in Frankreich, in Deutschland, in der Schweiz, in Österreich, in Italien" (Lazare, Bernard,
L'Antisémitisme, (1894) Repr. Ligugé/Vienne 1969, S.167).

Der Ursprung der Freimaurerei, die nichts anderes als eine Fortentwicklung des
Rosenkreuzertums des 17. Jahrhunderts war, wird mit ihrer noch heute gültigen Symbolik der
Maurerwerkzeuge zurecht auf den Juden Elias Ashmole zurückgeführt. Ashmole errichtete 1648
"die moderne Maurerei, diesmal mit dem Ziel von einem Ende der Erde bis zum anderen nicht
Steine zu bewegen und zusammenzubringen, sondern Menschen, und nicht materielle Tempel
wiederaufzubauen, sondern menschliche Einrichtungen ... Die Symbolik Ashmoles war hebräisch
(d.h. kabbalistisch, Verf.)..." (d'Alveydre).

Alle geheimen Gesellschaften, die von der Kabbala inspiriert sind, dienen als Handlanger jener
Bestrebungen, die man als "Judaismus“, als „jüdischen Messianismus“ oder auch als die "heilige
Wissenschaft des Monotheismus" (Josué Jéhouda) bezeichnet.

Es wehren sich viele Zeitgenossen gegen eine derart "monokausale" Verantwortung, die hier in
den folgenden Seiten dem Judaismus als Hauptquelle für die Zerstörung der römisch-
katholischen Kirche angelastet wird. Andere Verursacher, wie Protestantismus, moderne
Philosophie oder neuere politische Entwicklungen, sei nach ihrer Meinung in gleicher Weise an
der Krise der Kirche beteiligt. Doch sei hier darauf hingewiesen, daß die rabbinistische Exegese
des Pentateuch (= 5 Bücher Moses), sowie die Lehren der Kabbala auch für die Entstehung des
Protestantismus als Hauptquelle verantwortlich sind und in den verschiedenen protestantischen
Denominationen und Sekten weiterleben. Bernard Lazare schreibt über die Zeit, die der
Reformation vorausgeht:

"Während dieser Jahre, die die Reformation ankündigen, wurde der Jude Erzieher und lehrte die
Gelehrten Hebräisch; er weihte sie in die Geheimnisse der Kabbala ein, nachdem er ihnen die
Tore zur arabischen Philosophie geöffnet hatte; er bewaffnete sie gegen den Katholizismus mit
der gefürchteten Exegese, die die Rabbiner Jahrhunderte hindurch gepflegt und ausgebaut
hatten, diese Exegese, deren sich der Protestantismus und später der Rationalismus zu
bedienen wissen würden" (Lazare).

Jüdische Autoren haben in Bezug auf den Einfluß der rabbinistischen Exegese auf den
Reformator Martin Luther keinen Zweifel, da sie darauf bestehen:
"die Bibel Luthers ging aus den Kommentaren Raschis hervor" (Darmesteter, James, Les
Prophetes d'Israel, Paris 1931, S. 187.

"...durch die Bibel besiegten Luther, Melanchthon und noch andere das Joch der römischen
Theokratie und die dogmatische Tyrannei; sie besiegten sie auch durch die jüdische Exegese,
die Nikolaus von Lyra in die christliche Welt übertragen hatte. Si Lyra non lyrasset, Lutherus non
saltasset, sagte man, und Lyra war der Schüler der Juden; er war derart von ihrer exegetischen
Wissenschaft durchdrungen, daß man ihn selber für einen Juden hielt" (Lazare).

Der jüdische Exeget Raschi von Troyes und der konvertierte Jude Nikolaus von Lyra stehen an
der Wiege der Neuheiten Luthers in seiner Auslegung der Hl. Schrift.

Die gesamte Reformation des 16. Jahrhunderts war nach Meinung jüdischer Schriftsteller ein
religiöser Reinigungsvorgang, d.h. eine Reinigung vom katholischen Dogma, der ohne das
subversive Element Israels nicht denkbar ist:
"Es ist der jüdische Geist, der mit dem Protestantismus triumphierte. Die Reformation war unter
gewissen Rücksichten eine Rückkehr zum alten Ebionismus des evangelischen Zeitalters. Ein
großer Teil der protestantischen Sekten war halbjüdisch, später wurden von Protestanten
antitrinitarische Lehren gepredigt, unter anderem von Michel Servet und von den beiden Socino
von Siena" (Lazare).

"Die monotheistische Lehre Israels" ist "die direkte Quelle des gereinigten Christentums"
(Jéhouda, Josué, La Vocation d'Israel, Boudry Neuchatel 1948, S. 154).

Bernard Lazare bestätigt ferner diesen Gedanken, indem er die jüdische Religion als eine dem
Anthropomorphismus (Vermenschlichung des Göttlichen) und der Vergötterung der Helden
feindlichen Positivismus bezeichnet, was nichts anderes heißt, als daß das Judentum die Gottheit
Jesu Christi zu allen Zeiten abgelehnt hat und es nicht an Versuchen hat fehlen lassen, diesen
"Irrglauben" mit eigener Anteilnahme zu beseitigen. Deshalb ist es aufschlussreich von einem
jüdischen Schriftsteller selbst den judaisierenden bzw. reinigenden Einfluß des Judentums auf
das Christentum zu vernehmen. Denn nach Lazare hat dieser "Positivismus" (= reinigende Effekt
des Judentums) in einem Ausmaß die Jahrhunderte hindurch bestanden,

"daß man die Geschichte der jüdischen Strömung in der christlichen Kirche schreiben könnte,
eine Geschichte, die vom anfänglichen Ebionismus bis zum Protestantismus verliefe und unter
anderem bei den Unitariern und den Arianern Station machen würde" (Lazare).

Auch im Bereich der neuzeitlichen Philosophie ist der Einfluß der kabbalistischen Lehren
tiefgreifend. Selbst auf internationalen Kongressen wurde die Zugehörigkeit von René Descartes
zu den Rosenkreuzern diskutiert (von René Persigout). Andere Philosophen, die für das moderne
Denken grundlegend wurden, standen mit den jüdischen Geheimlehren in direktem Kontakt:

"Die Werke Spinozas bekunden eine tiefe Kenntnis der Kabbala" (Papus).

"Leibniz wurde durch Merkur van Helmont, den Sohn Johanns v. Helmont (1577-1644), des
großen Kabbalisten und Alchemisten, in die Kabbala eingeweiht" (Papus).

Immanuel Kant war mit den Freimaurern Königsbergs eng befreundet. Die junge emanzipierte
jüdische Intelligentsia saß dem berühmten Philosophen zu Füßen.

"Zum philosophischen Unterbau der freimaurerischen Ideologie hat Kant jedenfalls entscheidend
beigetragen" (Freimaurerlexikon).

Das Entstehen der modernen Philosophie ist ohne den Einfluß der jüdischen Geheimlehre nicht
zu denken. Dieselben Nachweise können für die politischen Entwicklungen in Europa seit der
"Glorreichen Revolution" in England, und vor allem seit der Französischen Revolution erbracht
werden. Die Verantwortlichkeit der Freimaurerlogen für das revolutionäre Geschehen in
Frankreich dürfte für den einigermaßen interessierten Leser inzwischen sattsam bekannt sein.
Die Bezeichnung "Jakobiner" für die damaligen Revolutionäre deutet nicht nur auf das Kloster St.
Jacques als Pariser Versammlungsort hin, sondern auf den alttestamentlichen "Jakob", der
später "Israel" genannt wurde. Israel war nämlich der Nutznießer der Französischen Revolution:
"Die französische Revolution, welche die Beschlüsse der Philosophen ausgeführt hat, gibt den
Juden das volle und umfassende Heimatrecht in Frankreich, und in der Folge in den Ländern des
Kulturraums, in Italien, England, Holland, Dänemark, Serbien, Schweiz und Österreich. Die
französische Revolution eröffnet dem Judaismus in allen Ländern, wo sie eindringt, vor allem in
Frankreich, ein neues Zeitalter in einem doppelten Sinn, in einem materiellen und in einem
moralischen" (Darmesteter).

"Und an dem anderen Ende der Kette der Zeiten steht Napoleon und eröffnet Israel von der Höhe
der Revolution, diesem zweiten Sinai nach dem eigenen Worte Joseph Salvadors, den Weg der
Macht, der unüberwindlichen Macht" (Izoulet)

"Napoleon wurde der Held und der Gott Israels, der erwartete Befreier, derjenige, dessen starke
Hand die Pforten des Ghettos einriß. Er betrat alle Städte unter den Jubelrufen der Juden..."
(Lazare).

Der Eroberungsfeldzug des Judaismus in der modernen Philosophie, Religion und Politik zeigt
wiederum, daß die Wissenschaft der Kabbala Hauptquelle in den Umsturzbewegungen der
Neuzeit ist. Der Satz eines ehemaligen Oberrabbiners aus Wien soll ein letztes Schlaglicht auf
die dominierende Rolle des Judentums in der Neuzeit werfen:
"Es gibt überhaupt nichts Demokratisches, was nicht jüdisch wäre, weil der ganze
Demokratismus aus jüdischen Quellen fließt". Daß es sich bei dieser jüdischen Einflußnahme
tatsächlich um einen Eroberungskrieg handelt, wurde von jüdischer Seite nicht verschwiegen:

"Der Judaismus, der von seiner ersten Stunde an immer mit der vorherrschenden Religion im
Krieg gestanden ist, sei es mit der des Baal, des Jupiter, oder des Christus..." (Darmesteter).

Welche historische Verantwortung der Jude durch seinen Kampf auf seinem Haupt versammelt,
kann, um alle Ungerechtigkeit zu vermeiden, nur von einem Juden gebeichtet werden:

"Er (der Jude) ist der Lehrer der Ungläubigen; alle Revolten des Geistes kommen von ihm, sei es
im Verborgenen oder unter offenem Himmel. Er ist am Werk im gewaltigen Atelier der
Blasphemie des großen Kaiser Friedrich II. und der Fürsten von Schwaben und Aragon: er (der
Jude) ist es, der all dieses mörderische Arsenal der Widerreden und der Ironie schmiedet, das er
den Skeptikern der Renaissance und den Lebemännern des großen Jahrhunderts (der
Aufklärung, Verf.) vermachte, und von dem der Sarkasmus eines Voltaire das letzte
widerhallende Echo eines gemurmelten Wortes ist, das sechs Jahrhunderte zuvor im Schatten
eines Ghettos gemurmelt oder noch viel früher zur Zeit des Celsus und Origenes, in der Frühzeit
der christlichen Religion" (Darmesteter).

Die Jahrhunderte hallen wider Von den zumeist im Geheimen gefochtenen Kämpfen des
Judaismus gegen die Religion Christi. Im 20. Jahrhundert hat dieser Kampf eine neue und ganz
eigene Qualität angenommen. Seit dem II. Vatikanischen Konzil scheint die römisch-katholische
Kirche selbst zum Kampfplatz geworden zu sein, so daß ein Blick nach Rom die verschwommene
Fratze des Judaismus zurückwirft. Das inhaltsschwere Wort des Kardinal Suenens vom 89' der
Kirche in Bezug auf das II. Vatikanum zeigt "in nuce" auf, was sich zwar seit langem vorbereitet
hat, aber zwischen 1963 und 1965 durch das oberste Lehramt rechtskräftig wurde. Die
Französische Revolution hatte die Länder dem Judaismus geöffnet,

"indem sie die Barriere der Trennung zwischen dem Juden und dem Christen niedergerissen hat"
(Darmesteter).

Das II. Vatikanum hat, wie Suenens bestätigt, dasselbe getan, indem es nicht auf der materiellen,
sondern auf der geistigen Ebene die Barrieren niedergerissen und den geteilten Schleier im
Tempel des Alten Bundes wieder aufgehoben hat, um ihn zu einer neuen Einheit zu weben.

Der innige Zusammenhang von der Zerstörung der römisch-katholischen Kirche und dem
geplanten Endsieg Juda's über die Völker, vor allem die Planungen des wie und die bereits
erkennbaren Ausführungen in der postkonziliaren Kirche lassen sich aus einer ganzen Reihe von
Publikationen herauslesen, in denen jüdische Schriftsteller den Schleier gelüftet haben. Dazu
gehören neben anderen James Darmesteter (geb. 1849), dessen Vater die rabbinistische
Literatur studiert hatte, Joseph Salvador (geb.1796), Sohn eines freidenkerischen jüdischen
Arztes, Josué Jéhouda, der geistige Ziehsohn des Rabbiners Benamozegh, und auch Bernard
Lazare, der in seinem Buch l'Antisémitisme (1894) das revolutionäre Potential des Judentums in
den vergangenen zweitausend Jahren offengelegt hat. Dazu gehören aber ganz wesentlich die
Vertreter der Tradition des französischen Rosenkreuzer-Ordens der "Elu Cohen", der vom
Hispano-Juden Martinès de Pasqually um 1754 begründet und in Frankreich sowie in den
umliegenden Ländern verbreitet wurde. Seine Ideen wurden von seinen Adepten Louis-Claude
de Saint-Martin, Eliphas Levi, Stanislas de Guaita, Joseph Péladan, Papus, Abbé Roca, Saint-
Yves d'Alveydre, Jean Izoulet, Paul Vulliaud, Edouard Schuré, René Guenon, bis hinauf zum
Zeitgenossen und Freimaurer Robert Amadou weitertradiert.

"In 'la mission des Juifs' (= die Sendung der Juden) wende ich mich an die Talmudisten und
Kabbalisten ...nicht als Fremder, sondern auch als einer von ihnen, der die mündliche Tradition
besitzt, die von Moses selbst hinterlassen wurde" (d'Alveydre).

Wie am Beispiel Saint-Yves d'Alveydre's zu sehen ist, bezeichnen sich die Kabbalisten, auch
wenn sie nicht jüdischer Abstammung sind als "einer von ihnen", d.h. von den Israeliten, der
dieselben Ziele verfolgt. Sie sind Juden nicht nach Abstammung, sondern nach der geistigen und
religiösen Gesinnung. Von großer Bedeutung für die Betrachtung der vor- und postkonziliaren
revolutionären Impulse für eine "Kirche der Zukunft" ist auch das Schrifttum von Alfons
Rosenberg, einem jüdischen Konvertiten, Kabbalisten und Ökumeniker, der 1902 in München
geboren wurde und 1985 in Zürich verstarb. In den Werken des Publizisten und gesuchten
Referenten der Nachkriegszeit ersteht die heuchlerische Dialektik der alten Pharisäer zu neuem
Leben. Seine Hinwendung zum Christentum diente vor allem der Auflösung kirchlicher Strukturen
und letztlich der Zerstörung der von Christus gestifteten Einrichtung.

B Die jüdische Religion

I Der Talmud

Im Gegensatz zu einem immer noch weit verbreiteten Irrtum, die jüdische Religion sei nach wie
vor "mosaisch", ist festzuhalten, daß der Pentateuch (= 5 Bücher des Moses) von den Rabbinern
einer esoterischen Auslegung unterworfen wurde, die in den Geheimlehren des Talmud und der
Kabbala ihren Niederschlag gefunden haben.

"Das Judentum ist nicht identisch mit der biblischen hebräischen Religion, denn es ruht auch auf
dem Talmud" (Rabbiner Leo Trepp),

"und das Studium des Talmud, das ausschließliche, verpflichtende Studium, brachte ihn (den
Juden) davon ab, aus der Bibel zu schöpfen; die Lehrer töteten die Propheten." (Lazare).

Als Haupturheber dieser Lehren wird von den Rabbinern fälschlicherweise Moses genannt, auf
den diese mündlichen Überlieferungen zurückzuführen seien. In Wahrheit ist dies nur ein Trick,
um die esoterische Herkunft dieser Lehren zu verschleiern. Das esoterische Übergewicht im
Talmud zeigt sich im talmudischen Traktat Sopherim XV. fol. 13b. Dort wird "die Hl. Schrift dem
Wasser, die Mischnah dem Weine, die Gemara aber dem Würzweine verglichen" (Pranaitis).
Die Mischnah ist die Aufzeichnung des jüdischen mündlichen Gesetzes im 2. Jh. n. Chr. durch
Rabbi Jehuda und damit Grundlage des Talmud. Die Gemara ist die Niederschrift der von Tag zu
Tag anwachsenden Abhandlungen und Entscheidungen (Halachoth) der Lehrer über die
Mischnah.

"Die Medrashim und die beiden (jerusalemitische, babylonische) Gemara, die den Talmud bilden,
sind beinahe völlig kabbalistisch" (Papus),

"die Rabbis der Mischna und der Gemara haben ihren Talmud nach den Geheimnissen der
Kabbala (des nistar) geordnet" (Sohar III. 244b; Rohling).

Das bedeutet, daß im Judentum die esoterische Auslegung der Hl. Schrift über den reinen
Wortsinn triumphiert. Deshalb wird die Gemara dem Würzwein verglichen, dem mehr Geschmack
eigen ist, als der Hl. Schrift selbst.

"Was die Gemará betrifft, so enthält dieselbe die Disputationen der jüdischen Gelehrten über die
Mischnajóth, welche in dem gelobten Lande wie auch in Babylonien darüber gehalten sind und
die getroffenen Entscheidungen. Darunter befinden sich viele törichte Fabeln, Lästerungen,
falsche Auslegungen, Verkehrungen des Wortes Gottes, ja unverschämte grobe Lügen"
(Eisenmenger, J. A. Entdecktes Judentum, Dresden, 1893).

Der Talmud enthält also die "mündlich überlieferte Torah", eine Interpretation des mosaischen
Gesetzes, die esoterischen oder gnostischen Einflüssen unterlag, was vor allem durch die
zahllosen widersinnigen und abergläubischen Fabeleien, die sich im Talmud finden, belegt wird.
Außerdem ist in den talmudischen Schriften das Verhältnis des Judentums zu seinen
umliegenden Völkern, vor allem zu Rom und zum Christentum, in geheimer Weise niedergelegt.

Die verdeckte rabbinische Lehre über die Christen kam durch zahlreiche Anzeigen jüdischer
Konvertiten ans Tageslicht (z.B. durch Nicolaus Donin, Paulus Christianus, Geronimo de Santa
Fé - ein bekehrter Rabbiner, Johannes Pfefferkorn). Dies veranlaßte die Päpste (Gregor IX.,
Innozenz IV., Clemens IV., Honorius IV., u.a.) oftmals, wie in diesem speziellen Fall,

"den Talmud, der von den Juden an die Stelle des alten Testamentes gesetzt werde, unzählige
Irrtümer, schamlose und entsetzliche Lästerungen gegen Christus und seine heilige Mutter
enthalte, sowie die schwersten Flüche und Verwünschungen gegen die Christen, der auch die
Hauptursache ihres Unglaubens sei, mit allen Zusätzen und Erläuterungen im ganzen
Königreiche konfiszieren zu lassen" (Clemens IV. an König Jakob v. Aragonien; zit. Pranaitis).

Noch Papst Leo XIII. hatte den Talmud auf dem Index mit Berufung auf Papst Clеmеns VIII. mit
den Worten proskribiert,

"daß derlei gottlose talmudische, kabbalistische und andere Schandschriften verurteilt und
verboten bleiben und für solche gehalten werden und daß erwähnter Erlaß über diese und
ähnliche Bücher für immer und unverletzt eingehalten werde" (Pranaitis).

Am 28. 8. 1703 hatten, um nur einen Fall aufzugreifen, getaufte Juden im preußischen
Königsberg angezeigt, daß in den Betstunden der Synagoge die Judenschaft betete:

"Wir knien, aber nicht vor dem gehenkten Jesu" (angezeigt vom Proselyt Wenzel).

Daraufhin wurde den Juden geboten, sich dieser Lästerung zu enthalten, und die Synagoge
wurde unter Aufsicht gestellt. Es ist aber keineswegs so, daß diese Fakten einseitig von
christlicher Seite oder von jüdischen Konvertiten erschlossen oder, wie von jüdischer Seite
behauptet, erfunden wurden. Der jüdische Schriftsteller Shlomo Na'aman schreibt über einen
Vorfahren von Moses Heß: "Großvater Tebli-David wird es zeitlebens vermieden haben, an
Kirchen vorbeizugehen, und wenn es unerläßlich war, die Formeln in seinen Bart gemurmelt
haben, von denen Christen am besten nichts wußten".
Auch Bernard Lazare macht keinen Hehl aus der Tatsache, daß die Christen für die Juden ein
Gegenstand des Hasses sind, und der Talmudlehrer die Christen mit dеп feindlichen Völkern
im Alten Bunde identifizierte:

"Er (der Jude) konnte folglich für den Christen keine allzu zarten Empfindungen hegen, umso
weniger, als alle Anstrengungen darauf gerichtet waren, das Judentum zu zerstören, diese
Religion abzuschaffen, die von nun an die jüdische Heimat war. Der Goj der Makkabäer, der
Minäer der (Talmud-) Lehrer wurde der Christ, und auf den Christen bezog man all die Worte des
Hasses, des Zorns, der wütenden Verzweiflung, die sich in diesem Buch fanden. Für den
Christen war der Jude das verworfene Wesen, aber für den Juden war der Christ der Goj, der
abscheuliche Fremde, jener, der die Verunreinigungen nicht fürchtet, jener, der die auserwählte
Nation mißhandelt, jener, unter dem Juda leidet. Dieses Wort Goj beinhaltet alle Wut, alle
Verachtung, allen Haß des verfolgten Israel auf den Fremden, und diese Grausamkeit des Juden
gegenüber dem Nicht-Juden ist einer der Punkte, die am besten zeigen, wie lebendig der
Gedanke der Nationalität bei den Söhnen Jakobs war" (Lazare).

Was die Juden bei allem Lamentieren grundsätzlich zu erwähnen vergessen, ist ihre eigene
Schuld an der Verwerfung ihres Messias - "Rex Judaeorum" - wie es am Kreuze geschrieben
stand. Die Grausamkeit des Juden gegen den Christen entbehrt jeglicher Grundlage. Daher
könnte nach Prof. Rohling, dem christlichen Orientalisten, erwägt man die Abscheulichkeiten und
den unsinnigen jüdischen Christenhaß in den jüdischen Lehren, "die an und für sich nicht
unvernünftige Idee" aufkommen, "daß ein Volk, welches eine Religion hat, wie sie der
Talmudismus bietet, überhaupt zu vernichten oder zu verjagen, auf St. Helena oder in Cayenne
einzuschließen wäre". Diesem Gedanken würde nach Rohling aber der christliche Glaube
entgegenstehen, daß es "Gottes positiver Wille" ist, der "die Zerstreuung jenes Volkes über die
ganze Welt bestimmt hat, damit es ein stetes Zeugnis der Offenbarung sei Allen, die sehen -
wollen".
"Deshalb dachte man im Mittelalter auf kirchlicher Seite nie an Derartiges, man begnügte sich mit
Ausnahmegesetzen...". Diese Ausnahmegesetze bedeuten für Rohling "Christenschutz", denn

"Es ist rabbinisches Axiom, das Leben des Nichtjuden sei in der Hand des Juden, umsomehr das
Eigentum desselben" (nach Joseph Albo; zit. Rohling).

Die untergeordnete Stellung der Völker gegenüber dem Judentum und das Recht Israels auf die
Güter dieser Welt hebt auch Bernard Lazare als die Lehre des Talmud hervor:

"In dem Augenblick, in dem die Schlange Eva versuchte, sagt der Talmud, verdarb sie sie mit
ihrem Gift. Indem Israel die Offenbarung am Sinai empfing, befreite es sich von dem Übel; die
anderen Nationen hingegen konnten nicht davon genesen. Auch wenn sie eine jede ihren
Schutzengel und ihre schützenden Sternbilder haben, so ist doch Israel dem Auge Jehovahs
selber unterstellt; es ist der bevorzugte Sohn des Ewigen, derjenige, der allein ein Anrecht auf
seine Liebe, auf sein Wohlwollen, auf seinen besonderen Schutz hat, und die übrigen Menschen
stehen unter den Hebräern; ... In Wirklichkeit gehören die Güter, die den Nationen übertragen
wurden, Israel, ..." (Lazare).

Für Bernard Lazare liegen die tiefsten Gründe für den Antisemitismus im Glauben des Juden an
seine Rasse:
"Er bewahrt seinen Nationalstolz, erbildet sich immer noch ein eine überlegene Persönlichkeit,
ein anderes Wesen als jene zu sein, die ihn umgeben, und diese Überzeugung hindert ihn daran,
sich zu assimilieren...".
Die Wurzeln des Antisemitismus liegen folglich nicht in der Feindschaft der Völker, sondern in der
Überheblichkeit, im Herrenmenschentum des Juden gegenüber den übrigen niederen Rassen.
Angesichts dieses herrischen Anspruchs glaubte sich Rohling im Recht, das Denken des
Mittelalters zu verteidigen und den "Christenschutz" zu fordern. Indes, und das ist heutzutage
besonders zu betonen, eine Schädigung an Eigentum und Leben der Juden lehnte Rohling als
unchristlich ab.
"Wir sind nicht Antisemiten, die den Juden schädigen, sein gerechtes Eigentum vernichten, sein
Leben antasten wollen, aber wir wollen den Schutz der Christenheit durch heilsame Gesetze,
welche den Semiten die Ausbeutung unseres Volkes abschneiden sollen" (Rohling).
II Die Kabbala

Die zweite Form der esoterischen Auslegung jüdischer Überlieferung geht ebenfalls bis zu den
Anfängen der christlichen Zeitrechnung zurück, auch wenn das Wort "Kabbala“ (= von Mund zu
Ohr, mündliche Überlieferung) erst im Mittelalter faßbar wird.

"Die gnostische Interpretation des Pentateuch trägt den Namen der "Kabbala" (Jéhouda).

Im Unterschied zum Talmud, der die vergangene und nationale Geschichte Israels interpretiert,
betont die Kabbala den künftigen und universellen Aspekt der messianischen Weltgeltung Israels.

"Wenn der Pentateuch an seiner Oberfläche das historische Werden des jüdischen Volkes
erzählt, indem er vor allem seinen nationalen Aspekt darstellt, verbindet die Kabbala diese
nationale Geschichte mit dem Werden der universellen Geschichte. Der durch die Kabbala
kommentierte Pentateuch löst mit seinem nationalen Aspekt die universelle Bedeutung des
Schicksals des jüdischen Volkes ein, die es ins Zentrum der Geschichte setzt, deren Ziel
messianisch ist" (Jéhouda).

Dies bedeutet, daß die Kabbala die geistige Basis abgibt, auf welcher die universelle Erfüllung
der messianischen Verheißungen für das jüdische Volk Realität wird. Was diese zentrale
Feststellung für Folgerungen in sich birgt, werden die folgenden Seiten ans Tageslicht bringen.

"So, wie wir sie heute besitzen, umfaßt die Kabbala zwei große Teile. Der erste bildet eine Art
Schlüssel, der auf der hebräischen Sprache beruht und zu verschiedener Anwendung geeignet
ist, der zweite gibt ein philosophisches System, das mit diesen sozusagen technischen Mitteln
erbaut ist" (Papus).

Der erste Teil der Kabbala bildet den "Schlüssel", die technische Seite, wodurch der zweite Teil
errichtet werden kann. Das heißt, der erste Teil ist praktischer, der zweite theoretischer Natur.
Der praktische Teil ermöglicht das "prophetische" Element einer "mystischen" Theologie, das den
Juden den Anschein des fortgesetzten Prophetentums verleiht:

"...man muß die Arme zum Himmel erheben und im Unsichtbaren eine Offenbarung suchen,
welche die des Moses und Jesu vervollständigt" (d'Alveydre).

"Wir sind die organischen Instrumente eines Telefons oder eines geistigen Telegraphen, deren
sich der Himmel bedient, um seine Botschaften und seine Depeschen zur Erde zu senden" (Abbé
Roca).

Nach den Aussagen der Kabbalisten gibt es nach wie vor einen 'Draht zum Himmel', ein
'mystisches Prophetentum', wodurch sich der Himmel den Kabbalisten bzw. den Israeliten
offenbart, obwohl nach Aussagen der Kirchenväter das Prophetentum Israels erloschen ist:

"Gibt es aber keinen König, kein Gesicht mehr, ist vielmehr jetzt jegliche Prophetie besiegelt und
Stadt und Tempel erobert, warum sind sie dann so gottlos und sündigen so schwer, daß sie trotz
der Geschehnisse, die sie vor Augen sehen, den leugnen, der sie verwirklicht hat, Christum?" (St.
Athanasius).

Wie ist es also möglich, wenn für Israel der Himmel verschlossen ist, daß dennoch nach
Aussagen der Kabbalisten "Depeschen" vom Himmel zur Erde gelangen? Diese Möglichkeit
eröffnet der "Schlüssel", die praktische Kabbala, deren Herkunft nicht verheimlicht wird:
"Bei uns Juden-Christen (= gängiger Ausdruck für Kabbalisten oder Gnostiker) ist die chaldäo-
ägyptische Kosmogonie des Moses der Schlußstein zur gesamten Wiederherstellung der
Wahrheit" (d'Alveydre).

Der Hinweis auf die angeblichen chaldäo-ägyptischen Lehren des Moses (Moses steht in den
Schriften der Kabbalisten symbolisch für den "Eingeweihten") führt direkt zum Schlüssel der
praktischen Kabbala. Denn bereits St. Athanasius sprach von den Ägyptern und Chaldäern, "die
der Magie zugetan und außergewöhnlich abergläubisch und sittenroh sind".

Die praktische Kabbala besteht demnach im wesentlichen aus Magie:


"Die Theorie der praktischen Kabbala schließt sich der allgemeinen Theorie der Magie an, d.h.
sie lehrt die Einheit von Symbol und Idee in der Natur, im Menschen und im Universum. Mit und
auf die Symbole wirken, heißt auf die Ideen und die rein geistigen Wesen (Engel) wirken; das ist
das Prinzip aller mystischen Beschwörung" (Papus).

Was sich so harmlos anhört, ist eine Kontaktaufnahme mit der Dämonenwelt, mit deren Hilfe die
theoretische Kabbala erarbeitet wird, welche das Judentum befähigt auf das messianische Ziel,
die sogenannte "Wiederherstellung der Wahrheit" (d'Alveydre), zuzugehen.

"Der Besitz der kabbalistischen Schlüssel eröffnet jeder Religion, jeder Brüderschaft von
Eingeweihten die Zukunft, den Erfolg, den Himmel“ (Papus).

Der Kabbalist und praktizierende jüdische Magier Abraham Yagel bestätigt, daß die späteren
Kabbalisten im Judentum gezwungen waren, besondere Gebete und göttliche Namen zu
gebrauchen, um die Engel herabzurufen, da Gott sie nicht mehr automatisch sandte, wie zur Zeit
der früheren Visionäre. Manche der mittelalterlichen jüdischen Kabbalisten, wie Nachmanides,
seien durch Elias selbst unterrichtet worden, Moses Cordovero sei von einem "himmlischen
Lehrer" besucht worden, und Isaak Luria habe sein Wissen durch prophetische Inspiration
erhalten. Die höchste Erkenntnis kommt, wie der Kabbalist Yagel glaubte, nur durch göttliche
Offenbarung und durch die Vermittlung der Engel. Durch den Glauben an die Macht magischer
Worte und Formeln war es möglich die Wirklichkeit zu verändern, die Natur zu beherrschen und
sogar "menschliche Wesen zu schaffen" (gemeint ist damit die soziale Erlösung des Juden; s.
Abschn. C, Kap. I), was durch die rabbinische Autorität zugelassen war.

So wurde die praktische Kabbala nicht nur die Grundlage für die theoretische Kabbala, sondern
auch für eine ganze Reihe von okkulten und abergläubischen Praktiken, wie die Herstellung von
Talismanen und Beschwörungsformeln.
"Es gibt keinen Rabbiner, so unwissend er auch sein mag, der nicht einige Brocken davon
kennen würde, von dieser Kabbala, die sich auf Zaubertalismanen findet, auf den
Pergamentamuletten der Juden usw." (Papus).

Das zweibändige Werk über die Kabbala von Paul Vuillaud berichtet in einem eigenen Kapitel
über die Bedeutung der okkulten Talismane in der jüdischen Religiosität. Diese bedauerliche
Wahrheit zeigt, welch traurige Folgen die Verwerfung des Messias Jesus Christus für die Juden
hatte, so daß diese sich bis zum heutigen Zeitpunkt an die Hilfe von Dämonen klammern, um ihre
messianischen Ziele weiter zu verfolgen. Der Kontakt mit Palästina während der Kreuzzüge und
die Anwesenheit der Juden im christlichen Abendland machte die jüdische Geheimlehre der
Kabbala zur Grundlage der gesamten okkulten Szene in Europa, was die Kabbalisten nicht müde
werden zu betonen:
"Die Kabbala ist der Schlüssel zu der okkulten Überlieferung des Abendlandes" (Papus).

III Die theoretische Kabbala

Die jüdisch-rabbinistische Lehren spalteten sich früh in die "Halacha" und in die "Haggada".
Während sich die erste mehr mit der praktischen Gesetzesübung befaßte, so lehnten sich an die
Aussprüche der zweiten die philosophischen Richtungen im Judentum an.

"Von diesen (philosophischen) Richtungen kann die eine (Saadia, Maimonides) die scholastisch-
philosophische, die andere (in den Werken der Kabbala niedergelegte) die orientalisch-
theosophische genannt werden. Ohne uns hier auf eine Beurteilung dieser Richtungen
einzulassen, muß es uns doch als ausgemacht erscheinen, daß da, wo es sich vorzüglich um
Erkenntnis des ursprünglichen Geistes des Judentums handelt, weniger die erste...als vielmehr
die zweite - die sogenannte mystisch-traditionelle, zum Teil wirklich auf ältere Traditionen
fußende, jedenfalls aber mehr aus dem Innern des Judentums heraus sich entwickelnde,
obschon auch von Ausschreitungen nicht ganz frei zu sprechende - Richtung ins Auge zu fassen
sei" (D. H. Joel).

David Heimann Joel, dessen Vater Oberrabbiner und Gründer mehrerer höherer Talmudschulen
gewesen war, bezeichnete die richtige Erkenntnis gerade dieser mystisch-traditionellen Richtung
(der Kabbala) als unentbehrlich zur allgemeinen Beurteilung des Judentums und damit als
wesentlichen Bestandteil. der jüdischen Religion. Die Kabbalisten nennen die theoretische
Kabbala, insofern sie ein philosophisches System ist, die: Religionsphilosophie der Hebräer"
(Papus).

Wie es bereits zuvor von d'Alveydre ausgesprochen wurde, dient die auf den chaldäo-
ägyptischen Lehren basierende Kabbala der , "Wiederherstellung der Wahrheit", was mit anderen
Worten heißt, sie dient der "Gesamt- bzw. Endlösung des Problems Israel" (Jéhouda).

"Es gibt nur eine Streitfrage auf dieser Erde, und das ist die Streitfrage Israel" (Izoulet).

Die Grundlehre der theoretischen Kabbala ist die Lehre von der "Einheit", entsprechend dem
"Schema Israel" - "Höre Israel - dein Gott ist Einer".

Die jüdische Religion versteht sich daher in erster Linie als "Monotheismus":

"Der Monotheismus Israels offenbart die Lehre von der Rückbindung des Lebens des
Individuums, des Volkes und der Menschheit an den einen und einzigen Gott" (Jéhouda).

Die Lehre Israels ist die "Quelle aller monotheistischen Konzeptionen" (Jéhouda) und zugleich
die einzig wahre Form des Monotheismus, denn "Israel macht es den anderen monotheistischen
Völkern möglich, sich zu einem immer reineren Monotheismus hinzuentwickeln" (Jéhouda).
Der Sinn des jüdischen Monotheismus ist, daß allein Israel über die wahre Vorstellung des
Monotheismus verfügt und die eigentliche Berufung hat, in der Welt das "Gesetz" zu verkünden
und das "Gottesreich" herbeizuführen.

"Der monotheistische Gedanke hat als Ziel die Einigung der Menschheit unter einem Gott und
einem Gesetz" (Schuré).

"Die allgemeine Weltreligion der Menschheit, das ist die wirkliche Mission Israels, die mit
Ausnahme seiner großen Propheten nur wenig Juden verstanden haben" (Schuré).

Alle anderen Religionen werden nur insofern am jüdischen Gottesreich teilhaftig werden, insofern
sie sich dem jüdischen Monotheismus annähern. Für den katholischen Glauben würde das den
Verzicht auf die Gottheit Jesu Christi und die gesamte geschichtliche Tradition bedeuten. Allein
gestützt auf eine neue Interpretation des Evangeliums, auf eine "Neuevangelisierung" (Papus),
auf eine "spirituelle Evolution des Christentums" (Jéhouda) im Sinne des jüdischen
Monotheismus, werden die Christen nach der Vorstellung von Jéhouda, dem Kabbalisten, das
Heil und den Frieden finden.

Wie bereits erwähnt, löst der durch die Kabbala kommentierte Pentateuch "die universelle
Bedeutung des Schicksals des jüdischen Volkes ein, die es ins Zentrum der Geschichte setzt"
(Jéhouda).
Israel und nicht das Christentum im Zentrum der Geschichte, das ist die wahre Doktrin des
jüdischen Monotheismus. Es ist zutiefst jüdische Überzeugung, daß allein Israel es gelingen
kann, der Welt eine einheitliche und universelle Lösung ihrer Probleme zu vermitteln:
"Es ist unmöglich, außerhalb des Monotheismus Israels, zu einer universalistischen Konzeption
zu gelangen" (Jéhouda).

Deshalb ist in den Schriften der Kabbalisten im Hinblick auf ein künftiges Gottesreich die
Berufung Israels die des "Trägers der Lehre von der geistigen Einheit" (Jéhouda). Es ist die
"Auserwählung Israels, die besser als jede andere Lehre die letztliche Einheit unter allen Völkern
garantiert" (Jéhouda).

Die theoretische Kabbala beinhaltet den Gedanken der exklusiven Auserwählung und Berufung
Israels für eine universelle, weltumspannende Ordnung, die allein durch den Monotheismus auch
zu einer spirituellen Einheit zu werden vermag.

C Der jüdische Messianismus

I Die Erfüllung der theoretischen Kabbala

Was im vorigen Kapitel bereits angesprochen wurde, daß die Kabbala vor allem die Lehre von
Israel als "historischem Zentrum der Geschichte" in "Raum und Zeit" (Jéhouda), d.h. für die
ganze Welt und für alle Zeiten, enthält, haben die kabbalistischen Schriftsteller niemals
verheimlicht.
Demnach ist das Endergebnis der praktischen wie der theoretischen Kabbala die
Wiederherstellung "dieses Gottesreiches, dieses Reiches von I-s-r-a-e-l" (Abbé Roca), wie auch
andere Kabbalisten schreiben:

"Jawohl, durch die Stimme eines Moses und den Degen eines Josua hat Jehovah in früheren
Zeiten ein Bündnis geschlossen und ihm die Herrschaft über die Erde versprochen" (Izoulet).

"Es ist schließlich wichtig für Israel seine große Mission wiederaufzunehmen, seinen eigenen
Triumph vorzubereiten..." (d'Alveydre).

"um ohne Verzögerung am Wiederaufbau des geistigen Tempels von Jerusalem zu arbeiten, der
von dem Feinden der Wahrheit zerstört worden ist" (Martinès de Pasqually).

"damit der Tag komme, an dem die Nachkommenschaft Abrahams, Erbe des Werkes des
Ewigen, wieder in seinen ursprünglichen Zustand der Herrlichkeit versetzt und mit Pracht in
seinen angestammten Ort und in seine Rechte eingesetzt werde" (Martinès de Pasqually).

"Ich antworte: Wenn Israel nach der Weltherrschaft trachtet, so ist dies sein gutes Recht"
(Izoulet).

Die Übernahme der Weltherrschaft wird von den Juden als Recht betrachtet.

Der Exeget und Bultmann-Schüler Jacob Jervell arbeitete heraus, daß sich dieser Gedanken
bereits in den spätjüdischen apokryphen Schriften, aus denen die Rabbiner dieses Gedankengut
übernahmen, ausgesprochen findet. Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen, die "imago Dei",
zeigt sich (nach der spätjüdischen Interpretation von Genesis 1, 26 ff.) einerseits in der
Herrschaft über die Erde nach dem Grundsatz 'so wie Gott im Himmel, so der Mensch auf der
Erde', andererseits in der dem Menschen gegebenen Möglichkeit nach dem Gesetz zu leben.
Nach dem Gesetz leben kann aber nur Israel, dem das Gesetz auf dem Sinai gegeben wurde.
Die Abstammung von Adam oder die Adamskindschaft geht durch den Empfang des Gesetzes,
der Torah, auf Israel über, während Gott die Völker "für ein Nichts erklärt" (Esra 6, 56). Durch das
Gesetz erbt Israel die Gottеbеnbildlichkеit, das eigentliche Menschentum und die
Herrschaft über die Geschöpfe. Die Heiden gehören nicht zu den rechtmäßigen Herrschern der
Welt.
"Israel hat Adams Weltherrschaft geerbt" (Jervell, Esra 6, 54 ff.).

Erst der Völkerapostel Paulus hat das falsche Denken des Spätjudentums korrigiert, indem er
bezeugt, daß den Heiden "der Kern des Gesetzes in ihr Herz geschrieben ist" (Röm. 2,15) und
sie auch fähig waren, Gott "durch seine Werke mit dem Auge des Geistes" (Röm. 1, 20)
wahrzunehmen.
Damit betont der Apostel implizit, daß die Heiden keinesfalls die Gottesebenbildlichkeit verloren
hatten und die Juden im Unrecht waren, indem sie auf ihren Exklusivanspruch auf das eigentliche
Menschsein und damit auf die Weltherrschaft als Erbe Adams pochten. Jener Satz, den Jervell
als Quintessenz aus den apokryphen Schriften herausfilterte,

"Israel allein, als das gottebenbildliche Volk, ist der wahre und rechtmäßige Weltherrscher"
(Jervell),

war eine falsche exegetische Auslegung des späten Judentums. Dennoch lebte diese Ansicht im
rabbinischen Judentum fort und wurde auch von Bernard Lazare als bis zum heutigen Tage gültig
bestätigt:

Als energisches, lebhaftes, unendlich stolzes Volk, das sich als über dem anderen Nationen
stehend betrachtete, wollte das jüdische Volk eine Macht sein. Es hatte instinktiv Geschmack am
Herrschen, weil es sich durch seinen Ursprung, seine Religion, die Qualität als auserwählte
Rasse, die es sich zu allen Zeiten zugeschrieben hatte, über alle gestellt glaubte" (Lazare).

Der Ablauf der vergangenen Geschichte ist für den, der es zu sehen vermag, ein Kampf
zwischen Judentum und Christentum um die Eroberung der Welt. Es ist gleichzeitig der Kampf
zwischen den okkulten Mächten unter dem Fürsten dieser Welt, in dessen Reihen die Anhänger
des jüdischen Messianismus die erste Schlachtordnung stellen, und der Kirche unter seinem
Haupt Christus. In mehreren "Schlachten", deren folgenschwersten die Reformation und die
Französische Revolution gewesen sind, verlor das Christentum zunehmend an Terrain, weshalb
Israel mit Recht bereits gegen Ende des 19. Jhdts. behaupten konnte, in seiner Art die Herrschaft
über die Welt zu besitzen:

"Und so stürzt sich Israel, nachdem es (durch die Französische Revolution) in den Stand gesetzt
worden ist, seine schlummernden Kräfte zu entfalten, heimlich darauf, den Einfluß und die Macht
in Europa und Amerika zu gewinnen, und erhebt sich in weniger als einem Jahrhundert zu dem
Übergewicht über die ganze Welt... Und so fühlt Israel selbst auf der Höhe seines Sieges über
die ganze Welt, daß es wohl die Körper erobert hat, aber nicht die Seelen, und daß sein
Übergewicht an der Oberfläche geblieben ist, und nicht mit dem Herzen zugestanden wurde.
Durch die Presse und die Finanz beherrscht es die großen Gesinnungsströmungen und die
großen intranationalen und internationalen Geschäftsunternehmungen und überwacht die
Parlamente und Regierungen" (Izoulet).

Israel, im Besitz der materiellen Vorteile, erstrebt gleichermaßen die geistige Führung, weil es in
seinen Augen dazu für "Raum und Zeit" bestimmt wurde:

"...während für mich der Mosaismus im Gegenteil zu allen Zeiten dazu bestimmt gewesen zu sein
scheint, eines Tages die Religion der erwachsenen Menschheit zu werden" (Izoulet).

Israel ist nach Ansicht der Kabbalisten nicht nur mit göttlicher Legitimation zur Führung der Welt
bestimmt, sondern für eine geistige Führung geradezu prädestiniert. Die Zerstreuung des
Judentums über den Globus, seine Internationalität und Universalität, ergibt die ideale Basis, um
die geistige Führung der Welt zu übernehmen, oder, mit einem anderen Ausdruck, die Stellung
der kommenden Weltreligion schlechthin einzunehmen.

"Aber es gibt noch eine letzte oder vielmehr erste Religion, welche nichts Örtliches oder
Begrenztes an sich hat, sondern überall gegenwärtig ist, eine internationale und interkontinentale
Religion, mit einem Worte, eine Weltreligion. Und das ist der Mosaismus Israels" (Izoulet).

Die Kabbalisten heben besonders hervor, daß die materielle, d.h. politische Einigung nicht
genügt, um das ersehnte messianische Ziel der Weltherrschaft zu erreichen. Die geistige, d.h.
religiöse Einigung der Menschheit muß der politischen vorausgehen.

"Nun ist aber die weltliche Einigung auf dem Wege ...Nun wohl, dann ist es von außerordentlicher
Wichtigkeit, daß die geistige Einigung ihr vorausgeht" (Izoulet).

Izoulet schrieb diesen Satz nach dem ersten Weltkrieg, als die Monarchien niedergerungen und
der Völkerbund gegründet war. Die politische Einigung zeigte sich bereits am Horizont, während
die geistige oder religiöse Einigung noch kaum wahrnehmbar war. Für die Aufrichtung des
Gottesreiches wird nach Ansicht der Kabbalisten die religiöse Einigung jedoch zur unabdingbaren
Voraussetzung, denn -

"Dann aber auch nur dann erscheint Israel am Horizonte der Zeitalter als das auserwählte Volk,
als der sittliche und natürliche Einiger der Welt, als der Befrieder des Planeten, als der
bewunderte und verehrte Chorführer der Menschheit" (Izoulet).

Sind die genannten Voraussetzungen erfüllt, kann Israel in den Jubel des Triumphes ausbrechen:

"In der Tat, nach fünf- oder sechstausend Jahren der Prüfungen ist der planetische Triumph ein
vollkommener" (Izoulet.

II "Einheit der Menschheit"

Um den dauerhaften universellen Frieden und damit das Gottesreich in der Welt zu verwirklichen,
strebt Israel als messianisches Ziel an, seine völkische Einheit und durch die Internationalität
seines Volkes die Einheit unter den Völkern herzustellen. Israel betrachtet es als ein göttliches
Versprechen und gleichzeitig als seine Berufung, die "Einheit unter den Völkern
wiederherzustelen" (Jéhouda).

"...es ist genaugenommen die Auserwählung Israels, die, mehr als jede andere Lehre, die
letztendliche Einheit innerhalb aller Völker garantiert. Das ist genau der Sinn der Berufung
Israels" (Jéhouda).

In dieser angeblichen Berufung liegt die geistige Wurzel der One-World- (Eine-Welt-) Ideologie,
die schon von den Rosenkreuzern und Freimaurern vertreten wurde und heutzutage als
allgemein anerkanntes sozio-politisches Ziel aller demokratisch regierten Staaten Geltung
beansprucht.
Die Einheit der Völker muß, wie bereits angesprochen, sich zuerst geistig vollziehen. Diese
geistige Einheit wird nach Meinung der Kabbalisten am besten durch die jüdische Lehre bzw.
Religion garantiert.

"Der Monotheismus nähert durch eine geistige Synthese alle Menschen wie alle Völker einander
an" (Jéhouda).

"Im Mosaismus können sich also alle Religionen wie an einem gemeinsamen Herde
zusammenfinden" (Izoulet).

Die anderen Religionen müssen sich zur Religion Israels hinentwickeln, das heißt, sie müssen
sich verändern.

"...Israel hat nichts dagegen, daß sich die anderen monotheistischen Völker zu einem immer
mehr gereinigten Monotheismus hinentwickeln; zur Einheit im Menschen, die der Einheit unter
den Völkern vorausgeht, als einzig dauerhaftem Pfand für einen universellen Frieden" (Jéhouda).

"Beachten Sie, ich wiederhole es, auf welcher Grundlage angemessenerweise die Fundamente
der Religion der Zukunft gelegt werden, die nur eine Synthese aller gereinigten, angenäherten
und in ihren Symbolen geeinigten Religionen sein kann" (Abbé Roca).

Diese Entwicklung und Veränderung der anderen Religionen und die damit verbundene Einheit
mit der jüdischen Religion wird bewußt von den eingeweihten Kabbalisten und Logenmitgliedern
(= judenchristliche Missionare, Zitat) herbeigeführt.

"Es wird eine Zeit kommen, wo neue judenchristliche Missionare eine vollkommene
Gemeinschaft des Wissens und der Liebe mit allen anderen religiösen Zentren der Erde
herstellen werden" (d'Alveydre).

Welchen Weg diese "Missionare" einschlagen würden, wurde bereits im ersten Viertel dieses
Jahrhunderts von dem Kabbalisten Jean Izoulet so genau geschildert, daß wir ihm nur noch
staunend zustimmen können. Izoulet schlug folgenden Weg vor:

1. Die Teilung des Völkerbundes:

"Man muß den Völkerbund in einen Kirchenbund und einen Staatenbund teilen" (Izoulet).

Das Ergebnis war die Gründung der "Vereinten Nationen" und des "Weltkirchenrates" nach dem
Zweiten Weltkrieg. Ziel dieser internationalen Gemeinschaft sollte es sein, eine "planetische Front
der Gläubigen" zu schaffen, "um zur gegebenen Zeit alle sittlichen und religiösen Kräfte des
Planeten gegen die beiden Geiseln einsetzen zu können, die uns zu verschlingen drohen: Den
Klassenhaß und den Rassenhaß (vor allem den Antisemitismus, Verf.), den Bürgerkrieg und den
Außenkrieg, den Weltumsturz und den Weltüberfall" (Izoulet). Dies alles natürlich im Sinne Israels
(=Weltdiktatur Israels).

2. Eine konkrete Vision von der Annäherung der Religionen:

"1. Man muß die verschiedenen protestantischen Bekenntnisse einander näherbringen, um den
protestantischen Block zu schaffen.
2. Man muß, wenn möglich, die Protestanten und die Katholiken einander näherbringen, um den
Block der Christenheit zu schaffen.
3. Man muß die drei Töchter der Bibel, d.h, die drei Religionen des Christus, Moses und
Mohammed, einander näherbringen, um den nicht-heidnischen Block zu schaffen.
4. Man muß endlich die Nicht-Heidentümer Europa-Amerikas dem einfältigen, doch großartigen
Heidentümern Asien-Afrikas näherbringen" (Izoulet).

Von diesen 4 Punkten war 1925, wie Izoulet schreibt, gerade der erste Punkt in seiner
Entwicklung. Izoulet beweist damit, daß die gesamte ökumenische Bewegung im Dienst des
jüdischen Mosaismus oder Messianismus steht. Die Kabbalisten waren sich darüber klar, daß die
verschiedenen Religionen in einem gestuften Verfahren einander angenähert werden müssen
und nicht sofort in einem Topf verschmolzen werden konnten.

"...alle Wahrheiten können in Einklang gebracht werden, indem sie sich hierarchisch anordnen
und indem sie synthetisiert werden" (d’Alveydre).

Wichtigster Kern- und Knotenpunkt dieses Prozesses des Zueinanderfindens der Religionen ist
für Izoulet die Übereinstimmung der "drei Töchter der Bibel" bzw. der drei "Schwesterreligionen".
Denn es ist Israel,

"das in sich die unauslöschliche Hoffnung auf die Wiederversöhnung zwischen Christen, Juden
und Moslems trägt und durch die drei lebendigen Zweige des Monotheismus hindurch auf die
Wiederversöhnung der gesamten Menschheitsfamilie" (Jéhouda).

Folglich liegen die ökumenischen Bestrebungen des 20. Jhdts. vor allem im Interesse Israels. Die
Propagandisten der Ökumene innerhalb der Katholischen Kirche sind daher nichts anderes als
"juden-christliche Missionare" im Dienste des jüdischen Gottesreiches. Obwohl sich Izoulet
dessen bewußt ist, daß zwischen den drei Religionen Abgründe herrschen, glaubt er an die
Überbrückung dieser Abgründe. Inwiefern?

"Durch jene religiöse Umwälzung des 20. Jh., durch jene Wandlung der Kirche..." (Izoulet)

Izoulet erwartet in diesem Jahrhundert eine Umwandlung der Kirche, die den Abgrund zwischen
Israel und der Katholischen Kirche auffüllen und ein neues Verhältnis zwischen beiden
Religionen herstellen wird. Dieses erneuerte Verhältnis würde nach seiner Auffassung auch das
Verhältnis zu den Moslems entschärfen.

"Eine Umwälzung in den übersinnlichen Beziehungen der Christenheit zu Israel muß unbedingt
tiefgehende Rückwirkungen auf die Beziehungen zwischen Israel und den Islam haben" (Izoulet).

Tatsächlich zeigte sich nach dem Umschwung der Beziehungen zwischen Rom und Jerusalem
seit dem II. Vatikanischen Konzil eine zunehmende Friedensbereitschaft zwischen Moslems
(Ägypten, Palästina, Jordanien) und Juden. Doch in erster Linie bleibt der Ausgleich zwischen
dem Christentum und dem Judentum entscheidend für die Errichtung des jüdischen
Gottesreiches und den jüdischen Traum einer "Synarchie", einer "Zusammenherrschaft" aller
Nationen und Religionen in drei Gremien, die Wirtschaft, Gesetz und Religion umfassen und den
Weltenbau eines vollkommenen Reiches darstellen.

"Für unsere zwei Gemeinschaften, für Israel und für die Christenheit ist der Friede der Lehrämter,
deren Wiederherstellung in einem Gremium, in derselben Staatsmacht, der Eckstein des
grandiosen Bauwerks, der im Prinzip in den beiden Testamenten und in deren Verheißung eines
möglichst vollkommenen Reiches verankert ist" (d'Alveydre).

Wie aber sollte es möglich werden, gegensätzliche Institutionen wie Judentum und Christentum
in einem Gremium zu vereinen, um das "möglichst vollkommene Reich" der kabbalistischen
Bauleute, den aus "menschlichen Einrichtungen" bestehenden "geistigen Tempel von Jerusalem"
zu errichten, damit sich die Verheißung von der kabbalistisch verstandenen "Einheit der
Lehrämter" d.h. vom jüdischen Gottesreich erfülle?

III Der Weg zum jüdisch-messianischen Gottesreich

Zerstörung des Christentums oder Umformung des Christentums sind nur zwei Sehweisen, die
jedoch dasselbe meinen. Der Katholik nennt es Zerstörung, der Jude meinetwegen "Umformung":

"Nach meiner Meinung ist die sich enthüllende Zerstörung des Christentums letztlich nur ihre
völlige Transformation, ihre völlige Transfiguration und ihre völlige Metamorphose" (Izoulet).

Es wäre töricht zu meinen, der Jude könne sich mit dem weltumspannenden Einfluß der
Katholischen Kirche abfinden. Dazu hat diese seiner Auffassung nach kein Recht. Allein, wenn
sie sich "wandelt", könne sie weiterhin eine geistige Rolle spielen.

"Zu glauben, daß Rom, die Stadt der sieben Hügel ...und die Stadt des Vatikans,
notwendigerweise für alle Zeiten der Sitz der höchsten geistigen Macht hier unten bleiben könnte
und müßte, ist meines Erachtens eine große Selbsttäuschung. Erdkundlich könnte sie es wohl;
aber übersinnlich betrachtet - außer im Falle einer vollständigen Umwandlung - nie" (Izoulet).

"wenn der christliche Glaube auch weiterhin die neue Weltkultur durchsäuern soll, dann muß die
bisherige Struktur seiner Verfassung wesentlich geändert werden" (Rosenberg).

"Ich weiß aus gewisser Quelle, daß Rom trotz seiner bewundernswerten Größe eine
usurpatorische Stadt ist, welche nicht das wahre Jerusalem ist. Für den universellen Ruhm
Gottes, wie im positiven Interesse der Menschen, muß Rom durch die Vorsehung umgewandelt
und unanfechtbar (durch Jerusalem, Verf.) ersetzt werden" (Salvador).

Izoulet hebt den großen Gegensatz zwischen Kirche und Judentum hervor, dessen
Überbrückung nur durch die Wandlung der Kirche ermöglicht wird: "Zwischen uns und Israel
handelt es sich nicht nur um gewöhnliche Gegensätze des allgemeinen Rechtes, von denen sich
die Schreibfehden nähren: es handelt sich um den Gegensatz zweier Übersinnlichkeiten, zweier
entgegengesetzter Auffassungen vom Leben und dem Schicksal. Um diesen Abgrund nun aber
überbrücken zu können, bedarf es einer Nachprüfung der Wertstufen der Religionen, und einer
Wandlung der Kirche -

Und diese Umgestaltung der Kirche, welche auf jeden Fall unvermeidlich ist, wird durch das
Einschreiten der jüngsten und höchsten Wissenschaft bestimmt werden, nämlich der
Soziologie..." (Izoulet).

Um den Abgrund zum Judentum zu überbrücken, soll die Kirche den Wandel zur Soziologie, d.h.
zum Diesseitsdenken, zu den Bedürfnissen der Gesellschaft, zu den Menschenrechten und zur
Demokratie vollziehen. Sie soll sich um die Probleme der Armut, der Überbevölkerung, der
Alphabetisierung, der Umwelt, der Fremdenfeindlichkeit und andere diesseitige Nöte kümmern.
Auf diese Weise kann die Kirche zur sozialen Einheit der Welt und damit insgeheim zur Erfüllung
des jüdischen Gottesreiches beitragen. Denn dies ist der eigentliche Grund für den Wunsch
Israels nach einer "Umwandlung" der Katholischen Kirche.

"So wird sich der orthodoxe Katholizismus in seinem Priestertum öffnen, wie sich die Arme Jesu
Christi, des Hohenpriesters nach der Ordnung des Melchisedek, für alle Menschen dieser Erde,
für all ihre Kulte, für all ihre Rassen öffnen, nicht um sie unter ein und demselben Namen zu
vermischen, sondern um sie im selben sozialen Geist zu einen" (d'Alveydre).

Kirche wandelt sich mit Inkaufnahme eines totalen Identitätsverlustes zu einer neuen weltlichen
"Sozial-Institution", in der sich auch das Papsttum neu definiert:

"Das oberste Bischofsamt muß und kann sich zum Wohl der Universellen Kirche, d.h. des
gesamten Sozialwesens, erheben" (d'Alveydre).

Dieses neue soziale Verständnis des Papsttums wird die Voraussetzung sein, unter der sich das
Gottesreich, oder die "Synarchie" heranbilden wird. Denn die jüdische Herrschaft wird sich "ex
cathedra", d.h. unter dem Schutz des obersten Pontifex, festigen.

"So kann die Synarchie ex cathedra, unter dem Schutz des obersten europäischen
Bischofsamtes, das für alle Judenchristen, ohne Ausschluß der Kulte, der Universitäten und
Völker, zugänglich wurde, Wirklichkeit werden" (d'Alveydre).

"Laßt uns jetzt untersuchen, wie in Rom die Situation des Papstes ist, in welchem ich den
möglichen obersten Kirchenfürsten verehre, der fähig ist die universelle Kirche ins Leben zu
rufen, aber in dem auch die Nationen zurecht nicht mehr den klerikalen Cäsar der Reichstruppen
des lateinischen Klerus anerkennen" (d'Alveydre).

Die Rolle des künftigen Papstes wird sich von seiner früheren deutlich unterscheiden. Nach der
neuen Definition wird der Papst, statt einer partiellen und klerikalen Kirche, Oberhaupt einer
wahrhaft universellen und weltumspannenden Kirche im kabbalistischen Sinne sein.
Die Kabbalisten waren sich sicher, daß die definitive Lösung ihrer Mission von einem oder
mehreren Päpsten herbeigeführt werde, die in Übereinstimmung mit dem esoterischen Programm
der Kabbalisten die Kirche im Sinne und zum Nutzen des jüdischen Gottesreiches umwandeln
würden.

"Sie (die definitive Lösung, Verf.) wird nicht von einem Papst des Glaubens oder der Pistis
bewerkstelligt, sondern von einem Papst der Gnosis oder der esoterischen Wissenschaft - nicht
von einem zeitlichen Papst, sondern von einem geistigen Papst, - nicht von Petrus, dem Apostel
des Schwertes und der Autorität, sondern von Johannes, dem Apostel der Freiheit und der Liebe"
(Abbé Roca).

"...die künftige Reform der Kirche muß von den Priestern in Übereinstimmung mit Rom und der
kirchlichen Hierarchie gemacht werden..." (Abbé Roca).

Diese "Umwandlung" der Kirche, die mit Hilfe der kirchlichen Hierarchie, also des Papstes, der
Bischöfe und der Priester, durchgeführt werden soll, wird für manche alle Anzeichen einer
vollständigen Zerstörung aufweisen:

"Aber, werden die weniger denkenden meiner römischen Mitgläubigen sagen, das wird das Ende
der römischen Kirche sein! Warum? In dieser Kirche wird sich nichts geändert haben, der oberste
Pontifex wird fortfahren sein Patriarch zu sein, seine Hierarchie und seine besonderen Lehren
werden bleiben wie bisher; und sie wird nichts anderes tun als ihr eigenes katholisches, d.h.
antisektiererisches, antipolitisches, universalistisches Programm zu realisieren. Sie wird nicht
mehr die anderen Gemeinschaften beherrschen wollen, sondern diese auf sozialer Ebene
zurückerobern, indem sie sie respektiert und sie zu einer wirklich ökumenischen Allianz zuläßt..."
(d'Alveydre).

D'Alveydre charakterisiert exakt die neue, "umgewandelte", "transformierte" Kirche, die zwar dem
äußeren Anschein nach unverändert blieb, nach wie vor hierarchisch gegliedert ist, aber ganz
neue Eigenschaften aufweist: Sie ist nicht mehr missionarisch, sondern ökumenisch. Sie sorgt
sich nicht mehr um das persönliche Heil, sondern um das soziale. Sie versteht sich nicht mehr als
die römisch-katholische, sondern als universelle Kirche, die jedes Sektierertum d.h. jede
Ablehnung ihres ökumenischen Verhaltens, zurückweist. D'Alveydre spricht von der
"Verwandlung (transfiguration) des Papsttums in ein oberstes ökumenisches und akademisches
Pontifikat". Die Kirche ist fortan "katholisch" in einem neuen universellen und ökumenischen Sinn.
Als solche hat sie eine neue Aufgabenstellung, die Izoulet so bezeichnet:

"Die Kirche ist oder muß ein Organ nicht der Emigration nach außen, sondern des Kreuzzuges
nach innen sein" (Izoulet)

Dies bedeutet, die Kirche soll künftig nicht mehr missionarisch nach außen Zuwachs haben,
sondern einen Kreuzzug nach innen führen, um alle Widerstandsnester, die sich der
"transformierten", neuen, ökumenischen Kirche verschließen, niederzuknüppeln und in Schach
zu halten. Tatsächlich wurde die einzige Exkommunikation nach dem Konzil gegen einen
Widerständler des Ökumenismus ausgesprochen, woraufhin alle Anhänger dieses
Widerständlers auf der ganzen Welt durch den Klerus der neuen ökume¬nischen Kirche geächtet
wurden.

IV Die Wesenseigenschaften des jüdischen Gottesreiches

Das jüdische Gottesreich besitzt im wesentlichen vier Eigenschaften. Es ist:

1. ein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit.

Frieden bedeutet im jüdisch-messianischen Sinn eine letztgültige Lösung der jüdischen Frage:
"Und, durch die geistige Entwicklung des Menschen, bereiten Israel und die Welt das Kommen
des Einvernehmens und des Friedens unter allen Menschen - die messianische Zeit - also
implizit die Lösung des jüdischen Problems" (Jéhouda).

Gerechtigkeit meint alle jene Gesetze, die in Zukunft Israel in alle seine Rechte einsetzen
werden:

"...alle Gesetze, die die Gesellschaften der Zukunft regieren werden, und die auf unserem
Planeten das Gottesreich, dessen Ankunft uns der Messias angekündigt hat, verwirklichen
werden, und das nichts anderes sein wird als das gesegnete Reich der Gerechtigkeit und der
Wahrheit, diese Gesetze sind jene die durch Moses auf dem Sinai, durch Jesus Christus auf dem
Kalvarienberg und durch unsere Väter, die Riesen von 89, auf jenem anderen Sinai und auf
jenem anderen Kalvarienberg der glorreichen Französischen Revolution veröffentlicht wurden..."
(Abbé Roca).

Eine wahre Interpretation für das, was während der Französischen und allen anderen
Revolutionen einschließlich des II. Vatikanums geschehen ist, gibt uns Izoulet, wenn er sagt, daß
der wahre Sinn der Revolutionen sei, "die falschen Eliten hinauswerfen, die wahren Eliten auf den
Thron heben" (Izoulet). Izoulet hält nämlich nichts von der sogenannten "Gleichheit", die nur
solange strapaziert wurde, als das Judentum noch nicht mit allen Bürgerrechten ausgestattet war.
In Wahrheit ist Izoulet ein "Aristophiler" (Freund der Aristokraten), denn für ihn gebührt den Juden
Thron und Weltherrschaft.

2. ein soziales Reich.

Die Vollendung, welche die jüdische Religion seinem Gläubigen verspricht, ist eine diesseitige
und soziale: nicht das Heil eines Einzelnen im Jenseits, sondern den Triumph Israels auf Erden.
Dies bezeugen die Aussagen der Kabbalisten:

"Der Mosaismus ist seinem Wesen nach eine staatsbürgerliche Lehre, d.h. eine weltliche Lehre"
(Izoulet).

"Die Weltlichkeit und der Internationalismus sind die beiden Gesichter des Judaismus" (Izoulet).

"Die Politik ist also die wahre Religion, die grundbildende Religion, die allumfassende und ewige
Religion, die einzige und alleinige Religion" (Izoulet).

"Für mich ist das Übernatürliche und das Heilige nichts anderes, als das vertiefte Natürliche und
Weltliche" (Izoulet).

"Es ist seine Religion, seine rein staatsbürgerliche und wissenschaftliche Religion, welche Israel
seine Überlegenheit über alle Völker der Erde gibt!" (Izoulet).

"Wie kann man beweisen, daß das irdische Heil des Moses das wahre ist, und nicht das
himmlische Heil Christi?" (Izoulet).

Der Judaismus ist seinem Wesen nach eine "Welt"-Religion, ein Diesseitsglaube, der alles, was
er in seinen Bann zieht, "verweltlicht", säkularisiert. Die Lehre eines Karl Marx war nichts anderes
als der Versuch, jüdisch-messianische "Heilsvorstellung" in einem konkreten System Wirklichkeit
werden zu lassen.

"Er (Karl Marx) war von diesem alten hebräischen Materialismus beseelt, der ewig von einem auf
der Erde verwirklichten Paradies träumte und allezeit die entfernte und problematische Hoffnung
auf ein Eden nach dem Tode verwarf..." (Lazare).
Der Judaismus entlarvt sich damit als die Basis für den neuzeitlichen Aufstand gegen Gott, als
die Basis für die Revolution der Welt, was Izoulet mit dem Wort "Umwälzung" übersetzt und
welche er nach seiner tiefsten Bedeutung definiert:

"Ungeheure Umwälzung, weil ich damit die Religion des Himmels auf die Erde hernieder steigen
lasse" (Izoulet)

Ein anderes Wort für das "Hernieder steigen lassen des Himmels auf die Erde" vermittelt uns der
Romancier F. Dostojewski in seinem Hauptwerk Die Brüder Karamasow:

"Der Sozialismus ist nicht nur eine Arbeiterfrage, sondern hauptsächlich eine atheistische Frage,
die Frage der gegenwärtigen Inkarnation des Atheismus, die Frage des Turmes zu Babel, der
gerade ohne Gott gebaut wird, nicht zur Erreichung des Himmels von der Erde aus, sondern zur
Niederführung des Himmels auf die Erde".

Sozialismus ist in seinem Wesensgehalt identisch mit der jüdischen Doktrin eines zu errichtenden
sozialen Gottesreiches. Diese Übereinstimmung und den jüdischen Ursprung des historischen
Sozialismus zu versichern, wurde einer niemals müde, der selbst jüdischer Abstammung war und
daher die nötige Kompetenz beanspruchen konnte, Dr. Alfred Nossig:

"Es darf nicht übersehen werden, daß die Juden zu den Vätern und Wegbahnern des
Sozialismus gehören, daß schon ihre Urahnen für diese Ideale gekämpft haben" (Nossig).

"Für uns Juden aber ist es eine Pflicht und Genugtuung, für die Wahrheit und Weisheit unseres
alten Gesetzes zu zeugen, das die politischen und sozialen Entwicklungsnotwendigkeiten, wie sie
erst der Weltsozialismus der neuesten Epoche erfaßte, bereits vor Jahrtausenden
vorausgesehen hat" (Nossig).

Die Errichtung des sozialen jüdischen Gottesreiches erfolgt in "Umwälzungen", "Revolutionen".


"Weltrevolution" ist nichts anderes als, daß die ganze Welt durch Umwälzungen eine neue
Ordnung, eine neue Religion, eine neue Regierung, neue Machtverhältnisse erhält, die nicht "von
oben", von Gott, legitimiert werden, sondern von Israel, als dem vermeintlich berufenen und
auserwählten Volk.

"Wir erwarten den neuen Himmel und die neue Erde. Neue Himmel, d.h. eine neue religiöse
Verteilung - neue Erde, d.h. eine neue soziale Organisation. Es ist eine ganze Welt von Grund
auf zu schaffen, eine ganze Regierungsform zu organisieren..." (Abbé Roca).

Im anbrechenden jüdisch-sozialen Gottesreich wird der Himmel auf die Erde herabgeholt. Nun
wird man auch besser verstehen, weshalb die Kabbalisten ein neues Christentum, eine neue
Kirche und ein neues Papsttum planten, die sich künftig auf dem sozialen Feld zu bewähren
hätten, wollten diese Institutionen auch im neuen Zeitalter weiterhin Gültigkeit beanspruchen.
Auch wird jetzt verständlich, wie das Aussehen der "gereinigten" monotheistischen Religionen,
von denen Jéhouda sprach, vorstellbar ist.
Abbé Roca, der Ex-Priester brachte es auf den Punkt:

"Ich schwöre es Ihnen, daß das reine Christentum der reine Sozialismus ist" (Abbé Roca).

In diesem Sinne ist auch der Ökumenismus zwischen den Religionen nichts anderes als ein
sozialer Friede, der jegliche Störung, d.h. jeden Proselytismus bzw. jede missionarische Tätigkeit
ausschließt. Dies meint auch d'Alveydre, wenn er in Bezug auf die Einigung der Religionen
verkündet, daß dieser religiöse Friede in Iod-Hé-Vau-Hé (IHVH oder Jahwe) durch den sozialen
Geist Jesu Christi" Wirklichkeit werden wird. IHVH ist das Kürzel für den jüdischen Messianismus
und der "soziale Geist Jesu Christi" Sinnbild für den neuen Weg, den das Christentum in der
revolutionären Phase vor der Errichtung des Gottesreiches zu beschreiten hat. Die Verwandlung
des Christentums und der Kirche in soziale oder sozialistische Institutionen, d.h. das
Herniederziehen des Christentums auf die Ebene des Judentums, hat eine Schlüsselfunktion für
die Entwicklung Israels zur geistigen Weltmacht. Israel wird nach Meinung Izoulets nur dann an
die Spitze der Vereinigung der drei Töchter der Bibel gelangen,

"wenn das Christentum, welches bis dahin nur nach dem himmlischen Leben trachtete, auf die
Erde herniedersteigt und sich dazu bekehrt, dort das Reich Got¬tes zu suchen, wie es die
jüdische Lehre vorschreibt" (Izoulet)

Israel wird nur durch die Zerstörung bzw. Umwandlung der Kirche hindurch seine messianischen
Pläne verwirklichen können. Hier wird deutlich, welche Bedeutung dem II. Vatikanischen Konzil
und der postkonziliaren Entwicklung zukommt. Damals wurde diese Entwicklung in Gang gesetzt,
von der Izoulet voraussagte:

"Das Christentum wird seine Form und Erscheinung ablegen, um seinen Grund und seine
Wirklichkeit zu enthüllen" (Izoulet)

- eine Wirklichkeit in Übereinstimmung mit den Lehren des jüdischen Messianismus.

3. ein künftiges Reich.

Es ist von nicht geringer Bedeutung, daß der Aspekt eines "kommenden" oder "zukünftigen"
Gottesreiches in den kabbalistischen Schriften hervorgehoben wird.

"Indem sie in jeder Epoche die monotheistische Lehre erneuern, nähern die Juden immer mehr
die gesamte Menschheit dem messianischen Zeitalter, zu dem hin uns die Vorsehung
vorantreibt" (Jéhouda).

"Die Kabbala lehrt uns nach den von der Tradition gelieferten Regeln zu denken, dеп Blick
fortwährend auf die Zukunft gerichtet" (Jéhouda).

Die Blickrichtung des Judentums auf das messianische Zeitalter ist starr nach vorne gerichtet,
progressiv, in intensiver Erwartung. Je mehr sich jüdisch-messianischer Geist in der Welt
durchsetzen wird, werden Geschichte, Tradition, Konservativismus, Fundamentalismus, Statik
und Alter verpönt, - dagegen Dynamik, Jugend, Progressismus, Revolutionismus,
Zukunftsforschung und neue Trends gefragt sein. Ein neues Denken wird alles aus der
Perspektive der Zukunft, die allem Wandel aufgeschlossen ist, erörtern. Hier zeigt sich der
diametrale Unterschied zum Christentum. Inwiefern nun die römisch-katholische Kirche seit dem
Pontifikat Johannes XXIII. und dem II. Vatikanischen Konzil die Merkmale der von den
Kabbalisten gewollten Umwandlung an sich trägt, zeigen die folgenden Kapitel auf.

D Das jüdisch-messianische Antlitz der postkonziliaren Kirche

I Das '89 der Kirche oder das Reich der Gerechtigkeit

Die das Wesen des II. Vatikanischen Konzils exakt zum Ausdruck bringende Kurzform vom 89'
der Kirche (Kardinal Suenens) zeigt an, daß dieses Konzil dasselbe Ziel verfolgte wie die
Französischen Revolution. Es wollte wie die politische Revolution die "Barriere der Trennung
zwischen Juden und Christen niederreißen" (Darmesteter), dem "Judaismus überall Zugang
verschaffen" (Darmesteter) und "Israel den Weg der Macht bereiten" (Izoulet). Dies war der
eigentliche Sinn des Konzils und ebendies hat das Konzil auch erreicht bis hin zum Austausch
der "Eliten", der nach Izoulet die Revolutionen kennzeichnet.
Kann es reiner Zufall sein, daß mit Papst Paul VI. und Johannes Paul II. zwei jüdisch-stämmige
Kleriker auf den Papstthron gelangten, die beide die Judaisierung des Glaubens, vor allem in der
Form des Ökumenismus, in hohem Maße gefördert haben? Oder faßt man die
Kardinalserhebungen der letzten Jahre ins Auge. Da wird ein potentieller Irrlehrer wie Hans Urs
von Balthasar oder ein Theologe wie Henri de Lubac, der den Unterschied zwischen Natur und
Gnade in seiner Theologie verwischt, zum Kardinal kreiert. Dasselbe Fragezeichen läßt sich bei
Yves Congar, dem französischen Förderer des Ökumenismus, anbringen, dessen Ernennung
zum Kardinal im Monat November des Jahres 1994 bekannt gegeben wurde. Gleichzeitig werden
Prälaten, Priester und Laien geächtet, die sich zum vorrevolutionären, d.h. vorkonziliaren
Glauben bekennen. Ist dies nicht der Austausch der Eliten, von dem Izoulet spricht - die
Bevorzugung der revolutionären Förderer der naturalistischen, ökumenistischen und
sozialistischen Inhalte einer judaisierenden Theologie - die Verfolgung der Förderer der
bisherigen Tradition der Kirche.

Es wäre jedoch völlig verfehlt, die Revolution in der Kirche mit dem II. Vatikanum beginnen zu
lassen. Der Initiator des Konzils, der diese Revolution "von oben" her ermöglichte, war Papst
Johannes XXIII. Mit seinem Zuruf an die Juden "Ich bin Joseph - Euer Bruder" und mit der
Streichung des "treulos" aus den Karfreitagsbitten ('pro pedis Judaeis') hatte er ein Signal
gesetzt, auf das hin der Kontakt zwischen der Kurie und dem Judentum auf höchster Ebene
einsetzte. Durch diese Kontakte konnten führende Juden ihre Erwartungen in Bezug auf das
kommende Konzil formulieren. Aus diesen Anfängen hat sich der jüdisch-katholische Dialog in
Verbindungskomitees und Kommissionen institutionalisiert. In diesen Komitees treffen sich
Christen und Juden auf gleicher Ebene und beraten künftige Entwicklungen innerhalb der Kirche.

Die projüdische Haltung Papst Johannes XXIII. machte deutlich, daß der oberste Pontifex die
"Rechte des Menschen", von denen er in seiner Enzyklika "Pacem in Terris" sprach, im Geiste
der Französischen Revolution interpretierte. Denn es war die "Erklärung der Menschenrechte",
die den Juden während der Französischen Revolution den Eintritt in die christliche Gesellschaft
ermöglichte. Nun war durch einen Papst dasselbe für die religiöse Ebene ermöglicht worden, was
zuvor auf der politischen geschah - die Verbrüderung mit den Juden. Nicht umsonst spielte Abbé
Roca auf die wahre Bedeutung der "Erklärung der Menschenrechte" an, indem er erklärte, daß
diese "auf jenem anderen Sinai und auf jenem anderen Kalvarienberg der glorreichen
Französischen Revolution" veröffentlicht wurden. Damit wollte er sagen, daß diese
Menschenrechte eine "jüdisch-messianische" Bedeutung haben und das Judentum ihrer
Bestimmung, über die Völker zu herrschen, näher brachten. Aus diesem Grund warnte der
bekannte jüdische Konvertit Joseph Lémann eindringlich vor der "in den Logen der
Geheimgesellschaften ausgearbeiteten" Erklärung der Menschenrechte, indem er schrieb:

"Man nehme sich in Acht: In der Annahme des Menschen und der Menschheit als Basis für ein
Zusammentreffen mit dem Juden, begibt sich der Christ notwendigerweise herab, nicht aus
Demut, sondern aus dem Vergessen seiner christlichen Würde; er degradiert sich, er begibt sich
in einen minderwertigen Rang, um sich auf dem Niveau des Juden zu treffen, welcher im
Gegenteil emporsteigt und erhöht wird. Ja, wir haben den Mut es zu sagen, von allen Verträgen
und Tauschgeschäften mit den Hebräern, hat der Christ niemals etwas derartig Verendetes und
Vernichtendes zustande gebracht. Es ist das Verlassen des Übernatürlichen, dieses nicht nur
himmlischen, sondern auch irdischen Vorteils, der dem Christ zugute kommt und der seine
Überlegenheit ausmacht; er verwarf die Perle des Evangeliums!..."

Diese im individuellen Bereich vernichtenden Folgen, sah Lémann auch für den sozialen Bereich:

"Durch diese Erklärung wird der Israelit...autorisiert sein, sich überall zu präsentieren, überall zu
konkurrieren und zu intrigieren und um jeden Posten in der Gesellschaft zu wetteifern. Man kann
ihm nichts mehr untersagen, ihm nichts mehr entziehen oder verwehren, was es auch sei. Wenn
die Umstände oder der Ehrgeiz ihn in die Nähe des Thrones lenken und sogar auf die höchste
Stufe, wer wird ihm den Zugang verwehren können?...und heute Bürger, werden sie morgen die
Herren sein, ja, sie sind es schon."

Die Kabbalisten haben die Befürchtung des konvertierten Juden bestätigt, indem sie durchblicken
ließen, daß der revolutionäre Gleichmachungsprozeß die Aufgabe hat, das Christentum zu
zerstören und die jüdische Herrschaft vorzubereiten:

"...nur ein Teil der Menschen wird erkennen, welche Bedeutung die kommende soziale
Revolution in Gottes Plan hat, nämlich die unfruchtbaren Systeme (Christentum), deren Zeit
vorbei ist, zu beseitigen, und die Welt durch einen großen Gleichmachungsprozeß für die
(jüdische) Tausendjahrherrschaft der Gerechtigkeit vorzubereiten" (Russell).

Joseph Lémann bezeichnete daher die Menschenrechte zurecht als das "Trojanische Pferd" für
die Französische Gesellschaft. In gleicher Weise kann man die Anerkennung der
Menschenrechte durch Papst Johannes XXIII. als den Einlaß des Trojanischen Pferdes in die
Stadt Gottes betrachten. Lémann brachte den treffenden Vergleich:
"In Jericho marschierten die Gottesrechte mit dem Klang der Posaunen vor Israel her; in
Frankreich sind es die Menschenrechte mit der revolutionären Axt, die ihm den Weg ebneten". In
Rom war es Papst Johannes XXIII., der die Mauern zwischen Juden und Christen zum Einsturz
und es zu jener Entwicklung brachte, die Juden und Christen in Kommissionen und Komitees an
einen Tisch zusammenkommen ließ.

"Diese Entwicklung ist allerdings nicht denkbar ohne die Öffnung des kirchlichen Bewußtseins
und Geistes für ein brüderliches Verhältnis durch Papst Johannes XXIII. (1958-63). Gerade das
Erbe des jüdischerseits so geschätzten Papstes zu übernehmen, ist erklärtes Anliegen von Papst
Johannes Paul II, der bald nach Antritt seines Pontifikates 1978 eigene Akzente setzte"
(Rendtorff/Henrix).

Papst Paul VI. mißachtete ebenso die Mahnung Joseph Lémanns auf der Ebene des Menschen
oder der Menschheit mit dem Judentum zusammenzuarbeiten:

"Daher wünschen wir allen Ernstes, daß die Weisungen des Vatikanischen Konzils so in die
Praxis umgesetzt werden, daß Christen und Juden dank der Entwicklung eines besseren
Verständnisses und eines tieferen Respekts untereinander imstande sind, für die Förderung des
Friedens und des Wohlergehens der ganzen Menschheit zusammenzuarbeiten" (Paul VI. an das
American Jewish Committee, 31.3. 1971).

Es ist deutlich geworden, daß sich innerhalb der Kirche dasselbe Geschehen auf religiöser
Ebene wiederholt, was sich in Frankreich auf politischer ereignet hatte. Welche vernichtenden
Folgen dies für die Kirche haben wird, deutet sich an in jenem Satz von Bernard Lazare, mit dem
er auf die Konsequenzen einer Gleichstellung des Juden auf politischem Gebiet hingewiesen hat:

"An dem Tag, an dem der Jude eine (staats)bürgerliche Funktion bekleidete, war der christliche
Staat dem Untergang geweiht" (Lazare).

Lazare bezeichnet den Juden als antiklerikal. Wird nicht auch die Kirche an dem Tag dem
Untergang geweiht sein, da der Jude in den ökumenischen Komitees oder sogar innerhalb der
Kirche (Österreicher, Baum, Lustiger, Montini, Wojtyła) eine Funktion bekleidet?
Wenn nach Lazare die liberalen Juden in der Politik (Kulturkampf, Ferry-Gesetze)
"entchristlicht haben oder zumindest die Verbündeten jener waren, die zur
Entchristlichung drängten", so ist gleichfalls festzustellen, daß die Reformen der
Kirche seit der Verbrüderung mit dem Judentum nichts als Apostasie und
Entchristlichung hervorgerufen haben. Wer die innere Logik des jüdischen
Messianismus begreift, wird sich über die Ergebnisse der brüderlichen
Zusammenarbeit nicht wundern.
Reich der Gerechtigkeit als Kennzeichen des jüdischen Messianismus besagt, alles zu
fördern, was vorteilhaft ist auf dem Weg zum jüdischen Gottesreich und alles zu
fördern, was schädlich ist für das Konkurrenzunternehmen "Christentum".

Die mit Papst Johannes XXIII. beginnende Entwicklung der Verbrüderung von Juden
und Christen war von den "Propheten" des jüdischen Messianismus seit langem
vorauserwartet, denn Joseph Salvador schrieb 1880, daß zum künftigen
Wiederaufbau des jüdischen Gottesreiches der Plan schon gefunden sei. Es ist
nämlich Aufgabe des neuen Geistes im neuen Zeitalter

"Rom das Jerusalem des Mittelalters, an seine Brust zu drücken; es ist seine Aufgabe
es den Hügeln des Aventin und des Kapitol zu entreißen und es aus der Mitte Latiums
in das Herz Palästinas zu verpflanzen" (Salvador).

Dieses an die Brust drücken, das Zeichen der Verbrüderung, sollte den jüdisch-
messianischen Bestrebungen letztlich zum Ziel verhelfen. Auch Papst Paul VI., selbst
jüdischer Abstammung, öffnete sich vorbehaltlos der jüdisch-christlichen
Verbrüderung.
Am 24. 11. 1976 ließ er in einer Ansprache an den Zweig einer jüdischen
Geheimgesellschaft, an die "Anti-Defamation League of B'nai B'rith", folgenden Satz
verlauten:

"Ja, der Gott der Gerechtigkeit und des Friedens, der Herr über das Leben, ist unser
gemeinsamer Vater und der Ursprung unserer Verbrüderung".

Ob dieser Gott der Gerechtigkeit und des Friedens etwa der Gott der Christen, oder
nicht vielmehr der Urheber des jüdischen Gottesreiches ist, darf man sich mit Recht
fragen. Der Papst wollte uns nicht im unklaren lassen und fuhr fort:

"Im Geiste der Propheten werden Juden und Christen bereitwillig zusammenarbeiten
und sich auf allen Ebenen - auf der örtlichen, nationalen, internationalen - um soziale
Gerechtigkeit und Frieden bemühen".

Hier ist er wieder, der "auf die Erde herniedergelassene Himmel", die soziale
Gerechtigkeit. Der "Geist der Propheten", der hinter dieser sozialen Gerechtigkeit
steckt, ist schnell ausgemacht, wirft man einen Blick in die "Protokolle der Weisen
von Zion":

"Die Propheten haben uns gelehrt, daß wir (die Juden) von Gott selbst zur Herrschaft
über die ganze Welt auserwählt wurden" (Die Geheimnisse der Weisen von Zion,
Gottfried zur Beek, Charlottenburg,1919 S.18).

Wußte der Papst, daß er mit seinen Worten die Ideen des jüdischen Messianismus
verkündete und sich damit auf den Boden der Revolution stellte? Sein Nachfolger
Papst Johannes Paul II. hatte in einer Ansprache an die "Anti-Defamation League of
B'nai B'rith" vom 22. 3. 1984 denselben Gedanken noch einmal aufgegriffen:

"Und gewiß gründet die große Aufgabe, Gerechtigkeit und Frieden zu fördern - das
Zeichen der messianischen Zeit in der jüdischen und christlichen Tradition - ihrerseits
auf dem großen prophetischen Erbe".

Die Vorstellung von Gerechtigkeit und Friede, die im Judentum und Christentum eine
völlig verschiedene Bedeutung haben, werden vom Papst gleichgesetzt, als ob Natur
und Übernatur, Diesseits und Jenseits nicht unterschieden werden müßten. Bernard
Lazare zeigt den wahren Hintergrund der "Zeichen der messianischen Zeit in der
jüdischen Tradition" auf:

"sie (die Juden) träumten von dem Tag, der ihr erlittenes Unrecht und ihre Schmach
rächen würde, von dem Tag, an dem der Böse (Christ) zu Boden geworfen und der
Gerechte (Jude) erhöht würde: vom Tag des Messias. Das messianische Zeitalter
sollte für alle diese Armen (Juden) das Zeitalter der Gerechtigkeit sein" (Lazare).
Die Erhöhung des Juden und das "zu Boden werfen" des Christen ist der eigentliche
Inhalt des jüdisch-messianischen Zeitalters. Unter Gerechtigkeit versteht der Jude
z.B., daß der Christ alles aus seiner Religion ausmerze, was ihn, den Juden in einem
ungünstigen Licht erscheinen läßt. Deshalb wurde bereits während des Pontifikates
Papst Johannes XXIII. von jüdischer Seite folgender Wunsch an den Papst
herangetragen:

"Es handelt sich vor allem darum, die letzten Spuren des Antisemitismus aus der
christlichen Lehre zu entfernen" (Jéhouda).

Wie der Jude unter christlicher Herrschaft die Stellen des Christenhasses aus dem
Talmud zu entfernen hatte, so muß der Christ nun unter jüdischer Herrschaft die
Anreize zum "Judenhaß" beseitigen. Diesem Wunsch war die 'Kommission für die
religiösen Beziehungen zum Judentum' getreu nachgekommen und veröffentlichte im
Artikel 4 der Richtlinien und Hinweise für die Durchführung der Konzilserklärung
"Nostra Aetate" vom 1. 12. 1974:

"Im Hinblick auf dieses Dokument mag hier die einfache Erklärung genügen, daß die
geistlichen Bande und die historischen Beziehungen, die die Kirche mit dem
Judentum verknüpfen, jede Form des Antisemitismus und der Diskriminierung als
dem Geist des Christentums widerstreitend verurteilen..." (Richtlinien und Hinweise
zu "Nostra Aetate".

Die jüdischen Dialogpartner hatten ihre katholischen Brüder dadurch


eingeschüchtert, daß sie behaupteten, die Kirche habe durch ihren 2000 Jahre
währenden "Antijudaismus" die Grundlagen für die Judenverfolgung des Dritten
Reiches geschaffen. Die Verlogenheit und Verkehrtheit dieser Argumentation zeigt
sich darin, daß gewisse Restriktionen, die die Juden zu ertragen hatten, auf ihren von
Anfang an währenden Christenhaß zurückzuführen waren und zum Schutz der
christlichen Gesellschaft dienten. Dieser jüdische Christenhaß war den frühen
Christen keineswegs unbekannt. Der Hl. Augustinus schrieb in seinem "Gottesstaat",
als er die Haltung des Philosophen Seneca (4 v. Chr. - 65 n. Chr.) zu den jüdischen
Mysterien behandelte:

"Der Christen jedoch, die schon damals dem Juden äußerst verhaßt waren, wagte er
(Seneca) weder in günstigem noch in ungünstigem Sinne zu gedenken..." (Hl.
Augustinus).

Selbst Bernard Lazare gibt zu, daß im Frühchristentum Juden die Christen vor die
Gerichte schleppten und Juden sich bei der Hinrichtung des Hl. Bischofs Polykarp als
die Eifrigsten erwiesen, den Scheiterhaufen für den Bischof aufzurichten. Nicht
christlicher Judenhaß, sondern der prinzipielle jüdische Christenhaß war die Ursache
für die Verteidigung der christlichen Gesellschaft und des historischen
"Antijudaismus". Diese Tatsache wurde im gesamten postkonziliaren Dialog
verschwiegen.

Darüberhinaus ist zu bemerken, daß der Ausdruck "Antisemitismus" die ganze


Thematik, die dahinter steht, in ein falsches Licht rückt, da es sich hier von
christlicher Seite gesehen nicht um ein "rassisches", sondern um ein doktrinäres
Problem handelt. Man beabsichtigt die gefühlsmäßige Verknüpfung irgendeines
Vorbehaltes gegen das Judentum mit der Judenverfolgung im Dritten Reich
herzustellen. Wer den Herrschaftsanspruch des Judentums ablehnt, wird sofort auf
die Ebene eines "Judenschlächters" versetzt. Ein genialer Schachzug! Die nach dem
Konzil folgende Vernichtung jener christlichen Mahnmale des Hostienraubes und des
Ritualmordes, deren Historizität ein guter postkonziliarer Christ anzuzweifeln hat, und
die Errichtung jüdischer Mahnmale, an denen keiner zweifeln darf, das sind die
Zeichen des jüdisch-messianischen Zeitalters der Gerechtigkeit. Unter dem
Schlagwort vom "Antisemitismus" mit all den geistigen Barrieren, die mit diesem
Wort aufgebaut wurden, erfolgt im christlichen Denken ein weitreichender Umbau,
der vom Freispruch des jüdischen Volkes vom Gottesmord bis zu antitrinitarischen
Tendenzen in Theologie und Liturgie reichen. Das Reich der Gerechtigkeit erfolgt
durch "Umwälzungen" zugunsten des Juden, zum Nachteil des Christen.

Neben der Erhebung der Juden zu Brüdern, dem Abbruch der Barrieren und Vorurteile
zwischen Juden und Christen (zugunsten der Juden) und der Verdammung der den
Juden unangenehmen Details in der christlichen Lehre, ist noch eine Entwicklung
hervorzuheben, die für das jüdische Reich der Gerechtigkeit von großer
Bedeutsamkeit ist, die Rückkehr des Weltmittelpunktes nach Zion. Salvador hatte es
in Worte gefaßt:

Rom, das Jerusalem des Mittelalters müsse den Hügeln des Aventin und des Kapitol
entrissen und in das Herz Palästinas verpflanzt werden. Die Kabbalisten hatten es
immer gelehrt, daß im messianischen Zeitalter Jerusalem der Mittelpunkt der Welt
sein werde:

"Jerusalem wird der Herrschersitz in der neuen Ordnung werden und die Stadt des
großen Königs sein" (Russel).

"Alle Nationen werden im Lichte des himmlischen Reiches, nämlich des neuen
Jerusalem wandeln"(Russel).

Dieses Jerusalem wird sich durch einen universellen Charakter auszeichnen und die
Nationen sowie Religionen der Welt unter seinen Fittichen vereinen. Es ist nicht
identisch mit den vergangenen Formen des alten Jerusalem, das von den Römern
zerstört wurde, noch mit Rom, dem Jerusalem des Mittelalters, sondern ist nach den
spirituellen Gesetzen eines neuen Zeitalters errichtet:

"Der Geist des neuen Zeitalters schöpft hieraus die legitime Berechtigung eine Stadt
wieder aufzubauen, ein Jerusalem der dritten Formation, das, ohne das Jerusalem der
alten Zeit, noch Rom, sein Jerusalem des Mittelalters, zu zerstören, sich über dem
einen und dem anderen erheben muß" (Salvador).

Dieses neue Jerusalem sollte als Fundament "das Personelle und Materielle aller
aktuellen Zweige der positiven Religion" (Salvador) umfassen. Der "Hausvater" im
Herzen Palästinas "werde sein Haus vergrößern müssen" und die verschiedenen
Zweige "empfangen und diese festlich empfangen" (Salvador). Der Hinweis auf
dieses Jerusalem der vielen Religionen im Sinne Salvadors war ein immer
wiederkehrendes Thema in den Reden Papst Johannes Pauls II:

"...möchte ich...alles, was in meiner Macht steht, ...tun..., daß die Stadt Jerusalem als
harmonischer Mittelpunkt für die Anhänger der drei großenmonotheistischen
Religionen, des Judentums, des Islams und des Christentums...garantiert wird"
(Johannes Paul II).

"...erhebt sich Jerusalem zum Symbol der Begegnung, der Einheit und des Friedens
für die ganze Menschheitsfamilie"

"Um Zions willen kann ich nicht schweigen, um Jerusalems willen still sein, bis das
Recht in ihm aufstrahlt wie ein helles Licht, und sein Heil aufleuchtet wie eine
brennende Fackel (Jes 62,1)... Ich denke an den Tag, an dem Juden, Christen und
Muslime in Jerusalem miteinander den Friedensgruß austauschen können, den Jesus
nach seiner Auferstehung von den Toten an die Jünger gerichtet hat: "Friede sei mit
euch! "(Johannes Paul. II).

"Möchten bald alle Völker in Jerusalem versöhnt und in Abraham gesegnet sein!"
(Johannes Paul II).

Für Papst Johannes Paul II. ist Jerusalem das Zentrum des Monotheismus, der Einheit
der Menschheit und des künftigen irdischen Friedensreiches. Die Übereinstimmung
der päpstlichen Äußerungen mit den jüdisch-messianischen Zielsetzungen der
Kabbalisten wirft die dringende Frage auf, ob hier nicht jene Voraussage Saint-Yves
d'Alveydres zutrifft, der die Synarchie 'ex cathedra' unter dem Schutz des obersten
Pontifikates, unter einem Papst der für alle Judenchristen zugänglich ist, Wirklichkeit
werden sah.
Das jüdisch-messianische Reich der Gerechtigkeit, der Versuch des Judentums seine
angestammten Rechte wieder zu erlangen, hat dank seiner “juden-christlícher
Missionare" (d'Alveydre), als solche sich die Päpste seit Johannes XXIII. benommen
haben, mächtig an Boden gewonnen und seine offensichtlichen Spuren in der
postkonziliaren Kirche hinterlassen.
Anders als im Streben für ein Reich der Gerechtigkeit, d.h. nach dem jüdischen
Weltherrschaftsanspruch, steht im Streben nach dem Reich des Friedens die Suche
nach der Eìnheit der künftigen Welt im Vordergrund.

II Der Ökumenismus oder das Reich des Friedens

Ebenso wie die Französische Revolution oder das II. Vatikanische Konzil ist die Ökumenische
Bewegung ein weiterer Schritt auf das jüdische Gottesreich zu. Die Ökumenische Bewegung
selbst ist noch nicht das Gottesreich. Wer sich eine Vorstellung vom jüdischen Gottesreich
machen möchte, sollte die "Utopien" eines Johann Valentin Andreae oder eines Francis Bacon
lesen. Die Ökumenische Bewegung ist ein Weg, um, wie Izoulet sagte, die Welt zur geistigen
Einheit zu führen. Denn Israel ist dazu auserwählt, nachdem es bereits die Herrschaft über die
materiellen Güter besitzt, auch als der "Befrieder des Planeten" (Izoulet), als die geistige
Führungskraft der Menschheit aufzutreten. Die zur Erreichung dieses Zieles angewandte Taktik
unterscheidet sich nicht von jener, die während der Französischen Revolution mit Erfolg getestet
wurde. Statt der Bürger wurden diesmal die Religionen gleichgeschaltet. Durch diesen
Gleichmachungsprozeß wurde das Christentum abgewertet und die übrigen Religionen, darunter
das Judentum, aufgewertet. Nicht die bürgerliche Freiheit, sondern die religiöse, die
"Religionsfreiheit" sollte die Basis für das Judentum abgeben, um zur geistigen Führungskraft in
der Welt zu avancieren. "Freiheit in der menschlichen Gesellschaft" forderte daher das II.
Vatikanische Konzil für die Religionen:

"Diese Forderung nach Freiheit in der menschlichen Gesellschaft bezieht sich besonders auf die
geistigen Werte des Menschen und am meisten auf das, was zur freien Übung der Religion in der
Gesellschaft gehört" (Dignitatis Humanae).

"...daß in religiösen Dingen niemand gezwungen wird, gegen sein Gewissen zu handeln, noch
daran gehindert wird, privat oder öffentlich, als einzelner oder in Verbindung mit anderen -
innerhalb der gebührlichen Grenzen - nach seinem Gewissen zu handeln" (Dignitatis Humanae).

Die Lehre der Religionsfreiheit des II. Vatikanischen Konzils wurde vor allem auf der Basis der
Würde der menschlichen Person errichtet. Dies bedeutet erstens Verrat an der katholischen
Wahrheit, ein Abrücken von der Offenbarung als Richtschnur und ein Herabsteigen von der
Würde als Christ, wie Joseph Lémann sagen würde. Joseph Lémann hatte ausdrücklich davor
gewarnt, sich für ein Zusammentreffen mit dem Juden auf die Ebene des Menschen, der
menschlichen Person oder der Menschheit zu begeben. Denn auf dieser Ebene muß der Christ
feststellen, was sehr wenigen bekannt ist, daß der Jude von der Würde der menschlichen Person
eine ganz eigene und egoistische Vorstellung besitzt. Der Exeget Jacob Jervell zog das Fazit aus
seinen Studien der rabbinischen Auslegung von Gen. 1, 26 ff. über die Gottebenbildlichkeit des
Menschen:

"Die verschiedenen Auslegungen haben gemeinsam, daß Gottebenbildlichkeit nur in Israel zu f


ïnden ist, weil Israel die Menschheit, der Israelit der Mensch schlechthin ist. Das Humanum wird
also ganz von dem Gesetz und dem Israelgedanken bestimmt" (Jervell).

Auf der Basis der Gleichheit der Religionen wird es also von vornherein eine Religion geben, die,
wie Orwell so schön sagte, "gleicher" als die anderen sein wird. Abgesehen davon, daß in einem
Konzilsdokument die Säkularisation der christlichen Gesellschaft festgeschrieben wurde, indem
nach Art der liberalen Gesetzgebung die Wahrung der öffentlichen Ordnung (Dign. Hum. c.3) als
die einzig bestimmende Richtschnur für die freie Verwirklichung der Religion in der Gesellschaft
gesetzt wurde, wird jener Satz dem jüdischen Weg zum Gottesreich besonders
entgegenkommen, der lautet:
"Es gehört außerdem zur religiösen Freiheit, daß die religiösen Gemeinschaften nicht daran
gehindert werden, die besondere Fähigkeit ihrer Lehre zur Ordnung der Gesellschaft und zur
Beseelung des ganzen menschlichen Tuns zu zeigen" (Dign. Hum. c.4).
Das werden sich die Juden nicht zweimal sagen lassen, ihre Fähigkeiten zur Herstellung der
Neuen Weltordnung zu zeigen. Auch die Moslems möchten gerne ihre Fähigkeiten beweisen in
der christlichen Gesellschaft mitzuregieren. Man kann an diesem Beispiel sehen, welche
verheerende Folgen die Erklärung der Religionsfreiheit in der christlichen Gesellschaft haben
mußte, und welch ein Verrat mit dieser Erklärung begangen wurde. Außerhalb der christliche
Gesellschaft hatte sich die religiöse Landschaft nicht verändert, so daß allein das Christentum
vom Schaden betroffen war. Die "Befreiung der Religionen" in der christlichen Gesellschaft wurde
also die Grundlage für die Annäherung der Religionen in einem neuen Geist des Dialoges und
des gemeinsamen Handelns auf Weltebene. Die verschiedenen Religionen sollten sich zu einer
"Religion der Zukunft" umbilden, deren Fundamente, wie der Kabbalist Abbé Roca geschrieben
hatte, allein "eine Synthese aller gereinigten, angenäherten und in ihren Symbolen geeinten
Religionen sein kann".

Die Kabbalisten haben dafür einen zweifachen Fahrplan entwickelt. Zuerst müssen sich die
Religionen einer Reinigung, bzw. einer Umwandlung unterziehen. Dies betrifft in erster Linie die
Katholische Kirche, denn sie ist die Hauptkonkurrentin des Judaismus. Ehe das Christentum nicht
weitgehend zerstört ist, wird das jüdische Gottesreich nicht Wirklichkeit werden.
Der zweite Schritt in der kabbalistischen Planung besteht in der Annäherung der verschiedenen
Religionen durch Blockbildungen, indem Protestanten untereinander, Katholiken und
Protestanten, die monotheistischen Religionen untereinander und heidnische Religionen mit
nicht-heidnischen auf gleicher Ebene in Kontakt treten und nach Formen der Einheit suchen.

Der Prozeß der Reinigung der Religionen vollzieht sich nicht selbstständig, sondern gerade im
Dialog mit und in der Annäherung an die anderen Religionen. Mit der offiziellen Anerkennung des
Ökumenismus in der Katholischen Kirche durch Papst Johannes XXIII. wurden sehr schnell die
ersten Umwandlungen in der Zusammensetzung der kirchlichen Institutionen und in Bezug auf
bisherige Lehrauffassungen deutlich. Nach d'Alveydre würde sich der orthodoxe Katholizismus
sowie das oberste Pontifikat für alle Kulte und Rassen öffnen, um sie im sozialen Geist zu einen.
Diese Öffnung vollzog sich mit der Einrichtung der verschiedenen Sekretariate, die sich um die
Belange "für die Einheit der Christen" und "für die Nichtchristen" zu sorgen hatten. Diese
Sekretariate entsprachen durchaus dem "Block der Christenheit" und dem "Block der
Heidentümer", wie Izoulet es sich gedacht hatte. Es gibt zwar kein Sekretariat für die
"monotheistischen Religionen", aber dieser für Izoulet wichtigste Block wurde von Papst
Johannes XXIII. und Papst Paul VI. langsam ins Bewußtsein gebracht, insofern diese im Dialog
mit den Juden fortwährend "vom gemeinsamen Vater aller" (Joh. XXIII), vom "Herrn, dem Vater
aller" (Paul VI) sprachen. Für Papst Johannes Paul II. stellte es kein theologisches Problem dar,
von Judentum, Christentum und Islam als den drei Religionen zu sprechen, die "der Welt den
Glauben an den einen, unaussprechlichen, uns ansprechenden Gott schenken durften und
stellvertretend für die ganze Welt ihm dienen wollen"(17. 11.1980 an die Rabbinerkonferenz in
Mainz).

Am 12.3. 1979 sprach derselbe Papst von den "drei monotheistischen Religionen" und am 20.4.
1984 von der "gemeinsamen monotheistischen Glaubensüberlieferung" {"Redemptionis anno").
Inzwischen ist die Bedeutung des Blocks der monotheistischen Religionen in das Bewußtsein der
Menschen eingedrungen, wie es sich Izoulet ausgedacht hatte. Sc machte sich die Katholische
Kirche auf den Weg zum Reich des Friedens, welches aber nicht das katholische Reich, sondern
eine Abweichung, ein Götze, nämlich die jüdische Vorstellung vom Weltfriedensreich gewesen
ist. Die Umwandlungen in der Katholischen Kirche und die Annäherungen an die anderen
Religionen waren nun vielfacher Art. Eine ganz wesentliche Umwandlung zeigte sich in der
Absicht, wie den anderen Religionen zu begegnen sei. Die Absicht der "Mission" wich der Form
des "Dialoges".
Wie die Umkehrung von Neben- und Hauptzwecken in der neuen Auffassung von Mission den
übernatürlichen Charakter der 'Bekehrung zum wahren Glauben' eliminierte, zeigt die "Magna
Charta' der postkonziliaren Missionstätigkeit "Dialog und Mission" von 1984. Es heißt darin zwar
ausdrücklich, daß dieses Dokument "ein dem Evangelium entsprechendes Verhalten gegenüber
dem Andersgläubigen fördern möchte", und es wird betont, daß die Kirche ihrem Wesen nach
"missionarisch" ist. Was aber dieses Papier unter dem katholisch klingenden Vokabular wirklich
versteht, beweist die Umwandlung und Reinigung des postkonziliaren Missionsverständnisses.
Hatte nicht Abbé Roca davon gesprochen, daß das reine Christentum der reine Sozialismus sei?
Anklänge dafür liefert uns "Dialog und Mission", das

"das Eintreten für den Menschen, für soziale Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenrechte
bezeichnet, auch die Änderung ungerechter sozialer Strukturen" (Dialog und Mission).

"Dazu kommt dann der konkrete Einsatz im Dienst am Menschen und alles Wirken für sozialen
Fortschritt, auch der Kampf gegen die Armut und die Strukturen, die sie hervorrufen" (Dialog und
Mission).

"Eine weitere Ebene bildet der Dialog der Werke und Zusammenarbeit für Zielsetzungen
humanitären, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Charakters, die auf die Befreiung und
Förderung des Menschen hinzielen. Das geschieht häufig in örtlichen, nationalen und
internationalen Organisationen, wo Christen und Anhänger anderer Religionen gemeinsam die
Probleme der Welt aufgreifen" (Dialog und Mission).

Die Form dieses missionarischen Verständnisses ist reichlich geprägt von dem Gedanken, daß
das Christentum sich "dazu bekehrt, dort das Reich Gottes zu suchen, wie es die jüdische Lehre
vorschreibt", nämlich indem es "auf die Erde herniedersteigt" (Izoulet).

Die postkonziliare Mission verwirklicht sich laut "Dialog und Mission" in der folgenden
Reihenfolge:

1. durch das Lebenszeugnis des Christen;


2. im sozialen Dienst am Menschen;
3. in Gebet und Kontemplation;
4. im Dialog mit den Andersgläubigen;
5. in der Verkündigung und Katechese.

Man vermißt eine klare Aussage zur Bekehrung der Andersgläubigen zum wahren Glauben,
stattdessen wird fortwährend ein "vielschichtiges" und "gegliedertes" Bild von Mission entworfen.
Es ist eindeutig, daß durch diese Zergliederung eine Umschichtung der Missionszwecke
vorgenommen wird. Soziales Engagement und Dialogbereitschaft nehmen einen beherrschenden
Raum im neuen Missionsverständnis ein. Der sogenannte "Proselytismus", die Bekehrung
Andersgläubiger soll durch den Dialog ausgeschaltet werden, denn der Dialog setzt keine
Wahrheit mehr voraus, sondern läßt die einzelnen Religionen auf gleicher Ebene einander
begegnen und strebt auf eine gemeinsame Wahrheit zu:

"Dann ist da der Dialog, bei dem die Christen den Anhängern anderer religiöser Überlieferungen
begegnen, um gemeinsam auf die Wahrheit zuzustreben und bei Werken von gemeinsamem
Interesse zusammenzuarbeiten." (Dialog und Mission).
"Er (der Mensch) findet heraus, daß er die Wahrheit nicht in vollkommener und totaler Weise
besitzt, aber mit den anderen zusammen ihr vertrauensvoll entge¬gengehen kann" (Dialog und
Mission).

Die Annäherung der Religionen setzt voraus, daß keine Religion der anderen überlegen ist, keine
die absolute Wahrheit besitzt und keine die andere bekehren will. "Dialog und Mission" warnt
daher vor "unkluger" Missionstätigkeit, die den Anschein erwecken könnte, man wolle den
anderen Gesprächspartner zur Annahme des wahren Glaubens überreden:

"Man muß sich also bei der Verbreitung des religiösen Glaubens und bei der Einführung von
Gebräuchen allzeit jeder Art der Betätigung enthalten, die den Anschein erweckt, als handle es
sich um Zwang oder um unehrenhafte oder ungehörige Überredung, besonders wenn es weniger
Gebildete oder Arme betrifft. Eine solche Handlungsweise muß als Mißbrauch des eigenen
Rechtes und als Verletzung des Rechtes anderer betrachtet werden" (Dialog und Mission).

Vergleicht man die oben aufgeführte Gliederung der Missionstätigkeit in fünf Punkten mit jener
Definition, die der jüdische Kabbalist Rosenberg von Mission entwarf, so finden sich erstaunliche
Übereinstimmungen:

"Mission heißt hier einfach 'Beispiel geben' durch tätige Liebe, durch die Wahrung des
Friedens, ...durch Teilnahme an den Problemen der größeren Gemeinschaft, durch Solidarität
auch mit den Nichtchristen als Menschen ohne Privilegien... Jedoch wird jede Weise von
Proselytenmacherei, von Überzeugenwollen ausgeschlossen sein" (Rosenberg).

Die Bekehrung der Ungläubigen, zuvor Hauptbestandteil der Mission, wird eliminiert. Anstatt
diejenigen zu Christus zu führen, die von ihm entfernt sind, zeigt man sich solidarisch und
beseitigt die Barrieren, die eine soziale Annäherung verhindern. Wie man die Barrieren bereits in
seinem Kopf beseitigt, zeigen die Verkünder einer 'neuen Theologie'. Die von Papst Johannes
Paul II. vertretene Lehre von der Allerlösung nähert alle Menschen einander an, indem diese als
bereits von Christus erlöst betrachtet werden:

"Der Mensch - und zwar jeder Mensch ohne jede Ausnahme - ist von Christus erlöst worden.
Christus ist mit jedem Menschen, ohne Ausnahme, in irgendeiner Weise verbunden, auch wenn
sich der Mensch dessen nicht bewußt: Christus, der für alle gestorben und auferstanden ist,
schenkt dem Menschen - jedem einzelnen und allen zusammen - fortwährend Licht und Kraft
durch seinen Geist, damit er seiner höchsten Berufung entsprechen kann" (Johannes Paul II.).

Diese Vorstellung von Erlösung trennt nicht mehr zwischen den Gaben, die dem Menschen auf
Grund seiner Natur bzw. auf Grund der Gnade zukommen. Die die Natur überragende Größe der
Gnadenordnung wird mißachtet. Die Gleichmachung der Natur- und Gnadenordnung entspricht
der Gleichheit aller Religionen. Dieser theologische Ansatz des Papstes ist nicht gänzlich neu.
Der französische Theologe und Freund Teilhard de Chardins Henri de Lubac hatte sich im Jahr
1924 in seinem Werk Surnaturel bereits in dieselbe Richtung bewegt. Diese Theologie beseitigt
die theologischen Barrieren, welche einer ökumenischen Zielsetzung im Wege stehen. Auf Grund
dieser Lehren kann Papst Johannes Paul II. auch in Bezug auf den Protestantismus bereits von
einem Glauben sprechen, "den wir bereits teilen und die wahrhafte, wenn auch unvollständige
Gemeinschaft, die uns bereits in Christus und im Mysterium seiner Kirche eint".

Für den Papst besteht bereits die Einheit der Gegensätze. Dies brachte er auch zum Ausdruck
bei jenem internationalen Gebetstreffen für den Frieden am 27. 10. 1986 in Assisi, das am besten
die Vorstellung von der "Religion der Zukunft" als einer "Synthese aller gereinigten, angenäherten
und in ihren Symbolen geeinigten Religionen" (Abbé Roca) symbolisierte. Dieses Gebetstreffen
für den Frieden war ein Meilenstein auf dem Weg zum Reich des Friedens nach der Vorstellung
der kabbalistischen Lehre.

Nicht der Geist der Mission, der Heimführung in den Schafstall Christi war der Gedanke dieses
Treffens, sondern die bezeugte Einheit unter den Religionen zur Erlangung des Weltfriedens.
Nicht Jesus Christus, der Friedensfürst, wurde um den Frieden angerufen, sondern zahllose
Götzen. Natürlich wurde auch Christus angerufen, aber als einer unter vielen. Und gerade dies
bezeugt den kabbalistischen Geist dieses Unternehmens des neuen Zeitalters. Denn die
theosophischen Lehren der Kabbalisten sagen,
"daß die Weisen und Propheten der verschiedensten Zeiten über die ersten und letzten
Wahrheiten zu gleichen Schlußfolgerungen gekommen sind, im Inhalte gleich, wenn auch in der
Form verschieden..." (Schuré).

Die Wege sind verschieden, die Schlußfolgerung ist eine. Die Religionen sind verschieden, das
Ziel des Weltfriedens ist ein und dasselbe. In diesem Sinne ist das Treffen in Assisi ein Symbol
des theosophischen Gedankens einer Einheit in Vielfalt und nicht ein christliches Zeichen der
Einheit im wahren Glauben, aus dem einzig der wahre Friede hervorgehen kann. Diese
theosophische Form der Einheit in Vielfalt wurde vom Papst ausdrücklich gutgeheißen, wie in der
Grußadresse stand, die der Papst zum achten Gebetstreffen in Folge vom 7.9. 1994, das
wiederum in Assisi stattfand, an den Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Förderung der
Einheit der Christen Edward I. Kardinal Cassidy sandte:

"Ich hatte damals diese Begegnung sehr herbeigewünscht... Jener Tag bleibt in die Geschichte
unserer Zeit eingeschrieben, und wer teilgenommen hat wie einige der heute in Assisi
Anwesenden, erinnert sich gewiß noch ergriffen an jenes Ereignis. Es konnte nicht isoliert
bleiben. Diese Begegnung besaß eine aufbrechende geistliche Kraft: Sie war wie eine Quelle, zu
der man zurückkehren mußte, um die Anregung zu festigen; eine Quelle, die fähig war, neue
Energien für den Frieden hervorzurufen. Deswegen habe ich gewünscht, der "Geist von Assisi"
möge nicht nur nicht erlöschen, sondern sich im Gegenteil in der Welt ausbreiten und überall
neue Zeugen des Friedens und des Dialoges auf den Plan rufen" (Johannes Paul II).

Der Papst ist sich des neuen, außergewöhnlichen und revolutionären Weges bewußt, den die
Kirche hier beschreitet, sonst müßte er der Gemeinschaft von St. Egidio, den Veranstaltern des
Treffens, nicht für den "Mut" danken, den diese als "Vorkämpfer des Dialoges" beweisen. Denn
diese machen nach den Worten des Papstes den "Geist", den sie aufgreifen zum "Pilger auf деп
Wegen der Welt". Es ist folglich ein "weltliches" Unternehmen, dem sich die Kirche
verschrieben hat und der Papst weiß darum. Was ist dies aber anderes, als daß

"das Christentum, das bis dahin nur nach dem himmlischen Leben trachtete, auf die Erde
herniedersteigt und sich dazu bekehrt, dort das Reich Gottes zu suchen, wie es die jüdische
Lehre vorschreibt" (Izoulet).

Die jüdische Geheimgesellschaft B'nai B'rith hätte das Unternehmen Assisi nicht finanziert, wenn
es nicht im Plan des jüdischen Friedensreiches gelegen wäre. Der "Geist von Assisi", wie der
Papst ihn versteht, entspricht exakt der jüdischen "One-World Doktrin". Die Basis dieses
"Geistes" ist das "gemeinsame Haus dieser Welt", der "Wille zu gemeinsamem Vorgehen" auf
dem Weg zum "neuen Jahrtausend", einem "vom Frieden Gottes gezeichneten Morgenrot"
(Johannes Paul II.).

Diese Welt fordert "Zeugen der weltweiten Solidarität über alle persönlichen Einzel- und
Gruppeninteressen hinaus". Wie steht es aber mit dem Einzelinteresse der Katholischen Kirche
um die Bekehrung der Menschen zu Christus? Dieses Einzelinteresse der Kirche, das oft mit dem
Wort "Proselytismus" bezeichnet wird, hat in der großen Synthese, auf die die Welt zugeht, kein
Recht mehr zu beanspruchen. Ein Beispiel dafür ist der Dialog zwischen Rom und der
Orthodoxie, der vom 17. - 24. 6. 1993 in Balamand, Libanon, stattfand. Einige autokephale
Kirchen hatten sich geweigert, sich am Dialog mit der römischen Kirche zu beteiligen, solange
jenes Hindernis des "Einzelinteresses" bestehe. Dieses Hindernis wurde schließlich durch die
internationale Kommission beseitigt,

"indem sie für die Zukunft jeden Proselytismus und jeden Expansionswillen der Katholiken zum
Schaden der orthodoxen Kirche ausschließt.." (Balamand).

Man beabsichtigte ausdrücklich "zukünftige Beziehungen zwischen den beiden Kirchen


vorzubereiten, die nicht mehr von einer überholten Ekklesiologie der Rückkehr zur katholischen
Kirche geprägt sind" (ebb.). Hatte doch bereits Papst Johannes Paul II. dem Ökumenischen
Patriarchen Dimitrios I. versichert: "Wir verwerfen jede Form des Proselytismus, jedes Verhalten,
welches ein Mangel an Respekt wäre oder so verstanden werden könne". Der Dialog eliminiert
also den Gedanken der Mission, die Bekehrung des Ungläubigen. Am Horizont des Dialoges
steht eben nicht das Heil der Seelen, sondern die Einheit im "gemeinsamen Haus dieser Welt"
(Johannes Paul II). Nach Abbé Roca wird sich die große Synthese unter den "gereinigten"
Religionen vollziehen. Reinigung heißt, wie gesehen, Befreiung von egoistischen
Sonderinteressen, welche die Basis des gemeinsamen Strebens aller Religionen verlassen. Der
Dialog, dieses Trojanische Pferd im neuen Missionsverständnis, hat die ausgesprochene
Funktion der Reinigung. Liest man die entsprechenden Passagen in der "katholischen" Charta
der neuzeitlichen Mission, so kann man wahrhaftig von der "Selbstzerstörung der Kirche"
sprechen.

"Bei diesem Austauschvorgang können sogar religiöse Erfahrungen und Ansichten gereinigt und
bereichert werden" (Dialog und Mission).
"Der Dialog wird damit Quelle der Hoffnung und Werkzeug der Gemeinschaft in gegenseitiger
Umformung" (Dialog und Mission).

Der Dialog ist also das Werkzeug jener "Umformung" der Katholischen Kirche, von der Izoulet
sagte, daß sie im 20. Jh. eintreten werde, und die er nur als ein Synonym für die "Zerstörung" der
Kirche betrachtete. Die Päpste in diese allgemeine Verschwörung hineinverwickelt zu sehen, darf
nicht erstaunen. Die Kabbalisten hatten die neue Funktion des Papsttums vorhergesehen. Wie
einst die Monarchen von Gottes Gnaden, war auch das Papsttum ein ungeheures Hindernis für
die Förderer des jüdischen Gottesreiches. Ohne das Einschleusen "judenchristlicher Missionare"
(d'Alveydre) wäre den Feinden Gottes dieser Coup nicht gelungen. Gab es nicht auch unter den
Monarchen Preußens, Österreichs, unter dem Hochadel ganz Europas zahllose Logenmitglieder,
ehe die "Monarchien von Gottes Gnaden" gestürzt wurden? Weshalb sollte es so abwegig sein,
selbst unter Päpsten ausführende Organe der geheimen Gesellschaften anzutreffen, ehe die
antichristlichen Mächte versuchen werden, das Papsttum vollständig zu beseitigen. Die Päpste
seit Johannes XXI. geben sich jedenfalls den Anschein, als handelten sie im Auftrage bzw. in
Absprache mit den Feindes der Kirche, um die "Umwandlung" der Kirche zu beschleunigen. So
ist dem juden-christlichen Missionar, Dialogisierer und eifrigen Reiniger der Kirche Gottes Papst
Paul VI. die "gereinigte" Meßform von 1969 zu verdanken, worauf Jean Guitton dankenswerter
Weise am 19. 12. 1993 in einem Radiointerview hingewiesen hat:

"Anders gesagt gibt es bei Paul V I. eine ökumenische Zielsetzung, das im traditionellen Sinn
allzu Katholische in der Hl. Messe auszulöschen oder wenigstens abzumildern und die
katholische Messe, ich wiederhole es, der kalvinistischen Messe anzunähern". (Paul VI)

Es ist nicht auszuschließen, daß die neue Form der Opferungsgebete jener Messe, die heute auf
der ganzen Welt gelesen wird, einem jüdischen Speiseritus bei Tisch entnommen ist. Johannes
Buxtorf führt in Kapitel XII "De Judaeorum in mensa moribus" seines Werkes "Synagoga Judaica"
jüdische Gebete zur Segnung von Brot und Wein an, die mit den Opferungsgebeten des "Novus
Ordo" beinahe identisch sind. Dieses Faktum entbehrte keinesfalls der Logik, da der neue Ritus
vom Opfer zum "Mahl" gereinigt wurde. Von nichts anderem spricht auch der jüdische Ritus.
Diese Reinigung der Religion ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Die Kirche soll sich auch
an die anderen Religionen annähern, wie Abbé Roca schrieb,

"um die rassischen, sozialen und religiösen Unterschiede zu überwinden und sich gegenseitig zu
bereichern" (Dialog und Mission)

Die Reinigung der Religion dient der Annäherung und die Annäherung der Reinigung der
Religion. Der Dialog ist eine Schlange, die sich in den Schwanz beißt, ein Teufelskreis, aus dem
es kein Entrinnen gibt, ein Strudel, der unfehlbar zum Untergang führt. Dennoch verspricht der
Dialog Bereicherung:

"sollen sie (die Christen) lernen, was für Reichtümer der freigebige Gott unter den Völkern verteilt
hat" (Dialog und Mission).

"Diese Art von Dialog führt zu gegenseitiger Bereicherung und fruchtbarer Zusammenarbeit bei
der Förderung und Wahrung der höchsten geistigen Werte und Ideale des Menschen" (Dialog
und Mission).

Es stellt sich die Frage, inwieweit Christen durch die "Reichtümer" anderer Religionen bereichert
werden können? War Christus nicht auf die Erde gekommen, um das Gesetz zu vollenden?
Natürlich, doch im Geiste des jüdischen Messianismus gibt es noch eine Bereicherung der
christlichen Vollendung, die Konvergenz aller Religionen zu Einheit, Frieden und Gerechtigkeit.
Welche Blüten diese Bereicherung hervorbringt, zeigt der multikulturelle Kulturaustausch im
liturgischen Bereich. Am 1.2. 1986 ließ sich Papst Johannes Paul II. in Neu-Delhi von einer
Inderin das Tilak-Zeichen der Anbeter Shivas (des Gottes der Zerstörung, wie sinnreich !) auf die
Stirn malen. Dieser Akt des päpstlichen Vorbildes machte Schule. Sei es, daß das Zeichen des
"Eingeweihten" oder das "Sakrament des Teufels" ihm sympathisch war, Bischof Dammertz aus
Augsburg zeigte sich stolz und überglücklich mit dem roten Punkt auf der Stirn am 3. 10. 1993 in
Sonthofen bei einer Feier im "Monat der Weltmission". Daß diese Riten dazu beitragen, daß der
Geist der Hirten des Christentums sich zusehends verfinstert, kann nur vermutet werden.
Scharen von Christen begrüßten sich auf dem 4. Internationalen Missionsjugendfest vom 8.
-10.7.1994 in Salzburg mit dem indischen Gruß "Namaste", der besagt, "das Göttliche in mir
grüßt das Göttliche in dir" und tanzten mit dem Zeichen der "Eingeweihten" bemalt zur Meßfeier.
Möglich, daß dieser fröhliche Weg zur Vergöttlichung des eigenen Wesens angenehmer scheint,
als der dornenvolle in der Nachfolge Jesu Christi. Als unbewußte Einführung von Christen in die
Gnosis ist dieser Weg allemal für die Konstrukteure des neuen Zeitalters nützlich, denn die
"Vergöttlichung des Selbst" war seit jeher das Ziel der "Mysterien":

"Die Gnosis oder die rationelle Mystik aller Zeiten, ist die Kunst, Gott in sich zu finden durch
Entwicklung der verborgenen Tiefen, der latenten Fähigkeiten des Bewußtseins" (Schuré).

Die Beschäftigung der jungen Christen auf dem Missionsfest mit Yoga oder dem Zeichnen eines
Mandala kommt da gerade recht, um sie mit dem Reichtümern anderer Religionen zu
beschenken. Diese Bereicherung des Katholizismus gereicht jedoch allenfalls zum Gaudium
jener Geister der Unterwelt, die "glücklicherweise" von katholischen Theologen aus der Theologie
hinweggereinigt wurden, vielleicht nur, um auf diese Weise als "multireligiöse Chimären fröhliche
Urständ feiern zu können. Was von offiziellen Missionspapieren als Bereicherung angepriesen
wurde, dient zu nichts anderem als zur "Apostasierung" der Christen. Die "transformierte"
offizielle katholische Kirche ist selbstzerstörerisch programmiert. Durch ihre treue Nachfolge in
den Spuren des jüdischen Messianismus zur Herstellung jenes Friedensreiches, das dem
Judentum den Frieden, dem Christentum die Vernichtung bringen wird, arbeiten heute die
offiziellen Vertreter Roms an der Zerstörung des übernatürlichen Heiles aller Christen, sowie
gleichzeitig an der Konvergenz aller Religionen.

III Die Kirche der Zukunft oder das künftige Reich


Bereits in den spätjüdischen Apokryphen wird die zukünftige Welt Israel zugesprochen. In 4 Esra
7 erklärt ein Engel dem Esra,
"daß sowohl diese wie die künftige Welt um Israels willen geschaffen worden sind. Weil aber
diese Welt dem Gericht verfallen ist, wird die zukünftige Israel als Ersatz geschenkt" (Jervell).

"Diese Welt ist dem Gericht verfallen und muß untergehen; doch wird Israel die neue, ewige und
zukünftige Welt gegeben" (Jervell).

Die Kabbalisten unserer Zeit verstehen unter der Welt, die dem Gericht verfällt, die christliche
Welt. Die christliche Ära geht unter großen Erschütterungen dem Ende entgegen, das jüdische
Reich ersteht aus diesem Chaos wie der Phoenix aus der Asche. In wissender Vorausschau auf
dieses Ereignis schrieb ein Kabbalist:

"Die Einführung des Reiches Gottes wird von so schrecklichen Ereignissen begleitet sein, daß die
ganze Welt vor Furcht zittern und schließlich froh sein wird, den Gesalbten des Herrn, den König
über die ganze Erde anzuerkennen... Das Gesetz Gottes, welches alsdann vom Berge Zion, dem
Königreiche, ausgehen und als Gottes Wort allem Volke, von Jerusalem aus, der neuen
Hauptstadt der Welt, durch die ’Fürsten auf Erden’ (Juden) verkündigt werden wird, gebietet
sofort allem halt, was heute schon als schreiendes Unrecht anerkannt ist" (Russell).

Die Zukunft gehört Israel. Mit diesem Wissen vor Augen beschäftigte sich, noch ehe die religiöse
Revolution innerhalb der Katholischen Kirche Wirklichkeit geworden war, Alfons Rosenberg, ein
jüdischer Konvertit, Ökumeniker und Kabbalist, seit dem Jahr 1958 in seinen Büchern
"Durchbruch zur Zukunft" und "Experiment Christentum" mit dem Menschen und dem
Christentum im kommenden Wassermannzeitalter. Ehrlicherweise bekannte er, daß sein
futuristischer Ansatz ("Der Christ erfährt die Gegenwart vom Blickpunkt der Zukunft her") dem
jüdischen Messianismus entnommen war:

"Erst durch die aus der Wurzel des jüdischen Messianismus erwachsene Erwartung des
Eschaton ist die 'Zukunft zum wahren Brennpunkt der Geschichte' geworden" (Rosenberg).

Nach Rosenberg bedeutet für den heutigen Menschen "die Gegenwart nicht nur die Summe des
Vergangenen, sondern eher die Vorstufe zur Zukunft". Durch die Übernahme dieses Denkens
"auf Zukunft hin" sollte sich der Christ vergangener Denkmuster entledigen und sich für neue
Denkmuster öffnen. Aus diesem Denken heraus wird das Christentum als "experimentell"
verstanden.

"Wir sind gefordert im Experiment zu leben" (Rosenberg).

"In Jesus sind wir eingeführt in eine total neue Geschichte freier Menschen, des
immerwährenden riskanten Abenteuers, der unaufhörlich gewagten Improvisationen. Jedes Jahr
ist ein neues Wagnis ohne Modell oder Vorbild" (Rosenberg).

Dieses "im Experiment" - Leben hatte die Kirche teilweise vor, aber hauptsächlich nach dem
Konzil begonnen. Die willkürlichen liturgischen Experimente der Nachkonzilszeit dürften der
sprechenste Ausdruck für die neue zukunftsorientierte und vergangenheitsverachtende Denk-
und Lebensweise gewesen sein.
Das künftige Christentum ist nach Rosenberg die wahre Weltrevolution, denn der Übertritt in ein
neues Zeitalter wird zahlreiche revolutionäre Neubildungen zur Folge haben,

"wobei sich zuerst die Zersetzung, Verwesung und Zerstörung der bisher gültigen Formen
bemerkbar macht. Die abbauenden bewirken die Enstaltung der bisher als ’Kirche’ verstandenen
Christenheit, während die aufbauenden die Neugestaltung der künftigen vorantreiben"
(Rosenberg).
Die Zerstörung der traditionellen Kirche und der gleichzeitige Aufbau einer neugestalteten
kennzeichnen den Übergang, den das künftige Christentum zu vollziehen hat. Wie schon zuvor
Izoulet, weist auch Rosenberg darauf hin, daß mit Zerstörung und Umwandlung der Kirche zwei
verschiedene Worte für denselben Prozeß gebraucht werden, der in Zukunft das neue
Christentum hervorbringen soll.

"Andererseits tritt die Kirche in dem Maß als sie aufhört zu sein, was sie gewesen, über die
Schwelle der Zukunft" (Rosenberg).

Rosenberg vertritt die These der permanenten Revolution, "die Weltrevolution im 20. Jh. ist zu
einem allgemeinen Zustand der Menschheit gewachsen". Das Ziel der Geschichte wird
verstanden als die "vollendete Menschwerdung des Menschen und die Welt in Gott“. Was
darunter zu verstehen ist, wird klar, bedenkt man die bereits besprochene jüdische Lehre vom
"Humanum". Demnach ist die "vollendete Menschwerdung des Menschen" die Wiederherstellung
der Stellung Israels als die des wahren Menschen. Die Weltherrschaft des Juden versetzt 'die
Welt in Gott'. Das Schicksal des Christentums am Ende der Geschichte wird dagegen, wie bereits
gesagt, vom Gericht bestimmt: "Was sich damals in Palästina unter dem Vorzeichen der Liebe
und des Todes ereignete, soll sich am Ende der Geschichte universell erfüllen" (Rosenberg). Das
Christentum wird am Ende der Geschichte seinem Meister in den Tod folgen.

Die Kirche der Zukunft, wie sie der Kabbalist Rosenberg sieht, ist eine Kirche in Auflösung, die
aber zu dem wird, was Christus eigentlich wollte, eine "reine" Kirche ohne allen weltlichen
Überbau. Die Merkmale dieser künftigen Kirche nach Rosenberg sind: Christus hat keine
bestimmte Kirchenform empfohlen, noch ihr Dauer verheißen - der Glaube wird aus den
historischen Formen freigesetzt - die Botschaft wird ohne die nichtigen Gewänder der Dogmen
der Theologie und Philosophie erfahren - Dogmen und kirchliche Institutionen sind zeitbedingt
und damit wandlungsfähig - die künftige Kirche ist eine Bruder-Kirche, deren Funktionen keine
Vorrechte einbringen - sie ist enthierarchisiert und entsakralisiert - sie wird Diaspora-Kirche und
soziologisch als Sekte eingestuft - die Kindertaufe wird unwichtig - die Hl. Messe ist kein
hochfeierlicher Kultakt, sondern ein Liebesmahl, das am besten in der Hausgemeinde in
einfachen Riten abgehalten wird - die Laienpredigt wird als charismatisches Amt des Verkünders
eingeführt - die Kommunionspendung in aufrechter Haltung in die Hand wird gewürdigt - der
sakrale Kirchenbau wird dem Mehrzweck-"Kirchenschuppen" weichen - die offene Bezeugung
des christlichen Glaubens wird unmöglich werden - die Mission Andersgläubiger verschwindet -
Die kirchlichen Feste verlieren an Be¬deutung ("das Pfingstfest ist eine einzige große Lüge") -
der Pfarrer wird zum Laien und lebt als solcher.

Dies ist ein Beispiel, wie ein Kabbalist sich die Umformung der Kirche für die Zukunft vorstellt.
Bildlich am aussagekräftigsten für diesen Vorgang ist Rosenbergs Spruch vom in die "Verwesung
übergehen" des "dogmatischen Jesus". Die Kirche wird entkirchlicht. Ihr übernatürlicher
Charakter löst sich auf. Sie unterscheidet sich nicht mehr vom weltlichen Dasein. Viele Punkte,
die Rosenberg aufzählt, haben sich postkonziliar verwirklicht: die Laienkleidung des Priesters, die
Vereinfachung der Riten, die fortschreitende Aufwertung der Hausgemeinde, die Diaspora-
¬Kirche in einer verweltlichten Welt usw.
Die Absicht der Zerstörung des bisher gültigen Glaubens ist bei allen festzustellen, die sich einer
Kirche der Zukunft verschrieben haben. Für den "Katholiken" Wilfried Daim in seinem Buch
Kirche und Zukunft (1963) gibt es kaum etwas von der Liturgie bis zum Zölibat, was nicht
abgeschafft, verändert und vereinfacht werden müßte. Hans Küng in seinen Wegzeichen in die
Zukunft (1980) machte sich unter anderem stark für die Abschaffung des päpstlichen Primates
und des Zölibates und befürwortete die Zulassung der Frauen zur Priesterweihe. Karl Rahner hält
sich in seinem Artikel im Sammelband Zur Theologie der Zukunft (1971) vor allzu kühnen
Änderungen zurück. Er versteht Zukunft ganz im Sinne Rosenbergs: "...der Sinn und die
Bedeutung der Gegenwart ist begründet in der hoffenden Offenheit auf das Näherkommen der
absoluten Zukunft" (Rahner).

"Das Christentum ist also die Religion des Werdens, der Geschichte, der Selbsttranszendenz, der
Zukunft. Für es ist ... alles nur verständlich vom Ausständigen her" (Karl Rahner).

Die Kirche der Offenheit und des Werdens bei Rahner ist identisch mit der Gemeinde Christi bei
Rosenberg, von der es heißt: "Nur wo die Gemeinde Christi...ohne Stockung wandlungsfähig ist
und bleibt, wird sie als offene Kirche auch den irdischen Existenzformen der Menschheit
eingewirkt bleiben, nämlich der sich anbahnenden offenen Gesellschaft und dem Gang der
offenen Geschichte".

Die pluralistische 'offene Gesellschaft', über die schon der jüdische Hausphilosoph der
Modernisten Henri Bergson zu Beginn unseres Jahrhunderts räsoniert hatte, wird zum Vorbild der
werdenden Kirche erklärt. Papst Johannes XXIII. hatte mit seinem Aggiornamento die
Annäherung an diese 'offene Gesellschaft' eingeleitet, und kein geringerer als Papst Johannes
Paul II. wünscht sich ein offenes Christentum für das dritte Jahrtausend. Der Trend zum offenen
Christentum, das nicht von der Tradition und aus der Vergangenheit her verstanden wird,
sondern von utopischen und ideologischen Zukunftsentwürfen her, trägt den Stempel der
Zerstörung und der Umwandlung. Dieser zerstörerische Faktor, der im Schrifttum Rosenbergs,
Daims und Küngs ganz offen hervortritt, dringt in der postkonziliaren Kirche mehr und mehr
durch, wie durch die Erfahrung ohne Schwierigkeit verifiziert werden kann. Folgende Punkte, die
Wilfried Daim 1963 im Sinne einer Kirche der Zukunft gefordert hatte, sind inzwischen ganz oder
teilweise Realität geworden:
Ein umfassendes Schuldbekenntnis des Papstes für die Untaten der Kirche - Abschaffung der
Tiara und sonstiger Zeichen päpstlicher Würden - größere Mobilität des Bischofs von Rom -
Vereinfachung der Liturgie mit Landessprache - Beseitigung der Kommuniongitter - Abschaffung
der Scholastik in der Theologie - Abschaffung des Index - Ände¬rung der Missionspraxis. Damit
wären 50 % der Umwandlungsvorschläge Wilfried Daims in Erfüllung gegangen. Die Zerstörung
der Katholischen Kirche ist in vollem Gange. Rosenberg nannte dies die Verwesung oder
Enstaltung der bisher als 'Kirche' verstandenen Christenheit. Gleichzeitig neben diesem Abbau ist
eine Neugestaltung der künftigen Christenheit festzustellen.

Karl Rahner ist sich mit Rosenberg und Daim sachlich einig, daß die christliche Gemeinde der
Zukunft soziologisch eine andere Struktur haben wird. Die Kirche wird brüderlich sein, insofern
sie ausersehen ist, die dritte Forderung der Französischen Revolution neben der
emanzipatorischen "Freiheit" und der sozialistischen "Gleichheit", nämlich die "Brüderlichkeit" zu
verwirklichen.

"Reduktion des Vatertitels, wenn nicht überhaupt eine Ersetzung durch den Bruderbegriff, der für
alle Christen in gleichem Maße signifikant sein müßte, wie für die französischen Revolutionäre
das Wort Bürger oder für die sozialistischen Parteien das Wort Genosse" (Daim).

Die Zerstörung des spezifisch Katholischen in der Kirche und die Implantierung eines Geistes der
universellen Brüderlichkeit hat ihren Grund in der Herauslösung aus ihrem "egoistischen"
Wahrheitsanspruch und in der Hineinnahme der Christenheit in eine höhere Einheit, in die
künftige "Einheit der Menschheit" oder in das künftige jüdische Gottesreich:

"Der Mensch von heute und erst recht der von morgen ist der Mensch einer planetarisch
vereinheitlichten Geschichte, eines globalen Lebensraumes und damit der Abhängigkeit jedes
von schlechthin allen. Die UNO ist dafür nur ein bescheidenes Indiz" (Karl Rahner).

"Es ist daher dringend zu wünschen, die VEREINTEN NATIONEN möchten immer mehr
imstande sein, ihre Organisation und ihre Mittel der Weite und dem hohen Rang ihrer Aufgaben
anzupassen...Und das um so mehr, weil die Menschen ... sich immer mehr bewußt sind, daß sie
als lebendige Glieder zur allgemeinen Menschheitsfamilie gehören" (Johannes XXIII).

Die führenden Theologen und Hierarchen der Katholischen Kirche lebten bereits in dem
Bewußtsein der höheren Einheit der Menschheit, die alle Konfessionen und Nationen
überschreitet. Sie übertrugen daher den Geist der universellen Brüderlichkeit auf die bisher von
der kirchlichen Heilsanstalt Getrennten und erklär¬ten sie zu "getrennten Brüdern". Die daraus
entstehenden Folgerungen wurden 1984 in "Dialog und Mission" und 1986 in Assisi gezogen,
und sie werden in Zukunft immer radikaler gezogen werden, bis die Kirche ihre letzte Identität
verloren hat, und an Stelle des alten messianischen Reiches der Kirche das neue messianische
Gottesreich des jüdischen Monotheismus getreten sein wird.

IV Soziales Christentum oder das soziale Reich

Laut Abbé Roca ist das reine Christentum der reine Sozialismus. Folglich muß eine Kirche, die
sich seit dem Pontifikat Papst Johannes XXIII. zu einem "gereinigten Monotheismus" oder zu
einem reinen Christentum hinentwickelt, die Anzeichen des Sozialismus an sich tragen.

Was bedeutet aber Sozialismus? Das wird uns der Frühsozialist und Freimaurer Henri de Saint-
Simon erklären. Er war seit 1786 Logenmitglied in "L'Olympique de la Parfaite Estime", "Orient de
Paris" und "Société Olympique".
Bernard Lazare schreibt über Saint-Simon: "Sie (die Juden) stellten sich an die Seite des
Philosophen des Bürgertums, an die Seite von Saint-Simon; sie arbeiteten für die Verbreitung
und sogar für die Ausarbeitung seiner Lehre". Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich Saint-
Simons Sozialismus als Pseudonym für das jüdische Gottesreich. In seiner Darlegung über das
wahre Christentum treten die Elemente des jüdischen Gottesreiches deutlich zutage.

1. das künftige Reich:


"...immer hat es (das wahre Christentum) verkündet, daß die große Zeit noch kommen wird, eine
messianische Zeit, wo die Lehre der Religion in der denkbar allgemeinsten Fassung verkündet
werden und gleicherweise die geistige und weltliche Gewalt beherrschen wird, und daß sodann
das ganze Menschengeschlecht nur einer einzigen Religion, nur einer einzigen Organisation
teilhaftig sein wird" (Saint-Simon).

2. das Reich des Friedens:


"Die neue christliche Organisation aber wird sowohl die weltlichen als auch die geistigen
Einrichtungen auf das Prinzip gründen, daß alle Menschen einander als Brüder behandeln sollen"
(Saint-Simon).

3. Das Reich der Gerechtigkeit:


"Die Religion hat die Aufgabe, die Gesellschaft dem großen Ziele einer möglichst raschen
Verbesserung des Loses der ärmsten Klasse zuzulenken" (Saint-Simon).

Hier muß darauf hingewiesen werden, daß der Begriff der "ärmsten Klasse" einer doppelten
Bedeutung unterliegt. Darunter ist in erster Linie das Judentum zu verstehen, worauf Bernard
Lazare hinweist: "Das messianische Zeitalter sollte für alle diese Armen (Israels, Verf.) das
Zeitalter der Gerechtigkeit sein." (Lazare). Die "Armen" oder die "ärmste Klasse" bei Saint-Simon
sind Decknamen für das Judentum. Seine sozialistische Philosophie, sowie seine Idee von der
Religion, haben nur die Aufgabe, dem jüdischen Reich der Gerechtigkeit zu dienen.

4. das soziale Reich:


"Ich gebe zu, daß Gott den Menschen nur ein einziges Lebensprinzip übermittelt, und daß er
ihnen eine solche Organisation ihres Gesellschaftslebens anbefohlen hat, daß ihr Dasein in
sittlicher und leiblicher Hinsicht möglichst schnell und vollkommen gebessert werde" (Saint-
Simon).

Erlösung spielt sich bei Saint-Simon im sozialen Bereich ab. Alles ist nur eine Frage der
Organisation des Gesellschaftslebens. Mit dem Anwachsen der jüdischen Herrschaft im
materiellen Bereich und den damit auf das soziale Leben sich verlagernden Schwerpunkten
mußte sich auch die Katholische Kirche in zunehmendem Maße auseinandersetzen. Papst Leo
XIII. (Rerum Novarum), Papst Pius XI. (Quadragesimo anno) und Papst Pius XII. verteidigten die
christliche Gesellschaftslehre sowohl gegen den kapitalistischen Individualismus als auch gegen
den Sozialismus durch ein Zeitalter, das vom Gewinnstreben nach den Gütern dieser Welt samt
den damit zusammenhängenden gesellschaftlichen Umwälzungen geprägt ist.

Erst mit dem Pontifikat Papst Johannes XXIII. erhielt die soziale Frage innerhalb der Kirche eine
ganz entscheidende Wendung. Nicht nur durch die Anerkennung der neuzeitlichen
Menschenrechte und der Vereinten Nationen öffnete dieser Papst die Kirche dem
freimaurerischen Weltgeist. Er rückte die allgemeine "Menschheitsfamilie" in den Mittelpunkt
seiner Betrachtung, als deren lebendige Glieder sich alle Menschen immer mehr bewußt werden
müssten. Waren die Christen einst Glieder des Heiligen Römischen Reiches, später Glieder einer
noch weitgehend christlichen Gesellschaft, so wurden sie nun im Sinne einer "offenen
Christenheit" in die säkulare Welt integriert. Die Christen sollten dem neuen Ordnungsgefüge,
das sich der ganzen Welt bemächtigte, dienstbar sein.
Der Papst forderte, der Einsatz der Christen für die innerweltlichen Angelegenheiten müsse "von
Tag zu Tag größer und stärker werden" (Johannes XXIII. in Mater et Magistra). Die
Verantwortung des Christen wurde durch diese neuen von einem Papst gesetzten Akzente von
der "Reinigung seiner individuellen Seele" auf die "Reinigung von sozialen Übelständen"
verlagert.

Johannes XXIII. war nicht von ungefähr der "Papst der Revolution", der von den Feinden der
Kirche, von Juden und Freimaurern, geliebt wurde, und den Wilfried Daim so sympathisch fand.
Er war der Papst, der den orthodoxen Katholizismus "für alle Menschen dieser Erde, für all ihre
Kulte, für all ihre Rassen" öffnete, "um sie im selben sozialen Geist zu einen" (d'Alveydre). Von
ihm erging der Aufruf zum sozialen Engagement. Seine Haltung läßt bereits die starken und
revolutionären Impulse des "reinen Sozialismus" erahnen, die innerhalb der Kirche in der
sogenannten "Theologie der Befreiung" entwickelt wurden. Es handelt sich bei dieser Theologie,
ähnlich wie es schon bei den Strategen einer "Kirche der Zukunft" gesehen werden konnte, um
eine Umwandlung der kirchlichen Strukturen im Hinblick auf das jüdische Gottesreich in einer
geeinten Menschheit:

"In der Tat, Christsein bedeutet den Sinngehalt an¬nehmen, den das Wort des Herrn und die
Begegnung mit ihm dem geschichtlichen Werden der Menschheit auf ihrem Marsch in Richtung
auf die volle Gemeinschaft geben, und diesen Sinngehalt solidarisch im Glauben, in der Hoffnung
und in der Liebe leben" (Gutierrez).

Trotz dieser frommen Einkleidung ist gut erkennbar, daß Christsein bedeutet, den Wandel
mitmachen, den die werdende Menschheit auf ihrem Weg zur vollen Einheit vollzieht. Auch bei
Boff und Gutierrez gibt es vieles, was aus dem Katholizismus verschwinden soll, vor allem die
Hierarchie und der Paternalismus. Im wesentlichen stimmen die revolutionären Konzepte der
Befreiungstheologen mit denen des Kabbalisten Rosenberg überein. Die Formen der
Umwandlung gleichen sich, erstrecken sich auf dieselben kirchlichen Bereiche. Es handelt sich
immer wieder darum, wie Izoulet sagte, die Kirche auf die Erde herniedersteigen zu lassen:

"Die befreiende Evangelisierung und der pastorale Einsatz für die ganzheitliche menschliche
Förderung und Befreiung aller aus der Perspektive der Unterdrückten haben dazu geführt, daß
sich in der Kirche die politische Heiligkeit entwickelte" (Boff).

Die politische Heiligkeit ist die logische Folgerung aus der Anschauung, daß Gott die
Organisation des Gesellschaftslebens als einziges Lebensprinzip übermittelt hat, wie Saint-Simon
schrieb. Die Vollkommenheit einer politischen Heiligkeit erfordert eine politische Theologie, wie
sie von J. B. Metz entwickelt wurde, für die die Kirche nichts anderes sein kann als eine
"gesellschaftskritische Institution". Im Zentrum des religiösen Interesses steht fortan die
Gesellschaft und die Neu-Gestaltung dieser Gesellschaft. Das umgewandelte Christentum, das
reine Christentum ist nichts anderes als der reine Sozialismus.
E Schluß

Die verschiedenen Elemente, Gerechtigkeit, Frieden, Zukunft und Soziale Basis sind vier Aspekte
des jüdischen Gottesreiches, das in einem künftigen Reich auf Erden Wirklichkeit werden soll,
indem das vermeintlich von Gott verliehene Herrschaftsrecht und die Einheit zu Israel
zurückkehren werden. Dieser Plan der Erösung des jüdischen Volkes, Inhalt des jüdischen
Messianismus, wurde von den Kabbalisten, den Meistern der jüdischen Religionsphilosophie,
mitgeteilt. Aus diesem Plan ist der Prozess der fortschreitenden Umwandlung und Vernichtung
des Christentums und die Heraufführung des jüdischen Gottesreiches deutlich und ungeschminkt
herauszulesen.

Die Umgestaltung des Christentums wird von den Kabbalisten durch eine Abwandlung des
"Inkarnation" - Gedankens herbeigeführt, d.h. durch die Integration der 'Humanitas' in die
'Divinitas'. ("Reinkarnation", "Reintegration", "Regeneration", Wiedergeburt = Renaissance, sind
esoterische Begriffe, die von Kabbalisten häufig für den antichristlichen Prozeß der
Wiederaufrichtung des jüdischen Gottesreiches gebraucht werden).

Analog der Menschwerdung Christi, der Verbindung von Menschheit und Gottheit und der
dadurch bewirkten Herabkunft des Göttlichen auf die Erde, wird von den Kabbalisten die
Menschheit, die Humanitas, der Humanismus in die göttliche Lehre der Bibel hineingemengt und
dadurch, wie Izoulet sagte, der "Himmel auf die Erde herabgeholt".
Diese Vermengung der "Humanitas" mit der "Divinitas" konnte z.B. am postkonziliaren
Missionsbegriff betrachtet werden. Durch die Hineinmengung des "dialogischen" Prinzips in den
biblischen Missionsbegriff wurde aus der göttlichen Anordnung der Bekehrung der Ungläubigen,
ein Ort rein "humanitärer" Begegnung. Die kabbalistische Idee der "Inkarnation", die Vermischung
von Menschheit und Gottheit, bringt als Frucht das Gegenteil dessen hervor, was die Inkarnation
des göttlichen Wortes in Jesus Christus hervorbrachte.

Christus brachte der Welt die Offenbarung Gottes, der jüdische Messias oder die kabbalistische
Form der Inkarnation zerstört diese Offenbarung. Der jüdische Messias oder die kabbalistische
Idee der Menschwerdung ist somit der "Antichristus" par excellence.

Neben dieser absteigenden Bewegung vom Himmel zur Erde durch die "Menschwerdung"
(Humanisierung, Humanität), gibt es auch die aufsteigende von der Erde zum Himmel, die
"Vergöttlichung" des Menschen. Jesus Christus verhieß die Gotteskindschaft durch die Gnade,
der jüdische Messianismus verheißt dem Juden die Rückkehr in seine vermeintliche
Herrscherrolle über die gesamte Schöpfung. Diese doppelte Bewegung, die absteigende und die
aufsteigende, wird im kabbalistischen Symbolismus durch das abwärts und das aufwärts
gerichtete Dreieck ausgedrückt, das im Juden- oder Davidsstern (Hexagramm) ineinander
verschlungen die Doppelbewegung des jüdischen Messianismus anzeigt.

Im freimaurerischen Symbolismus wird dasselbe zum Ausdruck gebracht, wenn es heißt, aus der
Drei solle die Zwei und aus der Zwei die Eins gemacht werden. Aus der christlichen Offenbarung
der Trinität solle die messianische Zweiheit aus "Humanitäs" und "Divinitas" und aus dieser der
jüdische Monotheismus hergestellt werden.

Dieser Prozess von der Dreiheit über die Zweiheit zur jüdisch verstandenen Einheit vollzieht sich
innerkirchlich seit dem Pontifikat Papst Johannes XXIII. Seither trägt die Katholische Kirche auf
ihrem Antlitz zunehmend die Gesichtszüge des jüdischen Gottesreiches. Auf allen Gebieten, von
der Theologie bis zur Sakramentenspendung, von der Pastoral bis zur Politik, ist der Einfluß des
jüdisch-messianischen Zweiheit, der Vermengung des Humanismus mit dem Göttlichen, spürbar
geworden. Die Kirche befindet sich im Schlepptau eines neuen Denkmusters, das ihr ganzes
Eigenleben, ihre ganze Identität umwandelt. Wurde in den vergangenen Jahrhunderten der
kirchliche Einfluß in der Welt zunehmend zurückgedrängt, so wird nun innerhalb der Kirche das
spezifisch Katholische (für andere Christusgläubige das Biblische, Anm.H.Koch) zunehmend
eliminiert. Hinter all diesen antichristlichen Prozessen steckt ein denkender Geist, der Diabolus (=
Umwälzer), und ein System, zu dessen Ausführung sich die geheimen Organisationen im Dienste
der Kabbala verpflichtet haben. Das Ziel ist die Herstellung des jüdischen "Monotheismus" die
jüdische Weltherrschaft bzw. das anti-christliche Reich. Die Aufdeckung der antichristlichen
Machenschaften in dieser Schrift tragen weder antijudaistischen noch antisemitischen Charakter
an sich, da hier der Autor "sine ira et studio" in der Mehrzahl jüdische Schriftsteller zu Wort
kommen läßt. Der Vorwurf des Antisemitismus ist ohnehin dadurch ad absurdum geführt, daß
jüdische Schriftsteller sich gegenseitig diesen Vorwurf anlasten, sobald es jemand wagt, das
heutige Judentum in seiner Realität zu beschreiben. Was das Judentum in Wahrheit ist, sei kurz
für jene geschildert, die sich über die heutige atheistische, materialistische und sich fortwährend
wandelnde Welt nicht genug wundern können. Die heutige Welt ist ein Spiegel der jüdischen
Weltherrschaft, die mit dem Christentum gleichzeitig Moral, Natur und alle überkommenen Werte
vernichtet. Izoulet schreibt über Israel:

"Ganz Israel drängt sich in den Sinai mit seinen beiden, so genau übereinanderliegenden, und
doch so ungeheuer gegensätzlichen Auftritten auf dem Gipfel und am Fuße des Berges, in der
Höhe und in der Tiefe, zusammen.

1. Auf der Höhe ist Moses und unterhält sich mit Jehovah unter Donner und Blitz, und empfängt
von ihm die zehn Gebote, die Gesetzestafeln;
2. In der Tiefe ist die Masse, und wälzt sich in der Anbetung des goldenen Kalbes!" (Izoulet).

Izoulet beschreibt damit das zeitgenössische Judentum, dessen Masse sich in der Anbetung des
goldenen Kalbes wälzt, während wenige sich auf der prophetischen Höhe der Kabbala befinden.
Antisemitismus ist nach Izoulet die Haltung der Christenheit, die nur den Auftritt sehen will, der
sich in der Tiefe abspielt. Prosemitismus dagegen die Haltung der Christenheit, die im Auftritt auf
der Höhe für die gesamte Menschheit das Traumbild der Erlösung (= jüdische Gottesreich, Verf.)
erkennt. In diesem Sinne hat auch Karl Marx, der "antisemitische" Jude, von der Höhe herab den
Tanz seiner "Glaubensgenossen" sehr realistisch beschrieben:

"Das Geld ist der eifrige Gott Israels, vor welchem kein anderer Gott bestehen darf... Der Gott der
Juden hat sich verweltlicht, er ist zum Weltgott geworden. Der Wechsel ist der wirkliche Gott der
Juden. Sein Gott ist nur der illusorische Wechsel" (Karl Marx: Zur Judenfrage).

Der materialistische Grundzug im Judentum kommt in diesen Aussagen genügend zur Geltung.
Dieser Geist ist es, der heutzutage Gesellschaft, Politik, Wissenschaft und, wie auf den
vergangenen Seiten gesehen, das Christentum kennzeichnet. Gibt es Hindernisse, die der
Ankunft des jüdischen Gottesreiches im Wege stehen? Die "Protokolle der Weisen von Zion"
weisen darauf hin, daß für die Juden die katholische Geistlichkeit das einzige ernstzunehmende
Hindernis bedeutet. Mit dem letzten Konzil und dank der konziliaren und postkonziliaren Päpste
konnte dieses Hindernis beinahe vollständig beseitigt werden. Bernard Lazare wußte von einem
anderen Mittel:

"Als solidarische Körperschaft verfaßt, finden die Juden leichter ihren Ort in der gegenwärtigen
erschlafften und zerstrittenen Gesellschaft. Würden die Millionen von Christen, von denen sie
umgeben sind, gegenseitige Unterstützung anstelle des egoistischen Kampfes praktizieren,
würde der Einfluß des Juden auf der Stelle vernichtet" (Lazare).

Die Einheit unter den Christen ist verschwunden, der Hirte geschlagen, die Herde zerstreut.
Wenige sind es in der Tat, die am katholischen Gottesreich bauen. Voraussetzung und festes
Fundament dafür ist jedoch der wahre katholische Glaube. Dieser wahre katholische Glaube ist
die letzte Bastion, auf die sich die noch nicht "transformierten" Christen zurückgezogen haben.
Doch auch diese werden fortlaufend dezimiert, denn es gibt nicht wenige, die in ihrer Naivität
jener Fahne hinterherlaufen, auf der das Wort "Neu-Evangelisierung" geschrieben steht. Dieser
Begriff wurde bereits vom Kabbalisten Roca für den umgestalteten und sich fortwährend
transformierenden Glauben verwendet. Neu-Evangelisierung ist der Ausdruck für den Umbau
oder die Umgestaltung des Glaubens in allen Ländern, sozusagen "Glasnost" und "Perestroika"
im Raume des Christentums. Symbolischen Ausdruck hat dieses Faktum auf einem kleinen
Büchlein gefunden, das den Titel "Beten für eine neue Evangelisation" trägt und mit einem
Vorwort von Kardinal Tomko versehen ist. Auf dem Titelbild dieses Buches ist ein Kreuz
dargestellt, das sich fortwährend transformiert, neue Formen annimmt, Formen, die aus der
Gnosis bekannt sind. Für dieses Buch wird in einem Heft, der sich konservativ gebenden
"Fatima-Aktion e.V." geworben. Neu-Evangelisation ist nur ein schöner Begriff, um jene Christen
anzusprechen, die bisher auf dem revolutionären Weg nicht so recht mithalten konnten und in
einem angeblich "falsch verstandenen Traditionsbegriff, wie Papst Johannes Paul II. sich
ausdrückte, stecken geblieben sind. Weshalb nicht altvertraute Begriffe wie Missionierung und
Bekehrung statt Neu-Evangelisierung für die Rechristianisierung Europas gebraucht werden, liegt
auf der Hand. "Neu-Evangelisierung" entspricht der Vision Alfons Rosenbergs, daß "neue
Formen für die Verbreitung des Evangeliums...geschaffen werden, die weit abliegen von dem,
was man bisher unter Kirchen verstanden hat".
Wer einen revolutionären Wortschatz gebraucht, wird zum Verkünder der Revolution.

Bibliographie:
- St. Athanasius, Von der Menschwerdung des Logos, Bibl. der Kirchenväter, Kempten 1917.
- St. Augustinus, Aurelius, De Civitate Dei, Bibl. d. Kirchenväter.
- Beek, Gottfried zur, Die Geheimnisse der Weisen von Zion, Charlottenburg 1919.
- Boff, L., Und die Kirche ist Volk geworden, Düsseldorf 1987.
- Buxtorf, Johannes, Synagoga Judaica, Basel 1661.
- Daim, Wilfried, Rückkehr zur Brüderlichkeit, in: Daim, Heer, Knoll, Kirche und Zukunft, Wien
1963.
- Darmesteter, James, Les Prophétes d'Israel, Paris 1931.
- Dictionnaire de la Franc Maconnerie, Paris 1991.
- Dostojewski, Fjodor, Die Brüder Karamasow, (Piper) München 1923.
- Eisenmenger, J. A., Entdecktes Judentum, Dresden 1893.
- Gutierrez, G., Theologie der Befreiung, München 1973.
- Izoulet, Jean, Paris, Hauptstadt der Religionen oder die Mission Israels, Leipzig 1931.
- Izoulet, Jean, La Métamorphose de l'Eglise, Paris 1928.
- Jéhouda, Josué, La Vocation d'Israel, Boudry Neuchatel 1948.
- Jéhouda, Josué, La Lecon de L'Histoire, Genf 1956.
- Jervell, Jacob, Imago Dei, Göttingen 1960.
- Joel, D. H., Die Religionsphilosophie des Sohar, Berlin 1918.
- Johannes XXIII., Pacem in Terris, Köln 1966.
- Krüger, Hans Jürgen, Die Judenschaft von Königsberg in Preussen 1700 1812, Marburg 1966.
- Lazare, Bernard, LAntisdmitisme, (1894) Repr. LI(Yug~/Vienne 1969.
- Lémann, Joseph, Les Juifs dans la Révolution francaise, Paris 1988.
- Lennhof/Posner, Internationales Freimaurerlexikon, Wien 1932.
- Marx, Karl, Zur Judenfrage, in: Karl Marx/Friedrich Engels, Studienausgabe, Bd. 1, (Fischer)
Frankfurt 1990
- Na'aman, S., Emanzipation und Messianismus, Leben und Werk des Moses Heß, Frankfurt
1982.
- Nossig, Alfred, Integrales Judentum, Wien 1922.
- Papus, Die Kabbala, Wiesbaden 1985.
Pranaitis, J. B., Das Christentum im Talmud der Juden, Wien 1894.
Rahner/Vorgrimler, Kleines Konzilskompendlum, Freiburg 1974.
Rahner, K., Das Christentum und der neue Mensch, in: Zur Theologie der Zukunft, München
1971.
Rendtorff/Henrix, Die Kirchen und das Judentum, München 1989.
Rijnberk, Gérard van, Martinès de Pasqually, 2 Bde., Hildesheim 1982 (Reprint Paris 1935/Lyon
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Roca, L'Anti Clérical Roussillonnais (Zeitschrift), Paris 1890 ff.
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Russell, Ch. T., Millennium Tages Anbruch, (5 Bde.), Elberfeld 1908 10.
Russell, Ch. T., Schriftstudien, 7 Bde., Brooklyn 1917 26.
Saint Yves d'Alveydre, Mission actuelle des Souverains, Paris 1882.
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Saint Simon, Henri de, Neues Christentum, in: Carl Grünberg, (Hrsg.),
Salvador, Joseph, Paris, Rome, Jerusalem ou La Question Religieuse Au XIX siécle, Paris
1880.
Schuré, Edouard, Die großen Eingeweihten, Leipzig 1925.

Die Hervorhebungen wurden von mir vorgenommen. Horst Koch, Herborn, im Januar 2007

Eine wichtige Anmerkung.

Verständlicherweise hat der Autor, Herr Ingo Goldberg, als gläubiger Katholik, bei der Bedrohung
der Gemeinde Jesu Christi vor allem nur die röm-kath. Seite bedacht. Jedoch sind natürlich alle
bibelgläubigen Christen von der Auseinandersetzung Judentum – Christentum betroffen.

Ebenso übersieht Herr Goldberg die Tatsache, dass es in der Bibel ein Fülle von Verheissungen
für eine zukünftige weltweite geistig-geistliche Führungsrolle des jüdischen Volkes gibt, eine
Erfüllung des Bundes Gottes mit Abraham in 1. Mose 12. Allerdings bezieht sich diese
Segensverheissung nur auf das geistlich erneuerte Volk Israel unter Akzeptanz und Führung
ihres Messias Jesus Christus, - in voller Anerkennung des Wortes Gottes, der Bibel.

Das heutige Judentum steht allerdings nicht in dieser Verheissungs- und Segenslinie, da es den
NEUEN BUND des Christus Jesus ablehnt. Nach den altestamentlichen Propheten jedoch, wie
bspw. in Sacharja Kap. 12-14, wird durch ein letztes Gericht, ähnlich dem Holocaust, das von
Gott erwählte Volk Busse für die Verwerfung des Messias tun und dadurch der ganzen
Menschheit eine Epoche des Friedens eröffnen...
Die heutigen jüdischen Weltmachtbestrebungen jedoch sind eine eigenmächtige und gottlose
Vorwegnahme bzw. Imitation dieser Prophezeiungen Gottes. Mit dem heute so aktuellen Ziel
einer Neuen Weltordnung sollen die biblischen Friedensverheissungen eigenmächtig erfüllt
werden. Darauf liegt kein göttlicher Segen.
Vielmehr spricht das Wort Gottes davon, dass alle Friedensbemühungen, die GOTT und das
WORT GOTTES ausschliessen, scheitern werden... Dies erfüllt sich vor unseren Augen.

--

Evangelikaler Mystizismus?

T.A. McMahon

Zu sehen, was bei denen passiert, die nach eigenen Angaben Evangelikale sind, betrübt mich
heutzutage immer mehr. Ich weiß, der Begriff „Evangelikal“ hat sich hinsichtlich seiner Bedeutung
und Praxis radikal verändert. Doch wenn ich den Begriff gebrauche, folge ich einer sehr
einfachen Definition: Ich beziehe mich auf jene, die den Anspruch stellen, die Bibel alleine als
ihre Autorität anzunehmen, wenn es um das Kennen und Annehmen von Gottes Weg der
Errettung geht und wie sie ihr Leben in einer Weise leben, wie es Ihm gefällt.
Vor dreißig Jahren waren es junge, erwachsene Evangelikale, die durch den Herrn in
wunderbarer Weise gebraucht wurden, meine Augen für die Tatsache zu öffnen, dass ich ewig
von Gott getrennt war, und dass das religiöse System, von dem ich abhing, um in den Himmel zu
kommen, eine falsche Hoffnung war. Zu der Zeit war das für mich nicht leicht zu akzeptieren.
Obgleich sich meine Bindung zur römisch-katholischen Kirche in meinen späten Zwanzigern
abgeschwächt hatte, war die Haltung, „Ich bin als Katholik geboren und ich sterbe als Katholik“ in
das Gefüge meines Geistes fest verwoben.

Wenn ich an jene Tage zurückdenke, erkenne ich, dass ich ein gebundener junger Mensch war.
Gewiß war ich der Sünde verfallen, wie es bei jedem nicht Wiedergeborenen der Fall ist. Aber es
gab eine weitere Hörigkeit, die mich ebenso ergriffen hatte: die Hörigkeit der römisch-
katholischen Tradition mit ihren Sakramenten, Liturgien, Ritualen und sakramentalen
Gegenständen. Nicht nur waren solche Dinge unbiblisch – sie waren Werke des Fleisches und
Erfindungen von Dämonen. In meinem eigenen Leben, wie auch in der ganzen Geschichte der
Kirche von Rom, fesselten sie Seelen im Aberglauben, und wurden unter dem Deckmantel der
Spiritualität geltend gemacht.

Ich vertraute auf Reliquien von gestorbenen, so genannten Heiligen; Weihwasser; das
Kreuzzeichen machen; geweihte Kerzen; Taufe zur Errettung (von Kindern oder anderen); ein
„stofflich verwandeltes“ Stück Brot, das angeblich Christus sein soll; Marienerscheinungen; ein
Skapular; eine „Wundermedaille; Statuen und Bilder von Jesus, Maria und den Heiligen; endlose
Rosenkranzgebete; Novenen, die Stationen des Kreuzes; am Freitag kein Fleisch essen;
Enthaltung in der Fastenzeit; die letzte Ölung, um mich ins Fegefeuer zu bringen und Ablässe,
um mich daraus herauszuholen; Meßkarten; durch Maria gespendete Gnadengaben; die Beichte,
mit Absolution meiner Sünden durch einen Priester; [katholische] Buße und persönliche Leiden,
um mich von meiner Sünde zu reinigen; Anbetung eines Stück Brotes bei der Eucharistischen
Heiligen Stunde; der Heilige Vater als Stellvertreter Christi auf Erden, usw., usw. Darin liegt eine
Hörigkeit, die wenige Evangelikale verstehen können.

Viele tun diese Dinge als nichtwesentlich für den christlichen Glauben oder als geringfügige
theologische Abweichungen ab, die allein der Katholizismus hat. Das ist nicht wahr. Sie sind für
das von Rom verkündete Evangelium wesentlich – ein Evangelium der verdienstvollen Werke,
welches die Bibel (siehe Galater, Römer, Epheser und weitere) als Ablehnung der vollendeten,
stellvertretenden Sühnung durch Christus, unseren Retter, verdammt. Die Überlieferung des
Katholizismus, die nach dessen Behauptung in ihrer Autorität der Schrift gleichgestellt sein soll,
setzt sich aus jenen Dingen zusammen (wie sie oben aufgeführt wurden), die für einen
katholischen Zugang in den Himmel notwendig oder hilfreich sein sollen.

Nach dem Wort Gottes ist alles, was zu Christi vollendetem Werk am Kreuz hinzugefügt wird,
eine Leugnung des Evangeliums: dass Christus die volle Strafe für die Sünden der Menschheit
bezahlte.

Die römisch-katholische Kirche, welche Unfehlbarkeit in ihren Konzilien und theologischen


Lehren beansprucht, leugnet klar und nachdrücklich das biblische Evangelium. Das Konzil von
Trient erklärt:

6. Sitzung, Grundsatz 9: Wenn jemand sagt, dass der Sünder durch Glauben alleine
gerechtfertigt wird, was bedeutet, dass keine andere Mitwirkung benötigt wird, um die Gnade der
Rechtfertigung zu erhalten… so sei er verflucht (Anathema).

6. Sitzung, Grundsatz 12: Wenn jemand sagt, dass rechtfertigender Glaube nichts weiter ist als
Vertrauen in die göttliche Barmherzigkeit, die Sünden vergibt um Christi willen, oder dass es
dieses Vertrauen alleine ist, durch das wir gerechtfertigt sind, so sei er verflucht.

6. Sitzung, Grundsatz 30: Wenn jemand sagt, dass nach Annahme der Gnade der Rechtfertigung
die Schuld so vergeben ist und die Schuld der ewigen Bestrafung für jeden bußfertigen Sünder
so ausgelöscht ist, dass keine Schuld zeitlicher Bestrafung bleibt, die in dieser Welt oder im
Fegefeuer abgetragen werden muss, bevor die Tore des Himmels geöffnet werden können, er sei
verflucht.

7. Sitzung, Grundsatz 4: Wenn jemand sagt, dass die Sakramente des Neuen Gesetzes
[Grundsätze und Beschlüsse der Kirche] nicht notwendig für die Errettung sind, aber… ohne
sie… erhalten Menschen von Gott durch Glauben alleine die Gnade der Rechtfertigung… er sei
verflucht.

Anathema – Kirchenbann“, in diesen Verordnungen (die noch in Kraft sind), verdammen jeden
zur Hölle, der das falsche Evangelium der Werke der römisch-katholischen Kirche ablehnt.

Beginnend mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den Sechzigern, wo nur äußerliche
Änderungen durchgeführt wurden (weil unfehlbare Dogmen nicht verändert werden können!),
brachte Rom ein ökumenisches Programm auf den Weg, das Protestanten weltweit, und
besonders Evangelikale in den Vereinigten Staaten verführen sollte. Das Ziel war und ist, die
ganze Christenheit unter die Herrschaft der römisch-katholischen Kirche mit dem Papst als ihren
geistlichen Führer zu bringen. Voraussagbarer Fortschritt konnte unter liberalen Denominationen
in Europa und den USA erzielt werden, die schon lange die Schrift preisgegeben haben.
Erstaunlich jedoch ist der Erfolg, den das Schema unter amerikanischen Evangelikalen gehabt
hatte.

Billy Graham war der erste und angesehenste Evangelikale, der die ökumenischen Bemühungen
des Katholizismus unterstützte. Andere folgten, einschließlich Bill Bright, Pat Robertson, J.I.
Packer, Timothy George, Robert Schuller, Hank Hanegraaff, Benny Hinn und Jack van Impe. Die
Bewegung Evangelikale und Katholiken Gemeinsam erklärte, unter der Führung von Chuck
Colson und dem katholischen Priester Richard John Neuhaus, dass Katholiken und Evangelikale
„Brüder und Schwestern in Christus“ seien und ermahnten sie, beim Verbreiten des Evangeliums
zusammenzuarbeiten. Offensichtlich und passend wurde jenes Evangelium nie definiert.

Obgleich unter Evangelikalen die Akzeptanz von Dingen aus dem Römisch-Katholischen über die
Jahre nach Vatikan II beständig wuchs, nahm sie durch die Popularität des ultrakonservativen
katholischen Films von Mel Gibson, Die Passion Christi, exponentiell zu. Seine
Bühnenbearbeitung eines der heiligsten Rituale des Katholizismus, den Stationen des Kreuzes,
nahm die Herzen der Evangelikalen so gefangen, dass ihr Eifer, Eintrittskarten in großer Menge
zu kaufen, für den großen finanziellen Erfolg des Films verantwortlich war. Nachdem sie das
erreicht hatten, machte Inside the Vatican diese einsichtsvolle Beobachtung: „Der Film hat
Evangelikalen einen flüchtigen Blick in die katholische Seele, ja sogar die traditionelle katholische
Seele, gegeben. Viele Evangelikale sagten beim Nachdenken über das, was sie in dem Film
gesehen hatten, sie begännen nun, die ganze katholische Sache zu ‚kapieren’: Fastenzeit, die
Asche auf der Stirn… kein Fleisch am Freitag… die traurigen Mysterien… der Stationen des
Kreuzes… die Betonung der Eucharistie… die Marienverehrung… das enorme Kruzifix, das über
jedem katholischen Altar hängt. Sie mögen nicht notwendigerweise herausstürzen, um
Rosenkränze zu kaufen, aber manche der Dinge erscheinen nicht länger so fremd, so
andersartig.“ [1]

Was Evangelikale auch „bekamen“, und was ihre Führer enthusiastisch als „biblisch“ genau“
unterstützten, waren zahlreiche Szenen, die auf der Phantasie einer katholischen Mystikerin aus
dem achtzehnten Jahrhundert beruhten, die Schilderung von Maria als Miterlöserin bei der
Errettung der Menschheit, und ein sehr katholisches Evangelium, das Christus für Sünde sühnen
lässt, indem er unter der unerbittlichen physischen Folter der römischen Soldaten leidet. [2]

Die Passion Christi hatte eine phänomenale Wirkung auf evangelikale Jugendliche und
Jugendpastoren. Nicht nur erschienen „[katholische] Dinge nicht mehr so fremd, so andersartig“,
sondern sie tauchten in den Jugenddiensten von evangelikalen Gemeinden auf. Das Ritual der
Stationen des Kreuzes wurde populär, obgleich es von 14 Stationen auf 11 verringert wurde,
wobei einige Stationen eliminiert wurden, die der Schrift zu fremd waren (wie zum Beispiel Sankt
Veronika, die ein Bild von Christi blutigem Gesicht auf ihrem Schleier festhielt). Gebetsaltäre
wurden aufgebaut, auf denen Heiligenbilder ausgestellt waren, beleuchtet mit Kerzen und durch
Verbrennen von Weihrauch in Duft eingehüllt, und Gebetslabyrinthe wurden auf große Planen
gemalt, die in Kirchenkellern untergebracht waren, oder sie wurden in Rasenflächen vor den
Kirchen geschnitten. Für junge Evangelikale, zu oft mit leeren, sich wiederholenden
Anbetungsliedern großgezogen, die sich oft nur wenig von säkularer Musik unterschieden, und
religiöser Unterweisung, die sich sehr auf Unterhaltung stützte, um ihr Interesse wach zu halten,
schienen die katholischen und orthodoxen Liturgien weit spiritueller zu sein.

Das alles wurde zu „spirituellem“ Futter für die Emerging Church Bewegung (ECM), wobei viel
davon eine Reaktion auf die Verbraucherorientierten Marketingansätze für das
Gemeindewachstum waren, die durch Robert Schuller, Bill Hybels und Rick Warren populär
gemacht wurden. Viele ECM Führer, die meisten mit evangelikalen Hintergrund, sahen das
katholische Ritual und den Mystizismus als einen notwendigen, spirituellen Bestandteil, der den
Evangelikalen bei der Reformation verloren gegangen war. Sola Scriptura war ein
Hauptschlagwort der Reformatoren gegen die Mißbräuche, die aus der römisch-katholischen
Überlieferung stammten; die Bibel als unsere einzige Autorität beendete den Einfluß der
katholischen Mystiker, bekannt als Wüstenväter.

Doch der katholische Mystizismus ist mit Macht zurückgekehrt. Seine okkulten Techniken findet
man beinahe überall, von Youth Specialties über Richard Fosters Renovaré Organisation bis zu
Rick Warrens Leben mit Vision. „Viele christliche Führer begannen nach einem neuen Ansatz
unter dem Banner von ‚spiritueller Formung’ zu suchen. Diese neue Suche hat viele von ihnen
zurück zu katholischen, kontemplativen Praktiken und mittelalterlichen, klösterlichen Disziplinen
geführt“, schreibt Brian McLaren zustimmend.

Tony Jones, Mitherausgeber von Ein Emergent Manifest der Hoffnung, hat ein Manifest des
Mystizismus für Emerging Churches geschrieben mit dem Titel The Sacred Way: Spiritual
Practices for Everyday Life – Der heilige Weg: Spirituelle Praktiken für den Alltag. Jones
Danksagung an die, die seine Anstrengungen unterstützten, liest sich wie ein Who’s Who der
Emergent Führer, nicht zu erwähnen die katholischen Priester, denen er dankt und die alten
orthodoxen und katholischen Mystiker, die er zitiert. Was ist denn dieser Mystizismus, dem sie
hier Vorschub leisten?

Katholischer Mystizismus ist durch und durch subjektiv und beruht nur auf Erfahrungen. Wie sein
Vorfahr, der östliche Mystizismus, behauptet er, man könne Gott durch menschliche Vernunft
weder kennen noch verstehen, sondern könne Ihn nur subjektiv durch verschiedene Techniken
erfahren. Es ist die Antithese dessen, was die Bibel lehrt: „Kommt doch, wir wollen miteinander
rechten! spricht der HERR“ (Jes 1,18); „Der Anfang der Weisheit ist: Erwirb Weisheit, und um
allen deinen Erwerb erwirb Verstand“ (Spr 4,7); „Da seine göttliche Kraft uns alles geschenkt hat,
was zum Leben und zum [Wandel in] Gottesfurcht dient, durch die Erkenntnis dessen, der uns
berufen hat“ (2 Petr 1,3).

Überdies ist das Ziel des Mystizismus Vereinigung mit Gott, d.h. das Aufgehen lassen der
eigenen Seele in Gott. Das ist eine Unmöglichkeit, die die pantheistischen und panentheistischen
[http://de.wikipedia.org/wiki/Panentheismus] Wurzeln des Mystizismus enthüllen, Gott sei alles
und in allem. Nein. Gott ist unendlich und transzendent, vollkommen getrennt von Seiner
endlichen Schöpfung.

The Sacred Way unterstützt zahlreiche, mystische Techniken, die heute unter Evangelikalen
Akzeptanz gewinnen. Sie zu kennen und zu verstehen ist deshalb für die Unterscheidung
entscheidend. Zentrierendes Gebet verwendet ein einzelnes Wort (z.B. „Liebe“ oder „Gott“), auf
das man sich fokussiert, um den Verstand von allen anderen Gedanken zu reinigen. Man nimmt
an, der so genannte Beter werde in der Stille vor Gott direkt von Ihm hören. Tony Campolo
erklärt, „in meinem Fall hat sich nach und nach über die Jahre Vertrautheit mit Christus
entwickelt, vor allem durch das, was katholische Mystiker ‚zentrierendes Gebet’ nennen. Jeden
Morgen, sobald ich aufwache, nehme ich mir Zeit, manchmal sogar eine halbe Stunde – um mich
auf Jesus zu zentrieren. Ich wiederhole seinen Namen immer wieder, um die 101 Dinge
zurückzudrängen, die meinen Verstand ab dem Moment, wo ich meine Augen aufmache, zu
überhäufen beginnen. Jesus ist mein Mantra, wie mancher sagen würde.“ [3]

Das Jesus Gebet lässt den Beter beständig Sätze wiederholen wie zum Beispiel „Herr Jesus, hab
Erbarmen mit mir“, ja Hunderte, sogar Tausende Male. Die Wiederholung fixiert angeblich den
eigenen Geist auf Jesus. Doch sie weist Sein Gebot, keine leeren Wiederholungen (Plappern) im
Gebet zu verwenden wie die Heiden, eklatant zurück (Mt 6,7). Überdies machen die konstanten
Wiederholungen das Gebet als eine Form der Kommunikation mit Jesus zu einer unsinnigen
Handlung.

Lectio Divina bedeutet „heiliges Lesen“ und ist eine Technik, die weit entfernt von normalem
Lesen und Studieren der Bibel ist. Ihre Methodik zielt darauf, hinter die objektive Bedeutung der
Worte und der einfachen Belehrung zu dem zu gehen, was das normale Bewußtsein übersteigt.
Jones schreibt, „indem du auf jene tieferen Bedeutungen acht gibst, beginne über die Eindrücke
und Gemütsbewegungen zu meditieren, die in deinem inneren Selbst heraufbeschworen
wurden.“ [4] Er faßt dann diese mystische, kontemplative Technik kurz zusammen: „Wahre
Kontemplation bewegt sich jenseits von Worten und Intellekt und in jenen ‚dünnen Raum’, wo Zeit
und Ewigkeit sich beinahe berühren. Es ist in Momenten wie diesen, dass einige der größten
[katholischen] Heiligen in der Geschichte der [katholischen] Kirche eine ‚mystische Vereinigung’
mit Christus hatten.“ [5] Aus Gottes Wort ist klar dass der Geist, mit dem sie in ihrem
kontemplativen, veränderten Bewußtseinszustand eine „mystische Vereinigung“ hatten, nicht
Jesus war.

Examen des Ignatius ist eine okkulte Visualisierungstechnik, die von Ignatius Loyola gelehrt
wurde, der die Jesuiten im 16. Jahrhundert gründete. Seine Übung lehrt einen, sich in Jesu
Gegenwart zu visualisieren und dann mit Ihm bei Ereignissen während Seines Wandels auf
Erden in Wechselwirkung zu treten, zum Beispiel „beim Letzten Abendmahl und dem Garten
Gethsemane, zu Füßen des Kreuzes, und beim Legen von Jesu Leib ins Grab.“ [6] Das bewirkt,
dass man der Schrift Inhalt aus seiner Vorstellung hinzufügt und es öffnet eine Person für
dämonische Manipulation (2 Kor 11,4; Gal 1,8).

Gebets Labyrinthe sind konzentrische Wege, geschaffen von der katholischen Kirche im 13.
Jahrhundert, um in der eigenen Vorstellung den Via Dolorosa Christi, oder „schmerzensreichen
Weg“, als Er Sein Kreuz nach Golgatha trug, zu erfahren. Anstatt sich den Gefahren einer
Pilgerreise nach Jerusalem während der Heiligen Woche auszusetzen, konnten römische
Katholiken in Europa denselben Ablaß erwerben (um ihre Zeit im Fegefeuer zu verringern),
indem sie in bestimmten Kathedralen durch Labyrinthe gingen, wobei sie im Gebet über die
Kreuzigung Christi meditierten. Gleichermaßen wurde das Befolgen des „heiligen“ Rituals der
Stationen des Kreuzes zu einem Ersatz für eine Pilgerreise ins Heilige Land.

Als ehemaliger Katholik ist es für mich schwer zu ergründen, wie sich die evangelikale Kirche in
den religiösen Okkultismus des römischen Katholizismus einkauft. Es macht keinen Sinn.
Besucht irgendein Land, wo diese Religion ernst genommen wird. Was offensichtlich wird ist ein
Volk, das in Aberglauben gebunden ist. Auf der anderen Seite sollte ich nicht überrascht sein.
Der Abfall nimmt schnell zu, die Religion des Antichristen nimmt Form an, und Mystizismus, ob
es die katholische Spielart ist, der Sufismus des Islam, Yoga und die Gurus des östlichen
Mystizismus, das Schamanentum der Eingeborenenreligionen, oder sonst wie, ist ein üblicher,
doch kräftiger Magnet, der alle Religionen zusammenzieht.

Wir müssen Wächter auf der Mauer sein, wenn wir dieses Böse in die Kirche eindringen sehen,
und besonders – sollte unser Herr Seine Rückkehr verzögern – unsere nächste Generation von
Gläubigen warnen. Sie sind das eindeutige Ziel dieser mystischen Verführung.
---

Der französische Protestantismus

- Sein Weg bis zur Französischen Revolution -

Inhalt

Kapitel I Vorgeschichte
Kapitel II Renaissance und Reformation in Frankreich
Kapitel III Die Reformation in Frankreich
Kapitel IV Die Gegenreformation in Frankreich
Kapitel V Zwischenspiel: Heinrich IV.
Kapitel VI »Es geht eine dunkle Wolk’ herein« (Richelieu-Mazarin)
Kapitel VII Das Sterben des französischen Protestantismus (Louis XIV.)
Kapitel VIII Das Auferstehen des französischen Protestantismus

KAPITEL I

DIE VORGESCHICHTE

»In der Geschichte findet eine höchst komplizierte Wechselwirkung dreier Prinzipien statt: des
Prinzips der Notwendigkeit, des Prinzips der Freiheit und des wandlungskräftigen Prinzips der
Gnade.«

Nikolaus Berdjajew, »Der Sinn der Geschichte«, Kap. III.

Kirchengeschichte ist die Geschichte des Handelns Jesu Christi an Seiner Gemeinde und durch
sie an der Welt. Die erste christliche Kirchengeschichte, die Apostelgeschichte, beginnt mit den
Worten von Lukas, mit denen er auf sein früher geschriebenes Evangelium zurückweist: »Die
erste Rede habe ich getan, lieber Theophilus, von allem, das Jesus anfing, beides, zu lehren und
zu tun.« Seine zweite Rede oder Schrift, die Apostelgeschichte, berichtet somit von dem, was
Jesus fortfuhr, zu lehren und zu tun in Seiner Gemeinde und an der Welt. Seither ist
geschriebene Kirchengeschichte nie etwas anderes gewesen als das Wagnis einer Darstellung
dessen, was Jesus Christus, der Herr, fortfuhr, zu lehren und zu tun in Gemeinde und
Menschheit, und ein bußfertiger Bericht über das, was in Seiner Gemeinde Unterlassung,
Ungehorsam und Betrüben des Heiligen Geistes war.

Kirchengeschichte ist daher niemals nur etwa eine erhabenste Abteilung der Kulturgeschichte
oder eine besondere Erscheinungsform der Völkergeschichte, trotz aller ihrer Beziehung zur
Kultur- und Völkergeschichte. Sie zeigt uns immer ein Volk und ein Land einerseits, und ein
darüber schwebendes Phänomen, das sich auf dieses Volk und dieses Land herabläßt und
Wohnung nimmt, das wie ein Sankt Elmsfeuer über den Masten eines in der Dunkelheit
treibenden sturmgepeitschten Schiffes schwebt und sich niederläßt und alles in ein neues und
andersartiges Licht taucht. So das Evangelium, das zu einem bestimmten Volk in einer
bestimmten Zeit kommt: übergeartet, mit Licht aus einer anderen Welt, und letztlich in jeder Zeit,
in jedem Volk und jedem Land sich selbst gleich bleibend. Wirklich verstanden wird
Kirchengeschichte nur als Geschichte des Heiligen Geistes Jesu Christi, welcher heimsucht,
wirkt, sich verkörpert, welcher oftmals betrübt und gehindert wird, welcher souverän kommt und
geht.

Volk, Land und Zeitspanne sind für die folgenden kirchengeschichtlichen Betrachtungen bestimmt
durch das Thema: »Der Weg des Protestantismus in Frankreich bis zur Französischen
Revolution«. Die ersten Hauptabschnitte umfassen naturgemäß die Ereignisse der Reformation
und Gegenreformation in Frankreich, also etwa die Spanne von König Franz I. bis zum Ende der
Regierung Heinrichs IV. 1610, einschließlich der Grundlegung der Reformation durch den
Humanisten Lefèbvre d’Etaples, der Reformation als Erweckung zunächst lutherischen, dann
calvinistischen Gepräges, der ersten Hoch-Zeit des Martyriums, der Religionskriege und einer
vorläufigen Synthese in dem Toleranzedikt von Nantes 1598.

Doch bevor wir in diesen ersten großen Hauptteil der französischen Geschichte des
Protestantismus eintreten, haben wir uns in die Erinnerung zurückzurufen, dass wir unwillkürlich
und immer wieder versucht sein werden, die Ereignisse dieser Zeit in Frankreich von den
Gegebenheiten unseres eigenen Wissens von der Reformation, also von der Reformation in
Deutschland her zu interpretieren, von den Gegebenheiten aus, die sich in unserem Gedächtnis
und in unserer Auffassung über die Reformation im Lande Luthers zunächst vorfinden.

Dieser unserer Einseitigkeit werden wir uns immer bewußt bleiben müssen, wenn wir versuchen,
das Wirken Gottes in einem durchaus anders gearteten Land und Volk in seiner Besonderheit zu
verstehen. Wir haben uns daran zu erinnern, dass Luthers Botschaft und Werk universellen
Charakter trägt, während der für Frankreich aufzuzeigende Weg des Evangeliums national
bestimmt, ja eingeengt ist und dementsprechend eigengesetzlich verläuft. Im Lande Luthers
sehen wir Fürsten, die sich für das Evangelium erklären und die mit ihrer Bekehrung ihren
Untertanen vorangehen. In Frankreich gewahren wir Einzelne, zumeist Kinder des Volkes, die,
zum Heilsglauben gekommen, sauerteigartig ihr Land mit dem Evangelium durchsetzen.

Am auffälligsten ist jedoch der Unterschied in der weltanschaulichen Polarität der beiden
Entwicklungen in Deutschland und Frankreich. Luthers Aufgabe ist die Auseinandersetzung mit
der ihm gegenüberstehenden katholischen Kirche, Lehre und Praxis. Das gilt auch in einem
gewissen Sinne für Erasmus und die Humanisten. Das gilt auch für den Reichstag von Worms,
der nur scheinbar das weltliche Kaisertum als Gegenspieler zeigt, während es in Wirklichkeit
irgendwie getarnter Vertreter Roms ist.

Die Geschichte des Evangeliums in Frankreich zeigt je länger desto mehr eine andere Spannung
auf. Bald gibt das Papsttum nur noch die Begleitmelodie zu einem anderen Gegenfaktor, zur
Krone. Bald gibt auch die Macht des gallikanischen Bischofstums nur noch die Begleitmelodie
eines anderen Gegenfaktors, nämlich des absoluten Königtums, das sich mit der christlichen
Offenbarung auf Tod und Leben auseinander setzt, des absoluten Königtums als
Sondererscheinung dessen, was das Johannesevangelium »diese Welt« nennt. Jedoch ist im
sechzehnten Jahrhundert der Gegensatz »Katholizismus und Theologie der Sorbonne« einerseits
und »Protestantismus« andererseits noch vorherrschend. Später, seit Richelieu, wird der Kampf
eine endgültige Auseinandersetzung zwischen der Ideologie des Pariser Hofes und dem
Evangelium.

Zugleich wird im Folgenden, gemessen an dem uneinheitlichen Bild des deutschen


Protestantismus im sechzehnten Jahrhundert, immer wieder das Charakteristikum des
Protestantismus in Frankreich ins Auge fallen, welches uns die Geschichte und die Schicksale
des Evangeliums dort so erschütternd instruktiv machen. Es ist das die beinahe furchtbare
Folgerichtigkeit, mit der im Laufe der Entwicklung beide Kontrahenten, Gott und Satan, Hand
Christi und Hand des unerlösten Menschen, ihre Linien bis zum letzten Punkt ausziehen.
Alexandre Vinet sagte einmal, dass ein absolutes Prinzip nie halb befriedigt und nie halb getötet
werden kann, und Kierkegaard bemerkte in der Schrift »Die Krankheit zum Tode« vom
Gegenstück des Göttlichen, vom Dämonischen, dass es mit seiner letzten Konsequenz, ja mit
jedem Seitenblick steht und fällt. Diese Gedanken, auf unser Thema bezogen, gelten
gleichermaßen für den Anspruch des Evangeliums, wie für den Anspruch des totalitären
Papsttums, wie auch für den Anspruch des absoluten Königtums in Frankreich in dem System
Mazarins, Bossuets und Ludwig XIV. In den letzten Widerstand, den inneren und dann den
äußeren, treibt die Krisis die Protestanten hinein: in den beiden großen Hauptabschnitten der
Reformation und Gegenreformation bis zum letzten Bekenntnis und bis zum letzten äußeren
Widerstand; in der unerhörten Auseinandersetzung des siebzehnten Jahrhunderts zwischen
Evangelium und vergöttlichtem Königtum zum letzten Leiden und bis zur – menschlich geredet –
Vernichtung der protestantischen Kirche. Die katholische Kirche stirbt dabei weithin an ihrer
Mesalliance mit der Krone und wird durch die Aufklärung als herrschende Weltanschauung
ersetzt. Das Königtum stirbt schließlich an seiner titanischen Überhebung und nicht zuletzt an
seinen Siegen über die Hugenotten. Der Protestantismus ersteht, durch die Hand des Herrn
berührt, im achtzehnten Jahrhundert von seinem Tod zu neuem Leben.

Diese mit Extremen gesättigte Gesamtgeschichte zeigt kaum Synthesen, wie die schweizerische
Geschichte die Gottesstadt Genf oder wie die englische Geschichte den kurzlebigen Gottesstaat
Cromwells. Die einzige in Frankreich deutlich werdende geschichtliche Vermählung, das
Ineinanderfallen von Katholizismus und Staatsgewalt im siebzehnten Jahrhundert, vollzieht sich
auf einer, nämlich der Gegenseite der protestantischen Seite der Parteien, und ist im Grunde
zufällig.

Der Grund dieser und anderer Eigentümlichkeiten liegt – abgesehen von den einzelnen
Entscheidungen des Geschichtsverlaufs – naturgemäß in den anders gearteten Voraussetzungen
des französischen Protestantismus. Es ist daher zunächst allgemein zu fragen: Welches sind die
zusammenwirkenden Kräfte, aus denen ein Volksbild und dann ein Kirchenbild entsteht?

Die Komponenten zu diesen Resultanten sind die Rasse in ihrer Besonderheit oder
Vermischtheit, weiter das Land, die Landschaft, Boden, Klima und Umwelt, und drittens die
»aufsummierte Vergangenheit«, die Geschichte: die Schicksalsverbundenheit der Menschen, die
Gemeinsamkeit ihrer Kämpfe und Leiden. Dazu treten – erst dadurch wird überhaupt
Volksgeschichte und erst recht Kirchengeschichte richtig und lückenlos gesehen – die Anstöße
von außen, die nicht ableitbar sind aus Rasse, Boden und gemeinsamer Geschichte, Anstöße
wie Invasionen, fremde Kulturen, allgemeine geistige Zeitströmungen, welche in ein Volkstum
hereinbranden. Unter ihnen stehen für die Kirchengeschichte an erster Stelle die Anstöße
übernatürlicher Art: die Gewalt Christi, das Wort Gottes und die Wirkung des Heiligen Geistes.

Es wird notwendig sein, besonders zu Punkt eins und zwei, Rasse und Land Frankreich, einiges
vorauszuschicken, weil die Einzelgänge und Verlagerungen des ungeheuren göttlich-
menschlichen Prozesses, den wir Geschichte des französischen Protestantismus nennen, sonst
schwer verständlich bleiben in ihren spezifischen Erscheinungsformen: sei es in ihrer jeweiligen
Lokalisierung, sei es im Wandern des Evangeliums durch das Land in der Richtung von Norden
nach Süden, sei es auch in der ganz eigenartigen Vielgesichtigkeit der jeweiligen
Lebensäußerungen.

Es gibt keine französische Rasse und hat es nie gegeben. Es gibt auch, anthropologisch
gesehen, keinen französischen Typus. Ein Vergleichen beliebiger Köpfe aus illustrierten
Zeitschriften macht das auch dem Außenstehenden ohne weiteres klar. Die Vorgeschichte des
Landes erzählt uns von urzeitlichen behauenen Steinen und zeigt uns im Dordogne-Tal geniale
Höhlenzeichnungen unbekannter Völkerschaften, ohne dass Frankreich sich darin von anderen
europäischen Ländern wie Spanien oder Deutschland wesentlich unterschiede. Sie spricht von
Neolithicum, von Dolmen, Totenkult, von Bronzezeit und Eisenzeit Frankreichs nicht anders als
von den gleichzeitigen prähistorischen Kulturen Englands. Die eigentliche Geschichte
Frankreichs beginnt mit den Spuren der Ligurer und Iberer, erhält Kunde von den Kolonien der
Phönizier und Griechen und weiß ein wenig von der Einwanderung der Kelten oder Gallier, der
Bretonen und Basken. Das volle Licht der Geschichte fällt erst auf die Kolonisation des Landes
durch Cäsar und den Aufbau der ersten römisch-gallischen Kultur, vornehmlich in der Provence.
Sie wird abgelöst durch die germanische Einwanderung der Burgunder, Franken und Westgoten,
welche die römischgallische Kultur auf mehrere Jahrhunderte auslöscht. Dazwischen hinein
kommen Sarazenen und dänische Normannen ins Land. Frankreich ist dementsprechend »ein
internationales Gemenge von Völkern und Rassen« (Seignobos)¬: von germanischen Rassen im
Norden, die mit Kelten untermischt sind, von überwiegend alpinen Rassen im Zentrum und
Südosten und mittelländischen Rassen im Süden.

Gibt es auch keine französische Rasse, so gibt es doch das, was man das französische Genie
nennen kann. Ähnlich dem Aufschießen der ägyptischen Kultur zur Zeit des Menes bricht es zu
gegebener Zeit, etwa im zwölften Jahrhundert, hervor, beschränkt auf ein enges Gebiet mit
frischem nordischen Blut, auf die Isle de France, die Normandie, die Picardie und die
Champagne. Es stellt die verschiedensten Typen heraus, den kalten Rationalisten Abälard, den
gottinnigen Bernhard von Clairvaux. Aus der Champagne stammt der Vater von Jeanne d’Arc,
obwohl sie selbst äußerlich kein germanischer Typus, sondern, vielleicht von ihrer lothringischen
Mutter her, schwarzhaarig war. In ihrem Charakter ist sie ebenso begeisterungsfähig als kühl
rational: In prophetischer Hellsicht heischt sie das verborgene Schwert vom Katharinenaltar in
Fierbois, in kaltblütiger Sachlichkeit erbittet sie dann für dieses Schwert statt seiner
Schmuckscheide aus rotem Sammet ein Futteral »de cuir bien fort«, »aus recht solidem Leder«.

Das génie français schafft die Baukunst, welche von den Italienern mit dem Spottwort »Gotik«
belegt wird. Es schafft gotische Städte wie Rouen und überläßt es dem systematischen Geist der
Deutschen, die letzten architektonischen Konsequenzen dieser unnennbar herrlichen Bauweise
zu ziehen. Es schafft das zusammengeballteste Kulturzentrum der Welt: Paris.

Dieses französische Genie baut sich nach und nach, besonders seit Ludwig XIV., das auf, was
französische Mentalität heißt, die nicht vorstellbar ist ohne den Sinn des »juste milieu«, des
»sentiment de la nuance« und eine sonderliche Klarheit des Denkens und des Ausdrucks im Stil.
Der Picarde Calvin in der Reformationszeit, die Denker Descartes und Pascal stellen sie in
verschiedenen Abwandlungen dar. Die ruhelos feilende Arbeit an der Sprache, getan durch die
Académie Française – an deren Wiege hugenottischer Geist stand –, ist ihr letzter Ausdruck. Zu
dieser Geschichte einer Volkswerdung tritt der christliche, göttliche Koeffizient hinzu. Das erste
Licht Christi bricht in den Süden des Landes hinein, die Rhône aufwärts. Die ersten Gemeinden
werden dort gegen das vierte Jahrhundert hin von den eingewanderten Hellenisten aufgebaut.
Dort hören wir die ältesten Märtyrernamen in Lyon und Vienne. Etwas später bewirkt die Taufe
Constantins eine künstliche Christianisierung der Oberschichten weithin im Lande, welche die
höheren Stände christlich firnisst. Die einbrechenden Westgoten und Burgunder sind bereits zum
arianischen Christentum bekehrt, ehe sie in Frankreich erscheinen. Die Franken sind noch
Heiden; die politische Taufe Chlodwigs leitete die langsame Christianisierung seiner Untertanen
ein. Langsam durchdringt jetzt, durch die Arbeit der Mönche vorwärts getrieben, der christliche
Glaube das Land, doch bleiben bis über die Reformation hinaus die Überreste des alten
Heidentums lebendig und wirksam. Die Kreuzzüge durchsetzen das politische Leben mit
christlichen Gedanken. Das Wort »Réforme«, das heißt Wiederherstellung verlorener Form (Form
gleich Haltung und Seelenhaltung) tritt zuerst bei dem Restaurationswerk des Abts von Cluny auf.

Der Anbruch der Reformation in Frankreich – ich lasse die Bewegungen der Albigenser und
Waldenser beiseite – wird äußerlich durch die Ära Franz’ I. gekennzeichnet. Die
Regierungszeiten Karls VII., Louis’ XI., Karls VIII., Louis’ XII. liegen in der Vergangenheit
begraben mit ihren Strömen von Blut, mit all ihrer Gewalttat und vielen anderen häßlichen
Dingen. Mit dem erstgenannten jammervollen Schwächling, mit Karl VII., liegt das Zeitalter der
Jeanne d’Arc hinter uns, das uns Deutschen seit Schiller besonders eindrücklich das Schicksal
eines Landes vorstellt, welches aus einer Hand in die andere übergeht, das, bald in diesen, bald
in jenen Teilen von England beherrscht, vielmehr ein Spielball einzelner Fürsten, denn der Besitz
einer Krone ist.

Auch wenn bis zum Regierungsantritt Franz’ I. eine verhältnismäßige Geschlossenheit in der
Regierung des Landes erreicht scheint, hat unterdessen die innere Zersetzung zusammen mit
dem Verfall der Kirche einen erschreckenden Tiefstand erreicht.

Die sittlichen Zivilzustände, besonders in Paris, zeigen allgemeinen Niedergang. Die Zahl der
Prostituierten in der Hauptstadt ist ungeheuer groß. Die bürgerlichen Mütter verkaufen ihre
Töchter an reiche kirchliche Würdenträger, um zunächst eine Mitgift für den späteren legalen
Gatten herauszuschlagen. Man läßt Wachsbilder durch einen Priester taufen und erdolcht sie
dann nach heidnischer Weise, um einer wirklich existierenden, verhassten Person durch
magische Fernwirkung einen schrecklichen Tod zu bereiten. Alle Grenzen zwischen weltlicher
Unsitte und kirchlicher Sitte scheinen verwischt zu sein. Die Straßendirnen von Paris tragen
gleichsam als Zeichen ihres Gewerbes einen Rosenkranz aus kleinen Korallenperlen und großen
Gold- oder Silberperlen auf der Brust. Genauer gesprochen ist von kirchlicher Sittlichkeit oder
auch nur moralischen Hemmungen kaum noch die Rede. Bischöfe exkommunizieren einzelne
Gemeindeglieder, um, wie man sagt, ihnen sodann die Absolution zu verkaufen. Priester
profitieren vom geringsten Fehltritt in ihrem Sprengel, indem sie zunächst ihren
Gemeindegliedern eine Wiederholung dieser Handlung ausdrücklich verbieten und sich dann die
Aufhebung dieses Sonderverbots nach willkürlichen Tarifen bezahlen lassen. Es wird bitter
darüber geklagt, dass in den Gotteshäusern selbst, wie erst recht in den Nonnenklöstern
schändliche Unzucht durch Priester und willfährige Frauen getrieben wird, und in der Provinz
geht das grässliche Wort um: »Schon der Schatten eines Franziskaner-Klosterkirchturms macht
die Frauen der Umgebung schwanger«, – Zustände, die höchstens durch die von Gaberel
berichtete sittliche Verrohung der damaligen katholischen Kirche Genfs noch übertroffen wurden.

Der König, der diese politische und moralische Erbschaft antritt, Franz I., ist der Vetter und dann
der Schwiegersohn Ludwigs XII., doch ist seine Regierung etwas deutlich anderes als die
einfache Fortsetzung einer Dynastie. Der Name Franz’ I. hat sich dem französischen Denken in
besonderer Weise unvergeßlich gemacht, nicht eigentlich wegen seines objektiven Wertgehalts,
sondern sicher vielmehr, weil Franz französisches Wesen zum ersten Mal repräsentativ
darstellte.

Dazu kommt, dass von Franz I. über Heinric