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"Aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern"

Mose sagte den Juden, der Prophet werde "aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern" s
ein, und Gott sagte zu Mose, er werde "aus der Mitte ihrer Brüder", also aus der
Mitte der Brüder der Juden kommen. Auf wen bezieht sich diese Angabe?
Wir müssen beide Aussagen zusammennehmen. Würde der Prophet lediglich "aus den B
rüdern" kommen, so müßte er nicht unbedingt ein Jude sein, sondern könnte auch e
in Angehöriger eines der Brudervölker sein. Derer gab es viele; denn hierzu zähl
en die Nachkommen der Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob. Abraham hatte mit dr
ei Frauen (Hagar, Sara, Ketura) insgesamt acht Söhne: Ismael von Hagar, Isaak vo
n Sara, Simran, Jokschan, Medan, Midian, Jischbak und Schuach von Ketura (1. Mos
e 16,11; 21,1ff; 25,2). Die Söhne der Ketura werden niemals ausdrücklich als "Br
üder" Isaaks und Ismaels bezeichnet. In 1. Mose 25,6 werden Hagar und Ketura aus
drücklich als Nebenfrauen Abrahams bezeichnet; sie stehen damit also nicht auf e
iner Stufe mit Sara (vgl. auch 1. Chronik 1,32). Damit stehen auch die Söhne der
beiden Nebenfrauen, die Abraham laut unserem Text "von seinem Sohn Isaak weg" i
n den Osten geschickt hat, nicht auf der selben Stufe wie Isaak, und Abraham gab
ausdrücklich Isaak "alles, was er hatte" (V. 5). Danach werden auch Isaak und I
smael nicht mehr als Brüder bezeichnet, sondern 1. Mose 25,9 nennt sie sachlich
und die Entfremdung zwischen ihnen deutlich ausdrückend "seine Söhne".
Zweimal schreibt die Bibel von Ismael, "er setzte sich allen seinen Brüdern vors
Gesicht" (1. Mose 16,12; 25,1. Interessant ist hier, wie der Begriff "Bruder" v
erwendet wird. Es war eine feindselige Bruderschaft, die insbesondere Isaak nich
ts dulden und nichts gönnen wollte. Ismael riß den Brudertitel richtiggehend an
sich, und "er setzte sich allen seinen Brüdern vors Gesicht".
Gott hatte über Ismael zu Abraham gesprochen, "ich werde ihn segnen... aber mein
en Bund werde ich mit Isaak aufrichten" (1. Mose 17,20-21). Es gibt keinen Bund
zwischen Gott und einem anderen Sohn des Abraham als Isaak.
Und weder der Bundesschluß mit Isaak anstatt mit Ismael noch die Feindschaft zwi
schen Ismael und Isaak werden in der Bibel jemals aufgehoben oder die Aufhebung
auch nur angekündigt. Warum nun sollte der verheißene Prophet ausgerechnet von a
ußerhalb des Bundes Gottes mit Isaak und aus der Feindschaft zwischen Ismael und
Isaak kommen? Dafür gibt es keinen Grund.
Die "patriarchalische Bruderschaft" umfaßt nicht nur die Söhne Abrahams, sondern
auch die Söhne der Nachkommen Abrahams, also die Söhne Isaaks und Jakobs. Insge
samt finden wir hier eine sehr lange Liste von Männern, die "Brüder" sind. Das b
eschränkt sich nicht nur auf Isaak und Ismael, sondern bezieht sich auf Dutzende
, ja auf Hunderte von Männern. Da sind erst einmal die Söhne Abrahams, Ismael, I
saak und die sechs Söhne der Ketura. Alle diese Männer hatten nun wiederum viele
Söhne. Isaak hatte zwei Söhne: Jakob und Esau. Auch diese beiden Männer hatten
wieder viele Söhne - So bezeichnet etwa 5. Mose 23,8 die Edomiter, Nachkommen vo
n Jakobs Bruder Esaus, als "Brüder", und ermahnt die Juden, sie nicht zu verabsc
heuen, weil sie eben "Brüder" sind -, und die Söhne Jakobs bildeten dann das Vol
k Israel, zu dem auch Mose gehört.
Die Formulierung "aus deinen Brüdern" ist also höchst ungenau, und darum wird si
e auch ausdrücklich konkretisiert: "aus deiner Mitte". Darum kommen hier nur noc
h die Juden selbst in Betracht und keines der Brudervölker, weder aus den Linien
, die auf Abraham zurückgehen noch aus den Linien, die auf Isaak und Jakob zurüc
kgehen.
Somit liegt es auf der Hand, daß der verheißene Prophet ein Jude sein mußte, und
so haben es auch die Juden zu allen Zeiten verstanden.
Befreier aus der Gefangenschaft
Beide, Mose und Jesus, haben eines gemeinsam: Beide sind Befreier aus der Gefang
enschaft. Mose hat die Israeliten aus der Knechtschaft Ägyptens geführt, in die
Freiheit von der Sklaverei. Dies wird im 2. Buch Mose beschrieben.
Jesus - sein Name heißt übrigens "Der Herr ist Rettung" - hat die Menschen aus d
er Sklaverei der Sünde befreit, errettet. Er hat selbst das Gesetz und alle sein
e Forderungen erfüllt, er lebte ganz und gar ohne Sünden - und er nahm die Sünde
n aller Menschen auf sich, starb an unser aller Stelle. Wegen der Sünde hätten w
ir den Tod verdient - er hat den Tod, den wir verdient haben, auf sich genommen.
Die Juden erwarteten zur Zeit Jesu, daß der von Mose angekündigte Prophet kommen
sollte, und sie fragten sich, ob Johannes der Täufer oder aber Jesus dies seien
. Johannes lehnte dies ab (Johannes 1,21) und wies stattdessen deutlich auf Jesu
s (Vv. 26ff). Philippus, einer der Apostel Jesu, identifiziert Jesus statt desse
n als "den Propheten" (Johannes 1,45). Später identifizieren die Juden Jesus als
"den Propheten, der in die Welt kommen soll", und Jesus weist diese Behauptung
nicht - wie vorher Johannes - zurück und verweist auch nicht auf einen anderen,
der nach ihm kommen würde (Johannes 6,14; vgl. 7,40).

Auch in der Apostelgeschichte 3,17-26 und 7,37 und


4 Mose 24,17 steht es explizit !!!

Warum galt Jesus als Prophet? Nun, es war nicht allein, weil er Wunder und Zeich
en tat, die ihn bestätigten, sondern er stand in völligem Einklang mit dem Wort
Gottes - ja, er ist das Wort Gottes (Johannes 1,1) -, und er erfüllte das Gesetz
, das Mose gebracht hatte.
Dies sind auch die beiden Punkte, aufgrund derer Christen glauben, daß Jesus der
von Mose verheißene Prophet ist:
1. Er steht in einer Linie mit dem Wort Gottes, das Mose gebracht hatte, ja, er
ist das Wort Gottes
2. Er hat das Gesetz des Mose erfüllt (Matthäus 5,17), hat seine Forderungen erf
üllt (Kolosser 2,14)
Wir glauben, daß dies die beiden Punkte sind, die Mose und Jesus verbinden, und
daß diese Punkte wichtiger sind als alle anderen vergleichbaren Merkmale, so daß
deswegen Jesus der Prophet wie Mose ist.
Das Wort Gottes wurde Fleisch
Johannes 1,1.14 berichtet davon, daß das Wort Gottes Fleisch wurde. Diese Aussag
e stellt die Mitte des christlichen Glaubens dar. Hier sehen wir auch die vollko
mmene Erfüllung aller Prophetie.
Prophetie bedeutet ja, im Auftrag Gottes, also für ihn, vor den Menschen zu spre
chen (das Wort bedeutet "für... sprechen"). Propheten bringen das Wort Gottes zu
den Menschen. Jesus aber brachte nicht nur das Wort Gottes zu den Menschen - er
selbst ist das Wort Gottes. Das Wort Gottes wurde in ihm Mensch, kam unter uns.
Es spricht uns durch Fleisch und Blut, durch einen lebendigen Menschen an, der
nicht nur Mittler ist, sondern das Wort Gottes selbst.
Darum sehen wir in Jesus die vollkommenste Erfüllung von 5. Mose 18,15.18, die m
an sich nur vorstellen kann. Nicht nur ein Prophet des Wortes Gottes kommt zu de
n Menschen, sondern das Wort Gottes kommt als Mensch zu uns.
Das Gesetz erfüllt
In Matthäus 5,17 wird berichtet, daß Jesus gekommen ist, das Gesetz des Mose zu
erfüllen. Mose brachte das Gesetz, Jesus erfüllte es. Der grie. Ausdruck für "er
füllen", pléróo, ist sehr vielschichtig. Hier meint er, Forderungen ganz und gar
zu erfüllen, zu begleichen, ein Maß völlig aufzufüllen. Es heißt: Alle Forderun
gen des Gesetzes hat Jesus beglichen und damit erfüllt (vgl. Kolosser 2,14). Es
geht nicht nur darum, daß Jesus das Gesetz einfach nur gehalten hat - nein, er h
at das Gesetz mit seinen Forderungen befriedigt.
Jesus hat das Gesetz nicht einfach beiseite gewischt oder zumindest Erleichterun
g geschafft. Er hat es nicht aufgelöst, unter den Teppich gekehrt, zur Seite ges
choben, sondern voll und ganz, ein für allemal erfüllt, alle Forderungen des Ges
etzes vollkommen befriedigt.
Mose hat mit dem Gesetz Forderungen an die Menschen aufgestellt, und kein Mensch
konnte alle diese Forderungen halten. Sie zeigten den Menschen, daß sie rettung
slos in die Sünde verstrickt sind. Jesus aber hat die Forderungen erfüllt.
Das Gesetz jedenfalls war die herausragende Botschaft Gottes, die Mose den Mensc
hen brachte. Sie war die Spitze seines prophetischen Amtes, der Höhepunkt. Und g
enau an diesem Höhepunkt knüpft Jesus an, indem er das Gesetz erfüllt. Auch hier
in liegt die Erfüllung von 5. Mose 18,15.18 durch Jesus.