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Jesus tatsächlich gelebt hat.

Er ist also nicht


Wer ist Jesus? bloß eine Erfindung der Christen, sondern
eine historische Persönlichkeit.

Ausführlich wird über Jesus im zweiten Teil


der Bibel, dem Neuen Testament berichtet.
Über Jesus ist viel Dort gibt es vier Bücher, die Evangelien, die
gesagt und geschrieben nur der Darstellung seines Lebens gewidmet
worden. Selbst heute, sind. Die Quellenlage ist also alles andere
fast zweitausend Jahre als dürftig. Das fällt nur meistens nicht so
nach seinem irdischen auf, weil alle vier Evangelien in einem Buch
Leben, beschäftigt er gesammelt sind. Aber sie sind von unter-
die Leute. Obwohl viele schiedlichen Menschen an unterschiedlichen
Menschen mit der Kir- Orten und zu unterschiedlichen Zeiten
che nichts mehr anfan- geschrieben worden. Wir haben also vier
gen können, gibt es fast verschiedene Berichte verschiedener Augen-
jedes Jahr neue Jesusbücher, die zu Best- und Ohrenzeugen über dieselben Begeben-
sellern werden. In ihnen kann man dann die heiten. Das ist ein ungewöhnlicher Glücksfall
„wirkliche Wahrheit” über Jesus erfahren. Bei in der Antike. Es gibt kaum Ereignisse, über
den einen war er nur ein religiös interessier- die es ähnlich viele Quellen gibt. Von Sokra-
ter Zimmermann, der das Pech hatte, den tes wissen wir nur durch Platon und Xeno-
Römern in die Finger zu fallen. Andere dage- phon, über den Brand Roms nur von Tacitus
gen sehen in Jesus einen Revolutionär, der und Sueton. Eines der umwälzendsten
den Aufstand gegen Rom predigte. Wieder Ereignisse im Palästina des ersten Jahrhun-
andere machen aus ihm einen der ersten derts, der Aufstand gegen Rom, wird sogar
Kritiker der katholischen Kirche. So gibt es nur von einer Quelle ausführlich behandelt,
viele verschiedene Jesusse: Einen Jesus der dem „Jüdischen Krieg” des schon erwähnten
Armen und einen der Reichen, einen jüdi- Generals Josephus.
schen Jesus und einen psychologischen
Jesus, nicht zu vergessen die „Verschluss- Auf dem Hintergrund der Antike betrachtet,
sache Jesus”. Nicht einmal über den Wohn- sind vier Berichte über dieselben Ereignisse
ort ist man sich einig: Kam er aus also ungewöhnlich viel. Vor allem, wenn man
Bethlehem, Nazareth, Damaskus oder Qum- bedenkt, dass Jesus ja alles andere als ein
ran? Das vorläufig letzte, was es in dieser berühmter Herrscher in einer wichtigen Stadt
Richtung zu lesen gab, lautete einfach: war. Er hatte keine Hofschreiber, die den
„Jesus von Nazareth, verheiratet, geschie- ganzen Tag nichts Besseres zu tun hatten,
den, zeugte zwei Kinder und lebte in Qumran als den Ruhm ihres Königs für die Nachwelt
bis ins hohe Alter”. aufzuzeichnen.

Bei so vielen verschiedenen Antworten bleibt Was für ein Glücksfall die Evangelien sind,
die Frage natürlich nicht aus: Wer war Jesus zeigt erst recht ein Blick auf die Überliefe-
wirklich? Wo finde ich den historischen, den rungsgeschichte. Eines der bekanntesten
tatsächlichen Jesus? Um diese Frage beant- antiken Bücher ist wahrscheinlich der „Galli-
worten zu können, müssen wir uns zuerst sche Krieg” von Julius Cäsar. Viele Schüler-
einmal die Quellen ansehen. Woher wissen generationen haben das Werk wenigstens
wir überhaupt von Jesus? Es wird ja manch- ausschnittweise in Latein durchkauen müs-
mal gesagt, eigentlich wüssten wir gar nichts sen. Von diesem Buch, das, wie man
von Jesus. Das ist so nicht richtig. Es gibt annimmt, von Julius Cäsar selbst um 60 bis
einige Quellen, aus denen man etwas über 50 vor Christus geschrieben worden ist, exis-
Jesus erfahren kann. Josephus, ein jüdi- tieren nur noch neun oder zehn Abschriften.
scher Historiker und General schreibt über Die älteste uns bekannte stammt aus der
ihn. Die römischen Geschichtsschreiber Zeit um 900 nach Christus. Sie ist also
Tacitus, Sueton und Thallus erwähnen ihn knapp 1.000 Jahre nach dem ursprünglichen
genauso wie die jüdische Überlieferung im Werk entstanden. Trotzdem zweifelt heute
Talmud. Man kann also sicher sagen, dass

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kein Lateinlehrer daran, dass er seine Schü- stellt schnell fest, dass er es hier nicht mit
ler mit einem Buch Cäsars quält. Denn die der üblichen Sorte von Biographien zu tun
Überlieferung des „Gallischen Krieges” ist hat. Die Kindheit von Jesus nimmt zum Bei-
nichts Außergewöhnliches. Von den meisten spiel nur einen ganz geringen Raum ein.
antiken Büchern existieren nur noch wenige Sein beruflicher Werdegang wird fast gar
Exemplare. Viele Werke sind gar nicht erhal- nicht erwähnt. Breit werden dagegen Jesus’
ten, man weiß von ihnen nur noch durch letzte Tage und sein Tod erzählt. Den
Zitate in anderen Büchern. Schreibern der Evangelien war es vor allem
wichtig, über das Wirken von Jesus zu
Werfen wir nun einen Blick auf die Überliefe- berichten. Was hat er getan? Wie begegnete
rung des Neuen Testaments, also der Schrif- er den verschiedensten Menschen? Was hat
tensammlung, zu der auch die Evangelien er gelehrt? So kommt man letztlich auf
gehören. Diese Bücher sind im ersten Jahr- unsere Eingangsfrage, auf welche die Evan-
hundert nach Christus verfasst worden. Das gelienschreiber eine Antwort geben wollten:
älteste Fragment, ein Ausschnitt aus dem Wer ist Jesus?
Johannesevangelium, datiert man ungefähr
auf das Jahr 125 nach Christus. Seit neue- Die Antwort fällt zunächst ziemlich banal
stem wird allerdings vermutet, dass ein aus: ein Mensch. Es gab in letzter Zeit einige
Schnipsel des Markusevangeliums noch Bücher, die genau das behauptet haben.
älter ist. Es soll bereits aus den sechziger Ihre Autoren glaubten, damit etwas ganz
Jahren des ersten Jahrhunderts stammen. Neues zu bringen. Aber es steht schon in
Man ist sich dabei jedoch nicht ganz sicher, der Bibel. Jesus war ein Mensch. Er wurde in
ob es sich dabei tatsächlich um einen Fetzen Bethlehem geboren, wuchs in Nazareth auf
des Markusevangeliums handelt. Die älteste und wurde Tischler wie sein Vater. Er hatte
vollständige Ausgabe des Neuen Testa- einen ganz normalen menschlichen Körper,
ments, die wir besitzen, der so genannte er wurde müde (Johannesevangelium 4, 6)
Codex Sinaiticus, stammt aus dem 4. Jahr- und hungrig (Matthäusevangelium 4, 2). Er
hundert. Er wurde also nur ungefähr 350 erlebte menschliche Gefühle wie Ärger
Jahre nach den ursprünglichen Schriften (Markusevangelium 11, 17-19), Liebe (Mark-
erstellt. Wie gut das Neue Testament über- usevangelium 10, 21) und Trauer (Johanne-
liefert wurde, macht allein die Zahl der vor- sevangelium 11, 32-36); er machte mensch-
handenen Abschriften deutlich. Während von liche Erfahrungen. All das war ihm nicht
Cäsars „Gallischem Krieg” eben nur noch fremd. Aber es macht ihn noch nicht zu
neun oder zehn Exemplare vorhanden sind, etwas Besonderem.
gibt es vom Neuen Testament über 5.000
griechische Handschriften, also Abschriften Das Außergewöhnliche an Jesus war seine
in der Originalsprache. Daneben existieren Behauptung, mehr zu sein als ein ganz nor-
ungefähr 10.000 alte Übersetzungen ins maler Mensch. Er sagte, in ihm sei Gott in
Lateinische und fast 10.000 in anderen Spra- einer einzigartigen Weise gegenwärtig. Man
chen. Es gibt keine andere Schrift der hört ab und zu, Jesus sei nicht mehr als ein
Antike, die so gut überliefert ist, wie das ungewöhnlicher, moralischer Lehrer gewe-
Neue Testament. Die große Anzahl der sen. Er habe niemals behauptet, Gott zu
Handschriften macht es auch relativ einfach, sein. Erst die Kirche habe ihn dazu gemacht.
den ursprünglichen Wortlaut des Neuen Das ist nicht wahr. Zumindest einmal hat er
Testaments zu rekonstruieren. Diese Unter- offen gesagt, dass er Gott ist. Das war vor
suchungen kamen zu dem Schluss, dass der dem obersten jüdischen Gerichtshof bei sei-
heutige Text bis auf kleinere Abweichungen - nem Verhör. Die Richter verurteilten ihn
zum Beispiel durch Abschreibfehler - dem daraufhin wegen Gotteslästerung zum Tode
ursprünglichen, dem so genannten „Urtext” und ließen ihn hinrichten.
entspricht. Die Evangelien sind also sorgfäl-
tig abgeschriebene, sehr gut überlieferte Wenn man also fragt, was Jesus über sich
Dokumente, die von Jesus berichten. selbst gesagt hat, muss man die Zeitum-
Kommen wir nun zum Inhalt dieser Berichte stände berücksichtigen. Heute droht nieman-
über Jesus. Wer die Evangelien aufschlägt, dem eine Gefahr, wenn er sich auf den

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Marktplatz stellt und den Leuten erzählt, er Sein Leben wäre wahrscheinlich an diesem
wäre Gott. Vielleicht sind dann seine Tag zu Ende gewesen.
Freunde etwas peinlich berührt und irgendei-
ner ruft den Krankenwagen. Aber keiner von Wir müssen also nach indirekten Hinweisen
denen, die vorbeikommen, würden ihn des- suchen. Und davon gibt es eine ganze Men-
wegen umbringen wollen. Das war im Paläs- ge. Zum Beispiel war die Lehre Jesu ganz
tina des ersten Jahrhunderts anders. Das auf ihn selbst konzentriert. Er sagte Sätze
Volk Israel wusste aus seiner Heiligen wie. „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das
Schrift, dem Alten Testament, dass es nur Leben. Niemand kommt zum Vater”, also zu
einen Gott gibt. Von diesem Gott durfte es Gott, „als durch mich” (Johannesevan-
sich kein Bild machen, wie es im zweiten gelium 14, 6). Das ist schon eine steile The-
Gebot heißt. Alle anderen antiken Völker se. Das heißt nichts anderes, als dass die
verehrten ihre Götter in Statuen, sie machten Gottesbeziehung eines jeden Menschen nur
sich Bilder, die wie Menschen oder Tiere von dieser einen Sache abhängt: Wie er
aussahen. Aber die Juden hielten streng oder sie zu Jesus steht. Wer mit Jesus
daran fest, dass Gott transzendent, also jen- nichts anfangen kann, kann tun und lassen,
seitig ist. Während andere Völker glaubten, was er will; er wird nicht zu Gott kommen.
es gäbe mehrere Götter, glaubten die Israel- Umgekehrt gilt aber: Wer ein Freund oder
iten nur an einen Gott. Ihrer Meinung nach eine Freundin von Jesus ist, der oder die
gibt es also nicht einen Gott des Krieges, wird zu Gott kommen, egal was auch passie-
eine Göttin der Liebe und dann noch ein ren mag.
paar, die für die Ernte zuständig sind. Nein.
Es gibt nur einen Gott, der Himmel und Erde Aber es kommt noch dicker: Er sagte auch:
geschaffen hat. Diesen einen jenseitigen „Wer mich gesehen hat, der hat den Vater
Gott betete Israel an. Wer dagegen verstieß, gesehen” (Johannesevangelium 14, 9). Nach
der musste hingerichtet werden. Diese Meinung von Jesus ist es also möglich, sich
Gesetze wurden sehr streng gehandhabt. ein Bild von Gott zu machen. Wer wissen
Einmal wäre es fast zu einem Volksaufstand will, wie Gott aussieht, muss nur einen Blick
gekommen, weil die römischen Besatzungs- auf Jesus werfen. Neben Aussagen wie die-
truppen es gewagt hatten, ihre Feldzeichen sen beanspruchte Jesus göttliche Vollmach-
mit nach Jerusalem zu bringen. Auf diesen ten für sich. So zitierte er in der Bergpredigt
Standarten waren römische Götter abgebil- das Gesetz Gottes aus dem Alten Testa-
det. Mehrere tausend Juden stellten sich ment. Er leitet es ein mit den Worten: „Ihr
daraufhin den Römern in den Weg und woll- habt gehört, dass zu den Alten gesagt
ten lieber sterben, als die Entweihung ihrer wurde…”. Dann geht er weiter und sagt: „Ich
heiligen Stadt hinzunehmen. aber sage euch…”. Uns ist vielleicht gar
nicht so bewusst, was er da tat. Er wagte es,
Das ist das Klima, in dem Jesus lebte. Er das Gesetz Gottes zu verändern. Die Leute
stand wie die anderen Juden auch auf dem damals merkten das genau. So heißt es am
Boden des Alten Testaments. Angenommen, Ende der Bergpredigt: „Das Volk entsetzte
er hätte von sich gedacht, dass er Gott wäre, sich über seine Lehre” (Matthäusevan-
der Gott, an den sein Volk seit langer Zeit gelium 7, 28).
glaubte. Was hätte er dann tun können?
Wenn er es gleich jedem erzählt hätte, wäre Aber es gibt noch weitere indirekte Hinweise
er in ganz große Schwierigkeiten geraten, darauf, dass Jesus beanspruchte, Gott zu
ehe es auch nur hundert Menschen erfahren sein. Ein ganz wichtiger ist die Tatsache,
hätten. Er musste anders vorgehen. Wenn dass er den Menschen ihre Schuld vergab.
wir also wissen wollen, ob Jesus sich für Wir haben uns schon viel zu sehr an die
Gott hielt oder nicht, dürfen wir nicht die Sündenvergebung gewöhnt; deshalb sehen
Evangelien durchblättern und nach der Stelle wir darin nichts Besonderes. In jeder Kirche
suchen, wo Jesus in den Tempel geht und vergibt der Pfarrer oder Priester den Leuten
ruft: „He Leute, hört mal zu: Ich bin Gott, der ihre Schuld. Weswegen sollte ich also glau-
Gott, den ihr die ganze Zeit angebetet habt!” ben, dass mein Pfarrer Gott ist? Hierin steckt
ein kleiner Denkfehler. Der Pfarrer vergibt

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die Sünden nicht von sich aus. Er beruft sich Menschheit. Jesus war sicher ein guter
dabei auf Jesus. Weil Jesus den Menschen Mensch, an dem sich viele ein Beispiel neh-
ihre Schuld vergab, deshalb können nun men könnten. Doch damit macht man es
auch andere im Namen von Jesus den Men- sich zu leicht. Der englische Philologe und
schen ihre Schuld vergeben. Aber von sich Philosoph C. S. Lewis schrieb über dieses
aus kann kein Mensch Sünden vergeben. Problem: Ein Mensch, der nur ein Mensch ist
Warum das nicht geht, macht ein Beispiel und ähnliche Dinge wie Jesus sagt, wäre
deutlich. Stell dir vor, du sparst lange Geld kein großer moralischer Lehrer. Er wäre ent-
zusammen und kaufst dir ein ganz tolles weder ein Wahnsinniger oder der Teufel
Fahrrad davon. So ein edles mit 21 Gängen selbst. Du musst dich entscheiden: Entweder
und ordentlichen Bremsen und einem Alu- war und ist dieser Mann der Sohn Gottes
rahmen. Dann kommt ein Freund von dir und oder ein Verrückter oder gar noch Schlimme-
will es sich ausleihen. Du überlegst erst hin res… Aber lasst uns aufhören mit dem
und her, weil du wirklich sehr daran hängst, Unsinn, er sei ein großartiger menschlicher
gibst es ihm aber schließlich doch. Am Lehrer gewesen. Diese Möglichkeit hat er
nächsten Tag kommt dein Freund wieder uns nicht offen gelassen. Er wollte es nicht.
und beichtet dir ganz zerknirscht, dass dein
Fahrrad weg ist. Er war damit kurz beim Aldi Jesus war also entweder größenwahnsinnig
und hat vergessen, es abzuschließen. Na, oder er hatte recht. Das sind die beiden
und wie er wieder herauskam, war es weg. Möglichkeiten. Wer seine Selbstdarstellun-
Wahrscheinlich wirst du ihm eine Szene gen ansieht, merkt, dass man das „göttliche”
machen, weil er doch wirklich ein bisschen nicht einfach herausschneiden kann. Doch
sorgsamer mit deinen Sachen umgehen wie können wir herausfinden, ob Jesus mehr
könnte. Schließlich hast du ja auch nicht das war als nur ein Mensch? Es gibt verschie-
Geld, um dir jeden Tag ein neues Fahrrad zu dene Hinweise darauf, und ich werde sie im
kaufen. In diesem Augenblick komme ich einzelnen aufzählen:
zufällig vorbei und sehe dich wütend, und
deinen Freund verschüchtert vor dir stehen. 1. Seine Lehre
Ich gehe kurz zu euch rüber und sage dann
zu deinem Freund: „Deine Schuld ist dir ver- Als erstes ist seine Lehre zu nennen. Selbst
geben!” In diesem Augenblick würdest du von Menschen, die sich nicht als Christen
mich wahrscheinlich angucken und fragen: bezeichnen, wird die Lehre von Jesus als
„Was mischst du dich denn hier ein? Du außergewöhnlich angesehen. Mahatma
kannst die Schuld gar nicht vergeben. Es Gandhi studierte immer wieder die Bergpre-
war nämlich mein Fahrrad und nicht deins. digt, von der er viel für sein Programm der
Wenn hier einer die Schuld vergeben kann, Gewaltlosigkeit übernahm, obwohl er kein
dann ich!” So ist es auch mit Jesus. Wenn Christ war. Die Grundlagen der abendländi-
einer gegen Gottes Gebote verstoßen hat, schen Ethik und Moral beruhen auf der
dann kann ihm keiner die Schuld vergeben Lehre von Jesus. Sie wurde nicht immer
als Gott allein. Alle anderen können nur konsequent durchgeführt. Aber was für ein
fromm klingende Sprüche machen. Aber revolutionärer Gedanke allein in der Feindes-
kein Mensch kann hingehen und sagen, liebe steckt, merkt erst derjenige, der in Kul-
dass ihm die Schuld vergeben ist. Nur Gott turen kommt, die die Feindesliebe nicht ken-
kann das. Wenn Jesus also nicht Gott ist, nen. Kann ein wahnsinniger oder bösartiger
dann ist nicht nur seine Vergebung leeres Mensch so lehren?
Gerede, sondern auch die in unseren Kir-
chen. 2. Seine Taten

Die große Frage ist nun: Hatte Jesus recht? Ein weiterer Hinweis dafür, dass Jesus Gott
Ist er wirklich Gott? Viele Menschen meinen, ist, sind seine Taten. Das Leben mit ihm war
sie könnten sich um die Antwort herummo- nicht langweilig. Auf einer Hochzeit verwan-
geln. Jesus ist da irgendein bedeutender delte er 600 Liter Wasser in Wein
Religionsstifter, irgendein wichtiger morali- (Johannes 2, 1-12). Auf einer Wiese gab er
scher Lehrer, irgendein großes Vorbild der über 5.000 Menschen zu essen, obwohl er

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nur fünf Brote und zwei Fische hatte Alten Testaments erfüllte. Diese Prophetien
(Markus 6, 30-44). Er stillte einen Sturm, als stammen aus einem Zeitraum von über fünf-
seine Freunde in einem Boot in Gefahr hundert Jahren. Zur Zeit von Jesus waren
waren (Matthäus 8, 23-27). Er lief auf dem sie teilweise schon tausend Jahre alt. Jesus
Wasser (Markus 6, 45-57). Jesus tat unzäh- erfüllte also das Bild, das die Autoren des
lig viel für leidende Menschen: Er öffnete Alten Testaments vom Messias, dem
Blinden die Augen, er heilte Gelähmte, ja er Gesandten Gottes gezeichnet hatten. Nun
holte sogar Tote wieder ins Leben zurück. All könnte man einwenden, viele Prophetien
diese Wunder tat er nicht, weil er sich selbst hätte auch ein geschickter Betrüger erfüllen
zur Schau stellen wollte. Im Gegenteil! Er können. Das Alte Testament war zu dieser
verbot den Menschen oft, von den Wundern Zeit ja schon vorhanden. Aber inte-
zu erzählen. Er tat alles aus Liebe zu denen, ressanterweise erfüllte Jesus auch solche
die litten. Seine Liebe zeigte er besonders Verheißungen, auf die er keinen Einfluss
den Menschen, die zu den Außenseitern der hatte. Solche sind zum Beispiel der Ort sei-
Gesellschaft gehörten: zu Leprakranken, die ner Geburt (Micha 5, 2) und die Art und
als unrein galten, und Prostituierten. Dabei Weise seines Todes. So heißt es im Psalm
sind die Wunder alles andere als nur nette 22, der um 1.000 vor Christus geschrieben
Geschichtchen, denn interessanterweise wurde: „Sie haben meine Hände und Füße
wird auch im Talmud, einer jüdischen Quelle, durchbohrt”. Genau das geschieht bei der
die ihre Ursprünge in der Zeit von Jesus hat, Kreuzigung, einer Hinrichtungsart, die erst
bestätigt, dass Jesus Wunder tat. Der Tal- durch die Römer kurz vor der Zeitenwende in
mud ist an dieser Stelle ganz unverfänglich. Israel eingeführt wurde.
Es heißt dort nämlich, Jesus habe mit der
Kraft des Teufels solche Taten tun können. 5. Seine Auferstehung
Aber wie könnte ein bösartiger, teuflischer
Mensch so lieben, wie Jesus liebte? Aus Das überwältigendste Argument stellt jedoch
welcher Kraft sollte ein Verrückter solche die Auferstehung von Jesus dar. Im Neuen
Taten tun, wie Jesus sie tat? Testament wird berichtet, dass Jesus den
Tod überwunden hat. Hiernach ist Jesus
3. Sein Charakter nicht einfach nur wiederbelebt worden, um
dann später doch zu sterben. Nein, es ist
Jesus’ Charakter wurde eben schon ange- etwas vollkommen Neues passiert. Nach sei-
sprochen, aber wir sollten noch einmal näher ner Auferstehung bekam Jesus ewiges
darauf eingehen. Als er vor dem obersten Leben; Leben, das nie aufhört. Wenn das
Gerichtshof Palästinas angeklagt werden tatsächlich wahr ist, wenn Jesus, wie die
sollte, konnte man kein Verbrechen finden, Bibel sagt, am übernächsten Tag nach sei-
das er begangen haben sollte. Niemand ner Beerdigung das Grab verließ, dann
konnte ihm etwas Böses nachweisen. Jesus haben wir es mit mehr als nur einem Men-
war ein Mann, dessen Feinde nichts an ihm schen zu tun. Das heißt dann nichts
finden konnten, ein Mann, dessen Freunde anderes, als dass sich Gott zu ihm gestellt
glaubten, dass er ohne Sünde sei. Und hat, dass Gott das Reden und Handeln von
Jesus war vollkommen ehrlich, er bekämpfte Jesus bestätigt hat. Doch wie können wir
die Lüge, wo er nur konnte. So geriet er mit herausfinden, ob Jesus tatsächlich tot war
den Mächtigen seiner Zeit, die sich selbst und dann lebendig wurde? Das erste Prob-
eine religiöse Aura verschafft hatten, in Kon- lem, das sich uns stellt, ist kein historisches,
flikt. Wie kann ein Mann, dem man nichts sondern ein philosophisches. Es ist ein Prob-
Böses nachweisen konnte, die Menschen lem unseres Vorverständnisses. Wie lese ich
über seine Person so in die Irre führen? überhaupt einen Wunderbericht? Einige
Menschen glauben ja, dass Wunder prinzipi-
4. Seine Erfüllung der alttestamentlichen ell unmöglich sind. Sie haben noch nie eins
Prophetie erlebt, und alle Leute, die sie kennen, auch
nicht. Also warum sollte es Wunder geben?
Ein weiteres interessantes Phänomen ist, Manch einer meint dann sogar, er könne das
dass Jesus über dreihundert Prophetien des naturwissenschaftlich begründen. Doch das

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ist ein Irrtum. Die Naturwissenschaft kann, der vorgestern noch auf dem Münchner Zen-
wenn sie ehrlich ist, gar keine Aussagen tralfriedhof gelegen habe, sei nun auferstan-
über Wunder machen. Sie beschäftigt sich den, brauchte man nur eine Viertelstunde zu
nur mit den Regelmäßigkeiten in der Natur, laufen, um zu merken, ob der Mann recht hat
aber nicht mit den Ausnahmen. So kann oder nicht. Und wenn nicht, dann kann man
man zwar wissenschaftlich sagen, dass Tote zu ihm hingehen und ihn zu einem Spazier-
normalerweise tot bleiben, aber eine gang über den Friedhof einladen. So war das
Behauptung wie: „Es ist ganz und gar auch in Jerusalem. Das Grab war leer.
unmöglich, dass ein Toter wieder aufersteht!” Selbst die Gegner der ersten Christen muss-
ist jedoch streng genommen unwissenschaft- ten das zugeben. Sie konnten keinen toten
lich. Um so einen Satz aufzustellen, muss Jesus vorzeigen, sondern behaupteten, die
man nicht nur die Regelmäßigkeiten in der Freunde von Jesus hätten den Leichnam
Natur untersuchen, sondern auch alle Aus- gestohlen. Interessanterweise tauchte
nahmen. Erst wenn ein Mensch alle Toten damals eine Theorie noch nicht auf, die
beobachtet hat, kann er sagen, dass sie heute in manchen Büchern breiten Raum
nicht wieder lebendig wurden. Und selbst einnimmt. Es ist der Gedanke, Jesus sei nur
dann kann er es für die Zukunft nicht aus- scheintot gewesen und habe sich dann
schließen. Die Frage, ob ich Wunder für selbst befreit. Diese Idee ist erst wenige hun-
möglich halte oder nicht, ist also keine wis- dert Jahre alt. Warum sie früher niemandem
senschaftlich zu klärende Frage, sondern einfiel, wird klar, wenn man sich die
eine Frage meines Vorurteils. Bin ich bereit, Umstände des Todes von Jesus näher
mich so vorurteilslos wie möglich mit den ansieht. Solange man wusste, was bei einer
Wunderberichten auseinanderzusetzen? Kreuzigung passiert, war jede Scheintod-Ge-
Das heißt nicht, dass ich bereit sein muss, schichte unglaubhaft. Wir werden uns noch
jedes Wunder sofort zu glauben. Wenn es näher mit den Einzelheiten der Kreuzigung
zum Beispiel in der Bibel nichts Außerge- beschäftigen. Doch soviel vorweg: Wer eine
wöhnliches wäre, dass Menschen Wunder Kreuzigung kennt, weiß, dass es unmöglich
tun, so wäre Skepsis angebracht. Aber die ist, sie zu überleben. Der jüdische Schrifts-
Bibel ist kein Relikt aus einer wundergläubi- teller Josephus, der kurz nach Jesus lebte,
gen Antike. In den Evangelien wird immer berichtet von Menschen, die gekreuzigt und
wieder berichtet, wie die Menschen bei dann nach relativ kurzer Zeit begnadigt und
jedem Wunder von Jesus neu ins Staunen abgenommen wurden. Sie sind trotzdem
gerieten. Die Auferstehung wurde zuerst gestorben. Die römischen Hinrichtungskom-
nicht einmal von Jesus’ engsten Freunden mandos, spezielle Truppen, die nur Kreuzi-
geglaubt. Die Bibel berichtet also nicht von gungen ausführten, waren Profis. Die Solda-
einer Zeit, in der Totenauferstehungen an ten hafteten dabei mit ihrem eigenen Leben
der Tagesordnung waren, sondern von dafür, dass die Verurteilten wirklich starben.
einem einmaligen Ereignis, so wunderbar, Und weil sie jeden Tag nichts anderes taten,
dass selbst die Menschen, die schon andere als durch die Lande zu ziehen und Verur-
Wunder erlebt hatten, es nicht glauben konn- teilte hinzurichten, wussten sie auch, wie es
ten. In diesem Ereignis hat sich Gott zu aussieht, wenn ein Mensch stirbt. Die Kreuzi-
Jesus bekannt. Doch was gibt es für histori- gung war zur Zeit von Jesus keine neue Hin-
sche Hinweise darauf, dass Jesus tatsäch- richtungsart. Sie war schon einige hundert
lich von den Toten auferstanden ist? Jahre alt. In dieser Zeit war sie immer wie-
der „verbessert” worden. Das Kreuz war eine
a) Das leere Grab nahezu perfekte Folter. Es garantierte
höchste Qualen bei langem Todeskampf.
Jesus’ Grab war zwei Tage nach seiner Die Hingerichteten starben oft an
Beerdigung leer. Daran kann es kaum einen Herzinfarkt, so sehr mussten sie sich
Zweifel geben. Es gibt keine Quelle des ers- anstrengen. Wenn man sich Jesus’ Leidens-
ten Jahrhunderts, in der davon berichtet weg ansieht, wird die ganze Scheintod-Theo-
wird, dass Jesus noch im Grab gelegen rie mehr als fraglich. Jesus war eine Nacht
habe. Das ist ja auch nur schwer vorstellbar. lang verhört worden. Soldaten schlugen ihn
Wenn heute jemand käme und sagte, einer, mit Knüppeln. Dann wurde er mit einer Peit-

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sche, in die Knochenstückchen eingeflochten Fischer eine Wache austricksen sollten. Das
waren, ausgepeitscht. Diese Auspeitschung ganze ist schon psychologisch ein Problem.
war so schrecklich, dass einige Verurteilte Die Freunde von Jesus waren so
sie nicht überlebten. Die anderen waren verängstigt, dass sie sich eingeschlossen
nachher vollkommen geschwächt. So war hatten. Wenn Jesus wegen Aufruhr hinge-
auch Jesus nicht mehr in der Lage, den richtet worden war, dann hatten sie ähnli-
Querbalken des Kreuzes selbst zur Hinrich- ches zu befürchten. Zudem ist es schwierig,
tungsstätte zu tragen. Er brach unterwegs sich vorzustellen, wie aus diesen Betrügern
zusammen. Die römischen Soldaten nagel- mutige Menschen geworden sein sollen.
ten ihn dann an das Kreuz, an dem er sechs Immerhin wurden die Freunde von Jesus
Stunden lang hing. Als er gestorben war, wegen ihrer Botschaft von der Auferstehung
stieß man ihm einen Speer in die Herzge- verfolgt. Einige wurden sogar hingerichtet,
gend, um zu sehen, ob er tatsächlich tot war. zum Beispiel Petrus. Wenn alles auf einem
Dann nahm man in ab. Jesus wurde mit Betrug beruhte, dann hätte es doch wenigs-
ungefähr hundert Pfund verschiedenster, tens einen gegeben, der unter Folter gestan-
wohlriechender Salben und Gewürze in Bin- den hätte. Es gab aber keinen. Die Grabräu-
den eingewickelt. Man brachte ihn in ein ber-Theorie steht also auch auf schwachen
Grab, das mit einem runden Stein verschlos- Füßen. Die wahrscheinlichste Erklärung für
sen wurde. Dieser Stein konnte nur von das leere Grab ist die Auferstehung von
mehreren Männern zur Seite gerollt werden, Jesus.
und das Allerdings nur von außen. Von innen
hatte man keine Chance. Der Stein lag vor b) Die Erscheinungen von Jesus
der Öffnung in einer Rinne, und innen war
kein Griff. Aber das leere Grab alleine führte noch kei-
nem zum Glauben an die Auferstehung. Im
Und nun stelle man sich den scheintoten Johannesevangelium lesen wir, dass die
Jesus vor: Seit Tagen nichts mehr Frauen, die als erste zum Grab kamen und
gegessen, misshandelt, ausgepeitscht, sahen, dass es leer war, nach dem Gärtner
gekreuzigt und in die Seite gestoßen. Dieser suchten. Sie dachten, er hätte den Leichnam
Jesus erwacht in der Kühle des Grabes, umgebettet. Das leere Grab ist also noch
schafft es, sich von den Binden zu befreien, kein ausreichender Hinweis auf die Auferste-
in die er eingewickelt wurde wie ein Mumie, hung. Aber es kommen noch weitere Hin-
dann geht er zur Öffnung, schiebt mit über- weise hinzu. Um das Jahr 50 nach Christus,
menschlicher Kraft den Stein zur Seite, also rund zwanzig Jahre nach den Ereignis-
wobei er sich erst etwas einfallen ließ, wie er sen, die uns gerade beschäftigen, schrieb
den glatten Stein überhaupt greifen könnte. Paulus, ein christlicher Missionar, einen Brief
Dann verschnauft er kurz und geht zu seinen an die Gemeinde in der griechischen Stadt
Freunden, um sich ihnen als der auferstan- Korinth. Dort waren Zweifel daran aufgekom-
dene Herr zu präsentieren. Die Scheintot- men, ob Jesus nun tatsächlich auferstanden
These nimmt also ein Wunder an, was noch sei oder nicht. Einige meinten, man solle die
größer aussieht als die Auferstehung selbst. Berichte von der Auferstehung nicht allzu
wörtlich nehmen. Auferstehung sei doch kein
Es bleibt also nur noch die Theorie, Jesus’ historisches Ereignis, sondern eher das Bild
Leichnam sei von seinen Freunden gestoh- dafür, was mit einem Menschen passiere,
len worden. Hiergegen spricht, dass im wenn er Christ wird. Paulus, der die
Neuen Testament eine Wache vor dem Grab Gemeinde gegründet hatte, antwortet darauf
erwähnt wird. Jesus hatte seine Auferste- in besagtem Brief. Er macht das auf zweier-
hung zu Lebzeiten bereits angekündigt. Die lei Weise: Zum einen betont er, dass es
Behörden vermuteten daher, es könnte zu unsinnig ist zu glauben, Gott hätte die Kraft,
Merkwürdigkeiten am Grab kommen. Also Menschenleben zu verändern, wenn er nicht
stellten sie eine Wache vor das Grab, das die Kraft hat, Jesus von den Toten aufzuer-
sie zudem mit einem Siegel verschlossen. wecken. Soweit das theologische Argument.
Aber lassen wir einmal die Überlegungen Aber das interessiert uns hier nicht so sehr.
außer acht, wie wahrscheinlich unbewaffnete In unserem Zusammenhang ist wichtig, dass

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Paulus auch ein historisches Argument half Paulus bei den Hinrichtungen seiner
anführt. Auf die Zweifel der Korinther antwor- Anhänger mit. Er ließ sich sogar Empfeh-
tet er, indem er eine Zeugenliste präsentiert. lungsschreiben ausstellen, damit er die
Jesus ist auferstanden. Folgende Menschen Christen auch außerhalb von Palästina ver-
haben ihn gesehen und können es folgen konnte. Kurze Zeit später hatte er
bezeugen: Petrus, die anderen von Jesus’ eine Erscheinung. Er sieht Jesus, den Jesus,
engsten Freunden, sein Bruder Jakobus und den er verfolgt. Und Paulus wird Christ. Als
zuletzt auch Paulus selbst. Und dann er den Brief an die Korinther schrieb, war
schreibt er, Jesus sei 500 Menschen auf ein- seine jüdische Karriere längst zu Ende. Er
mal erschienen, und von diesen 500 Men- verdiente sich seinen Lebensunterhalt als
schen seien viele noch am Leben. Paulus einfacher Zeltmacher. Er zog durch die
fordert die Korinther also auf, selbst Nachfor- Lande und predigte von Jesus. Und wo er
schungen anzustellen. Sie können jederzeit hinkam, regte sich auch Widerstand. In dem-
einen dieser Genannten fragen und der wird selben Brief, wo er auch von der Auferste-
es ihnen bestätigen: Jesus ist wirklich aufer- hung spricht, erwähnt er auch ein wenig von
standen. dem Hass und der Ablehnung, die ihm ent-
gegenschlug: Zum Beispiel wurde Paulus
Mit den Augen eines Historikers betrachtet, einmal so gesteinigt, dass alle dachten, er
haben wir es hier mit einem der stärksten sei tot. Mehrmals wurde er ausgepeitscht. Er
Hinweise zu tun, die es gibt. Es hat tatsäch- hat einige Gefängnisse von innen gesehen.
lich über 500 Menschen gegeben, die Jesus Und rund zehn bis zwanzig Jahre nach dem
gesehen haben. Und so etwas kann man Brief würde er in Rom wegen seines Glau-
nicht einfach mit einer Halluzination abtun. bens hingerichtet werden.
Wie sollten denn so viele Menschen, teil-
weise zu unterschiedlichen Zeiten und an Das sind nur einige Beispiele der radikalen
unterschiedlichen Orten, dieselbe Halluzina- Veränderung, die Menschen damals erlebt
tion haben? haben. Meiner Meinung nach kann man das
nicht anders erklären, als damit, dass Jesus
Interessant wird es vor allem dann, wenn tatsächlich von den Toten auferstanden ist.
man sich diese Menschen einmal genauer
anschaut. Wir wollen uns zwei c) Die Art der Berichte
herausgreifen. Da ist Jakobus, ein jüngerer
Bruder von Jesus. Von ihm kann man in den Neben diesen Zeugen sprechen auch die
Evangelien immer wieder lesen, dass er sei- Zeugnisse selbst dafür, dass Jesus von den
nen Bruder für etwas seltsam hielt. Einmal, Toten auferstanden ist. Man hört immer wie-
als Jesus gerade predigte, rückte Jakobus der einmal, dass sich die Evangelien bei den
mit seinen Brüdern an. Sie wollten Jesus Auferstehungsberichten widersprechen und
nach Hause holen, weil sie dachten, er deshalb unglaubwürdig seien. Das stimmt so
würde der Familienehre Abbruch tun. Und nicht. Erstens sind die Widersprüche gar
jetzt, nach Jesus’ Auferstehung, ist Jakobus nicht so groß, wie mache behaupten. Zwei-
ein überzeugter Anhänger. Er ist so von tens sprechen die Abweichungen eher für
Jesus überzeugt, dass er dafür sogar in den die Glaubwürdigkeit der Zeugnisse, als
Tod geht. Weil er Christ ist, wird er später gegen sie. An einem Beispiel kann man das
von demselben Gericht wie sein Bruder leicht erklären: Wenn dir vier deiner Freunde
Jesus verurteilt und hingerichtet. bis in den Wortlaut hinein dieselbe
Geschichte erzählen, vermutest du wahr-
Ein anderer Zeuge ist Paulus. Er hatte scheinlich, dass sie sich zumindest abge-
eigentlich eine glänzende Karriere als jüdi- sprochen haben. Vor Gericht ist es genauso.
scher Gesetzeslehrer vor sich. Er war in Zwei Zeugen, die eine identische Geschichte
einer der hervorragendsten Schulen der erzählen, machen sie dadurch nicht glaub-
damaligen Zeit in Jerusalem erzogen würdiger. Das kommt auch praktisch nur
worden. Und er war ein scharfer Gegner von dann vor, wenn sie sich vorher abgespro-
Jesus und seinen Freunden und Anhängern. chen haben. Von Gerichtsverfahren nach
Nachdem Jesus hingerichtet worden war, Verkehrsunfällen hört man dagegen immer

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wieder, dass die Zeugen oft nicht einmal in Aus all diesen Hinweisen kann man meiner
der Beschreibung der Farbe eines beteiligten Meinung nach nur den einen Schluss ziehen,
Autos übereinstimmen. Aber darauf kommt dass Jesus auferstanden ist. Jesus war wirk-
es auch gar nicht an. Die Unterschiede zei- lich tot und ist tatsächlich nach zwei Tagen
gen, dass die Zeugen unabhängig voneinan- lebendig geworden. Mit ihm ist also etwas
der sind. Nicht die Unterschiede sind wichtig, völlig Neues, nie da Gewesenes passiert.
sondern die Übereinstimmung-en. Wendet Seine Auferstehung ist der Punkt, wo das
man das auf die Evangelien an, so stellt man Leben den Tod überwunden hat. Mit ihm ist
schnell sehr viele Übereinstimmungen fest. eine neue Welt in die alte hereingebrochen.
Einige davon sind: Jesus ist auferstanden, Von ihm strömt eine Kraft aus, die stärker ist
das Grab war leer, Frauen haben ihn zuerst als die Macht des Todes. Das bedeutet aber,
gesehen. Es gibt noch viele andere Überein- dass Gott sich zu Jesus stellt. Gott hat die
stimmungen. Interessant ist jedoch zum Bei- Werke und Worte von Jesus bestätigt. Das
spiel, dass in allen Auferstehungsberichten heißt aber, dass niemand an Jesus vorbei-
Frauen als Zeugen genannt werden. Das ist kommt, der es mit Gott zu tun haben will. Er
vor allem deswegen interessant, weil es für ist, wie er es selbst gesagt hat „der Weg, die
einen antiken Menschen vollkommen egal Wahrheit und das Leben”. Zum Schluss
war, was eine Frau gesehen hat oder nicht. noch einmal C. S. Lewis:
Frauen durften vor Gericht nämlich keine
Aussage machen, sie wurden als ähnlich Wir sind also mit einer erschreckenden Alter-
unglaubwürdig angesehen wie heute zum native konfrontiert. Der Mann, über den wir
Beispiel Kinder. Somit wären die Evangelien- gesprochen haben, war (und ist) entweder
berichte eine schlecht gemachte Fälschung, das, was er von sich sagt, oder ein Verrück-
die keiner glauben würde, wenn es sich nicht ter oder Schlimmeres. Für mich ist es offen-
tatsächlich so zugetragen hätte: Frauen sichtlich, dass er weder verrückt noch böse
haben als erste den auferstandenen Jesus war. Wie fremdartig oder erschreckend es
gesehen. Das zeigt auch, wie wenig sich auch immer sein mag, ich muss akzeptieren,
Jesus um die Rollenbilder seiner Zeit küm- dass er wirklich Gott war und ist. Gott ist in
merte. Er stellte die Frauen den Männern dieser von Feinden besetzten Welt in
nicht nur gleich, sondern erschien ihnen menschlicher Gestalt gelandet.
sogar, bevor er seinen engsten Freunden
erschien. Auf dem Hintergrund der Antike
betrachtet bedeutet das, dass die Auferste-
hungsberichte entweder schlecht gemachte
Fälschungen sind, oder aber, was wahr-
scheinlicher ist, dass sie wahr sind. Jesus ist
tatsächlich von den Toten auferstanden.

d) Die Erfahrungen mit dem lebendigen


Jesus bis heute

Weil Jesus von den Toten auferstanden ist,


ist er kein toter Held oder Lehrer aus der
Vergangenheit, sondern lebendige Realität
bis heute. Das führt uns zu dem letzten Hin-
weis auf die Auferstehung. Immer wieder in
den vergangenen zweitausend Jahren haben
Menschen Erfahrungen mit dem lebendigen
Jesus gemacht. Auch heute gibt es Men-
schen, die das bestätigen können. Men-
schen, die erlebt haben, dass Jesus auch
heute noch lebt, dass er Kraft hat.

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Zum Weiterlesen: Wer ist Jesus?
Allgemein:
A. Die Quellen:
Nicky Gumble: Fragen an das Leben.
1. Außerbiblische Quellen: Josephus, Taci-
Eine Einführung in den christlichen Glau-
tus, Thallus, Sueton, der Talmud
ben, Projektion J Verlag Wiesbaden
2. Die Evangelien:
1993 ca. 20 DM.
Roland Werner mit Guido Baltes: Faszi- Zur Überlieferung:
nation Jesus, Aussaat Verlag Neukir-
chen-Vluyn 1992, ca. 25 DM. Entste- ältestes älteste Anzahl
Michael Green: Jesus - Wer ist das? R. hungs- erhalte- vollstän- der erhal-
zeitraum nes Frag- dige tenen Ab-
Brockhaus Verlag Wuppertal 1992, ca. ment Abschrift schriften
10 DM. Neues Testa- 40-90 n. 125 n. 350 n. 5.000
ment Chr. Chr. Chr. griechi-
(Codex sche,
Sinai- 10.000
Zur Frage nach den Quellen: ticus) lateini-
sche,
10.000
Franz Stuhlhofer: Jesus und seine Schü- andere
ler. Wie zuverlässig wurden Jesu Worte alte
Überset-
überliefert? Brunnen Verlag zungen
Gießen/Basel 1991, ca. 15 DM. Julius Cäsars 60-50 v. 900 n. 8-9
Frederick F. Bruce: Außerbiblische Zeug- „Gallischer Chr. Chr.
Krieg”
nisse über Jesus und das frühe Christen-
tum, Brunnen Verlag Gießen/Basel 1991,
ca. 30 DM. B. Was sagen die Evangelien über
Jesus?
Zur Frage nach der Auferstehung:
1. Ein Mensch
George E. Ladd: Die Auferstehung Jesu 2. Seine Aussagen über sich selbst
Christi. Hänssler-Verlag Neuhausen- 3. Sein Anspruch (Beispiel: Sündenverge-
Stuttgart 1979, ca. 20 DM. bung)
Josh McDowell: Die Tatsache der Aufer-
stehung. Christliche Literatur-Verbreitung
(CLV) ²1986, ca. 5 DM. C. Wie können wir herausfinden, ob
Jesus recht hatte?

1. Jesus’ Lehre
2. Seine Taten
3. Sein Charakter
4. Seine Erfüllung der alttestamentlichen
Prophetie
5. Seine Auferstehung von den Toten

Hinweise auf die Auferstehung:

a) Das leere Grab


b) Die Erscheinungen von Jesus
c) Die Art der Berichte
d) Die Erfahrungen mit dem lebendi-
gen Jesus bis heute

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