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1. Was ist überhaupt Gebet?

Wie kann man mit Es gibt einige falsche Auffassungen davon,


Gott reden? was Gebet ist. Wahrscheinlich gibt es welt-
weit wesentlich mehr Leute, die beten, als
solche, die an einen Gott glauben. Es gibt
also Menschen, die beten, obwohl sie nicht
an Gott glauben. Für sie ist das Gebet so
Zugegeben: Gott kann man eine Art Selbstgespräch oder eine Formulie-
mit bloßem Auge nicht rung ihrer eigenen Wünsche. Es hilft ihnen,
sehen. Deshalb haben wir ihre Ideen und Ziele auszudrücken.
Schwierigkeiten, wenn wir
mit ihm in Verbindung tre- Für manche Leute ist das Gebet eine Veran-
ten wollen. Vielleicht halten staltung, die nur innerhalb von Kirchenmau-
wir uns auch für zu unbe- ern und im Halbdunkel zu geschehen hat:
deutend, als dass dem Beten ist etwas für alte Mütterchen, die sich
Schöpfer des Universums in Kirchenbänke knien, Kerzen anzünden
die Anliegen eines einzel- und endlose Sprüche vor sich hinmurmeln.
nen Menschen interessieren würden. Aber in
den vorherigen Teilen dieses Kurses haben Wieder andere haben als Kinder beten
wir erfahren, dass Gott selbst den ersten gelernt. „Ich bin klein, mein Herz ist rein …”
Schritt unternommen hat, um mit jeden von Wenn sie dann älter werden, sehen sie nicht
uns ganz persönlich in Verbindung zu treten. mehr ein, warum man solche Sprüchlein
Gott hat keine geheime Telefonnummer und noch aufsagen soll. Beten ist nichts für mün-
kennt auch keine Sprechstunden. Jederzeit dige Leute, es drückt nur Naivität und
dürfen wir mit allen Fragen und Anliegen zu Unselbständigkeit aus.
ihm kommen, denn Jesus hat die Tür zum
Vater für uns geöffnet. Aber was ist Gebet wirklich? Wenn wir
herausfinden wollen, was sich tatsächlich
Das Reden mit Gott wird in der Bibel als hinter diesem Wort verbirgt, müssen wir in
Gebet bezeichnet. Aber leider wird dieser der Bibel nachsehen. Vielleicht ist Gebet ja
Begriff in der heutigen Zeit oft missverstan- viel mehr, als wir uns je vorstellen konnten.
den und seine wichtige Bedeutung bagatelli-
siert. Jesus beschreibt das Gebet als ein
Gespräch mit Gott, unserem Vater im Him-
Das Gebet ist für unser geistliches Leben so mel. Als Jesus darüber redete, wie man am
wichtig wie das Atmen für unser biologisches besten beten sollte, sagte er (Matthäusevan-
Leben. Wer einmal versucht, für länger als gelium 6, 6-8): Nimm dir ein wenig Zeit, zieh
zwei Minuten die Luft anzuhalten, wird dich in ein Zimmer zurück, wo du allein sein
schnell merken, wie schwer es sich leben kannst, und rede mit deinem Vater im Him-
lässt, ohne zu atmen. mel. Du brauchst dabei keine langen
Gebetsformeln herunterzuleiern, und
Christ sein heißt, eine persönliche Bezie- brauchst dir auch keine besonders blumigen
hung zu Gott haben und aus dieser Bezie- Worte abzuringen. Fang einfach an und
hung leben. Das Gebet ist unsere Kommuni- sprich mit deinem Vater im Himmel. Er sieht
kation mit Gott. Wenn wir uns also nicht die dich und kennt dich. Er weiß, was du auf
Zeit nehmen, mit Gott zu reden, und ihm dem Herzen hast und versteht, was du ihm
keine Gelegenheit geben, mit uns zu reden, sagen willst.
wird unsere Beziehung zu ihm bald ziemlich
langweilig werden.

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2. Warum soll ich beten? sondern stattdessen regelmäßig für ihn zu
beten und den Ausgang Gott zu überlassen.
Die Macht des Gebets: Nichts ist unmög- Sie nahm sich diesen Rat zu Herzen und
lich für Gott fing an, täglich dafür zu beten, dass ihr Sohn
wieder zu Jesus zurückkehre. Aber ihre
Es gibt viele Gründe, warum es sich lohnt, Gebete schienen ins Leere zu gehen: Zehn
zu beten. Ein erster Grund ist etwa die Jahre gingen ins Land, ihr Sohn schloss sich
Macht des Gebets. Wenn wir lesen, was einer obskuren Sekte an, und eines Tages
Jesus über die Macht des Gebets gesagt verließ er bei Nacht und Nebel seine Heimat-
hat, fällt es uns bestimmt erst einmal schwer, stadt, ohne sich zu verabschieden. Die Mut-
das alles zu glauben: „Wenn ihr aber fest mit ter hörte dennoch nicht auf, für ihn zu beten.
mir verbunden bleibt und euch nach meinem Ihr Sohn lebte inzwischen mit mehreren
Wort richtet, dürft ihr von Gott erbitten, was Frauen zusammen. Mit einer hatte er einen
ihr wollt; ihr werdet es erhalten.” (Johanne- unehelichen Sohn, eine zweite war noch
sevangelium 15, 7) „Bittet Gott, und es wird nicht alt genug, um zu heiraten, und eine
es euch geben.” (Matthäusevangelium 7, 7). dritte nahm er sich als Freundin bis zur
Wenn das stimmt, was können wir dann geplanten Hochzeit mit der zweiten. Vom
nicht alles durch unser Gebet bewegen! Christentum wollte er zu dieser Zeit über-
haupt nichts mehr wissen. Alle Gebete schie-
Die ersten Christen haben von dieser Macht nen umsonst. Aber seine Mutter ließ sich
des Gebets Gebrauch gemacht. Sie haben trotzdem nicht davon abbringen.
sie nicht benutzt, um ihren eigenen Vorteil zu
suchen. Sie haben die Macht des Gebets Und tatsächlich fand ihr Sohn - nach langen
verwandt, um Jesus in der Welt bekannt zu Jahren des Wartens und nach einigen weite-
machen. Ein Gebet der ersten Gemeinde in ren Irrwegen - zurück zu Jesus und ließ sich
Jerusalem ist in der Apostelgeschichte auf- taufen. Dieser Sohn hieß Augustinus und
geschrieben. Dort heißt es unter anderem: lebte im 4. Jahrhundert nach Christus. Er
„Hilf allen, die an dich glauben, deine Bot- wurde zu einem der bedeutendsten Männer
schaft ohne Angst weiterzusagen! Zeige in der Geschichte der christlichen Kirche.
deine Macht! Lass Heilungen und Wunder Aber ohne das beständige Gebet seiner Mut-
geschehen durch den Namen deines heili- ter, das hat Augustinus später immer wieder
gen Sohnes Jesus!” (Apostelgeschichte betont, hätte er nicht mehr zu Jesus gefun-
4, 29). den.

Dieses Gebet der ersten Christen wurde in So gibt es unzählige Beispiele, auch von
eindrucksvoller Weise erhört: Bereits zwan- Christen heute, die für die Macht des Gebets
zig Jahre später hatten die Beter die Nach- sprechen. Vieles, was uns als Menschen
richt von Jesus in der gesamten römischen unmöglich scheint, ist für Gott möglich. Und
Welt verbreitet. Sie widerstanden Verfolgun- er hat versprochen, auf unsere Gebete zu
gen und Anfeindungen. Im Namen Jesu und antworten.
durch die Kraft Gottes predigten sie ohne
Angst das Evangelium (Apostelgeschichte Das Vorbild Jesu: Kommunikation mit
8, 34-39), heilten Kranke (Apostelgeschichte Gott
3, 1-11), trieben Dämonen aus (Apostelge-
schichte 16, 16-18) und weckten Tote auf In den Evangelien sehen wir Jesus als ein
(Apostelgeschichte 20, 7-12). Vorbild für ein Leben, das durch Gebet
geprägt ist: Jesus gibt uns ein Vorbild in der
Ein anderes Beispiel für die Macht des Kommunikation mit Gott. Bei Jesus sehen
Gebets ist die Geschichte einer Frau, die wir, wie Gebet das ganze Leben durchzieht.
jahrelang für ihren Sohn betete. Er hatte sich Er hat sich immer wieder Zeit genommen,
schon früh vom christlichen Glauben abge- um an abgelegenen Orten und in der Stille
wandt. Sie hatte daraufhin einen Kirchen- mit seinem Vater zu reden (Markusevange-
mann um Hilfe gebeten. Er riet ihr, ihren lium 1, 35; Lukasevangelium 5, 16). Aber
Sohn nicht zum Glauben zu zwingen, auch mitten im Trubel, während er heilt oder

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predigt, sehen wir Jesus im Gespräch mit ausschlagen sollte. Natürlich wird uns nie-
Gott. (Markus 7, 34; Lukas 9, 16). Und das mand zwingen, auf diesem Empfang zu
Beten war für Jesus nicht nur Privatsache. erscheinen. Aber es würde uns eine Menge
Deshalb ging er regelmäßig mit seinen entgehen, wenn wir nicht hingingen. Gen-
Freunden in den Tempel und in die jüdi- auso wenig zwingt uns Gott, mit ihm zu
schen Lehrhäuser, wo gemeinsam gebetet reden. Aber er lädt uns ein, in seine Gegen-
wurde (Johannesevangelium 2, 13; 5, 1 und wart zu kommen. Uns würde viel entgehen,
öfter). wenn wir diese Einladung ausschlagen.

Nun war aber Jesus der Sohn Gottes. Er 3. Wie kann ich beten?
hatte eine einzigartige und enge Beziehung
zu seinem Vater im Himmel. Warum hatte er Vielleicht würde so mancher gerne öfter
es dann überhaupt nötig, so oft zu beten? beten, wenn er nur wüsste wie. Viele Leute
Die Antwort ist einfach: Gerade weil er eine scheuen sich, mit Gott zu reden, weil sie
so enge Beziehung zu seinem Vater hatte, nicht wissen, wie man sich beim Beten aus-
redete er fortwährend und gern mit ihm. drücken muss. Muss man bestimmte Worte
benutzen? Darf man andere Ausdrücke nicht
Jesus war es wichtig, in allem, was er tat, benutzen? Wie soll man überhaupt beten?
den Willen seines Vaters zu tun. Deshalb
blieb er in ständigen Kontakt mit Gott. Nur so Das Neue Testament gibt uns eine sehr rea-
konnte sein Leben in allen Einzelheiten listische Antwort auf diese Fragen: „Wir wis-
durch Gott geprägt werden. Und wenn sogar sen doch nicht einmal, wie wir beten sollen,
Jesus es wichtig fand, im Gespräch mit sei- damit Gott uns erhören kann. Deshalb hilft
nem Vater zu bleiben, wie viel mehr haben uns der Heilige Geist und betet für uns auf
wir es dann nötig, wenn wir in enger eine Weise, wie wir es mit unseren Worten
Gemeinschaft mit Gott bleiben wollen! nie könnten” (Römerbrief 8, 26).
Gottes Einladung: Sucht mein Angesicht! Wer also nicht weiß, wie er beten soll, hat
schon etwas sehr Richtiges erkannt: Beim
Es ist aber nicht nur eine Erwägung der Beten geht es nicht darum, dass wir mög-
Nützlichkeit, ob wir zu Gott beten. Er selbst lichst schöne Worte machen, sondern
lädt uns ein und fordert uns auf, im Gebet zu darum, dass wir uns vom Heiligen Geist lei-
ihm zu kommen: „Mein Herz erinnert dich: ten lassen. Gott selbst möchte uns zeigen,
»Suchet mein Angesicht!« - Dein Angesicht, was und wie wir beten können. Deshalb gibt
HERR, suche ich.” (Psalm 27, 8). es auch kein fertiges Rezept für ein gutes
Gebet. Es kommt nur auf eins an: Wir müs-
Es ist Gottes Wunsch, mit uns Gemeinschaft sen offen sein für die Leitung des Heiligen
zu haben. Er hat uns zu seinem Ebenbild, Geistes. Wie kann das aussehen?
also als sein Gegenüber geschaffen. Im
Gebet geht es deshalb nicht nur um einen Beten wie ein Kind
Austausch wichtiger Mitteilungen oder Infor-
mationen. Es geht um die Gemeinschaft mit Wir wissen nicht, wie wir beten sollen. Des-
Gott. Gott lädt uns ein: „Wohlan alle, die ihr halb hilft uns der Heilige Geist aus. Wir brau-
durstig seid, kommt her zum Wasser! … chen uns also nicht lange zu überlegen, wie
Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! wir unser Gebet am besten formulieren. Wir
Höret, so werdet ihr leben!” (Jesaja 55, 1; 3) können einfach drauflosreden wie zu einem
Wir sind aufgefordert, zu Gott zu kommen Freund. Wenn wir nicht so recht wissen, was
und mit ihm zu reden. Wenn wir beten, bege- wir sagen sollen, können wir zum Beispiel
ben wir uns bewusst in Gottes Gegenwart. genau das zu Gott sagen: „Gott, ich weiß
Egal, ob wir allein sind, ob andere dabei sind nicht so recht, was ich eigentlich beten soll.
oder ob wir in einen Gottesdienst gehen. Bitte sende mir deinen Heiligen Geist und
Stellen wir uns vor, der Bundespräsident lädt zeige mir, wie ich beten soll.” Und dann kön-
uns ein, auf einem seiner Empfänge Gast zu nen wir einfach weiter das sagen, was uns
sein. Das ist eine Einladung, die man nicht einfällt.

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Beten „durch den Sohn”
Paulus schreibt, dass Gottes Geist uns hilft,
wie ein Kind zu beten: „Alle, die sich vom Viele Menschen denken, sie hätten kein
Geist Gottes regieren lassen, sind Kinder Recht, von Gott irgend etwas zu erbitten. Sie
Gottes. Denn der Geist Gottes führt euch fühlen sich viel zu schlecht oder unwürdig,
nicht in eine neue Sklaverei; nein, er macht um mit Gott zu reden oder ihn gar um etwas
euch zu Gottes Kindern. Deshalb dürft ihr zu bitten: „Vielleicht dürfen ganz tolle Chris-
furchtlos und ohne Angst zu Gott kommen ten zu Gott beten. Oder der Papst. Oder
und ihn »Abba«, euren Vater nennen.” Leute, die ohne Fehler sind. Aber ich? Ich
(Römerbrief 8, 15) bin doch nur ein Wurm. Ich habe kein Recht,
mit Gott zu reden.”
Das aramäische Wort „Abba”, das Paulus
hier für „Vater” benutzt, bedeutet soviel wie Wer so denkt, hat etwas Wichtiges erkannt:
„Papa, Papi”. Wir dürfen Gott also so anru- Wir haben eigentlich alle kein Recht, etwas
fen wie Kinder ihren Papi. Auch Jesus hat von Gott zu erbitten. Keiner von uns ist gut
das Beten verglichen mit einem kleinen Kind, oder heilig genug, um mit erhobenem Haupt
das seinen Vater um etwas zu essen bittet vor Gott zu treten. Unsere Schuld trennt uns
(Lukasevangelium 11, 9-13). von Gott. Aber genau deswegen ist Jesus
gekommen. Er ist gekommen, um diese
Beten ist ein ungezwungenes Reden mit Trennung zu überwinden. Und deswegen hat
Gott. Und der Heilige Geist hilft uns dabei, Jesus uns aufgefordert, „in seinem Namen”
dass wir auf diese Weise mit Gott reden kön- zu beten: „Worum ihr in meinem Namen bit-
nen. ten werdet, das werde ich euch geben …
Was ihr also in meinem Namen erbitten wer-
Beten „zum Vater” det, das werde ich tun” (Johannesevange-
lium 14, 13-14).
Jesus wurde einmal von seinen Freunden
gefragt, wie man beten solle. Er gab ihnen Deswegen beten Christen im Namen Jesu
als Antwort ein Modell des Gebets, das mit zu Gott. Jesus hat gesagt: „Ich bin der Weg
den Worten „Unser Vater im Himmel” zum Vater. Niemand kommt zum Vater als
anfängt (Matthäusevangelium 6, 9-13). Die- nur durch mich” (Johannesevangelium 14,
ses Gebet wird bis heute in allen christlichen 6). Durch ihn haben wir freien Zugang zu
Kirchen gebetet, und es ist ein eindrückli- Gott. Weil Jesus unsere Schuld ein für alle-
ches Zeichen für die Einheit aller Christen im mal beseitigt hat, können wir jetzt durch ihn
Gebet. Allerdings hat Jesus es sicherlich zu Gott beten. „Weil er für uns eintritt, dürfen
nicht so gemeint, dass man nur mit genau wir mit Zuversicht und ohne Angst zu Gott
diesen Worten beten darf. Dieses Gebet ist kommen” (Hebräerbrief 4, 16).
ein Modell, und man kann von ihm einiges
lernen. Vor allem lernen wir daraus, mit wem Beten „im Heiligen Geist”
wir es beim Beten zu tun haben: mit unse-
rem Vater im Himmel. „Wir wissen doch nicht einmal, was wir beten
sollen, damit uns Gott erhören kann. Des-
Das bedeutet zweierlei: Erstens ist Gott halb hilft uns der Heilige Geist und betet für
unser Vater, wie schon im letzten Abschnitt uns auf eine Weise, wie wir es mit unseren
erklärt wurde. Zweitens heißt das aber auch, Worten nie könnten. Aber Gott, der uns ganz
dass wir es mit dem Herrn und Schöpfer des genau kennt, weiß natürlich auch, was der
Universums zu tun haben, also mit dem Heilige Geist für uns betet; denn er vertritt
Gott, der die ganze Welt erschaffen hat und uns im Gebet, wie es dem Willen Gottes ent-
in seiner Hand hält. Wir beten also nicht zu spricht.” (Römerbrief 8, 26-27)
irgend jemandem, der uns letztlich doch
nicht helfen kann. Sondern wir beten zu Christen beten „im Heiligen Geist”, weil sie
unserem Vater im Himmel, für den nichts die Hilfe des Heiligen Geistes brauchen, um
unmöglich ist. richtig beten zu können. Das heißt, wir
gestalten unser Gebet nicht allein, sondern

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wir lassen uns von Gottes Geist leiten. Wie den heiligen Geist in uns reden zu lassen
kann das genau aussehen? Es kann so aus- (1. Korintherbrief 14, 15).
sehen, dass Gott uns durch seinen Geist
etwas zeigt, wofür wir beten sollen. Manch- Im Gebet treten wir also in eine enge
mal kommt es vor, dass wir zum Beispiel vor Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott ein:
der Tagesschau sitzen, und irgendeine Wir beten zum Vater, durch den Sohn, im
Nachricht bewegt uns plötzlich ungewöhnlich Heiligen Geist. „Durch Christus dürfen jetzt
stark. Eine Not in der Welt lässt uns nicht alle, Juden wie Heiden, vereint in einem
mehr los. Das könnte ein Anstoß des Heili- Geist zu Gott, dem Vater, kommen.” (Ephe-
gen Geistes sein, im Anschluss an die serbrief 2, 18)
Tagesschau für diese konkrete Situation zu
beten. Von selbst wären wir wahrscheinlich 4. Was kann ich beten?
nicht darauf gekommen, aber Gottes Geist
hat uns geholfen. Wie kann man nun eine persönliche Gebets-
zeit gestalten? Es gibt keine besondere Zeit
Aber auch, während wir beten, können wir und keinen besonderen Ort. Wir können
uns von Gottes Geist helfen lassen. Dazu ist immer und überall mit Gott reden: in der
es wichtig, dass wir lernen, hörend zu beten. Schule, am Arbeitsplatz, im Auto, in der
Für manche Christen ist das Beten wie das Küche, im Wald, in der Kirche, beim Einkau-
Abhaken einer Einkaufsliste. „Lieber Gott, fen und sonst wo. Gott hat immer für uns
ich hätte gerne: erstens, zweitens, Zeit. Aber wir haben nicht immer Zeit für ihn.
drittens…”. Natürlich ist es nicht grundsätz- Deshalb ist es wichtig, dass wir uns regelmä-
lich falsch, wenn ich Gott meine Anliegen ßig Zeit freihalten für das Gespräch mit Gott.
vortrage. Schließlich hat Jesus uns aufgefor- Manche Leute finden es hilfreich, das jeden
dert zu bitten, was wir wollen. Aber wenn wir Morgen zu tun. Andere schlafen lieber lange
unsere Bitten vor Gott einfach herunterrat- und nehmen sich die Zeit am Nachmittag
tern wie eine Einkaufsliste, dann geben wir oder am Abend.
dem Heiligen Geist keine Chance, uns zu lei-
ten. Deshalb ist es beim Beten wichtig, auch Jesus hat uns vorgeschlagen, uns zum
still zu sein und Gott zu bitten, dass er zu Beten an einen ruhigen Ort, zum Beispiel
uns redet. Vielleicht hat er uns etwas ganz unser Zimmer, zurückzuziehen, wo wir eine
anderes mitzuteilen, als wir ihm gerade Zeitlang ungestört sind und Stille haben. In
sagen wollen. einer solchen Gebetszeit können wir dann
mit Gott reden, aber zum Beispiel auch in
Der Heilige Geist kann uns innere Anstöße der Bibel lesen oder Anbetungslieder singen.
geben, was oder wofür wir beten sollen. Gott
gibt uns oft ganz konkrete Gedanken ins Für die Gestaltung einer solchen Gebetszeit
Herz. Wir können auf diese Gedanken hören gibt es viele Möglichkeiten. Einige Elemente,
und im Gebet antworten. Dann wird das mit denen Menschen gute Erfahrungen
Gebet zu einem echten Gespräch mit Gott. gemacht haben, sind:
Für viele Leute ist auch das Sprachengebet, Anbetung
also das Gebet in einer für uns unverständli-
chen Sprache, eine Hilfe. Das ist eine Gabe Es ist gut, am Anfang einer Gebetszeit
des Heiligen Geistes. Durch sie können wir unsere Gedanken ganz von uns weg auf
Gott anbeten, ohne eigene Worte und Sätze Gott zu richten. In der Bibel wird das Beten
formulieren zu müssen. Manchmal fehlen oft mit dem Stehen vor dem Thron eines
uns einfach die Worte für das, was wir sagen Königs verglichen. Gott anzubeten heißt,
wollen. Viele Wünsche und Sehnsüchte, die diese Position anzuerkennen: Gott sitzt auf
wir haben, sind uns vielleicht selbst gar nicht dem Thron, und ich stehe davor. Ich bin zu
bewußt. Das Sprachengebet ist eine Mög- ihm eingeladen, dafür kann ich ihm danken.
lichkeit, die engen Grenzen unserer sprachli- Ich sage Gott einfach, was ich über ihn den-
chen Möglichkeiten zu überschreiten und ke: „Gott, du bist mein Herr und König. Und
du willst mein Vater sein. Das finde ich toll.

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Du bist wunderbar. Danke, dass du mich Anliegen. Gottes Maßstäbe sind oft anders
liebst und dass ich jetzt mit dir reden kann.” als unsere. Deshalb sollten wir die Entschei-
dung ihm überlassen.
Schuld bekennen
Wir können Gott für uns selbst bitten wie ein
Wenn es Schuld gibt, die uns von Gott Kind, das seinen Vater um etwas zu essen
trennt, ist es gut, diese Schuld beim Namen bittet (Lukasevangelium 11, 12-13). Jesus
zu nennen und Gott um Verzeihung zu sagt, wir sollen Gott um unser tägliches Brot
bitten. Wir können Gott einfach sagen: „Dies bitten, also um alles, was wir täglich brau-
und das habe ich falsch gemacht. Es tut mir chen (Matthäusevangelium 6, 11).
leid, und ich will es in Zukunft ändern.” Got-
tes Versprechen ist klar: „Wenn wir unsere Wir können Gott aber auch für andere bitten:
Sünden bereuen und bekennen, dann dürfen für unsere Freunde, unsere Familie, Men-
wir darauf vertrauen, dass Gott seine schen in anderen Ländern. Die erste
Zusage treu und gerecht erfüllt: Er wird Gemeinde hat für die Ausbreitung der guten
unsere Sünden vergeben und uns von allem Nachricht von Jesus gebetet. Und Gott hat
Bösen reinigen.” (1. Johannesbrief 1, 9) geantwortet. Die Apostel haben für Heilung
und Befreiung von Dämonen gebetet. Und
Wir brauchen uns danach nicht mehr länger Gott hat auch dort geantwortet. Augustinus’
bei unserer Schuld aufzuhalten. Was von Mutter hat jahrelang für ihren Sohn gebetet,
Gott vergeben ist, ist von ihm bereinigt. bis er zu Jesus fand. Viele andere Christen
erleben täglich, wie Gott ihre Gebete erhört.
Danken Es lohnt sich, für andere Menschen zu
bitten.
Im Gebet sagen wir Gott Danke für alles,
was wir haben, was wir sind und was wir 5. Gott verspricht, zu antworten
erleben. Wer nicht weiß, was er beten soll,
braucht sich nur einmal zu überlegen: Was Beantwortet Gott jedes Gebet? Es ist eine
habe ich heute schon erlebt, wofür ich Gott nicht zu bezweifelnde Erfahrung, dass wir,
dankbar bin? Was besitze ich, wofür ich Gott wenn wir beten, nicht immer das bekommen,
danken kann? Was gibt es gerade in diesem was wir gerne hätten. Wie passt das zusam-
Moment, was ein Grund zu danken wäre? men mit Gottes Versprechen, alle Gebete zu
Auch hier können wir uns vom Heiligen Geist erhören? Die Bibel nennt verschiedene
leiten lassen. Er wird uns zeigen, wofür wir Gründe dafür:
danken können. Wir nehmen so vieles für
selbstverständlich hin. Aber in Wirklichkeit Fehlende Bereitschaft zur Nachfolge
verdanken wir alles Gott. Deshalb sagen wir
im Gebet „Danke!”. Viele Leute wollen von Gott Geschenke oder
Vorteile, aber sind nicht bereit, sich ihm ganz
Bitten anzuvertrauen. Sie wollen keine Christen
sein, aber beten dennoch zu Gott. Natürlich
Wir können Gott um alles bitten, was wir wol- kann Gott, wenn er will, auch solche Gebete
len (Johannesevangelium 15, 7). Es gibt erhören, und er tut es auch.
nichts, was wir nicht bitten dürfen. Denn die
Entscheidung, ob etwas gut oder schlecht Aber diese Haltung widerspricht grundsätz-
ist, können wir getrost Gott überlassen. Viele lich dem Charakter des Gebets. Unser
Leute haben Skrupel, Gott um eine Kleinig- Gebet ist ein Ausdruck unserer Beziehung
keit zu bitten. Aber das wäre so, als wenn zu Gott. Wo eine solche Beziehung nicht
man Skrupel hätte, einen Becher Wasser besteht, da können wir auch nicht erwarten,
aus dem Bodensee zu nehmen, weil es dem dass Gott Gebete erhört. Jesus sagt: „Wenn
Bodensee etwas ausmachen könnte. Gott ist ihr fest mit mir verbunden bleibt und euch
unermesslich reich. Er kann und will uns nach meinem Wort richtet, dürft ihr von Gott
alles geben, was für uns gut ist, sei es eine erbitten, was ihr wollt; ihr werdet es
Kleinigkeit oder ein schwerwiegendes erhalten.” (Johannesevangelium 15, 7)

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Weisheit. Deshalb weiß er, was für uns wann
Bevor wir Gott um etwas bitten, sollten wir gut ist. Er entscheidet, ob und wie er unsere
also grundsätzlich entscheiden, ob wir bereit Gebete erhört.
sind, unser ganzes Leben von Jesus prägen
zu lassen und in allen Bereichen unseres Jesus sagt: „Wenn ein Kind seinen Vater um
Lebens seinen Willen zu tun. ein Stück Brot bittet, wird er ihm dann einen
Stein geben? Wenn es um einen Fisch bittet,
Falsche Motive wird er ihm etwa eine giftige Schlange anbie-
ten? Wenn schon ihr hartherzigen, sündigen
Ein anderer Grund, warum unsere Gebete Menschen euren Kindern Gutes gebt, wie
nicht so erhört werden, wie wir uns das wün- viel mehr wird euer Vater im Himmel denen
schen, kann in unseren falschen Motiven lie- gute Gaben schenken, die ihn darum bitten?”
gen. Jakobus, der Bruder Jesu, schreibt in (Matthäusevangelium 7, 9-11)
seinem Brief: „Ihr wollt alles haben und wer-
det nichts bekommen. Ihr seid voller Neid Ein guter Vater gibt seinen Kindern Gutes,
und tödlichem Hass; doch gewinnen werdet wenn sie ihn darum bitten. Aber ein guter
ihr dadurch nichts. Streitet, zankt und kämpft Vater wird seine Kinder nicht erhören, wenn
also, soviel ihr wollt! Es wird euch nichts nut- sie ihn um etwas Schlechtes Bitten. Wenn
zen. Solange ihr nicht Gott bittet, werdet ihr der kleine Sohn eine giftige Schlange zum
nichts empfangen. Wenn ihr freilich Gott nur Frühstück haben will, wird der Vater ihm
darum bittet, eure selbstsüchtigen Wünsche wahrscheinlich trotzdem einen Fisch oder
zu erfüllen, wird er euch nichts geben” (Jako- Brot geben.
busbrief 4, 23).
6. Gottes Versprechen
Diese Einschränkung soll nicht dazu führen,
dass wir um nichts mehr bitten, was gut für Gott antwortet also nicht immer so, wie wir
uns ist, weil das ja nur selbstsüchtig sein uns das vorstellen. Aber er antwortet in
kann. Es bedeutet nicht, dass wir nur um sol- jedem Fall. Seine Antwort heißt „Ja”, „Nein”
che Dinge bitten dürfen, von denen wir selbst oder „Später”. Jesus hat uns aufgefordert,
nichts haben. Es geht um unsere Motive. mit Nachdruck zu bitten, worum wir wollen.
Gott sieht in unsere Herzen. Deshalb sollten Er hat seinen Zuhörern ein eindrucksvolles
wir fröhlich und mutig um alles bitten, aber Beispiel gegeben, wie ernst Gott unser
auch darum, dass Gott unsere Motive prüft: Gebet nimmt: „Stellt euch vor, einer von
„Erforsche mich, Gott, und erkenne mein euch hat einen Freund. Mitten in der Nacht
Herz; prüfe mich, und erkenne, wie ich’s mei- geht er zu ihm, klopft an die Tür und bittet
ne. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, ihn: Leihe mir doch bitte drei Brote. Ich habe
und leite mich auf ewigem Wege” (Psalm unerwartet Besuch bekommen und nichts im
139, 23-24). Haus, was ich ihm anbieten könnte. Viel-
leicht würde der Freund dann antworten:
Gottes Weisheit »Stör mich nicht! Ich habe die Tür schon
abgeschlossen und liege im Bett. Außerdem
Es ist letztlich Gottes Entscheidung, ob das, könnten die Kinder von dem Lärm wach wer-
was wir von ihm erbitten, gut für uns und für den. Ich kann jetzt nicht aufstehen und dir
andere ist. Wir sollten ihm diese Entschei- etwas geben.« Das sage ich euch: Wenn er
dung nicht abnehmen, indem wir nur noch schon nicht aufstehen und dem Mann etwas
ganz allgemeine Bitten oder ganz selbstlose, geben will, weil er sein Freund ist, so wird er
„heilige” Gebete formulieren. Wir sollen ihn schließlich doch aus dem Bett steigen und
anbetteln wie ein Kind seinen Vater. Das ihm alles Nötige geben, weil der andere ihm
Gebet ist glücklicherweise keine Blankovoll- einfach keine Ruhe lässt” (Lukasevangelium
macht, mit der wir immer unseren eigenen 11, 58).
Willen durchsetzen könnten. Wenn wir selbst
durch unser Gebet alle Macht hätten, wür- Jesus erzählt hier eine unvorstellbare
den wir wahrscheinlich viel Unheil anrichten. Geschichte. Im Orient wäre es undenkbar,
Aber nur Gott hat alle Macht und alle dass jemand einen Freund in der Nacht

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abweist. Für die Zuhörer war das eine Hor- Zum Weiterlesen:
rorgeschichte ersten Ranges. Und noch
mehr: Obwohl schon das unvorstellbar ist, Ole Hallesby: Vom Beten, R. Brockhaus-
würde der Freund jedenfalls wegen der Verlag Wuppertal, ca. 10 DM.
anhaltenden Bitten seines Freundes antwor- David Watson: Jüngerschaft, Projektion
ten. Aber was Jesus sagt, ist noch viel mehr: J-Verlag Hochheim 1985, ca. 25 DM,
Auch wenn es schon bei Menschen fast Kapitel 6: „Das Gebet”, Seite 100-119.
unvorstellbar ist, dass sie einen Freund in Guido Baltes: Anbetung konkret. Ermuti-
der Nacht abweisen, so ist es doch noch viel gung zu einem lebendigen Lobpreis,
unvorstellbarer, dass Gott unsere Gebete Aussaat-Verlag Neukirchen-Vluyn 1993,
nicht beantwortet. Und weil Jesus weiß, dass ca. 13 DM
wir an diesem Versprechen immer wieder
zweifeln, wiederholt er diese Zusage gleich
mehrmals im Klartext: „Darum sage ich euch:
Bittet Gott, und er wird euch geben. Sucht,
und ihr werdet finden. Klopft an, dann wird
euch die Tür geöffnet. Denn wer bittet, wird
bekommen. Wer sucht, der findet. Und wer
anklopft, dem wird geöffnet” (Lukasevange-
lium 11, 9-10).

Wenn das Beten ist, dann lohnt es sich zu


beten. Gott möchte mit uns reden. Er
möchte uns beschenken. Er lädt uns ein, zu
ihm zu kommen mit allem, was uns auf dem
Herzen liegt. Er ist der gute Vater, der sei-
nen Kindern gute Gaben geben will.

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