Sie sind auf Seite 1von 20

..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

Grusswort

Kürzlich erhielt ich ein Schreiben von einem unserer Abonnenten, der unsere Zeitschrift in
holländischer Sprache bezieht. Dieser Leser zählt sich zum flämisch-sprachigen Teil Belgiens.
Bekanntlich steht diese niederländisch oder besser gesagt flämisch sprechende Volksgruppe
einem frankophonen Teil Belgiens gegenüber, der französisch spricht. Zwischen diesen beiden
Volksgruppen besteht jedoch eine nicht geringe Differenz, ja manchmal klafft ein unüberwind-
licher Riss. Andere Länder haben das gleiche Problem. Auch in der sonst konsensfähigen Schweiz
redet man von einem Graben zwischen sprachlichen Volksgruppen. Manchmal handelt es sich
auch um Gräben zwischen Regionen, Städten und Landschaften. Dass solche Trennungen oft
quer durch die Gemeinschaft der Christen verlaufen, sollte uns allerdings mehr als nur zu
denken geben. Welche Sprache werden wir wohl im Himmel sprechen?
Was hatte es nun mit jenem Brief unseres belgischen Freundes auf sich? Obwohl er Nieder-
ländisch spricht, hatten wir auf der Adresse anstelle des holländischen «De Heer» das franzö-
Inhalt 07/2002 sische «Monsieur» verwendet, was ihn sehr ärgerte. Dies war natürlich ein Versehen, aber die
Reaktion darauf liess ein unverkennbares Nationalbewusstsein aufleuchten. Dieser Hang zu
einem nationalistischen Denken ist leider bei vielen Christen zu finden. Hand aufs Herz: Wir
Biblische Botschaft sind doch irgendwie stolz, wenn unser Land oder unsere Region positiv in Erscheinung tritt?
4 Das Leben nach dem Tod Und für uns Christen ist es zudem besonders lobenswert, wenn zum Beispiel eine christliche
Nation positiv zu Israel steht. Schnell sind wir dann bereit, mit dem Finger auf Nachbarländer
Im Blickfeld zu zeigen, wo dies nicht der Fall ist. Wir erfreuen uns unseres Passes, mit dem wir ungehindert
10 UNO – Wen die Macht entmachtet reisen können und bemitleiden die anderen, die für alles ein Visa brauchen. Wir gehören eben
11 Es gibt auch andere Stimmen
zu einem allseits geachteten, anerkannten Staat – oder vielleicht doch nicht?
14 Der «dritte Weltkrieg»
Paulus, dessen Herkunft bedeutungsvoll ist, spricht dieses Thema sehr treffend an: «Wie-
«Der Herr bedarf seiner» wohl ich auch habe, dass ich mich Fleisches rühmen könnte. … einer aus dem Volk von Israel,
des Geschlechts Benjamin, ein Hebräer von Hebräern …» (Phil 3,4-5). Dies tat er nicht ohne
15 Das Glück, schwach zu sein
Grund, herrschte doch damals in Israel eine tiefe Kluft zwischen verschiedenen ethnischen
Fragen – Antworten Volksgruppen. Als Angehöriger der Juden schaute man verächtlich auf die Samariter herab.
Eine Reise von Judäa nach Galiläa führte durch Samarien. Das war für manchen Juden ein
19 Jesus in Ägypten
Problem. Doch Jesus war ganz anders. In Johannes 4,4 lesen wir von Ihm: «Er musste aber
19 Polygamie im Alten Testament erlaubt?
durch Samaria reisen.» Er kommt mit einer Frau in Kontakt, die am Brunnen Wasser schöpfen
Aus der Arbeit will. Zu ihrem Erstaunen («Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern»,
V 9) bittet Jesus sie, Ihm zu trinken zu geben. Für Jesus gibt es keine Grenze. Die Andersartig-
des Mitternachtsruf keit dieser Menschen ist für Ihn kein Problem. Da wo Jesus ist, offenbart sich Gottes Herrlich-
20 Aufbruch in Italien
keit. So schloss sich auch Paulus dieser Haltung an: «… was mir Gewinn war, das habe ich um
20 Freundestreffen in Sindelfingen
Christi willen für Schaden geachtet. Ja ich achte es noch alles für Schaden gegen die über-
21 Evangelisation in der Zionshalle mit
Prof. Dr. Werner Gitt schwängliche Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn …» (Phil 3,7-8).
21 Beth-Shalom Herbstreise Sind wir wie Paulus bereit, das was uns Gewinn scheint – Patriotismus, Standesbewusstsein
21 Raubüberfall auf unsere Missionsstation usw. – um unseres Herrn Jesus Christus willen preiszugeben? Sind wir bereit, «durch Samaria
in Pôrto Alegre (Brasilien) zu reisen» und uns mit den «Samaritern» zu identifizieren? Jeder von uns weiss im Innersten
ganz genau, wo sein «Samaria» liegt. Vielleicht ist es sogar – wie beim eingangs erwähnten
3 Grusswort Mann – eine bestimmte Volksgruppe oder Sprache, die wir nicht
9 Streiflicht mögen. Dann sollten wir unbedingt einmal innehalten und näher
11 Aufgegriffen hinschauen, denn auch dort gibt es lebendige Christen, die mit uns
22 Dir kann nur Jesus helfen zusammen der ewigen Heimat entgegengehen und bezeugen: «Was
22 Impressum mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden geach-
tet …»
In herzlicher Verbundenheit
Eingedenk dessen, dass alle menschliche Erkennt-
nis Stückwerk ist (1.Kor 13,9), legen die Autoren
eigenverantwortlich ihre persönliche Sicht dar.

Mitternachtsruf > Juli 2002 3


..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
Biblische Botschaft

Das Leben nach


dem Tod
Ist der Mensch eine Seele oder hat er eine Seele? Ist die Seele unsterblich? Was
geschieht nach dem Tod? Existiert eine Hölle? Gibt es eine ewige Verdammnis?
Mit diesen Fragen werden wir uns nachfolgend beschäftigen.

■ DR. LOTHAR GASSMANN wird … der Mensch bekommt nicht den


Atem Gottes in sich, sondern Gott bläst
as heisst «Seele»? Ist der ihm Lebensatem ein … Der ‹Lebens-

W Mensch eine lebendige See-


le oder hat er eine Seele?
Die Bibel sagt beides. Dass
der Mensch als «nefesch
haja» («lebendige Seele»; man könn-
te auch allgemeiner übersetzen: «le-
bendiges Wesen») von Gott erschaf-
atem› bedeutet also einfach die Leben-
digkeit, das Einhauchen des Lebens-
atems die Belebung des Menschen …
Der von Gott geschaffene Mensch ist der
lebendige Mensch … der Mensch wird
zur nefesch haja geschaffen, es wird
nicht in seinen Körper eine ‹lebendige
fen wurde, geht deutlich aus der Seele› hineingegeben. Der Mensch in
grundlegenden Stelle in seinem Lebendigsein ist ganzheitlich
1. Mose 2,7 hervor: «Da verstanden.»1
machte Gott JHWH den Der Mensch ist also als Ganzer eine
Menschen aus Erde vom «lebendige Seele», die Gott aus Erde
Acker und blies ihm den geformt und mit Seinem Lebensatem er-
Odem des Lebens in seine füllt hat.
Nase. Und so ward der Aber weil der «nefesch»- und «psy-
Mensch ein lebendiges We- ché»-Begriff im Alten und Neuen Testa-
sen (nefesch haja).» Der Alt- ment weiter gefasst wird und eine Rei-
testamentler Claus Wester- he von Bedeutungsnuancen aufweist,
mann kommentiert diese Stel- kann er auch noch anders verwendet
le so: werden, nämlich in folgenden Bedeutun-
«… der Mensch besteht nicht aus gen: «Seine Seele (psyché) ist in ihm (en
mehreren Bestandteilen (wie Leib und auto)» (Apg 20,10; vgl. 1.Kön 17,21f.);
Seele o.ä., sondern er besteht in einem «Seelen besitzen (ta echonta psychas)»
‹Etwas› [Staub vom Ackerboden; L. G.], (Offb 8,9) u.ä. Es gibt in der Bibel auch
das durch die Belebung zum Menschen Stellen, die von einer Unterscheidung
oder gar Trennung von Leib und Seele
handeln, zum Beispiel: «Fürchtet euch
Der Mensch ist als Ganzer eine «lebendi- nicht vor denen, die den Leib töten und
ge Seele», die Gott aus Erde geformt und die Seele (psyché) nicht töten können;
mit seinem Lebensatem erfüllt hat fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der

4 Mitternachtsruf > Juli 2002


..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
Leib und Seele verderben kann in der heitselement des
Hölle» (Mt 10,28). Menschen (enge Be-
Im «Theologischen Begriffslexikon deutung) gemeint.
zum Neuen Testament» werden folgen- Das gilt ins-
de Bedeutungsnuancen der Begriffe «ne- besondere für Stel-
fesch» (hebr.) und «psyché» (griech.) in len wie Hesekiel
der Heiligen Schrift aufgelistet und durch 18,4. Wenn es dort
Bibelstellen belegt: «Der Sitz des Lebens heisst: «Die Seele,
oder das Leben», «das ganze natürliche die sündigt, soll ster-
Sein und Leben des Menschen», «leben- ben», ist damit
dige Seele», «das innermenschliche Le- selbstverständlich
ben … Ich, Person, Persönlichkeit, mit der Mensch in sei-
den verschiedenen Kräften der Seele ... ner geistig-seelisch-
Person mit allen Kräften des Bewusst- leiblichen Gesamt-
seins», «die Lebendigkeit und die Seite heit gemeint, denn
des Willens und Gemütes im Men- eine isolierte Seele
schen», «das eschatologische Leben», könnte weder sündi-
«jene Grösse, innerhalb deren sich Tod gen noch sterben.
und Leben, Verderben und Seligkeit Sterblichkeit ist
entscheiden.»2 eine Eigenschaft, die
Will man diese verwirrende Breite der im Neuen Testament
Definitionen (und das sind noch nicht nur in Verbindung
alle) auf einen Nenner bringen, dann mit dem irdischen
kann man vielleicht so formulieren: Leib gebraucht wird
«Seele» ist ein Begriff, der sich sowohl (vgl. Röm 6,12;
auf die menschliche Person als Ganzes 8,11; 1.Kor 15,53f.;
als auch auf deren wesentliche Eigen- 2.Kor 4,11; 5,4).
schaften und Befindlichkeiten beziehen Denn der irdische
kann. Leib gehört zur
Sphäre des Sichtba-
Ganztod oder nachtodliche ren und Vergängli-
Die Seele ist die den materiellen Tod überdauernde Personalität chen (2.Kor 4,18).
Existenz? des Menschen Der neue Leib aber,
Altes und Neues Testament beschrei- der dem in seiner
ben den Menschen als «Seele», aber Mensch bei seinem irdischen Tod ganz personalen Kontinuität weiterexistieren-
auch als «Geist-Seele-Leib»-Einheit, die und gar stirbt) ist daher mehr als frag- den Menschen bei der Auferstehung am
beim leiblichen Tod zeitweise aufgelöst lich. Mit Martin Luther und Fritz Heid- Jüngsten Tag zuteil wird, ist unvergäng-
und bei der leiblichen Auferstehung am ler (der sich u.a. auf Luther beruft) bin lich (1.Kor 15,35-54; 2.Kor 5,1-10; Phil
Jüngsten Tag wiederhergestellt wird. In ich der Ansicht, dass die Bibel «von der 3,21).
der dazwischenliegenden Zeit (Zwi- seelischen Weiterexistenz der verstor- Auch wenn es somit nach biblischer
schenzustand zwischen irdischem Tod benen Personen im Zwischenzustand» Lehre eine Unsterblichkeit des Men-
und Auferstehung) existiert der Mensch redet, und dass Gott «die Seele unsterb- schen (oder – wenn man so will: der
als Person weiter, wenn auch ohne ir- lich und ewig schafft», um «die Ich-Kon- Seele) gibt, ist diese Auffassung von der
disch-materiellen Leib. Die Personkon- tinuität zu bewahren und so die Aufer- Unsterblichkeit mit den heidnisch-pla-
tinuität zwischen irdischem Tod und stehung der Toten in personaler Identi- tonischen Vorstellungen keineswegs
Auferstehung kann man als Weiterleben tät zu ermöglichen.»3 identisch. Die Unterschiede zwischen
des menschlichen Ichs – oder auch: der Wolfgang Trillhaas hat darauf auf- biblischer und heidnisch-platonischer
«Seele» – bezeichnen, ohne damit heid- merksam gemacht, dass Auferstehung Unsterblichkeitsauffassung sind gravie-
nisch-platonischen Vorstellungen von und Unsterblichkeit keine Gegensätze rend. Es handelt sich vor allem um fol-
einer «Unsterblichkeit der Seele» zu sind, sondern einander bedingen. Un- gende vier Punkte:
huldigen. «Seele» ist in diesem Sinne die sterblichkeit und Auferstehung verhal- 1. Die platonische Philosophie be-
den materiellen Tod überdauernde Per- ten sich zueinander wie Schale und trachtet den Leib als «Kerker der Seele»
sonalität des Menschen. Kern, wie Anfang und Vollendung. Die und wertet ihn damit gegenüber dem
Biblische Texte wie Matthäus 10,28, Auferstehung ist «ein Modus des Glau- Seelisch-Geistigen ab. In der Bibel hin-
Lukas 16,19-31 und 1.Petrus 3,19 so- bens an die Unsterblichkeit». Sie kann gegen wird betont: «Das Wort wurde
wie alttestamentliche Aussagen über «nur dann gedacht werden, wenn ein Fleisch» (Joh 1,14). Der Mensch ist als
den Scheol (ich gehe darauf zum Teil Leben jenseits des Todes überhaupt im Ganzheit «sehr gut» geschaffen worden
noch ausführlicher ein) sind deutliche Horizont der Denkbarkeit liegt.»4 (1.Mo 1,31). In der Bibel ist der Leib
Hinweise darauf, dass es einen Zwi- Wenn in der Bibel davon die Rede ist, niemals zweitrangig, sondern wird als
schenzustand – und damit auch ein dass die «Seele» stirbt (z.B. in 4.Mo gute Schöpfung Gottes betrachtet.
Weiterexistieren des Menschen nach 23,10; 1.Kön 19,4), ist damit immer der 2. Der platonischen Philosophie ist
seinem irdischen Tod – gibt. Die «Ganz- Mensch als Ganzer (weite Bedeutung), eine Auferstehung des Leibes fremd.
tod»-Hypothese (sie besagt, dass der aber niemals die Seele als Beschaffen- Nach ihrer Vorstellung entkommt beim

Mitternachtsruf > Juli 2002 5


..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
• Gehenna (griech.) als der endgültigen
Biblische Botschaft Feuerhölle für die Verlorenen (benannt
nach dem aram. «gehinnam», dem «Tal
Hinnom» im Süden Jerusalems, in dem
Sterben die Seele wie ein Schmetterling schen vor seiner Zeugung ist dabei nicht bis zur Zeit Josias Kinderopfer durch Ver-
dem Körper. Die Bibel legt hingegen die die Rede. Der Präexistenzgedanke fin- brennen dargebracht wurden und das als
Betonung darauf, dass nach einem nur det sich in der Bibel allein im Blick auf Stätte des göttlichen Gerichts galt).
zeitweiligen leibfreien Zwischenzustand den Logos Jesus Christus (Joh 1,1ff.; Im «Theologischen Begriffslexikon
(«Nacktsein», «Entkleidetsein»; vgl. 8,58; Phil 2,5ff.). Dem Menschen ist es zum Neuen Testament» werden Hades
2.Kor 5,1-10) die leibliche Auferstehung gesetzt, «einmal zu sterben, danach aber und Gehenna so definiert:
erfolgt. Der irdische Leib stirbt zwar; das das Gericht» (Hebr 9,27). «Für das NT ist die ... gehenna eine
leibliche Dasein des Menschen wird präexistente Grösse (Mt 25,41), ein feu-
aber dadurch keineswegs abgewertet, riger Abgrund (Mt 13,42.50). Sie ist der
was in der leiblichen Auferstehung
Gibt es eine Hölle? Ort der endzeitlichen Strafe nach dem
Christi und der vorausgesagten zukünf- Nun stellt sich die nächste Frage: Ist Jüngsten Gericht, die ewig dauert (Mt
tigen leiblichen Auferstehung aller Men- die Lehre von der Hölle biblisch oder 25,41.46; 23,15.33). Es werden Leib
schen zum Ausdruck kommt (1.Kor 15). nicht? Was ist mit «Hölle» gemeint? Was und Seele in ihr gerichtet (Mk
Die Seligkeit der Seelen wird 9,43.45.47f; Mt 10,28). Sie
daher in der Heiligen Schrift ist also zu unterscheiden
immer verstanden «unter vom Hades, der in der Zeit
dem Gesichtspunkt der Auf- vor der Auferstehung die
erstehung des Leibes, also ei- Seelen der Verstorbenen be-
ner neuen Leiblichkeit der herbergt.»6
5
Seelen.» Wie sind die biblischen
3. Die platonische Philo- Passagen zu interpretieren,
sophie lehrt, dass nach dem in denen die Begriffe «Sche-
Tod «das Göttliche im Men- ol», «Hades», «Gehenna»
schen» zu «Gott» (stark pan- und «Feuersee» vorkom-
theistisch verstanden) zu- men? Sind es Symbolbegrif-
rückkehrt. Unsterblichkeit fe und symbolische Ge-
wird hier als eine qualitati- schichten (dies behaupten
ve Veranlagung betrachtet, ausser Sekten wie zum Bei-
die jedem Menschen von spiel den «Zeugen Jehovas»
Natur aus eigen ist – unab- Der Scheol unterscheidet sich unter anderem dadurch vom Grab, dass er sich in auch andere Anhänger der
hängig von irgendeiner Be- sehr grosser «Tiefe» befindet «Annihilation» und des
ziehung zu einem persona- «Konditionalismus») – oder
len Gott. Die Bibel kennt ein solches bedeutet das Verständnis von «Hölle» für handeln sie von einer Wirklichkeit jetzt
«Göttliches» nicht, das im Menschen den Menschen? und in zukünftiger Zeit? Ist die Gehen-
veranlagt sei, sondern spricht von der Betrachten wir den deutschen Begriff na ein Ort des «Heulens und Zähneklap-
Sündenverfallenheit jedes Menschen «Hölle» etwas näher, so sehen wir, dass perns», wie es Jesus mehrmals formu-
von Natur aus und dem daraus resul- er ungenau ist. Mit dem deutschen Wort liert?
tierenden Tod, dem bei zu irdischen «Hölle» wurden – etwa in Martin Lu- Zunächst ist festzustellen, dass die
Lebzeiten versäumter Umkehr die ewi- thers Bibelübersetzung – ganz unter- Begriffe «scheol» und «hades» nicht das
ge Verdammnis folgt. Das ewige Leben schiedliche hebräische und griechische Grab, sondern die Unterwelt als Aufent-
– verstanden als ewiges Heil – ist ganz Begriffe zusammengefasst. So ist von den haltsort der Toten, das Totenreich be-
allein Gottes Gabe und freies Geschenk biblischen Sprachen her zu unterschei- zeichnen.7 Der gewöhnliche Begriff für
(Röm 6,23; Mt 25,31ff.; Offb 21,11- den (wenn auch nicht immer mit letz- «Grab» hingegen ist im Hebräischen
15). Gott allein besitzt Unsterblichkeit ter Klarheit zu scheiden) zwischen: «qeber», im Griechischen «taphos» oder
(1.Tim 6,16), aber er verfügt über die • Abyssos (griech.) als dem «Abgrund», «mnemeion». Der Scheol unterscheidet
Unsterblichkeit und verleiht sie dem der «Unterwelt», insbesondere als «Ge- sich unter anderem dadurch vom Grab,
Menschen – zum ewigen Heil oder ewi- fängnis bestrafter Dämonen» (Lk 8,31; dass er sich in sehr grosser «Tiefe» be-
gen Unheil. Offb 9,1f.); eine ähnliche Bedeutung hat findet (5.Mo 32,22; Hiob 11,8; 26,5; Jes
4. Die platonische Philosophie geht Tartaros (2.Petr 2,4); 14,15), durch «Tore» verschlossen ist
von einer Präexistenz des Menschen • Scheol (hebr.) bzw. Hades (griech.) als (Ps 9,14; Jes 38,10; vgl. Mt 16,18) und
(Existenz vor seiner Zeugung) – zum Teil dem vorläufigen, zwischenzeitlichen dass man in ihn «hinabsteigen» oder
sogar verbunden mit einer «Seelenwan- Aufenthaltsort der immateriellen Per- «hinabfahren» kann (1.Mo 37,35; 4.Mo
derung» – aus, während die Bibel das sönlichkeit (= «Seele») bis zur Auferste- 16,23; Hiob 7,9; Ps 9,18), während man
klar verneint. Die Bibel kennt zwar ei- hung, und zwar sowohl der Gerechten in das Grab hineingelegt wird.
nen Plan Gottes für das Leben des Men- wie der Ungerechten, die durch eine tie- Im Scheol herrscht zwar Weltverges-
schen vor seiner Zeugung (vgl. Ps fe Kluft voneinander getrennt sind; der senheit (Hiob 14,21; Pred 9,5ff.), aber
139,16; Jer 1,5) und eine ewige Erwäh- Teil, in dem die Gerechten leben, ist der nicht Bewusstlosigkeit, sondern Wahr-
lung von Menschen durch Gott (Eph «Schoss Abrahams» (Lk 16,22) oder das nehmungsfähigkeit und Aktivität.
1,4); aber von einer Existenz des Men- «Paradies» (Lk 23,43); Entsprechende Bibelstellen (z.B. Jes

6 Mitternachtsruf > Juli 2002


..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
14,9-17; Hes 31f.; Hiob 14,18-22; 26,5; es wird im Gegenteil seine ewige Dauer der Übergang vom Totenreich (Scheol,
vgl. Lk 16,19-31) mögen zwar bildhafte (aionios) betont. Hades) als Zwischenzustand (vgl. den
Elemente im Blick auf Detailschilderun- Wenn von «Hölle» als dem ewigen Kontext in Offb 20,12f.!) zur endgülti-
gen enthalten, aber die Berichte als Gan- Schicksal der Verdammten in der Bibel gen Stufe der ewigen Verdammnis zum
ze weisen meines Erachtens doch deut- die Rede ist, so werden hierfür durch- Ausdruck. Der Scheol wird aufgelöst –
lich auf eine Existenz nach dem Tode gehend Begriffe gebraucht, die ein und das heisst: alle, die in ihm sind, wer-
hin. Gegenüber alttestamentlicher Zeit Schaudern und Erschrecken hervorru- den ihrer endgültigen Bestimmung preis-
hat der Begriff «scheol/hades» im Neu- fen. Die Gehenna ist nicht unwirklich, gegeben.
en Testament eine Sinnerweiterung er- irdisch, zeitlich, leer, das Fegefeuer, die
fahren: «… über die alte Verwendung Vernichtung oder der Zustand zwischen
als Bezeichnung der gesamten Totenwelt Wiederverkörperungen, wie von unter-
Was bedeutet «ewig» (aionios)?
hinaus kann das Wort den zwi- schiedlichen Lehrrichtungen behauptet Von verschiedenen Seiten wird be-
schenzeitlichen Aufenthaltsort entwe- wird. Sie ist vielmehr der Ort ewiger hauptet, dass «ewig» (aionios) nicht ei-
der aller Toten oder der Seelen der Gott- Bestrafung, Qual und Gottesferne. nen unaufhörlichen Zustand der Qual,
losen meinen.»8 Auch die Tatsache, dass «der Tod und sondern die Folge eines einmaligen Ak-
Im Unterschied hierzu bezeichnet sein Reich» in den feurigen Pfuhl gewor- tes der Auslöschung bezeichne: das
«gehenna» den endgültigen Bestim- fen werden (Offb 20,14) spricht nicht niemals endende Vernichtetsein. Diese
mungsort der Verdammten, die ewige gegen die Realität der Gehenna. Viel- Argumentation stimmt nicht mit dem
Feuerhölle. Die damit verbundene Rea- mehr kommt durch diese Formulierung neutestamentlichen Gebrauch des Be-
lität wird im Neuen Testament folgen-
dermassen gekennzeichnet:
• Heulen und Zähneklappern (Mt 8,12;
13,42.50; 22,13; 24,51; 25,10)
• Finsternis (Mt 22,13; 2.Petr 2,4.17;
Jud 6)
Mehr Fakten zum Thema
• Feuer (Mt 3,10; 13,40; Joh 15,6)
• ewiges Feuer (Mt 18,8; 25,41; Mk
9,43)
• Feuer und Schwefel (Offb 14,9ff.) John Ankerberg und
John Weldon
• Feuersee (Offb 20,14f.)
• Feuer- und Schwefelsee (Offb 20,10; Fakten über das
21,8) Leben nach dem
• feuriger Pfuhl (Offb 19,20; 20,15) Tod
• Feuerofen (Mt 13,41f.50) Eine Klarstellung über
• Strafe ewigen Feuers (Jud 7) Wahrheit und Irrtum
• unauslöschliches Feuer (Mk 9,43.48; ■ Taschenbuch,
Lk 3,17) 80 Seiten
Bestell-Nr. 18754
• nicht sterbender Wurm (Mk 9,48; CHF 7.50, EUR 5.–
vgl. Jes 66,24)
• Qual (Offb 14,11; vgl. Lk 16,23ff.)
Selbst wenn man davon ausgeht, dass
diese Charakterisierungen ganz oder
teilweise bildlich gemeint sein sollten,
so sind doch entsetzliche Wirklichkei-
ten erkennbar: Gottesferne, Finsternis
und quälende Schmerzen. Die drasti-
schen Hinweise auf quälende Schmer-
zen in der Gehenna lassen sich meines
John Ankerberg und
Erachtens nicht mit einer Auslöschung John Weldon
oder Vernichtung der Existenz verein-
Fakten über
baren, wie Vertreter der Annihilations-
Theorie behaupten. Würde der Mensch
Sterbeerlebnisse
bei seinem irdischen Tod wirklich aus- Was sagt die Bibel über diese
Phänomene?
gelöscht, dann wäre der Hinweis auf das
■ Taschenbuch, 80 Seiten
«ewige» oder «unauslöschliche Feuer» Bestell-Nr. 18755
(to pyr to asbeston), den «nicht sterben- CHF 7.50, EUR 5.–
den Wurm» (ho skolex ou teleuta) und
die damit verbundene Qual überflüssig,
ja unverständlich. Nirgends in der Hei-
ligen Schrift findet sich ein klarer Beleg
dafür, dass dieses «Feuer» ein einmali-
ger Vernichtungsakt sei, welcher die
Existenz des Menschen beende, sondern

Mitternachtsruf > Juli 2002 7


..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
im Paradiese sein» (Lk 23,43) und wie
Biblische Botschaft könnte Er in Lukas 16,19-31 den nach-
todlichen Zustand beschreiben, wenn es
alles das gar nicht wirklich gäbe?
griffes «aionios» überein, der eine un- 9,17; 10,28; 2.Petr 2,1; Offb 17,8.11 Manche berufen sich auf Bibelstellen
aufhörliche Dauer zum Ausdruck u.a.); «verschwenden» (Mt 26,8; Mk aus dem Alten Testament, insbesondere
bringt.9 14,4); «umbringen» (Mt 2,13; 12,14; aus den Psalmen und dem Buch Predi-
Ferner lässt sich darauf antworten, 21,41 u.a.); «umkommen» (Mt 5,29f.; ger, die von der Vergänglichkeit des
dass das gleiche griechische Wort «aio- 26,52 u.a.). Apoleia hat somit nicht in Menschen und seiner abgebrochenen
nios», das im Neuen Testament für die erster Linie die Bedeutung von «vernich- Beziehung zu Gott und der Schöpfung
«ewige Verdammnis» gebraucht wird, ten», sondern von «verloren gehen», im Zustand des Todes handeln (z.B. Ps
auch auf Gott und seine Segnungen An- von «Untergang». Apoleia ist «nicht der 6,5; 49,14; 115,7; Pred 3,18-22; 9,3-
wendung findet. René Pache hat errech- Verlust der Existenz, sondern das Ende 10). Liest man solche Stellen isoliert und
net, dass das Neue Testament «aionios» einer wohlbefindlichen Existenz.»12. beachtet nicht den heilsgeschichtlichen
«vierundsechzigmal auf himmlische und Alle Annihilationisten sind zu fragen: Ort, an dem sie stehen, dann könnte
selige Wirklichkeiten der anderen Welt» Wenn es keine Weiterexistenz des Men- man tatsächlich zu falschen Ergebnissen
anwendet: «Der ewige Gott, Seine ewi- schen unmittelbar nach dem Tode ge- gelangen. Aber gerade eine solche Bi-
ge Macht, der ewige Geist, das ewige ben soll, sondern die Ungerechten ver- belexegese, die Stellen aus ihrem heils-
Leben, das ewige Evangelium, das ewi- nichtet werden und die Gerechten noch geschichtlichen und gesamtbiblischen
ge Reich, das ewige Heil, die ewige Er- auf ihre Neuerschaffung warten, wie las- Zusammenhang herausreisst und das
lösung, der ewige Bund, das ewige Erbe, sen sich dann folgende biblischen Be- Fortschreiten vom Alten zum Neuen
die ewige Herrlichkeit, der ewige Trost, richte erklären? Bund übersieht, kennzeichnet ja ein
die ewigen Hütten, die ewigen Zeiten, • Bei der Verklä- unsachgemässes,
die ewigen unsichtbaren Dinge.» Sie- rung (Mt 17,1-8) sektiererisches Bi-
benmal findet es Anwendung auf Kenn- erschienen Jesus belverständnis.
zeichen der Verdammnis: Mt 18,8; und drei Jüngern Welches ist nun
25,41; Jud 7: das ewige Feuer; Mt die alttestamentli- der heilsgeschicht-
25,46: die ewige Pein; Mk 3,29; Hebr chen Gestalten liche Ort von Predi-
6,2: das ewige Gericht; 2.Thess 1,9: das Mose und Elia. Wie ger (Kohelet)? Es ist
ewige Verderben. Bei den Kennzeich- hätten sie diesen er- der Erkenntnis-
nungen Gottes und der Eigenschaften scheinen können, stand des Men-
der Seligkeit steht ausser Frage, dass wenn sie zu diesem schen zu alttesta-
«aionios» «ewig» im Sinne einer Dauer Zeitpunkt nicht mentlicher Zeit vor
ohne Ende meint, nicht nur eine ande- mehr (oder noch der Auferstehung
re «Daseinsqualität». Pache fragt zu nicht) existiert hät- Jesu Christi. Die
Recht: «Wie kann ein Wort, das vierund- ten? Gewissheit des
sechzigmal ‹ewig› bedeutet, sieben an-
dere Male einen anderen Sinn haben?»10
• Wie könnte Pau-
lus sagen, er wün-
Nirgends in der Bibel ewigen Lebens und
der Auferstehung
Wenn die Bibel somit von einer ewigen sche sich «abzu- findet sich ein klarer ist hier – wie im
Qual der Dämonen und gottlosen Men-
schen spricht, folgt daraus, dass sie nicht
scheiden und bei
Christus zu sein»
Beleg dafür, dass das Alten Testament
überhaupt – noch
einfach vernichtet werden. (Phil 1,23) und Feuer ein einmaliger nicht so deutlich of-
Ferner wird immer wieder das im
Neuen Testament gebrauchte Wort «apo-
«nicht entkleidet,
sondern überkleidet
Vernichtungsakt sei, fenbart wie im
Neuen Bund. Auch
leia» ins Feld geführt, das angeblich (verwandelt)» (2. welcher die Existenz wenn eine Weiter-
«Vernichtung» bedeuten soll. Aber es
gilt: «Apollusthai ist nun [sc. im Neuen
Kor 5,4) zu werden,
wenn sich nicht un-
des Menschen beende, existenz nach dem
Tode immer wieder
Testament] im Gegensatz zum sozesthai mittelbar an den ir- sondern es wird im an einzelnen Stel-
oder zur zoe aionios ein definitives
Scheitern, nicht einfach das Erlöschen
dischen Tod eine
Weiterexistenz an-
Gegenteil seine ewige len des Alten Testa-
ments (z.B. Ps
der physischen Existenz, sondern das schliesst? Dauer betont 88,11; 139,8; Jes
ewige Versinken im Hades, ein hoff- • Wie könnten die 26,19; Hes 37; Dan
nungsloses Todesgeschick ... Einfaches getöteten Zeugen Jesu Christi unter dem 12,1; Hiob 19,25 ff.) anklingt, so ist völ-
Erlöschen der Existenz ist auch hier himmlischen Altar Gott um sein Eingrei- lige Gewissheit erst durch die Auferste-
nicht gemeint ..., sondern ein nicht en- fen bitten und wie könnte ihnen geant- hung Jesu Christi und die dadurch er-
dender qualvoller Todeszustand.»11 wortet werden, sie sollten «noch eine folgte Grundlegung für eine allgemeine
Vom biblischen Befund her ist näm- kurze Zeit abwarten, bis auch ihre Mit- Totenauferstehung gegeben. Im Alten
lich festzustellen, dass «apollymi», «apo- knechte und Brüder vollendet sind» Testament steht hingegen an vielen Stel-
leia» und die wurzelverwandten Formen (Offb 6,9-11), wenn es keine Existenz len die Angst vor dem drohenden Ge-
eine ganze Reihe von Bedeutungen ha- zwischen irdischem Tod und Jüngstem richt und vor der Vergänglichkeit des ir-
ben können: «verlieren» (Mt 10,6.39; Gericht geben sollte? dischen Lebens im Vordergrund, so auch
15,24; 16,25; 18,11.14; Lk 15,4.6. • Wie könnte Jesus dem Verbrecher am bei Kohelet.
8.9.24.32 u.a.); «verderben» (Mt 7,13; Kreuz zurufen: «Heute wirst du mit mir Kohelet ist «noch stark diesseitsori-

8 Mitternachtsruf > Juli 2002


..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
entiert» und hat «keine Gewissheit über
Streiflicht


die Auferstehung zum Leben.»13 Er rech-
net aber damit, «dass mit dem Tod eben


nicht alles aus ist» (3,17; 12,7), dass es
«ein Gericht» gibt. In Prediger 3,18ff.
redet zum Beispiel «der Mensch ohne
Heimsuchende Vaterliebe
Gott, der sich nur ‹für sich selbst› (V. «Ich streckte meine Hände aus den ganzen Tag nach einem ungehorsamen Volk, das nach
18) betrachtet und im Vergleich mit dem seinen eigenen Gedanken wandelt auf einem Wege, der nicht gut ist» (Jes 65,2). Welche Tragik,
Vieh zu der Einsicht kommt und kom- wenn ein liebendes Vaterherz feststellen muss, wie sich Sein auserwähltes Volk von Ihm als
men muss, letztlich gebe es bis in den dem beschützenden und führenden Gott abwendet und eigensinnig eigene, verbotene Wege
Tod hinein keinen Unterschied». Die
geht. Mit unendlicher Vaterliebe befreite Er Israel durch ein einzigartiges Wunder vom Sklaven-
Linie führt aber «konsequenterweise
von hier weiter zum Todesüberwinder dienst aus Ägypten, mit der Absicht, aus ihm ein königliches Priestervolk zu machen, das aller
Jesus Christus».14 Welt zum Segen sein sollte. Aber wie kränkten diese geretteten Menschen Sein Vaterherz durch
Ähnliches gilt für Prediger 9,3ff.: «Die ihren Ungehorsam! Welch schnöder Undank, die liebenden, segnenden und beschützenden
Lokalisierung ‹unter der Sonne› gibt er- Hände des Retters abzuweisen! Würde Er nun Seine ausgestreckten Hände zurückziehen, wür-
neut zu erkennen, dass Kohelet mit sei- den sie in ihr eigenes Elend laufen und darin versinken. Das wäre durchaus ihre eigene Schuld.
nen Beobachtungen die nüchterne Wirk-
Doch das brachte Er nicht übers Herz. Zu sehr brannte Seine innige Liebe für Seine Kinder, als
lichkeit eines Lebens an Gottes Bestim-
mung vorbei beschreibt.»15 dass Er sie hätte dahingeben können. Auch um Seiner Ehre willen durfte dies nicht geschehen.
Wer sich auf solche Stellen beruft, der Denn dann hätten die Heidenvölker gespottet, der Gott der Juden sei nicht imstande gewesen,
übersieht, dass sich diese wie Anfragen Sein Volk zu retten. Das konnte und wollte Er um Seines heiligen Namens willen nicht zulassen.
verhalten, die in Jesus Christus ihre Be- Stattdessen schwor Gott ihm sogar ewige Treue: «Denn die Gnadengaben und die Berufung
antwortung und Erfüllung erfahren ha- Gottes sind unbereubar» (Röm 11,29). Gott findet durch Gericht und Gnade einen Weg zur
ben. Wenn Prediger 3,21 etwa fragt:
«Wer weiss, ob der Odem der Menschen
Rettung für Sein Eigentumsvolk. Seine glühende Retterliebe vermag das Erwählte aus dem
aufwärts fahre?», dann gibt die neutes- Verderben zu retten. In Seiner Langmut und Geduld spricht Er die Verheissung aus: «Denn es
tamentliche Stelle in 2. Korinther 5,1 sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen,
darauf die Antwort: «Denn wir wissen: und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer» (Jes 54,10).
wenn unser irdisches Haus, diese Hüt- Gottesliebe ist auch Mutterliebe, wie Jesaja 49,15 sagt: «Kann auch eine Frau ihr Kindlein
te, abgebrochen wird, so haben wir ei-
vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie seiner vergäs-
nen Bau, von Gott erbaut, ein Haus,
nicht mit Händen gemacht, das ewig ist se, so will ich doch deiner nicht vergessen.» – Es gibt auch gläubige Väter und Mütter, die ihre
im Himmel.» ■ Kinder im Glauben an Jesus Christus erzogen und hoffnungsvoll auf den rechten Weg geführt
haben. Inzwischen sind die Jungen und Mädchen «flügge» geworden, und der unaufhaltsame
Prozess der «Abnabelung» ist eingetreten. Sie gehen ihre eigenen Wege und suchen sich ihren
1
C. Westermann, Genesis, Kapitel 1-11, BK I/1, Platz in der Gesellschaft. Noch sehe ich jenen Vater vor mir, der erzählte, unter der Haustür
Neukirchen-Vluyn, 2. Aufl. 1976, S. 282 f. habe er seinem Jungen zum Abschied die Hand gereicht und ihm dann sorgenvoll nachge-
2
Theologisches Begriffslexikon zum Neuen
Testament, II/1977, S. 1 116 ff. blickt. Dann habe er dem Herrn Jesus gesagt: «Nun musst Du die Schutzaufsicht über meinen
3
F. Heidler, Ganztod oder nachtodliche Existenz?, Sohn übernehmen; ich kann es nicht mehr tun.» Der Vater wurde nicht enttäuscht. Die gefalte-
Theologische Beiträge, Nr. 4/1985, S. 169ff.
4
W. Trillhaas, Einige Bemerkungen zur Idee der ten Hände der Eltern vermögen Gott zu veranlassen, Seine schützenden und bewahrenden
Unsterblichkeit, Neue Zeitschrift für Systematische Hände über ihre Kinder auszustrecken, so dass sie auf «der rechten Strasse» dem richtigen Ziel
Theologie, 1965, S. 147ff.
5
Theologisches Begriffslexikon zum Neuen zustreben.
Testament, II/1977, S. 1 119 Wie schwer muss es jedoch für Eltern sein, wenn sie meinen, alles Gute für ihre Kinder getan
6
Theologisches Begriffslexikon zum Neuen zu haben und dennoch bittere Enttäuschung erleben, indem sich ihr Kind wie der verlorene
Testament, I/1977, S. 713
7
Theologisches Handwörterbuch zum Alten Sohn jenen anschliesst, die sich auf der breiten Strasse des Verderbens befinden. Sie liefern
Testament (THAT), II/1984, Sp. 837ff.; W. Bauer, sich der Gefahr aus, im Sumpf der Unmoral zu versinken und gehen der Ehre und Gesundheit
Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testamen-
tes, 1971, Sp. 32f.; Exegetisches Wörterbuch zum verlustig. Der Kontakt mit dem Elternhaus wird immer loser, unterbleibt vielleicht sogar ganz.
Neuen Testament (EWNT), hg. v. W. Balz u. G. Wer ahnt, wie viele sorgenvolle und gekränkte Eltern die Nächte durchweinen und sich fragen,
Schneider, I/1980, Sp. 72 f.; Theologisches was sie denn bloss falsch gemacht haben? Doch der Herr zählt auch diese Tränen. Freilich hat
Wörterbuch zum Alten Testament (ThWAT) VII/1993,
Sp. 901ff. Gott den Menschen mit einem freien Willen ausgestattet. Will er seinen bösen Weg zu Ende
8
THAT II/1984, Sp. 841. gehen, wird er auch die furchtbaren Konsequenzen selber tragen müssen. Aus eigener Kraft
9
Bauer 1971, Sp. 55f.
10
R. Pache, Das Jenseits, Wuppertal 1973, S. 163f. kann er sich nicht mehr aus seinem Elend herausschaffen. Und doch besteht Glaube, Hoff-
11
Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament nung, Liebe. Ein Glück, wenn gläubige Eltern vor Gottes Thron knien und – gestützt auf Gottes
(ThWNT) I, S. 395 f. Verheissungen – unaufhörlich für die Rettung ihrer Kinder beten und ringen. Damit bewegen
12
H.-J. Ronsdorf, Und die Toten leben doch. Die
Unsterblichkeit der Seele, Bielefeld 1992, S. 150 sie den starken Arm Gottes, der alles vermag! Er vermag auch dann noch zu retten, wenn das
13
C.-D. Stoll, Der Prediger, Wuppertaler Studienbi- betende Herz zu schlagen aufgehört hat! Denn Er will nicht den Tod des Sünders, sondern dass
bel 1993, S. 34
14
eda., S. 76f dieser sich bekehrt und lebt. ■ BURKHARD VETSCH
15
eda., S. 139

Mitternachtsruf > Juli 2002 9


..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
Im Blickfeld
UNO – Wen
die Macht
entmachtet
Wer auf eine UN-Sanktionsliste gegen den
Terrorismus gerät, kann sich nicht wehren.
Auch in der Schweiz wurden Konten gesperrt
– ohne Überprüfung oder Anhörung durch
die Gerichte.
n einem Bericht der «NZZ am Sonn-

I tag» (12.5.2002) heisst es unter an-


derem: «Bei Terrorverdacht endet
der Rechtsstaat. Mohamed Mansour, UNO-Hauptsitz in New York Die UNO ist dabei, ihre Macht-
Schweizer mit ägyptischen Wurzeln und
ehemaliger ETH-Professor, ist im No-
befugnisse rigoros in die Tat
vember 2001 über Nacht zum ‹globa- fen. Solche gezielt finanziellen umzusetzen. Was bislang nur
len Terroristen› erklärt worden. Sanktionen wurden von der
Die USA hatten ihn und seine Frau UNO bisher nur vereinzelt ergrif-
vereinzelt geschah, wird nun
auf ihre Verdächtigenliste gesetzt. Der fen und von der Schweiz nach- in viel grösserem Masse an-
Sicherheitsrat der UNO übernahm die- vollzogen. Nach dem 11. Sep-
se Liste zwei Tage später. Und die tember setzte die UNO das In-
gewandt
Schweiz tat, was sie seit Ende des Kal- strument auf Druck des amerika-
ten Krieges stets getan hat: Sie folgte den nischen Finanzministeriums erstmals ge- fügte hinzu, das zurzeit 293 Namen auf
Wirtschaftssanktionen der UNO mit ei- gen eine grosse Zahl zum Teil vage Ver- der so genannten Schwarzen Liste der
ner eigenen Verordnung. dächtiger ein. Schweiz stehen. Fatalerweise bestehen
Die Bankkonten des Ehepaars Man- Mohamed Mansour hat Glück, dass er kaum Aussichten, von dieser Liste ge-
sour wurden gesperrt. Und streng ge- in der Schweiz wohnt. Der Bundesrat hat strichen zu werden. Wer zum Beispiel
nommen hätte ihnen künftig kein Bä- bei der Umsetzung der Anti-Terror-Sank- von den Amerikanern zu Unrecht ver-
cker mehr Brot verkaufen können, ohne tionen eine Klausel eingebaut, die es dem dächtigt wird, den Terror zu finanzieren,
internationales Recht zu brechen. Der Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) er- kann sich nicht dagegen wehren. Von
74-jährige Mohamed Mansour beteuer- laubt, nach drei Tagen wenigstens das der Liste gestrichen werden können laut
te seither stets seine Geld für den tägli- Wyss derzeit nur Staaten. Sie können
Unschuld. Andere chen Bedarf den sich an das UNO-Sanktionskomitee wen-
Möglichkeiten be- Sanktionierten zu de- den und eine Streichung von der Liste
sitzt er nicht. Es exis- blockieren. Mansour verlangen. Für Privatpersonen oder Or-
tiert kein Rechtsmit- will jedoch die voll- ganisationen bestehe diese Möglichkeit
tel gegen den massi- ständige Freigabe sei- nicht.
ven Eingriff in sein ner Konten. Und vor Offenbar ist die UNO tatsächlich
Leben. allem möchte er von dabei, ihre Machtbefugnisse rigoros in
‹Wir befinden uns der Terroristenliste die Tat umzusetzen. Was bislang nur
da tatsächlich auf In den USA werden Kreditkarten zum Teil gestrichen werden. vereinzelt geschah, wird nun in viel grös-
Neuland›, sagt Kurt schon mit dem Fingerabdruck ersetzt Da helfen ihm serem Masse angewandt. Welcher
Höchner, stellvertre- einstweilen nur Bitt- Machtapparat steht hinter der Durchset-
tender Direktor der Direktion für Völ- briefe an den Bund, an die UNO und an zung solcher Sanktionen, die sogar ge-
kerrecht. Gezielte finanzielle Sanktionen die USA. Bisher ohne Erfolg.» gen Privatpersonen und Vereine gerich-
– der Oberbegriff lautet ‹smart sanc- tet sind? Inwieweit ist der Mensch
tions› – sind ein relativ neues Mittel mit Othmar Wyss vom Staatssekretariat bereits kontrollierbar? Die Überwa-
dem Zweck, nicht ein ganzes Volk, son- für Wirtschaft bestätigte diesen Bericht chung und die dadurch bedingten Er-
dern bloss bestimmte Personen zu tref- im «Zürcher Oberländer» (14.5.02) und mittlungen oder Strafmassnahmen neh-

10 Mitternachtsruf > Juli 2002


..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
men immer mehr antichristliche Züge Haut implantieren liess. Der Chip trägt
Aufgegriffen


an. Wenn es jetzt schon so weit ist, dass medizinische und persönliche Informa-
eine Familie kaum noch einkaufen kann, tionen. Die Prozedur erfolgte ambulant
weil sie auf einer Schwarzen Liste der und innerhalb von Sekunden. Der 12
UNO steht und diese ihre Bankkonten mal 1,2 Millimeter grosse Chip enthält
kontrolliert, sind wir bald bei Offenba- einen Mini-Sender. Mit Hilfe eines Scan- Harn Raksajit, ein selbst ernannter Guru
rung 13,16-17 angelangt, wo geschrie- ners kann eine auf dem Chip gespeicher- der schwarzen Magie, hat in einem thailän-
ben steht: «Und es bringt alle dahin, die te persönliche Kennnummer abgerufen dischen Dörfchen eine Schule für Magie er-
Kleinen und die Grossen, und die Rei- werden, die auf die persönlichen Daten öffnet. Dort können sich Zauberlehrlinge in
chen und die Armen, und die Freien und der Chipträger verweist. die schwarze Kunst einführen lassen. Der
die Sklaven, dass man ihnen ein Mal- Der in Palm Beach ansässige Chip- Magier bringt ihnen bei, wie man Liebesträn-
zeichen an ihre rechte Hand oder an ihre Hersteller Applied Digital Solutions Inc. ke mischt, Geister abwehrt und kugelsiche-
Stirn gibt; und dass niemand kaufen hofft, dass sich weltweit viele Menschen re Tätowierungen anfertigt. Neben seiner
oder verkaufen kann, als nur der, wel- den Chip einpflanzen lassen. Doch wur-
Lehrtätigkeit in der Schule gibt er sein Wis-
cher das Malzeichen hat, den Namen den auch schon Stimmen laut, die vor
sen an Studenten weiter. Vor fünf Jahren ver-
des Tieres oder die Zahl seines Na- einem Missbrauch warnen; aber der
mens.» Auf diesem Gebiet geht es bereits Durchbruch ist nicht mehr aufzuhalten. urteilte ein Gericht Harn Raksajit zu einem
mit unheimlichem Tempo vorwärts. Was wird aus diesem bereits existieren- halben Jahr Gefängnis, weil er ein totes Baby
In den vergangenen Wochen war hier den Machtapparat mit all seinen Befug- zu einem Liebestrank verarbeitet hatte. Aus-
und da zu lesen, dass man in Supermärk- nissen und technischen Möglichkeiten, serdem sprachen die Richter ein fünfjähri-
ten in den USA jetzt statt mit Kreditkar- wenn der Mann an die Weltspitze tritt, ges Berufsverbot aus, das inzwischen been-
ten per Fingerabdruck einkaufen kann. den die Bibel das «Tier» nennt? det ist.
Bereits in den ersten Stunden nach der Wir leben offenbar in einer Zeit, in
Einführung dieses neuartigen Systems der das antichristliche System auf jedem Grösste Besorgnis über das zunehmen-
meldeten sich Hunderte, um sich regis- Gebiet mit Macht durchzubrechen be- de Interesse an satanischen Internetseiten
trieren zu lassen. Und weiteren Publi- ginnt. Umso mehr dürfen wir nach dem hat die britische Lehrervereinigung geäus-
kationen war zu entnehmen, dass sich wiederkommenden Herrn für Seine
sert. Zahlreiche Jugendliche hätten sich im
erstmals eine dreiköpfige Familie aus Gemeinde Ausschau halten und laut
Zusammenhang mit Satanskulten bereits das
Florida einen so genannten VeriChip von rufen: «Maranatha, komme bald, Herr
der Grösse eines Reiskorns unter die Jesus!» ■ N.L. Leben genommen. Bei einer Meinungsum-
frage hätten mehr als 50 Prozent der be-
fragten 11- bis 16-Jährigen starkes Interes-
se an okkulten Praktiken zugegeben. Die
mehr als 1 000 satanischen Kulte bedien-
Es gibt auch andere Stimmen ten sich zunehmend des Internets, um An-
hänger zu werben. Oftmals würden auf den
Webseiten blutrünstige Rituale bis ins De-
Europaweit nehmen die Stimmen gegen Israel zu. Wie «Idea Spektrum» tail beschrieben.
berichtete, nannte es der deutsche Bundespräsident Johannes Rau einen
«Beweis der Freundschaft», wenn man die israelische Regierungspolitik Hermann Gröhe, Vorsitzender des «Bun-
kritisch begleite. desarbeitskreises für Menschenrechte» be-
klagt eine weltweite Zunahme der Christen-
er Araber-freundliche Politiker Jür- rer das Vorge- verfolgung. Christen aller Konfessionen wür-

D
Keystone

gen Möllemann kritisierte Israel hen Israels in den noch immer wegen ihres Glaubens dis-
auf einem Parteitag der FDP aufs seiner Kir- kriminiert: «Sie verlieren ihre Arbeitsstellen,
Schärfste. Dabei erwähnte er Jassir chenzeitung ihre Wohnungen, werden inhaftiert, entführt,
Arafat mit keinem Wort, obwohl und beein- verstümmelt, ermordet, ihre Kirchen werden
inzwischen bewiesen ist, dass der PLO- flusst damit niedergebrannt, ihre Häuser zerstört.»
Vorsitzende den Terrorismus gegen Is- die Kirch-
rael tatkräftig unterstützt hat. Mölle- gänger gegen Zu den ersten zehn Ländern mit der
mann aber bezichtigte Israel des Staats- Israel. Und stärksten Christenverfolgung gehören sechs is-
terrorismus gegen die Palästinenser. Der nicht zuletzt
lamisch geprägte Staaten: Saudi-Arabien, Af-
Landtagsabgeordnete der Grünen, Jamal äussern sich Araberfreund und FDP-
ghanistan,Turkmenistan, Iran, Ägypten und die
Karsli, ist in die FDP übergetreten mit auch die Politiker Jürgen Möllemann
der Begründung, die israelkritische Po- meisten Me- Malediven; dazu kommen vier Länder unter
sition Möllemanns stärken zu wollen. dien und politischen Stimmen Europas kommunistischer Herrschaft: die Volksrepub-
Auch Kirchenmänner halten mit erns- eher negativ gegenüber dem Judenstaat. lik China, Laos, Nordkorea und Vietnam.
ten Vorwürfen nicht zurück. So sieht der Doch es gibt auch andere Stimmen.
EKD-Ratsvorsitzende Manfred Kock Meistens werden sie in Leserbriefen In der «Jerusalem Post» hiess es über
«keine Möglichkeit, auf Kritik an der veröffentlicht, aber oft treffen sie den das widersprüchliche Verhalten der westli-
israelischen Politik zu verzichten». Nagel auf den Kopf. So schreibt zum chen Politiker im Nahost-Konflikt: «Es war

Ebenso kritisiert ein evangelischer Pfar- Beispiel

Mitternachtsruf > Juli 2002 11


..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
▲ zu hoffen, dass nach dem 11. September Im Blickfeld
Washington mehr Verständnis aufbringen
würde für das Ausmass der militärischen Ein-
sätze, die Israel für die Bekämpfung des pa- • Jorge de la Parte aus Calpe in Spani- Ihre Redakteure regelmässig die Famili-
lästinensischen Terrors für erforderlich hielt. en in einem «Spiegel-Leserbrief» (Nr. en von Mördern aufsuchen, um ihre
Aber selbst dann, als die USA ihre Angriffe 19/2002): «Ich weigere mich, Islamis- Befindlichkeit zu analysieren. Ich sehe
auf Afghanistan intensivierten, um Osama bin ten als ‹Gotteskrieger› anzuerkennen. schon förmlich das rechtfertigende Wort
Laden und El-Kaida auszurotten, waren sie Sie kämpfen nicht für Gott und nicht in durch den Raum schweben: Gesamtum-
nicht gewillt, Israel dieselbe Strategie auf Seinem Auftrag. Sie kämpfen für sich stände. Natürlich ist der Konflikt unend-
seinem eigenen Boden zuzubilligen. Wenn und niemanden sonst.» lich kompliziert, dennoch wäre es wün-
• Weiter schreibt eine Nachrichten- schenswert, dass ein Mädchen, das er-
George Orwell meint, alle Kriege gegen den
agentur über eine Studie zum Antisemi- mordet wurde, nicht auf eine Stufe mit
Terror könnten gleich sein, so hat Israel in tismus in islamischen Gesellschaften: einer indoktrinierten Fanatikerin gestellt
diesen Tagen zu seinem Ärgernis erfahren, «Wer häufig in den Orient reist, hat wird. Allem Verständnis der palästinen-
dass einige Kriege gegen den Terror offen- solch eine unangenehme Szene sischen Sache zum Trotz, das Sie offen-
sichtlich gleicher sind als andere.» sicherlich schon erlebt: Ein Taxifahrer, bar noch besitzen – mir ist es bei all dem
der einen geschulten Blickes schnell als Blut verloren gegangen.»
Israels Politiker beobachten seit langem Deutschen oder Deutsche identifiziert • In einer anderen Zeitung war zu le-
mit wachsender Besorgnis ein massives Auf- hat, will seine Sympathie mit dem Aus- sen: «Die Nahost-Berichterstattung ist
rüstungsprogramm der Regierung in Kairo. spruch ‹Hitler gut› zum Ausdruck brin- bei uns haarsträubend einseitig. Wenn
Ägypten gilt heute als der viertgrösste Waf- gen. In den Auslagen arabischer Buch- palästinensische Heckenschützen mor-
fenimporteur der Welt und ist nach Israel das handlungen werden den und die israelische
bisweilen ‹Mein Armee Vergeltung übt,
Land, das von den USA am stärksten mit Mi-
Kampf› oder ‹Die Pro- «Hüte dich, mit werden meist nur die
litärhilfe unterstützt wird. Besorgnis erregend
für Israel ist zudem die Tatsache, dass die
tokolle der Weisen von Jakob anders arabischen Opfer ge-
Zion› offen zum Ver- zeigt. Rücken israeli-
Militärausgaben des südlichen Nachbarn seit kauf angeboten» zu reden als sche Panzer für drei
1990 stetig steigen. («Idea Spektrum», Nr. freundlich» Stunden in Jenin ein,
19/2002). nehmen dort eine Zen-
Jeff Spivak, Judenchrist und Dozent für • Ein Leser schrieb an trale des ‹Dschihad al
Neues Testament, sagte: «Der Krieg der Pa- eine grosse deutsche Wochenzeitung: Islami› aus und befreien 70 Gefangene,
lästinenser richtet sich nicht gegen die Be- «Unbestritten sind die Palästinenser ein auf die wegen ihrer Zusammenarbeit mit
satzung. Er möchte nicht die Gründung ei- unterdrücktes Volk, aber insgesamt Israel das Standgericht wartet, aus dem
nes Staates erreichen. Dies war vor zwei Jah- drängt sich mir die Frage auf: Wie um Gefängnis, wird über eine ‹Neubeset-
ren angeboten worden, doch Jassir Arafat Himmels willen wollen die Palästinen- zung der palästinensischen Gebiete›
lehnte es ab. Es geht um die Zerstörung von ser jemals zu einem funktionierenden berichtet. … Und dahinter stecken ir-
Staatswesen fähig sein, wenn sie ihre gendwo ganz in den Tiefen, die in der
Israel und die Ermordung seiner Bürger.»
eigenen Kinder in den Tod schicken und zweiten Reihe des Bücherregals ver-
in einem kleinen und überschaubaren steckten ‹Protokolle der Weisen von
«Jeder gläubige Muslim muss am Jihad Gebiet nicht einmal im Ansatz in der Zion›, der unselige Mythos vom Trach-
(Heiliger Krieg) teilnehmen, um das geraub- Lage sind, gut vorbereitete und organi- ten des internationalen Judentums nach
te Palästina von den verdammten ketzeri- sierte Selbstmordanschläge gegen Un- der Weltherrschaft. Tatsächlich geht es
schen Juden zu befreien. … Was für Vorteile schuldige zu unterbinden? Spricht das aber um das nackte Überleben Israels.»
hätte eine Normalisierung mit den unreinen nicht eher dafür, dass die Führung und • Uzi Landau, der israelische Sicher-
Juden?» sagte Iast Ibrahim, der Vizepräsi- grosse Teile der Palästinenser direkt in heitsminister (Likud), sagte in einem
dent des Irak, auf der Gipfelkonferenz der diesen Wahnsinn verwickelt sind? Dann Gespräch mit dem Wiener «Profil» (Nr.
Islamischen Staaten am 12. November wiederum stellt sich die Frage, wie Isra- 33/01): «… die europäischen Staaten
2000. el überhaupt handeln soll?» haben den Tod von Hunderten Zivilis-
• Über das Selbstmordattentat der 18- ten verursacht, als sie im Kosovo inter-
jährigen Palästinenserin Ajat al-Achras, venierten. Sie haben wirklich kein
Der Medienfachdienst «randy» meldete:
bei dem sie die 17-jährige Israelin Ra- Recht, uns zu erzählen, was wir tun sol-
«Es fällt auf, dass weder feministische Orga- chel Levi mit in den Tod riss, berichtete len. Was würden denn Sie tun, wenn
nisationen noch Funktionäre in der Bundes- der «Spiegel» (Nr. 19/2002) unter der ein Selbstmordattentäter sich auf den
republik je gegen die Steinigung von Frauen Überschrift «Krieg der Mädchen». Dazu Weg in die Wiener Oper macht? … In
bei lebendigem Leib im Iran aufgetreten sind. äusserte sich jemand in einem Leserbrief Zeiten eines Krieges sitzt man nicht vor
In den Medien ging fast unter, dass die Poli- wie folgt: «Sie sprechen in Ihrer Über- einem Richter. Man kämpft.»
zei in Mekka die Feuerwehr daran hinderte, schrift von einem ‹Krieg der Mädchen›. • Peter Forster, ein Schweizer Nahost-
15 Mädchen zu retten, die lebendigen Lei- Krieg? Welche Waffe trug Rachel bei experte und ehemaliger Korrespondent
bes verbrannten. Sie waren nicht islamisch sich? Wem hatte sie den Krieg erklärt? in Israel, wurde in der «Coopzeitung»
gekleidet. Mit Knüppeln wurden sie ins Feu- Natürlich wissen Sie, dass das ein Mord (Nr. 18/2002) zum Thema «Nahost-
er getrieben.» war. Also warum dann dieser Titel? Ich Konflikt» interviewt. Über Ramallah sag-
kann mich auch nicht erinnern, dass te er unter anderem: «Ausgerüstet mit

12 Mitternachtsruf > Juli 2002


..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
einer kleinen Fotokamera war ich um lich war, weil das Volk kei-
die Mittagszeit dort. Ein paar halbwüch- nen Bezug mehr zur Bibel
sige Palästinenser standen herum. Ich hatte und dessen Inhalt
wollte von ihnen wissen, ob heute denn nicht mehr kannte. Kaum
kein Aufstand stattfände. Der Führer, ein jemand erhob damals sei-
etwa 18-Jähriger … wies auf die Uhr und ne Stimme. So konnte sich
erklärte: ‹Heute ist die Inifada um 15.00 der Antisemitismus fast
Uhr.› … ich wartete ab. Kurz vor 15.00 ungehindert ausbreiten
Uhr erschienen Journalisten von CNN. und fand sogar grossen
Einige Minuten später stellten weitere Anklang in der Bevölke-
Fernsehleute ihre Kameras auf. Dann rung.
ging’s los: Pneus brannten, Rauchpetar- Der einst von seinen
den stiegen in die Luft – es wurde de- Brüdern verworfene Josef
monstriert und geschossen. Als um hätte das Recht gehabt, sie zu kritisie- Kurz vor 15.00 Uhr er-
17.00 Uhr die Fernsehteams die Aufnah-
men beendeten, war auch die Intifada
ren und sogar zu bestrafen. Aber als er
seinen Brüdern in Ägypten begegnete,
schienen Journalisten
mindestens für jenen Tag vorbei.» Auf lesen wir über ihn: «Und er tröstete sie von CNN. Einige Minuten
die Frage: «Warum halten Sie trotz sei-
nem massiven Militäreinsatz gegen die
und redete freundlich mit ihnen» (1.Mo
50,21). Denken wir auch an Laban, der
später stellten weitere
Palästinenser noch immer zu Israel?», seinen Schwiegersohn Jakob (= Israel) Fernsehleute ihre Kame-
antwortete Forster: «Weil ich überzeugt
bin, dass es einen jüdischen Staat
verfolgte und berechtigte Gründe hat-
te, ihn zu kritisieren. Er wurde von Gott
ras auf. Dann ging’s los:
braucht; auch wenn ich nicht alles für gewarnt: «Hüte dich, mit Jakob anders Pneus brannten, Rauch-
richtig halte, was Premierminister Ariel
Sharon unternimmt. Den Selbstmord-
zu reden als freundlich» (1.Mo 31,24).
Auch der Moabiterkönig Balak wollte Is-
petarden stiegen in die
Terror der Palästinenser halte ich für rael während dessen Wüstenwanderung Luft – es wurde demonst-
feige, brutal und hinterhältig. … Ich
habe den Eindruck, dass seit ein paar
durch Bileam verfluchen lassen. Tatsäch-
lich hatte das Volk immer wieder ver-
riert und geschossen. Als
Wochen die Berichterstattung etlicher sagt, gezweifelt, gemurrt und war unge- um 17.00 Uhr die Fern-
Medien eher pro-palästinensisch gefärbt
ist. … Nicht zu übersehen ist, dass Isra-
duldig gewesen. Es hätte an diesem Volk
viel auszusetzen gegeben, denn es mach-
sehteams die Aufnahmen
el in der letzten Zeit in der Schweiz te so unendlich viel falsch. Doch als Bi- beendeten, war auch die
leam mit den Feinden Isra-
els gehen wollte, lesen wir:
Intifada vorbei
«Und Gott sprach zu Bileam:
Du sollst nicht mit ihnen ge-
hen; du sollst das Volk nicht Politik? Von welchem Geist werden
verfluchen! Denn es ist ge- christliche Institutionen, deren Vertre-
segnet» (4.Mo 22,12). Spä- ter und einzelne Christen beeinflusst?
ter sagte Bileam zu Balak: Wir dürfen nicht übersehen, dass Israel
«Wie soll ich verfluchen, einem grossen Ziel entgegengeführt
wen Gott nicht verflucht, wird: der Ankunft seines Messias Jesus
und wie verwünschen, wen Christus! Auch das sah Bileam voraus,
der Herr nicht verwünscht und statt zu fluchen, musste er wie folgt
«Es geht ums nackte Überleben Israels» hat?» (4.Mo 23,8). Nach ei- weissagen: «Ich sehe ihn, aber nicht
nem weiteren Versuch Ba- jetzt; ich schaue ihn, aber nicht von na-
Freunde verloren hat. … Ich kenne Is- laks, Israel durch Bileam zu verfluchen, hem. Es wird ein Stern aus Jakob aufge-
rael zu gut, als dass ich aufgrund der heisst es: «Und Bileam erhob seine Au- hen und ein Zepter aus Israel aufkom-
aktuellen Lage meine Beziehung zu die- gen und sah Israel, gelagert nach sei- men … Aus Jakob wird der Herrscher
sem Land und meinen dortigen Freun- nen Stämmen; und der Geist Gottes kam kommen …» (4.Mo 24,17.19). Wer
den in Frage stellen würde.» über ihn. Und er begann seinen Spruch meint, diese Prophezeiung hätte heute
und sprach … Wer will ihn aufstören? keine Gültigkeit mehr, der lese im Neu-
Wir sind Gott dankbar, dass es noch Die dich segnen, sind gesegnet, und die en Testament einmal den Abschnitt in
Menschen gibt, die sich nicht von «Mei- dich verfluchen, sind verflucht!» (4.Mo Römer 11,23-29. Wir haben als Chris-
nungsmachern» manipulieren lassen, 24,2-3.9). Hier sehen wir, was der Geist ten gute Gründe, Israel zu segnen, uns
sondern selbstständig denken und für Gottes (im Gegensatz zum Geist dieser auf seine Seite zu stellen und unsere
Israel eintreten. In einer Zeit, in der sich Welt) bewirken will: Der Heilige Geist Stimme für dieses Volk zu erheben. Und
sogar Christen und Pfarrer von Israel füllt das Herz und den Mund eines an das nicht nur deshalb, weil die Chris-
distanzieren, sollten wahrhaft bibelgläu- Jesus gläubigen Menschen mit Segen tenheit in ihrer zweitausendjährigen Ge-
bige Menschen die Gunst der Stunde über Israel. schichte diesem Volk unendlich viel Leid
nutzen und ihre Stimme für Israel erhe- In diesem Zusammenhang fragen wir angetan hat, sondern weil es von Gott
ben. Kürzlich sagte jemand, dass der uns: Von welchem Geist wird Europa geliebt ist um der Väter (Abraham, Isaak
Holocaust im NS-Staat Hitlers nur mög- beherrscht? Welcher Geist regiert in der und Jakob) willen. ■ N.L.

Mitternachtsruf > Juli 2002 13


..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
100 Frauen betragen, um die Erneue-
Im Blickfeld rung der Generationen zu gewährleis-
ten (Stand: 1998).
• in der Schweiz pro Arbeitstag ca. 50

Der «dritte Weltkrieg» Abtreibungen vorgenommen werden?


Das entspricht einem gut besetzten Rei-
sebus oder zwei Schulklassen.
• eines der häufigsten Argumente zu-
Der «dritte Weltkrieg» findet seit Jahren im Bauch werdender Mütter statt und gunsten der Abtreibung in der öffentli-
geschieht an allen Fronten. Auf dem Schlachtfeld der Abtreibungstische chen Diskussion die wirtschaftliche Not-
sterben weltweit jährlich ca. 50 Millionen Menschen. lage ist, obwohl laut Erfahrung verschie-
dener Länder und Be-
as sind etwa so viele Opfer wie im • Medizinern und ratungsstellen nur

D gesamten Zweiten Weltkrieg. Wie


bei allen Kriegen sind bei der so
genannten Abtreibung (sprich: Mord am
Wissenschaftlern, die
Embryonen zu For-
schungszwecken
10–30% der Frauen
finanzielle Notlagen
angeben?
ungeborenen Leben) die Unschuldigsten missbrauchen • durch Abtreibung
und Wehrlosesten die Opfer. Viele Frau- • Feministinnen, jährlich dreimal mehr
en wollen sich das «Recht auf ihren die rufen: «Mein Leben vernichtet
Bauch» nicht nehmen lassen und we- Bauch gehört mir!» wird als beim Terror-
gen einer ungewollten Schwangerschaft • einer Gesellschaft, anschlag auf das
keine Abstriche von ihrer Bequemlich- die das Töten von un- World Trade Center
keit machen. So kämpft man einen tota- geborenem Leben in New York vom 11.
len Krieg unter dem Deckmantel des Hu- verharmlost. September 2001?
manismus; doch nicht gegen andere Viele Mütter, die
Mächte, nicht gegen Soldaten oder den Wussten Sie, abgetrieben haben,
Terrorismus, sondern gegen wehrlose leiden danach unter
Babys. Bis jetzt aber hatte noch jede
dass … schweren Depressionen und Schuldge-
Kriegserklärung für die Schuldigen, frü- • Abtreibung eine der häufigsten Todes- fühlen. Doch es gibt Hoffnung für ver-
her oder später, verheerende Auswir- ursachen ist und in der offiziellen Statis- zweifelte Frauen, die unter einer Abtrei-
kungen. So wird es auch denen ergehen, tik eigentlich gar nicht aufgeführt wird? bung leiden, die einer Quelle des Lebens
die den Mord am ungeborenen Leben • das Verhältnis von Abtreibungen zu das Wasser nahmen. Diese Hoffnung
begünstigen, zum Beispiel Geburten 1 : 6,7 beträgt, dass also heisst: Vergebung durch Jesus Christus!
• Regierungen, welche die Abtreibung mindestens jedem 7. Kind das Leben ver- Der Herr begegnete einmal einer Frau,
legalisieren wehrt wird? die mit schwerer Schuld beladen war,
• Männern, die ihre Frauen zur Abtrei- • ca. 95% aller Todesfälle von Kindern und Er bot ihr an: «Wer aber von dem
bung zwingen (bis zum 9. Lebensjahr) im Mutterleib Wasser trinken wird, das ich ihm geben
stattfinden? werde, den wird nicht dürsten in Ewig-
• in der Schweiz die Gebur- keit; sondern das Wasser, das ich ihm
tenrate stetig sinkt (1996: geben werde, wird in ihm eine Quelle
Ein Auszug aus der Todesursachenstatistik
der Schweiz zeigt folgende Fakten auf: 83 000; 1997: 80 600; 2000: Wassers werden, das ins ewige Leben
78 500; gerundete Zahlen)? quillt» (Joh 4,14). Wer auch immer die-
■ Total der Lebendgeborenen 80’600 • momentan auf 100 Frauen ses Angebot Gottes annimmt, erfährt
■ Total der Todesfälle 62’839 durchschnittlich 148 Kinder etwas ganz Neues: Befreiung von uner-
Einige Todesursachen: zur Welt kommen? Dieser In- träglicher Schuld und ewiges Leben!
dikator müsste 210 Kinder auf ■ N.L.
■ Geburtskomplikationen 5
■ Natur- und Umwelteinflüsse 45
■ Multiple Sklerose 106 Gott hat es zugelassen, dass die grosse Mehrheit der Schweizer und Schweize-
■ Verkehr (Fussgänger) 114 rinnen am 2. Juni d.J. den straffreien «Schwangerschaftsabbruch» bis zur 12.
■ Mord, Totschlag, gewaltsamer Tod 141 Woche angenommen hat. Wie die folgende Statistik belegt, werden auch die
Abtreibungszahlen in der Schweiz (wie das bisher in allen Ländern geschah)
■ Verkehr (Automobile) 180 nach der Liberalisierung des «Schwangerschaftsabbruchs» steigen:
■ Drogenabhängigkeit 239
Vor Liberal. Lib.jahr Danach
■ Kinder 0–9 Jahre (alle Ursachen) 543
■ Dänemark 1970: 9’375 1973 1996: 18’135 +93,4%
■ Alzheimer 769
■ USA 1972: 693’400 1973 2000: 1’373’700 +98,1%
■ Selbstmord 1’341
■ Holland 1980: 19’700 1981 2000: 27’205 +38,1%
■ Ernährung- und Stoffwechsel 1’900
■ Kanada 1987: 70’023 1988 1997: 114’848 +64.0%
■ Abtreibung über 12’000
■ Krebs 15’598 Quellen: Alle Zahlen der Auflistung sind vom schweizerischen Bundesamt für Statistik (BfS) 1997; die
■ Herz-Kreislauf 19’701 Abtreibungszahlen stammen von der Schweizerischen Vereinigung für die Straflosigkeit des Schwanger-
schaftsabbruchs (SVSS).

14 Mitternachtsruf > Juli 2002


..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
«Der Herr bedarf seiner»

Das Glück,
schwach zu sein
In unserer Welt gelten die Starken meistens als die Glücklichen.
Aber geistlich gesehen ist es gerade umgekehrt.

■ MARCEL MALGO und mit einem Esel in Verbindung ge-


bracht werden wie zum Beispiel «Esels-
ibt es tatsächlich Glück, das aus brücke». Damit ist ein Hilfsmittel ge-

G Schwachheit geboren wird?


Das klingt doch merkwürdig
oder gar widersprüchlich! Der
Apostel Paulus aber bezeugt,
dass Gott zu ihm gesagt hat: «Lass dir
an meiner Gnade genügen; denn meine
Kraft ist in den Schwachen mächtig.
meint, um gedankliche Schwäche zu
überbrücken. Oder denken wir an das
Wort «Eselei», was «Faselei, Gedanken-
armut, Leichtfertigkeit, Albernheit, La-
rifari und Dummheit» bedeutet. Dann
gibt es Menschen, die in einem Heft
oder Buch eine Seite umknicken, damit
Darum will ich mich am allerliebsten sie wissen, wo sie weiter lesen müssen.
rühmen meiner Schwachheit, damit die Diese Unsitte wird allgemein als «Esels-
Kraft Christi bei mir wohne» (2.Kor ohr» bezeichnet. Nicht zuletzt haben
12,9). wir auch den ganz lapidaren Ausdruck
«Esel», den sich Menschen gegenseitig
an den Kopf werfen. Das bedeutet: «Dir
Mensch und Esel fehlt wohl irgendwas», oder: «Du bist
Ich fragte einmal meine zwei ältes- nicht ganz dicht!» bzw. «Du bist ein Blö-
ten Kinder, wie sie einen Esel charakte- dian!» – alles recht unschöne Dinge. Es
risieren würden. Sie sagten: «Ein Esel sind Sprachwendungen, bei denen es
wird als dumm, störrisch und dickköp- allgemein um Unvermögen oder Dumm-
fig dargestellt; aber wahrscheinlich ist heit geht, wofür der Esel herhalten
er ein recht intelligentes Tier.» Diese muss.
Antwort fand ich interessant, zumal wir
Menschen auch uns selbst als intelligent
und vernünftig einstufen, obwohl wir oft
Was sagt die Bibel über den Esel?
dumm, störrisch und dickköpfig han- Schon Abraham und Jakob haben Esel
deln. Nicht umsonst werden wir in als unentbehrliche Haustiere gehalten.
Psalm 32,9 aufgefordert: «Seid nicht wie Sie dienten als Last- und Zugtiere. Als
Rosse und Maultiere, ohne Verstand, Reittiere wurden sie auch von Volksfüh-
welchen man Zaum und Gebiss anlegen rern und Kriegern verwendet. Dass Esel
muss, da sie sonst nicht zu dir nahen!» damals für ihre Besitzer wichtig waren,
Tatsächlich wird der Esel als wider- beweist die Tatsache, dass der junge Saul
spenstig, dumm und charakterschwach durch seinen Vater Kis ausgesandt wur-
eingestuft. So gibt es in unserer Um- de, entlaufene Eselinnen zu suchen (vgl.
gangssprache Ausdrücke, die mit Unfä- 1.Sam 9,3.20). Das war die eine Seite
higkeit oder Dummheit zu tun haben des biblischen Eseldaseins.

Mitternachtsruf > Juli 2002 15


..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
woher ein brutaler Mensch mit viel
«Der Herr bedarf seiner» Anlauf auf seinen Rücken, sondern es
setzte sich jemand ganz behutsam auf
die Kleider. Sodann wurde er nicht auf
Die andere Seite bestand in der Tat- was gesagt ist durch den Propheten, der schmerzliche Weise mit einem Stock
sache, dass Esel alttestamentlich gese- da spricht: ‹Sagt der Tochter Zion: Sie- oder einer Rute geschlagen. Stattdessen
hen zu den unreinen Tieren gehörten, he, dein König kommt zu dir sanftmü- streute man Palmzweige vor seine Hufe.
was ihren Wert sehr verringerte. Des- tig und reitet auf einem Esel und auf Welch ein Höhepunkt in seinem so tris-
halb wurden Esel nicht zur Fleischver- einem Füllen, dem Jungen eines Last- ten Esel-Leben! Und warum dies alles?
wertung verwendet; man ass sie nur im tiers.› Die Jünger gingen hin und taten, Weil der junge Esel dazu auserwählt war,
äussersten Notfall. Ein solcher trat wie ihnen Jesus befohlen hatte, und den Herrn der Herrlichkeit nach Jerusa-
gewissermassen bei der Belagerung Sa- brachten die Eselin und das Füllen und lem zu tragen!
marias ein, wo ein Eselskopf die gewal- legten ihre Kleider darauf, und er setzte
tige Summe von 80 Silberstücken kos- sich darauf» (Mt 21,1-7).
tete (2.Kön 6,25). In der Bibel wird nur von einem ein-
Träger der Herrlichkeit Jesu
Dass Esel zu den unreinen Tieren zigen Geschöpf gesagt: «Der Herr bedarf Wenn wir Christus angehören, sind
gehörten, bedeutete aber auch, dass – seiner» (Mt 11,3), und zwar von einem auch wir dazu auserkoren, Träger Sei-
im Gegensatz zu den reinen Tieren – Esel. Gerade dieses Tier wurde auser- ner Herrlichkeit zu sein! Ganz ungeach-
ihre Erstgeburt nicht dem Herrn geweiht koren, Träger der Herrlichkeit des Herrn tet der Frage, wie schwach und verkannt
werden durfte. Darum wurde den Isra- zu werden; diese oft so verachtete Kre- wir sind, wie elend und verzagt wir uns
eliten gesagt: «Wenn dich nun der Herr atur durfte den Sohn Gottes in Seine fühlen, wie unscheinbar unser Leben
ins Land der Kanaaniter gebracht hat … Stadt Jerusalem hineintragen. Daran soll- auch verläuft – wir sind dazu erwählt,
so sollst du dem Herrn alles aussondern, ten Sie denken, wenn Sie von jeman- ein Abglanz der Herrlichkeit Jesu zu
was zuerst den Mutterschoss durch- dem «Esel» genannt werden. Denn in sein, damit viele Menschen Ihn erken-
bricht. … Die Erstgeburt vom Esel sollst diesem Licht besehen, ist dieser nen und Ihm begegnen können.
du auslösen mit einem Schaf; wenn du Schimpfname eigentlich eine Ehre! Zwar fühlt sich so mancher von uns
sie aber nicht auslöst, so brich ihr das Der junge Esel von Betfage zeigt uns, überfordert und lässt seinen Kopf hän-
Genick» (2.Mo 13,11-13). was es bedeutet, wenn sich Schwach- gen wie ein Esel, der nur gerade das
Esel führen auch heute noch ein be- heit in Glück bzw. Ehre verwandelt. Fleckchen Erde sieht, auf dem er steht.
scheidenes, eintöniges und meist recht Denn dieses unscheinbare Geschöpf er- Aber es gibt nichts Tristeres, als in Selbst-
jämmerliches Leben. Aber gerade ein reichte den Höhepunkt seines Lebens betrachtung zu versinken und in unseli-
unscheinbarer Esel durfte zu Lebzeiten in dem Moment, als es den Herrn der gem Grübeln zu verharren! Ach, wenn
des Herrn Jesus eine Position einneh- Herrlichkeit auf seinem Rücken in die wir doch erfassen würden, dass
men, die ihresgleichen sucht. Damals Stadt Jerusalem trug. Hier war grösstes • wir in unserer ganzen Schwachheit
ritten römische Offiziere auf wertvollen Glück in tiefster Schwachheit. Da wuchs mit tiefem Glück erfüllt würden;
Vollblutpferden. Reiche Araber und Be- eine Blume des Triumphes aus dem • dass unsere Einsamkeit erhellt wür-
duinen besassen Kamele und ritten so Sumpf der Vergessenheit und des Elends de;
durch Städte wie zum Beispiel Jerusa- hervor. Natürlich wusste der Esel nicht, • dass jeder Dunkelheit in unserem
lem. Aber als der König aller Könige in was wirklich geschah. Aber ein Sprich- Leben Einhalt geboten würde, wenn wir
Seine Stadt – Jerusalem – einzog, ritt Er wort sagt: «Ein Esel stösst seinen Kopf nur das an uns geschehen liessen, was
weder auf einem Vollblutpferd noch auf nie ein zweites mal am gleichen Stein.» dem jungen Esel von Betfage widerfuhr:
einem Kamel, sondern: Das will
heissen, dass
Auf einem jungen Esel auch ein Esel Lass dir an
In Johannes 12,14-15 lesen wir: «Je-
ein wenig
Ve r s t a n d
meiner Gnade
sus aber fand einen jungen Esel und ritt hat. Deshalb genügen; denn
darauf, wie geschrieben steht: Fürchte
dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein
nehme ich
an, dass das
meine Kraft ist
König kommt und reitet auf einem Esels- junge Last- in den Schwa-
füllen.» Der Evangelist Matthäus erzählt
diese Begebenheit so: «Als sie nun in
tier durch-
aus erfasste,
chen mächtig
die Nähe von Jerusalem kamen, nach dass da et-
Betfage an den Ölberg, sandte Jesus was vor sich ging, was es noch nie zuvor Er liess sich zum Träger der Herrlich-
zwei Jünger voraus und sprach zu ihnen: erlebt hatte. Wo hatten ihm, dem Esel, keit des Herrn machen. Wenn wir das
Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt, schon einmal so viele Menschen zuge- erfassten, würden wir erfahren, was es
und gleich werdet ihr eine Eselin ange- winkt und zugejubelt? Hatte er bedeutet, wenn sich Schwachheit in
bunden finden und ein Füllen bei ihr; überhaupt je schon so viele freundlich Glück verwandelt; wir würden erleben,
bindet sie los und führt sie zu mir! Und blickende Menschen gesehen? Anstatt dass aus dem Sumpf der Niedergeschla-
wenn euch jemand etwas sagen wird, dass ihm von Menschen mit roher Ge- genheit die schönsten Blumen hervor-
so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. walt Lasten aufgebürdet wurden, legten spriessen!
Sogleich wird er sie euch überlassen. sie ihm behutsam Kleider auf den Rü- Es war natürlich nicht so, dass die
Das geschah aber, damit erfüllt würde, cken. Nachher sprang nicht von irgend- vielen Menschen dem Esel zuwinkten

16 Mitternachtsruf > Juli 2002


..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
und ihm zujubelten; auch die freundli- mehr muss unser Verhältnis zu Chris- wiss haben Sie das auch schon erfahren.
chen Blicke der die Strasse Säumenden tus eine Veränderung erfahren, unsere Wenn ja, dann denken Sie jetzt bitte an
galten nicht ihm. Ebenso wenig wurden Einstellung zu Ihm muss total erneuert, den jungen Esel von Betfage: Dieselben
seinetwegen Kleider auf seinen Rücken unser Leben allein auf Seine Person aus- Menschen, die ihn vorher vielleicht
gelegt und auch die Palmzweige wurden gerichtet werden. schlugen, sah er jetzt in einem ganz an-
nicht ihm zuliebe auf den Boden ge- Aus dem jungen Esel von Betfage deren Licht; sie strahlten und lachten.
streut. Nein, das alles galt Dem, der auf wurde nicht plötzlich ein Vollbluthengst. Allerdings strahlten sie nicht wegen ihm,
seinem Rücken sass und in Jerusalem Auch die Menschen um ihn herum blie- dem Esel, sondern wegen Dem, der auf
einritt. Aber indem dieser junge Esel den ben Menschen und ebenso änderte sich ihm sass: Jesus Christus. Aber das junge
Heiland trug, wur- Lasttier erfuhr
de er alles dessen Wärme, die durch
teilhaftig. Er erleb- den Herrn, den es
te Ungewohntes, auf seinem Rü-
sah nie zuvor er- cken trug, ent-
fahrene Dinge und standen war.
schritt mit seinen Wenn wir tat-
Hufen über Palm- sächlich Träger
zweige. der Herrlichkeit
Wenn wir auf- des Herrn wer-
hören würden, auf den, dann werden
uns selbst, auf die wir allen Men-
Umstände und auf schen, auch den
andere Menschen schwierigsten, so
zu schauen, könn- begegnen, wie
te sich so manches wir es sonst nie
ändern. Wenn wir vollbringen könn-
tatsächlich anfan- ten. Dann wird
gen würden, die sich über unse-
Herrlichkeit Jesu rem Leben buch-
zu unseren Nächs- Der Esel – das Lasttier stäblich erfüllen,
ten zu tragen, in- was in 2. Korin-
dem wir ein Brief Christi, ein guter Ge- auch die Landschaftskulisse nicht. Aber ther 5,16 geschrieben steht: «Darum
ruch für Ihn würden und Licht und Salz indem jener Esel zum Träger der Herr- kennen wir von nun an niemanden mehr
wären, dann würden durch unsere Hin- lichkeit des Herrn wurde, bekam sein nach dem Fleisch …»
gabe ganz neue Perspektiven eröffnet Eseldasein plötzlich gewaltige Perspek-
und noch viele Menschen ihr ganzes tiven: Er sah die gleichen Menschen Was uns die Eselin Bileams zu
Vertrauen auf Ihn setzen. Was wir als ganz anders, und die alte, verstaubte
wiedergeborene Christen eigentlich sein Strasse fühlte sich unter seinen Hufen
sagen hat
sollten, haben sowohl der Herr Jesus als völlig verwandelt an. Als das Volk Israel auf seiner Wande-
auch Paulus klar definiert: Warum fangen wir nicht an, im Glau- rung ins gelobte Land vor dem Land
• «Ihr seid das Salz der Erde» (Mt 5,13). ben aus unserer eigenen Schwachheit Moab lagerte, wurde dessen König Ba-
• «Ihr seid das Licht der Welt» (Mt herauszutreten, um endlich Träger der lak sehr beunruhigt. Er sandte Boten zu
5,14). Herrlichkeit des Herrn zu werden? Wes- dem Beschwörer Balak mit der Bitte,
• «Ist doch offenbar geworden, dass ihr halb verlassen wir nicht unseren selbst- Israel zu verfluchen. Balak sollte dafür
ein Brief Christi seid» (2.Kor 3,3). erwählten, einsamen Standort, um uns königlich belohnt werden. Nach einigem
• «Denn wir sind für Gott ein Wohlge- dem Herrn der Herrlichkeit zu eigen zu Hin und Her sattelte er seine Eselin, um
ruch Christi» (2.Kor 2,15). geben und Ihm nützlich zu sein? Über zu Balak nach Moab zu reiten.
Wenn wir in Tat und Wahrheit «Salz», den jungen Esel zu Betfage sagte Jesus: Wegen dieser Reise war der Herr sehr
«Licht», «ein Brief Christi» und «für «Der Herr bedarf seiner.» Nun, der Herr zornig und trat Bileam entgegen: «… der
Gott ein Wohlgeruch Christi» wären, bedarf auch Ihrer! Das bedeutet nicht, Engel des Herrn trat in den Weg, um
würden wir Segnungen erfahren, die wir dass sich alles in Ihrem Leben nach Ih- ihm zu widerstehen. Er aber ritt auf sei-
vorher nicht gekannt haben; wir wür- rem Geschmack ändern wird, sondern ner Eselin, und zwei Knechte waren mit
den Dinge gewahr werden, die wir dass Sie Ihr Leben auf Ihn allein ausrich- ihm» (4.Mo 22,22). Dann geschah Fol-
vorher nicht beachteten; wir würden mit ten! gendes: «… die Eselin sah den Engel des
einer ungeahnten Freude erfüllt werden! Werden Sie ein Träger Seiner Herr- Herrn auf dem Wege stehen mit einem
Ja, wir würden im buchstäblichen Sinn lichkeit, und Sie werden alles, was jetzt blossen Schwert in seiner Hand. Und
erfahren, was es bedeutet, in grosser so schwer zu sein scheint, in einem an- die Eselin wich vom Weg ab und ging
Schwachheit zu ungeahntem inneren deren Licht sehen, zum Beispiel zwi- auf dem Felde; Bileam aber schlug sie,
Glück zu kommen. schenmenschliche Beziehungen: Men- um sie wieder auf den Weg zu bringen.
Dabei geht es nicht darum, dass wir schen vermögen vieles kaputt zu ma- Da trat der Engel des Herrn auf den Pfad
uns selbst grundlegend verändern, noch chen; sie können Hoffnungen zerstören, zwischen den Weinbergen, wo auf bei-
darum, dass andere Menschen oder Pläne zunichte machen und dadurch den Seiten Mauern waren. Und als die
Umstände sich verändern müssten. Viel- grossen inneren Schmerz bereiten. Ge- Eselin den Engel des Herrn sah, dräng-

Mitternachtsruf > Juli 2002 17


..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
Wer will diesen Preis bezahlen?
«Der Herr bedarf seiner»
Der Apostel Paulus war bereit, die-
sen Preis ganz zu bezahlen. Sein Zeug-
te sie sich an die Mauer und klemmte «gottselig (zu) leben … in Christus Je- nis in 2. Korinther 12,9 lautet: «Er hat
Bileam den Fuss ein an der Mauer, und sus», indem wir Träger der Herrlichkeit zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gna-
er schlug sie noch mehr. Da ging der des Herrn werden. Und die Eselin des de genügen; denn meine Kraft ist in den
Engel des Herrn weiter und trat an eine Bileam zeigt uns, was die Folgen eines Schwachen mächtig. Darum will ich
enge Stelle, wo kein Platz mehr war aus- solchen gottseligen Lebens in Christus mich am allerliebsten rühmen meiner
zuweichen, weder zur Rechten noch zur Jesus sind: Wir «müssen Verfolgung lei- Schwachheit, damit die Kraft Christi bei
Linken. Und als die Eselin den Engel den». Dann bleiben uns Schläge und mir wohne.» Gott befand es für nötig,
des Herrn sah, fiel sie in die Knie unter Anfechtungen nicht erspart! Eigentlich Seinen Knecht wegen der von Ihm ge-
Bileam. Da entbrannte der Zorn Bileams, ist das sehr einleuchtend, denn Satan, gebenen Offenbarungen zu demütigen,
und er schlug die Eselin mit dem Ste- der grosse Gegenspieler unseres Herrn, in der weisen Voraussicht, dass dieser
cken» (V 23-27). freut sich keineswegs, wenn sich Kin- deswegen nicht hochmütig würde:
Dreimal sah die Eselin den Engel des der Gottes aufraffen, um Jesus in ihrem «... (es) wurde mir ein Pfahl fürs Fleisch
Herrn; zweimal wich sie aus und einmal Leben endlich die volle Ehre zu erwei- gegeben, ein Engel Satans, dass er mich
fiel sie sogar auf die Knie. Da sie Bileam sen. Dann macht er sich auf «wie ein mit Fäusten schlage …» (V 7).
dadurch heftig nervte, bekam sie jedes brüllender Löwe und sucht, wen er ver- Paulus musste diese grosse Anfech-
Mal Schläge von ihm. Was können wir schlingen könne» (1.Petr 5,8). tung erdulden. Er hatte zwar zuvor
als Gläubige daraus lernen? Jede echte Weil ein «gottseliges Leben» Verfol- schon dreimal zum Herrn gefleht, dass
Begegnung mit dem Herrn Jesus Chris- gung nach sich zieht, stärkten einst auch Er ihn von dieser Anfechtung befreien
tus – zum ersten Mal oder immer wieder Paulus und Barnabas die Seelen der Jün- möge. Aber Gott nahm diese Anfechtung
aufs Neue – löst im Reich der Finsternis ger und ermahnten sie, im Glauben zu nicht von ihm weg, sondern sprach die
Erschütterungen aus. Wenn sich jemand bleiben mit der Begründung: «Wir müs- erhabenen Worte zu ihm: «Lass dir an
entschliesst, Träger der Herrlichkeit des sen durch viele Be- meiner Gnade
Lammes Gottes zu werden, schlägt ihm drängnisse in das Reich genügen; denn
Gegenwind aus der unsichtbaren Welt Gottes eingehen» (Apg «Alle, die gottselig leben meine Kraft ist
entgegen: neue Anfechtungen, Kämpfe 14,22). Diesbezüglich wollen in Christus Jesus, in den Schwa-
und manchmal sogar schmerzliche schrieb Paulus an die chen mächtig»
Schläge. Christen in Thessalo- müssen Verfolgung lei- (2.Kor 12,9).
In dem Moment, wo wir Träger der nich: «Denn ihr wisst den» Mit anderen
Herrlichkeit Jesu werden, erschliessen selbst, dass uns das be- Worten: Paulus,
sich uns aber auch neue Horizonte. stimmt ist» (1.Thess «Darum will ich mich am wenn du diese
Einerseits sehen wir dann plötzlich be- 3,3). Darum ermahnt allerliebsten rühmen Anfechtungen
stimmte Umstände mit ganz anderen auch Petrus: «Ihr Lie- und Schläge er-
Augen und wir vermögen auch mit ben, lasst euch durch
meiner Schwachheit, trägst, dann
schwierigen Mitmenschen viel besser die Hitze nicht befrem- damit die Kraft Christi wird dir dafür et-
umzugehen. Andererseits aber begeg- den, die euch wider- bei mir wohne» was Gewaltiges
nen uns auch neue Anfechtungen; wir fährt zu eurer Versu- zuteil: Ich werde
werden gleichsam geschlagen wie die chung, als widerführe mit dir in eine
Eselin des Bileam. Oder ist es Ihnen euch etwas Seltsames, sondern freut tiefe Gemeinschaft treten, indem Ich
nicht auch schon so ergangen? Sie le- euch, dass ihr mit Christus leidet, damit Meine Kraft in dir mächtig werden las-
sen im «stillen Kämmerlein» in der Bi- ihr auch zur Zeit der Offenbarung Seiner se! Sehen Sie hier das Glück, das aus
bel. Das Wort spricht zu Ihnen. Sie be- Herrlichkeit Freude und Wonne haben Schwachheit geboren wird?
ten den Ewigen an. Sie flehen für viele mögt» (1.Petr 4,12). Die Antwort des Apostels auf dieses
einzelne, mit Namen genannte Men- Was wiegt schwerer: Eine tiefe Be- göttliche Angebot lautete: «Darum will
schen Seinen Segen herab, beten im gegnung mit unserem Herrn und Hei- ich mich am allerliebsten rühmen mei-
Glauben um rechte Bekehrung von Un- land, die uns manche Anfechtungen und ner Schwachheit, damit die Kraft Chris-
gläubigen. Sie befinden sich gleichsam Schläge einbringt oder ein geruhsames ti bei mir wohne.» Anders gesagt: Ich
«auf Tabors Höhen». Kaum aber schlies- Leben ohne Kämpfe und damit auch will den Preis bezahlen für das Beste,
sen sie die Tür auf, werden sie plötzlich ohne lebendige und brennende Gemein- was es hier auf Erden gibt: für innigste
von Anfechtungen und Angriffen aller schaft mit dem Herrn? Wenn Sie ein Gemeinschaft mit Christus. Im nächs-
Art überfallen. Und dann steigt die ban- wiedergeborener Christ sind, werden ten Vers fügte Paulus noch hinzu: «Da-
ge Frage auf, ob Sie etwa nicht richtig Sie gewiss ein Leben der innigsten Ge- rum bin ich guten Mutes in Schwach-
gebetet hätten. Ihr Herz schreit: «Herr, meinschaft mit unserem Herrn Jesus heit, in Misshandlungen, in Nöten, in
warum?» Darauf gibt es nur eine Ant- Christus vorziehen, auch wenn Sie dies Verfolgungen und Ängsten, um Christi
wort: «Alle, die gottselig leben wollen manche Träne kostet! «Alle, die gottse- willen; denn wenn ich schwach bin, so
in Christus Jesus, müssen Verfolgung lig leben wollen in Christus Jesus, müs- bin ich stark» (V 10). Deshalb wünsche
leiden» (2.Tim 3,12). sen Verfolgung leiden» (2.Tim 3,12). Das ich Ihnen – in übertragenem Sinn – die
Hier verschmelzen die Bilder der zwei ist der Preis, den es zu bezahlen gilt für Praxis des jungen Esels von Betfage und
biblischen Esel zu einem: Der junge Esel das Beste hier auf Erden: innigste Ge- ein von Herzen kommendes Ja zur Er-
von Betfage lehrt uns, was es heisst, meinschaft mit Christus! fahrung der Eselin des Bileam! ■

18 Mitternachtsruf > Juli 2002


..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
Fragen – Antworten
Jesus in Ägypten fassen und ohne meinen Geist Bündnis-
se eingehen, um eine Sünde auf die an- Polygamie im
Frage: Ich komme zurück auf Ihre Antwort
dere zu häufen, die hinabziehen nach
Ägypten und befragen meinen Mund Alten Testament
«War Jesus tatsächlich in Ägypten?», die im nicht, um sich zu stärken mit der Macht
Mitternachtsruf vom Dezember 2000 er- des Pharao und sich zu bergen im Schat- erlaubt?
schien. Ich wohne in Australien und bekam ten Ägyptens!» Es ging also weniger um
diese schon etwas ältere Nummer Ägypten Frage: Vor einiger Zeit kam ich mit einem
von einem deutschsprachigen Be- selbst als messianischen Juden ins Gespräch, der mir
kannten. Zu Ihrer Antwort habe ich vielmehr erklärte, Polygamie (Mehrehe) sei durch-
zwei Fragen: um die Fra- aus korrekt. Im Alten Testament wurde sie
ge, ob Israel tatsächlich gepflegt und im Neuen Testa-
1. Sie legen dar, dass Jesus tat- bereit war,
sächlich in Ägypten war und ver- ment wurde sie nie widerrufen. Wie seht ihr
sein Ver- das?
weisen darauf, dass in Matthäus trauen allein
2,13 geschrieben steht: «Nimm auf Gott zu s trifft zu, dass es im Alten Testa-
das Kindlein und seine Mutter mit «Nimm das Kindlein und seine Mutter mit setzen, oder
dir und flieh nach Ägypten.» Aber dir und flieh nach Ägypten»
hat nicht Gott selbst den Juden verboten,
ob es bei
Ägypten Zu-
E ment Polygamie gab. Sie wurde je-
doch nie gestattet, sondern lediglich
geduldet. Das ist vergleichbar mit dem,
je wieder nach Ägypten zurückzukehren? flucht suchen wollte. Das Volk Israel was der Herr Jesus im Blick auf das Ent-
2. Zu Matthäus 2,15 schreiben Sie: «In hatte Ägypten in notvoller Zeit als Korn- lassen von Ehefrauen in Matthäus 19,8
kammer kennen gelernt, doch entpupp- sagt: «… wegen eures Herzens Härtig-
Vers 15 wird der Aufenthalt in Ägypten
te sich Ägypten schliesslich als gewalti- keit.» Wir können also nicht davon aus-
nicht nur ausdrücklich bestätigt und in ei- ger Bedränger und Verderber. Letzteres gehen, Gott habe die Vielehe gebilligt.
nen zeitlichen Rahmen gestellt, sondern schien Israel jedoch im Laufe der Zeit Nehmen Sie sich bitte auch einmal die
auch darauf hingewiesen, dass dieser von ganz zu vergessen, denn es stand immer Mühe, im Alten Testament nachzulesen,
einer alttestamentlichen Prophezeiung her wieder in der Gefahr, sich auf Ägypten wie viel Streit, Eifersucht, Mord, Verfüh-
zu verstehen sei: ‹Und blieb dort bis nach abzustützen. Aber diese Tatsache rung zum Götzendienst usw. solche Viel-
dem Tod des Herodes, damit erfüllt würde, brauchte den souveränen Gott nicht ehen im Gefolge hatten!
was der Herr durch den Propheten gesagt daran zu hindern, einzelne Menschen Der Herr Jesus selbst setzt in Matthä-
hat, der da spricht (Hosea 11,1): ‹Aus nach Ägypten zu schicken! us 19,4 voraus, dass Seine Zeitgenossen
Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.›» Zur zweiten Frage: Dass der Evange- wissen, dass Gott die Einehe einsetzte:
list Matthäus – inspiriert durch den Hei- «Er aber antwortete und sprach: Habt
Warum aber wird bei Matthäus die erste
ligen Geist – diesen Bezug zu Hosea 11,1 ihr nicht gelesen: Der im Anfang den
Hälfte des Hosea-Verses einfach weggelas- herstellt, hat damit zu tun, dass bibli- Menschen geschaffen hat, schuf sie als
sen? In meiner deutschen Scofield-Bibel sche Prophetie oft eine zwei- bis dreifa- Mann und Frau» (Mt 19,4). Dass sich
lautet Hosea 11,1: «Als Israel jung war, che Bedeutung bzw. Erfüllung hat. Den- dies auf die Einehe bezieht, geht auch
hatte ich ihn lieb und rief ihn, meinen ken Sie zum Beispiel an 2. Mose 4,22, daraus hervor, dass Gott nicht sagt, er
Sohn, aus Ägypten.» Ich kann nicht verste- wo der Herr von Israel als Sei- wolle Adam
hen, wie Matthäus auf den Gedanken kom- nem erstgeborenen Sohn Gehilfinnen
men kann, dieses Wort auf Jesus zu bezie- spricht, und dann an das Wort «Der im Anfang den schaffen,
hen. des Propheten Jesaja in Kapi-
tel 9,5-6: «Denn uns ist ein
Menschen geschaf- sondern
«eine Gehil-
ir freuen uns natürlich sehr, dass Kind geboren, ein Sohn ist fen hat, schuf sie als
W
fin». Paulus
unsere Monatszeitschrift Mitter- uns gegeben, und die Herr-
nachtsruf auch im fernen Aus- schaft ruht auf seiner Schul-
Mann und Frau» schreibt an
die Korin-
tralien unter den Deutschsprachigen ter; und er heisst Wunder-Rat, ther, dass je-
weitergereicht wird! Herzlichen Dank al- Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf der Mann seine eigene Frau und jede
len – nicht nur in Australien –, die in dass seine Herrschaft gross werde und Frau ihren eigenen Mann haben soll
Bezug auf die Verbreitung unserer Lite- des Friedens kein Ende auf dem Thron (1.Kor 7,2). Und wenn er an Timotheus
ratur aktiv sind! Davids und in seinem Königreich, dass und Titus schreibt, dass Männer, die in
Nach meinem Verständnis der Schrift er’s stärke und stütze durch Recht und der Gemeinde ein Amt ausüben wollen
finden wir zu Ihrer ersten Frage eine Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. «Mann einer einzigen Frau» sein sollen
grundsätzliche Antwort in Jesaja 30,1- Solches wird tun der Eifer des Herrn Ze- (1.Tim 3,2; 1.Tim 3,12; Tit 1,6), dann
2: «Weh den abtrünnigen Söhnen, baoth.» Das war niemand anderes als Je- bekräftigt er damit, dass die Einehe die
spricht der Herr, die ohne mich Pläne sus, der Messias! ■ E.V. von Gott gegebene Ordnung ist. ■ E.V.

Mitternachtsruf > Juli 2002 19


..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
Aus der Arbeit des Mitternachtsruf
Aufbruch in Italien
it grosser Dankbarkeit dürfen wir

M auf die ersten drei Konferenzen


zurücksehen, die wir als Missi-
onswerk Mitternachtsruf vom 24.-26.
Mai in Italien abhalten durften. Das In-
teresse an biblischer Prophetie war und
ist sehr gross, denn über solche Themen Norbert Lieth mit Übersetzer Albino Montisci mit Sängerinnen Grosses Interesse am Bücher-
wird kaum gepredigt. Norbert Lieth gab Paolo Minder tisch
seine Botschaft unter dem Generalthe-
ma «Was uns die Zukunft bringt» wei- In Casoria (bei Neapel) kamen ca. im Glauben einen grossen Saal gemie-
ter und wurde von Paolo Minder über- 500 Personen. Mehrere von ihnen reis- tet, und es kamen über 700 Menschen,
setzt, der bereits seit mehr als 25 Jah- ten über 400 km von Brindisi an, um um das prophetische Wort Gottes zu hö-
ren in Süditalien als Missionar tätig ist dabei sein zu können. An allen 3 Orten ren! Hier hatten die Geschwister auch
und dort eine wunderbare Arbeit macht. starteten wir eine Abonnenten-Aktion über das Lokalfernsehen Werbung für
Die Geschwister vor Ort haben sich für unsere Zeitschrift «Chiamata di Mez- die Konferenz gemacht.
unwahrscheinlich viel Mühe gegeben, zanotte»: So konnten wir über 100 Neu- Speziell auf diese Konferenz kamen
diese Konferenzen vorzubereiten. In Tu- abonnenten gewinnen. die beiden Büchlein «Prophetische Hin-
rin bot sich der regionale Radiosender An der Südwestküste Siziliens, in Ag- weise aus dem Buch Jona» und «Das
«Radio Torino Biblica» an, für die Ver- rigento, hatten die Geschwister vor Ort Buch Ruth im Licht der Heilsgeschich-
sammlung Werbung über den Äther zu te» von Norbert Lieth auf Italienisch
machen. Sie nahmen auch die Botschaft heraus. An allen drei Orten war auch
in Turin auf, so dass es nun möglich ist, ein reger Andrang am Büchertisch. Dies
Kassetten davon zu produzieren. Das war jedoch nur möglich, weil in der Wo-
musikalische Vorprogramm wurde hier che vor der Konferenz Roger Masson
von Albino Montisci geleitet, einem be- und seine Frau – liebe Geschwister aus
kannten gläubigen Sänger und Gitarris- der Zionshalle – Bücher und Zeitschrif-
ten. Der Gemeindesaal in Turin schien ten mit dem Auto zu den Konferenzor-
mit den ca. 350 Teilnehmern aus den ten gebracht hatten.
Nähten zu platzen. In diesen Tagen durften wir viele
neue und wichtige Kontakte knüpfen
Versammlung in Turin und eine herzliche Gastfreundschaft er-
fahren. Die Geschwister in Italien wün-
schen sich schon sehr bald wieder eine
Konferenz. Wir haben wirklich eine of-
fene Tür nach Italien! ■ E.M.

Freundestreffen in
Es konnten über 100 Neuabonnenten gewonnen
werden
Sindelfingen
Versammlung in Agrigento m 9. Mai 2002 durfte das Missi-
Versammlung in Casoria (bei Neapel)
A onswerk Mitternachtsruf eine vom
Herrn gesegnete Tagung in Sindel-
fingen durchführen. Die diesjährige
Himmelfahrtstagung war für einmal in
der Klosterseehalle, da die Stadthalle
nicht frei war. Es ist immer wieder stär-
kend, wenn man das Interesse für das pro-
phetische Wort bei vielen Teilnehmern
wahrnehmen darf! Die Halle war fast bis
zum letzten Platz besetzt. ■ C.M.

20 Mitternachtsruf > Juli 2002


Evangelisation in

..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................

..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
ich dich!» Der andere schrie: «Schiess
doch!» Matias antwortete ihm: «Ich
der Zionshalle mit habe keinen Tresor. Ich gebe dir unser
Geld.»
Prof. Dr. Werner Markus und Ellen Steiger wachten
auf, weil sie das gewaltsame Aufbrechen
Gitt der Tür hörten und die Hunde unauf-
hörlich bellten. Einer der beiden Diebe
om 7.–9. Juni 2002 fanden in der lief immer wieder die Treppe auf und

V Zionshalle in Dübendorf bei Zürich


evangelistische Vorträge von Prof.
Dr. Werner Gitt statt. Der Redner ver-
39 Teilnehmer – Beth-Shalom Frühlingsreise 2002

nen, wünschen aber natürlich den Men-


schen hier das Beste und mehr mutiges
ab. Dadurch sah er Markus kommen.
Daraufhin holte er seinen Komplizen
und beide rannten davon, wobei sie
Markus noch mit ihrer Waffe bedrohten.
stand es auf brillante Weise, die einzel-
nen Menschen vor die alles entscheiden- Interesse aus aller Welt, gerade jetzt die- Dieser fand Susi blutend am Boden lie-
de Frage zu stellen: Ewiges Leben oder ses herrliche Land zu besuchen …» Der gen. Er rief uns gleich an. Danach kam
ewige Verlorenheit? Das ewiggültige Er- vollständige Reisebericht wird in den bald die Polizei; der Krankenwagen liess
lösungswerk Jesu Christi am Kreuz von Nachrichten aus Israel, Ausgabe Juli, auf sich warten. Susi hatte starke
Golgatha wurde den Zuhörern in ergrei- publiziert, kann aber auch im Internet Schmerzen und eine grosse Wunde am
fender Weise vor Augen geführt. Wir unter http://web.mnr.ch/reise- Kopf, die in der städtischen Notfallsta-
danken dem Herrn für den ausgestreu- bericht.htm nachgelesen werden. Der tion genäht werden musste. Inzwischen
ten Samen und für Vizedirektor des israelischen Verkehrs- konnte sie auf die Intensivstation eines
jeden, der sich zu büros in Frankfurt, Danny Naumann, Krankenhauses verlegt werden. Zwar
Jesus Christus be- erklärte an einer Israelkonferenz: «Die trug Susi keine bleibenden Kopfverlet-
kehrt hat. Auch für Antwort auf Terrorismus heisst Tou- zungen davon, doch wird sie – nach dem
die Gemeinde der rismus!» Dem können wir uns nur an- Untersuchungsergebnis der Spezialisten
Zionshalle waren schliessen und würden uns sehr freu- – nie wieder gehen können! Durch
diese Tage eine en, auch Sie bald als Teilnehmer der eine mehrstündige Operation wurde
grosse Ermutigung! Beth-Shalom Herbstreise begrüssen zu heute (13.6.) die Bruchstelle der Wir-
Im Vorfeld dieser dürfen. ■ F.P. belsäule versteift.
Vorträge waren in Prof. Dr. Werner Gitt in Matias und Susi brauchen als Betrof-
der Zionshalle fene in dieser für sie völlig neuen und
mehreren Zeitun-
gen Anzeigen aufgegeben worden. Die umwälzenden
Zionshalle war denn auch sehr gut be- Phase ihres Le-
sucht. ■ C.M. Raubüberfall auf bens als Familie
und Mitarbeiter
unsere Missions- sehr unsere Un-
terstützung. Be-

Beth-Shalom station in Pôrto ten Sie daher


besonders für

Herbstreise Alegre (Brasilien) Susi und Matias


sowie Silas (5)
atias und Susi Steiger wurden und Patrick (3).

B
ereits haben sich 14 Israelfreun-
de angemeldet. Dies ist für uns
eine grosse Ermutigung, wird doch
M Sonntagnacht (9. Juni), etwa
um 2 Uhr, in ihrer Wohnung auf
dem Missionszentrum in Pôrto Alegre
Die Ärzte sind
zwar am Ende. Durchtrennt – Rückenmark
Aber wir wis- von Susi Steiger
immer mehr – teilweise leider auch in von zwei vermummten Einbrechern sen: Gott kann
christlichen Kreisen – zu Israel auf Dis- überfallen. Diese brachen die stabile, noch eingreifen und Seinen Namen
tanz gegangen. Wie gesegnet und berei- halbverglaste Eingangstüre mit einem dadurch verherrlichen!
chernd eine Israelreise sein kann, Brecheisen auf. Während Matias ver- Zur Person: Susi Steiger, geb. Sipp,
schrieb ein Teilnehmer der vergangenen suchte, die Einbrecher an der Tür auf- verbrachte ihren Geburtstag (12. Juni)
Beth-Shalom Frühlingsreise: «… Neugie- zuhalten, indem er diese zuhielt und diesmal im Spital. Sie wuchs mit neun
rig spazierten wir bei herrlicher Luft und sich dadurch einige Schnittwunden Geschwistern auf. Später nahm sie an
angenehmen Temperaturen durch die durch die Glasscherben zuzog, rannte verschiedenen Kursen von «Wort des
Strassen. Trotz spätem Abend herrsch- Susi ins Wohnzimmer und versuchte, Lebens» teil. Als vorbildliche Frau und
te geschäftiges Treiben auf den Strassen, per Telephon Hilfe herbeizurufen. An- Mutter verrichtet sie die Hausarbeiten
in den Cafés und Restaurants. Sichtlich scheinend klappte es nicht, und als sie mit Freuden. Ausserdem hilft sie mir, die
erleichtert stellten wir fest: hier leben sah, wie einer der Verbrecher seinen Briefe für die biblische Lebensberatung
Menschen doch ganz natürlich, ohne Revolver an Matias’ Kopf hielt, sprang zu schreiben.
ständige Angst vor Terror … Es berühr- sie aus dem Fenster (1. Stock), um Hilfe Wir brauchen wirklich sehr das
te uns sehr im Herzen, all jene Orte real zu holen. Leider verletzte sie sich und Gebet um die Bewahrung des Herrn,
zu sehen, die wir sonst nur aus unserer blieb bewusstlos am Boden liegen. Der denn die Einbrüche und Entführungen
Vorstellung kannten … Wir sind über- Vermummte schrie Matias an: «Öffne nehmen hier überhand. Danke für alles
glücklich, dieses alles so erleben zu kön- den Tresor mit dem Geld, sonst töte Mittragen im Gebet. ■ D.S.

Mitternachtsruf > Juli 2002 21


..............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................
Dir kann nur Jesus helfen


hste
Die näc erscheint Die Vergebung der Sünden
Ausgabe 7.2002, mit
am 25.0sem Thema*: Wissen Sie, was Sie am allermeisten brauchen? Die Vergebung Ihrer Sünden und Frieden mit
u.a. die Gott. Ich will Ihnen sagen, wie Sie die Vergebung der Sünden erhalten.

D er Kampf Nur wenn die Schuld bezahlt ist, kann die Schuld vergeben werden. Irren wir uns nicht: Ohne
« gültige Bezahlung geschieht keine Vergebung. Gott sieht nicht einfach über die Sünde hinweg, Er
um den g» drückt dem Sünder gegenüber nicht etwa ein Auge zu. Er kann nicht schwarz weiss nennen. Das

Weinber en
wäre Lüge, Betrug und Täuschung. Der heilige und gerechte Gott kann Sünden nur vergeben, wenn
Er die gültige Quittung über die Bezahlung der Schuld in Händen hat. Darum prägt die Bibel es uns
halt
ng vorbe mit Flammenschrift ein: «Ohne Blutvergiessen – ohne gültige Quittung – ist keine Vergebung!»
*Änderu Wir dürfen also freudig und gewiss verkündigen: Mit Blutvergiessen, aufgrund der Deckung des
teuren Blutes Jesu Christi, ist volle Vergebung. Weil Jesus Christus unsere Schuld bezahlt hat, ist Er
der Einzige, der Macht hat, Sünden zu vergeben. Jesus Christus hat als das Lamm Gottes unsere
Sünden hinweggetragen, so dass sie nicht mehr zu sehen sind. Die Bibel sagt von Ihm: «Siehe, das
Impressum ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!» (Joh 1,29). Welche Last, die Sünde der Welt! Nicht
nur die Sünde einer Familie oder eines Volkes, sondern die Sünde aller Menschen aller Zeiten! Er
Missionswerk und Verlag Mitternachtsruf
www.mnr.ch hat sie getragen, hinweggetragen, und damit unsere Sünde von uns getrennt, so weit, dass sie uns
Gründer: Wim Malgo (1922-1992) nicht mehr findet.
Vorstand: Peter Malgo, Norbert Lieth, Conno Malgo, Jonathan Malgo Die Sünden vergeben, heisst also, sie für ewig verschwinden lassen. Die Bibel sagt: «So fern der
Schweiz: Mitternachtsruf, Eichholzstr. 38, 8330 Pfäffikon
ZH, Tel.: (0041) 01 952 14 14 Osten ist vom Westen, hat er von uns entfernt unsere Vergehen» (Ps 103,12). «Ich tilge deine
Deutschland: Mitternachtsruf Zweig Deutschland e.V.,
Kaltenbrunnenstr. 7, 79807 Lottstetten, Tel.: (0049) 07745 8001 Sünden wie den Nebel» (Jes 44,22). Bei Gott ist Vergeben und Vergessen eins. Ihre Schuld ist
Organ: Der «Mitternachtsruf» erscheint monatlich. Er ist ausserdem bezahlt durch das Blut Jesu Christi, Sie können die Vergebung aller Ihrer Sünden als Geschenk
in englischer, französischer, holländischer, italienischer, portugiesi-
scher, rumänischer, spanischer, tschechischer und ungarischer Spra- annehmen. Es handelt sich hier um Ihre ganz persönliche Sache. Sie haben einen Bürgen in Jesus
che erhältlich.
Redaktion: (Adresse Schweiz): Tel.: (0041) 01 952 14 16, Christus gefunden, der für Sie vor Gott einsteht mit Seinem eigenen Blut und Leben. Darum hat Er
Fax: (0041) 1 952 14 05, E-Mail: redaktion@mnr.ch, Mitarbeiter: Brigitte
Hahn, Friedgard Huber, Werner Huber, Elke Lieth, Norbert Lieth, das Recht und die Vollmacht, Ihnen heute zu sagen: «Deine Sünden sind dir vergeben!»
Conno Malgo (Ltg.), Elsbeth Vetsch Das ist tatsächlich die grösste und kostbarste Gabe, die Vergebung der Sünden. Welch eine
Layout: (Adresse Schweiz): E-Mail: layout@mnr.ch, Mitarbeiter:
Walter Dürr, Daniel Malgo, Jonathan Malgo, Stephan Nabulon, Fredy Befreiung! Los von der Anklage des bösen Gewissens, los von den Anfechtungen des Feindes, los
Peter
Seelsorgerliche Fragen: (Adresse Schweiz): Tel.: (0041) 01 952 14 von der Angst vor dem Zorn Gottes! Das Blut Jesu Christi zur Vergebung der Sünden ist hier auf
08, E-Mail: seelsorge@mnr.ch, Mitarbeiter: Werner Huber, Marcel
Malgo, Samuel Rindlisbacher, Elsbeth Vetsch, Erden unser grösster Trost und in alle Ewigkeit unsere einzige Hoffnung.
Verlag, Abonnemente und Administration: (Adressen Schweiz und Wenn Sie aber Gott nicht glauben wollen, wenn Sie Seinen Weg zu Ihrer Rettung nicht gehen
Deutschland siehe oben): Tel. Schweiz: 01 952 14 15, Fax Schweiz:
01 952 14 11, Tel. Deutschland: 07745 8001, Fax Deutschland: wollen – wohin wollen Sie dann eigentlich mit Ihrer Sünde? Sie können sie nicht verstecken. Sie
07745 201, Tel. alle anderen Länder: 0041 1 952 14 15, Fax alle
anderen Länder: 0041 1 952 14 11, E-Mail: verlag@mnr.ch, Mitarbei- können sie nicht entschuldigen. Sie können sie nicht vergessen, denn Gott vergisst sie nicht. Ihre
ter: Hannelore Dölker, Ruth Dölker, Martina Lang, Thomas Lieth,
Annie Malgo, Elishevah Malgo, Marianne Malgo, Peter Malgo, Wanda Sünde findet Sie, entweder hier oder einst vor dem Thron Gottes. Gott, der Herr, hat alles getan, um
Malgo, Susanne Peter, Beatrice Rindlisbacher, Stephan Rindlis-
bacher, Esther Roos uns die Bezahlung der Schuld und die Vergebung der Sünden zu erwirken und anzubieten. Wer
Israelreisen: (Adresse Schweiz): Tel.: (0041) 01 952 14 18, Fax:
(0041) 01 952 14 19, E-Mail: reisen@beth-shalom.ch, Mitarbeiter:
Seinen Weg ausschlägt, wer Seine helfende Hand zurückweist, ist vor Gott schuldig. Der Zorn Gottes
Fredy Peter, Fredi Winkler (Haifa, Israel) bleibt über ihm! Unter dem Zorn Gottes stehen, allein, ohne Bürge, ist ewige Verdammnis, das ist
Buchhaltung: (Adresse Schweiz): E-Mail: buchhaltung@mnr.ch, Mit-
arbeiter: Wafa Malgo. Treuhandstelle: HWT, Eichelwiesenstr. 36, 8305 Verlorensein in Zeit und Ewigkeit. Die Bibel sagt: «Schrecklich ist’s, in die Hände des lebendigen
Dietlikon, Schweiz
Studio: (Adresse Schweiz): E-Mail: studio@mnr.ch, Mitarbeiter:
Gottes zu fallen» (Hebr 10,31). Das ist die volle Wahrheit. Was wollen Sie nun tun?
Govert Roos, Nathanael Winkler Der gekreuzigte Heiland, der auferstandene Herr,
Alters- und Pflegeheim Zion: Ringwiesenstr. 14, 8600 Dübendorf,
steht vor Ihnen und bietet Ihnen eine kostbare Gabe
Tel: (0041) 01 821 32 00, Fax: (0041) 01 821 59 61, E-Mail:
post@altersheim-zion.ch, Heimleitung: Walid und Astrid El Khouri,
Mitarbeiter: Ursula Dürr, Walter Dürr an: die Vergebung aller Ihrer Sünden. Sind Sie be-
Umgezogen …?
Hotel Beth-Shalom: P.O.Box 6208, Haifa-Carmel 31061, Israel, reit, die Gabe anzunehmen? Haben Sie Ihm je … dann geben Sie uns
Tel: (00972) 04 8373 480, Fax: (00972) 04 8372 443, E-Mail:
mail@beth-shalom.co.il, Leitung: Fredi und Beate Winkler einmal dafür gedankt, dass Er auch Ihre Sünden an bitte Ihre Adressänderung
Einzahlungen: Schweiz: Postscheckkonto 80-47476-4 Zürich, oder
Seinem Leib auf das Kreuz getragen hat? Tun Sie bekannt (Postkarte genügt).
Zürcher Kantonalbank, 8330 Pfäffikon ZH, Konto-Nr. 1152-0472.519,
BC-Nr. 752. Vergessen Sie nicht, auch Ihre
Deutschland: Sparkasse Hochrhein, Waldshut, BLZ 684 522 90, es heute, danken Sie Ihm, dass Er Ihre Schuld be-
Konto 06-600 530 oder Postbankkonto 3911-709 Stuttgart, alte Adresse samt Freundes-
BLZ 600 100 70, «Missionswerk Mitternachtsruf» Zweig Deutschland zahlt und Ihre Sünden hinweggetragen hat. Neh-
e.V., Geschäftsstelle D-79807 Lottstetten
nummer zu vermerken.
men Sie Seine Gabe an, die Vergebung der Sünden,
Österreich: Postscheckkonto 438 5903, Allgemeine Sparkasse Linz, Schreiben Sie beide Adressen
«Für Konto 0000-118902 Missionswerk Mitternachtsruf» kommen Sie, geben Sie Ihm die Hand und beten
Druck: GU-Print AG, In der Luberzen 25, 8902 Urdorf, Schweiz deutlich, wenn möglich in
Abonnementspreis jährlich: Schweiz CHF 18.–, Deutschland Sie: «Herr Jesus, ich nehme Dich als meinen per- Druckschrift!
EUR 12.–, Europa und Mittelmeerländer EUR 18.–, Übersee EUR 24.–. sönlichen Heiland an. Ich danke Dir, dass Du alle
Abonnemente laufen ein Jahr (beginnend jeweils Januar) und wer- ■ IHR MITTERNACHTSRUF
den automatisch um ein weiteres Jahr verlängert, wenn sie nicht ei-
nen Monat vor Jahresende gekündigt werden.
meine Sünden vergeben hast. Amen.» ■ G.W.
Zweigstellen-Verzeichnis: www.mnr.ch/weltweit

22 Mitternachtsruf > Juli 2002