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Grusswort

Mit dem Beginn des neuen Jahres findet eine 40-jährige Periode unseres Missionswerkes
ihren Abschluss. Zwar wurde es schon im Jahr 1955 gegründet, aber seit Ende 1962 befindet
sich der internationale Sitz unseres Glaubenswerkes in Pfäffikon ZH (Schweiz).
Dieser Zeitabschnitt von nunmehr 40 Jahren des Wirkens veranlasst uns, unsere Blicke
dankbar auf all das Gute zu richten, was unser Herr uns zukommen liess. Und da sind wir
natürlich geneigt, zu den sehr bedeutungsvollen 40-Jahr-Perioden in der Schrift Parallelen
zu ziehen. Nur schon die 40-jährige Wanderung des Volkes Israel lässt Facetten aufleuchten,
die sich auch in unserer Geschichte finden. Sind nicht auch wir schon oft durch Dürre und
Trockenheit gegangen? Aber wie Israel damals, so konnten auch wir umso mehr die herrliche
Güte und Gnade unseres Herrn erfahren: Er versorgte uns jeden Tag mit allem, was wir brauch-
ten!
Wir neigen stets dazu zurückzublicken. Sei es anlässlich eines Geburtstages, eines Jah-
reswechsels, eines Jubiläums oder der Vollendung eines runden Zeitabschnittes, ja vielleicht
Inhalt 01/2003 sogar eines «In-den-Ruhestand-Tretens». Dabei sollten wir uns im Klaren sein, dass es auch
ein falsches, ja verhängnisvolles Zurückschauen gibt, wie zum Beispiel bei Lots Frau (1.Mo
Biblische Botschaft 19,26). Auch Paulus greift diesen Gedanken auf und schreibt: «Ich vergesse, was dahinten
4 Hat sich Jesus wirklich verspätet? ist, und strecke mich zu dem, das da vorne ist … die himmlische Berufung Gottes in Christo
Jesu» (Phil 3,13-14). Im Gegensatz dazu fordert uns die Bibel ganz klar auf, zurückzublicken,
Im Blickfeld zu gedenken, sich zu erinnern – dies jedoch in Bezug auf das Handeln Gottes. «Gedenke des
8 Zum Jahr der Bibel ganzen Weges, den dich der Herr, dein Gott, geleitet hat diese vierzig Jahre» (5.Mo 8,2). Ein
11 Sternchen, die nicht leuchten Rückblick auf unser eigenes Handeln, auf das, was wir meinen bewerkstelligt zu haben, führt
13 Harry Potter – ein Kämpfer für das Gute? allzu leicht entweder zu Selbstüberschätzung und Hochmut oder aber in die Resignation,
13 Die Zukunft der Nationen weil wir nur noch unser jämmerliches Versagen vor Augen haben. Wenn wir hingegen auf das
14 Die Geschichte wiederholt sich schauen, was Jesus Christus in unserem Leben bewirkte, wie Er uns leitete und vor dem
15 «Am Anfang war die Information» Argen bewahrte, muss uns das froh und dankbar stimmen. Gingen wir nicht auch Irrwege,
von denen Er uns zurückholen musste? Zwei Elemente in der 40-jährigen Wanderschaft
Aus der Arbeit des Israels sind besonders hervorzuheben: Israel konnte nur Sieg haben, solange Mose die Hän-
Mitternachtsruf de im Gebet zu Gott empor hielt. Liess er sie sinken, siegte Amalek. Darum stützten Aaron
17 Konferenz über das prophetische Wort und Hur die Hände Moses (2.Mo 17,11-12). Das gilt uns genauso: Wenn wir im Gebet nach-
in den USA lassen, befinden wir uns auf verlorenem Posten. Liebe Freunde, lassen Sie uns die Verbin-
17 Verkündigungstour durch Deutschland dung mit unserem Gott unablässig suchen! Gebetszeiten sind elementar. Dabei sollten wir
uns gegenseitig ermutigen, stützen und helfen. Dann werden wir Sieg haben. Leider trifft
Segen oder Fluch? oftmals das Gegenteil zu: dass wir anderen eher Steine in den Weg legen, als ihnen Stütze
18 Der Gehorsam mit der Zunge und Hilfe zu sein.
Die Kinder Israel hatten damals ein wunderbares Ziel: Kanaan. Unser Ziel ist das himm-
Fragen – Antworten lische Kanaan. Der Schreiber des Hebräerbriefes nimmt darauf Bezug, wie auch auf die 40-
20 Erst die Entrückung und dann der Angriff jährige Periode, und zeigt auf, dass wir uns nach dieser himmlischen Ruhe ausstrecken
auf Israel – oder umgekehrt? sollen, um diese nicht zu versäumen: «Lasst uns nun eifrig sein, in jene Ruhe einzugehen»
20 Wie werde ich frei von meinem Ich? (Hebr 4,11). Das ist nichts anderes, als die Begegnung mit unserem Herrn Jesus Christus.
21 Warum fehlt der Stamm Dan? Mögen uns diese beiden Elemente ständig vor Augen sein: Einerseits: Die Verbindung im
Gebet zu unserem Gott, der Wandel in Seiner Gegenwart – die Hei-
3 Grusswort ligung. Andererseits die Ausrichtung auf die Zukunft, die reale Er-
11 Aufgegriffen wartung unseres Herrn. Denn es heisst: «Siehe, er kommt!»
16 Streiflicht Möge die Gnade des Herrn mit uns sein, auch im vor uns lie-
22 Dir kann nur Jesus helfen genden Jahr!
22 Impressum
In herzlicher Verbundenheit
Eingedenk dessen, dass alle menschliche Erkennt-
nis Stückwerk ist (1.Kor 13,9), legen die Autoren
eigenverantwortlich ihre persönliche Sicht dar.

Mitternachtsruf > Januar 2003 3


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Biblische Botschaft

les, wie es von Anfang der Schöpfung

Hat sich Jesus gewesen ist. Denn sie wollen nichts


davon wissen, dass der Himmel vorzei-
ten auch war, dazu die Erde, die aus Was-
ser und durch Wasser Bestand hatte
durch Gottes Wort; dennoch wurde

wirklich damals die Welt dadurch in der Sintflut


vernichtet» (2.Petr 3,3-6). Heute erfüllt
sich das buchstäblich vor unseren Au-
gen, wird doch behauptet, dass sich
nichts verändert habe und alles beim

verspätet? Wie sieht es wirklich aus? Wird es


Alten bleibe. So wie es gewesen sei und
jetzt ist, so werde es immer bleiben.

Wohin steuert unsere Welt?

Befinden sich Christen in argen Nöten, dann hört man nicht immer offensichtlicher, dass mit
unserem alten Planeten Erde etwas nicht
sie oft fragen: «Warum ist Jesus noch nicht zur Entrü- mehr stimmt? Überstürzen sich nicht die
Ereignisse? Wer erinnert sich denn noch
ckung gekommen?» Die Antwort lautet: Wegen der daran, was vor dem Anschlag auf das
World Trade Center in New York vom
Langmut bzw. Geduld des Herrn mit denen, die Seine 11. September 2001 das Hauptthema der
Medien war? Schon vergessen? So schnell
Erlösung noch annehmen und sich retten lassen wol- lebt und vergisst man heute! Es war die
Maul- und Klauenseuche. In England,
len (vgl. 2.Petr 3,8-9.15). Deutschland und den Niederlanden wur-
den über 400 000 Rinder
und Schafe notgeschlach-
■ SAMUEL RINDLISBACHER Angst vor biologi- tet und verbrannt. Die Zeit
scher und chemi- schrieb darüber: «Seu-
m Spätsommer letzten Jahres lau- scher, ja sogar ato- chen, Massenschlachtun-

I tete eine Überschrift im Tages An-


zeiger: «Wenn sich Jesus arg ver-
spätet». In diesem Artikel war
unter anderem zu lesen:
«… weiterhin lassen sich Zehntausende
Christen weltweit von den Endzeitvisi-
onen aus Pfäffikon ängstigen. … Malgos
marer Verseu-
chung. Angst vor
Terroranschlägen.
Angst, ein Flug-
zeug zu besteigen.
Angst, den Arbeits-
platz zu verlieren.
gen, der Himmel färbt sich
rot über den brennenden
Bergen von Tierkadavern.
Das ist das Bühnenbild für
ein grosses Drama …»2
Doch nach dem 11. Sep-
tember war diese für viele
Nachfolger Norbert Lieth drückt seine Angst, krank zu Bauern grosse Tragik
Endzeitsehnsüchte zwar vorsichtiger werden – Angst, schnell vergessen – oder
aus, doch auch er beschwört das nahe Angst, Angst. hat man sie einfach ver-
Ende der Welt und gewinnt Gläubige mit Ein wie oben drängt? Die Ereignisse
der Angst vor dem baldigen Jüngsten Ge- erwähnter Journa- … Angst vor biologischer Verseuchung… überstürzen sich. Ein Un-
richt …»1 lismus geht an der glück, eine Katastrophe
Nach diesen Aussagen machen wir als Realität vorbei und erinnert an die bibli- löst die andere ab. Wer ausser den direkt
Missionswerk Mitternachtsruf den Men- sche Aussage: «Ihr sollt vor allem wis- Betroffenen denkt heute noch an die Mas-
schen also Angst und gewinnen Gläubi- sen, dass in den letzten Tagen Spötter saker von Zug und Erfurt, die Tunnelbrän-
ge mit der Androhung des Jüngsten Ge- kommen werden, die ihren Spott trei- de am Mont Blanc und Gotthard, den
richts. Doch schon ein Blick in die Welt ben, ihren eigenen Begierden nachge- Bankrott der Swissair und anderer renom-
überzeugt uns vom Gegenteil: Nicht wir hen und sagen: Wo bleibt die Verheis- mierter Firmen sowie die schreckliche
machen den Menschen Angst. Nein, die sung seines Kommens? Denn nachdem Jahrhundert- bzw. Jahrtausendflut in
Menschen haben Angst: Angst vor Krieg. die Väter entschlafen sind, bleibt es al- Deutschland, Österreich und Tschechien

4 Mitternachtsruf > Januar 2003


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mit einer Schadenssumme von weit über ganz fest an euch selbst glauben!» Man hat keine Antwort mehr auf die
10 Milliarden Euro? Die Leute werden «Denkt positiv, denn nur durch eine sol- Fragen und Nöte unserer Zeit. Ein Pas-
beruhigt: «Nur keine Panik aufkommen che Haltung und Lebenseinstellung lässt tor im Ruhestand hat auf diese Situation
lassen. Es bleibt alles beim Alten. Die Si- sich diese Situation bewältigen und un- wie folgt hingewiesen: «In dem ganzen
tuation ist unter den gegebenen Umstän- ter die Füsse kriegen!» Gerede über die Flutkatastrophe vermis-
den völlig normal. Wir haben alles im Tönt das nicht wie Spott und Hohn? se ich eines: Das Läuten der Kirchenglo-
Griff!» Was nützt es einem, wenn man aus so cken!» Damit wollte er das sagen, was
Die heutige Situation erinnert an die genannt kompetentem Mund hört: in einem anderen Bericht so zitiert ist:
leck geschlagene und dem Untergang ge- «Glaube ganz fest an dich selbst!» und «Die Zeiten, in denen die Glocken ver-
weihte Titanic. Immer stummten, gleich in welcher Region die-
mehr füllte sie sich mit ser Welt, gleich in welchem Jahrhun-
Wasser, hatte Schlagseite. dert, waren immer auch schlechte Zei-
Doch fröhlich wurde wei- ten für die Menschen. Diktatoren und
tergespielt und getanzt. Revolutionäre brachten nicht nur die
Ist die Lage unserer Tage Glocken zum Verstummen …, sondern
nicht ähnlich? Wir lassen mit ihnen die Menschen. … Schweigen
uns durch (fast) nichts aus die Glocken, sind Leben, Freiheit, Tole-
der Ruhe bringen. «Was, ranz und Menschlichkeit unmittelbar
eine Krise? – aber doch bedroht.» 3 Alexander Solschenizyn
nicht bei uns! Es wird drückt es in seinem Gedicht «Abendläu-
nicht so schlimm werden ten» so aus:
wie es aussieht, bloss ein Schon immer waren die Menschen
Sturm im Wasserglas.» … Angst, ein Flugzeug zu besteigen … selbstsüchtig und oft wenig gut:
Wenn wir aber als Chris- Aber das Abendläuten erklang,
ten oder als Missionswerk Mitternachts- im selben Augeblick das Lebenswerk schwebte über den Feldern,
ruf versuchen, die sich überstürzenden zerstört oder sogar ein liebes Familien- über dem Wald.
Ereignisse anhand der Bibel zu erklären, mitglied von den Fluten weggerissen Es mahnte, die unbedeutenden,
dann werden wir als Spinner, Pessimis- wird? Ist das die Botschaft, die heute Pas- irdischen Dinge abzulegen,
ten und Angstmacher hingestellt. toren, Seelsorger und Psychologen an- Zeit und Gedanken der Ewigkeit
Doch es gibt auch Menschen, die of- zubieten haben? Wenn dem so ist, muss zu widmen.
fenbar ahnen, dass nicht alles beim Al- man sich nicht wundern, dass die Kir- Dieses Läuten bewahrte die
ten bleiben wird. So konnte man direkt chenbänke und die Herzen der noch ver- Menschen davor,
nach den verheerenden Überschwem- bliebenen Zuhörer leer bleiben. zu vierbeinigen Kreaturen zu werden.
mungen in Deutschland keine Hochwas- Fast im gleichen Atemzug verun-
serversicherungen mehr abschliessen. glimpft man uns Christen in den Medi- Heute kann die grösste Flut über Eu-
Die Begründung der Versicherer laute- en und verbreitet Halbwahrheiten. Wa- ropa hinwegziehen – und die Kirchen-
te, dass man die ganze Situation neu rum? Weil wir den Mut haben, den Men- glocken bleiben stumm. Man ist sprach-
beurteilen müsse. Mit anderen Worten: schen in ihren Fragen und Ängsten wah-
Eine solche Situation hat es noch nie re Hilfe und wahren Trost zu geben.
gegeben, aber sie könnte sich wieder- Nicht billigen Trost wie: «Denk positiv!»,
holen! «Kopf hoch! Glaube ganz fest an dich
selbst; es wird schon wieder werden!»
«Glaube ganz fest an dich selbst! Nein, wir Christen haben eine Antwort
auf die brennenden Fragen unserer Zeit.
Denke positiv!» Dabei geht es weder um Angstmacherei
Als die verheerenden Wassermassen noch um Pessimismus und noch viel
über Österreich und Deutschland hin- weniger um Weltuntergangsstimmung.
wegrollten, waren wir als Familie gera- Unsere Botschaft ist das Angebot der
de etwas ausserhalb von Wien bei Freun- Vergebung, das Evangelium des Trostes
den. Wir haben (obwohl unsere Freun- und der Hoffnung. Ja, es geht in unserer
de verschont blieben) direkt miterlebt, Predigt um eine herrliche Zukunft. Da-
wie das Hochwasser stieg und stieg und rum wollen und werden wir, so wahr … Angst vor atomarer Verseuchung …
dabei seine ganze zerstörerische Kraft uns Gott helfe, am Evangelium Jesu
entfaltete. Wir sahen Häuser bis unters Christi festhalten, selbst wenn uns die los geworden. Es scheint, dass die Kir-
Dach vom Wasser zugedeckt, zerstörte Medien zerreissen, unsere Botschaft chen und mit ihr die Christen nichts
Existenzen, Familien vor dem finanziel- madig machen und uns Dinge unter- mehr zu sagen haben. Findet jemand
len Ruin. schieben, die wir so nie gesagt haben. aber doch den Mut, in unserem christli-
In dieser Zeit hörte ich eine Sendung, chen Abendland zur Besinnung, Umkehr
in der Psychologen, Seelsorger und Pas- Von schweigenden Christen und und Busse aufzurufen, läuft er Gefahr,
toren den betroffenen Menschen mit als Angstmacher und Pessimist gebrand-
ihrem «Rat» zur Seite standen. Unter
stummen Kirchenglocken markt zu werden.
anderem wurde «getröstet» und «aufge- Leider werden immer mehr Christen Kurz nach der Flutkatastrophe war ich
richtet» mit Worten wie: «Ihr müsst jetzt und christliche Gemeinden sprachlos. in einer kleinen evangelischen Gemein-

Mitternachtsruf > Januar 2003 5


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litten, dazu Fesseln und Gefängnis. Sie
Biblische Botschaft sind gesteinigt, zersägt, durchs Schwert
getötet worden; sie sind umhergezogen
in Schafpelzen und Ziegenfellen; sie ha-
de in Sachsen (dem in Deutschland am ratsräumen kein Mangel herrscht! Stellt ben Mangel, Bedrängnis, Misshandlung
meisten betroffenen Bundesland) zu Be- mich doch auf die Probe, und seht, ob erduldet. Sie, deren die Welt nicht wert
such. Auf meine Frage, wie denn die ich meine Zusage halte! Denn ich ver- war, sind umhergeirrt in Wüsten, auf Ber-
Christen mit diesem Ereignis umgehen, spreche euch, dass ich dann die Schleu- gen, in Höhlen und Erdlöchern» (V 35b-
gab mir der Pastor zur Antwort: «Wir sen des Himmels wieder öffne und euch 38). Einerseits werden uns hier Glau-
helfen, wo wir können, und wir haben mit allem überreich beschenke» (Mal benshelden vorgestellt, die grosse Wun-
für die Menschen eine Botschaft.» Das 3,10). Wer meint, dass Gotteskinder der, Zeichen und Gebetserhörungen er-
war nicht «Kopf hoch …» oder «Denk zwangsläufig jedem Leid enthoben wer- lebten wie zum Beispiel: «Diese haben
positiv …», sondern die Botschaft von den, wenn sie sich auf dieses Wort stüt- durch den Glauben Königreiche bezwun-
Jesus Christus, von Seiner Vergebung, zen, der verkennt, dass die Bibel auch gen …» Genau das durfte John Knox, der
Seinem Trost, Seiner Hoffnung und un- davon spricht, dass wir alle – der eine Reformator Schottlands, erleben. Die Kö-
serer Zukunft in Seiner Herrlichkeit. so, der andere anders – durch viel Trüb- nigin von Schottland fürchtete die Ge-
Auch in den sal ins Reich Got- bete dieses Mannes mehr als alle Ar-
schlimmsten Um- tes eingehen müs- meen Englands! Doch im gleichen Atem-
ständen und not- sen (Apg 14,22). zug werden in Hebräer 11 auch die an-
vollsten Situatio- Durch einen deren Glaubenshelden genannt, die
nen wissen sich tragischen Unfall durch tiefe Not geführt wurden. Heute
Christen nie allein wurde die Frau ei- finden wir diese Glaubenshelden und
gelassen. Vielmehr nes unserer Missi- -heldinnen im Sudan, in Indonesien,
ist ihnen bewusst, onare querschnitt- Nordkorea, China usw., Christen, die ein
dass der Herr Jesus gelähmt. Ihr wur- Leben lang mit Schmerzen und Leid zu
immer und überall de gesagt: «Gott kämpfen haben, die arbeitslos und oft
bei ihnen ist, wie will nicht, dass du auch depressiv sind. Ja, es kann gesche-
Er gesagt hat: «Sie- querschnittge- hen, dass auch die Häuser von Christen
he, ich bin bei lähmt bist. Wenn von der Hochwasserflut wegge-
euch alle Tage bis du ganz fest daran schwemmt werden. Christen können
an der Welt Ende» glaubst, macht durch die tiefsten Tiefen gehen – und
(Mt 28,20). Selbst dich Gott ge- sind dennoch geistliche Riesen, Helden
im schlimmsten sund …»! Eine des Glaubens! Wir sollten uns bewusst
Geschehen darf solche Aussage sein, dass Leid, Not, Probleme, «Schick-
ein Kind Gottes zeugt von einem salsschläge» usw. nichts über die Echt-
wissen: «Von allen Heute kann die grösste Flut über Europa hinwegzie- ganz falschen heit und Tiefe eines Christenlebens aus-
Seiten umgibst du hen – und die Kirchenglocken bleiben stumm Schriftverständnis sagen. Wie ein Christ mit diesen Din-
mich und hältst und ist zudem ver- gen umgeht, kann jedoch ein Hinweis
deine Hand über mir» (Ps 139,5). Und letzend und pietätlos. auf die Qualität seines Glaubens sein!
auch mitten im Unglück ist ein Christ In Hebräer 11 werden Männer und Unsere Botschaft besteht nicht darin,
im lebendigen Gott geborgen. Das ist Frauen des Glaubens erwähnt, die mit dass wir Glück, Erfolg und Wohlstand pre-
unsere Botschaft, unser Trost und unse- dem Herrn wunderbare Dinge erlebten. digen. Noch viel weniger wollen wir bil-
re Hoffnung! «Und was soll ich noch mehr sagen? Die ligen Trost vermitteln, sondern mitten in
Zeit würde mir zu kurz, wenn ich erzäh- den Nöten, Problemen und Anfechtun-
Lebt ein kranker Christ im len sollte von Gideon und Barak und gen des Lebens auf Jesus Christus hin-
Simson und Jeftah und David und Sa- weisen. Gott lässt manchmal Dinge zu,
Unglauben? muel und den Propheten. Diese haben die unseren Verstand, ja sogar unsere psy-
Es gibt christliche Ausleger und Ge- durch den Glauben Königreiche bezwun- chische Tragkraft übersteigen. Da ist die
meinden, die behaupten: «Ein Christ gen, Gerechtigkeit geübt, Verheissungen Frage berechtigt: Warum das alles?
braucht nicht mehr krank zu sein!» Sie erlangt, Löwen den Rachen gestopft, des
sagen Ihnen, es sei Gottes Wille, wenn Feuers Kraft ausgelöscht, sind der Schär-
es Ihnen gut geht, wenn Sie im Geschäft fe des Schwerts entronnen, aus der
Gedanken des Friedens
Erfolg, eine glückliche Ehe und gut ge- Schwachheit zu Kräften gekommen, sind Für die «negativen» Dinge im Leben
ratene Kinder haben. Wenn das bei Ih- stark geworden im Kampf und haben von Christen gibt es verschiedene Grün-
nen so ist, dann danken Sie Gott dafür. fremde Heere in die Flucht geschlagen. de, die ich hier aufführen möchte, ohne
Aber es ist keineswegs die Regel, son- Frauen haben ihre Toten durch Aufer- den Anspruch auf Vollständigkeit zu er-
dern nur Geschenk und Gnade. stehung wiederbekommen» (Hebr heben. Wir können weder alles erklä-
Solche Verkündiger und Gemeinden 11,32-35a). Gleich daran anschliessend ren noch alles wissen.
berufen sich unter anderem auf folgen- heisst es dann: «Andere aber sind ge- Meines Erachtens lässt Gott
den Bibelvers: «Ich, der allmächtige Gott, martert worden und haben die Freilas- manchmal «negative» Dinge zu, um he-
fordere euch nun auf: Bringt den zehn- sung nicht angenommen, damit sie die rauszufinden, wie echt unser Glaube ist.
ten Teil eurer Ernte in vollem Umfang Auferstehung, die besser ist, erlangten. Solange es uns gut geht, wir gesund sind,
zu meinem Tempel, damit in den Vor- Andere haben Spott und Geisselung er- Erfolg und gehorsame Kinder haben, fällt

6 Mitternachtsruf > Januar 2003


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es uns nicht schwer, Christ zu sein. Wird Lassen wir uns von niemandem die- nachlässigen, zu verdrängen und zu ver-
unser Leben aber durch Tiefen geführt se Botschaft nehmen … gessen, schlief die Gemeinde über kurz
(seelische und leibliche Nöte, Misserfolg, • auch wenn die Welt zusammenbre- oder lang ein. Sie hatte keine geistliche
ungehorsame Kinder usw.), dann glau- chen sollte. Substanz, Kraft und Autorität mehr.
be ich, dass uns Gott fragen will: «Hast • auch wenn grosse Not in unserem Le- Nicht von ungefähr schreibt der Apos-
du Mich dennoch lieb, auch wenn die ben vorhanden ist. tel Paulus der Gemeinde in Thessalonich,
Umstände ganz anders aussehen?» • auch wenn wir vor Schmerzen das die innerlich in Not geraten war: «Denn
Als meine Frau und ich mit ansehen Haus oder das Bett nicht mehr verlas- er selbst, der Herr, wird, wenn der Be-
mussten, wie in den Überschwem- sen können und fehl ertönt, wenn die Stimme des Erzen-
mungsgebieten ganze Existenzen in ei- • wenn die Welt uns als Spinner abtut. gels und die Posaune Gottes erschallen,
nem Nu vernichtet wurden, waren wir Wir haben eine Botschaft der Hoffnung herabkommen vom Himmel, und zuerst
zuerst sprachlos. Einige Tage später sag- und des Trostes! Ja, darüber hinaus ha- werden die Toten, die in Christus gestor-
ten wir zueinander: «Wenn man in sol- ben wir noch mehr, denn ein ganz wich- ben sind, auferstehen. Danach werden
chen Situationen nicht die Bibel hätte tiger Aspekt unserer Botschaft lautet: wir, die wir leben und übrig bleiben,
und bedingungslos an ihr festhielte, zugleich mit ihnen entrückt werden auf
könnte man am Glauben und am Leben den Wolken in die Luft, dem Herrn
verzweifeln!» Als Christen sollte uns
Jesus Christus kommt wieder! entgegen; und so werden wir bei dem
immer bewusst sein, dass Gott viel wei- Lassen wir uns durch niemanden von Herrn sein allezeit. So tröstet euch mit
ter sieht als wir und dass Er bei allem diesem wunderbaren Aspekt unserer diesen Worten untereinander» (1.Thess
friedvolle Gedanken über uns hat: «Denn Botschaft abbringen. Denn wenn wir das 4,16-18). Die Bibel, und mit ihr der Apos-
ich weiss wohl, was ich für Gedanken Wiederkommen des Sohnes Gottes ver- tel Paulus, kannte keinen besseren Trost
über euch habe, spricht der Herr: Ge- kündigen, befinden wir uns in bester Ge- für die Gemeinde Jesu als den Ruf: Jesus
danken des Friedens und nicht des Lei- sellschaft. Und bedenken wir: Schon vor kommt wieder! In dieser Botschaft liegt
des, dass ich euch gebe das Ende, des 2 000 Jahren war das die Botschaft der der Ausdruck der Hoffnung auf eine bes-
ihr wartet» (Jer 29,11). Die wörtliche ersten Gemeinde. Aber auch der Apos- sere Heimat. Nicht umsonst sagt die Bi-
Übersetzung lautet: «… dass ich euch tel Paulus, Martin Luther, John Nelson bel, dass wir – wie Abraham – auf ein
gebe Zukunft und Hoffnung.» Darby und Charles H. Spurgeon und vie- Zuhause warten, auf eine «Stadt, die ei-
Selbst bei Christen kann alles bre- le andere mehr verkündigten schriftge- nen festen Grund hat, deren Baumeister
chen, können tiefste seelische und leib- mäss: Jesus kommt wieder! und Schöpfer Gott ist» (Hebr 11,10).
liche Nöte eintreten, ja die ganze Exis- Immer da, wo das volle Evangelium Wir Christen haben weder eine Bot-
tenz davonschwimmen. Dennoch weiss und so auch das Wiederkommen Jesu schaft der Angst noch des Pessimismus
ein Christ: Gott steht über allem! Er, der verkündigt wurde, war die Gemeinde und noch viel weniger verbreiten wir
Ewige, hat mein Leben in Seiner Hand! brennend und bereit, ihrem Herrn zu Endzeitpanik. Nein, wir haben eine ech-
Dieser Gott, der alle Sterne beim Namen begegnen. Weil sie Jesus Christus jeden te Botschaft auf die Fragen, Nöte und die
nennt (Ps 147,4), sagt uns: «Bei euch Moment erwartete, hat sie auch dem- Angst unserer Zeit. Wir haben viel mehr
aber sind auch die Haare auf dem Haup- entsprechend gelebt. Der Ruf «Jesus anzubieten als den billigen Trost: «Kopf
te alle gezählt. Darum fürchtet euch Christus kommt wieder!», war in der hoch, es wird schon wieder werden!»
nicht!» (Mt 10,30-31). Dazu haben wir ganzen Geschichte der Gemeinde Jesu Unsere Botschaft ist echter Trost, echte
Christen einen Helfer, einen Beistand immer Weckruf und Hoffnungsruf Hoffnung und Zukunft; sie ist nicht rea-
und Tröster, selbst in schwersten Lagen zugleich! Wo man aber anfing, diesen litätsfremd, denn wir halten es mit Lu-
unseres Lebens (Joh 14,16-17). Nach Teil der christlichen Botschaft zu ver- ther, der sagte: «Wenn ich wüsste, dass
einem Gottesdienst kam eine gläubige Jesus Christus morgen käme, dann wür-
Frau auf mich zu und sagte: «Vor drei de ich heute noch ein Apfelbäumchen
Monaten habe ich meinen Mann verlo- pflanzen.» Damit gab er seiner Hoffnung
ren. Jeden Abend, wenn ich nach Hau- «Bei euch aber Ausdruck, dass Jesus Christus jeden Au-
se komme, ist niemand da, der mich in sind auch die genblick wiederkommen kann. Dement-
den Arm nimmt, der mich festhält. Nie- Haare auf dem sprechend hat er gelebt und gepredigt.
Haupte alle
mand, der mit mir redet, mir ein liebes gezählt. Darum Noch einmal sei es gesagt: Wir haben
Wort sagt. Ich fühle mich so einsam, so fürchtet euch die gleiche Botschaft wie ein Paulus und
allein. Dennoch habe ich im Herzen ei- nicht!» Luther sie hatten, und wir lassen uns nicht
nen Trost, den Trost des Heiligen Geis- (Mt 10,30-31) in eine Ecke drängen oder mundtot ma-
tes. Diesen Trost kann mir niemand chen. Vielmehr wollen wir die Menschen
nehmen!» Mit diesen Worten hat ermutigen, ihnen im Namen Jesu Verge-
diese Frau das ausgedrückt, bung zusprechen und die Hoffnung auf
was Jesus verheissen hat: die herrliche Zukunft bei Jesus Christus
«Frieden hinterlasse ich wecken. Das ist unsere Botschaft für eine
euch; meinen Frieden Welt, die in Angst und Unsicherheit lebt
gebe ich euch. Nicht – eine Antwort auf die Fragen unserer
wie die Welt gibt, Zeit. ■
gebe ich euch; euer 1
Tages Anzeiger, 26.8.2002; siehe auch
Herz erschrecke nicht Mitternachtsruf, 10/2002 (Seite 20)
und verzage nicht!» 2
Die Zeit, Nr. 10/2001
(Joh 14,27). 3
glocken-online.de

Mitternachtsruf > Januar 2003 7


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Im Blickfeld

Zum
Jahr der
Bibel

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sich über 150 Prophezeiungen für die
Zeit zwischen Altem und Neuem Tes-
tament, und zwar von Cyrus bis zu Ale-
xander dem Grossen, von Kleopatra bis
Antiochus Epiphanes und bis zur Mak-
Wir leben in einer Welt, die vom Unglauben geprägt ist und in der ein bibelgläu- kabäerzeit. Drs. theol. Roger Liebi hat
biger Christ ständig mit Angriffen auf das Wort Gottes konfrontiert wird. Es gibt diese Prophezeiungen nachgeprüft und
aber auch Mut machende Beispiele, welche die Zuverlässigkeit der Bibel in seinem Buch über Daniel veröffent-
licht. Wenn wir über diese Tatsachen
bestätigen. staunen, können wir dann nicht auch
erwarten, dass sich die noch ausste-
arum viele Menschen vom Bi- nichts wisse, und dem Christus des henden Prophezeiungen der Bibel

W bellesen abgewendet werden, Glaubens, der nur ein Produkt der


wird in einem Beitrag der «Jun- christlichen Gemeinde sei.
gen Freiheit» (Nr. 45, 1.11.2002) er- Solche Bibelauslegung geht zurück
ebenfalls buchstäblich erfüllen, zum
Beispiel die Voraussagen über die Wie-
derkunft Jesu, die Endzeit, die Wieder-
klärt: auf die literarkritische Methode von herstellung Israels und das kommende
«Exegese oder Spiritualität – Wie David Friedrich Strauss (1808–1874) Reich Christi auf Erden?
authentisch ist die Bibel? und wurde vor allem durch den protes- Alle Prophezeiungen und Verheissun-
Längst schon haben die regelmässi- tantischen Exegeten Rudolf Bultmann gen der Bibel sollen uns in die offenen
gen Kirchgänger erfahren, dass es kei- (1884–1976) verbreitet. Zunächst nur Arme Jesu treiben und unseren Glau-
ne Engel und keinen Teufel gibt. Wenn auf die evangelische Kirche beschränkt, ben an Ihn stärken. So sagte Jesus
in der Bibel dennoch davon die Rede griff dieses Denken nach dem Zweiten einmal zu Seinen Jüngern: «Jetzt sage
ist, dann soll hier symbolisch das Han- Vatikanum (1962–1965) dann auch auf ich’s euch, ehe es geschieht, damit ihr,
deln Gottes beschrieben werden. Auch die katholische Kirche über. Mittler- wenn es geschehen ist, glaubt, dass ich
die Jungfrauengeburt sei natürlich nicht weile hören schon Grundschüler, dass es bin» (Joh 13,19).
biologisch, sondern symbolisch ge- Jesus bei der Brotvermehrung kein Wir wollen aus den vielen Voraus-
meint, erfährt der Kirchgänger an Weih- Wunder vollbracht habe, sondern dass sagen des Wortes Gottes einmal ein
nachten. An Ostern besucht er dann fünftausend Männer deshalb satt wur- Beispiel herausgreifen, und zwar den
den Gottesdienst, um zu hören, dass den, weil alle geteilt haben.» Fall des alten Babylon. In den nachfol-
auch die Auferste- Solch ein Unsinn gend aufgeführten Bibelstellen werden
hung Jesu nicht leib- wird «gepredigt» sieben Aussagen über die Zukunft Ba-
lich zu verstehen ist. und von den Medi- bylons gemacht:
Die Evangelisten en verbreitet. Nach • «So wird es Babel, der Zierde der
wollen uns nur sa- Aussagen von Bibel- Königreiche, der stolzen Pracht der
gen: Die Sache Jesu gelehrten gibt es in Chaldäer, ergehen (1) wie nach der
geht weiter. Sollte der Heiligen Schrift Umkehrung von Sodom und Gomorra
der Kirchgänger über 6 000 Verse durch Gott. (2) Nie mehr wird es be-
immer noch nicht mit prophetischem wohnt sein, und es bleibt unbesiedelt
entmutigt sein und «Mene, mene, tekel upharsin…» Inhalt. Davon haben von Generation zu Generation. Und der
auch noch an Pfings- sich über 3 000, (3) Araber wird dort nicht zelten, und
ten zum Gottesdienst kommen, heisst also etwa die Hälfte, buchstäblich er- Hirten werden ihre Herden dort nicht
es dort, der historische Jesus habe auch füllt. Im Alten Testament stehen über lagern lassen. Aber (4) Wüstentiere
keine Kirche gründen wollen, dies sei 300 deutliche Voraussagen, die sich auf werden dort lagern, und voller Eulen
erst eine Idee der ersten Christen ge- die erste Ankunft Jesu beziehen und werden ihre Häuser sein. Strausse wer-
wesen. Immer wieder verweist man auf die sich nachweislich vor 2 000 Jah- den dort wohnen und Bocks-Dämonen
den Unterschied zwischen dem histo- ren erfüllt haben. Allein im Buch des dort tanzen. Wilde Hunde werden heu-
rischen Jesus, von dem man so gut wie Propheten Daniel (Kap 11,2-35) finden len in seinen Palästen und Schakale in

8 Mitternachtsruf > Januar 2003


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den Lustschlössern. Und seine Zeit Auch die Perser wussten zunächst Bedenken wir, dass die Propheten
steht nahe bevor, und seine Tage wer- nicht, wie sie die Mauer erstürmen diese Aussagen in der Blütezeit des Ba-
den nicht verlängert werden» (Jes 13,19- sollten. Deshalb wurden sie von den bylonischen Reiches machten, als sein
22). Babyloniern verspottet. Wenn wir je- Niedergang noch weit entfernt war. Ba-
• «Ich werde es zum Besitz der Igel doch in Daniel 5 nachlesen, ist es umso bylon war zu jener Zeit sowohl auf wirt-
machen und (5) zu Wassersümpfen. verwunderlicher, wie Babylon von den schaftlichem Gebiet, als auch auf mili-
Und ich werde es ausfegen mit dem Persern urplötzlich eingenommen wur- tärischer und politischer Ebene führend
Besen der Vertilgung, spricht der Herr de. Der babylonische Regent Belsazar – es war in jener Epoche ein mächtiges
der Heerscharen» (Jes 14,23). war von diesem Ereignis überrumpelt Weltreich. Doch davon liess sich Gott
• «… so dass man (6) von dir weder und verängstigt. Er machte sich anschei- nicht beeindrucken. Es kam, wie es
Eckstein noch Grundstein nehmen nend so wenig Sorgen über einen be- kommen musste: Seine Prophezeiungen
kann. Denn eine ewige Trümmerstätte vorstehenden Sturz seines Reiches, dass erfüllten sich. Im Oktober 539 v.Chr.
sollst du sein, spricht der Herr» (Jer er noch am selben Abend ein grosses wurde Babylon vom Perserkönig Cyrus
51,26). Fest feierte (V 1). Doch plötzlich er- eingenommen. 66 Jahre zuvor, im Jahr
• «Seine Städte sind zur Wüste gewor- schien eine Schrift an der Wand des 605 v.Chr., fand die erste Deportation
den, ein dürres Land und eine Steppe, Festsaales, und er erschrak zutiefst: der Einwohner Judas statt; zu ihnen ge-
ein Land, worin niemand wohnt und «Mene, mene, tekel upharsin …» Nie- hörte auch Daniel (Dan 1,1ff.). Rund vier
(7) durch das kein Menschenkind mand konnte diese Schrift lesen oder Jahre nach der Einnahme Babylons durch
zieht» (Jer 51,43). auslegen (V 8), bis der Jude Daniel ge- die Perser durften die verbannten Juden
In diesen Texten finden wir sieben Pro- rufen wurde. Er las und deutete die 535 v.Chr. durch einen Erlass von Kö-
phezeiungen, die wir nochmals kurz Schrift: «… dein Königreich wird zer- nig Cyrus wieder in ihr Land zurück-
zusammenfassen: teilt und den Medern und Persern ge- kehren. Das war genau 70 Jahre nach
1) Babylon soll wie Sodom und Gomor- geben» (V 28). Und schliesslich heisst der ersten Deportation, wie es von Gott
ra werden (Jes 13,19). es: «In derselben Nacht wurde Belsa- prophezeit war (Jer 25,11-13; 29,10).
2) Es soll nie wieder bewohnt sein (Jes zar, der chaldäische König, getötet» Bis dahin war es praktisch unmög-
13,20; Jer 51,26). (V 30). lich, die Mauern Babylons zu durch-
3) Araber werden dort keine Zelte auf- Paulus schrieb den Christen in Rom: brechen oder zu überwinden, denn:
schlagen und ihre Herden dort nicht «Was ist nun der Vorzug des Juden oder • Die Stadt war umgeben von einem
lagern lassen (Jes 13,20). was der Nutzen der Beschneidung? Viel 9 Meter breiten Wallgraben und einer
4) Wüstentiere werden in den Ruinen in jeder Hinsicht. Denn zuerst sind ih- doppelten Mauer.
hausen (Jes 13,21-22). nen die Aussprüche Gottes anvertraut • Die äussere Mauer war 95 Meter
worden» (Röm 3,1-2). Ge-
nau das hat der Jude Daniel
erlebt: Ihm wurde die
Schrift Gottes an der Wand
offenbart. So ist das jüdi-
sche Volk auch heute ein
Sprachrohr für die Welt; an
ihm erkennen wir, wie spät
es an der Weltenuhr ist, und
an ihm sehen wir eine Er-
füllung der Prophetie. Somit
ist seine blosse Existenz als
Volk bereits eine Auslegung
für unsere Zeit.
Wenn Gottes Gerichte
kommen, geschieht es stets
unverhofft und rasend
schnell. Der Herr Jesus sagt:
«… wie ein Fallstrick …»
(Lk 21,35). Paulus schreibt:
«… dann kommt ein plötz-
liches Verderben über
«Seine Städte sind zur Wüste geworden, ein dürres Land und eine Steppe, ein Land, worin niemand wohnt und durch sie …» (1.Thess 5,3). Die
das kein Menschenkind zieht»
Propheten vergleichen die-
se Zeit mit einer plötzlich
5) Das Gebiet soll von Wassersümpfen hoch (30 Stockwerke) und 27 Meter hereinbrechenden Flut.
bedeckt werden (Jes 14,23). dick (Platz für 8 nebeneinander fahren- Wie kam es damals in Babylon zu
6) Die Eck-und Gundsteine Babylons de Streitwagen oder 14 Autos). dieser folgenschweren Überraschung?
sollen nicht mehr für andere Bauarbei- • Die Mauer hatte 250 Wachtürme, die Hier hilft uns die Geschichtsschreibung
ten benutzt werden (Jer 51,26). nochmals 30 Meter höher waren als die weiter. Die Perser entdeckten, dass der
7) Die Stadt wird nicht mehr von Men- äussere Mauer und 100 bronzebeschla- Euphrat durch die Mauern hindurch
schen durchzogen werden (Jer 51,43). gene Tore. mitten durch die Stadt floss. Sie hoben

Mitternachtsruf > Januar 2003 9


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ich dann in seine Werkstatt schaute,
Im Blickfeld sah ich viele abgenutzte Hämmer auf
dem Boden, die bei der jahrelangen
Schmiedearbeit verbraucht worden
tiefe Gräben aus und leiteten den Fluss besucht, denn Babylon ist im Gegen- waren. ‹Wie viele Ambosse haben Sie
um. In einer Nacht, in der in Babylon satz zu anderen antiken Orten keine gebraucht›, fragte ich, ‹um all diese
ein ausschweifendes Fest gefeiert wur- typische Touristenattraktion (Jer Hämmer so zuzurichten?› ‹Nur einen
de, öffneten die Perser die Gräben. Sie 51,43). Selbst Beduinen sollen sich einzigen›, sagte der Schmied, und füg-
wurden von zwei babylonischen Deser- nicht zwischen den Ruinen Babylons te augenzwinkernd hinzu: ‹Wissen Sie
teuren durch das halbtrockene Fluss- aufhalten. Es heisst, dass sie gewisse – der Amboss nutzt die Hämmer ab,
bett in die Stadt geführt. Diese bedeut- abergläubische Scheu davon abhält, dort und nicht umgekehrt.› ‹Und genauso›‚
same Nacht wird uns in Daniel 5 ge- ihre Zelte aufzuschlagen (Jes 13,20). dachte ich bei mir, ‹ist es mit dem
schildert. Ziegelsteine hat man wohl von Baby- Amboss des Wortes Gottes: Seit Jahr-
Nach und nach erfüllten sich dann lon abtransportiert und woanders hunderten schlagen die Kritiker darauf
alle von Gott gegebenen Prophezeiun- wieder entdeckt. Aber wegen der ho- ein. Man hörte zwar, wie die Hämmer
gen über den Verfall der Stadt Babylon. hen Transportkosten blieben die gros- zu Boden fielen, doch der Amboss blieb
Es folgen einige Beispiele: sen Eck- und Fundamentsteine liegen bis heute unbeschadet.»
• Der spätere Perserkönig Xerxes (Jer 5,26). Ein grosser Teil der Stadt liegt Diese Tatsachen sind eine grosse He-
(Ahasveros) plünderte Babylon fast voll- noch unter einer dicken Schlamm- rausforderung für uns Menschen. Denn
ständig aus. Alexander der Grosse woll- schicht begraben, ein anderer Teil liegt wenn die Bibel so zuverlässig ist, dann
te den berühmten Turm wieder aufbau- unter einer grossen Wasserfläche (Jes ist sie es auch mit ihrer Zusage, dass
en. Zunächst war ihm diese Baumass- 14,23). So ist das ihre Verheissun-
nahme zu kostspielig, dann ereilte ihn alte Babylon tat- gen nur demjeni-
ein früher Tod. Unter den Nachfolgern sächlich wie So- gen nützen, der
Alexanders verfiel das Gebiet immer dom und Go- sich im Glauben
mehr und wurde bald zur Wüste. Ba- morra geworden dafür entschei-
bylon geriet in der Folge in den Besitz (Jes 13,19). det. «Denn auch
der Seleukiden (Syrische Dynastie). Die Bibel ist uns ist eine gute
Aber der Wiederaufbau Babylons war das absolute, un- Botschaft ver-
so kostspielig wie der Bau einer neuen fehlbare Wort kündigt worden,
Stadt, und deshalb entschiedenen sich Gottes, das für wie auch jenen;
die Seleukiden zu Letzterem. So wur- unser Leben in aber das gehörte
de 65 km nördlich von Babylon die am jeder Beziehung Wort nützte je-
Tigris gelegene Stadt Seleuka erbaut. richtungweisend nen nicht, weil
Nach und nach wurde Seleuka anstelle ist. Über Jahrtau- es bei denen, die
von Babylon zum Zentrum der Macht. sende hat die Bi- es hörten, sich
• Schon während der Regierungszeit bel alle Angriffe nicht mit dem
von Kaiser Augustus schrieb ein Rei- überlebt. Ihre Glauben ver-
sender über Babylon: «Doch grosse Angreifer sind band. Wir gehen
Wüstenei ist jetzt die grosse Stadt.» untergegangen, nämlich in die
• Im Jahr 116 n.Chr. sagte ein Feld- sie aber steht Ruhe ein als die,
herr über Babylon: «Schutthalden, Stei- höher und fester die geglaubt ha-
ne und Ruinen.» und zeigt uns ben, wie er ge-
• Heute kann man die 87 km südlich auch in der ge- sagt hat …»
von Bagdad gelegenen, öden und sand- genwärtigen Ge- Der Amboss nutzt die Hämmer ab, und nicht (Hebr 4,2-3).
verwehten Ruinen der einst so stolzen schichte, wie umgekehrt Beim Auszug
Stadt betrachten. Moderne Wissen- Recht sie hat. aus Ägypten er-
schaftler bestätigen die Erfüllung bibli- Mit grosser Ehrfurcht lesen wir in Heb- fuhren viele Israeliten die Wunder Got-
scher Prophetie und staunen darüber. räer 4,12-13: «Denn das Wort Gottes tes aus erster Hand. Doch die meisten
Ein Archäologe schreibt: «Während in ist lebendig und wirksam und schärfer von ihnen erlebten den Einzug ins ver-
vielen antiken Ruinen die Schuttmassen als jedes zweischneidige Schwert und heissene Land nicht, weil sie das Ge-
nicht mehr als 2 bis 3 oder 6 m hoch durchdringend bis zur Scheidung von sehene nicht mit dem Glauben verban-
auf den Fundschichten ruhen, sind hier Seele und Geist, sowohl der Gelenke den und nicht auf das Wort Gottes ein-
oft 12 oder 24 m zu bewältigen.» als auch des Markes, und ein Richter gingen. Wollen wir die Erfüllung der
Jahrhunderte nach den Prophezeiun- der Gedanken und Gesinnungen des göttlichen Verheissungen erleben, Sieg
gen ist heute sichtbar und greifbar, wie Herzens; und kein Geschöpf ist vor ihm haben in der Nachfolge, Eingang fin-
buchstäblich sich die Aussagen Gottes unsichtbar, sondern alles bloss und auf- den ins Reich Gottes, dann ist der un-
über Babylon erfüllt haben. Babylon ist gedeckt vor den Augen dessen, mit erschütterliche Glaube an das Wort
nicht mehr aufgebaut worden (Jes dem wir es zu tun haben.» Gottes von grösster Wichtigkeit. Dabei
13,20; Jer 25,12; 50,13.39.40; Ein Dichter sagte über die Bibel: kann uns eine Herzensentscheidung
51,37.43.62). Heute leben dort nur «Gestern stoppte ich bei einem helfen, denn durch den Glauben an den
noch wilde Wüstentiere (Jes 13,21-22). Schmied zu einer Pause und hörte schon Herrn Jesus tun sich uns die Schätze
Die Stadt wird praktisch nicht mehr von draussen den Amboss klingen. Als des Himmels auf! ■ N.L.

10 Mitternachtsruf > Januar 2003


Sternchen, die nicht leuchten

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Aufgegriffen


Das deutsche Nachrichtenmagazin «Focus» brachte in der Ausgabe vom 11.
Der Motivationstrainer Nikolaus B. En-
November 2002 einen Bericht mit dem Titel «Deutschland im Casting-Fieber: kelmann sagte: «Der Wanderprediger Jesus
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wie der Starkult die Sehnsucht nach einem anderen Leben weckt.» aus Nazareth wurde zum Begründer einer
Weltreligion – weil sich sein inneres Feuer wie
nter anderem hiess es darin, wie Experten etwa so: Junge Menschen ah-

U einzelne junge Menschen in


Deutschland (und anderen Län-
dern) danach streben, ein «Superstar»
nen offenbar, dass sich in ihrem Leben
ständig etwas ändern wird. Sichere
Arbeitsplätze gibt es kaum noch. Part-
ein Flächenbrand verbreitete. Seine Redekunst
war überragend, die Bergpredigt ist ein rheto-
risches Meisterwerk. Seine Botschaft der
Nächstenliebe leitete ein neues Zeitalter ein.
zu werden. Sie tun alles Mögliche, um nerschaften sind kurzlebig, familiäre
im Film- oder Musikgeschäft als Star Bindungen oft brüchig. Statt langfristi- Fazit: Bibellesen.»
bzw. Sternchen auftreten zu können. ger, oft mühsamer Lebensplanung lockt
Auch Erwachsene lassen sich von die- der schnelle Ruhm. Die Menschen ha- In Grönland wird die Bibel zum Renner.
sem Fieber anstecken. So haben die ben, ganz banal gesprochen, Sehnsucht Grönland ist die grösste Insel der Welt, hat
Eltern eines Mädchens 15 000 Euro in nach Zuwendung und Beachtung. Dabei aber nur 56 000 Einwohner. Wie die dänische
die Bühnenkarriere ihrer Tochter inves- bieten sich ihnen die Medien an, um Bibelgesellschaft berichtet, haben jetzt viele
tiert, allerdings bislang ohne nennens- diese Bedürfnisse zu befriedigen – und Insulaner die Möglichkeit, ohne Probleme in
werten Erfolg. auszubeuten. Junge Menschen mit ei- der Bibel lesen zu können. Zuvor seien nur
Mit fast trotziger Stimme sagt die ner labilen Persönlichkeitsstruktur brau- Bibeln erhältlich gewesen, welche die meis-
gelernte Versicherungskauffrau: «Ich chen Aufmerksamkeit wie die Luft zum ten Eskimos wegen einer veralteten Recht-
möchte auf die Bühne!» In anderen Atmen. Dabei ist das Ganze sehr ris-
schreibung nicht lesen konnten. Doch vor gut
Ländern wie Grossbritannien, den USA, kant, weil im schnelllebigen Medien-
Polen oder Südafrika schlug die Cas- geschäft diese Aufmerksamkeit von ei-
einem Jahr ist eine «Grönland-Bibel» mit neuer
ting-Show, dort unter Namen wie «Pop nem auf den anderen Tag plötzlich Sprachgestaltung erschienen. Diese Überset-
Idol», alle Einschaltrekorde. Selbst Län- vorbei sein kann. Das aufgeblähte Ich zung ist mittlerweile zum Verkaufsschlager
der wie der Irak, so eine Sprecherin, fällt dann in sich zusammen. Viele geworden. Jeder 28. Einwohner von Grönland
wollen nun ihren eigenen Superstar scheinen sich nur dann glücklich zu besitzt bereits ein Exemplar.
küren. Vom Schuljungen über die Por- fühlen, wenn sie sich in den Augen
sche fahrende Ärztin bis hin zum anderer spiegeln können. Alexander Dem israelischen Geheimdienst liegen
Grossvater melden sie sich zu Abertau- Hold (von SAT 1) sagt: «Bei uns mel- Informationen vor, nach denen Libyen schon
senden bei Agenturen, um den sich Leute, welche 2004 über ein-
einmal als Kleindarsteller, als satzbereite
Quizkandidat – zur Not auch Atomwaffen ver-
als klatschender Zuschauer – Alexander Hold fügen könnte.
im Fernsehen auftreten zu
dürfen. Sie werden gehandelt (SAT 1): «Bei Das libysche
Atomwaffenpro-
wie Melonen auf dem Gross- uns melden gramm werde
markt – manchmal im Dut-
zend billiger. Nicht umsonst sich Leute, mit Finanzhilfe
nennt man die Agenturen, welche die aus Saudi-Arabi-
die nach einem neuen Stern- en insbesondere von irakischen und nordko-
chen suchen, auch «Media- Sehnsucht reanischen Technikern vorangetrieben. Man
bolo», abgeleitet von «Diabo- haben, sich in vermutet, dass Saddam Hussein auf diese
lo» (Teufel/Verführer). Weise einen Teil seines eigenen Atom-Pro-
Doch es gibt unter den Agenturen einem anderen Leben gramms «ausgelagert» haben könnte. Durch
viele «Abzocker», die hohe Gebühren auszuprobieren» eine Art Arbeitsteilung rekrutiere der Irak ent-
verlangen, ohne sich wirklich für die
sprechende Fachkräfte aus den Staaten der
Kandidaten einzusetzen. So bleibt der
Wunsch, ein «Sternchen» zu werden, die Sehnsucht haben, sich in einem an- früheren Sowjetunion, während Libyen einen
in der Weite und Dunkelheit des Uni- deren Leben auszuprobieren.» «Embargo-freien» Standort und Saudi-Arabi-
versums verloren. Trotzdem verkündi- Wenn man auf der Suche nach ei- en finanzielle Unterstützung biete.
gen die Agenturen lautstark, dass der nem anderen Leben in die falschen
Zulauf enorm sei. Es ist ein Geschäft Hände gerät und verkehrten Zielen Im Nordsudan werden immer noch etwa
mit der Sehnsucht, an dem nur die folgt, kann es schlimmer werden als 200 000 Christen und Animisten von Mos-
Show-Veranstalter und Fernsehgesell- vorher. Der Verführer dieser Welt nutzt lems als Sklaven gehalten. 70 Prozent der
schaften verdienen. die Sehnsucht vieler junger Menschen über zwölfjährigen Mädchen werden auf bru-
Auf die Frage, wie sich die Sehn- unbarmherzig aus. Er führt sie in eine talste Art immer wieder vergewaltigt, und 15
sucht vieler junger Menschen, eine be- falsche Richtung, nämlich von Gott Prozent der über sechsjährigen Jungen sexu-
rühmte Persönlichkeit auf der Bühne weg. Aber unsere Sehnsucht kann nur ell missbraucht. Schlimmste Folterungen, ent-

zu werden, erklären lässt, antworten bei Gott gestillt werden, niemals durch

Mitternachtsruf > Januar 2003 11


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▲ setzlicher Hunger und Zwangsislamisierung Im Blickfeld
gehören zur Tagesordnung.
Einem Palästinenser, welcher der Spio- den Ruhm dieser ser ihm mit grosser
nage für Israel beschuldigt wird, gelang die Welt. So sagte einst Eile entgegen, um-
Flucht aus Hebron; er hat in einer Wohnung ein grosser Star aus armte ihn und nahm
in Jerusalem Zuflucht gefunden. Der 32-Jäh- der Musikbranche: ihn wieder als seinen
rige erklärte, von palästinensischen Geheim- «Es kann dir passie- Sohn auf.
dienstmitarbeitern brutal gefoltert worden zu ren, dass du unter So kommt uns
sein. Tausenden von auch der himmlische
Menschen stehst Vater entgegen. Er
Der Lutherische Weltbund (LWB) unter- und doch mutter- hat es eilig, uns bei
stützt eine weltweite Kampagne zur Beendi- seelenallein bist.» sich willkommen zu
gung der «illegalen Besatzung Palästinas». Es Der Philosoph heissen. Dafür stieg
wird dazu aufgerufen, Produkte aus den «ille- Friedrich Nietzsche, Jesus, der «helle,
galen israelischen Siedlungen» im Westjordan- der für Millionen glänzende Morgen-
land zu boykottieren; zudem solle Israel für zum Vorbild wurde, «Was hülfe es dem Menschen, wenn er die stern» (Offb 22,16)
ganze Welt gewönne und büsste seine Seele
sagte im Alter: «Ich ein?» in den Dreck unse-
«Kriegsschäden» aufkommen und diese be-
gehe ins Nirgend- rer Welt und Sünde.
zahlen. wo, immer ins Nirgendwo, und immer Er wies den Herrlichkeiten, die der Teu-
Hassan Nasrallah, der Generalsekretär der und immer wieder ins Nirgendwo.» fel Ihm anbot, die Tür, und breitete für
Hisbollah, erklärte in einer Moschee in Bei- Weil Jesus Christus um diese Gefah- uns am Kreuz Seine Arme aus. Warum?
ren weiss, warnt Er: «Was hülfe es dem Damit wir «Sterne» im himmlischen Va-
rut, dass die Existenz des Staates Israel den
Menschen, wenn er die ganze Welt ge- terhaus werden können, die niemals er-
Kampf seiner Organisation gegen die Juden
wönne und büsste seine Seele ein?» (Mk löschen. Bei Jesus wird unsere Sehnsucht
erleichtere: «Dadurch wird es uns erspart, sie 8,36). An anderer Stelle steht auch nach etwas Bleibendem, Ewigem, ge-
in der ganzen Welt zu verfolgen.» gleich die Antwort, warum das so ist: stillt, denn bei Ihm werden wir nicht
«… die Welt vergeht und ihre Begier- betrogen. Er hält, was Er verspricht, und
Hohe islamische Gelehrte aus dem Iran,
de; wer aber den Willen Gottes tut, Er gibt jedem, der reumütig zu Ihm
dem Libanon und dem Jemen fordern offen
bleibt in Ewigkeit» (1.Joh 2,17). kommt, Sündenvergebung und ewiges
den Tod dreier prominenter Christen. So sol- In Lukas 15 erzählt Jesus die Ge- Leben. Bei Jesus kann jeder ein Mitar-
len Franklin Graham (ein Sohn von Billy Gra- schichte eines jungen Mannes, der sich beiter, ein Stern im Reich Gottes wer-
ham), Pastor Jerry Falwell und der Fernseh- das Erbe von seinem Vater auszahlen den: «… die Verständigen werden leuch-
prediger Pat Ro- liess, um sich selbst zu verwirklichen ten wie der Glanz der Himmelsfeste;
Reuters

bertson umge- und berühmt zu werden. Solange er Geld und die, welche die vielen zur Gerech-
bracht werden, weil hatte, war er ein «Star». Viele «Freun- tigkeit gewiesen haben, leuchten wie die
sie sich über den de» himmelten ihn an. Doch der Lebens- Sterne immer und ewig» (Dan 12,3).
Islam negativ ge- rausch betrog ihn, und die Ernüchterung ■ N.L.
kam schnell. Als er kein Geld
äussert haben. Es
mehr hatte, war er plötzlich
sei aus islamischer
ein «Stern», den man in
Sicht nötig, sie zu den Kot der Schweine fal-
Franklin Graham töten, so ein irani- len liess. Sein Ruf: «Gib Solange er Geld hatte, war er ein
scher Geistlicher. «Star». Viele «Freunde» himmelten
mir!» – «Ich will haben!» ihn an. Doch der Lebensrausch
Ein Sprecher der grossen Moschee in Saana, – «Ich will etwas sein in betrog ihn, und die Ernüchterung
der Hauptstadt des Jemen, habe gebetet: «O dieser grossen, kam schnell
Allah, zerstöre die Juden und ihre Unterstüt- w e i t e n
zer und die Christen und ihre Nachfolger.» We l t » ,
Aber anstatt die Bedrohung durch den Is- wurde
nur noch
lam deutlich zu erkennen, rügten westliche
vom Grun-
Politiker und der ökumenische Nationale Kir-
zen der
chenrat die Aussagen der prominenten Chris- Schweine erwi-
ten als «unchristlich». dert. In dieser
schlimmen Lage
Die USA planen die totale elektronische
besann er sich ei-
Kontrolle. Im Kampf gegen den Terrorismus
nes Besseren und
wollen sie weltweit E-Mails und Kreditkarten- kehrte in Demut
daten überwachen. Skeptiker entgegnen, dass zu seinem Vater
dieses Vorhaben ein gewaltiger Angriff gegen zurück. Zu seiner
die Bürgerrechte sei. grossen Überra-
schung kam die-

12 Mitternachtsruf > Januar 2003


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se» Magie dagegen sei gut; hier wür-
Keystone

den angeblich gute Mächte zu guten


Zwecken in Anspruch genommen.
Besteht hier wirklich ein Unter-
schied? Nein, denn auch bei der so ge-
nannten «weissen» Magie wird Gott
nicht wirklich als personales Gegenü-
ber ernst genommen und geehrt. Viel-
mehr wird das, was man für «Gott» hält
bzw. was als «gute Macht» an Gottes
Stelle tritt, zur Befriedigung der eigenen
Macht-, Wissens- und Erfolgsgelüste
missbraucht. Während der Christ im
Vaterunser betet: «Vater unser im Him-
mel ... dein Wille geschehe», spricht der
Magier: «Mein Wille geschehe» – und
die hierbei angerufene «höhere Macht»

Harry Potter – soll ihm willfährig sein. Dieser Pseudo-


gott der Magier und Zauberer, der Spiri-
tisten und Schamanen und vieler ande-

ein Kämpfer für das Gute? rer ist eine Erscheinung aus der Welt
des satanischen «Lichtengels» (2.Kor
11,14), ein Dämon, der uns durch fal-
Im folgenden Leserbrief weist der Verfasser deutlich darauf hin, dass «weisse» sche Zeichen und Wunder zu blenden
und von der wahren Quelle des Lebens
und «schwarze» Magie aus derselben Quelle kommen. – vom lebendigen, persönlichen Gott –
fernzuhalten versucht. Mit dem Gott der
mmer wieder wird behauptet, Har- Magie unterschieden: Die «schwarze»

I
Bibel hat Magie jeder Art nichts zu tun,
ry Potter würde für das Gute kämp- Magie (z.B. des Lord Voldemort) sei sondern sie steht gegen Gott (vgl. 5.Mo
fen und sich der «weissen Magie» böse; hier würden finstere Mächte zu 18,9ff.) und ist ein Versuch der Selbst-
bedienen. Wieder einmal mehr wird bösen Zwecken (z.B. Verfluchung, erlösung ohne Jesus Christus, der schei-
zwischen «schwarzer» und «weisser» Schadenszauber) angerufen. Die «weis- tern muss. ■ L.G.

Die Zukunft der Nationen


Im Tausendjährigen Reich Jesu Christi erwartet die Nationen eine wunderbare Zukunft, wie sie in Sacharja 8,22 beschrie-
ben ist: «… viele Völker und mächtige Nationen werden kommen, um den Herrn der Heerscharen in Jerusalem zu
suchen und den Herrn anzuflehen.»
eute noch kämpfen sie Gegengewalt be-
Die Welt strebt zwar Als Gemeinde Jesu

H gegeneinander – die Amerikaner


gegen den Irak, die Palästinenser
gegen die Israelis, der Islam gegen das
antwortet, weil auf
andere Art kein
Frieden möglich zu
nach Frieden, aber sie
reibt sich auf im Unfrie-
den und in unzähligen
sind wir dazu be-
stimmt, Sein Evan-
gelium unter allen
Juden- und Christentum. Die Welt strebt sein scheint. Eines Nationen zu ver-
zwar nach Frieden, aber sie reibt sich
auf im Unfrieden und in unzähligen
Tages wird auch
der Herr mit Ge-
Konflikten kündigen und für
alle Menschen zu
Konflikten. Die Auswüchse des Hasses walt antworten und beten, sie zu lieben
und der Feindschaft kennen keine Gren- alle Nationen in die Schranken weisen. und ihnen Gutes zu tun. «Liebet eure
zen. Viele Christen stehen auf der Sei- Angesichts der hasserfüllten Drohun- Feinde; segnet, die euch fluchen» (Mt
te Israels, und nicht wenige freuen sich, gen, Anschläge und kriegerischen Aus- 5,44). Wir dürfen kein Gefallen haben
wenn der israelischen Armee wieder einandersetzungen übersehen wir allzu an Gewalt und Gegengewalt, denn die
einmal ein Schlag gegen den Terror ge- leicht, dass der Welt der Friede Gottes Gemeinde Jesu hat eine andere Beru-
lingt, selbst wenn dabei Unschuldige fehlt und darum kein Friede auf Erden fung, und nur darin können wir zum
ums Leben kommen. Manche greifen sein kann. Sowohl die Palästinenser als Frieden in der Welt beitragen.
in Gedanken sogar selber zur Waffe, auch die Syrer, Iraker, Amerikaner, Asi- Wie wohltuend ist es, wenn wir wis-
um gegen die Feinde Israels zu kämp- aten, Afrikaner, Europäer und auch die sen, dass der Herr Jesus bei Seiner
fen. In unserer Welt wird Gewalt mit Israelis – alle brauchen Jesus Christus. Wiederkunft – nach einem anfängli-

Mitternachtsruf > Januar 2003 13


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Zelte Edoms und die Ismaeliter, Moab
Im Blickfeld und die Hageriter, Gebal und Ammon
und Amalek, Philistäa samt den Bewoh-
nern von Tyrus. Auch Assur hat sich
chen Gericht – Gerechtigkeit und Frie- nen geben, und die Ägypter werden Ihm ihnen angeschlossen. Sie sind zu einem
den bringen wird unter alle Völker. Seh- dienen. Zur selben Zeit wird sich auch Arm geworden den Söhnen Lots. … Be-
nen wir uns danach und beten wir Syrien dem Herrn anschliessen, so dass decke ihr Gesicht mit Schande, damit
dafür? Nach den prophetischen Aussa- Israel mit Ägypten und Syrien zusam- sie deinen Namen, Herr, suchen! … da-
gen der Bibel werden offenbar auch die men ein Segen sein wird auf Erden mit sie erkennen, dass du allein – Herr
Palästinenser unter der zukünftigen (V 16-25). Heute können wir von solch ist ja dein Name! – der Höchste bist
Herrschaft Jesu einer Situation nur träumen, über die ganze Erde!» (Ps 83,6-9.17.19).
ihr Erbteil in Is- denn momentan erscheint Dieses Gebet wird Erhörung finden,
rael erhalten. sie uns undenkbar. Doch denn wenn der Herr Jesus wieder-
Über die Philis- beim Herrn sind alle Dinge kommt, wird Er in der Mitte Jerusa-
ter, deren geist- möglich! Der Friede, den Er lems wohnen. Dann werden sich viele
liche Nachfolger am Kreuz von Golgatha Nationen dem Herrn anschliessen und
die Palästinen- durch Seinen Tod und Sei- miteinander Sein Volk werden. An je-
ser sind, heisst ne Auferstehung errang, nem Tag wird auch Israel erkennen,
es nämlich in Sa- wird die ganze Welt errei- dass der Herr, der vor 2 000 Jahren
charja 9,7: «Und chen! unter ihnen lebte, ihr Gott ist: «Und an
ich werde seine In Psalm 87,4 lesen wir: jenem Tag werden viele Nationen sich
blutigen Fleisch- «Ich will Rahab (Ägypten) dem Herrn anschliessen. So werden sie
brocken aus sei- und Babel erwähnen bei mein Volk sein. Und ich werde in dei-
nem Mund weg- denen, die mich kennen; ner Mitte wohnen, und du wirst erken-
reissen und sei- siehe, Philistäa und Tyrus nen, dass der Herr der Heerscharen
ne abscheuli- (Libanon) samt Kusch (Af- mich zu dir gesandt hat» (Sach 2,15).
chen Stücke rika). Dieser ist dort gebo- «Und die Nationen werden erkennen,
zwischen sei- ren.» So war es auch das dass ich der Herr bin, der Israel hei-
«Da beben die Götzen Ägyptens vor
nen Zähnen hin- ihm, und das Herz Ägyptens Gebet des Psalmisten, dass ligt, wenn mein Heiligtum für ewig in
weg. So wird zerschmilzt in seinem Innern» das Gericht Gottes die Fein- ihrer Mitte ist» (Hes 37,28). Lassen wir
auch er als ein de Israels nicht vernichtet, also unseren Emotionen nicht freien
Rest übrig bleiben für unseren Gott und sondern dahin führt, den Herrn zu er- Lauf; denn wir sollten nicht vergessen,
wird sein wie ein Stammverwandter in kennen: «Denn sie haben sich beraten dass dieser Friede das Ziel Gottes mit
Juda und Ekron wie ein Jebusiter.» Dem mit einmütigem Herzen, sie haben ei- der Welt ist. Deshalb sollten wir ihn
Terrorismus wird durch das Eingreifen nen Bund gegen dich geschlossen: Die auch zu unserem Ziel machen. ■ N.L.
des Herrn ein Ende gesetzt, und ein
Überrest der «Philister» wird werden
«wie ein Stammverwandter in Juda»
und «Ekron (eine Philisterstadt) wie ein
Jebusiter». Dem Jebusiter Arauna kauf-
te König David das Grundstück ab, auf
dem später der Tempel gebaut wurde
Die Geschichte wiederholt
(2.Sam 24,18ff.).
In Jesaja 19 ist die Rede von der Wie-
derkunft des Messias. Auch Ägypten
sich
wird erwähnt: «Ausspruch über Ägyp- Ein Zitat aus den Annalen des Tacitus (VI. 7), einem Werk, das vor ca. 2 000
ten. Siehe, der Herr fährt auf einer
schnellen Wolke und kommt nach Ägyp-
Jahren, kurz nach der Zeit Christi, in Rom geschrieben wurde, schildert treffend
ten. Da beben die Götzen Ägyptens vor unsere heutige Zeit.
ihm, und das Herz Ägyptens zerschmilzt
in seinem Innern» (V 1). Die in diesem er holländische Theologe Edward heit, man experimentiert mit orientali-
Kapitel beschriebenen Gerichte sollen
dazu führen, dass Ägypten sich dem
Schillebeeckx erwähnt dieses Zi- schen Religionen und Meditationstech-
tat, in dem es heisst: «Unsere Zeit niken. Der grösste Teil der Menschen
Herrn zuwendet, was dann auch ge- ist eine Zeit religiösen Verfalls. Die per- ist vom Zerfall der Zeiten angegriffen.»
D
schieht. Es wird so weit kommen, dass manente Vitalität des Religiösen ist ver- Diese Aussage könnte nicht besser
fünf Städte in Ägypten Hebräisch lernen lorengegangen, die Volksmasse ist ent- auf unsere Zeit zutreffen. Damals be-
werden, die «Sprache Kanaans». In je- weder abergläubisch oder religiös fand sich das Römische Reich im Nie-
ner Zeit wird man einen Gedenkstein gleichgültig geworden. Die Elite der Ge- dergang, und zwar in moralischer, po-
für den Gott Israels aufrichten als ein sellschaft ist agnostisch oder skeptisch, litischer und militärischer Hinsicht.
Zeichen und Zeugnis für den Herrn. In und politische Führer sind Heuchler; Das Ende ist bekannt. Aber die Ge-
ihrer Unterdrückung werden sie zum die Jugend steht in einem offenen Kon- schichte wiederholt sich. Heute bastelt
Herrn rufen. Er wird sie erhören und flikt mit der etablierten Gesellschaft man an einem neuen «Römischen
erretten. Gott wird sich ihnen zu erken- und mit der Autorität der Vergangen- Reich». Deshalb ist es nicht verwun-

14 Mitternachtsruf > Januar 2003


«Am Anfang war die

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derlich, wenn der Geist Roms in der
freien, westlichen Welt so an Macht
gewinnt. Die Bibel hat diesen Zustand
für die Zeit vor der Wiederkunft Chris-
ti vorhergesagt mit den Worten: «Der
Geist aber sagt ausdrücklich, dass in
Information»
späteren Zeiten manche vom Glauben
abfallen werden, indem sie auf betrü-
Gibt es ein Naturgesetz, das die Existenz eines
gerische Geister und Lehren von Dä- Schöpfers beweist? Dieser Frage geht Prof. Dr.
monen achten» (1.Tim 4,1). Werner Gitt in seinem Buch «Am Anfang war die
Das Wort «Abfall» leitet sich vom Information» nach. Für unsere Leser folgt eine
griechischen Wort postas, apostas oder
apostasia her. Es bedeutet, sich «weg-
Buchbesprechung des Diplomphysikers Karl
bewegen». Normalerweise sagt es aus, Sauer.
dass jemand von seinem bisherigen
Standpunkt weggeht, um woanders hin- m vorliegenden Buch stellt der Au-
zugehen. In Apostelgeschichte 21,21
ging es darum, dass die an Christus
Gläubigen unter den Juden sich ent-
tor, ein Informatiker, Ergebnisse aus
seiner über 20-jährigen Forschungs-
tätigkeit am Informationsbegriff vor. Er
I Werner Gitt: Am Anfang war
die Information, Hänssler-Verlag,
Holzgerlingen, 3. überarbeitete und
erweiterte Auflage, 2002, 360 S., 6,95
EUR, ISBN 3-7751-3702-5.
schieden, von den Zeremonialgesetzen präsentiert seine Naturgesetzliche In-
des Mose Abstand zu nehmen, weil sie formationstheorie, und es gelingt ihm,
in einer neuen Heilsordnung waren. In in klarer und verständlicher Sprache
2. Thessalonicher 2,3 bezieht sich das seine neuartigen Ergebnisse lesefreund- sen aufgespürt wurden, mit deren Hil-
Wort apostas auf die Christen, die sich lich darzustellen. Die dritte Auflage des fe die Abläufe in der Natur allgemein
durch den Einfluss des Antichristen in Buches ist so stark erweitert und er- beschrieben werden können. Aus die-
der letzten Zeit vom Glauben trennen gänzt, dass sie weit über die Vorgän- sem Grunde widmet er einen nicht
werden: «Dass niemand euch auf ir- gerversion hinaus geht. Sie ist in drei unerheblichen Teil des Buches der Su-
gendeine Weise verführe! Denn dieser Teile gegliedert und enthält zur weite- che nach einer präzisen und zur For-
ren Erläuterung ausserdem mulierung von Naturgesetzen geeigne-
einen ausführlichen Anhang. ten Informationsdefinition.
Im ersten Teil erfährt der Der zweite Teil des Buches be-
Leser Grundlegendes über schreibt das Wesen der Information.
Naturgesetze. Diese sind Das der Umgangssprache entlehnte
sämtlich aus der Erfahrung Wort ‹Information› muss für die wis-
und Beobachtung der Natur senschaftliche Anwendung äusserst prä-
heraus erkannt und dann als zise gefasst werden. Behutsam und mit
feststehende Sätze formuliert. vielen Beispielen wird der Leser an die-
Als einführendes Beispiel sen im Computerzeitalter so wichtigen
wird der Energiesatz erläu- Begriff herangeführt. In jeder Art von
tert, der besagt, dass Ener- Literatur, den Computerprogrammen,
gie weder erzeugt noch ver- bei der optimalen Konstruktion der
nichtet werden kann. Er wur- Lunge, in technischen Zeichnungen
de bereits im 19. Jahrhundert zum Bau von Maschinen, bei der pro-
erkannt und wird heute welt- zessrechnergesteuerten Synthese eines
Der Geist Roms gewinnt an Macht in der westlichen Welt weit in Wissenschaft und Kunststoffs und bei den Abläufen in der
Technik angewendet. Er ist lebendigen Zelle – überall begegnet uns
Tag kommt nicht, es sei denn, dass wie alle Naturgesetze in der belebten Information in codierter Form. Sie ist
zuerst der Abfall gekommen und der und unbelebten Natur gültig. Mit Hilfe neben Materie und Energie eine weite-
Mensch der Gesetzlosigkeit geoffenbart dieses Satzes ist es möglich, Voraussa- re zentrale Grundgrösse in unserer Welt.
worden ist, der Sohn des Verderbens.» gen zu treffen und Schlussfolgerungen Während Materie und Energie materi-
Der Geist des Antichristen be- zu ziehen. So kann man behaupten, elle Grössen sind, ist Information we-
herrscht schon seit langem unsere Ge- dass es kein Perpetuum mobile – also sensmässig etwas anderes – sie ist eine
sellschaft und nimmt fast unbemerkt eine Maschine, die ohne Energiezufuhr nicht-materielle Grösse.
an Einfluss zu. Auf diese Weise wird ständig läuft – geben kann. Der Ener- Den Kern des Buches bildet die vom
dem Antichristen die Tür geöffnet, da- giesatz ist zwar beliebig oft reprodu- Autor entwickelte Naturgesetzliche In-
mit er die Weltbühne betreten kann. zierbar, dennoch kann er nicht bewie- formationstheorie, in deren Zentrum
Jesus Christus aber wird wiederkom- sen werden. Mit nur einem einzigen ein genau definierter Informationsbe-
men und 2. Thessalonicher 2 erfüllen: Gegenbeispiel wäre seine allgemeine griff mit klarem Abgrenzungsgebiet
«… dann wird der Gesetzlose geoffen- Gültigkeit jedoch widerlegt. In dem neu steht. Es ist gelungen, zehn Naturge-
bart werden, den der Herr Jesus besei- aufgenommenen Kapitel ‹Physik ist setze über Information zu formulieren,
tigen wird durch den Hauch seines eine Kunst› weist der Autor darauf hin, die ihrem Wesen nach in Analogie zu
Mundes und vernichten durch die Er- dass Naturgesetze nur dann formulier- den bekannten Naturgesetzen der Ma-
scheinung seiner Ankunft.» ■ N.L. bar sind, wenn zuvor geeignete Grös- terie stehen. Das Herzstück ist das Ka-

Mitternachtsruf > Januar 2003 15


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pitel 10, in dem Schritt für Schritt die
Streiflicht


Schlussfolgerungen aus dem zuvor Er-
arbeiteten gezogen werden. Diese
Schlüsse sind in ihrer Tragweite äus-
serst weitreichend. Es werden nicht nur
kritische Einwände gegen Evolution,
Feiert Feste!
Urknall, Atheismus und wissenschaft- Gott will, das Feste gefeiert werden. In 2. Mose 23,14 lesen wir, dass Gott zu Israel sagt:
lichen Materialismus erhoben, vielmehr «Dreimal im Jahr sollt ihr mir ein Fest feiern.» Aber diese Feste sollten auch in aller Fröhlichkeit und
wird diesen Lehren eine naturgesetzli- mit allen, die dazu gehören, gefeiert werden: «Und du sollst fröhlich sein an deinem Fest, du und
che Absage erteilt. Ausserdem sind eine
dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, der Levit, der Fremdling, die Waise und die
Reihe von überraschenden Schlussfol-
gerungen über den Schöpfer und das Witwe, die in deiner Stadt leben» (5.Mo 16,14).
Menschenbild möglich. Nun gibt es Christen, die keine Feste feiern, weil sie meinen, das sei nur eine Sache des Alten
Im dritten Teil des Buches wendet Bundes gewesen. Ja, etliche sagen sogar, Feste feiern sei Sünde. Das trifft jedoch keineswegs zu,
der Autor den Informationsbegriff auf denn selbst Jesus hat an verschiedenen Festen teilgenommen. Und der Apostel Paulus schreibt:
die Bibel an und geht dabei auf so un- «So lasst euch nun von niemandem ein schlechtes Gewissen machen wegen Speise und Trank
terschiedliche Texte wie den Schöp- oder wegen eines bestimmten Feiertages, Neumondes oder Sabbats» (Kol 2,16). Es hat schon
fungsbericht oder die Reise des Käm-
immer Christen gegeben, die in ihrem Herzen den falschen Drang verspürten, es besser wissen zu
merers aus dem Mohrenland ein.
wollen als Gott; und ganz besonders trifft das auf das Feste feiern zu. Nein, Feste dürfen und sollen
gefeiert werden, und sie sollen in fröhlicher Stimmung gefeiert werden!
Aber weshalb sollen wir Feste feiern? Nur, damit wir fröhlich sind? Natürlich nicht. Das Festefei-
ern hat einen viel tieferen Grund, denn auch hier geht es um den Herrn selbst. Bevor Gott dem
Mose die jährlichen Feste mitteilte, die Israel feiern sollte, sagte Er darüber ganz allgemein: «Dies
sind die Feste des Herrn, die ihr ausrufen sollt als heilige Versammlungen; dies sind meine Feste»
(3.Mose 23,2). Und hier liegt der Schlüssel: Wir dürfen und sollen Feste feiern, aber immer als des
Herrn Feste! Um was für ein Fest es sich auch handelt, immer soll es unter dem Wort aus Johannes
2,2 stehen: «Es war aber auch Jesus … geladen.»
Was geschieht, wenn wir in dieser Weise Feste feiern? In 4. Mose 10,9-10 lesen wir: «Wenn ihr
in den Krieg zieht in eurem Lande gegen eure Feinde, die euch bedrängen, so sollt ihr laut trom-
peten mit den Trompeten, dass euer gedacht werde vor dem Herrn, eurem Gott, und ihr errettet
werdet vor euren Feinden. Desgleichen, wenn ihr fröhlich seid an euren Festen und an euren
Neumonden, sollt ihr mit den Trompeten blasen bei euren Brandopfern und Dankopfern, damit
euer Gott an euch denke. Ich bin der Herr, euer Gott.» Hier wird nicht nur darüber gesprochen,
dass unsere Feste «Feste des Herrn» sein sollen – symbolisch angedeutet durch das Blasen der
Trompeten, wodurch Israel sich damals bei Gott in Erinnerung brachte –, sondern es wird auch
gesagt, dass Gott gerade dann an uns denkt! Leider ist es ja manchmal so, dass um eines Festes
Überall begegnet uns Information in codierter willen alles weichen muss – sogar der Herr; und dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn das
Form Fest misslingt. Aber wenn wir wirklich Jesus zu jedem Fest einladen, oder anders gesagt, auf einem
Der Anhang enthält vertiefende Er- Freudentag «die Trompete blasen», das heisst uns bei Gott in Erinnerung bringen, dann geschieht
läuterungen. So werden unter anderem Gewaltiges! Dann will Gott an uns denken. Stellen Sie sich das einmal vor: Gott denkt an uns, wenn
die statistischen Informationsmengen wir Feste feiern, Er ist selbst dabei! Aber eben, man muss sich zuvor bei Gott in Erinnerung gebracht
vieler Beispiele aus dem täglichen Le- haben: Wir müssen den Herrn zu unserem Fest ganz konkret eingeladen haben, muss es doch in
ben genannt. Die immense Informati- erster Linie Sein Fest sein! Wenn das nicht der Fall ist, dann denkt Gott nicht an uns, währenddem
onsdichte des genetischen Speicherme- wir ein Fest feiern, und dann kann es entarten.
diums wird anhand verschiedener Ver-
gleiche veranschaulicht. Hinweise zur
Hiob war sich dieser Gefahr sehr bewusst. Nachdem seine Kinder ein Fest gefeiert hatten, liess
Optimierung von Energie durch Infor- er sie kommen, um sie neu dem Herrn zu heiligen: «Und seine Söhne gingen hin und machten ein
mation und Beispiele dazu aus biologi- Festmahl, ein jeder in seinem Hause an seinem Tag, und sie sandten hin und luden ihre drei
schen Systemen, zum Beispiel dem Schwestern ein, mit ihnen zu essen und zu trinken. Und wenn die Tage des Mahles um waren,
Flug der Zugvögel, runden das Buch ab. sandte Hiob hin und heiligte sie und machte sich früh am Morgen auf und opferte Brandopfer
Das gut verständliche und mit 47 nach ihrer aller Zahl; denn Hiob dachte: Meine Söhne könnten gesündigt und Gott abgesagt
Bildern ausgestattete Sachbuch nimmt
haben in ihrem Herzen. So tat Hiob allezeit» (Hiob 1,4-5).
den Leser zu neuartigen Betrachtungen
mit und befähigt ihn, sich ein wissen- Laden Sie zu allen Festen immer Jesus ein, bringen Sie sich bei all Ihren Freudentagen immer
schaftlich fundiertes Urteil über viele bei Gott in Erinnerung, damit Er, der Herr, an Sie denkt, ja bei Ihnen ist! So haben Sie es dann
Fragen der Gegenwart zu bilden. Das hinterher nicht nötig, Busse zu tun und in «Sack und Asche zu gehen», weil ein Fest nicht so
preiswerte Buch sollte jeder gelesen gelaufen ist, wie es hätte sein sollen! Aber – feiern Sie Feste, der Herr will das!
haben, der im Computerzeitalter mit- ■ MARCEL MALGO
reden will.» ■ DIPL.-PHYS. KARL SAUER

16 Mitternachtsruf > Januar 2003


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Aus der Arbeit des Mitternachtsruf
Verkündigungstour
durch Deutschland
om 14. bis 27. November vergan-

V genen Jahres war Norbert Lieth zu


sammen mit Fredy Peter (anstelle
von Jonathan Malgo, der mit dem Dru-
ckereiaufbau in Ungarn sehr beschäf-
tigt ist) in Deutschland unterwegs. Das
Thema lautete: «Im Blickfang der Wie-
Aufmerksame Zuhörer an der Konferenz in Myrtle Beach, South Carolina derkunft Christi», wobei es vor allem
über die Vergangenheit des Irak (Ba-

Konferenz über das prophetische Wort bel) und dessen Zukunft ging. Für viele
Freunde unseres Missi-

in den USA onswerkes waren die


Botschaften eine grosse
Ermutigung, noch fester
er Weisheit Anfang ist die Furcht Dr. Thomas Ice eröffnete die Veran-

D
9,10).
des Herrn, und den Heiligen er-
kennen, das ist Verstand» (Spr
staltung mit einer Diskussion über die
Entrückung der Gemeinde Jesu. Dann
bot uns John Ankerberg eine Multime-
auf das prophetische
Wort zu achten und mit
der Wiederkunft Jesu zu
rechnen! Auch die bei-
Über 3600 km unterwegs
Im November 1999 fand in Myrtle dia-Präsentation über die Zukunft der
den Brüder waren sehr
Beach, South Carolina, eine Konferenz arabischen Völker und Israels. Der be-
erquickt über die Gemeinschaft mit all
über das prophetische Wort statt. kannte Evangelist Donald Perkins sprach
den Geschwistern, die zum Teil schon
Damals lautete das Thema: «Was nach über «Christus in der biblischen Prophe-
seit vielen Jahren hinter unserem Auf-
dem Jahr 2000 zu erwarten ist.» Ge- tie». Wilfred Hahn beendete den Nach-
trag stehen. Ja, der Herr hat Gnade ge-
spannte Erwartung lag in der Luft, und mittag mit einem Vortrag über Haushal-
geben zu dieser Reise: Über 3600 km
der Vortragssaal war bis auf den letz- terschaft zum Thema «Die endzeitliche
wurden unfallfrei zurückgelegt, viele
ten Platz besetzt. Vor uns lagen nur Geldfalle». Dr. John Cionci erwähnte in
Bücher und Tonträger verkauft, einige
noch knapp zwei Monate bis zum Jahr seinem Vortrag die schier endlose Liste
Neuabonnenten gewonnen und man-
2000. Viele Redner sprachen über das der «endzeitlichen Seuchen». Arno Froe-
ches verzagte Herz wieder ganz neu
«Y2K-Problem» und wiesen darauf hin, se sprach über die Tragödie, die Trüb-
zum Herrn geführt! ■ F.P.
dass wir als Gläubige von dieser in sal und den Triumph Israels. Danach
weiten Kreisen prognostizierten «Ka- zeigte John Ankerberg eine Präsentati-
tastrophe» nichts zu befürchten hätten. on mit arabischen Videoclips, um zu
Als dann der 1. Januar 2000 kam und verdeutlichen, wie die Feinde Israels
ging, wurde uns bald bewusst, dass das Kinder im Vorschulalter für ihre Hass-
zutraf und das Leben weiterging wie propaganda gegen die Juden benutzen.
vorher. Norbert Lieth beendete den ersten Tag
Fast auf den Tag genau drei Jahre mit einem Vortrag über «Das Wunder
später trafen wir uns wieder zu einer des neuen Zeitalters». Im Allgemeinen
Veranstaltung in Myrtle Beach. Das sind Amerikaner keine geduldigen Zu-
Thema dieser Konferenz lautete «Im hörer, wenn ein Vortrag gedolmetscht
Licht der biblischen Prophetie». wird. Aber durch die gute Zusammen- Norbert Lieth Fredy Peter
Diesmal war alles anders, weil die Teil- arbeit zwischen dem Redner und sei-
nehmer nicht aus Sensationslust gekom- nem Übersetzer Wilfred Hahn wurde die
men waren. Vielleicht war auch des- Botschaft von Norbert Lieth von den
halb die Zahl der Besucher etwas ge- Teilnehmern gut aufgenommen.
ringer als vor zwei Jahren. Ein Teilneh- Geleitet wurde die gesamte Veran-
mer gab mir einen Zettel, auf dem die staltung von Dr. Milton Frazier. Zusam-
folgenden Worte standen: «Die Besu- men mit seiner Frau Pat erfreute er uns
cherzahl war zwar nicht überragend, mit guter geistlicher Musik. Wir sind
aber von der Qualität her war dies die unserem himmlischen Vater dankbar,
beste Konferenz, die ich bisher miter- dass Er uns in diesen Tagen über Bit-
lebt habe.» ten und Verstehen gesegnet hat. ■ A.F. Am Büchertisch

Mitternachtsruf > Januar 2003 17


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Biblische BotschaftSegen oder Fluch?

das Beste kaufen?› Der antwortete:


‹Was gibt es besseres als Zunge? Sie ist
das Band im bürgerlichen Leben, der
Schlüssel zu allen Wissenschaften, das
Organ, das Wahrheit und Vernunft ver-

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kündet. Der Zunge ist es zu verdanken,
wenn Städte gebaut, wenn die Men-
Unsere Zunge wird in der Bibel als eine «Welt der schen gelehrt und gebildet werden.› –
‹Das ist wohl wahr›, gab der Gastgeber
Ungerechtigkeit» beschrieben, «die den ganzen Leib zu. Und er beauftragte den Küchenchef,
für den nächsten Tag das einzukaufen,
befleckt … Mit ihr preisen wir den Herrn und Vater, was am schlechtesten sei. Dieser kaufte
und mit ihr fluchen wir den Menschen, die nach dem wieder Zungen ein – nur Zungen. Und
wieder liess er sie für das Festmahl zu-
Bild Gottes geschaffen worden sind» (Jak 3,6.9). bereiten und auf verschiedene Weise
servieren. Da dieselben Gäste geladen
waren, verloren sie sehr schnell den
■ NORBERT LIETH ner der Menschen bändigen: sie ist ein Appetit. Der Gastgeber fühlte sich bla-
...................................................................................................................................

unstetes Übel, voll tödlichen Giftes. Mit miert und verhöhnt. Sehr zornig liess er
ür den richtigen Umgang mit der ihr preisen wir den Herrn und Vater, und den Küchenchef rufen: ‹Was hast du dir

F Zunge finden wir im Wort Got-


tes zahlreiche Anweisungen und
Mahnungen, wie zum Beispiel:
«Enthalte dich falscher Worte,
und verdrehte Reden seien fern von dir!»
(Spr 4,24). Etwas freier übersetzt: «Lass
deinen Mund keine Unwahrheit ausspre-
mit ihr fluchen wir den Menschen, die
nach dem Bild Gottes geschaffen wor-
den sind. Aus demselben Mund geht
Segen und Fluch hervor. Dies, meine
Brüder, sollte nicht so sein!» (Jak 3,8-
10).
Dazu eine wahre Begebenheit: «Ein
denn nun gedacht?› Und der antwortete:
‹Die Zunge ist auch das Schlechteste, was
es auf Erden gibt, die Mutter allen Zanks
und Streites, die Quelle aller Prozesse,
aller Meinungsverschiedenheiten, das In-
strument, das zum Krieg hetzt und zur
Vernichtung führt. Sie ist das Organ, das
chen; über deine Lippen soll keine Ver- reicher Mann hatte viele Gäste eingela- Irrtum verbreitet und üble Nachrede.
leumdung oder Täuschung kommen.» den. Er beauftragte seinen Küchenchef, Städte werden durch sie zerstört, Men-
Alles, was unwahr ist, alles, was die für den Festschmaus das Beste zu kau- schenleben vernichtet und Menschen zu
Wahrheit verdreht und alles, was fen. Dieser ging auf den Markt und kauf- bösen Dingen angestiftet.›»
täuscht, ist Lüge. Fällt es uns nicht am te Zungen ein – nur Zungen und nichts
schwersten, mit der Zunge Gehorsam zu weiter. Er liess sie als ersten, zweiten Vom Ernst einer ungezügelten
üben? Nach einer Umfrage unter Deut- und dritten Gang zubereiten. Die Gäste
schen ab einem Alter von 14 Jahren brü- lobten die feine Zusammenstellung des
Zunge
tet der Mensch etwa alle acht Minuten Mahles und die originelle Idee. Aber sie Eine Zunge, die nicht unter der Herr-
eine Lüge aus: «Das sind etwa 200 ge- hatten es natürlich langsam über, nur schaft des Heiligen Geistes steht, macht
zielt eingesetzte Unwahrheiten am Tag» Zungen vorgesetzt zu bekommen. Das jeden geistlichen Dienst zunichte:
(Topic, Nr. 4/2002). ärgerte den Gastgeber; er liess den Kü- «Wenn jemand meint, er diene Gott, und
Die Bibel sagt über unsere Zunge sehr chenchef zu sich kommen und fuhr ihn zügelt nicht seine Zunge, sondern be-
treffend: «… die Zunge aber kann kei- an: ‹Habe ich dir nicht gesagt, du sollst trügt sein Herz, dessen Gottesdienst ist

18 Mitternachtsruf > Januar 2003


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vergeblich» (Jak 1,26). Auch dazu wieder nicht neigen zur bösen Sache …» (Ps und seinen Nachbarn nicht schmäht;
eine wahre Begebenheit: «Ein älterer 141,3-4). Etwas freier übersetzt: «Herr, wer den Verwerflichen verachtet, aber
Herr wurde einmal gebeten, mit einem wache über meine Zunge, stell einen die ehrt, welche den Herrn fürchten;
jungen Mann aus seiner Gemeinde zu Posten ans Tor meiner Lippen! Hindere wer, auch wenn er sich selbst zum Scha-
sprechen, der seinen Chef bestohlen mich, meinen Neigungen nachzugeben, den geschworen hat, es dennoch hält.»
hatte und deshalb im Gefängnis sass. ‹Es damit ich nichts Übles rede und keine
scheint mir, ich habe Sie irgendwo schon Schandtat begehe …» 3. Über- oder Untertreibungen.
gesehen›, sagte der alte Mann zu dem Warum lügt ein Mensch? Weil in sei- Wie leicht übertreiben wir, wenn es um
jungen, ‹Sie kommen mir nicht unbe- nem Herzen Falschheit ist: «Ein Tauge- unsere guten Taten geht; erzählen wir
kannt vor.› – ‹Gewiss›, antwortete der nichts, ein nichtswürdiger Mensch ist, aber etwas Gutes von einem anderen,
Gefangene, ‹es sind seitdem zwar schon wer falsche Reden führt …Verkehrtheit neigen wir eher dazu, weniger als mehr
fast zehn Jahre vergangen, aber mir ist in seinem Herzen …» (Spr 6,12.14). zu sagen. Deshalb betete der Psalmist:
kommt es vor, als wäre es gestern gewe- Anders übersetzt: «Nichtsnutzige, heim- «Herr, wache über meine Zunge, stell
sen, so gut erinnere ich mich noch an tückische Menschen laufen umher und einen Posten ans Tor meiner Lippen!
die Begegnung mit Ihnen. Sie sind näm- verbreiten Lügen. … Ihr Herz ist Hindere mich, meinen Neigungen nach-
lich mit verantwortlich, dass ich hier sit- falsch …» zugeben, dass ich nichts Übles rede …»
ze.› – ‹Wieso denn das?›, fragte der An- (Ps 141,3-4).
geredete überrascht. ‹Ich habe Ihnen Worüber sollten wir mit der Zunge Ein kleiner Junge sagte einmal zu sei-
doch in meinem ganzen Leben nicht das nem Vater: «Papi, Papi, ich habe einen
geringste Unrecht getan.› – ‹Nicht mit
wachen? Hund gesehen, der war so gross wie ein
Absicht; aber ich ging einst mit meinem Es sind insbesondere drei Gebiete, vor Elefant!» Darauf der Vater: «Gleich setzt
Vater von einer Evangelisationsversamm- denen wir uns hüten und unsere Zunge es was, du Bengel, ich habe dir schon
lung nach Hause, und da trafen wir mit bewahren sollten: hunderttausendmal gesagt, dass du nicht
Ihnen zusammen. Ich war stark berührt immer so masslos übertreiben sollst.»
von der Predigt und wollte zum Predi- 1. Die Lüge. Schon im zweiten Buch Bei Über- oder Untertreibungen soll-
ger gehen, um ihm mein Herz auszu- Mose wird gesagt: «Halte dich ferne von te man sich an die folgende Lebensweis-
schütten. Da hörte ich aber, wie Sie den einer Sache, bei der Lüge im Spiel ist» heit halten: «Lass deine Zunge gleich der
Prediger lächerlich machten, als wäre er (2.Mo 23,7). Und im Neuen Testament Zunge sein der Waage: Kind, wo sie still
ungebildet und verstehe nicht recht zu werden wir aufgefordert: «Darum legt steht, ist ihre beste Lage.»
predigen. Diese Worte weckten in mir die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein
eine Abneigung gegen die gehörte Pre- jeder mit seinem Nächsten, weil wir un- Vergebung durch Bekennen der
digt. Von jener Zeit an suchte ich nicht tereinander Glieder sind» (Eph 4,25).
mehr das Heil meiner Seele. Ich geriet Mit anderen Worten: Niemand kann still-
Schuld
in schlechte Gesellschaft, und jetzt sitze schweigend über die Lüge hinweggehen, Als Achan sich nach der Einnahme
ich im Gefängnis.» sondern sie muss ans der Stadt Jericho am Ver-
Der Herr Jesus sagte einmal, dass der Licht gebracht werden. bannten vergriffen hatte
Mensch Rechenschaft ablegen muss über
jedes unnütze Wort, das er geredet hat
Auch eine halbe Wahr-
heit ist eine ganze Lüge.
«Enthalte dich und ganz Israel ins Un-
glück stürzte, wurde die-
(Mt 12,36). Es ist also im Himmel alles In der Offenbarung falscher Worte, se Sünde später aufge-
registriert. Jesu Christi wird unmiss-
verständlich erwähnt,
und verdrehte deckt. Doch obwohl der
Schuldige schon gefun-
Im Licht der Herrlichkeit Gottes dass Lügner nicht ins Reden seien den war, sagte Josua zu
wird alles offenbar Himmelreich kommen
und dass ihr Teil im Feu-
fern von dir!» Achan: «Mein Sohn, gib
doch dem Herrn, dem
Als der Prophet Jesaja die Herrlich- ersee ist (vgl. Offb Gott Israels, die Ehre und
keit Gottes sah, wurde er sich sofort sei- 21,8.27). gib ihm das Lob und tei-
ner unreinen Lippen bewusst: «Im To- le mir mit, was du getan hast! Verschwei-
desjahr des Königs Usija, da sah ich den 2. Verleumdung und üble Nachre- ge nichts vor mir!» (Jos 7,19). Achan
Herrn sitzen auf hohem und erhabenem de. Wie schnell können wir doch einen antwortete: «Es ist wahr, ich habe ge-
Thron, und die Säume seines Gewandes anderen Menschen mit Worten in ein gen den Herrn, den Gott Israels, gesün-
füllten den Tempel. … Da sprach ich: schlechtes Licht stellen! Deshalb sind digt, das und das habe ich getan …»
Wehe mir, denn ich bin verloren. Denn Verleumdungen und üble Nachrede (V 20). Nach dem Gesetz musste Achan
ein Mann mit unreinen Lippen bin keineswegs auf die leichte Schulter zu für sein Vergehen sterben.
ich, und mitten in einem Volk mit un- nehmen – im Gegenteil, sie gehören zum Heute muss wegen Lügen, Verleum-
reinen Lippen wohne ich. Denn mei- Gemeinsten und Schlimmsten, was es dungen, übler Nachrede, Unter- oder
ne Augen haben den König, den Herrn gibt. Diesbezüglich heisst es in Psalm Übertreibungen niemand mehr sterben.
der Heerscharen, gesehen» (Jes 6,1.5). 15,1-4: «Herr, wer wird wohnen in dei- Die Gnade Jesu steht über dem Gesetz.
Auch König David wusste, dass durch ner Hütte? Wer wird bleiben auf deinem Aber jede Sünde kann erst dann verge-
unbedacht ausgesprochene Worte un- heiligen Berge? Wer in Unschuld wan- ben werden, wenn sie bekannt wird:
endlich viel Leid entstehen kann. Des- delt und Gerechtigkeit übt und die Wahr- «Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist
halb betete er: «Bestelle, Herr, eine Wa- heit redet von Herzen; wer keine Ver- er treu und gerecht, dass er uns die Sün-
che für meinen Mund! Wache über die leumdungen herumträgt auf seiner Zun- den vergibt und uns reinigt von jeder Un-
Tür meiner Lippen! Lass mein Herz sich ge, seinem Nächsten nichts Böses tut gerechtigkeit» (1.Joh 1,9). ■

Mitternachtsruf > Januar 2003 19


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Fragen – Antworten
Erst die Entrückung gehabt hat. Das wird auch die Zeit sein,
die in 1. Thessalonicher 5,3 beschrie-
bündnis mit Israel gemacht haben wird,
werden die sieben Jahre der grossen
und dann der ben wird: «Wenn sie sagen werden: Es
ist Friede, es hat keine Gefahr –, dann
Trübsal auf Erden ihren Verlauf neh-
men. Die Gemeinde wird nach meiner
Angriff auf Israel – wird sie das Verderben schnell überfal-
len wie die Wehen eine schwangere
Erkenntnis kurz vor diesem Bündnis in
den Himmel entrückt und dort wird
oder umgekehrt? Frau, und sie werden nicht entfliehen.»
Kurz nachdem das Friedensbündnis des
dann die Hochzeit des Lammes statt-
finden. Und am Ende der sieben Jahre
Antichristen mit Israel geschlossen sein wird der Herr Jesus Christus mit Sei-
Frage: Wir wissen, dass der Herr Jesus wird, wird sich der Feind aus dem ner Gemeinde sichtbar und in Herrlich-
bald kommt, aber wir wissen auch, dass