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1 2006

H 11661
Meinerzhagen
Nummer 113
Jahrgang 2005

Kontaktblatt
aktiver Christen

fest
und
treu
Mit Ausharren laufen
den vor uns liegenden Wettlauf
Hebräer 12.1


Impressum Hurra, im letzten Monat wurde uns ein gesunder Sohn geschenkt: Gideon – auch ein „Jüngster im Haus
seines Vaters“ (Richter 6,15). Denn der gleichnamige schlichte Richter hat uns sehr beeindruckt.
Heft Nr. 113
1. Quartal 06 Wir begegnen Gideon zum ersten Mal, als er in einer Kelter Korn drischt. In einer Kelter?
Das ist so, als würde man den Teppich im Wohnzimmer ausklopfen, statt vor der Tür. Eine staubige Sache.
Gideon steht zwar in der Kelter, aber alles ist eingestaubt. Staub statt Saft. Wie widersinnig.
Herausgeber Da wo sich die Kelter befindet, hatten sie vor Jahren noch karrenweise Trauben geerntet: Aber jetzt liegen
CLV alle Rebhänge schon sieben Jahre wüst. Wo Trauben gepresst werden sollten, wird nur trockenes Korn
Christliche Literatur- gedroschen. Wein – statt Weizen! Most – statt Müsli! Edelrebe halbtrocken – statt Haferflocken!
Verbreitung e.V. An Wein nicht zu denken – eher an Weinen!
Postfach 110 135
33661 Bielefeld Wein braucht Zeit. Aber hier reicht es nur für Fastfood: Es muss schnell gehen, sehr schnell.
Dieser Weizen muss flüchtig gedroschen und vor den Feinden versteckt werden. Überleben statt Überfluss.
Bankkonto In dieser Kelter – einer Felsrinne – stand man sonst knietief im Rebensaft, dass es nur so spritzte.
Postbank Hannover
Das war die erhebenste Zeit des Jahres. Ein Erntefest mit Musik und Reigen. Aber das ist lange her.
Kt.-Nr.: 25 24 309
BLZ: 250 100 30
Der Fels schimmert zwar noch ein wenig rot, aber eine dicke Staubschicht liegt darüber.
Das erinnert mich an das eingestaubte »Christentum« Deutschlands. Hier gab es mal frischen »Most«,
Sonderkonto für reiche Ernte. Geblieben ist eine leichte christliche Färbung in kaltem Stein – Kirche ohne Saft und Kraft.
Außenmission
Für Lateinamerika,
Es gab eine Reformation, Erweckungen, Aufbrüche, Bewegungen. Es gab geistliche Blütezeiten und viel
Russ­land, usw.: Frucht. Aber der Staub der Jahrhunderte hält die lebendigen Erinnerungen bedeckt. Noch immer wird die
»Kelter« zweckentfremdet und vielerorts leider nur leeres Stroh gedroschen! Kirchen werden zu Kneipen
CLV-Auslandshilfe
Volksbank
und Kaufhäusern umfunktioniert. Es herrscht geistliche Armut und Hungersnot.
Meinerzhagen Was mag Gideon in der umfunktionierrten Kelter empfunden haben?
Kt.-Nr.: 101 210 3300 Vielleicht klangen seine wehmutsvollen Worte etwa so:
BLZ: 45 86 16 17
Verzagter nie als im August ... Statt goldner Ähren im Gelände,
Bitte immer den die hämisch zuckend gelben Brände. Für alle Mühe nur Verlust.
Ver­­­wendungszweck
angeben und bei Der Himmel matt – mir selber gleich. Die Äcker schwarz – sie glänzen leise.
Spendenbescheini- Wo bleiben Deine Macht-Beweise? Wo bleibt Dein Milch-und-Honig-Reich?
gungs-Wunsch auf Wo bleibst Du, Gott, der sich beweist? Kreuzt man mit Dreschflegeln die Klinge?
eine vollständige
Absender-Anschrift
»Schau nicht auf Staub, bau nicht auf Dinge! Geh hin in deiner Kraft, dem Geist!«
achten. Danke sehr! Wir wünschen, dass unsere Leserschaft wie Gideon mit bescheidenen Mitteln und
kleiner Kraft aufbricht. Hingeht in eine geistlich hungrige Welt. Gottes Geist um-
Erscheinungsweise kleide uns allezeit (Richter 6,34), damit wir für Ihn das Gute wirken, bis Er kommt.
er­scheint
vierteljährlich
und kann
ko­sten­los bezogen
werden.

Schriftleiter und
Versandstelle
Inhalt dieser Ausgabe:
Wolfgang Bühne
Postfach 1126 W. Bühne Kerzen, Kaffee und ein wenig Licht – »Emerging Church« . . . . . . . . . . 4
58527 Meinerzhagen Andreas Fett Von Katzen und Kanzeln – Gedicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
Bestellungen, Kurt Becker »Bittet den Herrn der Ernte ... « . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
Abbestell­­ungen sowie
Adressänderungen bitte
W. Bühne Lebensäußerungen einer gesunden Gemeinde (Teil 4) . . . . . . . . . . . . . 11
umgehend an folgende W. Bühne Begegnungen in Lateinamerika . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
Adresse senden:
A. Fett, Schoppen 1 Daniel Zach Spuren der Barmherzigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
58540 Meinerzhagen;
Termine und Hinweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
e-Mail: AF@clv.de
für die Schweiz: Buchbesprechungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
fut@schottikon.ch


C.H. Spurgeon

»Der Winter ist vorüber«



»Denn siehe, der Winter ist vorbei, der Regen ist vorüber, er ist vergangen.
Die Blumen erscheinen im Land, die Zeit des Gesangs ist gekommen,
und die Stimme der Turteltaube lässt sich hören im Land.« Hohelied 2,11

Die sichtbaren Dinge sind Abbilder der unsichtbaren Dinge. Die Werke der Schöpfung sind
den Kindern Gottes Bilder von den verborgenen Geheimnissen der Gnade. Gottes Wahrheiten
sind goldene Äpfel, und die sichtbaren Geschöpfe sind silberne Schalen.
Selbst die Jahreszeiten finden ihre Parallele in der kleinen, inneren Welt des Menschen. Wir haben
unseren Winter, wenn der Nordwind des Gesetzes wider uns aufbricht, wenn jede Zuversicht begra-
ben liegt, wenn jede Hoffnung geknickt wird und aller Freudensamen unter der dunklen Scholle der
Verzagtheit begraben liegt, wenn unsere Seele gleich dem mit Eis bedeckten Strom in Fesseln liegt.
Gott sei Dank, der milde Südwind weht über unsere Seele und sofort werden die Wasser des Ver-
langens frei gegeben. Der Frühling der Liebe kommt herbei, in unseren Herzen erscheinen Blüten der
Hoffnung, die Bäume des Glaubens treiben ihre jungen Sprösslinge. Die Zeit der Singvögel kommt,
und unsere Herzen haben Freude und Frieden im Glauben durch den Herrn Jesus Christus...
Nun, Geliebte, jede Jahreszeit ist mit besonderen Aufgaben verbunden. Der Bauer hat eine Zeit zum Aus dem
Pflügen, eine Zeit zum Säen, eine Zeit zum Ernten. Es gibt eine Zeit der Weinlese und eine Zeit, wo traurigen
die Weinstöcke beschnitten werden.
Winter der
Die Zeit der Singvögel ist gekommen, obwohl noch genug roh krächzende Raben da sind. Die Blumen Trübsale
erscheinen auf der Erde, obwohl noch viel ungeschmolzener Schnee die Weiden bedeckt. Gottlob, der
„Winter“ ist einem großen Maß vergangen, obwohl noch genug Kanzeln da sind, die vom Frost noch
bricht der
ebenso gezeichnet sind wie früher. schöne
Frühling
Wenn wir von dem traurigen Winter der Versuchung oder der Leiden oder der Trübsale errettet
worden sind, wenn der schöne „Hoffnungs-Frühling“ über uns hereinbricht und unsere Freuden neuer
anfangen, sich zu verdoppeln, dann sollten wir hören, wie der Meister uns auffordert, nach etwas Hoffnung
Höherem und Besserem zu trachten, und wir sollten in Seiner Kraft ausgehen und Ihn mehr lieben hervor.
und Ihm fleißiger dienen als je zuvor.

Auszug aus einer „Frühlingspredigt“ über Hohelied 2,11


von C.H. Spurgeon


Wolfgang Bühne

Kerzen, Kaffee
und ein wenig Licht...
»Emerging Church« – die postmoderne Kirche

Ein neuer evangelikaler Trend, der die bisherige fernt, eine aufwändige Beleuchtung, Bestuhlung,
Evangelisations-Praxis und das Gemeindeleben Beschallung usw. wurde angeschafft. Musiker,
Schauspieler und Tänzer boten ein professionel-
verändern und prägen soll, wird mit etwas Ver- les Programm, die Predigt wurde mancherorts
spätung nun auch im deutschsprachigen Raum zeitlich gekürzt, um keinen Besucher zu überfor-
bekannt gemacht: die »Emerging Church«. dern – alle sollten sich wohlfühlen und zufriede-
ne Konsumenten bzw. Dauergäste in einem Ge-
Dadurch soll eine neu geschaffene, „ganzheit- bäude sein, dass mehr einem Kino-Saal als einer
liche“, nicht aus alten Strukturen abgeleitete Kirche glich.
Kirche entstehen, welche man nicht mehr mit
Aber nun gehört dieses Konzept der vergange-
der „modernen“, sondern mit der „post-moder-
nen „Moderne“ an, weil angeblich die „postmo-
nen“ Brille sieht und gestaltet.
derne“ Generation nichts mehr damit anfangen
Dan Kimball, Pastor der „Graceland-Church“, kann und in diesen Veranstaltungen kaum noch
ist einer der Repräsentanten dieser neuen Be- zu sehen ist.
wegung. Er hat den Begriff „Retro-Spiritualität“
Tatsächlich ist im deutschsprachigen Raum eine
geprägt und seine Sicht in dem Buch „Emer-
gewisse Ernüchterung eingetreten. Überzeugte
ging Church – die postmoderne Kirche“ vorgestellt,
„Willow-Creek“-Mitarbeiter haben ihr Bestes ge-
Emerging-Church – der das nun auch in deutscher Übersetzung vorliegt.
Bestseller von Dan Kimball
geben, sind teilweise ausgebrannt und mussten
In einem „idea-Spezial“ vom Herbst 2005 wurde nur zu oft erleben, dass ihre großen Erwartun-
nachdrücklich auf dieses Buch hingewiesen. Al- gen von der Realität korrigiert wurden. Bei aller
len Verantwortlichen in der Jugendarbeit und Begeisterung wurde in vielen Fällen das geistli-
Überzeugte allen „die ihre evangelistischen Ansätze radikal che Klima vor Ort auf Dauer kaum verändert,
„Willow-Creek“- hinterfragen wollen“ wurde es sehr empfohlen mancherorts gab es sogar Streit und Trennungen.
Mitarbeiter und zur „Pflichtlektüre für Studierende der Theo-
Nun soll eine „neue“ Vision von Kirche neu mo-
logie“ erklärt.
haben ihr Bestes tivieren und so werden die nächsten Großveran-
gegeben, sind Rick Warren, Pastor der „Saddleback-Church“ staltungen vielleicht noch unter der alten Fahne,
und Autor der Bestseller „Leben mit Vision“ und aber mit neuen, postmodernen Inhalten und
teilweise aus- „Gemeinde mit Vision“ hat das Vorwort geschrieben Konzepten durchgeführt.
gebrannt und und neben Howard Hendricks (Professor am
mussten nur zu Brückenbauer zwischen der modernen und post-
Dallas Theological Seminary und Autor des Bu-
modernen Szene scheint Rick Warren zu sein,
oft erleben, dass ches „Bibellesen mit Gewinn“), Brian McLaren,
der als einer der bekanntesten und erfolgreich-
ihre großen Er- Chip Ingram und anderen Autoren an diesem
sten Gemeindegründer und Autoren der „Mo-
Buch mitgearbeitet. An der deutschen Ausgabe
wartungen von haben Dr. Peter Aschoff (Leiter der Alpha-Kurs-
derne“ angesehen wird. Nun aber setzt er sich
der Realität korri- vehement für die „Emerging Church“ ein:
Arbeit in Deutschland) und der Künstler und
giert wurden. Schriftsteller Fabian Vogt mitgearbeitet. „Ich bete darum, das Gott durch dieses Buch
neue Gemeinden ins Leben rufen wird ... Wir
»Auslaufmodell« brauchen Gemeinden, die eine Vision haben und
Willow-Creek? postmodern, zeitgemäß und zeitlos zugleich
sind.“ (S.8)
Die Tatsache, dass der Autor von „Gemeinde mit
Vision“ (Rick Warren) diese neue Sicht von Kir-
Worum es geht
che und Evangelisation stark propagiert, zeigt
die Kurzlebigkeit hochgepriesener und erfolgs- Propagiert wird eine „Retro-Spiritualität“, wor-
versprechender „neuer“ Konzepte oder Modelle. unter Dan Kimball eine „Rückkehr zu einer ur-
Denn das Modell Willow-Creek (die „besucher- sprünglichen Form des Christentums“ versteht,
freundliche Kirche“) hat in den vergangenen 20 in der „entsprechende Symbole (ausgedehnte Lob-
Jahren für viel Veränderung gesorgt: Christliche preiszeiten, Liturgie, intensive Gebetszeiten, star-
Symbole wurden aus den Gemeinderäumen ent- ker Gebrauch der Bibel und von Textlesungen“


(S. 25) eine wesentliche Rolle spielen. Dazu ge- schleierhaft. Eher wird man an katholische und
hört für ihn auch die Empfehlung von Weih- orthodoxe Traditionen oder an jüdische, vor-
rauch und Räucherstäbchen, Tanz, Klatschen, christliche Gebräuche erinnert.
Handauflegung, Bilder mit religiösen Motiven,
Im Neuen Testament werden nur Wasser (Taufe) Die Rückkehr
Musik, bunte Kirchenfenster, keltische Kreuze,
und Brot und Wein (Abendmahl) als Symbole der von Weihrauch,
schwarze Vorhänge usw. Auf diese Weise möchte
Gemeinde erwähnt, wobei manche auch die Räucherstäbchen,
er eine „sakrale Atmosphäre“ schaffen, die alle
Kopfbedeckung der Frauen (1Kor 11) dazuzäh-
Sinne anspricht, zumal „in der postmodernen Kul-
len. Alle anderen „sakralen“ Gegenstände und
Bildern mit reli-
tur Dunkelheit für Spiritualität steht“ (S. 130). giösen Motiven,
Rituale sind in einer Zeit eingeführt worden, als
Inwiefern die Einführung dieser Elemente in den das Licht des Worte Gottes „gedimmt“ wurde – und bunten Kir-
Gottesdienst „eine Rückkehr zu der ursprüngli- bis zur völligen geistlichen Dunkelheit im Mit- chenfenstern...
chen Form des Christentums“ sein soll, bleibt telalter.

Es gibt aber auch erfreuliche Einsichten!


Diese erfreulichen Einsichten sind zwar nicht neu, sondern als elementare Wahrheiten jedem Bibelle-
ser bekannt. Dennoch sollen diese Erkenntnisse hier dankbar erwähnt werden, weil sie vielerorts in der
„modernen“ Generation vernachlässigt wurden:
Eine biblische Definition von Gottesdienst
„Wenn von Gottesdiensten gesprochen wurde, dann meinte man damit ursprünglich die Zeit, in der
die Gemeinde zusammenkam, um Gott in der Anbetung zu ´dienen´. Inzwischen scheint es mehr so zu
sein, dass wir mit der Musik, der Predigt usw. den Gottesdienst-Besuchern dienen! ... Ich will damit
betonen, dass wir uns als Kirche nicht in erster Linie versammeln, um Menschen zu dienen, sondern um
Gott anzubeten.“ (S. 110-111)
Leider wird diese biblische und wichtige Definition vom Autor selbst nicht konsequent beachtet, denn mit
wenigen Ausnahmen wird der Gottesdienst als „ganzheitliche Erfahrung“ verstanden oder als Veranstaltung,
die sich „unter anderem an die richtet, die noch gar keine Erfahrung mit Kirche gemacht haben.“ (S. 101)
»Organische Gottesdienste«
Anstelle eines durchorganisierten, „modernen“ Verlaufs einer Gemeindeversammlung wird der „orga- Im NT werden
nische Gottesdienst“ empfohlen, in dem für „spontane Führung durch den Heiligen Geist Raum bleibt“ nur Wasser
und der Einsatz der Gaben, die Gott der Gemeinde gegeben hat, möglich ist.
(für die Taufe)
»Die postmoderne Kirche braucht Hirten, keine Manager« (S.232) und Brot und
In Kap. 20 dieses Buches werden treffende Erfahrungen mit dem Kirchen-Management der vergangenen Wein (für das
Jahrzehnte geschildert. Als biblisches Gegenstück wird die Leitung der Gemeinden durch hingegebene, Abendmahl)
dienende Hirten vorgestellt, die „sich an Beziehungen orientieren, nicht an umwerfenden Zielen“ (S. 240). als Symbole
Sehr vernünftig ebenso die Empfehlung, lieber Gemeinden zu teilen, als große Kirchen aufzubauen der Gemeinde
und auch in der Gestaltung der Räumlichkeiten für eine familiäre Atmosphäre zu sorgen, in der die erwähnt.
Aufmerksamkeit nicht auf Menschen, sondern auf das Wort Gottes gerichtet wird.
Bibeln und Gesangbücher abstauben!
Während im „modernen“ Gottesdienst kaum noch jemand eine Bibel mitbrachte und leider meistens ober-
flächliche, kurzlebige Chorusse per Beamer an die Wand geworfen wurden, werden jetzt die Christen er-
mutigt, ihre Bibeln mitzubringen und auch den guten alten Kirchenliedern Beachtung zu schenken:
„Gute Kirchenlieder kommen in der postchristlichen Kultur gut an, weil sie frisch sind, unbekannt und
eine reichhaltige Geschichte erzählen. Sie bergen eine tiefe theologische Wahrheit und eröffnen einen
ganz neuen Blick auf Gott und sein Wesen.“ (S. 144)
Evangelisation ist mehr als ein Hingabe-Gebet (S. 197)
Die Zeiten werden für out erklärt, in denen Evangelisationen in Form von Feldzügen, Entertainment,
Show usw. durchgeführt wurden. Evangelisation wird wieder als die Aufgabe eines jeden Jüngers
definiert. Ein glaubwürdiger Lebensstil, Kontaktpflege mit Menschen in der Umgebung, also das,
was bereits vor Jahrzehnten als „Freundschafts-Evangelisation“ bezeichnet und empfohlen wurde,
wird jetzt als effektive Evangelisationsmethode gesehen.
Allerdings besteht hier die Gefahr, das bei einer einseitigen Betonung der persönlichen Evangelisation
die Wichtigkeit der vollmächtigen und verständlichen evangelistischen Verkündigung vernachlässigt wird.


Zwei Schritte vor und drei Schritte zurück!
Wenn auch in der »Emerging Church« nicht unbedingt neue, aber immerhin einige altbekannte bib-
lische Prinzipien neu entdeckt und zur Praxis empfohlen werden, so finden doch gleichzeitig einige sehr
bedenkliche Schritte in eine Richtung statt, die mit urchristlichen Überzeugungen nichts zu tun haben:

1. Sakrale Räume, Ästhetik


und Spiritualität Frauen so oft wie möglich auf die Bühne brin-
Weil in der Postmoderne angeblich Erfahrungen, gen würden, egal, ob für die Predigt, die Ankün-
Gefühle und Atmosphäre bestimmend sind, be- digungen, Lobpreisleitung, Zeugnis geben oder
kommt die Ästhetik einen besonderen Stellen- Schriftlesung. Das ist für die Emerging Church
wert und damit wird das Christentum wieder zu ausgesprochen wichtig.“ (S. 146)
etwas Äußerlichem, Sinnfälligem umgedeutet, Das ist nun wirklich keine „Retro-Spiritualität“,
was eine Umkehrung biblischen Christentums die sich an biblischen Normen orientiert!
bedeutet.
Hat man in der „Moderne“ noch über die Rolle
Weil ein postmoderner Gottesdienst vom ersten der Frau in der Gemeinde heftig gestritten, so
Augenblick an ein „visuelles Erlebnis“ sein soll scheint in der Emerging Church diese Frage
(S. 129), werden wieder Gegenstände eingeführt bereits erledigt zu sein. Das steht aber nun – man
und als „sakral“ (heilig) bezeichnet, die in der Re- mag es bedauern oder nicht – im deutlichen
formationszeit unter dem Urteil „profan“ aus Widerspruch zu 1Kor 14,34, 1Tim 2,12 und zur
dem Gottesdienst entfernt wurden. Praxis der Urgemeinde.
So wird vieles wieder hervorgeholt: Samt, Tep-
piche, keltische Kreuze usw., das Licht soll ge- 3. »Alterspezifische
dimmt werden, „um das Bedürfnis der neuen Gottesdienste«
Generation nach Dunkelheit im Gottesdienst“
Weil zu befürchten ist, dass durch die neuen Got-
(S. 130) zu befriedigen.
tesdienstformen Streit und Spaltungen hervor-
Religiöse Bilder, bunte Kirchenfenster und viele gerufen werden können, wird in solchen Fällen
jetzt wieder empfohlene „sakrale“ Gegenstände empfohlen, Tochtergemeinden „mit einer neuen
kann die röm.-kath. Kirche viel besser und reich- Philosophie und einer neuen Kultur“ (S. 103) zu
haltiger vorweisen und so besteht die Gefahr, gründen. Diese Empfehlung erstaunt, weil an an-
dass durch diese neue Bewegung so etwas wie derer Stelle auf die Bereicherung durch den Aus-
eine Gegenreformation eingeleitet wird. Was tausch und das Miteinander zwischen der alten
Spiritualität und Ästhetik betrifft, ist die röm.- und jungen Generation hingewiesen wurde.
kath. Kirche kaum zu übertreffen. Auch die un-
Damit wird eine Praxis empfohlen, die nun wirk-
kritische Begeisterung von Dan Kimball für Taizé
lich nichts mehr mit Urchristentum zu tun hat
(S. 140) sollte alarmieren.
und weder mit dem AT noch mit dem NT belegt
Postmoderne Christliche Buchhandlungen und Läden werden werden kann.
Gottesdienste sich über den bereits jetzt schon enorm gestie-
Wenn schon die letzte Welle „Kirche für Kirchen-
werden zum vi- genen Umsatz von Kitsch in Form von Kreuzen,
distanzierte“ eine Fehlinterpretation von Kirche
Ketten, Klüngel usw. freuen.
suellen Erlebnis. war, so besteht die Gefahr, dass die Emerging
Gegenstände Dass der Gottesdienst im NT „in Geist und Wahr- Church zu weiteren Spannungen und Spaltun-
werden eingeführt heit“ (Joh 4, 23-24) stattfinden soll, wird bei der gen solcher Gemeinden führen wird, die sich als
Betonung von Äußerlichkeiten völlig vergessen. „bibeltreu“ bezeichnen.
und als „sakral“ Diese Betonung steht im direkten Widerspruch
bezeichnet, die in Es ist ein schwer wiegender Irrtum, „dass sich
zu dem, was auf S. 107 zu lesen ist:
der Reformation die Kirche ändern muss“ (S. 27) weil sich die Zeit,
“Einfach und schlicht. Kein Schnickschnack. die Generationen und die Gesellschaft verän-
unter dem Urteil Christus ganz im Zentrum, sehr an der Gemein- dern. Man kann eben nicht „postmodern, zeit-
„profan“ aus dem schaft und an der Teilnahme jedes Einzelnen gemäß und zeitlos zugleich“ sein...
Gottesdienst ent- orientiert. Sehr ursprünglich. So war der Gottes-
fernt wurden. dienst der frühen Kirche.“ Was wir brauchen...
Wir brauchen Gemeinden, die sich an den zeitlo-
2. »Frauen auf die Bühne!«
sen Maßstäben des NT orientieren, um die zeit-
Original-Zitat Don Kimball: „Unabhängig davon, los-gültige Botschaft der Bibel für die heutigen
was Ihre Theologie zur Rolle der Frauen in der Menschen verständlich und glaubwürdig zu le-
Gemeinde sagt, fände ich es sehr gut, wenn Sie ben und zu predigen.


Es ist sicher gut und nötig, das postmoderne Ein Rat von Dan Kimball allerdings ist absolut
Denken und Lebensgefühl zu kennen um darauf biblisch und so wichtig, dass wir alle und auch er
eingehen zu können. Aber es wäre ein absolutes selbst ihn zu Herzen nehmen und „hinter die
Armutszeugnis, wenn unsere Gemeinden nach Ohren“ schreiben sollten:
der postmodernen „Pfeife“ tanzen würden, die
“Aber bitte, bitte, geben Sie vor allem auf Ihre eigene Seele Acht.
von wenigen Philosophen, Architekten und Künst-
Sorgen Sie dafür und halten Sie am Gebet fest. Führen Sie ein
lern irgendwo ausgedacht und geschnitzt wurde.
heiliges und reines Leben – seien Sie unschuldig wie Tauben –
Postmodernität ist eine vorübergehende Mode-
in einer gefallenen und verdorbenen Welt. Bleiben Sie in enger
welle, die in unserer kurzlebigen Zeit in Wohl-
standsländern nur solche beeinflussen wird, die Verbindung mit dem Oberhirten der Gemeinde und bitten Sie
bewusst oder unbewusst ihre Fahne nach dem um seine Führung. Nichts ist wichtiger als das. Nichts.“ (S. 240)
derzeitigen Wind richten. Amen! ■

Andreas Fett

Von Katzen und Kanzeln


Der Pfarrer machte schöne Worte. »Ihr wundert euch?« fragte der Pfarrer
Man nickte – manche nickten ein, »und denkt, dass mich der Kater stört?
da huschte durch die Kirchenpforte Im Gegenteil – viel wunderbarer –
ein ungebet‘ner Gast herein. ich weiß dass er hier hingehört!
Geschmeidig schlich er durch die Reihen Doch solltet ihr euch ernstlich fragen:
und setzte sich ganz vorne hin, »Wieso nahm er ganz vorne Platz?«
als lausche er dem Prophezeihen. Er hörte sicher jemand sagen:
Da war die Sonntags-Ruh dahin. »Der predigt doch nur für die Katz‘!«
Denn der Besucher war ein Kater! Da rief es aus den hint‘ren Bänken:
Man rempelte die Schläfer an: »Das liegt an ihrer L i t a n e i !
»Was für ein seltsames Theater – Statt reinen Wein uns einzuschänken
ein Katzenvieh kommt zum Kaplan!“ umschleichen Sie den heißen Brei!«
Und die Moral von der Geschichte?
Interesse wird ganz leicht geweckt:
Viel‘ Worte machen viel zunichte.
Sag‘ was du sagen willst –
direkt!


Kurt Becker

»Bittet den Herrn der Ernte...«


das Biblische Muster der Aussendung zum Dienst

Der Befehl unseres Herrn Jesus Christus in Mt „Schicken“ in Mk 5,12 (die Dämonen bitten:
9, 38 ist sehr eindeutig und unmissverständlich: „Schicke uns in die Schweine“); in Lk 15, 15,
(ein Bürger des Landes schickt den verlore-
„Bittet den Herrn der Ernte,
nen Sohn zum Schweinehüten); mit „senden“
dass er Arbeiter aussende in seine Ernte.“
übersetzt in Apg 10,5 (Kornelius sendet zwei
Das heißt für jeden von uns: selber bereit und Hausknechte und einen Soldaten zu Petrus,
vorbereitet sein, sich senden zu lassen und be- um ihn holen zu lassen); Apg 11,29 (die Ver-
ten, dass noch viele Christen sich vorbereiten sammlung in Antiochien sendet Barnabas und
und senden lassen. Saulus mit Geldern zur Hilfeleistung nach Je-
rusalem); Apg 15,25 (die Apostel, die Ältesten
Doch angesichts vieler menschlicher Praktiken
und die ganze Versammlung in Jerusalem
im Zusammenhang mit dem „Aussenden“ kann
schicken Judas, Barnabas und Silas mit Bar-
es hilfreich sein, das NT einmal darauf hin zu un-
nabas und Paulus zu den Versammlungen in
tersuchen.
Antiochien, Syrien und Cilicien); 1Kor 4,17
(Timotheus wird von Paulus nach Korinth ge-
»Bittet den Was bedeutet „aussenden“? schickt) u.a.
Herrn der
Mehrere Begriffe im Neuen Testament werden ekpempo – hinausschicken.
Ernte, dass
mit „senden“ oder „aussenden“ übersetzt (EÜ): „Ausgesandt“ in Apg 13,4 (Barnabas und
ER Arbeiter
apostello – [mit einer Vollmacht] weg- Saulus, vom Heiligen Geist ausgesandt).
aussende in
senden. Ein Senden, welches vor allem den of- ekballo – hinauswerfen.
seine Ernte.«
fiziellen Auftrag und die Bevollmächtigung des Meist für Dämonen-Austreibung verwendet.
Gesandten hervorhebt. Dabei steht die volle In Lk 10,2 mit „aussenden“ übersetzt (die Ar-
Nirgendwo Autorität und Vollmacht des Sendenden hinter beiter im Missionsfeld, vom Herrn ausgesandt).
im Neuen dem Gesandten – es kommt fast 150 mal vor.
Testament „Ausgesandt“ in Joh 20,21a (auf Christus als
wird gesagt, vom Vater ausgesandt bezogen); 1Kor 1,17
dass eine (auf Paulus als von Christus ausgesandt be-
Gemeinde zogen); Hebr 1,14 (auf die Engel als von Gott
jemand in ausgesandt bezogen).
die Mission „Senden“ in Mt 2,16 (Herodes seine Unter-
aussendet. gebenen); Mt 10,5 (der Herr die Apostel);
Mt 11,10 (Johannes der Täufer); Mt 14,35
(führende Männer des Dorfes); Mt 20,2 (der
Arbeitgeber); Mt 22,16 (Pharisäer, die ihre Doch nirgendwo im Neuen Testament wird ge-
Jünger sandten); 1Petr 1,12 (vom Heiligen sagt, dass eine Gemeinde jemanden in die Mis-
Geist, als vom Himmel gesandt) usw. sion aussendet, ganz gleich welches der in Frage
kommenden Worte man darauf hin untersucht.
pempo – schicken. Dieser Begriff ist mehr
Das ist auch verständlich, denn die Vollmacht,
allgemein und weniger offiziell als der erste. Er
Menschen zu senden, um für den Herrn zu ar-
wird meist mit „senden“ oder „schicken“ über-
beiten, ist der Gemeinde nicht gegeben. Nur der
setzt und kommt fast 100 mal vor.
Herr der Ernte kann Arbeiter in seine Ernte aus-
senden:
„Bittet nun den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter
aussende (apostello) in seine Ernte“ (Mt 9,38).
Und er sendet sie aus durch den Heiligen Geist:
„Sie nun, ausgesandt (pempo) von dem Hei-
ligen Geiste, gingen hinab nach Seleucia, und
von dort segelten sie nach Zypern (Apg 23,4).


Wer sendet aus Das haben auch die Männer und Frauen so ge-
und wer wird ausgesandt? sehen und konsequent praktiziert, die Gott mit
Der Herr sagt in Joh 20,21: großem Segen gebrauchen konnte. Sie haben
nicht mit Menschen über ihre finanziellen Be-
„Friede euch! Gleichwie der Vater mich dürfnisse gesprochen, sondern immer nur mit
ausgesandt hat, sende ich auch euch.“ Gott, und er hat sie vielleicht nicht immer ver-
Wenn sich jemand - statt vom Herrn - von ei- wöhnt und verhätschelt, aber er hat sie treu
nem Missionswerk oder aber von einer Gemein- versorgt, bis zum letzten Tag (siehe z.B. Hudson
de aussenden lässt, so könnte man mit Recht Taylor, Georg Müller, Charles Studd, Jim Elliot,
sagen, dass das Werk oder die Gemeinde auch Bakht Singh usw...). Keiner von ihnen wollte die-
für das Auskommen des von ihnen Gesandten se Erfahrung missen und jeder würde es wieder
aufkommen soll. Der Gesandte wäre dann nicht so praktizieren.
alleine seinem Herrn, sondern eben auch seinen Wer also vom Herrn ausgesandt wird, dem sollte
Geldgebern für sein Tun verantwortlich. klar sein, was die Worte bedeuten: „Friede euch!
Missionsgesellschaften und Verbände verspre- Gleichwie der Vater mich ausgesandt hat, sende
chen solchen, die in die Mission gehen, ihnen ich auch euch“ (Joh 20,21). Es ist seine Zusiche-
für die eigentliche Missionsarbeit „den Rücken rung, dass einerseits die Gesandten trotz aller
frei zu halten“. Ohne Zweifel können die Erfah- Angriffe, Unruhen, Schwierigkeiten und Kämp- Unbekümmer-
rungen, die Möglichkeiten und die vorhandenen fen einen wunderbaren Frieden im Herzen haben,
anderseits aber auch der Knecht nicht größer
te Rucksack-
Strukturen solcher Werke von großem Nutzen Touristen
sein. Aber was für ein Gottesbild vermittelt man ist als der Herr und der Gesandte nicht größer
als der ihn gesandt hat (Joh 13,16). „Gleichwie machen sich
den Männern und Frauen, wenn man sie zu-
nächst dazu anleitet „erfolgreich“ Freundesbrie- der Vater mich ausgesandt hat, sende ich euch“ heute an-
fe zu gestalten, für die einfachsten Bedürfnisse, heißt nicht nur: Nachdem der Vater mich ausge- scheinend
wie Nahrung und Kleidung, einen Trägerkreis sandt hat sende ich jetzt auch euch aus, sondern weniger Sor-
aufzubauen und in möglichst vielen Gemeinden es bedeutet genau auf diese Weise, geradeso
sende ich auch euch! Es ist dasselbe Wort wie
gen über ihre
für „ihr Projekt“ zu werben, damit man darüber Bedürfnisse
hinaus später auch sozial abgesichert ist? Wie z.B. in Mt 21,6, „als die Jünger getan hatten so
wie Jesus ihnen aufgetragen hatte…“ oder Mt als die Jünger
will man Fernstehende davon überzeugen, sich
in den wichtigsten Fragen des Lebens dem Herrn 26,24: „so wie über ihn geschrieben steht“ oder des Herrn!
anzuvertrauen, wenn man selbst ihm nicht ein- Mt 28,6: „so wie er (Jesus) gesagt hatte.“
mal in den einfachsten Dingen des Alltags ver-
traut? Was beinhaltet das?
Die „Backpacker“ (Rucksack-Touristen) in aller Das bedeutet: Verzicht - so wie unser Herr in »Friede euch!
Welt machen sich heute anscheinend weniger Armut ausgesandt wurde, so sendet auch er. Gleichwie der
Sorgen über ihre Bedürfnisse und über ihre Zu- Vater mich
kunft als die Jünger des Herrn! Das bedeutet: Erniedrigung - so wie der Herr in
Niedrigkeit ausgesandt wurde, so sendet auch er. ausgesandt
Auch wenn wir unsere Brüder und Schwestern hat, sende ich
deshalb nicht verurteilen und ihr Wirken für den Das bedeutet: Gehorsam - so wie der Herr den
Willen des Vaters vollbrachte, so sendet auch er. auch euch!«
Herrn sehr schätzen, ist es nach der Schrift aber
nicht die Gemeinde die aussendet, und auch Das bedeutet: Abhängigkeit - so wie der Herr
nicht die Freunde – deshalb können sie auch nicht in vollkommener Abhängigkeit vom Vater aus-
dazu herangezogen werden, für ein geregeltes Ein- gesandt wurde, so sendet auch er.
kommen inklusive aller Sozialabgaben zu sorgen.
Das bedeutet: Aufopferung - so wie der Herr
Der Herr sendet, und er ist somit auch für seine zum Heil der Menschen und zum Dienst für die
Gesandten verantwortlich, und das will er auch Menschen ausgesandt wurde, so sendet auch er.
sein! Die Geschwister der Heimatgemeinde soll-
ten für die Missionare und ihren Dienst beten Das bedeutet: Selbstverleugnung - so wie der
und ihnen auch mit materiellen Mitteln weiter- Herr mit dem Ziel gesandt wurde, am Kreuz zu
helfen, so oft der Herr ihnen das aufs Herz legt sterben und zunächst nichts zu haben (Dan 9,26),
und besonders wenn Not eintritt. Doch eine so sendet auch er.
Zahlungsverpflichtung wie zwischen Arbeitgeber Aber das bedeutet auch seine Gegenwart und
und Arbeitnehmer, Daueraufträge, Bankeinzüge Fürsorge so zu erleben, wie man es nicht in-
und sonstige feste Zusicherungen sind nicht Be- tensiver erfahren kann, denn der Herr selbst
standteil einer göttlichen Aussendung. geht mit (Mt 28,20) und wird für alles sorgen!


Und die Gemeinde? für seinen Unterhalt gearbeitet hat.
Nachdem deutlich geworden ist, dass der Herr „Denn auch in Thessalonich habt ihr mir einmal
derjenige ist, der Jünger in die Mission aussen- und zweimal für meine Notdurft gesandt.“ (Pau-
det, stellt sich die Frage, ob die Gemeinde dabei lus, in Phil 4,16)
völlig unbeteiligt ist. Die Philipper haben Paulus diese Zuwendungen
Apg 13,2-3 zeigt, dass z.B. die Brüder der Ge- unverlangt zukommen lassen, denn in Apg 20,
meinde in Antiochien in dreierlei Hinsicht betei- 33-34 sagt Paulus, dass er von keinem Menschen
ligt waren: Silber, Gold oder Kleidung verlangt hat. (Ganz im
Gegensatz zur heutigen Praxis der unzähligen
Sie beteten gemeinsam Spenden-Aufrufe und der Freundeskreis-Suche).
Sie legten den Ausgesandten die Hände auf, das
heißt sie identifizierten sich mit ihnen und mit “So seid nun nicht besorgt, indem ihr sagt: Was
ihrem Dienst und erkannten die Sendung als sollen wir essen? Oder: Was sollen wir trinken?
„vom Herrn“ an. Oder: Was sollen wir anziehen? Denn nach die-
sem allem trachten die Nationen; denn euer
In dem Maß, Sie entließen sie (apoluo = los-, freilassen, himmlischer Vater weiß, dass ihr dies alles nötig
wie sich siehe z.B. Apg 16,35, wo dasselbe Wort steht.) habt. Trachtet aber zuerst nach dem Reich Got-
Missionare Wir reden irrtümlicherweise davon, dass die Ge- tes und nach seiner Gerechtigkeit und dies alles
meinde jemand aussendet und laden zu einer wird euch hinzugefügt werden.“ (Mt 6,31-33)
wieder vom Aussendungsfeier ein.
Herrn selbst Über allem steht die unendlich liebevolle Fürsor-
aussenden Wenn der Herr jemanden aus unserer Gemein- ge des Herrn, der dies alles nicht nur ermöglicht,
de sendet, wäre es biblischer, einem solchen zu sondern ein großzügiger Geber ist. Er ermuntert
lassen, sagen und zu zeigen: „Wir stehen hinter dir, wir
werden sie jeden von uns, von dem zu geben was wir von
machen uns mit dir und Deinem Dienst eins, wir ihm empfangen haben:
und andere lassen dich gerne ziehen!“
neuen Mut „Prüft mich doch dadurch, ob ich euch nicht die
Solch eine Abschiedsfeier könnte geprägt sein Fenster des Himmels auftun und euch Segen in
bekommen, von Motivation und Ermutigung für den Missio- überreicher Fülle herabschütten werde!“ Mal 3,10
ihr Leben nar und die Gemeinde, von Abschiedsworten, ei-
bedingungslos ner Beschreibung des zukünftigen Arbeitsfeldes Wir wollen freudige Geber sein, persönlich und
dem Herrn und der Bekräftigung der Ältesten, dass sich die als Gemeinde! Da wo man uns persönlich bittet,
Gemeinde mit dem Weg und dem Dienst der Ge- wollen wir gerne geben. Lk 6,30 lehrt uns: „Gib
der Ernte an- jedem, der dich bittet, und von dem, der das
sandten eins macht und sie dafür frei lässt.
zuvertrauen! Deinige nimmt, fordere es nicht zurück.“
Dank für die zurückliegende Zeit der Gemein-
schaft und Gebet für den Auftrag und die Sen- In welcher Form das die Einzelnen tun, müssen
dung, für den anstehenden Dienst, für Bewah- sie vor dem Herrn entscheiden.
rung und Segen sollte ein wesentlicher Bestand- Wo wir aber als Gemeinde Gelder weiterleiten,
teil einer solchen Zusammenkunft sein. die dem Herrn gehören, ist es unser Wunsch, in
Power-Point-Präsentationen, Fotoshows, Quiz jedem einzelnen Fall immer wieder den Herrn zu
usw. zum Einsatzland, zum Thema Mission, zur bitten uns zu zeigen, wem wir wann wieviel auf
Biographie eines bekannten Missionars oder zur welche Weise zukommen lassen sollen. So bleibt
Missionsgeschichte (auch für Kinder), Bücher- die Abhängigkeit aller vom Herrn gewahrt, und
tische mit Thema Mission und Unterlagen zum der Missionar bleibt in seinem Dienst allein dem
Zielland usw. können solch eine Zusammenkunft Herrn verantwortlich.
bereichern und den Missionsauftrag des Herrn Wir sind überzeugt, dass in dem Maß,
neu vor Augen führen. wie sich Missionarinnen und Missionare
wieder vom Herrn selbst aussenden lassen,
Und was ist anstatt von Freunden, Gemeinden und
mit den Finanzen? Werken, auch solche, die sie erleben,
wieder Mut bekommen würden,
“Ich habe niemandes Silber oder Gold oder Klei-
ihr Leben bedingungslos
dung begehrt. Ihr selbst wisset, dass meinen Be-
dem Herrn der Ernte
dürfnissen und denen, die bei mir waren, diese
anzuvertrauen! ■
Hände gedient haben.“ (Paulus, in Apg 20,33-34)
Das heißt nicht, dass Paulus nie etwas von an-
deren bekommen hätte. Es bedeutet, dass er von
keinem Menschen etwas verlangt hat und selbst

10
Wolfgang Bühne

Lebensäußerungen
einer gesunden Gemeinde (Teil 4)
Vom Stellenwert und Segen
christlicher Gemeinschaft

„Alle, welche glaubten, waren beisammen


und hatten alles gemein...“ (Apg 2,44)
„Die Menge derer, die gläubig geworden,
war ein Herz und eine Seele; und auch
nicht einer von ihnen sagte, dass etwas
von seiner Habe sein eigen wäre, sondern
es war ihnen alles gemein.“ (Apg 4,32)
„Herz und Herz vereint zusammen, sucht in
Gottes Herzen Ruh ...“, - so lautet der Anfang
des bekannten Liedes, das Nikolaus Graf von
Zinzendorf, der Gründer und geistliche Vater der
„Herrnhuter Gemeine“, gedichtet hat. Von ihm
stammt auch der freimütige Satz: „Ich statuiere
Keine „GmbH“
kein Christentum ohne Gemeinschaft!“
sondern eine „GmvH“!
Diese kurzen Mitteilungen in der Apostelge- Verbindliche
Gemeinschaft – das war auch ein weiteres wich-
schichte machen deutlich, dass sich die prakti- Gemeinschaft,
tiges Kennzeichen der ersten Christen, die in
zierte Gemeinschaft der ersten Christen nicht
Jerusalem ein gemeinsames Leben praktizierten,
auf den Sonntag oder besondere Gemeinde-Ver-
die auf der Zu-
das dieser Gemeinde nicht nur eine innere Vi- gehörigkeit zu
anstaltungen beschränkte, sondern ihren Lebens-
talität gab, sondern auch Glaubwürdigkeit und Christus gründet
alltag prägte. Wenn man damals auf einen jun-
Attraktivität für ihre Umgebung bedeutete.
Auch darin ist sie ein Vorbild für uns.
gen Bekehrten zeigte und sagte: „Der ist mit uns und in der echte
in Gemeinschaft!“ – dann meinte man damit Liebe pulsiert,
Die Liebe zu den Glaubensgeschwistern ist einer nicht, dass man vielleicht noch seinen Vornamen ist eine echte
der Beweise dafür, dass wir „aus dem Tod in das kannte und ihm beim sonntäglichen Abendmahl
Leben hinübergegangen sind“ (1Joh 3,14). Und Brot und Wein reichte, sondern dass er in der Le-
Herausforderung
diese „Bruderliebe“ sucht einfach die Gemein- bensgemeinschaft der Jünger Jesu aufgenommen und positive
schaft mit den Geschwistern, so wie es auch von war, Freude und Leid, Zeit und auch materielle wie Provokation.
Saulus berichtet wird: Als er kurz nach seiner geistliche und geistige Güter mit ihnen teilte. Und genau
Bekehrung nach Jerusalem kam, „versuchte er das macht die
Solch eine verbindliche Gemeinschaft, die nicht
sich den Jüngern anzuschließen“ (Apg 9,26). Glaubwürdigkeit
auf Herkunft oder Bildung, sondern auf Zugehö-
Sicher hatte Saulus viele alte Bekannte und rigkeit zu Christus gründete und in der echte und Attraktivität
vielleicht auch Freunde unter den Pharisäern Bruderliebe pulsierte, war in der damaligen Welt, einer Gemeide
und Schriftgelehrten der damaligen geistlichen in der soziale und intellektuelle Unterschiede aus.
Elite Jerusalems. Aber jetzt gehörte er zur Familie eine große Rolle spielten, eine echte Herausfor-
Gottes und man kann zwischen den Zeilen lesen, derung und positive Provokation.
wie sehr es ihn drängte, seine Glaubensgeschwis-
Und genau das machte die Glaubwürdigkeit und
ter aufzusuchen, sich ihnen „anzuschließen“ und
Attraktivität der ersten Gemeinde aus: Hier leb-
Gemeinschaft mit ihnen zu haben.
ten Arme und Reiche, schlichte Handwerker und
Das Wort „anschließen“, das hier verwendet wird, gebildete Akademiker nicht notgedrungen und
kann man auch mit „ankleben“ oder „anhängen“ zähneknirschend wie in einem Gefängnis, son-
übersetzen und das macht deutlich, mit welch dern „mit Frohlocken und Einfalt des Herzens“
einer Intensität dieser junge Christ Gemeinschaft (Apg 2,46) zusammen. Kein Wunder, dass diese
suchte und welch eine Enttäuschung und Glau- Christen zumindest in der Anfangszeit der Apo-
bensprüfung es für ihn gewesen sein muss, dass stelgeschichte hoch in der Gunst ihrer ungläubi-
ihm diese ersehnte Gemeinschaft zunächst ein- gen Mitmenschen standen: „sie ... lobten Gott und
mal verwehrt wurde. hatten Gunst bei dem ganzen Volk“ (Apg 2,47).

11
„Seht, Wo
wie sie einander lieben!“ stehen wir heute?
Echte Bruderliebe So lautete das erstaunliche Urteil der damaligen Der Individualismus, der in den letzten Jahren
ist eine natürliche Heiden über die Christen in ihrer Umgebung. unsere westliche Gesellschaft prägte, hat sich
„Mitgift“ der Diese Liebe wurde also für alle Welt sichtbar, sie leider auch in unser Gemeindeleben eingeschli-
bestand nicht nur aus Floskeln. chen und wirkt sich zersetzend auf unsere Ge-
Wiedergeburt! meinschaft aus. Egoismus und allgemeine Un-
Sie lebten das, wovon Johannes schrieb:
verbindlichkeit sind nicht nur die auffälligen
„Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten, Kennzeichen der heutigen Generation, sondern
noch mit der Zunge, sondern in Tat und leider auch der Lebensstil vieler Christen.
Wahrheit“ (1Joh 3,18).
Medien wie Fernsehen und Internet halten viele
Gelebte und Petrus schreibt in seinem ersten Brief, dass die Christen in ihren eigenen Wänden, die Welt wird
verbindliche Empfänger seiner Zeilen (und darin sind wir ein- damit buchstäblich ins Haus geholt mit allen ge-
Gemeinschaft geschlossen) „ihre Seele gereinigt haben ... zur meinschaftsstörenden Auswirkungen, die von
ungeheuchelten Bruderliebe“ (1Petr 1,22) und zahlreichen auch nichtchristlichen Fachleuten
ist der Wille
Paulus stellte den Kolossern das Zeugnis aus, und Soziologen bereits schon vor Jahren be-
Gottes für jeden dass sie „Liebe zu allen Heiligen“ (Kol 1,4) hatten, schrieben wurden und nun auch in unseren Ge-
Christen und ihre Liebe also nicht auf solche beschränkten, meinden spürbar und sichtbar werden.
ein Indikator die den selben Zungenschlag wie sie sprachen.
Nach dem Motto der Engländer „My home is my
für die Echtheit Echte Bruderliebe ist eine natürliche „Mitgift“ castle“ riegeln wir uns ab, spontane Besuche von
unseres Christ- der Wiedergeburt, die sich vor allem durch Taten Christen werden oft als lästige Störung empfun-
seins! äußert und sogar dazu verpflichtet „für die Brü- den, die Anonymität nimmt zu und die Verbind-
der das Leben darzulegen“ (1Joh 3,16). Auch lichkeit und praktische Bruderliebe nehmen ab.
darin sind wir schuldig, dem großen Vorbild un-
Oft nur einmal in der Woche leistet man der Ge-
seres Herrn Jesus zu folgen.
meinde noch seinen schuldigen Pflichtbesuch
Eigenartig, dass wir alle Joh 3,16 gut und gerne ab, den Wolfgang Dyck sarkastisch den „sonn-
zitieren, aber 1Joh 3,16 weniger oft auswendig täglichen Stuhlgang“ nannte und das ist oft al-
gelernt und noch seltener gelebt wird. les, was von Gemeindezugehörigkeit übrig bleibt.
Weithin sind die Vom gemeinsamen Leben und miteinander Tei-
Priska und Aquila (bezeichnender Weise wird an
len ist oft nichts mehr zu sehen.
Gemeinden krank. dieser Stelle Priska zuerst genannt!) hatten für
Es fehlt die echte, das Leben des Paulus „ihren eigenen Hals“ (Röm Es hat wohl in der Geschichte der Evangelikalen
von Gott gewirkte 16,39) riskiert und damit einen sichtbaren Be- kaum eine Generation von Christen gegeben, in
weis ihrer Bruderliebe gegeben und überzeugend der es so viele einsame und isolierte, oft auch
Liebe und daraus ausgedrückt, was „Gemeinschaft“ beinhaltet und depressive Menschen gegeben hat, wie wir es
resultierend ein welchen Wert sie hat. gegenwärtig erleben.
Gemeinschafts-
Gelebte und verbindliche Gemeinschaft ist der In der verbindlich gelebten Gemeinschaft mit
leben, das von Wille Gottes für jeden Christen und ein Indikator anderen Christen werden eigene Mängel und
Wärme, Fürsorge für die Echtheit unseres Christseins und damit Fehlentwicklungen schneller bewusst und man
und Anteilnahme auch das Merkmal einer Gemeinde, die dem neu- erkennt die Notwendigkeit der Korrektur und
geprägt ist. testamentlichen Muster entsprechen möchte. der gegenseitigen Ergänzung. Wie in einer gro-
ßen Familie lernt man miteinander zu teilen,
einander zu helfen, die Nöte der Mitgeschwister
zu erkennen, für sie zu beten und die eigenen
„Wehwehchen“ nicht so wichtig zu nehmen.
Warum haben wir so viele gefährdete Ehen in
unseren Gemeinden, trotz einer Flut von christ-
lichen Ehebüchern, zahlreichen Eheseminaren
und Eheberatern?
Wie kommt es, dass der prozentuale Anteil Evan-
gelikaler, die in psychiatrischen Kliniken Hilfe für
ihre Depressionen oder sonstigen seelischen Stö-
rungen suchen, so auffallend hoch ist? Sind das
nicht alarmierende Symptome unserer heutigen
kranken Gemeinde-Kultur?

12
Ein Blick in ten. Wie auch in Herrnhut entstanden in diesen
die Kirchengeschichte jungen Versammlungen eine Menge neuer Lie-
der und es entwickelte sich eine außergewöhn-
Zeiten der Erweckung waren und sind immer lich reiche Literaturarbeit. Aber auch Evangelisa-
auch Zeiten intensiver Gemeinschaftspflege. Da- tion, Mission und praktische Nächstenliebe be-
für gibt es eine Menge Beispiele, aus denen ich kamen einen neuen Schub. Männer wie Georg
hier nur zwei herausgreifen möchte: Müller, Thomas Barnardo, Hudson Taylor, John
In den Anfangsjahren der Herrnhuter Brüder- Nelson Darby und viele andere haben damals ei-
gemeine im 18. Jahrhundert wurde ein Gemein- nen großen geistlichen Einfluss auf Christen in
schaftsleben praktiziert, das bis heute vorbildlich aller Welt gehabt.
ist. Hier lebten schlichte, einfache Handwerker, Was weniger bekannt ist: Diese Erweckung be- »Ich statuiere
die teilweise nicht einmal lesen konnten mit gann damit, dass wohlhabende Christen ihre oft
hochgebildeten Juristen, Medizinern und sonsti- kein Christen-
schönen und großen Häuser für regelmäßige
gen Akademikern zusammen. Verschiedenste tum ohne Ge-
Teeabende öffneten, wo jeder herzlich einge-
Charaktere trafen hier aufeinander, was in den laden war, nach einer gemütlichen Tee-Runde, meinschaft!«
ersten Monaten für manche Reibereien und in der man sich kennen lernte, miteinander die Nikolaus Graf von
Auseinandersetzungen sorgte. Doch der Geist Bibel aufzuschlagen und sich darüber auszutau- Zinzendorf, Gründer
Gottes schmiedete sie zusammen und es ent- schen. Auch hier spielten Standesunterschiede der „Herrnhuter
stand eine „Gemeine“, die ihrem Namen buch- keine Rolle: Theologen, Juristen, Adelige wie Brüdergemeine“
stäblich entsprach: Man lebte gemeinsam, man auch Männer und Frauen aus den unteren
teilte miteinander, was man an materiellem und Schichten aber mit einem großen Interesse an Man lebte
geistigem Reichtum mitgebracht hatte. Gottes Wort saßen hier mit der aufgeschlagenen gemeinsam –
Morgens um 4 Uhr wurden alle Bewohner Herrn- Bibel beieinander. Aus diesen Tee-Abenden gin- und man teilte
huts von einem Trupp Brüder geweckt, die nicht gen dann die mehrtägigen Bibel-Konferenzen
miteinander,
nur an die Tür klopften, sondern auch mit der hervor, die an vielen Orten Englands eine Menge
ermutigenden Losung des Tages – meist ein Bi- interessierter Christen anzogen, die dann durch was man an
belvers oder Teil einer Liedstrophe - die Bewoh- das gemeinsame Bibelstudium eine tiefere Er- materiellem
ner des Hauses aufweckten. Dann begann ein kenntnis des Wortes Gottes bekamen, was eine und geisti-
Arbeitstag, der meist aus 16 Stunden gemeinsa- größere Liebe zum Herrn und zu den Mitge- gem Reich-
mer und praktischer Arbeit bestand und an je- schwistern zur Folge hatte. Auch hier wurden in tum hatte.
dem Abend traf man sich im Gemeindesaal zur den neu entstandenen Gemeinden – zumindest
Gemeinschaftspflege, um miteinander zu singen, in den ersten Jahrzehnten - Kennzeichen des
zu beten, auf das Wort Gottes zu hören oder um „Gemeinde-Frühlings“ in Jerusalem sichtbar.
Nachrichten aus der vielfachen Missionstätigkeit Herrnhuter
der Gemeinde auszutauschen. Gemeinschafts-
Erlebnis beim
Und dort lag nicht nur der Ausgangspunkt der
sogenannten
großen Erweckung, die sich von Deutschland „Liebesmahl“.
über England nach Amerika ausbreitete, sondern
von diesem Dorf in Oberschlesien aus zogen in Nach einer
den folgenden Jahren Missionare in alle Welt, Zeichnung
um in Grönland, Tibet, Lateinamerika, Südafrika aus dem
usw. das Evangelium zu verbreiten. Jahr 1758

Der Drang zur Mission und der Gemeinschafts- Diese wenigen Beispiele bestätigen, was so schon
sinn dieser Gemeinde führte dazu, dass mög- offenbar ist: In der westlichen Welt sind die Ge-
lichst jedes Gemeindeglied, das selbst nicht aufs meinden weithin krank. Es fehlt das, was eine Ge-
Missionsfeld ging, dafür sorgte, dass ein anderer meinde gerade für Außenstehende enorm anzie-
oder eine andere hinausziehen konnte. Das hatte hend macht und was für die eigenen Gemeinde-
zur Folge, dass in einer Generation Hunderte glieder so lebensnotwendig ist: Echte, von Gott
Missionare von Herrnhut ausgesandt und unter- gewirkte Liebe und daraus resultierend ein Ge-
stützt wurden. meinschaftsleben, das von Wärme, liebevoller Für-
„Frohlocken ... Einfalt des Herzens ... Gott loben“ sorge und Anteilnahme geprägt ist. Ein Leben wo
(Apg 2,46) – das waren auch die Kennzeichen man Freude und Leid, Hab und Gut miteinander
der Herrnhuter - zumindest in der Anfangszeit. teilt und man sich gegenseitig ein Ansporn ist, den
Herrn und sein Wort besser kennen zu lernen und
Etwa 100 Jahre später führte eine Erweckung in ihm mit Freuden zu dienen. Man lebte gemein-
England zur sog. „Brüderbewegung“ mit ähnli- sam – und man teilte miteinander, was man an
chen Kennzeichen, aber anderen Schwerpunk- materiellem und geistigem Reichtum hatte. ■

13
Wolfgang Bühne

Begegnungen
in Lateinamerika
eingerissen sowie Straßen und ganze Dörfer zer-
Mosquitia-Gebiet im
stört wurden. Durch den aufgeweichten Boden
unwegsamen Norden Kuba
von Honduras kam es zusätzlich zu Schlammlawinen und Erd-
rutschen, durch die mächtige Bäume entwurzelt
Mexiko Honduras und mitgerissen wurden.
KARIBIK In einer abgelegenen, armen Bergregion waren
die Schäden besonders groß. Dort haben 24 Fa-
PAZIFIK Nicaragua
milien – darunter viele Christen – in wenigen
Minuten alles verloren. Wir hörten von Geschwi-
stern, die auf Grund der Wasserfluten zunächst
»Wo seid ihr, ihr Schüler der ewigen Gnade, auf das Dach ihres Hauses kletterten. Als das
Ihr Kreuzgenossen unseres Herrn? Wasser aber immer höher stieg, rannten sie auf
Wo sieht man eure begnadigten Pfade, den nächst höheren Berg, von wo aus sich ihnen
Daheim oder in der Fern? aber ein Erdrutsch entgegenwälzte und alles un-
Ihr Mauerzerbrecher, wie sieht man euch? ter sich begrub. Zwei Teenager wurden 2 km weit
Die Felsen, die Löcher, die wilden Sträuch´, von den reißenden Fluten und Schlammmassen
Die Inseln der Heiden, die tobenden Wellen mitgerissen, konnten aber wunderbarerweise ge-
Sind eure von alters her bestimmten Stellen.« rettet werden und trugen nur äußere Verletzun-
Zwei Teenager Dieses alte „Streiterlied“ der Herrnhuter aus dem gen davon.
wurden 2 km 18. Jahrhundert kam mir in den Sinn, als ich
weit von den mich in einer ruhigen Stunde in Wenzhou (Chi-
reißenden Fluten na) hinsetzte, um einige Begegnungen und Ein-
drücke von unserem Besuch in Honduras und
und Schlamm-
Nicaragua im Februar dieses Jahres zu Papier zu
massen mitge- bringen.
rissen, konnten
aber wunder- Es ist eine große Freude und Ermutigung für uns
zu erleben, dass immer wieder jüngere und älte-
barerweise
re Brüder, Schwestern und Ehepaare in diese ar-
gerettet werden men Länder aufbrechen, um für einige Wochen,
und trugen oder auch für viele Jahre Gegenden aufzusu-
nur äußere chen, wie sie auch in dem oben zitierten Lied
Verletzungen beschrieben werden. Während die Regierung den geschädigten Leu-
davon. Da denke ich an Walter Altimirano, der neben ten nur Plastikplanen für Notunterkünfte zur
der Literatur-Arbeit mit einem Team Brüder seit Verfügung stellte, traten nun die Christen in Ak-
Jahren jede Woche regelmäßig das Gefängnis in tion. Sie kochten Mittagessen für die Menschen,
Tela besucht und mit 80 bis 100 Gefangenen die nahmen teilweise die Obdachlosen in ihre Häu-
Emmaus-Bibelkurse durchpaukt. ser auf und kauften und verteilten Saatgut zur
Aussaat für eine nächste Ernte.
Schlammlawinen, Walter koordinierte diese Hilfe und es fand sich
Erdrutsche und ein Bautrupp von Brüdern zusammen, die ihre
Überschwemmungen Zeit einsetzten, um kleine, aber stabile Häuser zu
In den vergangenen Monaten kam allerdings bauen, damit die Familien wieder eine Bleibe be-
eine neue Herausforderung auf Walter zu: Im kamen. Da keine Lohnkosten anfielen, konnte
Herbst letzten Jahres gab es durch monatelange jeweils in zwei Wochen ein solches Häuschen
Regenfälle eine Unwetter-Katastrophe, von wel- gebaut werden. Die Materialkosten: nur etwa
cher in den europäischen Medien kaum etwas 2.000 Euro. Durch Spenden der „f+t“-Leser
berichtet wurde. Flüsse stiegen auf Grund der konnten spontan etwa 10 solcher Häuser finan-
Regengüsse um 8-10 Meter an und entwickelten ziert werden, wofür die Geschwister dort sehr
Irmelda+Walter Altimirano eine unvorstellbare Wucht, durch die Brücken dankbar sind.

14
Solch ein Bautrupp besteht aber nicht nur aus »Dieses Mal reiste ein junger Bruder mit mir. Als
fleißigen und fähigen Maurern und Handwer- wir dort ankamen, wussten wir nicht, wo wir
kern, sondern sie arbeiten gleichzeitig auch als übernachten sollten. Keiner ahnte, dass wir ka-
Evangelisten, die an den Abenden in der Umge- men und so waren wir auf die Führung des Herrn
bung das Evangelium predigen und durch ihre angewiesen. Nachdem wir gebetet hatten, frag-
praktische Hilfe natürlich sehr glaubwürdig sind ten wir uns, welches Haus wir zuerst aufsuchen
und auf offene Ohren und Herzen stoßen. sollten. Irgendwie bekam ich den Eindruck, dass
wir um 14 Uhr zu „Dona Berta“ gehen sollten, ei-
Unter Zauberern und ner bekannten Zauberin, die ich während meiner Bewaffneter Kokain-Kurier
Drogenhändlern in der letzten Besuche kennen gelernt hatte und die ein in Mittelamerika
Mosquitia gewisses Interesse zeigte.

Eine ganz andere Aufgabe hat Omar Ortiz, von


dem wir schon öfter berichtet haben, vom Herrn
bekommen. Er macht sich alle paar Monate je-
weils für zwei bis drei Wochen auf den mühsa-
men Weg, um Menschen in einem riesigen Re-
genwald-Gebiet aufzusuchen, die völlig von der
Außenwelt abgeschlossen leben und nur per
Flugzeug oder Schiff erreichbar sind. Dort leben
die „Misquitos“, die ursprünglich aus Südameri-
ka stammen, aber von den Engländern vor Jahr-
hunderten dort als Sklaven angesiedelt wurden. Omar Ortis berichtet
Im Gegensatz zu den Sklaven aus Afrika, die das uns von Dona Berta:
mörderische Klima dort nicht überlebten, er-
wiesen sich diese Misquitos gegen alle Tropen- Als wir dort um 14 Uhr anklopften, öffnete uns „ ... um 11 Uhr
Krankheiten als resistent und leben daher heute ein Mädchen die Tür und begrüßte uns mit den hörte ich eine
Worten: ´Herzlich willkommen, wir haben euch
noch in dieser Gegend. Sie sind meist Fischer Stimme: ´Um
oder Drogenhändler, denn diese abgeschnittene erwartet. Wir haben bereits das Haus aufge-
räumt, gebacken und viele Bekannte eingeladen.´
14 Uhr kommt
Gegend ist ein idealer Umschlagplatz für Kokain ein Prediger des
und andere Drogen, die von dort aus in die USA Inzwischen begrüßte uns auch die Dona Berta Evangeliums!´“
und andere Länder geschmuggelt werden. und auf meine erstaunte Frage, woher sie denn
Die Fischer sind meist 12 Tage auf dem Meer un- wussten, dass wir kommen würden, antwortete
terwegs, um anschließend etwa 9 Tage wildeste sie: ´Um 11 Uhr hörte ich eine Stimme: ´Um 14 Uhr Bis vor wenigen
Orgien zu veranstalten – mit allen abscheulichen kommt ein Prediger des Evangeliums!´ Daraufhin Wochen gab es
Folgen wie Inzest usw. habe ich das Haus aufgeräumt, gebacken und keinen einzigen
unsere Bekannten und Verwandten eingeladen.´
Fast alle Misquitos sind im Okkultismus gefan- Christen unter
gen - Zauberei findet praktisch in jeder Familie Tatsächlich trafen bald die Eingeladenen ein, den „Misquitos“.
statt. Vergiftungen sind an der Tagesordnung, Okkultisten und Zauberer und sie hörten sehr Inzwischen hat
aufmerksam dem Evangelium zu. Dona Berta
keiner traut dem anderen. Wenn ein Misquito sich durch Omars
irgendwo zu Gast ist, dann wird er nur das essen, sorgte dafür, das keiner lachte und nach der
Botschaft wurde Kaffee und Brot gebracht.
Besuchsdienste
was vor seinen Augen zubereitet wurde und wo- ein querschnitts-
von der Gastgeber zuerst gegessen oder getrun- Nachdem Berta den ersten Schluck und den er-
sten Bissen zu sich genommen hatte, wurde ich gelähmter Mann
ken hat.
aufgefordert: ´Bruder, iss und trink!´´“ bekehrt...
Omar erzählte uns, dass jedes Mal eine dunkle
Wolke sein Gemüt überfällt, wenn er in die Omar wird in diesen Dörfern sehr geachtet, bis-
Dörfer dieser Menschen kommt. Ein depressiver her gab es keine Tätlichkeiten gegen ihn und
Druck legt sich auf seine Seele und er spürt sehr inzwischen hat sich auch ein querschnittsge-
deutlich, dass er „Feindesboden“ betreten hat ... lähmter Mann bekehrt, dessen Frau ihn aber
nach seiner Bekehrung sofort verlassen und mit
Abenteuer Hausbesuch seinen drei Töchtern allein gelassen hat.

Bis vor wenigen Wochen gab es keinen einzigen Gott sei Dank ist in den letzten Wochen ein be-
Christen in dieser Gegend, der ihm irgendwie freundetes Ehepaar in dieses Gebiet gezogen,
beistehen konnte, wenn er tagsüber bei Hausbe- wobei die Ehefrau Ärztin ist. So hat Omar jetzt
suchen Kontakte zu den Menschen knüpfte, um einen Brückenkopf in dieser Gegend, eine Unter-
ihnen das Evangelium weiter zu sagen. kunft bei seinen Besuchen und zwei treue Mit-
streiter unter diesen Menschen. Bitte denkt im
Omar erzählte von einem seiner letzten Besuche: Gebet an Omar und diese gefahrvolle Aufgabe.

15
Im drittärmsten Land Helen geht mit Liebe und Respekt auf diese
Amerikas Frauen zu und beginnt ein Gespräch etwa mit
diesen Worten: „Gott hat ein anderes Leben für
Während der 2. Woche unserer Reise haben wir Dich vorgesehen.“
Oskar Cubas und fünf weitere junge hondurani-
sche Missionars-Ehepaare in Nicaragua besucht. Häufig öffnen sich dann die Herzen und sie kann
diese Frauen zu sich in ihre Wohnung einladen,
Nicaragua ist nach Haiti und Kuba das drittärm- wo sie sich Zeit für sie nimmt, mit ihnen die Bi-
ste Land in Amerika. In einigen Großstädten exi- bel liest und betet. Jeden Samstag trifft sich in-
stiert eine Arbeitslosigkeit von 80% mit den ent- zwischen ein Kreis von praktizierenden oder
sprechenden Folgen. Auch die jungen Missionare ehemaligen Prostituierten in ihrer Wohnung.
Oskar Cubas predigt
finden keinen Arbeitsplatz, um ihren Lebensun-
terhalt zu verdienen und da sie mit wenigen Gott hat diese liebevolle und geduldige Arbeit
Ausnahmen keinerlei finanzielle Unterstützung von gesegnet: Bisher sind etwa 10 dieser Frauen zum
ihren Heimatgemeinden bekommen, sind sie be- Glauben gekommen, sind getauft und ohne Vor-
In den letzten sonders auf die Hilfe des Herrn angewiesen und behalte in die neu entstandene kleine Gemeinde
Jahren sind durch ihr Glaube wird täglich auf die Probe gestellt. aufgenommen worden. Auch einige Ehemänner
die Geschwister in sind dadurch mit dem Evangelium bekannt und
Aber bei allen äußeren Problemen erleben sie, Familien geheilt worden.
Nicaragua sechs wie Gott wirkt: In den letzten Jahren sind dort
neue Gemeinden durch den Dienst dieser Geschwister sechs Ge- Allerdings entstand für diese Frauen nach ihrer
entstanden! meinden entstanden, die alle aus ehemaligen Bekehrung ein neues Problem: Wie sollen sie nun
Katholiken und Sandinisten bestehen. ihre Familien ernähren?! Aber auch hier versu-
chen die Geschwister in der Gemeinde zu helfen
Mission auf den Straßen und sogar aus Honduras werden Nähmaschinen
Managuas gebracht, um ihnen eine kleine Verdienstmög-
lichkeit mit Näharbeiten zu verschaffen.
Helen Goatley ist 68 Jahre alt, Neuseeländerin
und seit 9 Jahren Witwe. Als ihr Mann noch leb-
te, hatten sie als Missionare 5 Jahre in Guatema-
la und 15 Jahre in El Salvador gearbeitet. Dann
wurde ihr Mann krank und starb im Alter von 57
Jahren. Während der Krankheitszeit bekam Helen
eine Zeitung in die Hand, in welcher das Elend
vieler Frauen in Managua dokumentiert wurde.
Helen Goatley erzählt Diese Frauen sehen sich in ihrer Not gezwungen,
um überleben und ihre Familien ernähren zu
können, als Prostituierte auf die Straße zu ge-
hen. Diese Schilderung hatte Helen tief bewegt.
„Arbeit unter Nach dem Tod ihres Mannes lebte sie einige Zeit Abendmahlsfeier in der Gemeinde Jalappa/Nicaragua
Prostituierten? bei ihren Kindern in Neuseeland, aber das Los
– das kann ich dieser Frauen ging ihr nicht mehr aus dem Kopf »Wen soll ich senden,
nicht!“, war ihre und sie spürte, wie der Herr sie rief, um diesen wer wird für mich gehen?«
Frauen zu helfen. „Das kann ich nicht!“, war ihre
erste Reaktion. erste Reaktion. Aber dann schien der Herr zu sa- Bevor wir uns von Helen verabschiedeten, fragte
Doch der Herr gen: „Aber ich kann es durch Dich!“ ich sie nach einigen Gebetsanliegen, die ich wei-
schien zu sagen: tergeben könnte. Sie gab mir drei Anliegen mit:
„Aber ich kann Schließlich folgte sie dem Ruf des Herrn, ließ alle
Bedenken und Ängste hinter sich und zog nach 1. Das Geistliche Wachstum und die Selbst-
es durch Dich!“
Managua, um nun eine für sie völlig ungewohn- ständigkeit der Frauen.
te und fremde Arbeit unter diesen Frauen zu be- 2. Die Weiterführung des Dienstes, wenn der
ginnen. Herr Helen Goatley abruft.
Wie bereits erwähnt, sind viele dieser Frauen ver- 3. Gebet für ein Ehepaar, das sich gemein-
heiratete Mütter, die keine andere Überlebens- sam dieser Arbeit annimmt.
chance sehen, um ihre Familie zu ernähren. Sie
gehen mit Widerwillen diesem „Gewerbe“ nach, Das sind die „Hecken und Zäune“, die „Kreuz-
das ihnen jede Würde nimmt und mit vielen see- wege der Landstraßen“, von denen der Herr ge-
lischen Verletzungen verbunden ist, auch wenn redet und an die er seine Diener befohlen hat -
man das diesen Frauen nicht auf den ersten Blick oder die „Felsen, die Löcher, die wilden Sträuch“
ansieht. aus dem alten Lied der Herrnhuter... ■

16
Aufgebahrte
Erdbeben-
opfer
Daniel Zach

Spuren der
Barmherzigkeit
Offene Türen im Norden Pakistans
Daniel, Gersom, Andreas und Samuel berichten von einer Hilfsaktion
im Erdbebengebiet Pakistans mit einer Einschätzung vom Wirken Gottes dort.
Es war der 8. Oktober 2005, als in Pakistan in Die Fragestellung, die sich berechtigter Weise
den späten Morgenstunden die Erde minuten- für einen Moslem daraus ergibt, lautet: „Warum
lang bebte. Knapp 90.000 Menschen fanden in sollte ich also einer werden?“
den Trümmern den Tod, es gab mehrere Tausend
Verletzte und über 3 Millionen wurden obdach- »Kommt vor dem Winter!«
los. Wer kann die Wege Gottes verstehen?
So lautet der Titel und der sich immer wieder-
O HERR, ich habe deine Botschaft ver- holende Aufruf eines Briefes aus Pakistan, der
nommen; ich bin erschrocken... Im Zorn sei in unserer Gemeinde im Schwarzwald Mitte No-
eingedenk deiner Barmherzigkeit! Hab 3,2 vember vorgelesen wurde. Ein dort arbeitender
Christ hatte ihn verfasst. In dem Brief wurde
die Lage der 3 Millionen obdachlos gewordenen
Die Geistliche Situation in
Erdbebenopfer geschildert. Die Befürchtung
Pakistans Bergen wurde geäußert, dass der bevorstehende Winter
Die betroffene Region in den Bergen Pakistans weitere 90.000 Opfer fordern könnte, da sich
wird hauptsächlich von fünf Volksgruppen die jetzt in Zelten lebenden Menschen nicht auf
bewohnt (Kashmiris, Hindkos, Paschtunen, Gujars den Winter mit bis zu 6 m Schnee vorbereiten
und Kohistanis). Es gibt laut Berichten unter den konnten.
Bewohnern dieser Region kaum Menschen, die Wir waren durch den Aufruf sehr angesprochen. Wir wollten eine
unseren Herrn Jesus kennen und lieben – fast Unser Wunsch war, dass der Herr uns gebrau- Spur der Barm-
niemand, der Ihm dient und Ihn anbetet! In chen würde, IHM und den Menschen in Pakistan
manchen der betroffenen Regionen sind nie herzigkeit hinter-
zu dienen. Wir wollten eine Spur der Barmher-
Christen gewesen. Die wenigen ausländischen zigkeit hinterlassen, auf der später andere gehen lassen, auf der
Christen, die in den vergangenen Jahren als könnten, die der Herr mit der frohen Botschaft später andere
Facharbeiter in Teilen dieser Region arbeiteten, in dieses Gebiet senden würde. Wir wollten aber gehen könnten,
waren ständig zu höchster Vorsicht aufgeru- auch traumatisierten Menschen helfen, um sie die der Herr in
fen. Hätten sie dem Drang ihres Herzens, das zumindest für den Winter zu rüsten. dieses Gebiet
Evangelium mitzuteilen, zu sehr nachgegeben,
wären sie des Landes verwiesen worden wie Gott macht das senden würde.
viele ihrer Geschwister zuvor. „Wir wollen hier Unmögliche möglich
keine Christen!“, ist die deutliche Botschaft
dieses Landes. Die Meinung über die Christen Die erste Begeisterung darüber, in Pakistan zu
wurde bisher allein durch Hollywood und die helfen, ließ bald nach, als wir uns mit den
Propaganda der religiösen Führer geprägt: Gefahren und den scheinbar unüberbrückbaren
„Ein Christ ist ein Hurer und Säufer und Problemen dieses Unternehmens beschäftigten:
glaubt daran, dass Gott mit einer Ein Bruder bekam bei der vorsichtigen Anfrage
Frau geschlafen hat.“ nach Urlaub eine klare Absage. Einer hatte in
der vorgesehenen Zeit eine wichtige Prüfung
abzulegen, zwei hatten erst kürzlich neue Ar-
beitsstellen angetreten und glaubten nicht an
Sonderurlaub. Die Finanzen für dieses Unter-
nehmen sollte von den Teilnehmern selber ge-
tragen werden, was für uns ein großer Berg
bedeutete. Außerdem sollten wir dort in großer
Höhe in Zelten leben und waren dringend auf
teure Ausrüstung angewiesen. Für unseren Herrn
alles kein Problem, wie es sich im Lauf der kom-
menden Tage herausstellen sollte!

17
Im Verlauf der Woche, in der wir den Aufruf
nach Pakistan zu gehen erhalten hatten, legten
Arbeit in den Bergen
wir Gott diese Unmöglichkeiten hin. Gott bestä- An unserem Bestimmungsort angekommen, rich-
tigte das Vorhaben: Wir alle bekamen Urlaub, teten wir uns zunächst ein Lager ein, indem wir
die Prüfung wurde verschoben, bei den Reise- uns eine winterfeste Hütte bauten. Morgens
kosten halfen uns Geschwister und ein namhaf- warteten dann die Dorfbewohner vor unserer
ter Outdoor-Händler schenkte uns alles, was wir Hütte. Sie hatten sich weiter unten im Tal das
an Ausrüstung noch nicht besaßen. Für uns war Baumaterial für eine Hütte besorgt (Rohrbögen,
es eine weitere Bestätigung, dass Gott auch Wellbleche und eine Zeltplane) und es zu Fuß
unseren Frauen und Verlobten ein fröhliches Ja weit hinauf getragen. Das Militär, das wegen
zu unserer Unternehmung gegeben hatte. dramatischer Szenen bei der Verteilung von
Gütern alle Hilfsgüter-Auslieferungen über-
wachte, hatte die Materialien ausgegeben. Wir
Reise zum Einsatzort sollten den Menschen nun helfen diese Hütten
An einem Sonntag Ende November begann un- aufzurichten. Eine Hütte ließ sich in ca. 45 min
sere Reise. Bei einem Zwischenstop in Abu Dabi aufstellen. Angesichts der vielen Arbeit (1.700
hatten wir noch die Möglichkeit, am Flughafen, Hütten sollten in dem Tal aufgerichtet werden)
direkt über einer Mosche, gemeinsam das Brot dachten wir sofort an Multiplikation. Gemeinsam
zu brechen. In Islamabad angekommen, beka- sollten die Dorfbewohner einige Hütten mit
Gott bestätigte men wir innerhalb weniger Minuten ohne Ge- unserer Hilfe aufrichten, um dann später selb-
das Vorhaben: bühr unsere Visen, was in den vergangenen ständig in kleinen Gruppen arbeiten zu können
Wir alle bekamen Jahren nur über die Botschaft in Berlin möglich – ein vernünftiger Plan, wie wir dachten ...
Urlaub, bei den war und viele Wochen gedauert hatte. Die paki-
Reisekosten hal- stanischen Behörden kooperierten sehr gut mit
allen, die bereit waren zu helfen. Von Islamabad
Schicksals-Ergebenheit
fen Geschwister
aus machten wir uns auf den Weg nach M. Dort Unser Plan, die Bergbewohner zur Mithilfe
und ein Outdoor- trafen wir uns mit anderen Einsatzteilnehmern anzuleiten, war nicht realisierbar. Es war für
Händler schenkte bei der Organisation die unseren Einsatz geplant die Menschen nicht einsichtig, warum sie die
uns Ausrüstung... hatte. Arbeit eines anderen verrichten sollten. Für uns
war es schwer, unwilligen Menschen zu dienen,
Nach einer kurzen Einführung in die Kultur und
deren Einstellung war: „Wenn Allah das Haus
unseren Auftrag ging es weiter in ein Hochtal,
meines Nachbarn zerstört, warum sollte ich es
in dem laut Statistik 70 % der Häuser zerstört
wieder aufrichten?“ Die Überlebenden hatten
und entsprechend viele Menschen umgekom-
seit Verlauf des Erdbebens nur sehr wenig unter-
men waren. Eng aneinander gepfercht, oder
nommen um sich selbst zu helfen. Es roch z.B.
auf der Stoßstange stehend fuhren wir
an vielen Orten noch nach Verwesung durch das
dann zu unserem Einsatzort. Auf dem Weg
verendete Vieh, was aber niemanden zu stören
sahen wir immer deutlicher das Ausmaß
schien.
der Zerstörungen. Ganze Berghänge wa-
ren abgerutscht, viele Häuser waren zer- Manche baten uns, ohne an die Folgen zu denken,
stört und große Friedhöfe waren neu an- ihre Hütte an einer Stelle aufzubauen, die durch
gelegt worden. Bei dem Erdebeben wur- weitere Erdrutsche oder Steinschlag gefährdet
den auch viele Tiere verschüttet oder war. Es gab täglich mehrere Nachbeben, die
durch Steinschlag getötet. Das Fleisch des immer wieder Geröllrutsche auslösten. Auf dem
Viehs, die Milch bzw. die Eier hätten die Weg von Islamabad kommend hatten wir bereits
Dorfbewohner durch den Winter bringen gesehen, dass ganze Zeltdörfer in Bachbetten
sollen. aufgestellt worden waren, die im Frühjahr mit
Sicherheit überflutet sein werden.
Viele Menschen waren traumatisiert. Ein
Vater berichtete von seinem 3-jährigen Die Moslems entwickeln, geprägt von ihrem
Sohn, der seit dem Tag des Erdbebens kein Gottesbild, eine verheerende Gleichgültigkeit:
Wort mehr reden konnte. Er war dabei ge- „Wenn Allah will, werden wir den nächsten
wesen, als seine Mutter und Schwester tot Erdrutsch oder das nächste Hochwasser über-
aus den Trümmern ihres Hauses geborgen leben. Wenn er es nicht will, dann eben nicht.
wurden. Wenn es nachts zu Nachbeben Warum sollen wir uns bemühen?“ „Heute
kam, war sofort das ganze Dorf wach. scheint die Sonne, warum sollte ich mich
Kinder schrieen und Hunde bellten. Der auf den Winter vorbereiten, der erst morgen
Ein LKW-Hilfskonvoi passiert einen Schock steckt allen noch immer in den kommt?“ Allah, der willkürlich tut und lässt was
Erdrutsch-Hang ohne Absicherung Gliedern. er will, formt ihr Denken und Handeln.

18
Viele erzählten uns von dem Verlust ihrer An- Die geistliche Arbeit
gehörigen, meist Frauen und Töchter, weil sich
alle weiblichen Personen am Tag im Haus aufhal- Nach dem Aufbau einer Hütte gab es immer bei
ten müssen. Die Überlebenden deuteten auf die einer Tasse Tee die Möglichkeit zu reden. Wir
Trümmer ihres Hauses, wo sie verzweifelt nach nutzten besonders die Frage darüber, warum wir
Angehörigen gesucht hatten. All das berichteten von so weit gekommen seien um zu helfen. Oft
sie uns völlig ungerührt, was wir uns nicht erklä- wurde uns diese Frage auch respektvoll von
ren konnten. Später erfuhren wir, dass es dem Offizieren oder Regierungsvertretern gestellt,
Moslem untersagt ist, nach Verlauf des dritten die kamen um die Arbeit zu besichtigten. Gerne
Todestages über den Verlust eines Angehörigen haben wir dann gesagt, dass es Gott selbst war,
zu weinen. „Jede Träne verschlimmert die Qual der uns nach hier geschickt hat. Wir konnten
des Verstorbenen“, wird ihnen gesagt. den Menschen bezeugen, dass Gott in seiner
Wie gerne hätten wir ihnen ausführlicher über Liebe dafür sorgt, dass sie den Winter nicht in
Gott berichtet, der nicht grausam und willkür- einem Zelt verbringen müssten. Einer von uns
lich ist, sondern barmherzig und gerecht. Uns verletzte sich leicht beim Bearbeiten des Well-
haben diese Erlebnisse sehr dankbar gemacht. bleches und meinte, als die Leute das Blut sahen:
Wie gut haben wir es, zu wissen, dass Gott uns „Mein Blut für Pakistan.“ Den umstehenden
liebend in seine Vorsätze mit einbezieht. Menschen gefiel dieser Satz sehr. Daraus ergab
sich ein Gespräch darüber, dass wohl kaum je-
Wir möchten an dieser Stelle aber auch er- mand bereit wäre, sein Blut für andere fließen »...Mein Blut
wähnen, dass uns die Gastfreundschaft der zu lassen. Es ging dann aber auch darum, dass für Pakistan«
armen Leute sehr erfüllt hat (mit Reis, Tee und Gottes Liebe zu uns Menschen so groß ist, dass
Erstaunen : - ). Als Gäste mussten wir uns auch
Den umstehenden
er bereit war, sein kostbares Blut für andere zu
nicht um unsere Habseligkeiten sorgen, die wir geben. Völlig unfassbar für die Menschen dort! Menschen gefiel
während des Tages unbewacht in unserer Hütte dieser Satz sehr.
Wie viele andere hatten auch wir durch das
zurücklassen konnten, da die Schamkultur Daraus ergab sich
dazu aufruft, den Gast zu ehren. Erdbeben die Möglichkeit zu zeigen, dass
Christen Menschen sind, die an der Not ande- ein Gespräch dar-
rer Anteil nehmen, die ihre Hände für andere über, dass wohl
schmutzig machen und die bereit sind unter kaum jemand
den Lebensumständen anderer zu leben. ■ bereit wäre, sein
Blut für andere
fließen zu lassen
– ein unfassbarer
Gedanke für die
Menschen dort!

Aufruf zum Danken Aufruf zum Beten


Dankt Gott dafür, dass sich Türen zu den Herzen vieler Betet bitte, dass Gott weitere Arbeiter in dieses Gebiet
Unerreichter geöffnet haben. Seit dem Erdbeben sind viele sendet, die Gottes frohe Botschaft langfristig bezeugen und
Christen über verschiedene Organisationen in diese Region durch ihr Leben und entsprechende Worte Licht und Salz
gekommen und konnten praktische Hilfe leisten. Möchte Gott sind.
durch diese Katastrophe eine Türe des Evangeliums auftun? Betet bitte für die Errettung der Menschen in den
Gott gedenkt an sein Erbarmen! Welch ein Trost. Bergen Pakistans. Es müssen unglaublich viele Barrieren
Dankt Ihm für die wunderbare Führung die wir erleben abgebaut werden. Betet, dass der Herr Jesus den Menschen
durften und lasst euch dadurch ermutigen. Keiner von uns dort begegnet, und dass sie in dem Licht seiner Liebe
wurde ernstlich krank. Durch den Einsatz hatten wir zuhause Hoffnung und ein neues Leben finden.
bereits viele Möglichkeiten, vor verschiedensten Menschen von Betet bitte besonders für die Bekehrung von A., einem
Gottes Wirken zu berichten und darüber, wie es ein Leben ver- einheimischen Helfer. Er lief nach dem Erdbeben zu Fuß
ändert, wenn man sein Denken und Handeln von den wahren durch das Tal in dem wir arbeiteten, verschaffte sich einen
Eigenschaften Gottes prägen lässt. Überblick über die Notsituation und veranlasste uns und
Dankt Gott für einen ungläubigen Helfer, der nach die- andere Organisationen dort zu helfen. Er hat bereits das
sen Tagen zielgerichteter Arbeitsgemeinschaft den Wunsch Herz der Menschen dort gewonnen. Unser Wunsch ist,
äußerte, auch wie wir ein Leben mit Gott zu führen. Gott hat dass er eines Tages mit dem Evangelium kommt, um die
uns sogar diese Freude nicht vorenthalten. Menschen dort zu erreichen.

19
Helfer für die Pfingsten 2006 gesucht!

An Pfingsten (3.-5. Juni 06)


findet im christl. Erholungsheim Hohegrete (Pracht/Sieg) wieder die Maleachi-Konferenz statt.
Für einen reibungslosen Ablauf der Tagung werden
noch hilfsbereite Christen ab 18 Jahren gesucht.
Unterkunft und Verpflegung ist für diese Helfer kostenlos.
An den Konferenzvorträgen können die Helfer im Rotations-
prinzip dabei sein. Die Aufgaben sind: • Gepäcktransport
• Verkehrs- / Parkregelung • Toilettendienst • Bestuhlung
• Auskunftsdienste Interessenten bitte melden bei:
Mark Schibli Tel.: 02294 99 99 564
Holpener Str. 1 m.schibli@zamonline.de
51597 Morsbach Fax: 02294-7835

Ostfriesen Mädchenfreizeit
Termin: 06.-12.08.2006
Alter: 8 bis 16 Jahre
NEU
Kontakt: Frank und Ingeborg Kalms
Marschweg 1
26736 Krummhoern
Telefon: 04927 / 912910
eMail: freizeit2006@kalms-familie.de
Leitung: Frank und Tina Sollermann
Bentgrasweg 27 26789 Leer 0491/63587

Ostfriesen Jungenfreizeit
Termin: 13.-19.08.2006
Alter: 8 bis 16 Jahre
Kontakt: Frank und Ingeborg Kalms
Marschweg 1
26736 Krummhoern
Telefon: 04927/912910
eMail: freizeit2006@kalms-familie.de
Unter www.kalms-familie.de/freizeiten findet
man das Anmeldeformular zum downloaden!

B I B E L S T U D I E R- F R E I Z E I T Wer kann einspringen


10.–16. September 2006 für die Zeit Mai–Juli 2006?
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20
Buchbesprechungen
Soon Ok Lee mit hilfreichen Beispielen aus der Kirchengeschichte und Zitaten
Lasst mich eure Stimme sein von Kirchenvätern, Reformatoren und den von Piper besonders
6 Jahre in Nordkoreas Arbeitslagern geschätzten Puritanern wie Jonathan Edwards, John Bunyan,
Richard Baxter, John Owen usw. zeigt er, dass echter Glaube und
Brunnen, Tb., 188 S., € 9,95 Leben aus Gott nicht nur eine Sache des Verstandes und der
Bibelkenntnis, sondern eine Gabe Gottes ist, die auch eine
Dieser erschütternde Leidensbericht einer nord-
Beziehung und damit auch Emotionen wie Liebe und Freude be-
koreanischen Frau, die als überzeugte kommu-
inhaltet.
nistische Funktionärin völlig unschuldig zu 13
Jahren Haft verurteilt wurde, weil sie die Be- Mit seinen Themen packt John Piper die offensichtlichen geist-
trügereien eines hohen Sicherheitsbeamten nicht decken wollte, lichen Probleme und Krankheiten an, unter denen wir alle mehr
ist nichts für sensible Gemüter. Die Berichte von den unmensch- oder weniger bewusst oder unbewusst leiden und ermutigt, sich
lichen, grausamen Foltermethoden und Haftbedingungen sind so der Realität ehrlich zu stellen und gibt sehr praktische Hilfen, die
schockierend, dass man manchmal nicht weiterlesen möchte, oder nicht unbedingt neu sind, sich aber bereits Jahrhunderte lang
am Wahrheitsgehalt dieses Lebensberichtes zu zweifeln beginnt. bewährt haben: Das Lesen, Untersuchen und Auswendiglernen des
Wortes Gottes, das disziplinierte Gebet und der Kampf gegen alle
Dennoch kann es an der Glaubwürdigkeit des Berichtes keinen
Feinde in und um uns, die uns davon abhalten wollen, aus diesen
Zweifel geben, zumal die Autorin als überzeugte Atheistin die
unversiegbaren Quellen Kraft und Freude zu schöpfen.
Haftzeit überlebte und sich erst nach ihrer Flucht nach Südkorea
bekehrt hat. Allerdings hatten die Eindrücke von den Christen, die Diese altbewährten Wahrheiten versteht er dem Leser sehr begeh-
sie in ihrer Haftzeit kennen gelernt hatte und die mehr als alle renswert und aktuell vorzustellen. Schließlich geht er auf den
anderen, selbst als die kriminellen oder politischen Gefangenen zu Tatbestand ein, dass auch unsere Sinne und unsere körperliche
leiden hatten - ihr mutiges und glaubwürdiges Zeugnis für Jesus Verfassung im Kampf um die Freude eine Rolle spielen und zeigt
Christus und ihr getrostes Sterben - ihren Atheismus bereits zum auf, wie ein ausgewogener Umgang mit irdischen Freuden (Natur,
Wanken gebracht. Musik, Dichtung, Essen, Trinken usw.) dazu helfen kann, die Quelle
aller Freuden und wirkliche Erfüllung in Gott selbst zu suchen.
Der Leser bekommt bei der Lektüre dieses Buches eine Menge
Informationen über die korrupte, menschenverachtende und grau- Sehr wertvoll sind auch seine seelsorgerlichen Ratschläge für den
same Ideologie und Politik dieses uns weitgehend fremden Landes, Umgang mit Christen, die zu Depressionen neigen und statt
in dem sich der Führer Kim Il Sung wie ein Gott anbeten und ver- Freunde nur Dunkelheit und Resignation empfinden.
ehren lässt und die Bürger dieses armen Landes durch die andau-
Man sollte dieses Buch langsam, kapitelweise und in Ruhe lesen. Es
ernde und jahrelange Gehirnwäsche den Betrug nicht durchschau-
ist wirklich ein geistliches „Vademecum“, ein auferbauendes und
en. Ebenso wird man angeregt, mehr für unsere unterdrückten und
ermutigendes Buch für Christen, die müde geworden sind oder zur
verfolgten Geschwister in Nordkorea zu beten, wie auch um offene
Resignation neigen. Dazu noch sehr intelligent und authentisch
Türen für die Verbreitung des Evangeliums in diesem Land.
geschrieben – es ist eine Freude zu lesen.
„Lasst mich eure Stimme sein“ hebt sich sehr positiv von dem
ebenfalls in diesem Verlag erschienenen und in diesem Buch auf Wolfgang Bühne
der letzten Seite empfohlenen, aber leider nicht glaubwürdigen
Buch „Heavenly Man“ ab. Arend Remmers
Wolfgang Bühne Das kostbare Blut Jesu Christi
CSV, Tb., 64 S., € 3,-
John Piper
Wenn die Freude In dieser Schrift zeigt der Autor die wichtige
nicht mehr da ist Bedeutung des Blutes im AT und den Wert des
CLV, Pb., 256 S., € 8,90 vergossenen Blutes Jesu Christi, dessen Bedeu-
tung und Auswirkungen im NT an vielen Stel-
„Man greife zu den Waffen und kämpfe für die len ausführlich geschildert und erläutert wird.
Freude an Gott. Dieses Buch soll ein Handbuch Die Begriffe „Lösegeld“, „Sühnung“ und „Stellvertretung“, die mit
für diesen Kampf sein“ (S. 38). dem vergossenen Blut Jesu in Verbindung stehen, werden aus-
Nachdem ich dieses Buch gelesen habe, kann führlich erklärt, wobei deutlich wird, dass sowohl die Lehre der
ich bestätigen: Es ist tatsächlich ein solches Handbuch, das dem „Allversöhnung“ wie auch das Gegenstück, die Lehre von der
Leser hilft, alle Feinde, welche die Freude am Herrn hindern oder „Verlierbarkeit des Heils“ nicht haltbar sind, wenn man die biblische
zerstören möchten, zu erkennen, zu bekämpfen und zu besiegen. Bedeutung des Opfers unseres Herrn Jesus verstanden hat.
Pipers Anliegen in all seinen Büchern ist deutlich erkennbar: Er Der Verfasser geht auch auf das „Blut trinken“ und „Fleisch essen“
möchte helfen, dass wir als Christen aus echter Liebe zum Herrn in Joh 6 ein, welches von vielen Theologen irrtümlich als Grundlage
und aus großer Freude an ihm und an seinem Wort Kraft schöpfen, der „Transsubstantiationslehre“ (Wesensverwandlung von Brot und
in Hingabe zu leben. Wir sollen glückliche Anbeter Gottes sein oder Wein) und den sakralen Charakter des Abendmahls benutzt wird.
werden, deren Zeugnis in der Welt durch eine beneidenswerte So werden in diesem Taschenbuch einerseits Irrlehren und falsche
Freude bestätigt wird. Eine Freude, die Gott verherrlicht und unse- Lehren bloßgestellt, die auf einem unbiblischen Verständnis des
re Mitmenschen und Mitgeschwister anspornt, diese durch nichts Blutes oder Opfers Jesu basieren, vor allem aber wird dem Leser die
anderes ersetzbare Freude und Erfüllung zu suchen und zu finden. Kostbarkeit des Blutes Jesu Christi vor Augen gestellt mit dem Ziel,
Er ist davon überzeugt, dass die „Emotionen der Wetterhahn des Liebe und Hingabe an unseren Erlöser zu wecken.
Herzens“ sind (S. 29). Anhand vieler biblischer Beispiele und auch Wolfgang Bühne

21
Rudolf Ebertshäuser Hank Hannegraaff / Paul L. Maier
Gottes Wort oder Menschenwort? Dan Browns Sakrileg
Moderne Bibelübersetzungen unter der Lupe Daten, Fakten und Hintergründe
Betanien, Pb., 190 S., € 8,50 CLV, Tb., 128 S., € 1,90
Der Autor dieses Buches hat sich durch seine Zwei international bekannte Autoren – H.
Mitarbeit an der Revision der Schlachter-Bibel Hannegraaff als Apologet und P.L. Maier als
2000 und als Germanist und Anglizist aus- Historiker – haben dieses Buch geschrieben,
führlich mit den Problemen der Übersetzungs- um die Lügen, Halbwahrheiten und Irrtümer in
Theorien und -Praktiken auseinandergesetzt. Dan Browns Bestseller „Sakrileg“ aufzudecken.
Als sehr überzeugter Befürworter des Textus Receptus als Grundlage Der Roman „Sakrileg“, der bisher in 40 Sprachen übersetzt wurde
für die Übersetzung des NT, beurteilt er die Schlachter Bibel 2000 und seit Monaten in den Medien sehr kontrovers diskutiert wird,
als die Bibel, die größtmögliche Texttreue mit guter sprachlicher beruht auf reiner Fiktion, obwohl dem Leser suggeriert wird, dass
Verständlichkeit verbindet. Dieser Übersetzung stellt er modene, der Autor auf geheime, von Christen bisher verborgen gehaltene
kommunikative Übersetzungen bzw. Übertragungen (Gute Nach- oder geleugnete Quellen und Dokumente zurückgreift.
richt, NGÜ, NEÜ, Hoffnung für alle usw.) gegenüber und zeigt, wie
So wird u.a. behauptet, Jesus sei mit Maria Magdalena verheiratet
Übertragungen an vielen Stellen wichtige Aussagen der Bibel ober-
gewesen und hätte eine Tochter „Sarah“ gezeugt, die später zur
flächlich und manchmal auch falsch wiedergeben.
Stammmutter der Merowinger-Dynastie geworden sei.
Diese zahlreichen, übersichtlichen Gegenüberstellungen sind für
Diese und viele andere gotteslästerliche Lügen werden in diesem
jeden, der sich einen Eindruck von modernen Bibelausgaben ver-
Buch nachvollziehbar widerlegt. Die Autoren machen deutlich,
schaffen möchte, eine sehr gute Hilfe für die eigene Urteilsbildung.
welche verheerenden Auswirkungen ein Roman hat, dessen Fik-
Sie machen deutlich, dass eine moderne Übertragung zum Bibel-
tionen sehr geschickt als historische Wahrheiten dargestellt wer-
studium völlig ungeeignet und teilweise auch irreführend ist.
den, obwohl sie durch nichts zu beweisen sind.
Im ersten Teil des Buches gibt der Autor einen kurzen Überblick
Daher ist es gut, wenn Christen über diesen Tatbestand informiert
über die Geschichte der Bibel-Übersetzungen und geht dann in
sind und Argumente haben, wenn es um Dan Browns Sakrileg geht.
den weiteren Teilen auf die Probleme der kommunikativen Über-
Dazu soll dieses aufklärende, aber auch evangelistische Buch hel-
setzungen bzw. Übertragungen und deren mögliche geistliche Aus-
fen, das man zur Zeit wegen seiner Aktualität sehr gut weitergeben
wirkungen auf die Leser ein.
kann.
Auch wenn die Beurteilung des Autors hier und da unnötig scharf Wolfgang Bühne
und etwas überzogen scheint, so ist dieses Buch dennoch eine gute
und empfehlenswerte Orientierungshilfe. Wolfgang Bühne
Wolfgang Bühne Ich bin auch katholisch
Die Hlg. Schrift und die Dogmen der Kirche
Roger Liebi
CLV, Tb., 160 S., € 2,50
Sprachenreden
oder Zungenreden? Dieses informative Buch war lange vergriffen,
CLV, Tb., 96 S., € 2,90 nun ist es jedoch auf vielfachen Wunsch wie-
der neu aufgelegt worden. Durch eine z. T. um-
R. Liebi hat als Bibellehrer und Sprachwissen- fangreiche Überarbeitung und Aktualisierung
schaftler mit diesem Buch eine ausgezeichne- wurde der Inhalt auf den neuesten Stand gebracht. Auch die heu-
te, leicht verständliche und nachvollziehbare tige Situation unter dem amtierenden Papst Benedikt XVI. wird
Hilfe gegeben, die ursprüngliche Bedeutung und behandelt.
den Zweck der biblischen Sprachenrede zu verstehen und das „Zun-
Das Glaubensverständnis der katholischen Kirche - wie wir es aus
genreden” der Pfingstler und Charismatiker richtig einzuordnen.
ihren schriftlichen Überlieferungen in Form von Konzilsbeschlüs-
Er zeigt, dass das biblische Sprachenreden eine von Gott gegebene sen, Katechismen etc. entnehmen können – wird mit den Aussagen
Fähigkeit ist, um die eigenen Gedanken in einer Sprache auszudrü- der Bibel verglichen.
cken, welche man vorher nicht erlernt hat, die man aber selbst ver-
Dabei werden die unterschiedlichsten Themen angesprochen, die
steht und daher auch in die eigene Muttersprache übersetzen kann.
im katholischen Glauben eine wichtige Rolle spielen: die Bedeutung
Außerdem zeigt und belegt der Autor, dass die in Pfingst- und Marias als „Mittlerin der Gnade“, das Verständnis der Sakramente
Charismatischen Gemeinden praktizierte „Zungenrede“ in keiner – insbesondere der Eucharistie, die Stellung des Papstes, die Lehre
Weise den biblischen Kriterien der Sprachenrede entspricht, denn vom Fegefeuer, das Verständnis von Ehe, Taufe und der Sündhaf-
im allgemeinen geben Zungenredner unverständliche Laute von tigkeit des Menschen…
sich, die sie selbst nicht verstehen und keine übersetzbaren Silben.
Durch den Vergleich der kath. Lehre mit dem Wort Gottes wird klar,
Selbst wenn sie – was selten geschieht – eine existierende, nicht
dass das Lehrgebäude dieser Kirche in z. T. deutlichem Widerspruch
selbst erlernte Fremdsprache aussprechen, verstehen sie selbst das
zu den Lehren der Bibel steht. Es wird auch erklärt, warum sich die
Gesagte nicht, sondern funktionieren in diesem Moment unbe-
kath. Kirche so weit von der Wahrheit des Wortes Gottes entfernen
wusst und sicher auch ohne Absicht als Medium.
konnte – in einem Kapitel über den Zusammenhang zwischen
Mit seinen Ausführungen beantwortet Roger Liebi viele Fragen, die kirchlichen Überlieferungen und der Heiligen Schrift.
beim Lesen von 1Kor 14 auftauchen und ebenso solche, die bei der
Der Autor möchte mit seinem Buch dazu ermutigen, die Lehren der
Lektüre von charismatischer Literatur zu diesem Thema entstehen.
kath. Kirche anhand sachlicher und biblischer Argumente zu prü-
Da dieses Buch sehr sachlich und ohne Polemik geschrieben wurde, fen und aus den Ergebnissen dieser Überprüfung ehrliche Konse-
kann man es nicht nur zur eigenen Orientierung benutzen, sondern quenzen zu ziehen. Dieses Buch eignet sich auch sehr gut zum
es auch Geschwistern empfehlen, die von sich behaupten, diese Weitergeben an Menschen, die bisher bewusst oder unbewusst an
Gabe zu besitzen oder aber danach streben, sie zu bekommen. ihren katholischen Überzeugungen festhalten.
Wolfgang Bühne Oliver Reichl

22
Mike Haley Nikolaus Schneider (Hrsg.)
Homosexualität – „...weil ich gehalten werde“
Fragen und Antworten Johannes Rau – Politiker und Christ
CLV, 240 S., € 8,50 Hänssler, gb., 140 S., € 12,95
Mike Haley fühlte sich von seinem Vater unge- Wenige Wochen vor dem Tod des ehemaligen
liebt und abgelehnt. Mit elf Jahren machte er Bundespräsidenten erschien dieses Buch zu
seine ersten homosexuellen Erfahrungen mit seinem 75. Geburtstag, den er allerdings nicht
einem erwachsenen Mann. Der gab ihm die mehr erleben konnte. Was hätte aus diesem
männliche Zuwendung, nach der er sich so sehr sehnte, allerdings symphatischen Mann bei seiner reichen Begabung und seinem
um den Preis einer zunehmenden und leidvollen Verstrickung in reichen geistlichen Erbe werden können: Er wuchs als Sohn des
die Homosexualität. Gut gemeinte Ratschläge von Christen, z. B. Gemeinschaftspredigers und Evangelisten Ewald Rau im rhei-
mehr in der Bibel zu lesen und zu beten, halfen ihm ebenso wenig nischen Pietimus auf und wurde von dem geistlichen Leben der
wie der Rat einer Seelsorgerin: reformierten Gemeinde Barmen Gemarke (Paul Humburg, Karl
Immer) geprägt. Er war bestens vertraut mit dem Liedgut der
„Du musst einfach anerkennen, dass du schwul ge-
Reformation und des Pietismus, und diese Lieder konnte er meist
geboren wurdest ... nimm deine Homosexualität an.“
bis zur letzten Strophe auswendig singen. Er war bibelfest und
Nach zwölf Jahren als aktiver Homosexueller traf er jemanden der zitierte auch in Debatten gerne Bibelverse, was ihm den Namen
ihm erklärte: „Ich bin Christ geworden und deswegen dabei, die „Bruder Johannes“ einbrachte. Dazu war er schriftstellerisch
Homosexualität zu verlassen.“ Für Mike Haley begann damit ein und rhetorisch begabt, humorvoll und volkstümlich – ohne sich
jahrelanger Prozess, an dessen Anfang die Umkehr zu Gott stand und anzubiedern. Außerdem besaß er die selten gewordene Fähigkeit,
der mit vielen Kämpfen und Rückschlägen verbunden war. Heute Freundschaften zu schließen und sie über Jahrzehnte zu pflegen
ist er Familienvater und arbeitet bei einer christlichen Organisation, – und er war ausgebildeter Verlagskaufmann ...
um Menschen auf dem Weg der Befreiung von der Homosexualität
Leider setzte er seine vielen Gaben primär in den Niederungen
zu unterstützen.
der Politik ein, wo er zwar sein Christsein nie verleugnete, aber zu
Das Buch enthält 100 Antworten auf Fragen zur Homosexualität. manchen Kompromissen verurteilt war.
Teils sind die Fragen grundsätzlicher Natur: Was ist Homosexualität?
In diesem Buch schreiben 23 Weggenossen Raus über ihre Begeg-
Wie entsteht sie? Wie häufig kommt sie vor? Wie wird Homo-
nungen und Erfahrungen mit dem ehemaligen Bundespräsidenten.
sexualität in der Bibel beurteilt? Gibt es eine genetische Veranla-
Darunter sind konservative und liberale Theologen und Würden-
gung? Ist für einen Homosexuellen wirkliche Veränderung mög-
träger wie Kardinal Lehmann, Jürgen Moltmann, Wolfgang Huber,
lich? Haben Sie erlebt, wie Homosexuelle in ihrer eigenen Szene
Margot Käßmann, bekannte Evangelikale wie Horst Deichmann
erfolgreich mit dem Evangelium erreicht werden können? usw.
und Friedrich Hänssler und schließlich Politiker wie Paul Spiegel,
Darüber hinaus geht der Autor auf Fragen von Betroffenen und Jürgen Schmude, Richard von Weizsäcker und andere.
ihren Angehörigen ein: Wird mein Kampf je ganz vorbei sein? Mein
Hätte dieser Mann nicht noch viel mehr Segensspuren hinterlassen
Sohn hat mir erzählt, dass er schwul sei. Er sagt, er würde sich
können, wenn man ihm als junger Christ geholfen hätte, seine
jetzt endlich so annehmen, wie er ist und wäre nie glücklicher
Lebensweichen anders zu stellen? Aber so ist er „nur“ Bundes-
gewesen. Kann das wahr sein? Wie kann ich meinem Mann den
präsident geworden. Schade!
Gedanken, dass er schwul ist, ausreden? Wie können wir aktiv
Wolfgang Bühne
Schwulen, die unseren Gottesdienst besuchen, liebevoll helfen?
Alois Wagner
Die Fragen und Antworten sind übersichtlich gegliedert: Antworten Die Zukunft hat begonnen
für Familien; Antworten für Menschen, die Veränderung suchen;
Antworten für Gemeinden; Antworten an die Wissenschaft usw.
Die Prophetie der Bibel
Auch schwierige und komplexe Fragen werden leicht verständlich CLV, Tb., 128 S., € 2,90
und ohne Weitschweifigkeit beantwortet.
Die überarbeitete Neuauflage dieses seit Jahren
Die Ausführungen zeichnen sich durch Respekt und Treue hinsicht- vergriffenen Buches ist eine systematische,
lich der biblischen Aussagen über Homosexualität und durch Ver- übersichtliche und aktuell geschriebene Dar-
trauen in die Heilszusagen der Heiligen Schrift aus. Haley schreibt stellung dessen, was die Bibel über die Zukunft
mit Sachkenntnis, auch auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Israels und der Nationen lehrt. Zahlreiche Gegenüberstellungen der
Diskussion dieses Themas. Dennoch sind seine Erläuterungen nicht Bibeltexte, die konkrete Aussagen über die Zukunft enthalten, aber
akademisch abgehoben, sondern sehr lebensnah. Einfühlsam, mit oft in einem anderen Zusammenhang gesehen werden und eine
tiefem Mitempfinden für die oft als leidvoll empfundene Situation Anzahl Tabellen über den Ablauf und die Reihenfolge der zukünf-
der Betroffenen und ihrer Angehörigen, versucht er seelsorgerlichen tigen Ereignisse helfen dem Leser, die alt- und neutestamentlichen
Rat zu geben. Auch den Aspekt der Gemeindezucht für Menschen, Prophezeiungen zu verstehen und richtig einzuordnen.
die sich einer Gemeinde angeschlossen haben aber nicht bereit sind,
das Urteil Gottes über Homosexualität anzuerkennen, klammert er Es geht in diesem Buch nicht um die Zukunft der Gemeinde, son-
nicht aus – obwohl dieser Aspekt in dem Buch zu kurz kommt. dern um den Ablauf der Weltgeschichte in der Endzeit. Dadurch
hat es auch einen deutlichen evangelistischen Ansatz (die Glaub-
Insgesamt ein hilfreiches Buch, das in der aufgeheizten allgemei- würdigkeit der Bibel wird begründet und angesichts der kommen-
nen Diskussion um Homosexualität wertvolle Orientierung gibt den Gerichte Gottes zur Umkehr aufgerufen), so dass man es auch
und Hoffnung weckt bei Betroffenen und denen, die mit ihnen zu interessierten Nichtchristen sehr gut weitergeben kann.
tun haben.
Gerrit Alberts Wolfgang Bühne

Diese Bücher können in jeder Christlichen Buchhandlung oder bei folgender Adresse bestellt werden:
Christliche Buchhandlung Wolfgang Bühne, Eisenweg 2, D-58540 Meinerzhagen, Tel.: 02354-709585

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