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© 10.

Auflage 2009
13605

Lesen Sie die Bibel – das Wort Gottes!


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Neues Testament (2. Teil d. Bibel) u. ausführliche Informationsschriften.
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G a r a n t i e : Wir werben für keine Sekte oder christliche Sondergruppe


Inhalt:
Die Bibel: ein besonderes Buch ? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
Die schriftliche Überlieferung der Bibel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
Alte Bibelhandschriften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
Suchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
Suchen nach den Urschriften der Bibel. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
Der sensationelle Bibelfund von Qumran . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
Angriffe gegen die Bibel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
John Wyclif und die englische Bibel. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
Martin Luther und seine Bibel. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
Schreibtechnik und Schreibmaterial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
Die Überlieferung der Bibel im Mittelalter. . . . . . . . . . . . . . . . . 42
Die Erfindung der Buchdruckerkunst . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
Die Zeit der Bibelgesellschaften. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
Wer hat die Bibel geschrieben? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
Die Aufnahme der richtigen Bücher in die Bibel . . . . . . . . . . . . 56
Der äthiopische Finanzminister. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
Gott kennen lernen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
Die Bibel: ein be

nungen aus. Am Fuß des Berges


Gott hat standen die Israeliten, alle zwölf
geschrieben Stämme, und zitterten. Ganz
klein waren sie geworden, wo sie
Gewaltig muss es jedem der Au- doch eben noch lauthals verkün-
genzeugen vorgekommen sein, was det hatten: „Alles was Gott sagt,
da im frühen Morgengrauen ge- wollen wir tun!“
schah. Blitze zuckten, das Kra- Jetzt gab Gott die Antwort: „Ich
chen des Donners war zu hören, bin der Herr, dein Gott, der dich
der ganze Berg Sinai rauchte herausgeführt hat aus dem Land
und bebte, und von seinen schrof- Ägypten, aus dem Haus der
fen Felswänden hallte ein über- Knechtschaft. Du sollst keine
aus lauter Posaunenschall zu- anderen Götter haben neben
rück über die weite, Geröll be- mir!“ So lautete sein erstes Ge-
deckte Ebene. bot, das Erste von 10 Geboten,
Gott sprach mit seinem Volk Is- die wir heute noch kennen, viel-
rael, und seine Autorität drückte leicht sogar im Wortlaut hersa-
sich in gewaltigen Naturerschei- gen können.
4
sonderes Buch?

Mose, der Führer der Israeliten,


stand oben auf dem Berg und
nahm den Gesetzestext auf Stein-
tafeln entgegen, um sie seinem
Volk weiterzugeben und ihm den
praktischen Umgang mit diesem
Gesetz zu erklären.

Gott schrieb seine Gebote in


Stein. Die Bibel erklärt uns das
mit den folgenden Worten: „Und
die Tafeln waren das Werk Got- für die Behandlung dieses Textes
tes, und die Schrift war die aufgestellt. Die Tafeln mussten in
Schrift Gottes, eingegraben in einem speziell dafür angefertigten
die Tafeln“ (2. Mose 32,16). Behälter, der Bundeslade, trans-
portiert werden. Die mündliche
Gott ist aber nicht nur der Autor, und schriftliche Weitergabe war
Er hat auch verbindliche Regeln streng geregelt.
5
Die Überlieferungsgeschich- auf Stein, in Ton, auf Papyrus,
te der Schriften der Bibel ist Pergament und schließlich auch
einzigartig in ihrer Genauig- auf Papier. Die Texte wurden von
keit und Zuverlässigkeit. Hand geschrieben oder geritzt.
Die Abschrift eines Teils der Bi-
> Dies sollte uns zu denken bel konnte Monate dauern und
geben: ein Vermögen kosten.

Der Bibeltext wurde von Tausen- Der Wunsch vieler Leute, eine Bi-
den gottesfürchtigen Menschen bel zu besitzen, hat entscheiden-
festgehalten und weitergegeben: de Impulse zur Entstehung der
Buchdruckerkunst gegeben.

In Ländern, in denen der Besitz


oder die Verbreitung von Bibeln
verboten war, haben Menschen
für dieses Buch gelitten und so-
gar ihr Leben geopfert. Beispiele
davon gibt es in der alten und
neuen Geschichte, und auch in
unserer Gegenwart.

Die sch
der Bib
6
Woher kommt diese Ehrfurcht vor Diese früher von vielen Wissen-
einem Buch? schaftlern vertretene Ansicht,
dass die Menschen zur Zeit Ab-
• Ist es religiöser Wahn? rahams (ca. 2200 v. Chr.) noch
• Naivität? nicht schreiben konnten, musste
• Unaufgeklärtheit? inzwischen revidiert werden.

Oder ist die Bibel doch ein beson- Schon seit ca. 5.000 Jahren
deres Buch? können die Menschen schrei-
ben!
Konnten damals schon die
Texte der Bibel schriftlich Bei Ausgrabungen seit dem 19.
festgehalten werden? Jahrhundert im Zweistromland,
dem heutigen Irak und Syrien,
Es ist oft eingewandt worden, wurden die ältesten erhaltenen
dass die wörtlich genaue Überlie- Inschriften der Welt gefunden.
ferung der Bibel schon deswegen
unmöglich sei, weil die Menschen So stieß der Archäologe Parrot
der damaligen Zeit noch gar nach intensiven Grabungen im
nicht über eine Schriftsprache Palast des Königs von Mari auf
verfügten. Die mündliche Weiter- nicht weniger als 23.000 beschrie-
gabe aber sei so ungenau, dass bene Tontafeln. Große Lastwa-
sich Fakten und Mythen zu einem gen mussten eingesetzt werden,
unentwirrbaren Knäuel verbin- um diese fast 5.000 Jahre alten
den müssten! Keilschrifttexte fortzuschaffen.

riftliche Überlieferung
el
7
Etwa 40 Jahre später entdeckte
ein italienisches Archäologen-
team 15.000 Tontafeln in Tell
Mardich (Syrien). Diese alten
Ent
Funde stammen aus dem alten
Königreich Ebla aus der Zeit Ab-
rahams und früher. Ihre Texte
Fe
enthalten Namen, die auch in der
Bibel vorkommen, so zum Bei-
spiel Eber, Israel oder auch Abra-
Abs
ham.
Die Sumerer verwendeten be-
reits seit ungefähr 3000 v. Chr.
eine Bilderschrift, die als die
bisher älteste bekannte Schrift
der Welt bezeichnet werden
kann.

Auch bei den Ägyptern


und Babyloniern war die
Schreibkunst schon um
3000 v. Chr. bekannt und
weit verbreitet. So war
z. B. die Hieroglyphen-
schrift so hoch entwi-
ckelt, dass sie sogar
noch um 200 n. Chr.
verwendet wurde.

8
Sogar die ältesten Teile der Bi-

standen bel, die vor nahezu 3.500 Jahren


entstanden sind, wurden bis in
unsere Zeit getreu überliefert

hler beim und bewahrt.


Wie konnte eine solche, gera-
dezu phänomenale Genauig-

chreiben? keit erreicht werden?


In der Zeit von 1500 – 400 v. Chr.
entstanden die alttestamentlichen
Ein weiterer kritischer Einwand Schriften in hebräischer und z. T.
gegen die Verlässlichkeit der Bi- in aramäischer Sprache.
bel gründet sich auf die Probleme, Mit großer Sorgfalt wurden diese
die beim Abschreiben von Texten Schriften immer wieder abge-
entstehen. schrieben und von Generation zu

Das mühevolle Kopieren derart


umfangreicher Texte führt zur
Ermüdung und zu Flüchtigkeits-
fehlern. Diese Fehler werden um-
so häufiger auftauchen, je schnel-
ler das Kopiertempo ist. Wenn
aber der Text, wie im Fall der Bi-
bel, durch viele Generationen von
Kopisten immer wieder abge-
schrieben wurde, bevor er im
Buchdruckverfahren in hohen
Stückzahlen und unter Ausschal-
tung der größten Fehlerquellen
konserviert werden konnte, dann
mussten sich doch die Fehler
von Kopie zu Kopie vermehren.

Die biblische Textforschung


zeigt uns allerdings, dass Generation überliefert. Aus Ehr-
genau dieses Phänomen furcht vor dem heiligen Text des
nicht auftritt. Wortes Gottes mussten die Ju-
Die über 3.000 bekannten den damals wie heute beim kor-
alten Handschriften der rekten Abschreiben eine Vielzahl
hebräischen Bibel stim- von Regeln beachten.
men in bewunderungs- So wurden z.B. einzelne Buch-
würdiger Weise überein staben oder das Vorkommen
und bestätigen den ge- bestimmter Wörter gezählt
druckten Text. und immer wieder überprüft.

9
Der ursprünglich nur mit Mit-
lauten geschriebene Text („Kon-
sonantentext“) wurde im 7. – 9.
Jahrhundert n. Chr. von jüdi-
schen Schriftgelehrten, den
Masoreten („Überlieferer“), mit
einem System von Punkten und
Strichen zur Bezeichnung der

Alte Bi
hand
Funde aus
dem Alten
Testament
Die Ehr-
furcht der
Juden vor
dem Wort Gottes hat
dazu geführt, dass es
keine einzige bekannte
Gesamthandschrift des
hebräischen Alten Testaments
gibt, die älter als 1.000 Jahre ist.
Alte, verbrauchte Bibelhand-
schriften wurden nämlich früher
regelrecht „begraben“, damit sie
nicht in falsche Hände gerieten.
10
Selbstlaute versehen, damit der
genaue Sinn des Textes ein für
alle Mal eindeutig festgelegt war.
Diese Arbeit wurde dringend not-
wendig, da die hebräische Spra-
che zu dieser Zeit schon längst
nicht mehr die Umgangssprache
der Juden war.

bel- Jesaja-Rolle aus Qumran (Siehe S. 24ff.)

schriften
Eine große Anzahl völlig in Ver- Alten Testaments, der Codex
gessenheit geratener Bruchstücke Leningradensis. Er stammt aus
des AltenTestaments aus dem 6.– 8. dem Jahr 1008 n. Chr. und bildet
Jahrhundert n. Chr. fand man ge- die Grundlage der heutigen ge-
gen Ende des 19. Jahrhunderts in druckten Urtextausgaben.
der vor langer Zeit zugemauerten
Geniza einer Synagoge in Kairo. Schon im 3. – 2. Jahrhundert v.
Geniza bedeutet Versteck. Das ist Chr. wurde das hebräische Alte
ein Raum, wo die alten abgenutz- Testament ins Griechische über-
ten biblischen Schriften bis zu ih- setzt, weil vielen Juden, beson-
rer Vernichtung verwahrt wurden. ders denen in der Diaspora („Zer-
streuung“), das Hebräische nicht
Noch älter ist das Papyrusfrag- mehr geläufig war. Diese so ge-
ment Nash (2.– 1. Jh. v. Chr.), ein nannte Septuaginta besteht
aus Ägypten stammendes Papy- aus einer Sammlung von Über-
rusblatt mit den 10 Geboten und setzungen, bei deren Herstellung
Versen aus dem 5. Buch Mose. Jahrzehnte ins Land gingen.

Die größte Sammlung von hebrä- An manchen Stellen weicht der


ischen Bibelhandschriften befin- Text der Septuaginta von dem
det sich in der Bibliothek von des hebräischen Alten Testa-
St. Petersburg (früher: Leningrad), ments ab, doch entsprechen viele
darunter auch die älteste datier- Zitate des Alten Testaments im
te vollständige Handschrift des Neuen Testament dem Wortlaut
der Septuaginta.
11
12
Neutestamentliche
Handschriften
Bis zum 16. Jahrhundert wurde samte Neue Testament, sondern
die Bibel handschriftlich überlie- es handelt sich immer nur um
fert. Vom Neuen Testament sind Teilhandschriften davon. Dazu
heute über 5.000 Handschriften gehören vor allem die Evan-
und Bruchstücke davon in grie- gelien, dann die Apostelgeschich-
chischer Sprache erhalten, das te, die Briefe des Apostels Paulus,
heißt, in der Sprache der nicht die so genannten katholischen
mehr vorhandenen Original- (d.h. allgemeinen) Briefe und die
urkunden. Offenbarung.

Das NT wurde zuerst nur in Die bekanntesten Handschriften


Großbuchstaben, ohne Raum des Neuen Testaments sind die
zwischen den Wörtern und ohne 274 so genannten Majuskeln
Zeichensetzung geschrieben. Wie
z. B. das Johannesevangelium
ausgesehen haben mag, illus-
triert der folgende Schriftsatz,
mit dem Unterschied, dass der
Apostel natürlich in Griechisch
geschrieben hat:

DENNSOHATGOTTDIEWEL
TGELIEBTDASSERSEINENE
INGEBORENENSOHNGABD
AMITJEDERDERANIHNGLA
UBTNICHTVERLORENGEH
ESONDERNEWIGESLEBE
NHABE

Bis heute sind insgesamt etwa 85


alte Papyrushandschriften be-
kannt, die vom Anfang des 2. bis
zum 8. Jahrhundert reichen. Sie
wurden größtenteils erst in diesem
Jahrhundert entdeckt. Das bedeu-
tendste Fragment, unter der Be- oder Unzialen aus der Zeit zwi-
zeichnung P52 bekannt, stammt schen dem 3. und dem 11. Jh., so
aus der Zeit um 125 n. Chr. genannt nach ihrer großen Buch-
Keine dieser wertvollen Papyrus- stabenform. Sie sind auf Perga-
handschriften enthält das ge- ment geschrieben.
13
Die Karte zeigt einige
wichtige Fundstätten bibli-
scher Pergamente und Papyri:
Kairo (u.a. verschiedene Bibelfrag-
mente in einer Geniza); El Fajum (P52);
Oxyrhynchos (Teile aus den Evangelien,
der Apostelgeschichte und den Paulus-
briefen); Sinai (Codex Sinaiticus);
Qumran (Jesaja-Rolle und viele andere
alttestamentliche Fragmente).
Mehr dazu im weiteren Text.

14
Eine Seite aus Codex Sinaiticus

Dazu zählen auch die ältesten schen Museum in London.


vollständigen Bibeln der Welt,
die neben dem NT auch das AT In der Bibliothek des Vatikan in
in griechischer Sprache enthal- Rom liegt der Codex Vaticanus
ten. Die berühmteste von ihnen aus dem 4. Jahrhundert.
ist wohl der Codex Sinaiticus,
eine noch fast vollständig erhal- Die größte Gruppe der neutes-
tene komplette griechische Bibel tamentlichen Handschriften in
aus dem 4. Jahrhundert, die in griechischer Sprache (insgesamt
der Mitte des 19. Jahrhunderts ungefähr 2.700 Manuskripte)
von dem Gelehrten Konstantin stellen die Minuskeln dar, die
von Tischendorf im St. Kathari- auch Kursive genannt werden,
nen-Kloster auf der Sinai-Halb- weil ihre Schrift kleiner ist und
insel entdeckt wurde. die Buchstaben schon mehr mit-
einander verbunden sind. Der
Sie befindet sich wie der Codex Text der meisten dieser Hand-
Alexandrinus, eine weitere wert- schriften ist der so genannte by-
volle Handschrift der ganzen Bibel zantinische Reichs-, Koine- oder
aus dem 5. Jahrhundert, im Briti- Mehrheitstext.
15
Eine weitere Gruppe von griechi- diese Lektionare als Zeugen für
schen Handschriften sind die ca. viele griechische Textstellen des
2.200 Lektionare. Das sind Bü- Neuen Testaments wertvoll.
cher, die verschiedene neutesta-
mentliche Texte (Perikopen) in Darüber hinaus gibt es eine Viel-
der Reihenfolge enthalten, wie zahl von alten Übersetzungen ins
sie seit dem 4. Jahrhundert auf Syrische, Koptische und Lateini-
Anordnung der Kirche in den sche (insbesondere die Vulgata
Gottesdiensten im Lauf eines des Kirchenvaters Hieronymus).
Jahres vorgelesen werden muss- Die älteste Übersetzung in eine
ten. Hier haben wir es also nicht germanische Sprache ist die go-
mit Bibelhandschriften im wah- tische Bibel des Bischofs Wul-
ren Sinn zu tun, trotzdem sind fila aus dem 4. Jahrhundert.

Bibliothek des Vatikan

16
Eine Seite aus dem Codex Vaticanus

Der Wunsch der Christen, mög- mente (über 5.000) und etwa 9.000
lichst viele Bücher des Neuen alte Übersetzungen aus den Ur-
Testaments zu besitzen, und schriften sowie 36.000 Bibelzitate
die schnelle Verbreitung des der Kirchenväter führten durch
christlichen Glaubens in Asien intensive Erforschung zu einer
und Europa hatte zur Folge, praktisch hundertprozentigen Er-
dass eine Vielzahl von Ab- stellung und Bestätigung des Ur-
schriften und Übersetzungen textes.
entstand. Dadurch wurde auch
der Text des Neuen Testaments Keine einzige Textvariante stellt
sicher überliefert. die Wahrheit der Botschaft Gottes
im Neuen Testament in Zweifel.
Die Vielfalt der neutestamentli-
chen Handschriften und Frag-
17
Wie oft
suchen wir im
alltäglichen Le-
ben. Wir suchen
kleine, unwesentliche
Dinge, die wir eben ver-
legt haben. Aber häufig su-
chen wir Wichtiges: Schlüssel,
Wertsachen, auch Personen.
Manches finden wir schon nach
Minuten, anderes bleibt für im-
mer verschwunden.

„Wer sucht, der findet!“

Jeder kennt diesen Satz, ein Und ein


Satz, der im Alltag doch allzu biblischer
oft falsch ist. Ist uns eigentlich Psalmdichter hat
klar, dass wir diesen Satz aus der bezeugt, wo er ge-
Bibel zitieren? sucht hat:

Gott sagte z. B. Salomon, dem „Ich freue mich über dein


großen König: Wort wie einer, der große
„Ich liebe, die mich lieben, Beute findet.“
und die mich früh suchen,
werden mich finden.“ Suchen setzt Zeit, Energie und
Konzentration auf ein wichtiges
Dies ist ein festes Versprechen. Ziel voraus.
18
Suchen ...

19
Suc
nach Ur
Mit viel Energie und Aufwand
der
wurden Urschriften der Bibel ge-
sucht und gefunden. Die Funde
passen auf erstaunliche Weise
zusammen. Hören wir, was da
auf der Halbinsel verborgen lag:

Die Entdeckung des Codex Si-


naiticus.

1844
In diesem Jahr besuchte der 29-
jährige Konstantin Tischen-
dorf das St. Katharinen-Kloster,
gelegen in der einsamen unweg-
samen Gegend des Sinaigebirges.
Nach kurzer Zeit stieß er auf ei-
nen Korb voll alter Pergament- Das St. Katharinen-Kloster im Sinaigebi
seiten, die zum Verbrennen be- Mitte des 19. Jh. de
reitstanden.

Zu seinem großen Erstaunen


Die Entdecku
fand er dort 129 große Perga-
mentblätter, die Teile der grie-
Sinaitic
chischen Übersetzung des Alten seine Erregung über diesen Fund
Testaments enthielten. Dies wa- nicht verbergen konnte, wurde
ren die ältesten Bibelseiten, die das Misstrauen der Kloster-
Tischendorf je gesehen hatte. vorsteher geweckt, sodass sie
ihm fortan auf der Suche nach
43 dieser alten Pergamentblätter den noch fehlenden Bibelseiten
durfte er mitnehmen. Da er aber nicht mehr behilflich waren.
20
hen
schriften
Bibel Im Jahr 1859 kam er durch Unter-
stützung des russischen Zaren
Alexander II. noch einmal zu dem
St. Katharinen-Kloster. Doch wie-
der schienen seine tagelangen
sorgfältigen Untersuchungen er-
gebnislos zu enden, als plötzlich
am Vorabend seiner geplanten
Abreise der Verwalter des Klos-
ters ihm „zufällig“ eine alte Ab-
schrift der Bibel zeigte.
Das, was Tischendorf vor sich
sah, waren nicht nur Teile des
Alten Testaments, sondern auch
das ganze Neue Testament, voll-
ständig mit allen 27 Büchern.
Die ganze folgende Nacht arbei-
tete er mit seinem unbezahlba-
rge. Dort fand Konstantin Tischendorf ren biblischen Schatz.
n Codex Sinaiticus. .
Nach vielen Bemühungen konnte
ng des Codex Tischendorf erreichen, dass diese
Handschrift dem russischen Za-
us 1844 ren zum Geschenk gemacht wur-
de. Später, im Jahr 1933, als die
Während der nächsten 15 Jahre russische Regierung mehr Inter-
besuchte Tischendorf mehrere esse an Geld als an der Bibel hat-
Mal das Kloster und versuchte te, verkaufte sie den „Codex Si-
die restlichen Handschriftensei- naiticus“ für 100.000 englische
ten zu finden, doch war seine Su- Pfund (ca. 600.000 Euro) an Eng-
che vergeblich. land. Seit dieser Zeit ist er im
Britischen Museum aufbewahrt.
21
doch hat jede Handschrift ihre
eigene Geschichte, eine Ge-
schichte, die durch Gott gelenkt
wurde.

Die Geschichte der Wieder-


entdeckung der alten Bibel-
handschriften bestätigt
P
die Einzigartigkeit
So sind in den letzten 150 Jah-
dieses Buches,
ren Tausende von handgeschrie- in dem Gott sich den Menschen
benen alten Teilen des Alten offenbart und durch den Glau-
und Neuen Testaments wieder ben den Weg zum Frieden mit
entdeckt worden. Sicherlich – die Ihm zeigt.
Entdeckungen sind nicht immer
so aufregend und spannend, und

Papyrusfragment P52 (Vorder- und Rückseite)

22
P 52
– das älteste
Als der Forscher C. H. Roberts
das Fundmaterial im Jahr 1935
nochmals sichtete, entdeckte er
unter anderem diesen Papyrus-
fetzen von ungefähr 8,9 x 6,0 cm.
Handschrift- Er enthält je 7 Zeilen in altgrie-
chischer Schrift auf Vorder- und
fragment Rückseite. Das ist genug, um ein-
deutig identifiziert zu werden:
des Neuen Verse aus dem
Testaments Johannesevangelium!

Auch das Alter seiner Entste-


hung lässt sich mit großer Sicher-
1920 heit bestimmen: ca. 125 nach
Christus!
Zwei junge englische Wissen-
schaftler, B. P. Grenfell und A. S. Damit war die älteste Hand-
Hunt, gruben auf antiken Müll- schrift des NT gefunden.
haufen im ägyptischen Fajum-
Gebiet. Dort suchten sie nach his-
torischen Zeugnissen und bargen
uralte Papyrusfragmente. Nur in
solchen regenarmen Gebieten
bleibt dieses empfindliche Mate-
rial vor Feuchtigkeit verschont,
und die Sandverwehungen tun
ihr Übriges, sie verhindern das
Verbleichen der Schrift durch die
Sonneneinstrahlung.

Die beiden Forscher brachten


ihre Funde nach England, wo sie
nach und nach entziffert wurden.
Durch diese Schriftstücke erga-
ben sich ganz neue interessante
Einblicke in das tägliche Leben
Ägyptens vor ungefähr zweitau-
send Jahren.

Doch zu Weltruhm sollte es ein


winziges kleines Stück Papyrus
bringen, gerade handtellergroß.
Papyruspflanze

23
Die Ansicht damaliger Kritiker, Wenn eine Abschrift des Johan-
dass das Johannes-Evangelium nes-Evangeliums bereits 20 bis
erst 170 bis 200 n. Chr. und da- 30 Jahre später Ägypten erreicht
mit nicht von Johannes selbst ge- hatte, wie durch diesen sensatio-
schrieben sein könne, wurde nellen Papyrusfund erwiesen
durch diesen Fund mit einem wurde, dann kann man die Wich-
Schlag erschüttert. Nach der tigkeit dieser Entdeckung erst
Überlieferung starb Johannes im richtig verstehen. Dieses älteste
hohen Alter kurz vor dem Ende Textzeugnis des Neuen Testa-
des 1. Jahrhundert n. Chr. in ments wird heute als kostbarer
Kleinasien, nicht lange nachdem Schatz in der John-Rylands-Bib-
er sein Evangelium, seine Briefe liothek in Manchester (England)
und die Offenbarung geschrieben aufbewahrt und trägt die wissen-
hatte. schaftliche Bezeichnung P52.

Der
sensationelle
Bibelfund
von Qumran
Der
Beduinen-
junge
An einem Frühlingstag des Jah-
res 1947 kletterte ein Beduinen-
junge an den zerklüfteten Berg-
hängen Qumrans, am Westufer
des Toten Meeres, herum.
Befand er sich dort auf der Suche
24
1947

25
nach einer entlaufenen Ziege, Fünf dieser alten Schriften ge-
wie er selbst später aussagte, langten auf Umwegen an den
oder war dieser Knabe, die offizi- Metropoliten im syrisch-orthodo-
ellen Grenzübergänge umgehend, xen Kloster in Jerusalem, einige
auf dem Weg von Transjordanien andere an Prof. Sukenik von der
nach Palästina, um Schmuggel Hebräischen Universität Jerusa-
zu treiben? Die Wahrheit wird lem.
wohl nie vollständig ans Licht
kommen, doch was ans Tageslicht Als der israelisch-arabische
kam, das waren die bis heute äl- Krieg 1949 zu Ende war, er-
testen bekannten Bibelhand- fuhr dann die Welt, dass in
schriften. Palästina
der großartigste
archäologische Fund
gemacht worden war!

Weitere Nachforschungen in der


Umgebung des ersten Fundes
der „Schriftrollen vom Toten
Meer“ förderten Hunderte von
Handschriftfragmenten in zehn
anderen Höhlen zutage. Nun be-
gann die mühsame Arbeit der
Höhlen von Qumran Sichtung und Entzifferung der
Rollen aus Kupfer, Leder, Per-
Er fand nämlich in dieser kargen gament und Papyrus, die heute
Berglandschaft eine schwer zu- noch andauert.
gängliche Höhle, in deren kleine
Öffnung er einen Stein warf und
daraufhin das Klirren von zer-
brechenden Tongefäßen hörte. Er
zwängte sich in die Höhle hinein,
in der Hoffnung, einen Schatz
entdeckt zu haben.

Bei näherer Untersuchung fand


der Beduinenjunge zu seiner gro-
ßen Enttäuschung verschiedene,
große Krüge in der Höhle, die zu-
meist lederne Buchrollen enthiel-
ten, die in einem erstaunlich gu-
ten Zustand waren. Tonkrüge aus Qumran

26
behaupten. Die Jesaja-Rolle von
Qumran ist gleichsam aus einem
Guss.
Die Gesamtfunde vom Toten
Meer sind so umfangreich, dass
– neben vielen anderen Schriften
und Gegenständen – Teile von
Bei weiterer Nachforschung kam allen Büchern des Alten Testa-
man auf die in der Nähe der Höh- ments (außer dem Buch Esther)
len gelegene Festung Khirbet identifiziert werden konnten.
Qumran, die etwa 100 v. Chr.
wahrscheinlich von Mitgliedern Der wahrscheinlich älteste in
der jüdischen Sekte der Essener Qumran gefundene Bibeltext ist
erbaut worden war. ein Bruchstück einer Rolle
Wohl aus Furcht vor den um 70 der Bücher Samuel aus dem
n. Chr. heranrückenden Römern Ende des 3. Jh. v. Chr.
hatten die damaligen Bewohner
der klosterartigen, befestigten Die Bibel ist einzigartig
Siedlung ihre umfangreiche und
wertvolle Bibliothek in den nahe
in ihrer Überlieferung.
gelegenen Höhlen versteckt. Dort Sie ist das Buch des
wurden sie fast 1.900 Jahre spä- Altertums, das am besten
ter durch „Zufall“ entdeckt! erhalten ist.
Die jüngeren archäologischen
Die Jesaja-Rolle Funde, so bedeutsam sie auch je-
Der bedeutendste Fund von der für sich sein mögen, bezeu-
Qumran ist ohne Frage die in- gen vor allem eins:
zwischen weltberühmte Jesaja- Die außergewöhnliche Zu-
Rolle A, die älteste bekannte verlässigkeit des überliefer-
vollständig erhaltene hebräische ten Textes.
Abschrift eines Bibelbuches. Der
Text ist fein säuberlich auf 17 Von dem ca. 50 v. Chr. geschrie-
aneinander genähte Lederblätter benen bekannten Werk „Über
mit einer Gesamtlänge von un- den Gallischen Krieg“ (De Bello
gefähr 7,3m in 54 Spalten ge- Gallico) des römischen Feldherrn
schrieben. Angefertigt wurde sie und Diktators Cäsar existieren
im 2. Jh. v. Chr. heute etwa zehn Handschriften
Bezeichnenderweise lässt die aus dem 9. – 10. Jh. n. Chr. Davon
Handschrift nicht erkennen, dass sind nur zwei oder drei von guter
es sich um eine „im Lauf Qualität. Trotzdem würde kaum
mehrerer Jahrhunderte entstan- jemand die Echtheit dieses Bu-
dene Sammlung prophetischer ches anzweifeln, wie es im Blick
Texte“ (angeblich 8.– 6. Jh. v. auf die Bibel so oft geschieht.
Chr.) handelt, wie Bibelkritiker
27
Angriffe geg
Die neueren Bibelausgrabungen das gleiche Buch – die Bibel –
wurden in den Medien als Sensa- von Kaiser Konstantin zur un-
tionen präsentiert. Aber nur zu fehlbaren Autorität erhoben, und
oft erdichtete man sich reißeri- er ließ auf seine Kosten 50 neue
sche Skandalgeschichten aus den Kopien anfertigen.
Fakten, unterstellte Fehler und
Ungereimtheiten. Etliche Grabreden sind über die
Bibel ausgesprochen worden, so
Alles, was die Aufmerksamkeit
des Medienpublikums erregte,
war recht. Wollte man eine positi-
ve Darstellung schreiben, die Bi-
bel in Schutz nehmen, so bot sich
die „wissenschaftliche Verteidi-
gung“ an. Man hat z. B. die Wun-
dererzählungen der Bibel auf na-
turgesetzliche oder geschichtliche
Fakten zurückzuführen gesucht.
Dabei tauchten aber durchweg so
gekünstelte Deutungen auf, dass
diese Art der „Verteidigung“ der
Heiligen Schrift mehr Schaden
als Gutes zugefügt hat.

Die Versuche, die Bibel unglaub-


würdig zu machen, sind fast so
alt wie die Bibel selbst.

Seit Jahrhunderten versu-


chen Menschen sie zu ver-
nichten und zu verbren-
nen.

Könige und Kaiser haben sich


mit fanatischem Eifer dafür ein-
gesetzt. Im Jahr 303 n. Chr. er-
ließ der römische Kaiser Dio-
kletian den Erlass, alle Christen
und ihr heiliges Buch zu vernich-
ten. Doch 22 Jahre später wurde
28
en die Bibel
z. B. durch den französischen Ra- Kann man vom Wunder der
tionalisten Voltaire. Überlieferung sprechen, so
Das Wort der Wahrheit ließ gibt es angesichts der mas-
sich nicht auslöschen! Die siven Verfolgungen das ge-
meisten Angreifer sind verstor- nauso große Wunder ihres
ben, die Kritiker widerlegt, doch Überlebens.
die Bibel steht fest wie ein Fels.
Die Bibel ist das am meisten
bekämpfte und doch am
weitesten verbreitete und
meistgeliebte Buch der Welt.
Und das trotz aller Anfein-
dungen und in manchen
Ländern bis heute andau-
ernden Vernichtungsaktio-
nen.

Gott spricht:
„Meine Worte aber werden
nicht vergehen.“
(Lukas 21,33)

Wir sehen in den heutigen


Schmähreden gegen die Bibel das
Wort des Paulus bestätigt:

„Denn es wird eine Zeit sein,


da sie die gesunde Lehre
nicht ertragen werden, son-
dern nach ihren eigenen Be-
gierden sich selbst Lehrer
aufhäufen werden, indem es
ihnen in den Ohren kitzelt;
und sie werden die Ohren
von der Wahrheit abkehren,
sich aber zu den Fabeln
(= Mythen; erfundene, unre-
alistische Geschichten) hin-
wenden“ (2.Timotheus 4,3.4).
29
John Wyclif
und die englisc
de damals in einem ganz anderen
Licht gesehen.

Exemplarisch für den Streit


um die muttersprachliche Bi-
bel steht der englische Refor-
mator John Wyclif.

Student in
Oxford
Ca. 1324 in der Nähe von London
geboren, kam er schon früh – mit
16 Jahren – an die Universität
von Oxford. Sehr schnell wurde
John Wyclif er bekannt als exzellenter Red-
ner bei gelehrten Disputationen.
Er studierte lange und gründlich
eine ganze Anzahl von Fächern,
Bibel und und schloss seine Ausbildung mit
einem theologischen Grad ab.
Muttersprache Wyclif blieb danach als Professor
in Oxford und nahm später eine
In der Kirchengeschichte spielt Pfarrstelle auf dem Land an.
der Streit um die Übersetzung
der Bibel in die Muttersprache Dies bedeutete damals nicht,
eine ganz eigenartige Rolle. Hat- dass man seine akademischen
te die Kirche nicht Grund, die Ämter aufgeben musste. Im Ge-
Verbreitung der Bibel zu fördern? genteil, viele Pfarreien waren da-
Warum sollten die Gemeinde- mals von Personen besetzt, die
glieder von der Lektüre des Bi- sich nie in der Gemeinde aufhiel-
beltextes ausgeschlossen werden? ten. Sie beanspruchten ange-
– Nun, was uns heute merkwürdig messene Versorgung durch die
und unverständlich vorkommt, wur- Gemeinde, konnten sich aber
30
Bettelorden – übernommen. Die
Predigt hatte zu gefallen, denn
der umherziehende Priester war
auf unmittelbare Unterstützung
durch seine möglichst zahlreiche

he Bibel Zuhörerschaft angewiesen.


Sehr oft wurden die biblischen Ge-
schichten mit spannenden Fabeln
oder gar Volksaberglauben ver-
nach dem Verständnis der Zeit mischt. Hatte das Volk Gele-
durchaus in den Zirkeln der fei- genheit, in die Kirche zu gehen, so
nen Kreise – Hof, Akademie, Po- hörte es lateinisch gelesene Worte
litik – aufhalten und die Pfarrei aus der Heiligen Schrift, die es
verwaist lassen. nicht verstehen konnte.

Bettelmön- Bibeln für


che und Wan- das Volk
derprediger Bibelbesitz war den Laien
Die Evangelisierung und der verboten – nicht nur Überset-
Predigtdienst wurden nur zu zungen, sondern auch die amtli-
gern von wandernden Predigern che (lateinische) Bibel der Kirche.
– meist Anhänger einer der

31
Allenfalls bestimmte Auszüge und
Sammlungen zu Erbauungszwe-
cken wurden gestattet. Das Volk
war unfähig, die Lehre der geistli-
chen Führer zu verstehen, ge-
schweige denn zu prüfen. Die
wichtigste Quelle für biblische
Geschichten war das gemalte Bild
in der Kirche. Und auch hier war
die Tradition meist stärker ver-
treten als der biblische Text tiefer, als ihm alle seine mächti-
selbst. gen Unterstützer und Gönner
folgen konnten. Er wollte die Kir-
Wyclif sah schon in jungen Jah- chentradition nicht mehr gleich-
ren diese schädlichen Einflüsse. wertig neben der Bibel stehen
Seine Kritik schärfte sich an po- lassen.
litischen Verstrickungen zwi-
schen Kirche, Papst und engli- Seine kirchenkritische Haltung
scher Regierung. Zeitweilig wur- führte sehr schnell zum Aus-
de er als Berater in das englische schluss des Gelehrten aus der
Parlament berufen, um gegen Universität. Er zog sich auf seine
den Papst aufzustehen. Pfarrstelle zurück und arbeitete
Aber sehr bald ging seine Kritik dort in seiner Gemeinde.

32
Die
Wyclif-Bibel
Jetzt fand er Zeit, die Bibel ins
Englische zu übersetzen. Schon
vorher waren einige Bibelteile
übersetzt worden. Jetzt aber
entstand zum ersten Mal eine
komplette englische Bibel.

Wyclif hat die Arbeit mit Sicher-


heit nicht allein geschafft, ein
Team von Helfern unterstützte
ihn. Nur zwei Jahre hatte er noch
Zeit, die Arbeit zu betreuen, dann
war sein Leben zu Ende. 1384
starb er an den Folgen eines
Schlaganfalls.

Aber weit über seinen Tod hinaus


waren seine Schüler, die „Lollar-
Martin
den“, eifrig damit beschäftigt,
seine Arbeit weiterzuführen. Wenn
Luther
wir uns klar machen, dass bis auf
den heutigen Tag mehr als 70 und seine
Handschriften seiner Bibel exis-
tieren, dann können wir erahnen,
wie viele damals hergestellt wor-
Bibel
den waren – ohne Druckpresse,
nur durch Abschreiben!
Auf der
Wartburg
Und nun zogen die „Lollarden“
durch das Land, und lasen mit Wir schreiben das Jahr 1521! Am
den Bürgern, mit Arm und Reich, Abend des 3. Mai reitet eine klei-
aus diesen Bibeln und erklärten ne Schar bewaffneter Soldaten in
sie. Heimlich waren solche Zu- den Hof der Wartburg ein. Mit
sammenkünfte, da der Klerus sich führen sie einen Mönch. Der
sein vermeintliches Privileg mit Burgvogt begrüßt ihn freundlich
allen Kräften zu verteidigen such- und geleitet ihn zu zwei sehr
te. Und manche mussten das Le- kleinen Turmstübchen, die gera-
ben lassen für ihren mutigen Ein- de ein Bett, einen Tisch und ei-
satz für die Bibel. Trotzdem wuchs nen Stuhl enthalten. Der Mönch
die Zahl der Jünger ständig. heißt Martin Luther.
33
„Man muss nicht die Buchstaben der
lateinischen Sprache fragen, wie man solle
deutsch reden, wie die Esel tun, sondern man
muss die Mutter im Hause, die Kinder auf der
Gasse, den gemeinen Mann auf dem Markte
drum fragen und denselbigen aufs Maul sehen,
wie sie reden, und darnach dolmetschen,
so verstehen sie es denn und merken,
dass man deutsch mit ihnen redet“.

Sendbrief vom Dolmetschen


Kurfürst Friedrich der Weise 1521 bis März 1522) ist diese
muss Martin Luther in Schutz Arbeit abgeschlossen. Nach ei-
nehmen, als dieser vom Reichs- ner gründlichen Durchsicht er-
tag zu Worms die Heimreise nach scheint es im September 1522.
Wittenberg antritt. Weil Luther Da die 3.000 Exemplare einen
vier Jahre vorher in Wittenberg reißenden Absatz finden, folgt
seine 95 Thesen angeschlagen bereits im Dezember 1522 die
hatte, wurde er für vogelfrei er- 2. Auflage.
klärt. Deshalb erscheint dem
Kurfürsten diese „Schutzhaft“ Zum ersten Mal gibt es ein Neu-
unumgänglich. es Testament in wirklicher deut-
scher Sprache, und wo man hin-
Dort, auf der Wartburg ent- kommt, wandert das deutsche
schließt sich Luther zur Überset- Testament von Hand zu Hand.
zung des Neuen Testaments aus An jedem Ort und in allen
der griechischen Ursprache in Schichten des Volkes, wird es mit
die deutsche Sprache. In seinem Begier gelesen.
Reisegepäck besitzt Luther eine
hebräische Bibel und ein griechi- Kurze Zeit später beginnt Luther
sches Neues Testament in der mit zwei Freunden, Melanchthon
Ausgabe des Erasmus von Rot- und Aurogallus, die Übersetzung
terdam. des Alten Testaments aus dem
Hebräischen. Die fünf Bücher
Eine einheitliche deutsche Spra- Mose werden 1523 fertig. Das
che wird weder gesprochen noch Alte Testament wird 11 Jahre
geschrieben. Da eine allgemein später beendet, und im Septem-
verständliche Sprache nicht am ber des Jahres 1534 erscheint
Schreibtisch entwickelt werden die ganze Bibel.
kann, geht er verkleidet hinaus,
spricht und lebt mit dem Volk.
Textbeispiel: Psalm 90,12 nach Luther
Seine Erkenntnisse fasst er zu- Handschriftliche Fassung 1524 Erste Druckfassung 1524
sammen in dem Heft: „Sendbrief Dass wir unsere Tage zählen, Lass uns wissen
so tu uns kund; die Zahl unser Tage,
vom Dolmetschen“. so wollen wir kommen dass wir eingehen
mit weisem Herzen. mit weisem Herzen.
Revidierte Fassung ab 1531
Das erste NT in Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen,
auf dass wir klug werden.
einheitlich deut-
scher Sprache
So beginnt er im Dezember
des Jahres 1521 mit der Über-
setzung des Neuen Testa-
ments. Nach einer Rekordzeit
von nur vier Monaten (Dezember
35
K Können Sie lesen und schreiben?
Aber natürlich! Das Lesen und
Schreiben gehört in den meisten
Gesellschaften zum Allerselbst-
Sch
Schreib
verständlichsten. Jeder Schüler
quält sich in der Jugend mit dem
Alphabet. Nicht jeder erreicht im
Schreiben eine solche Vollkom-
menheit wie Wyclif und seine Bi-
belübersetzer. Manche schreiben
gern, andere sind schreibfaul.
Aber ganz ohne Schriftsprache
kommt wohl keiner aus. Und das
ist schon seit sehr langer Zeit so.

36
reibtechnik und
material

37
Die Schreibtechniken waren staben (nur Mitlauten), fand
allerdings in den verschiede- durch die Handel treibenden
nen Kulturen unterschied- Phönizier schnell Verbreitung im
lich, da voneinander abweichen- östlichen Mittelmeerraum und
de Schriftarten und Schreibma- gelangte so nach Griechenland.
terialien verwandt wurden. Dort wurde es nach einigen Än-
derungen und Zusätzen (vor al-
Die ägyptischen Hieroglyphen lem für Selbstlaute) um 1000 v.
waren Symbole, die Gegenstände Chr. heimisch und bildete auch
und Handlungen abbilden. Ähn- die Grundlage für das spätere la-
liches gilt z. B. für die chinesi- teinische Alphabet, das wir heute
schen Schriftzeichen in der heu- noch benutzen.
tigen Zeit. Bei dieser Bilder-
schrift wurde ein zu bezeichnen- So hat Gott auf wunder-
der Gegenstand in möglichst bare Weise dafür gesorgt,
einfacher Form aufgezeichnet. dass zur Zeit der Nieder-
Durch Zusammenstellung einzel- schrift der Bibel eine
ner Bilder ließen sich sogar Ab- einfache, aber eindeutige
läufe und abstrakte Gegenstände Schrift zur Verfügung
darstellen. Doch das Verfahren stand.
ist kompliziert und würde dahin
führen, dass die Anzahl der Bil- Auch der gewaltige Sprung in
der ins Unüberschaubare wächst. der Buchdrucktechnik hat das
Aussehen des Textes stark ver-
Einfacher war die daraus im 2. ändert, stärker, als wir vielleicht
Jahrtausend vor Christus entwi- vermutet hätten. Der Blocksatz
ckelte Silbenschrift, da sie zum Beispiel, wo alle Zeilen die
nicht die Gegenstände, sondern gleiche Länge haben, ist erst
die Klangsilben eines gesproche- durch den Buchdruck gekommen.
nen Wortes darstellte. Doch auch Wir verwenden verschiedene
bei dieser Methode wurde die Schriftarten und Schrifttypen in
Anzahl der Silben unüberschau- einem Text, um dem Leser das
bar groß. Verständnis zu erleichtern.

Alle diese Schriften hatten also Die Hauptveränderung aber ist,


den großen Nachteil, dass sie aus dass jetzt riesige Mengen des
Hunderten von Zeichen bestan- gleichen Textes hergestellt wer-
den, die man kennen musste, um den können. Und von einem
richtig schreiben zu können. Erst Druckstock entstehen völlig glei-
in einer späteren Entwicklungs- che Kopien; Abweichungen von
stufe der Schreibkunst entstand Buch zu Buch sind praktisch
das Alphabet. Diesen gewalti- ausgeschlossen.
gen Schritt machten um 1500 v.
Chr. die Phönizier. Das erste Al-
phabet, es bestand aus 22 Buch-
38
Entstehung und Entwicklung
des Alphabets

39
gen Stängel in lange dünne Strei-
Antikes fen geschnitten und diese neben-
Schreib- einander zu einem Blatt anein-
ander gelegt. Eine zweite Lage
material wurde quer über die erste gelegt.
Nachdem das Ganze mit einer
a) Papyrus kalkhaltigen Flüssigkeit ge-
tränkt wurde, wurde es gepresst
Neben der Tontafel war Papyrus und getrocknet.
im Altertum das verbreitetste
Schreibmaterial. Diese Methode Dieses Schreibmaterial war so
der Aufzeichnung mit Tinte und haltbar, dass es in dem trockenen
Feder war allerdings wesentlich Klima Ägyptens die Jahrtausen-
teurer als das Ritzen in feuchten de bis in unsere Gegenwart über-
Ton, doch dafür haltbarer, leich- dauern konnte.
ter zu benutzen und zu transpor-
tieren. Bis ins 8. Jahrhundert v. Chr. hi-
Die Papyrusstaude säumte in nein wurde Papyrus als Be-
schreibstoff benutzt. Erst seit
dem 4. Jahrhundert gewann das
Pergament zunehmend an Be-
deutung.

Doch Papyrus war Erfindung


und Monopol der Ägypter, und so
exportierten sie es zu hohen Prei-
sen. Als der König Eumenes II.
(197 – 158 v. Chr.) von Pergamos
in Kleinasien seine Bibliothek zu
weltweiter Bedeutung ausbauen
wollte, versuchte dies der König
von Ägypten zu stoppen, indem
er die Ausfuhr von Papyrus
unterband. Eumenes musste ein
eigenes Schreibmaterial erfin-
den.

b) Pergament
So wurde in Kleinasien das nach
der Stadt Pergamos benannte
undurchdringlichen Dickichten die Pergament entwickelt. Dieses
Ufer des Nils. Nach dem „Fällen“ edelste und vielleicht wertvollste
und Schälen wurde das Mark ih- aller Schreibmaterialien wurde
rer etwa 6 cm starken, dreikanti- aus der geglätteten Haut von
40
Neben diesen Schreibmaterialien
wurde auch das viel gröbere Le-
der verwendet.

c) Leder
Leder, seit Jahrtausenden be-
kannt, musste ebenfalls aus Tier-
haut hergestellt werden. Das
Verfahren war allerdings nicht
Tieren hergestellt. Man schrieb so aufwendig, und im Unter-
auf dem Pergament wie auf Pa- schied zum Pergament wurde die
pyrus mit Tinte, doch ist es dau- Tierhaut nicht mit Kalklauge be-
erhafter und erlaubt aufgrund handelt, sondern mit Gerbsäure
seiner Festigkeit, jederzeit die gegerbt.
Schrift wieder abzukratzen und
neu zu übermalen. So konnte ein
einziges Blatt öfter verwendet
d) Papier
werden. Gerade im Mittelalter Das Papier (im 1. Jahrhundert
wurde davon leider sehr häufig nach Christus im Fernen Osten
Gebrauch gemacht. entwickelt) setzte sich ab dem
13. Jahrhundert in Mitteleuropa
Die Mönche in ihren Klöstern, durch.
die oft sehr arm waren, schabten
ihre alten Handschriften mit
Bimsstein und Sand ab, um sie
anderweitig zu nutzen. Vielfach
wurden sie anschließend neu be-
schrieben oder bemalt. Manch-
mal produzierte man aus ihnen
sogar Schuhsohlen. Dabei wur-
den häufig nichts ahnend uner-
setzliche Dokumente zerstört.

Heutzutage hat die Wissenschaft


Möglichkeiten, die nie vollstän-
dig abgeschabte Schrift durch
UV-Photographie oder auf
chemischem Weg wieder
sichtbar zu machen.
Solche mehrfach beschriebenen
Pergamente, so genannte Palimp-
seste, zählen zu dem Interessan-
testen, was den heutigen Gelehr-
ten in die Hände fallen kann.
41
Die Überliefer
im Mitt
augenmerk der Mönche galt vor
allem der Heiligen Schrift. Sie
wurde nicht nur fleißig gelesen,
ausgelegt und kommentiert, son-
dern auch immer und immer
wieder abgeschrieben.

Zunächst waren es Majuskelab-


schriften der Septuaginta, be-
ziehungsweise des griechischen
Neuen Testaments, später dann,
als die lateinische Bibel mehr
und mehr Einzug in die Kirchen
hielt, wurden Kopien der latei-
nischen Vulgata angefertigt.
Seit der Zeit Karl des Großen
(768 – 814) werden kleine Buch-
Für die Überlieferung der Bibel staben verwendet, die so genann-
im Mittelalter (ca. 500 –1500) ten Minuskeln. Daneben kam die
kommt gerade den Klöstern Kursivschrift in Gebrauch, eine
eine herausragende Bedeutung reine Schreibschrift, bei der die
zu. Zum Anfang dieser Periode einzelnen Buchstaben durch Ver-
wurde ganz Mitteleuropa von ei- bindungsstriche zu Wörtern zu-
nem dichten Netz von Klöstern sammengefasst wurden.
überzogen. Von ihnen ging eine
Fülle von geistigen und kulturel- Auf feinstem Pergament entstan-
len Aktivitäten aus, die ihnen den so Handschriften und Codi-
eine bedeutende Stellung sicher- ces (Bücher) von überwältigen-
ten. Nirgendwo sonst in Europa der Schönheit. Herrliche Psal-
verfügte man über ein ähnliches ter, Evangeliare und Apoka-
Potential an Wissen, Gelehrsam- lypsenbücher, die mit leben-
keit und Zeit. digen, buntfarbigen Bildern und

So war es eine Frage der Zeit,


dass die Klosterschulen sich zu
Keimzellen aller Wissenschaften
Klöster: Di
entwickelten. Doch das Haupt- Zentren des
42
ung der Bibel
elalter
wunderschönen Verzierungen aus-
gestattet sind, wurden angefer-
tigt.

Diese großartigen Werke –


oftmals sehen sie aus wie ge-
druckt – legen dafür Zeugnis
ab, dass Menschen an der Ar-
beit waren, die nicht nur mit
überragendem Können, son-
dern in gleicher Weise auch
mit viel Geduld und unendli-
cher Liebe zu dem Wort Got-
tes arbeiteten.

Viele Bibel- Wenzelsbibel


abschriften Doch brachte eine solche Praxis
entstehen Nachteile mit sich, denn je
schneller man schrieb, desto
Später begannen die Schrei- mehr Fehler schlichen sich ein.
ber die Arbeit zu rationalisie- Lesefehler, Schreibfehler und
ren. Ein Mönch diktierte den Hörfehler ließen so den Wert der
Text, und zehn oder sogar zwan- Handschriften immer weiter ab-
zig andere schrieben das gehörte sinken und es entstand mit der
Wort nieder. Zeit ein Durcheinander von man-
nigfachen Abweichungen im Text,
Es entstanden jetzt regelrechte die zu entwirren erst unserer Zeit
„Massenauflagen“ von manchmal vorbehalten bleiben sollte.
mehr als zwanzig Exemplaren
der Bibel oder einzelner Bibel- Später waren es die gelehrten
bücher. Mönche und Leiter an den Klos-
terschulen, die sich an Überset-
zungen wagten. So wurden um
e geistigen 850 n. Chr. Teile der Bibel (Evan-
gelien-Harmonien, Psalmen, Ho-
Mittelalters helied) von der lateinischen in
43
die deutsche Sprache übersetzt. mentlichen Geschehen, umgeben
Allerdings waren die Überset- von Bildern, die alttestamentli-
zungen sehr frei. Sie werden che Begebenheiten zeigen, die in
heutzutage sprachlich zu dem einem inneren Zusammenhang
Schönsten gerechnet, was uns dazu stehen.
aus jener Zeit erhalten ist.
Allerdings haben die Armenbi-
Charakteristisch für das ausge- beln ihren Namen nicht etwa da-
hende Mittelalter sind die Block- her, weil sie so billig gewesen wä-
bücher, bei denen nicht nur die ren, dass sich auch der Arme ein
Abbildungen, sondern auch der solches Buch hätte leisten kön-
Text spiegelverkehrt in Holzplat- nen. Vielmehr waren die Leute
ten geschnitten werden mussten. des Volkes gemeint, denen die
Sie verdanken ihre Entstehung Kunst des Lesens und erst recht
dem Bestreben, eine billigere die Gelehrtensprache Latein
Vervielfältigungsform als die des fremd geblieben war. Diese hielt
Abschreibens zu finden, und man man in gelehrtem Hochmut für
bediente sich dabei des Holz- jene „Armen im Geiste“, die Je-
schnitts. sus im Evangelium nach Mat-
thäus selig pries.
An erster Stelle unter den Block-
büchern stehen die „Armenbi-
beln“, die „Bibliae Pauperum“.
Der Aufbau dieser Bilderbibel ist
sehr einfach. Jeweils eine Seite
behandelt ein bestimmtes The-

der Buc
ma. Im Mittelpunkt steht jedes
Mal ein Bild mit einem neutesta-

im Die
Johann
1445 war es dann so weit: Das
Drucken mit beweglichen Let-
tern wurde erfunden. Johannes
Gensfleisch zur Laden, genannt
Johann Gutenberg, erfand die
Buchdruckkunst in Mainz.

Zu Anfang wurden kleinere


Johannes Gutenberg Schriften gedruckt, doch schon
im Jahr 1450 fing er mit den Vor-
44
Die Erfindung
hdruckerkunst
nst der Bibel
Gutenberg, der große Erfinder
arbeiten zum Druck der 42-zeili- Um einen Druck zu erhalten, der
gen Bibel an. aussehen sollte wie eine Hand-
schrift, verwandte Gutenberg nicht
Alles was Gutenberg zum Druck nur die gebräuchlichen 26 Buch-
benötigte, musste er selbst anfer- staben des Alphabets, sondern
tigen oder nach eigenen Plänen schuf kunstvolle Abkürzungszei-
herstellen lassen, angefangen chen und ineinander verschlunge-
von den Drucktypen bis hin zur ne Doppelbuchstaben.
Druckerschwärze.

45
Gutenberg entwarf 290 ver- Großer finanzi-
schiedene Schriftzeichen, und
so war der Druck kaum von einer eller Aufwand
Handschrift zu unterscheiden. So erreichte Gutenberg schon
Für eine 42-zeilige Bibelseite be- recht bald das Ende seiner finan-
nötigte er ungefähr 2.500 Buch- ziellen Kräfte. Zweimal kam ihm
staben. der Geschäftsmann Johannes
Fust mit je 800 Gulden zu Hilfe
Wenn man bedenkt, dass auf- (ein Mann konnte zur damaligen
grund der Heftung der Bibel in Zeit von zehn Gulden ein Jahr
jeweils fünf Bögen à vier Seiten gut leben), und schon kurze Zeit
rund 40 Seiten für den Druck be- später, im Jahr 1452, waren die
reitstehen mussten, dann ergibt Vorarbeiten zum Druck der ers-
sich daraus, dass ein gewaltiger ten Bibel abgeschlossen.
Vorrat von etwa 100.000 Typen
erst einmal gegossen werden Mittlerweile arbeiteten sechs
musste, damit beim Drucken kei- Setzer in Gutenbergs Werkstatt.
ne Verzögerungen durch ausge- Bis jeweils eine Seite gesetzt war,
gangene Typen entstanden. dauerte ungefähr einen Tag. Da-
nach wanderte sie in die Presse,
Diese erste Bibel wurde nicht nur die stündlich etwa zehn Drucke
auf Papier, sondern auch auf Per- bewältigte, wurde herausgenom-
gament gedruckt. Für jedes Exem- men und zum Trocknen aufge-
plar waren 340 Papier- bzw. Perga- hängt.
mentbogen nötig, dafür mussten
170 Kälber ihre Haut hergeben. Den ersten Buchstaben eines je-
den neuen Kapitels ließ Guten-
berg im Satz frei. Sie wurden
später von dem so genannten Ru-
brikator mit der Hand in Rot
ausgefüllt. Ebenso malte der Ru-
brikator die reich verzierten Über-
schriften in roten Buchstaben.

Wie groß muss das


Verlangen nach dem
göttlichen Wort sein,
wenn immer wieder
derartige Summen und
Mühen für den Erwerb
einer Bibel aufgewendet
werden!

46
Bibel in deutscher Sprache
heraus. Es folgten Drucke
in Augsburg, Nürnberg,
Köln, Hamburg und in vie-
len anderen Städten.

So gab es schon vor der


Zeit von Martin Luther 18
gedruckte deutschspra-
chige Bibeln.

Doch hatten diese zwei gra-


vierende Nachteile. Zum ei-
nen waren es Übersetzun-
gen aus dem Lateinischen,
d.h. nicht aus den Urspra-
chen und daher entspre-
chend ungenau. Zum ande-
ren gab es keine einheitli-
che deutsche Sprache, und
so konnte nur ein Teil des
Volkes eine bestimmte Bi-
bel lesen.

Insgesamt vergingen zwei volle Auch in Holland, Frankreich, Ita-


Jahre bis diese erste Auflage fer- lien und Spanien wurde gedruckt.
tig gestellt wurde. In kurzer Zeit Tschechische, polnische, russi-
war sie verkauft, und dies bei ei- sche, ja sogar äthiopische Ausga-
nem Preis von mindestens 40, ben folgten.
vielleicht sogar 50 Gulden.
Noch im 15. Jahrhundert er-
180 Exemplare betrug die erste oberte die gedruckte Bibel
Auflage der Bibel, davon sind 45 die Welt.
Exemplare, teilweise nur in
Bruchstücken, erhalten geblie- Bis zum Beginn der Reformation
ben. Sie werden heute mit Millio- wurden allein in den mitteleuro-
nen Euro aufgewogen. päischen Ländern rund 70.000
Bibeln gedruckt und verbreitet.
Viele Druckerei- Hinzu kommen etwa 120.000
en entstehen Psalter beziehungsweise andere
alttestamentliche Schriften und
Nun begann die Zeit, wo überall annähernd 100.000 Neue Testa-
in Deutschland Druckereien ent- mente. Dabei dürfte die einzelne
standen. In Straßburg brachte Auflage kaum einmal 300 Exem-
Mentelin 1466 die erste gedruckte plare überschritten haben.
47
Die Zeit der
Bibelgesell-
schaften

48
Preisgünstige Bibelausgaben
für weite Verbreitung
Der Drang, den Menschen dieser lich, das so genannte 10-Pfennig-
Welt das Wort Gottes, die Bibel, Testament und die 1-Mark-Bibel
preisgünstig in die Hände zu le- herauszubringen, ein konkur-
gen, war der Beweggrund zur renzlos niedriger Preis für ein
Gründung der Bibelgesellschaf- Buch dieser Stärke.
ten.
Der Grundgedanke der Bibelge-
Ohne Eigengewinn, durch Spen- sellschaften entstammt schon
den, Stiftungen und Kollekten dem frühen 16. Jahrhundert. Der
sollten große Bibelauflagen her- Ritter Anemont de Coct muss
gestellt werden. So kostete das zur Zeit der Gegenreformation
Neue Testament im 18. Jahrhun- aus Frankreich nach Basel flie-
dert 2 Groschen und eine ganze hen und opfert dort sein ganzes
Bibel 9 Groschen. Und zu Beginn Vermögen, um preiswerte Bibel-
des 20. Jahrhunderts ist es mög- ausgaben drucken zu lassen.

49
Zur glei- von Can-
chen Zeit wur- steinsche Bibel-
den in Württemberg durch Hans anstalt in Halle, die bis 1804
Ungnad Freiherr von Sonn- etwa drei Millionen Bibeln und
egk Bibeln für die Balkangebiete Neue Testamente verbreitete. Im
ins Kroatische und Slowenische 19. Jahrhundert ging die Arbeit
übersetzt und gedruckt. Oft muss- der von Cansteinschen Bibelan-
ten diese Bibeln auf abenteuerli- stalt stark zurück, da ihr unter
che Weise in ihr Zielgebiet ge- anderem durch die politische
schmuggelt werden. Lage Deutschlands der missiona-
rische Impuls fehlte.
Die ganze Bibel
in Bleisatz Intensive Bibel-
Beachtlich ist das Werk August
verbreitung im
Hermann Franckes, der in sei- In- und Ausland
nem Waisenhaus in Halle/S. eine
Druckerei errichtet. Dennoch stand das 19. Jahrhun-
dert im Zeichen der Bibelverbrei-
Zum ersten Mal wird der voll- tung. Überall auf der Welt ent-
ständige Drucksatz für eine standen neue Bibelgesellschaf-
ganze Bibel hergestellt. ten: 1804 in Basel und London,
Das bedeutete in der Praxis, 1806 in Irland, 1807 in Kanada,
dass die Druckstöcke für Fol- 1808 in Philadelphia, 1812 in
geauflagen bereitstanden. Schottland, 1817 in Australien
und 1837 in Neuseeland, um nur
Dieses Verfahren erfordert ein einige zu nennen.
großes Anfangskapital, welches
ein Freund Franckes, der Frei- Am 7.3.1804 wurde in London
herr von Canstein, zur Verfü- die British and Foreign Bible
gung stellt. So entsteht 1710 die Society gegründet. 100 Jahre
50
später gab es ungefähr 9.500 Den 75 Übersetzungen im Jahr
Hilfsgesellschaften und Zweig- 1800 folgen 567 im Jahr 1900.
vereine auf der ganzen Welt, und
während dieser Zeitspanne wur- Zur Zeit gibt es die Bibel oder
den ca. 200 Millionen Bibeln, Teile davon in über 2.300 Spra-
Neue Testamente und Bibelteile chen.
verbreitet.

Die Württembergische Bibel-


anstalt in Stuttgart wurde 1812
unter Mitwirkung des Auslands-
sekretärs der British and For-
eign Bible Society, C. F. Steinkopf,
gegründet. Sie ist im 20. Jahr-
hundert im deutschsprachigen
Raum führend und erwirbt sich
auch besondere Verdienste um die
Herausgabe wissenschaftlicher Bi-
belausgaben in den Ursprachen.

Die Arbeit der Württembergi-


schen Bibelanstalt wurde 1975
in die Deutsche Bibelstiftung
überführt, in der auch die Ver-
lagstätigkeit der von Canstein-
schen Bibelanstalt aufging.
Sie haben nun gelesen, in
Übersetzungen welcher besonderen Weise
die Bibel überliefert wor-
in vielen den ist; dass Gott selbst es
Sprachen ist, der über sein Wort
wacht.
Hand in Hand mit der Bibelver-
Er schuf auch die Voraus-
breitung geht die unermüdliche
Arbeit der Bibelübersetzungen. setzungen dafür, dass die
Bibel in so vielen Exemp-
Zur Zeit Luthers gab es rund 15 laren verbreitet werden
Übersetzungen in verschiedenen konnte.
Sprachen. Er fachte auch den Eifer
Im Jahr 1600 sind es 40, im Jahr
1700 erst 52. an, mit dem die Bibel ko-
Doch dann steigt die Zahl der piert, gedruckt und ver-
verschiedenen Übersetzungen teilt wurde.
sprunghaft an.
51
Wer hat
die Bibel
geschrieben?
Die Bibel beschreibt die Prophe-
Was bedeutet ten des Alten Testaments mit
Inspiration? den Worten:
„Heilige Menschen Gottes re-
Wie entstehen Bücher über- deten getrieben vom Heiligen
haupt? In der Regel hat jedes Geist“. (2.Petrus 1,21).
Buch einen Autor. Der Autor
schreibt das Manuskript und lei- Es waren Menschen, die von Gott
tet es weiter an einen Verlag, der selbst ihre Botschaft empfingen.
es sichtet, redigiert, ändert und Sie redeten oder schrieben das
dann produzieren lässt. Oft Wort Gottes unter der Führung
spricht auch umgekehrt der Ver- seines Geistes. Hierfür hat sich
leger einen geeigneten Autor an, das Wort Inspiration eingebür-
wenn er eine Buchidee realisie- gert, das „Einhauchung“ bedeu-
ren möchte. tet.

Manche Bücher werden jahre- Inspiration ist jedoch nicht so


lang entworfen, dann verworfen zu verstehen, dass die Schreiber
und die Arbeit eingestellt, aber der Bibel nur von einem überna-
nicht selten wird irgendwann türlichen Drang erfüllt gewesen
weitergeschrieben. Es gibt aber wären. Es wäre ähnlich wie bei
auch Bücher, die in wenigen Mo- einem Dichter, der sich auch
naten entstehen. durch irgendeinen Gedanken zu
einem Gedicht oder einer Erzäh-
Manche Werke konnten nicht lung „inspirieren“ lässt. Dann
einmal während der Lebenszeit wären zwar die Personen inspi-
der Autoren fertiggestellt wer- riert gewesen, aber das, was sie
den. Häufig blieben sie dann un- schrieben, wäre dann ihr eigenes
veröffentlicht. Erzeugnis. Solchen Darstellun-
gen könnte aber niemals göttli-
Völlig anders war es mit der Bi- che Autorität innewohnen.
bel:
Die insgesamt 66 Bücher (bzw. Die Bibel sagt deshalb auch:
70 Bücher, wenn die Psalmen als
5 Einzelbücher gezählt werden) „Alle Schrift ist von Gott
der Bibel wurden von ungefähr eingegeben“. (2.Timotheus 3,16)
40 Personen geschrieben. Deren
Namen werden allerdings oft gar Anstatt „von Gott eingegeben“
nicht besonders hervorgehoben. könnte man auch übersetzen:
Diese Schreiber des Wortes Got- „gottgehaucht“ oder: „von Gottes
tes stammten aus den verschie- Geist eingegeben“. Dieser Aus-
densten Zeiten, Kulturen, sozia- spruch geht also weiter als das,
len Schichten und Berufen. was wir unter Inspiration allge-
mein verstehen.

53
Alle Schrift, d. h. die Bibel als „Das Wort Gottes ist leben-
Ganzes, enthält also das, was dig und wirksam und schär-
Gott für die Menschen nieder- fer als jedes zweischneidige
schreiben lassen wollte. Die Schwert und durchdringend
Schreiber waren nicht nur bis zur Scheidung von Seele
vom Heiligen Geist getrieben, und Geist, sowohl der Gelen-
sondern Er gab ihnen auch ke als auch des Markes, und
dasjenige ein, was sie schrei- ein Beurteiler der Gedanken
ben sollten. und Überlegungen des Her-
zens; und kein Geschöpf ist
Einwände vor ihm unsichtbar, sondern
alles ist bloß und aufgedeckt
gegen die vor den Augen dessen, mit
dem wir es zu tun haben“.
Unfehlbarkeit (Hebräer 4,12.13)
des Wortes
Nach einer anderen – ebenso fal-
Gottes schen – Auffassung gibt es keinen
Unterschied zwischen inspirier-
Oft wird dagegen eingewendet, ten und nicht inspirierten Teilen
dass hieraus nicht abgeleitet der Bibel. Demnach besteht die
werden könne, die ganze Bibel Inspiration darin, dass die Be-
sei Gottes unfehlbares Wort. Die richte der Bibel alte Offenbarun-
Unkenntnis der Schreiber, ihr gen Gottes an die Menschen in
falsches Weltbild usw. seien eben ihren damaligen Umständen ent-
mit in das Geschriebene einge- hält. Wenn nun der moderne
flossen. Sehr vieles sei heute wis- Mensch die Bibel in einer ähnli-
senschaftlich unhaltbar, fehler- chen Situation liest und zu sich
haft und daher unglaubwürdig. sprechen lässt, wird sie dadurch
Erst wenn man diese mensch-
lichen Elemente beseitige, gelan-
ge man zu dem, was wahrhaft
und zeitlos Gottes Wort sei und
die Autorität der Inspiration be-
sitze.

Bei dieser Argumentation wird


der Fehler begangen, dass man
meint, der menschliche Verstand
könne das Wort Gottes beurtei-
len oder gar darüber zu Gericht
sitzen.
Demgegenüber steht die folgende
Aussage der Bibel:

54
zum Wort Gottes an ihn, dass sie Heiligen Geist getrieben wurden
ihn in seiner augenblicklichen (2.Petrus 1,21).
Lage persönlich anspricht. So
soll der Mensch beim Lesen der 2. Alle Schrift, d. h. das Wort Got-
an sich unvollkommenen Bibel tes als Ganzes, ist von Gott ein-
in seinem persönlichen Leben die gegeben (2.Timotheus 3,16).
Stimme Gottes erkennen.
3. Nach 1.Korinther 2,13 sind
In diesem Fall befindet also der auch die Worte der Bibel vom
Gemüts- oder Seelenzustand, d.h. Heiligen Geist inspiriert. Des-
das Gefühl des Menschen darü- halb dürfen wir von einer wörtli-
ber, was Gottes Wort ist oder chen Inspiration (oder Verbal-
nicht. inspiration) des Wortes Gottes
sprechen.
Auf all diese menschlichen Ein-
schränkungen und Einwände Die Bibel selbst legt Zeugnis
gibt die Bibel selbst jedoch eine davon ab, dass jedes Wort in
klare Antwort! ihr vom Geist Gottes eingege-
ben ist.
Verbal- Der Herr Jesus spricht sogar von
inspiration den kleinsten Bestandteilen des
Wortes, den kleinsten Buchsta-
Nach 1. Korinther 2,13 sind auch ben des griechischen und hebrä-
die einzelnen Worte der Apostel ischen Alphabets, wenn Er in
vom Heiligen Geist inspiriert: Matthäus 5,17.18 sagt:

„… die wir auch verkündigen, „Denkt nicht, dass ich


nicht in Worten, gelehrt durch
menschliche Weisheit, sondern
gekommen sei, das Gesetz
in Worten, gelehrt durch den oder die Propheten
Geist.“ aufzulösen; ich bin nicht
gekommen, aufzulösen,
Deshalb können wir von einer
wörtlichen Inspiration (oder:
sondern zu erfüllen.
Verbalinspiration) des Wortes
Gottes sprechen. Denn wahrlich, ich sage
euch: Bis der Himmel und
Wir können also drei wichtige bib-
lische Tatsachen über die Inspi-
die Erde vergehen, soll
ration der Bibel feststellen: auch nicht ein Jota oder
ein Strichlein von dem Ge-
1. Die prophetischen Schreiber setz vergehen, bis alles
des Alten Testaments waren hei-
lige Menschen Gottes, die vom
geschehen ist.“

55
Nun fragen Sie sich sicherlich:
Der Kanon Welche Bücher gehören rechtmä-
ßig zur Bibel und bilden damit
den so genannten „Kanon“ und
welche gehören nicht dazu?

Das Wort Kanon bedeutet ur-


sprünglich „Rohr“, „Richtschnur“
oder „Maßstab“. Seit dem 2. Jahr-
hundert n. Chr. wird von den
gläubigen Christen die Auswahl
von Büchern, die eindeutig
die Zeichen göttlicher Inspi-
ration und Auto-
rität tragen, als
Kanon be-
zeichnet.

Die
Aufnahme der
richtigen Bü-
cher in die Bibel
56
Der Kanon ist in einer einzig- Briefe und die Offenbarung als
artigen Weise unter dem stil- inspirierte heilige Schriften be-
len Einfluss des Heiligen Geis- trachtet.
tes, nach Abweisung der Apo-
kryphen oder Pseudepigra- Wie bei den Schreibern wirkte
phen, entstanden. der Heilige Geist auch bei den
Empfängern und Lesern: Was die
Diese gesamte Sammlung aller einen unter seiner Leitung
biblischen Bücher hat ihre eigene schrieben, anerkannten die an-
Geschichte, die auch dadurch be- deren unter dem gleichen gött-
dingt ist, dass die Bibel über ei- lichen Einfluss.
nen Zeitraum von ca. 1.600 Jah-
ren entstanden ist. An dem Inhalt der Bücher
war deutlich zu erkennen, ob
Der alttesta- sie zum Kanon der ganzen
Heiligen Schrift gehörten.
mentliche
Kanon Da diese Schriften jedoch mit
der Hand abgeschrieben werden
Bei der Bildung des alttesta- mussten, waren sie nicht von An-
mentlichen Kanons durch die fang an bei allen Christen in al-
Sammlung und Bewahrung der len Ländern und an allen Orten
biblischen Schriften wird seit je- gleichermaßen verbreitet.
her dem Schriftgelehrten Esra
eine wesentliche Rolle als Werk- Aber schon um die Mitte des
zeug Gottes zugeschrieben. 2. Jahrhunderts berichtet Justin,
der Märtyrer, dass die Evange-
Der alttestamentliche Kanon lag lien und die Schriften der Apostel
im 2. Jahrhundert v. Chr. bereits zusammen mit den alttestament-
abgeschlossen vor und wurde in lichen Büchern der Propheten an
der uns bekannten Form von den jedem Sonntag in den Zu-
Rabbinern Palästinas im 1. Jahr- sammenkünften der Christen ge-
hundert n. Chr. bestätigt. lesen wurden.

Das so genannte Muratorische


Der neutesta- Fragment, eine leider nur teil-
mentliche weise erhaltene Aufstellung der
neutestamentlichen Bücher aus
Kanon dem 2. Jahrhundert, enthält die
vier Evangelien, die dreizehn
Der Kanon des Neuen Testa- Briefe des Paulus, die Apostelge-
ments hat sich schon nach weni- schichte, die Briefe des Johannes,
gen Jahrzehnten gebildet. Von Judas und die Offenbarung, außer-
Anfang an wurden die Evange- dem noch zwei nicht kanonische
lien, die Apostelgeschichte, die Schriften.
57
Besonders durch das Auftreten sätzlich zu den inzwischen von
des Gnostizismus mit seinen vie- den Juden als kanonisch aner-
len neuen Schriften und falschen kannten Büchern des AT eine
Lehren waren die Christen genö- Reihe weiterer religiöser Schrif-
tigt, eindeutig festzuhalten, wel- ten:
che Schriften sie als Gottes Wort Judith, Weisheit Salomos, To-
empfangen hatten. bias, Jesus Sirach, Baruch,
1. u. 2. Makkabäer, Stücke zu
Erstmals bei dem Kirchenvater Esther und Stücke zu Daniel.
Athanasius (ca. 296 – 373) findet Diese apokryphen Bücher wa-
sich ein vollständiges Ver- ren aber nie Bestandteile der
zeichnis aller neutestament- hebräischen Bibel!
lichen Schriften, die dann auf
den Synoden von Hippo (393 n. Dies ist de
Chr.) und Karthago (397 und der von diesen Dingen
419) von der Westkirche als Hei- geschrieben hat; und
lige Schrift anerkannt wurden. Zeugnis w
Es sind aber auch v
Die Bibel besteht also die Jesus getan hat, un
nur aus den Büchern, niedergeschrieben würd
die von Gott inspiriert selbst die Welt d
Bücher nic
und so mit göttlicher
Autorität versehen sind. Johannes

Niemals haben irgendwelche


Führer auf einem Konzil be-
stimmt oder festgelegt, welche
Bücher in den Kanon aufgenom-
men wurden oder nicht. Auf sol-
chen Konzilen wurde der Kanon
lediglich bestätigt.

Was sind
Apokryphen
und Pseudepi-
graphen?
Das Wort „apokryph“ bedeutet:
verborgen, geheim, unklar.
In den letzten vorchristlichen
Jahrhunderten entstanden zu-
58
Sie tauchten erstmals in der Sep-
tuaginta auf, der griechischen Fehler in den
Übersetzung des AT. Von dort
wurden sie in die lateinische
Apokryphen
Übersetzung der Bibel von Hie- Neben so manchen geschicht-
ronymus (Vulgata, um 400 n. lichen, chronologischen und geo-
Chr.) übernommen. Sie gehören graphischen Fehlern ist das ge-
daher auch zum festen Text der samte Niveau dieser Schriften
katholischen Bibel. mit dem der kanonischen Schrif-
ten nicht zu vergleichen. Mit
Recht ist darauf hingewiesen
worden, dass der Ausspruch: „So
spricht der HERR“ o. ä., der in
er Jünger, den Schriften des AT über 3.800-
n zeugt und der dieses mal vorkommt, in den Apokry-
wir wissen, dass sein phen kein einziges Mal ge-
wahr ist. braucht wird.
viele andere Dinge,
nd wenn diese einzeln Von den Rabbinern Palästinas
den, so würde, denke ich, wurden die Apokryphen, deren
ie geschriebenen Herkunft im Dunkeln liegt (evtl.
cht fassen. Ägypten oder Syrien?), schon im
Altertum nicht als Gotteswort
s 21,24.25 anerkannt. Im Anhang der Vul-
gata erscheinen noch weitere
Texte, die als pseudepigraph
(das heißt unter falschem Namen
geschrieben) bezeichnet werden:
das Gebet Manasses, 3. u. 4.
Esra, Psalm 151 und der Laodi-
zäer-Brief.

Auch dem NT wurden schon früh


eine Reihe von Apokryphen hin-
zugefügt. Sie stammen fast alle
aus dem 2. Jh. n. Chr. Es handelt
sich dabei um eine Fülle teils
märchenhafter Schriften über
den Herrn Jesus und die Apostel
sowie um gefälschte Briefe von
Aposteln und anderen biblischen
Personen, die deutlich offenba-
ren, dass es sich um menschliche
Machwerke handelt.

59
Der äthiopische Finanzminister
In der Ferne sah man, in eine ter an die Karawane herankam
Staubwolke gehüllt, die schwa- und bald zu einem Ganzen mit
chen Konturen einer kleinen Ka- ihr zerschmolz. „Steh auf und
rawane. Sie war so ziemlich das geh gegen Süden auf den Weg,
Einzige, was man dort am vor der von Jerusalem nach Gaza hi-
Hitze flimmernden Horizont ent- nabführt; dieser ist öde!“
decken konnte. Die Gegend war So hatte Gott zu Philippus ge-
öde. Und sie wurde immer trost- sprochen und bereitete jene ent-
loser, je näher man der Stadt scheidende Begegnung in der
Gaza kam. Einöde vor, wo eine suchende
Menschenseele zum Frieden mit
Erst wenn man ganz genau hin- Gott geführt werden sollte.
sah, konnte man bemerken, dass
sich etwas weiter links hinter Auf einem schmuckvollen Pferde-
den langsam vorankommenden wagen saß ein Mann und las. Er
Wagen noch etwas bewegte. Ein las in einer ebensolchen Buchrolle,
winziger Punkt, der immer dich- wie man sie Jahrhunderte später
60
in einer jener Höhlen von Qumran
finden sollte. Es war exakt der
gleiche Text, den Gelehrte zu spä-
teren Zeiten als Teil des Propheten
Jesaja entziffern würden.

Die Stelle der Schrift aber, wel- Verstehen Sie,


che der hoch gestellte Mann aus was Sie lesen?
Äthiopien, der Finanzminister Nach allem, was Sie bisher in
der dortigen Königin, las, war dieser Broschüre gelesen haben,
diese: ist das Problem des Finanzminis-
ters vielleicht auch Ihr Problem,
das bis heute noch ungelöst ist.
„Er wurde wie ein Schaf
zur Schlachtung geführt, Die Bibel blieb für Sie, trotz aller
und wie ein Lamm Bemühungen sie zu verstehen,
stumm ist vor seinem ein Buch mit sieben Siegeln.
Scherer, so tut er seinen
Hierzu sagt die Heilige Schrift:
Mund nicht auf. In seiner
Erniedrigung wurde sein „Der natürliche Mensch
Gericht weggenommen; aber nimmt nicht an,
wer aber wird sein Ge- was des Geistes Gottes ist,
schlecht beschreiben? Denn denn es ist ihm Torheit,
sein Leben wird und er kann es nicht
von der Erde erkennen, weil es
weggenommen“. geistlich beurteilt wird“.
(Jesaja 53,7.8) (1.Korinther 2,14)

Daher ist der Mensch trotz sei-


Der Minister wog nachdenklich ner Begabungen und Fähigkei-
seinen Kopf. Er schien verwirrt ten von Natur aus nicht befugt,
zu sein. Von wem war hier bloß das Wort Gottes zu beurteilen.
die Rede? In finanziellen Angele- Es ist gerade umgekehrt:
genheiten, ja, da kannte er sich Das Wort beurteilt uns!
aus, aber diese religiösen Texte ... (Hebräer 4,12.13)

Plötzlich vernahm er neben sei- Nur wer mit dieser Vorausset-


nem Gespann eine fragende zung an das heilige Wort Gottes
Stimme. „Verstehst du auch, was herangeht und glaubt, dass es ei-
du liest?“ Erstaunt sah er auf. – nen lebendigen Gott gibt, wird
Diese Frage des Philippus traf beim Lesen wahren Segen er-
den Kern seines Problems. fahren.
61
Gott kennen lernen
Der weit gereiste Äthiopier war Er sprach von den Leiden und
nach Jerusalem gekommen, um Schmerzen und wie man den et-
Gott anzubeten. Das Verlan- was über dreißigjährigen Jesus
gen, Gott kennen zu lernen, von Nazareth an das Kreuz na-
war vorhanden. Er meinte es gelte.
ernst. Daher die weite Reise nil-
abwärts, am Meer entlang, bis Er redete von dem Warum und
hin zu dem Heiligtum der Juden Wieso seines Todes, dass Jesus
nach Jerusalem. Aber erst auf Christus die Strafe zu seinem
der Rückkehr, dort in der Öde, in Frieden auf sich nahm, um aus
der Stille wurde er von Gott und ihm, dem verlorenen Sünder mit
seinem Wort wirklich gepackt. seinem wert- und inhaltslosen
Leben, einen glücklichen, er-
Philippus stieg auf seinen Wagen lösten Menschen mit Sinner-
und erklärte ihm, bei der gelese- füllung für Zeit und Ewigkeit
nen Schriftstelle beginnend, das zu machen.
Evangelium von Jesu, dem Philippus sprach von Buße und
Lamm, das vor einiger Zeit in Umkehr, aber auch von der un-
Jerusalem zur Schlachtung ge- endlichen Liebe Gottes – bis
führt worden war. schließlich der Minister sein Le-
Er sprach darüber, warum das ben vor Gott aufdeckte, um Ver-
Lamm, das doch der ewige Sohn gebung seiner Schuld bat und
Gottes war und ist, vor seinen Jesus Christus im Glauben
Anklägern stumm blieb und sich als seinen neuen Herrn, Füh-
ihnen nicht widersetzte. rer und Erlöser annahm.

Die weitere Heimreise setzte er


als ein neuer Mensch fort, glück-
lich und dankbar für das, was
Christus für ihn getan hatte.
Das alles geschah auf jenem klei-
nen Wagen, der einsam durch die
Halbwüste rollte.
62
Es war unser Wunsch, Ihnen mit
Wo wird Gott dieser Broschüre deutlich zu ma-
chen, dass die Bibel das WORT
Sie erreichen? GOTTES ist. Vielleicht ist uns
das gelungen?
Wann wird ER Sie bereit finden?
Werden Sie still stehen, damit Sie können jedenfalls ganz sicher
Gott zu Ihnen reden kann? sein, das Wort Gottes ist die ein-
Kann ER Sie durch Schwierig- zige Grundlage für das jetzige
keiten in Ihrem Leben auf das und das zukünftige Leben.
ewige Leben hinweisen?
Oder werden Sie immer wieder Wir bitten Sie herzlich, wenden
„nein“ sagen, bis auch ER Sie sich persönlich an diesen Hei-
schweigt? land-Gott der Bibel –

Persönlich ER wartet auf Sie!


Möge Gott Sie in die Stille, zur Die Beschäftigung mit
persönlichen Einkehr und Um-
kehr leiten. Er will Ihnen zeigen,
seinem Wort und seinen
dass das Sterben Jesu auch für Gedanken wird dann Ihre
Sie nötig war, um Sie vor ewiger tägliche Freude sein.
Strafe in der Gottesferne zu be-
wahren, und stattdessen ewiges A. R. / S. D. u. a.
Leben in seiner Gegenwart zu
schenken.

„Herr, zu wem sollen wir


gehen? Du hast Worte
ewigen Lebens.“ Johannes 6,68

„Der Himmel und die Erde


werden vergehen, meine
Worte aber werden nicht
vergehen.“ Matthäus 24,35

63