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4 2000

K 11661
Meinerzhagen
Nr. 92/Jg. 2000

Kontaktblatt
aktiver Christen

fest
und
treu
Mit Ausharren laufen
den vor uns liegenden Wettlauf
Hebräer 12.1
Impressum
fest Heft Nr. 92
und 4. Quartal
treu 2000

? !
Herausgeber Ich habe einen Freund, der seine Frau sehr liebt – mit einer Einschränkung: ihre Füße liebt er
CLV erklärterweise nicht! Nicht etwa, weil sie unansehnlich oder geruchsbelästigend wären. Nein,
Christliche Literatur- er hat nur eine starke Antipathie gegen Barfüße, egal, wem sie gehören. Ein Vers im Römer-
Verbreitung e.V. brief hingegen rühmt genau jene Körperteile, welche viele von uns stark vernachlässigen:
Postfach 110 135
»Wie lieblich sind die Füße derer, die das Evangelium des Friedens verkündigen!« Röm 10,15
33661 Bielefeld
Diese Betonung ist ungewöhnlich und auffällig. Der Text stellt einem förmlich ein Beinchen.
Bankkonto Hätte der Autor die Lippen, Zunge oder Stimmbänder des Predigers gerühmt, so leuchtete das
Volksbank Bielefeld ein. Warum aber gleitet sein Blick herab zu den staubigen Sandalen, den verschwitzten Zehen
Kt.-Nr. 699 699 600 oder zu den hornhäutigen Fußsohlen der Verkündiger guter Botschaft?
BLZ 480 600 36
Wenn Jesaja im 52. Kapitel sagt: (woraus Paulus zitiert) »Wie lieblich sind auf den Bergen die
Sonderkonto für Füße d e s s e n ...«, so handelt es sich hier zweifellos um die Füße des Messias – unseres
Außenmission Herrn Jesus. Von ihm heißt es, dass er u m h e r g i n g , wohltuend und heilend (Apg 10,38).
Für Lateinamerika, Er gönnte seinen Füßen tatsächlich keine Ruhe, bis sie festgenagelt wurden.
Rußland, usw.:
CLV-Auslandshilfe Und seine Nachfolger? Müssten ihre Füße nicht ebenso in Bewegung sein wie die Füße ihres
Volksbank Herrn? In Apg 8,4 heißt es von den Christen der ersten Generation: »Sie g i n g e n u m h e r
Meinerzhagen und verkündigten das Wort.«
Kt.-Nr.: 101 210 3300
Und wir? Zu wem machen wir uns heute endlich auf, um das Evangelium weiter zu tragen?
BLZ: 45 86 16 17
Geht unser Glaube in die Beine, oder kriegen wir bei dem Gedanken an Evangelisation »kalte
Bitte immer den Füße«, weil wir sie viel lieber gemütlich von uns strecken? (Dann sei der Artikel von Seite 4
Verwendungszweck
besonders empfohlen!)
angeben und bei
Spendenbescheini- Neue Motivation, täglich den Fußstapfen Jesu zu folgen –
gungs-Wunsch auf auch durchs Lesen dieser Ausgabe – wünscht
eine vollständige
Absender-Anschrift
achten. Danke sehr!

Erscheinungsweise
erscheint
fest
und vierteljährlich
treu und kann ko-
stenlos bezogen werden.
Inhalt
Schriftleiter und
Versandstelle
Das Endergebnis des Ganzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
Wolfgang Bühne Der „Auskehricht der Welt“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
Postfach 1126 Der unbekannte Diener – zum 200. Geburtstag von J. N. Darby . . . . . . . . . . . . . . . . 7
58527 Meinerzhagen
Good news: „Chariot’s coming!“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Bestellungen, Keine Ambitionen für diese Welt – Interview mit Dave Hunt . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
Abbestellungen sowie Kasachstan – ein Land ohne Zukunft? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .14
Adressänderungen bitte
umgehend an folgende „Für einen Mörder sind 71/2 Jahre Knast zu wenig!" Ein Lebensbericht . . . . . . . . . 17
Adresse senden: „Echt cool!“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .19
A. Fett, Schoppen 1
58540 Meinerzhagen;
Termine 2001 im Freizeithaus Schoppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
e-mail: Buchbesprechungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
afett@t-online.de
Das
Endergebnis
des Ganzen
„Das Endergebnis des Ganzen lasst uns hören:
Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das ist der ganze Mensch.
Denn Gott wird jedes Werk, es sei gut oder böse, in das Gericht über
alles Verborgene bringen.“ (Prediger 12,13-14)

Hier fasst Salomo das Endergebnis seiner ganzen „Predigt“ zusammen. Höheres können
wir nicht lernen, als Gott zu fürchten. Höheren Lohn kann kein Streben bieten als die
Gottesfurcht:
„Die Folge der Demut, der Furcht des HERRN, ist Reichtum und Ehre und Leben.“ (Spr 22,4)
Das Ende des Buches verweist uns auf die Ewigkeit, nachdem es mit der Zeit, nämlich mit
dem Leben unter der Sonne angefangen hatte. Es ist in dieser Welt alles Eitelkeit, ja, aller-
größte Eitelkeit. Wir sind aber nicht berufen, ewig in dieser Welt zu sein. Gott hat die
Ewigkeit in unsere Herzen gelegt, denn er hat uns für die Ewigkeit geschaffen. Es wird der
Tag des Gerichts kommen und mit ihm der Tag der Ewigkeit. Wenn unser Herz mit diesem
Tag verwoben ist, werden wir Gott fürchten und seine Gebote halten, und während wir es
tun, werden wir feststellen, dass das „der ganze Mensch“ ist. Warum „der ganze Mensch“?
Weil er in der Gottesfurcht beides findet:
„Die Gottseligkeit aber ist zu allen Dingen nütze, indem sie die Verheißung des Lebens hat,
des jetzigen und des zukünftigen“ (1Tim 4,8).
Der ganze Mensch, das ist der äußere Mensch, der in dieser Welt lebt, und der innere Mensch,
der seufzend aber froh (2Kor 5,4-7) auf die kommende Welt wartet. Er kann mit frohem Mut
warten, weil er das kommende Gericht nicht fürchten muss, auch wenn, oder besser: gerade
weil er weiß, dass „Gott jedes Werk, es sei gut oder böse, in das Gericht über alles Ver-
borgene bringen“ wird.
In der Gottesfurcht finden wir Freude an den guten Gaben des Schöpfers, die er uns täglich
gibt, solange unser eitles Erdenleben währt, und in der Gottesfurcht finden wir jene Freude,
die nicht von dieser Welt ist:
„Welchen ihr, obgleich ihr ihn nicht gesehen habt, liebet; an welchen glaubend, obgleich
ihr ihn jetzt nicht sehet, ihr mit unaussprechlicher und verherrlichter Freude frohlocket“
(1Petr 1,8).

Aus: Das Buch Prediger – „Sphinx“ der hebräischen Literatur; CV, Dillenburg; (siehe auch die Buchbesprechung auf S. 21).

3
L E O N A R D R A V E N H I L L (1907–1994) wirkte als Leider habe ich bisher wenig biografisches
origineller Evangelist, Prediger und Autor in über Ravenhill erfahren können. Selbst füh-
England. Man erzählt von ihm, dass seine rende Männer der deutschen Pfingsbewegung
Freiluftversammlungen während der Kriegs- konnten mir keine Informationen über diesen
jahre nicht selten zu einem Verkehrs-Chaos Mann geben, der als Pfingstprediger (das
führten, weil sich die Menschenmassen so scheint sicher zu sein) weder seine eigene
sehr um ihn drängten. Denomination, noch die Charismatiker, noch
die Fundamentalisten schonte. Sein Anliegen
In Deutschland ist Ravenhill nur durch eini-
war nicht die Verkündigung typischer Pfingst-
ge Bücher bekannt geworden, die in den ver-
lehren – er blies als Wächter und Warner in
gangenen Jahrzehnten vereinzelt aufgelegt,
die Posaune, wo immer er die Gefahr erkann-
aber relativ wenig gelesen wurden. In diesen
te, dass die Wahrheit des Evangeliums durch
Büchern brandmarkt er schonungslos den
falsche Lehren oder durch unglaubwürdiges
lauwarmen Zustand der Evangelikalen, pran-
Leben der Christen verraten wurde.
gert ihre Selbstsucht und Selbstgenügsam-
keit an und geißelt ihre Weltförmigkeit. Sein Ein Kapitel aus seinem Buch „Immer noch
Freund A.W. Tozer (✝ 1963) schreibt über ihn: ein Tal voller Knochen“ (Asaph Verlag)
„Leonhard Ravenhill ist ein Mann, der von möchten wir leicht gekürzt mit freundlicher
Gott nicht dazu berufen wurde, die gewöhn- Genehmigung des Verlages hier wiederge-
liche Arbeit der Gemeinde fortzuführen, son- ben. Damit möchten wir nicht eine tolerante
dern dazu, den Priestern des Baal auf ihren Haltung zu unbiblischen Pfingstlehren mar-
eigenen Höhen entgegenzutreten, den fal- kieren, sondern wollen uns den Dienst einer
schen Propheten die Stirn zu bieten und die Gabe Gottes zu nutze machen, die uns
Leute, die von ihnen verführt werden, zu „Nichtpfingstlern“ wichtiges zu sagen hat.
warnen.“ W. Bühne
LEONARD R AV E N H I L L

Der„Auskehricht der Welt“ G E DA N K E N ZU 1. K O R I N T H E R 4,13

Was ist „der Auskehricht der Welt“? Ist ger. Er ist nicht nur ein Heiliger, sondern der
er der Schoß des Bösen, aus dem das Heiligste aller Heiligen, der Kohinoor unter
organisierte Verbrechen des Volkes ge- den Edelsteinen. „Wir Apostel“, sagt Paulus,
boren wird? Ist er der böse Genius, der „sind der Auskehricht der Welt.“ Dann fügt
überall auf der Welt Umwälzungen er der Verletzung noch Beleidigung hinzu, er-
bewirkt? War es Babylon? Ist es höht die Infamität und vertieft die Demüti-
Rom? Ist es Sünde? Hat man einen gung: „(und wir Apostel sind) ein Abschaum
Stamm böser Geister lokalisiert, aller“ (1. Korinther 4,13).
der diesen ekelhaften Titel trägt? Einer, der sich so „Auskehricht der Welt“
Ist es eine Geschlechtskrank- nennt, hat keinen Ehrgeiz – so braucht er
heit? Tausend Vermutungen auf nichts eifersüchtig zu sein. Er hat
zu dieser Frage können tau- keinen guten Ruf – so muss er auch um
send verschiedene Ant- nichts kämpfen. Er hat keinen Besitz – und
worten erbringen, von deshalb nichts, um das er sich sorgen
denen nicht eine stimmt. müsste. Er hat keine „Rechte“ – und des-
halb kann ihm nicht Unrecht getan wer-
Die richtige Antwort ist den. Gesegneter Zustand! Er ist bereits
genau das Gegenteil von tot – und so kann ihn niemand umbringen.
dem, was wir erwarten. Dieser
„Auskehricht der Welt“ kommt weder von Wundert es uns, dass die Apostel mit solch
Menschen noch von Teufeln. Er ist nicht einer Einstellung „die Welt über den Haufen
schlecht, sondern gut – nein, noch nicht ein- warfen“? Der ehrgeizige Christ sollte diese
mal gut – sondern das allerbeste. Er ist auch apostolische Haltung der Welt gegenüber
nicht materiell, sondern geistlich; ebenso bedenken. Der populäre, von keiner Narbe
wenig von Satan, sondern von Gott. Er ist verunzierte Evangelist mit dem Hollywood-
4 nicht nur von der Kirche, sondern ein Heili- Lebensstil sollte seine Lebensweise überdenken.
Schlimmer als 195 Peitschenhiebe Wahres Christentum ist viel revolutionärer
als der Kommunismus (allerdings natürlich
Wer war es dann, der Paulus viel mehr ver- ohne Blutvergießen). Die Bulldozer des Sozi-
letzte, als ihn seine 195 Peitschenhiebe, seine alismus haben versucht, die Hügel des Reich-
drei Steinigungen und drei Schiffbrüche je tums „abzutragen“ und die Täler der Armut
hätten verletzen können? Die streitsüchtigen, „aufzufüllen“. Sie dachten, dass sie durch Er-
fleischlichen, kritischen Korinther! Diese Ge- ziehung „das Krumme gerade“ machen könn-
meinde war gespalten aufgrund von Fleisch- ten – durch einen Beschluss des Parlaments,
lichkeit – und von Geld! Deshalb sagt Paulus: und dass ein Wink mit dem politischen Zau-
„Ihr seid ohne uns zur Herrschaft gekom- berstab das so lang überfällige Tausend-
men.“ Manche hatten eine Blitzkarriere als jährige Reich herbeiführen könne. Aber die
Händlerfürsten der Stadt gemacht. Betrach- Veränderungen in Russland waren nur ein
te die krassen Gegensätze in 1. Korinther 4,8: Austauschen der Bosse, und der Underdog ist
„IHR seid satt, IHR seid reich geworden; IHR immer noch ganz unten. Heute sind viele
seid ohne uns zur Herrschaft gekommen. – Menschen reich, weil sie andere arm machen,
WIR sind Narren, WIR sind verachtet, WIR aber Paulus sagte, er war „arm, machte aber
leiden sowohl Hunger als Durst und sind dennoch viele reich“. Dank sei Gott, dass der
nackt“ (Vers 10). Der wunderbare Ausgleich Geldsack von Simon dem Zauberer für den
findet sich in Vers 9: „WIR (Apostel) sind Heiligen Geist immer noch nicht interessant
der Welt ein Schauspiel geworden, sowohl ist! Wenn wir noch nicht gelehrt wurden, wie Ein Christ, der
Engeln als Menschen.“ wir den „ungerechten Mammon“ einzuschät- Abend für Abend
Es fiel Paulus nach diesem allen nicht schwer, zen haben, wie sollen wir mit den „wahren vor seinem Fern-
sich selbst als jemand zu bezeichnen, der Reichtümern“ betraut werden?
noch unter dem Geringsten stand. Dann rich- seher träumt, hat
tete Paulus diese ganze Wahrheit gegen die, Und so wurde Paulus, materiell und gesell- ein totes Hirn und
deren Glauben seinen Mittelpunkt verloren schaftlich bankrott, zu den wenigen Auser- eine bankrotte
hatte. Diese Korinther waren voll, aber nicht wählten gerechnet, die als der „Auskehricht
frei. (Ein aus der Zelle entlaufener Häftling, der Welt“ aufgelistet sind. Dies half ihm sich- Seele. Er täte
der immer noch seine Kette hinter sich her- er zu verstehen, dass er, als Kehricht, von den besser daran,
zieht, ist nicht frei.) Paulus ist nicht darüber Menschen mit Füßen getreten werden wür- Gott zu überre-
bekümmert, dass sie Luxus und Überfluss de. Obwohl er auf dem Areopag den Philo-
haben und er nichts. Er beklagt, dass ihr sophen, den Stoikern und Epikuräern ant- den, ihn aus
Reichtum ihre Seele schwach gemacht hat. worten konnte, ließ er sich um Christi willen dieser Welt zu
Sie haben Komfort, aber kein Kreuz; sie sind bereitwillig als „Narr“ einordnen. nehmen, wenn er
reich, aber nicht um Christi willen angeklagt.
Er sagt nicht, dass sie nicht zu Christus ge- Die Welt stand Jesus grundsätzlich und im- so wenig von
hören, aber dass sie einen dornenfreien Weg mer feindselig gegenüber. Brüder, entschei- dieser laxen,
in den Himmel suchen. Er erklärt: „Oh, dass den wir uns dafür? Was ist uns unange- losen, lüsternen
IHR doch wirklich zur Herrschaft gekommen nehmer, als zu den „Ungebildeten und Un-
wäret, damit auch WIR mit euch herrschen wissenden“ gerechnet zu werden? – ob- Zeit mitbekommt,
könnten!“ Wenn sie tatsächlich herrschten, wohl ein Ungebildeter und Unwissender die dass die Blindheit
dann wäre Jesus schon wiedergekommen, das Offenbarung geschrieben hat, die die Ge- der Sünder ihm
Tausendjährige Reich wäre angebrochen, und, lehrten immer noch vor Rätsel stellt.
fügt Paulus hinzu, „WIR würden mit euch nicht mehr die
herrschen“. Voller Kopf und leeres Herz Seele zerreißt.
Die ärgerliche „andere“ Revolution Heute leiden wir unter einer Plage von
Dienern Gottes, die sich mehr darum
Wer aber möchte so entehrt, verachtet, kümmern, dass ihr Kopf gefüllt als
entwertet werden? Solche Wahrheit ist dass ihr Herz feurig wird … Tatsache
revolutionär und ein Ärgernis für unsere ist, dass geistliche Dinge geistlich
verdrehte christliche Lehre. Können wir wahrgenommen werden (nicht
uns darüber freuen, für Narren gehal- psychologisch). Weder Gott
ten zu werden? Ist es leicht, den eige- noch seine Urteile haben sich
nen Namen in den Schmutz getreten geändert. Durch sein Vorrecht
zu sehen? Der Kommunismus gibt es immer noch Dinge, die
erniedrigt alle Menschen, so den Weisen vorenthalten und
dass sie auf einer Ebene sind; den „Unmündigen offenbart“
Christus erhebt alle Menschen, werden. Und Unmündige sind
so dass sie auf einer Ebene sind! nicht sonderlich intellektuell! 5
Die Kirche brüstet sich heute mit dem insge- nicht, Brüder, dass die Welt euch hasst. Wenn
samt hohen IQ ihrer Diener. Moment mal, ihr von der Welt wäret, würde die Welt das
bevor wir im Fleisch triumphieren! Gleich- ihre lieben.
zeitig haben wir eine insgesamt niedrige
Rate bei den geistlichen Geburten, denn der Paulus erklärt auf gut Deutsch: „Die Welt ist
Teufel, Bruder Apollos, ist von deinen ver- mir gekreuzigt.“ Lässt das nicht die Christen
balen Wasserfällen nicht beeindruckt! des zwanzigsten Jahrhunderts weit hinter
Die Abgrenzung von der Welt ist deutlich, sich? Viele gingen nach Golgatha, um die
absichtlich. Bunyans Pilger, die durch den Demütigung der Verbrecher mitzuerleben.
Markt der Eitelkeit kommen, dienten der An- Am Kreuz war Karneval, über das Elend wur-
schauung. In Kleidung, Sprache, Interesse de gespottet. Wer aber kam am nächsten
und Wertgefühl unterschieden sie sich von Morgen, um nach den Opfern zu sehen? Als
den Weltlingen. Ist dies heute auch bei uns erste die Geier – um ihre Augen auszuhacken
der Fall? und ihre Rippen abzunagen; dann fraßen
Während des letzten Krieges sagte ein briti- Hunde die Gliedmaßen, die von diesen bewe-
scher General: „Wir müssen unsere Männer gungslosen Opfern herunterhingen. So ent-
hassen lehren, denn was der Mensch hasst, stellt und dekoriert mit den eigenen Einge-
das bekämpft er.“ Wir haben viel (wenn auch weiden waren die Verbrecher schrecklich an-
nicht halb so viel wie nötig) über die voll- zusehen. Und genauso unattraktiv war für
kommene Liebe gehört; aber wir müssen Paulus die gekreuzigte Welt!
auch wissen, wie man zornig ist, ohne zu
Bald heißt es; sündigen. Der geisterfüllte Gläubige wird Das Gold und die Gier sind ihr Gott
„Lebewohl, Missetaten, Ungerechtigkeit und Unreinheit
hassen; und er wird gegen diese alle ins Feld Auch wir könnten gut innerlich geschüttelt
Sterblichkeit – ziehen. Weil Paulus die Welt hasste, hasste und mit zitternden Lippen diesen Satz wie-
willkommen, die Welt Paulus. Auch wir müssen so in der derholen: „Die Welt ist mir gekreuzigt!“ Nur
Ewigkeit!“ Opposition stehen. wenn wir so der Welt und all ihren Spielen,
ihrem eitlen Pomp und verblassenden Freu-
Ich wünsche Stanley schrieb sein „Dunkelstes Afrika“ und den gestorben sind, können wir die Freiheit
dir, geliebter General Booth sein „Dunkelstes England“ in- kennen, die Paulus kannte. Tatsache ist, dass
Gläubiger, ein mitten zermürbender Opposition. Der erste wir Nachfolger Christi die Welt, ihre Mei-
sah den hohen undurchdringlichen Urwald nungen, Vorlieben und Qualifikationen re-
Jahr opferbe- mit seinen lauernden Leoparden, versteckten spektieren. Ein moderner Kritiker sagt, dass
reiten Dienstes Schlangen und Bewohnern der Dunkelheit. uns Gläubigen Gold der Gott und Gier das
für den, der Booth sah die englischen Straßen, wie Gott Glaubensbekenntnis ist. (Darüber ärgert sich
sie sah – die lauernde Lust, die Säemänner nur, wer sich ertappt fühlt!) Auf der anderen
unser Opfer- der Sünde, die Spielsucht, das Verderben der Seite kenne ich östlich und westlich des At-
lamm war. Prostitution – und er stellte eine Armee für lantiks einige Christen, die von anderen ab-
Auch wir Gott auf, die das bekämpfte. Jetzt sind unse- gelegte Kleidung tragen und so alle ihre
re Straßen Missionsfelder an der Front. Ver- Dollars und Cents (oder Mark und Pfennig) in
wollen un- gesst Zivilisiertheit, denn eine wohlerzogene, Gottes Reich stecken. Bei seiner starken Be-
seren Lauf freundlich sprechende Dame mit guten Ma- tonung der Abtrennung wundert man sich,
mit Freude nieren kann so weit von Gott entfernt dass Paulus überhaupt je Bekehrungen sah.
sein wie die Mau-Mau-Mutter im Bast-
vollenden. Rock. Unsere Städte leben mit der Un- Dieser gesegnete Mann, dem die Welt ge-
reinheit. kreuzigt war, wurde für „verrückt“ gehalten.
Ein Christ, der Abend für Abend vor Darüber hinaus präsentierte Paulus seine Bot-
seinem Fernseher träumt, hat ein totes schaft so, dass einige ihn umbringen wollten,
Hirn und eine bankrotte Seele. Er täte weil ihr Handwerk in Gefahr war! Diese ge-
besser daran, Gott zu überreden, segneten Apostel mit ihrer gesunden, hei-
ihn aus dieser Welt zu nehmen, ligen Geringschätzung der Welt beschä-
wenn er so wenig von dieser men uns.
laxen, losen, lüsternen Zeit mit-
bekommt, dass die Blindheit der Bald heißt es; „Lebewohl, Sterblich-
Sünder ihm nicht mehr die Seele keit!“ und: „Willkommen, Ewigkeit!“
zerreißt. Jede Straße ist jetzt voll Ich wünsche dir, geliebter Gläubiger,
von Teuflischem, Trunksucht, Schei- ein Jahr opferbereiten Dienstes
dung, Dunkelheit und Verdamm- für den, der unser Opferlamm
nis. Wenn ihr gegen all dies war. Auch wir wollen unseren
6 aufsteht, dann wundert euch Lauf mit Freude vollenden. ■
G E R R I T A L B E R TS

Der unbekannte Diener


Z U M 200. G E B U R TSTAG VO N J. N. D A R BY

Als John Nelson Darby starb, wurde in seinen Mehr und mehr geriet er in Schwierigkeiten
Grabstein dieses Gedicht von ihm eingraviert: mit der anglikanischen Kirche. Ein Problem war
„Herr, lass mich auf dich allein warten. Mein für ihn, dass Iren, die sich bekehrten und sich
Leben sei nur dieses: Dir auf Erden unbekannt der protestantischen Kirche anschließen woll-
zu dienen und dann deine himmlische Freude ten, einen Treueeid auf den englischen König
zu teilen.“ Einen Teil dieser Bitte hat Gott in so als dem Oberhaupt der anglikanischen Kirche
fern erhört, als Darby bis zum heutigen Tag in ablegen mussten. Ihm wurde klar, dass die bib-
der Christenheit, gemessen an seinem Einfluss, lische Kirche sich von den eher politisch de-
relativ unbekannt geblieben ist. Seinem Tauf- finierten Kirchen unterscheidet und aus allen
paten, Admiral Nelson, der die englische Flotte wahren Gläubigen besteht. Darby legte sein
zum Sieg über Napoleons Kriegsmarine führte, Priesteramt nieder und trat 1834 aus der
ist das höchste Denkmal Londons gewidmet. anglikanischen Kirche aus.
An Darby erinnert kein Straßenname, kein Mu-
In Dublin traf er sich 1829
seum, kein Darby-Institut. Wenn sein Name
mit drei Freunden zu ei-
außerhalb der 'geschlossenen Brüderversamm-
nem Gottesdienst mit
lungen' erwähnt wird, dann meistens negativ:
Abendmahlsfeier un-
Dem Begriff 'Darbysmus' hängt der Geruch ei-
abhängig von den
ner überheblich-ängstlichen Isolation von an-
bestehenden De-
deren Christen und einem rückwärts gewand-
nominationen und
ten Verständnis von Christsein an.
Kirchen. Weil sie
Die Zahl der z. Zt. lebenden Evangelikalen wird eine Unterteilung
auf 350 bis 650 Mio geschätzt.1 Obwohl die der Gläubigen in
meisten von ihnen in ihrem heilsgeschicht- 'Geistliche' und
lichen Denken stark von Darby geprägt sind, Laien ablehnten,
sind die wenigsten sich dessen bewusst und wurden sie in der
An J. N. Darby
kennen nicht einmal seinen Namen. Folge häufig als erinnert kein
Wer war J.N. Darby und was verdanken wir ihm? 'Brüder' bezeichnet.
Anfang der dreißiger Jahre des 19. Jahrhun-
Straßenname,
Zur Biografie derts entwickelte Darby ein großes Interesse kein Museum
für biblische Prophetie. Konferenzen zu diesen
Am 18. 11. 1800, also vor 200 Jahren, wurde
Themen fanden zum Teil auf dem Schloss einer
und auch kein
Darby als jüngster Sohn einer vornehmen eng-
lisch-irischen Familie in London geboren. Er
Lady Powerscourt statt. Mit dieser Dame war Darby-Institut
Darby verlobt. Im Einvernehmen mit ihr löste er
studierte zunächst Rechtswissenschaft und er-
allerdings diese Verbindung unter dem Ein-
hielt hohe akademische Auszeichnungen. Nach
druck, dass seine bereits damals sich anbah-
seiner Bekehrung im Alter von etwa 21 Jahren
nende umfangreiche Reisetätigkeit im Dienste
verzichtete er auf eine aussichtsreiche juris-
des Herrn mit einer Ehe schlecht vereinbar sei.
tische Karriere und studierte Theologie. Sein
Vater war darüber so erbost, dass er ihn ent- In der beginnenden Brüderbewegung war er
erbte, was er allerdings später wieder rück- zweifellos die einflussreichste und begabteste
gängig machte. Als anglikanischer Priester ar- Persönlichkeit. Durch seine Schriften und seine
beitete Darby in einer ländlichen Gegend Ost- unermüdliche Reisetätigkeit auf dem europäi-
irlands. Bedingt durch einen Reitunfall wurde schen, amerikanischen und australischen Kon-
er für längere Zeit bettlägerig und studierte in- tinent trug er zur Entstehung hunderter von
tensiv die Bibel. Obwohl er seit seiner Bekeh- Brüdergemeinden, zu ihrer lehrmäßigen Konsis-
rung eifrig Gott diente, hatte er keinen inneren tenz und ihrem Frömmigkeitsstil entscheidend
Frieden. Diesen erlangte er, als Gott ihm auf bei. Es ist fraglich, ob es – menschlich gespro-
dem Krankenlager im Winter 1827/28 verste- chen – ohne seinen Einfluss überhaupt eine
hen ließ, „dass ich in Christus bin, mit ihm Brüderbewegung als eine relativ einheitliche
vereinigt durch den Heiligen Geist.“2 kirchengeschichtliche Strömung gegeben hätte. 7
Die Erwartung der nahen Wiederkunft Christi
Heilsgeschichte und Prophetie hatte eine dynamische, durchgreifende Wirkung
Den größten Einfluss und die größte Akzeptanz auf das Leben der ersten Generation der Brüder-
hat Darby über die Grenzen der Brüderbewe- bewegung. Sie haben ihre Bestimmung nicht
gung hinaus durch seine Sicht der Heilsge- darin gesehen, es sich hier auf der Erde komfor-
schichte und Prophetie erzielt. Seit unter Kaiser tabel und gut einzurichten, sondern mit großer
Konstantin das Christentum zur römischen Energie Gott zu dienen und seinen Sohn aus den
Staatsreligion erklärt wurde, habe die meisten Himmeln zu erwarten. Auf den Verzicht Darbys
Die Erwartung bekannten Kirchenlehrer die Auffassung ver- auf Karriere, Erbe, Priesteramt und Ehe wurde
der nahen treten, dass das 1000-jährige Reich sich in den schon hingewiesen. Georg Müller und Henry
Wiederkunft christianisierten Staaten verwirklicht. Die alt- Craik verzichteten auf ihr regelmäßiges Einkom-
testamentlichen Verheißungen für Israel als Volk men als Prediger. Robert Cleaver Chapman ver-
Christi hatte eine Gottes auf dieser Erde wurden auf die christli- kaufte sein Vermögen und lebte bescheiden als
dynamische, che Kirche übertragen. Diese heilsgeschichtli- Seelsorger und Evangelist in einem Armenviertel
durchgreifende che Sicht kann man als post-nizäanisch (nach in Barnstaple. William Kelly verzichtete auf eine
dem Konzil von Nizäa, 325 n. Chr.) oder auch, akademische Karriere. In Plymouth, wo die erste
Wirkung auf das weil sie von den Reformatoren vertreten wur- Brüderversammlung auf englischem Boden ent-
Leben der ersten de, als reformatorisch bezeichnen. Für die Sicht stand, fand eine dreitägige Auktion statt, um
Generation der Darbys hat sich der Begriff Dispensationalis- überflüssige Möbel, Kleidung, Silberbesteck usw.
mus eingebürgert (nach engl.: dispensation = zugunsten der Mission zu versteigern.
Brüderbewegung [göttl.] Führung, Lenkung der Welt). Einige
wesentliche Unterschiede zwischen beiden Lehr-
Gemeindelehre
systemen lassen sich wie folgt darstellen:
Ausgangspunkt für die Entstehung der Brüder-
R E F O R M ATO R I S C H D I S P E N S AT I O N A L I ST I S C H bewegung war die Frage: Wie können wir als
Christen über die Mauern der unterschiedlichen
G LIEDER alle Gläubigen von Adam alle Gläubigen von Pfingsten Denominationen hinweg Gemeinschaft mitein-
DER K IRCHE bis zum jüngsten Tag bis zur Entrückung ander praktizieren? Damals war es nicht möglich,
zum Beispiel das Abendmahl in einer Freikirche
V ERHEISSUNGEN gehen auf die Gemeinde über, gehen buchstäblich zu feiern, wenn man nicht gleichzeitig Mitglied
AN I SRAEL IM AT haben sinnbildliche Bedeutung für Israel in Erfüllung
war. Die Sicht Darbys und der ‘Brüder’ war: Wir
K IRCHE UND als Christen haben gemeinsam Anteil am Leib
Gott will die Welt durch die Jetzt ist die Zeit, mit Christus
G ESELLSCHAFT Kirche regieren zu leiden, um später mit Christi und sind unter den Segen seines Blutes
ihm zu herrschen. gekommen, unabhängig von der Zugehörigkeit
zu einer Denomination. Beim Abendmahl wird
Z UKUNFTS - Gottes Herrschaft über die In der Christenheit gibt es dieser Einheit des Leibes Christi Ausdruck ge-
PERSPEKTIVE Welt breitet sich durch die - einen Abfall. Die Herrschaft des geben. Es ist deswegen ein Widerspruch zur Hei-
Wirksamkeit der Kirche aus. Herrn Jesus über die Erde durch ligen Schrift, Gläubigen die Teilnahme am Abend-
Keine Erwartung eines buch- sein persönl. Wiederkommen mahl zu verweigern nur aufgrund der Zuge-
stäblichen 1000-jährigen zu Beginn des 1000-jährigen hörigkeit zu einer anderen Denomination. Dieses
N ÄCHSTE Reiches (Amillenialismus) Reiches (Millenialismus) offensive Prinzip der Einheit aller Gläubigen ver-
HEILSGESCHICHT-
suchte man in der Gemeindepraxis auch umzu-
LICHE Z ÄSUR Der Jüngste Tag Die Entrückung der Gläubigen
setzen, indem man einen Gemeindenamen ver-
mied, der irgendwie von anderen Christen ab-
Lehrunterschiede zwischen Reformatoren und Dispensationalisten grenzen würde. Auch gab es kein festgeschrie-
benes Glaubensbekenntnis und keine Mitglieds-
Aufgrund seiner Studien des prophetischen
listen, letzteres um anzudeuten, dass sich kein
Wortes der Heiligen Schrift hat Darby bereits in
Erlöster des Herrn Jesus außen vor fühlen sollte.
der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von ei-
ner Rückkehr der Juden in das Land ihrer Vor- Mit zunehmender Dauer der Brüderbewegung
fahren und einer nationalen Wiederherstellung kam zu dem offensiven Prinzip der Verbunden-
Israels gesprochen. Die Zeitgeschichte hat sei- heit mit allen Gläubigen ein defensives: Das
ner Deutung recht gegeben. Sicher war Darby Ideal, eine bibeltreue, reine Gemeinschaft in ei-
nicht der erste und einzige mit dieser heilsge- ner verdorbenen Christenheit zu sein und keine
schichtlichen und prophetischen Sicht. Aber er faulen Kompromisse einzugehen. Diese Tendenz
war derjenige, der sie in einen ganzheitlichen wird mit dem von Darby in seinem Schrifttum
biblischen Begründungs-Zusammenhang ge- des öfteren benutzten Ausdruck 'Absonderung
bracht hat. vom Bösen' angedeutet.
8
Leider ist das erste Prinzip der Verwirklichung Verhältnis zu
der Einheit der Christen in weiten Teilen der den Armen und zur Evangelisation
Brüderbewegung, die sich besonders Darby
Obwohl Darby von seiner Abstammung her aus
verpflichtet fühlen, in der Praxis – wenn über-
der Aristokratie kam und seiner Begabung
haupt – nur noch sehr verhalten vorhanden,
während das zweite Prinzip der Trennung von
nach ein Lehrer war, hatte er eine besondere „Ich liebe
Vorliebe für die Armen und hielt die Gabe des
Bösen teilweise ins Groteske überzeichnet wor-
Evangelisten für die höchste und wichtigste der die Armen
den ist. Manche Aspekte des ersten Grund-
satzes sind im gesamten evangelikalen Bereich
gegenwärtigen Zeit.5 Wenn er sich nicht auf Rei- und ich
Allgemeingut geworden, während ein sorg-
sen befand, sah sein normaler Tagesablauf etwa empfinde
so aus: Er stand um 700 Uhr auf. Der Vormittag
fältiges Nachdenken und Umsetzen des zweit-
war dem Studium der Bibel und seiner literari- ihnen gegen-
en Punktes der evangelikalen Bewegung an
manchen Stellen bitter Not tun würde.
schen Arbeit gewidmet. Die Nachmittage pfleg- über kein
te er mit dem Besuchen der Armen und Kran- Misstrauen,
ken zu verbringen. Abends besuchte er Gemein-
Tiefe Achtung vor Gottes Wort da ich die
destunden und/oder predigte das Wort. (W. S. 102)
Die Brüderbewegung war (und ist hoffentlich) Er schrieb: „Ich liebe die Armen und ich emp- weitaus
ganz wesentlich eine Bibellese- und Bibelstu- finde ihnen gegenüber kein Misstrauen, da ich meiste Zeit
dienbewegung. Darby, der nicht durch Predig- weitaus die meiste Zeit unter ihnen lebe und
ten, sondern durch das Studium der geschrie- zwar mit frohem Herzen.“6 In Bezug auf Evan- unter ihnen
benen Bibel Frieden mit Gott fand, hat dies gelisation bemerkte er, er habe von je her eine lebe und
sehr beeinflusst und gefördert. Die besondere Be- Liebe dazu gehabt, und war der Überzeugung, zwar mit
tonung des allgemeinen Priestertums der Gläu- dass die 'Brüder', wenn sie aufhörten, eine evan-
bigen, die Ablehnung ordinierter Geistlicher gelisierende Gruppe von Christen zu sein, sek- frohem
und die Erkenntnis, dass es in der Gemeinde tiererisch werden würden, wenn nicht theo- Herzen!“
keine „Ein-Mann-Show“ geben sollte, hat ein retisch, dann praktisch.7
breites Bibelwissen in der Brüderbewegung be-
günstigt. Darby legte Wert auf Übersetzungen, Licht und Schatten
die dem Grundtext der Heiligen Schrift nahe einer Führerpersönlichkeit
kamen. Er war ein Sprachgenie, zumindest was
Die Lebensgeschichte Darbys macht deutlich,
die sprachwissenschaftliche Kompetenz anging;
dass er mutig zu seinen Überzeugungen ge-
seine Performanz war dadurch beeinträchtigt,
standen hat, auch wenn ihm dies persönliche
dass seine (Schrift-)Sprache schwer verständ-
Nachteile brachte. Dieses Beharrungsvermö-
lich, umständlich und wenig volkstümlich war.
gen, die Energie und die Unabhängigkeit von
Er war an sechs Bibelübersetzungen beteiligt: menschlicher Zustimmung oder Ablehnung hat,
französisch, deutsch, niederländisch, englisch, wie wahrscheinlich jede charakterliche Eigen-
schwedisch und italienisch. Im Deutschen ist schaft, seine positive und seine negative Seite.
die Elberfelder Bibelübersetzung im Wesentli-
Diese Ambivalenz kann man in dem Leben viel- Luther: „Hier stehe ich,
chen sein Werk. Julius von Poseck, der mit ihm ich kann nicht anders!“
er (christlicher) Führungspersönlichkeiten beob-
und Carl Brockhaus bei der Übersetzung der NT
achten: Wenn man zum Beispiel Luther 1521
zusammenarbeitete, schrieb, dass er „ein halbes
vor dem Reichstag und dem Kaiser sieht mit
Jahr lang ihm ... in der Übersetzung des Neuen
seinem „Hier stehe ich, ich kann nicht anders!“,
Testamentes ... in einem geringen Maß bei-
denkt man respektvoll: Ein mutiger Mann, der
stand, und so täglich Gelegenheit hatte, die
sein Leben für Gott und seine biblischen Über-
tiefe Einsicht J. N. Darbys in die unergründ-
zeugungen riskiert. Liest man jedoch weiter in
lichen Tiefen des Wortes Gottes zu bemerken.“3
seiner Biografie, kommt man auch zu dunklen
Einen Eindruck von seiner großen Begabung, Stellen wie z. B. das Gespräch mit Zwingli über
die Zusammenhänge in der Heiligen Schrift deut- das Abendmahl im Jahre 1529: Beide Seiten do-
lich zu machen, kann sich jeder verschaffen, kumentierten in 14 Artikeln ihre Einigkeit über
der seine Bücher liest. Im Englischen gibt es da- die Hauptpunkte des Christentums. Lediglich in
von über 50. Sein bestes literarisches Werk ist einem Punkt gab es einen Unterschied: Zwingli
– laut seinem Freund William Kelly – die 'Syn- glaubte, dass Brot und Wein den Leib und das
opsis', ein Kommentar zur gesamten Bibel.4 Be- Blut des Herrn symbolisieren, während Luther
sonders das Studium seiner Ausführungen zu meinte, Leib und Blut des Herrn wären im Brot
den neutestamentlichen Briefen sind lohnend, und Wein leiblich (oder substantiell) gegenwär-
wenn auch für uns Fast-Food-verwöhnte Men- tig. Luther wies die dargebotene Rechte Zwing-
schen des 21. Jahrhunderts eine mühsame Arbeit. lis zurück mit den Worten: „Ihr habt einen an-
9
„Das ist und guten Mann“ – wie William Kelly ihn Jahre
nach seinem Tod charakterisierte – sollten die-
wahre se und andere Schwachpunkte nicht verdrängt
Größe: werden. Nur so können wir zu einer fairen Beur-
Unbemerkt teilung finden, welche einerseits das Übel der
Menschenverherrlichung und andererseits die
zu dienen Geringschätzung dessen, was Gott durch Darby
und unge- gewirkt hat, vermeidet.
sehen zu
Wohlbekannt und unbekannt
arbeiten.“
Abschließend soll noch einmal über den Be-
kanntheitsgrad von Darby nachgedacht wer-
den. Auf seinem Grabstein steht in Anlehnung
an 2Kor 6,9: „Als unbekannt und doch wohl-
bekannt.“ Die Frage ist, wo er unbekannt und
wohlbekannt ist. Er selbst hat keinen Wert auf
Bekanntheit in der Welt oder der Christenheit
gelegt: „Das ist wahre Größe: Unbemerkt zu die-
nen und ungesehen zu arbeiten.“10 Wenn man
„Es mag be- deren Geist als wir. Es wundert mich, dass ihr
seine Schriften liest, kann man sich schwer
mich, dessen Lehre ihr für falsch haltet, doch
fremdend als einen Bruder erkennen wollt. Ihr müsset
dem Eindruck entziehen, dass er nicht nur mit
der Bibel, sondern auch mit dem Autor der
sein, mich wohl selbst nicht viel auf eure Lehre halten.“8
Heiligen Schrift sehr vertraut war. Kurz vor
selbst im Hier drängt sich der Eindruck auf: Wie kann ein
seinem Tod sprach er mehrfach ungefähr fol-
Mann, durch den Gott so viel Segen bewirkt
Himmel an- hat, nur so starrköpfig und arrogant sein.
gende Worte: „Es mag befremdend sein, mich
zutreffen; selbst im Himmel anzutreffen; aber es wird
Die erste der zahlreichen Spaltungen der Brü- kein fremder Christus sein. – Jemand, den ich
aber es wird derbewegung ging zurück auf eine Auseinan- während vieler Jahre gekannt habe. Wie wenig
kein fremder dersetzung zwischen Darby und Benjamin W. weiß ich von ihm! Ich bin froh, dass er mich
Christus sein. Newton in Plymouth: Viele Jahre später be- kennt: ‘Ich kenne meine Schafe'“.11
zeichnete Darby seinen Kontrahenten als „den
Ich bin froh, lieben Bruder Newton“ und den „gottesfürch-
Über seine Vertrautheit mit Gott dichtete er
folgenden Liedvers: „Dort in den Höfen voller
dass er mich tigsten Menschen, den ich je gekannt habe“.
Segen, wo aus der Fremd' ich kehre ein, kommt
kennt: ‘Ich Dr. R. Cameron, der diese Aussagen bezeugte, mir kein fremder Gott entgegen, denn er ist
kenne meine berichtet weiter: „Ich sagte: 'Nun, was hatten Gott und Vater mein. Die Liebe, die mir dort
Schafe'.“ dann alle Unruhen und die Verurteilung zu be-
deuten, wenn Herr Newton ein solch gottes-
begegnet, die mich umgibt mit Herrlichkeit,
hat mir die Wüste schon versüßet, hat mich
fürchtiger Mann ist?' Prompt antwortete er: erquickt in dieser Zeit.“ 12 ■
'Oh, aber Herr Newton hatte blasphemische
Lehren über die Person unseres hochgelobten
1 Die erste Zahl stammt aus einer der letzten Ausgaben von idea
Herrn gelehrt, und gegen diese musste vorge- spektrum, die letzte aus Ouweneel u. a.: 200 Jahre John Nelson
gangen werden.' 'Aber', sagte ich, 'Herr Newton Darby, edition Wiedenest, 2000, S. 8.
2 Aus Remmers, A., Gedenket eurer Führer, Schwelm, 1983, S. 46
zog den Aufsatz zurück, aufgrund dessen diese
3 Weremchuk, M:; John Nelson Darby und die Anfänge einer Be-
Anklage vorgebracht worden war, und veröf- wegung, Bielefeld, 1988, S. 184
fentlichte einen anderen Aufsatz, der die klar- 4 Darby, J. N.: Betrachtungen über Gottes Wort (Deutsch), Bd. 1-7,
Ernst Paulus-Verlag, Neustadt/Weinstraße, 1981
ste, schriftgemäßeste und ehrfürchtigste Be-
5 Siehe dazu Medema, H., Een nalatenschap – over de betekenis
handlung dieser heiklen Frage darstellt, die je von J. N. Darby in kerkgeschiedenis tot heden, in: Bode van het
veröffentlicht wurde.' ... 'Ja', sagte Herr Darby, heil in Christus, Nr. 11/2000, S. 9 (Die gesamte Ausgabe 11/2000
ist dem Thema „John Nelson Darby“ gewidmet.)
'aber er tat nie angemessen Buße über die Sün- 6 Weremchuk, S. 158
de!' Hier endete die Unterhaltung, weil Herr 7 Weremchuk, S. 98
Darby (denn ich liebte ihn) ein zu alter und 8 Heidrich, R., Kirchengeschichte, Berlin, 1905, S. 341
ehrwürdiger Mann war, als dass ich mir hätte 9 Weremchuk, S. 248 f
10 Weremchuk, S. 209
gestatten können, meinen Gefühlen der Empö-
11 Ouweneel, 1977, Het Verhaal van de „Broeders“, Winschoten,
rung 'angemessenen Ausdruck' zu verleihen.“ 9 1977, Bd. 1, S. 183
Bei aller Wertschätzung für diesen „großen 12 Geistliche Lieder, R. Brockhaus-Verlag, Wuppertal, Nr. 98
ANDREAS FETT

Good news: „Chariot’s coming!“


VO N SCHNELLEN W AG E N A U S A LT E N TAG E N

Normaler Nomadentag Good news: Chariot’s coming, and


Der schlohweiße Jakob – immerhin 130 Jahre I don’t want her to leave me behind!
alt – sitzt wie gewohnt im Schatten seines Gute Neuigkeit: der Wagen kommt! Und
Ziegenhaar-Zeltes. Um ihn her wimmelndes ich möchte auf keinen Fall zurückbleiben!
Leben. Seine Familie (inzwischen ein siebzig-
Mitten hinein in die Beschäftigung unseres All- Und Josef sprach: Eilt und zieht hin-
Personen-Haushalt) haust auf einem kleinen
tags wird ER kommen. Der Tag Seiner Ankunft auf zu meinem Vater und sprecht zu
Fleckchen Kanaan. Alle sind irgendwie beschäf-
wird unfasslich für uns sein. Das Riesenaufge- ihm: Gott hat mich zum Herrn von
tigt. Seine Urenkel bauen aus Palmwedeln eine
bot wird uns gelten. Und der Herr Jesus erklärt ganz Ägypten gemacht. Komm zu mir
Bude und toben in wilder Ausgelassenheit. Her-
es zur Chefsache. Er selbst wird mit gebieten- herab, säume nicht. Und du sollst
anwachsende hüten gelangweilt das Kleinvieh;
dem Ruf kommen: „Bitte aufsteigen!“ „Hinauf, nahe bei mir sein, du und deine
schwätzen und schnitzen dabei. Silpa stößt Kä-
mit den Wolken in die Luft“ (1Thess 4,17). Er Söhne und die Söhne deiner Söhne …
se und Dina backt Fladen auf Vorrat. Ein Groß-
wird Wolken zu Wagen für uns machen (Ps 104, Und ich will dich daselbst versorgen
mütterchen weint in Klagegesängen um Gher
3). Was für ein Fortbewegungsmittel! Das Gan- … Und berichtet meinem Vater
und Onan – es ist Lea. Huschim schneidet ei-
ze wird sich während eines Lidschlags, in einem alle meine Herrlichkeit in Ägyp-
nem Esel die Hufe und pfeift dabei ein Liedchen.
Augenblick vollziehen (1Kor 15,52). Lichtge- ten und alles was ihr gesehen
Ein ganz gemächlicher, normaler Nomadentag.
schwindigkeit ist dagegen Schneckentempo. habt; und eilt und bringt
Da! Sered und Elon, die die Ziegen hüten, sehen meinen Vater hierher herab …
es als erste: Am südlichen Horizont kommt aus There’s a golden crown in the heaven ... Tut dieses: Beladet eure Tiere und
einer Staubwolke etwas rasend schnell auf die and I don’t want her to leave me behind! zieht hin, geht in das Land Kanaan,
Sippe Israels zu. Was ist das? In der Nachmit- und nehmt euren Vater und eure
Eine goldene Krone liegt im Himmel bereit.
tagssonne blinkt und blitzt es auf wie gleißen- Und ich möchte auf keinen Fall zurückbleiben! Haushaltungen und kommt zu mir;
des Gold. Dergleichen haben sie noch nie ge- und ich will euch das Beste des
sehen. Die beiden laufen neugierig darauf zu. Stellen wir uns folgende Reaktionen vor: Dina Landes Ägypten geben … Nehmt
Jetzt erheben sich auch einige Frauen von den möchte eben noch rasch zu Ende backen und euch aus dem Land Ägypten Wagen
Feuerstellen und sogar die Kinder lassen sich klemmt die Backschüssel unter ihren Arm. Der für eure Kinder und für eure Frauen,
vom Spielen ablenken. greise Jakob ordnet an: „Jetzt laßt uns erst mal und holt euren Vater und kommt.
ruhig überlegen, wie wir die ganzen Zelte be- Und lasst es euch nicht leid
High-Tech meets Stone-Age hutsam verstauen. Es wäre doch wirklich zu sein um euren Hausrat, denn
schade um die altgediente Campingausrüstung. das Beste des ganzen Landes
„Whow! Vom Allerfeinsten. Krasse Karossen!“
Wer weiß, ob sie uns bei Josef nicht nützlich Ägypten soll euer sein … Und
Modernste Streitwagen kommen ihnen entge-
werden könnte.“ Und Serach meint: „Moment- Josef gab ihnen Wagen nach dem
gengejagt. Die schneidigen Wagen steuern ge-
chen noch! Ich hätte so gerne wenigstens ein- Befehl des Pharao, und gab ihnen
radewegs auf sie zu. „Modell Mizrajim, wahr-
mal aus dem eigenen Kräutergarten geerntet.“ Zehrung auf den Weg. Er gab
scheinlich aus ägyptischer Edelschmiede“ meint
Lea bittet um Verständnis: „Einen alten Baum ihnen allen Wechselkleider …
Elon. „High-Tech meets Stone-Age! Damit
verpflanzt man nicht. Ich möchte lieber bei den Und Jakob sah die Wagen die Josef
möchte ich mal ‘ne Probefahrt machen!“ seufzt
Familiengräbern bleiben.“ Auch der kleine Saul gesandt hatte, ihn zu holen. Und
Sered. Im Vergleich zu ihren Reittieren sind das
weigert sich heftig: „Ich will nicht mit. Ich will der Geist Jakobs lebte auf;
Fortbewegungsmittel aus einer anderen Welt.
erst mit den andern die Baumbude fertig bau- und Israel sprach: Genug! Josef,
Unversehens zieht einer dieser blitzenden Wa- en.“ Silpa entgegnet: „So ein Käse. Heute Nach- mein Sohnt lebt! Ich will hinziehen
gen genau auf ihrer Höhe einen engen Bogen. mittag wollte ich doch auf den Bronze-Basar und ihn sehen … Und die Söhne
Aus der Staubwolke ruft eine Männerstimme: nach Beerscheba.“ Auch Huschim winkt ab: Israels führten Jakob, ihren Vater,
„Bitte aufsteigen!“ und zügelt die PS. „Aber? „Während bester Auftragslage auswandern? Als und ihre Kinder und ihre Frauen auf
Hey! Das ist ja …? Papa! Das gibts doch nicht! Hufschmied bin ich hier doch sehr gefragt, ei- die Wagen, die der Pharao gesandt
Tatsächlich. Es ist Sebulon. Und nicht nur er. gentlich unersetzlich. Sollte ich einfach so hatte, ihn zu holen. (1Mo 45+46)
Ein Tross von mehr als einem Dutzend Wagen meinen mühsam aufgebauten Kundenstamm
kommt, um sie alle abzuholen. aufs Spiel setzen? Ich bin doch nicht blöd …“

11
Und lasst es euch nicht There’s a long white robe in the heaven ...
leid sein um euren Hausrat (1Mo 45,20) And I don’t want her to leave me behind!
Was für eine Dummheit! Statt unseres küm- Ein weißes Gewand liegt im Himmel bereit.
merlichen Krams, den wir uns mühsam auf der Und ich möchte auf keinen Fall zurück bleiben!
Erde ansammeln, bietet uns der Herr das Aller-
Über dem Kutschbock hängen feinste Stoffe –
beste: unvergängliche Werte, einen Schatz im
Wechselkleider, die es möglich machen, ange-
Himmel. Alles in Seiner Herrlichkeit soll auch
messen vor den Herrscher zu treten. Josef hat
uns gehören! Wissen wir nicht, dass wir mit
sie mitgegeben. Er möchte, dass seine Angehö-
ihm alles erben werden?
rigen passend werden für Seine Herrlichkeit.
Aber wir sind so erdverhaftet, so verwurzelt Merkwürdig! Damals, als sie Josef los werden
in den Beschäftigungen des Alltags, dass wir wollten, traten die Brüder mit dem blutgetränk-
Unser unseren materiellen Besitz höher achten, als ten Kleid vor ihren Vater, um sich zu rechtfer-
Hausrat Sein gewaltiges Angebot. Wir haben mehr Er- tigen. Und jetzt gibt ausgerechnet Josef ihnen
götzung an den Dingen dieser Welt, als an der herrlichste Kleider, um in seinen Palast zu pas-
ist nichts Hoffnung seiner Ankunft. „Lasst es euch nicht sen. Das ist unglaublich! Gnade pur.
weiter als leid sein um euren Hausrat“ – er ist nichts wei-
Was für ein Wechsel! Er wird uns überkleiden,
Unrat im ter als Unrat
damit wir nicht „nackt“ erfunden werden (2Kor
im Vergleich
Vergleich zu dem, was
5,3). Ja, unseren Leib der Niedrigkeit wird Er
zu dem, uns erwartet.
umgestalten zur Gleichförmigkeit mit Seinem
Leib der Herrlichkeit (Phil 3,21). Denn auch wir
was uns Können wir werden weiße Kleider erhalten, weiß gemacht
erwartet! das glauben? im Blut des Lammes (Offb 7,14). Unglaublich! ■

Keine Ambitionen für diese Welt I N T E RV I E W MIT D AV E H U N T

Wer ist eigentlich Dave Hunt? Als auflagen- aber Dave fühlte sich ganz unwohl bei der
starker Autor aus Oregon in den USA ist sein Vorstellung, dass sein Herr wiederkommen
Name vielen bekannt. Aber aus keinem sei- könne, während er untätig sei. Also bat er
ner Bücher geht Näheres über seine Person um eine stärkere Auslastung. Daraufhin ging
hervor. Sein Name „Hunt“ bedeutet auf er auf seiner „Tournee“ bis an die Belastungs-
Deutsch: „Jagd“! Und er ist ein Jäger. Denn er grenze. Seine Ehefrau Ruth begleitete ihn.
macht Jagd auf Verführungen innerhalb der Die beiden haben vier (längst erwachsene)
Christenheit. Er nimmt bedenkliche endzeit- Kinder und etliche Enkel. Dave stand über 20
liche Entwicklungen ins Visier. In seinen Bü- Jahre im Geschäftsleben, bis er Anfang der
chern bringt er populäre Irrlehren und heid- 60er Jahre mit Vortragsdiensten und dem
nische Einflüsse in der Christenheit zur Schreiben seiner Bücher begann.
Strecke. Kurz gesagt: Er ist „ein gewaltiger
Seit Jahrzehnten veröffentlicht er „The Be-
Jäger vor dem Herrn!“ (1. Mose 10,9). Dabei
rean Call“, ein monatlicher Informations-
geht er nicht wie ein schießwütiger Wilderer
brief, der vor Fehlentwicklungen innerhalb
vor, sondern fachkundig, fundiert und fair.
der Christenheit warnt und auf weltpoliti-
Dave Hunt ist mittlerweile 74 Jahre alt. sche Ereignisse von prophetischer Bedeu-
Während eines 14-tägigen Deutschlandauf- tung hinweist. Sein Mitteilungsblatt ist nach
enthalts auf Einladung des Bibel-Centers den Beröern benannt, die in der Apostel-
Breckerfeld hielt er bei Konferenzen und Ge- geschichte lobend erwähnt werden, weil sie
meindebesuchen 33 Vorträge. Zunächst war anhand der Bibel ihre Glaubensüberzeugun-
nicht einmal die Hälfte davon vorgesehen, gen überprüften (Apostelgeschichte 17,11).
12
Welches Buch z. B. sogenannter „christlicher Psychologie“.
haben Sie als erstes geschrieben? Die Evangelikalen sind zu erstaunlich vielen
Kompromissen bereit. Man macht sich stark
Mein erstes Buch entstand 1964 auf einer
für soziale und politische Ziele, aber jagt
Burg in der Schweiz. Es heißt: „The Power of
nicht mehr der Wahrheit nach. Gefühl zählt
Spirit“ (Die Kraft des Geistes). Ich habe darin
mehr als Wahrheit.
den Versuch unternommen, Aufzeichnungen
aus Briefen von William Law – einem Gläu-
Was wäre ihr Rat für die Evangelikalen?
bigen aus dem 17. Jahrhundert – zusammen
zu stellen und in Buchform zu bringen. Es ist Kehrt zurück zur Bibel, zum Glauben und Wahrheit
aber im Deutschen nie erschienen. zum Gehorsam gegenüber Jesus Christus. beruht
Lernt Ihn in Seinem Wort persönlich kennen.
Wie halten Sie als Christ und Autor auf Wissen.
eine lebendige Beziehung zum Herrn Hatten Sie jemals echte Zweifel an der Unser Glaube
und ein gesundes Gleichgewicht Wahrheit der Bibel oder Teilen von ihr? muß auf
angesichts der vielen dunklen Fakten,
der Beschäftigung mit Irrlehren und
Wahrheit beruht auf Wissen. Wenn jemand Tatsachen
sagt: Dieses Papier (er tippt auf seine offene
der Berührung mit Okkultem?
Bibel) sei grün, ist es noch lange nicht grün.
beruhen,
Ich muß sagen: Für mich waren außersinn- Es gibt daran keinen Zweifel. Ich weiß, es ist nicht auf
liche Phänomene, Irrlehren und finstere weiß! Paulus konnte den Juden die Wahrheit Gefühlen.
Machenschaften nie eine echte Versuchung. der Schrift beweisen (Apg 8,22). Apollos hat-
Ich habe mich allerdings auch nie mit Neu- te Beweise, dass Jesus der Chritus ist (Apg
gier und Sensationslust diesen Dingen genä- 18,28). Unser Glaube muß auf Tatsachen be-
hert. Sie stellten keinen inneren Angriff auf ruhen, nicht auf Gefühlen.
mich dar, wenn ich sie anhand der Schrift
beurteilte. Haben Sie Ziele für Ihr geistliches
Leben und die persönliche Zukunft?
Was ist nach Ihrer Ansicht die
Ja! Ich möchte so gerne entrückt werden
größte Schwäche der Evangelikalen?
anstatt zu sterben. Ansonsten habe ich kei-
Ihr Abfall vom Wort Gottes! Sie geben der ne Ambitionen für diese Welt. Es ist mein
Schrift nicht die Ehre, die ihr zukommt. Im- schlichter Wunsch, Seiner Kehrt zurück
mer mehr Evangelikale haben ein gebroche- Führung zu folgen und
nes Verhältnis zur Bibel. Das Vertrauen zu ihr Seinen Willen zu tun. zur Bibel,
als Offenbarung Gottes wird mehr und mehr Ich möchte nur Sein zum
durchlöchert. Stattdessen wendet man sich Diener bleiben; ein
anderen Quellen zu – Werkzeug in Seiner Glauben
Hand. ■ und zum
Vielen Dank für Gehorsam
das Gespräch! gegenüber
Jesus Christus.

WWW. T H E B E R E A N CA L L . O RG

Oben: Dave Hunt mit seinem


Übersetzer Georg Hagedorn.
Nebenstehend: Die Internet-
Adresse von
Berean Call.
13
û Kasachstan WO L F G A N G B Ü H N E

EIN LAND OHNE ZUKUNFT?

Im Oktober dieses Jahres war ich nach Kasachstan eingeladen. Eine Bibelschule in Almaty
würde sich über einen Besuch freuen, sagte man mir, eine Ältestenkonferenz in Karaganda
und eine Jugendkonferenz und eine unbestimmte Zahl an Gemeindebesuchen seien geplant.
Man hatte mich rechtzeitig vorgewarnt: „Rechne damit, dass man dich auspresst wie eine Zi-
trone.“ Das diese Prognose noch untertrieben war, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet.

Die seit 1991 selbständige Republik Kasachstan ist ca.


7,5 Mal so groß wie Deutschland, allerdings mit nur
etwa 15 Mill. Einwohnern. Über die Hälfte der Ein-
Kiew Moskau wohner sind Moslems, vor allem Kasachen, aber auch
RUSSLAND Usbeken und Ujguren. Diese Moslems sind allerdings
nicht radikal, sondern gemäßigt und arbeiten teil-
weise auch in ökumenischen Gremien und Veranstal-
Karaganda
KASACHSTAN tungen mit der Orthodoxen Kirche zusammen.
MONGOLEI
Als der kasachische Präsident – ein Muslim – ge-
Almaty Ulan-B. fragt wurde, an welchen Gott er glaube, lehnte er zu-
Peking
nächst eine Antwort ab, sagte dann aber später diplo-
matisch: „Muslime und Christen sind die die beiden
IRAN JAPAN Flügel, die das Land aus der Krise heben.“
Kabul
CHINA Die wirtschaftliche Situation im Land ist nach wie
vor schlecht, auch wenn es in einigen Wirtschafts-
PAKISTAN
zweigen Wachstum gibt. Der Durchschnittslohn be-
Pa z i f i k trägt nur etwa 150.- DM monatlich, die Zahl der Ar-
INDIEN beitslosen ist sehr hoch und auch diejenigen, die
Indischer Ozean eine Stelle haben, erhalten nicht immer ihren Lohn.

Kasachstan – 7,5 Mal so groß wie Deutschland – hat nur ca. 15 Mill. Einwohner.
Die Situation der Christen
Als man den Zwei Wochen vor dem Abflug meldete sich Neben den 4,9 Millionen Orthodoxen machen
Freund Jakob Römmich aus Paderborn. Er die Evangelikalen nur eine kleine Minderheit
kasachischen hätte gehört, ich plane eine Reise nach Ka- aus. Es gibt etwa 320 Baptistengemeinden im
Präsidenten sachstan. Ob ich einen Reisebegleiter ge- Land mit etwa 15.000 Mitgliedern, zusätzlich
(ein Muslim) brauchen könne. Nach 22 Jahren wolle er eine Anzahl autonomer Baptisten, Pfingst-
gerne mal wieder in seine alte Heimat, um und charismatische Gemeinden und einige
fragte, an sein Russisch aufzubessern und vielleicht kön- wenige Mennoniten-Gemeinden.
welchen Gott ne er sich nützlich machen und bei Unter-
Durch die starke Auswanderungswelle (allein
er glaube, haltungen usw. meinen Übersetzer entlasten.
600.000 Deutsche sind in den letzten Jahren
antwortete er: Natürlich war ich einverstanden und seine ausgewandert) sind eine Anzahl Gemeinden
„Muslime und Begleitung erwies sich als freundliche Füh- bis auf 10% der bisherigen Mitglieder ge-
rung Gottes, denn als wir in Almaty anka- schrumpft. Allerdings hat sich die Situation
Christen sind men, erfuhren wir, dass für die ersten Ein- wieder weitgehend reguliert, weil in den letz-
die die beiden sätze der Übersetzer ausgefallen sei. Aber Ja-
Flügel, die das kob könne doch sicher einspringen!
Eine bessere Auffrischung seiner Russisch-
Land aus der kenntnisse hätte sich Jakob gar nicht vor-
Krise heben.“ stellen können: Er wurde sofort ins Wasser
geworfen und hatte in den nächsten Tagen
pro Tag 10 Stunden Unterricht in der Bibel-
schule zu übersetzen!

Land und Leute


Zunächst einige Informationen über das Land
14 und die Menschen in Kasachstan sowie über
die wirtschaftliche und religiöse Situation: Kasache verfolgt mit der eigenen Bibel den Unterricht
Erweckung unter den Kasachen
Eine besondere Freude war es für uns, mit
führenden Brüdern der kasachischen Chri-
sten zu sprechen, die uns von einer Erweck-
ung unter den Kasachen berichteten, welche
bis vor wenigen Jahren als traditionelle Mos-
û
lems dem Evangelium ablehnend gegen-
überstanden. Man sagte uns, dass inzwischen
mehr Kasachen als Russen zum Glauben
kommen und zahlreiche kasachische Ge-
meinden entstanden sind, die ein starkes
Schüler der Bibelschule Almaty
missionarisches Interesse an ihren Volksge-
nossen haben.
ten Jahren viele Russen zum Glauben ge-
kommen sind und diese Lücken wieder ge- Leider wird diese kleine Erweckung getrübt
füllt wurden. Daher gibt es auch kaum noch durch Trennungen, die durch charismatische Be-
deutschsprechende Gemeinden. Prediger oder auch liberale Evangelikale aus sonders
Die Offenheit der Bevölkerung für das Evan-
dem Westen ausgelöst wurden. Dazu kom- dankbar sind
men auch Probleme, die durch das starke
gelium ist sehr groß. Es wird viel evange-
Nationalitätsbewußtsein der Kasachen ent- die Geschwis-
lisiert und durch intensive Kinderarbeit un- ter, dass in
stehen, die in einer völlig anderen Kultur auf-
ter Straßenkindern, Obdachlosenarbeit usw.
werden viele Menschen erreicht. Während
gewachsen sind und auch als Christen nicht diesem Jahr
von heute auf morgen bestimmte Traditi-
die orthodoxe Kirche allgemein keinen guten
onen und Gewohnheiten aufgeben können, zum ersten
Ruf und daher wenig Einfluß auf die Be- Mal ein voll-
oder aber auch bei Christen mit einem ande-
völkerung hat, haben bibeltreue Gemeinden
offene Türen.
ren Hintergrund auf Unverständnis stoßen. ständiges
Besonders dankbar sind die Geschwister, dass kasachisches
Gefahren in diesem Jahr nun zum ersten Mal ein voll- NT gedruckt
ständiges kasachisches Neues Testament ge-
Widerstand von Seiten der Regierung gibt es
druckt werden konnte, an dem Dieter Frei- werden
relativ selten. Einige nichtregistrierte Bap-
tisten berichten zwar von Schwierigkeiten
schlad aus Gießen mit einigen Mitarbeiten konnte.
jahrelang übersetzt hat.
bei Evangelisationen, von Verhören und Dro-
hungen. Aber im Allgemeinen kommen die
Schwierigkeiten und Gefahren aus einer an-
Bibelschule in Almaty
deren Ecke. Die Moslems und die Orthodoxen Die ersten Tage in Kasachstan verbrachten wir
versuchen die Evangelikalen in ein ökumeni- in der sehr gut eingerichteten Bibelschule der
sches Fahrwasser zu ziehen und wo das nicht Baptisten-Bruderschaft. Das Konzept: Be-
gelingt versucht man – wenn möglich mit währte Brüder (vor allem Russen , aber auch
Hilfe von Staatsorganen – die evangelisti- einzelne Kasachen, Kirgisen und Juden)
sche Arbeit der Gemeinden einzuschränken drücken mehrmals im Jahr für 14 Tage die
oder zu hindern. Schulbank, um an einem intensiven Unter-
richt teilzunehmen. In unserem Fall bedeute-
Die Moslems selbst konzentrieren sich auf
te das: Von morgens 8.30 Uhr bis abends 19
Kinderarbeit (Schulen für Kinder, Kindergär-
ten usw.), die ältere Generation haben sie ab-
geschrieben.
Weitere Konflikte werden durch westliche
Missionsgesellschaften und Kirchen ausge-
löst, die in manchen Fällen begabte Brüder
für ihre Interessen gewinnen, indem sie ein
gutes Gehalt zahlen und dadurch manchmal
Gemeinden spalten. Dazu kommen Probleme
durch westliche Literatur, Videos usw., in de-
nen zum Teil Sonderlehren und Irrlehren ver-
mittelt werden. Wenn man sich vorstellt, dass
allein in der Stadt Almaty etwa 70 verschie-
dene Missionsgesellschaften arbeiten, dann
kann man sich denken, welchen Einflüssen 15
die Christen in der Stadt ausgesetzt sind. Eine kasachische Gemeinde
û
Uhr hatten wir zu unterrichten. Eine Stunde
Mittagspause, also zehn Unterrichts-Stunden
pro Tag. Die Schüler waren alle äußerst diszi-
pliniert und aufmerksam und wir konnten
nur staunen über den Eifer und die Lernbe-
reitschaft. Nach dem Abendessen ging es wei-
Zwei Wochen ter: Fragerunde bis 22 Uhr. Für meinen Über-
vor dem Abflug setzer Jakob war das natürlich die beste Übung,
meldete sich ein sein Russisch in Rekordzeit aufzubessern.
Freund. Er hätte Ältesten-Konferenz in Karaganda
gehört, ich plane Jakob bedankt sich bei kasachischen Küchenschwestern
Nachdem wir zusätzlich in Almaty eine ein-
eine Reise nach tägige Jugend-Konferenz durchführen konn-
Kasachstan. Ob ten, flogen wir anschließend ziemlich ausge-
Gebetsanliegen
ich einen Reise- laugt aber dankbar für Gottes Durchhilfe
nach Karaganda, wo eine zweitägige Kon- ● Die Gemeinden in Kasachstan haben sich
begleiter ge- ferenz für Älteste und Gemeindemitarbeiter vorgenommen, bis zum Jahresende 2000
brauchen könne. aus dem ganzen Land stattfand. Hier erleb- jedes Dorf und jede Stadt in diesem gro-
Er wolle gerne ten wir eine herzliche Gemeinschaft mit über ßen Land mit dem Evangelium zu errei-
250 Brüdern unter dem Wort Gottes. Auch chen. Viele kleine Teams von jungen und
mal wieder in diese Tage waren angefüllt mit Vorträgen, älteren Geschwistern waren unterwegs
seine alte Heimat, Fragestunden usw., die dann abends im und haben erstaunliche und bewegende
um sein Russisch Hotel, wo die meisten Brüder untergebracht Erfahrungen gemacht. Wahrscheinlich wird
waren, bis um 22.30 Uhr fortgesetzt wurden. man das angestrebte Ziel nicht erreichen,
aufzubessern … aber es sind viele Kasachen und Russen
Seine Begleitung zum Glauben gekommen, Hauskreise und
erwies sich als neue Gemeinden entstehen.
freundliche Füh- ● Die Verbreitung des kasachischen Neuen
rung Gottes, denn Testamentes ist ein weiteres großes An-
liegen unserer Geschwister. Es wird beab-
als wir ankamen, sichtigt, öffentl. Feierstunden zu organi-
erfuhren wir, dass sieren, um dieses Testament der kasach-
der vorgesehene ischen Bevölkerung bekannt zu machen.

Übersetzer aus- ● Da die Gemeinden von allen möglichen


Strömungen der Christenheit verunsichert
gefallen sei! Konferenzbesucher bei einer der vielen Mahlzeiten
werden und es in der älteren Generation
Auf dieser Konferenz konnten wir dann auch nur wenige Brüder gibt, die aufklärend
die russische Ausgabe der Auslegung des NT helfen und die Geschwister in eine ge-
von William MacDonald vorstellen. Nach sunde, geistliche Richtung führen können,
jahrelanger Arbeit und unter unglaublichen werden dringend bibelfeste, hingegebene
Schwierigkeiten konnte dieser Kommentar und glaubwürdige Brüder benötigt, wel-
endlich gedruckt werden und wird sicher in che die Gemeinden vor weiteren Tren-
den russisch sprechenden Ländern einen nungen und Einbrüchen bewahren.
wichtigen Dienst tun.
Betet für unsere Geschwister in Kasachstan!
Während der Konferenz entschlossen sich
die Jugendleiter von Karaganda, spontan
eine Jugendkonferenz zu organisieren. So
kamen dann am Tag nach der Ältesten-
Konferenz etwa 300 Jugendliche aus der
näheren Umgebung zusammen, um aus dem
Wort Gottes zu lernen. Wir konnten nur
staunen, wie es möglich ist, in dieser kurzen
Das Gemeindehaus
in Karaganda – Zeit eine solche Menge junger Leute zusam-
ein ehemaliges Theater menzutrommeln und zu versorgen.
Erschöpft, aber sehr dankbar und mit vielen
schönen Erinnerungen flogen wir am näch-
16 sten Morgen in einem uralten und überfüllten
russischen Flugzeug Richtung Deutschland. ■ Spontane Jugendkonferenz mit etwa 300 Besuchern
WO L F G A N G B Ü H N E

„Für einen Mörder sind


7 1/2 Jahre Knast zu wenig!” EIN LEBENSBERICHT VO N W O LO D J A TA R A N TC H U K

Während der Konferenz in Karaganda wurden wir täglich in einem alten, klapprigen “Lada” von unserer Unterkunft zum
Konferenzort und zurück transportiert. Unser Chauffeur war ein junger Mann, dessen Tätowierungen in einem merkwürdigen
Gegensatz zu seinem ernsthaften und glaubwürdigen Verhalten standen. Wir wurden neugierig und fragten ihn nach seiner
Herkunft. In der Nacht vor unserem Rückflug erzählte er mit Tränen in den Augen seine bewegende Geschichte:

Eine vergessene Kindheit Mit dieser Wenn es euch möglich ist, dann ver-
„Ich bin in Kasachstan in einer Arbei- Schuld zeiht mir bitte. Ich habe einen Bruder
terfamilie aufgewachsen und wohnte kann ich durch einen Unfall verloren und weiß,
bei Oma und Opa, die ständig im Streit nicht was das bedeutet.” Die Atmosphäre im
lebten. Oma war orthodox, aber das leben Saal war bewegt, selbst der Richter
war nur Tradition. Worte aus der Bibel mußte sein Taschentuch ziehen. Obwohl
habe ich in meiner Jugend nie gehört. der Staatsanwalt zehn Jahre Gefängnis
1987 bekam ich als 17jähriger eine forderte, fühlte ich mich nach meinem
Arbeitsstelle im Bergwerk und ein Jahr Bekenntnis endlich frei, eine große Last
später wurde ich für zwei Jahre zum fiel von meinem Herzen. Als das Ge-
Militär eingezogen. Der Kommandant richt nach kurzer Beratung das Urteil
war streng: wer nicht Ordnung hielt, verkündigte: „71/2 Jahre Gefängnis!”,
Die schwerste Zeit meines Lebens
dem wurde mit Gefängnis gedroht. Un- schrien die Eltern des Verstorbenen auf
begann. Ich kann meine Gefühle wäh-
terordnung fiel mir sehr schwer und und forderten eine längere Strafe.
rend der drei Monate Einzelhaft nicht
nach einigen Monaten kam es zu den beschreiben. Es gab Leute, die mich
ersten Schlägereien. Mit Kufajka + Plastiktüte im Knast
verfluchten, andere, die Mitleid mit mir
hatten. Doch ich konnte mich nicht Nach dem Urteil stellte ich den An-
Mord beim Militär rechtfertigen und sah nur einen Weg: trag, die Haftstrafe in der Ukraine ver-
Eines Tages kam es zu einem Dieb- büßen zu dürfen, weil ich mich schäm-
stahl in unserem Zimmer. Es gab einen Selbstmord te, meinen Eltern in Kasachstan unter
heftigen Streit und ich spielte mich als Ich konnte mir eine Rasierklinge be- die Augen zu kommen. Der Bitte wurde
Richter auf, um den Streit zu schlich- sorgen und schnitt damit meine Schlag- entsprochen und so trat ich meine Stra-
ten, den ich selbst angezettelt hatte. ader auf. Doch ich schnitt nicht tief ge- fe an. Mein einziger Besitz war eine
Dabei schlug ich dem vermeintlichen nug, denn während meine Gefühle den Kufajka (Steppjacke) und eine Plastik-
Dieb ins Gesicht und als die anderen Tod ersehnten, sagte mein Verstand tüte mit etwas Tabak, einer Zahnbürste
Kameraden riefen, das sei noch nicht „Nein”. Schließlich merkte das Wach- und dem Urteilsspruch.
genug, trat ich mit meinen Stiefeln auf personal, was ich getan hatte und ala- Im Gefängnis bekam ich eine Arbeit
ihn ein. Er sackte plötzlich zusammen mierte den Arzt, der mich versorgte. auf dem Bau zugewiesen, die für mich
und ich wußte: jetzt ist etwas Furcht- Auf dem Weg zur Gerichtsverhand- sehr schwer war. Bereits am ersten Tag
bares geschehen. Ich rannte zum Arzt, lung versuchte ich einen zweiten Selbst- brach ich bewußtlos zusammen und
weil ich um sein Leben bangte. Der mord. Auf dem Weg zur 3. Etage woll- ich konnte mir nicht vorstellen, wie ich
kam sofort und machte Wiederbele- te ich aus dem Fenster springen, aber es hier sieben Jahre aushalten könnte.
bungsversuche – aber es war zu spät. im letzten Moment hielt ich mich fest. Später bekam ich eine körperlich leich-
Der Kamerad war tot! Ein Funken Lebenswille hielt mich zu- tere Arbeit, die sogar mit Verantwor-
Sofort kamen Offiziere und stellten rück. Man brachte mich zum Psychiater. tung verbunden war: Ich hatte andere
Untersuchungen an. Ich versuchte durch Bei der Gerichtsverhandlung wollte zur Arbeit einzuteilen. Zuerst war ich
Lügen eine passende Erklärung abzu- ich nichts zu meiner Entlastung aussa- sehr glücklich über diesen Wechsel,
geben, aber als ich später zu meinen gen. Die Eltern des Verstorbenen waren aber ich ahnte nicht, daß ich von nun
Kameraden in den Schlafsaal ging, war anwesend, hielten das Foto ihres Soh- an immer zwischen zwei Feuern saß:
es beängstigend still. Alle erwarteten, nes hoch und schrien mich unter Wei- einerseits die Lagerleitung und auf der
dass die Sache aufgeklärt würde. Aber nen an: „Das hast du angerichtet!” anderen Seite die Häftlinge.
erst am anderen Morgen war ich be- Mein letztes Wort vor dem Urteils- In dieser Zeit wurde ich wieder in
reit, die Wahrheit zu sagen. spruch war an die Eltern gerichtet: eine Schlägerei verwickelt. Ein Mitge-
Die Schuldfrage war eindeutig. „Ich bin der höchsten Strafe schuldig! fangener prügelte auf mich ein, ich
17
„Wenn du alle Papiere
wieder in Ordnung „Die Tür ist offen!” Gutes gefunden
– auch im Gefängnis Meine Bitte um einen Briefwechsel
hast, Arbeit suchst,
Nun hatte ich auch Mut gefunden, mit der Gemeinde wurde erlaubt und
heiraten wirst und die Gruppenstunden der Christen zu so schrieb ich einen Brief an die Ge-
Kinder hast, dann besuchen und dort bekam ich ein meinde, malte die Buchstaben und zi-
weiß ich, dass Buch, das mein Leben veränderte: „Die tierte einen Bibelvers nach dem ande-
deine Bekehrung Tür ist offen” von C. H. Spurgeon. Ich ren. Dieser Brief wurde in der Gemein-
echt ist.” begann zu fasten und zu beten: „Gott, de vorgelesen und dann wurde die Fra-
verändere mein Leben!” Ich las dieses ge gestellt: Ist jemand hier, der einen
Buch und schlug die angegebenen Bi- Briefwechsel mit diesem Wolodja be-
belstellen auf und entdeckte Jesaja 53. ginnen will? Eine Schwester war bereit
Die Leiden Jesu standen vor meiner - ausgerechnet die, die den ersten all-
Seele und eine Frage kam in mir hoch: gemeinen Brief an uns geschrieben hat-
wehrte ab und schlug ihn zu Boden. „Weißt du, wer Jesus diese Wunden zu- te. Als ich ihren Brief bekam, brannte
Als er am Boden lag, wollte ich seinen gefügt hat?” Ich wußt es. Eine schwere er in meinen Händen und mein Herz
Kopf packen und auf den Boden schla- Last drückte mich. schlug schneller. Ein Gedanke schoß
gen, aber eine innere Stimme warnte Als bei der nächsten Evangelisations- durch meinen Kopf: Das wird einmal
mich: „Wenn du jetzt nicht aufpasst, stunde zur Bekehrung aufgerufen wur- deine Frau sein! Doch der nächste Ge-
dann gibt es wieder einen Totschlag!” de, wußte ich, daß für mich die Uhr ge- danke war ein Gebet: „Herr, vergib mir!”
Ich bekam eine weitere Gelegenheit, schlagen hatte. Mit zwei anderen ging Nun, es begann ein Briefwechsel mit
die Arbeitsstelle zu wechseln. So wurde ich nach vorne, wir sanken auf die Knie Mila, so hieß dieses Mädchen, und ihr
ich zunächst Tellerwäscher und weil und ich betete: „Gott, ich bin der größ- ahnt schon, womit dieser Briefwechsel
ich schnell und fleißig war, konnte ich te Sünder. Nimm meine Hände in deine nach Monaten endete: Mila wurde mei-
mich zum Koch hocharbeiten. Doch bei Hände. Wenn es möglich ist, vergib mir ne Frau, obwohl ich ihr nichts zu bieten
aller Arbeit blieb mir der Mord in Er- meine Sünden! Amen.” Nach diesem und ihr meine ganze Vergangenheit
innerung und quälte mich. Gebet wußte ich: Meine Sünden sind offengelegt hatte. Freunde hatten sie
vergeben. Jesus, der Sohn Gottes, hat gewarnt: Was kann Gutes aus einem
Erste Berührung mit der Bibel dafür am Kreuz bezahlt! Gefängnis kommen?! Aber sie hatte
Im Jahr 1990 – nach der Perestroika - um Gottes Führung und Bewahrung
kamen Christen in unser Gefängnis und Eine wunderbare Zeit begann jetzt gebetet und innere Freiheit für diese
evangelisierten. Ich ging zunächst für mich im Gefängnis. Während mei- Entscheidung bekommen.
nicht hin, aber ein Knacki, der mir in ne Kameraden vorm Fernsehen hockten
der Küche half, bekannte sich als oder mit Spielen ihre Zeit tot schlugen, Als ich meiner Mutter nach meiner
Christ. Ich ärgerte ihn bei jeder Gele- nahm ich meine Bibel und las Worte der Bekehrung einen Brief schrieb antwor-
genheit, aber seine Reaktionen mach- Gnade. Mein Herz floß über und mein tete sie: „Wenn du alle Papiere wieder
ten mich nachdenklich. Als wir schließ- Mund konnte davon nicht schweigen. in Ordnung hast, Arbeit suchst, heira-
lich in eine Zelle verlegt wurden, bat Aber es gab auch Kapitel in der Bi- ten wirst und Kinder hast, dann weiß
ich ihn, mir seine Bibel zu leihen. Zum bel, die ich nicht verstand. Schließlich ich, dass deine Bekehrung echt ist.”
ersten Mal hatte ich nun dieses Heilige las ich laut, aber ich verstand immer Heute sind meine Papiere in Ord-
Buch in Händen. Ich las 1. Mose 1, das noch nichts und betete: „Gott, ich nung, aber was noch viel wichtiger ist:
nächste Mal Offenbarung 13 und dann begreife nicht!” Als ich nach vier Tagen Mein Name ist im Himmel angeschrie-
Sprüche 18: „Wer eine Frau gefunden an Stellen kam, die ich verstand, jubel- ben! Ich bin mit Mila sehr glücklich
hat, hat Gutes gefunden...”. Dieser te ich und dankte Gott voller Freude. verheiratet, wir haben zwei Söhne und
Aussage konnte ich nur seufzend zu- Natürlich gab es auch Anfeindun- erwarten das dritte Kind. Und Arbeit
stimmen. gen. Unser Fußballtrainer sprach mich habe ich genug. Nach meiner vorzeiti-
Wieder kamen die Christen ins Ge- an: „Du hast dich bekehrt? Das war die gen Entlassung aus dem Gefängnis be-
fängnis, verteilten Broschüren und lu- größte Dummheit! Wenn ich könnte, kam ich eine Stelle im Bergwerk und
den zur Evangelisation ein. Ich lehnte ich würde dich zusammenschlagen!” jetzt arbeite ich vollzeitig als Evange-
die Einladung ab mit den Worten: „Ich list, im Gefängnis und helfe auch in
kann nicht kommen, ich muß mich erst „Einmal Knacki – immer Knacki?” der Gemeinde mit.
ändern!” Aber es gab auch eine große Ermu- Leider haben sich meine Eltern noch
In der folgenden Zeit bekam ich ein tigung, als sich ein Mitgefangener be- nicht bekehrt. Wir haben
Buch von David Wilkerson in die Hände kehrte, der Sohn eines Ältesten einer wieder eine gute Be-
mit dem Titel „Worte des Amos”. Dieses Gemeinde in Kiew. Die Jugend dieser ziehung zueinander.
Buch packte mich und weil ich es mei- Gemeinde kam nun ins Gefängnis, las Meine Frau und ich
nen Eltern schenken wollte, schrieb ich mit uns die Bibel und betete mit uns. beten, dass der Herr
es Wort für Wort ab. Unter dem Ein- Eines Tages wurde in dieser Runde auch ihr Gewissen
fluß des Buches sagte ich zu meinen ein Brief vorgelesen, den eine junge anrührt und ihnen
Mitgefangenen: „Unser Leben ist ka- Schwester aus der Gemeinde geschrie- den rettenden
putt, wir müssen Gott suchen!“ Aber sie ben hatte. Ich war davon tief beein- Glauben
lachten nur verständnislos und hielten druckt und wünschte, dieses Mädchen schenkt.”
18 mich für verrückt. kennenzulernen. ■
Echt cool!
Der lutherische Sprengel Osttriesland gibt sich In Spetzerfehn wird es auch eine „Christothek"
echt cool. Seinen Jugendtag in Spetzerfehn geben. Vermutlich bringt dort statt eines Disc-
stellte er unter das Motto: „E-Fun-gelium pur!" jockeys ein Christjockey die Bässe zum Dröhnen.
Jedem Angehörigen der Spaß-Generation ist na-
Die Kirche lässt sich also was einfallen, um die
türlich klar, worauf das abzielt: die gute, alte
junge Generation bei der Stange zu halten –
Kirche will ihre Fan-Gemeinde vergrößern –
eine postmoderne Reformation, aber anders als
schrill herausgeputzt wie ein Disco-Wagen auf
bei Luther. Der nagelte seine Thesen noch an
der Love-Parade. Das Zweit-Motto könnte lau-
die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg. Heute
ten: „Fit for fun, fit for Jesus“!
wäre das Sachbeschädigung. Für so was hat
Ob das die alten Evangelisten gut fänden, wenn man nun den „Internet-Chatroom“.
sie plötzlich die Gelegenheit bekämen, sich als
Vielleicht gibt es in Spetzerfehn auch jenen Auf-
zeitgeistig Wiedergeborene unter das junge Volk
kleber den eine Kollegin kürzlich an einer Auto-
zu mischen? Matthäus, Markus und Lukas mu-
heckscheibe entdeckte: „Der kostenlose Draht
tierten zu „E-fun-gelisten" und hießen fortan
zum Himmel – das G-Netz.“ Sie wissen nicht,
Matthew, Marky und Lucky-Luke.
was „G“ bedeutet? Nun, ist doch ganz einfach:
Ihre damalige, etwas schwerfällige Prosa, die „G“ steht für Gebet. Klingt zunächst altmo-
heutzutage kein Raver mehr versteht, müssten disch, ist aber im Grunde schon wieder modern
sie natürlich kräftig umschreiben und kürzen – – oder hip … Vermutlich wird dieses „G-Netz“
auf „Fun“ trimmen, gewissermaßen. Sie könn- mal die „e-fun-gelische" Konkurrenz zum world-
ten auch als rappende Boygroup auftreten und wide-web. Wegen Überlastung sind dann aber
ihr „E-Fun-gelium" im Sprechgesang verkün- nur noch Stoßgebete möglich. Zu viel Fun. Ab-
den. Das käme tierisch gut an. Ab in die Charts! sturzgefahr. Echt cool! Klaus Fackert

Vor einiger Zeit erschien obige Kolumne kreativ, hatten eine angemessene Me- Mode-Erscheinungen, sondern durch ei-
in der EMDER ZEITUNG. Klaus Fackert, thodik und waren dabei außerordent- ne durch Gott geprägte Haltung, die auf
stellvertretender Chefredakteur, be- lich erfolgreich. unseren Herrn Jesus Christus hinweist.
schreibt jede Woche ein aktuelles The-
Was war ihr Erfolgsrezept? Zunächst Lassen wir uns von der Liebe Christi
ma im Satire-Stil. Als ich sie erstmals
sind sie alle von ihrem Herrn ins Licht anstecken. Dann werden wir Möglich-
las, musste ich zunächst schmunzeln,
gestellt worden und mussten erken- keiten aufgezeigt bekommen, welche
wie treffend der Verfasser die Dinge
nen, wie z. B. Petrus es treffend sagte: Menschen wir ansprechen sollen und
auf den Punkt gebracht hat.
„Ich bin ein sündiger Mensch!“ Ein wie wir sie erreichen können. Aber ach-
Doch musste ich mich fragen, ob zur zerbrochenes Herz und eine brennende ten wir darauf, das sein Wort und un-
Verbreitung des Evangeliums alle Mit- Liebe zu unserem Erretter und den Ver- ser Herr nicht ins lächerliche herabge-
tel recht sind? lorenen sind die Voraussetzungen zu zogen werden.
Es wird schon sehr viel Kreativität von einem erfolgreichen und segensreichen
Und fragen wir uns, in wie weit wir uns
uns Gläubigen abverlangt, um die Bot- Dienst.
dem System „Welt“ angepasst haben
schaft vom Kreuz effizent und effektiv Martin Luther prägte den Satz: „Man und somit keine Kraft mehr besitzen,
weiterzutragen. Sein Wort gibt uns muss den Leuten aufs Maul schauen!“ gegen solche Strömungen eine klare
ausreichend Anschauungsunterricht, Menschen in ihrer jeweiligen Situation Stellung zu beziehen. Um von dem
wie z. B. unser Herr, Jesus Christus, das passende Wort sagen zu können, gesellschaftlichen Gefälle nicht mit-
seine Jünger, ein Apostel Paulus, ein ist entscheidend. Das geschieht nicht gerissen zu werden, muss man „echt
Barnabas usw. das Evangelium weiter- durch völlige Anpassung an den Zeit- cool" sein.
getragen haben. Sie waren durchaus geist oder die neuesten Trends und Eckhard Lüling

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Der Prophet Hesekiel
Mit Benedikt Peters (Hesekiel) A R B E I TS -F R E I Z E I T E N 2001
und Hans Scheib (Thema: Gott gefallen…) Instandsetzungsarbeiten (nur für Praktiker/innen)

2. – 8. September S2 22. April – 10. Mai auch Tageweise A1


20 Mit Alois Wagner und Mark Schibli 23. – 29. September auch Tageweise A2
Aktuelle Buchbesprechungen
Rainer Wagner Joachim Rosenthal
Alle in einem Boot Kwasizabantu –
Ökumene und der Preis der Einheit Erlo Stegen und die Erweckung unter den Zulus
CLV, Tb., 192 S., DM 6,80 CLV, Tb., 96 S., DM 3,80

Einheit unter allen Christen und Einheit aller Religionen ist Die Kwasizabantu-Bewegung (KSB) unter den Zulus in Süd-
das große Ziel der ökumenischen Bewegung, die bereits vie- Afrika entstand in den 60er Jahren durch die Arbeit von
le Christen geprägt hat und mit der auch führende Evange- Erlo Stegen und seinen Mitarbeitern und wurde im
likale sympathisieren. Rückt der Traum von einer biblischen deutschsprachigen Raum vor allem durch die zahlreichen
Einheit in greifbare Nähe oder zeigt er sich als antibiblischer Bücher von Dr. Kurt Koch bekannt.
Albtraum? Darin wird von einer Totenauferweckung, von Krankenhei-
Dieses Buch informiert gründlich und sachlich über die lungen und anderen Wundern berichtet, die für Aufsehen
Geschichte, Strukturen und Grundlagen der verschiedenen gesorgt haben und besonders konservative Christen fühlten
ökumenischen Bewegungen, die Haltung der röm.-katho- sich von der Verkündigung und dem Frömmigkeitsstil Ste-
lischen Kirche zur Ökumene und ihre aktive Rolle in der gens sehr angezogen.
nationalen ACK (Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen). Doch seit etlichen Jahren mehren sich Sorgen und Kritik in
Besonders aktuell und brennend sind die Informationen Bezug auf dieses Missionswerk und in den letzten Monaten
über die Kontakte und Verflechtungen der Ökumene mit haben sich auch leitende Mitarbeiter deutlich von dieser
den Evangelikalen, der Evangelischen Allianz und dem Bewegung distanziert.
Lausanner Komitee für Weltevangelisation. Dieses Buch informiert über die Geschichte der KSB, über
Besonders hilfreich finde ich, dass dieses Buch aus deutscher die Lehren, die Verkündigung und Praktiken, die teilweise
Sicht geschrieben wurde und daher auch die Verhältnisse sehr von der Bibel abweichen und viele ernsthafte Christen
im deutschsprachigen Raum aus jüngster Zeit ausführlich verwirrt haben und ihnen zum Schaden waren.
dargestellt und belegt werden. Zahlreiche Stellungnahmen, Bekenntnisse und Aufrufe von
Daher ist dieses Buch eine sehr wertvolle Orientierungshilfe ehemaligen führenden, teilweise langjährigen Mitarbeitern
in einer Zeit der Zusammenschlüsse und Vereinigungen, die Stegens geben Informationen aus erster Hand, die dem
oft sicher gut gemeint sind, aber das biblische Muster für Leser ein eigenes Urteil leicht machen.
geistliche Einheit aus den Augen verloren haben. Dieses Buch informiert aber nicht nur über die teilweise
Da es zur Zeit aus bibeltreuer Sicht kaum Informationsmate- schockierenden Fehlentwicklungen der KSB, die unter dem
rial über die ökumenische Bewegung gibt, ist dieses Buch von Deckmantel der Gottesfurcht, Heiligung und Erweckung ge-
besonderer Aktualität und Wichtigkeit. schehen, sondern macht auch das Wesen der frommen Ver-
Wolfgang Bühne führung in seinen vielfältigen Erscheinungsformen deutlich:

Leserbrief zu: Wir erhielten das Heft "fest und treu" Nr. 91,
weil darin der Bericht über den von uns or-
– nach nicht wenigen Behördengängen wurde
Lucio erklärt, dass diese Polizeigruppe (in Italien
15. Weltjugend- ganisierten Einsatz des Jugendtags in Rom hat es ganz verschiedene Polizeigruppen) kein
tag in abgedruckt wurde. Seid ihr interessiert, wie Recht hatte, ihnen ein solches Verbot zu ertei-
Rom es weiterging? Hier nur kurz ein Überblick: len! Beim „Jubiläum der Sportler“ haben die
Jugendlichen unserer Gemeinde dann auch wie-
Ende September fand das Jubiläum der Bischöfe der ohne Probleme verteilen können.
statt. Der Herr schenkte es, dass der erste Bus-
fahrer, den Lucio ansprach, der (ungläubige) Bis ins neue Jahr sind noch weitere Einsätze
Mann einer Christin war. Er erlaubte Lucio, auf geplant und wir sind dankbar für alle Gebete.
alle Sitzplätze eines der 6-sprachigen Traktate zu Übrigens soll das Jubiläumsjahr noch verlängert
legen. Zudem ging er mit Lucio zu den anderen werden... Um so besser für uns! Dann kommen
Busfahrern und überzeugte diese, das gleiche zu noch mehr Menschen, die es zu erreichen gilt.
tun. Bei den nächsten Einsätzen fingen aber Liebe Grüsse und besten Dank!
grössere Schwierigkeiten mit der Polizei an.
Deshalb konnte eine 10-köpfige Gruppe aus Lucio & Christina Stanisci-Mayer
unserer Gemeinde den Einsatz am „Jubiläum der Via Fiume Giallo, 200 G6, I-00144 Roma
21
Familien“ nicht wie geplant zu Ende führen. Nur e-mail: stanisci.lc@tiscalinet.it
„Verführung beschränkt sich nicht nur auf bestimmte Alfred Edersheim
Gruppen und Organisationen. Sie tritt heute quer durch die
ganze Christenheit auf... Dort, wo Verführung auftritt, hat Der Tempel
sie immer auch eine äußerst angenehme und fromm schei- Mittelpunkt des geistlichen Lebens zur Zeit Jesu
nende Seite. Verführung knüpft an Bedürfnisse und Defizite Brockhaus, gb., 256 S., mit vielen 4-fbg. Fotos, DM 19,80
im Leben von Christen an und bietet hierfür die passenden
Lösungen. Der Wunsch nach Autorität, Macht, Erfolg, Voll- Als zum Glauben an Jesus Christus gekommener Jude war
kommenheit, Einheit, Harmonie, … tollen Erlebnissen usw. Dr. Edersheimer Dozent für die Septuaginta an der Univer-
bilden Marktlücken, für die der Verführer mit einem riesigen sität in Oxford und gilt als bedeutender Kenner des Ju-
Angebot aus seinem scheinchristlichen Supermarkt auf- dentums. Seine Bücher über Biblische Geschichte und das
wartet.“ (zitiert aus S. 89) Judentum zur Zeit Jesu sind weltweit verbreitet.
So ist dieses Buch nicht nur eine sehr wertvolle Hilfe, die Mit diesem Werk möchte Edersheimer dem Leser „Jerusalem
KSB-Bewegung zu beurteilen, sondern darüber hinaus eine zeigen, wie es war, als der Herr durch seine Gassen ging, und
ausgezeichnete Orientierung, Verführungsprinzipien im das Heiligtum, in dessen Vorhallen und Höfen er lehrte“.
frommen Gewand frühzeitig zu erkennen.
Der Leser bekommt nicht nur eine Fülle sehr interessanter,
Wolfgang Bühne aufschlußreicher Informationen über das religiöse Leben
sowie Sitten und Gebräuche der Juden zur Zeit Jesu, son-
Benedikt Peters dern auch eine wertvolle Einführung in die tiefe Bedeutung
der alttestamenlichen Opfer, des Priesterdienstes, der jü-
Das Buch Prediger dischen Feste usw.
„Sphinx“ der hebräischen Literatur
Die zahlreichen Fotos von Rekonstruktionen des Tempels
CVD, gb., 160 S., DM 19,80 und des Priesterdienstes vermitteln einen Eindruck von der
Bedeutung des Tempels der Juden zur Zeit Jesu.
Der bekannte Autor gibt mit dieser Vers-für Vers-Auslegung
eine ausgezeichnete Hilfe, dieses für viele rätselhafte Buch der Ein hervorragend gestalteter und jetzt auch sehr preisgün-
Bibel zu verstehen und praktischen Nutzen daraus zu ziehen. stiger Bildband, der nicht nur informiert, sondern auch das
Herz jedes Bibellesers erwärmt, der das Alte Testament und
Zahlreiche Zitate von Philosophen, Schriftstellern und Män-
die typologische Bedeutung des jüdischen Gottesdienstes
nern der Kirchengeschichte aus allen Jahrhunderten würzen
besser kennenlernen möchte.
die Ausführungen, regen zum Nachdenken an und fordern
Wolfgang Bühne
den Leser heraus, sein Leben im Licht der Ewigkeit zu besehen.
Eine sehr wertvolle, Geist und Seele erfrischende Betrach-
tung eines Auslegers, dem Gott die selten gewordene Fähig- Dr. Jürgen-Burkhard Klautke
keit gegeben hat, mit wenigen Sätzen viel zu sagen.
Homosexualität
Wolfgang Bühne Orientierung oder Desorientierung?
A. E. und Beate Wilder-Smith Logos, brosch., 86 S., DM 8,80
Es war ein reiches Leben Eine außerordentlich hilfreiche Schrift zu einem brand-
Die Lebensgeschichte von B. und A. E. Wilder-Smith aktuellen Thema, das in den vergangenen Wochen zu einer
neuen Gesetzgebung in Deutschland geführt hat, deren
Hännsler, Pb., 440 S., DM 34,95 Folgen noch nicht absehbar sind.
A. Ernest Wilder-Smith (1915–1995) war der erste Wissen- Klautke informiert zunächst über den Wandel in der Be-
schaftler, der den Mut hatte, die Evolutionstheorie prinzipi- urteilung der Homosexualität, was Vergangenheit und Ge-
ell zu widerlegen. Seine Untersuchungen, Erkenntnisse und genwart betrifft und belegt, dass viele gängige Beur-
Publikationen führten ihn in viele Länder der Welt, um an teilungen Ergebnisse einer einseitigen, pro-homosexuellen
Universitäten und in Kirchen Vorträge zu halten und zu Dis- Propaganda sind, die nicht der Wirklichkeit entsprechen.
kussionen herauszufordern.
Er zeigt weiter, wie es in den letzten 50 Jahren zu einem
Seine wissenschaftlichen und evangelistischen Bücher sind Dammbruch in den USA und mittlerweile auch in
in deutscher Sprache teilweise in hohen Auflagen erschie- Deutschland gekommen ist. Schockierend ist, dass ausge-
nen und auch heute noch aktuell. Wenige Jahre vor seinem rechnet zwei Männer, die auch unter Evangelikalen einen
Tod hat er mit seiner Frau Beate seine Lebenserinnerungen guten Namen haben - der Schweizer Eheberater Theodor
niedergeschrieben, worin die fesselnde Geschichte seines Bovet und der Theologe Helmuth Thielicke - zu einem
Lebens vom überzeugten Atheisten zum bezeugenden Umdenken in der Beurteilung der Homosexualität aufgeru-
Christen geschildert wird. fen und gefordert haben, Homosexualität müsse „als un-
Da Wilder-Smith mit seiner Familie die letzten 25 Jahre sei- heilbare Krankheit bejaht werden” (S. 23).
nes Lebens in der Schweiz gewohnt und von dort aus oft in Der Autor macht deutlich, was die Bibel zu diesem Thema
Deutschland Vorträge gehalten hat, ist er vielen Christen sagt und welche Hilfen es gibt, von der Homosexualität be-
nicht nur durch seine Bücher, sondern auch durch Begeg- freit zu werden.
nungen bekannt. Daher werden sicher viele Leser dankbar Wenn man diese informative, an der Bibel orientierte Bro-
für diese Lebensgeschichte sein, die Segensspuren in vielen schüre gelesen hat, ist man über den hohen Preis getröstet.
Ländern der Welt hinterlassen hat.
22 Wolfgang Bühne Wolfgang Bühne
N. L. Geisler, R. M. BrooLs: Ken Sande
Wenn Skeptiker fragen Sei ein Friedensstifter
Fragen an den christlichen Glauben Ein bibl. Leitfaden zur Lösung persönlicher Konflikte
CVD, gb., 440 Seiten, DM 29,80 CLKV, Pb., 346 S., DM 18,80

Wenn man mit Ungläubigen über Gott und die Bibel redet, „Konflikte bieten Gelegenheiten, Gott zu ehren, anderen zu
kommen immer wieder ähnliche Argumente, (z. B. wissen- dienen und in der Christusähnlichkeit zu wachsen“ (S. 40).
schaftlich unhaltbar, Widersprüche, Frage nach dem Leid ...)
Dieses aktuelle Buch füllt eine Lücke und macht auf einen
Manchmal sind das nur Ausreden oder Ablenkungsmanöver, Auftrag aufmerksam, den wir Christen weithin vergessen
aber manchmal sind es auch ernsthafte Fragen, weil die Men- haben, obwohl sich in unseren Gemeinden (wie auch in
schen einfach nicht mehr wissen, dass man die Bibel ernst der Gesellschaft) unerledigte oder verdrängte Konflikte,
nehmen kann, ohne den Verstand zu verleugnen. Und wenn Streitigkeiten usw. häufen.
man nicht viel Erfahrung hat, wird es öfters Fragen geben,
Der erfahrene Autor – Rechtsanwalt und Leiter der „Peace-
auf die man nicht gleich eine Antwort weiß.
maker Ministries“ in USA – zeigt in diesem Buch, welche
Dieses Buch zeigt, dass unser Glaube auch verstandesmäßig biblischen Prinzipien praktisch und konkret in den jeweili-
auf einem guten Fundament ruht. Es ist aber auch ein Hand- gen Konflikten und Streitigkeiten anzuwenden sind.
werkszeug, um auf anspruchsvolle Fragen eingehen zu kön-
Vor allem geht es Ken Sande aber um den geistlichen Zu-
nen. Dazu ist das Buch in Themengebiete gegliedert (z. B. Ex-
stand und die geistliche Gesinnung des Friedenstifters, des-
istenz Gottes, Wunder, Jesus Christus, die Bibel - mit Extra- sen Dienst nur dann zum Segen ist, wenn er im Selbst-
Kapiteln über Widersprüche und Archäologie - Naturwissen- gericht lebt und in Sanftmut, Selbstlosigkeit, Wahrhaftig-
schaft und Evolution, Leben nach dem Tod). keit und Vergebungsbereitschaft die Versöhnung sucht.
Das Buch kann als Nachschlagewerk verwendet werden. Die
Eine wichtige und wertvolle Hilfe für Seelsorger und alle,
Kapitel sind logisch aufeinander aufgebaut, so dass sich auch
die in ihrer Umgebung nach dem Vorbild Jesu Friedens-
das Durchlesen sehr lohnt. Einzelne Probleme sind allerdings
stifter sein möchten.
schon ziemlich anspruchsvoll. Im Zeitalter der neuen Toleranz
Wolfgang Bühne
sind besonders die Abschnitte über Wahrheit und Relativität
- "jeder hat seine eigene Wahrheit" - von aktuellem Interesse.
Alfred P. Gibbs
Die Themen werden gut und gründlich behandelt, es wird
auf ziemlich viele mögliche Einwände eingegangen, und die Wagnis Kinderevangelisation
Antworten sind logisch nachvollziehbar. An einigen Stellen Chancen und Gefahren missionarischer Arbeit …
war die Logik für mich schon zu anspruchsvoll, und bei an-
Betanien, Tb., 64. S., DM 3,90 DM
deren Stellen würden kritische Geister nachhaken und kleine
Argumentationslücken finden können. Trotzdem ist das Buch
Die engl. Originalausgabe dieses Buches fiel mir ins Auge,
eine wertvolle Hilfe, damit Christen sich nicht schämen, auch
weil dort kurz und anschaulich die notwendigen Punkte er-
mit gebildeten Menschen über ihren Glauben zu reden!
läutert werden, die erforderlich sind, damit ein Kind - oder
Michael Bühne auch ein Erwachsener - zum lebendigen Glauben findet.
Es wird herausgestellt, wie heute bei Evangelisationen, Kin-
John MacArthur derstunden, Freizeiten usw. nur allzu oft gegen diese „Ge-
Werden wie Gott mich will bote der Evangelisation" verstoßen wird. Z. B. werden Kin-
der auf rein emotionaler Basis zu einem oberflächlichen Be-
CLV, Pb., 224 S., DM 14,80 kenntnis geführt, das fälschlicherweise als „Bekehrung" be-
zeichnet wird. Manchmal werden Kinder ermutigt, ein „Ge-
In dieser Neuerscheinung geht es um einen wahrhaft christ-
bet“ nachzusprechen, ohne dass sie von Sünde überführt
lichen Charakter, den jeder Nachfolger Jesu entwickeln sollte.
sind und ohne dass der Geist Gottes sie erweckt hat.
MacArthur behandelt in 13 Kapiteln fundamentale Einstel-
Dieses Buch umfasst drei Teile: Freude, Gefahren und Ge-
lungen oder “Charaktersäulen” (darunter Glaube, Gehorsam,
staltung von Kinderevangelisation. Die Problematik schien
Demut, Liebe, Freude, Dankbarkeit, Selbstdisziplin usw.), die
bei Veröffentlichung des Originals vielleicht noch auf Ame-
in einer reifen, von Christus geprägten Gesinnung zum Aus-
rika beschränkt zu sein, aber unter den Evangelikalen hier-
druck kommen sollten. Besonders wertvoll waren mir die
zulande herrschen heute dieselben Missstände. Deshalb ist
Ausführungen über “Selbstdisziplin: der Schlüssel zum Sieg”
dieses nun auf Deutsch erhältliche Buch eine wichtige
und “Anbetung Gottes in Geist und Wahrheit”. Hier werden
Orientierungshilfe für alle, die in der Kinderarbeit stehen.
falsche Vorstellungen und Praktiken am biblischen Maßstab
gemessen und korrigiert. Im Anhang des Buches werden Abgesehen vom warnenden Kapitel über die Gefahren der
Fragen zu jedem Kapitel gestellt, die eine gute Hilfe bieten, Kinderevangelisation sind zwei Drittel des Buches positiv
um im Selbststudium oder in Gruppenarbeiten über die und konstruktiv ausgerichtet. Gibbs hat einen sehr ange-
Themen und Ausführungen nachzudenken. nehmen Schreibstil: systematisch, einleuchtend und durch
viele Illustrationen und Beispiele aufgelockert. Das Buch
Ein ermutigendes und motivierendes Buch das anspornt, ein
eignet sich auch zur Weitergabe an solche, die sich aus
Leben zur Ehre unseres Erlösers und zum Segen unserer
eigener Initiative nicht mit diesem notvollen Thema be-
Mitmenschen zu leben.
schäftigen würden.
Wolfgang Bühne Hans-Werner Deppe
Wolfgang Bühne • Postfach 11 26 • D-58540 Meinerzhagen
PVSt., Deutsche Post AG, Entgelt bezahlt. VKZ K 11661

Bald heißt es:

„Lebewohl,Sterblichkeit
– willkommen,Ewigkeit!“
Ich wünsche dir, geliebter
Gläubiger, ein Jahr opfer-
bereiten Dienstes für den,
der unser Opferlamm war.
Auch wir wollen unseren
Lauf mit Freude vollenden.
L E O N A R D R AV E N H I L L