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WORT UND WISSEN

„Gewinnen durch Gewissen?“


Buchbesprechung von Michael Fritz

Reinhard Haupt, Werner Lachmann, Stephan Schmitz (Hg.): prägtes Verhalten langfristig auch volkswirtschaft-
Gewinnen durch Gewissen? Christliche Prägungen und lich positiv auswirkt. Gleichzeitig machen sie deut-
wirtschaftliche Nachhaltigkeit. Hänssler-Verlag, Holzgerlin-
gen, 2004. Tb., 176 S., 10 Abb., 7,95 € (A: 8,20 €) / 14,95 sfr lich, daß dort, wo eine Volkswirtschaft ihre christli-
chen Wurzeln vergißt und christliche Prägungen
Es ist inzwischen gute Tradition, daß die Tagung der verlorengehen, die Gefahr der Perversion der Gesell-
Wort und Wissen-Fachgruppe Wirtschaft in einer schaft durch eine übertriebene Orientierung am kurz-
Publikation dokumentiert wird. Als Produkt der Fach- fristigen Nutzen des Einzelnen besteht.
tagung Ende 2002 liegt nun ein interessantes und Matthias Vollbracht macht in seinem Beitrag „Von
thematisch vielseitiges Buch vor, das im Hänssler- Nieten und Helden: das Medienbild von Managern und
Verlag erschienen ist. Unternehmern“ deutlich, daß die Kurzfristigkeit im
Gewinnen durch Gewissen? Die Assoziation mit Denken sehr stark durch die Medien gefördert wird.
kurzfristigen Gewinnchancen durch Hier gilt es wachsam zu sein und
ethisch gutes Verhalten wäre falsch. als Christ selbst Vorbild für langfri-
Vielmehr zeigen die Autoren aus stiges, nicht an der Tagesmeinung
verschiedenen Perspektiven, daß zur eigenen Person bzw. zum aktu-
christliche Prägungen das Verhal- ellen Erfolg oder Mißerfolg orien-
ten von Menschen so beeinflussen, tiertes Denken zu sein.
daß insbesondere volkswirtschaft- Der Beitrag von Stephan
lich nachhaltiger Nutzen geschaf- Schmitz „Erfolgsfaktor Religion: Wirt-
fen wird. Zu beachten ist dabei, daß schaftlich stabil durch christliches Pro-
die Motivation für ethisch gutes fil? Zusammenfassung einer Podiums-
Verhalten nicht etwa aus der Nut- diskussion“ beleuchtet u. a. die
zenerwartung, sondern aus dem christliche Verantwortung für das
christlichen Verantwortungsbe- System der Sozialen Marktwirt-
wußtsein gegenüber Gott und dem schaft. Christliche Prägungen sind
Nächsten resultiert. nicht nur wesentliche Merkmale
Friedrich Hanssmann zeigt in der Sozialen Marktwirtschaft, Chri-
seinem betriebswirtschaftlichen sten haben auch die Aufgabe, der
Beitrag „Humanisierung des Mana- Sozialen Marktwirtschaft immer
gements“ sehr konkrete Ansatzpunk- wieder ihren Stempel aufzudrük-
te für ein christlich orientiertes Ma- ken, d. h. den Wettbewerb zu för-
nagement-Verhalten auf. Er spricht dern, Eigenverantwortlichkeit zu
dabei nicht nur typische Konfliktsituationen aus Sicht stärken, Vertrauen aufzubauen und für soziale Abfe-
des Managements an, sondern gibt auch Instrumen- derung von Härten zu sorgen.
te – z. B. die sog. Trade-Off-Analyse – an die Hand, Insgesamt wandelt die Lektüre des Buches das
die eine ethisch ausgewogene Entscheidungsfindung Fragezeichen hinter „Gewinnen durch Gewissen“ in
unterstützen. ein Ausrufezeichen um, vorausgesetzt, ein Unter-
Helmut de Craigher und Heinz Trauboth belegen nehmen oder auch eine ganze Gesellschaft bringen
in ihren Beiträgen „Die Max-Weber-These im 21. Jah- den langen Atem mit, ein nachhaltig stabiles Wirt-
rundert: Die Arbeit meiner Hände hat Gott angesehen“ schaften als Maßstab des Erfolgs zu akzeptieren.
und „Zukunftsinnovationen oder Lifestylekult? Christli- !
che Technikgeschichte als Orientierung für heute“ sehr
anschaulich in der Historie, wie sich christlich ge- Aus W+W-Info 1/05, Februar 2005