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WORT UND WISSEN

Darwins Black Box


Buchbesprechung von Reinhard Junker

Michael Behe: Darwins Black Box. Biochemische Ein- verbundenen evolutionstheoretischen Probleme. Behe ar-
wände gegen die Evolutionstheorie. Resch-Verlag Gräfel- gumentiert, dass zunehmende Kenntnisse über den Inhalt
fing. Pb., 486 Seiten, 24,90 Euro (A: 25,65 Euro) / 47,80 sfr. der „Box“ die Probleme einer natürlichen Entstehung ver-
schärft statt verringert hätten.
Vor elf Jahren erschien das amerikanische Original dieses Heute noch aktuell? Über zehn Jahren nach dem
Buches und löste eine lebhafte Diskussion aus. Zahlreiche – Erscheinen der Originalausgabe und nach viel kritischer Dis-
freilich meist kritische – Buchbesprechungen in wissenschaft- kussion ist die Frage nach der Aktualität des Buches durch-
lichen Zeitschriften belegen, dass der Biochemieprofessor aus angebracht. Daher ist das Abschlusskapitel „Zehn Jahre
Michael Behe einen wunden Punkt in der Evolutionsbiologie später: Antworten auf die Kritiker“ sehr hilfreich. Die Aktua-
getroffen hatte. Dieses Buch konnte man nicht übergehen. lität des Buches hat in der Zwischenzeit keineswegs gelitten –
Dabei fällt auf, dass die Kritik oft gar im Gegenteil. Weitere Forschung
nicht die Darstellungen der biochemi- wird zeigen, wohin der Trend zu-
schen Details und die davon abgelei- künftig weisen wird.
tete evolutionskritische Argumentati- Für Laien verständlich?
on betraf, sondern eher Grundsatz- Der Begriff „biochemisch“ im Un-
fragen, wie Wissenschaft funktioniert tertitel könnte abschreckend wir-
und was man aus ungelösten Fragen ken. Gehört Chemie nicht zu den
der Evolutionsforschung schließen unanschaulichen Dingen, die man
könne und ähnliches. Kein Wunder: als Laie nicht versteht? Behe ver-
Behe wirft Fragen auf, die über die steht es, die anspruchsvolle Ma-
Naturwissenschaft hinausgehen. Sein terie auch den Lesern nahezubrin-
Buch wurde bald zum Klassiker der gen, die wenige Vorkenntnisse
„Intelligent Design“-Bewegung (ID) in mitbringen. Hilfreich ist dabei die
den USA. Möglichkeit, Detaildarstellungen
Nach dem Grundgedanken von ID zu überspringen, ohne den roten
kann man an Merkmalen der Lebewe- Faden der Argumentation zu
sen Hinweise auf deren Planung und verlieren. Daher ist das Buch ei-
damit ihre nicht-natürlichen Entste- nem breiten Leserkreis zugäng-
hung erkennen. Behe führt dies in „Dar- lich. Zudem geht es nicht nur um
wins Black Box“ aus, indem er anhand die Beispiele aus der Biochemie
einiger Beispiele aus der Biochemie (auch wenn sie den Hauptteil aus-
ausführlich deren „nichtreduzierbare machen), sondern auch um
Komplexität“ aufzeigt. Das heißt: Stoff- grundsätzliche Überlegungen
wechselwege und biochemische Ap- zum Thema Intelligent Design,
parate können nicht unter einen Mini- Wissenschaft, Philosophie und
malbestand von Teilen verkleinert Religion.
werden, ohne dass ihre Funktion kom- Angesichts oft verkürzter,
plett verloren geht. Ein evolutiver Weg zu solchen nichtre- verzerrter und sogar desinformierender Darstellungen über
duzierbar komplexen Strukturen ist einerseits nicht bekannt, das Anliegen dieses Buches und seine Argumentationswei-
andererseits sind solche Strukturen typisch für einen ab- sen ist es erfreulich, dass es nun auch in Deutsch verfügbar
sichtsvoll und zielorientiert schaffenden Urheber. ist. Sein Vorwort zu diesem Buch schließt Siegfried Scherer:
Warum Darwins „Black Box“? Den Titel hat Behe „Man mag zu Behe stehen, wie man will: Seine Argumente
gewählt, weil die biochemischen Prozesse und zellulären erfordern zunächst eine wissenschaftliche und keine weltan-
Maschinen, die er beschreibt, zu Charles Darwins Zeit noch schaulich-emotionale Diskussion. Ich habe die Hoffnung, dass
völlig unbekannt waren – damals eben eine „Black Box“ des hierzulande eine derartige Auseinandersetzung doch noch
Zellgeschehens. Unbekannt waren folglich auch die damit möglich ist.“ Das kann man nur unterstreichen.