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W+W-Disk.-Beitr.

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Warum ist die Arbeit bei Wort und Wissen wichtig?

Die STUDIENGEMEINSCHAFT WORT UND WISSEN (W+W) Schöpfungsforschung als Teil der Apologetik
möchte Christen und Nichtchristen Denkhilfen an-
bieten, um wissenschaftliche Erkenntnisse unter Apologetik bedeutet die Verteidigung des Glau-
Berücksichtigung des Wortes Gottes, der Bibel, zu bens gegen kritische Einwände und hat eine lange
verstehen und zu interpretieren. Dabei beschäftigt Tradition in der christlichen Geschichte (siehe z.B.
sich W+W vor allem kritisch mit Ursprungsfragen, GEISLER 1999). Die Bibel selber ermuntert an ver-
d.h. mit der Entstehung und Entwicklung des Kos- schiedenen Stellen zur apologetischen Tätigkeit.
mos, der Erde und des Lebens und mit der Ge- Die klassische Bibelstelle in diesem Zusammen-
schichte des Menschen. Darüber hinaus bildet auch hang ist 1. Petrus 3,15b: „Seid allezeit bereit zur Ver-
die Biblische Archäologie einen Arbeitszweig, und antwortung [griechisch: απολογια, apologia] vor je-
auch Themen aus dem Bereich Wissenschaftstheo- dermann, der von euch Rechenschaft fordert über die
rie und Wirtschaftswissenschaften sind Gegenstand Hoffnung, die in euch ist“. In Phil. 1,7 redet Paulus
der W+W-Arbeit. Da Ursprungsfragen unserer An- davon, dass er das Evangelium „verteidige und be-
sicht nach eng mit dem Verständnis der biblischen kräftige“ und in Vers 16 sogar, dass er aufgrund der
Ur- und Heilsgeschichte verknüpft sind, ist W+W „Verteidigung des Evangeliums“ gefangen sei. In Ju-
herausgefordert, sich auch mit Fragen der Ausle- das 3 werden wir im Zusammenhang von Irrleh-
gung biblischer Texte auseinanderzusetzen. Im Fol- rern ermahnt, „für den Glauben zu kämpfen, der ein für
genden soll die Beschäftigung auf all diesen Gebie- allemal den Heiligen überliefert ist“. Zudem sollen wir
ten unter dem Begriff „Schöpfungsforschung“ zu- uns der Zweifler erbarmen (Judas 22).1
sammengefasst werden. In der heutigen Zeit werden Angriffe auf den
Im Zuge der Beschäftigung mit diesen inhaltli- christlichen Glauben häufig im Namen der Wissen-
chen Schwerpunkten hat W+W schon viele wertvol- schaft ausgeübt. Solche Angriffe basieren häufig
le Publikationen in verschiedenen Fachgebieten ver- auf einem naturalistischen Weltbild (d. h.: Die Na-
öffentlicht. Diese wurden zu einem großen Teil durch tur ist alles, was existiert), wobei die Evolutionsleh-
ehrenamtliche Mitarbeiter erarbeitet, die dies zu- re2 einen zentralen Platz einnimmt. So wird heute
sätzlich zu ihrer beruflichen Belastung leisteten. mit dem Hinweis auf die Erklärungskraft der Evo-
Dabei sind die Opfer, die durch dieses Engagement lutionslehre vermehrt der historische Wahrheits-
in finanzieller, familiärer oder manchmal auch ge- gehalt der Bibel – und speziell der ersten 11 Kapitel
sundheitlicher Hinsicht in Kauf genommen wer- – in Frage gestellt. In den Medien wird Evolution
den, nicht unerheblich. Die Problematik besteht vor als wissenschaftliche Tatsache präsentiert. Wer et-
allem in der Tatsache, dass es nur wenige Menschen was anderes vertritt, wird dabei zunehmend als
gibt, die sich in dieser Weise aktiv beteiligen. Da- wissenschafts- oder gar demokratiefeindlich dar-
durch verteilt sich die Arbeit bislang auf wenige gestellt.3 In persönlichen Gesprächen zeigt sich häu-
Schultern. Der Mitarbeitermangel führt letztlich auch fig eine große Unsicherheit unter Christen. Manche
dazu, dass viele interessante Projekte nicht bearbei- mögen sich achselzuckend fragen, wieso das Ganze
tet werden können, weil die zur Verfügung stehen- überhaupt für den christlichen Glauben bedeutsam
den Mitarbeiter bereits vollständig ausgelastet sind. sei und halten eine „theistische Evolution“ (d.h.
Ein Grund, weshalb sich viele Menschen und Evolution durch direktes oder indirektes Eingrei-
auch Gemeinden zurückhalten, sich auf dem Feld fen Gottes) für akzeptabel. Andere fühlen sich viel-
wissenschaftlicher Auseinandersetzungen mehr ein- leicht hilflos gegenüber der Übermacht der einsei-
zubringen, dürfte vor allem in der Natur der Aufga- tigen Berichterstattung von Seiten der Medien. Nicht
be liegen. Die eigentliche Forschungsarbeit muss wenige halten sich aus der Sache heraus und lassen
von Fachleuten verrichtet werden und das mit be- sich nicht irritieren, können dann aber denjenigen
trächtlichem Arbeitsaufwand. Damit verglichen ist auch nicht helfen, denen diese Thematik „unter
der Ertrag dieser Arbeit für die christliche Verkün- den Nägeln“ brennt.
digung und Evangelisation oft nicht unmittelbar Angesichts dieser gesellschaftlichen Situation
ersichtlich. Einfach und überspitzt gefragt: Weshalb ist die Beschäftigung mit Ursprungsfragen heute
soll mit christlicher Motivation monate- bis jahre- ein Kerngebiet, in welcher Apologetik betrieben
lange Arbeit in wissenschaftliche Detailfragen inve- werden muss. Es genügt nicht, Apologetik ledig-
stiert werden, wenn eine solche Arbeit gar keinen lich auf philosophischen und theologischen Gebie-
Bezug zu christlicher Verkündigung und Evangeli- ten zu betreiben. Im Folgenden werden einige Punk-
sation zu haben scheint? Ist das nicht einfach nur ein te aufgelistet, die die Bedeutung der Schöpfungs-
Hobby für speziell Interessierte? Im Folgenden soll forschung für das Reich Gottes deutlich machen:
aufgezeigt werden, warum die Arbeit bei W+W
gerade auch für die christlichen Gemeinden und die • Prä- und Post-Evangelisation: Schöpfungsfor-
biblische Verkündigung wichtig ist. schung lässt sich zwar nicht direkt evangeli-

DISKUSSIONSBEITRÄGE, BERICHTE,
INFORMATIONEN 5/07
stisch einsetzen, doch erfüllt sie die Funktion als türlich kann man eine Evangelisation auch ohne die
„Vorbereitungs-“ und „Unterstützungswerk- Ergebnisse der Schöpfungsforschung durchführen,
zeug“ zu einer Evangelisation und danach. Gera- um nochmals auf die Fragen in der Einleitung zu-
de Neubekehrte haben viele Fragen an den christ- rückzukommen. Was ist aber, wenn wir vor einer
lichen Glauben und brauchen in dieser Hinsicht jungen Generation stehen, die aufgrund der einsei-
auch fundierte Hilfe. Schöpfungsforschung bringt tigen Berichterstattung in den Medien und auf-
die Bibel in konkreten Bezug zur materiellen grund von Bildungsinhalten in den Schulen und
Welt und hilft suchenden und fragenden Men- Museen das Vertrauen in die Heilige Schrift verlo-
schen, Glaubenshindernisse aus dem Weg zu ren hat? Man muss sich nur ein wenig in Internetfo-
räumen. Auf diese Weise werden Menschen für ren umsehen, um sich zu überzeugen, wie sehr
eine Evangelisation vorbereitet. In Röm. 1,20 gerade junge Menschen mit Argumenten und Vor-
schreibt Paulus, dass man Gottes „unsichtbares urteilen gegen den christlichen Glauben „vollge-
Wesen“ beim Betrachten der Schöpfung erken- stopft“ sind. Was ist weiterhin, wenn man selbst
nen könne. „Schöpfung“ war darum auch im innerhalb der Gemeinden eine christliche Ethik
heidnischen Athen ein entscheidender Anknüp- kaum mehr aufrechterhalten kann, weil der bibli-
fungspunkt für die Verkündigung des Paulus sche Text nicht mehr als allgemeingültiger und ver-
(Apg. 17,24) und ist es auch heute in besonderer bindlicher Maßstab anerkannt wird, da ihm die
Weise. Es sollte uns daher nicht überraschen, historische Wahrheit aberkannt wurde?
dass der Glaube an einen souverän handelnden Der strategische Gesichtspunkt der Schöpfungs-
Schöpfer in den Medien stark unter Beschuss forschung lässt sich anhand des folgenden Ver-
geraten ist. gleichs veranschaulichen: Es ist ähnlich, wie wenn
• Glaubensstärkung: Die Schöpfungsforschung ein Missionar in einer ihm fremden Kultur das
kann gläubigen Menschen dienen, in ihrem Glau- Evangelium verbreiten und dort Menschen für den
ben an „Gott, den allmächtigen Schöpfer von Glauben gewinnen möchte. Er benötigt dazu eine
Himmel und Erde“ gestärkt zu werden. Dies ist jahrelange Ausbildung, um die Sprache und kultu-
besonders wichtig in unserer postmodernen und rellen Gewohnheiten so gut kennen zu lernen, dass
multikulturellen Gesellschaft, in welcher schein- er sich überhaupt verständlich machen kann. Auch
bar jede Wahrheit nur noch relativ gilt und man hier könnte man die Frage stellen, welchen unmit-
Glaube zur Privatsache erklärt. Schöpfungsfor- telbaren Nutzen der Spracherwerb für die Evange-
schung trägt auch auf anschauliche Weise dazu lisation haben soll. In einer längerfristigen Perspek-
bei, dass das Staunen und das Lob über die Schöp- tive ist dies klar; ohne den Erwerb der Sprache kann
fung wieder zunehmen, womit dem Schöpfer er die Menschen in dieser Kultur gar nicht errei-
Ehre zuteil wird (wie das in vielen Psalmen zum chen. So ist es auch mit der Schöpfungsforschung
Ausdruck kommt). und der Auseinandersetzung mit Weltbildern, die
• Gesellschaftliche Geltung: Der christliche Glau- letztlich gegen die Bibel gerichtet sind.
be hat neben einer geistlichen Grundlage auch
eine rationale, allgemein nachvollziehbare Di- Kurzzeitkreationismus als Glaubenshindernis?
mension. Wie soll man z.B. in ethischen Fragen
christlich argumentieren, wenn man nicht klar Gelegentlich hört man den Einwand, dass die Lehre
machen kann, warum die Bibel Geltungsanspruch einer jungen Erde viele Intellektuelle eher vom Glau-
hat? Ethische Fragen hängen eng mit dem „We- ben abhalte, als dem Glauben näher zu bringen. In
sen“ des Menschen und dessen Herkunft zusam- diesem Sinne sei Schöpfungsforschung eher kon-
men (wie ist der Mensch entstanden?); darüber traproduktiv und es sei darum besser, Ungläubige
gibt die Bibel klare Auskunft. Wird die biblische nicht damit zu konfrontieren. Es sei zugestanden,
Basis in Frage gestellt, fallen damit auch die Maß- dass die Lehre einer jungen Erde für den Einzelnen
stäbe, an denen ethische Normen ausgerichtet wirklich einen Stolperstein darstellen kann. Die
werden. Argumentiert man hier nur über bibli- anerkannten Theorien über die Datierung von Ge-
sche Werte, werden das wohl zunehmend mehr steinen sind derzeit nicht leicht anfechtbar. Zudem
Menschen als für sie unverbindlich betrachten. sind in der Astronomie lange Zeiträume bereits
dadurch nahe gelegt, da das Licht von sehr weit
Glauben und Denken gehören zusammen. Nach entfernten Sternen offenbar Milliarden von Jahren
biblischem Verständnis4 ist es nicht möglich, das erfordert, um die Erde zu erreichen. Auf diese Pro-
eine vom anderen abzukoppeln. Das klingt sogar bleme können momentan keine befriedigenden wis-
im höchsten Gebot an, wo es heißt, wir sollen Gott senschaftlichen Antworten in einem Kurzzeitrah-
mit unserem ganzen Verstand5 lieben (Mat. 22,37, men gegeben werden. Sollte man deshalb gänzlich
Mk. 12,30). Das Denken soll nicht über-, aber auch auf die Auseinandersetzung mit dieser Materie ver-
nicht unterbetont werden. Die Bibel hat klar komm- zichten und sich lediglich auf Kritik an einer natu-
unizierbare Inhalte, die nicht einfach von ihrem ralistischen Evolutionslehre beschränken? Wir mei-
historischen Kontext gelöst werden können6. Na- nen nein.
Wer die Aussageabsicht der Bibel ernst nimmt, fachlicher Kritik standhält. W+W hat sich deshalb
wird automatisch an die Problematik zwischen bi- dazu entschlossen, die Detailarbeit nicht durch Ober-
blischer Urgeschichte und langen Zeiträumen her- flächlichkeit zu ersetzen. Das führt zwar dazu, dass
angeführt. Es würde daher letztlich gar nicht viel wir insgesamt weniger machen können, das aber
bringen, diese Problematik einfach zu übergehen. dafür gründlich und zuverlässig. Das Resultat ist
Damit würden nur zusätzliche Unsicherheiten ge- eine Handvoll ausgezeichneter Bücher sowie Schrif-
schaffen. W+W vertritt eine Kurzzeitposition, da ten und Artikel, die nach bestem Wissen und Ge-
diese der Aussageintention der biblischen Texte wissen erarbeitet wurden und hohe fachliche Qua-
zur Schöpfung und Urgeschichte Rechnung trägt.7 lität beanspruchen können.
Wenn sich zeigen sollte, dass die Schrift diese Sicht Es sollte in diesem Diskussionsbeitrag deutlich
nicht fordert, sind wir freilich bereit, unsere diesbe- gemacht werden, dass Schöpfungsforschung Dienst
züglichen Vorstellungen zu überdenken; wir wol- am Reich Gottes ist. Die Gemeinden sollten sich
len in den verbindlichen Grundlagen unserer Ar- daher die Frage stellen, ob sie fachlich ausgebildete
beit jedoch nicht über das biblische Wort hinausge- Gemeindemitglieder mit entsprechenden Begabun-
hen. Wer unsere diesbezügliche Position nicht teilt, gen als ehrenamtliche Mitarbeiter in diesen Dienst
ist dennoch gerne zur fachlichen Mitarbeit eingela- berufen können. Das bedeutet aber auch, dass sol-
den. Wir richten uns an Menschen, die in diesem che Mitarbeiter von anderen gemeindlichen Dien-
Spannungsfeld aufrichtige Fragen stellen und Ori- sten soweit freigestellt werden, dass ihre zeitliche
entierung suchen. Ist das Schriftverständnis von Kapazität diesen zeitintensiven Dienst zulässt. Es
W+W der Bibel angemessen, dann ist es erforder- gibt zudem viele junge Christen, die sich für Schöp-
lich, in diesem Bereich zu forschen, da wir nun mal fungsforschung interessieren. Wenn diese unter-
nicht ändern können, dass die Bibel von einer jun- stützt werden, dann haben wir die Chance, in eini-
gen Erde spricht. gen Jahren Wissenschaftler zu gewinnen, die sich
ihrerseits für die historische Zuverlässigkeit der
Bibel und damit auch für das Evangelium einsetzen
Gemeinde Jesu und Schöpfungsforschung können.
Es wäre schön, wenn zwischen W+W und den
Die Notwendigkeit wissenschaftlicher Arbeit ist der evangelikalen Gemeinden eine Art „Symbiose“ zu-
christlichen Gemeinde nicht leicht zu vermitteln. stande käme: W+W versorgt die Gemeinden mit
Die Überlegungen in diesem Diskussionsbeitrag qualitativ gutem Material und mit Orientierungs-
sollen dazu beitragen, den Sinn dieser Arbeit und hilfen, und die Gemeinden unterstützen W+W in
ihre Bedeutung besser zu verstehen. Wir machen Form von Gebet, Finanzen und Mitarbeitern. Durch
die Erfahrung, dass Gemeinden durchaus offen und diese gegenseitige Unterstützung kann W+W den
dankbar sind, wenn man ihnen anbietet, einen Vor- Gemeinden die nötige apologetische Rückendek-
trag zu halten oder einen Text für die Gemeinde zu kung geben, um in intellektuell turbulenten Zeiten
schreiben. Die Rückmeldungen sind fast immer wie dieser den Glauben an die Zuverlässigkeit des
positiv und die Hilfeleistung an den Gläubigen ganzen Wortes Gottes zu bewahren.
wird geschätzt. Dennoch sehen nur wenige Ge- Falls Sie an Informationen interessiert sind, wel-
meinden die Notwendigkeit, selber konkret zur che Dienste W+W anbietet, wie Sie W+W unterstüt-
Schöpfungsforschung beizutragen, indem sie Ge- zen können und wer für eine Mitarbeit geeignet ist,
meindemitglieder mit entsprechender Begabung dann besuchen Sie doch unsere Homepage
ermutigen, als Mitarbeiter in die Thematik einzu- www.wort-und-wissen.de und speziell die Rubrik
steigen. Kurz gesagt: Das Ergebnis ist vielen will- „Mitarbeit“.
kommen, die zu investierende Arbeit nicht. Das
funktioniert natürlich so nicht. Der Leitungskreis der Studiengemeinschaft
Die aufwändige Detailarbeit kann nicht umgan- Wort und Wissen
gen werden. Andernfalls würden die Ergebnisse
der Schöpfungsforschung qualitativ ungenügend.
Sie könnten einer Überprüfung nicht standhalten Anmerkungen
und würden zurecht angefochten werden. Damit
1
böte man den Kritikern unnötige Angriffsflächen Es könnte hier entgegengehalten werden, dass in diesen
und machte sich insgesamt unglaubwürdig. Ohne Bibelstellen lediglich von der Verteidigung der christli-
sorgfältige wissenschaftliche Arbeit fehlt zudem chen Heilsbotschaft (Evangelium) die Rede ist. Es soll
die Basis für einen Unterricht, der alternative bi- hier jedoch darauf hingewiesen werden, dass die Schöp-
fung, der Sündenfall und die ganze biblische Urgeschichte
blisch begründete Inhalte präsentiert.8 Das gilt für
nicht von der biblischen Heilslehre abgekoppelt werden
staatliche Schulen gleichermaßen wie für die christ- können. Sowohl Jesus als auch die Apostel nehmen di-
lichen Bekenntnisschulen. Die Christen unter den rekten Bezug zur biblischen Urgeschichte. Für eine einfa-
Lehrern brauchen fachliche Rückendeckung und che Schrift zu diesem Thema sei „Jesus, Darwin und die
müssen sich sicher sein können, dass ihr Material Schöpfung“ und für eine detaillierte Auseinanderset-
zung „Leben durch Sterben?“ (beide von Reinhard JUN- halten, zugleich aber die historische Wirklichkeit des in
KER) empfohlen. Zudem scheint Judas 22 in sehr allge- der Bibel bezeugten Geschichtshandelns Gottes aus welt-
meiner Weise auszusagen, dass wir Menschen mit Zwei- anschaulichen Gründen preisgeben.“ Man sehe zu die-
feln helfen sollen. sem Punkt auch die Literatur in Fußnoten 1 und 7.
2 7
Unter Evolutionslehre soll hier die allgemeine Ansicht Für eine Auseinandersetzung mit dieser Thematik lese
verstanden werden, dass alle Tier- und Pflanzenarten man die Diskussionsbeiträge „Lehrt die Bibel eine junge
und der Mensch sich im Laufe der Erdgeschichte in Schöpfung?“ (R. JUNKER; www.wort-und-wissen.de/disk/
direkter Abstammung durch schrittweise Veränderun- d94/1/d94-1m.html), „Wie lang waren die Schöpfungsta-
gen aus Vorformen naturgesetzlich bedingt entwickelt ge?“ (W. HILBRANDS; www.wort-und-wissen.de/disk/d06/
haben. 4/d06-3m.html), „Die biblische Urgeschichte – wirkliche
3
So zum Beispiel in krasser Form in einer Empfehlung Geschichte“ (M. STEPHAN ; www.genesisnet.info/
des Europarats vom Oktober 2007, in der den EU-Mit- schoepfung_evolution/i821.php) und „Die Bindung der
gliedsstaaten geraten wird, einen Eingang des Kreatio- Erdgeschichte an den Sündenfall des Menschen“ (M.
nismus in Schulen zu verhindern. Eine entsprechende STEPHAN; www.genesisnet.info/schoepfung_evolution/
Resolution war im Juni 2007 zunächst von der Tagesord- i823.php).
8
nung genommen worden (siehe dazu http://www.wort- W+W hat zur Frage, inwiefern Evolutionskritik und
und-wissen.de/presse/main.php?n=Presse.P07-5), wurde Schöpfungslehren an den Schulen gelehrt werden sollen,
dann aber in wenig abgeschwächter Form im Oktober differenziert Stellung bezogen (siehe Evolution und
mit ca. 2/3 der Stimmen verabschiedet. Schöpfung in der Schule: www.wort-und-wissen.de/pres-
4
Mit „biblischem Verständnis“ ist eine Hermeneutik se/main.php?n=Presse.P05-2).
gemeint, die die biblische Überlieferung textgetreu zu
verstehen versucht. Eine Einführung in dieses Schrift-
verständnis gibt beispielsweise Helge STADELMANN in sei- Literatur
nem Buch „Evangelikales Schriftverständnis. Die Bibel
verstehen – Der Bibel vertrauen“. GEISLER N (1999) Baker Encyclopedia of Christian Apolo-
getics. Baker Academic.
5
Das griechische Wort ‚διανοια’ (dianoia), das hier mit GNILKA J (1988) Das Matthäusevangelium. II. Teil. Kom-
Verstand wiedergegeben wurde, wird in der Lutherbibel mentar zu Kap. 14,1-28,20 und Einleitungsfragen.
mit ‚Gemüt’ übersetzt, wobei für Luther das Gemüt auch Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Te-
den Verstand umfasste. Der Bedeutungsraum von ‚δια− stament. Freiburg: Herder.
νοια’ beinhaltet jedoch eher Begriffe wie ‚Denken’, ‚Ver- JUNKER R (1994) Leben durch Sterben. Neuhausen-Stutt-
stand’ und ‚Gesinnung’ (BEHM & WÜRTHWEIN 1990). GNIL- gart.
KA (1988) schreibt dazu in seinem Kommentar: „διανοια JUNKER R (2004) Jesus, Darwin und die Schöpfung. Holz-
enthält das Element des Rationalen. Gott ist nicht nur gerlingen.
Objekt des Liebens, Strebens, Wollens und Fühlens, son- BEHM J & WÜRTHWEIN E (1990) „noéô“, Theologisches
dern auch des Intellekts. Er soll aus diesem Raum nicht Wörterbuch zum Neuen Testament IV, Hg. G. KITTEL,
ausgesperrt sein.“ διανοια ersetzt in Mat. 22,38 den Aus- Studienausgabe (ND von 1942), Stuttgart: Kohlham-
druck ‚Kraft’ aus 5.Mose 6,5 und erscheint in Mk. 12,30 mer, S. 947-1016.
zusätzlich zu ihm. STADELMANN H (2005) Evangelikales Schriftverständnis.
6
STADELMANN (2005, S. 157) schreibt hierzu: „Man möchte Die Bibel verstehen – Der Bibel vertrauen. Hammer-
die religiösen Wahrheiten der Bibel theologisch beibe- brücke.

STUDIENGEMEINSCHAFT WORT UND WISSEN – www.wort-und-wissen.de