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W+W-Disk.-Beitr.

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Evangelische Kirche: Schulterschluss


mit der AG Evolutionsbiologie?

Die AG Evolutionsbiologie versucht die Arbeit Abkühlung riesiger Magmamassen im bibli-


der Studiengemeinschaft Wort und Wissen zu schen Kurzzeitrahmen erklärt werden sollen.
diskreditieren. Neuerdings erhält sie dafür ... Wir müssen passen, wenn wir erklären sol-
auch Unterstützung durch den Weltanschau- len, wie die radiometrischen Daten alternativ
ungsbeauftragten der Evangelischen Landes- in einem sehr engen Kurzzeitrahmen gedeu-
kirche in Württemberg, den Biologen Dr. Hans- tet werden sollen (die Langzeitdeutungen sind
jörg Hemminger. (Von der AG Evolutionsbio- zwar kritisierbar, aber damit haben wir nicht
logie wird er als „Sektenbeauftragter“ bezeich- automatisch Argumente für den biblisch be-
net.) gründeten Kurzzeitrahmen).“
Also: Eine junge Erde können wir naturwis-
senschaftlich derzeit nicht begründet vertreten;
Begleittext der AG Evolutionsbiologie es gibt unseres Erachtens aber auch ernsthafte
Einwände gegen eine alte Erde. Daher stellen
Ein Beitrag Hemmingers auf der Website der wir die zeitliche Zuordnung der geologischen
AG Evolutionsbiologie wird wie folgt ange- Systeme in Frage, wohl wissend, dass es den-
kündigt: noch viele Befunde gibt, die sich nach gegen-
„Die Studiengemeinschaft Wort und Wis- wärtiger Kenntnislage gegen die Sicht von
sen zählt zu den entschiedensten Kritikern der einer jungen Schöpfung sperren. Ist es so un-
Evolutionswissenschaften im deutschsprachi- gewöhnlich, dass man seine eigene Position
gen Raum. Das Bild, das sie nach Außen hin auch selbstkritisch beurteilt?
abgibt, ist heterogen und spiegelt z.T. auch In dem Newsbeitrag wird weiter behaup-
widersprüchliche Positionen wider. Auf der tet: „Von führenden W+W-Vertretern wird
einen Seite gelangt z.B. S. Scherer als Mitglied betont, man beabsichtige nicht, Gott als erklä-
im Leitungsgremium zu der bemerkenswer- rendes Element in die Wissenschaft zu inte-
ten Einsicht, ‚dass ein junges Alter ... des Uni- grieren – Glaube und Wissenschaft werde
versums und der Erde nur entgegen der mei- strikt getrennt. Auf der anderen Seite reden
sten derzeit akzeptierten astronomischen und etliche W+W-Texte, oft im Deckmantel des
geophysikalischen Daten geglaubt werden Intelligent Design, eben diesem Erklärungs-
kann.’ ... Im Gegensatz dazu kommt im evan- anspruch das Wort. In einem Text, der sich
gelikalen Unterstützerkreis die Botschaft an, eher an die Evangelikalen richtet, heißt es,
die zeitliche Zuordnung der geologischen Sy- zum Begreifen der Herkunft, Beschaffenheit
steme sei aufgrund empirischer Daten ‚begrün- und Zukunft der Schöpfung, reichten ‚wissen-
det infragezustellen’ (so z.B. H. Binder, ähn- schaftliche Erkenntnisse nicht aus, sondern es
lich R. Wiskin oder W. Gitt).“ (http://www. bedarf der Integration (sic!) im Wort Gottes
evolutionsbiologen.de/news.html; Newsbei- geoffenbarter Wahrheiten’.“ Anders als hier
trag vom 24. 11. 2007). behauptet wird von Wort und Wissen „Gott
Zunächst sei angemerkt, dass es in der Stu- als erklärendes Element“ nicht in die in die
diengemeinschaft Wort und Wissen weder Wissenschaft integriert. In unserem Text ist
Denk- noch Glaubenszwang gibt. Selbstver- vom Wort Gottes die Rede, das man zum Be-
ständlich sind die Mitglieder nicht völlig ho- greifen der Herkunft, Beschaffenheit und Zu-
mogen, sondern diskutieren sowohl theologi- kunft der Schöpfung benötigt. Das würde so
sche als auch naturwissenschaftliche Frage- vermutlich auch Dr. Hemminger sagen, auch
stellungen, mitunter auch kontrovers. Das ist wenn er diesen Satz mit einem anderen Inhalt
ein Zeichen für eine reife und wissenschaftli- füllt als wir. Selbstverständlich integrieren wir
che Diskussion. Abgesehen davon hat die SG zu diesem Zweck „im Wort Gottes geoffenbarte
Wort und Wissen bereits 1996 einen Diskussi- Wahrheiten“ in unser Denken und Glauben.
onsbeitrag veröffentlicht (http://www.wort- Genauso selbstverständlich taucht Gott damit
und-wissen.de/disk/d96/1/d96-1m.html), in nicht in naturwissenschaftlichen Theorien auf.
dem festgehalten wird: „Es ist unklar, wie die Wir machen in Wirklichkeit sehr genau klar,
gewaltigen geologischen Prozesse wie etwa wo eine naturwissenschaftliche Argumentati-
die Plattentektonik (Kontinentaldrift) oder die on an ihre Grenzen kommt, über die hinaus

DISKUSSIONSBEITRÄGE, BERICHTE,
INFORMATIONEN 1/08
wir biblisch begründete Glaubensaussagen schlecht diese naturwissenschaftlich begrün-
machen. Jeder Leser unserer Texte kann sich det sind, sondern davon, welche Konsequen-
davon leicht selber überzeugen. zen sich aus ihrer möglichen Wahrheit für das
Gesamtverständnis der Heiligen Schrift und
das christliche Glaubenszeugnis ergeben.“
Zum Text von Dr. Hemminger Es geht also um die Berechtigung für eine
theologische Beurteilung von Evolutionslehren
Der Text von Dr. Hemminger hebt ebenfalls („theologisch“ ist im Original kursiv gesetzt,
auf vermeintliche Widersprüche der Wort und diese wichtige Hervorhebung hat Hemmin-
Wissen-Arbeit ab (http://www.evolutions- ger leider nicht übernommen). Es ist schon
biologen.de/hemminger_w+w.html). Dort zi- dreist, daraus entnehmen zu wollen, dass für
tiert er (nach dem oben bereits genannten Satz) uns die theologischen Auswirkungen einer na-
aus Siegfried Scherers privater Homepage: turwissenschaftlichen Theorie entscheidend
„Auch die Annahme, dass die meisten geolo- für ihre Annahme oder Ablehnung seien. Be-
gischen Schichtfolgen in einem Jahr gebildet sonders befremdlich ist in diesem Zusammen-
wurden, erscheint mir mit geologischen und hang, dass Hemminger aus einem persönli-
paläontologischen Daten unvereinbar.“ Dies chen Schreiben zitiert, das seine Leser nicht
entspricht genau der Position der SG Wort einsehen und überprüfen können. Tatsächlich
und Wissen. Im oben erwähnten Diskussions- heißt es in diesem Schreiben weiter: „Die Aus-
beitrag heißt es auch: „Wir können nicht schlüs- einandersetzung mit den Evolutionstheorien
sig aufweisen, wo Beginn und Ende der Sint- und der Stichhaltigkeit der Evolutionsbeweise
flut in der geologischen Überlieferung liegen.“ kann in einem naturwissenschaftlichen me-
Details werden im Buch „Sintflut und Geolo- thodisch festgelegten Rahmen unabhängig von
gie“ (http://www.wort-und-wissen.de/bue- theologischen Argumenten und weltanschaulich be-
cher/geo/sintflut.html) erläutert, und Wort und gründenden Motivationshintergründen erfolgen.
Wissen verfolgt aus genau diesem Grund eine Naturwissenschaftliche Evolutionskritik ist un-
biblisch-urgeschichtliche Geologie (siehe dazu abhängig vom weltanschaulichen Hintergrund des
http://www.wort-und-wissen.de/artikel/a01/ Kritikers zulässig und notwendig“ (Hervorhe-
a01.html und http://www.wort-und-wissen. bung hier hinzugefügt).
de/disk/d03/2/d03-2.html).
Auch die folgenden zitierten Sätze entspre-
chen im Wesentlichen der Position von Wort Interne Widersprüche?
und Wissen: „Die unter Kreationisten hin und
wieder erhobene Forderung, Evolutionsfor- Weiter schreibt Hemminger: „Die vermutlich
schung nicht mit öffentlichen Mitteln zu för- rund 70 evangelischen Bekenntnisschulen, die
dern, halte ich für wissenschaftsfeindlich. Den das Buch von Junker und Scherer sowie das
Versuch, Schöpfungslehren im naturkundli- Lehrbuch ‚Creatio’ verwenden, tun dies, weil
chen Unterricht zu verankern, kann ich nicht sie ihren Bibelfundamentalismus mit der na-
nachvollziehen. Noch abwegiger wäre das turwissenschaftlichen Autorität von Fachleu-
Vorhaben, die Evolutionslehre aus dem Biolo- ten begründen wollen. Deren Markenprodukt
gieunterricht zu entfernen“ (vgl. dazu http:// ist die Widerlegung der langen Erd- und Na-
www.wort-und-wissen.de/presse/main. turgeschichte zugunsten der sechs Kalender-
php?n=Presse.P05-2). tage. Wenn nun Vorsitzender und Geschäfts-
Im Weiteren zitiert Hemminger aus einem führer sagen, dass dieses Produkt eigentlich
persönlichen Schreiben von Reinhard Junker und nicht zu haben ist, setzen sie sich zu ihren
Henrik Ullrich, und behauptet, für Wort und eigenen Aktivitäten und deren Wirkungsge-
Wissen seien die „theologischen Auswirkun- schichte in Widerspruch.“
gen (!) einer naturwissenschaftlichen Theorie Hier ist fast alles falsch. Richtig ist: Die
... entscheidend für ihre Annahme oder Ab- christlichen Bekenntnisschulen sind bezüglich
lehnung.“ Das ist falsch, das haben die beiden der Ursprungsfrage recht heterogen. Wort und
Absender auch nicht geschrieben, wie Hem- Wissen vermittelt in seinen Pädagogentagun-
minger selbst zitiert: „Die Berechtigung für gen und in der populären Literatur auch die
eine theologische Beurteilung von Evolutions- Schwierigkeiten einer naturwissenschaftlichen
lehren hängt nicht davon ab, wie gut oder Begründung einer jungen Erde. In Fachlitera-
tur und populärer Literatur sowie auf Tagun- Naturwissenschaft, offene Mechanismenfra-
gen wird also mit einer Zunge gesprochen. gen mit ein paar flotten Sprüchen zu überspie-
Auch das Buch „Creatio“ vermittelt diese len, sondern es geht darum, konkrete Entste-
Schwierigkeiten. So heißt es zum Beispiel in hungshypothesen zu formulieren, die sich
der Zusammenfassung des Kapitels über das dann im naturwissenschaftlichen Test bewäh-
Alter der Erde: „Auf die Frage, wie die hohen ren können. Genau dies geschieht hinsichtlich
radiometrischen Alter für die Gesteine einer der Bakterienflagellen in unserem kritischen
‘jungen’ Schöpfung begründet werden kön- Lehrbuch, ist aber für den ungenannten Biolo-
nen, steht eine schlüssige Antwort noch aus.“ gen wohl weniger interessant.
Das deckt sich mit dem, was in „Evolution –
ein kritisches Lehrbuch“ zu dieser Frage ge-
sagt wird. (Wir geben allerdings die Suche Wo steht die Evangelische Kirche?
nach Antworten nicht auf.) Vergleichbare kri-
tische Sätze finden sich auch in anderen Kapi- Befremdlich ist bei alledem schließlich der
teln von „Creatio“. Hemminger ist offenbar Schulterschluss zwischen einem kirchlichen
schlecht informiert, und damit erübrigt sich Weltanschauungsbeauftragten und einer Ar-
seine nachfolgende Vermutung: „Aber dieser beitsgemeinschaft, die laut Linkliste der expli-
Widerspruch muss wohl sein, denn Zweifel zit atheistischen Giordano-Bruno-Stiftung ähn-
am Kurzzeit-Kreationismus ... würden der Stu- liche Ziele wie diese verfolgt (http://www.
diengemeinschaft ihre Basis kosten. Dass die giordano-bruno-stiftung.de/Verbindungen/
Leitung des Werks nicht so kann, wie sie will, andere.html). Sollte es einen Kirchenmann
ist eine Vermutung, aber sie liegt nahe.“ Es nicht stutzig machen, dass die AG Evolutions-
liegt nicht nahe – es ist falsch. Hemminger mut- biologie mit scheinbar wissenschaftlicher Be-
maßt hier, statt sich der Fakten zu vergewis- gründung einen sogenannten ontologischen
sern. Naturalismus verfolgt? Über diese sehr deut-
Mit weiteren Unterstellungen dieser Art lich sichtbaren Ziele der AG Evolutionsbiolo-
geht es weiter, die nicht alle kommentiert wer- gie verliert Hemminger kein Wort. Man wür-
den können. Die Ausführungen gipfeln in der de sich als Christ wünschen, dass diese offen-
abwegigen Behauptung: „Man will nicht wirk- sichtliche Vermischung von Wissenschaft und
lich wissen, was der Fall ist.“ Dazu hat Martin Weltanschauung mit dem gleichen Eifer auf-
Neukamm, der Geschäftsführer der AG Evo- gearbeitet wird wie die scheinbar dem christli-
lutionsbiologie, in den Text Hemmingers fol- chen Glauben schadenden Aktivitäten von
gende Anmerkung angefügt: Evolutionskritikern. Dass dies auch eine wich-
„Ein Biowissenschaftler, der das ‚evoluti- tige Aufgabe für einen kirchlichen Weltan-
onskritische Lehrbuch’ von Junker/Scherer schauungsbeauftragten wäre, wird gerade un-
kürzlich erstmals las, schilderte (sic) mir einen ter dem Eindruck des Siegeszuges von
ähnlichen Eindruck. In einer persönlichen Dawkins „Gotteswahn“ in der Öffentlichkeit
eMail schrieb er: ‘… ich war schon etwas er- deutlich. Hier sind alle Christen betroffen, auch
staunt, wie wirklich wenig interessiert diese diejenigen, welche die Evolutionslehre akzep-
Herren daran sind, mal die Gedanken spielen tieren, wenn ihr Schöpfungsglaube überhaupt
zu lassen, um mögliche Erklärungswege… [für irgendeinen Inhalt haben und nicht in der In-
das Entstehen der Bakterienflagellen] zu fin- nerlichkeit der eigenen Psyche aufgehen soll.
den. Ich habe den Eindruck, das Motto ist: was Hier werden alle Christen angefragt, die die
nicht sein darf, das kann halt nicht sein, und Realität Gottes nicht nur als abstrakten Gedan-
darum bemühen wir uns auch nicht, Erklä- ken, sondern als existentielle Wirklichkeit be-
rungswege zu finden.’“ In Wirklichkeit wer- zeugen. Daher sei abschließend an die kirchli-
den gerade am Beispiel der Bakterienflagelle chen Weltanschauungsstellen der Wunsch ge-
verschiedene hypothetische Entstehungswe- richtet, diesen Part der Auseinandersetzung
ge ausführlich diskutiert. Der ungenannte Evo- zu übernehmen.
lutionsbiologe könnte ja auch eine Erklärung
vorschlagen. Es ist gerade nicht im Sinne der Reinhard Junker

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