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W+W-Disk.-Beitr.

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Ist Leben zufällig entstanden?


Kritische Argumente zur Synthese von DNS-Bausteinen
Harald Binder

Eine Schlüsselstelle für die Evolutionslehre stellt der von Nukleinsäuren nötigen Schritte kritisch beleuch-
Übergang von der unbelebten zur belebten Natur dar. ten.
Die erste Entstehung einfacher zellähnlicher Struktu-
ren wird dabei als zufälliges Resultat von molekularen Stickstoffbasen
Wechselwirkungen verstanden. In Modellen versucht
man, solche Vorgänge zu rekonstruieren. Bei einer m Cyanwasserstoff (HCN/Blausäure) erscheint als
naturwissenschaftlichen Behandlung der Frage der geeigneter Ausgangsstoff für die Synthese von
Lebensentstehung ist zu fordern, daß solche Modelle Stickstoffbasen. Aus fünf Molekülen HCN kann
mit physikalisch-chemischen Gesetzmäßigkeiten der die Stickstoffbase Adenin aufgebaut werden. Die
experimentellen Forschung verträglich sind. Alle chemische Synthese ergibt allerdings nur eine sehr
heute bekannten Lebewesen sind in elementarer Wei- geringe Ausbeute. Für die anderen Basen sind zu-
se mit Nukleinsäuren (DNS und RNS) verknüpft. Die sätzliche Ausgangsstoffe und komplexere Reakti-
Möglichkeit einer spontanen Synthese von Nuklein- onsbedingungen erforderlich, so daß deren Syn-
säuren als Basis der Speicherung, Verarbeitung und these unter unspezifischen präbiotischen Bedin-
Umsetzung von Erbinformation soll hier anhand expe- gungen entsprechend noch unwahrscheinlicher ist.
rimenteller Forschungsergebnisse diskutiert werden. m Für die Synthese müßten gleichzeitig alle äußeren
Randbedingungen wie Temperatur, Druck, Kon-
zentration, pH-Wert usw. exakt abgestimmt sein,
Nukleinsäuren bestehen aus drei Bestandteilen:
um überhaupt ein gewünschtes Produkt zu erhal-
- Stickstoffbasen: Adenin, Guanin (Purine), Cytosin,
ten. Dies ist auf einer frühen Erde äußerst unwahr-
Uracil, Thymidin (Pyrimidine) scheinlich.
- Zucker: D-Ribose (bei der RNS) bzw. 2-Desoxy-D- m Die entstandenen Stickstoffbasen müßten von ei-
Ribose (bei der DNS) nem großen Anteil von Verunreinigungen (z. T.
- Phosphorsäure: sie bildet die Brücke zwischen den sehr ähnlichen, aber für die Nukleinsäuren un-
einzelnen Nukleosiden (Stickstoffbasen + Zucker) brauchbaren Stickstoffverbindungen) abgetrennt
und ermöglicht über die Phosphorsäureester den werden. Ein natürlicher Prozeß hierfür ist unbe-
Aufbau von langen Molekülketten. kannt.

Will man die Entstehung von Nukleinsäuren durch Zucker


zufällige Reaktionen auf einer hypothetischen frühen
Erde erklären, so stößt man auf einige allgemeine m Als Ausgangsstoff für Zucker bietet sich Formal-
Schwierigkeiten: dehyd an. Unter geeigneten Bedingungen läßt sich
aus wäßriger Formaldehyd-Lösung ein süßer Zuk-
kersirup (Formose) gewinnen. Die Ausbeute an
m Über die Rahmenbedingungen auf einer hypotheti- Zucker vom benötigten Ribosetyp (Aldopentose)
schen frühen Erde bestehen große Unsicherheiten. ist verschwindend klein.
Daher ist es unklar, ob auf der Urerde genügend m Das gasförmige Formaldehyd muß für die Reakti-
organisches Ausgangsmaterial gebildet werden on zunächst erst einmal in geeigneter Form und
konnte. Konzentration zur Verfügung stehen. Die bekann-
m Energiereiche Ausgangsverbindungen für die ten Szenarien liefern dafür keine befriedigende
Synthesen müssen in ausreichender Konzentration Antwort.
und Reinheit zur Verfügung stehen. m Ribose muß aus dem entstandenen Zuckersirup als
m In den geologischen Formationen finden sich keine ein Spurenbestandteil isoliert d. h. von einem gro-
Überreste von präbiotischen „Ursuppen“. Diese ßen Überschuß anderer Zucker gereinigt werden,
sollten in den ältesten Schichten anzutreffen sein. was selbst heute einen erheblichen technischen
Es fehlt aber jede Spur davon. Aufwand erfordert. Präbiotische Modelle hierfür
sind unbekannt.
Da Nukleinsäuren jedoch essentieller Bestandteil aller m Ribose ist eine optisch aktive Verbindung, d. h. es
Lebewesen sind, müssen sie auf irgendeinem Weg existieren zwei Erscheinungsformen, die sich zu-
entstanden sein. Wir wollen einige der zur Synthese einander verhalten wie die linke und die rechte

DISKUSSIONSBEITRÄGE, BERICHTE,
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Hand. Beide entstehen bei der chemischen Synthe- Die bis hier vorgetragenen Argumente zielen auf die
se zu gleichen Teilen. In den Nukleinsäuren tritt präbiotische Entstehung von Nukleinsäuren ab. Die
ausschließlich eine Form auf. Für eine Trennung Nukleinsäuresynthese wird heute als erster Schritt auf
bzw. selektive Synthese existieren keine realisti- einem Weg, der auf natürliche Weise zum Leben
schen „Ursuppen“-Modelle. führt, angesehen. Dabei handelt es sich um eine über-
schaubare Folge von Reaktionen die wir zu einem
Nukleosidbildung großen Teil recht genau beschreiben können. Dessen
ungeachtet ist bis jetzt kein Modell beschrieben wor-
m Die unter verschiedenen Bedingungen und unter den, das die oben angeführten Argumente berück-
räumlicher Trennung synthetisierten und rein iso- sichtigt.
lierten Zucker und Stickstoffbasen müssen zu-
sammengeführt werden.
m Die Gegenwart von Wasser verhindert eine Glyko- Ein ganz entscheidender Aspekt wurde noch gar nicht
sidierung (Reaktion von Zucker und Stickstoffba- berührt und soll hier nur kurz angedeutet werden: die
sen). Die Modelle gehen aber in großer Überein- Nukleinsäuren als Informationsträger. Woher diese
stimmung von Wasser als bevorzugtem Lösungs- Information stammt, und wie sie in diesen chemischen
mittel aus. Strukturen der Nukleinsäuren ursprünglich codiert
m Die Bindung kann sowohl am Zucker als auch an wurde, ist Gegenstand umfangreicher Diskussionen
der Stickstoffbase an verschiedenen Stellen erfol- und Spekulationen, wobei hier der Bereich experi-
gen. Aber nur eine ganz spezifische Bindung zwi- menteller naturwissenschaftlicher Methoden über-
schen Zucker und Stickstoffbase liefert die Vor- schritten wird. Nukleinsäuren als Informationsspei-
aussetzung für die Ausbildung einer Doppelhelix, cher stellen hohe Anforderungen hinsichtlich Verviel-
wie sie bei Nukleinsäuren auftritt. Hier müßte fältigung (Replikation) und entsprechender Repara-
noch ein Mechanismus für die vollständige Ab- turmechanismen, um zu gewährleisten, daß vorhande-
trennung der falschen Verbindungen gefunden ne Information nicht wieder verloren geht.
werden, bisher ist keiner bekannt.

Nukleinsäurebildung Für eine zufällige Entstehung des Lebens sind noch


eine Vielzahl anderer komplexer Reaktionsfolgen
m Unklar ist bis heute, wie und in welcher Form die notwendig. Auch für diese gilt, daß bisher keine reali-
Phosphorsäure, die zur Ausbildung der Phosphor- stischen Reaktionswege beschrieben wurden.
säurediester-Brücke notwendig ist, bereitgestellt
werden soll.
m Die aktivierten Nukleotide (Zucker + Stickstoffba- Es ist wohl einer der schwächsten Punkte in der von
se + Phosphorsäure) müßten in genügender Kon- Evolutionstheoretikern angestrebten Kausalkette von
zentration und Reinheit zur Verfügung stehen. Erklärungen zur Entstehung und Entwicklung des Le-
m Die Polykondensation der Nukleotide zu einer li- bens, daß die systematischen experimentellen For-
nearen Polynukleotidkette unter Ausbildung einer schungsprogramme seit Millers Simmulationsexperi-
(von vielen möglichen) ganz spezifischen Phos- ment 1953 dazu geführt haben, daß die Entstehung
phorsäurediester-Brücke erfordert nach heutigen des Lebens in größerem Dunkel liegt als zu Zeiten
Kenntnissen einen erheblichen technischen Auf- Darwins.
wand, von dem nicht annähernd vorstellbar ist, wie
er auf einer hypothetischen frühen Erde ausgese- Literaturhinweis:
hen haben könnte.
Junker, R., Scherer, S.: Evolution – ein kritisches Lehr-
buch (Neuauflage von „Entstehung und Geschichte der
Wären gegen all diese kritischen Argumente auf einer
Lebewesen“). Weyel, Gießen, 4., völlig neu bearbeitete
frühen Erde dennoch Nukleinsäuren vorhanden gewe- Aufl. 1998; Kapitel 8. Weitere detaillierte Literaturanga-
sen, so müßte man für sie folgende Forderungen stel- ben finden sich dort.
len:
Weitere Exemplare dieses Blatts können kostenlos angefordert werden
m Schutz vor energiereicher Strahlung, die eine Zer- bei: SG WORT UND WISSEN, Rosenbergweg 29, D-72270 Baiersbronn,
störung bewirken würde. Nahezu alle Szenarien Tel. 0 74 42 / 8 10 06 (Fax 8 10 08), oder bei W+W-Medienstelle,
für eine frühe Erde gehen jedoch im Gegenteil von Heimgarten 2163, CH-8180 Bülach.
erhöhten Strahlendosen aus. Für Kosten bei Abnahme größerer Mengen wird eine Spende erbeten:
Sparkasse Hagen BLZ 450 500 01, Kto. 128 041 660; Postfinance CH-
m Ohne Schutzhülle und Reparaturmechanismen 4040 Basel, Kto. 80-76159-5.
sind einzelne Nukleinsäuren vor Wasser zu schüt-
Internetadresse: http://www.wort-und-wissen.de
zen, sonst erfolgt Hydrolyse.
Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN, Neubearbeitung 1997 (l.
Aufl. 1990) – kopieren erlaubt!

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